Vor etwa einem Jahr hat es ein Leser hier im Blog empfohlen, vor kurzem habe ich es gelesen, und was soll ich sagen: “The Realm of lesser Evil” von dem französischen Philosophen Jean-Claude Michéa ist mit Sicherheit eines der intelligentesten und gleichzeitig unterhaltsamsten Bücher, das ich in den letzten Monaten in Händen hatte. Ich halte das Werk, das lediglich 140 Seiten zählt und auf einer Vorlesung des Professors aus Lyon beruht, sogar für so packend, dass ich mich scheue, es hier ausführlich zu rezitieren. Ich möchte ungern den Lesegenuß durch voreiliges Entblättern der Pointe trüben.
Worum geht’s in groben Zügen? Michéa startet mit dem berühmten Zitat über die Demokratie von Winston Churchill: gut sei sie nicht, die Demokratie, aber weniger schlecht als alle anderen Regierungsformen. Diesen Satz will Michéa auch auf den Liberalismus angewandt wissen – allerdings nicht als seine eigene Apologie, sondern als das, was er bei den großen Autoren des Genres (Hobbes, Montesquieu, Kant, Bastiat, Mandeville, usw) als Quintessenz herausliest. Es sei demnach ein System, so Michéa, das sich europäische Herrscher (“Politiques”) irgendwann im 17. Jahrhundert zurecht gelegt hätten, um den ewigen Krieg gegeneinander zu beenden. Dieser sei nämlich immer wieder dadurch entfacht worden, dass Einer glaubte, er wisse um das bessere Leben oder den wahren Glauben – daher müsse man die Anderen davon überzeugen, notfalls mit Waffengewalt. Man suchte also nach einer Ordnung, die auch einer “Gesellschaft von Teufeln” ermöglichen würde, friedlich miteinander zu leben. Zuflucht suchte man bei den ersten Errungenschaften der aufgeklärten Wissenschaft, aus der man die Überzeugung schöpfte, dass man die Gesellschaft auch von einem “harmonischen” Mechanismus steuern lassen könne, ähnlich dem in Newtons Planetenmodell. Man schuf also zwei Institutionen, denen diese “natürliche” Reglmentierungsfunktion zufallen sollte: das Recht einerseits und den Markt andererseits. Und damit begann die Geschichte des aufgeklärten Bürgertums, erzählt als ein stetiges Vordringen von Recht und Markt, in alle Lebensbereiche, unter zunehmender Beseitigung archaischer menschlicher Gefühle, Traditionen und Wertvorstellungen.
Michéa lässt in seinen Schilderungen kein gutes Haar an den Rechten wie den Linken, die er im Grunde für die zwei Seiten ein- und derselben Medaille hält. Hart ins Gericht geht er vor allem mit der modernen Linken, die er in derselben liberalen Tradition sieht, wie die Liberalen selbst. Ein Urteil, das er in einigen Aspekten auch über Marx fällt. Sehr intensiv arbeitet er sich an den Widersprüchen des Liberalismus ab, einerseits auf Eigennutz als prinzipielles movens zu vertrauen, andererseits bürgerliche Tugenden vorauszusetzen. Den heutigen Politikern müsse man da nicht mehr viel zutrauen, schreibt er: Wenn die über “Familie” und “Gerechtigkeit” redeten, sei es nichts weiter als inhaltsleeres Marketing. Das war beim “Adam Smith”-Problem schon ganz anders: warum der Schotte in seiner tugendhaften Moraltheologie noch ganz anders klingt, als bei der von der Gier gesteuerten “invisible hand” – das ist ihm durchaus ein paar eingehendere Betrachtungen wert. Kein Wunder, weil alleine dazu hat der gute Herr Professor ein eigenes, sehr ausführliches Werk verfasst.
Warum wurde der Liberalismus und mit ihm die Marktwirtschaft vom “Reich des geringeren Übels”, als das es die klassischen Interpreten des 17. und 18. Jahrhunderts sahen, zur “besten aller Welten” des modernen neoliberalen Diskurses? Michéa gibt zweierlei Antwort. Und er wagt auch eine Zukunftsprognose – und die ist, aus heutiger Perspektive, zum Fürchten.
Da Michéa ein ziemlich sarkastischer Hund ist, finden sich in seinen “Notes” und Fußnoten herrliche Bemerkungen über die aktuelle Linke, diverse liberale Autoren der Gegenwart, die Medien, die Werbung, Google und diverses mehr.
Wer über ein passables Englisch verfügt, sollte sich diesen intelligenten Spass gönnen. Wer besser in Französisch ist, kann es natürlich genausogut im Original lesen. Viele der aktuell stattfindenden Diskussionen aus Politik, Wirtschaft und Kultur stellen sich in einem neuen Licht dar, wenn man dieses Werk gelesen hat.















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Hm, 140 Seiten für 60 Euro, also eine Seite für 0,428 Cent. Als Schelm, bei dem die “Beseitigung archaischer Gefühle, Traditionen und Wertvorstellungen” schon weit vorangeschritten ist, denkt man da ja sofort daran, das Werk bei erster sich bietender Gelegenheit mal in einer Bibliothek auszuleihen und vollständig zu kopieren. Damit hätte man dann auch gleich praktisch den Unterschied zwischen “Laissez-faire” und Liberalismus demonstriert.
Kompliment übrigens generell für den Rezensionsteil!
Das Taschenbuch kostet 19,99 und ist auch lieferbar, im Gegensatz zum Hardcover…
froz: Nochmal in’s Handbuch vom Taschnrechner schauen!
@keiner
Danke – hatte ich nicht gesehen, werde den Link gleich ändern.
@ keiner
Ach so, ja… 0,428 Euro natürlich. 42, 8 Cent.
Und das ist auch für interessierte Laien lesbar, z.B. eine Französischlehrerin?
@jordanus
Wenn sich die Französischlehrerin für die Thematik interessiert und philosophische Texte gewohnt ist – sicher. Aber es ist kein “Sachbuch” für jedermann. Michéa schreibt jedenfalls im Englischen klar und deutlich und ohne viel Geschwurbel à la Sloterdijk.
“… ein System, … das sich europäische Herrscher (‘Politiques’) irgendwann im 17. Jahrhundert zurecht gelegt hätten … Man schuf also zwei Institutionen …”
Eine so schlichte Idee trägt?
Da bleibe ich vielleicht doch noch ein oder zwei Semester bei Marx et al. Oder, für den unterhaltsamen Einstieg, bei der Satirischen Soziologie, wie dem “Peter-Prinzip” etc. Hier ist wenigstens nicht übergangen, daß die zweckorientierten Entschlüsse von Einzelnen oder kleinen Gruppen niemals zu einfacher Zweckerfüllung führen, ohne daß eine unkontrollierbare Eigendynamik in der sozialen Welt zu bemerken ist.
Das paßt, wenigstens mir, eher zu der Erfahrung, daß solche ‘Eigendynamik’ immer zur Gesellschaft und ihren unüberschaubaren ‘Subsystemen’ gehört, daß also niemals kleine Gruppen oder gar Einzelne einen Grundriß nach Gusto zeichnen und sich darauf verlassen können, daß das darauf ausgeführte Gebäude auch stehen wird – und wenn, daß es exakt den Zweck erfüllt, den sie vorgesehen hatten.
Popper und Co. haben den Marxisten immer vorgeworfen, sie glaubten an die Konstruierbarkeit der Gesellschaft (was für die gedankenvolleren nie stimmte; allenfalls Leninisten neigten vielleicht dazu). Und hier kommt nun ein gebildeter Zeitgenosse des 21. Jahrhunderts und behauptet, daß Geschichte überhaupt immer so abläuft?
Ich weiß ja nicht.
Hoffentlich ist der Text wenigstens anregend.
Grüße,
KL
Warum wurde der Liberalismus und mit ihm die Marktwirtschaft vom “Reich des geringeren Übels”, als das es die klassischen Interpreten des 17. und 18. Jahrhunderts sahen, zur “besten aller Welten” des modernen neoliberalen Diskurses?
Naja – vielleicht weil es seit ’89 kein “Reich des größeren Übels” mehr gibt? Und man seitdem auch die beliebte Churchill Sottise nicht mehr bringen kann, sondern positiv “die beste aller Welten”, aka TINA, vorspielen muss? Das ist nur eine Frage der rhetorischen Form und der politischen Konstellation.
@KL
>Eine so schlichte Idee trägt?
In meiner Kurzfassung schon. Der gute Herr Michéa ist hingegen schon etwas mehr sophisticated.
Noch bei Hobbes ging es darum, Menschen, deren Leben „kurz, brutal und elend“ ist (weil jeder als des anderen Feind agiert), dazu zu bringen, friedlich miteinander zu leben. Das gelingt durch den Vertrag, den sie miteinander schließen: Installation eines allmächtigen Herrschers (Leviathan), der friedliches Zusammenleben durchsetzt – auch mit dem Gewaltmonopol was ihm gegeben ist.
Mit der Installation von RECHT und MARKT geht es dagegen nicht darum, es einer „Gesellschaft von Teufeln“ zu ermöglichen, friedlich miteinander zu leben.
Voraussetzung für diese beiden Institutionen ist, dass die Menschen hinreichend ZIVILSIERT sind.
Denn abgesehen vom Strafrecht, wo das aus guten Gründen bis heute anders ist, können und sollen sie FREIWILLIG den Rechtsweg einschlagen, um Konflikte zu lösen.
Ähnlich beim Markt: Man kommt zwar nicht um die Nutzung herum, kann aber prinzipiell ebenfalls FREIWILLIG entscheiden, WIE man an ihm teilnimmt. Wichtig dabei: Auch er löst Konflikte FRIEDLICH – Verteilungskonflikte, über den Preis.
Es ergibt aus dieser Sicht ein falsches Bild, wenn man von einer „natürlichen Reglementierungsfunktion“ oder einem „harmonischen Steuerungsmechanismus“ spricht.
Hier ist nichts natürlich und harmonisch und reglementiert und gesteuert wird auch nichts, jedenfalls nicht im Sinne von „über Menschen als Objekte bestimmend“
Es geht – historisch gesehen – um die Transformation von Handlungsautonomie:
Was zuvor im Wesentlichen den Oberschichten und Herrschenden vorbehalten war, wird nun mit diesen beiden Institutionen in die Hand mündiger Bürger gegeben.
SIE sind es, die jetzt über wesentliche Aspekte ihrer Lebensbereiche entscheiden.
Der Mensch wird damit geschichtlich sozusagen „Subjekt“.
Und das in einem FRIEDLICHEN MITEINANDER.
Das ist nicht die beste aller Welten, aber eine zivilisatorische Leistung, die es zu bewahren gilt (bei aller Kritik, die angesichts damit verbundener Realität vorzubringen ist).
Andere sind Lichtjahre davon entfernt und sollten sich ein Beispiel nehmen (was nicht heißt, dass sie alles 1:1 übernehmen müssten).
Die Frage, wie wir vom schottischen Tugendmoralismus zum gier-orientierten Kapitalismus gelangten, hat doch eigentlich Max Weber in “Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus” (1920) schon detailliert beantwortet.
@Tischer
Das ist eben genau NICHT die Sicht von Michéa. Er interpretiert sowohl Recht wie auch Markt als subjektfreie Mechanismen.
Geht es in dem Buch um “Die Tyrannei des Guten” als geringeres Übel?
@ wsgn
Selbstverständlich kann man das Recht und den Markt AUCH subjektfrei sehen und von mir aus auch interpretieren.
Das kann sehr vorteilhaft sein, wenn man erkennen will, was sie als „Mechanismen“ zu leisten im Stande sind.
Aber sie in einen HISTORISCHEN Zusammenhang zu stellen und NICHT zu thematisieren, welche HANDLUNGSAUTONOMIE Menschen dadurch gewonnen haben, ist schlichtweg Unterschlagung.
Falls das wirklich so sein sollte, dann kann man das Buch – was immer es sonst noch zu bieten hat – fast als Irreführung bezeichnen.
@Tischer
Einmal kritisch betrachtet, welche politische Handlungsautonomie haben wir schon noch? Sich zivilisiert zu verhalten heisst, sich an Regeln zu halten und diese zu akzeptieren. Sich dagegen zu stemmen bedeutet Zivilcourage zu zeigen. Die Gesellschaft ist den Menschen über den Kopf gewachsen. Wir können Positionen einnehmen und diese vertreten. Aber ohne Solidarität und den Mut diese Positionen auch gegen die herrschende Meinung zu vertreten, bleibt es ein Gedankenspiel. Michéa ist nach meiner Meinung nicht ohne ein Verständnis der französischen Geschichte zu verstehen. Die Affäre Dreyfus ebenso wie George Orwell haben sein Geschichtsbild beeinflusst. George Orwell aufgrund der Frage nach einem Sozialismus, der nicht Stalin bedeutet und welcher sich von den Nationalsozialisten unterscheidet. Hinsichtlich der Affäre Dreyfus mag ich hier nicht spekulieren. Beachtlich finde ich aber den Mut Zolas damals für Dreyfus Partei zu ergreifen. Vielleicht lässt sich so zum Teil Michéa Hinwendung zum Progressivismus verstehen.
@11
Der entscheidende Dreh bei Kant ist doch, dass seine Teufel sich zivilisiert verhalten. Durchaus mit teuflischen Hintergedanken. Nur macht das von außen gesehen keinen Unterschied.
@guang
“Einmal kritisch betrachtet, welche politische Handlungsautonomie haben wir schon noch? ”
http://www.youtube.com/watch?v=QI4dvFOS5jw
@Tischer
Wer oder was hat die Menschen “hinreichend zivilisiert”?
Recht und Markt können es laut Ihres Vorbringen nicht gewesen sein.
@ guang
Mir kommt es darauf an, dass ZUERST einmal erfasst wird, dass es sich bei Rechtssystem und Markt um ERRUNGENSCHAFTEN handelt, die einzigartige Qualitäten haben: Sie erlauben es ALLEN Menschen, autonom, freiwillig, friedlich und gleichberechtigt miteinander zu verkehren.
Das ist HEUTE bei uns weitgehend selbstverständlich (und vielleicht deshalb nicht immer sonderlich geschätzt), war aber nicht immer so – und ist längst nicht überall der Fall.
Wenn das verinnerlicht ist, kann man kritisch betrachten, was man will.
Und wie immer:
Errungenschaften sind nicht schon deshalb unantastbar, weil es Errungenschaften sind.
@ moosbrugger
Ich kenne keinen „Dreh“ bei Kant und einen entscheidenden erst recht nicht.
Sie müssen schon erklären, was Sie meinen.
Ich werde das Buch mal lesen!
Es sind nun mal – und waren es schon immer – die Philosophen und Soziologen, die uns helfen, die Welt ein wenig besser zu verstehen.
Auch er hier gehört dazu!
http://www.franz-oppenheimer.de/
@ Georg W.
>Wer oder was hat die Menschen “hinreichend zivilisiert”?
Recht und Markt können es laut Ihres Vorbringen nicht gewesen sein.>
Richtig.
Ich hatte ja auch geschrieben:
„Voraussetzung für diese beiden Institutionen ist, dass die Menschen hinreichend ZIVILSIERT sind.“
Ich meinte damit, dass es nicht so sein kann, dass da eine „Gesellschaft von Teufeln“ ist, denen man einfach Recht und Markt vorsetzt – und schon wird sie friedlich und zivilisiert.
Es muss Entwicklungen gegeben haben, die dazu geführt haben, dass Recht und Markt, die sich ebenfalls entwickelt haben, auch angenommen wurden.
Dabei kann es in einem gewissen Grad zu einer Verstärkung zivilisatorischen Verhaltens gekommen sein.
Wie wir allerdings auch wissen, schützen Recht und Markt nicht vor gesellschaftlicher Barbarei – selbst in Nationen und durch Nationen, die obendrein auch noch als kultiviert angesehen worden sind.
Wir müssen nur auf uns schauen.
Übrigens:
Was Sie angesprochen haben, betrifft auch Hobbes.
Wie kommen Menschen, die sich wie Wilde umbringen, dazu, einen Vertrag zu schließen?
Ich glaube, dass allen großen politischen Ideen gemeinsam ist, dass sie keine „Gebrauchsanleitungen“ sind, sondern Überlegungen und Konstrukte, die uns Einsichten in die Bedingungen unseres Zusammenlebens vermitteln wollen.
Das ist aber ein ganz anderes Thema.
@D.Tischer
Mir kommt es darauf an, dass ZUERST einmal erfasst wird, dass es sich bei Rechtssystem und Markt um ERRUNGENSCHAFTEN handelt, die einzigartige Qualitäten haben: Sie erlauben es ALLEN Menschen, autonom, freiwillig, friedlich und gleichberechtigt miteinander zu verkehren.
tut mir leid, ich hab grad an dieser Stelle in die Konversation reingeschalted und für einen Moment gedacht, ich wär bei Comedy Central gelandet.
ICH behaupte, dayss der tägliche Stuhlgang eine ERRUNGENSCHAFT ist, die uns alle sorgenfrei macht, weil sie ALLEN erlaubt, sich für ein paar Minuten im Leben auf das wesentliche zu konzentrieren!
Denn abgesehen vom Strafrecht, wo das aus guten Gründen bis heute anders ist, können und sollen sie FREIWILLIG den Rechtsweg einschlagen, um Konflikte zu lösen.
Ähnlich beim Markt: Man kommt zwar nicht um die Nutzung herum, kann aber prinzipiell ebenfalls FREIWILLIG entscheiden, WIE man an ihm teilnimmt. Wichtig dabei: Auch er löst Konflikte FRIEDLICH – Verteilungskonflikte, über den Preis.
Und um bei der Analogie zu bleiben: die FREIWILLIGKEIT der MARKTTEILNAHME oder des sich BEUGENS unter die Staatsgewalt, gemeinhin als Rechtschaffenheit euphemisiert, ist vergleichbar mit dem SCHWANGERGEHEN mit einem richtig dicken Brocken.
Nee mal im Ernst: Sie haben mit dem Markt und dem (bürgerlichen) Recht ja die beiden Sisters of Mercy beieinander. Wen hat man wann genau danach gefragt, ob Markt und bürgerliches Recht das Gemeinwesen bestimmen soll? Und kommen Sie mir nicht mit impliziter Zustimmung. Das ist abgeschmackt, denn explizite Ablehnung ist allerorten sichtbar.
Daher finde ich die These des diskutierten Buches auch wenig originell (obwohl ich der Leseempfehlung folgen werde, mit der Hofnung auf eine originelle Argumentation).
Ich bin gespannt, wem Michéa den Part des Schöpfers dieser menschlichen Errungenschaft mit “natürlichen” Funktionen zuschrieb und wie der Schöpfungsakt verlaufen ist.
@Tischer
Ich glaube, dass allen großen politischen Ideen gemeinsam ist, dass sie keine „Gebrauchsanleitungen“ sind, sondern Überlegungen und Konstrukte, die uns Einsichten in die Bedingungen unseres Zusammenlebens vermitteln wollen.
Und mehr als das: sie sollen auch bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse begründen und legitimieren.
Dies erfolgt meist als “Zivilisation” oder “Kultur” in Abgrenzung zum “Wilden” und zur “Barbarei”. Nur hat es diese hypothetisch angenommenen “Wilden”, die sich jederzeit die Schädel einschlagen, so wenig gegeben wie das selbst in Wolfsrudeln nicht möglich ist. Eine Herde, die sich selber frisst, überlebt nicht.
Es hat den “homo lupus” so wenig gegeben wie es den “homo oeconomicus” gibt. Der Mensch ist nur als soziales, kooperatives Wesen überlebensfähig gewesen und er ist es noch.
Andererseits gibt es in der modernen Zivilisation Intensitäten der Gewalt und der Unfreiheit, die sich frühere Gesellschaften nichtmal hätten vorstellen können.
Ich glaube, Sie sollten das Buch von Michéa mal lesen. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, zeigt er, dass auch die Bilanz des Liberalismus nicht nur eine Seite hat.
@ ceteris
>Und mehr als das: sie sollen auch bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse begründen und legitimieren.>
Ja, auch das.
Aber wir, die wir uns mit diesen Ideen befassen, müssen es deshalb noch lange nicht.
Und andere, die sich mit nichts befassen, jedoch davon betroffen sind, begründen und legitimieren auch nichts.
>Es hat den “homo lupus” so wenig gegeben wie es den “homo oeconomicus” gibt>
Glaube ich auch.
Dennoch ist es nicht unnütz, gedanklich damit zu „operieren“.
Denn wenn Sie sagen
>Der Mensch ist nur als soziales, kooperatives Wesen überlebensfähig gewesen und er ist es noch.>
dann stimmt das zwar, es ist jedoch NICHT IMMER der Fall gewesen, dass er sich als soziales, kooperatives Wesen verhalten hat (siehe meinen Verweis auf die jüngste deutsche Barbarei).
Es kann daher sehr hilfreich sein, darüber nachzudenken, auf welcher KONZEPTIONELLEN Basis wir sozial und kooperativ sind oder sein könnten, wenn wir unser Verhalten nicht allein von unseren unberechenbaren „Instinkten“ oder „gesellschaftlichen Einübungen“ oder dgl. abhängig machen wollen.
>Andererseits gibt es in der modernen Zivilisation Intensitäten der Gewalt und der Unfreiheit, die sich frühere Gesellschaften nichtmal hätten vorstellen können.>
Intensität der Gewalt – ja.
Unfreiheit – na ja. Eher konnten sich frühere Gesellschaften unsere Freiheiten nicht vorstellen, vermute ich einmal.
Aber wie auch immer, ich will nicht darüber streiten, weil man das wohl auch nicht entscheiden kann.
Sondern:
Wenn schon – wem wollen Sie das zurechnen?
