Wie der Frosch im Kochtopf

von weissgarnix am 6. März 2010

Ein weiteres Kapitel, das es schließlich nicht in mein Buch geschafft hat, handelt von der Inflation. Ich mochte es aus “technischer” Sicht sehr, fand es aber dann im übergeordneten Fluss störend und vielleicht auch einen Tick zu kompliziert. Es sollte auch Freunden der “Österreichischen Schule” gefallen, die meiner eigenen Sichtweise in diesem Punkt sehr nahe steht. Eine schöne Gelegenheit daher, in diesem Blog wenigstens ein einziges Mal aus einem Text auf “mises.org” zu zitieren. Da der Text insgesamt 18 Seiten umfasst, stelle ich ihn auch als pdf zum Download zur Verfügung. Viel Spass.

WIE DER FROSCH IM KOCHTOPF

Schulden sind die Droge der Ökonomie, und wie alle Drogen haben auch Schulden unerwünschte Nebenwirkungen. Einer solchen wollen wir uns nun zuwenden; einer, die für unsere Epoche kapitalistischer Wohlfahrts-staaten typisch ist: Die Rede ist von der Inflation.

Wenn der Begriff fällt, denken üblicherweise alle an steigende Preise. Kein Wunder: Mit steigenden Preisen haben die Deutschen schlechte Erfahrungen gemacht, in den Hyperinflationsjahren 1922/23 der Weimarer Republik. Man begegnet ihr daher selbst heute noch mit Sorge, auch wenn die überwiegende Mehrzahl der aktuell lebenden Bevölkerung unmöglich am eigenen Leib erfahren haben kann, was rasant steigende Preise konkret bedeuten. Wir fürchten uns sozusagen vom „Hörensagen“; und bedanken uns bei Ländern wie Zimbabwe dafür, dass sie dem intuitiven Grusel via Medien praktisches Anschauungsmaterial liefern.

In einer Marktwirtschaft spielen die meisten Menschen eine Doppelrolle: Aus der Perspektive des Konsumenten sind uns steigende Preise ganz allgemein nicht willkommen; als Produzenten oder Mitarbeiter eines solchen liegen die Dinge jedoch anders, da haben wir gegen Preisaufschläge selten Einwendungen – solange es nur unsere eigenen Produkte oder Dienstleistungen betrifft. Denn höhere Preise, die im Markt durchsetzbar sind, deuten auf eine gute Konjunktur hin, dann geht es den Unternehmen gut, die Beschäftigten verdienen mehr, alles läuft also bestens; vor allem die Firma, die uns ernährt. Die Inflation ist somit ein Widerspruch derselben Art, wie ihn Karl Marx für den Wunsch der Unternehmer an die Höhe der Arbeiterlöhne festgestellt hat: Die der eigenen Mitarbeiter sollen möglichst niedrig, die aller anderen Beschäftigten (= Kunden des eigenen Unternehmens) aber möglichst hoch sein. Beide Ansichten verkörpern die paradoxe Form des ökonomischen Prinzips: Mit minimalem Input maximalen Output erzielen: ein Ding der Unmöglichkeit. Was allerdings eine Konsum-gesellschaft wie die deutsche, die sich „Geiz ist geil!“ und „Wohlstand für Alle“ zugleich auf die Fahnen geschrieben hat, offenbar nicht immer wahrhaben will.

Deutet man Inflation daher pauschal als „Preissteigerung“ und Preissteigerung als „Inflation“, dann wird die Abgrenzung dessen, was nun genau als schädlich benannt und gegebenenfalls bekämpft werden soll, schwierig – um nicht zu sagen: beliebig. Von Lenin soll das Zitat stammen: „Der beste Weg, die Bourgeoisie zu zerstören, ist sie zwischen den beiden Mühlsteinen der Steuern und der Inflation zu zermahlen“.  Aber was meinte er damit genau? Wie kommt es überhaupt zur Inflation? Und warum? Und wenn sie so ein Übel darstellt, was sollte man dagegen tun? Kann man überhaupt was dagegen tun?

Wer sich ein wenig für Wirtschaft interessiert, dem werden typische Antworten auf diese Fragen bekannt sein: Die lose Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank ist schuld, und sie sollte unbedingt schnell die Zinsen erhöhen; oder die Spekulanten sind schuld, die treiben mit ihren üblen Machenschaften den Ölpreis hoch, und das hat Auswirkungen auf eine ganze Reihe anderer Preise, daher muß man ihnen schleunigst das Handwerk legen; oder aber die Regierung  ist schuld – der Klassiker unter den Inflationsdeutungen -, weil sie an ihre politische Klientel Wahlgeschenke verteilt und dadurch gigantische Haushaltsdefizite verursacht; daher muß sie sparen, sparen und nochmals sparen. An Erklärungen und unterschiedlichen Meinungen herrscht also – wie immer bei sozialwissenschaftlichen Problemstellungen – kein Mangel. Für jeden, ob Marktliberaler oder Sozialist, ist die ideologisch passende Antwort mit dabei, sodaß auch dieses Thema nach dem Motto angepackt werden kann: Erlaubt ist, was gefällt.

Vor diesem Hintergrund besticht die hier vertretene Inflationsthese durch Schlichtheit: Inflation liegt demnach vor, wenn die Nachfragewünsche der Verbraucher höher sind, als das vorhandene Angebot. Das mag nichtssagend klingen, hat aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber allen anderen Erklärungen: Es können auch solche Zustände unter den Begriff „Inflation“ subsummiert werden, in denen die Preise nicht steigen. Und das erscheint mir insbesondere für die Beantwortung der Frage: „Was ist an der Inflation so gefährlich?“ von überragender Bedeutung.

Das Problem ist: Die Mehrzahl der Leute kann die Inflation nicht vorhersehen. Und ist demzufolge nicht in der Lage, sie durch Einkommenszuwächse auszugleichen. Denn die Preise steigen ja in der Inflation keineswegs gleichmäßig und auch nicht gleichzeitig. Eine ganze Reihe von Produktgruppen mag im Preis sogar fallen. Stellen Sie sich anhand ihrer eigenen Situation einmal vor, wie es wäre, wenn die Preise aller Waren und Dienstleistungen, die Sie regelmäßig beziehen, steigen, ausgerechnet ihr eigenes Einkommen aber nicht. Und schlimmer noch: Womöglich wären ausgerechnet Sie mit einem sinkenden Einkommen konfrontiert – weil nämlich genau jene Produkte und Dienstleistungen, mit denen Sie ihr Geld verdienen, plötzlich keiner mehr kauft, um sich weiterhin die anderen Güter leisten können, die inflationär im Preis gestiegen sind. Wären Sie dann frustriert? Ich zumindest wäre es.

Darin liegt der eigentliche Grund, warum hohe Inflationsraten immer zu Verwerfungen führen; zu Einkommensverschiebungen, Fehlallokationen, irrationalen Verhaltensweisen – mit einem Wort: zur Erschütterung des Systems, so stabil es vorher auch gewesen sein mag: Produzenten und Konsumenten können die Preisänderungen, die sie konkret betreffen, nicht vorhersehen. Was dazu führt, dass in einigen Gütern zu hohe Nachfragewünsche auf ein zu geringes Angebot treffen, und in anderen Gütern wiederum das genaue Gegenteil eintritt. Betrachtet man eine solche Entwicklung unter dem Mikroskop, bekommt man ein Panoptikum ökonomischer Mißstände vor Augen geführt: Produzenten, die bei fallenden Preisen auf ihrer Ware sitzen bleiben, Konsumenten, die frustriert feststellen, dass sie sich angesichts steigender Preise längst nicht das leisten können, was sie sich leisten wollten. Wir sehen auf der einen Seite Lagerhäuser, in denen verderbliche Waren verrotten, und auf der anderen Supermarktregale, die binnen kürzester Zeit leergeräumt werden; Fabriken, die stillstehen und andere, die Sonderschichten fahren müssen. Arbeitgeber, die händeringend nach Mitarbeitern suchen, und andere, die Leute entlassen und Insolvenz anmelden müssen. Außer Kontrolle geratene Inflation ist das reine Chaos, weil ein funktionsgestörter Preismechanismus nicht mehr in der Lage ist, das Geschehen auf einzelnen Teilmärkten so zu koordinieren, dass Nachfrage- und Angebotsmengen zueinander passen. Oder anders gesagt: Die „invisible hand“ von Adam Smith, die in einer Tauschwirtschaft nach der Vorstellung ihres Schöpfers für maximalen Wohlstand zu sorgen vermag, versagt in einer Geldwirtschaft kläglich. Wenn man so will, dann hat sie keine echten Befugnisse mehr, sobald Geld im Spiel ist; was auch der Hauptgrund dafür sein dürfte, dass sich die herrschende Ökonomie in ihren Modellen mit Geld so schwer tut: Das allgemeine Gleichgewicht wird dann nämlich schnell zur Chimäre.

Die Orientierung am Geld verleitet alle wirtschaftlichen Akteure, seien sie Produzenten oder Konsumenten, Arbeitgeber oder Beschäftigte, Investoren oder Financiers, sich anders zu verhalten, als sie sich den realen Gegebenheiten entsprechend verhalten hätten: Die Einen werden von Märkten mit steigenden Preisen hypnotisch angezogen und versuchen sich als Glücksritter, was alle nur erdenklichen Arten von „Bubbles“ zur Folge hat; die Anderen reduzieren ihren Konsum dramatisch und legen hohe Ersparnisse an. In all jenen Branchen, die vom Nachfragerückgang betroffen sind, herrscht dann absolute Flaute; sie werden von Investoren wie Konsumenten links liegen gelassen, was zum großen Firmensterben und zu Arbeitslosigkeit führt; wieder Andere entdecken den Schwarzmarkt für sich, der es in Zeiten galoppierender Inflation zu wahrer Blüte bringt, oder frequentieren obskure Anbieter im Internet auf der Suche nach Ersatzbefriedigung. In der Inflation zeigt sich am deutlichsten, dass die von der herrschenden Ökonomie als Anomalie verkaufte „Geldillusion“ in Wahrheit keine solche ist: Geldpreise sind im Kapitalismus das Entscheidende, machen ihn aber prinzipiell unberechenbar; Gleichgewichtszustände werden wenn überhaupt dann nur noch dynamisch möglich, nicht mehr statisch. „Dynamisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang mittels „Ausdifferenzierung, durch Unterbrechung sozialer Synchronisationen“[i], wie der Soziologe Niklas Luhmann schreibt: Womit der Begriff implizit auf soziale Abgründe verweist. Denn in einer Gesellschaft, deren Daseinsbewältigung darauf fußt, dass ihre einzelnen Teilsysteme harmonisch ineinandergreifen, sprich: in „Gleichzeitigkeit“operieren, ist ein Abreißen der Synchronisation gleichbedeutend mit dem Entstehen von Zukunftsrisiken (und –ängsten) auf allen Seiten. Die Werte-Welt, und nicht nur die finanzielle, gerät dann schnell aus den Fugen. Dazu Luhmann: „Kein Wunder also, dass diese Katastrophe von Zeitgenossen nicht adäquat begriffen werden konnte, sondern als Sündenanstieg oder als Verfall erlebt wurde.“[ii] Damit sollte er auch in dieser Krise rechtbehalten: Nirgendwo wurde so schnell Zuflucht gesucht und offenbar auch gefunden wie bei der Moral. Und tatsächlich erwecken viele prominente Stimmen im uferlosen Ozean der Öffentlichen Meinung den Anschein, als ob jetzt, wo die vermeintlich „Schuldigen“ gefunden sind, das Leben in unserer selbstkonstruierten Gleichgewichts-welt weitergehen könne, als sei nichts geschehen. Eine Vorstellung, die nicht nur durch die realitätsnahe Konzeption der Ökonomie, sondern auch durch die Erkenntnisse der systemtheoretischen Soziologie erschüttert wird. So heißt es bei Luhmann: „Der adäquate Bezugspunkt für die Beobachtung und Analyse des Systems ist daher nicht die Rückkehr in eine Ruhelage, wie Theorien des ‚Gleichgewichts’ suggerieren, sondern die ständige Reproduktion der momenthaften Aktivitäten, eben der Zahlungen, aus denen das System besteht.“[iii]

Kommen wir zurück zu meiner Bemerkung von oben, dass meine spezifische Sicht der Inflation geeignet sei, auch krisenartige Zustände als solche zu analysieren, in denen die Preise nicht steigen: Inflation ohne Preiserhöhungen, kann es so etwas überhaupt geben? Nach Ansicht des Ökonomen Wilhelm Röpke schon: Auf ihn geht dieser Erklärungsansatz nämlich zurück. In der sogenannten „zurückgestauten“ Inflation, in der die Preise aus verschiedensten Gründen nicht steigen können, sah er das „übelste Leiden von allen“[iv], unter denen eine moderne Volkswirtschaft leiden könne. Als Röpke diesen Gedanken formulierte, um das Jahr 1947 herum, hatte er die damals umfangreichen staatlichen Preiskontrollen, Quotenregelungen und sonstigen Interventionen im Kopf, aufgrund derer die Preise mancher Güter nicht steigen konnten, obwohl die eigentlich vorhandene Nachfrage das faktische Angebot bei weitem überstieg. Die „offene Inflation“, die sich durch steigende Preise auszeichnete, wurde daher zunehmend verdrängt durch eine „verbotene“ oder „zurückgestaute“ Inflation, bei der die Preise stabil blieben.

Was passierte aber stattdessen? Die überschüssige Nachfrage-erwartung der Konsumenten blieb unerfüllt, ganz klar: Sie stellten sich zwar brav ab 7:30 Uhr in die Schlange vor den Supermärkten, aber bereits eine halbe Stunde nach Hochziehen der Rollbalken war halt schlicht nichts mehr da. „Kommen Sie morgen wieder!“, vertröstete sie der freundliche Supermarktleiter. Aber weil jedermann, der klar bei Verstand war, voraussehen konnte, dass die Situation am nächten Tag nicht anders sein würde, und am übernächsten Tag auch nicht, und während der ganzen kommenden Woche ebenfalls nicht, kauften diejenigen, die Gelegenheit dazu hatten, die gefragtesten Waren des alltäglichen Bedarfs in Vorratsmengen und horteten sie. Womit sie das Angebot für alle nach ihnen Kommenden umso stärker verknappten.

Wenn ich oben geschrieben habe, Inflation sei durch einen Überschuss von Nachfragewünschen über konkrete Angebotsmengen bedingt, dann stellen wir an dieser Stelle fest, dass diese überschüssige Nachfrage bei der „zurückgestauten“ Inflation noch viel deutlicher zu Tage tritt, als bei der „offenen“. Falls wir sie exakt bestimmen wollten, dann bräuchten wir, um beim eben verwendeten Bild mit der Schlange vor dem Supermarkt zu bleiben, nur alle leer ausgegangenen Anstehenden zu befragen, wie viel sie denn von einer bestimmten Ware zum aktuellen Preis gekauft hätten. Die Höhe der so ermittelten Fehlmenge drückt unmittelbar die Enttäuschung aus, mit der die erfolglosen Hausfrauen und –männer ihren Nachhauseweg antreten. Diese Information wird bei der offenen Inflation verdeckt: Bei ihr erfährt man lediglich, dass eine konkrete Angebotsmenge einer bestimmten Ware mit einer exakt gleich hohen Nachfragemenge korrespondiert, nachdem der Preis dieser Ware entsprechend gestiegen ist. Obwohl die Ökonomie in diesem Fall von einem „Gleichgewicht“ sprechen würde, ist der Ausdruck natürlich nichts als eine leere Formel, weil die ursprünglichen Erwartungen der Käufer und Kaufinteressenten ja keineswegs erfüllt werden: Die Einen kommen zwar zum Abschluss, aber nur zu deutlich höheren Preisen, als sie eigentlich bezahlen wollten; und die Anderen müssen angesichts der gestiegenen Preise von vornherein passen oder ihre Wunschmenge reduzieren. Im Unterschied zur zurückgestauten Inflation, bei der sich die „Lücke“ zwischen gewünschter und realisierter Nachfrage mangels flexibler Preise zur Gänze in der Menge offenbart, verteilt sie sich bei der offenen Inflation sowohl auf Preise als auch Mengen.

In beiden Fällen ist diese Lücke zurückzuführen auf eine verzögerte Anpassung vorhandener Güterwünschen an die preisliche Realität: Der Konsument, der erwartet hatte, dass er sich heute eine bestimmte Menge einer bestimmten Ware leisten kann, weil er sich auch gestern und vorgestern dieselbe Menge dieser Ware leisten konnte, sieht sich getäuscht, wenn von gestern auf heute der Preis dieser Ware erhöht wurde. Und er sieht sich auch dann getäuscht, wenn es ihm ergeht wie dem Frosch im Kochtopf, der die langsam ansteigenden Temperaturen nicht wahrnimmt: Aufgrund der prinzipiellen Orientierung an Geldpreisen führen kleinere, aber dafür regelmäßig anfallende Kaufkraftverluste häufig erst dann zu einer Reaktion, wenn sie kumulativ eine bestimmte Höhe erreicht haben.

Was wird unser Konsument daraufhin tun? Er wird sich seiner Doppelrolle besinnen, und als Arbeitnehmer auf eine Lohnerhöhung drängen oder als Selbstständiger versuchen, seinen eigenen Kunden gegenüber höhere Preise durchzusetzen. Sollte ihm das gelingen, dann schlägt die zurückgestaute Inflation ab diesem Moment um in die offene: Der Arbeitgeber kalkuliert höhere Löhne in seine Produktpreise, und sofern es sich um einen generellen und nicht nur unternehmens- oder branchenspezifischen Vorgang handelt, erhöhen diese sich auf breiter Front. Versuchsweise zumindest, denn ob all diese Unternehmen ihre höheren Preise im Markt durchsetzen werden können, ist ja keineswegs gesagt. In den Medien ist dann üblicherweise von „Zweitrundeneffekten“ die Rede, und besorgte Bundesbankpräsidenten geben mit ernster Miene zu bedenken, dass die Arbeitnehmer sich doch „verantwortlich“ verhalten mögen. Deutlich seltener jedoch wird erwähnt, dass die Arbeitnehmer auf diese Weise nicht agieren, sondern reagieren, um sich gegen bereits eingetretene Reallohnverluste zu wehren. Nachrichtensprecher und Zeitungsjournalisten plappern dann unbekümmert die These von den hohen Tariflohnabschlüssen als Inflationsursache nach, werden aber still wie das sprichwörtliche Grab, wenn die Preisentwicklung einen völlig anderen Kurs nimmt: So schockten die deutschen Metaller Freund und Feind im Herbst 2008 mit einer Lohnforderung von 8 Prozent und einigten sich mit den Arbeitgebern schließlich bei rund der Hälfte. In den deutschen Verbraucherpreisen machte sich dieser Anstieg aber nicht im Geringsten bemerkbar,die Inflationsrate fiel seither von über 2 Prozent auf null.

