Respekt, Herrschaften. Inhaltlich will ich mich nicht darüber auslassen, was von diesem Beschluss der EU-Regierungen zu halten ist, ein 750-Milliarden-Rettungspaket für fußkranke Staaten aufzulegen. Der Schritt ist jedenfalls konsequent und signalisiert Entschlossenheit – das ist schon mal was. Nach all den Bailoutereien der letzten 24 Monate habe ich nichts anderes erwartet, ich schrieb es hier und andernorts.
Besonders gut finde ich allerdings dieses Zitat von Angela Merkel:
“Wir schützen in einer außergewöhnlichen Situation unsere Währung” und “Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland”, sagte Merkel am Montag im Kanzleramt. Das Paket sei notwendig, um die “Zukunft des Euro zu sichern”.
Und zwar aus zweierlei Gründen:
- Werden die politischen Prioritäten hier nochmals klipp und klar zum Ausdruck gebracht: Es geht um die Geldanleger.
- Habe ich es in meinem Buch genauso und nicht anders vorhergesagt. Ich habe das Manuskript bereits abgegeben und hätte mich schon geärgert, wenn ich den ganzen schönen Schluss nochmals umschreiben hätte müssen.
Meiner Meinung nach kann so ein Schritt nur in einer Vertiefung der politischen Union münden. Der Boulevard und die Wirtschaftsspalten sollten daher jetzt nicht sinnlos herummotzen, sondern sich dafür einsetzen, dass die politische Integration – und damit auch die Kontrolle – vorangetrieben wird.















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Wie sieht dann die Zukunft des Kapitalismus aus, wenn die Zinslast die 40-50%-Marke erreicht ?
Apropos “Papa”:
Auch bei uns in der Familie wurde am Wochenende über Griechenland , Schulden und nachfolgenden Generationen geredet.
Den mitleidsvoller Blick, der dann auf meinen Kindern ruhte, quittierte mein Erstgeborener ( 18 J. ) mit dem Hinweis, man spräche natürlich auch in seiner Clique darüber, käme aber mittlerweile zu dem Schluss, das vernünftigste sei wohl, später mal diese Schulden ebenfalls weiterzureichen.
Man muss also gar nicht Heinsohn kennen…
@Hochmut
“Zinslast” existiert nur brutto, nicht netto. Des Einen Zinslast, sind des anderen Zinseinkommen. Der Rest ist eine simple Frage von Steuerpolitik und Wählermehrheiten.
@Frankie
>das vernünftigste sei wohl, später mal diese Schulden ebenfalls weiterzureichen.
Schlauer Bursche, dein Sohnemann. Ob er das vom Vater hat? Und den guten Blogs, die der liest?
Der Boulevard und die Wirtschaftsspalten sollten daher jetzt nicht sinnlos herummotzen, sondern sich dafür einsetzen, dass die politische Integration – und damit auch die Kontrolle – vorangetrieben wird.
…but the channel islands may keep their status of splendid isolation, don´t they, darling ? Oh, what a lovely day, my dear.
Latsi-Schatzi, bring me some champagne…
@wgn
Hast Du das in Deinem Buch berücksichtigt ?
@ WGN
Zitat:
“… und damit auch die Kontrolle – vorangetrieben wird.”
Soll man jetzt lachen?
Oder sich fürchten?
@Hochmut
>Hast Du das in Deinem Buch berücksichtigt ?
Nein – das mache ich im nächsten.
@Lebemann
>Oder sich fürchten?
Wovor? Der Nationalstaat ist ein reines Kunstgebilde, gewisse strukturelle Entscheidungen auf ein supra-nationales Gebilde zu übertragen schafft lokal eher Freiheiten denn Unfreiheiten.
“Bemerkenswert ist die besondere, mit einem Gesetz vom 19. Dezember 1974 festgeschriebene, politische Abhängigkeit der Staatsbank, wonach der Präsident der Bank zugleich dem Ministerrat angehörte. Die Staatsbank war Organ des Ministerrates der DDR.
Die Weisungsgebundenheit des Notenbankchefs ist allerdings auch in anderen Staaten vorhanden. ”
Wer schreibt denn diesen fettgedruckten Unsinn bei wikipedia ?
http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsbank_der_DDR
Die Weisungsgebundenheit des Notenbankchefs ist allerdings auch in anderen Staaten vorhanden.
zynisch ist: es ist ziemlich egal, ob und an wen wir die schulden weiterreichen. denn wir haben die ursachen der krise bis heute nicht erkannt und nicht bewältigt und werden nochmal durch müssen. die spirale dreht sich aber weiter und in der nächsten runde sind die paar milliarden auch nur peanuts im vergleich.
ich denke, daß wir die finanzmärkte strikt regulieren müssen, um die spekulation einzudämmen zu können. vielleicht müssten wir sogar den bankensektor komplett verstaatlichen/ vergesellschaften. was dem neoliberalen meainstream doch sehr entgegensteht.
