Ich wollte gerade bei destatis nachsehen, wie sich der Außenhandelssaldo 2009 nun konkret entwickelt hat. Aus den unterjährigen Schätzungen hatte ich immer so eine Größe um -20% im Kopf, bei der Verkündung der finalen BIP-Zahlen vor ein paar Tagen hatte ich -18% aufgeschnappt, ohne allerdings richtig hinzuhören.
Jetzt lese ich gerade, der deutsche Außenhandel ist 2009 um satte 34% eingebrochen. 34 Prozent! Absoluter Wahnsinn. Von 155 Milliarden auf 99. Es waren die Exporte, die um 18% zurückgingen, von 1.179 auf 99 Milliarden. Die Importe gingen aber nur um 14% zurück, von 1.024 auf 876 Milliarden. Gegenüber 2007 ist der Außenhandelsbeitrag damit um sage und schreibe 42% zurückgegangen. Gleichzeitig sackten auch die Investitionen um rund 60 Milliarden ab.
Wow!
Dass der Staat im gleichen Zeitraum sein Defizit um knackige 78 Milliarden erhöht hat, dürfte uns das Schlimmste erspart haben. Aber man darf wohl weiterhin gespannt bleiben. Immerhin gingen die ausgewiesenen Gewinn- und Vermögenseinkommen trotzdem um 72 Milliarden zurück. Noch so ein Jahr, und eine Vielzahl von Firmen wird in die Pleite schlittern.
Meine (nicht sehr schwierige) Prognose für die nächsten Jahre: weiterhin hohe Staatsdefizite ahoi! Geht ja gar nicht anders. Bin mal gespannt, wie die FDP damit zurechtkommen wird.













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Die FDP? Die wird sich bald freiwillig wieder aus der Regierung verabschieden, weil man doch lieber von der Oppositionsbank aus rumstänkern möchte, anstatt RegierungsVERANTWORTUNG zu übernehmen … Steini und Steine reiben sich die Hände, die Merkel hat ihre alten Kumpels wieder und es wird großkoaliert bis zum Gehtnichtmehr
Detaillierter Katastrophenbericht aus dem produzierenden Gewerbe sowohl Geamtjahr als auch Dez.2009 und Q4:
https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?CSPCHD=01a00001000041irljMm000000jmaLgz5utywbf4qKDuS8_Q–&cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1025310
Die Branchen, bei denen die Diskrepanz zwischen “Anzahl der Beschäftigten” und “Geleistete Arbeisstunden” besonders hoch ist sind die Kurzarbeiterbranchen. Hier wird mit Entlassungen zu rechnen sein.
“Noch so ein Jahr, und eine Vielzahl von Firmen wird in die Pleite schlittern.”
Das werden aber mehr als nur 1 Jahr. Ganz normal, wenn man auf Sand baut. Es lebe der Kapitalismus – bis zum Schluß – hurra! Irgendwann wird auch der letzte Dumme merken was wirklich los ist. Ich freue mich schon auf die dummen Gesichter und Kommentare, wenn die Welle der Pleiten losbricht.
Quatsch mit Soße. Wer regt sich über das japanische Staatsdefizit auf ? Griechenland prozentual mal zwei. In absolutem Betrag ein Vielfaches. Dümmliche Propaganda. Die Zahlen besagen, es kann, und wird, nur besser werden. Schon wegen des Basiseffektes.
@ Virus
vollkommen unerwartet, und überraschender… “als erwartet”
@holger
Ja! Morgen laufen die Trottel wieder und werfen Kamelle. Die könnten aber genauso gut ihr Hirn werfen (so sie denn über eines verfügen). Lol.
@ Michael
Japan hat ja auch noch eine eigene Währung. Und wenn es mit der Ehre nicht mehr hinhaut, jagen die sich ein Kurzschwert in den Wanst. Jetzt fängst du auch noch an, Mentalitäten mit einander zu vergleichen. Europa ist nicht Japan oder China, wir sind Langnasen.
Die Kriminellen von der ersten Reihe…
http://www.heise.de/tp/blogs/8/147079
Nur mal als Beispiel:
WZ 28 Maschinenbau
Betriebe / Tätige Personen / Arbeitsstunden Gesamt 2009
Veränderungen gg.Vorjahr
3693 +2,4% / 880.000 -2,0% / 1.253.000 -11,7%
Betriebe / Tätige Personen / Arbeitsstunden Dezember 2009
Veränderung gg.Vormonat bzw. Veränderung gg.Vorjahresmonat
3678 / 857.000 -0,5% bzw. -5,4% / 93.000 -14,0 % bzw. -9,5%
Die Diskrepanz von zwischen der Veränderungsrate der “Tätigen Personen” und der “Geleisteten Arbeitsstunden” weist auf versteckte Arbeitslosigkeit hin, sei es durch Kurzarbeit oder Produktivitätsabfall. Dies führt zu einer Erhöhung der Lohnstückkosten auf Grund niedrigerer Produktivität.
Entgelte / Umsatz / Umsatz Inland Gesamt 2009
Veränderung gg. Vorjahr
37.700.000 -7,3%/ 164.000.000 -22,1%/ 66.000.000 -22,1%
Hier sinken die Gewinne bzw. fallen Verluste an, was früher oder später zu Massenentlassungen oder/und Unternehmenspleiten führen wird.
Entgelte / Umsatz Dezember 2009
Veränderung gg.Vormonat bzw. Veränderung gg.Vorjahresmonat
3.074.000 -14,7% bzw. -11,9%/ 16.000.000 +17,3% bzw. -17,9%
Der Anstieg der Umsätze gegenüber Vormonat täuscht über die wahre Situation hinweg. Im Vergleich zum Dezember 2008, in dem die Ausweitung der Kurzarbeit begonnen hatte, sind die Umsätze weiter erheblich zurückgegangen. Der Rückgang der Entgelte im Vergleich zum Vormonat deutet darauf hin, dass die Kurzarbeit wieder ausgeweitet wurde oder bereits erste Entlassungen erfolgen. Da die Anzahl der tätigen Personen jedoch nur um -0,5 zum Vormonat abgenommen hat bleibt nur eine Erklärung: Der Maschinenbau hat im Dezember im Vergleich zum Vormonat auf 85% Kurzarbeit reduziert, nochmal -12% unter das Niveau von 2008.
Auslandsumsatz Gesamt 2009
-22,1%
Auslandsumsatz Dez.2009
+24,2 gg. Vormonat / -16,3% gg. Vorjahresmonat
http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/02/auftrage-deutscher-maschinenbau-mit-38.html
@ Zecke
und jetzt rechne noch ein:
Dollar hoch, Rohstoffpreise (Energie, Stahl etc.) hoch, Euro runter. Importpreise? Exporterlöse? Gewinn?
Tja, ein explosives Gemisch.
@ Virus habe ich schon gelesen
mich interessieren aber mehr noch die Variablen Kosten. Die Fixkosten, scheinen ja schon am unteren Level zu liegen.
@holger
Soweit geht mein Interesse nicht. Ich will mir ja mein Leben nicht mit all den bürgerlichen Problemen versauen.
Wann ist die FDP denn mal mit irgendetwas ‘zurechtgekommen’?
Tja, vor 14 Tagen wurden im Börsenteil der ZDF-Tagesthemen noch EFF’s auf den DAX empfohlen. Und dieser manipulative Optimismus im Börsenteil der FAZ. Ekelhaft. Dann kam Griechenland. Schön dumm, wer drauf reingefallen ist. Und die Konjunktur, sie geht ja schon seit anderthalb Jahren aufwärts. Der Ackermann hat seitdem schon zwei mal das Ende der Krise verkündet. Und die Mundwinkel unserer Kanzlerin hängen gerade so tief, wie die Nase der Sphinx am Boden liegt. “Es kann auch schiefgehen”, hat sie mal in einem seltenen Moment ahnungsvoller Ehrlichkeit gesagt. Sie hat gerade nicht besonnen gehandelt, sie hat gezockt. Besonnen war ihr Handeln nur in Bezug auf die bevorstehende Bundestagswahl. Da blieb ihr wohl gar nichts anderes übrig, als die Kurzarbeit zu verlängern. Das ist halt auch die Handlungsmaxime der Politik: Risiko auf Deifel komm raus. Und für unsere Altersvorsorge, da sieht’s mau aus. Die 1-2 Prozent Zinsen, die man kriegt, werden ja mehr als doppelt von der Energiepreis Inflation aufgefressen. Auch dort wird wieder gezockt. Da bleibt uns wohl tatsächlich nichts andere übrig, als ETF’s zu kaufen und Schulden zu machen. Zocken für die Altersvorsorge und Schulden machen. Das gilt privat heutzutage genauso wie für die Politik.
…einen langen Frieden ueberlebt niemand.
@holger
Dann schenk doch den Genossen sowie Brüdern und Schwestern der seinerzeitigen “Regierungsparteien”, jetzt in der Opposition, einen türkischen Krummsäbel. Von wegen Mentalität der Langnasen. Man sollte zwischen den Kulturen schon mal deutlich unterscheiden. Wir wären deutsche Deppen, wenn wir so einen Schwachsinn der Medien noch länger ernst nehmen. Soll der T€uro doch auseinanderfliegen, nichts lieber als das. Nicht etwa für den Ausschluß Griechenlands aus dem Euro, bin ich, sondern für das Zerbrechen dieser Mißgeburt. Bei aller Sympathie zu den “Alten Kulturnationen”, meine Währung möchte ich nicht mit ihnen teilen müssen.
Aber zurück zu den Wirtschaftszahlen, die werden sich sehr bald, nur wegen der Basiseffekte, verbessern. Ohne wirklich gut zu sein. Nur Panik stiften ist jetzt nicht mehr. Die Party ist vorbei. Die Arbeitslosigkeit ist schon seit Monaten höher als zur letzten Rezession, nämlich ALG I + II 6 Millionen. Man kann nur verblüfft über das staunen, was die Medien zu dem Thema absondern. Die Arbeitslosigkeit ist ein “Nachläufer” der Konjunktur. Die verkündeten Zahlen waren im vergangenen Jahr nur Schwindelpackungen, durch und durch. Aber “besser als von Anaaalysten erwartet”, nachdem notfalls die Erwartungen einen Tag nach Verkündung noch mal etwas abgesenkt wurden.
Ich scharre schon mit den Bullenhufen und hab das Geweih von der Wand abgenommen. Ein weiterer kleiner Krieg in nächster Zeit scheint mir allerdings nicht ausgeschlossen. Die Frage ist doch nicht, was verkündet wird. Das ist unwichtig. Was wird nicht gesagt ? Peking, 50% Leerstand bei Gewerbeimmobilien ? Auch.
Wir haben nicht gewußt, dass Griechenland, strenggenommen fast keiner die € – aufnahmekriterien erfüllte ? DOCH, wir wußten es. Wo ist die Staatsverschuldung D Ende 2010 ? 80 %, €u-Zone 83%, im Maastricht-Vertrag stehen allerdings bescheidenere 60% festgeschrieben. Nicht ohne Grund. Diese 60% sind der point of no return. Tut mir leid, aber das jetzige Geldsystem ist leider mal wieder gescheitert.
alles eine frage der Fälligkeit…
@ Michael
–>Soll der T€uro doch auseinanderfliegen, nichts lieber als das. Nicht etwa für den Ausschluß Griechenlands aus dem Euro, bin ich, sondern für das Zerbrechen dieser Mißgeburt. Bei aller Sympathie zu den “Alten Kulturnationen”, meine Währung möchte ich nicht mit ihnen teilen müssen.”
Wenn dieser Tag da ist, und er kommt, dann kommt ein großer Einschnitt, und ich lade dich (nicht nur dich, de Frank auch) zu Schnittchen und Sekt ein
an einem schönen sonnigen September Abend.
@holger
Sinkender Euro wäre das Beste was den Kapitaleignern der deutschen Exportwirtschaft passieren kann, dann steigen die Gewinne und eventuell auch der Umsatz und Beschäftigung (also prinzipiell, wenn keine Krise ist) in diesen Branchen – auf Kosten von Beschäftigung und Einkommen in anderen VW. Das würde die weltweiten Ungleichgewichte weiter verstärken.
Die Fixkosten entscheiden das Spiel: Deren Anteil an den Gesamtkosten steigt mit sinkender Ausbringung, bzw. Umsatz. Was meinst Du, warum Banken keine neue Kredite vergeben, bzw. Kreditlinien streichen ?
Die variablen Kosten lassen sich regulieren. Sieh Dir mal die Arbeitsmarktzahlen in den USA an. Warum entlassen die Unternehmen in Deutschland nicht ? Weil sie über Kurzarbeit auf Kosten des Staates ihre Mitarbeiter im Betrieb halten können (außer die Beiträge zur SV) und weil die kapitalintensive Exportwirtschaft dazu verdammt ist, hohe Umsätze zu erzielen. Sie können ihre Kapazitäten nicht unterausgelastet lassen, sie müssen ihre Kreditzinsen bezahlen. Noch bezahlen es die Aktionäre über sinkende Einkommen aus Gewinnen und Dividenden. Wenn es an die Kreditzinsen geht, bezahlen die Banken, also die Lebensrentenversicherungsverriesterte Mittelschicht. Die Unternehmen hoffen auf irgendeinen Aufschwung, in welchem sie einfach die Kurzarbeit bequem zurückfahren können, ohne die Kosten von Neuanstellungen bezahlen zu müssen. Und die Banken versuchen derweil, das Kreditrisiko an den Soffin, also Staat, also Haushalt weiterzuleiten. Der wird aber nur über neue Schulden…das Geld fließt wieder in die falschen Säcke.
Bleibt dieser Aufschwung aus, bleibt den Banken und den Unternehmen keine Wahl: Anlagen werden still gelegt, Arbeitnehmer entlassen, Kredite fallen aus.
Ich habe keinen Zweifel, dass es genau so kommt. Noch innerhalb des ersten Halbjahres werden wir den dritten Strich vom W sehen.
Der Staat muss jetzt ein gewaltiges Konjunkturpaket auflegen. Er muss dringend für Beschäftigung und Einkommen sorgen. Auf jeden Fall über neue Schulden und wegen mir auch gerne über die Notenpresse. Der Staat hat die Möglichkeit, Ausgaben und Investitionen sinnvoll in die Binnenwirtschaft zu lenken und nicht das Geld in die Rachen der Eigentümer und Gläubiger einer sterbende Exportwirtschaft zu stopfen. Wird das mit den Komödianten von der CDUFDP zu machen sein ? Für die Antwort brauche ich keine Glaskugel.
@ Michael
Treffpunkt FFM beim Bullen und Bär.
Das wird ein National Feiertag werden.
@Nanuk
Bei den Kommentaren hier muss ich immer an Bocaccio denken.
Wir sitzen hier gemuetlich und warten dass die Pest vorbei geht,
wer hat ein Landhaus ?
Nächste Woche ist die Krise vorbei… keine sorge…
Merkel und der Kulturgenius Westerwelle werden euch retten… die können das sind doch alles Top Leute.
http://www.youtube.com/watch?v=lNMD7KGJd1o
Rom in Flammen… und Nero ist Hauptbrandmeister.
@ Zecke
entweder habe ich bei der BWL gepennt, oder ich war im OFF. Was bestimmt den Break Even Point? die Fixkosten oder die Variablen?
–>Die variablen Kosten lassen sich regulieren.”
Wer reguliert die denn? Die Rohstoff und Energiepreise, und wieviele % machen die -in der G&V aus? Oder in der Bilanz?
–>Die Fixkosten entscheiden das Spiel: ”
Ich weiß nicht, geht doch einfach mal in die technische Betriebswirtschaft. Tut mir echt leid. Solltest du ein Diplom haben, geb es freiwillig zurück.
Regulierung:
Die Anzahl der Arbeitnehmer ist variabel und regulierbar (über Entlassungen) und die Höhe der Löhne ist Regulierbar (über Lohnsenkungen)
und wenn nicht dann können Schlotter und Heinsohn ja Konzentrationslager bauen… ein Herzliches Alaf nach Köln…
http://www.youtube.com/watch?v=knaIUw7doyA
@holger
Ja, Frankfurt wäre ideal. An dem Tag wäre nämlich Weltmeisterschaft im Turmspringen. Wir könnten uns als Schiedsrichter bereiterklären. Haltungsnoten wären ganz wichtig.
Zwei Tomaten gingen über die Straße. Eine wird überfahren. Sagt die andere: “Hey Ketchup, komm, wir müssen weiter.”
@zecke
So ist es nicht. Die Buben haben sich im Dollarraum verschuldet. Wenn der T€uro meinetwegen auf 0,75 abschmierte, hätten die enorme Probleme. Bei 1,3 oder 1,2 ist der €uro STARK bzw. Neutral.
@ Zecke
–>Die Anzahl der Arbeitnehmer ist variabel und regulierbar (über Entlassungen) und die Höhe der Löhne ist Regulierbar (über Lohnsenkungen)”
Nein, weil nur Überstunden und die damit verbundenen Zuschläge zu den Variablen Kosten zählen.
Du reduzierst die Fixkosten, in dem du den Stamm reduzierst. Und nicht die Variablen Kosten.
Hast du schon mal einen Maschinenstundensatz kalkuliert?
Die Buben haben sich im Dollarraum verschuldet.
Wenn “die Buben” das haben, also Dollarverschuldung für Produktion im Euroraum, dann haben sie über Währungsgeschäfte abgesichert.
Spekuliert wird nur an den Finanzmärkte, nicht in der Realwirtschaft – außer der Hedge-Fonds Porsche und schwäbische Immobilienbesitzer mit CHF-Krediten
@ Michael
–>Ja, Frankfurt wäre ideal. An dem Tag wäre nämlich Weltmeisterschaft im Turmspringen. Wir könnten uns als Schiedsrichter bereiterklären. Haltungsnoten wären ganz wichtig.”
Ich glaube, das ist eine sehr gute Idee
ich denke der Frank wird das gut moderieren.
Deutschland sucht den Superbroker
Die produzieren doch in Größenordnungen in Asien, das am Dollar hängt. Da stecken die Kredite, Schulden, in Dollar denominiert. Es war doch so, dass die überaus erfolgreichen Asiaten für sich die Erfolge verbuchten, die Gewinne allerdings in Größenordnungen westlichen Unternehmen zuflossen. Für die waren ihre Ratenzahlungen bei immer schwächerem Dollar ein Lacher. Wenn der Euro wider jeder Erwartung (es wäre relativ gesehen wirklich völlig hirnrissig den Dollar jetzt aufwerten zu lassen) abwertete, würden die das nicht so gut finden. Nebenbei, die hier verlorenen Arbeitsplätze kann man in Asien wiederfinden. Sie werden, wie die der vorher auf diese Weise wegrationalisierten Stellen ganzer Industriezweige, nicht zurückkommen. Es sei denn, China crasht. Dann gunge es an den Märkten rund. Mein bevorzugtes Szenario.
@holger
OK, weil Du es bist…ein (statisches) Beispiel:
Zinsen: 1000 €
Rohstoffeinkauf: 1000 $
Löhne: 1000 €
Produktion: 100 St.
Verkaufspreis: 50$/St.
Wechselkurs: 1€=2$
Kosten: 2500 €
Umsatz: 5000 $ = 2500 €
Gewinn= 0 €
Krise:
Zinsen: 1000 €
Rohstoffeinkauf: 500 $
Löhne: 1000 €
Produktion: 50 St.
Preis: 50 $/St.
WK: 1€=2$
Kosten: 2250 €
Umsatz: 2500 $ = 1250 €
Verlust: 1000 €
Möglichkeit: Entlassen von 50% der Belegschaft
Zinsen: 1000 €
Rohstoffeinkauf: 500 $
Löhne: 500 €
Produktion: 50 St.
Preis: 50 $/St.
WK: 1€=2$
Kosten: 1750 €
Umsatz: 2500 $ = 1250 €
Verlust: 500 €
Besser, aber noch nicht gut genug. Siehst Du, wo das Problem liegt ? Es sind die Zinsen.
Jetzt hat die Exportwirtschaft Glück: Griechenland ist in der Klemme und der Euro sinkt !
Zinsen: 1000 €
Rohstoffeinkauf: 500 $
Löhne: 500 €
Produktion: 50 St.
Preis: 50 $/St.
WK: 1€=1$ (!)
Kosten: 2000 €
Umsatz: 2500 $ = 2500 €
Gewinn: 500 €
@holger
Ja, aber wir könnten mehrere Klassen unterteilen. Ich denke, die besten Haltungsnoten im Sturzflug bekämen die Anaaalysten. Die miesesten die EZB – Notenbankster. Außerdem wäre abzustimmen, ob EZB vor Deutschbank hüpft oder Goldman die Qualifikation eröffnet.
@ Zecke
warum steigt dein Einkaufspreis beim Rohstoff nicht? sondern fällt um 50%? und warum in USD und nicht bereinigt in Euronen?
Ich sags nochmal Löhne, sind FIX (Stamm) und durch Leiharbeiter Variabel.
bringt nix für meinen Musterbetrieb. Durchgefallen, bei jeder Prognose für die nächsten 3 Jahre. Den Businessplan, würde ich zerreißen. Macht übrigens die Bank auch, wenn du mit so etwas ankommen solltest. Wenn nicht, dann Hut ab.
@zecke
Die produzieren aber nicht in €-Land. Da ist der Haken an deinem Beispiel. Sie produzieren in Asien und zahlen Spottlöhne, das auch noch in Dollar.
@ Michael
so wie beim Skihüpfen, “Nationen Weltcup” 10 pro Team, und es gibt 2 Durchgänge. Goldmann als erster, danach folgt der Vertreter Von Deuba usw. usf.
@Michael
Die produzieren doch in Größenordnungen in Asien, das am Dollar hängt. Da stecken die Kredite, Schulden, in Dollar denominiert.
Das ist dann aber nicht mehr deutsche Exportwirtschaft: Schulden in Asien, Produktion in Asien, Absatz in Asien…Wo ist das Problem ? Ich sehe den Bezug nicht. Dass Gewinne in Fremdwährung in Inlandswährung schwanken, was hat das mit der Produktion zu tun?
Ich muss allerdings zugestehen, dass ich nicht genau weiß, inwieweit sich deutsche exportierende Unternehmen bzgl. des Absatzes gegen WK-Schwankungen absichern, also innerhalb welchen Zeitrahmens das möglich bzw. kalkulierbar ist, insbesonderer natürlich gegenüber einer Aufwertung der Währung in der sie produziert haben. Vernünftig wäre es und im Prinzip müsste das auch gehen: Schulden in einer Fremdwährung gegen Abwertung der eigenen Währung absichern und potenielle Forderungen in Fremdwährung gegenüber einer Aufwertung der eigenen Währung absichern. Die Banken machen über die Gebühren ein großartiges Geschäft.
@holger
warum steigt dein Einkaufspreis beim Rohstoff nicht? sondern fällt um 50%?
Die Menge hat sich halbiert, nicht der Preis. Wenn ich nur 50% Autos produziere, brauche ich auch nur 50% Stahl. Rohstoffpreisschwankungen habe ich nicht berücksichtigt, nur WK-Schwankungen. Die Rohstoffpreise sind im Vergleich zu ihren Hochs teilweise erheblich in $ gefallen.
@ Zecke
im Rohstoff und sonstigen Zahlungsabwicklungen, über das ICC, bist du noch nicht ganz informiert, ist das richtig? Dann verstehe ich, einiges. Macht aber nix. Schau dir die Geschichte des LOC (Letter of Credit) an. Wann wie was fällig wird. Dann wirst du sehen, dass dein Beispiel nicht funktionieren kann. Noch ein Tip: Spot-Märkte beobachten.
@ Zecke 38
Nochmal, ich habe diese Sachen bis zum Erbrechen durch exerziert. Ich werde dir aber keinen Kurs in Betrieblichen Kennzahlen jetzt geben können. Das sprengt den Rahmen. Nur eines, Rohstoffe und Güter aus Fernost, kommen nicht per Stück, sondern Container weise.
Oder sogar ganze Schiffsladungen. Da ist der Einkäufer am schwitzen. Denn nur im Einkauf liegt der Gewinn.
@ Zecke und noch was
–>Die Menge hat sich halbiert, nicht der Preis.”
Dann mach nicht die Einheit USD dahinter sonder lbs. Stck. oder sonst was.
Thomas de Maizière (CDU) ließ im Kern Nähe zu den Positionen des Vizekanzlers erkennen. «Was wir brauchen, ist eine neue Aufstiegsmentalität, sonst wird die Solidarität der Steuer- und Abgabenzahler zerstört, die das System finanzieren»
http://www.youtube.com/watch?v=X6dl-1cybvU
Zahlendreher?
“Es waren die Exporte, die um 18% zurückgingen, von 1.179 auf 99 Milliarden.”
966 kommt eher hin, nur so als Anmerkung, was aber an der Grundaussage nichts ändert.