Ob ein höherer Lohnabschluss daher tatsächlich in offener Inflation mündet, hängt von einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren ab, unter anderem ob die von Lohnerhöhungen betroffenen Unternehmen über Marktmacht verfügen, in welchem Ausmaß ihre Leistungen in die Herstellung von Konsumgütern eingehen, welche individuelle Produktivitätsentwicklung sie verzeichnen, welche Gewinnerwartungen sie insgesamt hegen, und so weiter und so fort. Insbesondere muss eine durch Tariflohnerhöhungen ausgelöste Inflation „finanzierbar“ sein, das heißt den Unternehmen muss es entweder gelingen, die gestiegenen Lohnkosten über höhere Umsatzerlöse wieder einzuspielen, oder sie anderweitig zu finanzieren, aus bestehendem Geldvermögen zum Beispiel oder aus Betriebskrediten. Gelingt ihnen das nicht, dann entpuppt sich jede derartige Preiserhöhung schon bald als Strohfeuer. Eventuell entwickelt sie sich für die Beschäftigten dann auch zum Bumerang, nämlich dann, wenn der höhere Tariflohn zwar fixiert wird, aber nicht finanziert werden kann, und der Ausgleich daher über eine Verringerung der Belegschaft erfolgt. Kurzum: Mit einer Tariflohnerhöhung wird lediglich der erste aus einer Vielzahl von Faktoren verwirklicht, die für ein Einsetzen der Inflation zusammenkommen müssen. Sollten das allerdings doch passieren, und die zurückgestaute Inflation tatsächlich in die offene Form umschlagen, dann wäre die Freude der Beschäftigten über den nominalen Lohnzuwachs nur von kurzer Dauer: Alsbald kämen sie als Konsumenten nämlich dahinter, dass sie den steigenden Preisen ja schon wieder hinterher laufen. Also eine neue Lohnrunde. Und falls der Kaufkraftverlust trotzdem anhält, dann gleich noch eine – solange, bis eines schönen Tages jemand feststellt: „Wir laufen ja den Preisen immer nur hinterher. Das machen wir ab jetzt anders: Wir beziehen in unsere nächste Lohnforderung nicht nur die Preiserhöhung vom abgelaufenen Jahr mit ein, sondern gleich auch noch die vom kommenden. Damit sind wir auf der sicheren Seite.“ Sollten sie mit dieser Forderung erfolgreich sein, dann wird es tatsächlich gefährlich. Denn jetzt startet womöglich ein typisches Rennen zwischen Hase und Igel, an dessen Ende der Igel jedes mal grinst: „Ich bin ja schon da!“ – Und der Hase schließlich vor Erschöpfung tot umfällt. Im konkreten Fall wäre es ein Rennen unterschiedlicher Preiserwartungen – denen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Noch dazu eines, dass sich reflexiv aufschaukelt und beschleunigt, weil beide Seiten versuchen, die immer höheren Erwartungen des jeweils anderen zu antizipieren. Ein sich ausdehnende Preisspirale entwickelt sich, und alsbald befindet sich die Volkswirtschaft im Chaos einer „galoppierenden“ oder gar einer „Hyperinflation“.

Glaubt man dem israelisch-amerikanischen Ökonomen Abba Lerner, dann hat man bei der offenen und der zurückgestauten Inflation nur die Wahl zwischen „Betrug“ und „Gewalt“, mittels derer man von der Verwirklichung seiner Konsumwünsche abgehalten wird.[v] Die offene Inflation arbeite mit einer optischen Illusion in den Preisen, dass nämlich Erwartungen sich nicht mit der Realität vertrügen; die zurückgestaute Inflation hingegen mache kein großes Aufheben um die Preise, sondern präsentiere knallhart die nackten Tatsachen: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! In keinem der beiden Fälle würde aber dem Preismechanismus gestattet, die Verteilung knapper Güter unter den Teilnehmern einer Wirtschaft rational zu regeln, so wie es die klassische Theorie vorsieht; stattdessen kommen diejenigen zum Zug, die es dank Geschick, Glück oder Tücke schaffen, früher als andere steigenden Preise zu erraten oder an die Spitze der Warteschlangen vor den Geschäften zu gelangen.

Diese Sichtweise der Inflation hat auch noch einen anderen Vorteil: Sie räumt mit dem noch immer weit verbreiteten Missverständnis auf, dass Inflation und Arbeitslosigkeit ein Gegensatzpaar seien, dass einen Bogen politischer Handlungsoptionen aufspannt. Ich erinnere an dieser Stelle an das legendäre Zitat Helmut Schmitts: „Lieber habe ich 5 Prozent Inflation als 5 Prozent mehr Arbeitslosigkeit“. Denn genauso, wie es zurückgestaute Inflation gibt, bei der die Preise eben nicht steigen, obwohl ein Überschuss der Nachfragewünsche über das Angebot besteht, existiert spiegelbildlich das Phänomen zurückgestauter Deflation, bei der die Preise zwar nicht fallen, aber trotzdem ein Mangel an Nachfragewünschen relativ zum Angebot vorliegt. Und wie schon bei der Inflation der Nachfrageüberschuss tritt auch bei der Deflation der Nachfragemangel noch viel deutlicher zum Vorschein, wenn die Preise stabil bleiben. Die Rationierung vorhandener Absatzmöglichkeiten erfolgt hier wieder mit „Gewalt“, um in Abba Lerners Terminologie zu bleiben, während sie im Fall sinkender Preise durch „Betrug“ erfolgen würde. Wenden wir diese Sichtweise auf den Arbeitsmarkt an, dann können wir analog zur obigen Darstellung der Inflation zeigen, warum die viel gescholtene Starrheit der Löhne zwar zu einem deutlicheren Hervortreten des Nachfragemangels nach Arbeitskräften (= Arbeitslosigkeit) führen kann, die Alternative fallender Löhne aber keineswegs die bessere Lösung darstellt, wie von den Sprachrohren der Arbeitgeberorganisationen fortwährend behauptet: Die Erwartungen selbst der zum Zug gekommenen Arbeitssuchenden werden bei tieferen Löhnen enttäuscht, die Verbesserung der offiziellen Arbeitslosenstatistik beruht, wie schon oben der Ausgleich von Angebots- und Nachfragemengen in der offenen Inflation, auf einer „optischen Illusion“. Denn nehmen wir einmal an, dass es in einer Depression tatsächlich zu einer generellen Lohnsenkung kommt, und die Unternehmer auf das vermeintlich bessere Preis-Lohn-Verhältnis reagieren, indem sie die Kapazität ihrer Produktionsanlagen voll auslasten. Die Arbeitslosigkeit sinkt deshalb momentan zwar kurzfristig – aber ist die Depression damit wirklich überwunden? Natürlich nicht: Die zusätzlich produzierten Güter müssen ja erst noch verkauft werden. Aber an wen denn? Die einzigen, die in einer solchen Konstellation steigende Einkommen verzeichnen, sind die Unternehmer. Damit das „Löhne runter!“-Mantra also sein Heilsversprechen einlösen kann, müssten die Unternehmer ihre Zusatzprofite unverzüglich in den Aufkauf der produzierten Ware stecken, den sich ihre Arbeitnehmer in der Rolle als Konsumenten wegen gesunkener Einkommen nicht mehr leisten können. Hält das irgendjemand für realistisch? Im Endeffekt haben die Unternehmer dann lediglich auf Halde produziert – ihre Vorteile aus geringeren Lohnkosten entpuppen sich als Scheingewinne.

Und schlimmer noch: Spiegelbildlich zum Fall der sich nach oben entwickelnden Inflationsspirale, ist hier bei voll flexiblen Löhnen eine Deflationsspirale nach unten denkbar (für welche die einschlägige Literatur den sehr anschaulichen Begriff „race to the bottom“ geprägt hat), bei der die Arbeitgeber versuchen, der gerade geschilderten Gewinnproblematik zuvorzukommen, indem sie die Löhne von vornherein noch stärker drücken. Die zurückgestaute Deflation würde dann in die offene Form übergehen, und in extremen Fällen (die ich mir in unseren Breitengraden allerdings weder vorstellen kann noch will) in „galoppierende“ oder gar „Hyperdeflation“ münden. Es zeigt sich also, wie bereits bei der Inflation oben, dass fallende Preise und Löhne die Lage womöglich nur noch verschlimmern, wenn die Ursachen des Problems selbst nicht behoben werden, die bei der Inflation in einem Überschuss und bei der Deflation in einem Mangel an Nachfrage liegen.

Von welcher Seite man es auch immer betrachtet: Inflation ist ökonomisch und sozial ungerecht. In der zurückgestauten Variante schließt sie all jene vom Konsum aus, die einfach nur „zu spät“ kommen. In der offenen Form trifft sie alle, die zwar als Verbraucher mit höheren Preisen konfrontiert sind, als Produzenten und Arbeitnehmer aber keine Möglichkeit haben, selbst höhere Preise zu verlangen. Sie benachteiligt auch den Sparer und den Gläubiger, zum Vorteil der Schuldner. Die können sich in der Inflation deutlich schneller und leichter entschulden, solange ihr Einkommen, aus dem sie Zins und Tilgung aufbringen, in Höhe der allgemeinen Preisentwicklung steigt.

Sagt Ihnen in diesem Zusammenhang der Name „Hugo Stinnes“ etwas? Es handelt sich dabei um den Gründer des auch heute noch existierenden Stinnes-Konzerns, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den größten und einflußreichsten Industriellen Deutschlands zählte. Hugo Stinnes schuf in der Zeit der Weimarer Hyperinflation ein riesiges, industrielles Imperium, indem er sich in Erwartung weiter steigender Preise verschuldete und Unternehmen aufkaufte. „Stinnes kauft alles“, titelten damals die Zeitungen, „Der Mann, von dem man sagt, dass ihm Deutschland gehört“, schrieb die New York Times. Stinnes war der „Inflationskönig“. Sein Reich währte allerdings nur solange, wie die Preise auch tatsächlich stiegen. Als sie das irgendwann nicht mehr taten, wurde er jäh vom Thron gestoßen: Der riesige Schuldenberg, den er aufgetürmt hatte, begrub den Stinnes-Konzern unter sich. In der Folge wurde er von seinen Gläubigern zerschlagen. Das war nur folgerichtig, denn auf Kosten seiner Gläubiger hatte er sein Reich auch errichtet: Was er in der Inflation an Gewinnen aus real entwerteten Schulden einstrich, mußten seine Kreditgeber als reale Verluste verbuchen. Etwaige Schadenfreude ist hier aber völlig fehl am Platz: Weil Bankiers nicht dumm sind (obwohl die Nachrichten der jüngeren Vergangenheit einen derartigen Eindruck vielleicht nahelegen), versuchten sie natürlich, ihre Verluste aus bestehenden Kreditengagements mit Stinnes und anderen dadurch wettzumachen, dass sie die Zinsen auf Neukredite erhöhten. Und zwar nicht nur im Ausmaß bereits erlittener Verluste, sondern zusätzlich auch um den Betrag, den sie aus weiterhin steigenden Preisen erwarteten. Wer sich als Kreditnehmer auf derartige Konditionen einließ, und vielen blieb gar keine andere Wahl, der erklärte sich damit gleichsam bereit zum Tanz auf dem Vulkan: Nicht nur, dass seine laufende Belastung für Tilgung und Zins sehr hoch sein würde und eigentlich nur gestemmt werden konnte, wenn die Preise auch weiterhin stiegen; sollten sie stattdessen aus irgendeinem Grund anfangen zu fallen, dann würde er unter dem realen Zuwachs seiner Schulden womöglich erdrückt werden. Die bekannte Volksweisheit „Den Letzten beißen die Hunde“ trifft es hier exakt: Wer sich in falscher Erwartung steigender Preise verschuldet, der wird mit sinkenden Erlösen bei real steigenden Zinslasten bestraft. Schafft er es nicht, durch Notverkäufe von Haus, Hof und Hund zusätzliches Einkommen aufzutreiben, um seinen Verpflichtungen nachzukommen, dann wird er über kurz oder lang als Pleitier enden, wie schon tausende gescheiterte Inflationisten vor ihm. Wen das übrigens an die Börse erinnert, und dort an das übliche Treiben in der Spätphase einer Hausse, der liegt absolut richtig: Es handelt sich um ein und dasselbe Phänomen, das üblicherweise aber nur dann als „Inflation“ bezeichnet wird, wenn es die Konsumgütermärkte betrifft.

Wenn wir oben Inflation als „Überschuss der Konsumwünsche über das Angebot“ definiert haben, dann erscheint es leicht nachvollziehbar, dass mit dem Ausbau des Wohlfahrtsstaates nach Ende des Zweiten Weltkriegs und seines politischen Versprechens steigender und gesicherter Einkommen für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung die Inflation zu einer chronischen Erscheinung wurde: Öffentliche Beschäftigung, staatliche Konsum sowie Versorgungsleistungen aus sozialen Sicherungssystemen sorgten für eine stabile und steigende Kaufkraft, die es Produzenten auf breiter Front ermöglichte, eine gewinnoptimale Preispolitik durchzusetzen. Ein zweites Phänomen der Nachkriegszeit tritt hier verstärkend hinzu, nämlich die zunehmende Konzentration von Marktmacht in den Händen einiger weniger Anbieter, die als „Category Leaders“ mittels gigantischer Werbe-Etats und immer zielgenauerer Kommunikationsmethoden dafür sorgen, dass in zahlreichen Produktkategorien kein echter Wettbewerb mehr herrscht. Spätestens als der Handel in den Neunzigern mittels „Category Management“ mehr und mehr dazu überging, seine Regalflächen nur noch den ersten drei Marken eines bestimmten Marktsegments zur Verfügung zu stellen, war es mit Preiskonkurrenz vorbei; zeitgleich wurden die Markteintrittsbarrieren für alle anderen Firmen immer höher: Die Lebensmittelregale und die Spiel- und Sportabteilungen der Kaufhäuser wurden zum exklusiven Habitat internationaler Markenartikel-Giganten.

Für Unternehmen, die so ihre Marktdominanz ausspielen konnten, war es problemlos möglich, ihren eigenen Beschäftigten alljährlich einen Inflationsausgleich zu bezahlen: Die Inflation wurde „finanzierbar“ und somit zum Dauerzustand.

Derselbe Effekt ergab sich aus den steigenden Staatsdefiziten praktisch aller westlicher Industriestaaten nach dem Zweiten Weltkrieg: Die „sicheren“ Schulden des Staates schufen zusätzliche Einkommen und damit Kaufkraft, die auf ein begrenztes Konsumgüterangebot wirkte. Ergebnis: steigende Preise. Wenn man so will, dann werden durch die nicht produktiven Einkommen der öffentlichen Hand die Kaufkraftverluste der produktiv Beschäftigten provoziert: Ihre Forderung nach entsprechenden Lohnerhöhungen muss daher in der Regel als nachträgliche Reaktion verstanden werden.

Der Ökonom Hyman Minsky spricht daher im Zusammenhang mit den deutlich ausgeweiteten Staatshaushalten westlicher Regierungen seit den Fünfziger-Jahren gleichermaßen von „Segen und Fluch“: Einerseits hätte es die Politik geschafft, die Wiederholung einer Großen Depression im Stil der Dreißiger Jahre zu verhindern, indem sie konjunkturellen Dellen regelmäßig mit erhöhtem Staatskonsum auf Kredit begegneten. Dadurch wurden Einkommen, Konsum und Beschäftigung stabilisiert, und ein Abdriften in eine deflationäre Depression verhindert. Andererseits wurden mittels dieser Schulden aber dauerhafte und steigende Einkommen geschaffen, die sich zu jenem Überschuss von Konsumnachfrage verdichteten, der sich in steigenden Verbraucherpreisen ausdrückt.


[i] Luhmann, Niklas, Die Wirtschaft der Gesellschaft, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1994, S. 196
[ii] a.a.O, S. 196
[iii]
a.a.O, S. 17
[iv] Röpke, Wilhelm, “Repressed Inflation”: The Ailment of the Modern Economy, http://mises.org/story/3492
[v] Lerner, Abba Ptachya, The inflationary Process – Some theoretical Aspects, in: Es-says in economic Analysis, MacMillan, London 1953, S. 333

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1 Prof. h.c. März 6, 2010 um 19:43

Schwarz-Weiß-Denken.
Gut-Böse.

Das ist alles, was dahinter steckt.
Ein jämmerlicher Artikel.

2 Systemfrager März 6, 2010 um 20:15

@ Prof. h.c. 1

Weil mich diese Thematik wirklich sehr interessiert, bitte ich dich, dass du deine Bemerkung näher erläuterst.

Schwarz-Weiß-Denken. Gut-Böse.

Danke im Voraus

3 Michael März 6, 2010 um 21:28

http://www.wintersonnenwende.com/scriptorium/deutsch/archiv/artikel/hyperinflation-d.html
Hier mal eine unkonforme Betrachtung der deutschen Hyperinflation.

Das bedeutet letztlich, dass den Griechen 2010 bei 300 Mrd.€ Schulden zu deren Refinanzierung mit etwas über 6% höchstens eine Neuverschuldung von 20 Mrd. € gestattet werden dürfte. Jeder Cent darüber ist der Anfang vom Ende und die Bundesregierung schlägt mit 80 Mrd. € um 16 Mrd. € zuviel über die Stränge, wenn die Schuldscheine mit Verzinsung von 3,25% aber 4,25 Rendite, nämlich zu 98.9% emittiert werden, weil es sonst keine Abnehmer gäbe.

Es bleibt aber anzumerken, dass das keineswegs die einzige Hyperinflation der damaligen Zeit war. Nähmen wir das als sehr starke Inflation, so änderte sich die Kaufkraft von französischen Francs in x g Silber von 1918 bis 1934 auf das Zehnfache. 1 Fr. 1918 entsprach 10 Fr. 1934. Das sind auch 1000 % “Wertzuwachs” in 16 Jahren. 62 % pro Jahr und 5 % pro Monat. das ist es, was die Spekulation bei der Siegermacht Frankreich durch die enormen Zuflüsse aus Deutschland anrichtete.

4 Tarantoga März 6, 2010 um 21:55

Sei mir nicht bös, aber dem Artikel fehlt irgendwie der Pfeffer und der Erkenntnisgewinn bleibt auch bescheiden.

Mich würde zum Beispiel interessieren:
Wenn aus Angst vor Inflation auf Möglichkeiten der Wirtschaftspolitik verzichtet wird, wie weit könnte man gehen und worauf müsste man achten, wenn man nicht die Kontrolle verlieren will?
Und wenn man gerne immer stabil sinkende Zinsen möchte (weil das günstig für die Bewertung allerlei Arten von Wertpapieren ist und die Kreditexpansion erleichtert wird), muss man nicht in regelmäßigen Abständen Inflation veranstalten weil man ja nicht unter 0% Zinsen fallen kann? Der historische Chart sieht jedenfalls danach aus. Ist es dann günstiger eine kurze, scharfe Inflation zu machen oder läßt man die Preise länger aber sanfter steigen?

5 holger März 6, 2010 um 22:00

es sei nur mal eine kleine Grafik eingefügt

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/58/Preissteirgeurng_1970-1980.png

aus dieser Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Werner-Plan

nun denn, alles halb so wild.

6 holger März 6, 2010 um 22:03

um sich dann an den ECU zu erinnern.
Rumkugeln, ist ja noch erlaubt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_W%C3%A4hrungseinheit

7 Michael März 6, 2010 um 22:13

@Holger
Im Euro sind England und Dänemark nicht. Damit nimmt die Gewichtung der anderen anteilig zu. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, dass keines der Rohstoffländer dem Euro beitrat. Die Preissteigerungsrate von 1995 bis 2009 war für Deutschland 123 %. Griechenland in der Zeit jährlich 20 %. Osteuropa ebenso, tw. um einiges schlimmer.

8 holger März 6, 2010 um 22:21

@ Michael

Ein Schelm :D ja, das ist Norwegen, vergisst man ganz gerne auf der Europäischen Landkarte. Sind nette Menschen. :D

9 Keynesianer März 6, 2010 um 22:50

Soso, das Kapitel über die Inflation wurde im Buch ausgespart. Geht es bei diesem Buch um eine alte Frau, die auf einer Parkbank am See über die Welt nachdenkt?

Um Ökonomie? Ja was, die Ökonomie ist doch das Spiel der Geldpolitik mit Inflation und Deflation. Da kann man doch nicht das Thema Inflation einfach weglassen. Da bleibt dann nichts übrig, worüber zu schreiben und lesen lohnt.

Habe ich schon einmal erzählt, wie es zu Wirtschaftskrisen kommt? Nun, zur Bekämpfung der steigenden Preise und damit der Inflation haben die Notenbanken nur ein Mittel, nämlich mit restriktiver Geldpolitik Krise und Massenarbeitslosigkeit zu erzeugen. Das war dann auch die Ursache der Großen Depression, nachdem sich 1928 auch Frankreich wieder dem Goldstandard angeschlossen hatte.