@ WGN, # 9
Zitat
“… gewisse strukturelle Entscheidungen auf ein supra-nationales Gebilde zu übertragen schafft lokal eher Freiheiten denn Unfreiheiten. ”
Dies ist eine sehr interessante Apologie für eine Form von imperialer Konstruktion, die, wiewohl in keiner wesentlichen Weise legitimiert, das Ganze beherrscht um im Einzelnen ein Mehr an Freiheit zu schaffen.
Es wäre sehr interessant wenn wenigstens ein einziges, kleines Beispiel aufzuführen wäre. Ich denke gerade daran das das Land Berlin ein Gesetz für Seilbahnen erlassen muss. Obwohl es dort keine gibt.
Zentralistische, nicht legitimierte und dem Volk nicht verantwortliche Strukturen schaffen kein mehr an Freiheit. Haben sie noch nie, werden sie auch nicht.
@holger
Einen klaren Blick braucht man schon, wenn man sich von diesen Clowns nicht enteignen lassen will. Wenn der Euro erhalten werden sollte (ich war, bin und werde kein Euroanhänger), dann war dieser Gigabailout durch die EZB von vornherein die einzige gangbare Lösung. Mir war das klar, darauf hatte ich spekuliert. Das zum lachenden Auge. Tja, der Erfolg klingt nach Schampus.
Ich verfolge das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zwiebel ist nicht mein Ding, da tränen einem beim Schälen ja die Augen.
Frau Kanzlerin vergaß zu erwähnen, dass wir mit unserem Sozialabbau der vergangenen 10 Jahre die Party finanziert haben, jetzt bezahlen wir auch den Kater danach, ebenfalls mit weiterem Sozialabbau. Bundesbankpräsident Weber hatte wohl die Illusion, dass der Euro eine “Hartwährung” würde. Er war eifriger Forderer und Befürworter der rot – grünen “Reformen” und der umtriebigen Machenschaften der schwarz – roten Koaliation. Deutschland gewährleistete zusammen mit den Holländern die € – Stabilität. Damit ist es jetzt vorbei.
Die Deutschen werden für ihre Anleihen, auch der Schulden für die irren bailouts, jetzt höhere Zinsen zu zahlen haben. Warum soll man 3,2 % – Bundesanleihen nehmen, wenn die Schrottanleihen der Mittelmeeranrainer meinetwegen garantiert 6% bringen ? Hohe Zinsen auf Staatsanleihen führen ziemlich direkt in “Sparanstrengungen” – die kennen wir seit 10 Jahren in beachtlichem Ausmaße, das nebenbei ziemlich beachtliche Teile der “Mittelschicht” verarmen ließ. Das ist auch die Zukunft. Soweit zum weinenden Auge.
Das Einzige, mit dem die Politik weiteren Schaden vom deutschen Volk (er war schon vor schwarz – gelb enorm) hätte abwenden können, wäre der Austritt aus dem Euro gewesen. Das war, nachdem die EZB und Politik seit Monaten nach dem Muster “was kümmert mich mein Geschwätz von gestern” handelte, nicht wahrscheinlich.
Es geht in eine Japan – Krise, die sich gewaschen hat. Echte Inflation und sinkende Realeinkommen (Kaufkraft) sind Humbug. Die Gewinner sollten klar sein. Traurig, aber null Problemo. Na ja, etwas schizo ist das schon. Packen wir es an.
Alles unterhaltsam hier. Ich weiß nur noch nicht, ob ich über den Galgenhumor lachen soll.
Der Finanzminister “erkrankt”
Die Kanzlerin politisch tot
Die Bundesbank in leichenstarre.
Das letzte Wochenende war der nukleare Enthauptungsschlag gegen Deutschland. Mal sehe, was jetzt für Ratten aus den Löchern gekrochen kommen…
äh…
wofür hat man noch mal gleich den Bernie Madoff eingebuchtet… ?
Ein bold move ist aber auch immer einer, der einen zu großen Schritt in die falsche Richtung führt …
Ich glaube, dass der Kredit so ziemlich nix löst. Das Doppeldefizit der Griechen bleibt und wenn sich daran nix ändert, haben wir nur 5 Jahre gewonnen. Bis es dann richtig knallt.
