Muss Deutschland weniger deutsch werden?

von weissgarnix am 11. März 2010

Die Deutschen möchten, dass ihre Nachbarn sein sollen, wie sie selbst. Was sie nicht verstehen: Sie selbst können nur so sein, wie sie sind, weil alle anderen nicht so sind.

So in etwa die Quintessenz eines genialen Beitrags von Martin Wolf in der FT zu Thema Griechenland.

Was macht man am besten mit den „Sündern“, fragt er darin zunächst. Wie soll man mit ihnen umgehen? Soll man ihnen finanziell unter die Arme greifen und damit womöglich die finanzielle Stabilität gefährden? Oder soll man sie einfach fallen lassen und damit das Projekt „Europäische Integration“ mittelfristig ad acta legen?

Früher, als jedes Land noch seine eigene Währung hatte, da musste man sich derartigen Fragen nicht stellen: die „Sünder“ werteten ihre Währung einfach relativ zur D-Mark ab, und gut war’s. Nicht schön, nicht elegant – aber hey: Haltungsnoten gibt’s in derlei Fragen eh keine.

Mit dem Euro wurde das alles anders, und der Euro ist – so meint jedenfalls Wolf (und ich stimme ihm zu) – zentraler Bestandteil der europapolitischen Agenda Deutschlands. Was für die Technokraten in der Politik aber nur abstraktes Leitmotiv, ist für die deutsche Öffentlichkeit die Forderung nach Universalität deutscher Tugenden: Wenn die Griechen, die Spanier und die Italiener unsere schöne D-Mark mit uns teilen, dann mögen sie bitte alle bei der schwäbischen Hausfrau und ihrem fleißigen Ehemann in die Schule gehen. Und zukünftig so sparsam und so fleißig sein wie wir. Sind sie aber ja nicht, ganz im Gegenteil: Ihre Regierungen huldigen dem Schlendrian und der Misswirtschaft, und geben das Geld aus, als gäbe es kein Morgen.

Aber, so Wolf, das könne ja nicht stimmen: Die ganze Rede von der “fiskalischen Disziplin” als größte Bedrohung sei ja ziemlicher Unsinn. Die Instabilität resultiert keineswegs aus fiskalischem Verhalten, sondern aus privatem. Denn:

„Die Salden aus Einnahmen und Ausgaben in den privaten, öffentlichen und ausländischen Sektoren müssen in Summe auf Null aufgehen. In 2006 verzeichneten die privaten Sektoren in Deutschland, Österreich und den Niederlanden riesige Überschüsse (relativ zum BIP), während die privaten Sektoren Portugals, Griechenlands und Spaniens hohe Defizite aufwiesen. Die öffentlichen Haushalte schienen hingegen überall unter Kontrolle. (…)

Dann kam die Krise: überschuldete Privatsektoren schränkten ihre Ausgaben ein. In 2009 verzeichneten sie quer durch die EU plötzlich alle Überschüsse. Und verhielten sich damit wie die Deutschen. Wo fand der Ausgleich statt? In den öffentlichen Defiziten. (…)“

Und jetzt kommen also die Deutschen, und verlangen, dass diese Länder alle ihre fiskalischen Defizite reduzieren müssten – so schnell wie möglich. Aber das geht natürlich nur, wenn entweder das Ausland bereit ist, stärker ins Obligo zu gehen; oder wenn die privaten Sektoren ihre Spartätigkeit aufgeben und wieder mehr konsumieren.

Erstere Lösung scheitert innerhalb der EU vor allem an einem Land: Deutschland. Und die nationale Konsumlösung wird auch nicht funktionieren, wenn man die „Sünder“ auf Sparkurs zwingt. Eine Erhöhung des Leistungsbilanzüberschusses der gesamten EU wäre denkbar, würde aber vermutlich gegenläufige Maßnahmen seitens der USA und China nach sich ziehen.

In seinem Schlussabsatz entdeckt Wolf den deutschen Philosophen Hegel: „Die deutsche These verlangt nach einer spanischen Antithese. Wenn der Rest der Eurozone „deutscher“ werden soll, dann muss Deutschland weniger deutsch werden.“

Bleibt mir nur, Wolf vollinhaltlich zuzustimmen. Entweder wir finden einen Weg, wieder mehr zu konsumieren statt nur zu exportieren und zu sparen; oder wir finden auf EU-Ebene zu einem kompensatorischen Finanzausgleich; oder der ganze Laden fliegt uns in nicht allzu ferner Zukunft um die Ohren.

{ 105 Kommentare… Lesen Sie sie nachfolgend oder schreiben Sie einen }

1 SUCRAM März 11, 2010 um 11:15

Lösung: Kompensatorischer Finanzausgleich hiesse, die Exzesse der Verschuldung ohne Grenzen nach hinten abzusichern. Es brauch sich dann keiner mehr Sorgen zu machen, ob er seine Schulden zurückzahlen kann oder nicht, irgendein Depp wird dann schon einspringen. M.E. ausgeschlossen.
Lösung: Mehr Konsum. Hier in Spanien z.B. sehr fraglich. Hohe Arbeitslosenquote, viel Geringverdiener, hohe Preise, kaum staatliche Transferleistungen. Wie soll der Konsumrausch angeheizt werden? Wovon? Durch noch mehr private Verschuldung? Die ist auch nur noch schwer möglich, da Kreditvergabe stark eingeschränkt aus Mangel an ausreichenden Sicherheiten. Also am Beispiel Spaniens wird das so nichts.
Nun, was bleibt denn da noch?
Gruss

2 genova März 11, 2010 um 11:47

Jetzt müsste man dieses Thema von der volkswirtschaftlichen Ebene auf eine geisteswissenschaftliche heben, dann würde es so richtig interessant. Stichworte: Deutschland, das die halbe Welt niederringt, Krieg mit anderen Mitteln, Angst vor Fremdem, Stärke des Ressentiments etc.

Mit anderen Worten: Woher kommt das Phänomen, dass Deutschland geradezu zwanghaft immer die Nummer eins sein möchte? Und das auch noch schafft auf Kosten der eigenen Bevölkerung und anderer?

3 Demokratie ohne Demokraten März 11, 2010 um 11:52

@WGNX
,,Und jetzt kommen also die Deutschen, und verlangen, dass diese Länder alle ihre fiskalischen Defizite reduzieren müssten – so schnell wie möglich. Aber das geht natürlich nur, wenn entweder das Ausland bereit ist, stärker ins Obligo zu gehen; oder wenn die privaten Sektoren ihre Spartätigkeit aufgeben und wieder mehr konsumieren.”
Wer verlangt was? Du darfst die korrupte Bankenelite und deren Vertreter in Politik und Gewerkschaft nicht mit der Bevölkerung gleichsetzen.

Im Nachbarforum übrigens ein guter Artikel von Franz Walter über Implosion SPD, die aus meiner Sicht parall zur Implosion demokratischer Strukturen in diesem Land führt. Was bleibt sind vereinzelte intellektuelle Strukturen, die unfähig die Macht der Banken in diesem Land aufzuhalten zur nächsten Stufe eines Turbo Kapitalismus führen wird. Es läuft darauf hinaus, dass die deutsche Politik die Geldwirtschaft treiben wird. Die Franzosen steuern ihre Kultur hinzu. Engländer sorgen für Entertainment und mit der BBC für einen guten Nachrichtensender und gelebt wird woanders.

Die Deutschen werden sich mit ihrer den Wirtschaftsinteressen einiger Grosskonzerne anbiedernden Politik in Europa nicht beliebt machen. Man darf sich aber nicht täuschen. Deutsche Politik wird nicht von der Masse getragen. Die schweigt nämlich. Ausserdem ist EU nicht Europa. Aus meiner Sicht gilt es zu differenzieren.

Schon mal ein schönes Wochenende allerseits ;)


,,Insofern scheinen ernstzunehmende und konzeptionell überzeugende Gegner des Kapitalismus kaum noch auszumachen. Der nahezu ungedrosselte kapitalistische Expansionismus der vergangenen 20 Jahre hat zwar etliche Opfer produziert, aber der Opferstatus gebiert offenkundig keine selbstbewusste “Klasse für sich”.”

QUELLE :http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,682832,00.html

4 Tarantoga März 11, 2010 um 12:02

Man fragt sich wirklich, was an diesen einfachen Zusammenhängen so schwer zu verstehen ist. Wenn Deutschland bei den technologisch bedingten Produktivitätsgewinnen vorne liegt, dann müssen die deutschen Löhne dauerhaft stärker als die der anderen Länder steigen oder der Euro fliegt uns um die Ohren.

5 Nanuk März 11, 2010 um 12:10

@wgnx
Spätrömische Dekadenz??
Für solche Forderungen wird man in Deutschland Standrechtlich erschossen… wir schicken keine Truppen mehr um Kreta zu besetzen nein wir kaufen es einfach. Attacke Volkssturm…
http://www.youtube.com/watch?v=RUdyqJuJOAs

6 holger März 11, 2010 um 12:41

Was für eine dusslige Frage:

Muss Deutschland weniger deutsch werden?

kann Deutschland überhaupt weniger deutsch sein?

Muss Mexico weniger mexikanisch werden?

Muss China weniger chinesisch werden?

Muss Griechenland weniger griechisch werden?

Muss Tofu nach nix schmecken?

7 weissgarnix März 11, 2010 um 12:45

@Demokratie ohne Demokraten

Danke für den Link. Walters Ansicht ist interessant vor dem Hintergrund des hier unlängst vorgestellten Jean-Claude Michéa, oder auch Autoren wie Antonio Negri. Aus der “Arbeiterklasse” kann sich in meinen Augen alleine schon deshalb nichts mehr entwickeln, weil es sie schlicht und ergreifend so nicht mehr gibt (wenn es sie in den letzten 100 Jahren gegeben haben sollte). Negris Begriff von der “Multitude” führt hier eher zum Ziel. Aber besagte Multitude ist eben ausnehmend heterogen, von ihrer Einbettung in Wohlstandsniveaus und soziale Milieus aus betrachtet. Insgesamt glaube ich, dass die Volksparteien daher alle miteinander auf dem absteigenden Ast sind.

8 Demokratie ohne Demokraten März 11, 2010 um 12:54

@weissgarnix
Ich hatte Walter nicht in der Weise verstanden, dass er mit Opfer des Kapitalismus eine “Arbeiterklasse” oder deren Abkömmlinge bezeichnete. Auch das Argument, dass es uns allen immer noch materiell relativ gut ginge reicht für mich zur Rechtfertigung der Beobachtung fehlender intellektueller Gruppen in der deutschen Gesellschaft nicht aus. Es wird in Deutschland nur noch pro Wirtschaftsinteressen diskutiert. Kritische Stimmen sind in das Kabarett migriert.

9 weissgarnix März 11, 2010 um 12:59

@DoD

>Es wird in Deutschland nur noch pro Wirtschaftsinteressen diskutiert.

Das stimmt allerdings. Warum das so ist, wäre mal eine genaue Analyse wert.

10 Nanuk März 11, 2010 um 13:00

@wgnx
“weil es sie schlicht und ergreifend so nicht mehr gibt ”

Natürlich gibt es die die haben heute nur alle ein Dipl.Ing. vor ihrem Nachnamen… und dürfen sich Angestellte nennen und in 10 Jahren sind das alles Manager… usw usw…

11 holger März 11, 2010 um 13:05

@ Nanuk

Pätschelor heißen die, oder Master, Pätschelor Penuncia Pilatus Phalus :D

12 Nanuk März 11, 2010 um 13:08

@holger
Ach ja stimmt… Sprachverwirrung hat schon immer geholfen Machtstrukturen in Zement zu giessen.

13 Ashitaka März 11, 2010 um 13:09

Die EU-Kommission erarbeitet für ihre Agenda 2020 eine europäische Finanzgovernance. Der Vorschlag Schäubles wurde laut Fragestunde vom 09.03.2010 (Debatte auf EU-Webpräsenz) aufgenommen, ließe sich jedoch nicht als kurzfristige Stabilisierung umsetzen. Für weitere Rettung sieht Barosso dies jedoch als notwendig an! (Wortlaut) Die Steuerpolitik soll durch die Agenda 2020 eine europäische Vereinheitlichung erfahren.

Perestrojka auf Hochtouren.
Deutschland?!
Der wichtigste Antrieb dafür, eben wegen der Antithesen!