Bin ja gespannt, wovon das Buch dann handelt.

10 Michael März 6, 2010 um 23:06

@Holger
Du traust mir doch nicht etwa zu, dass ich Norwegen übersehen hätte ? :o

11 holger März 6, 2010 um 23:34

@ Michael # 10

ach iwo. und die Sprache ist einfach zu erlernen. Man muss nur genau zu hören, dann versteht man fast alles. Und die Norweger verstehen auch fast alles. ;) Ich sag ja, auf Sicilia mit Norwegern und 20 Flaschen Vino … tutto va bene :)

12 unwissender März 7, 2010 um 00:33
13 unimog März 7, 2010 um 09:32

Hallo, wgn!

Erstmal danke für den Lesestoff. Habe den Text zwar erst kurz überflogen, allerdings ist mir eine kleine Ungenauigkeit aufgefallen:
Als “ökonomische Prinzip” bezeichnet man zwei unterschiedliche Merkmalsausprägungen:
Das Minimal-Prinzip: mit möglichst geringem Input einen geplanten Output, oder
Das Maximal-Prinzip: mit geplantem Input einen maximalen Output.
Wobei das von dir genannte Prinzip wahrscheinlich eher dem heutigen Zeitgeist entspricht! ;)
grüße

14 Michael März 7, 2010 um 09:36

@unwissender
Ich zieh die 13. Kein Glück dauert ewig. Das Nordsee-Öl ist in 10 Jahren alle. Jetzt gibt es noch viel Geld für Gas. Aber die Öl-/Gaslagerstätten der Nordsee haben nicht nur ihre besten Tage gesehen. Später muß der Fonds zeigen, ob er gut oder ein sehr dummer Einfall war (er entzog ja den Handlspartnern seit Jahrzehnten viel Kaufkraft). Es ist schon ein kleiner Unterschied, ob Deutschland mit 82 Mill. Nasen meinetwegen netto 280 Mrd.€ Überschüsse, China mit 1300 Mio. Nasen 800 Mrd. € oder Norwegen mit weniger als 5 Mio. Nasen 250 Mrd. € quasi gehortet und der Weltwirtschaft ex. Finanz mehr oder weniger entzogen hat. Mir ist die Gegend im Trend zu kühl und zu dunkel. Das Problem war ganz einfach, dass der T€uro die Währung einer realistisch überwiegend bankrotten Staatengemeinschaft war und ist.

Wenn er dann irgendwann in einer “Weltwährung” aufginge, würde man erkennen, was er wirklich war. Für mich ist sicher, dass wirkliche Globalisierung nur mit einer wirklichen einheitlichen Weltwährung funktionieren kann. Sonst gäbe es nur einen Gewinner, die Finanzindustrie. Die würde im Gegensatz zu manchem Glauben eine Weltwährung bis auf das Blut bekämpfen, wie eben auch Gold, aus sehr plausiblen Gründen. Sie lebt prächtig von den Fehlbewertungen, die sie selbst erzeugt.

15 Hermann Keske März 7, 2010 um 09:39

Eine Skizze von 18 Seiten, die leicht und locker darstellt, dass wir uns – wen wundert es noch – die ganze bisherige Ökonomik in die Haare schmieren können.

Kein Stein bleibt auf dem anderen. Wenn man jetzt noch daran geht, den Sprachnebel zu vertreiben, kommen wir vielleicht bald dahin, dass wir wirtschaftliches Geschehen wenigstens einigermassen zutreffend beschreiben, wenn auch noch lange nicht allgemeingültig erklären können.

Preise steigen oder fallen nicht, sie tun gar nichts – sie sind passiv, sie werden nämlich angehoben oder gesenkt. Der Metallbaukasten “Kleiner Mechaniker” hat ausgedient. Der höchst bedauerliche Umstand, dass die Menschen sich womöglich wirklich ein bisschen oder wenigstens ab und an “rational” verhalten, allerdings keineswegs ausschliesslich preisrational, erledigt tausende von Marschallkreuzen mit freihändig eingetragenen Kurven und Geraden, die noch nie irgendetwas anderes “beweisen” konnten als das, was der Zeichner bereits in sie hineingezeichnet hatte.

Das Credo “Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis” ist restlos beliebig und deshalb auch restlos inhaltsfrei.

Wir müssen noch einmal von vorn anfangen.

16 Nanuk März 7, 2010 um 09:45

Inflation

Wie gerne wüste ich wie die Preise morgen,
doch da Gott ein Arschloch ist und dazu ein Schwergewicht
kenne ich die Zukunft nicht..

17 Nanuk März 7, 2010 um 09:48

Was man aber sagen kann Alte weniger wünsche ham supply demand sind ausser kraft wenn man es nur bis zum ALDI schafft…

18 Nanuk März 7, 2010 um 09:52
19 guggel März 7, 2010 um 09:59

Inflation?

Soweit ich das begriffen habe entsteht die Inflationsrate durch

WILLKÜRLICHE

Gewichtung der Produktpalette im Warenkorb.

20 weissgarnix März 7, 2010 um 10:02

@unimog

Daher schrieb ich ja auch die “paradoxe Form” des Ökonomischen Prinzips.

21 Nanuk März 7, 2010 um 10:09

@guggel
Weiste wie Inflation in Deutschland entsteht wenn in Almeria schlechtes Wetter ist… weil dann die Tomaten ernte mies ist…

22 holger März 7, 2010 um 10:12

@ Michael

Norwegen ist kühl, ja– passt ja, ein natürlicher Kühlschrank, dort wohnen? Ne, dafür muss man dort geboren sein. Hat aber seine Vorteile:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,422144,00.html

Übrigens, mMn. gibt es keine Deflation sondern nur Inflation. Die kann mal gering, und mal mehr ausfallen. Gerade wo sich die Penuncia ansammelt, die bekanntlich immer mehr wird und non olet. Aber dafür gibts ja genügend hoch dekorierter “Menschen” die in verschiedenen Schulen die besten Möglichkeiten heraus finden, die Menscheit zu veräppeln. Man muss nur feste daran glauben, dann klappts auch mit dem Mammon.

23 Nanuk März 7, 2010 um 10:18

@holger
Womit wir bei den Kühlschrankpreisen in Sibirien währen… :)

24 holger März 7, 2010 um 10:20

und wenn man weiß, welche “Menschen” sich um andere Sorgen machen, kann es richtig Warm ums Herz werden:

http://www.croptrust.org/main/

25 Salve März 7, 2010 um 10:22

Keynes ist immer schuld:

http://www.zeit.de/2010/10/F-Monetarismus?page=2

Herr Issing soll die banken regulieren.

Irgendetwas gehört?

Nur einen Vorschlag, wie die Griechen sparen können in dem man die Importe aus Deutschland nach Griechenland teuer macht.

Das wäre Keynes Vorschlag gewesen.

Nun Inflation.

Es gibt 3000 global agierende Konzerne.

Die Preise nicht nur von Zement werden festgelegt.

26 Kroesus2 März 7, 2010 um 10:33

Interssant.
grübel.
Bekommen wir jetzt Inflation oder Deflation ?

27 Susanne März 7, 2010 um 10:41

Das Ganze wird noch paradoxer, wenn man bedenkt, dass es nach der Inflation der Lebensmittelpreise, zu ein inflationären Vermehrung von Aldi-Märkten kam. Inflation sucht sich immer einen Weg.

28 Nanuk März 7, 2010 um 10:42

@Kroesus2
Sollten die Babyboomer in einen Shoppingwahn verfallen Inflation wenn nicht Deflation…

29 Nanuk März 7, 2010 um 10:51
30 holger März 7, 2010 um 11:13

Die nächste rote Kurve kommt bestimmt. :D

http://www.energieeffizient-sanieren.org/data/Pellet-Energiepreisentwicklung_Mai_09.jpg

Vielleicht kommt die Inflation auch richtig, in kleinen heftigen Wellen. Wenn man von Deflation redet, wo ist der Ursprung? Welches Jahr wird angenommen für die Deflation? Gestern? Wenn ich von Deflation rede, brauche ich einen Bezugspunkt und der liegt sicher bei Null oder wo?

31 Nanuk März 7, 2010 um 11:21

@holger
Die Kapazitäten sind einfach für eine höhere Bevölkerungszahl ausgelegt wenn die jetzt schrumpft was in Japan längst der Fall ist in Deutschland ab 2015 glaub ich müssen zwangsläufig die Preise fallen China wird 2030 1.3 Milliarden Menschen alt und in den USA nimmt die Bevölkerung nur zu weil die Südstaaten mittlerweile klein Südamerika sind… aber auch da geht langsam die Geburtenrate zurück…

Wir haben halt das pech genau in diesen Flaschenhals geboren zu sein…

32 Michael März 7, 2010 um 11:22

@holger
Nähmen wir es so, es gibt Inflation und Deflation. Sie sind zur gleichen Zeit Avers und Revers ein und derselben Medallie. Wenn wir netto nach Zinsen, Steuern und Abschreibung weniger im Geldbeutel haben, ist das für uns Einkommensdeflation gleich relative Aufwertung jedes einzelnen frei verfügbaren Groschens. Dieses Geld wurde von irgendjemandem mehr abkassiert, hochgradig verdächtig sind fast immer Dinge die mit Auto oder Gesundheit/Alter zu tun haben. Diese Zunft hat irgenwann soviel Geld, dass sie übermütig wird, und es an den Finanzmärkten verspielt. Für die ist unser relativ aus Mangel aufgewerteter Groschen gleichzeitig viel weniger “wert”. Sie schenken ihn den Finanzjonleuren, die sagen nicht mal danke und meinen das müßte so sein. Damit heben sie die Preise auf ein noch höheres Niveau, auf dass die üblichen Verdächtigen ihnen noch mehr der für uns immer wertvolleren Groschen “anvertrauen” und sie weiter für “Wachstum” sorgen können. Bis wir dann bedauerlicherweise sagen müssen, tut uns leid, die letzten 100 Groschen waren nur Bankkredit, den wir nicht zurückzahlen wollen oder können. Dann schauen sie dumm aus der Wäsche und kreischen hysterisch Krise, Keynes, mehr Geld Regierung.

Letztlich reichte ein längerer Generalstreik vollkommen aus, um berechtigte Forderungen durchzusetzen. Wir werden es am lebenden Hellenen beobachten können.

Selbstverständlich wird Europa zahlen oder der T€uro geht den Bach runter, wofür gerade die Deutschen Griechenland als Urlaubsparadies um so mehr schätzen sollten. Denn wenn die jetzigen “Reformer” nordischer Schule durchkämen, könnten wir schon mal winterfeste Klamotten aus Norwegen kaufen. Wir müßten uns verdammt warm anziehen, vor der nächsten Inflation, die gleichzeitig unter dem Strich Einkommensdeflation hieße.

Es ist durchaus eine erfreulich geistig anspruchsvolle Aufgabe Mittel und Wege im Rahmen der Gesetze zu ersinnen, den Ganoven aller Kaliber den Effe zu zeigen.

33 holger März 7, 2010 um 11:43

@ Michael

–>Es ist durchaus eine erfreulich geistig anspruchsvolle Aufgabe Mittel und Wege im Rahmen der Gesetze zu ersinnen, den Ganoven aller Kaliber den Effe zu zeigen.”

mMn. der einzige Weg, zweimal am Tag lachen zu können. :D

34 Hermann Keske März 7, 2010 um 12:16

@ Krösus2 # 26

Wir bekommen beides – in verschiedenen Märkten. Bei uns lassen sich höhere Preise für den gewöhnlichen Lebensunterhaltsbedarf nicht durchsetzen, weil die Masse der Konsumenten weniger Geld haben wird. Rückläufige Löhne verhindern das Durchsetzen höherer Preise. Hier könnte sich Deflation einstellen.

Wir warten ansonsten auf die “Innovationen” der Finanzwirtschaft. Dort könnte man wieder eine ordentliche Inflation hinbekommen. Häuser und Grundstücke sind gerade ein bisschen out, aber Währungen und Rohstoffe sind vielleicht eine gute Spielwiese.

35 Nanuk März 7, 2010 um 12:54

@Hermann Keske

Rohstoffe?Meinst du die Rohstoffländer sind dämlich jeder Dollar bzw Euro mehr beim Preiss sind Kunden weniger… ich möchte nicht wissen wieviele Kunden Saudi Arabien in den letzten Jahren verloren hat… :)

36 Kroesus2 März 7, 2010 um 13:00

“Rohstoffe?Meinst du die Rohstoffländer sind dämlich”
peak oil

37 Nanuk März 7, 2010 um 13:27

@Kroesus2
Peak Oil ist ja noch schlimmer
Wenn die ganze Welt ruft es gibt kein Bier auf Hawaii was meinst du wie schnell es da ne Brauerei gibt…

38 Salve März 7, 2010 um 15:28

wgn sollte sich mit seinem Buch Zeit lassen. Gerade mal 1/10 des bitteren Weges den die Finanzkrise zu gehen zwingt ist bewältigt. Die von Lübberding in den Raum geworfene Zwangsbewirtschaft großer Teile der Wirtschaft kommt noch.
Die massive Umverteilung zu Gunsten der Gläubiger der Banken deren Spekulationsgelder gerettet wurden hat zwangsläufig realwirtschaftliche Auswirkungen, da die Umverteilung von Kaufkraft ja strukturelle Anpassungen erzwingt.

Brasilien ,Indien und Asien sind eindeutige Gewinner der laufenden Anpassungen.

Danke deutsche Bankaktionär.

Moral hinderte bisher nicht daran den Aktienkauf bestimmter Unternehmen zu boykottieren.

39 Edwin Glaser März 7, 2010 um 17:13

… müssten die Unternehmer ihre Zusatzprofite unverzüglich in den Aufkauf der produzierten Ware stecken …

Hält das irgendjemand für realistisch?

Ja!

Das war doch das grundlegende Prinzip der als Geldanlagen verbrieften Konsumentenkredite.

20 Jahre dachten unsere Unternehmer, sie würden mit Geldanlagen auf den Finanzmärkten mehr Profit machen als mit realen Investitionen. Sommer 2007 stellte sich dann heraus – diese tollen Papiere sind in Wirklichkeit uneinbringliche Konsumentenkredite. Im Endeffekt haben sie mit dem Profit die Waren gekauft.

So vom Bauch her habe ich das Gefühl: Ihre Argumentation passt nicht mehr zur Realität der letzten 20 Jahre. Die Konsumentenkredite haben eine Größenordnung erreicht, die alle Zusammenhänge zwischen Löhnen, Preisen und Staatsverschuldung über den Haufen werfen.

40 weissgarnix März 7, 2010 um 18:17

@Edwin Glaser

>Das war doch das grundlegende Prinzip der als Geldanlagen verbrieften Konsumentenkredite.

Interessanter Gedanke. Muss ich mal drüber nachdenken.

41 guggel März 7, 2010 um 18:44

@Nanuk

“Weiste wie Inflation in Deutschland entsteht wenn in Almeria schlechtes Wetter ist… weil dann die Tomaten ernte mies ist…”

Und dann wird die Tomate im Warenkorb weniger stark gewichtet wodurch die Inflationsrate im gewünschten Rahmen bleibt…

42 holger März 7, 2010 um 19:11

@ Edwin Glaser

–>Das war doch das grundlegende Prinzip der als Geldanlagen verbrieften Konsumentenkredite.”

Wobei man dazu evtl. noch anfügen sollte, dass diese “Anlagen” über den Leverage aus 8 macht 80 oder 160 B sowie CDS etc. pp. keinerlei Risiko darstellen für den “Poolisten und oder Emittenten (Cuttinghouse)”. Den OTC Markt nicht zu vergessen. Gibt mittlerweile aber vermutlich eine fürchterliche Klemme, diese Anlagen den Konsumenten schmackhaft zu machen.

Sich selbst ins Knie geschossen, würde ich das nennen.

43 Systemfrager März 7, 2010 um 19:19

So will es manchmal der berühmte Zufall … Gerade vorige Woche kam bei mir das Thema Inflation/Deflation an die Reihe. Aber zuerst zum WGNX-Aufsatz:

Na ja, Minsky, einer der ratlosen Keynesianer: “Die Staatschulden haben für mehr Beschäftigung gesorgt, was natürlich zur Inflation führte („Segen und Fluch“).” Dumm an dieser Geschichte ist nur – völlig falsch ist sie gar nicht -, dass es nicht nur die letzen Jahrzehnte so gewesen ist, sondern schon in den letzten Jahrhunderten. Schon seit Langem hat die mäßige Inflation die Wirtschaft gefördert.

Und vergessen wir auch nicht die verschiedenen Neu/Neo-Keynesianer. Die „Spitzfindeigen“ – die Kollaborateure. Bei ihnen heißt es: Die Löhne würden angeblich der Inflation immer nur mit einer gewissen Verspätung folgen, so dass eine dadurch verursachte reale (!) Lohnsenkung für bessere Konjunktur sorge. So triumphiert die Neoklassik – wieder einmal – den Keynesianern dank! Schade, dass dies nichts mit der Realität zu tun hat. Die Bemerkung von WGNX passt da gut – ich meine die mit der „Lohnforderung von 8 Prozent“ und der Null-Inflation.

Also vergessen wir die dummen pars-pro-toto (betriebswirtschaftlichen) Meistererzählungen, das partikel-mechanischen Newton-Walraschen Modell werfen wir in den alten Eisen, …

Ich zeige in einem Beitrag mit Hilfe des Kreislaufsmodells, was die Preise mit dem Gleichgewicht und dem Nachfragemangel wirklich zu tun haben. Gibt man sich ein bisschen Mühe kreislauftheoretisch zu denken (die Mathe ist gar nicht nötig – also ich präsentiere da eine ganz nette Sache !!!), fallen auf einmal die Schuppen von den Augen und alles sieht auf einmal so einfach aus
Die allgemeine Gleichung des Sparens und das Preisniveau der Produktionsgüter
mehr >>>

Vor Kurzem habe ich auch etwas über die „schreckliche“ deutsche Inflation geschrieben, die eigentlich gar nicht so „schrecklich“ war. Da, in diesem Aufsatz (zweite Hälfte):
Über die Grundidee des neuen wirtschaftswissenschaftlichen Paradigmas
Das Sparen und das allgemeine Gleichgewicht der Marktwirtschaft
mehr >>>

44 soffi März 7, 2010 um 19:45

@ wgn

ich lese erstaunlich viele dinge, denen ich zustimmen kann; insbesondere dem ergebnis, dass inflation von übel sei.

ich bezweifle aber, dass sich hier echte Österreicher wiederfinden, nur weil du mal Röpke oder gar Mises erwähnst. Denn ersten definieren die Ösis inflation als asuweitung der ungedeckten geldmenge und zweitens würden sie dir insbesondere diesen Passus um die Ohren schlagen:

“So schockten die deutschen Metaller Freund und Feind im Herbst 2008 mit einer Lohnforderung von 8 Prozent und einigten sich mit den Arbeitgebern schließlich bei rund der Hälfte. In den deutschen Verbraucherpreisen machte sich dieser Anstieg aber nicht im Geringsten bemerkbar,die Inflationsrate fiel seither von über 2 Prozent auf null.”

Ich ersetze mal gedanklich dein wort “inflationsrate” durch teuerungsrate, damit sich die Ösis hier nicht direkt übergeben. Aber wesentlicher ist, dass ein Ösi das preisniveau oder die teuerungsrate prinzipiell als mythos ansieht und damit als gänzlich ungeeignet, als gradmesser einer geldpolitik dienen zu können. man kann beim betrachten des preisniveaus nämlich nicht erkennen, ob die preise auf angebot und nachfrage reagieren oder aufgrund der änderungen bei der geldnachfrage, die sich natürlich auch auf angebot und nachfrage auswirkt, aber für verzerrungen in der struktur führt, wie du selbst richtig ausführst. geld ist heutzutage leider nicht mehr neutral. das problem beim preisniveau ist, dass man diese beiden effekte nicht isolieren kann. deshalb ist auch der versuch, das preisniveau möglichst stabil zu halten, nicht zielführend. ich bin sehr sicher, dass unser preisniveau ohne geldmengenvermehrung sogar sinken würde, weil dann die effekte einer steigenden produktionseffiziens denen zugute kämen, die sie am nötigsten haben. ich behaupte einmal schlicht, dass sich deine oben erwähnte “inflationsrate” (sprich: teuerungsrate) ohne geldvermehrung im negativen bereich bewegt hätte.

sorry, essen steht auf dem tisch…

45 Andreas Kreuz März 7, 2010 um 19:57

Danke @ soffi für #44.
Das sollte mal gesagt werden… ;-)

46 Prof. h.c. März 7, 2010 um 21:12

zu #2

Weil mich diese Thematik wirklich sehr interessiert, bitte ich dich, dass du deine Bemerkung näher erläuterst.