Ich weiss, ich habe in den letzten Tagen auch immer einen mutigen Schritt gefordert. Aber eher einen, der zwei bis drei Jahre Zeit gewinnt. Und die sollte man nutzen, um sich wirklich Gedanken zu machen: Entweder um einen Rahmen für Staatspleiten zu schaffen und/oder für einen Euroaustritt.
Nur wenn ich mir die Ergebnisse der Bankenpleiten/-rettungen anschaue, kann ich da wenig Hoffnung entwickeln. Die Banken, die vor Too-big-to-fail waren, sind jetzt noch größer, die Bilanzen, die vorher undurchschaubar waren, sind jetzt noch intransparenter geworden und die geplanten, strengeren Eigenkapitalanforderungen noch weiter in die Zukunft verschoben. Tolles Ergebnis
@soffi
Aus dem gleichen Grund, aus dem Prometheus bestraft wurde: Er hat den Göttern das Feuer geklaut.
“Zentralistische, nicht legitimierte und dem Volk nicht verantwortliche Strukturen schaffen kein mehr an Freiheit. Haben sie noch nie, werden sie auch nicht.”
Man möge sich doch eine gewisse Russische gelassenheit angewöhnen Moskau ist weit weg… sagt man sich in Nowosibirsk…
Im März zum widerholten Male alles gefordert:
http://dokumente.linksfraktion.net/drucksachen/7731504158_1701058.pdf
Im Wettrennen der Druckmaschinen könnte die EZB verlieren. Currency Default Swaps lassen sich schneller drucken als Euros.
@ wgn
genau. und als kleine aufmerksamkeit für prometheus´ tat schuf der götterchef Zeus ein holdes mädchen, nannte sie Pandora, und schickte sie zur erde. das Übel in gestalt einer schönheit.
nun drohen uns 750 mrd. neue schönheiten….
“Das letzte Wochenende war der nukleare Enthauptungsschlag gegen Deutschland. Mal sehe, was jetzt für Ratten aus den Löchern gekrochen kommen…”
Schäuble tritt zurück.
Koch wird neuer Finanzminister.
Schröder-Köhler tritt vom Amt der irgendwas-mit-Frauen-und-Kindern-Ministerin zurück und wird neue MP in Hessen.
Uschi v.d. Laien wird wieder Familienministerin und kann Stoppschilder ausdrucken.
Rüttgers geht nach Berlin und wird Arbeitsminister.
2011 wirft Merkel hin, Wulff wird neuer Bundeskanzler, Steinbrück wieder Finanzminister – er ist ja soooo kompetent – oder besser noch, Asmussen wird Finanzminister und Koch wird dann Bundesbank-Chef.
Damit wären doch alle zufrieden, oder?
…mir wird schlecht…
> …mir wird schlecht…
Haben die 750, pardon 500 Mrd. auch Junior-Status?
Alter EU ist mit diesem Paket Geschichte. Ich denke dass nächste (nicht schnelle) Schritt wird drastische Steuererhöhung für Reiche. Das wird natürlich nicht sofort passieren, ehe in einem Jahr oder sogar in zwei. Aber dieser Schritt ist unvermeidlich weil hier die einzige Geldquelle ist, welche noch angezapft werden kann.
Die weitere Richtung ist ziemlich offensichtlich und die führt zurück. Alles was in letzte 20 Jahren befreut war wird wieder gefesselt.
…Menschen werden wieder Kinder gebaren können.
Für Alle,die es bei dem Getöse nicht gemerkt haben:
Es handelt sich bei dem Hilfspaket zur “Stabilisierung” des Euro um nichts weiter ,als um einen Bailout für Banken und “Investoren”.Diese erhalten für ihre Ramschanleihen 100% ,der Steuerzahler zahlt.Wie gewohnt.
Sehr viel billiger hätte man den Euro und die PIGS durch Ankauf ihrer Anleihen zum aktuellen Kurs ,der z.T. wohl nur noch bei 25% liegt ,”retten” können.Dies hätte die Kurse stabilisiert und gleichzeitig sogenannten Spekulanten Verluste beschert.Wobei sowieso die Frage im Raum stehen bleibt wer eigentlich die sogenannten Spekulanten sind und wer die sogenannten Märkte.
Ganz nebenbei : Die Wetten auf Währung oder Kurse benötigen immer einen Gegenpart.Wer wettet auf steigende Kurse für Griechenanleihen ?
Mir scheint, “Stablisierung” avanciert gerade zur “Frontbegradigung” des 21. Jahrhunderts…
Endsiegstimmung breitet sich aus…
Wollt ihr den totaaalen, fataaaalen, ideaaaalen Krieg gegen den demokratisch legitimierten Staat? Hier habt ihr ihn. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ist in Europa völlig ad absurdum geführt. Ab jetzt kommt nur noch absurdes Theater. Bis das ganze System in einer tiefen Spalte im Boden verschwinden und ein post-demokratisches Monster heraufzieht. Begründung: TINA….