Grüßend,

Ashitaka

14 Nanuk März 11, 2010 um 13:29

@holger
Ich komm einfach nicht mehr mit ich bin abgehängtes Präkariat…
http://www.youtube.com/watch?v=L0EkxzIGBQQ

15 Martin März 11, 2010 um 13:34

Ich könnte mir viele alternative Lösungen vorstellen:

1. Griechenland wird neues deutsches Bundesland, oder
2. Die EU streicht ihre Subventionen. Dafür dürfen/müssen im Ausland arbeitende Europäer ihre Einkommensteuer / Sozialabgaben in ihren Geburts- und Heimatländern abführen (Kompensation für Brain Drain).
3. Auf jeden Fall würde ich Finanzministerien aus den nationalen Regierungen herausnehmen, und im Euro-System unter EU-Kontrolle stellen.

16 weissgarnix März 11, 2010 um 13:35

@Nanuk

Klassen-Semantik hin oder her – ich glaube nicht, dass jemand mit 200K Einkommen die gleichen politischen Interessen hat, wie jemand mit 20K Einkommen.

17 Nanuk März 11, 2010 um 13:39

@Wgnx
Ausser der Erhaltung des Status quo sicher nicht aber das war schon bei den ach so Revolutzenden Arbeitern so… darum ist das mit der Weltrevolution ja auch kräftig in die Hose gegangen…

18 Nanuk März 11, 2010 um 13:44

Denn die Gearschten waren während der Industrielle Revolution nicht die Arbeiter sondern die Handwerker und die Bauern… und um den Abschaum muste sich wer Kümmern? Die Kirche wie immer…

19 Pacifist März 11, 2010 um 13:48

@Taratoga #5
>Wenn Deutschland bei den technologisch bedingten
>Produktivitätsgewinnen vorne liegt, dann müssen die deutschen
>Löhne dauerhaft stärker als die der anderen Länder steigen oder
>der Euro fliegt uns um die Ohren.
Vielleicht sollten wir schonmal ein paar neue Bauplätze für germanische Pyramiden suchen. (An preiswerten Arbeitskräften mangelt es ja heutzutage nicht mehr.) Die Steine können ja aus Griechenland importiert werden – schon stimmt die Aussenhandelsbilanz wieder und der Euro ist gerettet…

Oder aber die Oberschicht in Deutschland entwickelt ein zunehmendes Interesse an gutbezahlten Dienstboten (der typische Hofstaat im Neofeudalismus ist ja durch den Effizienzwahn viel zu sehr nach dem on-demand-Prinzip ausgedünnt worden), schlägt die Kosten auf die Exportpreise drauf und bringt so alles wieder ins Lot.

Es gäbe so viele Möglichkeiten…

20 holger März 11, 2010 um 13:54

@ Nanuk

Pätschelor Pontius Penuncia Pilatus Phalus Est (PPPPE)

SPQR

21 Degnaphta März 11, 2010 um 14:07

Auf phoenix durfte Prof (Un)Sinn mal wieder an einem Sabbelquartett teilnehmen. Neben ihm noch ein Professor, der als Euro-Gegner unterschrieben war, sowie ein Schimpfer auf die Anti-Griechenland-Spekulanten und ein Schweiger ohne erkennbare Position.
Wir schenken Griechenland das nötige Geld, war eine der Sinnschen Thesen. Das würde aber die Würde der Griechen verletzen, wandte der Euro-Gegner ein.
Und wer wäre das nächste Land, das als Opfer der Spekulanten herhalten solle, war dann der besorgte Beitrag des Schimpfers.
Oder Griechenland müsse raus aus dem Euro, lautete des klügsten Professors Deutschlands nächste These.
Geht nicht, weil ist nicht … nur wenn sie es selber wollen pipapo war dann das KO-Kriterium. Und wer würde das nächste Opfer der Spekulanten, wußte der Schimpfer beizutragen.
Und irgendwie wurde darüber spekuliert, daß Griechenland ‘abwerten’ müsse, was aber nicht ginge … und so drehte sich der Kreis der Unmöglichkeiten.
Fazit: Klappt Alles nicht, aber wir machen weiter so!
Die Moderatorin hätte lieber beim Morgenmagazin bleiben sollen. Da dürfen (müssen?) die Schnackfratzen nämlich den intellektuellen Ball möglichst flach halten. Das konnte sie besser.

Also Frage in die fachlich versierte Runde:
Wie macht man nun aus störrischen Hellenen duckmäuserische Deutsche. Bleibt wirklich nur der Inselkauf?

22 Marc März 11, 2010 um 14:12

“Entweder wir finden einen Weg, wieder mehr zu konsumieren statt nur zu exportieren und zu sparen…”

DEEEN Privatsektor gibt es nicht. Ebensowenig wie DIEEE Sparer. Die Pole sind der Sparer, der einfach nicht noch mehr konsumieren kann und der Nichtsparer, der alles in den Konsum stecken muß.
Mittendrin steckt die Mittelschicht, welche für Gesundheit und Rente zurücklegen soll und jeden Tag auf den Titelseiten mit neuen Unwägbarkeiten des Lebens erschreckt wird.
Wo soll da der Konsum herkommen?

Also wenn es schnell gehen soll, dann helfen hier nur Zwangseinkommen und Zwangskonsum. Zwangseinkommen wäre Vertrauen auf die morgige Einkommenssituation. Für mich zählen dazu Kündigungsschutz, Mindestlohn (stufenweise Einführung) und/oder negative Einkommenssteuer, günstige Kredite, auf absehbare Zeit keine Erhöhung diverser Abgaben. Sowas in der Richtung. – Zwangskonsum wäre die Festlegung neuer Richtwerte für Haus/Auto/Elektro/Emissionen/Verbräche etc.

Jetzt kann man das alles ganz gruselig finden. Aber dann kann man auch das Palaver vom Pferd was endlich fressen soll beenden.

23 Nanuk März 11, 2010 um 14:23

“Wie macht man nun aus störrischen Hellenen duckmäuserische Deutsche.”

Falsche Frage. Die Frage muss lauten wie macht man aus duckmäuserischen psychisch kaputen Harzlern stolze Helen… da gibt es tausende von Dingen die man tun kann.Nur Repression steht nicht auf der Liste.

24 enrico März 11, 2010 um 15:01

träume ich als Breitmaultölpel in der Nacht…
….wird alles wieder gut.

Muss Deutschland weniger deutsch werden? Das ist so, wie wenn man fragen würde, ob die Deutschen nicht einmal versuchen sollten, ihre eigenen Denker ernst zu nehmen. Gewiss das wäre sehr un-deutsch, das zu tun. Muss es denn immer gleich so radikal sein? Wir wollen ja niemend verstören.
Ts Ts Tsaziki.
Im übrigen muss man da doch immer erst einmal den Vorgesetzten fragen. Die gestellte Frage können Deutsche also deshalb nicht selbst beantworten. Zumindest so lange es niemand gibt, der ihnen sagt, was sie darauf antworten dürfen. Würden sie selber darauf kommen, wären sie dann eben nicht deutsch sondern deutsche Denker, aber die nimmt man lieber nicht ernst, weil man ja nie weiß.
Im Grunde sollte man die Deutschen unter Naturschutz stellen, so wie auch z.B. der gemeine Breitmaultölpel oder die schwanzlose Fieselzirpe von der Weltgemeinschaft geschützt sind, obwohl sie nicht vom aussterben bedroht sind. Aber sie sind doch so putzig!

Es ist schon sagenhaft, wie es die Deutschen fertig gebracht haben, mehr als 45 Jahrelang, ständig mehr zu exportieren als sie importierten und dabei trotzdem ihren „Staat“ in eine gnadenlos aussichtslose Zinsknechtschaft zu bringen. Tja man weiß, die Vorgesetzten…klar, natürlich. Aber sind sie nicht putzig?

Staatsverschuldung sind nicht eingezogene Steuern. Staatsverschuldung sind verzinslich. Zinsen auf Staatsverschuldung sind Steuern die noch nicht eingezogen wurden. Mit Zinsen aus Staatsverschuldung lassen sich aber tolle Sachen kaufen, z.B. Immobilien die der Staat verkaufen muss um seine Zinsschuld zu bezahlen. Wie gut dass niemand weiß, dass wir, die Gläubiger, Rumpelschildchen heißen und dazu auch noch unsere Denker ernst nehmen. Deshalb fordern wir Steuersenkungen um die deutsche Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Und jetzt Griechenland! Die haben ständig mehr importiert als sie exportierten und sind jetzt fast so hoch verschuldet, wie die Deutschen.
Ts Ts Tsaziki.
Deshalb müssen die Deutschen den Griechen unbedingt Geld geben, eben dass die Griechen wieder besser aus Deutschland importieren können. Weil wir wissen ja, Deutschland lebt vom Export! Vom Export alleine! Das mit der Staatsverschuldung ist dann schon in Ordnung. Schlafe Michel, schlafe sanft, arbeite hart, spare kräftig und alles wird gut. Denn der Sinn des Lebens, merkel dir, sind große Zahlen in deutschen Sparbüchern.

25 ergo sum März 11, 2010 um 15:14

@ sucram (2):
“Lösung: mehr Konsum” für die schwachen Euroländer.

Diese “Lösung” scheint vielmehr gerade die Ursache der griechischen Misere zu sein. Man drängte diesen schwächeren Euro-Wirtschaftsgebieten mehr und mehr von unseren Exportgütern auf. Konnten sie nicht zahlen, kein Problem. Man gewährte ihnen einfach immer wieder neue Anleihen. Dabei sind die Griechen noch relativ kleine Fische. Spanien z.B. schuldet EU-Banken 792 Milliarden Euro (deutschen Banken allein 225 Milliarden).

26 Salve März 11, 2010 um 15:20

Müssen in Deutschland die Sozialleistungen so niedrig wie in den USA werden?
Müssen in Deutschland die Löhne auf das Niveau Polens sinken?
Muss die Staatsquote niedriger werden?

Deutsch sein ist allen Konflikten um des schönen Familienfriedens aus dem Weg zu gehen.

Wir haben deshalb die schwächsten Gewerkschaften der Welt.

Und wir haben die SPD.

27 Peter März 11, 2010 um 15:25

“Klassen-Semantik hin oder her – ich glaube nicht, dass jemand mit 200K Einkommen die gleichen politischen Interessen hat, wie jemand mit 20K Einkommen.”

144 TEUR p.a., nach Steuern ca. 7 TEUR pro Monat.
Miete Uni Nähe 2 1/2 Zimmer Altbau 2 TEUR.
Altersversorgung 2TEUR.
Mercedes C Klasse. Urlaub in den USA.
Für einen Junggeesellen ein interessantes Leben.
Für eine Haushälterin reicht es aber schon nicht mehr. Und wenn Familie, dann wird ein Umzug ins Umland notwendig, da Wohnraum in der Stadt zu teuer.

Das man damit notgedrungen zum Schleimer werden muss, will mir aber nicht in den Kopf gehen.

28 egghat März 11, 2010 um 15:26

Nanu, die Holländer konnten Deutsch werden, die Österreicher konnten Deutsch werden, die Franzosen konnten Deutsch werden, aber die Griechen können es nicht? Da denk ich nochmal drüber nach. (übrigens wenn die Griechen sooo unterschiedlich sind, hätten die das vielleicht mal vor dem Euro-Beitritt merken sollen …)

Für mich ist über eine andere Erklärung noch nicht genug nachgedacht worden: Die Griechen hatten vor dem Euro 15% (oder mehr) Kreditzinsen. Dann gab es nach Einführung des Euros auf einmal 5%. Was machen die Menschen dann? Klar, Kredite aufnehmen und konsumieren. Und was passiert in einem Land, in dem nix hergestellt wird? Es wird im Ausland gekauft und das Handelsdefizit explodiert. Eine ganz klassische Blase, ausgelöst durch zu viel und zu billiges Geld.