Das macht wenig Sinn bei dir.
Du verstehst es sowieso nicht.

47 Prof. h.c. März 7, 2010 um 21:17

noch zu #2

Die Aneinandereihung von Wörtern ergibt nicht zwangsläufig einen Sinn.
Auch wenn man dir das predigte in den Eliteschulen – huch…

48 Frankie Bernankie März 7, 2010 um 22:24

@Nanuk #21

“Weiste wie Inflation in Deutschland entsteht wenn in Almeria schlechtes Wetter ist… weil dann die Tomaten ernte mies ist…”

Mensch Nanuk, so ein Schmarrn…nichts ist für das Gedeihen der Tomaten in Almeria weniger relevant wie das Wetter…guckst Du:

http://www.greenpeace.de/typo3temp/GB/dd82303740.jpg

49 johaupt März 8, 2010 um 00:29

@weissgarnix

Guter Artikel, zumindest in dem Sinne, dass er mir zu neuen Sichtweisen verhalf. Wenn dein Buch auch in dem Stil geschrieben ist, werde ich es sicher kaufen. Ökonomische Literatur die gut lesbar, breit angelegt und gut durchdacht ist, gibts nicht so oft.

Was mir vollkommen an dem Inflationsartikel fehlt, ist der Nachschuldner und Zinseszins-Aspekt. Müssen die Preise nicht allein deshalb steigen, um die allgegenwärtige Zinslast zu bedienen, die, mindestens absolut betrachtet, Jahr für Jahr steigt? Immerhin steigen ja auch die großen Vermögen und erzwingen auf der anderen Seite quasi größere Schulden, damit der Lebenstandard der Masse gehalten werden kann.

Oder spielt das deiner Ansicht nach keine Rolle? Ich bin mir da selbst noch unklar, konnte deinem Artikel aber auch keine diesbezüglichen Erleuchtungen entnehmen.

Bei psychologischen Betrachtungen, so wichtig und nützlich die sein mögen, beschleicht mich immer das Gefühl, dass man sich mit Symptomanalyse verzettelt.

50 Systemfrager März 8, 2010 um 07:27

@ Prof. h.c.

Du bist nicht komisch, nur lächerlich

51 Frankie Bernankie März 8, 2010 um 09:06

@weissgarnix,

wie so oft, viel Richtiges.

Was aber fehlt in der Betrachtung, ist eine Bewertung der Substitutionsdynamik, die in der realen Welt bei Inflation sofort eintritt; und die meines Erachtens schon manchmal das Ausbleiben von eigentlich erwarteter Inflation erklärt.

Diese Dynamik ist natürlich nur schwer bis gar nicht in einem Modell unterzubringen, in dem die Wirkung von Inflation ausschliesslich entlang von bestimmten Gütern mit einer bestimmten Nachfrage und fehlender Elastizität beschrieben wird: wenns zu teuer wird, dann müssen halt die Löhne steigen.

So ist es aber real nicht: der Inflation wird ausgewichen, die vielschichtige Ökonomie heutzutage in Verbindung mit der Globalisierung erlaubt dies ( wichtigtes Element: weltweite internetbasierte Transaktionsfähigkeit; so kann wirklich schnell substituiert werden ).

Also , Inflationistas: vergesst mir die Substitution nicht!

52 13 März 8, 2010 um 10:50

Professoren Hohes C und andere Leute, die Sinn angeblich “machen” (KÖNNEN), sind in der Tat zum Kaputtlachen. Ich frage mich immer: Von welcher Hochschule die wohl kommen? Wahrscheinlich Tchibo..

Gut, zum Inhalt des Kochtopfes habe ich nix zu sagen.

53 Nanuk März 8, 2010 um 10:51

Tja schwarzer Tag für Gläubiger heute… komm wir stecken ne Kerze an…Das sollte den “Reichen” in Deutschland zu denken geben wir bezahlen einfach nicht mehr für unsere Schulden… und dann Vermögen weg… Pech würde ich sagen.Yo ho ho wenn sich das rumspricht…
http://www.youtube.com/watch?v=nzcv5TJkJBA
Daran sieht man auch wie bescheuert es für einen Staat ist Export Überschüsse zu erwirtschaften…

54 Enrico März 8, 2010 um 14:39

@Nanuk (#53)

yo ho ho, das sage ich doch gerne weiter! yo ho ho
selber schuld Exportweltmeister! halt’s Maul, exportiere weiter und verschulde dich, du Depp!

55 Nanuk März 8, 2010 um 15:54

@Enrico
Yo ho ho schickt doch die Marine um die Pirateninsel zu stürmen.
http://www.youtube.com/watch?v=faZiS5e2sms

56 Salve März 9, 2010 um 07:44

Wer verhindert eigentlich ein Nachfragemonopol für Gesundheitsdienstleistungen?
Eine Krankenkasse und die Preise für Arzneimittel werden um 20% innerhalb von 2 Jahren fallen.

57 Systemfrager März 9, 2010 um 08:07

Die unerhörte Tat des Monsieur Blanchard

IWF-Chefvolkswirt Blanchard aht es begriffen. Er legt ein revolutionäres Papier vor. Es geht darum, das dominante ökonomische Paradigma, die moderne Neoklassik, zu demontieren, ja abzulösen. Und er will statt 2%, dass man sich als prktisches Ziel die Inflation von 4% stellt.

Und wie reagieren die deutschen „Kapazitäten“, die Wirtschaftsweisen, die Wirtschaftsexperten und die Ökonomieprofessoren, die dümmsten und unmenschlichsten Ökonomen der Welt? Na wie schon?
mehr dazu >>>

Interessant ist zu lesen:

ZURÜCK ZUR KLASSIK!

Der St. Gallener Professor … glaubt, dass die Neoklassik als radikale Abkehr von der Klassik konzipiert und unterstützt worden ist, um die Marxschen Analysen zu verdrängen, die ja weitgehend auf der Klassik fußten. Bei der Annahme des freiwilligen Tauschs kann es keine Ausbeutung geben. Jeder bekommt am Markt, was seinem Grenzertrag entspricht.

ZURÜCK ZU KEYNES!

Zurück bis zur Klassik, soweit geht Blanchard nicht. Seine Vorschläge zielen eher auf die zentrale Erkenntnis von John Maynard Keynes aus den 1930er ab.

58 Nanuk März 9, 2010 um 09:56

@Systemfrager
“die deutschen „Kapazitäten“”

Mit solchen Schwachmaten Hofpredigern und Stiefelleckern belaste ich meinen Geist nicht… da höre ich lieber dem Stiglitz zu…
http://fora.tv/2010/02/22/Joseph_Stiglitz_Freefall#fullprogram

59 Systemfrager März 9, 2010 um 10:05

@ Nanuk 58

Ja, leider sehr richtig. Ich bin zwar noch nicht so weit, ich habe aber schon diesen thematischen Bereich angekündigt:

Das deformierte Denken unserer „Experten“
Wie viel geistige Prostitution verträgt eine Gesellschaft?

Unsere Naturwissenschaftler sind weltweit bekannt, bewundert und geehrt. Und es sind viele. Versuchen wir erst gar nicht, sie aufzuzählen – es würde lange dauern. Was für eine Ehre für ein Volk! Ganz anders bei den Geisteswissenschaftlern. Alle – Kant eventuell ausgenommen – sind bereits von ihrem Sockel gestoßen worden. Hätten sie sich nur als Versager oder gar Scharlatane erwiesen, wäre dies schon schlimm genug. Die wichtigste Anklage lautet aber: Sie waren nie emanzipatorisch, sondern großkotzig-elitär, nie demokratisch, sondern brutal-despotisch, nie Freiheitskämpfer, sondern Lakaien und Söldner an den Höfen der Macht. Man würde kaum übertreiben, wenn man sie als geistige Brandstifter und Schreibtischtäter bezeichnet. Das gilt für unsere bekannte Denker der frühen Moderne, die sich der Geschichtsphilosophie verpflichtet haben, und erst recht für die heutigen neoliberal gesinnten Experten, Professoren, Wirtschaftsweisen, Finanzgurus oder wie auch immer sie heißen. Was für eine Schande für ein Volk!

60 Nanuk März 9, 2010 um 10:25

@Systemfrager
Bei den Naturwissenschaftlern fängt das auch an im PIK da sitzen auch einige dem Grössenwahn verfallene und machen kräftig Lobbyarbeit für Geo-Engineering… dazu kommt daas es über Niedersachsen mal Radarbilder gab die es nicht hätte geben dürfen…1+1 =2

61 Systemfrager März 9, 2010 um 10:32

@ Nanuk 60

Ja, die Naturwissenschaften sind nicht bessere Menschen. Es ist auch unwahrscheinlich, dass ihr IQ niedriger ist. Und dann bekommen wir ein nicht gerade kleines Problem. Warum ist das Ergebnis so unterschiedlich? Warum schon 2 Jahrhunderte kaum was Neues. Nur heiße Luft.

Könnten wir da etwas mehr von Schumpeter erfahren? Ich glaube ein bisschen schon.

62 13 März 9, 2010 um 10:33

unsere Experten und Leistungsträger bei der Arbeit

63 Martin März 9, 2010 um 10:55

Die Nachfrage – Angebots Betrachtung ist Kokolores, da sich ein großer Teil des Wirtschaftslebens dem freien Markt entzieht. Es gibt zu viele Ausgaben, die nichts mit Angebotsänderungen zu tun haben. Wenn meine PKV in fünf Jahren 40% teurer wird, der Gesetzgeber den Rückzug aus dem ‘Angebot’ mit hohen Hürden belegt, dann wird Inflation nicht durch Marktmechanismen bestimmt, sondern per order di mufti.

Dies gilt für viele Grundausgaben, die ein groß Teil unseres BSP bestimmen. Z.B. wirkt das Mietrecht so, dass das ‘Angebot’ auf Dauer eingefroren wird.

64 unwissender März 9, 2010 um 16:48

Nicht nur Grupp ist cool – auch der @weissgarnix!

Der Blog hier nimmt eine interessante Entwicklung.

Jeweils an den Wochenenden wird dem geneigten Publikum ein Brosamen hingeworfen, welches sich dann in der Woche bei so rund 300 Postings hierzu äußert und schwupps – ist es wieder Freitag und die Sache geht von vorne los.

Interessante Entwicklung – eben! ;-)

Seine Familie wirds freuen!

65 Nanuk März 9, 2010 um 17:11

@unwissender
Kiffen gegen die Wirtschaftskrise…
http://farm4.static.flickr.com/3279/2930552743_f7d53e9f2c.jpg
Central Bank of Jamaica says everyone should just chillout…

http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:gastkommentar-stiglitz-die-gefahren-des-sparens/50085980.html
Stiglitz says everyone should just chillout…

Nanuk says

66 soffi März 9, 2010 um 17:24

@ Systemfrager – 57

Blanchard hat es echt ´begriffen´. Bei uns sagt man über so jemanden:

der hupt noch, wenn er vor´n baum fährt.

4% inflation wären schon ein echter vorteil, wenn man bedenkt, dass in den jahren 1998 – 2008 die geldmengen M1 um 8,9%, M2 um 7,5% und M3 um 7,6% gestiegen sind – jeweils durchschnittlich p.a. versteht sich.

Wer ernsthaft meint, er könne die inflation mittels dieses lustigen, willkürlich zusammengesetzten und hedonisch verfälschten preisniveauindex messen, der glaubt auch noch an den weihnachtsmann.

67 Systemfrager März 9, 2010 um 17:38

@ soffi

Die Herren Ökonomen haben es nicht einfach. Jetzt müssen sie Argumente finden, warum alles so passiet, wie es in der Theorie, die sie Jahrzehnte lang vertreten haben, völlig unvorstellbar wäre.

68 Systemfrager März 9, 2010 um 17:53

@ Nanuk

Hitler hat alle „großen“ liberalen Ökonomen – auf die eine oder andere Weise – aus Europa verjagt. Deutschland wurde also erst erfolgreich – konnte den Krieg mit der ganzen Welt führen -, als es alle seine renommierten Ökonomen verloren hatte. Erinnern wir uns an das Gespräch, das der berühmte amerikanische Ökonom John K. Galbraith mit Bruno Kreisky führte, als dieser österreichischer Kanzler wurde:

„Herr Bundeskanzler, wie erklären Sie sich … Österreichs hervorragende wirtschaftliche Lage in der Nachkriegszeit: niedrige Inflation, Vollbeschäftigung, stetig wachsende Produktivität, ein dichtes und umfassendes System sozialer Sicherung und öffentlicher Investitionen?“

Worauf Kreisky erwiderte:

„Ich erkläre mir das damit, dass wir dem Export viel Beachtung schenkten. Wir haben alle unsere Wirtschaftswissenschaftler exportiert.“

Wen konnte er nur meinen? Hayek, Mises, Schumpeter, …

69 Nanuk März 9, 2010 um 18:03

@Systemfrager
Protektionismus lalala…
Tja die Yankees zeigen ihr hässliches Gesicht…
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:streit-um-us-tankflugzeuge-europa-legt-sich-mit-den-usa-an/50086015.html

Sarkasmus an
http://www.youtube.com/watch?v=Nqxqe9Gkea0
Sarkasmus aus

70 holger März 9, 2010 um 21:24

@ unwissender

er ist ES “yippie yahey keynes”

http://www.cine-photos.com/bruce-willis/bruce-willis5.jpg

http://www.fan-lexikon.de/film-tv/bruce-willis/bilder/l/bruce-willis-5073.jpg

da kann mir einer erzählen was er will. :D

71 holger März 9, 2010 um 21:26

ha, 2te Bild haute nicht hin.

http://static.reelmovienews.com/images/gallery/bruce-willis.jpg

aber bestimmt dieses. Der ist gar kein ÖSI

72 holger März 9, 2010 um 21:34

Der Bruze Strobl, ist garantiert ein ausgebildeter CIA MI FIVE and SIX Agent Orange der KuK Traditon, der soll hier in D Verwirrung stiften, unter den Karl Marx Brüdern. Daher weht der Wind in der Fahne. Von wegen Ökonom… Alles nur Fass Ade. ;) so siehts aus…

73 ceteris März 9, 2010 um 23:37

„Der adäquate Bezugspunkt für die Beobachtung und Analyse des Systems ist daher nicht die Rückkehr in eine Ruhelage, wie Theorien des ‚Gleichgewichts’ suggerieren, sondern die ständige Reproduktion der momenthaften Aktivitäten, eben der Zahlungen, aus denen das System besteht.“
Mal wieder ein “blub” von NL. Weder ist das Gleichgewicht eine Ruhelage, sondern allenfalls ein labiles “Fliessgleichgewicht”, sofern es überhaupt jemals irgendwo ausserhalb der Drogenwissenschaft bestanden hat, und schon gar nicht kann dem die “ständige Reproduktion momenthafter Aktivitäten” entgegengestellt werden, weil sie nämlich dasselbe meint wie dieses ominöse “Gleichgewicht”, also dass die Show weitergeht, solange sie weitergeht.
Soviel zu dem Gleichklang zwischen Ökonomie und Sozialer Systemtheorie. Derselbe Dummschwatz, mal auf links, mal auf rechts gewendet…

74 enigma März 10, 2010 um 00:50

@ Holger 72

“Der Bruze Strobl, ist garantiert ein ausgebildeter CIA MI FIVE and SIX Agent Orange der KuK Traditon…”

Zuviel der Ehre…

75 enigma März 10, 2010 um 00:59

@ ceteris 73

Nu laß doch den Strobl mal Recht haben, wenn er zufällig das Richtige! schreibt. Stürz dich doch darauf, daß die Reproduktion der Zahlungen der eigentliche Erklärungstatbestand ist!!

76 enigma März 10, 2010 um 01:13

@ unwissender 64

“Brosamen…”

Schon lange her, seitdem ich dieses Wort mal gehört habe. Das Wort hat was damit zu tun, daß Menschen davon überzeugt werden, daß der Brosamen was mit ihrer Identität zu tun hat. Also: laß sie mal alle machen…

77 Moritz März 10, 2010 um 09:44

seit monaten reden alle von inflation.
Nach 10 Jahren niedrig-zins-politik haben wir 0,9% inflation.
wo bleibt die von den “experten” vorausgesagte Hyperinflation?
ich kann nur beim Gold eine nenneswerte inflation sehen, diese ist in einer irrigen inflationserwartung begründet.
Inflation ist für mich kein thema. Ich mache mir über die nachfrage nach konsumgütern sorgen.

Ich sehe sinn darin das thema aus dem buch weg zu lassen, es ist unwichtig.

78 holger März 10, 2010 um 10:25

@ Moritz

–>Inflation ist für mich kein thema. Ich mache mir über die nachfrage nach konsumgütern sorgen.

Ich sehe sinn darin das thema aus dem buch weg zu lassen, es ist unwichtig.”

Warum sinkt denn wohl die Nachfrage nach Konsumgütern? Weil der Geldbeutel, durch denT Euro und immer steigenden Energiepreisen, und fallenden Löhnen, aus Zwiebelleder gefertigt wird? oder was?

0.9% Inflation? Woher hast du denn das? Statistische Bundesamt? da kannst du auch gleich Knochen werfen, die sind genauer.

Warum lässt wohl der Herr Strobl, dieses Kapitel weg. Hatte er nicht schon eines weggelassen? Wenn das so weiter geht, erwirbt man nur noch den Umschlag. incl. Starschnittposter 1:1 verpackt in weiteren 13 Bänden. So ne Art Sammelbox.

Das Thema Inflation, ist ein Dingen für sich. Im Jahr 1986 dümpelte die NYSE um die 1300 Punkte herum, um dann sich zu Inflationieren, in Spitzenzeiten auf 13.000 Punkte zu steigen. Ein dreifaches Hipp Hipp Hurra. Heute kostet ein Halbe Weissbier 8 DM Ein Espresso teilweise 6 DM keine Inflation? ein halber Liter Wasser sensa Gas bis zu 4 DM gehts noch ?

79 holger März 10, 2010 um 10:39

Hier mal nur eine Gedankenhilfe:

http://www.lohnspiegel.de/main/LohnundGehaltsCheck

Bruttogehalt Industriemechaniker : 2241 Euronen /Monat
oder 13,62 Euronen / Stunde rund 27 DM

Ich habe 1988 also vor Rund 22 Jahren, knapp 20 DM/ Stunde gehabt. Im gleichen Berufsfeld.

Das bedeutet, das sich jedes Jahr, die Lohnerhöhung um ca. 30 Pfennig bewegt hat. Da kostete das Weissbier im Gebinde 0,5 auch nur 4 DM. Von den Strompreisen will ich gar nicht reden.

80 unwissender März 10, 2010 um 11:03

@Nanuk
@holger

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-nichts-dazugelernt/50086276.html?mode=print

;-)

Oh Gott – es ist ja noch garnicht Freitag – der wgx liest so garnicht!