Dem Rechtssystem und/oder dem Markt?
Oder gibt es da andere Kandidaten?
>Ich glaube, Sie sollten das Buch von Michéa mal lesen.>
Danke für die Empfehlung, werde ich vielleicht sogar tun.
@Tischer
dann stimmt das zwar, es ist jedoch NICHT IMMER der Fall gewesen, dass er sich als soziales, kooperatives Wesen verhalten hat (siehe meinen Verweis auf die jüngste deutsche Barbarei).
Gewiß. Die Verpflichtung auf das Kooperative bezieht sich zunächst immer auf die Mitglieder der eigenen “Herde”. Die Barbareien, die Sie anführen, wurden ja ebenfalls kollektiv gegen als zu diesem Kollektiv nicht gehörig Betrachtete verübt. Aber auch so kollektiv genommen stimmt es nicht: Wenn die Ur-Horden vor allem mit Raub- oder Verteidigungskriegen gegeneinander beschäftigt gewesen wären, hätten sie sich eben gegenseitig in den Abgrund befördert. Also nicht als Einzelne, sondern gruppenweise. Das war nicht auch deshalb nicht so, weil diese Ur-Gesellschaften nicht unter dem Verdikt der Knappheit, vor allem des Raumes, lebten. Sie konnten Platz zwischen sich lassen. Es war im Zweifelsfall besser, in andere Räume auszuweichen als sich auf Konkurrenz um knappen Raum einzulassen, die die eigene Gruppenexistenz aufs Spiel gesetzt hätte. Später, in größerer Nähe, also spätestens seit der Antike, diente die Nachbarschaft nicht zur Erweiterung der Kooperationsmöglichkeiten, sondern zur Identitätsbildung durch Abgrenzung (der “Barbar” ist ja eine griechische Erfindung). Vorher war ein solches Identitätsbildungsprinzip durch Ausgrenzung des “Anderen” weder notwendig, noch überhaupt möglich. Da war die Natur dieses Andere. Das ist jetzt freilich sehr ins Unreine gesprochen, nageln Sie mich hier nicht auf menschheitsgeschichtliche Einzelerkenntnisse fest. Mein Punkt ist, dass die Konkurrenz untereinander mit der Kooperation untereinander unverträglich ist, insofern könnte man den Liberalismus sogar als Antihumanismus klassifizieren, und ich glaube, Michéa tut sogar ähnliches.
@Tischer
Wenn schon – wem wollen Sie das [Unfreiheit/Gewalt] zurechnen?
Dem Rechtssystem und/oder dem Markt?
Oder gibt es da andere Kandidaten?
Das kann man ursprünglich keinem von beiden zuschreiben. Wie Sie richtig sagen, setzen Recht und Markt den Frieden voraus. Sie sind nicht in der Lage – wie Sie auch richtig sagen – diesen aufrecht zu erhalten, wenn der Konsens, oder die Machtverteilung, auf dem der jeweilige Friede basiert, seine Geltung verliert. Der Friede kann übrigens kaum verstanden werden, wenn man – unter den hier gegebenen Voraussetzungen des “natürlichen Kampfes” – keinen Sieger annimmt, der Friede also immer ein Herrschaftsverhältnis kodifiziert und befestigt. Er kann also gebrochen werden.
Der Markt inszeniert sich ja (rhetorisch zumindest) geradezu als “Krieg mit friedlichen Mitteln”, das könnte man als einen “zivilisatorischen Fortschritt” betrachten – wenn es nicht im Ergebnis doch wieder um die Frage Leben-Können oder Nicht-Leben-Können ginge, also nicht eine Barbarei im Schicksal des Verlierers drohte. Und wenn diese Mittel nicht mehr wirken, dann wird auf den unrhetorischen, realen Krieg zurückgegriffen, sofern das jeweils möglich ist. Denn sowohl Markt als auch Krieg bedürfen der Ressourcen. Wer keine hat, kann weder Markt noch Krieg veranstalten, geschweige denn kann er Recht setzen, er kann sein Recht nur behaupten, also Moral ins Feld führen.
Das Recht würde ich als eine akzeptierte Form oder Kodifizierung diesem vorgeordneter Machtverhältnisse verstehen (darin werden Sie mir wohl nicht zustimmen, ist mir klar), der Markt ist dasselbe, nur dass er eben der Part ist, der seinerseits dieser Kodifizierung für sein Funktionieren bedarf. Wie andererseits die Rechtsdurchsetzung einer funktionierenden Wirtschaft bedarf, also, unter liberalen Verhältnissen, einem Markt.
Der Liberalismus hat nach meiner Auffassung den wesentlichen Fehler, dass er die Gesellschaft als eine Ansammlung von Individuen verstehen (oder gar als Konkurrenzverhältnis “analysieren” will, vielleicht sogar “durchsetzen” will), von seinem utilitaristischen, reduzierten Begriff des “homo” her – egal ob Wolf oder Nutzenmaximierer – die beiden unterscheiden sich ja auch letztlich nicht. Der metaphorische Wolf frisst den anderen ja nur, um seinen Nutzen zu maximieren. Sein Begriff von Freiheit ist, den anderen “friedlich, marktlich, rechtlich” fressen zu dürfen. Und darum kommt es zur Gewalt – weil es eben nicht stimmt und im Widerspruch zur gesellschaftlichen Existenz der Menschen steht.
Wir könnten jetzt versuchen, das im Detail historisch aufzuarbeiten, also etwa, in wiefern der Totalitarismus (der Lieblingsfeind der Liberalen, besonders der Sozialismus), selber nur Folge dieses Versagens ist, die menschliche Gesellschaft angemessen zu verstehen. Aber das sprengt nun wirklich den hier gegebenen Rahmen.
Schöne Grüße: c.
@ Tischer
Um es noch einmal zu wiederholen: o h n e eine operationale, hinreichende und wahre Evolutionsprozess-Theorie wird es keine gelingende Ordnung des Gesellschaft geben, sondern nur ordnungspolitische ‘Pfuscherei in Staatsangelegenheiten’ (Goethe). Der einzige Fortschritt besteht immer nur in weniger schlimmen, weniger selbstdestruktiven Ordnungsstufen, deren zwingende Machtlastigkeit nach ihrer jeweiligen Installierung immer größer wird und die logischerweise immer im Absturz des Machtsystems enden muß.
Dieses geschichtliche Spiel der gesellschaftlichen Ordnungsversuche geht so lange weiter, bis endlich die Ordnung des KREATIVEN Akzelerationswegs im Evolutionsprozess erkannt wird, und es dann möglich wird, deren Steuerungsinstrumente und -Institutionen in der menschlichen Gesellschaft zu installieren. Erst mit einer hinreichenden, operationalen und wahren Evolutionsprozess-Theorie (= Steuerungssystemtheorie des Evolutionsprozesses) wird die Geschichte der Fehlversuche in Sachen ‘gesellschaftliche Ordnungen’ beendet werden. Die 5%-Wachstumsabsturzkrise des Jahres 2009 wird uns helfen, dieser Logik zu folgen. Hier greift Einsteins Aussage ein: Wir können die Probleme nicht mit der Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.
Kodifiziertes Recht und überregionaler Markt, sind doch, wenn ich es richtig sehe, im wesentlichen eine Leistung des absolutistischen Staates, dessen Notwendigkeit wiederum – jedenfalls bei Hobbes – aus der Erfahrung der Konfessionskriege des 17. Jh. heraus begründet wird.
Der Leviathan als effektiver Regelsetzer ist aber nur denkbar als ein Akteur, dessen Handlungsreichweite der der einzelnen anderen Spieler um ein Vielfaches überlegen ist.
Was aber wird aus dem Recht, wenn der Regelsetzer auf Augenhöhe mit partikularen Spielern agieren muß, deren Ressourcen an die seinen heranreichen oder sie übertreffen (große transnationale Korporationen)?
Und was wird aus dem Markt?
Trotz meiner gelegentlichen Skepsis scheinen die sich daraus ergebenden Erwägungen sehr für die Etablierung einer europäischen Staatlichkeit zu sprechen, wobei EU 27 als Rahmen aber zu groß sein dürfte.
@ ceteris # 27
“Der Liberalismus hat nach meiner Auffassung den wesentlichen Fehler, dass er die Gesellschaft als eine Ansammlung von Individuen verstehen ..” Dieser Kritikansatz ist völlig unzureichend. Er liegt außerhalb der REALITÄT und der Quelle allen Übels in unserer freiheitlichen Gesellschaft.
Der entscheidende ideologische und real-institutionelle Mangel des bisherigen Liberalismus liegt darin, dass er – anders als Walter Eucken es als Ziel und Aufgabe vorgegeben hat – das strukturelle Wachstum von Machtstrukturen zu verhindern, nicht anpackt. Markt, Konkurrenz und demokratische Prozesse und Institutionen sind zwar struktuell machtsystemminimierende Institutionen, sie reichen a la long dazu aber nicht aus. Sie werden von den gerissenen Konflikt- und Machtkämpfern ausgetrickst, die sich der gesellschaftlichen Konfliktfronten geheim-gerissen bedienen, um ihre Rumpelstilzchen-Machtclan zu etablieren.
Das 2%Wachstumszwang-Regime ist das jüngste, geschichtliche Beispiel für eine solche Rumpelstilzchen-Karriere. Siemens- und IGMetall-Vorstand haben es via Tarif- und Sozialpolitik hingetrickst, dass die Bruttoarbeitskosten ständig steigen – zu dem Zweck, die Hightech-Nachfrage via Rationalsierungsinvestitionen immer wachsen zu lassen u n d dafür zu sorgen, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze ständig abnimmt. Die Machtstruktur ist KONKRET und im Maximalfall geheim. Was soll angesichts dieser Tatsachen das Gerede auf der ideologischen Seminaristenebene?
Tatsache ist, dass alle Parteien sich dieser Tyrannei unterworfen haben und keine geistige oder politische Institution wagt, einen Ausweg aus diesem 2%Monster-Absolutismus zu suchen. Die ORDOliberalen Biedenkopf, Thomas de Maiziére und Reinhard Miegel sind die einzigen Spitzenleute, die diesen Mangel des Liberalismus thematisieren und beheben wollen. Die reden zur Sache. Mit diesen dreien i s t Angela Merkel sicherlich einer Meinung. Noch schweigt sie.
@ Rüdiger Kalupner
Ja, das befürchte ich auch, dass Merkel gleicher Meinung ist, wie die drei Schurken und Vollidioten: Biedenkopf, Maiziére und Miegel.
Wundern würde dies keinen. Wenn jemand Physik studiert und nur für die Politik tauglich ist, das sagt schon alles. Sie passt in der Tat zu den “Kreativen”, nur sie weiß es vielleicht noch nicht
@ ceteris
>Mein Punkt ist, dass die Konkurrenz untereinander mit der Kooperation untereinander unverträglich ist, insofern könnte man den Liberalismus sogar als Antihumanismus klassifizieren …>
Das ist falsch.
Ich will Ihnen zeigen, dass Konkurrenz untereinander und Kooperation untereinander zumindest KONZEPTIONELL miteinander vereinbar sind.
Der ganz einfache Fall ist, dass wir bei Produkt A miteinander konkurrieren und bei Produkt B und C miteinander kooperieren.
Beispiel: Wir sind beide Autohändler und konkurrieren beim Autoverkauf, wir kooperieren aber auch, weil ich Ihnen Reifen liefere und Sie meine Lackschäden reparieren.
Bei dieser Interpretation Ihrer Aussage stellt sich das Problem überhaupt nicht, solange wir nicht aufgrund der Konkurrenz oder der Kooperation aus dem Markt ausscheiden.
Hier Fälle, die Sie möglicherweise vor Augen haben.
Nehmen wir einmal an, dass Sie Metzger sind und Wurst herstellen und anbieten; ich bin Bäcker, stelle Brot her und biete es an.
Fall a)
Kooperation 1: Sie haben Kunden, deren Wünsche Sie zu erfüllen versuchen, um von ihnen entsprechend belohnt zu werden.
Kooperation 2: Ich habe Kunden – andere als Sie – deren Wünsche ich ebenfalls zu erfüllen versuche, um von ihnen entsprechend belohnt zu werden.
Hier ist Kooperation 1 mit Kooperation 2 vereinbar.
Direkte Konkurrenz gibt es nicht, indirekte praktisch auch nicht.
Das Problem stellt sich nicht.
Fall b)
Kooperation 1: Sie haben Kunden, deren Wünsche Sie zu erfüllen versuchen, um von ihnen entsprechend belohnt zu werden.
Kooperation 2: Ich habe DIESELBEN Kunden, deren Wünschen ich ebenfalls zu erfüllen versuche, um von ihnen entsprechend belohnt zu werden.
Hier ist Kooperation 1 mit Kooperation 2 vereinbar.
Direkte Konkurrenz gibt es nicht, weil wir verschiedene Produkte herstellen (dass man die Wurst normalerweise aufs Brot legt und der Verzehr von Wurst daher ein bestimmtes Verhältnis beider Produkte verlangt, unterschlagen wir hier. Ich hätte auch nicht komplementäre Produkte wählen können).
Indirekte Konkurrenz gibt es, weil wir beide um die Menge Geldes unserer Kunden „kämpfen, das sie für Nahrungsmittel (hier: Brot und Wurst) ausgeben.
Trotz dieser Art von Konkurrenz können wir beide weiter mit unseren Kunden kooperieren.
Kooperation und Konkurrenz sind miteinander vereinbar.
(Extreme) Ausnahme: Einer von uns beiden macht die gemeinsamen Kunden so süchtig nach Wurst ODER Brot, dass sie das ganze Geld für das eine Produkt ausgeben.
Dann scheidet einer von uns beiden aus.
Das Problem stellt sich dann nicht mehr.
Fall c) Sie sind Metzger und ich bin jetzt AUCH Metzger
Kooperation 1: Sie haben Kunden, deren Wünsche Sie zu erfüllen versuchen, um von ihnen entsprechend belohnt zu werden.
Kooperation 2: Ich habe DIESELBEN Kunden, deren Wünschen ich ebenfalls zu erfüllen versuche, um von ihnen entsprechend belohnt zu werden.
Hier ist Kooperation 1 mit Kooperation 2 vereinbar, solange die Kunden von Ihnen UND von mir Wurst kaufen.
Direkte Konkurrenz gibt es, weil wir beide mit GLEICHEN Produkten um die Menge Geldes unserer Kunden „kämpfen“, das sie für Wurst ausgeben.
Wenn ich die Wünsche der gemeinsamen Kunden besser als Sie treffe, werden Sie weniger belohnt – und umgekehrt ist es genauso.
Kooperation und Konkurrenz sind miteinander vereinbar.
Im Extremfall kaufen die gemeinsamen Kunden die Wurst nur noch von Ihnen oder nur noch von mir.
Einer von uns scheidet aus.
Das Problem stellt sich dann nicht mehr.
Fazit:
Kooperation und Konkurrenz sind vereinbar.
Im Extremfall stellt sich die Frage der Vereinbarkeit nicht mehr.
Wenn Sie sich das wie gezeigt sauber analysieren, kommen Sie nicht auf die Idee, den Liberalismus als Antihumanismus zu klassifizieren.
Allerdings:
Der Markt und der Liberalismus machen es nicht allen recht.
Das hat aber nichts mit Antihumanismus zu tun.
Jetzt zur REALITÄT.
Realität, Teil A
Die Fälle a) bis c) gibt es in der Realität – und zwar nicht nur auf dem viel geschmähten Gemüsemarkt. Es gibt sie auch bei mittleren und großen Unternehmen, beispielsweise in der Automobilindustrie.
Das Problem ist nicht Vereinbarkeit oder Unvereinbarkeit, sonder die ANSTRENGUNG, die der Wettbewerb erfordert (Rattenrennen etc.). Auch deshalb gibt es Oligopole und Monopole sowie den Drang zu administrativ herbeigeführten wettbewerbsarmen oder sogar wettb-werbsgeschützten Zonen (Apotheken, Schornsteinfeger etc.).
Auch international gibt es das: Man verhängt keine Einfuhrzölle (weil das Sanktionen gleicher Art herausfordert), sondern setzt z. B. hohe Umweltstandards, die jene Importeure nicht erfüllen können, die nicht über das entsprechende Know how verfügen.
Realität, Teil B
Wir haben zunehmend die Situation von Marktsättigung, bei der „Wünsche erfüllen“ VIELFACH heißt: billiger als billig und das nochmals billiger. Dadurch entsteht ein Kostendruck bei den Anbietern, der sich nicht mehr mit Wunscherfüllung realisieren lässt, sondern durch dubiose Praktiken bis hin zum Betrug wie mit Gammelfleisch. Dazu gehören auch Preiskartelle, heute Zement, morgen Kaffe etc.
Bitte den Unterschied zwischen KONZEPT Markt und der REALITÄT Markt und den in seiner DIFFERENZIERENDEN BEDINGTHEIT auseinander halten.
@ Systemfrager # 32 v. 1. März 2010 um 14:41
Die Feinseligkeit, die ich aus Ihrer Antwort und Statement entnehme
” Ja, das befürchte ich auch, dass Merkel gleicher Meinung ist, wie die drei Schurken und Vollidioten: Biedenkopf, Maiziére und Miegel.”
zeigt mir, dass Ihr Paradigma-Ansatz von dem KREATIVEN, konflikt- und machtsystem-auflösende Evolutionspfad-Angebot keine Kenntnis genommen hat. Das entnehme ich auch aus den Texten Ihrer Webseite. Wer sich mit der übermächtigen Systemkreativität in der Endphase einer Systemkrise nicht verbündet, der hat als Systemkämpfer schon verloren, der macht es sich unnötigerweise schwer. Warum machen Sie sich das Leben als Systemüberwinder so schwer?
@ Degnaphta # 28
>Das Recht wäre jetzt rein theoretisch die Komponente, die dieser Schädlichkeit Einhalt gebieten könnte, doch ist der Markt so mächtig, daß er diesen Heilsbringer komplett zu korrumpieren in der Lage ist.>
Der Markt kann nicht korrumpieren.
Durch den Markt sind Menschen derart ERFOLGREICH in der Erreichung von Zielen, dass sie KONDITIONIERT sind mit marktähnlichem, aber nicht marktadäquatem Verhalten – Erkaufen statt Erarbeiten von Vorteilen, an der Wahlurne z. B. – das Rechtssystem außer Kraft setzen zu lassen.
Markt kann dann nicht mehr stattfinden.
Menschen mit Partikularinteressen arbeiten an der Zerstörung des Rechtsystems.
@ Rüdiger Kalupner # 31
>Der entscheidende ideologische und real-institutionelle Mangel des bisherigen Liberalismus liegt darin, dass er – anders als Walter Eucken es als Ziel und Aufgabe vorgegeben hat – das strukturelle Wachstum von Machtstrukturen zu verhindern, nicht anpackt>
Wie sollte der Liberalismus – eine politische IDEE – denn das anpacken?
@ Dietmar Tischer # 33
Ein original Tischer, (kein Scherz keine Ironie) was jetzt kommt.
Tischer ist geil.
–>Nehmen wir einmal an, dass Sie Metzger sind und Wurst herstellen und anbieten; ich bin Bäcker, stelle Brot her und biete es an.”
Und keiner hat Reifen, um zum Bäcker zu fahren. Und ist vorher erfroren, weil die Motorsäge nicht anspringt, um Holz zu machen, um das Häuslein zu heizen.
Entschuldigung das Post ging nicht an mich, obwohl ich schon damals Tischer exclusive Dinge verkauft habe, und sein Sägewerk für mich hab arbeiten lassen.
Tischer: wirklich nicht ironisch oder gehässig gemeint: Man muss dich einfach mögen.
@Tischer
Was unter Konkurrenz allgemein zu verstehen ist, deckt sich wohl am ehesten mit dem Fall der beiden Metzger.
Diesen Fall lösen Sie so:
Einer von uns scheidet aus.
Das Problem stellt sich dann nicht mehr.
Aber was war noch mal das Problem? Die Vereinbarkeit von Kooperation und Konkurrenz, das ist zweifellos in beiden Aspekten mit dem Ausscheiden eines der beiden Protagonisten gelöst, allerdings gerade NICHT in dem Sinne, den Sie bezweckt haben.
Konkurrenz zielt in letzter Konsequenz genau auf das Ausscheiden des Konkurrenten ab, und schliesst eben genau darum Kooperation in der Regel – nicht unbedingt als Ausnahme – aus, es sei denn es kommen andere Konkurrenten ins Spiel, in diesem Fall zB ein Supermarkt, gegen den die beiden Metzger kooperieren, etwa indem sie ihren Einkauf gemeinsam vornehmen und dgl.
Ähnlich bei der Konkurrenz zwischen Mitarbeitern einer Firma um den Aufstieg in die nächste Hierarchie-Ebene.
Ich vermute, Sie sehen im Markt selber eine große Kooperationsveranstaltung, so ganz im Smithschen Sinne, bei der die Teilnehmer aber in Konkurrenz zueinander stehen. Das ist ein ziemlich statisches Bild von Marktprozessen, das sich sogar für sachlich falsch halte. Unabhängig davon ist die Ökonomisierung aller Lebensbereiche mit dem Vordringen von Konkurrenz zulasten der Kooperation verbunden, sogar in einzelne Betriebe hinein, sogar in die Familien hinein. Wgnx’ Beitrag zum “Paradox des Steuerbetrügers” zeigt, wohin das führt. Nicht zuletzt auch zu einer Erosion des Rechts. Wer nicht erwischt wird, genießt Vorteile in der Konkurrenz (um Geld, Güter etc.), die das Risiko einer Bestrafung kalkulierbar und ggf. akzeptabel machen.