Wollt ihr den totaaalen, fataaaalen, ideaaaalen Krieg gegen den demokratisch legitimierten Staat? Hier habt ihr ihn. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind in Europa spätestens seit gestern völlig ad absurdum geführt. Ab jetzt kommt nur noch post-absurdes Theater.
Bis das ganze System in einer tiefen Spalte im Boden verschwinden und ein post-demokratisches Monster heraufzieht. Begründung: TINA….
Auch wenn jetzt beim Herumhantieren mit elfstelligen Beträgen die neunstelligen Peanuts wieder aus dem Blickfeld zu geraten drohen – hier ist trotzdem ein schöner investigativer Artikel zum Thema Hypo Alpe Adria und krimineller Günstlingskapitalismus:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0510/politik/0009/index.html
Äh… zwölfstellig und zehnstellig muß es natürlich heißen. Man verliert ja schon völlig die Übersicht. Aber gut, wenn die Jungs an Wall Street sich angeblich gleich um drei Stellen vertun…
Ihre Perspektive für Europa, die Sie mit ‘Politische Integration u n d Kontrolle’ beschreiben, stammt aus der Logik des Weiter-So in der Systemkrise. Diese Logik ist aber eine, die den Systemcrash als Ende der Systemkrise, und damit als ‘Systemlösung’ honeckerblind akzeptiert. Wie kann man die Signale auf eine Zukunft der Industriegesellschaft-ohne-Wachstumszwang so verkennen.
Angela Merkel redet sehr verantwortungsvoll von der Priorität einer stabilen Kurzfristperspektive, weil sie diese Phase braucht und nutzen will, um den Exodus aus dem 2%Wachstumszwang-Regime der KAPITALstock- und SCHULDEN-Maximierer (= Kapitaleinkommens-Maximierer) im Konsens mit vielen anderen Regierungen zu starten. Aus meiner evolutionären Sicht geht Angela Merkel und die EZB keinerlei finanzielles Verlustrisiko ein. Der Exodus wird die Einkommensströme zwischen arbeits- und risiko-freien Kapitaleinkommen einerseits und Leistungseinkommen andererseits revolutionieren. Den ‘Angriffskrieg gegen die EURO-Zone’ werden die Angreifer sehr, sehr teuer bezahlen müssen. Diese Angreifer sind wie Sie, Herr Strobl, honeckerblind gegenüber dem, was sich für Evolutionsphysiker mehr als sicher abzeichnet, und können die Perestroika-Signale nicht interpretieren.
@Kaluppner
Was kam denn nach “Perestroika”?
Na?
Immer noch nix?
Ja, Richtig, Günstlingskapitalismus.
Wird sicher toll, wenn im wachstumsfreien Kapitalismus dann alle gesellschaftlichen Ressourcen aufgewendet werden müssen um die Kristallpaläste der Oligarchen zu unterhalten…
Integration – und damit Kontrolle – wird es frühestens kurz vor der Implosion geben, ganz egal was der Boulevard und die Wirstschaftsteile schreiben. Europa fehlt die Einigkeit der USA. London kann sich bis heute nicht entscheiden, Talinn würde es zur Not immer für sich selbst. Nur um Beispiele zu nennen.
Ich finde die Idee gar nicht so abwegig. West-Berlin war zwar eingemauert, aber gerade deswegen die wohl freieste Stadt der Welt, was u.a. mich als einzelnen Menschen angeht. Das gute war eben, die “Bestimmer” waren weit weg und hätten sich nie und nimmer damals da hin getraut.
P.S. @froz (#33) und wgn/luebberding
Was ist eigentlich aus diesem angeblichen Tippfehler geworden? Wobei Tippfehler ja nun schon mal gar nicht sein kann, man tippt doch nicht mal eben ein paar Nullen zuviel vor das Komma.
Frage mich, was ein politische Integration bringen und wie sie funktionieren soll, wenn es noch nicht einmal mit dem Euro klappt.
@ Alvar Hanso #35
Das als Reaktion auf Herrn Kalupner klingt allerdings eher honekerphob als analytisch.
Sind die aktuellen Oligarchen tatsächlich die bessere Wahl? Der Abwärtstrend der letztend drei Dekaden spricht doch deutlich dagegen.
kilgore
Einmal hier hinsehen:
http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/05/11/226706/thursdays-crash-might-really-have-been-a-black-swan-event/