Was kann man dagegen machen? Nix. Griechenland hätte nie in die Eurozone aufgenommen werden dürfen. Portugal ebenfalls nicht. Und selbst über Spanien und Griechenland hätte man länger nachdenken müssen.
Ich kann mich noch daran erinnern, dass der Schilling dauernd abwertete. Oder der Gulden. Der Prozess “Deutsch” zu werden, geht nicht so schnell. Der Umschwung, zu investieren, statt zu konsumieren, ist ein schwieriger (Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer). Das dauerte in den Nachbarländern 2 oder 3 Jahrzehnte. Und die waren uns vergleichsweise ähnlich. Nun sollen die Griechen das in einem Jahrzehnt schaffen? OK, das eine Jahrzehnt ist schon um. Jetzt haben sie nur noch 2 Jahre …

Ein anderes Problem der Niedrigzinsen in Griechenland: Kredite und Konsum gibt es schnell (Wie man jetzt sieht). Aber Investitionen in Bildung, Produktion, etc. entwickeln erst ganz langsam ihre positive Wirkung. Üblicherweise sorgt das dafür, dass die Bindung an eine stabile Währung die “negativen” Folgen sofort bringt (Konsum), die positiven (mehr Investitionen durch niedrigere Zinsen) aber erst langsam. Dafür hatten unsere Nachbarstaaten zwei oder drei Jahrzehnte Zeit, in der man mit ein paar nicht geplanten Abwertungen (üblicherweise in Rezessionszeiten) den Druck nochmal aus dem Kessel lässt. Dummerweise fehlt den Griechen diese Möglichkeit jetzt.

Mir ist bis heute schleierhaft, wieso jemand der Meinung war, dass der Anpassungsprozess in Griechenland schneller und glatter laufen sollte.

29 Nanuk März 11, 2010 um 15:33

@egghead
“Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer”

Wer da mitsingt ist Deutscher!Da gerät der Homo Germanikus so richtig in wallung… Ja und weil die Holländer so schön Deutsch geworden sind wählen die jetzt Nazis…

30 Stephan März 11, 2010 um 15:34

@Egghat #29
Komischer Kommentar !? Warum schreibst nicht einfach: Die EWU hätte nie eingeführt werden sollen, da keine gute ökonomische Idee.

31 racoon März 11, 2010 um 15:35

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren dass sich die Abgesänge auf den Euro mehren (so wie Münchau vor wenigen Tagen). Ein Ablaufdatum will dabei keiner angeben. Vielleicht des Wissens wegens dass dieser schwarze Schwan im nu auftauchen kann? Aber bitte diesmal mit Haircut!

32 racoon März 11, 2010 um 15:39

Sind die Österreicher die besseren Deutschen? Zumindest stecken sie um 20% mehr in griechische Anleihen als die Deutschen und haben schon mit der Ankündigung von Steuererhöhungen zu Haushaltskonsolidierung begonnen. Naja, der Ausrutscher mit der Bankensteuer ist halt passiert. Bei uns sitzen halt die Bankenlobbyisten als Abgeordnete im Parlament und nicht wie Asmussen im Zentrum der Macht.

33 Goldkind März 11, 2010 um 15:40

Eine Schweizer Zeitung bringt es auf den Punkt:
„EURO ist, wenn Deutschland zahlt“

34 Nanuk März 11, 2010 um 15:43

“Sind die Österreicher die besseren Deutschen?”

Ja natürlich ihr hab ja euren Haider der ist jetzt vorn Baum gefahren aber ansonsten kann man zur Deutschwerdung nur applaudieren…

35 ceteris März 11, 2010 um 15:53

In dem Link in #4 steht was Schönes:

Im Grunde sind die beiden Großentwürfe für die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte gemeinsam an ihr Ende gekommen, die neuliberale Angebotspolitik wie der sozialdemokratische Keynesianismus.
In dem Maße, wie die Finanzkrisen an Tempo und Tiefe zunehmen, in dem Maße vervielfältigen sich die materiellen Schulden des Staates. Schließlich werden die beiden Basissysteme der vergangenen Jahrhunderte implodieren: die Märkte und der Staat. Das scheint das Fatale der vergangenen Jahre zu sein – die Destruktionswucht des Kapitalismus hat sich unaufhörlich potenziert und selbstzerstörerisch gegen die eigenen Voraussetzungen gerichtet.

Auch TINA ist eben nicht unsterblich.

36 racoon März 11, 2010 um 15:59

@35.
p.s: “österrich, das bessere deutschland” (oder so ähnlich) war ein titelthema im stern vor ein paar jahren.

37 Salve März 11, 2010 um 15:59

Die deutschen Arbeitskosten sinken.

http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010/03/PD10__093__624,templateId=renderPrint.psml

Unser System der Konfliktlösung zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern ist Sche…

38 egghat März 11, 2010 um 16:02

@Nanuk

Lass mir die Holländer in Ruhe. Die Franzosen und Österreicher waren schneller beim Nazi werden …

@Stephan

Weil ich versucht habe zu erklären, warum eine Eurozone mit D,BeNeLux,F und A eine realistische Chance hat und warum der Rest keine Chance hat. BeNeLuxFA haben Deutschland zwei oder drei Jahrzehnte lang nachgeeifert (ob zurecht oder nicht will ich nicht diskutieren) und deshalb passte das. Die Südländer wollten nur endlich auch mal eine stabile Währung und niedrige Zinsen haben, um damit (Auslands)-investitionen anzuziehen. Dummerweise haben die Südländer das fast ausschließlich für Konsum verballert. Ich gebe zu, die zwei letzten Sätze sind polemisch, aber ich bin schon frustriert, dass das erste der zwei oder drei Jahrzehnte, die ich für eine Anpassung veranschlagen würde, völlig ungenutzt verpufft sind. Im Gegenteil, sie waren eher ein Schritt zurück. Möglicherweise unumkehrbar …

39 enrico März 11, 2010 um 16:13

@ egghead #29

Es geht um die Staatsverschuldungen, nicht um die Verschuldung der europäischen Unternehmen.
Privatwirtschaftlich gäbe es überhaupt kein Problem in allen EU Länder den Euro einzuführen.
Das Problem sind die Steuern. Das Problem sind Steuerforderungen in Euro.
Deutsche zahlen Steuern an Deutschland, Griechen an Griechenland usw. Also warum sollen die einzelnen EU Staaten das Zahlungsmittel, mit dem die jeweils NATIONALEN STEUERN erhoben und beglichen werden nicht SELBST schöpfen dürfen?
Das mit der Staatsverschuldung ist doch nichts anderes als ein dreckiger Trick elitärer Parasiten um Nationen plündern zu können. Hören wir doch endlich damit auf so zu tun als ob es hier mit rechten Dingen zugehen würde. Staatsverschuldung (nach innen) ist Betrug, eine vorsätzlich geplante, arglistige Täuschung.
Nationale Steuern können am besten mit nationalen Steuergutschriften verrechnet werden. Dann ist das Zahlungsmittel auch schon existent bevor die Steuerschuld eintritt, und niemand muss sich dafür in der Wirtschaft verschulden. Das ist alles nichts Neues. Wie dann die Steuergutschriften mit Zahlen versehen werden ist dann eine andere Frage. Natürlich wäre es dann sinnvoll, die Wertnominierung dem Euro gleichzusetzen. Alles kein Problem, alles schon einmal durchdacht und vorgestellt worden. (z.B „Taxos“ etc.).

Alle Staatsausgaben können mit Steuergutschriften bezahlt werden, auch die Gehälter der Beamten.
Warum soll sich jemand dafür verschulden, damit das Geld erst geschöpft wird um Beamte zu bezahlen? Kein Euro in die Hände eines europäischen Staates! Kein Staat muss sich verschulden!
Privatwirtschaft und Staatsaufgaben müssen so weit hygienisch getrennt werden, dass der Staat, die Allmende, nicht mehr geplündert und verscherbelt werden kann.

40 racoon März 11, 2010 um 16:16

Ich frage mich, wie lange die Vorlaufzeiten für die im letzte Absatz genannten drei “Lösungen” sind? Zufällig langfristig-mittelfristig-kurfristig? Na dann gute Nacht (aber nicht bevor ich das “Reisegepäck” wieder etwas mit gold und usd aufgefüllt habe. Erinnert mich irgendwie an den September/Oktober 2008).

41 Nanuk März 11, 2010 um 16:17

@egghat
In Schweden und Norwegen geht es auch los…
Von Ungarn und den anderen Osteuropäischen Staaten rede ich mal garnicht da sind die eh schon ne feste grösse…

42 Z. März 11, 2010 um 16:18

@egghat

Ich habe Dir ja in Deinem eigenen Blog schon einen Kommentar disbezüglich hinterlassen. Martin Wolf schreibt nichts anderes.
Hierzu

Die Griechen hatten vor dem Euro 15% (oder mehr) Kreditzinsen.

wäre noch zu bemerken, dass die Griechen auch 15% und mehr Inflation hatten und auch 20% nominales Wirtschaftswachstum. Da verschulde ich mich zu 15% gerne. Die Löhne stiegen nämlich auch um 15% + x jedes Jahr. Im Schnitt wuchs die griechische Wirtschaft REAL in den 80er um 4% und in den 90er um 3%. In den 00er waren es übrigens 5%, wobei die aktuelle Krise noch nicht eingerechnet ist und der Boom vor allem, aus den Immokrediten kam.

Das Problem an der Inflation bzw. nominalen Kreditzinsen ist nicht die Höhe. Wenn ein Wirtschaftsregime glaubhaft machen kann, dass es gewillt ist die Inflation stabil bei 50% zu halten, dann ist das kein Problem. Das Problem fängt an, wenn Inflationsraten sich verändern, also stark sinken (nachteilig für die Kreditnehmer) oder stark steigen (nachteilig für die Kredigeber). Wenn die Erwartung ist, dass sich Inflationaraten ändern, dann hemmt jede aktuelle Inflationsrate entweder den Prozess des Leihens oder des Verleihens, je nachdem wie die Erwartungen liegen. Dein Argument, mit den niedrigen Inflationsraten ginge es den Griechen per se besser zieht also nicht. Was ziehen kann ist, dass die Inflationserwartungen stabilisiert wurden.

Griechenland verfügt übrigens über eine akademisch bestens ausgebildete junge Bevölkerungsgruppe. Die arbeiten, ähnlich wie in Deutschland, als Taxifahrer und Fremdenführer für etwa 700,- bis 800,- Euro/Monat. Es gibt keine Jobs. Und natürlich hat, wie Du in Deinem Blog auch anmerkst, Griechenland im Vergleich mit Deutschland ein niedrigeres Lohnniveau. Entscheidend ist aber die Berücksichtigung der Produktivität. Wo sollen in Griechenland Investitionsanreize herkommen ? Die makroökonomischen Ungleichgewichte haben eine Ursache, sie sind das Ergebnis. Und die Lösung liegt nicht in der Fiskalpolitik.

43 Stephan März 11, 2010 um 16:21

Ich weiss nicht. An einem europäischen Finanzausgleich wird auch Schäuble und seine BuBa Gang nicht vorbeikommen. Die sollte es am besten wissen, was es bedeutet zwei wirtschaftlich unterschiedliche Staaten in einer Wirtschafts- und Währungsunion zu verbinden. Ohne einen laufenden Finanzausgleich (Solidaritätszuschlag, etc.) wäre die ehemalige DDR heute ein menschenleerer Landstrich. Man kann halt nicht beides haben: eine Währungsunion und keinen wie auch immer augestalteten finanziellen Risikoausgleich.

Das hat doch schon der Robert Mundell in seiner Arbeit über eine “Optimal Currency Area” ausgeführt. Eine Bedingung für eine OCA ist “the system of risk-sharing, usually through fiscal transfers”. Die EWU ist leider keine OCA. Entweder sie wird dazu gemacht oder man lässt es bleiben, wurschtelt sich weiter durch und am Ende gibt’s wahrscheinlich doch wieder D-Mark, Schilling, …

Und dieses Südländer-Bashing wird auch schön langsam fad. Was die Hellenen betrifft. Das Thema gehört abgehakt. Wenn die Eurozone von heute auf morgen beschliesst alle Schulden Griechenlands zu tilgen, dann würde das den Schuldenstand in jedem Land um 3% erhöhen. Peanuts im Vergleich zur Bankenrettung von gestern.

Portugal: noch ne kleinere Nummer als die bösen Griechen. Italien: seit Jahr und Tag hochverschuldet, die Rate per anno ca. 4,0% mehr Schulden (DE: 9,6%). Da gähnen die Bondhändler nur und kaufen gerne mal wieder made in Italia. Spanien: Die haben Schulden/BIP 57,2% (DE: 77,5%). Von wegen SGP Sünder. Da können sich Deutschland und Österreich (AT: 65,2%) selbst erstmal in den Brüsseler Schulden-Beichtstuhl setzen. Mal abgesehen davon, dass die SGP Kriterien an und für sich Schwachsinn sind.