@froZ #30
“Invisible hand” (Markt) und “Visible hand” (Recht) sind die beiden Hände desselben Protagonisten, in der liberalen Gesellschaftsauffassung. Historisch handelt es sich keineswegs um einen Antagonismus, sondern eher um ein komplementäres Verhältnis, oder um zwei Seiten derselben Medaille, um Inhalt und Form. Das wirft Michéa auch den Linken vor, dass sie dieses Verhältnis nicht begriffen haben, sondern sich meist auf den Staat GEGEN den Markt berufen haben, auf eine Weise, die selber in liberalem Denken befangen bleibt.
Bei der Genese mögen die Konfessionskriege eine Rolle gespielt haben, ich glaube aber nicht, dass sie entscheidend war. Sie fällt mit der Entstehung des Kapitalismus zusammen, mit den Vorteilen der Größe und der Vereinheitlichung. Die Geschichte des Merkantilismus ist dazu das passende Kapitel.
Ein privater, transnationaler Wirtschaftsakteur kann einen Staat von außen korrumpieren, er ist dennoch ein Spieler einer anderen Kategorie, so wie auch ein Staatsunternehmen noch nicht selber ein Staat ist.
http://www.stuttmann-karikaturen.de/archivseq.php?id=3482
@ ceteris
>Aber was war noch mal das Problem? Die Vereinbarkeit von Kooperation und Konkurrenz, das ist zweifellos in beiden Aspekten mit dem Ausscheiden eines der beiden Protagonisten gelöst, allerdings gerade NICHT in dem Sinne, den Sie bezweckt haben.>
Ich habe keine Lösung bezweckt.
Das Ausscheiden eines Wettbewerbers kann, muss aber nicht der Fall sein.
Ich habe Ausscheiden als (analytischen) Extremfall, den es gibt, aufgezeigt.
Richtig ist, dass ich Ihre Auffassung anhand von Alternativen, die man statisch nennen kann, widerlegt habe.
Dynamisch kann es so sein:
a) Keine oder keine wesentlichen Veränderungen, d. h. statische Beziehungen, die über die Zeit andauern. Hier bestehen Kooperation und Konkurrenz KONTINUIERLICH nebeneinander, weil keiner der Wettbewerber ausscheidet. Also Vereinbarkeit von Kooperation und Konkurrenz ohne Unterbrechung.
b) Wesentliche Veränderungen, d. h. keine statische Beziehungen, die über die Zeit andauern. Hier bestehen Kooperation und Konkurrenz bis zum MÖGLICHEN Ausscheiden eines oder beider Wettbewerber nebeneinander. Bis DAHIN also Vereinbarkeit von Kooperation und Konkurrenz.
AB diesem Zeitpunkt – KONZEPTIONELL – neue Beziehungen (der/die Ausgeschiedene/n begibt/begeben sich in eine neue Wettbewerbssituation) und dann weiter wie unter a) oder b).
DIESE Veränderung wird es unvermeidbar geben, wenn eine Gesellschaft INNOVATIV ist.
Es kommt darauf an, dass die Ausscheidenden wieder in neuer Konstellation starten können.
Der Markt per se verhindert das nicht.
Fazit für die KONZEPTIONELLE Analyse:
Es kann sein, dass es in der dynamischen Betrachtung keine KONTINUIERLICHE Vereinbarkeit von Kooperation und Konkurrenz gibt.
Es gibt in der dynamischen Betrachtung KEINE Unvereinbarkeit von Kooperation und Konkurrenz.
Es gibt (lediglich) PUNKTUELL den Zustand, bei dem sich das Problem nicht stellt.
Diesen Zustand kann es allerdings oft geben und er kann sich schnell wiederholen.
Der Markt selbst sagt nichts darüber aus.
Vermischen Sie doch nicht immer Konzeptionelles mit Realem.
@ ceteris
“Historisch handelt es sich keineswegs um einen Antagonismus, sondern um ein komplementäres Verhältnis…”
Habe nichts anderes behauptet. Meine These wäre nur, daß – jedenfalls in der Hochphase des Merkantilismus – die skizzierte Entwicklung von einem Primat politischer Interessen getragen war.
Was die endgültige Befreiung der Märkte im Rahmen einer Kapitalverwertungsordnung angeht, so erklärt Polanyi das ja allerdings mit Produktivkraftentwicklung: Die Einführung von Maschinen im Zusammenhang mit der Dampfkraftnutzung erforderte größere Investitionen, welche, um sich zu rentieren, einen ständige Verfügbarkeit von Zulieferern, Absatzmöglichkeiten und Arbeitskräften ebenso erforderten wie eine gewisse Währungsstabilität. Aber damit sind wir dann schon an der Schwelle vom 18. zum 19. Jh.
“Ein privater transnationaler Wirtschaftsakteur kann einen Staat von außen korrumpieren, er ist dennoch ein Spieler einer anderen Kategorie.”
Sicher, er kann, formal betrachtet, im Gegensatz zum Staat keine Regeln setzen, sondern nur nach diesen spielen.
Aber da es verschiedene staatliche Rechtsrahmen gibt, kann ein transnationales Unternehmen diese Verschiedenartigkeit zur Optimierung seiner Geschäftsmodelle nutzen, sozusagen Arbitrage betreiben. Es ist dann die Frage: wenn beide Seiten sozusagen Brinkmanship spielen, wer hat mehr zu verlieren? Der Staat, wenn das Unternehmen sich aus ihm zurückzieht? Oder das Unternehmen, wenn der Staat ihm den Marktzugang sperrt? Das ist m.E. auch der wichtigste Zweck der EU, durch schiere Größe als Staat immer am längeren Hebel zu sitzen und selbst einem Unternehmen wie Microsoft die eigenen Spielregeln aufzwingen zu können.
Freilich gibt es in heutigen komplexen Staatswesen mit ihrem austarierten Institutionengefüge immer das Problem der Fragmentierung politischer Macht, was den meist hierarchisch top-down organisierten Korporationen einen strukturellen Vorteil verschafft und zum Einfallstor für Partikularinteressen in staatlichen Strukturen wird.
Wenn man so will, erreicht die EU im Vergleich zu den Nationalstaaten durch schiere Masse ein besseres Gegengewicht zur Macht der Korporationen, aber durch größere Komplexität und Fragmentierung hat sie – wiederum verglichen mit den Nationalstaaten – auch einen größeren strukturellen Nachteil gegenüber den Korporationen.
Ich sehe keinen antagonistischen Gegensatz zwischen Staat und Markt, aber durchaus einen zwischen Staat und großen Marktakteuren. – (jetzt mal abstrahiert von so Akteuren wie “Elite”-Netzwerken, die gleichermaßen in Staat und Großunternehmen wirken, dabei aber eigene Interessen vertreten, welche weder mit denen des Staatssouveräns noch mit denen des Unternehmens kongruent sind)
http://tinyurl.com/yhwmrz8
Dumm geboren nix dazu gelernt und die Hälfte wieder vergessen.
Keitel…
http://www.youtube.com/watch?v=ToCn1dQlxDM
Das ist die Geschichte von einem von uns.
Auch er ist in der Via Gluck geboren,
in einem Haus außerhalb der Stadt,
wo stille Leute arbeiteten.
Dort, wo das Gras wuchs, ist jetzt eine Stadt.
Und dieses Haus mitten im Grünen,
wo wird es sein?
Dieser Junge aus der Via Gluck spielte immer gerne mit mir,
doch eines Tages sagte er: Ich ziehe in die Stadt.
Und das sagte er, während er weinte.
Ich fragte ihn: Freund, bist du nicht glücklich?
Du gehst endlich, um in der Stadt zu wohnen.
Dort wirst du Dinge finden, die du hier nicht hattest.
Du wirst dich im Haus waschen koennen ohne in den Hof hinuntergehen zu müssen.
Mein lieber Freund sagte: Hier bin ich geboren.
In dieser Straße lasse ich jetzt mein Herz.
Wieso verstehst du nicht?
Seid froh, hier bleiben zu dürfen, um barfuß auf den Wiesen zu spielen, während ich dort im Zentrum den Zement einatme…
Aber eines Tages wird der Tag kommen, an dem ich zurückkommen werde und den Freund hoeren, der so pfeift…
So vergehen die Jahre, acht an der Zahl, in denen er seinen Weg gegangen ist.
Sein erstes Zuhause hat er jedoch nicht vergessen,
jetzt mit dem Geld kann er es sich leisten.
Er kehrt zurück und findet die Freunde nicht, die er hatte,
nur noch Häuser neben Häusern, Teer und Zement.
Dort, wo das Gras wuchs, ist jetzt eine Stadt.
Und dieses Haus mitten im Grünen,
wo wird es sein?
Äh, ich weiß nicht, warum sie weiter Häuser bauen
und nicht das Gras lassen, das Gras lassen,
das Gras lassen, das Gras lassen…
Und wenn wir so weitermachen, weiß niemand, wie das enden wird…
Das Interview läst sich nur mit dem Peterprinzip erklären…
http://www.youtube.com/watch?v=OjlxGMbUo6M
@ wsgn
OT:
>Fazit der Woche: Jeder Philosoph kann gleichzeitig auch Ökonom sein; aber kaum ein Ökonom, der das Zeug zum Philosophen hat>
Typisch Twitter, Ihre Feststellung:
Man kann über den Wahrheitsgehalt spekulieren wie man will.
Hier eine artverwandte Variante, bei der das nicht der Fall ist:
Wer nichts von Ökonomie versteht, begreift die Welt nicht.
Wer nur etwas von Ökonomie versteht, begreift sie auch nicht.
@Tischer
Vermischen Sie doch nicht immer Konzeptionelles mit Realem.
Umgekehrt: Spielen Sie doch nicht immer das Konzeptionelle gegen das Reale aus. An und für sich, d.h. ALS Konzepte sind viele Modelle schlüssig und kongruent. Erst wenn sie mit Realem zur Deckung gebracht werden sollen und anhand dessen bewertbar werden, nicht nach ihren eigenen theoretischen Maßstäben, treten die Probleme und damit auch die “unterbelichteten” Seiten des jeweiligen Konzepts auf. Erst dann fängt Erkenntnis an, vorher ist es nur Konzept, Modell, Formalie, Tautologik.
Rein theoretisch könnte das liberale Konzept immer und überall funktionieren. Praktisch funktioniert es nur unter sehr bestimmten Voraussetzungen und auch nicht nachhaltig. Das kann man dem Konzept selber nur schwer ansehen, eher schon den impliziten Voraussetzungen, die es macht, über die sich dann auch trefflich als solche debattieren ließe. Ohne Bezugnahme auf Reales lässt sich ein Konzept nur formal bewerten. Diese formale Bewertung hat auch ihr Recht, ist aber nicht das, was mich vordringlich interessiert.
Endlich mal wieder ein Tip aus der Steinzeit…
Wäre ja auch noch schöner, wenn wir uns hier mit dem 21.Jh.
beschäftigen würden.
@tischer & ceteris
ich glaube, dass Modell und Wirklichkeit nicht so eindeutig zu unterscheiden sind. Bzw. ich fände es sinnvoll, verschiedene Modellzwecke und ‘Aggregationen’ von Wirklichkeit zu unterscheiden.
Modelle können Wirklichkeit erklären, sie können aber auch – als operative Modelle gesellschaftlicher Verhaltenskoordination – Wirklichkeit regulativ gestalten (wie z.B. das Regelset, das ein Fußballspiel möglich macht). Ihrer logischen Substanz nach sind erklärende und konditionierende Modelle nicht zu unterscheiden. Der Unterschied ergibt sich durch die Art der Anwendung (erklärend vs. konditionierend).
Die Handhabung dieses Unterschieds ist schwierig, denn die Form des operativen Modells ist eine notwendige Bedingung der gesellschaftlichen Koordination, die sich an ihm orientiert, und das konditionierende Modell ist daher zugleich auch ein erklärendes Modell dieser Wirklichkeit (zwar kein hinreichend erklärendes Modell, aber immerhin).
Die Diskussionen über den ‘Kapitalismus’ sind m.E. deshalb so schwierig, weil zwischen Kapitalismus als einem Erklärungsmodell und dem Kapitalismus als einer politisch-rechtlich institutionalisierten und überwachten Spielregel nicht hinreichend unterschieden wird (obwohl im öffentlichen Sprachgebrauch immer von ‘freier Marktwirtschaft’ gesprochen wird, wenn das Regelsystem gemeint ist; andererseits bekennen sich besonders forsche Marktwirtschaftler ja auch durchaus zum Kapitalismus, meinen damit aber nicht eine historisch gewordene Gesellschaftsformation, sondern eine bestimmte Norm der Geldwirtschaft).
Operative Modelle (Spielregeln) stecken den Rahmen für Spielstrategien ab. Es gibt Spielstrategien, die zu einem flüssig-eleganten Spiel führen. Und der flüssig-elegante, gute, sinnvolle Spielverlauf rechtfertigt die Spielregel als eine ‘gute’ Spielregel. Es gibt aber auch Strategien, die – obwohl regelkonform – ein ‘schlechtes’ Spiel ergeben (z.B. gilt im Fußball der Catenaccio, der ein attraktives Offensivspiel unmöglich machen soll, als unattraktive Form).
Ich meine, man sollte streng zwischen der Diskussion des Für und Wider gesellschaftlicher Spielregelsysteme und der Diskussion unterscheiden, nach welchen Regelsystemen die Gesellschaft eigentlich faktisch läuft.
Die erste Diskussion hätte zu klären, wie realistisch die Durchsetzung eines Regelsystems ist (wie lässt sich die Schiedsrichterfunktion implementieren und mit genügend Kontroll- und Sanktionsmitteln ausstatten?), welche günstigen und ungünstigen Spielstrategien ein Regelsystem erlaubt und u.U. motiviert (meist wird ja nur die Strategiewahl unterstellt, die einen ideal-eleganten Spielverlauf ermöglicht).
Die zweite Diskussion hätte zu klären, in welchem Ausmaß sich eigentlich der gesellschaftliche Prozess tatsächlich an den Spielregeln orientiert, inwiefern etwa bestimmte Regelverletzungen notorisch ungeahndet bleiben und warum und ab welchem Ausmaß einer regelmäßig zu beobachtenden Regelabweichung man überhaupt noch von der allgemeinen Wirksamkeit des unterstellten Regelsystems ausgehen soll und nicht vielmehr zu diskutieren wäre, ob nicht implizit schon ein ganz anderes Regelsystem herrscht.
Irgendetwas stimmt doch mit dem Verhältnis zwischen dem Erklärungsmodell ‘Kapitalismus’ und dem konditionierenden Modell ‘Marktwirtschaft’ nicht, wenn sowohl die Prognosen der Freunde der Marktwirtschaft (Wirtschaftsforschungsinstitute) als auch die Prognosen der Feinde des Kapitalismus regelmäßig ins Leere laufen. In der Vergangenheit hat sich weder der Wohlstand für alle bewahrheitet (wobei man zugeben muss, dass der Wohlstandszuwachs im Westen zwischen 1950 und 2000 wirklich atemberaubend war) noch ist es zum finalen Kladderadatsch gekommen (wobei man auch hier zugeben muss, dass die permanente ‘kreative’ Zerstörung, die die moderne Geldwirtschaft betreibt, sich wie eine Art Dauerkladderadatsch ausnimmt).
In einer solch paradoxden Lage (deren paradoxaler Schein ja nur ein Ausdruck realitätsferner Modellierung ist, sowohl in erklärender als auch in konditionierender Hinsicht) braucht man m.E. neue Modelle (sowohl hinsichtlich der Erklärung als auch hinsichtlich der Konditionierung von Wirklichkeit).
@ ceteris
>Umgekehrt: Spielen Sie doch nicht immer das Konzeptionelle gegen das Reale aus.>
Tue ich doch gar nicht.
Wenn Sie meine Beiträge genau lesen, werden Sie erkennen müssen:
Mir geht es NUR darum zu zeigen, dass die Konzepte „Markt“ und „Recht“ eine – und ich greife jetzt bewusst ganz hoch – WELTHISTORISCHE SIGNIFIKANZ haben, die man mit ihren vielfältigen Möglichkeiten und Implikationen erst einmal begreifen muss (wenigstens in wichtigen Dimensionen), BEVOR man mit Realitätsbezug ÜBER sie urteilt.
Aber selbstverständlich:
Sie sind als Institutionen oder Instrumente (so im Nebenthread bezeichnet) beschränkt. Mit ihnen lassen sich nicht einmal ansatzweise wichtige Probleme lösen, vielmehr generieren wir mit ihnen neue – möglicherweise sogar solche, die zu gesellschaftlichen Katastrophen führen.
Ich spreche hier überhaupt nichts heilig, sondern reagiere lediglich darauf, dass manche – unbelastet von jeglichem tieferen Verständnis – sozusagen aus der Hüfte über die schwierigsten Dinge urteilen.
Hört auf zu labern.
Twittert mal wieder!
Euer Frank S.
lustig, das von einem, der es scheinbar nicht begriffen hat.
Der Markt schleudert Gift wie leckes Faß. Der Markt sorgt doch dafür, daß die Ölonomisierung weiter um sich greift. Der Irrglaube man könne mit betriebswirtschaftlichen Methoden einem Staats ‘den nutzen mehren’, führt doch letztendlich dazu, daß etliche marktwirtschaftlich untaugliche aber dennoch unabdingbare Bereiche über Kostensenkungsdruck/Effiziensoptimierungswahn in ihrer Arbeit behindert werden, was unterm Strich die Teilhabe etlicher ‘Marktteilnehmer’ einschränkt oder gar ausschließt.
Gleichzeitig ist aus Sicht der Nutzer, der Bürger eben, ein Verschlechterung zu verzeichnen.
Der gesamte Privatisierungs- und Entstaatlichungswahn ist doch ein guter Beleg für die korrumpierende Nebenwirkung des Konzeptes Markt. Die Gerichtsentscheidungen pro Arbeitgeber der letzten Jahre zeigen zudem noch auf, daß auch der potentielle Kontrapunkt korrumpierbar und leider auch korrupt ist.
Daß Konkurrenz und Kooperation in unserer verflochtenen Welt selbstverständlich nebeneinander existieren können müssen, ist so selbstverständlich, daß es eigentlich keiner besonderen Erwähnung bedarf.
Ein niemals außer Acht zu lassender punkt ist beim Konzept Konkurrenz ist die Frage, wie mit dem ‘Ausgeschiedenen’ verfahren wird. Was passiert mit den Verlierern?
Das Konzept Kooperation hat auch seine neuralgischen Punkte, die strenger Beobachtung unterliegen sollten. Mans stelle sich vor, die eigentlich konkurrierenden Benzinverkäufer würden kooperieren und die preise absprechen? Das wäre doch schlimm!?!
Überbordende Kooperation (Beamtentum als Staat im Staate?) steht im Ruf Effizienz zu vernachlässigen.
Erzwungener Wettbewerb versaubeutelt nachweislich Ressourcen.
Sollte die damalige ‘Entscheidung’ für Markt und Recht als Doppelstrategie einen Vorteil geboten haben gegenüber etwaigen Alternativen, so ist dieser inzwischen dahin. Ein Upgrade/Update muß her.
@Morph (@Tischer)
Die Handhabung dieses Unterschieds ist schwierig, denn die Form des operativen Modells ist eine notwendige Bedingung der gesellschaftlichen Koordination, die sich an ihm orientiert, und das konditionierende Modell ist daher zugleich auch ein erklärendes Modell dieser Wirklichkeit (zwar kein hinreichend erklärendes Modell, aber immerhin).
Richtig. Etwas vereinfacht auf unser spezielles Thema: Wenn es darum geht, den Wert von “Spielregeln”, die auf einem bestimmten Konzept basieren – und in diesem enthaltene Annahmen – festzustellen, dann liegt doch nahe, Anspruch und Wirklichkeit zu vergleichen. Also was SOLL die Markt/Recht Konstellation des Liberalismus bewirken und was bewirkt sie tatsächlich. Hier also vor allem: Friede und Wohlstand für alle, oder jedenfalls mehr als in allen anderen bekannten Systemen.
Selbstverständlich ist dann mit dem Einwand zu rechnen, das Konzept sei ja hier und da oder überhaupt niemals “richtig” umgesetzt worden, worauf man dann nur mit der Frage antworten könnte, warum das denn so sei und ob nicht dieser Tatsache Elemente des Konzepts selber zugrundeliegen, die seine “richtige” Umsetzung in der Realität eben gar nicht möglich machen.
Und Sie, Herr Tischer, haben mit der “historischen Signifikanz” vollkommen recht. Man KANN den Liberalismus gar nicht als rein modelltheoretisches Konstrukt verstehen, weder als Erklärungsmodell noch als “Spielanleitung”. Er ist ein historisches Phänomen, ein Unikat. Darüber ein angemessenes Urteil zu finden ist doch das Bestreben der Beteiligten, wir beide haben uns dazu schon öfter auseinandergesetzt und auch bei Michéa ist es DAS zentrale Thema. Wir waren da schonmal in einem anderen Thread so weit, dass Karl Marx himself als “Bastard-Liberaler” erschien, eben als auch ein Ökonomist, der die Gesellschaft und ihre Geschichte aus den Bedingungen der materiellen Reproduktion erklären zu können meint.
