Ich mag sie alle

von weissgarnix am 21. Februar 2010

Der amerikanische “Business Insider” präsentiert eine nette, kleine Klickstrecke mit “absurdly arrogant” Tweets von Nassim Nicholas Taleb. Ich habe sie mir angesehen und muss gestehen: Ich finde sie alle Klasse. Hierunter eine kleine Kostprobe (Klick auf die Grafik linkt zum Beitrag auf businessinsider.com):

via @Barbara im DGF

{ 44 Kommentare… Lesen Sie sie nachfolgend oder schreiben Sie einen }

1 aifran Februar 21, 2010 um 19:45

alles weitere und noch mehr findet sich hier

http://library.thinkquest.org/C007571/german/advance/core1.htm

2 froZ Februar 21, 2010 um 19:54

Na, alle mag ich sie nicht; einige sind auch wenig originell oder reichlich gaga. Mein Favorit ist die Nummer 5, dicht gefolgt von der Nummer 9.

3 ceteris Februar 21, 2010 um 20:11

The Absurdly Arrogant Tweets Of Nassim Taleb
beschreibt diese statements eines eitel aufgebauschten schwarzen Schwans doch ziemlich treffend.

4 bommel Februar 21, 2010 um 20:40

@ wgn

Was meint Taleb damit, dass keiner Phelpsens Vorlesungen versteht ?
Seine Hauptbeiträge sind doch Standardfolklore in den einschlägigen Lehrbüchern seit den 70ern.

5 Unwissender123 Februar 22, 2010 um 00:53

@bommel
- selbe Frage, jeder der sich mit VWL beschäftigt kommt doch an der Goldenen Regel und der auch darauf basierenden Taylor – Regel nicht vorbei.

Was ist gemeint?

6 Unwissender123 Februar 22, 2010 um 01:03

sry, muss mich korrigieren,
“der auch darauf ” – stimmt so nicht ganz, die Goldene Regel ist ja nur in soweit Grundlage das man mit ihr den Realzins versucht festzulegen.
Das war falsch formuliert.

7 Ich Februar 22, 2010 um 06:51

Auch die Nummer 12?
Haette ich bei dir nicht gedacht.

8 Nanuk Februar 22, 2010 um 09:12

Was ist eigendlich los mit euch…
http://www.youtube.com/watch?v=wiFh76ZStw0
Die USA drohen den Chinesen nen Bürgerkrieg in China anzuzetteln und ihr… Bitte weiterschlafen…

9 Nanuk Februar 22, 2010 um 09:13

Jungs und Mädels ihr müst noch ne menge übers Pokern lernen…
http://www.youtube.com/watch?v=kn481KcjvMo

10 Paulus Februar 22, 2010 um 11:53

Ist ja wie im Amazon-Shop hier, wenn ich nach rechts gucke…
Wer soll diese Ladenhüter kaufen – geschweige denn lesen?

11 Paulus Februar 22, 2010 um 11:55

Ihr Ösis habt schon einen eigenartigen Humor.
Mir gefallen die Witze dort oben nicht.

12 sunbringer Februar 22, 2010 um 12:19

Mir hat “Fooled by Randomness” besser gefallen also sein letztes und ich würde es auch jedem empfehlen. Was die Arrognaz anbelangt, mag ja sein dass er manchmal ein bißchen “over the top” ist, aber erstens tut er damit keinem Weh und zweitens hat er meistens Recht. Die Arroganz der bis vor kurzem vorherrschenden Finanz- und Ökonomielehre aber, die hat echten Schaden angerichtet. Und schaut euch bloß um, wir sind “back to business as usual, move along, nothing to see here, accept our austerity packages and shut up. Oh, and it´s all the welfare queens fault.” Absurd, oder?

13 Fabian Lindner Februar 22, 2010 um 12:29

Hab Phelps zwei mal in Paris gesehen – Talib hat absolut recht, ich hab kein einziges wort verstanden von dem, was phelps erzählt hat. Einen Nobelpreis scheint mir der Mann echt nicht wert zu sein.

14 Dietmar Tischer Februar 22, 2010 um 14:25

@ Fabian Lindner

>… ich hab kein einziges wort verstanden von dem, was phelps erzählt hat. Einen Nobelpreis scheint mir der Mann echt nicht wert zu sein.>

Eine sehr gewagte Schlussfolgerung.