“die das System finanzieren”
Den Rentiers die Yachten hätte er sagen sollen…
und Harzler ihr dürft auch singen…
http://www.youtube.com/watch?v=rCS14PoQc2M
weissgarnix, alter Bücherwurm, und natürlich auch die anderen, angesichts der hier versammelten Fachkompetenz erlaube ich mir mal die Kommentarsektion für die Bitte nach einer Buchempfehlung in Beschlag zu nehmen. Mir ist mal wieder aufgefallen, dass es mir nicht gelingt den modernen Geldschöpfungsprozess in seiner vollen Reichweite und (möglichen) Folgewirkungen zu durchdringen. Kannst du/Könnt ihr mir ein Buch empfehlen, was sich mit dem Thema kritisch auseinandersetzt, also nicht so weichgespült wie die üblichen Geldtheorie-Lehrbücher, aber noch mehr mainstream-kompatibel als B. Senf?
@Antoine Roquentin
http://www.suhrkamp.de/buecher/gesamtausgabe_in_baenden-georg_simmel_28406.html
@Virus: Danke, den Simmel habe ich schon gelesen.
Ich suche jetzt eher etwas was sich speziell mit der multiplen (Buch-)Geldschöpfung befasst, u.a. also mit der häufig diskutierten Frage der “exponentiellen” Wirkung dieses Mechanismus, möglichen Gefahren für die Geldwert- und Outputstabilität, also ein wenig technischer als der Simmel, aber mit mehr Bezug zu der wirtschaftlichen Praxis als es heutige Geldtheorie-Lehrbücher in akademischer Distanz praktizieren (bisschen in Richtung Binswanger also).
@Antoine Roquentin
Da bekommst du alles erklärt…
http://www.youtube.com/watch?v=vVkFb26u9g8
@Antoine Roquentin
Da kann ich nicht weiterhelfen. Ich lehne Geld als solches – also grundsätzlich – ab. Und wer sich da auf Sartre bezieht, dürfte da eigentlich so viel anders denken. Allerdings mochte ich Camus lieber.
@Antoine Roquentin’50
Korrektur!
Da kann ich nicht weiterhelfen. Ich lehne Geld als solches – also grundsätzlich – ab. Und wer sich da auf Sartre bezieht, dürfte da eigentlich NICHT so viel anders denken. Allerdings mochte ich Camus lieber.
@Antoine Roquentin #46
versuchs mal mit einem Standarlehrbuch zur Einführung
http://www.utb-shop.de/details.php?catp=&p_id=10901
@weissgarnix
ui, nach monatelanger Luhmann-Interpretation endlich mal wieder reale Zahlen aus der Anstalt
Können wir die Diskussion hier evtl. mit ersten Schätzungen/Hochrechnungen darüber ergänzen, was die anstehende Griechenlandpleite oder der damit verknüpfte anstehende indirekte HRE-Bailout (zum x-ten mal, hab den Überblick verloren, andere Banken und Versicherungen bei Bedarf dann ergänzen) im aktuellen Bundeshaushalt anrichtet?
Reichen Garantien oder muss diesmal haushaltswirksames echtes Geld ran?
Und wir ergänzen das dann bitte mit ein paar Bemerkungen zur Finanzierung einer 20 Mega€-Steuersenkung der traumtanzenden Mövenpickpartei?
20-Mega€ bitte durch 20-Giga€ ersetzen (sorry)
alternativ : 0,02 Tera€ (sieht optisch deutlich besser aus
@Tera€
http://www.goldseiten.de/bilder/artikel/flossbach-12543_17.png
na ein paar Jahre kann das noch so weiter gehen… bis ja bis?
http://www.youtube.com/watch?v=g4ZxjZEanT0
http://www.heise.de/tp/blogs/8/147072
@Virus
“15. Februar 2010 10:17
Ist wie fernsehen
edgar666 (mehr als 1000 Beiträge seit 02.09.06)
man kann halt nur zuschauen. Alles andere ist für Unsereinen außen
vor und außer Reichweite.”
Das ist der Beste Kommentar dazu…
http://www.youtube.com/watch?v=saalGKY7ifU
@Nanuk #57
Titanic. Ja, Du sagst es. Oder auch der ,,Nonnenmacher” Effekt. Während oben im Festsaal noch ,,Weitermach-’” Parolen bei Sekt und Tanzmusik ausgegeben werden, läuft unten das Wasser in den Maschinenraum hinein. Ein paar Ingenieure laufen verwirrt auf den Gängen herum und der Käpten meint, alles nur Panikmache.
@Nanuk’57
Na und da sucht oben noch einer nach Büchern über “Geldtheorie”, dabei ist die Praxis schon so nah – fast schon greifbar. Lol.
@guang
Ich glaube bei vielen jungendlichen ist die Stimmung so…
http://www.youtube.com/watch?v=KcyzF06ridc
@guang
http://www.youtube.com/watch?v=O8eXAjePtjg
@Nanuk
Du hast die Geheimwaffe vergessen. Wahrscheinlich bauen deutsche Wissenschaftlern mit Hilfe von Herrn Systemfrager hier im Blog gerade eine neue V 2 gegen die Verschuldung. Du wirst sehen, dieses Land kommt in der EU noch mal ganz gross raus.
http://www.youtube.com/watch?v=W0BOWjahjpY&feature=related
@Nanuk
…wo bleiben eigentlich die Durchhalteparolen von Köhler zur Lage der Nation? Ist der überhaupt noch Bundespräsident?
Die FDP? Die führt jetzt dann bis spätestens 2012 die Steuererklärung auf einer Din-A4-Seite ein und baut den Sozialstaat um (oder ab): http://www.pnp.de/nachrichten/artikel.php?cid=29-26993755&Ressort=pol&Ausgabe=a&RessLang=&BNR=0
Die neue V2
Westerwelle (FDP): Sozialstaat sollte “treffsicherer” werden
Der FDP-Vorsitzende Westerwelle hat sich für einen grundlegenden Umbau des Sozialstaats ausgesprochen. Der Bundesaußenminister sagte im “Interview der Woche” des Deutschlandfunks, man müsse denjenigen mehr helfen, die sich selbst nicht helfen könnten – insbesondere den Kindern. Dafür müsse der Sozialstaat treffsicherer werden. Auch müssten die Sozialleistungen umfassender diskutiert werden, und zwar nicht nur als eine Frage von Regelsätzen. Zudem verteidigte Westerwelle seine Äußerungen nach dem Hartz-Vier-Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Er bezeichnete es als zynische Debatte, dass sich die Erwerbstätigen dafür entschuldigen müssten, dass sie von ihrer Arbeit auch etwas behalten möchten. Wenn man für diese Ansicht kritisiert werde, sei das eine ziemlich sozialistische Entwicklung in dieser Republik. “
Quelle: http://www.dradio.de/nachrichten/201002141100/1
@guang
Der hat sich schon abgesetzt… in China ist für Aparatchiks immer ein Plätzchen frei… zur not nimmt Singapur bestimmt auch noch welche auf…
@guang’63
Der Eintrag des Tages! Lol.
@Nanuk #66
Wohin auch immer…
http://www.youtube.com/watch?v=EUflrm_22tY&feature=PlayList&p=BE8DD1E24FFE6A7A&playnext=1&playnext_from=PL&index=31
V2-Waffe gegen die Verschuldung.
Ein Spitzensteuersatz von 90% für Einkommen über 180000 bringt 100 Milliarden.
Eine Stärkung der Gewerksschaftsorganisationen und ein Mindestlohn bringen nochmals 100 Milliarden.
Wer arbeitet darf nicht der Dumme sein.
“Wäre die Verteilung zwischen Unternehmens-/Vermögenseinkommen einerseits und Arbeitnehmerentgelt andererseits in 2007 unverändert wie in 2000 geblieben, hätten sich Unternehmer/Vermögende gleich wie Arbeitnehmer um jeweils 20% Steigerung (nicht inflationsbereinigt) in den letzten 7 Jahren freuen können.
UND: das Arbeitnehmerentgelt hätte dann allein in 2007 um 135 Milliarden Euro höher gelegen!! Das hätte bedeuten können:
44 Mrd. Euro mehr für die Sozialversicherungskassen
(Renten, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung)
20 Mrd. Euro mehr Steuereinnahmen (Lohnsteuer)
71 Mrd. Euro mehr Nettolohn für die Verbraucher”
Die V2-Waffe gegen Verschuldung wurde zuletzt von Willy Brandt angewandt.
Die Staatsschulden sanken auf 19% des BIP.
Auf jeden Fall sprechen wir niemals über Wirtschaftspolitik.
Westerwelle verarscht euch alle, weil die Medien mitspielen.
@Salve
http://www.youtube.com/watch?v=qFHbwikzNds
Wenn die Schulden abgetragen werden sinkt auch die Geldmenge und damit kollabiert das System…
@Salve
Du unterschätzt die Gelben. Eine kleine Partei, wo die (Prämien-) Gelder der Unternehmer nicht im Kadersumpf einer Grosspartei versickern, sondern geziehlt ankommen. Für die Unternehmer jetzt die Chance direkt ihr Programm umzusetzen. Du kannst davon ausgehen, dass die Kazte noch nicht aus dem Sack gelassen ist. Warte ab, bis die bei der nächsten Wahl 30% erhalten, dann wird man die Richtung erkennen. Ich hoffe, soweit kommt es nicht.
,,Westerwelle verarscht euch alle, weil die Medien mitspielen.”
Wieso ,,euch”? Ich muss mir hier alles mühsam über Suchmaschinen heraussuchen, weil ich kein Fernsehen/Radio habe.
P.S.
Woher glaubst Du kommt die Affinität der Gelben zu nationalsozialistichen Kräften?
@Nanuk
Die Diskussion finde ich schon komisch.
Wenn der Staat die Steuern erhöht und 44 Milliarden in die Sozialversicherungen gibt bricht der Kommunismus aus.
Haben die Sozialversicherungen 44 Milliarden mehr Einnahmen weil die Löhne steigen, was dann?
@Salve
Was dann…
Dann sinkt die Verschuldung d.h die Geldmenge und als folge fallen die Preise Investitionen Lohnen nicht mehr Stillstand ende aus… das umgeht WGNX immer der ist auf Steoriden da kennt man keine fallenden Preise…
@Nanuk
Verstehe ich nicht.
Dem kleine Mann kann es doch egal sein, ob die Assetpreise steigen.
Gerade Umverteilung verhindert doch die Deflation.
Die Unternehmen haben ja jetzt Gründe dafür , sich zu verschulden und in die Produktionsausweitung zu investieren.
Da sind stabile Rohstoffpreise ein Segen.
@Salve
Gerade Umverteilung verhindert doch die Deflation.
Eben nicht…
Inflation ist die Expansion von Kredit Deflation das genaue Gegenteil.
Worauf WGNX hofft ist das die Mittelklasse sich verschuldet das ist nichts anderes als das was in den USA geschehen ist… geht ein paar Jahre gut dann rappelts und da die Mittelklasse nicht will soll es der Staat machen geht ein paar Jahre gut dann rappelts…
The System is Fucked…
Wir sitzen in der Scheisse um das mal deutlich zu sagen…
und da wir alle tanzen so lange die Music spielt.
http://www.youtube.com/watch?v=4069PUk3aM0
Die Erhöhung der Harz4 Sätze währe also nur ein aufschieben… gelöst ist damit nüscht und ein Sinken der Staatsverschuldung würde alles nur noch schlimmer machen.
http://www.youtube.com/watch?v=dddAi8FF3F4
@Nanuk #75
“Worauf WGNX hofft ist das die Mittelklasse sich verschuldet das ist nichts anderes als das was in den USA geschehen ist… geht ein paar Jahre gut dann rappelts und da die Mittelklasse nicht will soll es der Staat machen geht ein paar Jahre gut dann rappelts…”
Ohne Verschuldung gibts nunmal kein Wachstum. Die Verschuldung ist aber eigentlich nicht weiter schlimm, sie inflationiert sich schliesslich selbst zum Teil weg.
Letzteres kann aber eben nur bei Umverteilung funktionieren, wenn die Löhne stagnieren, während die Schulden steigen und die Assetpreise in die Höhe schnellen, dann wird Verschuldung zunehmend bedrohlicher. Die einen sind reich und müssen sich nicht mehr verschulden, die anderen sind aufgrund ihrer Armut nicht mehr kreditwürdig oder fallen aus. Die Nachschuldner fallen weg, das System geht den Bach runter…
Darauf einen Keynes.
In the long run we are all dead…
Ich sag dazu ich muss hier noch ein paar Jährchen aushalten wenn nicht was dazwischen kommt.
http://www.youtube.com/watch?v=S9s5R8uSoq8
@johaupt
“Ohne Verschuldung gibts nunmal kein Wachstum. Die Verschuldung ist aber eigentlich nicht weiter schlimm, sie inflationiert sich schliesslich selbst zum Teil weg.”
Mit Wachstum gibt es aber bald keinen Planeten mehr…
@johaupt
Dann kannste deine Moneten fressen…
@Nanuk
Ich bleibe dabei, wenn die Unternehmen sich verschulden um den jeweils verfügbaren technischen Fortschritt zu nutzen, muss gar nichts kollabieren.
@Salve
“Ich bleibe dabei, wenn die Unternehmen sich verschulden um den jeweils verfügbaren technischen Fortschritt zu nutzen, muss gar nichts kollabieren.”
Ne dann wirst du Arbeitslos…
Das System kollabiert wenn es keinen oder nicht mehr genügend technischen Fortschritt mehr gibt.
@Nanuk
Darüber kann man streiten. Recyclingprodukte sind auch Wachstum und Energie ist nach unserem Verständnis fast grenzenlos vorhanden, Raum auch. Es hängt wohl viel mehr davon ab, wie wir Wachstum steuern. Ich hatte da auch schon Vorschläge gemacht.
Davon abgesehen produziert das derzeitige Wachstum paradoxerweise Arbeitslose en masse, was bei angeblich ständig zunehmenden Produkt- und Dienstleistungen gar nicht der Fall sein dürfte. Wir sind also noch weit vom Ende der Wachstumsstange entfernt, ja entfernen uns sogar.
Aber ich bin ohnehin kein Freund des Wachstumsbegriffes, man assoziert mit diesem VWL-Begriff zu viele und imho auch viele falsche Sachen. Der Wohlstand kann zB. auch ganz ohne Wachstum steigen, etwa wenn die Preise für effizienter hergestellte Produkte entsprechend sinken, dann gibts mehr Produkte, fürs gleiche Geld = Null VWL-Wachstum, aber mehr Wohlstand.
@Salve
Alles hat zwei seiten irgend wer muss den scheiss kaufen…
@johaupt
Klar das stimmt was sie sagen nur muss man dann das System umbauen… wenn man draussen ist aus Tina dann gibt es möglichkeiten nur innerhalb des Systems halt nicht.
“Es hängt wohl viel mehr davon ab, wie wir Wachstum steuern. ”
Das ist die Master Frage.
Steuern wir das über die Kommunen oder über eine Zentralregierung…
Stalin oder Bakunin?
ihr seht das alle viel zu pessimistisch…
http://www.spiegel.de/video/video-1045794.html
@Nanuk
“Steuern wir das über die Kommunen oder über eine Zentralregierung…
Stalin oder Bakunin?”
Mein Vorschlag waren V(erantwortungs)-Zertifikate mit entsprechenden Zöllen, firmenbezogen, auf nationaler Ebene. Hatte ich irgendwo im WGX-Forum geposted, vielleicht erinnerst du dich sogar?
Imho das einzige was sich kurzfristig durchsetzen liesse, man müsste es nurmal öffentlich diskutieren. Dafür ist die Zeit aber vermutlich noch nicht reif, vielleicht nach dem finalen Crash.
@johaupt
Dann singen wir halt weiter…
http://www.youtube.com/watch?v=saalGKY7ifU
@
,,Imho das einzige was sich kurzfristig durchsetzen liesse,”
Ja theoretisch. Vielleicht. Es fehlt auch nicht an guten Konzepten. Interessiert aber keinen. Denn in der Wirtschaft geht es nicht um irgendwelche Rationalitäten hinsichtlich der Frage, wie wir aus dieser schxxeixx Situation heruaskommen. Sondern Politik ist die Folge einer Reihe von Einzelentscheidungen des Tagesgeschäftes, gepushed von den Lobbyisten, den Mövenpicks, Flicks und Quandts. Theoretisch alles möglich. Jetzt ist aber erstmal Guido am Drücker.
@guang
„Jeder Staat der Vergangenheit und Geschichte, dem dieser Name unbestritten zukommt, jeder Staat vor allem, der in seiner Entwicklung zu höheren Stufen der Macht, der Größe und des Reichtums weltgeschichtlich bedeutsam geworden ist, war oder ist ein Klassenstaat, das heißt eine Hierarchie von einander über- und untergeordneten Schichten oder Klassen mit verschiedenem Recht und verschiedenem Einkommen.“
„Man kann den Staat auffassen als eine ökonomische Kollektivperson der herrschenden Klasse, die sich die Arbeitskraft der Untertanen als »Wertding« beschafft hat.“ (Oppenheimer, Das Kapital, S. 84)
Franz Oppenheimer
@Nanuk #92
“„Jeder Staat der Vergangenheit und Geschichte, dem dieser Name unbestritten zukommt, jeder Staat vor allem, der in seiner Entwicklung zu höheren Stufen der Macht, der Größe und des Reichtums weltgeschichtlich bedeutsam geworden ist, war oder ist ein Klassenstaat, das heißt eine Hierarchie von einander über- und untergeordneten Schichten oder Klassen mit verschiedenem Recht und verschiedenem Einkommen.“
„Man kann den Staat auffassen als eine ökonomische Kollektivperson der herrschenden Klasse, die sich die Arbeitskraft der Untertanen als »Wertding« beschafft hat.“ (Oppenheimer, Das Kapital, S. 84)”
Du beziehst das auf das spiegel vid betreffend der Elite unter #88, ja?
Das traurige ist doch, dass D. seinen Aufschwung nach dem WWII zum Teil auch der mehrfach zerstörten Struktur der Eliten zu verdanken hat. Auch wenn sich Reste des Establishment jeweils in das nächste System herüberretten konnten, gab es in D. mehrfach für Newcommer auch eine Möglichkeit des sozialen Aufstiegs. Dies hilft zu erklären, weshalb D. nach dem WWII relativ schnell hochkam, während Länder wie England stagnierten.
@Nanuk
zu #92 und #93
http://www.youtube.com/watch?v=8PhQOaYJNbA
@Nanuk
…und hier noch mal die Quintessenz 50.000der Blogeinträge
http://www.youtube.com/watch?v=jBl6ALNh18Q&feature=related
“Guido Westerwelle hat diese Woche eine Brandfackel des Zweifels in den Palast der sozialen Korrektheit geschleudert. Das ist die eigentliche Provokation: Der FDP-Chef will den Sozialstaat wieder von der Bezahlbarkeit her denken …” (BILD)
Schuldenloch? Kein Problem:
“Die Bürogemeinschaft Fricke & Solms ist die letzte Rettungsinsel in einem Meer von Verteilungspolitikern und Umfragegetriebenen. Fricke & Solms zeigen, dass der rechte Weg meist gar nicht so beschwerlich ist und humorlos sowieso nicht.”
http://www.youtube.com/user/FDP#p/c/00EE6A77957AC66A/2/NdpS9vFxNXk
@guang
“Das traurige ist doch, dass D. seinen Aufschwung nach dem WWII zum Teil auch der mehrfach zerstörten Struktur der Eliten zu verdanken hat.”
Schönes Märchen… die Fabriken standen ja zu Teil noch die alten Knöpfe wieder rein und weiter gehts…
@Nanuk
ich sagte zum Teil. Ausserdem hatte die Elite einen Schreck bekommen. Brauchen wir aber nicht weitererörtern. Das sich nichts geändert hat, ist mir auch klar.
weiterhin hohe Staatsdefizite ahoi!
Ahoi?
Ich würde sagen, wenn schon Seemannsgarn, dann passt das hier besser:
Küppersbusch in der TAZ:
Guido Westerwelle war seit 1983 Juli-Chef, seit 88 im FDP-Bundesvorstand und schloss sein Jurastudium erst 1991 ab: Parteiamtssalär, Diäten, Ministergehalt: Der Mann hat nie ernsthaft von etwas anderem als Staatsknete gelebt. Dass nun ausgerechnet er wirklich Bedürftige als überfressene Orgiasten schmäht – im vorrevolutionären Frankreich wäre das als der mannhafte Wunsch verstanden worden, sich immerhin die eigene Laterne auszusuchen.
@guang #91
„Es fehlt auch nicht an guten Konzepten.“
Doch.
Intelligent wäre es beispielsweise, die Ausbeutung der chinesischen Lohnarbeiter anzuprangern und Mindestlöhne sowie Lohnerhöhungen in CHINA zu fordern.
@all
http://www.youtube.com/watch?v=sJ9XpHKduBY
1:
wir lagen vor madagaskar und hatten die pest an bord einfach geil das lied
2:
Jawoll… das singen wir beim maschieren… bei der Marine… xDD
1:
wir besoffen am lagerfeuer
3:
you made my day XD
4:
Wir auch hahaha =D
5:
Geile Antwort
Es gibt hoffnung…
Schaut euch die deutschen Prolls auf Fernreisen an. Die wollen alles immer billig, billig, billig haben. Handeln die Armen hinunter, soweit es nur geht mit ihrer „Geiz-ist-geil“-Mentalität.
Dass sie mit der Ausbeutung der anderen die Armut in ihr eigenes Land bringen, geht in ihre Hamsterhirne nicht hinein.
@Tina
“Schaut euch die deutschen Prolls auf Fernreisen an.”
Wenigstens sind sie nicht mehr geil aufs Marschieren…
@Tina #101
,,Intelligent wäre es beispielsweise, die Ausbeutung der chinesischen Lohnarbeiter anzuprangern und Mindestlöhne sowie Lohnerhöhungen in CHINA zu fordern.”
Egal. Ist glaube ich alles dazu gesagt worden. Der Rest wird die Zeit uns zeigen.
@Tina
#103
Ich habe selber da mal mitgemacht und bin herum gereist, um dann die Idioten aus meinem Heimatland zu treffen und ich habe mich dafür geschämt. Es gibt nicht mehr viele Plätze, wo wir gern gesehen werden.
@Tina
Dass sie mit der Ausbeutung der anderen die Armut in ihr eigenes Land bringen, geht in ihre Hamsterhirne nicht hinein.
Wie der Herr, so’s G’scherr…
http://www.handelsblatt.com/magazin/nachrichten/wie-der-herr-so-das-gescherr;1032537
@Tina
…und vielleicht ist das sogar das gute an dieser Krise, dass die deutschen Prolls zu Hause bleiben müssen.
so sauber, daß man sogar vom Boden hätte essen können
Billig-Tourismus, aber sauber muss es sein.
Die Erfahrungen eines deutschen Touristenpärchens brachte die Wirtschaftszeitung „The Asian Wall Street Journal“ sogar auf die Titelseite. Der Grund: Die beiden hatten ein Doppelzimmer für 5,80 Mark gefunden, „so sauber, daß man sogar vom Boden hätte essen können“.
Quelle: http://www.focus.de/reisen/urlaubstipps/tourismus-asien-und150-billig-wie-nie_aid_169997.html
@guang #108
„…und vielleicht ist das sogar das gute an dieser Krise, dass die deutschen Prolls zu Hause bleiben müssen.“
Zumindest könnte die Erfahrung des „Imports“ von Armut ins eigene Land für die Intelligenteren, Anlass sein, über globale Zusammenhänger anders nachzudenken, anders zu bewerten und globale Strategien zu entwickeln.
Aber bislang fordern die Hamsterhirne nur Mindestlöhne und Lohnerhöhungen für sich selbst.
Schon beeindruckend, wie hier der Nanuk mit seiner youtube-Tröte das Häuflein der Versprengten zusammenhält. Worum ging es? Ach ja, um den Einbruch!
@Tina
Also ich stimme mit Pauli Krugman und Jeffrey Sachs überein: Wir brauchen nicht weniger sondern mehr Sweatshops!
@Tina
Ah … und desweiteren bin ich auch dafür, dass jeder Proll in der 3. Welt Urlaub macht und auf dem Bazar nach Herzenslust feilscht.
@Stephan
Auf die Idee zu fragen was die 3 Welt will muss man als Volkswirt ja nicht kommen…
@Stephan #113
,,Ah … und desweiteren bin ich auch dafür, dass jeder Proll in der 3. Welt Urlaub macht und auf dem Bazar nach Herzenslust feilscht.”
Das meinst Du oben nicht ernst. Oder? Sorry. Du verstehst nichts von den Menschen da draussen. Beispiel Marokko.
Einmal die Einheimischen:
http://www.youtube.com/watch?v=qtZhJKFIp7c
und einmal die Neo-Kolonialisten, die dem Stress entfliehen wollen.
http://www.youtube.com/watch?v=SXEUDTv4FnI
Ich kann leider meine These hier nur mit Youtube belegen. Du musst Deine Fantasie/und Augen schon beim nächsten Urlaub selber bemühen.