Entschuldigung off topic aber konnte nicht wiederstehen bei dem Theorie gelaber….
http://www.astragon.de/simulationen.html
Interessant das es mittlerweile Arbeitsplatz Simulationen gibt oder…
Interessant das es mittlerweile Arbeitsplatz Simulationen gibt oder…
Erstaunt mich nicht. Es gibt ja auch Geld-Simulationen, Argument-Simulationen und Nanuk-Simulationen. Voll normal mittlerweile…
@nanuk
lustig, dass Du das verlinkst. Da steckt noch mehr dahinter. In MMORPGs (Mehrspieler-Online-Rollenspielen – ‘Mehrspieler’ trifft es nicht ganz, Spiele wie World of Warcraft werden ja in der Tat von MASSEN gespielt) ist man ja angehalten, die Spielstärke seines Characters hochzuleveln, u.a. indem man items sammelt und hortet. Mittlerweile gibt es Firmen, die dieses ‘Farming’ genannte virtuelle Suchen und Sammeln (das ziemlich öde ist) professionell betreiben und die hochgelevelten Charaktere über ebay versteigern. Some call it ‘playbour’.
“Voll normal mittlerweile…”
Laisse faire sozusagen…
@nanuk
nächstens videographier ich meine Beiträge, dann kannst Du sie vielleicht besser verkraften, dann sind die voll ole’-kalle-jaspers- und ole’-heidegger-kompatibel.
Einer von den Nanuks hier ist der Chef persönlich, da bin ich fest von überzeugt…
@Morph
Ja man läst sozusagen jemand anderen seine eigene Freizeit gestalten.Welt was bist du so wunderlich.
Jetzt fehlt eigendlich nur noch der Arbeitsplatz Simulator Simulator… man läst sozusagen jemand anderen die Simulation für einen selbst simulieren…
Nur mal so als Tip wer glaubt das sich das unendlich Fortschreiben läst der glaubt auch an Grenzenloses Wachstum.
Wie Einstein sozusagen…
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
http://barrons.wsj.net/public/resources/images/OB-HR868_BAPEDA_NS_20100227011613.gif
Australien und Kanada haben’S schon hinter sich
Ah. und ich dacht schon, das wird wieder dröge.
http://www.youtube.com/watch?v=HFe6oqtjD_8
It’s No Good
I’m going to take my time
I have all the time in the world
To make you mine
It is written in the stars above
The gods decree
You’ll be right here by my side
Right next to me
You can run, but you cannot hide
Don’t say you want me
Don’t say you need me
Don’t say you love me
It’s understood
Don’t say you’re happy
Out there without me
I know you can’t be
‘Cause it’s no good
I’ll be fine
I’ll be waiting patiently
Till you see the signs
And come running to my open arms
When will you realise
Do we have to wait till our worlds collide
Open up your eyes
You can’t turn back the tide
Don’t say you want me
Don’t say you need me
Don’t say you love me
It’s understood
Don’t say you’re happy
Out there without me
I know you can’t be
‘Cause it’s no good
I’m going to take my time
I have all the time in the world
To make you mine
It is written in the stars above
Words by Martin Gore (c) 1997 Grabbing Hands Music Ltd./EMI Music Publishing Ltd
@ Morph # 48
Konstruktiv differenzierender, klärender Beitrag.
Was habe ich in dem von Ihnen aufgezeigten Zusammenhang getan?
Habe ich die neuen Regeln als ERKLÄRUNG bzw. ERKLÄRUNGSMODELL herangezogen, um beispielsweise zu sagen, dass die Welt so ist wie sie ist?
Genau das habe ich nicht.
Ich habe vielmehr darauf hingewiesen, dass die NEUEN „operativen Spielregeln“ („Markt“ und „Recht“) eine besondere QUALITÄT haben und spezielle MÖGLICHKEITEN eröffnen gegenüber denen, die es vorher gab.
Also, kooperativ und friedlich etc. statt …
Was wird mir (überwiegend) geantwortet?
Mich analog auf die Fußballregeln, Ihr Beispiel beziehend:
Langweiliges Spiel (alle stehen hinten drin und mauern), dazu Schiedsrichterbestechung, Wettskandal, lebensgefährliche Randale auf den Rängen, Krawall vor dem Stadion, chauvinistische Auswüchse und, auf keinen Fall zu vergessen, Millionengehälter für Typen dafür, dass sie gegen eine Lederkugel treten …
Das alles ist richtig, aber keine Antwort auf meine Feststellungen.
@ ceteris # 52
>Also was SOLL die Markt/Recht Konstellation des Liberalismus bewirken und was bewirkt sie tatsächlich.>
Es gibt meines Erachtens KEIN „SOLL“.
Niemand hat bei der „Einführung“ oder irgendwann danach gesagt: Wir haben die neuen Spielregeln eingeführt, damit dann oder dann das oder jenes ZIEL erreicht wird.
Die Fußballregeln oder das Fußballspiel wurden nicht eingeführt, damit der FC Bayern am 2. März 2010 an der Spitze der Bundesliga steht.
Es geht auch nicht um die Frage, ob etwas richtig oder falsch gemacht wurde beim Gebrauch der Spielregeln.
Denn hinsichtlich der Spielregeln – aller Spielregeln, nicht nur der des Markts – ist ALLES richtig, solange es mit den Spielregeln vereinbar ist.
Wenn sie also sagen
>Selbstverständlich ist dann mit dem Einwand zu rechnen, das Konzept sei ja hier und da oder überhaupt niemals “richtig” umgesetzt worden, worauf man dann nur mit der Frage antworten könnte, warum das denn so sei und ob nicht dieser Tatsache Elemente des Konzepts selber zugrundeliegen, die seine “richtige” Umsetzung in der Realität eben gar nicht möglich machen.>,
dann formulieren Sie einen hypothetischen Einwand, der keiner sein kann.
Die sinnvolle Frage ist vielmehr:
Was haben die Menschen aus den Möglichkeiten gemacht, die ihnen die neuen Spielregeln gegeben haben? Was hätten sie anders machen können, ohne die Spielregeln zu verletzen?
Und:
Haben die Spielregeln NOTWENDIGERWEISE Ergebnisse haben müssen, die wir – egal wie sie genutzt wurden – als wünschenswert oder nicht als wünschenswert erachten.
Letzteres betreffend, würde ich die „Belohnungsergebnisse“ des Marktes nennen, die sich allein nach dem relativen „Verdienst“ bemessen und andere Gesichtspunkte, wie z. B. die Unterschiede zwischen solchen Ergebnissen nicht in Betracht ziehen.
Damit kommen wir zu einer Betrachtung, die unterscheidet
a) zwischen den Möglichkeiten und Begrenzungen von Spielregeln
und
b) dem, was die Akteure damit erreicht oder eben auch nicht erreicht haben.
Wenn wir uns an DIESE Unterscheidung halten, können wir auch beim Markt unterscheiden, was den Spielregeln und was den Akteuren zuzurechnen ist.
@ Degnphta # 51
Aufgrund des eben gesagten, bitte ich sie Ihre Aussagen zu überprüfen, also
>Der Markt sorgt doch dafür, daß …>
oder
>Der gesamte Privatisierungs- und Entstaatlichungswahn ist doch ein guter Beleg für die korrumpierende Nebenwirkung des Konzeptes Markt.>
Wer SORGT und WIRKT hier?
@Tischer
Niemand hat bei der „Einführung“ oder irgendwann danach gesagt: Wir haben die neuen Spielregeln eingeführt, damit dann oder dann das oder jenes ZIEL erreicht wird.
Oh doch, aber selbstverständlich! Eine Spielregel hat selbstverständlich einen Zweck, also ein Ziel, zunächst den, das Spiel selber funktional zu halten. Das gilt für die Abseitsregel wie auch für Marktregeln. Natürlich haben die Regeln nichts damit zu tun, wer im einzelnen das Spiel gewinnt, aber WIE es gewonnen werden kann.
Denn hinsichtlich der Spielregeln – aller Spielregeln, nicht nur der des Markts – ist ALLES richtig, solange es mit den Spielregeln vereinbar ist.
Das ist schlicht eine Tautologie. Die eigentliche Frage ist, ob es das richtige Spiel ist, und zwar gemessen an eben den Maßstäben, mit denen die Spielregeln und das Spielen des Spiels selber begründet werden: Freiheit, Wohlstand, Individualismus, zumindest aber “das kleinstmögliche Übel”.
Wenn man den Verlierern einfach nur sagt: “So sind halt die Spielregeln”, es aber immer mehr Verlierer gibt, dann hat das Spielgeschehen ein Problem, auch wenn die Regeln funktional scheinen. So wie die Bundesliga ein Problem hat, wenn immer nur Bayern München gewinnt. Das hat nichts mit den Spielregeln zu tun, sondern mit den Bedingungen, unter denen gespielt wird: Dass nämlich jeder Gewinn die Chance auf weitere Gewinne steigert und jeder Verlust sie weiter schmälert. Am Ende interessiert sich keiner mehr für das Spiel und seine Regeln. Die Leute bleiben einfach zu Hause…
@ceteris
,,Wenn man den Verlierern einfach nur sagt: “So sind halt die Spielregeln”, es aber immer mehr Verlierer gibt, dann hat das Spielgeschehen ein Problem, auch wenn die Regeln funktional scheinen.”
Kann man die Finanzkrise vielleicht nicht auch als empirischen Beweis dafür sehen, dass unsere Theorien über Märkte zumindest teilweise gescheitert sind?
Im Gegensatz zu den Gütermärkten werden auf Finanzmärkten Verträge gehandelt, deren Erwerb über den Kaufpreis hinaus zu weiteren Zahlungen verpflichtet oder berechtigt. Und dies in Abhängigkeit von Eintrittswahrscheinlichkeiten verschiedener Ereignisse. Es werden auf Finanzmärkten eben keine Sachgüter gehandelt, sondern Geldprodukte, welche wiederum mit anderen Finanztransaktionen unserer Wirtschaft verwoben sind.
Das fatale der Finanzkrise ist aus meiner Sicht, dass wir im nachhinein feststellen können, das das Risiko dieser Geschäfte zum Zeitpunkt des Zustandekommens dieser Geschäfte nicht ausreichend berücksichtigt wurde und somit auch nicht im Preis Berücksichtigung fand. Daraus folgte eine Asymetrie aus Gewinn und Kosten zwischen Staat und Banken. Die Händler bzw. die Banken und deren Eigentümer haben ihren Bonus bei Abschluss der Geschäfte erworben, während das Risiko, welches beim Platzen der Blase erst vollständig sichtbar wurde, von der Gesellschaft getragen werden musste, bzw. weiterhin getragen werden muss. Dies kann aus meiner Sicht als Externalisierung der Risikokosten verstanden werden.
Aus der Externalisierung der Kosten auf den Staat kann auf eine Subventionierung der Marktteilnehmer bei gleichzeitiger Benachteiligung (da Kostenträger) der Nicht-Marktteilnehmenden Individuen geschlossen werden. Während die Marktteilnehmer zu den Zeitpunkten der getätigen Transaktionen Gewinne einfuhren, müssen die nicht an diesen Transaktinen beteiligten Individuen zu einem späteren Zeitpunkt für die aus diesen Geschäften hervorgehenden Risiken aufkommen.
Ich kann nicht erkennen, wie hierauf die Annahme des Preises als Informationsträgers effizienter Märkter angewand werden könnte. Das Risiko war doch wie wir jetzt endgültig wissen gar nicht eingepreist und für die Kosten hieraus müssen die Marktteilnehmer nicht aufkommen.
Du sagts oben, die Regeln sind funktional. Das kann ich nicht erkennen. Zugegeben, mein Einwurf auf Deine Replik ist etwas aus dem Kontext geraten. Über eine Antwort würde ich mich dennoch freuen.
@Herr Tischer
Mir kommt es darauf an, dass ZUERST einmal erfasst wird, dass es sich bei Rechtssystem und Markt um ERRUNGENSCHAFTEN handelt, die einzigartige Qualitäten haben: Sie erlauben es ALLEN Menschen, autonom, freiwillig, friedlich und gleichberechtigt miteinander zu verkehren.
Errungenschaften müssen immer auch vor ihren historischen Kontext gesehen werden. Eine zu einem bestimmten Zeitpunkt als Errungenschaft empfundene Erfindung kann sich zu einem späteren Zeitpunkt als Katastrophe herausstellen. Um es in einer blumigen Sprache auszudrücken. Mich beschleicht die Vermutung, dass der Fluss, welchen wir ursprünglich als Transportweg unserer Waren entdeckten, sich inzwischen zu einem Wasserfall entwickelt hat, und uns alle mit hinunter reissen könnte. Bedenken Sie dabei auch 1929. Geschichte scheint sich zu wiederholen. Dabei können wir die Schuld aus den aus dem Marktversagen resultierenden gesellschaftlichen Unruhen nicht den Märkten an sich anlasten, denn sie sind nur Konstrukte unseres durch Recht geschaffenes Raumes, sondern allein den aus der Unerkenntnis über die Funktionsweise der Märkte diesen rechtlichen Raum schaffenden Menschen und denen, die es zuliessen, sofern sie es verhindern hätten können.
Also dieser Buiter…
Jungs und Mädels es bringt überhaupt nichts sich aufzuregen oder sich zu wehren die Jungs hier haben übernommen und sie werden den letzten rest Menschlichkeit aus euren Köpfen radieren und diesen Planeten zerstören..
http://www.youtube.com/watch?v=qNWmP6pdsnE
So eigendlich gibt es mehr nicht zu sagen darum wird der Nanuk jetzt verschwinden es hat spass gemacht war nett mit euch… und ich wünsche euch viel Glück… Gesundheit und was man sonst noch so an gutem wünschen kann… und den Babyboomern einen Herzlichen dank für eine Welt in Trümmer betet das Gott euch richten wird und kein Mensch.
@ceteris @tischer
In Ergänzung zu meinem letzten Post #67:
Da es sich bei Derivaten im Gegensatz zu den Sachgütern nur um Rechte hinsichtlich eines Zahlungsstromes handelt, liefert der Besitz eines solchen Gutes an sich noch keinen Wert, sondern nur die mittels Barwertmethode abgzinsten verbrieften möglichen Zahlungsströme unter Berücksichtung der im Gut verbrieften Bedingungen. Über die von den Transaktionsteilnehmern verwendeten mathematischen Formeln ergibt sich mE damit auch direkt der Preis der Derivate, da bei einem Unterschied zwischen errechneten Wert und Marktpreis ein Arbitrage Handel stattfindet, infolgedessen Preis und Wert wieder zusammenläuft.
Unter der Annahme, dass die Formeln das Risiko im Derivatgeschäft vor dem Crash nur unzureichend berücksichtigten, war die Preisbildung auf den Märkten für Derivate vom tatsächlichen Wert der gehandelten Güter abweichend. Da aber der tatsächliche Wert aufgrund unzureichenden Risikoberücksichtigung in den Formeln gar nicht ermittelt werden konnte, konnte somit auch der Unterschied zwischen Preis und tatsächlichen Wert nicht festgestellt werden.
In anderen Worten oder von einer anderen Seite betrachtet.
Unter der Fiktion, dass die Risiken des Finanz-Crash uns bereits vor 20 Jahren bewusst gewesen wären und dass aus der Erkenntnis hierüber der Staat oder eine sonstige Agentur eine Art ,,Risikoprämie” von den Akteuren der Finanzmärkte für jede Transaktion abverlangt hätte, die dem Risiko dieses Geschäfts entsprochen hätte, wäre die jetzige Krise der Versicherungsfall und der Staat würde seine ,,Leistung” als Anspruch aus der vormals von den Akteuren bezahlten Prämie nachkommen. Da dies aber nicht der Fall war, erhalten die Akteuer die Leistung aus einer Versicherungspolice für die sie keine Prämie bezahlt haben. Dies ist aus meiner Sicht eine Marktverzerrung zu Lasten der nicht an den Profiten des Finanzmarktes beteiligten Individuen.
zu #70
Wobei es mir bei dieser Betrachtung oben gar nicht mal so sehr um die Marktverzerrung an sich geht, sondern aus den daraus für die Gesellschaft folgenden Konsequenzen, welche unsere Vorfahren in den 30er Jahren in einer ähnlichen Konstellation bereits einmal erfahren mussten.
@guang #67
Kann man die Finanzkrise vielleicht nicht auch als empirischen Beweis dafür sehen, dass unsere Theorien über Märkte zumindest teilweise gescheitert sind?
Da darf ich dir im Namen Tischers entgegenhalten, dass Theorien nicht scheitern KÖNNEN. Bei einer Theorie handelt es sich nämlich nur um einen Text. Scheitern kann man nur, wenn man handelnd ein Ziel verfolgt. Das tun Theorien aber nicht, sondern allenfalls Handelnde berufen sich auf Theorien, um ihr Handeln sich oder anderen zu erklären, oder auch, um andere zu überzeugen, ihr Handeln nach eben diesen Theorien auszurichten. Das ist dann der Herdentrieb und da sind wir nahe dran an der Vermutung, dass eine Theorie gerade darum falsch werden kann, weil alle sie für richtig halten. Umgekehrt natürlich auch, Karl Marx kichert im Grabe – er hat gerade dann recht bekommen als er scheinbar “erledigt” war und die ewige Prosperität, ein Taschenspielertrick, möglich schien.
Aber es gibt für den Kapitalismus nicht nur die inneren Grenzen, gegen die er notwendig immer wieder stößt, und jedesmal härter, bis irgendwann die sozialen Folgen dieser Stöße von keinem marktexternen Faktor oder Akteur mehr aufgefangen werden können. Es gibt nicht nur diese Grenze, es gibt auch eine äußere, die ökologische. Ich wage nicht zu sagen, an welche Grenze er eher stoßen wird. Ich wage aber zu sagen, dass er seine Zukunft hinter sich hat.
@ Nanuk
Na, dann sollst Du zum Abschied auch ein Ständchen kriegen.
http://www.youtube.com/watch?v=Qf2S7kKLtEQ
Was ist, wenn kein Gott uns richtet und wir nur eine Ansammlung unglückseliger Versuchsaffen in einem kosmischen Laboratorium sind?
Pispers!
http://www.wdr.de/radio/wdr2/westzeit/detail.phtml?id=493439
@ ceteris # 66
>Eine Spielregel hat selbstverständlich einen Zweck, also ein Ziel, zunächst den, das Spiel selber funktional zu halten. Das gilt für die Abseitsregel wie auch für Marktregeln.>
Nein.
Die Spielregel hat selbstverständlich keinen Zweck und auch kein Ziel.
Es sind schlichtweg die Regeln – oder etwas emphatisch ausgedrückt: die LEISTUNGEN – dies oder das zu ermöglichen oder „funktional zu halten“, z. B. ein Fußballspiel.
In Ihrer # 72 sagen Sie ja auch richtig:
>Scheitern kann man nur, wenn man handelnd ein Ziel verfolgt.>
Spielregeln können nicht scheitern, genauso wenig wie Uhren scheitern können – eben weil sie nicht handelnd ein Ziel verfolgen.
Spielregeln sind TAUGLICH oder nicht – für UNSERE Ziele und Zwecke.
>Denn hinsichtlich der Spielregeln – aller Spielregeln, nicht nur der des Markts – ist ALLES richtig, solange es mit den Spielregeln vereinbar ist.
Das ist schlicht eine Tautologie.>
Das ist keine Tautologie.
Regeln eröffnen bestimmte MÖGLICHKEITEN, einen „Raum des Erlaubten“.
Was erlaubt ist, kann nicht falsch (verboten) sein. Im Recht begrifflich präziser: ist keine „unerlaubte Handlung“.
Wenn es nicht falsch sein kann, dann muss es richtig sein.
Das folgt, wenn man das Konzept „Spielregel“ analysiert.
Eine ganz andere Frage ist, ob wir mit bestimmten Spielregeln, z. B. denen des Marktes, unsere Ziele erreichen können – ob es also die richtigen Spielregeln sind, um unsere Ziele zu erreichen.
>Wenn man den Verlierern einfach nur sagt: “So sind halt die Spielregeln”, es aber immer mehr Verlierer gibt, dann hat das Spielgeschehen ein Problem, auch wenn die Regeln funktional scheinen.>
Richtig (wobei sie auch hätten sagen können „ … auch wenn die Regeln funktional sind“) – das SpielGESCHEHEN hat ein Problem oder besser: wir haben mit dem Spielgeschehen ein Problem.
Das heißt aber eben nicht, dass die SpielREGELN ein Problem haben, wie Sie ja selbst erkannt haben:
>Das hat nichts mit den Spielregeln zu tun, sondern mit den Bedingungen, unter denen gespielt wird …>
Mehr dazu habe ich im Thread nebenan gesagt.
@ guang # 67
>Errungenschaften müssen immer auch vor ihren historischen Kontext gesehen werden. Eine zu einem bestimmten Zeitpunkt als Errungenschaft empfundene Erfindung kann sich zu einem späteren Zeitpunkt als Katastrophe herausstellen.>
Ich würde es etwas anders formulieren:
Errungenschaften müssen immer auch vor ihrem historischen Kontext gesehen werden. Das, was zu einem bestimmten Zeitpunkt als Errungenschaft empfundene wurde, kann zu Ergebnissen führen, die wir nicht wünschen. Dann ist die Errungenschaft zwar immer noch eine Errungenschaft und keine Katastrophe, aber eine, die wir nicht mehr als tauglich für unsere DANN gesetzten Ziele und Zwecke ansehen.
Das könnte heute der Fall sein.
Wenn der Markt nicht mehr alle Menschen beschäftigen kann, die Arbeit haben wollen, dann ist das ein Ergebnis des Marktgeschehens, das wir uns nicht wünschen.
Die Frage ist dann tatsächlich, wie tauglich der Markt dann noch ist.
Die Antwort darauf hängt AUCH davon ab, ob und gegebenenfalls welche Wünsche er uns DARÜBER HINAUS ermöglicht.
@ froZ # 73
>Was ist, wenn kein Gott uns richtet und wir nur eine Ansammlung unglückseliger Versuchsaffen in einem kosmischen Laboratorium sind?>
Wer hat die Versuchsanordnung bestimmt?
Oder sind WIR es, die fortwährend an unglückseligen Versuchsanordnungen herumbasteln?