81 Nanuk März 10, 2010 um 12:29

@unwissender
Der WGNX ist halt ein richtiger Ausbeuter… der sieht im moment nur rot wetten das…
http://www.youtube.com/watch?v=AwHvyqNDUvE

82 Nanuk März 10, 2010 um 12:43

@unwissender
Es gibt halt Menschen die glauben Maserati und Austin Martin fahren und in den Puff gehen währe extravagant der wgnx ist auch so einer…

83 Nanuk März 10, 2010 um 12:46

Anfang des 20jh war es das sicher heute ist es nurnoch ein billige Kopie… da sind ja zölibatäre interessanter:)

84 unwissender März 10, 2010 um 14:26
85 Nanuk März 10, 2010 um 15:18

@unwissender
Verbale Inkontinenz darunter leide ich ständig… und so alt bin ich noch garnicht.Ich hoffe das es nicht zum Tourette-Syndrom ausartet je älter ich werde…

86 unwissender März 10, 2010 um 16:05

NANUK :!:

Damit warst Du doch nicht gemeint!

Dieses Privileg kleidet hier andere! ;-)

http://www.wdr.de/radio/wdr2/westzeit/detail.phtml?id=493439

87 holger März 10, 2010 um 16:06

Zum Thema Inflation platzt mir die Hutschnur.

Um bei dem obigen Beispiel zu bleiben, Facharbeiter Industriemechaniker 2.241.– Brutto Verheiratet, 2 Kinder, Steuerklasse III. (Die Alte erzieht die Kinder und säuft nur)

Netto, lt. http://www.nettolohn.de NEEEETTTTTOOOOO 1.706 Euronen. Plus ca. 300 Euronen Kindergeld. Summa summarum Na? Ihr Singles? um die 2.000 Euronen in der Tasche, und dafür plärrende Gören am Hals.

Aber wir wollen ja nicht klagen. Single Bells, 2.241.– Brutto gleichen Job. Evtl. Coming Out hinter sich. Fliegt gern nach Brasilien mit Lebensabschnittspartner, der gerne für “Ein Herz für Kinder” wirbt und nie eigene produzieren kann. NEEEEETTTTTOOOOO 1.487 Euronen. Lohnsteuerklasse I.

4 “Menschen” leben pro Person mit ca. 500 Euro netto.
1 “Mensch” lebt mit 1.487 Euro netto.

Der Blödmann, der die Inflation am Arsch hat, ist die Familie. Wer braucht denn eine größere Wohnung? Wer braucht denn mehr Heizenergie? Wer braucht denn mehr Strom? Wer braucht ein größeres Auto? Wer braucht mehr Wasser? Wer kann sich Altersvorsorge leisten? etc. pp.
Wen wird denn wohl eine klitzekleine Inflation treffen?

Ich Scheixx einen großen Hucken auf das dämliche Experten und Studenten Gelabere. Und ich Scheixx einen großen Hucken auf das Grunzgesetz, welches angeblich die Familie schütz. Ein Dreck wird sich um Familien geschert. Im Gegenteil, ein Asso ist man, sobald man 2 Kinder hat und die auch noch vernünftig zu erziehen versucht.

88 soffi März 10, 2010 um 16:40

@ holger

damit du dich noch mehr aufregen kannst:

Destatis

Wenn du dir die Arbeitsproduktivität ansiehst (preisbereinigt) sieht die recht hübsch aus.

Wenn man allerdings unter “preisbereinigt” unsere lustige Teuerungsrate versteht , die deutlich unter der tatsächlichen Inflationsrate liegt, lügt man sich in die Tasche. Würde man die ehrliche Inflationsrate ansetzen, bliebe sowohl vom preisbereinigten BSP als auch von der realen Arbeitsproduktivität nicht mehr viel übrig.

Produktivitätszuwachs heißt eigentlich Mengenausweitung und/oder Kostensenkung. Und beides führt zu sinkenden Preisen. Aber warum sinken die nicht? Liegt es evtl. doch am Geld, dass durch seine zauberhafte Vermehrung ständig an Wert verliert? Wir wissen ja: was mehr wird, sinkt im Preis.

Kein Wunder, dass die Leute meckern, wenn ihnen über Jahre die Wohlstandsgewinne per Geldmengenausweitung weginflationiert werden.

@ Systemfrager – 68

Du hast Humor. Das muss man dir lassen.

89 holger März 10, 2010 um 17:23

@ soffin

danke für den Link, Halsschlagader habe ich abgeklemmt.

Nachtrag zu # 87

damit ich keinen Ärger mit dem Antidiskreminierungsgeschwafelgesetz bekomme evtl. die Feministinnen auf die Barikaden gehen, evtl. die ALICE mir einen reinhaut, Fr. Merkelnix schwanger wird, oder Fräulein Aische Roth, die Türkei retten will, es könnte zu 99% auch so sein, das die feministische Alte arbeiten geht, und der Männeken Piss zu Hause die Kinder erzieht.
Nur wegen der Gleichberechtigung auch im Hinblick auf den Afghanistan Feldzug.

90 Z. März 10, 2010 um 18:24

@holger, @soffi

Maßgeblicher Indikator zur Beantwortung der Frage, ob und inwieweit Produktivitätssteigerungen an die Arbeitnehmer in Form höherer Löhne weitergegeben werden, ist der Index der realen Lohnstückkosten. Ein gleich bleibender Indexwert bedeutet, dass die Arbeitnehmer entsprechend ihrer Produktivität bezahlt werden, ein steigender Index bedeutet, dass die AN überproportional zu ihrer Produktivität bezahlt werden, ein sinkender Index bedeutet Unterbezahlung im Verhältnis zu ihrer Produktivität.

Daten für die europäischen Länder gibt es unter

http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/national_accounts/data/database

im Menü Jährliche VGR -> Zusätzliche Indikatoren in den VGR -> Lohnstückkosten jährliche Daten

Über den Button “Daten auswählen” kann der Index der realen Lstk. eingestellt werden, voreingestellt sind die nominalen Lstk.
Die Daten zeigen, dass in Deutschland die realen Lohnstückkosten, also unter Berücksichtigung der Inflation, seit 1991 nahezu durchgehend gefallen sind und seitdem bis einschließlich 2008 um 10% gesunken sind. Das entspricht einer Wertschöpfung von etwa 250 Mrd. Euro die die deutschen Arbeitnehmer leisten ohne dafür bezahlt zu werden. Dieser Wertschöpfungszuwachs findet sich in den Einkommen aus selbständiger Arbeit und Vermögenseinkommen wieder.

Die griechischen Arbeitnehmer haben im Zeitraum von 1995 – 2008 übrigens nur auf 4% Lohn verzichtet. Für diese harte Haltung gegebnüber den Arbeitgebern und ihre Weigerung, sich über die Butter hinaus auch das Brot weg nehmen zu lassen, dürfen sie sich jetzt von den deutschen Asketen Schlendriane und Schmarotzer schimpfen lassen.

Nachdem die deutschen Frösche im Herbst 2009 erneut bewiesen haben, dass sie die besseren Frösche sind und brav im Topf sitzen bleiben, bis das Wasser heiß genug ist, wird den Griechen jetzt eine andere Kochart blühen. Die Temperaturen werden in Brüssel von Mutti Merkel voreingestellt und am Ende des Jahres werden sie einfach ins kochende Wasser geworfen. Noch jemand Garnelen ?

91 Nanuk März 10, 2010 um 19:16

@Z.
Krebsartige? Beleidigt doch nicht ständig lebensfrohe Bewohner unseres Planeten… Die wehren sich wenigstens… und der Panama-Stummelfußfrosch ist sogar hochgradig Giftig…
http://www.youtube.com/watch?v=qfASSjnqX-4

92 Wat. März 10, 2010 um 19:27

@Z. #90

Korrektur.

Arbeitnehmer/Lohnarbeiter werden niemals nach ihrer Produktivität bezahlt!

Der Index im Vergleich kann also höchstens bedeuten, daß ihr vormaliger Lohn im Verhältnis zur Produktivität gestiegen, gefallen oder gesunken ist.

Btw. Arbeitnehmer bekommen Gehalt oder Stundenlohn, der hat mit der Höhe des Gewinns des Unternehmens nichts zu tun, außer daß eine nicht nur erhaltende sondern auch ‘schaffende’ Wertschöpfung überhaupt vorhanden sein muß.

Wir sind im Kapitalismus – bekäme der Arbeitnehmer seine Produktivität, also die Wertschöpfung insgesamt bezahlt, könnte es keinen Kapitalisten geben, der sich diese Wertschöpfung zu großen Teilen aneingnet…

Wir hätten sonst eine Genossenschaft in dem ‘alle Tätigen’ Mitglieder sind.

93 Wat. März 10, 2010 um 19:43

ups – sorry

statt: “gestiegen, gefallen oder gesunken”

sollte es natürlich heißen:

“gestiegen, gefallen oder gleich geblieben”

94 Z. März 10, 2010 um 21:05

@Wat.

Ich wollte es nicht zu altklug klingen lassen und habe deshalb etwas verkürzt. Nachdem es nun aber Irritationen zu geben scheint, hier die ausführliche Variante:
Ein im Zeitvergleich gleichbleibender Indexstand bedeutet, dass die prozentuale Veränderung der Gesamtproduktivität der prozentualen Veränderung der Lohnkosten entspricht und die Lohnquote konstant bleibt.

Dieser Satz

Arbeitnehmer/Lohnarbeiter werden niemals nach ihrer Produktivität bezahlt!

ist ein ganz weites Feld. Prinzipiell ist er aber falsch, dazu weiter unten mehr.

Diesen Satz

Der Index im Vergleich kann also höchstens bedeuten, daß ihr vormaliger Lohn im Verhältnis zur Produktivität gestiegen, gefallen oder gesunken ist.

würde ich so formulieren:

Der Index im Zeitvergleich drückt aus, ob die Veränderung der Lohnkosten im Verhältnis zur Veränderung der Gesamtproduktivität höher, niedriger oder gleich hoch war.

Bei diesem Satz

Wir sind im Kapitalismus – bekäme der Arbeitnehmer seine Produktivität, also die Wertschöpfung insgesamt bezahlt, könnte es keinen Kapitalisten geben, der sich diese Wertschöpfung zu großen Teilen aneingnet…

kommt es darauf an, ob Du zwischen Arbeitsproduktivität und Kapitalproduktivität differenzierst. Ich denke Du solltest das aus ökonomischen Aspekten, auch wenn man aus politischen Gründen mal polemisieren kann.

Eine kapitalismuskritische Anekdote, die, soweit ich mich erinnere, von Dieter Kunzelmann überliefert ist, geht so:
Im Rahmen eines Interviews erzählte er die Geschichte von seiner WG und dem Joghurt im Kühlschrank. Wenn er abends viel kiffe, bekomme er nachts immer einen Essflash, Süssigkeiten und so. Und wenn er dann in den Kühlschrank seiner WG schaue und da steht ein einzelner letzter Fruchtjoghurt, süss und verführerisch, mit Kirsche, und er esse diesen Joghurt NICHT, übe also Konsumverzicht, dann sei das eine Leistung. Denn dank seiner nächtlichen Leistung, diesen Joghurt trotz Kifferei und aller Lust nicht zu essen, wird es einem anderen WG-Mitglied am nächsten Tag ermöglicht, diesen Joghurt zu essen. Das Problem mit dem Kühlschrank in seiner WG sei, dass da nachts kein Fruchtjoghurt stehe, nicht, weil ihn jemand anderes gegessen hat, sondern weil da nie einer drin war. Das Problem mit dem Kapitalismus sei, so Kunzelmann, dass der Kapitalismus ihm verweigere diese (Spar-)Leistung zu vollbringen, weil der Kapitalismus ihm ein Einkommen verweigere, von dem am Ende des Tages noch was zum Sparen übrig bliebe.

Worauf ich raus will, Wat. ist, dass ich durchaus Arbeitsproduktivität und Kapitalproduktivität differenziere und ich dem Faktor Kapital, also der kummulierten Sparleistung, durchaus einen Anteil an der Gesamtproduktivität zumesse, also Produktion nicht allein aus Arbeit besteht. Es braucht jemand, der den Joghurt bis zum nächsten Tage aufbewahrt, Konsumverzicht übt, spart, und investiert.

Kapitalismusgegner werden das anders sehen, aber in Ermangelung eines besseren Anreizsystemes, gegeben den Entwicklungsstand des menschlichen Bewußtseins, bleibt mir vorerst nichts anderes übrig, als die Verteilung der Einkommen dergestalt zu kritisieren, als dass sie gewährleisten muss, dass bei Kunzelmann in der WG am Ende des Tages die Möglichkeit besteht, durch das Nichtessens des Joghurts eine Leistung zu vollbringen.

Zu den Lohnstückkosten und der Faktorentlohnung:

Es gibt keine theoretische Begründung für die Höhe der Lohnquote. Was es gibt ist das Konzept der Entlohnung gemäß der Produktivität. Wenn unterstellt wird, dass bei optimalem Einsatz der Produktionsfaktoren ihre Grenzproduktivität gleich ist, so müssten, unter der Bedingung der Vollbeschäftigung, Produktivitätszuwächse entsprechend des Einsatzverhältnisses der Produktionsfaktoren anfallen und auch entsprechend entlohnt werden. Empirisch hat man lange gedacht dieses Verhältnis läge, mit leichten Schwankungen, konstant bei etwa 2:1. Jetzt gibt es aber Arbeitslosigkeit, der Arbeitsmarkt ist alles andere als ein vollkommener Markt, die Warenfiktion der Arbeit ist unhaltbar, die Globalisierung hat ihre eigenen Gesetze (Stichwort Faktormobilität) u.s.w. Worauf ich hinaus will ist, dass die Mechanismen, gemß derer Mainsreamökonomen die Entlohnung gemäß der Faktorproduktivität behaupten, nicht mehr greifen. Ich würde mich aber davor hüten zu behaupten, die Faktorproduktivität hätte überhaupt nichts mehr – Du schreibst “niemals” – mit der Entlohnung zu tun. Tatsache ist aber, deshalb habe ich auf @holger und @soffi Bezug genommen, dass die Arbeitnehmer für ihre Leistung immer weniger Entlohnung erhalten. Das ist an der sinkenden Lohnquote und am Index der Lohnstückkosten abzulesen und dass diese Einbußen mitlerweile eine Dimension erreicht haben, die unfassbar ist. Ein um 10% niedrigerer Index bedeutet tatsächlich, dass 10% mehr Waren produziert werden, was einem Wert von etwa 250 Mrd. Euro entspricht, die Arbeitnehmer aber 0% Lohnerhöhungen dafür erhalten haben. Diese Einkommen finden sich tatsächlich bei den Kapitaleinkommen wieder. und es ist nicht so, wie Du schreibst, dass die Löhne nichts mit den Gewinnen zu tun hätten. Im Gegenteil. Der Lohnanteil determiniert den Anteil der Kapitaleinkommen am Gesamtoutput. Und was wir brauchen ist Solidarität mit den griechischen Arbeitnehmern, deren Gewerkschaften besser aufgestellt sind und die fähig und willens und in der Lage sind mal einen Generalstreik zu organisieren, im Gegensatz zu den Trotteln von der IG Metall und Verdi, die sich auf eine Nullrunde, also reale Lohnkürzungen einigen und sich im Falle der IG Metall teilweise den Lohn noch aus der Staatskasse zahlen lassen. Und das Bild vom Frosch im Kochtopf schien mir dafür ein guter Anlass.

95 holger März 10, 2010 um 21:28

Hat hier einer schon mal was von REFA gehört?

Hat sich einer schon mal Gedanken gemacht, wie der Lohnarbeiter und die Inflation sich Regenerieren?

ich glaube nicht. Es hat keinen Zweck.

96 Wat. März 10, 2010 um 21:35

@Z. # 92

Worauf ich raus will, Wat. ist, dass ich durchaus Arbeitsproduktivität und Kapitalproduktivität differenziere und ich dem Faktor Kapital, also der kummulierten Sparleistung, durchaus einen Anteil an der Gesamtproduktivität zumesse, also Produktion nicht allein aus Arbeit besteht. Es braucht jemand, der den Joghurt bis zum nächsten Tage aufbewahrt, Konsumverzicht übt, spart, und investiert.

Bei der Differenzierung (also Vereinzelung) wird unterstellt, daß Kapital ‘an sich’ etwas leistet.

Nicht bös’ sein, aber heute ist keine Märchenstunde. Kapital leistet nichts – gar nichts.

Es gestattet ein leistungsloses Einkommen.

Siehe bitte dazu im Thread “Die Droge der Ökonomie”
http://www.weissgarnix.de/2010/01/21/die-droge-der-okonomie/#comment-51887
# 390 @ceteris
# 423 @Wat.

Gerade weil Kapital nichts produziert, kämpfen wir jetzt mit den ‘Blasen’ – geleistet wird in der Realwirtschaft durch Wertschöpfung von Gütern… und nur dort.

Ökonomie einer Volkswirtschaft ist immer politisch – Politische Ökonomie

Kapitalismusgegner werden das anders sehen, aber in Ermangelung eines besseren Anreizsystemes, gegeben den Entwicklungsstand des menschlichen Bewußtseins, bleibt mir vorerst nichts anderes übrig, als die Verteilung der Einkommen dergestalt zu kritisieren, als dass sie gewährleisten muss, dass bei Kunzelmann in der WG am Ende des Tages die Möglichkeit besteht, durch das Nichtessens des Joghurts eine Leistung zu vollbringen.

Wofür brauchen wir ‘Anreizsysteme’ – doch wohl nur, wenn es nicht um unsere eigenen Belange geht.

Daß sich Menschen reproduzieren wollen, das ‘läuft’ gut ohne, wie bei jedem anderen Lebewesen auf diesem Planeten auch…

Und was wir brauchen ist Solidarität mit den griechischen Arbeitnehmern,

Das ist doch mal ein Wort.
Es geht nämlich oben gegen unten, nicht Deutsch gegen Griechisch.

Btw. ‘Unsere Gewerkschaften’ haben sich wegen weicher Federn ‘oben’ eingenordet – auf die würde ich, so wie sie jetzt sind, eher nicht bauen…

97 ceteris März 10, 2010 um 23:30

@Z
Diese Einkommen finden sich tatsächlich bei den Kapitaleinkommen wieder.
Sicher, so weit es um die Verteilungslogik geht. Aber es geht um mehr: Wer hatte denn zuvor woher die Einkommen, um die Umsätze zu generieren, die Voraussetzung für die hiesigen Lohn- wie Kapitaleinkommen sind? MaW: Wer konnte von welchem Geld/Kredit die deutschen Exporte kaufen, die jetzt einbrechen?
Die Unternehmen “spendeten” (unwissentlich) ihre Profite, indem sie sie über Umwege in den Finanzmarkt pumpen, der wiederum das Geld dazu verwendet, sie nicht sonderlich bonitären Schuldnern überzuhelfen. Inzwischen sind diese die Staaten selber, die Fatalität der Profitmaximierung kehrt an ihre Quelle zurück. Und was wird sie dort tun? Nun, in einem Wort gesagt: verrecken. GO.

98 Z. März 11, 2010 um 00:18

@ceteris

Ja natürlich, ich stimme allem zu – bis auf den letzten Satz, da bin ich mir nicht sicher. Es gibt ja nicht nur eine Verteilungslogik der Einkommen, sondern auch eine Verteilungslogik der Produktionsfaktoren, insbesondere der Eigentumsrechte. Der Kapitalismus kann deshalb stets nur temporär funktionieren, dann muss neu verteilt werden. Mit den Schuldtiteln ist das relativ einfach, sei es durch Schuldreform oder durch Inflationierung. Was aber ist mit den Eigentumsrechten ? Gehen die auf im großen Brei der Liquidation ?

Ist Eigentum nicht mit Kredit belastet, bleiben die Eigentumsrechte gewahrt. Ist es mit Kredit belastet, wer wird dann die Vermögenswerte kaufen, wenn nicht die Eigentümer der (Geld-)Forderungen. Game over ? Sehe ich nicht. Einmal rumrühren, damit nichts anbrennt, die Macht bleibt und mit ihr die Verhältnisse.