44 Jens Tramann März 11, 2010 um 16:22

Ehrlich gesagt, bei genauerem Studium des Artikels von Martin Wolf in der FT kann ich bei bestem Willen nichts an Genialität noch tiefergehenden Einsichten zur derzeitigen, insbesondere durch die südeuropäischen Länder verursachten allenfalls leichten Euro-Krise entdecken (ja richtig “allenfalls leichten” Euro-Krise, denn seit dessen Einführung am 01.01.1999 hat der Euro gegenüber fast sämtlichen namhaften Währungen wie USD, GBP, Yen etc. erheblich an Wert hinzugewonnen !).

Die eigentliche Ursache für die derzeitigen “Euro-Krise” ist und bleibt die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der südeuropäischen Länder, und deren völlig verfehlte Wirtschaftspoltik als Reaktion hierauf (konsumorientiertes Wirtsschaftswachstum durch Kreditausweitung im privaten und öffentlichen Sektor bei zunehmender Vernachlässigung der Exportindustrie).

Dieses Grundproblem kann jedoch kurzfristig weder durch Anpassung der “deutschen” an die “südeuropäischen” Verhaltensweisen” noch umgekehrt gelöst werden, sondern erfordert ein langfristiges Umdenken in der Wirtschaftspoltik der betreffenden Euro-Länder. Mithin “knallhartes” Sparen in den südeuropäischen Ländern (mit entsprechenden Lohnkürzungen!) und zwar sowohl auf staatlicher als auch privater Ebene und weniger Exportorientierung und mehr Konsumorientierung (mit entsprechenden Lohnerhöhungen!) in den Staaten wie z. B. Deutschland, Finnland, Niederlande etc.

Anderenfalls stehen die Aussichten für die Stabilität des Euro schlecht und man müsste, das zwangsweise Ausscheiden eines Euro-Mitgliedlandes aus dem Euro-Verbund oder eben die Rettung desselben in Kauf nehmen. Nach letzterem sieht es zumindest derzeit aus, ob dies nun dem deutschen Michel gefallen mag oder nicht. Denn, dass sich Griechenland aus eigener Kraft aus den Fängen der Kapitalmärkte zu befreien mag, kann ich beim besten Willen einfach nicht erkennen.

Aber, nun gut, dies wird man noch sehen.

45 Fett ist besser März 11, 2010 um 16:37

,,Die eigentliche Ursache für die derzeitigen “Euro-Krise” ist und bleibt die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der südeuropäischen Länder,”
Ist das nicht ein bisschen einseitig gedacht? Bei uns sind doch auch die öffentlichen Kassen leer. Und Gehaltsniveau ist auch bei uns mit Asien nicht kompatibel. Exporte werden langfristig einbrechen. WGNX spricht oben von 200Tausend Euro. Dafür kann man in Vietnam eine ganze Stadt einstellen…
,,Klassen-Semantik hin oder her – ich glaube nicht, dass jemand mit 200K Einkommen die gleichen politischen Interessen hat, wie jemand mit 20K Einkommen.” (WGNX, #16)

46 Andreas Kreuz März 11, 2010 um 17:08
47 bob März 11, 2010 um 17:14

Die Deutschen sind das scheinheiligste, bigotteste Volk Europas. Aussen hui , innen pfui. Obrigkeitshörig und besserwisserisch. Man glaubt hier zu Lande nicht, dass man Politiker kaufen kann, das man Dr.Titel kaufen kann… man gibt vor korrekt, fleissig, diszipliniert und sauber zu sein. Das man, wie in anderen Ländern auch, seine Statistiken manipuliert, wird geflissentlich übersehen. Man zeigt mit dem Finger auf andere, denn Deuschland ist ja korrekt, sauber und fleissig. “Nepotismus”, was ist das, fragt sich der biedere Deutsche? Korruption? Traurige Einzellfälle. In anderen Ländern weiss die überwältigende Mehrheit der Völker was wirklich los ist in der jeweiligen “Elite” des Landes. Hier rechtfertigt und zerredet man alles, nennt Fakten nicht beim Namen, fasst alles in Glasseehandschuhen an. Man ist fein und zivilisiert, man sucht nach Endlösungen, da kann man ja auf die Wahrheit in deisem Falle über die Manipulationen Deutschlands verzichten und sich behaglich im Besserwissertum einrichten, denn man ist ja sauber, fleissig, diszipliniert und korrekt.

48 Nanuk März 11, 2010 um 17:18

@bob
Das ist aber der hässliche Deutsche… das Problem ist das es auch den Denker und Grübler gibt sonst könnte man die Deutschen ja einfach in nen Sack packen und hassen…

49 13 März 11, 2010 um 17:20

Muss Deutschland weniger deutsch werden?

Den arbeitswütigen Teutonen fehlt seit den Sechzigern ein vernünftiges Mittagsschläfchen, eine Siesta unterm schattigen Olivenbäumchen, dann klappts auch mit dem europäischem Haus, aber erzähl das mal den heutigen, hyperaktiv- hyperalerten deutschen SMSern Tweetern, Chattern, Mobyletelefonierern, Lufthansa”besteigern”…

50 13 März 11, 2010 um 17:41

übrigens kann ich das Wort Agenda, welches weiter oben gefallen ist, egal ob 2010, 2020, oder 2080 nicht mehr hören/sehen..
Dieses Wort hat restlos abgewirtschaftet!

51 Otto März 11, 2010 um 18:05

@Nanuk
“das Problem ist das es auch den Denker und Grübler ”
Das Sand im Getriebe. Hat in Deutschland nie viel zu melden gehabt. Aber für den Heiligenschein immer mal wieder ganz nützlich. So ganz ohne Anspruch möchte man sich der Welt ja nun auch wieder nicht zeigen. Aber bitte, den Wirtschaftbetrieb darf es nicht stören.

52 Rüdiger Kalupner März 11, 2010 um 18:12

Wieder so ein Diskurs, der nur deshalb möglich ist, weil keiner nach einer Evolutionsprozess-Theorie vermißt. Es geht nicht darum ‘deutscher oder weniger deutsch zu werden, sondern darum KREATIVER Evolutionär zu werden. Das ist einer, der die Fortschrittslogik und -Muster des Evolutionsprozesses erkannt hat und danach handelt. So ist es So fragt auch keiner nach der geschichtlich-evolutionstheoretischen Quellen aller Gesellschaftskrisen, aller Fehlentwicklungen, keiner erkennt in dem 2%Wachstumszwang-Regime der KAPITALSTOCKMAXIMIERER, zu dem u.a. der IGMetall-Vorstand gehört, die fast-geheim herrschende Macht-Nr.1 in Deutschland.

Mit Goethe ist dazu zu sagen: “Das Falsche hat den Vorteil, dass man immer darüber schwätzen kann. Das Wahre muß gleich genutzt werden, sonst ist es nicht da.”

53 13 März 11, 2010 um 18:32

Das Wa(h)re muß gleich genutzt werden, sonst ist es nicht da.

ja, Rüdiger, da haben die Griechen, Portugiesen, Spanier, Italiener uns was voraus, gelle..

54 Nanuk März 11, 2010 um 18:57

@Otto
Ich glaube man muss im Scheisshaufen sitzen um denken zu lernen… vieleicht ist deshalb die Dichter und Denker Liste so lang…
;)

55 Otto März 11, 2010 um 19:12

@Nanuk
Das stimmt. Gebracht hat es den Menschen in diesem Lande aber in all den Jahren, ausser ein paar traurigen Einträgen in den Geschichtsbüchern, nichts.

56 Andreas Kreuz März 11, 2010 um 19:12

Zu den Ursachen gibt es auch Zahlen:

http://www.jjahnke.net/rundbr68.html#1945

57 weird, goldmine März 11, 2010 um 19:13

… oder der Laden fliegt uns in nicht all zu ferner Zukunft um die Ohren…

Folgender Vorschlag :
Wir bailen nichts und niemanden – aus – und lassen uns den Laden mal um die Ohren fliegen, mal sehen was passiert.
Dieses kleinmuetige Gerede von Solidarität und Sachzwängen nervt
einfach so sehr dass die Neugier auf die dunkle Seite des Mondes wächst.
Kreative Zerstörung, verflucht !
Bremer Stadtmusikanten !

58 13 März 11, 2010 um 19:14

Nanuk, Youtube-Video fehlt, ich trag mal nach..

http://www.youtube.com/watch?v=98c0t3vFVO4

59 13 März 11, 2010 um 19:42

(ist bei Euch der Bildschirm auch so verschmutzt?)

60 Michael März 11, 2010 um 19:42

“Wenn die Griechen, die Spanier und die Italiener unsere schöne D-Mark mit uns teilen, dann mögen sie bitte alle bei der schwäbischen Hausfrau und ihrem fleißigen Ehemann in die Schule gehen. Und zukünftig so sparsam und so fleißig sein wie wir.”
Witz komm raus, du bist umzingelt.
“Entweder wir finden einen Weg, wieder mehr zu konsumieren statt nur zu exportieren und zu sparen; oder wir finden auf EU-Ebene zu einem kompensatorischen Finanzausgleich; oder der ganze Laden fliegt uns in nicht allzu ferner Zukunft um die Ohren.”
Komm, wir wollen jetzt sehen, wie uns der Laden um die Ohren fliegt.

Das Problem sind Billiglöhne, auch “Stützungen” des Arbeitsmarktes. Was läuft ist kollektive Verantwortungslosigkeit der Politik gegenüber der Währung. Die Clowns maßen sich schon an in die Unabhängigkeit der EZB einzugreifen. Das ist ein ziemlich triftiger Grund vermehrt in andere Währungen zu türmen. (Natürlich nicht gerade Pfund oder Dollar) Die Löhne müssen hoch, dafür muss unbezahlte Arbeit wie 1 Eurojobs, sogar zusätzliches Hartz IV weg. Hartz IV insgesamt, weg. Die Lösung für Griechenland heißt Ausstieg aus dem Euro, Pleite, Neubeginn. Alternativlos.

Das Konzept deutschen “Wachstums” für 2010 heißt eben schon wiederer stärkeres Wachstum der Exporte bei zurückgehenden Importen (Konsum) zur Zeit leicht durch ziemlich unangemessene Ölpreise gebremst. Bedeutet die “euphorischen” Erwartungen für 1,5 % “Wachstum” D 2010 sind schon jetzt Makulatur.

61 13 März 11, 2010 um 19:57

Die Engländer behaupten, das deutsche Volk wehrt sich gegen den totalen Konsum. Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Konsum?

62 Systemfrager März 11, 2010 um 20:51

@ 13

Nein, im Gegenteil: Wir wollen einen totalen globalen Exportüberschuss!

Wir werden jedes Land der Erde zwingen, dass wir ihm mehr exportieren als von ihm importieren. Dann werden alle uns was schulden. Und dann rufen wir aus:

Das vierte Reich der globalen Zinsknechtschaft

63 Karl Heinrich März 11, 2010 um 20:59

Tyler Cowen von den Marginalisten hegt das Argument von Martin Wolf sehr passend ein:

Eine Exportsteigerung von Griechenland ist durchaus kompatibel mit einer weiteren (absoluten) Exportsteigerung von Deutschland. Wer das bezweifelt, hat sich in der Nullsummen-Ökonomie verfangen.

64 eisenesel März 11, 2010 um 21:15

@ Karl Heinrich

Ja, eine ABSOLUTE Steigerung der Exporte für alle ist bei höherem Austausch möglich. Hier geht es jedoch um Exporte im Verhältnis zu Importen, also die Handels-/Zahlungsbilanzen. Und die müssen in der Summe (zumindest global) nun einmal die Summe von 0 (NULL) erreichen.

65 13 März 11, 2010 um 21:26

Frager, das wäre ja Merkeldilettantilismus, oder wie das heißt, der ist…

http://www.youtube.com/watch?v=m-R_RqVrJu0

66 egghat März 11, 2010 um 21:30

@Z:

Ich verstehe die Argumente. Nur wo ist die Lösung? Die Deutschen erhöhen die Löhne, konsumieren und dann fangen die Griechen an Autos zu bauen? Womöglich sogar gute?