@Tischer
Wenn es nicht falsch sein kann, dann muss es richtig sein.
Soso, und mit dieser Aussage bestreiten Sie, dass Ihre Aussage eine Tautologie ist? Dieses Bestreiten ist dann allerdings das Gegenteil einer solchen: ein Widerspruch.
@ D. Tischer
“Wer hat die Versuchsanordnung bestimmt?”
Na, meine Nanuk hinterhergeschickte Frage war hier off topic, sie bezog sich nicht primär auf Institutionen und Spielregeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens, sondern auf die grundsätzliche Prekarität einer Existenz, die unausweichlich von Vergänglichkeit und Tod gezeichnet ist.
Und für DIESE Versuchsanordnung weise ich jegliche Verantwortung von mir; am liebsten täte ich sie einpacken und mitsamt einer Reklamation an den Hersteller zurückschicken, aber leider hat der seine Koordinaten nicht mitgeteilt…
@ ceteris
ich bestreite es nicht mit NUR dieser Aussage.
Ich habe “nicht falsch sein kann” nicht nur behauptet, sondern abgeleitet.
DESHALB ist “Wenn es nicht falsch sein kann, dann muss es richtig sein” zwar eine Tautologie, aber meine Begründung ist keine.
Und:
Ich habe NICHT gesagt, dass die Spielregeln richtig sein müssen, wenn/weil sie nicht falsch sind – und auch nicht umgekehrt – dass sie nicht falsch sein können, wenn/weil sie richtig sind (was auch eine Tautologie wäre)
Ich habe vielmehr gesagt, dass alles (im Sinn von: alle Handlungen) richtig sind, solange es/sie mit den Spielregeln vereinbar ist/sind.
Wenn ich von “Raum des Erlaubten” spreche, bezieht ich mich auf Handlungen – auf was denn sonst.
Sie doktern hier herum, ohne etwas zum Thema zu leisten.
@ceteris #72
Klar, Theorien können nicht scheitern, aber deren Anwendbarkeit für die Praxis kann als gescheitert gelten. Aus meiner Sicht hat die Finanzkrise nicht nur massiv soziale Schäden erzeugt, sondern auch die Ökonomie in Frage gestellt. Zu glauben, dass wir heute die Märkte besser verstünden als 1929 ist aus meiner Sicht Illusion. Die Probleme haben sich geändert. Das Umfeld ein anderes. Wie damals aber ist die Volkswirtschaftlehr nicht willens oder nicht in der Lage sich mit dem System kritisch auseinanderzusetzen.
Die aus unserem zügellosen Wirtschaften resultierenden Umweltschäden halte ich übrigens für grösser als die Schäden der Finanzkrise. Nur ist hier der time-lag ein längerer. Die Schäden sind daher noch nicht für jedermann sichtbar.
@Froz
“Was ist, wenn kein Gott uns richtet und wir nur eine Ansammlung unglückseliger Versuchsaffen in einem kosmischen Laboratorium sind?”
Sei froh das ich das nicht glaube sonst müste ich Morden!Weil es dann keinen Grund gibt moralisch zu handeln… also Rationale Atheisten ich kann warten… ihr nicht!
@froZ @nanuk
“Was ist, wenn kein Gott uns richtet und wir nur eine Ansammlung unglückseliger Versuchsaffen in einem kosmischen Laboratorium sind?”
LoL
In Sterntagebücher von Stanislaw Lem wird genau dies beschrieben. Unbedingt lesenswert, falls ihr das noch nicht gelesen habt.
@Nanuk
,,In einer weiteren Reise, die allerdings nur im Traum geschieht, vertritt Tichy die Erde bei der Organisation
der Vereinten Planeten. Dabei muss er feststellen, dass die biologische Ausstattung der Erdbewohner von den
Delegierten aus anderen Gegenden der Milchstraße als höchst mangelhaft, ja verkümmert und anomal eingestuft
wird. Die kurze Lebensdauer, die Ernährungsweise – das Verspeisen von wahrnehmenden Lebewesen geringerer
Intelligenz – und auch die geschlechtliche Fortpflanzungsmethode mit den sie begleitenden
Stimmungsschwankungen und Verirrungen finden unter den strengen Augen der Versammlung keine Gnade. Als
besonders disqualifizierend für das eiweißförmige Leben wird die Tatsache gewertet, dass die Menschen sich bis
zum heutigen Tag gegenseitig selbst zerstören – in zahlreichen Kriegen und Bürgerkriegen, die einen
beträchtlichen Teil der Wirtschaftsleistung verschlingen. Am Ende erfährt der bestürzte Abgeordnete, dass die
Entstehung einer solch ekelhaften biologischen Rasse nur durch die mutwillige Verschmutzung der eigentlich
unfruchtbaren Erde mit Aminosäuren möglich war.
Stanislaw Lem, Sterntagebücher
Quelle (PDF Datei): http://www.denkzettel-philosophie.de/artikel/denkzettel1/lem.pdf
@guang
http://www.youtube.com/watch?v=AXHlMBjq240
Hier das ganze für die Jugend!
@guang
http://www.youtube.com/watch?v=lqMcol9QdT0
@Nanuk
Bad Religion , hatte ich fast schon vergessen. Cooler Song. Danke für den Link.
Was mir auch noch dazu einfällt, Gechichte wird gemacht von Fehlfarben.
http://www.youtube.com/watch?v=3ckAlX7mSno
Ton, Stein und Scherben. “Macht kaputt, was Euch kaputt macht!”
http://www.youtube.com/watch?v=UwE8dlRnsio&feature=related
Oder auch ,,Keine Macht für Niemand”
Mein name ist Mensch
http://www.youtube.com/watch?v=lw7s0B2zfVw&feature=related
@Wat.
Ich weiss nicht, ob Du dies hier noch lesen wirst. Falls ja, kannst Du Dich vielleicht auch noch daran erinnern, dass Du in einer Konversation einmal vermuteste, dass Guang ein alter Mann sei, weil Herr Brummel, ja auch bereits schon pensioniert sei. Die Antwort war, glaube ich, guang ist 2500 Jahre alt. Ich hatte mich geirrt. Mensch ist bereits 10.000 alt!
Ton Steine Scherben – Mein Name ist Mensch
Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=iRRnioXUTfk
Weil ohne Quelle glaubt mir das hier ja keiner.
@Nanuk
Wir hier in einem kosmischen Laboratorium?
Na, das war doch eh klar, oder?
http://www.youtube.com/watch?v=LyzIau5dBao
And ….. Ending Part II !
http://www.youtube.com/watch?v=5RYNVqmWYlk&NR=1
@unwissender
Tja das muss die Wissenschaft erstmal wiederlegen… die ja bekanntlich alles weiß bzw alles wissen kann.
Die haben jetzt auch festgestellt das Sarrazin ein Arschloch ist…
“Der Politologe des Moses-Mendelssohn-Zentrums in Potsdam hatte frühere abwertende Äußerungen Sarrazins über Türken und Araber in Berlin, denen er zu großen Teilen die Leistungs- und Integrationsbereitschaft abspricht, als «eindeutig rassistisch» eingestuft. Dieses Gutachten hält der SPD-Politiker nun intellektuell und moralisch für unsauber und schleimig, gibt ihn die «Süddeutsche Zeitung» wieder.”
http://de.news.yahoo.com/26/20100302/tde-sarrazin-riskiert-mit-provokationen-e7455f6.html
Dabei müste man ihn nur ohne Polizeischutz zu besagten Randgruppen bringen.Die würden dann dem Sarrazin erklären das er unwertes Leben ist zwar moralisch unsauber aber hey…
Stell ich mir äusserst amüsant vor Heinsohn und Sarrazin erklären dem tobendem Mob eine Dachlatte sei Moralisch unsauber…
Hier noch ein passendes Interview mit Helmut Schmidt.
Gestern Abend im BR!
http://www.br-online.de/podcast/video-download/bayerisches-fernsehen/mp3-download-podcast-muenchner-runde_video.shtml
http://www.youtube.com/watch?v=aBQUOsvm-ss
Goodnight Lovers
Here, somewhere in the heart of me
There is still a part of me
That cares
And I’ll, I’ll still take the best you’ve got
Even though I’m sure it’s not
The best for me
When you’re born a lover
You’re born to suffer
Like all soul sisters
And soul brothers
I, I can see the danger signs
They only help to underline
Your beauty
I’m not looking for an easy ride
True happiness cannot be tried
So easily
When you’re born a lover
You’re born to suffer
Like all soul sisters
And soul brothers
Like all soul sisters
And soul brothers
You can take your time
I’ll be waiting in line
You don’t even have to give me
The time of day
When you’re born a lover
You’re born to suffer
Like all soul sisters
And soul brothers
Like all soul sisters
And soul brothers
Words by Martin L. Gore (c) 2001 Grabbing Hands Music Ltd./EMI Music Publishing Ltd
Looking Forward
@unwissender
Die haben auch nicht verstanden das die Banken mit unserem Geld gegen uns wetten…
@ Nanuk
fast jeder der Geld längerfristig anlegt, wettet gegen sich selber. Schon immer. Seit 1986, absolut beschleunigt. Greenspan machte es möglich.
Es ist alles gegen alles versichert. Win Win
Reach out and touch the face
@Tischer
Sie doktern hier herum, ohne etwas zum Thema zu leisten.
Der war gut, ich sehe, Sie haben doch Humor!
@Herr Tischer
,,Das könnte heute der Fall sein.
Wenn der Markt nicht mehr alle Menschen beschäftigen kann, die Arbeit haben wollen, dann ist das ein Ergebnis des Marktgeschehens, das wir uns nicht wünschen.
Die Frage ist dann tatsächlich, wie tauglich der Markt dann noch ist.
Die Antwort darauf hängt AUCH davon ab, ob und gegebenenfalls welche Wünsche er uns DARÜBER HINAUS ermöglicht.”
Einverstanden. Nur die letzte Antwort würde ich ändern :
Die Antwort darauf hängt AUCH davon ab, ob und gegebenenfalls, ob diejenigen welchen einen Nutzen aus dem Markt ziehen, bereit sind mit denen, welcher der Markt diesen Nutzen vorenthält ein neues Bündnis zu schliessen, welches ein Gleichgewicht des Nutzen zwischen den Menschen in der Gesellschaft wiederherstellt UND sofern es eine andere geschellschaftliche Gruppe aussen diesen am Marktgeschehen teilhabenden Individuen im Lande gäbe, die dazu beitragen könnte, ein solches Gleichgewicht des Nutzen zwischen den Menschen wiederherzustellen, diese auch bereit wäre, sich hierfür einzusetzen. Bitten sehen Sie hierzu, falls es ihre Zeit erlaubt, das oben im Link angebene Interview von Helmut Schmidt in der Münchener Runde. Erster Teil des Interviews, der sich auf die Wirtschaftlage in Europa bezieht, spricht aus meiner Sicht genau diesen Punkt an.
@Tischer
Ursprünglich von Unwissender #94 verlinkt. Hier noch mal:
http://www.br-online.de/podcast/video-download/bayerisches-fernsehen/mp3-download-podcast-muenchner-runde_video.shtml
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:griechenland-krise-ezb-will-ratingagenturen-beschneiden/50083093.html
Liegt’S wirklich an Moody’s? Oder an den abgewrackten Griechen, die man unter die Eurodecke hat kriechen lassen? Don’t shoot the messenger…
@guang # 89
“Ich weiss nicht, ob Du dies hier noch lesen wirst. Falls ja, kannst Du Dich vielleicht auch noch daran erinnern,…”
Warum sollte ich nicht (mehr) lesen, habe keine diesbezügliches ‘Gelübde’ abgelegt und verlernen geht wohl auch nicht so ohne weiteres
Ich weiß sogar wo es stand:
http://www.weissgarnix.de/2010/01/21/die-droge-der-okonomie/#comment-52046
und da war ‘der Gute’ 2.400 Jahre alt.
Btw. die Fragen an ‘Herrn Brummel’ stehen ja noch im Raum’, vielleicht dauert das ja nun auch statt 2.400 oder 2.500 eben 10.000 Jahre – da brauche wenigstens ich diese Antworten wohl nicht mehr…
http://www.weissgarnix.de/2010/01/21/die-droge-der-okonomie/#comment-52032
Es ging zb. um die wohl erste Nachfolge-Generation, die keine Vorgänger-Generation hat(te), die wollte, daß es Ihren Kindern besser geht…
(Scheint mir aber nicht nur aus soziologischer Sicht nach wie vor interessant)
@Wat.
Ich bin wirklich beeindruckt.
In den letzten Tagen ist hier, so scheint mir, ein kleines Chaos ausgebrochen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Du diesen Kommentar in den Wogen hier findest. Heute morgen fielen mir ein paar alte Liedtexte von Ton, Stein und Scherben ein. Ich heisse Mensch. Keine Macht für Niemand. Da musste ich an einen Deiner vorherigen Kommentare denken. Klar, ein paar Antworten des Herrn Brummel stehen noch aus. Bevor ich aber nicht die Antworten weiss, ist schweigen wahrscheinlich besser.
@ guang – es geht ja gar nicht immer um die ‘perfekte Antwort’ – wer hat die schon.
Wenn das jemand nicht nur in Teilbereichen, und auch da wäre ich skeptisch, von sich behauptet, der hat schon das(!) Problem mit: “Ich heiße Mensch”.
‘Er’ würde sich dann jedenfalls mE nur so bezeichnen, aber als ‘göttergleich’ gesehen werden wollen.
Und da liegt nun mal der ‘Hund begraben’…
Nein, keine Sorge, ich fange nicht wieder damit an – wünsche nur jedem(!), daß er derjenige ist, der dem jeweils anderen Respekt gibt und dafür dann berechtigt Respekt ‘erntet’.
Daß ich dafür im freundlichsten Fall ‘belächelt’ werde, damit ‘lebe’ ich.
@Wat.
,,Wenn das jemand nicht nur in Teilbereichen, und auch da wäre ich skeptisch, von sich behauptet, der hat schon das(!) Problem mit: “Ich heiße Mensch”.”
Kann natürlich sein, dass ich den Text falsch interpretiert habe.
Ich dachte es wäre so gemeint, dass Menschen Menschen unterdrücken, dass aber Unterdrückte wie Unterdrücker Menschen seien. Ich hatte es nicht so verstanden, dass Rio Reiser sich damit selber meinte. Aber okay, ich habe den Typen nie persönlich kennengelernt und später brachte er auch ganz seltsame lieder heraus.
Ein anderer Aspekt dabei.
Aus meiner Sicht gabe es in der BRD seit den 80er Jahren eine Protestbewegung, die zumindest teilweise ehrlich war. Wir können uns nicht anmaßen zu glauben, dass wir die ersten sind, die irgendetwas ändern wollen. Protest, mal euphorisch und mal depressiv zurückgezogen, gab und gibt es seit vielen Jahren. Trotzdem haben die Probleme hier massiv zu genommen. Ich glaube, ich habe diesen Gedanken bereits schon einmal gepostet, wenn man es aufrichtig meint, braucht man einen sehr langen Atem. Wir sollten nicht glauben, dass sich hier schnell etwas ändert. Generationen vor uns sind hierüber alt geworden.
@Tischer
Wenn Sie den Faden hier eindampfen
und die Sätze von ceteris nicht übrig bleiben,
haben Sie beim Umrühren etwas falsch gemacht…
@guang – Ich meinte einfach irgendwelche ‘Personen’, nicht Rio Reiser…
Ansonsten lasse ich den Satz von @Andreas Kreuz # 106 besser wirken und (zer-)schreib jetzt hier mal nix in einer Unterhaltung mit Dir
@ froZ # 79
>Na, meine Nanuk hinterhergeschickte Frage war hier off topic, sie bezog sich … die grundsätzliche Prekarität einer Existenz, die unausweichlich von Vergänglichkeit und Tod gezeichnet ist.>
Hatte ich auch so verstanden.
Nur als Anmerkung:
Grundsätzliche Prekarität einer Existenz, WEIL die Existenz unausweichlich von Vergänglichkeit und Tod gezeichnet ist?
Ich weiß nicht, ob Sie dies meinen.
Wenn so, dann stelle ich dazu fest:
Die unausweichliche Vergänglichkeit und der Tod sind das NATÜRLICHSTE und SELBSTVERSTÄNDLICHSTE, das es gibt.
Warum sollte man daraus auf eine PREKARITÄT der Existenz schließen?
PS:
Ich amüsiere mich immer, wenn ich lese, dass dieser oder jener Politiker in die Geschichte bzw. Geschichtsbücher eingehen wolle.
Damit ist ein „pathologisches“ Verständnis von Geschichte verbunden.
Ganz sicher wird z. B. Kohl und die Deutsche Wiedervereinigung in x Jahren gerade noch mal eine Fußnote mit maximal 2 Sätzen in den Geschichtsbüchern sein.
Daran lässt sich dann ablesen, wie sie als Politpriemel eingegangen sind in die Geschichte.
Aber OT, müssen wir nicht vertiefen.
@ Andreas Kreuz
Ich habe die # 66 von ceteris mit # 75 INHALTLICH beantwortet.
Zum Formalen habe ich in # 80 geantwortet.
Ich haben nichts mehr umzurühren.
Wenn Sie das anders sehen, müssen Sie das bitte deutlich aussprechen.
@Dietmar Tischer
ther’s is someone in my head, but it’s not me!
Pink Floyd
Brain Damage
The dark side of the moon
http://www.pinkfloyd-forum.de/lyrics/lyrics_ausgabe.asp?ID_a=8&Id_t=199&s=ed
@ guang # 99
Zur Tauglichkeit des Marktes:
>Die Antwort darauf hängt AUCH davon ab, ob und gegebenenfalls, ob diejenigen welchen einen Nutzen aus dem Markt ziehen, bereit sind mit denen, welcher der Markt diesen Nutzen vorenthält ein neues Bündnis zu schliessen, welches ein Gleichgewicht des Nutzen zwischen den Menschen in der Gesellschaft wiederherstellt UND sofern es eine andere geschellschaftliche Gruppe aussen diesen am Marktgeschehen teilhabenden Individuen im Lande gäbe, die dazu beitragen könnte, ein solches Gleichgewicht des Nutzen zwischen den Menschen wiederherzustellen, diese auch bereit wäre, sich hierfür einzusetzen>
Davon hängt die Tauglichkeit des Marktes nicht ab.
Was Sie hier einbringen ist die KONSEQUENZ, wenn man den Markt als NICHT tauglich bewertet und das Marktgeschehen durch KOLLEKTIVISTISCHE Alternativen ersetzt, in Ihren Worten:
>… ein neues Bündnis zu schließen …“
Wir machen das ja durch Politik pausenlos mit Lösungen, bei denen wir den Markt teilweise, weitgehend oder ganz ausschließen.
Beispiel:
Menschen kommen in eine Situation, die man als Marktergebnis bezeichnen kann.
Wir überlassen sie nicht weiter NUR dem Markt, sondern kompensieren diese Situation mit Hartz IV.
Das ist die Lösung durch ein gesellschaftliches Bündnis.
Ich habe im Prinzip nichts dagegen, verweise nur auf ein paar Aspekte:
Endlose Diskussionen über Abstandsgebot, Sätze, Sondersituationen, Nachbessern … dazu Aggression auf den Ämtern, Tricksereien, Berechnungsfehler – und selbstverständlich, wie kann es anders sein, Hunderttausende von Fällen der Unsicherheit und des Wartens, die von Gerichten geklärt werden müssen …
Nichts als Missmut bei praktisch allen direkt oder indirekt Beteiligten und Betroffenen.
Ich will damit NICHT den Markt gegen „gesellschaftliche Bündnisse“ ausspielen, darf aber darauf hinweisen, dass der Markt ohne solche offensichtlich nicht verhinderbare „Begleiterscheinungen“ von Bündnislösungen zu Ergebnissen kommt.
Das nur zum Nachdenken, auch mal nichttheoretisch über das Thema „Effizienz der Märkte“ …
@Tischer
“DEN Markt”, den Sie hier unhinterfragt als prima causa, die Begriffe offensichtlich für Sie sind, anführen, gibt es jenseits dieses Begriffs/Konzepts gar nicht. D.h. wenn Sie über ein KONZEPT Markt reden wollen, reden Sie im Wolkenkuckucksheim über Nimmerland oder über die ebenso gearteten Phantasien seiner liberalen Theoretiker. Märkte sind gesellschaftliche, sehr konkrete, aber (darum) auch sehr verschieden funktionierende Medien, was sich schon an den verschiedenen Voraussetzungen zeigt, die die Teilnehmer mitbringen und den Folgen davon. Dies nur als Hinweis. Märkte kommen darum auch nicht zu “Ergebnissen”, sie haben allenfalls Folgen. Ein “Ergebnis” eines Marktes wäre sein Ende. Das Konzept “des” Marktes ist aber das perpetuum mobile. Und dieses Konzept des perpetuum mobile funktioniert eben nicht für das liberal-kapitalistische wachstums-basierte Markt-Verständnis, das mehr Ideologie als Realität ist. Wie jeder wissen kann, und meist auch weiß, der sich mit Realitäten und nicht mit der formalen Unrichtigkeit einzelner Darlegungen der Konsequenzen daraus befasst.
@ D. Tischer
“Warum sollte man daraus auf eine PREKARITÄT der Existenz schließen?”
Nicht Prekarität in dem inzwischen etablierten und auf gesellschaftliche Entkopplung bezogenen Sinne, sondern so wie mir jedenfalls der alte vorreformatorische Duden allgemeiner sagt: “prekär” bezieht sich auf eine “mißliche”, “gefährdete” Lage. Es kommt ja wohl aus dem Französischen, und da beginnt der Wikipedia-Eintrag zu precarite wie folgt (ohne accents):
“La precarite c’est une forte incertitude de conserver ou recuperer une situation acceptable dans un avenir proche.”