Ich habe mehrmals gestandene Physiker gefragt, ob sie Einstein verstehen.

Die Antwort war des Öfteren: Ich weiß nicht, ob ich ihn verstehe.

Keiner würde sagen, er war den Nobelpreis nicht wert.

Also noch einmal darüber nachdenken, ob man eine solche Bewertung am eigenen Verständnis festmachen kann.

Man müsste einmal nachsehen, ob es KRITERIEN gibt, nach denen der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft vergeben wird.

Wenn ich eines aufstellen müsste, dann wäre es:

NACHHALTIGE BEEINFLUSSUNG.

Damit wäre vieles rausgenommen, z. B. ob die intellektuelle Leistung, die ausgezeichnet werden soll, mit Blick auf irgendetwas richtig oder falsch ist, was der Autor damit beabsichtigt hatte – er könnte die Welt auch verar***en wollen – und ob diejenigen, die sich darauf beziehen, sie (richtig) verstanden oder nicht verstanden haben, und ob sie Schaden oder Positives angerichtet hat – sie muss nur WIRKUNG über den Tag hinaus gezeigt haben, darf also keine Modeerscheinung gewesen sein.

15 Nanuk Februar 22, 2010 um 14:41

@Tischer
Menschen wollen ihren Nobelpreis aber nicht Postum.Tote bekommen auch keinen…

16 bommel Februar 22, 2010 um 14:53

@ Lindner #13

Hat er in Allgemeinplätzen geredet oder hatte der Vortrag keine Struktur ?

Apropos Nobelpreis: Ich würde kein so großes Augenmerk auf diese Auszeichnung legen, auch wenn Sie gemeinhin als Pforte zum Olymp der Wissenschaften gesehen wird.
Der Nobelpreis wird zwar an Personen verliehen, allerdings beurteilt er selten die gesamte wissenschaftliche Leistung des Preisträgers, sondern vielmehr eine bzw. ein paar bahnbrechende oder herausragende Publikationen.

Und was Taleb angeht:
Ich denke, es geht nicht nur mir so, dass ich manchmal nicht weiß worauf Taleb hinauswill. Ich bin zwar auch immer gerne dafür zu haben, hochdekorierte Wissenschaftler zu bashen, sobald sie Unsinn reden. Doch Taleb geht mir da manchmal ein wenig zu weit.
Man kann z.B. sagen, dass Black-Scholes und VaR nicht funktionieren, womit man auch in so mancher Hinsicht recht hat.
Wenn man aber sagt, dass solche Modelle für Finanzkrisen verantwörtlich seien, weil sie keine schwarzen Schwäne sehen, dann ist doch schon reichlich weit neben die Tüte gekotzt, sofern man obendrein nichtmal die Spur einer Verbesserung liefert.

17 Dietmar Tischer Februar 22, 2010 um 15:28

@ Nanuk

>Menschen wollen ihren Nobelpreis aber nicht Postum.Tote bekommen auch keinen…>

Schon klar.

Deshalb müssen sie nur lang genug leben.

18 Nanuk Februar 22, 2010 um 16:32

@Tischer
“Deshalb müssen sie nur lang genug leben.”

Na das ist mal ein tolles Kriterium für Nobelpreise wer am längsten lebt gewinnt… Tischer sie sind ein Genius…
http://www.youtube.com/watch?v=TylvUGJIi_w

19 Nanuk Februar 22, 2010 um 16:34

http://www.youtube.com/watch?v=yIN7cNnDJzc

mehr sag ich dazu nicht…

20 weissgarnix Februar 22, 2010 um 19:20

@bommel

>Wenn man aber sagt, dass solche Modelle für Finanzkrisen verantwörtlich seien, weil sie keine schwarzen Schwäne sehen, dann ist doch schon reichlich weit neben die Tüte gekotzt

Ist aber so. Hat auch Taleb nicht als erster bemängelt, sondern die Herren Knight und Keynes, rund 80 Jahre vor Taleb. Und in den Neunzigern war es auch nicht Taleb, der das erste mal darüber schrieb, sondern Bernstein in “Against the Gods”.