Die Eurozone hat ein (leichtes) Außenhandelsdefizit. Soll sich jetzt der alte DM Block an Griechenland orientieren? Oder soll der vielleicht weiterhin dafür sorgen, dass irgendwo in der Eurozone noch was für den Weltmarkt produziert wird? Oder soll Europa anfangen auf Pump zu leben, den Euro abwerten und plötzlich haben die Griechen auf einmal wieder Produkte, die sie auf dem Weltmarkt verkaufen können? Klar, der Euro müsste eigentlich runter (Kaufkraftparität liegt bei 1,20 Dollar). Aber das hilft den Griechen auch nicht.

Schau dir mal die Nettolöhne in D und dem ganzen alten DM-Block (2000-2007) an. Die bewegen sich in einer Spanne von +1,x bis +13,x% (die 13 ist Österreich, der zweithöchste Wert ist 4,x%). Das ist ein unglaublicher Gleichschritt. Über sowas kann ich eine Währung stülpen.
Man kann diese Lohnzurückhaltung für falsch halten. Was aber definitiv falsch ist, ist sich die gleiche Währung zu besorgen und dann eine komplett andere Politik machen zu wollen. Die Griechen liegen bei +36% (und damit übrigens beim Doppelten der Nr. 2 unter den PIGS, die beiden anderen lagen sogar hinter Deutschland …) Das kann sich eine Mini-Nation wie Griechenland schlicht nicht erlauben.

Ich hab nix gegen Siesta. Nur sollte man dann aufhören, Benz fahren zu wollen. Zumindest gleich morgen. Wenn die Griechen investieren, clever sind, die Steuersätze für Unternehmen senken, Gründungen in Zukunftstechnologien fördern, wird das schon was. Aber eben nicht in einem Jahrzehnt. Dazu sind die Zeitabläufe zu unterschiedlich: Der kreditfinanzierte Konsum knallt jetzt, die Investitionen machen sich erst in ein, zwei Jahrzehnten bemerkbar. Die Iren haben auch erst lange ausgebildet und die ausgebildeten Iren sind trotzdem ausgewandert. Aber nach und nach und langsam wird investiert, die Arbeitsplätze kommen und das Land entwickelt sich zu einem normalen europäischen Land. (Irland hat auch Probleme, aber eben auch einen Exportüberschuss. Das Land kann sich also fangen).

Ach genug geschwätzt.

67 ceteris März 11, 2010 um 21:46

@egghat
Wenn die Griechen investieren, clever sind, die Steuersätze für Unternehmen senken, Gründungen in Zukunftstechnologien fördern, wird das schon was.
Also das ideale Kochrezept, für alle richtig, für alle gut. Nur am Ende für keinen, zwischenzeitlich nur für die Unternehmen und die geförderten Unternehmen besonders, und Zukunftstechnologien (welche sind das denn gerade so?) haben wir dann mehr als Zukunft. Toll.
Das ist doch der längst erledigte Kinderglaube an die Innovation der Zukunft, die uns rausreißen soll. Und wenn morgen der eierlegende Wollmilchroboter erfunden würde? Was würde das denn heissen für die Wollindustrie, die Milchproduktion und die Geflügelhöfe?

Nicht nur im Fall Griechenland fragt sich aber sowieso erstmal: WOVON?

68 Z März 11, 2010 um 22:41

@egghat

Die Deutschen erhöhen die Löhne, konsumieren und dann fangen die Griechen an Autos zu bauen? Womöglich sogar gute?

Finde ich gar nicht schlecht die Idee. Das seltsame an der derzeitigen Debatte ist doch, dass das deutsche Feuilleton von den Griechen fordert mehr zu sparen, anstatt von den Deutschen zu fordern mehr zu konsumieren, was natürlich bedeutet, dass in Deutschland das Lohnniveau steigen muss.

Oder soll der vielleicht weiterhin dafür sorgen, dass irgendwo in der Eurozone noch was für den Weltmarkt produziert wird?

Das Kunststück muss in etwa so gelingen, dass die Eurozone mit der Welt eine ausgeglichene Handelsbilanz hat und innerhalb des Euro-Währungsraumes ausgeglichene Handelsbilanzen entstehen. Die Alternative zu inneren Ungleichgewichten sind Transferzahlungen in Höhe der Ungleichgewichte. Schlechte Anreizstruktur würde ich ssagen. Und das Ganze ist deshalb ein Kunststück, weil üblicherweise der Währungskurs alles (halbwegs) von alleine regelt. Jetzt müssen die ausgeglichenen Handelsbilanzen organisiert werden. Sage einer in Europa gebe es keine Planwirtschaft.
Soll Europa das amerikanische Modell fahren ? Schwierig würde ich sagen. Der Euro ist nicht Weltleitwährung, die Briten hatten ja so ein Kreditnachfragemodell. Jetzt hat das Pfund abgewertet, die industrielle Basis ist zerstört und mit dem Gelddrucken klappt es auch nicht mehr, wer will schon Pfund.

Was aber definitiv falsch ist, ist sich die gleiche Währung zu besorgen und dann eine komplett andere Politik machen zu wollen

Absolut. Nur wer hat Recht ? Das sind doch ideologische Grabenkämpfe. Die SPD/Grüne/CDU/FDP hängen Hüther, Sinn, Stark und Weber an den Lippen, wollen die Löhne senken, den Arbeitsmarkt deregulieren,…haben die Recht ? Soll Griechenland sagen, OK, dann machen wir das so wie ihr es sagt ? Haben sie nicht gemacht und die deutschen Regierungen dachten sich, werdet schon sehn was ihr davon habt, dann kommen die Jobs zu uns. Jetzt sind die Jobs in Deutschland und Griechenland bankrott. Wer hat jetzt versagt ? Soll jetzt der gleiche Wettbewerb bei den Unternehmenssteuern losgehen ?
Es stimmt übrigens, was Du in Deinem Blog schriebst, dass es nicht so ist, dass Griechenland vor dem Euro keine Probleme hatte und dass manchmal in der Diskussion da ein falsches Bild gezeichnet wird. Ich will da auch nichts beschönigen. Griechenland hatte vor dem Euro eine waghalsige Geldpolitik gefahren und hatte auch schon vor dem Euro Haushaltsdefizite, was sich in hohen und schwankenden Inflationsraten widerspiegelt. Griechenland hatte auch schon vor dem Euro Problem Investitionen anzuregen. Jetzt hat man die Geldpolitik im Griff, weil das die EZB regelt, dafür gibt es keinen Wechselkurs mehr. Ich habe kein Patentrezept, wie man Investitionen in Griechenland motivieren kann. Ich weiß aber, dass es angesichts des Globalisierungsdrucks, des Konkurenzdrucks innerhalb der EU und angesichts der Herausforderungen die die Demographie an Griechenland stellen wird, es innerhalb eines Euroverbundes mit Produktivitätsgrößen wie Deutschland, ohne Wechselkurs und ohne eigene Handelspolitik, ohne Geldpolitik und mittlerweile auch eigenständige Fiskalpolitik, sehr schwer wird, den Laden politisch zusammenzuhalten. Und wenn Deutschland die europäische Integration mit einer gemeinsamen Währung wirklich möchte, dann muss Deutschland die Bedürfnisse solcher Länder wie Griechenland berücksichtigen.

69 Demut März 11, 2010 um 23:22

@Egghat

“Die Eurozone hat ein (leichtes) Außenhandelsdefizit. … Oder soll der vielleicht weiterhin dafür sorgen, dass irgendwo in der Eurozone noch was für den Weltmarkt produziert wird?”

Ich verstehe die Argumentation nicht.
Einmal stellt der Wechselkurs, wenn Griechenland die Drachme hat, die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes , wieder her.
Im Fall des Euro, dann irgendwie doch nicht, weil wenn Deutschland die Löhnstückkosten im Verhältnis zu nicht EU-Staaten überproportional steigen, hat dies keine Auswirkungen auf den Wechselkurs des Euro.
Ich hätte erwartet , dass der Wechselkurs des Euro sinkt und die Lohnstückkosten sich wieder annähern.
So die Theorie.
Wir sind Spezialisten in ganz bestimmten Marktsegmenten.
Die Gewichtung zwischen diesen Segmenten , dass auf und ab ,ist noch eine ganz andere Frage.
Das Ungleichgewicht mit Griechenland hat sich doch nicht in drei Monaten aufgebaut.
Der Zeithorizont um das Ungleichgewicht abzubauen umfasst mindestens viele Jahre.
In der Zeit können die deutschen Löhne mit Zielinflationsrate plus Produktivitätszuwachs steigen, während der Lohnzuwachs der griechischen Löhne zurückbleibt.
Was jetzt versucht wird, ist die entstehenden Kosten wieder den kleinen Leuten aufzubürden.

70 ceteris März 11, 2010 um 23:24

@Z
Vieles richtig, manches falsch an deiner #68.
Aber vor allem eine Nachfrage:
WHO THE F*CK IS “DEUTSCHLAND”?
Merkel?

71 Susanne März 11, 2010 um 23:48

Deutschland ist der Musterschüler in der Wirtschaft. Griechenland hat seine Hausaufgaben durch den deutschen Musterschüler mit erledigen lassen und der Deutsche hat es gern gemacht, weil das auf Effektivität und Ordnung getrimmte Volk, dass leisten konnte. Es gab für die Griechen also auch keine Notwendigkeit ihr System effektiver zu gestalten und wenn keine Notwendigkeit dazu besteht, passiert gar nichts. Die Griechen mussten ihr System schon alleine wegen der besseren klimatischen Bedingungen nie so perfektionieren, wie die Deutschen.
Ihr Wirtschaftssystem hat die Deutschen so weit nach vorne gebracht, darum wird am Muster des einmal bewährten Systems festgehalten und man glaubt auch das Richtige zu tun, weil es ja immer so funktioniert hat. Man verhält sich richtig und doch geht es schief. Die Menschen sind unfähig von ihren Mustern abzuweichen. Geld ist das Gel, dass das System bisher leichtläufig gehalten hat, jetzt wird es knapp und es knirscht überall. In jedem System gibt es eine Dysfunktion um die Weiterentwicklung zu gewährleisten. Diesmal ist es das Geld.
Darum wird sich auch nichts ändern. Die Deutschen werden nicht anfangen zu konsumieren, sondern werden anfangen noch mehr zu sparen um mehr Gel zu erhalten. Die Griechen werden mehr Geld ausgeben, weil es ja vielleicht bald alle ist und sie außer Schulden nichts zu verlieren haben.

72 Z März 12, 2010 um 00:31

@ceteris

Was soll ich schreiben ? Ich hab den Dreck nicht gewählt, aber zumindest die Mehrheit meiner Nachbarn. Kohl bis 98, danach die Neoliberalen von der SPD und die Lifestylepartei, zuletzt wieder Regression in 80er. Wegegn mir kann sich die EU in Luft auflösen und den Euro mitnehmen. Wegen mir kann sich die ganze lebensversicherungsverliebte Mittelschicht ihre griechischen Euroanleihen in die Haare schmieren. Wenn aber die Renditejäger der Risterrentenversicherung meinen, sie müssten unbedingt einen Euro und eine EU haben und wenn sich eine relevante Menge an Iditioten findet, die dieses Begehren unterstützt, obwohl es ihr selbst nur schadet, dann müssen DIE erklären wie das funktionieren soll. Und wenn ich Deutschland schreibe, dann meine ich mittlerweile tatsächlich Merkel. Mein Land ist es nicht. Deines ?

73 Z März 12, 2010 um 00:34

Und ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht, warum die griechische Regierung nicht im Interesse der Bevölkerung der EU und Deutschland den ganzen Bettel vor die Füße kotzt. Ich hielte das für ökonomisch vernünftig.

74 Ich März 12, 2010 um 07:50

Deutschland verlangt eigentlich gar nicht von allen schnell zu konsolidieren. Nur von denen, die alleine am Kapitalmarkt kein Geld mehr leihen koennen ohne absurde Zinsen zu zahlen.