… was ich mit meinem rudimentären Französisch wie folgt übersetzen würde:
“Prekarität ist eine starke Ungewißheit, in der näheren Zukunft einen akzeptablen Zustand erhalten oder wiedererlangen zu können.”
Und das trifft es doch auch jenseits der sozialökonomisch bedingten Ungewißheit ganz gut, oder?
@ unwissender
Am besten war Pink Floyd, bevor Roger Waters begann, die Krankheitsgeschichte von Syd Barrett zu vermarkten (und als sie gelegentlich noch richtig gute Sänger verpflichtet hatten):
http://www.youtube.com/watch?v=X1wON-tWm5g&feature=related
Aber hören wir den Genius selbst…
http://www.youtube.com/watch?v=Cq3lh_evVBs
Der aktuelle Liberale, etwa im Sinne der FDP, ist entweder naiv oder Zyniker. Oder sogar beides, denn die scheinbar paradoxe Charakterisierung “naiver Zyniker” scheint mir sogar am besten zu passen.
“Prekarität ist eine starke Ungewißheit, in der näheren Zukunft einen akzeptablen Zustand erhalten oder wiedererlangen zu können.”
Und das trifft es doch auch jenseits der sozialökonomisch bedingten Ungewißheit ganz gut, oder?
Aber sicher trifft es das, lieber @froZ, hat es schon immer und überall getroffen. Wir sind alle “Prekariat”, deren einzige Zukunftsgewissheit der Tod ist.
Und??
@ ceteris
“Und??”
Ja, ich bin da auch ratlos. Zum Katholizismus konvertieren wäre eine Möglichkeit. Das Dumme ist bloß: An Jesus möchte ich wohl glauben, nur seinem alten Herrn traue ich nach der Lektüre des Alten Testamentes nicht mehr über den Weg.
Aber morgen will ich Dir gern noch auf Deinen letzten Kommentar in dem ersten BGE-Thread antworten.
@ ceteris
>“DEN Markt”, den Sie hier unhinterfragt als prima causa, die Begriffe offensichtlich für Sie sind, anführen, gibt es jenseits dieses Begriffs/Konzepts gar nicht>
Stimmt.
Um diese Aussage jedoch treffen zu können, muss man sich ZUERST einmal mit dem Konzept befassen.
>D.h. wenn Sie über ein KONZEPT Markt reden wollen, reden Sie im Wolkenkuckucksheim über Nimmerland oder über die ebenso gearteten Phantasien seiner liberalen Theoretiker>
Merken Sie, wer hier PHANTASIERT?
@ froZ
Prekarität der Existenz also:
Eine starke Ungewißheit der Existenz, in der nähreren Zukunft einen akzeptablen Zustand erhalten oder wiedererlangen zu können – und diese Ungewissheit soll unausweichlich von Vergänglichkeit und Tod gekennzeichnet sein.
Verstehe ich nicht.
Ich verstehe lediglich, dass die Menschen kein Wissen darüber haben, ob sie nach Tod und Vergänglichkeit noch eine wie immer geartete Existenz haben oder nicht.
Daraus ein PROBLEM zu machen, halte ich für überflüssig.
Entweder
– meine Position – ist dieses Nichtwissen IRRELEVANT für die Existenz, weil Tod und Vergänglichkeit die Existenz beenden (und vorher FAKTISCH keine Rolle spielen) bzw. erst NACH der Existenz eintreten
oder
abwarten – und „sehen“.
@Tischer
“– meine Position – ist dieses Nichtwissen IRRELEVANT für die Existenz, weil Tod und Vergänglichkeit die Existenz beenden (und vorher FAKTISCH keine Rolle spielen) bzw. erst NACH der Existenz eintreten ”
Die kann ja garnicht Irrelevant sein weil sie ja eine Gewissheit ist wenn nicht sogar die Einzige am Anfang deines Lebens. Du kannst ja nicht so tun als gäbe es das Ende nicht… ich weiss ja nicht wieviele Menschen du schon zu Grabe getragen hast aber spätestens dann merkst du den Bezug zum Leben.
sry couldn´t resist
Daran sieht man im übrigen wunderbar das Logik ab einem gewissen Punkt antiaufklärerisch wird…
OT, nur weil ihr hier gerade so schön über den Tod philosophiert.
Aus der Apologie des Sokrates:
“Laßt uns aber auch so erwägen, wieviel Ursache wir haben zu hoffen, es sei etwas Gutes. Denn eins von beiden ist das Totsein: entweder so viel als nichts sein noch irgend eine Empfindung von irgend etwas haben, wenn man tot ist; oder, wie auch gesagt wird, es ist eine Versetzung und Umzug der Seele von hinnen an einen andern Ort. Und es ist nun gar keine Empfindung, sondern wie ein Schlaf, [40d] in welchem der Schlafende auch nicht einmal einen Traum hat, so wäre der Tod ein wunderbarer Gewinn. Denn ich glaube, wenn jemand einer solchen Nacht, in welcher er so fest geschlafen, dass er nicht einmal einen Traum gehabt, alle übrigen Tage und Nächte seines Lebens gegenüberstellen und nach reiflicher Überlegung sagen sollte, wieviel er wohl angenehmere und bessere Tage und Nächte als jene Nacht in seinem Leben gelebt hat, so glaube ich, würde nicht nur ein gewöhnlicher Mensch, sondern der Großkönig selbst finden, dass diese sehr leicht zu zählen sind gegen die übrigen Tage und Nächte. [e] Wenn also der Tod etwas solches ist, so nenne ich ihn einen Gewinn, denn die ganze Zeit scheint ja auch nicht länger auf diese Art als eine Nacht. Ist aber der Tod wiederum wie eine Auswanderung von hinnen an einen andern Ort, und ist das wahr, was gesagt wird, dass dort alle Verstorbenen sind, was für ein größeres Gut könnte es wohl geben als dieses, ihr Richter? Denn wenn einer, in der Unterwelt angelangt, nun dieser sich so nennenden Richter entledigt, [41a] dort die wahren Richter antrifft, von denen auch gesagt wird, dass sie dort Recht sprechen, den Minos und Rhadamanthys und Aiakos und Triptolemos, und welche Halbgötter sonst gerecht gewesen sind in ihrem Leben, wäre das wohl eine schlechte Umwanderung? Oder auch mit dem Orpheus umzugehen und mit Musaios und Hesiodos und Homeros, wie teuer möchtet ihr das wohl erkaufen? Ich wenigstens will gern oftmals sterben, wenn dies wahr ist. [b] Ja, mir zumal wäre es ein herrliches Leben, wenn ich dort den Palamedes und Aias, des Telamon Sohn, anträfe, und wer sonst noch unter den Alten eines ungerechten Gerichtes wegen gestorben ist: mit dessen Geschick das meinige zu vergleichen, das müßte, glaube ich, gar nicht unerfreulich sein. Ja, was das Größte ist, die dort eben so ausfragend und ausforschend zu leben, wer unter ihnen weise ist, und wer es zwar glaubt, es aber nicht ist. Für wieviel, ihr Richter, möchte das einer wohl annehmen, den, welcher das große Heer nach Troia führte, auszufragen, [c] oder den Odysseus oder Sisyphos, und viele andere könnte einer nennen, Männer und Frauen: mit welchen dort zu sprechen und umzugehen und sie auszuforschen auf alle Weise eine unbeschreibliche Glückseligkeit wäre! Gewiß werden sie einen dort um deswillen doch wohl nicht hinrichten. Denn nicht nur sonst ist man dort glückseliger als hier, sondern auch die übrige Zeit unsterblich, wenn das wahr ist, was gesagt wird.”
Übersetzung, Schleiermacher, 1805
http://www.textlog.de/platon-sokrates-hoffnungen-tod.html
@Tischer
Merken Sie, wer hier PHANTASIERT?
Keiner. Die “Idee” des Marktes ist so schlicht, dass sich weitere Auseinandersetzungen darüber ebenso erübrigen wie über jede andere Tautologie:
1. Nachfrage und Angebot bestimmen den Preis.
2. Der Preis bestimmt Nachfrage und Angebot.
Bedeutung bekommt dieses Konstrukt erst, wenn es als Regelelement in REALEN Prozessen verstanden wird, in der Zeit, in bestimmten gesellschaftlichen, produktionstechnischen, ökologischen etc. Verhältnissen und Situationen.
DARUM kann das Debattieren über den “Markt an und für sich” nur eine Phantasterei sein, ebenso, reale Verhältnisse daran messen zu wollen, in wie weit sie den “idealen” Marktbedingungen entsprechen. (cf. Mises, Hayek & Co)
@froZ #116
Ja, ich bin da auch ratlos. Zum Katholizismus konvertieren wäre eine Möglichkeit.
Auch das ist keine Möglichkeit. Bendedikt XVI hat nämlich, weil er manchmal mehr sagt als er sollte, etwas sehr Richtiges zu bedenken gegeben: Ob wir überhaupt wissen, was wir meinen, wenn wir uns das Ewige Leben vorstellen? Ob nicht ewig leben zu müssen, die schlimmste Hölle wäre. Das ist mal ein guter Gedanke zum Thema Tod, den man, weil päpstlich, wohl sogar einen katholischen nennen darf. [Quelle leider nicht zur Hand]
Nochmal zum Liberalismus:
Mit seiner Staat/Markt Dualität hat er sich einen unfehlbaren Mechanismus geschaffen: alles Gute kommt vom Markt, alles Schlechte vom Staat. Das wird bis zur Parodie in der Aussage von Spekulanten zur Finanzkrise deutlich, die die scheinbare chuzpe haben zu behaupten, der Staat hätte eben besser regulieren müssen, sie hätten nur unschuldig als nutzenoptimierende Marktteilnehmer agiert. Und, nach liberaler Glaubenslehre argumentieren sie da vollkommen konsequent.
Mit dieser Konstruktion ist der Liberalismus sozusagen “immunisiert” und in dieser Immunisierung wird er als Ideologie kenntlich, das macht die Ideologie aus, dass sie den Schuldigen immer schon parat hat.
@ceteris
Das ist Babylonische Sprachverwirrung das “ewige Leben” ist ja nichts Irdisches… und somit hat er recht das wir es uns falsch Vorstellen.
@ ceteris
Man muß sich die Ewigkeit nun sicher nicht so vorstellen wie die Zeugen Jehovas, denen zufolge dereinst ja freundliche und durchaus körperliche Krawattenträger neben grasfressenden Löwen auf einer befreiten Erde leben werden.
Und selbst wenn man das Leben als Kredit auffaßt, der irgendwann getilgt werden muß: Die fortwährenden Zinszahlungen bis dahin sind eine Zumutung; man könnte geradezu von einer aufgezwungenen Zinsknechtschaft reden.
Aber gut, das soll es dazu gewesen sein. Wollte ja keine abschweifende Debatte dazu ins Leben rufen; da wende ich mich lieber an einen Geistlichen.
@ Nanuk
>Du kannst ja nicht so tun als gäbe es das Ende nicht… ich weiss ja nicht wieviele Menschen du schon zu Grabe getragen hast aber spätestens dann merkst du den Bezug zum Leben.>
Natürlich betrifft und verändert der Tod von nahestehenden Menschen jedermanns Leben, selbstverständlich auch meines.
Das ist als solches eine Banalität, neben der Sache.
Es geht darum, dass MEIN Tod FAKTISCH – als Ereignis – in MEINER Existenz ( in meinem Leben) nicht stattfindet.
DESHALB ist er für meine EXISTENZ kein Problem.
Ich habe es Ihnen schon einmal gesagt:
Sie sind viel zu sehr auf youtube fixiert.
Deshalb wird, was Diskussionen betrifft, auch nichts mit Ihnen, weder im Leben noch nach dem Tod.
Damit ist auch für mich diese Debatte beendet.
@ ceteris
>Die “Idee” des Marktes ist so schlicht, dass sich weitere Auseinandersetzungen darüber ebenso erübrigen wie über jede andere Tautologie:
1. Nachfrage und Angebot bestimmen den Preis.
2. Der Preis bestimmt Nachfrage und Angebot.>
Angebot, Nachfrage, Preis – die REDUKTION auf Kurven und Schnittpunkte – das ist eben NICHT die IDEE des Marktes.
Die Idee oder besser das KONZEPT Markt beschreibt ein – nur EIN – Verfahren, wie in einer Gesellschaft wirtschaftliche Aktivitäten organisiert werden können.
Mit seinen IMPLIKATIONEN, wie freiwillig, kooperativ, friedlich etc. ist dieses Verfahren, wie jedes andere mit dessen Implikationen KONSTITUTIV für die Gesellschaft, die sich seiner bedient.
Wenn Sie das nicht begreifen können oder wollen, kann ich Ihnen nicht helfen.
@Tischer
“Es geht darum, dass MEIN Tod FAKTISCH – als Ereignis – in MEINER Existenz ( in meinem Leben) nicht stattfindet.”
Man hast du ein schönes Leben ich bin schon tausend Tode gestorben…und irgendwie immer wieder auferstanden…
Aber es bringt hier überhaupt nichts den Streit zwischen einem Empiristen und einem Rationalisten vom Zaun brechen zu wollen wir werden uns nie einigen…
“Es geht darum, dass MEIN Tod FAKTISCH – als Ereignis – in MEINER Existenz ( in meinem Leben) nicht stattfindet.”
Aber das STERBEN ist meist recht real und wahrnehmbar. Und DAVOR haben doch so einige mehr Angst…
@Tischer
Wenn Sie das nicht begreifen können oder wollen, kann ich Ihnen nicht helfen.
Ich kann “das” nicht begreifen, weil ich nicht weiß “was” Sie damit eigentlich gesagt haben wollen.
Dass jedes Marktgeschehen Implikationen hat, d.h. jeder Markt in einer bestimmten Situation/Gesellschaft existiert (wie freiwillig, kooperativ, friedlich), ohne die von dem Konzept Markt eben nur die Tautologie übrigbleibt?
Nichts anderes habe ICH gesagt, und ich verstehe ganz gut was ich selber sage, auch wenn Sie mich nicht verstehen.
Was Sie des weiteren sagen, halte ich für unzureichend:
Die Idee oder besser das KONZEPT Markt beschreibt ein – nur EIN – Verfahren, wie in einer Gesellschaft wirtschaftliche Aktivitäten organisiert werden können.
Der Markt bezieht sich einzig auf den Austausch, nicht auf “wirtschaftliche Aktivitäten” allgemein, er ist also eine Form, den Austausch von Gütern und Leistungen zu organisieren, eben über Preis, Nachfrage, Angebot. Mehr nicht. Die eigentliche Produktionstätigkeit wie die eigentliche Konsumtionstätigkeit (also die Verwendung des auf dem Markt Erworbenen) können gar nicht marktförmig stattfinden, weil sie kein Austausch (Kauf/Verkauf) sind, obwohl sie auch wirtschaftliche Aktivitäten sind, sogar die primären. Es gibt auch Gesellschaften, in denen nur der Überschuss auf Märkten gehandelt wird, wohingegen in der unsrigen fast ausschliesslich FÜR den Markt produziert wird. Das ist dann aber MEHR als nur das Konzept des Marktes, nämlich eine bestimmte Nutzung dieses Konzepts.
Wenn Sie das nicht begreifen… s.o.
Sicherlich interessante Lektüre für alle, die Geld haben.
In Bibliotheken wird dieses Ding nicht auftauchen. Also für die Mehrheit nicht einsehbar.
Der Forumsbetreiber sollte Realitäten wahrnehmen.
Und noch ein allgemeiner Hiweis:
Irgendwo habe ich hier gelesen, daß dem Betreiber die Meinungen seiner Leserschaft egal sind.
Jeder hier sieht aber in den letzten Wochen verstärkte Löschungen von Beiträgen.
Das ist ein Widerspruch, den nur der Betreiber erklären kann.
Danke für die Aufmerksamkeit.
@Prof. h.c.
Für einen Prof kennen Sie sich in Bibliotheken aber wenig aus. Viel Spaß beim Stöbern: https://opacplus.bsb-muenchen.de/InfoGuideClient/singleHit.do?methodToCall=showHit&curPos=7&identifier=-1_FT_226709553
@ ceteris
Letzter Anlauf.
>Ich kann “das” nicht begreifen, weil ich nicht weiß “was” Sie damit eigentlich gesagt haben wollen.
Dass jedes Marktgeschehen Implikationen hat, d.h. jeder Markt in einer bestimmten Situation/Gesellschaft existiert (wie freiwillig, kooperativ, friedlich), ohne die von dem Konzept Markt eben nur die Tautologie übrigbleibt?>
Sie können „das“ nicht begreifen, weil Sie nicht zwischen KONZEPT Markt und REALITÄTSBEZOGENEM Marktgeschehen unterscheiden können.
Ich meine das KONZEPT „Markt“ und dessen SPEZIELLE Implikationen, also das als konstitutiv prägende freiwillige, kooperative, friedliche Handeln etc. – unabhängig von einer bestimmten Situation/Gesellschaft.
Das sind andere Implikationen als z. B. beim KONZEPT „Zentrale Verwaltungswirtschaft“, zu dessen speziellen Implikationen es gehört, in den Planungsunterlagen nachzuschauen, was als Soll vorgegeben ist – ebenfalls unabhängig von einer bestimmten Situation/Gesellschaft.
Das sind auch andere Implikationen als z. B. beim KONZEPT „Knarre im Genick“, zu dessen speziellen Implikationen es vermutlich gehört, auf Befehl zu handeln – ebenfalls unabhängig von einer bestimmten Situation/Gesellschaft.
SOLCHE Konzepte können sich auf REALES Wirtschaften beziehen, d. h. bestimmte Situationen und/oder Gesellschaften.
Beim Markt ist es das Marktgeschehen.
Im 19. Jahrhundert könnte es sich z. B. auf den Bau von Eisenbahnlinien beziehen, im 20. Jahrhundert auf den Bau von Autobahnen und im 21. Jahrhundert auf den Bau von Flughäfen.
Analogie:
Zahlentheorie („reine“ Mathematik) entspricht Konzept Markt.
Berechnungen in der realen Welt (Steuererklärung, Grundfläche Haus etc.) entsprechen Marktgeschehen.
Da sie den UNTERSCHIED nicht erkennen können, reden Sie beim Konzept Markt fälschlicherweise immer von Tautologie.
>Die eigentliche Produktionstätigkeit wie die eigentliche Konsumtionstätigkeit (also die Verwendung des auf dem Markt Erworbenen) können gar nicht marktförmig stattfinden, weil sie kein Austausch (Kauf/Verkauf) sind…>
Ich habe nicht das Gegenteil behauptet.
Selbstverständlich ist Mauern mit Kelle, Mörtel und Steinen kein Marktgeschehen; genauso wie Kaugummikauen kein Marktgeschehen ist.
Auch das hatte ich gemeint als ich schrieb, dass der Markt bzw. das Marktgeschehen nicht alle Lebensbereiche abdeckt.
Warum nur muss ich hier quasi immer wieder um die einfachsten Unterscheidungen und Abstraktionen betteln?
@Tischer
Warum nur muss ich hier quasi immer wieder um die einfachsten Unterscheidungen und Abstraktionen betteln?
Ich kann Sie trösten – Sie müssen nicht betteln, außerdem bringt das nichts. Aus Ihrem letzten Versuch kann ich eher erkennen, was Sie meinen, meine allerdings, dass Sie das auch lange vorher schon hätten erkennbar werden lassen können, also was Sie alles unter “Markt” subsumieren:
Ich meine das KONZEPT „Markt“ und dessen SPEZIELLE Implikationen, also das als konstitutiv prägende freiwillige, kooperative, friedliche Handeln etc. – unabhängig von einer bestimmten Situation/Gesellschaft.
Die “speziellen Implikationen”, die Sie mit “Markt” offenbar verbinden, lassen mich Sie jetzt besser verstehen.
Einige meiner Einwände bleiben aber dennoch bestehen:
1. Wie kann von “Freiwilligkeit” die Rede sein, wenn es keine Alternative des Wirtschaftens zur Marktteilnahme gibt?
2. Was ist an diesem Marktgeschehen jetzt kooperativ, wenn man über den kooperativen Akt zwischen Käufer und Verkäufer hinausblickt? (Und auch der ist nur solange unter Kooperation zu subsumieren, solange beide Parteien eine Alternative hätten.)
Also zB auf das Verhältnis der Verkäufer untereinander, oder der “Schnäppchenjäger” beispielsweise untereinander?
3. “Friedlich” – es gibt Marktmacht, es gibt Wirtschafts- und Handelskriege – und das ist keineswegs nur ein metaphorischer Gebrauch des Kriegsbegriffs.
Um das weiter zu verdeutlichen:
Das sind auch andere Implikationen als z. B. beim KONZEPT „Knarre im Genick“
Sobald auch in einem Marktsystem der Zwang ins Spiel kommt, sehe ich hier kaum noch mehr als einen äußerlichen Unterschied. Freiheit heisst, auch anders können. Diese Freiheit verbürgt der Markt nun gerade NICHT.