@Nanuk
“Auf die Idee zu fragen was die 3 Welt will muss man als Volkswirt ja nicht kommen…”
Das sagt uns doch der “freie Markt”, was die Menschen so wollen oder nicht…
@Nanuk
Stimmt so nicht. Das Problem: ich finde dann AW, da bleibt sogar mir kurz die Spucke weg.
Nehmen wir mal Shahidul Alam (http://bit.ly/ab1big) Der hat im New Internationalist einen Report verfasst: Über US Senator Harkins “Child Labor Deterrence Act” und seine Auswirkungen auf die Textilindustrie in Bangladesh. (http://bit.ly/9EFhXp) Bitte besonderes Augenmerk auf den Standpunkt von UNICEF und ILO. Danke.
Kinderarbeit? Shocking oder?
guang #115
Selbstverständlich mein ich das so. Warum sollte ich sonst meine Zeit verplämpern mit einem Kommentar?
keine Angst Rettung naht
http://www.modepilot.de/wp-content/uploads/2009/03/tina.jpg
dauert nur noch ein paar klitzekleine Minuten dann wird ganz China befreit, Super Tina mit Gefolge ist gleich da.
http://www.spiegel.de/img/0,1020,1372737,00.jpg
guang #115
So? Auf den ersten Video hab ich nur einen Taxler gesehen, der ein paar Typen von Taroudant nach Agadir bringt. Und?
Rettung naht in Form von 007, ich habe den Verfassungsschutz beauftragt, endlich die Volkswirte hops zu nehmen. Vor allem die Keynesianer können sich nicht rausreden.
http://tiny.cc/Lgffs
@ Guang
damit dir die Länder nicht ausgehen. Es gibt viel zu tun.
http://www.daad.de/imperia/md/content/entwicklung/dac-liste.pdf
Auch OT
Jeder ist seines schicksals Schmied.
Wie daneben,siehe hier,
http://nibis.ni.schule.de/nli1/chaplin/materialien/kriege_2/plaed.html
So schlimm wird es hier schon nicht werden.Wir haben hier ja auch keine Geier…im diesem Sinne.
Wiso was ändern?Mir geht es gut!
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/952434/Sonneborn-auf-der-Gr%C3%BCnen-Woche
Alles in allem,es wird schon noch?
@Stephan
#121 Genau diese marokkanischen Taxler meine ich. Wenn Du dich mit denen unterhälst, dann erhälst Du eine ganz andere Sicht von Marokko, als wenn Du in Agadir am Strand liegst, wo die Händler verscheucht werden, weil der Strand den Europäern gehört. Denn wie im zweiten Vid der Sprecher so schönt sagt,..,,this beach belongs to Europeans…”. Unter im Hintergrund sieht man einen alten Mann mit Gürteln oder irgendwelchen anderem Germurkse für die Touristen sich an leicht bekleideten Frauen vorbeischleichen.
Die Touristen kennen sich in den Gebräuchen einer arabischen Gesellschaft nicht aus und beleidigen die Einwohner durch diverse Handlungen ohne es überhaupt zu merken. Nicht nur die leichte Bekleidung oder das Feilschen auf den Märkten. Das Unverständnis für die andere Kultur ist die Beleidigung. Hier bei uns im Land zählen die Ausländer ja auch nicht viel, wieso sollte es in deren Land anders sein, denkt sich da wohl so der eine. Wenn doch die Touristen Wohlstand ins Land bringen ohne den die Marokaner hungern müssten, ist es schon okay, gell? Stephan, das ist die andere Seite des Wohlstands unseres Landes. Die Leuten hier haben/hatten Geld, aber es fehlt/fehlte ihnen an Bildung.
“Kinderarbeit? Shocking oder?”
Nö… jetzt sind die Probleme da wo sie hingehören in Bangladesh und die Regierungen können nicht mehr auf den bösen Westen schimpfen. Genau so läuft das nämlich dort immer ist es der böse Westen dabei sitzen die grösten Schweine im eigenen Land.
und unsere Schweine machen mit deren Schweinen bomben Geschäfte…
und das ganze auch noch zynisch wie sie nunmal sind mit der Fahne der Humanität…
@ Guang
–>Die Touristen kennen sich in den Gebräuchen einer arabischen Gesellschaft nicht aus und beleidigen die Einwohner durch diverse Handlungen ohne es überhaupt zu merken.”
Im Gegenteil, die können froh sein, das die wieder nach 3 Wochen oder 14 tagen abhauen. Nachdem diese die ausgenommen haben worden sind. Um sich dann in Köln bald von einem Marokkanischen Turmsänger beglücken zu lassen. Ja da werden Urlaubsgefühle geweckt, die Fernweh steigt und steigt.
Übrigens: Feilschen ist ein Muss. Sonst beleidigst du nämlich die Einheimischen. Die bescheißen sich auch den ganzen Tag Gegenseitig, und der Ober-Bescheißer ist Nationalheld. Aber egal.
@Nanuk
Tja so sind wir, wir Apologeten der Marktwirtschaft. Schweine, die auch noch die Fahne der Humanität schwenken. Und unter der Fahne versammeln sich die ganzen Trotteln, die keinen Bock mehr haben hinter einem Wasserbüffel herzulaufen und stattdessen lieber US$ 2 am Tag als Textilindustrie-Sklave verdienen wollen.
@Guang
Hör mir auf mit dem Kultur- und Bräuchegefasel. Das ist nur die PC Variante von “hier war’s schon immer Sitte Ehebrecherinnen zu steinigen und Mädels mit 11 zu verheiraten”. Und was die Jungs betrifft die am Strand herumrennen und ihre Fake Ray Ban verticken wollen. Glaub mir, die Marge ist stimmt.
@Stephan
Wie Kommunisten… habt ihr gut abgeschaut beim alten Marx.
http://www.youtube.com/watch?v=UXKr4HSPHT8
@Nanuk’87
“Das ist die Master Frage.
Steuern wir das über die Kommunen oder über eine Zentralregierung…
Stalin oder Bakunin?”
Stopp! Halt! Bakunin ist nicht die Lösung, der wollte das Geld nicht abschaffen, lediglich den Staat. Kropotkin war da schon ein ganzes Stückchen weiter (Landauer auch). Bakunin hätte den Planeten nicht gerettet, nur ein wenig länger erhalten. Also Nanuk?!
Stell dir vor einer ist Kommunist und merkt es nicht… hura wir verblöden…
@Nanuk #131
Du hast es erfasst! Die Internationale: “Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun!” Da können uns leider die Pappnasen Nanuk, Guang und Tina nicht helfen. Denn die tragen ja nur Hess Natur Textilien. Aber vielleicht der deutsche Proll, der gerade bei H&M mal wieder ein T-Shirt Made in Bangladesh kauft.
@Stephan
Da bin ich ja beruhig das das schonmal so gut geklapt hat mit der Weltrevolution… Ein Prosit an die Taliban.
übrigens – Wachstumszwang ist das Problem ….
http://video.google.com/videoplay?docid=6433985877267580603&ei=64l5S_GuMIyM2ALY8vTWBw&q=geld+als+schuld+deutsch#
solange es hier keine Systemänderung gibt ist jeder der von “Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit usw. redet – ohne in diesem Bereich änderungen zu fordern – nicht mehr als ein nützlicher Idiot im Dienste der Systemgewinner und Sklavenhalter …
schöne Tage
Was sie anziehen, ist egal, was in der Birne ‘herumspukt’ entscheidend.
Und wenn da nun mal steht: “Für mich Natur-Textilien und für die anderen (nur) H&M” – dann ist das der Punkt…
Ok! Nix Nanuk. Bla bla bla …
Ist das ein Mensch?
http://www.jungewelt.de/2010/02-16/048.php
@Stephan
Nein, Stephan. Für mich heisst es nur, dass wenn reiche Menschen in ein armes Gastland fahren Geld nicht das Maß aller Dinge sein kann. Den europäischen Touristen fehlt es leider oft an Sensibilät für die andere Kultur. Das Thema ist in diesem Thread völlig off-topic. Brauchen wir hier deshalb auch nicht weiter ausrollen. Die youtube vids oben sind nicht ganz passend. Ich habe aber selber vor einigen Jahren entsprechende Erfahrungen in Marokko und Ägypten gemacht. Ehrlich gesagt, bin ich froh, wenn eine Folge der Krise bei uns sein könnte, dass deutsche Touristen nicht mehr so einfach in das Ausland gelangen.
@guang
Es gibt einen Unterschied zwischen Touristen und Reisenden.
@Stephan
Was Du nicht auch der Typ, welcher in einem Nebenthread vorschlug die HIV-ler nach Goa zu exportieren, wo sie dann für 350 Euro monatlich ein Leben wir Könige am Strand verbringen können, während sie von den Indern bedient werden?
guang #140
Hier ist doch alles Off Topic? Also was soll’s? Ich schätze mal dem WGN ist ab Kommentar #50 scheissegal was hier gepostet wird. Dann übernehmen ja Nanuk und Konsorten das Ruder und ergötzen sich an ihren kruden Vorstellungen wie die Welt denn eigentlich so werkeln sollte. Das Textbuch? YouTube.com
Sorry. Ich sag das mal jetzt so. Aber wenn reiche Menschen in ein armes Gastland fahren dann ist Geld für die Gastgeber das Mass aller Dinge. Die machen sich nicht umsonst zum Affen. Und kein Einheimischer ist froh, wenn aus Pietätsgründen plötzlich die lieben reichen Nachbarn ausbleiben.
Das ist in meiner Heimat net viel anders. Mein Nachbar damals spielte eine Klampfn. Glaubt’s du allen Ernstes der hat sich seine Lederhosen angezogen und seine Klampfn umgehängt um das Liedgut zu fördern? Der hat einfach seine Kohle damit gemacht unseren lieben Piefke Gästen eine nette Show zu bitten.
Wieviel USA verträgt die Welt?
http://www.jungewelt.de/2010/02-16/030.php
@Stephan
“Glaubt’s du allen Ernstes der hat sich seine Lederhosen angezogen und seine Klampfn umgehängt um das Liedgut zu fördern? Der hat einfach seine Kohle damit gemacht unseren lieben Piefke Gästen eine nette Show zu bitten.”
Das ist im übrigen der Grund warum uns der Rest der Welt uns für Barbaren hält… Junge junge noch so ein Kulturgenius geh Westerwelle wählen…
@guang #142
Genau! Das war ich. Die Idee find ich jetzt noch besser! Hab grad auf der Süsswarenmesse einen Freund von mir getroffen. Aus Indien. Der hat einen Palazzo auf Goa und hat mir bestätigt:
Die einfache Strandhütte kostet 4 Euro/Monat. Das Bier 0,5 Cent. Und ein frischer Lobster ca. 10 Euro.
Nanuk #145
Wir? Seit wann bist du Österreicher? Das verbitt ich mir! Wir brauchen nicht noch mehr Sozialschmarotzer aus DE! Unsere UNIs sind angeblich eh schon überbevölkert von diesen Losern.
@Stephan’147
FU
Virus #148
Buchstabier’s für österreichische Deppn. Wofür steht FU?
@Stephan
Biste kein Europäer… ich schon.
@Stephan’149
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Abk%C3%BCrzungen_%28Netzjargon%29
@Virus
Das ist halt das Problem bei “der Internationalen” die reicht halt nur bis zum Portemonnaie
@Virus #151
Mein Resümee der ganzen Gschicht: Wenn’s um die Jungs und Mädels in Bangladesch geht haben Nanuk, Guang, Tina, Virus und Kollegen (i.e. ATTAC) folgenden Message vorbereitet: JOIN US, a world without prosperity is possible!
Ich sehe wir verstehen uns
@Stephan
“JOIN US, a world without prosperity is possible!”
Nö…
A world only with prosperity is impossible!
@Stephan
Und wie sieht deine traurige Welt aus? So vielleicht?
http://www.youtube.com/watch?v=CwE4mk2fbow&feature=PlayList&p=0E0BC76B6643C8D3&playnext=1&playnext_from=PL&index=24
@Nanuk’152
Ein Dilemma – nicht wahr? Wie erträgt du das eigentlich? Auf diesem Planeten gibt es keinen Ausweg, nur das blanke ertragen.
Hallo WGN:
Verzeih, wenn ich auf Deinen Artikel eingehe, statt wie meine Vorredner von Leserhosen, Goa und Süßwaren zu faseln.
Habe mir den Link zum Statistischen Bundesamt mal angeschaut. Am interessantesten ist wohl der Fakt, dass bei fallendem BIP und gleichzeitig massiv abstürzenden Exporten die Löhne sogar noch angestiegen sind. Das kann ja gut werden.
Eh, Nanukianer: Neues Rennen läuft: null Kommentare…
@ergo sum #157
Was ist das für eine schwachsinnige Meldung? Destatis.de:
Reallohnindex (Veränderung zum Vorjahresquartal in %)
1. Quartal 2009 -0,4
2. Quartal 2009 -1,2
3. Quartal 2009 0,6
@Stephan #153
„Mein Resümee der ganzen Gschicht: Wenn’s um die Jungs und Mädels in Bangladesch geht haben Nanuk, Guang, Tina, Virus und Kollegen (i.e. ATTAC) folgenden Message vorbereitet: JOIN US, a world without prosperity is possible!“
Sorry, aber so doof kann nur ein WiWi sein, der sich Wirtschaftswachstum bzw. Prosperität NUR unter kapitalistischen Ausbeutungsbedingungen vorstellen kann.
@Tina
http://www.youtube.com/watch?v=Sv4ZEoSO7ow
@unwissender #161
Dazu passt:
http://www.sueddeutsche.de/politik/323/502555/bilder/?img=2.0
@Stephan
JOIN US, a world without prosperity is possible!“
Nö & nope & bullshit. Das haben nicht Nanuk, Guang, Tina, Wat. etc gesagt.
Die Liberalaglobalalas haben das gemeint, und nur das Gegenteil propagandiert.
Denn die “prosperity”, die sie meinen, ist eben die, die es auf Dauer nur für die immer wenigeren geben kann; der Rest soll froh sein, dass er noch schwitzen darf und nicht schon entsorgt ist.
Sie wussten ja nicht, was sie meinen – könnte ihr Anwalt später vortragen. Aber dann hätte sich’s eh erledigt, und sie selber wären längst entsorgt.
@all
Im Übrigen geht es mir nicht um „Moral“ in dem Sinne, wie der allgemeine Unverstand darüber schwätzt.
Sondern gelingende gesellschaftliche Kooperation und friedliches Zusammenleben benötigen rational fundierte gesellschaftliche Regeln, welche dies ermöglichen.
Recht und Moral müssen sich an diesem Anspruch messen lassen, darauf gründet sich ihre Legitimität.
Zivilisierte Gesellschaften erfordern zivilisierte Bürger.
Gesellschaften, die diesen Erfordernissen nicht entsprechen, geraten zwangsläufig in Niedergang und Verfall.
Wer dies nicht kapiert, sorry, der ist mit seinem sozialdarwinistischen Menschen- und Gesellschaftsbild noch voll im Mittelalter bzw. im „Wilden Westen“. Der hat das Stadium von Aufklärung und Mündigkeit nicht erreicht.
So gibt die Diskussion im Blog nicht selten Anlass zur Frage, wie es mit dem Zivilisationsniveau der Deutschen bzw. des deutschen Kulturkreises bestellt ist?
Hat die deutsche Gesellschaft jemals das Mittelalter überwunden, war die faschistische Barbarei Ausdruck der kulturellen Rückständigkeit der Deutschen oder eher von kollektiver Regression?
Gab es überhaupt jemals in der gesamtgesellschaftlichen Realität das „das Deutschland Kants und Goethes“?
Oder es in Groß-Preußen bzw. 1933 untergegangen?
Diess diskutierten auch Emigranten während des WK II:
„Die Emigranten dagegen befürchteten den Untergang, die Vernichtung Deutschlands und sähen nicht, »dass das Deutschland Kants und Goethes« – also das vielfach beschworene »andere Deutschland« – »schon in Groß-Preußen aus Blut und Eisen untergegangen war und (…) Wilhelm II. ihm den Rest gegeben hat.«“
http://www.unrast-verlag.de/unrast,6,1,184.html
Während man bei den Deutschen noch darüber streiten kann, ob es jemals ein „zivilisiertes“ Deutschland gegeben hat, so ist diese Frage hinsichtlich der US-Kultur überflüssig.
Denn dort gibt es eine Kontinuität, anfangen von der Sklaverei, über die Ausrottung der Indianer, über die Ausbeutung Süd-Amerikas, über Hiroshima, Nagasaki, Vietnam, Chile, Irak …
@Tina
Zivilisierte Gesellschaften erfordern zivilisierte Bürger.
Tja, dann wird das wohl leider nix. Denn wer soll hier wen “zivilisieren”? Die Gesellschaft den Bürger, oder der Bürger die Gesellschaft?
Da gibt’s dann wohl nur eine Lösung: Tina muss es machen!
Ich drück’ dir die Daumen – sogar zwischen den Seiten der Werke Kants und Goethes – wenn das denn so besser wirken tun sollte…. hab’ ich alles da…keine Sorge! Lieber den Faust oder die Kritik der praktischen Vernunft? Was wäre besser?
@ceteris #165
“Tja, dann wird das wohl leider nix. Denn wer soll hier wen “zivilisieren”? Die Gesellschaft den Bürger, oder der Bürger die Gesellschaft?
Da gibt’s dann wohl nur eine Lösung: Tina muss es machen!“
In Gesellschaften, welche sich bereits in einem gewissen Stadium von Regression und Niedergang befinden, ist einen Korrektur durch Aufklärung aussichtslos.
Denn dann haben sich die Prozesse der Vermittlung von falschem Bewusstsein durch Erziehung, Massenmedien und sogar Wissenschaft verselbständigt.
Die Menschen können dann nur aus der Erfahrung lernen, was leider bedeutet, dass positive Veränderungen erst möglich sind, wenn ein gesellschaftlicher Tiefpunkt erreicht wird, wo es so nicht weiter geht.
Darin ähneln Gesellschaften Süchtigen.
Dieser Tiefpunkt ist in unserer Gesellschft noch nicht erreicht. Das kann noch Jahre oder Jahrzehnte dauern.
Macht der Versuch von Aufklärung im jetzigen Stadium (noch) einen Sinn?
@ Tina
–>Recht und Moral müssen sich an diesem Anspruch messen lassen, darauf gründet sich ihre Legitimität.
Zivilisierte Gesellschaften erfordern zivilisierte Bürger.”
Hier ist ein weiterer Tiefpunkt
Vor dem Landgericht Regensburg räumte ein ehemaliger CSU-Stadtrat ein, bei der Stadtratswahl 2008 Wahlunterlagen gefälscht zu haben, um den Einzug in den Rat zu schaffen.
–> http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/931429
Was verlangst du von der Gesellschaft, wenn ihre “Elite” von kriminalität, korruption ( Lobbyismus) durchseucht ist? Wo willst du anfangen? Und wo aufhören? Mit der Bitte um Vorschläge, und nicht wieder einen Vortrag, wie es dazu kam. WKI und WKII die 68er selbst die neunziger sind Geschichte. Auch durch ständiges wiederholen wird die Sache nicht besser.
@ceteris #164 #165
So dumm fand ich die Idee unter #164 von Tina gar nicht. Aus meiner Sicht ist es es Wert einmal darüber nachzudenken, was Zivilisation bedeutet. Solange wir nur nach einer neuen Wiwi oder einer Produktionsformel suchen, werden wir unsere sozialen Probleme nicht lösen können. Natürlich ist es schwieriger hierüber nachzudenken, deshalb schweigen wir wohl auch so gern darüber.
@Stephan
,,Aber wenn reiche Menschen in ein armes Gastland fahren dann ist Geld für die Gastgeber das Mass aller Dinge. Die machen sich nicht umsonst zum Affen. Und kein Einheimischer ist froh, wenn aus Pietätsgründen plötzlich die lieben reichen Nachbarn ausbleiben.”
Ganz so einfach ist es nicht. Es ging mir in meinem Posting oben um die Zwischentöne im Tourismus. Bei Euch in Österreich werden den Touristen auch Grenzen gesetzt. Nicht alles ist möglich. Bei den Touristen in Billig Ländern fehlt hingegen oft die Sensibilät im Gastland und fast alles ist möglich. Das liegt zum Teil am sehr günstigen Wechselkurs. Bei den günstigen Preisen kann halt auch ein Proll mal so richtig das Schwxxeinxx herauslassen, gell? Damit komme ich zurück auf den Tourismus in Deinem Land. Ab einem gewissen Preisniveau können sich die Billig-Tourister den Spass nicht mehr leisten. Bei relativ hohen Preisen kommen auch gleich ganz andere Touristen und die Idioten bleiben idR weg. Siehe Österreich oder auch Schweiz.
@Tinchen
die Menschen im Mittelalter glaubten an eine gottgegebene Ordnung. “TINA” hätten die Priester auch damals von der Kanzel gepredigt und das ganze mit Westerwellschen Apokalypse Phantasien untermahlt im Gegensatz zu heute verbreitete im Mittelalter das “Mutterkorn” die Visionen.
Die Menschen im Mittelalter waren keine Sozialdarwinisten… Darwin ist 1809 geboren
Wo die heute herkommen keine Ahnung… wir brauchen das schon garnicht mehr unsere Politiker befinden sich im dauer rausch…
Paranoide Schizophrenie
“Die Wahnvorstellungen können z. B. eine Überwachung oder Fremdbeeinflussung, Kontakt zu ‘Außerirdischen’ oder ‘Göttern’ zum Inhalt haben und werden durch eventuell auftretende Halluzinationen verstärkt. Im Vordergrund steht hier die Positivsymptomatik; Negativsymptome treten kaum auf.”
Die Chinesen kommen die sind uns auf den Fersen der Rest der Welt wird uns überrennen die wollen uns aufessen die Chinesen
@Nanuk’169
“Die Chinesen kommen die sind uns auf den Fersen der Rest der Welt wird uns überrennen die wollen uns aufessen die Chinesen.”
Machen die das dann mit Stäbchen?
@WGNX
Jetzt lese ich gerade, der deutsche Außenhandel ist 2009 um satte 34% eingebrochen. 34 Prozent! Absoluter Wahnsinn. Von 155 Milliarden auf 99. Es waren die Exporte, die um 18% zurückgingen, von 1.179 auf 99 Milliarden. Die Importe gingen aber nur um 14% zurück, von 1.024 auf 876 Milliarden. Gegenüber 2007 ist der Außenhandelsbeitrag damit um sage und schreibe 42% zurückgegangen.
Wow!
Der Kommentar „Wow!“ hätte wohl besser „Puh!“ im Sinne von „Glück gehabt“ gelautet, als Ausdruck der Freude über den großen Einbruch des Außenbeitrags, Die Tatsache, dass die Exporte um 18% zurückgingen, der Außenbeitrag jedoch um 34% bedeutet nämlich, dass das Konsumniveau gehalten werden konnte. Wäre der Außenbeitrag in gleicher Höhe wie der Export zurückgegangen, hätte das einen deutlichen Rückgang des Konsumniveaus bedeutet. Dieses Konsumniveau konnte auf Kosten von Staatsschulden und Unternehmensgewinnen gehalten werden, wie die Finanzrechnung des Staates und die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Produzierenden Gewerbe nahe legen. Wäre es nicht gehalten worden, so wäre abzusehen gewesen, dass neben einem Rückgang der Importe auch Inländische Konsumausgaben zurückgegangen wären und der BIP-Einbruch noch größer geworden wäre.
@Tina
Macht der Versuch von Aufklärung im jetzigen Stadium (noch) einen Sinn?
Das ist die große Frage. Der Verstand sagt Nein, das Gefühl sagt Ja. Vorerst entscheide ich tageweise.
@Zecke #172
„Macht der Versuch von Aufklärung im jetzigen Stadium (noch) einen Sinn?
Das ist die große Frage. Der Verstand sagt Nein, das Gefühl sagt Ja. Vorerst entscheide ich tageweise.”
Eine zentrale Frage ist für mich, wer der Adressat der Aufklärung sein soll?
Ungezielte Aufklärung – so missionarisch mit der Gießkanne – macht m. E. keinen Sinn.
Aufklärung kann doch nur Antwort auf Fragen sein.
Zum Fragen müssen die Individuen von sich aus motiviert sein.
@guang und alle
Die Öffentlichkeit in Deutschland wird dominiert von einer Prolli-Unkultur.
Das ist eine Massenkultur, bei der die primitive und egozentrische Bedürfnisbefriedigung im Zentrum steht.
Vielleicht wird der kulturelle Niedergang am Verhalten von Touristen in fremden Ländern etwas deutlicher.
Das gebildete Bürgertum mit seiner Hochkultur ist weitgehend untergegangen, der Versuch einer Renaissance nach dem WK II ist gescheitert.