75 egghat März 12, 2010 um 11:09

@Z:

Eigentlich ist es falsch, über Griechenland zu diskutieren. Weil im Fall von Griechenland die Diagnose einfach ist: Griechenland hat eine zu falsche Politik gemacht und ist zu klein. Die griechischen Probleme sind hausgemacht und deshalb halten sich Portugal, Italien, Spanien und Irland besser. Nicht dass die keine Probleme hätten, aber sie sind eben beherrschbar. Alle Länder haben die 10 guten Jahre mehr oder weniger gut für Investitionen und Haushaltskonsolidierung genutzt. Die Griechen haben alles positive am Euro in Schulden und Konsum gesteckt. Genauso dumm wie die Amerikaner.

Eine Patentrezept für die Griechen gibt es nicht. Das Land war relativ weit weg von mitteleuropäischen Standards und der Abstand ist im letzten Jahrzehnt eher größer geworden. Und das trotz 2,x% des BIPs an Staatshilfen aus Brüssel. Das kleine Griechenland ist größter Empfänger von Geldern aus Brüssel, das nur mal als Hinweis. Den geforderten Finanzausgleich gibt es in der EU doch schon. Die Frage ist eher, ob der groß genug ist. Es wird wohl kein Weg daran vorbei gehen, den Griechen noch mehr Geld zu geben. Als erstes müssen Garantien her, damit die Griechen nicht unter 6% Zinsen zusammenbrechen. Und als zweites müssen die Griechen Firmengründungen forcieren. Niedrige Steuersätze für Neugründungen. Sonderförderungen für Ausgliederungen aus Unis. Die Uni als Dienstleistung (kann aber nicht beurteilen, ob die Unis in Griechenland gut sind). Der ganze alte Mist. Vieles kann man sich in Irland abschauen.
Und nicht zuletzt gilt es zu akzeptieren, dass Siesta ein tolles Lebensmodell ist (mit dem ich mich sehr gut anfreunden könnte), bei dem man dann aber eben nicht verlangen kann, dass man einen Benz fährt, jedes Jahr ein neues iPhone hat, etc. Griechenland muss nicht Deutschland werden. Aber Griechenland darf auch nicht so tun, als könne man von Olivenbäumen in Massenqualität noch leben. Das Land ist teilweise echt zurückgeblieben. Selbst in der Landwirtschaft. Während Italiener, Spanier, … alle auf hochqualitativen Wein und auch Olivenöl setzen, kommt aus Griechenland überwiegend Massenware. Das ging gut, als man den Preis an der Grenze einfach durch eine Abwertung wieder auf ein wettbewerbsfähiges Niveau senken konnte. Aber jetzt fehlt das halt. Und die Griechen fangen gerade erst an zu verstehen, was das bedeutet …

76 Goldkind März 12, 2010 um 11:18

Im Ernst, alle Länder wollten den Euro und meinten die DM. Jedem Land dem es möglich war, auf den fahrenden Zug Europa aufzuspringen, tat das. Die ganze Welt beneidete Deutschland um die DM. Selbst Frankreich.

http://ef-magazin.de/2009/03/06/1003-franzoesische-deutschlandpolitik-die-deutsche-mark-ist-gewissermassen-ihre-atomstreitmacht

Das das natürlich für die Deutschen böse enden würde, war abzusehen. Ich sage nur es wird so weiter gehen: Zahlemann und Söhne… vor allem die, noch Steuern zahlen, wie Mittelstand und die Lohnsteuerzahler. Bei den Hilfeempfängern wird stramm gekürzt und alle Reichen haben eh ihren Pelz im Trockenen.

Die dummen Deutschen, die sich kaputt arbeiten und sparen! Früher hat die DDR das große Russland ernährt und jetzt versucht es ganz Deutschland mit der Welt. Und was macht die Welt? Nicht dass sie sich darüber freut Dumme gefunden zu haben, nein sie schimpfen, wo sie können über den häßliche Deutschen…!

P.S. Keiner wurde gezwungen deutsche Waren zu kaufen. Im Gegensatz zu den chinesischen. Wo bekommt man in D noch einen Wasserkocher etc., welcher nicht in China hergestellt ist…?

77 13 März 12, 2010 um 12:00

Goldi, einer muß die Arbeit doch machen…. also lamentiert hier nicht, Deutsche Arbeiter ans Werk!

78 Systemfrager März 12, 2010 um 12:04

@ Goldkind 76

Dort am Stammtischen, wo du diese tiefe “Einsichten” aufgenommen hast, gibt es bestimmt auch richtige Flaggen, Symbole, Bilder aus den alten guten Zeiten, man weiß noch Adolf zu schätzen, usw ….

Stimmt oder habe ich Recht … Du brauchst dich nicht zu genieren

79 Nanuk März 12, 2010 um 12:26

@Goldkind
Wenn ich Liberale sprechen höre dann denke ich immer die sind garnicht Liberal sondern einfach nur ein ein stark abgedunkeltes Gelb… den Wahlspruch einer in Deutschland nicht unbekannten Partei “Na Suchst Du Auch nen Posten” hab ihr euch ja schon zu eigen gemacht…

80 Goldkind März 12, 2010 um 14:04

@ Systemfrager
Da muss ich Dich enttäuschen. Meine persönliche Meinung ist Sache meiner Erfahrung, die ich hier in diesem Land sammeln durfte. Da benötige ich schon gar keine Staatssymbole. Im Gegenteil, diesen habe ich abgeschworen. Ich finde nur Zukunft sollte heißen: Fortschritt für die breite Masse, Demokratie: zum Wohle des mehrheitlichen Volkes. Dabei kann es ruhig Unterschiede geben, nur darf man dabei die Benachteiligten nicht vergessen, was aber unsere Eliten immer mehr tut. Natürlich muss sich aber jedes Volk um sich selber zuerst kümmern, sonst überlebt es nicht, wie uns die Evolution lehrt. Außerdem frage ich Dich, warum kann nicht jedes Volk seine Eigenartigkeit behalten, mit seiner Geschichte etc. Warum muss ein großer Einheitsbrei entstehen, in dem Völker auf Deubel komm raus zusammen gewurstelt werden? Nur weil es die U.S.A. gibt, braucht es kein unterschiedlich sprechendes vereinigtes EUROPA geben. Den Frieden kann man auch anders erhalten. Und dass man an der Grenze auch nicht immer Umtauschen muss, zeigt das Beispiel Schweiz. Dieser Europabürokratismus sprengt ja jede Ökonomie. Leider sagen uns die Schulden des Staatshaushaltes, das wir das nicht bezahlen können. Man sieht es daran, dass bei uns Kinder in Armut leben. Das sollten wir zuerst ändern, ehe wir unsere paar Groschen zum Fenster raus werfen.
@ Nanuk:
Die Liberalen sprich Guido mag ich überhaupt nicht, genauso wenig wie SPD und CDU, Grüne und wie sie alle heißen. Partei ist sowas von out…

81 Systemfrager März 12, 2010 um 14:23

@ Goldkind 80

Außerdem frage ich Dich, warum kann nicht jedes Volk seine Eigenartigkeit behalten, mit seiner Geschichte etc. Warum muss ein großer Einheitsbrei entstehen, in dem Völker auf Deubel komm raus zusammen gewurstelt werden?

Jetzt muss ich dich aber sehr enttäuschen. Ich bin nicht nur für die Bewahrung der „Eigenartigkeit aller Völker“. Ich wünsche mir sogar eine viel größere ökonomische Selbstständigkeit. Sprich: Antiglobalisierung. Und da unterscheiden wir uns. Du willst unsere Selbständigkeit schützen, aber wie? Unser Rscht zu exportieren huldigen, den Völkern die nicht so produktiv sind wie wir, ihnen die eigene Wirtschaft zu ruinieren, daran bist du stolz und du findest das so wahnsinnig gut. Weil, du würdest nie sagen:

Gut, wir haben euch ruiniert, jetzt helfen wir euch. Wir zahlen was dafür..

Das würde dir nie in Sinn kommen. Oh ja, wir kennen den Patriotismus Mady in Germany:

Man befahl uns [Deutschen] den Patriotismus und wir wurden Patrioten; denn wir tun alles was uns unsere Fürsten befehlen. Man muß sich aber unter diesem Patriotismus nicht dasselbe Gefühl denken, das hier in Frankreich diesen Namen führt. Der Patriotismus der Franzosen besteht darin daß sein Herz erwärmt wird, durch diese Wärme sich ausdehnt, sich erweitert, daß es nicht mehr bloß die nächsten Angehörigen, sondern ganz Frankreich, das ganze Land der Zivilisation, mit seiner Liebe umfaßt; der Patriotismus des Deutschen hingegen besteht darin daß sein Herz enger wird, daß es sich zusammenzieht wie Leder in der Kälte, daß er das Fremdländische haßt, daß er nicht mehr Weltbürger, nicht mehr Europäer, sondern nur ein enger Deutscher sein will.

Heinrich Heine

82 Goldkind März 12, 2010 um 14:55

@ Systemfrager
Im Gegenteil. Ich bin dafür, dass sich unsere Exportindustrie, die sich jetzt diese wertlosen Zettelchen sprich gedrucktes Geld gegen hergestellte Waren überreichen lässt, auf etwas besseres besinnt. Was nutzt unserem Land, der Export, wenn unsere Innlandschulden so steigen, dass z. B. unsere Bildungssystem im Argen liegt?
Wenn wir „produktiver“ sprich im Hamsterrad getriebener sind, warum haben wir als kleine Leute keinen Nutzen davon?
Wieso ruinieren wir anderen Ländern ihre Wirtschaft? Das machen vielleicht die Großkonzerne, aber mit denen stelle ich mich nicht auf eine Stufe.
Genauso wie ich nicht bezahlen will, für das was Hitler angerichtet hat. Warum werden nie die Verursacher zu Kasse gebeten, warum müssen immer andere bluten?
Übrigens ruinieren die Chinesen mit ihren Niedriglöhnen unsere Arbeiter.
Ich kann Dir nur auch mit Heine antworten: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht…“

83 Goldkind März 12, 2010 um 14:56

Nur weil man mal an das eigene Volk denkt, wird man hier gleich in die faschistische Ecke gestellt. Das ist nicht zu fassen! Aber wenn Fam. Rotschild mit Hilfe der Bilderberger zur Weltmacht greift, dann ist das das normalste von der Welt…und keiner nimmt es zur Kenntnis…! Das nenn ich Betriebsblindheit!

84 13 März 12, 2010 um 15:09

So kam ich unter die Deutschen. Ich forderte nicht viel und war gefaßt, noch weniger zu finden. Demütig kam ich, wie der heimatlose blinde Ödipus zum Tore von Athen, wo ihn der Götterhain empfing; und schöne Seelen ihm begegneten -

Wie anders ging es mir!

Barbaren von Alters her, durch Fleiss und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark zum Glück der heiligen Grazien, in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit beleidigend für jede gutgeartete Seele (….) Es ist ein hartes Wort und dennoch sag ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen. Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute, aber keine Menschen..

http://de.wikiquote.org/wiki/Friedrich_H%C3%B6lderlin
http://de.wikisource.org/wiki/Hyperion_an_Bellarmin_LIX

85 13 März 12, 2010 um 15:16

Goldi, reg Dich nicht auf! Ich trag mein Gold zwischen den Beinen. Wo hast Du Deines versteckt?

86 racoon März 12, 2010 um 20:08

AT: Umsatzsteuer rauf, Pensionisten und öffenticher Dienst eine Nulllohnrunde.

Und die Begründung des Finanzministers: Man habe vor ein paar Monaten nicht absehen können dass das Wachstum unter 2% bleibt.

Kann mir das jemand erklären? Sind das vielleicht Solidariätsbekundungen für den Süden?

87 Wat. März 12, 2010 um 20:31

@ racoon # 86

Kann mir das jemand erklären? Sind das vielleicht Solidariätsbekundungen für den Süden?

Wieso mit dem Süden.

Das sind wie immer Solidaritätsbekundungen mit denen ‘oben’.

88 Z März 12, 2010 um 21:23

@Andreas Kreuz

Ich nehme Deinen Kommentar in „Das ganze noch mal grafisch“ mal zum Anlass um Deine Frage

Hat Hüther keine Ahnung oder lügt er wissentlich?

hier zu beantworten, weil es eine Verbindung zu den Außenhandelsüberschüssen gibt. Ich möchte die Frage des Interviews

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/doku_und_debatte/?em_cnt=2414370&em_cnt_page=3

aufgreifen:

Kann ein Land ewig einen Überschuss aufweisen?