@Tischer
“Ich meine das KONZEPT „Markt“ und dessen SPEZIELLE Implikationen, also das als konstitutiv prägende freiwillige, kooperative, friedliche Handeln etc. – unabhängig von einer bestimmten Situation/Gesellschaft. ”
http://www.constitution.org/wj/meow.htm
The Moral Equivalent of War
William James
So friedlich ist das alles garnicht…
Frieden, Freiheit, Gleichheit – das alles sind Wertbegriffe. Betrachtet man sie unter dem Gesichtspunkt, welche empirischen Sachverhalte erfüllt sein müssen, damit wir sie mit Grund verwenden können, d.h. was objektiv der Fall sein muss, damit wir gerechtfertigterweise sagen können, jetzt ist Frieden, diese Handlung ist freiwillig, diese verschiedenen Dienstleistungen und Waren sind äquivalent, dann stellen wir fest, dass es solche empirischen Sachverhalte nur als Momente ihrer gesellschaftlichen Anerkennung als Konstituenten dieser Zustände gibt. Kürzer gesagt: Frieden, Freiheit und Gleichheit sind konstitutiv anerkennungsbedürftig (anders als Schweine, Regenschauer und Stühle, die zwar als solche anerkannt werden können, aber nicht auf diese Anerkennung angewiesen sind um zu sein, was sie sind).
Wenn @tischer auf die zivilisatorische Errungenschaft des Marktes verweist und darin vor allem den friedlichen und freiwilligen Tausch von Gütern durch ihren geldvermittelten öffentlichen Wertvergleich sieht, dann beruht dies ebenso auf einem enthymematischen (stillschweigend vorausgesetzten) Kriterienbündel, das über die Anerkennung von Situationen und Handlungen als friedlich und freiheitlich entscheidet, wie @ceteris Charakterisierung der Chose als unfriedlich und zwanghaft.
Es ist doch unstrittig, würde ich meinen, dass der geldvermittelte Tausch ein funktionales Äquivalent für gewaltnähere Formen der Aneignung darstellt. Friedliche und freiwillige ökonomische Beziehungen waren vor der Geldwirtschaft beschränkt auf den Horizont fragloser Identität, die Heimat, das Dorf. Ökonomische Beziehungen mit Fremden notorisch schwierig, präkäre Formen der ‚Geschenk’- und Raubökonomie, deren Gewaltnähe auf der Hand liegt. Die geldvermittelte Tauschwirtschaft erweitert immens die Möglichkeiten gewaltfreier und zwangloser Güterverteilung. Insofern ist @tischer m.E. nicht zu widersprechen.
Der Punkt, in dem @ceteris m.E. recht hat, ist der, dass der geldvermittelten Tauschwirtschaft als einem funktionalem Äquivalent der ‚Geschenk’- und Raubökonomie die Gewalt, die sie in Distanz rückt, doch auch eingeschrieben bleibt (was man den notorischen Klagen von Kaufleuten und Kunden, doch ständig nach Strich und Faden betrogen zu werden, ablesen kann). Und insofern sich die geldvermittelte Tauschwirtschaft totalisiert und sich bis in die Bereiche fragloser Identität zurückfrisst, die ursprünglich sehr gut ohne Geld auskamen, geht mit der Geldwirtschaft auch ein Moment würdigen Lebens verloren.
D.h. trotz ihrer listigen Funktionalität, Frieden, Freiheit und Gleichheit über den Rahmen des Selbstverständlichen hinaus zu motivieren, lässt die Geldwirtschaft wesentliche Gehalte und Erwartungen, die mit den Begriffen Frieden, Freiheit, Gleichheit gemeint sind, unabgegolten. Und im Übrigen wird sehr schnell wieder auf Raubökonomie umgeschaltet, individuell und kollektiv, wenn sich ein Akteur in geldwirtschaftlich scheinbar ausweglosen Krisen wähnt (die im Spielverlauf der Geldwirtschaft regelmäßig auftauchen und offenbar eine ebenso schwer vermeidbare Folge dieses Spiels sind wie der Cut im Boxsport).
Ich finde es eigentlich nicht sehr schwierig, die Geldwirtschaft (als Konzept!) zugleich zu schätzen und zu kritisieren.
Eine andere Frage sind die Zukunftschancen dieses Spiels. Und da ich einerseits davon überzeugt bin, dass eine friedliche und freiheitliche Geldwirtschaft im Sinne @tischers nur durch eine permanente Steigerung von Produktion und Konsumtion möglich ist, und andererseits davon ausgehe, dass die wissenschaftlichen Szenarien korrekt sind, die innerhalb der nächsten ca. 100 Jahren die Grenzen des Produktions- und Konsumwachstums erreicht sehen, muss man bei aller Würdigung der zivilsatorischen Errungenschaft des Markt-Spiels über alternative Konzepte nachdenken. Sie werden auf die eine oder andere Weise ohnehin kommen. Und da wäre es doch interessant sich darüber zu verständigen, welche Implikationen welche Alternaiven haben.
@ Herr Tischer, ich bin überzeugt, Ihnen wird in einem der nächsten Threads der Durchbruch gelingen, selbst dann, wenn der ehemalige Wirtschaftsblog zu einem Hauswirtschaftsblog mutiert und ein bürgerliches Kochbuch ( 1886) rezensiert wird.
Die Aussage
“selbstverständlich ist Kaugummikauen kein Marktgeschehen…”
gibt mir das Gefühl, Sie spucken ihn aus und biegen jetzt in die Zielgerade ein.
@ Morph
Gute Zusammenfassung, chapeau! Ich würde nur noch den Gedanken anfügen, daß das, was Du den Bereich der “fraglosen Identität” nennst, oft nur aus der Perspektive des äußeren Betrachters so erscheinen mag. In Wirklichkeit kann diese Fraglosigkeit ihrerseits gewaltförmig hergestellt worden sein. Ich denke nur daran, daß die agrarische Großfamilie der europäischen Frühen Neuzeit mit ihren zu manchen Zeiten und in manchen Regionen durchschnittlich über 10 Geburten pro Frau kaum denkbar ist ohne die vorhergehende gewaltsame Unterdrückung der Geburtenkontrolle nach der Großen Pest.
Oder, mit Deinen Worten: Auch die “fraglose Identität” ist konstitutiv anerkennungsbedürftig, nur daß der Modus der Anerkennung ein anderer ist.
@ P.S. Morph
Da der Blogbetreiber ein Anhänger der Eigentumsökonomik ist, sollte vielleicht auch noch angemerkt werden, daß aus einer solchen Sicht “Marktwirtschaft” und “Geldwirtschaft” natürlich nicht synonym verwendet werden können. Konstituierend für eine Geldwirtschaft ist dann das Eigentum, nicht die Reichweite des Tausches.
@froz
Darum wird es interesant wie Den Haag im Fall Jukos entscheidet sollten die damit durchkommen und Eigentum zum Menschenrecht werden wird es lustig…
P.P.S. Morph
Andernfalls, wenn man Geldwirtschaft im wesentlichen als Tauschwirtschaft verstehen wollte, wäre auch nicht gut begründbar, daß, wie Du schreibst, für ihr Fortdauern eine ständige Steigerung von Produktion und Konsumtion (aka Wachstumszwang) nötig sei. Unter einem tauschwirtschaftlichen Paradigma hätte wohl ~Halbgott~ recht, der dies ja verneint. Die Notwendigkeit einer ständigen Ausdehnung ergibt sich, wenn ich den Blog bis hierhin richtig verstanden habe, nur dann, wenn man Geldwirtschaft als Eigentumswirtschaft versteht.
@ Nanuk
Es ist schon seltsam, daß sich mit der Sache kein internationales Handelsschiedsgericht befaßt, sondern der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Eigentlich sollte der sich für nicht zuständig erklären. Aber hätte ein Urteil irgendwelche praktischen Konsequenzen? Ich denke nicht.
@froz
“Aber hätte ein Urteil irgendwelche praktischen Konsequenzen? Ich denke nicht.”
man könnte sich darauf berufen… der Hintergrund bei Jukos war ein völlig anderer er wollte verkaufen an Exxon und da hat der Kreml gesagt “njet” er hat es trotzdem versucht klack klack Handschellen… das ist die ganze Geschichte.
Ist das Legitim ich finde ja… allerdings ist damit der Zugang zu Rohstoffen kein Markt mehr…Es geht hier um nichts anderes als das Marktprinzip zum Menschenrecht zu machen und damit wird es Totalitär…
P.S. Nanuk
Die Tatsache, daß so eine Klage überhaupt angenommen wurde, hatte ich bisher so als antirussisches Störfeuer im Zusammenhang mit South Stream und Nabucco gesehen, also als einen Versuch, das russische Projekt zu deattraktivieren, indem man russische Vermögenswerte im Ausland zumindest einer vagen Bedrohung aussetzt.
Aber Du hast sicher recht; darüber hinaus kann man es auch als einen Versuch ansehen, ein normatives Umfeld zu schaffen, in dem nationale Rechtsdurchsetzung immer nachträglich durch die geballte Macht von Eigentümerinteressen angegriffen werden kann. Rußland wird sich darüber hinwegsetzen können, egal wie die Entscheidung ausfällt. Aber auf kleinere Staaten mag so etwas abschreckend wirken.
Unser(e) Nanuk! Immer gut für einen Hintergrund und/oder eine Verschwörung. Hast du auch einen Blog? Den würd ich abonnieren…
@ Nanuk
Als die Jukos-ADRs auf zwei Euro runtergeprügelt worden waren, hätte ich sogar fast welche gekauft, weil ich davon ausging, daß es hinter den Kulissen einen Deal gibt. Ein gewisses Unbehagen hat mich zum Glück dann doch davon abgehalten, ansonsten wäre ich Inhaber von American Depositary Human Rights geworden…
@froZ#140
“Bereich der “fraglosen Identität” nennst, oft nur aus der Perspektive des äußeren Betrachters so erscheinen mag. In Wirklichkeit kann diese Fraglosigkeit ihrerseits gewaltförmig hergestellt worden sein.”
ja, habe ich auch gedacht, als ich mir meinen Beitrag nach dem Absenden noch mal durchgelesen habe. Die Subsistenzwirtschaft ist nicht ‘unschuldig’ und die Unzufriedenheit mit modernen Zuständen führt allzuleicht zu falschen Rückprojektionen eines besseren früheren Zustandes (erleben wir hier im Blog ja z.T. sehr wortreich).
Nur ist eben auch die moderne Selbstbeschreibung als Überwindung barbarischer Zustände unhaltbar. Und es gibt in traditionalen Gesellschaften Verkehrsformen, die in ihrem Rahmen sehr viel ‘zivilisierter’ sind als diejenigen, an die wir uns mittlerweile gewöhnt haben.
Wir können selbstverständlich nicht in traditionsbasierter Verkehrsformen zurückfallen, denn Traditionen sind nicht wählbar. Das ist es ja, was den Islamismus zur Pathologie macht. Er will etwas erreichen, was nicht erreicht werden kann.
Ich finde die Frage spannend, wie man die moderne Subjektivität (mit all ihren produktiven, konsumtiven und expressiven Bedürfnissen), hinter die wir nicht mehr zurück können, und eine nichtexpansive Ökonomie konzeptuell zusammen bekommt.
#143
ich verstehe es so, dass eine Tauschwirtschaft nicht anders möglich ist denn als Eigentumsökonomie, denn ohne ein allgemeines Tauschmedium ist der Äquivalententausch nicht denkbar. Ohne Geld gäbe es keinen Tausch, sondern nur gegenseitige Gaben, deren Verhältnismäßigkeit kein Maß hätte.
Und Geld kann als Tauschmedium nur fungieren, wenn es nicht nur Wert misst (in Form des Preises), sondern selbst Wert hat und den in Geldeinheiten ausgedrückten Preis auch bezahlen kann. Das geht nur, wenn es ein Motiv gibt, Geld haben zu wollen. Dieses Motiv ist das Eigentum als Rechtstitel: Die gesellschaftlich anerkannte und im Zweifelsfall durchgesetzte Zusicherung, dass mir das, was ich habe, niemand nehmen darf. Geld muss Produkte kaufen können, die dann mein Eigentum (in meiner unbedingten Verfügungsgewalt) sind. Das Problem ist, dass die Produkte, die empirischer Gegenhalt des Eigentums sind, nur deshalb Güter sind, weil sie gebraucht und verbraucht werden. D.h. der empirische Gegenhalt des Eigentums verfällt permanent. Besser gesagt: er ist in Verfall begriffen. Und dies teilt sich dem Geldmedium als Inflation mit. Geld ist ebenso in Inflation begriffen wie die Produkte einem Verfallsprozess unterliegen, die mit Geld gekauft werden können. Geldstabilität, also die Gewissheit, dass ich morgen noch mit dem Geld kaufen kann (und damit die konstitutive Funktionalität des Geldes als Wertspeicher) muss unter diesen Umständen durch eine ebenso permanente Produktivitätssteigerung gesichert werden.
Sobald keine Produktivitätssteigerung mehr realisiert werden kann (aus welchen Gründen auch immer; der finale Grund ist die ökologische Belastungsgrenze des Planeten) setzt sich die Vernutzung des empirischen Gegenhalts des Eigentumstitels durch und entsprechend MUSS der Rechtstitel auf Eigentum Geld inflationieren. Die gesellschaftlich anerkannte artifizielle Knappheit, die alle knappen Güter kaufen kann, verliert ihre gesellschaftliche Geltung.
Wer sich mal ein bißchen gruseln will: http://www.forum-ordnungspolitik.de/zum-forum-ordnungspolitik/erfolge-der-ordnungspolitik/12-freiheit-statt-sozialismus-maggie-thatchers-radikalreformen-in-england-nach-1978
unfreiwillig komisch aus heutiger Perspektive finde ich übrigens den vorletzten Absatz!
Man sieht m. E. deutlich auf dieser Seite, daß es eher um eine Religion o. ä. als um eine wissenschaftlich fundierte Theorie mit entsprechender Diskussion geht! Es wird ein unglaublicher Personenkult betrieben (die Lobpreisung Thatchers ist ja noch ziemlich harmlos) und dann wird die Welt eingeteilt in gut und schlecht (gute Ökonomen und schlechte Ökonomen, wobei die schlechten natürlich diejenigen sind, die der Religion nicht angehören….)! Dann dieser fast fetischhafte Umgang mit dem Begriff Freiheit, der so gar nicht zum quasireligiösen Charakter dieser “liberalen” Seite paßt!
Naja, vielleicht ein wenig OT, aber wenn sich wer ein bißchen gruseln möchte…..
…und Die Welt hat feuchte Träume
http://www.welt.de/finanzen/article6657646/Griechen-Hilfe-ermoeglicht-deutschen-Euro-Ausstieg.html
@Ano
Es begabt sich mal das ich mit nem Iren gesoffen hab so nach dem zweiten Ale sagte der zu mir ihr Deutschen könnt die Briten nicht ausstehen wir Iren tun was gegen sie…
http://www.youtube.com/watch?v=i9qVV5pcC7I
…nur weil sie alle hässlich sind muss man sie doch nicht gleich wegbomben…
… das ist mir dann nicht mehr eingefallen bin vom Stuhl gefallen vor lachen…
btw was würde die Sonnencreme Industrie ohne Briten machen…
@ ceteris
>Aus Ihrem letzten Versuch kann ich eher erkennen, was Sie meinen, meine allerdings, dass Sie das auch lange vorher schon hätten erkennbar werden lassen können, also was Sie alles unter “Markt” subsumieren …>
Ich bin offenbar fälschlicherweise davon ausgegangen, dass KONZEPT für jedermann etwas ge-anklich-abstraktes ist, das erst einmal keinen Bezug zu irgendeiner Realität hat.
Gut, Sie verstehen es jetzt besser, aber noch nicht richtig.
>1. Wie kann von “Freiwilligkeit” die Rede sein, wenn es keine Alternative des Wirtschaftens zur Marktteilnahme gibt?>
Das ist kein Argument.
Wenn wir über den Markt reden (und nur über den Markt), dann reden wir natürlich nicht über Alternativen (außer zur klärenden Abgrenzung).
„Markt“ habe ich auch zur Abgrenzung als so etwas wie einen Gattungsbegriff genutzt, d. h. damit ist nicht gesagt, dass es nur EINEN einzigen Markt gibt (der in der Tat außer Teilnahme oder Nichtteilnahme keine Freiheiten erlauben würde). Es kann viele, im Endeffekt unendlich viele Ausprägungen des KONZEPTS Markt geben. Die Freiwilligkeit besteht darin, sich zu irgendeinem Zeitpunkt im einen statt im anderen zu engagieren. Beispiel aus der Realität, um das zu veranschaulichen, OHNE dabei das Konzept zu verlassen: Anbieter der Arbeitskraft als Maurer oder Taxifahrer, Nachfrager für Autos oder Eigentumswohnungen. Das KONZEPT Markt sagt nichts darüber, ob es diese oder jene Ausprägungen (z. B. diesen oder jenen Arbeitsmarkt) gibt oder nicht. Es ist aber im Konzept enthalten, dass es sie in einer beliebigen Vielzahl nebeneinander geben kann.
>2. Was ist an diesem Marktgeschehen jetzt kooperativ, wenn man über den kooperativen Akt zwischen Käufer und Verkäufer hinausblickt?>
Man muss nicht darüber hinausblicken.
Es genügt, wenn die Marktteilnehmer sich ihren Interessen entsprechend engagieren – qua Markt – einen Kooperationspartner finden können. Damit ist nicht gesagt, dass es für alles Kooperationspartner gibt. Aber jeder Partner im Markt ist ein Kooperationspartner und beispielsweise kein Dieb (bei seinem Auftreten im Markt).
>3. “Friedlich” – es gibt Marktmacht, es gibt Wirtschafts- und Handelskriege – und das ist keineswegs nur ein metaphorischer Gebrauch des Kriegsbegriffs.>
Ja, gibt es, hat aber nichts mit dem KONZEPT Markt zu tun.
Allenfalls – und auch das habe ich schon geschrieben – hat es damit etwas zu tun, dass der Markt und damit verbunden der Wettbewerb anstrengend sind und manche, auch Staaten, glauben, in der Realität auf anderen Wegen als dem Markt, vorteilhafter zum Ziel ihrer Wünsche zu kommen.
>Sobald auch in einem Marktsystem der Zwang ins Spiel kommt …>
Im KONZEPT Markt kommt NIE Zwang ins Spiel, in der Realität – die Summe der Märkte betrachtet – so gut wie IMMER.
@ Morph # 138
>Frieden, Freiheit, Gleichheit – das alles sind Wertbegriffe. Betrachtet man sie unter dem Gesichtspunkt, welche empirischen Sachverhalte erfüllt sein müssen, damit wir sie mit Grund verwenden können, d.h. was objektiv der Fall sein muss, damit wir gerechtfertigterweise sagen können …>
Absolut gerechtfertigte Überlegung und – für die Bewertung der Realität – auch eine NOTWENDIGE.
Nur:
Wenn ich über ein KONZEPT spreche, muss ich nur das VERSTÄNDNIS solcher Begriffe voraussetzen – und noch nicht einmal, dass es Wertbegriffe sind.
>Kürzer gesagt: Frieden, Freiheit und Gleichheit sind konstitutiv anerkennungsbedürftig (anders als Schweine, Regenschauer und Stühle, die zwar als solche anerkannt werden können, aber nicht auf diese Anerkennung angewiesen sind um zu sein, was sie sind).>
Ohne jeden Zweifel, wenn sich eine Gesellschaft nach dem Konzept (der Wirtschaftsordnung) „Markt“ organisieren will. Will sie sich SELBST nach einer anderen Wirtschaftsordnung organisieren, ist anderes konstitutiv anerkennungsbedürftig.
>Wenn @tischer auf die zivilisatorische Errungenschaft des Marktes verweist und darin vor allem den friedlichen und freiwilligen Tausch von Gütern durch ihren geldvermittelten öffentli-chen Wertvergleich sieht, dann beruht dies ebenso auf einem enthymematischen (still-schweigend vorausgesetzten) Kriterienbündel …>
Bei mir kommt kein geldvermittelter öffentlicher Wertevergleich vor.
Geld muss nicht sein, soweit es um das KONZEPT Markt geht.
Der Wertevergleich kann zwischen Perlen und Muscheln, Fischen und Kokosnüssen, oder z. B. Möbeln und Behausungen stattfinden (so bei Aristoteles, wie von Marx im 1. Band von Das Kapital diskutiert).
>Die geldvermittelte Tauschwirtschaft erweitert immens die Möglichkeiten gewaltfreier und zwangloser Güterverteilung.>
Vor allem: Es vereinfacht sie immens.
Ich sehe nicht, dass damit PRINZIPIELL „gewaltnähere Formen der Aneignung“ verbunden sein müssen. In der HEUTIGEN Realität mag das durchaus der Fall sein, speziell wenn z. B. Kreditverpflichtungen zu Rechtsverhälnissen führen, bei denen „freiheitliches Handeln“ nicht mehr möglich ist und noch weniger kooperatives.
>…dass eine friedliche und freiheitliche Geldwirtschaft im Sinne @tischers nur durch eine permanente Steigerung von Produktion und Konsumtion möglich ist ..>
Das KONZEPT Markt verlangt das nicht.
Allerdings bin ich der Überzeugung, dass das Konzept Markt in seinen Anwendungen, d. h. durch das Marktgeschehen der letzten 150 bis 200 Jahre so ERFOLGREICH war, dass eine permanente Steigerung von Produktion und Konsum erforderlich scheint, um u. a. die Bedingungen der Erfolgsgeschichte, wie verträgliche Arbeitslosigkeit aufrechtzuhalten.
Hierzu ist die Titelgeschichte im FOKUS 09/10 vom 1. März zu empfehlen.
http://www.focus.de/magazin/videos/
# 149
>Ich finde die Frage spannend, wie man die moderne Subjektivität (mit all ihren produktiven, konsumtiven und expressiven Bedürfnissen), hinter die wir nicht mehr zurück können, und eine nichtexpansive Ökonomie konzeptuell zusammen bekommt.>
Das ist eine sehr spannende Frage.
Sie ist beantwortbar, konzeptionell – und sie wird beantwortet werden durch Anpassung.