Es macht eben einen Unterschied, ob ich Risiken, die ich nicht verstehe, erst gar nicht eingehe; oder ob ich mit viel wahrscheinlichkeitstheoretischem Popanz daraus eine Geschäftsidee mache.

21 bommel Februar 22, 2010 um 21:06

@ wgn

Nein, das ist eben nicht so. Das Modell kann nicht schuld sein, denn das besteht nur aus (im Falle von Black-Scholes viel zu simplen) Annahmen und daraus abgeleiteten Aussagen. Das Problem, auf welches du anspielst, hat aber mit dem klinischen Modell im Prinzip nichts zu tun. Es kommt erst dann zum tragen, wenn ein Schlaumeier behauptet, man könne z.B. mit VaR zu jeder Zeit in jeder nur erdenklichen Situation das “Risiko kontrollieren”

Das ist natürlich krasser Bullshit. Denn wenn es einmal anerkannt ist, dann liefert mir dieses viel zu naive Modell systematisch falsche Ergebnisse. Klar.

Allerdings:
Wenn ich sorgfältige Modifikationen z.B. am VaR durchführe (d.h. die Annahmen so nah wie möglich an die empirischen Befunde heranführen) und akribisch darauf achte, wann das Modell gilt und wann nicht mehr, dann kann es durchaus sehr nützlich sein.

Keynes, Knight etc. haben natürlich recht, dass Sie den Aspekt der Unsicherheit gegen das Risiko stellen. Nur kann das nicht als Argument dienen, prinzipiell keine Risikomodelle zu akzeptieren. Man kann halt messen, wie sehr der “Alltag” von Optionspreisen von chaotischen Ereignissen abhängt und wie sehr von stochastischen. Und dann sieht man eben, dass die stochastischen Einflüsse eine 1000mal so große Rolle spielen im Vgl. zu den unsicheren Einflüssen. Ergo macht es durchaus Sinn weitere Zeit darauf zu verwenden, stochastische Modelle zu finden UND sie mit kritischer Sorgfalt zu prüfen.

22 Dietmar Tischer Februar 22, 2010 um 22:01

@ wsgn # 20

Ich glaube, dass man hier unterscheiden muss.

Wenn Modelle keine Finanzkrisen sehen, OBWOHL man sie hätte sehen können (mit anderen Modellen oder wie auch immer), dann sind sie „blind“, d. h. wenn überhaupt, dann bestenfalls mit beschränkter Reichweite für Nicht-Krisen-Szenarien brauchbar.

Der schwarze Schwan bezeichnet – in der strengen Auslegung – dagegen Risiken, die man prinzipiell NICHT sehen KANN.

Man weiß nur:

Es geht nicht immer weiter mit NUR weißen Schwänen.

WANN – irgendwann – ein schwarzer oder auch blauer oder gelber Schwan auftaucht, ist PER DEFINITION unbekannt.

Wenn ich DARAUF abhebe, d. h. auf die Vermeidung des Risikos „schwarzer Schwan“, dann darf ich überhaupt KEIN Risiko eingehen, d. h. ich muss sozusagen Geschäfte mit dem Bezug auf ALLE weißen Schwäne vermeiden.

Auch über den Umkehrschluss wurde schon diskutiert:

Man kann wegen der Ungewissheit des Eintritts auch nicht OHNE Risiko auf den Eintritt eines „schwarzer Schwan-Ereignisses“ Geschäfte eingehen.

Man muss auch das unterlassen, weil das Eintritts-Risiko nicht abschätzbar ist – auch für einen Mathematiker wie Taleb nicht.

Sie haben ja selbst mal darauf hingewiesen in einem der Threads, dass Taleb doch dieses Risiko eingegangen war und dabei viel Geld verloren hatte.

Er hatte lediglich Glück, dass der schwarze Schwan so rechtzeitig kam, dass er letztendlich doch noch einige Millionen gemacht hat.

23 maestro Februar 22, 2010 um 22:29

@bommel:

Haben Sie schon mal von Benoit Mandelbrot gehört und was er
seit den 50er Jahren über die Finanzmärkten herausgefunden hat?

24 maestro Februar 22, 2010 um 22:32

@Dietmar Tischer:

Ich kann mir kaum vorstellen, dass Sie irgendwas von N.N. Taleb gelesen haben.
btw, er ist kein Mathematiker.

