Im Haushaltsausschuss des Bundestages schlägt heute die Stunde der Aufklärer. Georg Schirmbeck wird mit dem Dienstwagen angereist sein, aus alter Übung. Vielleicht grübelt er über Ernährungsprofile, die beim Essen der Kanzlerin mit Josef Ackermann im vergangenen Jahr angefallen sein könnten. Er soll in eigener Sache zum Datenschützer mutiert sein, der über Bewegungsprofile besorgt ist. Immerhin hat er es mit mehreren Tagen Verspätung in die Süddeutsche geschafft. Bei Herrn Ackermanns Geburtstagsfeier in Berlin-Mitte soll dagegen Spargel gereicht worden sein, meint Frank Schirrmacher, und dokumentiert in einem belanglosen Artikel zu einem belanglosen Ereignis seine Grenzen. [Weiterlesen →]
Einer der Gründe, warum sich ein ZEIT-Abo trotz di Lorenzo und Joffé immer noch lohnt, heisst Kolja Rudzio. Der schreibt regelmäßig richtig gute Artikel abseits vom Mainstream, so auch wieder in der jüngsten Print-Ausgabe der ZEIT, die den Beitrag mit dem Titel “Exportweltmeister, ade!” aber offenbar selbst auch so gut findet, dass sie ihn partout nicht für lau ins Web stellen will. Für Freunde dieses Blogs ist die Message von Rudzio zwar beileibe nix neues, aber dennoch: man kann sie nicht oft genug wiederholen:
“Wie immer man die Nachfrage anzuregen versucht – auch Staatsausgaben und die Investitionen spielen eine Rolle -, das alleine wird nicht reichen. Eine starke Binnenökonomie kann es nur geben, wenn sich die Wirtschaftszweige verändern. Ein Strukturwandel ist nötig: weg von den vor allem auf den Export gerichteten Industrien hin zu mehr auf das Inland orientierte Branchen.”
“Viel ist schon gewonnen, wenn der Staat den Strukturwandel nur zulässt’, sagt Klodt, ‘ und sich nicht an die Industrie klammert, als ob das Wohl und Wehe alleine von ihr abhinge.’ Praktisch hieße das: Die Bundesregierung sollte eher keine Milliarden für die Abwrackprämie ausgeben mit der die exportabhängige Autoindustrie gestützt wird, sie sollte eher keine Milliarden für Opel zahlen und kein Geld für den Autozulieferer Schaeffler/Conti. All das dient vor allem dazu, die bestehende Wirtschaftsstruktur zu zementieren.”
Es kommt wirklich höchst selten vor, dass ich mein eigenes Denken so 1:1 in der Tagespresse wiederfinde, wie bei den vorstehenden Zeilen. Daher: Kolja Rudzio – 12 Punkte von der schwedischen Jury im diesjährigen Song Contest.
Kleiner redaktioneller Hinweis an die mitlesenden Jungs und Mädels aus der ZEIT-Online-Redaktion: wenn schon mal einer bei Euch richtig geiles Zeug schreibt, dann solltet Ihr das vielleicht auch online verfügbar machen, meint Ihr nicht, Ihr Süßen?