99 Z. März 11, 2010 um 00:34

OT:

Vielleicht kann mir jemand aus der ehemaligen DDR bei einer Frage weiterhelfen, die mich in letzter Zeit beschäftigt hat:

Gab es in der DDR Werbung, Marketing, o.ä. und in welcher Form ?

Ich meine, dass es eventuell an den Transitstrecken eventuell welche gegeben haben könnte, vielleicht auch andere ?

Die Frage die mich beschäftigt ist die, ob in inwieweit Ineffizienzen auftreten würden wenn Werbung und Marketing verboten wäre. Da es erwiesener Maßen nicht zur Wertschöpfung beiträgt, die relativen Preise verzerrt und damit zu Fehlallokationen beiträgt, zum Teil sogar mit erheblichen externalen Kosten verbunden ist (ich nenne es mal Verschmutzung des öffentlichen Raumes) beschäftigt mich diese Frage.

Vielen Dank

100 weissgarnix März 11, 2010 um 00:37

@holger

>Warum lässt wohl der Herr Strobl, dieses Kapitel weg.

Weil sie nicht zur eigentlichen Message meines Buches gehört. Sie wäre ein Nebenthema gewesen. Meine Angst war, dass sie die eigentliche Botschaft verwässert.

101 weissgarnix März 11, 2010 um 00:38

@enigma

>Nu laß doch den Strobl mal Recht haben, wenn er zufällig das Richtige! schreibt.

Du bist zu gütig.

102 weissgarnix März 11, 2010 um 00:41

@unwissernder

>Oh Gott – es ist ja noch garnicht Freitag – der wgx liest so garnicht!

Doch – er liest sehr wohl. Er hat nur während der Woche aktuell sehr wenig Zeit.

103 ceteris März 11, 2010 um 01:27

@Z
Einmal rumrühren, damit nichts anbrennt, die Macht bleibt und mit ihr die Verhältnisse.
So war es bisher, also das “Selbstreinigungsverfahren”, das dann ex post den magischen Fähigkeiten “des Marktes” in seiner Sanktion der “Pleite” zugeschrieben wurden. Survivor bias: die Toten können nix mehr dazu sagen… und die Überlebenden lernen nix, wie man sieht, KÖNNEN nichts lernen, weil die Regeln dieselben sind, bis jetzt…
Ich glaube aber, dass die gegenwärtige Situation neu ist. Ich wüsste nicht, dass es schon mal “bail-outs” dieses Ausmaßes gegeben hätte und Staatspleiten quasi reihenweise, dominoweise drohen und drohen werden.
Was wäre denn passiert, wenn man vor 10-20 Jahren alles anders gemacht hätte, aber ohne an das Eigentum zu rühren? Ich denke: genau dasselbe, nur in anderer Form.
Wer soll diese Soße noch umrühren, und womit?
Das Eigentum in seiner kapitalistischen Eigenschaft als Einkommensgenerator ist die Wurzel des Problems, Eigentum ist nur möglich mit staatlicher Garantie desselben (Recht/Gewaltmonopol) wenn das Eigentum/Kapital also seine eigene Grundlage ruiniert, ruiniert es sich selber. Und dann heisst es eben: GO.

104 ceteris März 11, 2010 um 01:38

Seit den 70ern gab es in der DDR Marketing, Werbewirtschaft, Branding, alles was du willst, und alles, was man sich von Westen abgucken konnte. Seit der Zeit nämlich verschwand das, was man dort vornehm den “Nachfrageüberhang” nannte, dass man also mehr Geld als Güter hatte. Auch der reale Sozialismus brachte es zu Überschüssen, wusste aber nicht, wohin damit und konnte keinen “Markt” und seine Grausamkeiten und Irrwitzigkeiten als Ausrede verwenden. Also, das ist jetzt hyperbolisch verkürzt, hatte der real-vegetierende Sozialismus den Kapitalismus überholt, ohne es zu merken. Denn der produziert auch mehr als er absetzen kann.
Lustig, wenn die Folgen nicht wären… der reale Sozialismus als Kapitalismus 2.0, und diese Version ist schon vor 20 Jahren abgelaufen, wir hier glauben aber immer noch, die 1.0 Version sei die beste. Ein Witz, und zwar ein ganz und gar schlechter…

105 Z. März 11, 2010 um 02:42

@ceteris
Denke auch, dass die Dimension der Schulden- und Schuldnerkrise neu ist. Aber wie Du schreibst…

Das Eigentum in seiner kapitalistischen Eigenschaft als Einkommensgenerator ist die Wurzel des Problems

Eben. Die Schulden lassen sich bereinigen, die Eigentumsechte nicht, denn das würde Eingriffe des Staates erfordern. Wenn ein kritischer Zeitpunkt erreicht ist, werden die Gläubiger versuchen ihre Geldforderungen in Eigentunsrechte umzuwandeln. Das Kartenhaus wird zusammenbrechenbrechen. Damit ist aber nicht der Kapitalismus am Ende. Die Eigentumsrechte an produktivem Vermögen, an Realkapital, bleiben. Das Geldsystem wird bereinigt und weiter gehts. Das meine ich mit “umrühren”. Wirklich ändern würde sich doch nur etwas, wenn entweder im Zuge dieses Prozesses die Eigentumsrechte weiter gestreut würden, als es bisher der Fall war (wobei das Spiel dann wieder von vorne los geht), bzw. im extremen Fall, wenn der Staat alle Eigentümer enteignen würde. Das ergibt sich jedoch nicht zwangsläufig, also aus dem GO des Geldsystems. Wenn das Geldsystem zusammenbricht, die Eigentumsrechte jedoch nicht nennenswert umverteilt werden, werden wir aus dem Stand wieder da stehen, wo wir vor Zusammenbruch des Geldsystems standen. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Kreditfähigkeit wieder hergestellt ist.

@DDR

Danke, war mir neu. Ich wusste nicht, dass die DDR ein Problem mit Nachfragemangel hatte. Aus Berichten kenne ich nur die Version von mehr Geld als Waren, bzw. den Waren, die nachgefragt wurden und das Geld gehortet wurde, bar im Kleiderschrank. Nachfragemangel lässt sich mit Marketing nicht beheben. Marketing ist für mich ein Nachfrageverteilungsinstrument im Konkurrenzkampf, keines, das zusätzliche Nachfrage generiert. Deshalb empfinde ich es als so schädlich. Was erhoffte sich die DDR vom Marketing ?

106 holger März 11, 2010 um 07:34

@ WGN #100

–>>Warum lässt wohl der Herr Strobl, dieses Kapitel weg.

Weil sie nicht zur eigentlichen Message meines Buches gehört. Sie wäre ein Nebenthema gewesen. Meine Angst war, dass sie die eigentliche Botschaft verwässert.”

Das denke ich auch. Hatte ich ja darunter geschrieben, das die “In-flare (Blase) ” ein Dingen für sich ist. Genauso wie die De-flare.
Die produzierten “Werte” bleiben in ihrem Material-Wert nämlich gleich. Kupfer bleibt Kupfer und Stahl bleibt Stahl.

Deswegen hat ja auch die Haltbarkeit von Produkten “Produktlebenszyklus” sowie die Herstellungsmethode derer, unter Berücksichtigung der REFA (Produktionszeit), ebenfalls einen großen Einfluß auf die In-flare.

Auch wichtig: die “Investitionsmöglichkeiten” der Großkapitalbesitzer. Sowie die Preisfindung beim Investitionsgüter (Maschinen) Markt. Da ist nämliche ein Preisdumping angesagt. Auch durch die Lohndrückung.

Der Exitus, der Gewinnmaximierung, ist die Inflation.

107 Nanuk März 11, 2010 um 08:58

@Wat
“Es geht nämlich oben gegen unten, nicht Deutsch gegen Griechisch.”

Es geht bis zu heutigen Tage immer nur darum und das wird erst dann aufhören…
http://www.youtube.com/watch?v=lqMcol9QdT0

108 Salve März 11, 2010 um 09:49

Heute schon geblasen?

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-nichts-dazugelernt/50086276.html

Gut, dass uns Minsky nicht wirklich etwas zu erklären hat.

109 unwissender März 11, 2010 um 09:57

@weissgarnix

Wenig Zeit – ist mir schon klar!

Job, Familie und dann noch ein Buch schreiben.

Vorschlag:

Lass doch den Nanuk die Artikel für den Blog hier schreiben – dann hätten wir hier noch mehr youtube-Videos und der Unterhaltungswert würde sprunghaft ansteigen! ;-)

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-china-und-sonstige-wackelkandidaten/50086814.html

110 holger März 11, 2010 um 11:07

unwissender

hier auf dem Planeten ist Action angesagt. seit über 2000 Jahren, streitet man um die Penuncia. :D

Macht Theorien darum, Mronz, Westerwelle, der Bürgermääster von janz Berlin, streiten sich darum wer nun die Schwangerschaftsgymnastik bezahlt kriegt. Und Recht-mäßig in den wohl verdienten Erziehungsurlaub gehen darf.

Hier ist ächt was los. Bessere Unterhaltung bekommt man nirgends. Lass es uns genießen. Wer weiß wie lange das Schauspiel noch andauert.

111 holger März 11, 2010 um 11:12
112 holger März 11, 2010 um 12:01

Dieses Land “D” hat bald (offiziell)

3.400.000.000.000 DM Schulden?
1.700.000.000.000 Teuronen

http://www.n-tv.de/politik/Schulden-auf-Rekordniveau-article770150.html

Bei Wem? Ahhh, es sind Eziechel sei dank, nur glühende Räder und Nullen.

113 froZ März 11, 2010 um 12:41

@ ceteris, Z

Naja, das mit dem Nachfragemangel in der DDR würde ich nicht so stehen lassen. Die ganze Wirtschaft der DDR war sehr investitionsgüterlastig, und es gab schon einen Mangel an Konsumgütern, der von den Leuten so als gestaute Inflation erlebt wurde (weshalb der Schwarzmarktkurs zur D-Mark ja die realen Kaufkraftparitäten auch grotesk verzerrte). – Dann wurden die Hersteller von Investitionsgütern von der Plankommission dazu verdonnert, nebenbei auch Konsumgüter zu produzieren, und die produzierten sie dann in großen Mengen und oft am Bedarf vorbei, weshalb es bezüglich DIESER konkreten Konsumgüter durchaus auch “Nachfragemangel” geben konnte.

Ich erinnere mich, wir hatten in der Schule ein Fach PA (“Produktive Arbeit”), da haben wir in einem metallverarbeitenden Betrieb, der eigentlich für die Armee da war, als Konsumgüter jede Menge Schneeschieber gefertigt – also Bleche geschnitten, entgratet, mit Schellen am Stiel festgemacht. Das war so nach diesem Extremwinter Ende der 70-er Jahre, als es wohl einen Mangel an Schneeschiebern gegeben hatte. Die Arbeit ging flott voran: innerhalb einiger Wochen wurden allein dort vermutlich so viele Schneeschieber gefertigt, wie sie in den Folgewintern nie wieder zum Einsatz kommen konnten; ich frage mich, ob einige davon bis zum jetzigen Winter überdauert und so doch noch ihre Bestimmung gefunden haben. – Wahrscheinlich litt der Absatz jener Schneeschieber seinerzeit unter einem gewissen Nachfragemangel.

“Marketing” in der DDR – so würde ich das nicht nennen. Klar gab es Leuchtreklame in Städten wie Berlin (Ost) und Leipzig, aber die zielte wohl vor allem auf ausländische geschäftliche Besucher, es wurden da nach meiner Erinnerung ja überwiegend auch nicht Konsumgüter für die Bevölkerung angepriesen, sondern etwa die Markennamen von Kombinaten der chemischen Industrie. Zudem sollte damit den Städten vielleicht auch so ein weltstädtisches Flair verliehen werden.

Übrigens, @Z, auch wenn du mir das “Z” geklaut hast und weiter oben die reichlich angestaubte Abstinenztheorie des Zinses aufs Tapet bringst, so muß ich Dir in manchem zustimmen. Insbesondere in Deiner Argumentation gegen den “GO”-Glauben. “GO” ist letztlich so eine unpolitische Haltung, die darauf verzichtet, die Rahmenbedingungen der Wirtschaftsordnung zu gestalten, weil man davon ausgeht, daß selbige sowieso eines Tages tot umfällt und dann in der Folge so etwas wie eine “Tabula-rasa”-Situation eintritt . – “GO”-Ideologie ist damit im Kern ziemlich reakionär, auch wenn das ihren Protagonisten nicht immer bewußt sein mag.

114 keiner März 11, 2010 um 15:52

@unwissender: Neneneneeee, der Nanuk muss erstmal die Satellitenbilder von Norddeutschland, dies es nicht hätte geben dürfen, hier posten, nix noch mehr Utube!

115 Hermann Keske März 11, 2010 um 16:12

@ Holger # 112
1,7 Billionen sind doch lachhaft. Das private Geldvermögen macht allein 4,7 Billionen aus, vom Sachvermögen ganz zu schweigen.

Deutschland ist reich, sehr reich. Leider haben wir seit einer schon viel zu langen Zeit eine Deppentruppe von politischer Klasse, die ihren Ehrgeiz darauf verwendet, den Staat arm und ein paar Private völlig nutz- und sinnlos reich zu machen. Hätten wir eine vernünftige Vermögens- und Einkommensverteilung, hätten wir auch eine – für alle – angenehme Wirtschaftssituation. Wir hätten langsam, aber stetig wachsenden Wohlstand bei allen und nicht stattdessen einen stetig wachsenden Armutsanteil in der Bevölkerung.

Die Staatsschulden sind nicht das Problem. Das Problem besteht darin, dass wir insgesamt von einer bereits wirtschaftsmächtigen Clique, die sich der Unterstützung einer gewählten (!) Regierung erfreut, ausgenommen werden wie eine Weihnachtsgans.

Daneben sind Deflation oder Inflation auf welchen Märkten auch immer Peanuts.

116 keiner März 11, 2010 um 16:20

So, Hermann, und wie kriegen wir das Geschmeiss wieder los?

117 ceteris März 11, 2010 um 16:24

@froZ, @Z
Ich hatte übrigens “Nachfrageüberhang” gesagt, oben, also das GEGENTEIL von Nachfragemangel. (Das ist der Originalterminus des “Handbuchs der Werbung”, Berlin, Hauptstadt der DDR, 1969)
Die Werbung in der DDR gab es, und nicht nur mit West-Besuchern oder möglichen ausländischen Importeuren der eigenen Produkte als Adressaten.
Die Werbung diente auch dort der Absatzplanung. Nach dem Nachfrageüberhang war es eben nicht mehr selbstverständlich, dass alle für den inländischen Konsum produzierten Güter auch verkauft werden konnten, außerdem, ganz wie im Westen, mussten den Konsumenten neue Produkte und Werkstoffe (“Plaste & Elaste”) bekannt und schmackhaft gemacht werden etc.pp.

Die Eigentumsrechte an produktivem Vermögen, an Realkapital, bleiben.
Na, erstmal bleiben die Sachwerte als solche. Die Eigentumsrechte nach einem Kollaps des Geldsystems, was sollen die noch wert sein?
Auch das ganze Realkapital und seine Strukturen ist viel labiler als früher, die Produktionsketten weitverzweigt, so dass ein einzelnes “Realkapital” oft einen Wert von NULL hat, sobald die Wirtschaftstätigkeit einbricht. Es verursacht dann nur weitere Kosten, bringt aber nichts mehr ein. Und Eigentum, das nichts einbringt, ist wertlos, also auch kein Eigentum im Sinne einer kapitalistischen Wirtschaft mehr.

“GO” ist letztlich so eine unpolitische Haltung, die darauf verzichtet, die Rahmenbedingungen der Wirtschaftsordnung zu gestalten, weil man davon ausgeht, daß selbige sowieso eines Tages tot umfällt und dann in der Folge so etwas wie eine “Tabula-rasa”-Situation eintritt . – “GO”-Ideologie ist damit im Kern ziemlich reakionär, auch wenn das ihren Protagonisten nicht immer bewußt sein mag.
Ich bin ja für jede konkrete Maßnahme, die die Lage der Betroffenen verbessert, aber “Rahmenbedingungen der Wirtschaftsordnung gestalten“? Wer soll das machen, wie soll das gehen, und was nützt es, Anfang des 21. Jahrhunderts, wenn nicht eine NEUE Wirtschaftsordnung dabei rauskommt. Die alte zerlegt sich gerade selbst, und zwar sehr gründlich und meiner Überzeugung nach auch irreparabel, es gibt kein Zurück mehr, keine neue Runde mehr auf diesem Karussell. Die REALE Kapitalverwertung funktioniert nicht mehr, die Blasen und Krisen rühren daher.
Und das ist keine reaktionäre Phantasie, sondern kommt täglich in neuen Facetten in den Medien. Man muss nur hingucken.

118 Hermann Keske März 11, 2010 um 17:03

@ keiner # 116

Tja, das ist die Frage, der wir nachgehen sollten. Und zwar ganz dringend. Alles, was mir dazu bisher eingefallen ist, würde schon bei der öffentlichen Verkündung Straftatsbestände erfüllen.

Aber man könnte sich die Geldsäcke einzeln vornehmen, rechtlich zulässig, etwa mit Boykotten. Aber das braucht noch seine Zeit, bis dafür genügend Mitstreiter gefunden werden können.

Vielleicht hat ja jemand bessere Ideen.

119 holger März 11, 2010 um 17:07

@ Hermann Keske

Das Problem liegt doch darin, dass die Zinsen und Zinseszinsen bedient werden wollen. Im Staatshaushalt sowie auch bei den Privaten. Ist doch so, oder?

Irgendwann, können die (Zinsen) nicht mehr erwirtschaftet werden. Irgendwann, kann selbst der Reichste sein Geld nicht mehr investieren geschweige denn ausgeben. Es gibt nix mehr, wo er es investieren müsste und sollte. Dann hat die “Umverteilung” fertig. Es gibt nichts mehr was von “Unten” nach “Oben” geschaufelt werden kann. Noch nicht nicht mal mehr die Arbeitskraft. Weil die in der Breite nicht mehr nachgefragt werden kann.

Was nutzt mir das beste Vermögen, wenn ich es nicht ausgeben kann und oder will?

120 Z. März 11, 2010 um 17:22

@ceteris, froZ

Na, erstmal bleiben die Sachwerte als solche. Die Eigentumsrechte nach einem Kollaps des Geldsystems, was sollen die noch wert sein?