25 unwissender Februar 22, 2010 um 22:42

@maestro

Mandelbrot – solche Fragen darfst Du hier nicht stellen. Hier ist fast alles per Excel erklärbar!

Nur das nicht! ;-)

http://www.stuttmann-karikaturen.de/archivseq.php?id=3471

26 bommel Februar 22, 2010 um 23:25

@ maestro

“Haben Sie schon mal von Benoit Mandelbrot gehört und was er
seit den 50er Jahren über die Finanzmärkten herausgefunden hat?”

Aber natürlich.

27 Dietmar Tischer Februar 22, 2010 um 23:56

@ maestro

Egal, was Sie sich vorstellen oder nicht vorstellen können:

Taleb war außerordentlicher Professor für Mathematik am Courant Institute der New York University und hat Folgendes veröffentlicht (aus seiner homepage):

Mathematical Sciences/Finance:* Mistakes of Risk Management, (with D. Goldstein and M. Spitznagel), Harvard Business Review, *Statistics and rare events, ¬The American Statistician, August 2007, Vol. 61, No. 3 * Scale-Invariance in Practice: Some Questions and Workable Patches ( Complexity –special issue on econophysics, Santa Fe Institute). * Mild vs. Wild Randomness: Focusing on those Risks that Matter (with Benoit Mandelbrot), in The Known, the Unknown and the Unknowable in Financial Institutions Frank Diebold, Neil Doherty, and Richard Herring, editors, Princeton: Princeton University Press, *The Illusion of Dynamic Replication (with Emanuel Derman), Quantitative Finance, volume 5, 4,2005,* Random Jump, Not Random Walk (With Benoit Mandelbrot), forthcoming * Mandelbrot Makes Sense Wilmott, February 2005*These Extreme Exceptions of Commodity Derivatives, in Helyette Geman’s Commodity Derivatives (Wiley, 2004) *On Skewness in Investment Choices, Greenwich Roundtable Quarterly, Volume 2, 2004.

Außerdem:

Für das, was ich geschrieben habe, musste ich Taleb nicht lesen.

28 maestro Februar 23, 2010 um 00:27

@Tischer:

Taleb ist ein studierter BWLer und kein Mathematiker.
Nur weil er sich mit Finanzmathematik beschäftigt, ist er noch lange kein Mathematiker.

Richtig, das was Sie geschrieben haben, hat kaum was mit Talebs Schriften/Arbeit zu tun…

29 ceteris Februar 23, 2010 um 00:41

@wgnx
Es macht eben einen Unterschied, ob ich Risiken, die ich nicht verstehe, erst gar nicht eingehe; oder ob ich mit viel wahrscheinlichkeitstheoretischem Popanz daraus eine Geschäftsidee mache.
Ich versuche dem jetzt mal die passende Krone aufzusetzen:
Dass es überhaupt ein “Risiko” war, erfahren die meisten erst dann, wenn nicht die korrespondierende “Chance” eintritt, sondern eben der andere Fall, auf dessen Nicht-Eintreten die Gewinn-Chance berechnet war. Die Spekulanten sind sozusagen Lottospieler mit negativen Vorzeichen: Sie rechnen damit und darauf, dass sie in der Regel GEWINNEN. Die Hinfälligkeit dieses Geschäftmodells hat mit ihm selber zu tun, nicht mit den faktischen Risiken, die es be- und ver-wertet.
Der “schwarze Schwan” ist da eben nur der banale Gedanke, dass es eben IMMER schiefgehen kann, sobald man die Sphäre der Gewissheit, also die des Geschäftemachens, verlässt.

30 ceteris Februar 23, 2010 um 00:43

aach, keine Editier-Option:
es sollte natürlich heissen:
“sobald man die Sphäre der Gewissheit verlässt, und in die des Geschäftemachens eintritt.”

31 Dietmar Tischer Februar 23, 2010 um 01:06

@ maestro

o.k. er ist kein formal ausgebildeter (studierter) Mathematiker, aber als jemand der in angesehenen Publikationen über Finanzmathematik publiziert hat, ist er – auf DIESEM Gebiet wenigstens – so etwas wie ein Mathematiker.

Können Sie damit leben?

>Richtig, das was Sie geschrieben haben, hat kaum was mit Talebs Schriften/Arbeit zu tun…>

Vermutlich richtig.