Die Antwort von Hüther ist dürftig. Er verweist auf Ausgleichszahlungen. Ich will deshalb die Frage mal strenger formulieren:

Kann ein Land dauerhaft und nachhaltig, ohne Verwerfungen zu erzeugen, einen Handelsbilanzüberschuss aufweisen, ohne dass es zu Ausgleichszahlungen kommen muss ?

Die Antwort lautet: Ja ! Kann es. In bestimmten Grenzen und unter bestimmten Voraussetzungen.

Ein Beispiel zur Illustration. Gegeben sind 2 Länder, Land 1 und Land 2. Land 1 ist Exportweltmeister und produziert einen dauerhaften Überschuss an Waren, Land 2 ist Importweltmeister und konsumiert die ganze Zeit mehr als es produziert. Nachhaltigkeit sei gegeben, wenn das Land 2 sich nicht übermäßig im Verhältnis zu seinem Output verschuldet, konkret, wenn es eine konstante Schuldenquote aufweist, die Schulden also im Verhältnis zu seinem BIP nicht steigen.

Die Anfangsvoraussetzung sei in Jahr 0 beschrieben, Y sei das BIP, C der Konsum, Ex und Im der Außenhandel, B der Schuldenstand, i sei der Realzinssatz, g die reale Wachstumsrate des BIP, absolute Größen in „Einheiten“.

Beispiel 1:

Jahr 0:

Y1 = C1 + Ex ; Y2 = C2 – Im
100 = 90 + 10 ; 100 = 110 – 10

B2 = 10 Einheiten
Schuldenquote: B2/Y2 = 10%

Land 2 startet mit einer Schuldenquote von 10%, die sich in der Vergangenheit auf Grund von Importen angesammelt haben.

Jahr 1 Variante 1:

In einer ersten Variante werden gleich hohe Wachstums- und Zinsraten unterstellt

g = 5% = 0,05
i = 5% = 0,05

Anfallende Zinsen auf die Altschuld in Höhe von 10 Einheiten werden aufgeschuldet, addieren sich also zur Altschuld. Wenn die Wachstumsrate der Zinsrate entspricht gibt es keine Spielräume für Außenhandelsüberschüsse bzw. –defizite. Die Schuldenquote bleibt nur konstant, wenn jedes Land das konsumiert, was es produziert.

Y1 = 105 = 105 (C1)
Y2 = 105 = 105 (C2)

B2 = 10 + 10 * 0,05 = 10,5 Einheiten

Schuldenquote: B2/Y2 = 10%

Jahr 1 Variante 2:

In einer zweiten Variante unterscheiden sich Wachstums- und Zinsraten. Dies eröffnet die Möglichkeit zu Außenhandelsungleichgewichten. Anfallende Zinsen addieren sich wieder zur Altschuld.

g = 5% = 0,05
i = 2% = 0,02

Y1 = 105 = 104,7 (C1) + 0,3 (Ex)
Y2 = 105 = 105,3 (C2) – 0,3 (Im)

B2 = 10 + 10*0,02 + 0,3 (Ex) = 10,5 Einheiten

Schuldenquote: B2/Y2 = 10%

Exportquote: Ex/Y1 = 0,2857%

Land 1 bleibt Nettoexporteur, Land 2 Nettoimporteur, die Schuldenquote blieb konstant bei 10%.

Jahr 2 Variante 2:

g = 5% = 0,05
i = 2% = 0,02

Y1 = 110,25 = 109,935 (C1) + 0,315 (Ex)
Y2 = 110,25 = 110,565 (C2) – 0,315 (Im)

B2 = 10,5 + 10,5*0,02 + 0,315 (Ex) = 11,025 Einheiten

Schuldenquote: B2/Y2 = 10%

Exportquote: Ex/Y1 = 0,2857 %

Der absolute Betrag der Exporte hat sich erhöht, Export- und Schuldenquote blieben jedoch konstant.

Beispiel 2:

Jahr 0:

Im zweiten Beispiel startet Land 2 mit einer deutlich höheren Schuldenquote

Y1 = 100 = 40 (C1) + 60 (Ex)
Y2 = 100 = 160 (C2) – 60 (Im)

B2 = 60

Schuldenquote: B2/Y2 = 60%

Jahr 1:

Wachstums- und Zinsraten analog zu Variante 2 aus Beispiel 1

g = 5% = 0,05
i = 2% = 0,02

Y1 = 105 = 103,2 (C1) + 1,8 (Ex)
Y2 = 105 = 106,8 (C2) – 1,8 (Im)

B2 = 60 + 60 * 0,02 + 1,8 (Ex) = 63 Einheiten

Schuldenquote: B2/Y2 = 60%

Exportquote: Ex/Y1 = 1,7143 %

Die höhere Schuldenquote ermöglicht höhere absolute Exporte und eine höhere Exportrate als im Vergleich zur niedrigeren Schuldenquote aus Beispiel 1

Jahr 2:

g = 5% = 0,05
i = 2% = 0,02

Y1 = 110,25 = 108,36 (C1) + 1,89 (Ex)
Y2 = 110,25 = 112,14 (C2) – 1,89 (Im)

B2 = 63 + 63 * 0,02 + 1,89 (Ex) = 66,15 Einheiten

Schuldenquote: B2/Y2 = 60%

Exportquote: Ex/Y1 = 1,7143 %

Die absoluten Exporte haben sich Vergleich zu Jahr 1 erhöht, die Export- und Schuldenquote blieb konstant, und die Exportquote bleibt höher als im Beispiel 1 mit der niedrigeren Schuldenquote.

Wo liegen die Grenzen ? Die Grenzen werden determiniert von der Differenz aus Zinsrate und Wachstumsrate. Bei konstanter Wachstumsrate steigt die Zinsrate mit der Höhe der Schuldenquote. Gleichzeitig steigt bei konstanter Differenz von Wachstums- und Zinsrate die potentielle Exportquote mit der Schuldenquote. Dies führt zu gegenläufigen Effekten. Eine hohe Schuldenquote ermöglicht hohe Exportquoten, gleichzeitig wird mit steigender Schuldenquote die Differenz zwischen Wachstums- und Zinsrate zurückgehen, was sich negativ auf die potentielle Exportquote auswirkt. Wo das Optimum liegt hängt ab von der Zinsreagibilität auf die Schuldenquote ab.

Ein paar Dinge sollten aber festgehalten werden:

Es ist prinzipiell möglich, dauerhaft Handelsbilanzüberschüsse bzw. -defizite zu erzielen ohne dass es zu Ausgleichszahlungen, Schuldenkrisen oder Nachfragestörungen kommen muss.

Trotz einer stattlichen Schuldenquote von 60% und einer erheblichen Differenz von Wachstums- und Zinsrate in Höhe von 3% wird nur ein Exportsaldo, der in diesem Fall der Exportquote entspricht, von etwa 1,7% zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Schuldenquote des Importlandes führen. Im Falle Deutschlands, mit einem Anteil des Exportsaldos am BIP von zuletzt krisenbedingt „nur“ 5%, ist dieser Überschuss nicht per se unhaltbar. Es könnte ja sein, dass Deutschland diesen Exportsaldo mit mehreren Ländern erwirtschaftet hat, die jedes für sich im Rahmen ihrer Verschuldungsfähigkeit bleiben. Vermutlich entspricht das jenem Modell, das die Hüthers und Sinns so im Kopf haben, wenn sie an Exportweltmeisterschaft denken. Empirisch zeigt sich jedoch, dass es eine Reihe weiterer Exportländer gibt, die auch gewaltige Überschüsse erwirtschaften und eine ganze Reihe von Volkswirtschaften, deren Handelsbilanz erhebliche Defizite aufweist.

Es spielt keine Rolle, ob diese Defizite/Überschüsse im privaten Sektor oder im öffentlichen Sektor erwirtschaftet werden. Das ist für die Schuldenquote der Volkswirtschaft völlig unerheblich. Handelsbilanzdefizite, die sich nicht in Staatsschulden niederschlagen, erhöhen die Schuldenquote des privaten Sektors, und umgekehrt. Im obigen Beispiel wurde deshalb offen gelassen, wer sich genau verschuldet. Sowohl der Staat als auch der private Sektor sind mit den gleichen Bedingungen konfrontiert.

Der Boom der letzten Jahre war nicht nachhaltig. Er basierte auf einer Erhöhung der Schuldenquote von Importländern zu Gunsten von Exportländern. Eine Erhöhung der Schuldenquote ist eine verführerische Variante des Kapitalismus um Output zu erzeugen, der inhärent aus dem System heraus nicht möglich wäre. Es muss nicht unbedingt sein, dass diese Schulden irgendwann beglichen werden, insofern passt das Bild vom Konsum auf Kosten der Zukunft nicht. Die Erhöhung der Schuldenquote ist ein einmaliger Vorgang, in einer kreditbasierenden Geldwirtschaft eine einmalige Möglichkeit, einen Boost zu erzeugen. Meiner Ansicht nach ist deshalb der Kapitalismus gezwungen, räumlich zu expandieren um neue Kreditnehmer zu finden, die das Niveau dieses Boostes aufrechterhalten können. Igendwann muss dieser Turbo aber aussetzen und es muss auf ein nachhaltiges Niveau des Wirtschaftens zurückgekehrt werden. Die Frage ist, ob dieser Punkt nicht schon überschritten ist, einiges deutet darauf hin.

Mir ist trotz allem unklar, und da wird mir auch Hüther und Co. keine befriedigende antwort geben können, WARUM eine Volkswirtschaft dauerhaft Überschüsse erzeugen sollte. Warum sollte eine Volkswirtschaft dauerhaft auf Konsum verzichten und Forderungen gegenüber anderen Volkswirtschaften ansammeln, wenn sie nie die Absicht hat, diese aufzulösen. Ich kann keinen nachvollziehbaren Grund erkennen. Und der Verweis von Hüther auf ausgleichende Transferzahlungen, um ein nicht-nachhaltiges Exportmodell aufrecht zu erhalten, empfinde ich als ein intellektuelles Armutszeugnis. Ich kann nur vermuten, dass er andere Interessen im Sinn hat. Die Volkswirtschaft kann es nicht sein.

89 holger März 12, 2010 um 21:47

Ist ja klasse.

Dorf A: ist voller Bäcker und macht das Brot
Dorf B: ist voller Butterstampfer und macht selbige
Dorf C: ist voller Weintrauben und macht Wein
Dorf D: produziert das Geld was zum Tauschhandelnötig ist, und will Zinsen gegen Sicherheiten.

Und fertig ist die Globalisierung die immer und überall ist. Selbst von Dörpe zu Dörpe auf 10km² . Kommte nur drauf an, wer was, wieviel verkonsumiert oder das auch noch kann.

Dorf D “gehört” irgendwann mal alles. Und die anderen Deppen malochen. Abhängigkeiten wurden geschaffen. Halt falsch, Warenaustausch nennt sich dette. Weil nicht überall Wein wächst. :D

90 Demut März 12, 2010 um 22:02

Am Anfang war der Buchstabensalat, besonders beliebt Y und C, der die ganze ökonomische Welt in Tautologie ertränkte.

91 Wat. März 12, 2010 um 22:13

@ holger – und in jedem dieser Dörfer gibt’s noch nen ‘Oberhäuptling’, bei dem die anderen des jeweiligen Dorfes zu Stundenlöhnen angestellt sind… (haste vergessen)

92 Goldkind März 13, 2010 um 16:47

@13

im Zahn…

93 13 März 13, 2010 um 20:04

Goldkind, und ich dachte im Lächeln, so kann mann sich irren..
Aber zurück zum Deutschen..

94 ceteris März 13, 2010 um 22:26

@Z
Sehr schön dargestellt. Hat das nicht so ähnlich Ricardo auch behauptet? Die Richtigkeit scheint mir aber eine rein theoretische zu sein, denn sehr zu recht fragst du, warum eine Volkswirtschaft dauerhaft Handelsüberschüsse haben wollen soll, und schliesst:
Die Volkswirtschaft kann es nicht sein.
Genau. Denn “die Volkswirtschaft” gibt es gar nicht mehr, spätestens seit der Globalisierung nicht, frühestens seit dem Ende des Merkantilismus. Ich würde sogar behaupten, dass sie schon selber eine reine “Erfindung” ist, zur Vernebelung von Interessensgegensätzen, die nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen Kapital und Arbeit bestehen. “Ein Volk, ein Reich, eine Wirtschaft” so ungefähr…
Der Sinn einer dauerhaften Anhäufung von Überschüssen liegt also darin begründet, dass nicht die von ihnen profitieren, die sie erwirtschaften und dafür auf Einkommen (Löhne) verzichten, sondern die anderen, die die Forderungen halten und damit ihren Konsum in Karibik-Resorts finanzieren, ohne jeden Verzicht, und die natürlich auch die Zinszahlungen des Auslands einsacken, und am Ende damit noch Druck auf den eigenen Staat machen mit dem hübschen Argument, dass man ja im Inland gar keinen ausreichenden Gewinn mehr machen kann. Das wäre dann Käptn Iglo, aka Prof OhneSinn.