Habe auch erst überlegt, ob ich Sachwerte schreiben soll, dann sind mir aber die Patente eingefallen, Technologien, Markenrechte u.s.w.
Diese Eigentumsrechte sind dann in Geldeinheiten gemessen nach einer Schuldreform natürlich weniger wert, aber die Wirtschaft läuft ja weiter. Ich denke man kann das mit der wirtschaftlichen Situation nach dem 2. Weltkrieg vergleichen. Die industrielle Basis blieb ja von den Kriegsauswirkungen weitesgehend verschont – ich meine mal etwa 10-15% Schädigung gelsen zu haben, dramatischer sah es bei den Wohnimmobilien aus – , und es waren gut ausgebildete Arbeitskräfte vorhanden. Der Wirtschaftsaufschwung, das Catching-Up, erfolgte mit atemberaubender Geschwindigkeit, der private Sektor war nahezu schuldenfrei, der Staat hatte sich seiner Verpflichtungen über die Währungsreform entledigt, das Wohlstandsniveau in breiten Teilen der Bevölkerung stieg rapide. Aber: Die Eigentumsrechte an den Sachanlagen, Grundstücken, Patente, u.s.w. waren auf eine relativ enge Personengruppe konzentriert (wenn auch breiter gestreut als heute). Das Kreditspiel ging von neuem los. Wäre es nicht denkbar, dass bei einem GO des Geldsystems ähnliche Bedingungen herrschen werden, ohne die Zerstörungen am Kapitalstock und die wirtschaftliche Not breiter Bevölkerungskreise in und nach den Wirren eines Krieges ? Ich halte das für denkbar. Es ändert nur eben nicht die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, also das Machtgefüge, die Eigentumsverhältnisse.

unpolitische Haltung, die darauf verzichtet, die Rahmenbedingungen der Wirtschaftsordnung zu gestalten, weil man davon ausgeht, daß selbige sowieso eines Tages tot umfällt und dann in der Folge so etwas wie eine “Tabula-rasa”-Situation eintrit

Das denke ich auch. Von alleine, als auf Grund der ökonomischen Gegebenheiten, wird diese Situation nicht eintreten. Im Kern geht es doch nur um zwei Alternativen: privates Eigentum an Realkapital oder kollektives Eigentum. Wie @ceteris gesagt hat, kann ersteres nur der Staat garantieren. Wenn diese Bedingungen geändert werden sollen, so muss der Staat sie in einem politischen Akt ändern. Die Meinung , dass dem Staat bei einem Zusammenbruch des Geldsystems nichts anderes übrig bleibt, als diese Eigentumsordnung zu ändern, teile ich nicht. Ich verspreche mir auch nicht viel von der Alternative. Ich sehe in der Gestaltung der Rahmenbedingungen die Herausforderung der Zukunft. Der Kapitalismus hat doch unbestritten vielen Menschen ein hohes Wohlstandsniveau beschert. Dennoch ist er in inhärent instabiles System, (Zer-)Störung ist Programm, Ungleichheit zwangsläufig, vielleicht ist Beherrschung und Abmilderung seiner zerstörerischen Kräfte auch nur temporär. Dann ist es Aufgabe der Politik, diesem System einen engen Rahmen zu setzen und bei Bedarf Fakten zu schaffen, Eigentum neu zu verteilen, Währung reformieren. Die Politik muss den Kapitalismus vor sich selber retten. Das ist sicherlich eine anspruchsvollere Aufgabe als auf den Untergang zu warten. Die Frage ist nur, ob die Politik im Rahmen eines solchen Systems dazu in der Lage ist, oder ob sie nicht zwangsläufig ein Teil des Systems Kapitalismus wird.

@DDR

Ich hatte übrigens “Nachfrageüberhang” gesagt, oben, also das GEGENTEIL von Nachfragemangel.

Stimmt, allerdings meintest Du dass dieser in den 70er verschwand. Bin etwas verwirrt.

Das mit den Leuchtreklamen und den Werbeschildern über der Transitstrecke meine ich auch gesehen zu haben und meines Erachtens richtete sich diese Werbung tatsächlich an Ausländer, vornehmlich Westler. Vermutlich ging es um Devisen.
Das hier

Die Werbung diente auch dort der Absatzplanung.

finde ich interessanter. Wie sah diese Werbung aus ? Gab es Anzeigen in der Tageszeitung, Spots im Fernsehen, Bandenwerbung bei Fussballspielen, u.s.w. Das mit der Absatzplanung ist auch interessant. Ich habe bisher gedacht, die DDR betrieb Absatzplanung über den (festgesetzten) Preis und wenn der aus politischen Gründen zu hoch wurde über die Wartezeit. Ist es nicht ineffizient, zusätzliche Ressourcen für Werbung aufzuwenden, wenn über einen subventionierten Preis für erwünschte Nachfrage (bzw. hochbesteuerte Preise für unerwünschte Nachfrage) das gleiche Ergebnis erzielt werden kann ?

121 keiner März 11, 2010 um 17:30

Ich hab schon mal meine Kinder der deutschen Schuldenknechtschaft entzogen. Sollen sie zusehen, wen sie dafür versklaven.

Meiner Meinung nach ein (bei vielen vielleicht erst unterschwellig wahr genommener) Grund für die schwindende Geburtenrate: Nachschuldnerverweigerung. :-D

122 ceteris März 11, 2010 um 18:04

@Z
Der Wirtschaftsaufschwung, das Catching-Up, erfolgte mit atemberaubender Geschwindigkeit, der private Sektor war nahezu schuldenfrei,
Ja, stimmt, für Dland nach 45. Aber das konnte doch nur funktionieren, weil die USA das Wirtschaftssystem wieder aufgepäppelt haben. In der anstehenden Krise wird es keinen mehr geben, der von ihr nicht betroffen ist, keinen Retter aus Übersee, der Devisen (ein noch funktionierendes Geldsystem!) und Absatzchancen rüberreicht. Hätten sie das damals nicht getan, wäre das Morgenthau-Szenario für Dland viel wahrscheinlicher und “natürlicher” gewesen, der Rückfall in die Subsistenzwirtschaft.

Stimmt, allerdings meintest Du dass dieser in den 70er verschwand. Bin etwas verwirrt.
Was ist daran verwirrend? So lange die Wirtschaft zu wenig produziert, oder eben auf Investitionsgüter fokussiert ist, gibt es mehr Nachfrage als Konsumgüterangebot, aka Nachfrageüberhang. Läuft dann die Konsumgüterproduktion verstärkt, wächst also das Angebot, verschwindet der Nachfrageüberhang, es kommt sogar zwangsläufig zu einem Angebotsüberhang in bestimmten Warengruppen, da wurde dann preisregulierend eingegriffen.
Ist doch ganz logisch und unverwirrend, oder?

123 ceteris März 11, 2010 um 18:09

@Z
Ist es nicht ineffizient, zusätzliche Ressourcen für Werbung aufzuwenden, wenn über einen subventionierten Preis für erwünschte Nachfrage (bzw. hochbesteuerte Preise für unerwünschte Nachfrage) das gleiche Ergebnis erzielt werden kann ?
Über den Preismechanismus allein lässt sich dieses Ergebnis eben NICHT erzielen, das haben die Planwirtschaftler damals schon mitkriegen müssen! Das besagte Handbuch erklärt das alles ganz schön, warum Werbung auch für den Binnenkonsum notwendig und wirtschaftlich sinnvoll ist, aber ich kann das ja jetzt nicht abtippseln, ein Kernpunkt ist jedenfalls, dass der Preis allein keine Information über den Gebrauchswert eines (neuartigen) Produktes liefert.
War mein bestes 1€-Schnäppchen bisher, sehr schönes Werk, auch nett illustriert. Und klar gab es Fernsehspots und Anzeigen, über Fussballbanden u.ä. kann ich nix sagen, weil ich ja nie im Osten gelebt habe, ich war nur Inselnachbar.

124 Hermann Keske März 11, 2010 um 18:11

@ Z #120

Der Kapitalismus hat doch unbestritten vielen Menschen ein hohes Wohlstandsniveau beschert.

Damit man nicht mehr sagen kann, der Kapitalismus habe unbestritten . . . bestreite ich ausdrücklich, dass es einen notwendigen kausalen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und entstandenem Wohlstand gibt. Ich behaupte vielmehr, dass es die Entwicklung der Wissenschaft gewesen ist, die den Wohlstand beschert hat. Natürlich war für die Entwicklung Kapital nötig, also die Herstellung und Anschaffung vonWerkzeugen, aber es waren keineswegs Kapitalisten notwendig.

Das blosse zeitliche Zusammentreffen belegt keinen kausalen Zusammenhang.

125 aifran März 11, 2010 um 18:12

…. tja die Nutzmenschen und Sklavenhalter haben ein perfektes System für sich gefunden …. Geldsystem (Geld ist Kredit Kreditsystem fungiert als Absaugpumpe – unten nach oben) – und wenn wieder mal einen “System Neustart”nötig wird (zwangsläufig)

…. kein Problem für die lachenden Realwert, Patent, Lizenz, Boden usw. Eigentümer.

…. Ein Fingerschnippen und die Banken buchen ihnen, nach dem Neustart jede gewünschte Summe auf ihre Konten ….. das Spiel beginnt von vorne …. Ihre Gesellschaftliche Position bleibt gesichert …

… der gewöhnliche Nutzmensch (99% der Bevölkerung) durchschaut das Spiel ohnehin nicht …. und die 0,9% verstehenden Funktionseliten schwingen die Peitsche für ihre Herren ….

Informationsverbreitung ist angesagt …. sonst

… Würde heute Niccolò Machiavelli wieder auf Erden erscheinen, hier wandeln – er würde ob des zu sehenden, all diesen neuen Fähigkeiten der “Fürsten” im Umgang mit den Leibeigenen ein begeistertes “Hurrraaaa” in die Welt hinaus schreien. Aber Angesichts des von den “Fürsten” Initiierten Systems der “Kapitalistischen Marktwirtschaft” zum Zwecke einer “Selbstorganisation” von Unterwerfung und Tributleistung würde er in Ekstasen, Verzückungen, des Glücks aufgehend zurück in den Himmel der glücklichen Götter entschweben ……… vielleicht noch, mit lächelndem Mund, ein letztes, leise in die Welt hinaus gehauchtes “Hurrraaa … es ist vollbracht ………..

126 Nanuk März 11, 2010 um 19:19

@keiner
“Neneneneeee, der Nanuk muss erstmal die Satellitenbilder von Norddeutschland, dies es nicht hätte geben dürfen, hier posten, nix noch mehr Utube!”

http://www.dfld.de/Downloads/Donnerwetter_060216.pdf

127 Z März 11, 2010 um 19:29

@ceteris

Retter aus Übersee, der Devisen (ein noch funktionierendes Geldsystem!) und Absatzchancen rüberreicht

Ja, das war die Voraussetzung. Devisenkredite und Absatzmärkte um eine Exportwirtschaft zu entwickeln aus der Devisen erwirtschaftet werden konnten. Deutschland ist, neben anderen europäischen Ländern, auf Welthandel angewiesen, weil die Rohstoffe fehlen. Ohne internationalen Handel bliebe Deutschland tatsächlich nur die Agrargesellschaft.
Jetzt kommen wir mit der theoretischen Diskussion natürlich an eine Grenze. Dollar war und ist Weltwährung. Welche Währung wird nach einem potentiellen Zusammenbruch des Geldsystems (welche Währung?) diese Rolle übernehmen ? Eine bereits bestehende, eine neue, eine Kunstwährung wie die SDR ? Ich denke trotz allem, dass es eine geben wird und dass es auch immer internationale Absatzmärkte für europäische oder deutsche Produktion geben wird.
Das ist heute aber alles Spekulation.

Was ist daran verwirrend?

Vewirrt hat mich, dass Du gesagt hast, in den 70er verschwand der Nachfrageüberhang, also Nachfragemangel auftrat. Ich habe geschrieben, dass ich das nicht wusste und immer von einem bis zuletzt herrschenden Nachfrageüberhang, also Angebotsmangel ausgegangen bin. @froZ, dem ich ein Z geklaut habe, schrieb, er würde das mit dem Nachfragemangel nicht so stehen lassen, woraufhin Du schriebst, Du hättest nicht Nachfragemangel, sondern Nachfrageüberschuss geschrieben. Das hat mich verwirrt. Vermutlich ist es so, dass sich froZ mit seinem Einwand auf die Zeit nach den 70er bezogen hat und Du Dich mit der Replik auf die Zeit bis zu den 70ern. Richtig ?

Mit dem “Handbuch der Werbung” hast Du eine schöne Rarität gefunden. Deine Bemerkung bezüglich der neuartigen Produkte, dass der Preis keine Informationen über den Gebrauchswert liefert, ist richtig, da sich bei neuartigen Produkten der Gebrauchswert erst nach dem Kauf feststellen lässt. Das ist meines Erachtens auch der einzige Punkt, in dem Werbung wirklich einen Informationswert liefert. Andererseits, wenn ich mir die Produktinnovationen im Kapitalismus ansehe, dann hat die Werbung erst eingesetzt als die Produkte so billig waren, dass ein Massenamrkt dafür vermutet werden konnte. Da waren die Produkte in der vermögenden Oberschicht schon fest etabliert und der Rest der Bevölkerung bekam auf Grund des niedrigeren Preises die Gelegenheit, dieser nachzueifern. Werbung beinhaltete zu diesem Zeitpunkt keine Information über den Gebrauchswert mehr, sondern diente der Attraktion der Nachfrage auf bestimmte Anbieter dieses schon nicht mehr ganz so neuartigen Produktes.
Wie ist denn Deine Meinung ? Überlebt der Kapitalismus/die Wirtschaft ohne Werbung ?

128 Z März 11, 2010 um 19:42

@Hermann Keske

Na gut, dann schreibe ich jetzt immer, dass der Kapitalismus, lediglich von Hermann Keske bestritten, vielen Menschen ein hohes Wohlstandsniveau beschert hat ;-)

Ich denke, dass die These, die Wissenschaft habe das breite Wohlstandniveau ermöglicht, zu kurz greift. Es muss Anreize geben, Wissenschaft zu betreiben, oder besser ausgedrückt, Erfindungen, Innovationen zu entwickeln und diese innovativen Produkte auch zu produzieren und abzusetzen. Meines Erachtens hat die Etablierung des Privateigentums den Grundstein für die Entwicklung der Porduktivkräfte gelegt. Die DDR hatte übrigens meines Wissens nach eine sehr gute wissenschaftliche Ausbildung zu bieten.

129 ceteris März 11, 2010 um 19:50

@Z
ermutlich ist es so, dass sich froZ mit seinem Einwand auf die Zeit nach den 70er bezogen hat und Du Dich mit der Replik auf die Zeit bis zu den 70ern. Richtig ?
Richtig. In den 50er/60er Jahren gab es wohl auch nur “politische Werbung”. Und damit sind wir beim nächsten Punkt:
Überlebt der Kapitalismus/die Wirtschaft ohne Werbung ?
Die Wirtschaft überlebt immer, so lange der Mensch überlebt, sie ist im Kern die materielle Reproduktion des Menschen und der Gesellschaft. Der Kapitalismus wird mE NICHT überleben, er hat seinen Job erledigt, den man als hemmungslose Entfesselung der Produktivkräfte definieren kann. Damit geht es aber nicht endlos weiter, die sozialen und ökologischen Kosten sind einfach zu hoch, und selbst wenn man die fatalen Verteilungswirkungen und -verhältnisse korrigieren könnte (“Neustart”,”haircut”) würde man doch in kurzer Frist wieder vor genau denselben Problemen stehen.

Ansonsten zur Werbung: natürlich ist die Information nur der kleinste Teil ihrer Aufgabe. Vor allem soll sie Wunsch- und Leitbilder schaffen, einen Wertekonsens sozusagen. Auch das steht wundervoll in dem besagten Buch, da wird noch ganz sozialistisch unverdrossen von der “erzieherischen Wirkung” gesprochen.
Zu schade, dass du dir dieses Buch nicht mehr einfach besorgen kannst, es hatte für mich viele “Aha-Erlebnisse” parat, hätte es für dich sicher auch.

130 Hermann Keske März 11, 2010 um 20:20

@ Z # 128

Na gut, dann schreibe ich jetzt immer, dass der Kapitalismus, lediglich von Hermann Keske bestritten, vielen Menschen ein hohes Wohlstandsniveau beschert hat ;-)

Das bitte ich mir aus – das ist schon mal ein Anfang. Vielleicht werde ich berühmt damit :-) .

Übrigens ist auch die Argumentation mit den Anreizen nicht besonders stichhaltig. Sie enthält bereits eines der vielen Vorurteile, mit denen uns die herrschende Lehre daran hindert, uns vernünftig mit wirtschaftlichen Fragen zuz beschäftigen.

Aber das ist ein neues Thema.

131 Z März 11, 2010 um 20:24

@ceteris

Das werde ich mir leihen, hab es im Katalog der Bibliothek gefunden .
Danke auch nochmal.

132 Wat. März 11, 2010 um 20:28

Mal ein Zwischenruf meinerseits, bringt hier hoffentlich nichts ‘auf Abwege’…

Ist Werbung nicht eigentlich nur “Interesse wecken” und “Haben wollen” auslösen?

Alter DDR-Spruch von Verkäuferinnen war: “Gute Sachen verkaufen sich von allein.”

Ist es nicht eigentlich so, daß eine Neuerung, egal ob für den Konsum (vorzugsweise technische Hilfen zb. Haushalt) oder Investition einer (gesellschaftlichen) Notwendigkeit bedarf.
So ungefähr, daß sich ein Wunsch nach Verbesserung breit macht und eine Lösung dafür gesucht und dann gefunden wird?

Ist nicht aber im Kapitalismus so, daß es darum geht, irgendein Angebot zu finden oder zu entwickeln, daß man verkaufen kann! Nutzwert völlig nebensächllich, nur eben ‘nett’ und einiges beim Verkauf ‘erleichternd’?

Wie gesagt, Werbung soll Interesse wecken – aber worauf…

133 Wat. März 11, 2010 um 20:32

Bitte bitte eine Vorschaufunktion.

daß = daß (zb.)

134 keiner März 11, 2010 um 20:33

…auf möglichst billig produzierten Chinaplunder mit Statussymbolimage. Oder Haartönungen.

135 Nanuk März 11, 2010 um 20:38

@Wat.
Werbung soll dir sagen das du ne Niete bist oder Dämlich und wenn du das kaufst bist du toll und schlau… dahiter steckt ein Kluger Kopf sagt doch aus das hinter jeder anderen Zeitung ein Idiot steckt… Oder das man Schnitzel nicht Schnitzel nennen soll worauf sich meine Besserehälfte am liebsten übergeben möchte…Ekelhaft viel des öfteren in diesem zusammenhang… ;)

136 Nanuk März 11, 2010 um 20:47

Aber die Werbung ist heute schon weiter heute werden Produkte plaziert da taucht zb der Schrubber neben den Lederstiefeln eines Seifenopern Stars auf… usw… das ist alle längst normalität… obwohl noch immer so getan wird als gäbe es das nicht.

137 ceteris März 11, 2010 um 21:34

@Wat
Alter DDR-Spruch von Verkäuferinnen war: “Gute Sachen verkaufen sich von allein.”
Nein, auch in diesen Fall nicht von allein. Sondern durch die Werbung, die die Käufer bei den Noch-nicht-Käufern machen. Mund-zu-Mund-Werbung, kann Nutzen sein oder auch Neid. Sonst geht gar nix.

Ist es nicht eigentlich so, daß eine Neuerung, egal ob für den Konsum (vorzugsweise technische Hilfen zb. Haushalt) oder Investition einer (gesellschaftlichen) Notwendigkeit bedarf.
Nö. Wer will Neuerungen? Vor allem bedarf es dazu erst mal der Idee, dass es auch anders, besser, leichter, toller ginge. Solche Ideen haben nicht viele, und wenn sie sie haben, werden sie nicht von allein im allg. Konsum wirksam, wenn möglich “basteln” sich die Ideenhaber ihre Lösung selber zusammen. Damit das wirtschaftlich wirksam wird, gehört ein Mechanismus dazu. Verwertung über den Markt ist einer.

138 Wat. März 11, 2010 um 21:59

@ ceteris #137
wenn möglich “basteln” sich die Ideenhaber ihre Lösung selber zusammen.

Da ist was dran…

Bei der Notwendigkeit von Neuerungen hatte eigentlich mehr so an Abläufe in Produktionsbetrieben gedacht, wo Dir irgendeine Tätigkeit irre auf den Keks geht, bzw.. monotone leichter vom ‘Kollegen Maschine’ übernommen werden könnte. Den Vorschlag ‘dürftest’ Du aber heute nicht bringen, läufst Du doch Gefahr dann selbst bald auf H4 zu sitzen.

Btw. ‘Unsere Ba-Du-San-Werbung’ hat wohl jeder aus der Zeit noch ‘im Ohr’… wozu da Werbung nötig war, entzieht sich meiner Einsicht, nur Kernseife wollte schon damals niemand (mehr)…

139 ceteris März 11, 2010 um 22:35

@Wat
Den Vorschlag ‘dürftest’ Du aber heute nicht bringen, läufst Du doch Gefahr dann selbst bald auf H4 zu sitzen.
Da ist aber auch viel dran!
Wenn alle Innovatoren genauso streng wie die Verwerter derselben daran dächten, was es ihnen am Ende bringt, dann landen alle Innovationen nicht mehr in Schließfächern, sondern gleich im Papierkorb.
Soviel zur innovativen Zerstörerkraft, der mythischen, unseres grandiosen Wirtschaftssystems. Es hat sie längst nicht mehr. Und ich kann darum nur weird, goldmine herzlichst zustimmen: wenn wir den Laden mal einfach hochgehen lassen, dann sehen wir, was übrigbleibt. Wir haben nichts zur verlieren als die Angst davor!