Richtig ist auch, dass was ich geschrieben habe, mit dem zu tun hat, was schwarzer Schwan genannte wird. Das muss nicht identisch mit dem sein, was Taleb mit „schwarzer Schwan“ meint.

32 froZ Februar 23, 2010 um 01:09

@ D. Tischer, maestro

Mathematiker oder nicht Mathematiker?

“Ist” jemand das, was er studiert hat, oder das, womit er gerade sein Geld verdient oder als das er sich im öffentlichen Raum inszeniert? Was ist “ist”?

Scheint auf den ersten Blick eine Spitzfindigkeit zu sein, ist m.E. aber so eine Grenze zwischen einer ständischen und einer offenen Gesellschaft.

@ ceteris

Thomas Buddenbrook verließ die für ihn vergleichsweise sichere Welt des Geschäftemachens und begab sich zum Zahnarzt, wo er durch gewisse Prozeduren der Hinfälligkeit seiner leiblichen Existenz erinnert und alsbald auf der Straße dann auch von einem Infarkt dahingerafft wurde. – Solange man sich bei Onvista herumtreibt, ist man meist auf der sicheren Seite; der Schwarze Schwan lauert dann, wenn man den Schritt aus der glitschigen Badewanne wagt.

33 weissgarnix Februar 23, 2010 um 08:21

@ceteris

So kann man das sagen. Der entscheidende Punkt liegt in meinen Augen darin, dass die Zukunft, welche Eintrittswahrscheinlichkeit auch immer man ihr beimisst, auch völlig anders kommen kann. Es ist daher ein Unterschied ob ich sage, ich kann die Zukunft nicht wissen und nehme daher nur soviel Risiko auf mich, wie ich angesichts dieser Ungewissheit verkraften kann; oder ob ich mir einen hohen Erwartungswert errechne und danach meinen Einsatz bemesse.

Aber mal abgesehen von der unvorhersehbaren Zukunft: Das technische Hauptproblem bei der ganzen Wahrscheinlichkeitsherumrechnerei ist eigentlich ein anderes und immer das gleiche: die Wahrscheinlichkeitsrechnung fusst auf der Annahme einer unendlichen Folge unabhängiger Ereignisse. Die gibt’s aber in der Realität nicht, schon gar nicht in der sozialwissenschaftlichen.

Man vergleiche Talebs “Fat Tony/Dr. John”-Bildnis: Dr. John hatte natürlich gemäß den formalen Regeln recht, wenn er sagte, die Wahrscheinlichkeit von “Kopf” ist bei jedem Münzwurf 50%, auch wenn ein und dieselbe Münze bereits 99x hintereinander “Zahl” ergeben hat. In der nicht-perfekten Realität hätte ihm auffallen müssen, dass die Wahrscheinlickeit einer solchen Häufung nur 2 hoch 99 beträgt, sprich 1: 633.825.300.114.115.000.000.000.000.000.

Nun können wir uns in einem derartigen Beispiel darüber sehr schön fachsimpeln und uns über Dr John, diesen Trottel, lustig machen; in der Realität haben wir aber zumeist gar keine Möglichkeit, ähnliche Plausibilitätschecks anzustellen. Wir wissen also gar nicht, was wir jetzt genau als “Black Swan” ansehen müssten, und was nicht.

34 Systemfrager Februar 23, 2010 um 08:34

Ein Kommentator bei Spiegelfechter (“Martin”) schreibt:

Insgesamt wurden auf diesem Planeten ungefähr 65 Personen mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Vierundvierzig davon stammen aus USA, 8 aus dem vergleichsweise kleinen Großbritannien. Ganze 13 verteilen sich auf den kleineren Rest der Welt (Norwegen, Schweden, Niederlande, UdSSR, Kanada, Indien Frankreich und Deutschland) Wenn jetzt der geballte ökonomische Sachverstand der Menschheit sich in nur zwei Ländern konzentriert – wo bitteschön wird dann wohl die zweite große Weltwirtschaftskrise mittels dummer Ideen und Instrumente in Gang gesetzt? In China, in Afrika, in Australien, in Brasilien, auf den Philippinen, auf Madagaskar oder etwa auf dem Balkan in Albanien ( die haben ihren Pryamidenspieltraum vom reich werden schon ausgeträumt!) mithin in der volkswirtschaftlichen Wüste? Nein – das machen die beiden Länder, in denen zufällig an jeder zweiten Strassenecke ein Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften wohnt! 52 von 65 dieser Herren und einer (?) Dame stammen aus diesen Ländern. Was sagt uns das?