Die noch spannendere Frage aus meiner Sicht:
WIE wird der Prozess der Änderung verlaufen – und welche FRIKTIONEN sind wie beherrschbar bzw. verkraftbar, welche vielleicht nicht mehr.
>ich verstehe es so, dass eine Tauschwirtschaft nicht anders möglich ist denn als Eigentums-ökonomie, denn ohne ein allgemeines Tauschmedium ist der Äquivalententausch nicht denk-bar.>
Nein, sie braucht kein allgemeines Tauschmedium.
Sie braucht es nur für HOCHEFFIZIENTES Tauschen bzw. „HOHE Reichweite“ der Tauschens, weil dies nur durch Normierung zu erreichen ist. Ist HEUTE natürlich der Fall und für moderne Gesellschaften nicht wegzudenken. Ich glaube, dass dies hier schon mal endlos lange diskutiert wurde.
Tischer, womit verdienen Sie ihr Geld? Kein normaler Mensch hat soviel Zeit hier seitenweise Zeuch zu verzapfen…
@ keiner – soviel ich bisher mitbekam, ‘darf’ @Dietmar Tischer ‘schon leben’ – er ist jenseits des ‘Arbeit-Müssen-Alters’ und ‘muß’ vielleicht auch nicht mehr unbedingt… ‘arbeiten’.
Btw. Verzeihen Sie mir bitte Herr Tischer, wenn ich etwas falsch ‘gedeutet’ habe..
@tischer
“Geld muss nicht sein, soweit es um das KONZEPT Markt geht. ”
Hm. Eine analoge Behauptung würde besagen, dass Schrift keine notwendige Bedingung für das Konzept ‘Wissenschaft’ ist, nicht wahr?
Das Konzept ‘Markt’ lässt sich sicher ohne Geld denken, ebenso wie sich das Konzept ‘Wissenschaft’ ohne Schrift denken lässt, aber mir scheint, dass sich das Konzept ‘Marktgeschehen’ ohne Geld sowenig denken lässt wie das Konzept ‘Wissenschaftsbetrieb’ ohne Schrift. Und wenn das richtig ist, frage ich mich und vor allem natürlich Sie, was von einem Konzept zu halten ist, dass von den Bedingungen seiner Realisierung abstrahiert.
@tischer
P.S. wobei ich natürlich weiß, dass es geldfreie Tauschringe gibt, ebenso wie einen schriftlosen Unibetrieb in Katastrophensituationen (selbstorganisierte Bildungseinrichtungen in Konzentrations- und Gefangenenlagern z.B.). Aber ich würde argumentieren, dass diese Formen nicht ohne die Erfahrung der ‘regulären’ Formen dces Markt- und Wissenschaftsgeschehens möglich wären. D.h. die medienlose Verwirklichung von Konzepten der Vermittlung (sei es Wissen, sei es materieller Reichtum) ist intermittierend möglich, aber im Grunde, konzeptuell, zutiefst unrealistisch.
… unter Umständen würde ja schon ein “Schuldfrei” geschöpftes Geld manches erleichtern …. (auch wenn dadurch natürlich nicht die Eigentumsproblematik gelöst würde)
…. kein (monetärer) Wachstumszwang, keine panische suche nach dem Nachschuldner …. usw. usw. usw.
Geld ist Schuld/Kredit – mal ein wenig über die knallende Peitsche nachdenken ……
@ Morph
Das Konzept „Markt“ UND das Konzept „Marktgeschehen“ (hier immer als “realitätsbezogen” verstanden) lassen sich ohne Geld denken.
Marktgeschehen lässt sich sogar ohne Geld REALISIEREN.
Denken Sie einfach an die Beispiele Tausch von Muscheln und Perlen, Fischen und Kokosnüssen oder auch Muscheln und Kokosnüssen etc.
Für die Analogie Wissenschaftsbetrieb und Schrift gilt das ebenfalls.
Denken Sie an den „Sokratischen Wissenschaftsbetrieb“:
Man hat da nur geredet, nichts Geschrieben.
Aber der moderne Wissenschaftsbetrieb ist natürlich UNDENKBAR ohne Schrift. Man muss dokumentieren, wenn eine große Zahl von Akteuren beteiligt sind oder wenn sie über Entfernung jenseits der unmittelbaren sinnlichen Wahrnehmung kommunizieren müssen, um Wissenschaftsbetrieb (mit) zu organisieren. Auch wenn das Objekt einer Wissenschaft zu komplex wird, so dass man sich nicht mehr alles merken kann, muss man dokumentieren.
Vergleichbares gilt für das moderne Marktgeschehen.
@ Morph # 159
>D.h. die medienlose Verwirklichung von Konzepten der Vermittlung (sei es Wissen, sei es materieller Reichtum) ist intermittierend möglich, aber im Grunde, konzeptuell, zutiefst unrealistisch.>
Ja – die medienlose VERWIRKLICHUNG von Konzepten ist unrealistisch.
Auch beim „Sokratischen Wissenschaftsbetrieb“:
Das Medium war Sprache (ich hatte mich oben allerdings auf das von Ihnen eingeführte Medium „Schrift“ bezogen).
Wenn die Realisierung MEDIENLOS wäre, dann gäbe es beim Marktgeschehen z. B. keine Kooperation.
Aber wenn die getauschten Dinge prinzipiell IRGENDETWAS sein können, dann kann diese Medium unthematisiert mitgedacht werden beim KONZEPT „Markt“. Etwas Beliebiges kann man bei der Analyse unter den Tisch fallen lassen, auch wenn es dazu gehört.
Unabhängig davon tut das meiner Intention hier, die einzigartige Qualität und die Möglichkeiten des Konzepts “Markt” deutlich werden zu lassen, keinen Abbruch.
@ keiner
Was versanlasst Sie anzunehmen, dass ich ein “normaler Mensch” bin?
@tischer
“Denken Sie an den „Sokratischen Wissenschaftsbetrieb“”
Ja, an dem ließe sich studieren, wie weit sich das Prinzip Wissenschaft ohne Schrift entfalten uns seine Selbständigkeit behaupten kann. Und auch, wie wenig ohne Schrift die spezifische Funktionalität der Wissenschaft gresellschaftlich erkannt wird.
Sokrates wird im Kontext der Sophisten wahrgenommen und muss sich in diesem Kontext beweisen. Das wäre ungefähr so als müssten sich die Forscher, die am Very-Large-Telescope-Project arbeiten, sich auf der agora des Fernsehen vor Erich von Däneken rechtfertigen.
So ähnlich stelle ich mir vor, müssen die ersten geldlosen Tauschmärkte funktioniert haben (wenn es sie überhaupt gab): es gab sicher das Moment des freien Tausches und der produktiven Kooperation zwischen Marktakteuren, aber daneben auch und dieses Moment überlagernd das Geben und Nehmen auf der Basis von traditionalen Üblichkeiten, religiösen Verpflichtungen usw.
Der Markt in seiner konstitutiven Form, nämlich dem öffentlichen Tausch von Wertgegenständen und Diensten, der hat sich PRÄGNANT (also verlässlich zurechenbar) doch vermutlich erst mit der Etablierung eines ebenso prägnanten Tauschmediums etabliert, meinen Sie nicht?
@tischer
und dieses ökonomische Tauschmedium ist zwar materialiter beliebig, aber gesellschaftlich keineswegs. Es muss als geltendes Tauschmedium vom Souverän eingesetzt und hinsichtlich seiner Ausgabe von ihm monopolisiert werden.
@ Morph
>Der Markt in seiner konstitutiven Form, nämlich dem öffentlichen Tausch von Wertgegenständen und Diensten, der hat sich PRÄGNANT (also verlässlich zurechenbar) doch vermutlich erst mit der Etablierung eines ebenso prägnanten Tauschmediums etabliert, meinen Sie nicht?>
Ein Tauschmedium als Bedingung dafür, dass der öffentliche Tausch prägnant, verlässlich zurechenbar ablaufen kann?
Ich glaube es nicht, wenn „öffentlicher Tausch“ einer ist, dem ein Dritter als Beobachter beiwohnen kann. Das muss das Tauschverhalten zwischen den beobachteten Tauschenden nicht verlässlicher oder zurechenbar machen.
In einer gewissen Weise haben Sie, glaube ich, dennoch Recht.
Wenn ich bei einem Tausch erlebe oder beobachte, dass x Fische gegen 10 € getauscht werden an einem Stand des Fischmarkts, dann kann ich davon ausgehen, dass ich für 10 € bei einem anderen Stand ebenfalls x Fische gleicher Art erhalten kann.
Wenn ich jedoch x Fische gegen 3 Paar Socken getauscht habe an einem Stand, dann kann ich nicht ohne weiteres davon ausgehen, dass meine 3 Paar Socken am nächsten Fischstand ebenfalls x Fische wert sein werden. Denn ich weiß nicht, wie der Verkäufer an diesem Fischstand Socken wertmäßig einschätzt, wenn er keinen Anhaltspunkt hat, wie sein Fischlieferant Socken wertmäßig einschätzt.
>… und dieses ökonomische Tauschmedium ist zwar materialiter beliebig, aber gesellschaftlich keineswegs. Es muss als geltendes Tauschmedium vom Souverän eingesetzt und hinsichtlich seiner Ausgabe von ihm monopolisiert werden.>
Nicht ganz.
Im Chiemgau gibt es Hunderte von Läden, die akzeptieren den „Chiemgauer“, eine Regionalwährung, die es seit sieben Jahren gibt (kurz darüber ebenfalls im FOCUS dieser Woche).
Also von Monopolisierung würde ich Angesichts dieses Sachverhalts nicht reden.
Bedingung ist, dass an den Wert des Geldes geglaubt wird.
Dieser „Glaube“ ist allerdings gesellschaftlich.
PS:
Jetzt soll es auch schon zinsfreie Chiemgauer-Mikrokredite geben!
Ihr Vorname? skdflhsufiheiurhwuiehuwig (sonst war der Kommentar zu kurz…)
Es muss als geltendes Tauschmedium vom Souverän eingesetzt und hinsichtlich seiner Ausgabe von ihm monopolisiert werden.
Das nur deshalb, weil eine unkontrollierte Vermehrung der Tauschmittel vermieden werden muss. Geschah vor und neben dem Souverän, sowie nicht zuletzt zwischen den Souveränen, mit Gold und Silber. Hinsichtlich der ausgeschlossenen Vermehrbarkeit handelt es sich hier NICHT um gesellschaftlichen Glauben, sofern man den Fund neuer Goldquellen ausschliesst. (Hat damals, im 15. Jahrhundert, die Wirtschaft ganz schön durcheinander gebracht, all das Gold aus der Neuen Welt…)
Naja, hatten wir alles schon mal (@Tischer), also die Unterscheidung Markt/Tauschbörse, also dass Geld/Gold erforderlich ist, damit man von Kaufen reden kann und Kaufen, damit man von einem Markt und seinen Preisen reden kann, also dem allgemeinen und quasi “abstrakten Äquivalent”, im Unterschied zu “x Fische von A zu y Socken von B”. Aber das muss wohl so sein, dass jedes Thema alle paar Monate hier wieder rausgekramt wird.
@Morph #149
D.h. der empirische Gegenhalt des Eigentums verfällt permanent. Besser gesagt: er ist in Verfall begriffen. Und dies teilt sich dem Geldmedium als Inflation mit. Geld ist ebenso in Inflation begriffen wie die Produkte einem Verfallsprozess unterliegen, die mit Geld gekauft werden können.
Ich glaube, damit liegst du ziemlich falsch. “Verschleiss” und Verbrauch von Produkten haben mit Inflation nichts zu tun. Das Brötchen, das du morgen beim Bäcker kaufst ist ja auch nicht dasselbe, das du heute gegessen hast. Die Ursache der Inflation dürfte eher beim Zins zu suchen sein, und seiner Auswirkung auf die Geldmenge.
@ceteris
Der Zins ist ja eine geldimmanente Figur und erklärt insofern nicht die Phänomenologie des Geldmediums sondern ist seinerseits ein erklärungsbedürftiges Phänomen ebenso wie der inflationäre Trend. Zins und Inflation sind sozusagen gleichursprünglich.
Und wenn man davon ausgeht, dass alle Produkte in und mit der Zeit an Gebrauchswert verlieren (durch Aufzehrung, Verschleiß, natürliche Alterung und Dekomposition), dann folgt daraus m.E., dass die symbolische Codierung des Produktwerts in der Zeit ceteris paribus an realer Werthaltigkeit verliert.
Die Wertstabilität des Geldes, seine Funktion als Wertspeicher (ohne die es nicht als Tauschmedium funktionieren würde), kann sich nur realisieren, solange dem Geld ein Mehr an realem Wert gegenübersteht, das von ihm gekauft werden kann. Überproduktion ist sozusagen die Realbedingung eines stabilen artifiziellen Wertspeichers, der als solcher die Funktion der Recheneinheit und des Tauschmediums übernehmen kann. Erscheint Geld aber als stabiler Wertspeicher, ist Produktivitätssteigerung motiviert, da sich vor dem Hintergrund des tendenziellen Wertverfalls aller Dinge alles in Geld tauschen will und man als wertbewusster Akteur ALLES daran setzt, etwas zu produzieren, was sich gegen diesen formidablen Wertspeicher eintauschen lässt (was ihn nur umso stabiler, also attraktiver macht).
“Everybody wants money. That’s why they call it money.” (“Heist,” David Mamet, 2001)
@Morph
Zins und Inflation sind sozusagen gleichursprünglich.
Eben. Deswegen können sie sich auch gegenseitig bewirken/erklären, begründet werden muss das Geld an sich natürlich anders.
Und wenn man davon ausgeht, dass alle Produkte in und mit der Zeit an Gebrauchswert verlieren (durch Aufzehrung, Verschleiß, natürliche Alterung und Dekomposition), dann folgt daraus m.E., dass die symbolische Codierung des Produktwerts in der Zeit ceteris paribus an realer Werthaltigkeit verliert.
Das wollte ich mit dem Brötchen sagen: die Gütermenge ist wie die Einkommensmenge keine Bestandsgröße (die dem Verfall durch Alterung unterliegt), sondern eine Flussgröße. Es wird ja ständig produziert, daraus ergeben sich Einkünfte, um Waren kaufen zu können. Nach deinem Modell hätten wir Warenbesitzer hier und Geldbesitzer dort, wobei erstere versuchen müssten zu verkaufen, um den Wertverlust durch Verfall zu begrenzen.
Die meisten Güter sind Verbrauchsgüter, also schon unmittelbar nach ihrem Verkauf praktisch “entwertet” wie ein Fahrschein.
Die Wertstabilität des Geldes, seine Funktion als Wertspeicher (ohne die es nicht als Tauschmedium funktionieren würde), kann sich nur realisieren, solange dem Geld ein Mehr an realem Wert gegenübersteht, das von ihm gekauft werden kann.
Wieso ein “Mehr”? Es geht um ein Äquivalent, und zwar EXAKT um ein solches.
Das Geld als “Wertspeicher” ist strenggenommen eine Fiktion, wenn auch eine für das wirtschaftliche Geschehen wohl erforderliche. Sie rührt daher, dass zwischen Einnahme des Geldes und seiner Verausgabung keine bestimmte Frist liegt. Ich kann mein heutiges Einkommen morgen ausgeben oder nächstes Jahr, oder es meinen Hinterbliebenen lassen. Geld “speichert” nichts, schon gar keinen Wert. Der muss immer “draussen” bereits produziert worden sein, damit das Geld sich gegen ihn tauschen kann. Sonst klappt es nicht, d.h. das Geld ist vollkommen wert-los.
@ceteris
“Das Geld als “Wertspeicher” ist strenggenommen eine Fiktion.”
Ja, und die Frage ist, wie sich die “willing suspension of disbelief” der Marktakteure erklärt, die dieser Fiktion ihren unwirklichen Charakter nimmt. Doch wohl durch die kontinuierliche Präsenz eines Überangebots von Produkten, die sich mit dem Geld kaufen lassen.
Sound Money verlang eine Asymmetrie, nämlich weniger Geld als geldwerte Produkte. Zugleich motiviert diese Asymmetrie die Geldschöpfung per Kredit. Was tendenziell die Asymmetrie aufhebt, also der Geldfunktionalität tendenziell zuwider läuft.
Das ganze Spiel funktioniert solange, solange reales Wachstum realisiert werden kann. (Mehr Ressoucenabbau, mehr Häuser, mehr Autos, mehr Reisen, mehr Klamotten, mehr Hollywoodproduktionen).
“Geld “speichert” nichts, schon gar keinen Wert. Der muss immer “draussen” bereits produziert worden sein, damit das Geld sich gegen ihn tauschen kann.”
Das Geld muss – zumindest fiktiv – Wert speichern, sonst gibt es kein Motiv, etwas gegen Geld zu tauschen. Und das verlangt (unter der Maßgabe von kreditgeschöpftem Geld, in dem ja nur das Geldprinzip zu sich selbst kommt) eine exponentiell wachsende Produktion.
@Morph
Ich glaube, das sind Kurzschlüsse, was du da schliesst, aber schaun wir mal, dann sehn wir vielleicht:
Ja, und die Frage ist, wie sich die “willing suspension of disbelief” der Marktakteure erklärt, die dieser Fiktion ihren unwirklichen Charakter nimmt.
Der Witz ist mEn: Es gibt hier gar keine “suspension of disbelief”: Ich erfahre: Ich kann für meine 20Ct heute ein Brötchen kaufen oder übermorgen, ich kann auch (aus meinem EinkommensFLUSS!) weiter Geld ansammeln und nächste Woche einen Kuchen kaufen. Praktische Lebens- und Wirtschaftserfahrung. Muss auch so sein. Sonst würden gar keine Kuchen gebacken. (Ich hoffe, ich habe diese Metapher jetzt nicht überstrapaziert: gemeint sind natürlich Verbrauchs/Brötchen vs. Investitions/Kuchen Güter.
Doch wohl durch die kontinuierliche Präsenz eines Überangebots von Produkten, die sich mit dem Geld kaufen lassen.
Nope. Die Konsequenz eines kontinuierlichen Überangebots von Produkten wäre die Deflation, und damit die Abnahme der Produktionstätigkeit. Nachfrage und Angebot streben zu einem Gleichgewicht über den Preis, das kann man im Sinne eines tischerschen Konzeptbegriffs festhalten, was immer die praktischen Tücken sein mögen.
Sound Money verlang eine Asymmetrie, nämlich weniger Geld als geldwerte Produkte. Zugleich motiviert diese Asymmetrie die Geldschöpfung per Kredit. Was tendenziell die Asymmetrie aufhebt, also der Geldfunktionalität tendenziell zuwider läuft.
Zum ersten Satz: siehe oben. Den Kredit erklärt man am besten mit Schumpeter (finde ich), denn der originäre Kredit ist nicht der Konsumentenkredit, sondern der Investitionskredit: der investierende Unternehmer braucht Kredit, weil er kaufen will, ohne schon den Gewinn aus seinen Investitionen zu haben. Daher bekommt er Kredit (quasi als “Vorschuss” auf diese Gewinne), also gerade einen Überschuß an Geld bezogen auf die vorhandene Gütermenge, er nimmt der verbrauchenden Nachfrage also per Kredit Ressourcen durch seine kreditfinanzierte, investierende Nachfrage. Es funktioniert also genau andersrum als du annimmst.
Das Geld muss – zumindest fiktiv – Wert speichern, sonst gibt es kein Motiv, etwas gegen Geld zu tauschen. Und das verlangt (unter der Maßgabe von kreditgeschöpftem Geld, in dem ja nur das Geldprinzip zu sich selbst kommt) eine exponentiell wachsende Produktion.
Das Motiv, etwas gegen Geld zu tauschen ist, selber weiterzutauschen. Das kann man als “Wertspeicher” missverstehen, es ist aber eigentlich nur Tauschmedium, aber eben ein zeitlich hinsichtlich der nächsten Tauschakte nicht festgelegtes.
Ich glaube auch nicht, dass das Geldprinzip im Kredit zu sich selbst kommt, das ist nur ein rein sprachliches Missverständnis von “credere” (glauben), im Sinne von an das Geld als Wertspeicher glauben. Aber wer glaubt denn an den Kredit als Wertspeicher? Nur die Banken, weil SIE in der Tat zu ihrem Wesen kommen, das Kredit heisst.
Der Wachstumszwang ergibt sich daraus so nicht. Er ergibt sich tatsächlich aus dem Zins. Wenn aus den Investivkrediten keine zusätzliche Wirtschaftstätigkeit erfolgt (also bei Fehlinvestition, weil entweder gar keine Produkte hergestellt wurden oder diese sich als unverkäuflich erweisen) kann die Inflation die durch den Zins zusätzlich in die Welt gekommene Geldmenge wieder aufzehren. (Diese Geldmenge kommt technisch durch einfache Bilanzverlängerung der Banken in die Welt.)
Da ist, per se, nichts exponentiell. Exponentiell ist nur die Erwartung des Zins- und Zinseszinsempfängers, der tatsächlich irrtümlich glaubt, mit seinem Geld verleihe er Wert. Dieser muss aus diesem Geld aber erstmal realisiert werden. Und das klappt nicht immer, unterdessen sogar immer seltener, weil der Markt keine neuen Felder mehr findet, sei es extern durch “Kolonialisierung”, sei es intern durch “Innovationen”. Außer Internet und Funktelefon war da in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig, um die monetär bestehenden Erwartungen einzulösen.
@ceteris
Geld ensteht historisch vor dem ‘Kapital’, oder? Der Handel ist älter als die Industrie, oder?
“der originäre Kredit ist nicht der Konsumentenkredit, sondern der Investitionskredit”
Ja? Ist vielleicht eine Auslegungssache, ob die Kreditfinanzierung des Feudalismus Konsumenten- oder ein Investitionskredit ist.