Man muss sich nur das Fernsehen anschauen. Wenn es ausnahmsweise anspruchsvolle Sendungen gibt, dann um die Zeit um Mitternacht oder danach.
Oder das Verhalten in öffentlichen Verkehrmitteln. Unhöflich, ignorant bis rücksichtslos.
Zunehmend treten zudem lumpenproletarische Elemente in Erscheinung, die ihre Aggression an Fahrgästen und Fahrpersonal auslassen.
Allerdings wäre es falsch, diese Entwicklung den sog. Unterschichten anzulasten.
Wer macht denn die Fernsehsendungen, die Talksows, die Filme etc.?
Wer macht die primitive Werbung?
Wer ist verantwortlich für die Zustände an den Schulen?
Wer forciert die Konkurrenz unter den Arbeitenden bis hin zum Mobbing?
Etc.
Macher und Adressaten dürfen nicht verwechselt werden.
Zudem ist Unbildung keineswegs auf die sog. Unterschichten begrenzt. Tatsächlich ist der gesamte gesellschaftliche Alltag von Primitivkultur durchdrungen.
So sieht es beim Gros der akademischen Schichten keineswegs besser aus: Verfall von Bildung und Kultur. Intellektuell und kulturell ist das Plebs. Die Gymnasien und Hochschulen sind schon längst nicht mehr die Institutionen des gebildeten Bürgertums.
Das geht schon rund 40 Jahre so. Da darf man sich nicht wundern, dass die sog. Eliten in Deutschland sich von Mentalität und Moral nicht von den Unterschichten unterscheiden.
Ich bin froh, dass ich pensioniert bin und nicht mehr gezwungen bin, mich Tag für Tag mit dieser Plebs abzugeben.
Ach Tina!
Das geht nicht “schon rund 40 Jahre so” – das geht schon weit über 400 Jahre so. Die von dir gerade vorgetragene Litanei gehört eigentlich zum kulturellen Liedgut, seit es Kultur gibt – oder was sich dafür hält… Kulturpessimismus, Misanthropie, “früher war alles besser” – diese Leiden gehören sozusagen zum Berufsrisiko des Pensionisten.
Nimm’ doch einfach nur dieses wieder mal zur Kenntnis, denn das wusstest du vor 40 Jahren sicher auch schon mal selber: die wichtigsten Probleme, die wir haben, sind keine der “Kultur”, die als “bürgeliche” sowieso nie anderes als der schöne Schein war, den eine hässliche Wirklichkeit brauchte.
@ceteris #175
„Das geht nicht “schon rund 40 Jahre so” – das geht schon weit über 400 Jahre so. Die von dir gerade vorgetragene Litanei gehört eigentlich zum kulturellen Liedgut, seit es Kultur gibt – oder was sich dafür hält… Kulturpessimismus, Misanthropie, “früher war alles besser” – diese Leiden gehören sozusagen zum Berufsrisiko des Pensionisten.“
„Das war schon immer so“ – war schon immer ein zentrales Argument der Apologeten des Status quo, zumal, wenn es ohne empirische Fundierung vorgetragen wurde.
Ist auch ein beliebtes Argument in diesem Blog. So wie die Argumentation mit dem „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“. So als ob in unserer Gesellschaft Menschen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – anti-soziales Verhalten mit „Hunger“ begründen könnten.
Tatsächlich geht es um rücksichtslose Befriedigung von egoistischen Bedürfnissen.
In meinem Kommentar geht es um die Veränderung beim Verhalten in der „Öffentlichkeit“. So beispielsweise, wie sich Menschen in öffentlichen Verkehrmitteln verhalten. Da kann man gravierende Unterschiede zu früheren Zeiten oder zu anderen Ländern feststellen.
Das gleiche gilt für das Fernsehprogramm oder die Werbung. Usf.
Bezeichnend für Deutschland ist ein Bedeutungswandel von „Kultur“: War es bis zu den 70-er Jahren selbstverständlich, zwischen niedriger und höherer Kultur qualitativ zu differenzieren, so ist dies heute weggefallen.
„Nimm’ doch einfach nur dieses wieder mal zur Kenntnis, denn das wusstest du vor 40 Jahren sicher auch schon mal selber: die wichtigsten Probleme, die wir haben, sind keine der “Kultur”, die als “bürgerliche” sowieso nie anderes als der schöne Schein war, den eine hässliche Wirklichkeit brauchte.“
Die bürgerliche Hochkultur – so z. B. Goethe, Schiller etc. – besaß eine Orientierungsfunktion für die Gesellschaft. Man kann sie als „aufgesetzt“ kritisieren, weil der bürgerliche Alltag nach wie vor ein sozialdarwinistischer Konkurrenzkampf – „bellum omnium contra omnes“ – war. Daraus resultierte auch die „Doppelmoral“ der Bürger.
Aber die bürgerliche Hochkultur hatte eine Vorstellung von einem besseren Leben, davon, wie sich Menschen entwickeln können und könnten.
Darin unterscheidet sich die bürgerliche Hochkultur von der „TINA-Idelogie.
Woran orientiert sich heute die Gesellschaft? Wer sind ihre Vorbilder, Idole etc.?
Im Gegensatz zu Dir meine ich, dass Kultur die WICHTIGSTE Frage ist, nämlich wie Menschen zusammenleben wollen. Denn technologisch hat sich die Menschheit – zumindest in den entwickelten Sektoren dieser Welt – schon längst von der Mangelökonomie emanzipiert. Gesellschaftlichen Wandel kann ich mir nur (noch) als Kulturrevolution vorstellen.
P.S.
Als Rentner befindet man sich übrigens in einer relativ komfortablen Situation, weil man nicht mehr den Zwängen des Arbeitslebens ausgesetzt ist. Nachteilig erscheint manchen, dass das Lebensende absehbar ist. Umgekehrt kann dem – mit Horkheimer – entgegnet werden, dass dann das irdische Grauen endlich ein Ende hat.
Mein Erwerbsleben lang war ich als höchstqualifizierter „prosozialer Dienstleistungsberuf“ mit alltäglichem Kontakt mit Menschen tätig, und zwar in verschiedensten Bereichen. Gemessen an meiner Qualifikation war ich meist unterbezahlt.
Trotzdem würde ich wahrscheinlich wieder eine ähnliche Berufsbiographie einschlagen. Aber nicht mehr in Deutschland. Dieses Deutschland ist schon längst nicht mehr „mein“ Deutschland, in dem ich kulturell sozialisiert wurde. Dieses Deutschland ist untergegangen.
Kohl – Köhler – Merkel. Das trifft es.
@Tina
„Das war schon immer so“ – war schon immer ein zentrales Argument der Apologeten des Status quo, zumal, wenn es ohne empirische Fundierung vorgetragen wurde.
Ich meinte hier vor allem den gereizt-larmoyanten Ton der älteren Herrschaften. Den gab’s schon als Ausprägung “spätrömischer Dekadenz”, der ist nun wirklich nicht neu. Wer darauf hinweist, ist noch lange kein “Apologet” – er verteidigt ja auch nichts, er stellt nur Konstanten auch in der Art fest, in der Veränderung als “Dekadenz” beklagt wird.
Da kann man gravierende Unterschiede zu früheren Zeiten oder zu anderen Ländern feststellen.
Das hat die Geschichte, speziell die Kulturgeschichte, eben so an sich, dass sich Unterschiede feststellen lassen. Und?
Tatsächlich geht es um rücksichtslose Befriedigung von egoistischen Bedürfnissen.
Das ist nun auch nicht neu. Das Ego ist quasi mit der Befriedigung seiner Bedürfnisse identisch. Sollen wir unser Ego loswerden, und damit das irdische Grauen gleich mit?
Um das für sich zu vollbringen, muss das Ego nicht erst Pensionär werden – das geht jederzeit…
@Tina
Aufklärung kann doch nur Antwort auf Fragen sein.
Zum Fragen müssen die Individuen von sich aus motiviert sein.
Genau das sehe ich anders. Die Antworten muss sich jeder selbst suchen, Aufklärung bedeutet für mich Irritationen zu stiften und Zweifel zu wecken, der zu Fragen motiviert. Wer hat schon letztgültige Antworten ?
#178 #173
(178)Aufklärung bedeutet für mich Irritationen zu stiften und Zweifel zu wecken, der zu Fragen motiviert.
(173)Aufklärung kann doch nur Antwort auf Fragen sein.
Zum Fragen müssen die Individuen von sich aus motiviert sein.
Zwischen beiden obigen Aussagen kann ich keinen wesentlichen Unterschied erkennen. Antworten regen immer auch zu Fragen an und stiften Irritationen, wenn der Empfänger sie nicht in dieser Weise erwartet hat. Andererseits, wenn die Rezipienten zum Fragen bzw. zum Hinterfragen nicht motiviert sind kann ein sinnvoller Dialog nicht entstehen. Vielleicht kann man Aussage #178 in der Weise interpretieren, dass der Autor m.E. mehr Wert auf die Verpackung legt, d.h. auf die Weise, wie die Antwort sinnvoll formuliert wird um Irritation beim Empfänger zu stiften, während der Autor der Aussage #173 davon ausgeht, dass die Bereitsschaft zur Irritation im Empfänger bereits vorhanden sein muss und nicht aus der kommunizierten Botschaft kommen kann oder kommen soll.
@ Tina
Als Rentner befindet man sich übrigens in einer relativ komfortablen Situation, weil man nicht mehr den Zwängen des Arbeitslebens ausgesetzt ist.
Und jetzt stell dir mal vor, dass man in dieser “komfortablen Situation”, selbst mit Geburt sein könnte (BGE).
Nachteilig erscheint manchen, dass das Lebensende absehbar ist.
Das Tina, kann jeden sofort und Übermorgen treffen. Nur die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall mit Älterwerden immer näher rückt, dass ist Gott -oder wem auch immer- sei Dank eine tolle Einrichtung des Lebens.
Gemessen an meiner Qualifikation war ich meist unterbezahlt.
Egoismus pur. Weder warst du unter noch überbezahlt, eine Subjektive Betrachtung. Gegenüber wem, warst du unterbezahlt?
Trotzdem würde ich wahrscheinlich wieder eine ähnliche Berufsbiographie einschlagen. Aber nicht mehr in Deutschland.
Warum auch nicht, ich dito. Bloß deine Chancen, die gleiche Biographie hinzulegen würden Richtung 0 Tendieren. Wir befinden uns nicht mehr in der Goldesel Zeit, wo jeder noch nicht mal das Wort Bewerbung buchstabieren konnte.
Dieses Deutschland ist schon längst nicht mehr „mein“ Deutschland, in dem ich kulturell sozialisiert wurde.
Früher war sowieso alles besser. Den Scherbenhaufen, den meine Generation und auch noch meine Kinder, wegräumen dürfen, diesen Polterabend, haben wir nicht zu verantworten. Das was du hier schreibst, sag es denen, die diesen Zustand zu verantworten haben. Den Eliten deiner Generation. Die diese Politik der letzten 30 Jahre nach bestem Wissen und Gewissen unterstützt hat. Ganz dem Prinzip Ursache und Wirkung.
Dieses Deutschland ist untergegangen.
Ja, und ich bedanke mich recht herzlich dafür.
@Tina und @Zecke und alle
#174 und #175
,,Das geht nicht “schon rund 40 Jahre so” – das geht schon weit über 400 Jahre so. Die von dir gerade vorgetragene Litanei gehört eigentlich zum kulturellen Liedgut, seit es Kultur gibt – oder was sich dafür hält…”
Es wird hier wahrscheinlich niemanden überraschen, dass ich mit den Aussagen in #174 übereinstimme. Vielleicht kann @Zecke etwas dazu beisteuern wie es hier in diesem Land die letzten 400 Jahre kulturell aussah. Ich selber bin leider kein Experte in deutscher Geschichte und kenne dieses Liedgut noch nicht. Allerdings ist sogar mir schon aufgefallen, dass alle bedeutenden deutschen Denker ihre Werke vor dem WWII geschrieben haben. Die letzten 50 Jahre ist nicht wirklich etwas Neues entstanden. Stattdessen gab es einen Wirtschaftsaufschwung, der Europa bis vor ca. 10 Jahren noch völlig in den Schatten stellte und der sich jetzt für die Gesellschaft als Bummerang darstellt. In der Nazi Zeit sind ein Teil der Intellektuellen nach Amerika und Russland ausgewandert. Ein anderer Teil hat sich arrangiert. Für die Gesellschaft stand Arbeit und Produktion bei uns immer an hoher Stelle, so daß anders als in Frankreich in Deutschland wenig in Kultur investiert wurde. Es gibt in Deutschland ein paar gute Schauspielschulen. Andererseits fällt es mir aber auf, dass eine der grössten Wirtschaftsnationen, als die wir uns ja immer gern wieder bezeichnen, keine bedeutende Kinoproduktion hat. Selbt kleine Staaten wie Taiwan haben in der Sicht kulturell mehr zu bieten. Bei uns werden stattdessen Tatort Krimis gedreht. Fassbinder und Wenders sind Ausnahmen. Das Problem lässt sich aus meiner Sicht aber nicht auf nicht Kinofilm und Schriftsteller reduzieren. Das es bei uns an intellektuellen Strömungen fehlt, ist aus meiner Sicht überall in der Gesellschaft offensichtlich. Natürlich gibt es auch bei uns Nichen. Diese erreichen aber nicht den Mainstream und haben es zunehmend schwer sich in einer nur auf das Geld fixierten Gesellschaft zu behaupten.
In Bezug zur Arbeitslosigkeit fällt mir auf, dass bei uns nur in monetären Aspekten hierüber diskutiert wird. Eine inhaltliche Diskussion findet nicht statt. Für die meisten Deutschen ist dies ein rein finanzielles Problem.
Zwei Stichwörter dazu. (habe ich bereits mehrfach gepostet)
Erstens. Es findet keine Diskussion darüber wie Arbeitslosigkeit abgebaut werden könnte, bzw. wie Arbeit neu verteilt werden könnte, statt.
Zweitens. Eine Diskussion über Dienstleistungen des Staates die einer Verarmung in der Gesellschaft entgegenwirken könnte, findet hier anscheinend auch kein Interesse. Die Frage ist wahrscheinlich auch sehr ketzerisch und wird viele Blogleser gegen mich aufbringen. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller, statt mehr Geld den Menschen zu geben, Leistungen des Staates anzubieten. Also z.B. freie Mahlzeiten für Alleinerziehende. Kindergartenplätze. Ganztagesschule. Für Jugendliche Freizeitangebote jenseits von Computer und Alkohol anbieten. Kulturzentren schaffen. Stattdessen wurde in diesem Bereich abgebaut (z.B. Schliessung von Bücherreien und Dorfschulen etc.).
#zu 182
Nachtrag zum letzten Absatz. Auch Wohnraum gehört dazu. Man sollte aus meiner Sicht darüber nachdenken, ob nicht einige Ghettos in den Städten abgerissen und menschenfreundlich neu aufgebaut werden sollten.
Ach Guang
oder soll ich sagen: Don
http://www.nobt.de/wp-content/uploads/don_quichotte1.jpg
http://www.focus.de/kultur/leben/filmfonds-zum-abschreiben_aid_196779.html
Guang
–>Erstens. Es findet keine Diskussion darüber wie Arbeitslosigkeit abgebaut werden könnte, bzw. wie Arbeit neu verteilt werden könnte, statt.”
Warum auch? Lass uns lieber darüber Diskutieren, wie man sein neue Freizeit “vernünftig” nutzt. Dann würde evtl. deine Kultur ein wenig wieder aufblühen.
ist aber wahrscheinlich schon zu hoch, darüber sich mal ein paar Gedanke zu machen. Mehr als das Wort Arbeit scheint in den Hirnen nicht verankert zu sein.
ach ich vergaß, wie so häufig, Geld Geld Geld
Auf in den Weg zum BGE
http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1387716/Armut-trifft-Generation-Praktikum.html
@holger #187
,,ach ich vergaß, wie so häufig, Geld Geld Geld“
Siehe #182, erster Absatz.
Ich habe den Eindruck, dass einige Menschen in diesem Land mit Zeit an sich nichts anfangen können. Sie suchen die bezahlte Ablenkung oder auch Animation genannt. Auch das Fernsehen scheint nicht mehr ausreichend Unterhaltung zu bieten.
@guang #179
„Vielleicht kann man Aussage #178 in der Weise interpretieren, dass der Autor m.E. mehr Wert auf die Verpackung legt, d.h. auf die Weise, wie die Antwort sinnvoll formuliert wird um Irritation beim Empfänger zu stiften, während der Autor der Aussage #173 davon ausgeht, dass die Bereitsschaft zur Irritation im Empfänger bereits vorhanden sein muss und nicht aus der kommunizierten Botschaft kommen kann oder kommen soll.“
Die Bereitschaft bzw. Offenheit für Aufklärung ist das Minimum, damit Aufklärung gelingen kann. Optimal ist, wenn Individuen nach Aufklärung suchen. So wie Kinder nach Zusammenhängen fragen: Warum, warum, warum?
Provokation war eine zentrale Methode der
http://web.fu-berlin.de/APO-archiv/Online/SPUR.htm .
Provokationen können Interesse, aber auch Abwehr hervorrufen.
Entscheidend ist daher der soziale Kontext für die Frage, ob in einer Situation Provokation ein sinnvolles Mittel der Aufklärung ist oder ob damit nicht genau das Gegenteil hervorgerufen wird.
Auch für die Provokation gilt, dass zunächst die Frage nach dem Adressaten gestellt werden muss.
Aufklärung erfolgt vor allem im Diskurs. Dann, wenn unterschiedliche Positionen aufeinander treffen. Entscheidend ist, dass die Fragen wirklich ausdiskutiert werden und am Ende so etwas wie eine „Synthese“ entsteht, welche einen Fortschritt darstellt.
Voraussetzungen für einen gelingenden Diskurs sind Diskursfähigkeit im Sinne von Sachkompetenz sowie Diskursbereitschaft im Sinne von Entwicklungsoffenheit.
Am beiden mangelt es in dieser Gesellschaft.
Es gab Zeiten, da war dies besser, aber auch lange Zeiten, wo dies noch schlechter war.
Verlinkung hat nicht geklappt:
Provokation war eine zentrale Methode der „Subversiven Aktion“.
@ Guang
erzähl doch nicht so einen Blödsinn. Auf der einen Seite haben wir deinen Erziehungsberechtigten Tina, der vollversorgt sich keine “Gedanken” machen muss, und auf der anderen Seite, haben wir hochverschuldete, Nachfolgegenerationen. Und Jugendliche, die sich über ihr Natel identifizieren.
Andererseits definierst du diech über Arbeit und Geld, beides haben 40% der Gesellschaft nicht mehr. Und jetzt kommst du an, und willst sogar Neu Köln abreißen und wieder aufbauen lassen. Also bitte, so ganz ernst ist das nicht zu nehmen. Wirst schon sehen, wenn du wegen der Beschaffungskriminalität, eines Tages auf dem Bürgersteig liegst. Mal sehen was für kluge Sprüche dann kommen.
,,Wer sich mit den objektiven, den materiellen Kriterien, den Indizes der Ökonomen und den niederschmetternden Befunden der Empiriker begnügt, wird vom eigentlichen Drama des radikalen Verlierers nichts verstehen. Was die anderen von ihm halten, seien sie Konkurrenten oder Stammesbrüder, Experten oder Nachbarn, Mitschüler, Chefs, Feinde oder Freunde – das genügt nicht, um ihn zu motivieren. Der radikale Verlierer selbst muss sein Teil dazu beitragen; er muss sich sagen: Ich bin ein Verlierer und sonst nichts. Solange er davon nicht überzeugt ist, mag es ihm schlecht gehen; er mag arm sein, machtlos; er mag die Misere und die Niederlage kennen; zum radikalen Verlierer aber hat er es erst gebracht, wenn er sich das Votum der anderen, die sich Gewinner dünken, zu Eigen gemacht hat.”
Aus: DER VEREINZELTE
von Hans Magnus Enzensberger
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42983347.html
Oben nur ein Ausschnitt. Der volle Text wie oben im Link angegeben aus meiner Sicht absolut lesenswert. Der Text klärt besser als ich es könnte die Zweifel oben in #192 von Holger und die Frage nach der Quelle des Lumpenproletariats, die sich diese Frage nicht stellt.
@holger
Jetzt helfen nur noch die Musik-Empfehlungen des Vatikan!
http://www.ftd.de/lifestyle/outofoffice/:lieblingsplatten-des-vatikans-die-top-ten-von-papst-benedikt/50075820.html
: – )
#193 Korrektur
Quelle des Lumpenproletariats, welches sich diese Frage nicht stellt.
And the winner is …..!
http://punditkitchen.files.wordpress.com/2009/03/political-pictures-darth-vader-dark-side.jpg
pink floyd
“the dark side of the moon”
http://www.youtube.com/watch?v=8_ofFa50LzY
: – )
@ guang
ein typischer Vergleich “Verlierer-Gewinner”, das müssen ganz große Leute und Schriftsteller und Denker aufschreiben. Dann les erstmal Deschner, wie es dazu überhaupt kommen konnte.
Brauchst du noch nicht mal lesen. Kommt jeder wenn er will von selber drauf. Ja, die Einteilung in Gewinner und Verlierer,ist ja so einfach. Genau diese Verlierer, sind nützlich für den Markt. Ein Bombastisches Geschäft, mit Psychopharmaka, Seelenheiler und Wunderschamanen. Und diese Verlierer, werden wie Algen gezüchtet und gehalten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Rassenhygiene
Es gibt die belächelte “Verlierer Rasse” die die Gesellschaft auch braucht. Die du und auch Tina züchten möchte. Um dann in Schadenfreude, auf diese zu zeigen. Und dann gibt es die “Gewinner Rasse” die sich in darin suhlen. Wie die Schweine im Dreck.
Es ist traurig, dass es soweit kommen musste. Aber ein vermutlich wichtiger Schritt in Richtung Zukunft.
Die Opfer der Rassenhygiene waren physisch, psychisch, sensorisch (Taubheit, Blindheit) und besonders geistig behinderte Menschen, sogenannte „Asoziale“ und „Fremdrassige“. Die Zuordnungen konnten sich überschneiden.
Quelle # 197
Heute sinds die Verlierer (HIV etc. pp.), die durch den geistigen minderbemittelten Geldwahn, Arbeit für alle fordern.
@holger
Den Tip habe ich Dir glaube ich schon einmal gegeben. Nicht immer gleich aufbrausen. Erst einmal in Ruhe lesen und dann nachdenken.
#197:
,,Es gibt die belächelte “Verlierer Rasse” die die Gesellschaft auch braucht. Die du und auch Tina züchten möchte. Um dann in Schadenfreude, auf diese zu zeigen.”
Enzensberger oben im Link #193 schreibt dazu:
,,Zahlreichen Berufen dient der Verlierer als Studienobjekt und Existenzgrundlage. Sozialpsychologen, Sozialarbeiter, Sozialpolitiker, Kriminologen, Therapeuten und andere, die sich nicht zu den Verlierern zählen, wären ohne ihn brotlos. Aber auch beim besten Willen bleibt der Klient in ihren Augen opak; ihre Empathie stößt auf gutgesicherte professionelle Grenzen. Immerhin wissen sie, dass der radikale Verlierer schwer zugänglich und letzten Endes unberechenbar ist. Unter den Hunderten, die in ihren Amtsstuben und Praxen vorsprechen, den einen zu identifizieren,”
Im Text heisst es, die sich nicht zu den Verlieren zählen. Das finde ich interessant, denn es schliesst nicht aus, dass der Autor sie nicht doch als solche sähe.
#197
,,Und dann gibt es die “Gewinner Rasse” die sich in darin suhlen. Wie die Schweine im Dreck.”
Auf die Gewinner geht Enzensberger oben im Text nicht ein. Er weist nur darauf hin, dass die Verlierer als radikale Verlierer gelten, wenn sie sich das Votum der Gewinner zu eigen haben. Das von einem Menschen in Kommunikation verwendete Vokabular gehört zu diesem Prozess der Verinnerlichung mit dazu.
@ Guang
–>Auf die Gewinner geht Enzensberger oben im Text nicht ein. ”
Warum wohl nicht? Nein, die Verlierer denken anders wie die Gewinner. Sie können nicht Gewinner sein, weil sie nicht denken können wie die Gewinner. “The winner takes it all”
http://www.popshop.mamme.de/picture/alle/185.jpg
@holger
“The winner takes it all”
Genau!
…und die Losers fragen bei den Gewinnern nach, ob das Taschengeld…äh das BGE nicht vielleicht mal erhöht werden könnte.
@ Guang
ne, andersrum, wird ein Schuh demnächst daraus. Dann fragt der “Staat” vermehrt ein BGE (Steuern) nach (CD). Thema Schwarzmarkt – Schwarzarbeit… . Kommunen sind Pleite mien Jung. Das Volk lange noch nicht. Erst Nachdenken, hat jemand gesagt.