140 Wat. März 11, 2010 um 22:41

@ceteris # 139

Wir haben nichts zur verlieren als die Angst davor!

Mal so in mich hineingeguckt – hab’ nicht mal die…

…nur Befürchtungen, daß ‘hinterher’ wieder die gleiche Sauce versucht wird (im x-ten Aufguß)

141 froZ März 12, 2010 um 00:04

@ Z, ceteris, Wat.

Was Eigentumsrechte angeht: als Institution wird es sie auch “hinterher” geben, nur daß die Eigentümer z.T. nicht mehr dieselben sein werden. Ob die Vermögensverteilung nach einem großen Crash ausgewogener sein wird? Glaube ich nicht, obwohl mir da im Moment die historischen Vergleichsdaten fehlen. Wichtiger als die Vermögensverteilung ist m.E. sowieso die Einkommensverteilung, und die beiden korrelieren nicht unbedingt miteinander. Die Einkommensverteilung hängt natürlich wesentlich von der Gestaltung der Rahmenbedingungen ab.

“Wer soll das machen…?” (@ceteris)

Das machen ständig Akteure, die erstens die Ressourcen dazu haben und zweitens “GO” nicht als Perspektive ansehen. Immer werden Rahmenbedingungen der ökonomischen Reproduktion irgendwie gestaltet, z.B. durch Agenda 2010 und Finanzmarktstabilisierungsgesetz, egal was man konkret von der einen und dem anderen halten mag. “Rahmenbedingungen gestalten” ist natürlich nicht das gleiche wie “per Knopfdruck das Ergebnis steuern”. Aber wenn Du die politische Gestaltung der Rahmenbedingungen des Wirtschaftens leugnest, dann mußt Du konsequenterweise ganz und gar zum Goodnightianertum konvertieren.

Wenn freilich diejenigen, die mit den jetzigen Rahmenbedingungen nicht so recht einverstanden sind, die Gestaltungsoptionen fahren lassen und statt dessen lieber auf “GO”(dot) warten, dann bleibt in der politische Sphäre natürlich zwangsläufig ein Übergewicht der Vertreter des Status Quo erhalten.

Sicher ist die Politik auch ein Teil des “Systems Kapitalismus”, aber ebenso wie dieses ist sie nicht auf ein Ergebnis hin determiniert.

Was Werbung in der DDR angeht, so fand ich dies:

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2003/0915/media/0042/index.html

Offenbar war das in der Ulbricht-Ära noch mehr verbreitet als in der Honecker-Ära. Die Ulbricht-Ära habe ich nicht bewußt erlebt. Was die späteren Zeiten betrifft, so erinnere ich mich kaum an Werbung, nur noch dunkel an den Spruch “AKA Elektrik, in jedem Haus zu Hause”. Seit Mitte der 70-er war Reklame in der DDR wohl ein völlig untergeordnetes Phänomen. Bandenwerbung im Fußball? Ich bin als Pennäler immer zu den Heimspielen der örtlichen Mannschaft (damals zweite DDR-Liga) gegangen; erinnerlich sind mir Aufschriften, die auf den größten ansässigen Betrieb hinwiesen. Der kam aus der Energiebranche und hat wohl kaum um Verbraucher geworben; wenn überhaupt “Werbung” das Motiv war, dann hat er wohl eher um Auszubildende und Arbeitskräfte geworben. – Auffällig viel West-Bandenwerbung gab es freilich bei internationalen Spielen, die auch im Fernsehen des “nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiets” gezeigt wurden.

@ ceteris
Hättest ruhig mal die Insel verlassen und Dir ostdeutsche Zweitligaspiele anschauen sollen. Sowas wie Lok/Armaturen Prenzlau gegen Aktivist Schwarze Pumpe. Das ging ab wie Schmidts Katze!

@ Z
Kannst das “Z” behalten; als alter Messie habe ich bei mir im Hausrat noch ein zweites gefunden.

P.S.
Wenn ich nicht irre, dann steht “GO” im Mediziner-Jargon für “Gonorrhoe”.

142 froZ März 12, 2010 um 00:57

@ ceteris

“…wenn wir den Laden mal einfach hochgehen lassen, dann sehen wir, was übrigbleibt…”

Ah, ein richtiger Dr.Strangelove-Scientist! Wußte ich’s doch, daß manche Sozialwissenschaftler gern mal ähnlich dem Biologen mit Ratten experimentieren würden. Ich befürchte nur, die Ratten in Deiner Versuchsanordnung hätten mehrheitlich Einwände.

Meine Arbeitshypothese: Übrig bleibt die ungleiche Verteilung von Ressourcen. Kaputt gehen dagegen die rechtsstaatlichen Institutionen, welche innerhalb der ungleichen Ressourcenverteilung noch für einen gewissen Ausgleich und die dafür hilfreiche Produktivität sorgen. Im Ergebnis kann das entstehen, was Jadwiga Staniszkis “extraktive Ökonomie” oder “kriminellen Kapitalismus” nannte: eine rein informell und machtförmig vorangetriebene Akkumulation von Ressourcen, in der nicht mehr der beste Anwalt, sondern die größte Knarre das Spiel entscheidet. – Das wahrscheinliche Reich hinter dem Nebelvorhang Deines angenommenen “GO” ist die offene Terrorherrschaft der Mafia, nicht etwa irgendeine solidarische Genossenschaftsökonomie, von der hier einige zu träumen scheinen. Die hat es auch nach dem Ende der Sowjetunion nicht gegeben. Woher sollten auch nur deren moralische Ressourcen kommen?

Und “GO” wäre natürlich nicht als völliger Kollaps zu denken, sondern als ein Prozeß, in dem diejenigen Spieler, die im Ancien Regime die größten Ressourcen hatten, auch die entscheidenden Weichenstellungen bei der Transformation vornehmen und den neuen Regulierungsrahmen wesentlich bestimmen können. Es ist mir ein Rätsel, wie man diesen Umstand so beharrlich ausblenden kann.

143 Z März 12, 2010 um 01:29

@froZ

Eigentümer z.T. nicht mehr dieselben sein werden. Ob die Vermögensverteilung nach einem großen Crash ausgewogener sein wird? Glaube ich nicht

Sehe ich auch so. Es werden einige Köpfe wechseln, aber die Verteilung bleibt in etwa bestehen. Die Vermögensverteilung sehe ich insofern als wichtig an, da mit dem Grad der Ungleichverteilung der Vermögen die Herausforderungen an den Staat zur Umverteilung der aus ihr resultierenden Einkommensströme wachsen und diese Umverteilung zunehmend schwierig wird. Meines Erachtens gibt es einen Punkt der Vermögenskonzentration, ab dem, unter der Voraussetzung freien Kapitalverkehrs, die Möglichkeiten nicht mehr ausreichen, Einkommen in der für die Aufrechterhaltung eines halbwegs funktionierende Wirtschaftsbetriebes notwendigen Dimension umzuverteilen. Die starke Korrelation von Einkommen und Vermögen wurde, ich glaube 2006 oder 2007 ,vom DIW mal im Rahmen einer Studie nachgewiesen. Wenn ich den Link wieder finde stelle ich ein. Heute aber nicht mehr.

Und “GO” wäre natürlich nicht als völliger Kollaps zu denken, sondern als ein Prozeß, in dem diejenigen Spieler, die im Ancien Regime die größten Ressourcen hatten, auch die entscheidenden Weichenstellungen bei der Transformation vornehmen und den neuen Regulierungsrahmen wesentlich bestimmen können. Es ist mir ein Rätsel, wie man diesen Umstand so beharrlich ausblenden kann.

Auch das unterschreibe ich, zumindest war es nach dem 2.WK in der BRD so. Selbst für Eigentum, dass während der NS-Zeit widerrechtlich angeeignet wurde, wurden erst sehr spät, wenn überhaupt, Entschädigungen geleistet. In der Zwischenzeit diente es den Eigentümern der Ressourcen zum Ausbau ihrer Machtposition. Und die Wirtschaftsvertreter saßen stets mit am Verhandlungstisch bzw. machten ihren Einfluß auf die Politik geltend. In der DDR lief das sicherlich anderes, aber wir reden ja auch über GO und nicht über eine militärische Besatzung.

Danke für Deine Schilderungen zur Werbung in der DDR und Deinen Link zur Berliner Zeitung. Der Bericht in der Berliner Zeitung weist auch auf die Absatzsteuerung hin, die @ceteris erwähnt hat. Wenn ich das richtig interpretiere lief das aber nur bis Mitte der 70er Jahre. Werde da mal noch ein wenig zu suchen.

PS: Gonorrhoe passt ja irgendwie, wo wir doch die ganze Zeit von Reproduktion sprechen…

144 froZ März 12, 2010 um 14:23

@ Z

Bezüglich des Zusammenhangs von Vermögen und Einkommen liegt ein Mißverständnis vor. Natürlich sind Vermögen und Einkommen auf der Ebene individueller Haushalte miteinander korreliert in dem Sinne, daß die Vermögenden auch die höheren Einkommen beziehen.

Ich meinte, daß auf der Länderebene der Grad an Vermögenskonzentration nicht deutlich mit dem Grad der Ungleichverteilung von Einkommen korreliert ist. Ein Land mit großer Ungleichverteilung von Eigentum kann also durchaus eine ausgewogene Einkommensverteilung aufweisen und umgekehrt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Einkommensverteilung

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Verm%C3%B6gensverteilung

Schweden ist ein Beispiel für sehr hohe Vermögenskonzentration bei relativer Gleichverteilung von Einkommen. China hingegen weist eine relative Gleichverteilung von Vermögen auf, allerdings bei einer krassen Ungleichverteilung von Einkommen. – (Zu Deutschland wäre anzumerken, daß hier die Ungleichverteilung von Einkommen im letzten Jahrzehnt stärker zugenommen hat als in irgendeinem anderen OECD-Land, so daß wir in der Tabelle seither um viele Plätze nach unten durchgereicht worden sein dürften; die Daten für D stammen da ja von 2000.)

Sicher hätte ich auch nichts gegen eine ausgewogenere Verteilung des Eigentums. Aber das dürfte politisch kaum zu bewerkstelligen sein. Und ich halte es für ziemlich naiv, so wie @ceteris anzunehmen, daß es nach einem wirtschaftlichen Kollaps eine ausgewogenere Vermögensverteilung geben werde. Die monetäre Bewertung einzelner Eigentumstitel mag sich deutlich reduzieren, das ist wohl richtig. Aber die faktische Verfügungsgewalt über Ressourcen und die Möglichkeit, daraus in der Zukunft Einkommensströme zu generieren, dürfte im Ergebnis eher eine noch stärkere Konzentration erfahren.

Ich plädiere statt dessen ja immer für eine institutionell gewährleistete Umverteilung von Einkommensströmen innerhalb der gegebenen Eigentumsordnung. Dafür mag es hier im Internet-Feuilleton vielleicht nicht die besten Haltungsnoten geben, als Basis für politische Konzepte scheint mir das aber weitaus tauglicher zu sein.

145 ceteris März 12, 2010 um 15:28

@froZ
Das wahrscheinliche Reich hinter dem Nebelvorhang Deines angenommenen “GO” ist die offene Terrorherrschaft der Mafia, nicht etwa irgendeine solidarische Genossenschaftsökonomie, von der hier einige zu träumen scheinen.
Natürlich, wenn GO nur dazu führt, dass die zivilisatorischen Formen, in denen die Herrschaft der Mafia, der 0,1%, bisher stattgefunden hat, zerbrechen, weil sie sie selber zerfressen hat, dann geht sie eben zur offenen Herrschaft über. Das kann man auch Faschismus nennen. Das ist aber nicht das GO, das ich meine, ich meine das GO der Aneignungs- und Ausbeutungslogik der Mafia selbst. DIESE selbst sehe ich in der Krise, und darum auch die aktuellen Mafiosi-Clans.
Ganz kurz und klassisch: “Barbarei oder Sozialismus”.
Das GO ist eine notwendige, aber sicher keine hinreichende Bedingung, um unsere ökonomischen Verhältnisse, ausdrücklich einschliesslich der Eigentumsverhältnisse, in einen Post-Kapitalismus zu transformieren. Dieser hat fertig, das ist keine Träumerei, und sich die Konsequenzen vor Augen zu stellen hat nichts mit “die Bombe lieben” zu tun. Ich verspreche mir nichts davon, hier und da die Karosserie auszubeulen, wenn der Motor hin ist. Genau dann, wenn es an den Kern des Problems geht, ans Eingemachte, da wo es einzig gelöst werden kann, werden keine Reförmchen und Agenden in sozialtechnokratischem Geist mehr weiterführen, dann wird man sich entscheiden müssen zwischen Kapital und Zukunft.

146 memoon März 12, 2010 um 18:39

@ceteris

Ich würde mich ernsthaft freuen, wenn Du ein, zwei Links posten könntest, wo man sich zu Deiner These, Deiner theoretischen Grundlage, weiter informieren könnte. Oder ganz allgemein gefragt, wie informierst Du Dich? Hab Dank!

147 Wat. März 12, 2010 um 18:47

@ memoon – ich würd mich nicht wundern, wenn jetzt so etwas in der Art kommt: Einen Link in meinen Kopf kann ich nicht legen *schmunzel*
(Da müssen Wände voller Bücher drin stecken, die auch mal einer verstanden hat… )

148 ceteris März 12, 2010 um 19:17

@memoon
Oder ganz allgemein gefragt, wie informierst Du Dich?
Schwere Frage, mal so mal so. Und da ich das schon lange auf verschiedene Weisen mache, fallen mir halt die Parallelen auf, einerseits, andererseits entdecke ich eine Dynamik hinter diesen Parallelen, die irgendwo hin führen muss, das ich – mangels einer geschlossenen Theorie darüber – “Post-Kapitalismus” nenne.
Hier mal so eine Parallele, ist ca. 70 Jahre alt, klingt aber wie von heute morgen:

Die ökonomischen Programme der guten Europäer unter den Staatsmännern sind illusionär. In der Endphase des Liberalismus wollen sie die Unfähigkeit der Marktwirtschaft, die Menschen zu ernähren, durch staatliche Aufträge kompensieren, im Einverständnis mit den Wirtschaftsgewaltigen die Wirtschaft ankurbeln, so daß sie allen einen Unterhalt gewährt. Sie vergessen, daß der Widerwille gegen neue Investitionen keine Schrulle ist. Die Industriellen haben keine Lust, ihre Werke auf dem Umweg über Steuern, die sie einer allzu unparteiischen Regierung entrichten müssen, in Gang zu setzen….Eine Regierung, die mit den Steuern der Unternehmer aus den Objekten der Wohlfahrtspflege Subjekte freier Arbeitsverträge macht, muß schließlich unterliegen..

Horkheimer, vor ein paar Tagen so bei ad-sinistram zitiert. (Dieser Blog gehört übrigens NICHT zu meinen regelmässigen Quellen…)
Heute sieht’s in der grundsätzlichen Konstellation ganz ähnlich aus, hat sich aber entscheidend zugespitzt: die Wirtschaftsgewaltigen wollen nicht nur keine Steuern mehr zahlen, sie wollen per Staatsschulden auch noch den ganzen Rest ausplündern, von Investitionen keine Rede, von Subventionen dauernd. Und wohin bitte kann das nur führen? Zurück auf den Pfad von Innovation, Wachstum und allg. Wohlstand?

149 froZ März 12, 2010 um 21:56

@ ceteris

Soso, eine Parallele von vor 70 Jahren. Und, wie ist’s damals ausgegangen? Mit der Entstehung eines “Post-Kapitalismus”? Nope? Nirgends? – Aber heute entdeckst Du “eine Dynamik hinter diesen Parallelen, die irgendwo hin führen muß”… und zwar geradewegs in eben jenen “Post-Kapitalismus”? Da muß man aber schon sehr gläubig sein, um sich dem anzuschließen.

Immerhin gab es seinerzeit ja verschiedene Antworten, nehmen wir als besonders gegensätzliche Beispiele mal die demokratische Volksfrontregierung in Frankreich mit ihren weitreichenden Sozialreformen (bei Beibehaltung der Eigentumsordnung) einerseits. Und die militärkeynesianische Terrorherrschaft in Deutschland andererseits. Leider war letztere dann natürlich besser auf den Übergang in eine Kriegswirtschaft vorbereitet bzw. von vornherein darauf angelegt.

Aber nicht nur in Frankreich gab es damals sozialstaatliche Reformen, die letztlich den Grundstein für den Aufbau eines modernen Wohlfahrtsstaates nach dem Krieg legten. Sondern z.B. auch in Großbritannien 1941 mit dem Beveridge-Plan.

Der Nationalsozialismus in Deutschland war sicher nicht zwangsläufig, er wäre in einer anderen politischen Konstellation wohl zu verhindern gewesen. – Aber abgesehen davon sollte man eher davon ausgehen, daß, wenn die Leute in ihrer materiellen Existenzgrundlage bedroht und von den staatlichen Institutionen nicht mehr geschützt sind, in ihnen nicht das Menschliche zum Vorschein kommt, sondern das Viehische. Besonders in einem Land wie Deutschland mit seinem in der Bevölkerung doch stark ausgeprägten Statusdenken.

150 memoon März 13, 2010 um 11:53

@ceteris
Ich hab ehrlich gesagt gehofft, da gäbe es Zahlen, Charts und eine plausible Theorie ;-)
Ich stimme Dir im Kern zu, dass wir eine Phase der Zuspitzung der Konkurrenz erleben, die über nationale Politik angetrieben wird (habe ich das richtig verstanden?). Die Gefahr bei der zunehmenden Abhängigkeit von staatlichen Eingriffen liegt da wohl in einer Zunahme der autoritären Politik, die in einer neuen Form des Faschismus münden kann: wenn sich ein “Volk” in den Dienst des nationalen Kapitals stellt.

Auf der anderen Seite lese ich gerade “Sozialreform oder Revolution” und bin tief enttäuscht, dort im Vorwort und im ersten Abschnitt einen Einblick in sozialistischen Fatalismus zu bekommen. Für RL ist die Marxsche Theorie so wasserfest, dass es fast eine Beleidigung der menschlichen Intelligenz darstellt. @FroZ hat Recht: die Phantasie der Gemeinschaft, die Marktwirtschaft zu retten, scheint unendlich zu sein.

Einschub: Ich würde die Reformen der franz. Volksfront auf keinen Fall sozialistisch nennen. Die Reformen waren der Preis, für die Loyalität gegenüber dem Staat. Letztendlich mussten die französichen Arbeiter feststellen, dass ihre Loyalität den Tot im Schützengraben nach sich zog.

Eventuell passten die europäischen Reaktionen auf die forcierte staatliche Unterstützung der deutschen Rüstungsindustrie auch in Dein Schema – letztendlich war der Rüstungswettlauf ja nur die Eskalation der kapitalistischen Konkurrenz. Auch in England haben die (richtigen) Sozialisten, u.a. Orwell, vor dem Krieg darauf hingewiesen und sich der “Volksfront” und den Kriegsvorbereitungen verweigert.

Um auf die Frage zurückzukommen, wie man sich informieren kann: es hängt davon ab, ob ich die ökonomischen Verhältnisse als Konstante oder als Variable behandle. Im ersten Fall, bietet sich mir eine Vielzahl von Informationsmöglichkeiten und Diskussionspartnern mit den daraus folgenden Möglichkeiten der Reflexion. Letztere Annahme macht mich zum Forentroll (nicht hier, aber in den meisten anderen Foren). Ist das zu kurz gedacht oder ein tatsächliches Dilemma?

151 Lynne Macgowan September 1, 2010 um 19:13

Vielen dank für diesen Beitrag. hat mir sehr geholfen. danke

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