35 Systemfrager Februar 23, 2010 um 08:48

Die wissenschaftlichen Vorhersagen und der kleine Unterschied

Jawohl, auch die Naturwissenschaftler können die Zukunft nicht vorhersagen. Wie Recht haben die die Ökonomen, die das immer gern im Munde führen. Es ist in der Tat so, dass ein Physiker nie vorhersagen kann, ob in einem Betrieb mit Maschinen und Arbeiter, den man ihm präsentiert, irgendwann ein Auto oder ein Kühlschranks hergestellt wird. Aber der Physiker kann diesem Betrieb Pläne für Autos bzw. Kühlschränke geben, und wenn sich die Arbeiter daran halten, dann werden sie mit 100% Wahrscheinlichkeit Autos bzw. Kühlschränke herstellen.

Man muss also schon sehr betrunken sein, ein Vergleich der WiWi mit den Naturwissenschaften in der Sache der Vorhersagen zu wagen.

36 36 Februar 23, 2010 um 09:08

,,Man muss also schon sehr betrunken sein, ein Vergleich der WiWi mit den Naturwissenschaften in der Sache der Vorhersagen zu wagen.”
Ja, leider sind wir zu nüchtern, als dass wir unsere Probleme in der VoWi in Griff bekämen. Ein bisschen mehr betrunken, würde vielleicht helfen.

37 Güldenes Kalb Februar 23, 2010 um 09:14

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften existiert gar nicht. Bitte erstmal bei Wikipedia nachlesen:
link

Jeder kann einen Preis verleihen.

38 Systemfrager Februar 23, 2010 um 09:17

@ 36

Ja, leider sind wir zu nüchtern, als dass wir unsere Probleme in der VoWi in Griff bekämen. Ein bisschen mehr betrunken, würde vielleicht helfen.

Noch besser:

Wenn eine Idee am Anfang nicht verrückt klingt, dann gibt es für sie keine Hoffnung.

Einstein

39 38 Februar 23, 2010 um 09:26

Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens.

Nietzche

40 bommel Februar 23, 2010 um 12:12

“Das technische Hauptproblem bei der ganzen Wahrscheinlichkeitsherumrechnerei ist eigentlich ein anderes und immer das gleiche: die Wahrscheinlichkeitsrechnung fusst auf der Annahme einer unendlichen Folge unabhängiger Ereignisse.”

Das ist auch nicht wahr. Man kann eben auch Preismodelle mit abhängigen Zufallsvariablen bauen, die halt keine Markow-Eigenschaft haben.
Es entscheidet die Messung, die Empirie. Und die sagt mir, dass es Situationen gibt (z.B. Kollektiv-Trends), in denen keine statist. Unabhängigkeit herrscht. Andererseits ist der Befund von unabhängig verteilten Ereignissen genauso klassifizierbar und empirisch einfach der häufigste Fall.
Taleb hat ja mit vielem Recht, was er sagt. Insbesondere die fundamentalen out of the box Einsichten sind interessant.
Aber ich vermute mal so vor mich hin, dass Taleb Black&Scholes-Modelle meint, wenn er auf stochastische Methoden schimpft. Zumindest scheint er von den Modell-Entwicklungen (vor allem jene, die nicht in Bankentürmen stattfinden) in den letzten 10 Jahren nicht so viel gehört zu haben.
Er sollte lieber auf Leute schimpfen, die mit fabelhaftem track record daherkommen und einen master of the universe Komplex haben. Die sind es, die stochastische Modelle als Glaskugeln benutzen.

41 Jeff Kelly Februar 23, 2010 um 13:38

Das Problem ist die berechenbarkeit. Ich kann wunderbare Modelle bauen die mit abhängigen Variablen arbeiten. Da aber noch niemand P = NP zeigen konnte scheitern die meisten dieser Modelle an der Komplexität.