Die Helenen werden es vormachen.
@All
Sehe gerade eine Meldung betreffend eines Angriffs auf einen Lehrer in Ludwigshafen, siehe auch Link unten. Der unter #193 verlinkte Text Enzenbergers hat aus meiner Sicht nicht an Aktualität verloren.
Ein Toter bei Amoklauf an Berufsschule
http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Doc~EA1551B5275684BD59016D8F679A60A4F~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Und @Holger sowie et.al. Kumpels und friends: Nein! Verlierer sind wir alle. Nicht nur die Losers oder diejenigen, die von den Loseers in Medienanstalten, Parteien und Gesellschaft leben. Geld ist auch nicht die Lösung. Solange die Menschen hier in diesem Land glauben, alle Probleme nur auf das Geld zu reduzieren, kann es nur weiter den Bach herunter gehen…..
und @Nanuk und alle Fans westlicher imperalistisch-kapitalistischer Netzwerkfirmen als Träger des ,Mutterkorn’ ersetzenden Erleuchtungsträgers:
http://www.youtube.com/watch?v=EaH2_WDmOH4
@ Guang
–> Geld ist auch nicht die Lösung. Solange die Menschen hier in diesem Land glauben, alle Probleme nur auf das Geld zu reduzieren, kann es nur weiter den Bach herunter gehen…..”
Das erzählt der heilige Stuhlgang seit Petrus. Und komischer Weise, kommen nur durch Geld die Probleme. Und Geld ist demzufolge auch die Lösung der Probleme. Nur für den Übergang, ein BGE und freien Zugang zum Kapital. und deine Loser werden dadurch nicht ärmer. und hängen auch nicht am Laternenpfahl.
@ guang #182
“Für die meisten Deutschen ist dies ein rein finanzielles Problem. [...] Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller, statt mehr Geld den Menschen zu geben, Leistungen des Staates anzubieten. Also z.B. freie Mahlzeiten für Alleinerziehende, Kindergartenplätze, Ganztagesschulen.”
Zustimmung und Ablehnung gleichermaßen. Man muß hier genau unterscheiden zwischen öffentlichen Leistungen als einem allgemeinen Sozialeigentum einerseits und tendenziell diskriminierenden Einschränkungen der Konsumoptionen armer Leute andererseits. Das ist wirklich ein großer und entscheidender Unterschied!
Das erste betrifft einen freien und gleichen Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen, die jedem Staatsbürger als eine Art Bürgerrecht zustehen, wo also eine Selektion des Zuganges nicht durch individuelle Kaufkraft erfolgt, aber auch nicht durch besondere bürokratische Verfahren zur Feststellung von Bedürftigkeit. Die Finanzierung würde hier durch das gesamte Steueraufkommen erfolgen. Denkbare Beispiele wären z.B. das freie Schulessen, der Rechtsanspruch auf einen freien Kita-Platz etc.
Meiner – normativen – Ansicht nach sollte letztlich auch das gesamte Gesundheits- und Pflegewesen so organisiert sein, wobei hier sicher am Ende doch gewisse Selektionsverfahren greifen müssen, aber diese sollten strikt medizinischer, d.h. sachbezogener Natur sein. Ehrlicherweise muß man sich eingestehen, daß hier immer eine Grauzone bestehen wird, in der einige Leute mit “Sozialkapital”, persönlichen Beziehungen etc. gleicher sind als andere, aber diese intransparente Grauzone sollte so klein wie möglich gehalten werden.
Wichtig für diesen Bereich öffentlicher Dienstleistungen (oder zumindest Dienstleistungen mit staatlich reguliertem Zugang) ist der Universalismus: Jeder Bürger hat prinzipiell Zugang, wodurch in diesen Bereichen die waren- und geldwirtschaftliche Logik faktisch außer Kraft gesetzt ist.
Etwas völlig anderes ist ein nicht-monetäres Zuteilungsverfahren für einzelne Bevölkerungsgruppen in einem Bereich, der in der Gesellschaft ansonsten waren- und geldwirtschaftlich organisiert ist und bleibt. Das beträfe etwa die Ausgabe von Konsumgutscheinen mit eingeschränkter Nutzungsmöglichkeit anstelle von Transferleistungen in Geldform. Wie der Blogherr hier ja früher nicht müde wurde zu betonen, ist Zahlungsfähigkeit in einer Geldwirtschaft das entscheidende – und tendenziell einzige – Kriterium sozialer Differenzierung. Zahlungsfähigkeit ist aber abstrakt, sie bedeutet den potentiellen Zugriff auf eine Vielzahl von Konsumoptionen (die in der Realität freilich nicht alle wahrgenommen werden können). Wenn jetzt nicht-monetäre Transferleistungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen an die Stelle von monetären Leistungen treten, werden die Betreffenden in ihrer Zahlungsfähigkeit, die ihrem Wesen nach die freie Wahl von Konsumoptionen ist, eingeschränkt und solchermaßen negativ diskriminiert. – Das läßt sich ohne weiteres daran ersehen, daß es schon etwas Herabwürdigendes hätte, im Supermarkt etwa mit einem von der Arbeitsagentur ausgestellten Konsumgutschein “bezahlen” zu müssen; ebensogut könnte man die Leute in der Öffentlichkeit zum Tragen eines gelben Sternes verpflichten.
Ich habe den Eindruck, daß für manche Leute die Idee nicht-monetärer Leistungen deshalb so verführerisch ist, weil sie damit die Logik der Warenform und des Geldfetischismus ein wenig aushebeln zu können glauben. Aber selbst mit diesem Hintergrund sollte klar sein, daß das nur dann partiell gelingen kann, wenn in manchen gesellschaftlichen Sphären die Warenform komplett durch einen universellen Zugang zu öffentlichen Gütern ersetzt wird. – Wenn man dagegen in waren- und geldförmig organisierten Bereichen nur einzelne Bevölkerungsgruppen aus einer geldwirtschaftlichen Zugangslogik exkludiert, dann schafft man Spaltung und Diskriminierung innerhalb der Geldwirtschaft, nicht aber Emanzipation von ihr.
@guang und alle
Vor Jahrzehnten habe ich den Intellekt und die Sprachkunst eines Enzensbergers geschätzt. Jedoch gehört auch Enzensberger – wie nicht wenige der Intellektuellen aus der 68-er Zeit – zu jenen Konvertiten, die zu reaktionären Zynikern geworden sind.
Die großen Verlierer der letzten Jahrzehnte sind doch gerade die Bevölkerungen jener Nationen, die sich als Sieger des letzten Weltkrieges und als Gewinner der Nachkriegsentwicklung wähnen, insbesondere als Nationen die USA und Großbritannien.
Als Mitgewinner des „Kalten Kriegs“ zählen sich die meisten Deutschen auch dazu.
Die USA und Großbritannien haben sich weitgehend deindustrialisiert, immer größere Teile der Bevölkerung sind verarmt.
Deutschland hat das das zerstört, was seine besondere Stärke war, sein Bildungssystem.
Schon allein der äußere Zustand der Schulen und Hochschulen in Deutschland zeigt den Niedergang.
Entscheidend ist jedoch, dass Massengymnasium und Massenhochschulen – im Gegensatz zum Humboldtschen Bildungssystem – nicht mehr in der Lage sind, geistige Eliten hervorzubringen. Was heute als sog. Elite in Erscheinung tritt, sind in der Regel kleingeistige Parvenüs.
Vor einiger Zeit habe ich in diesem Blog die blödsinnige These gelesen, dass dem Kapitalismus die erweiterte Reproduktion zu verdanken sei. Nun gibt es Formen der kapitalistischen Ökonomie schon seit Jahrtausenden, ohne dass dadurch eine erweiterte Reproduktion entstanden wäre. Geldverleihen und dafür Zinsen kassieren führt keineswegs allein zu einer erweiterten Reproduktion. Ohne Maschinen und ohne Lohnarbeiter , also ohne Industrialisierung, funktioniert dies nicht.
Aber nicht die Kapitalisten haben die Maschinen erfunden. Und die wenigsten Kapitalisten waren selbst Unternehmer. Sie haben nur den Kredit zu Verfügung gestellt, welche die Unternehmer benötigten, um technischen Fortschritt zu realisieren. Und selbst das Geld, was die Kapitalsten zur Verfügung stellten, gehörte seit Entwicklung des Fiat-Money-Systems größtenteils nicht einmal ihnen selbst.
Schaut man sich die heutigen Reichen und sog. Eliten an und stellt die Frage, was diese Individuen konkret zum Fortschritt der Menschheit beigetragen haben, so wird man in der Regel feststellen: Nichts. Keine Erfindung, keine Erkenntnis, kein Kunstwerk.
Aber der Parasitenklasse der Kapitalisten ist es gelungen, durch bezahlte Kopflanger die Verhältnisse so darzustellen, als sei der Kapitalismus die Ursache für den gesellschaftlichen Fortschritt gewesen.
So als ob Wirtschaftswachstum und Prosperität ohne kapitalistische Ökonomie nicht möglich wären.
Richtig an dieser These ist lediglich, dass offensichtlich unter kapitalistischen Rahmenbedingungen der Übergang von einer vorindustriellen zu einer industriellen Produktionsweise am “effektivsten” gelingt, weil die Peitsche des Sklaventreibers hinsichtlich der Ausbeutung nie so effektiv ist wie das System der Lohnarbeit.
So mutiert der ursprüngliche Zwang zur Lohnarbeit durch Verinnerlichung zur Bereitschaft der Lohnarbeiter zur Selbstausbeutung. Und Heerscharen von Psychologen arbeiten daran, durch psychologische Manipulationen die Ausbeutung zu optimieren. Und machen die Menschen zu durch Gier und Geiz getriebenen, geist- und gemeinschaftslosen Anthropoiden.
So schreitet zwar die ökonomische Kooperation der Menschen im Kapitalismus ständig voran, aber trotzdem entwickelt sich kein symbiotisches Bewusstsein, da sich die Menschen als Konkurrenten und Feinde gegenübertreten und immer mehr in die Vereinzelung getrieben werden. So spricht die kapitalistische Ideologie nicht von einem „System vergesellschafteter Arbeit“, sondern von einem System der ArbeitsTEILUNG.
Dass die Kultur des Kapitalismus durch und durch menschenfeindlich ist, weil sie den Menschen nicht als kooperatives Gemeinschaftswesen ansieht, sondern die Natur des Menschen als grundsätzlich menschenfeindlich im Sinne des „homo homine lupus“ determiniert, kann offensichtlich im fortgeschrittenen Stadium des Kapitalismus nur noch von einer kleinen Minderheit in den kapitalistischen Gesellschaften begriffen werden, während die überwiegende Mehrheit offensichtlich aussichtslos einem falschen Bewusstsein verfallen ist.
Damit einher geht eine Perversion der menschlichen Libido: Der menschliche Lebens- und Liebestrieb pervertiert zum Destruktionstrieb.
Dieser Destruktionstrieb manifestiert sich zunächst im Verhalten Einzelner und erfasst dann Kollektive. Ganze Gesellschaften geraten dann in einen kollektiven Prozess von Destruktionslust und Todestrieb.
Daher auch die als irrational erscheinende, zunehmende Bereitschaft – auch in unserer Gesellschaft – zu zerstörerischen und kriegerischen Aktivitäten, welche meist in einen Teufelskreis des Mobbens, Folterns und Mordens führen.
Die Aggressionstäter und Amokläufer sind wahrscheinlich nur die Vorboten kollektiver Destruktionsprozesse.
“Es wird Blut fließen, viel Blut”
URL: http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/maerkte/700669.html
@Tina #190
Optimal ist, wenn Individuen nach Aufklärung suchen. So wie Kinder nach Zusammenhängen fragen: Warum, warum, warum?
Ja. Kinder sind in dieser Hinsicht Giganten.
Entscheidend ist daher der soziale Kontext für die Frage, ob in einer Situation Provokation ein sinnvolles Mittel der Aufklärung ist oder ob damit nicht genau das Gegenteil hervorgerufen wird.
Ja, deshalb schrieb ich von Irritationen. Der Wi-Ing war/ist so ein Provokateur. Man kann von seinen Ansichten halten was man will, aber er regte manche zum Nachdenken an, manche fühlten sich beleidigt. Das BGE ist ein gutes Beispiel für Irritation. Ich habe einen kritischen Standpunkt gegenüber BGE, aber ich bin immer noch, bzw. mal wieder am Nachdenken über einiges was hier @Alvar Hanso geäußert hat. Da waren einige richtig gute Punkte dabei, die mich irritiert und Zweifel an meinem Standpunkt aufgeworfen haben. Staatsausgaben über die Notenpresse (was tatsächlich meinem Standpunkt entspricht) finde ich übrigens auch eine schöne Irritation.
Aufklärung erfolgt vor allem im Diskurs. Dann, wenn unterschiedliche Positionen aufeinander treffen. Entscheidend ist, dass die Fragen wirklich ausdiskutiert werden und am Ende so etwas wie eine „Synthese“ entsteht, welche einen Fortschritt darstellt.
Voraussetzungen für einen gelingenden Diskurs sind Diskursfähigkeit im Sinne von Sachkompetenz sowie Diskursbereitschaft im Sinne von Entwicklungsoffenheit.
Das stimmt alles, Tina, wobei die Sachkompetenz sich ja auch entwickeln kann und nicht notwendigerweise als Voraussetzung vorhanden sein muss. Was aber für einen Diskurs zu allererst vorhanden sein muss, ist eine offene Frage. Die gilt es aufzuwerfen.
@guang #181
Vielleicht kann @Zecke etwas dazu beisteuern wie es hier in diesem Land die letzten 400 Jahre kulturell aussah.
Da kann die Zecke leider gar nix beisteuern. Im Gegenteil, ich bin da völlig ahnungslos und freue mich diesbezüglich immer wieder über Beiträge von Tina, ceteris, froZ, morph, DT und anderen die substanziell dazu etwas zu sagen haben.
@froZ #205
Stimme Dir zu. Sehr gute differenzierte Betrachtung, insbesondere Dein letzter Absatz:
Wenn man dagegen in waren- und geldförmig organisierten Bereichen nur einzelne Bevölkerungsgruppen aus einer geldwirtschaftlichen Zugangslogik exkludiert, dann schafft man Spaltung und Diskriminierung innerhalb der Geldwirtschaft, nicht aber Emanzipation von ihr.
Das ging ja sogar teilweise noch weiter. Als ich noch in WGs gewohnt habe, haben wir regelmäßig Konsumschecks angekauft, die an Asylbewerber verteilt wurden. Die Konsumschecks waren teilweise an “Premium”-Einzelhandelsketten gebunden, deren Preise im Verhältnis zum monatlichen Budget unerschwinglich waren. (Ich weiß gar nicht wie das heute abläuft, hat da jemand Informationen ?)
Die Empfänger waren in jeder Hinsicht reglementiert. Die Konsumschecks waren zum Beispiel auch für bestimmte Warengruppen nicht einsetzbar. Zigaretten und Alkohol gehörten natürlich dazu. Die Schecks dienten zur Kontrolle, eine Forderung die ja immer mal wieder aufkommt: Wenn die “unser” Geld bekommen, dann wollen “wir” auch bestimmen, für was sie es ausgeben. Meistens mit dem Argument, dass damit weiterer finanzieller Aufwand vermieden werden soll. Ich glaube Weissgarnix hat das zitiert: Der Mißbrauch einer Sache rechtfertig nicht deren Abschaffung. Geld ist wirtschaftliche Freiheit. Wer das Geld abschafft, schafft die wirtschaftliche Freiheit ab. Meines Erachtens brauchen wir mehr Freiheit, also mehr Geld. Und die EZB sitzt auf der Quelle…
Meine Meinung zum “kostenlosen” Essen:
Das “kostenlose” Mittagessen für Kinder von H4-Empfängern wird kommen. Es wird keine Wahl zwischen Geld und Essen geben. Die Qualität des Essens wird furchtbar sein. In den USA gibt es bereits solche Modelle. Da verdienen sich Produzenten von Convenience Food einen goldenen Rüssel. Die bekommen dann einen Vertrag mit dem Bundesland und beliefern landesweit die Schulen. Zielvorgabe ist der Preis. Das Ganze wird dann auf H4 angerechnet. Könnte sogar sein, dass im Endeffekt die Sätze für Kinder sinken. Das Bundesland wird in Mensen investieren und ein alternatives Essensangebot für Privatzahler anbieten, sowie eine Öko-Premium-Variante für die Besserverdienenden. Sag mir was Du isst, und ich sage Dir wer Du bist. Distinktion über Exklusion ab einem Alter von 3 Jahren.
Der meines Erachtens gerechte Weg wäre, für alle hoch qualitatives Essens anzubieten und einen so großen Teil der Kosten auf den Steuerzahler umzulegen, dass ein minimaler für alle gleich hoher Eigenbetrag übrigbleibt, der von allen zu leisten ist, und H4-Empfängern tatsächlich obligatorisch vom Regelsatz abgezogen wird. Dann hätten alle Premium-Essen und die Besserverdienenden würden über Steuern den niedrigen Eigenbeitrag der H4-Empfänger co-finanzieren. Das wäre dann eine tatsächliche Erhöhung des Regelsatzes für Kinder über eine qualitativ bessere Ernährung.
Aber wer will das schon.
@ Zecke
Zumindest in Göttingen läuft das noch so.
Ich bin ganz eindeutig Befürworter einer bedingungslosen Lösung. Welche bedinungen muß ein Mensch erfüllen, um am Leben gelassen zu werden? Sollte diese Frage nicht der Vergangenheit angehören?
Was die Ernährung unseres Nachwuchses betrifft, sieht es auch n den weniger armen Verhältnissen richtig düster aus. In der Krabbelgruppe meiner Enkelin haben die Kinder milchschnitte, Kaufpuddings, Minisalami und Powerraid-Drinks als Standard-Food dabei. Meine Enkelin ist mit ihrem Schwarzbrot mit Schmierkäse und den Apfelschnitzen ne fundamentalistische Öko-Fanatikerin (respektive ihre Mutter).
Da die Krabbelgruppe privatwirtschaftlich organisiert ist, traut sich die Leiterin nicht, ihrer Kundschaft die unangenehme Mitteilung zu machen. So wie sie sich auch manch andere -eigentlich notwendige- Kritik am Umgang einiger Eltern mit den Kindern verkneifen muß. Verdammte Ökonomisierung!
“Welche bedinungen muß ein Mensch erfüllen, um am Leben gelassen zu werden? Sollte diese Frage nicht der Vergangenheit angehören?”
Genau, das ist es…
Danke @ Degnaphta
@tina#206
Die wirtschaftliche Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg, ein gewaltiger Zuwachs an Berufen, die höhere und Hochschulbildung erforderten, hat erzwungen, die Hochschulen zu öffnen, ein Prozess, der sich in allen Industrieländern nachverfolgen lässt. Dieser Prozess hat verschiedene wünschenswerte und weniger wünschenswerte Aspekte.
M.E. ist das Niveau heutiger Promotionsschriften in den Geisteswissenschaften (das glaube ich beurteilen zu können) ungleich höher als, sagen wir, in den 1920er und 1950er Jahren. Wer das nicht glaubt, gehe in die nächstbeste Unibibliothek und leihe sich aus den Archiven mal ein paar historische Dissertationen aus. Zum Piepen, wirklich, in jeder Hinsicht, sprachlich, methodisch, vom Umfang her, völlig lächerlich zumeist. Okay, die waren auch sehr viel jünger und meistens war die Promotion die Studiumsabschlussprüfung.
Und die ach so berühmten 68′er ff. Nun ja… Auch die sind schon brav hinter jeder modischen Theoriesau hinterhergerannt, oft ohne Sinn und Verstand.
Wenn jemand mit so geblähten Nasenflügeln die Deutsche Bildung beschwört wie Du, dann muss ich immer an den kunstsinnigen Lagerkommandanten denken, der natürlich den Osterspaziergang aus dem ff herbeten kann. Sorry, ist’n Reflex…
Ich halte dafür, dass Deutsche Bildung seit spätestens 60 Jahren eine Sondermüllkategorie ist, gegen die zweifellos vieles von Goethe, Beethoven, Mahler, Kafka usw. gerettet werden kann, aber auch muss, immer wieder und nur jenseits des nationalphilologischen Rahmens. Und dann kommen die originellen Geister mehr oder weniger deutschsprachiger Provenienz unterschiedslos neben den anderen großen originellen Geistern zu stehen, den Tolstois, Henry James’, Coltranes, Lucien Freuds, Tom Jobims und Stevie Wonders. Und eben nicht neben Gustav Freytag.
Hochkultur in der Moderne mit Regionalkultur in Verbindung zu bringen ist nolens volens reaktionär, tina. Und eine Klage, die in dieser Tonart geführt wird, auch.
Dass in den 1990ern hier das Bildungssystem kaputtgespart worden ist, stimmt. Aber das hat nichts mit Deutscher Bildung und ihrem Verlust zu tun. Wenn’s nur die ach so tolle Bildung wäre, die verloren ginge, könnte man die Entwicklung glatt begrüßen.
@Degnaphta #208
Da die Krabbelgruppe privatwirtschaftlich organisiert ist, traut sich die Leiterin nicht, ihrer Kundschaft die unangenehme Mitteilung zu machen. So wie sie sich auch manch andere -eigentlich notwendige- Kritik am Umgang einiger Eltern mit den Kindern verkneifen muß. Verdammte Ökonomisierung!
Das ist doch auch nur ein Auslese-Prozess….
@Morph #210
„M.E. ist das Niveau heutiger Promotionsschriften in den Geisteswissenschaften (das glaube ich beurteilen zu können) ungleich höher als, sagen wir, in den 1920er und 1950er Jahren. Wer das nicht glaubt, gehe in die nächstbeste Unibibliothek und leihe sich aus den Archiven mal ein paar historische Dissertationen aus. Zum Piepen, wirklich, in jeder Hinsicht, sprachlich, methodisch, vom Umfang her, völlig lächerlich zumeist. Okay, die waren auch sehr viel jünger und meistens war die Promotion die Studiumsabschlussprüfung.“
Wen interessiert der akademische Durchschnitt?
Es geht um die Bildung von Eliten.
„Wenn jemand mit so geblähten Nasenflügeln die Deutsche Bildung beschwört wie Du, dann muss ich immer an den kunstsinnigen Lagerkommandanten denken, der natürlich den Osterspaziergang aus dem ff herbeten kann. Sorry, ist’n Reflex…“
Ja, ein Reflex, der papageienhaft seit Jahrzehnten nachgeplappert wird.
Als ob es ein Argument gegen die Entwicklung einer Hochkultur sei, wenn diese Hochkultur nicht massenwirksam wird.
So ein blödes Argument wird übrigens nie im Bereich der Naturwissenschaftenn vorgebracht. Wenn die überwiegende Mehrheit der Deutschen nichts mit höherer Physik anfangen kann, ist doch dies kein Argument gegen die Physik als Wissenschaft.
„Hochkultur in der Moderne mit Regionalkultur in Verbindung zu bringen ist nolens volens reaktionär, tina. Und eine Klage, die in dieser Tonart geführt wird, auch.“
Die in deutscher Sprache formulierte Hochkultur war niemals eine Regionalkultur.
Würde mich nicht wundern, wenn dies ein dummdeutscher „Kulturwissenschaftler“ schreibt.
„Kulturwissenschaftler“ gehören nach meiner Erfahrung jener Kategorie von Akademikern, die glauben, über alles mitreden zu können, aber von keiner einzigen Wissenschaft richtig Ahnung haben.
Im Übrigen haben in Deutschland die „Geisteswissenschaften“ seit Jahrzehnten keinen einzigen Wissenschaftler mit Weltniveau hervorgebracht.
Dafür aber massenhaft mittelmäßige Papageien.
@Tina #206
Ich bemühe mich ja sehr deine verbale Mülllawinen zu ignorieren, aber manchmal geht das nicht.
Bill Gates hat DOS und Windows nicht entwickelt, sondern nur finanziert? Steve Jobs hat heimlich die Entwicklung des Apple in Auftrag gegeben? Ingvar Kamprad hat irgendeinen schwedischen Deppn Kohle in die Hand gedrückt und gesagt: So du machst jetzt mal auf IKEA. Um wenige Beispiele zu nennen.
Es ist mir absolut unverständlich wie jemand so schwülstiges Untergangsgeschwaffel Ernst nehmen kann:
(1) Die Peitsche des Sklaventreibers im System der Lohnarbeit.
(2) Es entwickelt sich kein symbiotische Bewusstsein.
(3) Die Perversion der menschlichen Libido: Destruktion.
(4) Gesellschaften im kollektiven Prozess des Todestriebs.
(5) Es wir Blut fliessen, viel Blut!
Wo hast diese Sprüche aufgeschnappt? Im Seminar “Wie werde ich Psychopath – und zwar systematisch”.