95 Z März 13, 2010 um 23:55

@ceteris

Mir ist die Argumentation dieser Apologeten einer deutschen Exportweltmeisterschaft völlig unklar, eine überzeugende habe ich bisher noch nicht gehört. Der obige Beitrag zeigt ja lediglich auf, dass prinzipiell unter bestimmten Voraussetzungen und innerhalb enger Grenzen dauerhafte Überschüsse möglich sind. Wie entstehen jedoch Überschüsse ?

Ich meine, dass deutsche Modell ist gar nicht so weit vom Merkantilismus entfernt. Im Merkantilismus wurde Export subventioniert und Importe besteuert. In der Globalisierung wertet Deutschland innerhalb des Euroraumes seine Währung ab, indem es den Arbeitsmarkt dereguliert und an den Steuerschrauben dreht. Wenn die Subventionierung des Exports nur stark genug ist, kann man auf Importzölle verzichten. Die Folge ist, dass der Output steigt (wegen der Exporte), die Beschäftigung steigt (wegen des höheren Oututs) aber die Lohnsumme insgesamt bleibt konstant (wegen der gesunkenen Löhne). Die sogenannten Ökonomen und Politiker lassen sich dann wegen des Wachstums und der gesunkenen Arbeitslosigkeit bejubeln. Bezüglich der Lohneinkommen (was war noch mal der Sinn von Wachstum und Arbeit?) hätte man jedoch den gleichen Effekt erreichen können, wenn man die Arbeitnehmer stärker besteuert hätte und das Geld als Transferleistung an die Arbeitslosen weitergeleitet hätte. Faktisch ist die Exportweltmeisterschaft ein groß angelegtes Arbeitsbeschaffungsmaßnahmenprogramm um die Dysfuntkion der Arbeit als Allokationsmechanismus von Einkommen zu kaschieren.

Der zweite häufig genannte Grund betrifft die Rente. Eine alternde Gesellschaft soll in expandierende Gesellschaften investieren um später einen Teil des Konsums über Importe decken zu können. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass diese Importe vom Ausland ja erst mal erwirtschaftet werden müssten, bedeutete die Lohnsenkung faktisch, dass sich lediglich die Gewinne erhöhten, also nur eine kleine Minderheit von Kapitaleignern in den Genuß der Mittel kam, die im Ausland investiert werden konnten. Im Ausland fehlten aber lukrative Investitionsmöglichkeiten in dieser Höhe, zumal in Volkswirtschaften, die ihren Konsum ihrerseits über Importe abdecken. Also finanzierte diese kleine ökonomische Elite den Konsum des Auslandes, also ihre eigenen Gewinne, was ja auch hervorragend passt, den mangels der Möglichkeit, Einkommen aus Arbeit zu erwirtschaften, waren dort billige Kredite heiß begehrt. Im Inland wurde ohnehin nicht wesentlich investiert, da die florierende Exportwirtschaft von einer schwächelnden Binnenkonjunktur begeleitet wurde. Das ganze erfolgte dann in einer Dimension, die die Schuldenquote des Auslandes merklich steigen liess und als die Kreditblase platzte, schickte die ökonomische Elite Ackermann zu Mutti Merkel, damit die auf Kosten der Steuerzahler die Party rettet.

Deine Zusammenfassung, dass am Ende die profitieren

die die Forderungen halten und damit ihren Konsum in Karibik-Resorts finanzieren, ohne jeden Verzicht, und die natürlich auch die Zinszahlungen des Auslands einsacken, und am Ende damit noch Druck auf den eigenen Staat machen mit dem hübschen Argument, dass man ja im Inland gar keinen ausreichenden Gewinn mehr machen kann.

passt schon, und es waren sogar so hohe Forderungen, verteilt auf eine so kleine Elite, dass kein Karibik Resort der Welt luxuriös genug ist, dieses Geld auch auszugeben. Wenn man den Hüthers Hinterhältigkeit unterstellen wollte, dann müsste man zu dem Schluß kommen, dass das Argument mit dem Wachstum und den Arbeitsplätzen nur vorangestellt ist, um die Lohnstückkosten zu drücken und damit an der Verteilungsschraube zu drehen. Wenn man ihnen dann noch Intelligenz unterstellen würde, dann wussten sie auch, dass die Kehrseite dieser Verteilungslogik nur in einem heillosen Anstieg der Schuldenquote des privaten bzw. öffentlichen Sektors im Ausland liegen kann. Und wenn man ihnen zusätzlich Arroganz unterstellte, dann haben sie kalkuliert, dass im Falle der Uneinbringlichkeit dieser Forderungen dem Staat gar nichts anderes übrig bliebe (oder diesen entsprechend davon “überzeuge”), als mit dem Geld seiner Steuerzahler, also der Arbeitnehmer, die man zuvor schon nach Strich und Faden ausgenommen hat, generös einzuspringen. Aber all das will ich gar nicht machen. Vielleicht war es auch einfach nur unsägliche Dummheit.

96 ceteris März 14, 2010 um 00:46

@Z
Wir sind uns am Ende völlig einig, auch wenn wir von verschiedenen Positionen her kommen und argumentieren. Das freut mich!
Schönen Sonntag! Du hast meine Kenntnisse oder “Ahnungen” und damit Argumentationsmöglichkeiten auf eine Weise ergänzt, wie das wohl nur ein unabhängiger VWL-geschulter Geist kann. Denn zu denen gehöre ich nicht, bin gänzlich unakademisch.

97 Z März 14, 2010 um 04:08

Den wünsche ich Dir auch !

98 Degnaphta März 14, 2010 um 16:19

Also die Frage wie aus duckmäuserischen Dumpfmicheln stolze Hellenen werden, ist so wichtig wie ungeklärt.

Was mir bei der Diskussion oben aufgefallen ist, hat bereits yep-nope-goodnight mal ausgezeichnetdargelegt. die sogenannte ‘hochspezialisierte Arbeitsteilung’ wurde nach seiner analyse dahingehend ‘entwickelt’, daß Uncle Sam konsumiert, der chinesische drache produziert, und europa stat auf dem Stier zu reiten logistische Funktionen ausführt.
Die manische Exportweltmeisterei erfordert ebenfalls Konsumenten außerhalb, weshalb hier auch pervertierte/degenerierte/durchgeknallte Formen der Arbeitsteilung notwendig sind. Docj wie rückt man das wieder in Bahnen, die allen Menschen zuträglich sind?
Die aktuelle Entwicklung läuft doch drauf hinaus, daß europäische (Lissabon)Polizeikräfte dem griechischen ‘domestic terrorism’ irgendwann zu Leibe rücken müssen.
“Morgens Frontex und abends Europol” könnte als Standardslogan dann zur Patentlösung im faschistoiden Sinne erblühen. Wer will das wirklich?

99 Anonymus März 15, 2010 um 09:53

http://de.news.yahoo.com/2/20100315/tbs-wettbewerbsvorteil-deutscher-wirtsch-f41e315.html

Aha, das Frühwarnsystem, ja, warnt schon ganz schön früh, das Frühwarnsystem…….

100 Paule März 15, 2010 um 11:27

keine Sorge ,
dieser “Wettbewerbsvorteil” wird schon aktiv beseitigt:

“Deutsche Telekom führt Frauenquote ein”
(im Management)
:= Untergangs-Beschleunigungs-Gesetz

101 Demut März 15, 2010 um 11:41

Das beste Modell um dauerhafte Hnadelsbilanzüberschüsse zu erzielen ist, eine wettbewerbsfähige Rüstungsindustrie.
Deutschland blickt auf eine vielhundertjährige bewährte Tradition zurück.

Ich hätte erwartet, dass alle kleinen Länder, die zum EU-Währungsraum gehören, sofort ihre Rüstungskäufe einstellen.
Der Wohlstandsgewinn auf Kosten der grösseren Länder der Währungsgemeinschaft, wäre doch beträchtlich.

102 racoon März 15, 2010 um 23:34

@87

“your comment was a bit too short, go back and try again”:

there you are:

yes.

103 Z März 18, 2010 um 06:45

Martin Wolf legt in einem exzellenten Beitrag in der FT nach:

http://www.ft.com/cms/s/0/cd01f69e-3134-11df-8e6f-00144feabdc0.html

Germany + China = Chermany

Grundlage sind die bekannten Äußerungen von Merkel und Schäuble sowie die Äußerungen von Wen Jiabao auf dem National People’s Congress:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/china-wen-jiabao-weist-usa-in-die-schranken;2545800

Interessant hierzu auchYu Yongding…

http://www.project-syndicate.org/commentary/yu2/English

…der die (absurde) chinesische Perspektive auf die Dollarinvestments zusammenfasst, auf die sich Martin Wolf ebenfalls bezieht.

Wolf sieht eine gute Chance, dass es China und Deutschland in einer gemeinsamen Anstrengung schaffen, die Welt doch noch in eine Depression zu stürzen.

Wolf fasst zusammen:

Meanwhile, countries that ran huge external deficits in the past can cut the massive fiscal deficits that result from post-bubble deleveraging by their private sectors only via a big surge in their net exports. If surplus countries fail to offset that shift, through expansion in aggregate demand, the world is inevitably caught in a “beggar-my-neighbour” battle: everybody seeks desperately to foist excess supplies on to their trading partners. That was a big part of the catastrophe of the 1930s, too.

Wer hätte das gedacht, dass die kommunistischen Führer des Reichs der Mitte und die kapitalistischen Führer Großdeutschlands mal gemeinsam an dem Strang ziehen, an dem sie selber hängen.

104 Z März 18, 2010 um 07:27

In Deutschland wird die Debatte übrigens so geführt:

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/export-debatte-der-euroraum-ist-keine-insel-der-seeligen;2547020
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/export-debatte-wirtschaft-verteidigt-ihr-erfolgsmodell;2547114

Zu Wort kommen:

Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble
EU-Kommissar Günther Oettinger
BGA-Sprecher André Schwarz (Bundesverband Groß- und Außenhandel)
UniCredit-Volkswirt Alexander Koch
Axel Nitschke, Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages
Jean Pisani-Ferry, Brüsseler Wirtschaftsforschungsinstitut Bruegel
Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA)
Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie

(Anmerkung zu Bruegel: ein neoliberaler Denkpanzer, dessen Mitglieder neben einigen europäischen Regierungen folgende Konzerne sind:
Areva, BP, DaimlerChrysler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, EMI, Électricité de France, Fortis, France Telecom, GDF Suez, GE, Goldman Sachs, IBM, Nokia, Novartis, NYSE Euronext, Pfizer, Renault, Samsung Electronics, Thomson, Unicredit.)

Da sind doch wirklich alle Seiten gehört worden, guter deutscher Journalismus, oder nicht ?
Kein Wunder, dass das Handelsblat zu dem Ergebnis kommt:

Die Vorwürfe gegen Deutschland, heißt es unisono, seien absurd.

Denn, wie das Handelsblatt auch feststellt:

Die Lobbyisten packen die Samthandschuhe ein.

Da kann man wirklich nur den Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen zitieren:

„Der Euroraum ist keine Insel der Seeligen“

Well done ! Zum Glück war Guido in der Zeit im Urlaub GeschäftsreiseAusland.

105 Z März 18, 2010 um 08:14

Sehe gerade, dass der Link zur FT nur registrierten Nutzern offen steht. Hier gibt es Auszüge mit Kommentar:

http://www.roubini.com/globalmacro-monitor/258563/martin_wolf__china__germany_commiting_world_to_deflation

ansonsten mal den Titel über Göögle suchen, es gibt mindstens ein Blog, der den Titel vollständig zitiert…

Hinterlassen Sie einen Kommentar

{ 1 Trackback }