Statistisch unabhängige Modelle werden ja auch gerade wegen ihrer (verhältnismässig) guten Berechenbarkeit ausgewählt. Dabei ist erklärtes Ziel Schlüsse die zur Unberechenbarkeit (im Turingschen Sinne) führen würden konsequent zu vereinfachen.

42 ceteris Februar 23, 2010 um 20:43

@wgnx #33
So kann man das sagen. Der entscheidende Punkt liegt in meinen Augen darin, dass die Zukunft, welche Eintrittswahrscheinlichkeit auch immer man ihr beimisst, auch völlig anders kommen kann. Es ist daher ein Unterschied ob ich sage, ich kann die Zukunft nicht wissen und nehme daher nur soviel Risiko auf mich, wie ich angesichts dieser Ungewissheit verkraften kann;
Angesichts es fundamentalen Unwissens darüber, ob nicht alles, was überhaupt schiefgehen kann, nicht auch irgendwann schiefgeht, wäre JEDES Risiko unverkraftbar hoch.

Aber mal abgesehen von der unvorhersehbaren Zukunft: Das technische Hauptproblem bei der ganzen Wahrscheinlichkeitsherumrechnerei ist eigentlich ein anderes und immer das gleiche: die Wahrscheinlichkeitsrechnung fusst auf der Annahme einer unendlichen Folge unabhängiger Ereignisse.
Ja, weil anders lässt sich das auch nicht modellieren, oder sogar “verstehen”. Liegt am Denkansatz und seiner rechnerischen Implementierung: Computer arbeiten linear, sogar Berechnungen selber sind linear, so lange nur einer rechnet. Rechnen mehrere parallel, müssen sie sich “synchronisieren”, d.h. eine Linearität im setting herstellen, die linearem Verhalten entspricht.

Die gibt’s aber in der Realität nicht, schon gar nicht in der sozialwissenschaftlichen.
Man vergleiche Talebs “Fat Tony/Dr. John”-Bildnis: Dr. John hatte natürlich gemäß den formalen Regeln recht, wenn er sagte, die Wahrscheinlichkeit von “Kopf” ist bei jedem Münzwurf 50%, auch wenn ein und dieselbe Münze bereits 99x hintereinander “Zahl” ergeben hat. In der nicht-perfekten Realität hätte ihm auffallen müssen, dass die Wahrscheinlickeit einer solchen Häufung nur 2 hoch 99 beträgt, sprich 1: 633.825.300.114.115.000.000.000.000.000.

Mir fällt dazu eine Figur aus Pynchons “Enden der Parabel” ein, die sagte “Der Zufall hat kein Gedächtnis.” Hat er ja auch nicht. Das Problem sind die Erwartungen, das Vorwärts-Gedächtnis, sozusagen. Das hat eigentlich nichts mit der Realität zu tun, sondern nur mit den Versuchen, sie zu beherrschen. Das einzige von mir beherrschbare “Risiko” liegt also in den Sachen, die ich kontrolliere. Und so gesehen bilden sich da Assoziationen zum Wirtschaftsgeschehen der letzten Jahre, die weder mit Markt noch mit Risiko etwas zu tun haben – sondern mit dem genauen Gegenteil.

Wir wissen also gar nicht, was wir jetzt genau als “Black Swan” ansehen müssten, und was nicht.
Ich verstehe den “Black Swan” nur als eine Neuformulierung von Murphy’s Law. Mehr scheint mir da nicht dran, außer natürlich der alten Weisheit, dass es meistens anders kommt als man denkt, die höchsten Risiken sich also genau daraus ergeben, dass man meint, die Risiken im Griff zu haben.

43 Dietmar Tischer Februar 24, 2010 um 00:32

@ froZ # 32

>Mathematiker oder nicht Mathematiker?

Scheint auf den ersten Blick eine Spitzfindigkeit zu sein, ist m.E. aber so eine Grenze zwischen einer ständischen und einer offenen Gesellschaft.>

Für mich ist das eher eine Frage der Definition.

Ich kann damit leben, dass jemand nur dann Mathematiker genannt werden darf, wenn er einen entsprechenden Universitätsabschluss vorweisen kann.

Das „ist“ von „ist Mathematiker“ dient dann der EINORDNUNG, hier eben in der Menge der Universitätsabschlüsse.

44 planning under uncertainty März 5, 2010 um 22:11

wer kann mir bei stochastischen modellen in supply chains helfen?

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