@ Tina # 206
Von den „großen Verlierern der letzten Jahrzehnte“ in den Weltkrieg-Sieger-Nationen, über das Bildungssystem hierzulande bis zur „Parasitenklasse der Kapitalisten“:
alles in einem einzelnen Beitrag abgehandelt.
Das kann man ja machen.
Aber dann muss auch mal klar dargelegt werden, von welchem PUNKT aus gemessen und bewertet wird.
Beispielsweise:
>Entscheidend ist jedoch, dass Massengymnasium und Massenhochschulen – im Gegensatz zum Humboldtschen Bildungssystem – nicht mehr in der Lage sind, geistige Eliten her-vorzubringen.>
Es lässt sich durchaus bezweifeln, ob diese Feststellung richtig ist.
Sieht man einmal davon ab, bleibt immer noch die Frage:
Was SOLL denn das Bildungssystem hervorbringen?
Soll es „geistige Eliten“ hervorbringen, die um so „geistiger“ und umso mehr „Eliten“ sind, je ungebildeter die Anderen bleiben?
Was ich bei Ihnen lese, legt die Vermutung Ihrer Antwort nahe:
Unsinnige Frage, denn das Bildungssystem muss BEIDES leisten, Massenbildung und Eli-tenbildung – und wahrscheinlich noch eine Menge mehr.
Für Sie ist das machbar, jedenfalls prinzipiell, weil es beim Bildungssystem für Sie KEINE Bedingungen gibt, die auch RATIONIERENDE Bedingungen sein können.
Und da das offensichtlich nicht nur für das Bildungssystem gilt, gibt es ÜBERHAUPT keine Bedingungen – jedenfalls nicht für das “neue System”.
Das ist Naivität.
Zum anderen:
>Dass die Kultur des Kapitalismus durch und durch menschenfeindlich ist, weil sie den Men-schen nicht als kooperatives Gemeinschaftswesen ansieht, sondern die Natur des Menschen als grundsätzlich menschenfeindlich im Sinne des „homo homine lupus“ determiniert …>
Hier haben Sie – als Begründung – einmal einen Punkt formuliert, von dem aus man messen und bewerten kann. Das sieht dann so aus:
Der Kapitalismus sieht nicht nur den Menschen als „kooperatives Gemeinschaftswesen“ an, sondern er ZWINGT ihn geradezu sich als solches PRAKTISCH einzubringen.
Wir tun nichts mehr als KOOPERIEREN.
Und jeder von uns würde sich bei aller unbestreitbaren Individualität als GEMEINSCHAFTSWESEN ausweisen, weil er als Individuum nicht überleben könnte.
Es ist eine PSEUDO-Position, nebulöses „Gemeinwesen“ von der aus sie messen und bewerten.
Sie können Ihre Position nicht KONKRETISIEREN, weil Sie etwas ganz NEUES wollen.
Deshalb liefern Sie nur verbale Rundumschläge, die – wie beispielhaft gezeigt – ohne Wirkung bleiben müssen.
Würden Sie KONSTRUKTIV kritisieren, müssten Sie dies von einem Standpunkt INNERHALB des Systems tun. Das wollen Sie nicht.
So oder so – Ihre Kritik (ich nenne das freundlicherweise einmal so) ist irrelevant.
Denn sie liefert keinen Erkenntnisbeitrag und schon gar nicht verändert sie irgendetwas.
Sie ist ein Ausdruck von Verletzung und Betroffenheit.
@tina
“Im Übrigen haben in Deutschland die „Geisteswissenschaften“ seit Jahrzehnten keinen einzigen Wissenschaftler mit Weltniveau hervorgebracht.”
Wer ist für Dich denn ein Geisteswissenschaftler mit Weltniveau aus den letzten, sagen wir, 30 Jahren?
Und wie immer man deren Werke persönlich einschätzen mag, Habermas und Luhmann sind sicher, was ihre internationale Reputation als Geisteswissenschaftler mit Weltgeltung zu beschreiben, oder?
Für mich persönlich ist aber eine Weltgeltung im Aktualitätsbereich von “jetzt” +/- 30 Jahren relativ unerheblich. Geisteswissenschaftliche Bedeutung zeigt sich erst im Abstand von mehreren Jahrzehnten. Sonst wäre auch Ulrich Beck ein Soziologe von Weltgeltung.
Aber wer weiß, vielleicht wird ja der Sebastian Rödl ein Philosoph mit Weltgeltung, der aus Deutschland kommt. (Gib zu, Du hast den Namen noch nie gehört). Robert Brandom jedenfalls, zweifellos ein Philosoph mit Weltgeltung, hält Rödl für den begabtesten Kopf seiner Generation (aber auch der Name Brandom sagt Dir sicher nichts, wozu also weiter diskutieren?).
@ Zecke 207
–>Ich habe einen kritischen Standpunkt gegenüber BGE, aber ich bin immer noch, bzw. mal wieder am Nachdenken über einiges was hier @Alvar Hanso geäußert hat. Da waren einige richtig gute Punkte dabei, die mich irritiert und Zweifel an meinem Standpunkt aufgeworfen haben.”
Und ein paar verdammt Gute. Und darüber lohnt es sich ein wenig weiter nachzudenken. Man kann die Vorteile doch nicht einfach ignorieren. Vom BGE werden alle Generationen profitieren.
Selbst Tina wenn er denn wollte.
Aber nein, es ist tatsächlich zu schwer, werloses Geld zu “verschenken” . Einfach nur drucken. Mehr nicht. Bekommt keiner mit.
@tina
“Die in deutscher Sprache formulierte Hochkultur war niemals eine Regionalkultur.”
Stimmt: Am deutschen Wesen…
Jemineh.
Dass Du mir eine von Dir beargwöhntes Fachzugehörigkeit unterstellst und mich als mutmaßlich typischen Vetreter… geschenkt.
Ich dich auch!
Das Schöne ist, dass das Vergehen der Weltverachtung sich selbst bestraft. Viel Spaß noch in Deinem Pensionärsdasein!
Ich darf mal etwas Prosa in die Debatte um Bildung und Institutionen, Freiheit und Rationierung, Massen und Eliten einwerfen ?
http://www.brainlogs.de/blogs/blog/anatomisches-allerlei/2009-06-15/traumzeit
@Wat
“Welche Bedingungen muß ein Mensch erfüllen, um am Leben gelassen zu werden? Sollte diese Frage nicht der Vergangenheit angehören?”
Genau, das ist es…
Es gibt in diesen Fragen keine Vergangenheit, also keinen Fortschritt.
Diese Fragen stellen sich immer neu, wenn die Befürchtung aufkommt (berechtigt oder nicht) dass es für alle nicht reicht.
Sie ist im Kapitalismus berechtigt, der selber Bedingungen geschaffen hat, die sie unberechtigt machen könnten, andererseits aber genau auf der Basis dieser Bedingung funktioniert, dass es höchsten “gerade mal reicht”, also “knapp” ist Der Kapitalismus ist Mangelwirtschaft auf höchstem Niveau, sozuagen.
Das wird uns – an der Parodiegrenze – aktuell von einem gewissen WW vorgeführt.
@ceteris # 219
Es gibt in diesen Fragen keine Vergangenheit, also keinen Fortschritt.
Diese Fragen stellen sich immer neu, wenn die Befürchtung aufkommt (berechtigt oder nicht) dass es für alle nicht reicht.
Deshalb hätte ich auch kürzer zitieren sollen:
“Welche Bedingungen muß ein Mensch erfüllen, um am Leben gelassen zu werden?”
Denn da scheiden sich für mich die ‘Geister’.
Und es ist für mich das Argument für Sozialstaat (so lange wir Kapitalismus haben) und das bGE.
Insofern bin ich für die Abschaffung des Sozialstaates – aber nicht innerhalb des Kapitalismus – mit ihm.
Der Kapitalismus ist Mangelwirtschaft auf höchstem Niveau, sozuagen.
Ja und das künstlich.
Nicht etwa künstlich, weil der Mangel nicht real zu spüren wäre; sondern weil künstlich erhalten.
Künstlich in der Art, daß uns ein von ‘uns’ Menschen selbst geschaffenes System daran hindert, diesen tatsächlich nicht (mehr) vorhandenen Mangel, weiter aufrecht zu erhalten.
‘Unser’ Korsett macht den Mangel.
Noch pflegen wir das Korsett.
Wäre schön, dieses Kleidungsstück abzustreifen, bevor wir ‘ersticken’.
Es wird sicherlich immer wieder irgendetwas geben, was knapp und nicht gleich oder nicht für alle vorhanden sein wird.
Aber dafür haben Menschen nicht nur Köpfe, sie haben auch Gehirne, um dann Lösungen finden zu wollen, die sich nicht am ‘Lebensrecht’ ausrichten.
@ Tischer, Stephan et al.
Mir ist klar, dass die bedingungslos prokapitalistische Fraktion in diesem Blog durch keinerlei Argumentation zu beeindrucken ist.
Warum sollte sie auch?
Wir haben Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Überall Prosperität um uns herum.
Kriege und Faschismen – was haben die mit Kapitalismus zu tun?
Rings herum zufriedene bis glückliche, physisch und psychisch gesunde Menschen.
Kreativ gestalten sie ihr Leben in Freiheit, umgeben von blühenden Landschaften.
@ Tischer, Stephan et al. – halluzinieren Sie ruhig weiter!
@Tina #221
Wie gesagt: “Wie werde ich Psychopath – und zwar systematisch”. JA, es wird Blut fliessen, viel Blut!
“Und ich sah, dass das Lamm das erste der sieben Siegel auftat, und ich hörte eine der vier Gestalten sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm wurde eine Krone gegeben, und er zog aus sieghaft und um zu siegen. Und als es das zweite Siegel auftat, hörte ich die zweite Gestalt sagen: Komm! Und es kam heraus ein zweites Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten, und ihm wurde ein großes Schwert gegeben. Und als es das dritte Siegel auftat, hörte ich die dritte Gestalt sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme mitten unter den vier Gestalten sagen: Ein Maß Weizen für einen Silbergroschen und drei Maß Gerste für einen Silbergroschen; aber dem Öl und Wein tu keinen Schaden! Und als es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme der vierten Gestalt sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: Der Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten damit Schwert und Hunger und Pest und durch die wilden Tiere auf Erden. ”
(Johannes, Offenbarung 6,1-8)
Eine Gesellschaft, welche sich weiterentwickeln will, bedarf der gemeinnützigen Eliten.
Sie bedarf der großen Denker, Erfinder, Wissenschaftler und Künstler.
Anders als in anderen Nationen stoßen derartige Aussagen in Deutschland keineswegs auf Konsens.
Das humanistische Bildungsideal hatte zum Ziel den politischen Bürger, der einen Beitrag zum Gemeinwohl leistet.
Gemäß Humboldt sollte der Bildungsauftrag an das Gymnasium Allgemeinbildung im Sinne von politischer Bildung sein.
Auch die Universitäten sollen dem Allgemeinwohl verpflichtet sein. Damit sich Wahrheit und Wissenschaft an den Universitäten entwickeln können, sollen die Universitäten frei von nicht-wissenschaftlichen Einflüssen sein.
Das war das Humboldtsche Bildungskonzept.
Es ist dreimal zerstört worden. Erst von der preußischen Reaktion, dann durch die Nazis und in den 70-er Jahren durch die sozialdemokratischen Bildungsreformen.
Na, dann mal ein wenig Lorber hinter her.
Und da es das nicht in Latainerschrift gibt, hab ich mir es erlaubt abzuschreiben. Da es kaum einer lesen kann.
Erste Stunde nach Jakob Lorber
Erste Stunde
In der so genannten besseren und gebildeten Welt, wo besonders die christliche Religion unter verschiedenen Sektenformen gang und gebe ist, wird die Moral meist nur also gepredigt, wie sie in politischer Hinsicht den Machthabern entweder in weltlicher oder in geistlichen Dingen gerade am zweckdienlichsten ist.
Es wird dem Volke eine graue Kenntnis Gottes beigebracht, nicht darum, dass sie selben erkennen und lieben, sondern nur als den unerbittlichen Tyrann aller Tyrannen unermesslich fürchten sollen;
Und so wird die Gottheit nur als eine Geisel gepredigt, die noch fruchten solle, wenn alle anderen Geiseln fruchtlos geworden sind.
Statt dass die Gottheit dem Volke zum allerhöchsten Troste bekannt gegeben werden möchte, wird sie demselben nur gegeben als ein Etwas, das nichts zu tun hat, als in jeder Minute Milliarden von solchen moralisch verdorbenen und ungehorsamen Kindern ins ewige Feuermeer unwiderruflich zu verdammen;
Und so sehet euch ein wenig um erblicket die zahllosen Kerker, die voll angefüllt sind mit allerlei moralischen Verbrechern, und wie von Minute zu Minute diese Kerker immerwährend einen großzähligen Zuwachs bekommen, dass, wenn diese Kerker auf einem Punkt vereinigt wären, ich glauben müsstet, die ganze Generation der Erde wird sich in wenigen Jahren bequemen müssen, allda hinein zu marschieren.
Und fraget, was geschieht denn nun diesen Menschen, die da hinein kommen? Da sehet nur ein wenig her gegen Morgen; seht, da stehen schon eine Anzahl totenbleicher Schaaren, umgeben von allerlei bewaffneten Menschen und giftigen Richtern, und sehet weiter da einen Anzahl von Mordinstrumente, mit denen diese Unglücklichen hingerichtet werden. Allda sehet ihr brennende Scheiterhaufen, da Galgen, Schafotte und vielerlei Mordinstrumente. Sehet, das ist die letzte Besserungsanstalt für solche moralische Verbrecher! Nun werdet ihr fragen, was haben denn all Diese angestellt? Ja, sage ich, es gibt darunter Mörder, Räuber, Diebe, Überläufer und Aufwiegler. Es gibt ferner noch eine Menge Menschen, die durch allerlei Betrügereien dem Staate großen Schaden gebracht haben; darunter, die sich gegen eine oder die andere politische aber auch moralische Anordnung schwer verstoßen haben.
Sehet, da sind sonach die Verbrechen dieser Unglücklichen aufgedeckt, insoweit dieselben als wenigstens ein scheinbarer Grund dienen können. Nun wollen wir aber eine weitere Frage tun, und fragen: Worin liegt denn der Grund, dass diese Menschen zu solchen Verbrechern geworden sind? Und so ihr auch Jemand Anderen fragen möchtet um diesen Grund, so werdet ihr sicher keine andere Antwort bekommen, als: Der Grund liegt entweder in der vernachlässigten Erziehung, oder, was ohnehin dies Eines und dasselbe ist, es waren schon ihre Eltern, Vor- und Ureltern also gestaltet. Ich frage aber wieder, woran lag es denn, dass diese Menschen eine so schlechte Erziehung erhielten, ja dass man in der Erziehung eine ganze Generation vernachlässigt hat?
Ihr dürft gar nicht weit greifen, und die Antwort wird sich euch von selbst aufdringen: Der Hauptgrund ist kein anderer, als die Politik, vermöge welcher die Machthabende Menschenklasse sich um nichts so sehr kümmert, als das die Untergeordneten ja so viel als möglich in aller Dunkelheit gehalten werden möchten, in der Furcht, wenn das Volk nähere Aufschlüsse über Mich und dadurch auch über seine eigene Bestimmung erhalten möchte, es da mit ihrer Macht und ihren zeitlichen Einkünften bald ein Ende haben dürfte; o diese Narren!
Sie sollten nur hinblicken auf Meinen David, der selbst ein König und ein Prophet und als solcher ein großer Volkslehrer war, und sie würden also bald ersehen, dass ein Volk, das Gott und seine Bestimmung erkennt, auch ein Volk ist voller Gehorsams und guten Willens; und Tausende können mit einer Federflaume leichter regiert werden, als zehn finstere Dümmlinge, die von mir keine andere Vorstellung haben, als jene eines vielleicht existierenden Tyrannen, oder eines Wesens, das früher seinem Gläubigen gleich einem Vampir den letzten Blutstropfen ausgesaugt, bis es ihn endlich mit dem ewigen Leben, auf einer lichten Wolke ewig kniend und anbetend, beseligt.
Sehet, ist es nicht leicht zu begreifen, dass Menschen sich von einem solchen bösartigen Gotte so viel als möglich loszumachen suchen? Und wenn sie auch noch irgend Religion besitzen, so besteht diese in einer puren Zeremonie, und diese nur aus rein göttlichen Rücksichten. Die Folge davon war schon im Anfange keine andere, als dass der weltsüchtige Teil sich endlich von aller Religionen und was immer für einer christlichen Gotteslehre, wie ihr zu sagen pflegt, aus dem Staube gemacht hat; andererseits entstanden Kirchentrennungen und Sektereien, und zwar durch Männer, die mehr oder weniger die Torheit einer solchen gepredigten Gottheit einsahen und gewisserart in ihrem Geiste sagten:
Höret, mit der Gottheit, wie sie da gelehret wird, ist ja rein nicht auszukommen; wir wollen daher die reine Lehre selbst zur Hand nehmen, sie näher prüfen, und sehen, ob der Gottheit nicht irgend bessere Seiten abzugewinnen sind?
Und sie fanden in solcher Prüfung auch wirklich, dass Ich denn doch kein solcher Tyrann bin; vergaßen aber auf der anderen Seite, dass ich dem ungeachtet Gott bin, und nahmen dann Meinen Willen ebenfalls zu lau; Andere setzen Mich wieder so hoch hinauf, und philosophierten sich auf diese Weise jede Handlung, die in ihrer natur nur eine Anregung findet, für gerecht und vollends Meinem Willen gemäß, in der irrigen Idee, dass was immer da ihnen durch den törichten Sinn fährt, ein Wille von Mir sei, und so entstanden anstatt der alten Torheit eine Menge Albernheiten und göttliche Begriffsverschiedenheiten, dass es sich wahrhaft nicht der Mühe lohnt, sie für euch aufzuzählen.
Der Grund von allem Dem war und ist kein anderer, als, wie schon oben bemerkt wurde, teils die moralische Politik, hauptsächlich aber die Trägheit und auch Furcht bei den Menschen, die vorgezeichneten Wege zum ewigen Leben im Ernste zu ergreifen; denn wahrlich sage ich, wer Mein Reich nicht nimmt, wie Ich es verkündiget habe, der wird es nicht erhalten und sollte er auch alle Sekten in sich vereinigen, oder unter allen Sekten stehen;
denn Ich allein bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
@Tina
Anders als in anderen Nationen stoßen derartige Aussagen in Deutschland keineswegs auf Konsens.
Doch, ich bin Deutschland, ich finde das “voll schön”, total supi.
Aber, wenn ich mal so unjebildet fragen darf: Warum IST es denn nicht so?
Das humanistische Bildungsideal hatte zum Ziel den politischen Bürger, der einen Beitrag zum Gemeinwohl leistet.
Ja, und mein Ideal hatte zum Ziel, ein Weissgarnix zu werden, der im Southern Comfort sich für teures Geld billige Sprüche anhören kann – und der bestimmt auch das humanistisch-humboldtsche Bildungsideal große Klasse findet – auch wenn er das für seine Sprößlinge nur noch in einer teuren Privatschule realisieren kann, das wäre dann schon mal der erste Haken an der Allgemeinverbindlichkeit des Ideals.
…
Hat aber nicht geklappt, mit diesem Ideal, warum sollte es dem “humanistischen” auch besser ergehen? Die Realität hat irgendwie was dagegen, sie ist eben böse, “irdisches Grauen” pur… und die selbstlosen Eliten sind ein feuchter Traum derer, die sich selber als ein Teil derselben selbstidealisieren. Abgeschmackt finde ich das, wenn nicht albern.
@ceteris
>Ja, und mein Ideal hatte zum Ziel, ein Weissgarnix zu werden, der im Southern Comfort sich für teures Geld billige Sprüche anhören kann
Also: Gladwell, Forbes & Co waren ja eigentlich recht interessant. Und was den Southern Comfort betrifft: Die Kapitalistenschweine dieser Welt verabreden sich halt nun mal nicht in billigen Absteigen – was soll ich da machen? Ich bin ja quasi nur ein Kapitalistenschwein-Azubi, habe deshalb auf die Wahl der Location keinerlei Einfluss.
Am Montag habe ich den Beitrag von Spiegel TV Reportage bei SAT 1 gesehen.
http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,677542,00.html
Meine Meinung dazu?
Das sog. Elitegymnasium erinnerte an mein Gymnasium. Nur war dies eine öffentliche Schule, Schulgeld gab es nicht mehr.
Kleine Klassen?
In der Oberstufe war dies bei uns Realität. Die Klassengröße lag bei 10 – 15.
Wir hatten hochqualifizierte und motivierte Lehrer. Fast die Hälfte war promoviert. Gymnasiallehrer war damals – anders als heute – noch ein hoch angesehener und gut bezahlter Beruf.
So etwas gab es einmal in Deutschland, nämlich Eliteschulen mit freiem Zugang für alle und zudem kostenlos.
Niemals wären selbst reiche Eltern auf die Idee gekommen, ihre Kinder nach England oder sonst wo zu schicken, um eine möglichst gute Schulausbildung zu bekommen.
Und die Zusammensetzung unserer Klasse?
20% Akademikerkinder, der Rest war untere Mittelschicht. Arbeiterkinder und Reiche gab es in unsere Klasse in der Oberstufe nicht (mehr), aber vereinzelt in anderen Klassen.
Allerdings schaffte die Hälfte bis Zweidrittel der Quintaner das Abitur nicht und ging vorzeitig ab.
Was wurde aus den Absolventen?
Fast alle studierten erfolgreich, nur einer wurde Jumbo-Pilot. Rund 50% schlossen mit Promotion ab.
@Zecke #218
Danke für den Link!
Die Realität an den Hochschulen sieht – leider – noch viel schlimmer aus.
Helmut Wicht hat das Glück, als Biologe und Anatom im naturwissenschaftlichen Bereich zu lehren.
In den ideologischen Fächern – aka Geistes- und Sozialwissenschaften – machen nur Systemapologeten Karriere. Meist versuchen diese Figuren sich als „Bedenkenträger“ irgendwie diffus in der Mitte zu platzieren. Denn die Gefahr ist, dass man irgendwie political incorrect wird und dann die Feindschaft der Etablierten zu spüren bekommt. Also keineswegs zu kritisch auftreten. Möglichst nicht klar politisch positionieren. Auf keinen Fall irgendwie links.
Und nur nicht den Feminismus kritisieren. Die Sprache der kritischen Soziologie meiden. Tabu sind: Herrschaft, Ausbeutung etc.
Am besten sich in allgemeinen Bereichen von Erkenntnistheorie und Methodologie bewegen.
Als Freizeit-Rocker hat Wicht eigentlich wenig Probleme zu erwarten, man ist ja liberal gegenüber dem Personal an deutschen Hochschulen. Wäre Wicht hingegen Mitglied der DKP gewesen und dies bekannt geworden, dann wäre es allerdings aus gewesen mit seiner Hochschulkarriere. Das hätte ihn selbst den Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter gekostet.
http://www.med.uni-frankfurt.de/institut/zmorph/mitarb/mitarb2/index.html
@ Tina # 221
>Mir ist klar, dass die bedingungslos prokapitalistische Fraktion in diesem Blog durch keinerlei Argumentation zu beeindrucken ist…
… Wir haben Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Überall Prosperität um uns herum.
Kriege und Faschismen – was haben die mit Kapitalismus zu tun?
Rings herum zufriedene bis glückliche, physisch und psychisch gesunde Menschen.
Kreativ gestalten sie ihr Leben in Freiheit, umgeben von blühenden Landschaften.>
WER HÄTTE DAS JE BEHAUPTET?
Niemand hier.
Was Sie hier unterstellen, ist nichts weiter als eine PROJEKTION, die Sie ERFINDEN, um auf eine ARGUMENTATIV billige Masche der Kritik zu entkommen, nämlich:
Wer mich, Tina, kritisiert, geht von einem makellosen Kapitalismus aus.
Der Kapitalismus ist nicht makellos.
Deshalb bin ich von denen, die von einem makellosen Kapitalismus ausgehen, nicht zu kritisieren.
Das ist wahrlich BEEINDRUCKEND.
Gerade deshalb sollten Sie sich mit Ihrem VERSTÄNDNIS von Argumentation auseinander setzen.
Das mag Ihnen überflüssig erscheinen, schließlich ist es eine Empfehlung aus der „halluzinierenden prokapitalistischen Fraktion“.
Aber wenn das die “Logik” beim Aufbau des NEUEN sein soll, dann
Gute Nacht!
@Dietmar Tischer #229
„Deshalb bin ich von denen, die von einem makellosen Kapitalismus ausgehen, nicht zu kritisieren.“
Niemand geht von einem „makellosen Kapitalismus“ aus.
Jeder, der sich eingehender mit dem Kapitalismus befasst hat, weiß, dass es sich um ein leichenträchtiges Geschäft handelt.
Leute wie Sie spekulieren auf die Dummheit und Feigheit der Underdogs.
Mal sehen, ob Ihre Rechnung aufgeht.
@ Tischer 229
Manchmal bewundere ich ihre Energie, sich mit den “no future” Fuzzis (ernsthaft) auseinanderzusetzen!
@froZ
#205
Ich teile Deine ,,Ablehnung” gegen nicht-monetärer Leistungen in Form von Konsumgutscheinen. Mir ging es mit meinem ursprünglichen Hinweis in #182 um staatliche Leistungen zusätzlich zum Geldtransfer. Von diesen zusätlichen Leistungen würden auch nicht Bedürftige profitieren und gleichzeitig würden sie Einfluss auf die Entwicklung unserer Gesellschaft nehmen. Zum Teil gibt es solche Leistungen ja bereits. Beispielsweise die öffentlichen Bücherreien, die leider in einigen Städten reduziert wurden. Ich würde aber auch öffentlichen Nahverkehr und öffentliche Mensen mit zu den Leistungen rechnen, die subventioniert angeboten werden sollten. Die Mobilität von Menschen in ihrer Stadt sollte nicht durch monetären Grössen beschränkt werden. Auch würde ich es für gut halten, dass in diesem Bereich die Option der Konsumenten eingeschränkt oder durch die fast kostenfreie Alternative auf S- und U-Bahn verlegt wird. Öffentliche Mensen würde ich für gut halten, weil ich den Eindruck habe, dass in vielen sozialschwachen Familien nicht mehr gekocht wird. Hierunter leiden besonders die Kinder. Aber auch der Bereich Nachhilfe für Schüler bzw. Ganztagesschulen sowie Kita Plätze gehört dazu. Für Menschen im mittleren Alter sollten kulturelle öffentliche Räume geschaffen werden. Aus meiner Sicht fehlt es in den Städten an solchen sozialen öffentlichen Räumen. Der öffentliche Raum ist bei uns lange Zeit nicht gepflegt worden und infolgedessen vergammelt. In Süd-Europa treffen sich die Leute im Cafe, am Marktplatz oder zwischen den Gassen unter schattigen Bäumen. Bei uns hat diese Funktion zunehmend das anonyme Internet übernommen. Öffentlicher Raum sowie auch Kultur muss aber um erfolgreich sich entwickeln zu können geschützt sein[1].
Ich wollte den Geldtransfer an Bedürftige an sich nicht in Frage stellen. Aber meine Einschätzung ist, dass das zusätzliche Geld irgendwie irgendwo versickern wird. Die Probleme in unserer Gesellschaft sind nicht nur monetär.
,,aber auch nicht durch besondere bürokratische Verfahren zur Feststellung von Bedürftigkeit.”
Das ist das zentrale Element. Nur ohne diese bürokratischen Verfahren kann es funktionieren. Für mich sind die bürokratischen Festellungsverfahren diskriminierend und für die Betreffenden herabwürdigend.
,,Wichtig für diesen Bereich öffentlicher Dienstleistungen (oder zumindest Dienstleistungen mit staatlich reguliertem Zugang) ist der Universalismus: Jeder Bürger hat prinzipiell Zugang, wodurch in diesen Bereichen die waren- und geldwirtschaftliche Logik faktisch außer Kraft gesetzt ist.”
Ja, Schaffung freier Güter. So wie die Zeit oder die Benutzung unserer Sprache kostenfrei ist, so sollten auch Musikschulen für Kinder, Theater AG und öffentlicher Verkehr etc. frei sein.
,,Das beträfe etwa die Ausgabe von Konsumgutscheinen mit eingeschränkter Nutzungsmöglichkeit anstelle von Transferleistungen in Geldform.”
Konsumgutscheine halte ich für den falschen Weg. Es könnte aber die Schaffung von Märkten (Kleidermarkt, Flohmarkt, Buchmarkt, etc.) subventioniert werden, so dass Menschen aus ihren Wohnungen heraus kommen und wieder sozialisiert werden. Bei den christlichen Kirchen in Deutschland gibt es ähnliches bereits heute. Allerdings halte ich dies für eine staatliche Aufgabe.
,,Das läßt sich ohne weiteres daran ersehen, daß es schon etwas Herabwürdigendes hätte, im Supermarkt etwa mit einem von der Arbeitsagentur ausgestellten Konsumgutschein “bezahlen” zu müssen; ebensogut könnte man die Leute in der Öffentlichkeit zum Tragen eines gelben Sternes verpflichten.”
Genau. Deshalb wäre ich auch nicht dafür.
Obige Hinweise sind reine Gedankenspiele ohne Anspruch auf Umsetzung in der Realität. Einen freien öffentlichen Nahverkehr werden wir wahrscheinlich in unserem Leben nicht mehr erleben, aber einmal darüber nachgedacht zu haben und sich zu vorzustellen, wie unsere Städte wohl vor 100 Jahren aussahen, hat Spass gemacht.
—–
[1] culturare = anbauen, pflegen
@tina und alle #206
,,Aber der Parasitenklasse der Kapitalisten ist es gelungen, durch bezahlte Kopflanger die Verhältnisse so darzustellen, als sei der Kapitalismus die Ursache für den gesellschaftlichen Fortschritt gewesen.”
Deinen Kommentar unter #206 kann ich eigentlich nur zustimmen. Insbesondere dem ersten Teil hinsichtlich der Zerstörung des Bildungssystems. Allerdings würde ich die Parasitenklasse nicht so engherzig wie oben im Kommentar definieren. Es handelt sich bei den Mitgliedern dieser Kaste nicht nur um Kapitalisten. Die Allmacht der Kapitalisten ist ein post-modernes Märchen. Es ist ist unsere Dummheit, die sie erst zu dieser Macht aufstiegen liess.
Siehe auch #197 holger:
,,Es gibt die belächelte “Verlierer Rasse” die die Gesellschaft auch braucht. Die du und auch Tina züchten möchte. Um dann in Schadenfreude, auf diese zu zeigen. Und dann gibt es die “Gewinner Rasse” die sich in darin suhlen. Wie die Schweine im Dreck.”
Holger bezog sich dabei auf den verlinkten Text von Enzenberger ,,Radikale Verlierer”. Mehr oder weniger stecken wir alle da drin.
Für mich ist es daher folgerichtig, dass der Staat mit seinen Handlungslangern die letzten sozialen marktwirtschaftlichen Freiräume (z.B. Schwarzarbeits Markt) auch noch zerschlagen wird, um die Menschen zur Tatenlosigkeit in ihren Wohnungen zu zwingen.
Siehe auch noch einmal Holger #202
,,ne, andersrum, wird ein Schuh demnächst daraus. Dann fragt der “Staat” vermehrt ein BGE (Steuern) nach (CD). Thema Schwarzmarkt – Schwarzarbeit… . Kommunen sind Pleite mien Jung. Das Volk lange noch nicht. Erst Nachdenken, hat jemand gesagt.
Die Helenen werden es vormachen.”
Ich weiss zwar nicht wer die Helenen sind, aber ich glaube Holger liegt mit seiner Einschätzung völlig richtig. Es wird so kommen. Die Daumenschrauben werden von allen Seiten, staatliche wie auch unternehmerisch, angezogen. Dazwischen stehen Therapeuten und Lehrer, die sich um den daraus folgenden sozialen Misstand kümmern sollen. Und der Rest der Nation wundert sich, warum die Amokläufe bei uns im Land beständig zunehmen.
Aus meiner Sicht, werden wir alle diese Entwicklungen nicht aufhalten können. Die Entwicklungen haben bereits bekonnen und werden tendenziell weiter zunehmen. Es ist aus meiner Sicht daher sinnvoll sich auf weitere schlechte Zeiten vorzubereiten. Es trifft dann nicht so hart. Zumindest ist es keine Überraschung, wenn es so knüppelhart kommt.
Auszug aus einem x-beliebigen Forum:
,,Werteverfall. Ganz einfach.
Traditionelle Werte wie Familie, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft usw. sterben aus. Und das sage ich als Atheist.
Seit 69 wurde hart daran gearbeitet, dass diese Werte verloren gehen. Heute haben wir den Salat. Null Respekt vor der Würde und gar dem Leben der anderen. Der Oma wird bei Glatteis nicht mehr über die Straße geholfen, sondern das Handy gezückt und gefilmt, wie sie hinfällt (heute erst am Bahnhof erlebt).
Leute werden zusammengetreten und zwar am brutalsten, wenn das Opfer schon regungslos am Boden liegt.
Kein Schwein interessiert sich für die Menschen, erst wenn sie zu Mördern (Schulmassaker) oder Selbstmördern (Robert Enke) werden, werden diese Leute interessant.”
Quelle: http://www.gamezone.de/forum/topic_view.asp?fid=4&tid=76009
P.S. zu #233
Radikalenerlass
Wieso es soweit kommen konnte? Diverse Gründe. U.a. auch der fehlende Bruch zum Vorgänger System. Siehe das Problem der übernommenen Nazis in Justiz (gute Zusammenfassung mit dem Ausspruch Filbingers: Was einmal Recht war, kann heute kein Unrecht sein) oder auch der Radikalenerlass, der dieses Problem gut verdeutlicht.
http://www.radikalenerlass.de/
@tina
Ich hatte oben Enzenberger verlinkt bevor der Anschlag in Ludwigshafen verübt wurde. Die Assoziation zu Enzensberger erhielt ich durch einen Deiner Kommentare betreffend Provaktion in Kommunikation, welchen ich mit Kommune I in Verbindung brachte. Daher wurde ich neugierig, was Enzensberger jetzt eigentlich so treibt. Den Artikel ,,Rakdikale Verlierer” fand ich zunächst gar nicht so spannend, denn er beleuchtet die Gesellschaft nur aus der Marginale. Als ich die Meldung im Internet hinsichtlich des Anschalgs auf einen Lehrer sah, kam mir allerdings die Idee, dass Enzenberger richtig liegen könnte. Anders als damals in den 70er, schauen die jetzigen Systemkritiker dem Spektakel beiseite stehend nur zu. Sie sind nicht wie damals direkt involviert. Nenn es Phase II.
…und weil so gut zur Diskussion über Hart IV und Gesellschaft passt:
,,Ehlert schämt sich nicht für seinen Masarati
Briefempfänger Harald Ehlert sitzt tief eingesunken in seinem schwarzen Bürosofa und rechnet missmutig vor, wie viele Spendengelder die Treberhilfe im Jahr so einnimmt. “Vielleicht 40 000 Euro.” Es klingt wie Peanuts. Spenden sind nicht sein Thema. In Ehlerts Zahlenwelt geht es um “Zuwendungen” und “Entgelte”, um “Kostenübernahmen”, “Kreditierungen” und “Liquiditätsreserven”. Stolz ist der Boss auf seine “Treberbank”, ein Institut, das Bedürftigen Mieten und sonstige Hilfsgelder vorstreckt. Im Vereinsvorstand der Treberhilfe sitzt ein echter Banker.
Er könnte auch Marmelade produzieren, sagt Ehlert. Nur würde es ihm nicht halb soviel Spaß machen. Also produziert er Hilfsleistungen für Menschen. Sein Unternehmer-Vorbild ist Heinz Nixdorf, der mal im sozialen Problembezirk Wedding Computer zusammenbauen ließ.
Die Moralkritik der Caputher Bürger unterscheidet jedoch streng zwischen Marmelade und Computern auf der einen und Mildtätigkeit auf der anderen Seite. Ehlert findet das “bigott”. Spekulanten, die mit den Gewinnhoffnungen von Kleinsparern Luftschlösser errichten und wieder zum Einsturz bringen, dürften anstandslos Porsche fahren, und er, Ehlert, der Tausenden von Gestrandeten aus der Not geholfen hat, soll sich für seinen Maserati schämen? Niemals. Der Maserati und die Obama-Anzeige sind ein bisschen wie der Cowboy-Hut, ein echter Stetson übrigens. Harald Ehlert liebt die gezielte Provokation, gepaart mit ästhetischen Ausrufezeichen.
Zwei Wochen später. Harald Ehlert hat zur Rundreise durch sein Imperium geladen. Er erscheint im Fond eines bulligen BMW, ein “Sports Utility Vehicle”, stadtgängiges Jeep-Format. Der BMW kostet neu zwischen 50.000 und 70.000 Euro, ist aber nur geleast, genau wie der Maserati. Während Herr Meister, der Chauffeur, den nächsten Termin ansteuert, kann sein Chef hinten Fernsehen gucken oder mit seiner Sekretärin telefonieren.”
Quelle: http://www.socialnc.de/forumthread/vom+Sozialarbeiter+zum+Sozialkapitalisten/71/page/1#104
zu #236
…ist ja ein gemeinnütziger Verein, da kann man dann so einiges an Aufwendungen absetzen und die Verhältnismässigkeit der Aufwendung ist nicht Gegenstand der Steuerverordnungen.
Irgenwo früherschrieb hier der @wgnx, daß er den Statistiken glaubt.
Jetzt sagt er plötzlich “WAU”.
Offensichtlich lernt er – oder nur Pawlowsche Reflexe?
@guang #236
„Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Geschäftsführer der „Treberhilfe“, Harald Ehlert (49), mit dem 440-PS-Auto (Neupreis: 114 000 Euro) zu Geschäftsterminen braust.
Die „Treberhilfe“ ist eine GmbH (250 Mitarbeiter), die in Berlin 28 Einrichtungen für gestrandete Jugendliche und Obdachlose betreibt. Der Senat bezuschusst sie mit Steuergeldern. Gestern verteidigte Ex-Pädagoge und ehemalige SPD-Haushaltsexperte Harald Ehlert sein Auto: „Das ist wichtig, wenn ich als Investor auftrete. Wenn ich so bedürftig daherkomme wie unsere Klienten, würde mir keine Bank Geld geben.““
http://www.bild.de/BILD/regional/berlin/aktuell/2010/02/19/treberhilfe-berlin/chef-harald-ehlert-faehrt-luxus-dienstwagen-maserati.html
Ex-Pädagoge und ehemaliger SPD-Haushaltsexperte – wen wundert dies heutzutage noch?
Das ist Plünderer-Mentalität.
#239
,,Ex-Pädagoge und ehemaliger SPD-Haushaltsexperte – wen wundert dies heutzutage noch?
Das ist Plünderer-Mentalität.”
Nur die Spitze vom Eisberg.
Was meinst durch welche miese Tricks im sozialen Bereich Gewinne verschoben werden können. Z.B. An- und Verkauf von Immobilien. Vergabe von Aufträgen an Freunde und Familienangehörige. Ausleihen von Equipment an die ,,eigenen Leute” oder gar Bestellungen von Equipment oder Material auf Namen des Vereins für den ,,Freundeskreis”. Okay, kommt auch auf den Rahmen darauf an. Warum sollte die gGmbH ihren Fuhrpark am Wochenende nicht verleihen? Aus meiner Sicht aber z.B. dumm, wenn am Wochenende durch diese Leihe verursachten Schäden nicht selbst getragen werden, sondern dem Verein aufgedrückt werden. Ein Maserati auf Vereinskosten ist auch bisschen aus dem Rahmen. Will mich hier aber nicht als Moralapostel aufspielen. Gegenüber dem was bei den Landesbanken mit Billigung der Politik gelaufen ist, sind diese Fälle harmlos.
@ enigma # 231
Sie drücken es freundlich aus – tatsächlich muss ein vernünftiger Mensch die Energie, die ich hier einsetze, mit so etwas wie intellektuellem Masochismus verbinden.
Mich fasziniert von jeher, wie GLÄUBIGE die Realität ausblenden, um sich ihre Projektionen zu bestätigen.
Habe das schon vor Jahrzehnten erfahren, als an sich intelligente Leute mit der Mao-Bibel rumgelaufen sind und auf jede Frage nach der Systementwicklung einen Spruch des großen Vorsitzenden – so hieß er damals wohl, wenn ich mich recht erinnere – zitiert haben, dem sie dann regelmäßig die Bemerkung folgen ließen: Bald geht’s los (mit der Revolution, chinesische Variante).
So zu etwa der gleichen Zeit auch ein führender Kommentator des damaligen Arbeiter- und Bauernstaats, der mir das NEUE DEUTSCHLAND unter die Nase hielt mit der Bemerkung: Jetzt geht’s los (mit der Revolution in Westen, sowjetische Variante).
Der Anlass: 2.500 Metaller streikten für höhere Löhne!
Bei Tina ist lediglich der Anlass ein anderer, aber auch sie blendet Realität aus, um sich nicht in den Spielregeln einer vernünftigen Argumentation zu verfangen.
Vermutlich verstehen nur speziell ausgebildete Psychologen, warum das so ist.
@Dietmar Tischer
,,Mich fasziniert von jeher, wie GLÄUBIGE die Realität ausblenden, um sich ihre Projektionen zu bestätigen. “
Schliesse mich ihrer obigen Erkenntnis an.
Allerdings von einem anderen Ausgangspunkt kommend
…und unter unter Anwendung einer anders gerichteten Analyse.
Im Kernpunkt komme ich dann allerdings wieder auf Ihren Ursprungspunkt des Gedankens zurück und schliesse mich erneut ihrer Argumentation an.
In Deutschland geht nichts los. Lol
@guang #233 + 240
Die Aggressionen und der Hass von Verlierern und Sich-zukurz-gekommen-Fühlenden werden undifferenziert auf alle Bevölkerungsgruppen projiziert, welche als „Profiteure“ erlebt werden, seien es Akademiker, Beamte, Rentner usf.
Umgekehrt gibt es jene Arroganz und Ignoranz der „Besserverdienenden“ gegenüber den Verlierern.
Die Diskussionen in diesem Thread sind Ausdruck eines „bellum omnium contra omnes“, in dem individuelle oder Gruppeninteressen eingebracht werden, ohne die Interessen und Bedürfnisse der jeweils anderen zu respektieren.
Das wird sich noch verschärfen, nämlich dann, wenn ehemals Privilegierte absteigen, welche wissen, wie Geld hintenrum gemacht wird über Seilschaften, Korruption und Veruntreuung, weil sie selbst so Geld gemacht haben. Das Kleinbürgertum ist bekanntlich die übelste Klasse, deprivilegierte Existenzen aus den Mittelklassen tendieren in besonderer Weise zu Asozialität und Barbarei.
Die psychologischen Mechanismen beschreibt Enzensberger recht gut.
Der Hass und Vernichtungswunsch der Verlierer unterscheidet nicht zwischen jenen, welche auf ehrliche und anständige Weise zu ihrem Einkommen, gesellschaftlichen Stellung, Rente usf. gekommen sind und pro-sozial handeln, und jenen anderen, die sich parasitär und anti-sozial verhalten.
Man kann diesen Zustand einer Gesellschaft – sozialpsychologisch und kulturell – als prä-faschistisches Syndrom bezeichnen.
„Anders als damals in den 70er, schauen die jetzigen Systemkritiker dem Spektakel beiseite stehend nur zu. Sie sind nicht wie damals direkt involviert. Nenn es Phase II.“
Ja, sie haben gelernt.
Damals wurde den Systemkritikern ihr gesamtgesellschaftliches Engagement von der Gesellschaft nicht gedankt. Im Gegenteil, sie wurden zu gesellschaftlichen Außenseitern und Aggressionsobjekten gemacht (s. Berufsverbote). Und sind es größtenteils heute noch.
Da sollte man sich nicht wundern, dass die kritische Intelligenz sowohl der Plebs wie auch den Ausbeuterklassen ähnlich distanziert gegenüber steht.
Warum sollten sie sich in diesen „bellum omnium contra omnes“ einmischen?
Was dort abläuft, erzeugt doch bei einem kultivierten Menschen nur Ekel.
@Tina
Du schreibst hier so ein 68er Scheiß a la “Beiß-mich-in-den-Schwanz”.
Walldorfschule, Abi in 2 Fächern. So liest sich das.
Wen willst du beeindrucken?
,,Damals wurde den Systemkritikern ihr gesamtgesellschaftliches Engagement von der Gesellschaft nicht gedankt. Im Gegenteil, sie wurden zu gesellschaftlichen Außenseitern und Aggressionsobjekten gemacht (s. Berufsverbote). Und sind es größtenteils heute noch.”
Genau das ist ja das Absurde, dass diejenigen, welche den Staat schützen wollten in Deutschland zu Krimiellen deklariert wurden und durch die herrschenden Klasse marginalisiert wurden. Jetzt wundern sich eben diese herrschende Klasse über den Zusammenbruch unserer Gesellschaft an allen Stellen und wendet sich geekelt vor soviel Gier von sich selber ab. Finanzkrise und Landesbank Chaos, Köln U-Bahn Bau oder die Amokläufe in Schulen sind nur Einzelbeispiele einer auf der Durchsetzungskraft der Ellenbogen bei gleichzeitiger Aufgabe jeglicher Intellektualität vertrauenden Gesellschaft. Die sensiblen und klugen haben sich diesem Debakel längst abgewendet.
@guang #240
Hannah Arendt schrieb in einem Brief an Karl Jaspers:
„Mir scheint, die Kinder des nächsten Jahrhunderts werden das Jahr 1968 mal so lernen wie wir das Jahr 1848.“
Daraus spricht sehr viel Optimismus.
Wie viele in Deutschland wissen Genaueres darüber, was 1848 geschah und wie dadurch der Geschichtsverlauf bestimmt wurde?
Wie viele können einen Zusammenhang zwischen 1848 und 1968 herstellen?
Die Zahl derer wird wahrscheinlich unter 1 Prozent, womöglich unter 1 Promille liegen.
„Die sensiblen und klugen haben sich diesem Debakel längst abgewendet.“
Die Bundesrepublik wird – politisch-kulturell – der DDR immer ähnlicher. Im Establishment von Wissenschaft und Medien werden fast nur affirmative Positionen vertreten. Es gibt ein paar zynische Intellektuelle. Systemkritische Intellektuelle sind im Establishment nicht mehr zu finden, sie gesellschaftlich veraußenseitert.
Das Positive – im Unterschied zur DDR – ist, dass die Menschen nicht in Stacheldraht und Mauern eingesperrt sind. Die Grenzen sind frei.
P.S.
Tina verabschiedet sich aus dem Blog. Es sollte sowieso nur ein kurzes Gastspiel sein. Danke für die interessanten Informationen und Diskussionen!
#246
Völliger Schwachsinn!
Die BRD hatte nie eine Kultur. Nicht mal die Muttersprache beherrscht man dort, deshalb wurde die Rechtschreibreform gemacht.
Du hast keine Ahnung und es ist gut wenn du gehst.
Agitiere woanders weiter mit Lügen!
@Tina
Danke für Deine Kommentare hier im Blog. Trotz Deines angekündigten Abschieds oben in #246 hoffe ich weiterhin von Dir zu hören. Vielleicht überlegst Du es Dir ja noch einmal. Unser früheres Missverständnis im Nebenthread tut mir leid, weil ich mich Ton vergriffe hatte. Lass Dich von den Charakteren hinter Fuchsnase, Einwerfer, Wat. oder Tischer et. al. nicht abschrecken. Das Medium Internet hat seine Schwächen. Ich selber habe das erste Mal vor 6 Monaten in einem Blog einen Kommentar geschrieben und bin selber noch dabei die Vor- und Nachteile dieses Mediums zu erforschen. Dabei habe ich festgestellt, dass die Anonymität im Internet deindivualisierend wirkt. Einige Blogger werden durch die Anonymität verleitet einfache ihren Tagesfrust ungefiltert herauszulassen. Die sachbezogenen Diskussionen bilden leider die Ausnahme. Troztdem habe ich aber auch einige gedankliche Anregungen hier erhalten. Ich würde daher dieses Diskussionsforum nicht als völlig nutzlos ansehen. Es ist eher so eine Mischung aus einem Online Tagebuch, in welches man seine Meinungen zu den Tagesgeschehnissen in Deutschland hineinschreiben kann sowie einer mit Sprüchen überzogenden öffentlichen Klozelle auf irgendeinem deutschen Bahnhof.
@ Einwerfer #247
Das war ein falscher Einwurf. Du verstehst die Regeln nicht.
Ein richtiger Einwurf geht so:
http://www.youtube.com/watch?v=_q3kcR6fejg
Reisende soll man nicht aufhalten.
Allerdings wäre zu begrüßen, wenn diese blöden ‘Rollenspiele’ aufhören…
@Wat.
,,Allerdings wäre zu begrüßen, wenn diese blöden ‘Rollenspiele’ aufhören…“
Warum willst Du Menschen im Internet an jedes Wort, dass sie einmal äusserten festnageln? Stell Dir einmal vor, jedes Deiner Gespräche, welches Du mit Bekannten führst wird auf Tonband aufgezeichnet und ist für jedermann abrufbar. Darin sehe den Nachteil der Blogszene. Unsere Beiträge sind nachträglich nicht löschbar und sie verfallen auch nicht. Den Nickname zu wechseln erscheint mir m.E. eine Möglichkeit diesem Zwang zu entgehen.
Es ist kein Zwang, es sei denn der eines Egos.
Ansonsten hat ein ‘normaler Mensch’ kein Problem seine Zweifel, Irrungen, Wirrungen und evtl. neue Erkenntnisse auch ‘zu zugeben’ oder einfach zu den alten Ansichten, als eben alte Ansichten zu stehen.
Wer ist schon perfekt, wir sind alle keine Maschinen – und wir sollten auch nicht den Anspruch erheben, das werden zu wollen.
Ganz blöd wird’s wenn sich einer als zwei oder drei oder noch mehr miteinander ‘unterhält’…
Das war alles, was ich dazu (noch) zu sagen hatte.
@guang #248
Die Diskussion mit Dir fand ich sehr anregend. Die anfänglichen Missverständnisse und Reibereien habe ich längst vergessen, Fehler haben wir beide gemacht. So etwas kann im Streitgespräch selbst unter guten Freunden passieren. Entscheidend ist, dass man danach wieder zum konstruktiven Diskurs findet.
Die Gründe, weshalb ich mich aus der Blog-Diskussion zurückziehe, sind vielfältig.
Doch vielleicht zunächst das Positive an diesem Blog. Man kann seine Meinung zu vorgegebenen Themen äußern und die Reaktionen erfahren. Bei kontroversen Positionen kann man ein paar Argumente vorbringen. Das war es dann schon. Dann kommt schon bald das nächste Thema.
Die Themen wiederholen sich früher oder später, aber leider auch die Argumente. Der Diskurs bleibt oberflächlich und führt nicht weiter. Im Prinzip gibt es nach einer gewissen Zeit nur noch Wiederholungen.
Zudem nervt mich ein Großteil der Kommentare, weil sie einfach niveaulos sind. Da werden Positionen und Argumente vertreten, die schon x-mal widerlegt wurden. Ganz abgesehen von den Trolls, welche die Threads vollmüllen.
Zeitökonomisch ist der Blog-Diskurs ist völlig ineffektiv gemessen an Zeitaufwand und Informations- sowie Erkenntnisgewinn.
Politisch lässt sich massenhaften, anonymen Kommentaren sowieso nichts bewirken.
Darum geht es m. E. den meisten Kommentatorinnen auch nicht. Sie wollen in Art eines Internet-Stammtisches miteinander talken und sind froh darüber, wenn ihnen jemand antwortet.
Dies alles will ich gar nicht kritisieren. Das sollen die Leute tun, wenn sie Freude daran haben. Diese Freude will ich ihnen auch gar nicht nehmen.
Für mich ist dies jedoch nichts. Ich würde gerne Themen vertiefen und auf entsprechendem Niveau einschließlich des Bezuges auf Literatur diskutieren. Dazu würde ich auch selbst Artikel schreiben.
Früher gab es anspruchsvolle Medien für die kritische Intelligenz. So beispielsweise das „Kursbuch“ oder das „Neue Forvm“ aus Wien.
Warum soll dies im Internetzeiter nicht mehr möglich sein?
@Wat.
Anonyme Internet-Identitäten repräsentieren immer Kunstfiguren, vergleichbar mit Romanfiguren.
Sie publizieren als „Wat.“, niemand weiß, wer der/die Autor(in) ist.
Wollten Sie authentisch sein, als Person, die Sie im Real Life sind, dann würden sie nicht anonymer Verkleidung auftreten.
Was Sie aber nicht abhält, schon über Wochen hinweg hier inquisitorisch zu versuchen, Tina eine andere Identität zuzuschreiben.
Damit respektieren Sie nicht die Anonymität von Tina.
Da erinnert schon bisschen an einen, der von sich überzeugt war, dass er alle Menschen liebe.
http://www.youtube.com/watch?v=ACjHB9GZN18
ach je’chen…
@wat.
machste nix dran…
@Tina
,,Zeitökonomisch ist der Blog-Diskurs ist völlig ineffektiv gemessen an Zeitaufwand und Informations- sowie Erkenntnisgewinn.”
Falls Du dies noch liest, ich bin zum gleichen Ergebnis gekommen. Allerdings waren meine Erwartungen gegenüber diesem Medium nie besonders hoch. In den letzten Wochen wollte ich manchmal einfach nur entspannen und habe ein paar Minuten vor dem Bildschirm vertrödelt. Andererseits summiert sich die Zeit. Was mich stört ist, dass wir hier unsere Spuren hinterlassen ohne die Möglichkeit zu haben rückwirkend auf gepostete Kommentare Einfluss nehmen zu können. Fast könnte man den Verdacht haben, wir werden durch dieses Medium gezwungen Protokoll über unsere Kommunikation zu führen. Bei einem Stammtisch ist das anders. Spätestens nach einer Woche erinnert sich kaum noch einer daran, was alles beim letzten Treffen gesagt wurde. Hier im Blog aber lässt sich alles über die Such Funktion nachlesen. Ausserdem werden unsere Daten in diesem Blog aufgrund verfassungsschutzrechtlicher Bestimmungen auf Vorrat vorgehalten. Um einen progressiven Diskurs zu führen ist dieses Medium daher nicht geeignet. Das Internet kann aus meiner Sicht nie viel mehr als ein öffentliches Klo mit der Möglichkeit auf die Wände ein paar Sprüche zu kritzeln sein.
@Wat.
Es geht hier doch hauptsächlich um den Inhalt der Kommentare. Aus meiner Sicht könnte das System einen Nicknamen in Form eines Zeitstempels automatisch beim posten vergeben. Der Nickname sowie die Kommentarnummer dienen aus meiner Sicht hauptsächlich dafür sich aufeiander beziehen zu können. Da dies hier kein Kontakthof ist, interessiert mich auch weniger welche konkrete Person hinter dem Nickname steht. Was stört Dich daran?
@Morph
,,machste nix dran…”
It dat plattdööötsch?
@Wat.
Das Internet lässt es nicht zu, dass wir als Personen hier auftreten. Ich kann Dich nicht sehen, nicht hören. Wer Du bist, weiss ich nicht. Du könntest auch der Systemfrager sein. Oder eine freundliche Damen vom Staatsschutz. Oder ein Studi der eine Arbeit über Suchtkranke im Internet schreibt. Wir werden durch dieses Medium auf die Eingabe einer Sequenz von 26 Symbolen reduziert. Zuviel dahinnein zu projezieren, wäre aus meiner Sicht dumm.
@guang
ja, klingt vernünftig, stimmt nur leider nicht. Natürlich treten wir hier als Personen auf, als was denn sonst? Nasenbären?
Sprachliche Kommunikation, wie wir sie hier pflegen, können nach meinem Wissen nur Personen. Indem wir Nicks verwenden (was wir nicht müssen, jedem steht es frei, Namen und Anschrift zu veröffentlichen) geben wir unsere Identität nicht völlig preis, wir verdecken sie aber auch nicht völlig. In den Beiträgen steckt doch eine Menge wirklicher Motive. Das sieht man gerade dann, wenn jemand den Nick wechselt und trotzdem erkennbar bleibt. Es ist eben viel aufwendiger einen Stil und eine Haltung zu faken als frei Schnauze zu schreiben.
@wat meint, wenn ich sie richtig verstehe, dass das Nick-hopping albern ist und unnötig. Und diese Meinung hat nichts aber auch gar nichts mit Projiziererei von @wat zu tun, sondern kritisiert die Projizirerei derer, die so ein Nickhoppen betreiben. Denn was kann einen zum Nickwechsel motivieren, wenn nicht die Imago des Nicks in den Köpfen anderer. Man kann auch seinen Avatar zu ernst nehmen…
@Morph
Denn was kann einen zum Nickwechsel motivieren, wenn nicht die Imago des Nicks in den Köpfen anderer.
Die Imago des Nicks im EIGENEN Kopf.
bzw. die meisten Leute haben ohnehin nur eine sehr vage Vorstellung vom Verhältnis zwischen dem, was die eigene leibliche Evidenz ausmacht, einerseits, und andererseits dem Ich, dann der Person, der sozialen Rolle und der fiktiven Figur. Das alles sind sehr komplexe und nur schwer verfügbare Sachen. Wenn jemand so tut, als habe er sich und die Images, die er von sich gibt, ziemlich im Griff und könne damit spielen, dann bin ich immer total baff.
Obwohl vielleicht stimmt es ja tatsächlich: Vielleicht gelingt es den Angebern der Souveränität ja tatsächlich besser als anderen formstabil über den Abgrund zu balancieren, weil sie nicht die leiseste Ahnung haben, wie wenig sie über sich vermögen.
@ceteris
Ich denke, dass solche Phänomene (die ich nicht beurteilen kann, weil ich vermutlich noch nicht lang genug das Spiel mitmache) indizieren, dass das maskierte Sprechen auf die Dauer die Atemluft dünn macht. Ab einer gewissen Intensität der Debattenteilnahme muss man persönlich öffentlich werden, denke ich. Das ist so ähnlich wie mit dem Kredit. Irgendwann müssen real assets her. Und mit dem Nickwechsel kauft man sich halt noch etwas Zeit. Aber der Moment wird wieder kommen, da die Maske des Nicks zu eng ist für den Duktus der Beiträge, die eigentlich den persönlich zu verantwortenden Autorennamen fordern.
Little Saint Nick muss irgendwann geschlachtet werden…
http://www.youtube.com/watch?v=aSynDh_K0EE
@Morph
…Das alles sind sehr komplexe und nur schwer verfügbare Sachen.
Eben. “Sachen”, keine “Selbste” – diese Form der “Selbstveräußerung”, die partialisierende Verobjektivierung als “Ich, Person, Rolle, Figur, Es, Über-Ich ” etc. ad infinitum – KANN natürlich nur zu dem Empfinden führen, nicht die leiseste Ahnung davon zu haben, wie wenig man über sich ALS SACHE verfügen kann. Denn das kann man tatsächlich nicht. Man kann nur über Sachen verfügen, nicht über sich, nicht mal “schwer” – sondern eben GAR NICHT.
Der Nick ist eben auch nur eine Sache, ein Label für die eigenen Artikulationen.
@Morph
dass das maskierte Sprechen auf die Dauer die Atemluft dünn macht.
Es gibt kein “unmaskiertes Sprechen” – das sollte doch gerade dir (#261) überaus geläufig sein.
http://www.semios.de/tautology.jpg
@ceteris
danke für den cartoon!
Sprache ist eine Maske der Wirklichkeit, ja. Aber ich denke schon, dass es unmaskiertes Sprechen gibt, d.h. ein Sprechen, das SEINE Wirklichkeit, nämlich Maske zu sein, NICHT verhüllt und auf diese Weise zwischen ihrer Wirklichkeit und der Wirklichkeit, die sie meint, unterscheidet und damit über sich und ihre Zurichtung der Wirklichkeit auf die unverstellte Wirklichkeit hinweist.
Das klingt sehr spitzfindig ist aber m.E. ein sehr wichtiger Punkt, wenn es um die Frage nach Authentizität und Stilisierung geht. Es ist zu einfach zu sagen: ach was, Authentizität gibts doch gar nicht, nur Naivlinge fallen darauf rein. – Die unverstellte und authentische Darstellung ist möglich, das weiß auch jeder und das ist Gegenstand der Alltagswirklichkeit.
@Morph
Das klingt sehr spitzfindig
Finde ich nicht – liegt vielleicht daran, dass meine Ohren diesen “sound” kennen
Aber jetzt mal praktisch:
unmaskiertes Sprechen gibt, d.h. ein Sprechen, das SEINE Wirklichkeit, nämlich Maske zu sein, NICHT verhüllt
Hättest du da ein Beispiel? Das ist letztlich eine Rede, die sich innerhalb ihrer selbst von sich selbst unterscheidet, erinnert mich fatal an Kants “…Idee, die jede meiner Vorstellungen begleiten können muss”, o.s.ä., müßte ich erst nachforschen, also ungefähr, dass man vor jeden Satz, den man schreibt, setzt: “Ich schreibe:”
Aber das ist doch albern und nur eine vorgespiegelte Reflexivität. Ich sage, was ich sage, von einer “Verhüllung” zu sprechen hat nur dann Sinn, wenn ich nicht meine, was ich sage, sondern taktiere.
Aber auch hier ist die Grenze nicht scharf.
Insofern ist ein Nickwechsel eine Selbstdistanzierung – auch ein schwieriger Begriff, aber er meint, dass man sich “entfestigen” will, nicht mehr an die jederzeit suchfunktional herstellbare Referenz vergangener Äußerungen gebunden bleiben. Also eigentlich ein ziemlich pragmatisch begründbarer Akt – jenseits aller Selbst- und Unselbstreflexion. Sicher: wer einen vorher erkannt hat, der wird einen auch wieder erkennen, weil man aus seiner Sprache auch – nein: nicht: raus KANN, sondern raus WILL. Denn dafür müsste man schlicht & einfach die Klappe halten. Die andern erkennen es aber nicht, es interessiert sie auch nicht. Warum auch?
@ Ceteris
kann es sein, dass du einfach das Wort “(Ver)-Änderung” meinst? Dann müsste ich mir jeden Tag einen neuen Nick geben. Manchmal verfluche ich meinen Namen, in der Realität, und würde gerne anders heißen. Es würde aber an der Situation nichts ändern. Ich bin nun mal “holger” mit seiner eigenen Biographie ob positiv oder positiver. Da nutzt es mir nix, die “Identität” zu wechseln. Die Vergangenheit holt einen immer wieder ein.
Lächerlich finde ich den Nickwechsel dann, wenn man angeblich über den Dingen steht. Das erschließt sich mir nicht. Und wenn man damit auch noch Selbstgespräche führt. Traurig dann, wenn man das Niveau damit noch angreifen möchte.
Aber egal: “In the long Run RIP”
@ceteris
“Hättest du da ein Beispiel? Das ist letztlich eine Rede, die sich innerhalb ihrer selbst von sich selbst unterscheidet, erinnert mich fatal an Kants “…Idee, die jede meiner Vorstellungen begleiten können muss”, o.s.ä., müßte ich erst nachforschen, also ungefähr, dass man vor jeden Satz, den man schreibt, setzt: “Ich schreibe:””
Nein, um sich zu markieren, muss ein Text keine Aussagen enthalten, die sein Verhältnis zur Wirklichkeit thematisieren. Im Lektüreakt muss die Textualität des Textes mitvollzogen werden, damit die Bedeutung als Textbedeutung gewusst wird und nicht als Bedeutung unter allen Umständen verkannt wird. Und das kann ein Text provozieren oder unterdrücken.
Das Textideal heute heißt: Lesefreundlichkeit. Kurze Sätze, viele Verben, ein dramatisches Hin und Her, das den Lektürevorgang stets vorantreibt und den Leser zum Schluss fakten- und meinungsgesättigt zurücklässt. Beste angelsächsische Schule.
Und das gilt mutatis mutandis auch für Fachsprachen: Bediene die bekannten Floskeln, sorge für Wiedererkennung, wiederhole den neuen Punkt so oft, das selbst der Bibliotheksangestellte ihn schnallt, der das Buch an der Ausleihe bloß durchblättert um zu sehen ob es intakt ist.
Das Problem dabei ist, dass sich in solchen Fällen der Text hinter seiner Bedeutung versteckt, ich erfahre die Textbedeutung nicht als etwas Artifizielles, das ich auch ablehnen kann, ja dass ich überhaupt erst einmal verstehen muss.
Wer authentisch spricht uns schreibt, spricht und schreibt spröde, es geht gar nicht anders. Wer eingängig schreibt, betreibt Verkaufe, auch hier: es geht gar nicht anders.
Ich kenne das Bedürfnis nicht so sehr, aus der Sprache raus zu wollen, sondern eher umgekehrt, die Schwierigkeiten sich als eigene Stimme im Diskurs zur Geltung zu bringen.
Eine Frage der, äh, Perspektive?
@Morph
“maskiertes Sprechen”, ein Beispiel?
http://www.semios.de/braille.png
@holger
Nicks sind egal. Man kann damit tun und auch lassen, was man für sich selber richtig findet. Die Verwendung eines Nicks über längere Zeiten hat aber Folgen. Wenn man mit denen nicht mehr einverstanden ist, kann man ihn wechseln, wie eine Bank oder eine Autowerkstatt. Das ist nichts aufregendes oder wichtiges. Übrigens: “holger”s gibt’s viele, auch du machst dich hier nicht mit deiner natürlichen, biographischen Person identisch, und wer einen Post von “holger” liest, weiss noch lange nichts über die Biographie dieses “holger” und die Vergangenheit, die ihn einholt, oder auch nicht.
Ich finde Nickwechsel auch lächerlich, wenn sie tatsächlich ein Maskenspiel sein sollen, was insbesondere dann zutrifft, wenn jemand im selben Blog etc. unter verschiedenen Nicks schreibt. Und im Extremfall Selbstgespräche führt, so dass ein Nick auf den anderen antwortet. Ansonsten finde ich, dass es einer der Vorzüge des Mediums ist, seine Vergangenheit loswerden zu können, wenn auch nur formal. Denn die, die einen verstanden haben, die ein Bild von einem haben, die erkennen das auch unter einem anderen Label wieder.
@Morph
Ups! Ich merke, du willst mir doch noch zeigen, wie spitzfindig es geht.
Das ist dir hiermit tatsächlich auch gelungen:
Nein, um sich zu markieren, muss ein Text keine Aussagen enthalten, die sein Verhältnis zur Wirklichkeit thematisieren. Im Lektüreakt muss die Textualität des Textes mitvollzogen werden, damit die Bedeutung als Textbedeutung gewusst wird und nicht als Bedeutung unter allen Umständen verkannt wird.
Also liegt die “Maske” gar nicht im Autor, sondern im Lektüreakt?
Würde ich, so entspitzt, auch so sehen. Aber dann, und das ist der Witz, liegt es nicht am Text selbst und also auch nicht an dem, der ihn schreibt, sondern an dem, der ihn liest.
..Und das kann ein Text provozieren oder unterdrücken.
Kann er? Kann er meines Erachtens nicht. Auch das hängt vom Rezipienten ab. Es wird nicht wenige geben, die von unseren letzten Äusserungen so was von gar nichts halten, unverständliches, d.h. sinnloses Zeugs, dass wir damit dein Kriterium schon mehr als erfüllt hätten. Und damit zum nächsten Aspekt:
Beste angelsächsische Schule.
Klingt komisch. Verständlich zu reden halte ich nach wie vor für eine Tugend. Unverständlich kann jeder nicht-angelsächsische Student. Sich in Jargons zu kaprizieren – was könnte leichter sein? Beeindruckend einerseits, bullshit andererseits.
ich erfahre die Textbedeutung nicht als etwas Artifizielles, das ich auch ablehnen kann, ja dass ich überhaupt erst einmal verstehen muss.
Ach was, jeder Stammtischsitzer beherrscht diese “Kunst”, d.h. die Ablehnbarkeit einer Textbedeutung.
Wer authentisch spricht uns schreibt, spricht und schreibt spröde, es geht gar nicht anders. Wer eingängig schreibt, betreibt Verkaufe, auch hier: es geht gar nicht anders.
Wenn wir jetzt nicht von Bild-Zeitung und dergleichen Medien reden, und vielleicht gilt es nichtmal für die:
Authentisch = Spröde : übersetzt durch den Elfenbeinturminsassen:
“Spröde = Authentisch”. Nope und gar nicht. Sich verständlich und eingängig auszudrücken, ist kein Mangel, sondern eine Gabe, eine sozial-kulturelle TUGEND! Dass diejenigen, die das nicht können, den anderen gegenüber missgünstig gesinnt sind und sich benachteiligt fühlen – dieses Vorurteil wirst du mir doch nicht als Argument vorhalten wollen, oder?
@ceteris
“Sich verständlich und eingängig auszudrücken, ist kein Mangel, sondern eine Gabe, eine sozial-kulturelle TUGEND!”
Ich habe nicht behaupten wollen, dass verständliches Schreiben ein Mangel sei, sondern dass das Ideal verständlichen Schreibens, die ungebrochene Vorstellung einer TUGEND, wie Du sagst, mir nicht ganz unverdächtig ist.
Es gibt, um mal in einem anderen Medium zu argumentieren, ganz atemberaubend virtuose Illustratoren, die anschauliche Szenen in einer Prägnanz darstellen können, dass es einen einfach nur überwältigt. Z.B. Norman Rockwell. (hier sein “Freedom of Want”, das passt schön in diesen Blog: http://sattlers.org/mickey/site/archive/2005/11/images/rockwell-freedom-from-want.jpg).
Hier haben wir es mit einer Darstellung eines Thanksgiving-Dinners zu tun, die so eingängig und fasslich ist, wie es besser kaum geht. Die Komposition des Bildes stützt in allen Aspekten minutiös den Inhalt. Position des Truthahns, des Hausherrn, der Hausfrau, der Gäste, alles ist an SEINEM Platz. Aber wir sehen die Komposition nicht, weil sie sich sachlich legitimiert. Das Bild sagt: Ich bin so, weil die Wirklichkeit so ist. Und das ist eine plane Lüge! Das Problem eines solchen Bildes ist, dass jedes wirkliche Thanksgiving-Dinner vor diesem bildlich dargestellten Essvergnügen verblassen muss. In Wirklichkeit passt es niemals so optimal. Das Bild ist hyperrealistisch und deshalb ideologisch. Kitsch.
Und ich empfinde Texte, die total toll eingängig sind, als ebenso kitschig und verlogen. Die Welt ist nicht eingängig, sondern ziemlich opak. Und wenn Weltdarstellungen, die diese Opazität aufheben wollen, authentisch sein wollen, müssen sie ein Moment der Opazität in ihrer Form enthalten. Es gibt wenig, von dem ich so überzeugt bin, wie von diesem Opazitätskriterium der Welt und aller wirklich relevanten Weltdarstellungen.
Singe ich damit die Hymne des Elfenbeinturms? Das ist jedenfalls nicht meine Absicht. Aber wenn das der Preis dafür ist, nicht den Marsch der Verständlichkeit trommeln zu müssen, sei’s drum!
Ich bin ja nicht so für Standpunkte. Aber in Zeiten, in denen sich bestimmte Standpunkte zur allgemeinen Lage aufspreizen, kann man mit Gegenstandpunkten keinen so großen Fehler begehen. Insofern angesichts des grassierenden Info- und Edutainments: Elfenbeinturm? Aber selbstverständlich!
hm, der bildlink funktioniert nicht, offenbar. mal sehen, ob der funktioniert: http://go2.wordpress.com/?id=725X1342&site=looky.wordpress.com&url=http%3A%2F%2Fchawedrosin.files.wordpress.com%2F2007%2F11%2Frockwell_want.jpg
@Morph
Ich habe nicht behaupten wollen, dass verständliches Schreiben ein Mangel sei, sondern dass das Ideal verständlichen Schreibens, die ungebrochene Vorstellung einer TUGEND, wie Du sagst, mir nicht ganz unverdächtig ist.
Na doch, du hast eigentlich Verständlich=Verkaufe gesetzt. Jetzt ruderst du da ein bisschen zurück, was auch richtig und notwendig ist. Denn mit der “Verkaufe” kommst du analytisch gerade auf deinem Niveau nicht sehr weit, da lautert das “tu quoque” nach jedem Zeilenende: jeder Text bedient sein spezielles Publikum, und das stimmt eben nicht nur für die Bild-Zeitung, sondern auch für die Uni und ihre Studenten.
in Wirklichkeit passt es niemals so optimal. Das Bild ist hyperrealistisch und deshalb ideologisch. Kitsch.
Oha, hallo… gilt das nur für Thanksgiving-Bilder? Also mal auf den Punkt: welcher Text, welches Bild passt auf “die Wirklichkeit” “optimal”? (du siehst die ganzen Gänsefüßchen – das einfachste Mittel, im Text Distanz zu seinen Teilen herzustellen.)
Jede Theorie ist eigentlich “hyperrealistisch”, weil sie genau wie das Bild überschärft, Details und Widersprüche unterdrückt, “Komplexität reduziert” könnte ich genauso sagen, wenn das nicht wieder ein Jargon wäre.
Und anders als deine Erläuterungen vorhin ermöglicht dieses Bild immerhin noch den Vergleich mit Wirklichkeit – deine theoretischen Argumente tun das eben nicht, sie wollen auf eine Metaebene der “Textualität”, deren einziger Vorteil eben ist, keine Bilder zu haben, an denen man die eigene visuelle Wahrnehmung abgleichen könnte, sondern nur “Begriffe”, die im Zweifel dann “falsch” verstanden wurden.
den Marsch der Verständlichkeit trommeln zu müssen
sounds like Adorno
Umgekehrt wird ein Schuh draus: Wer nicht verständlich ist, wird nicht verstanden, und bewirkt darum auch nichts.
insofern angesichts des grassierenden Info- und Edutainments: Elfenbeinturm? Aber selbstverständlich!
Da muss ich meinen Punkt noch ergänzen: Der Elfenbeinturm der Geisteswissenschaften ist auch nichts anderes als “Infotainment” – nur eben mit beschränkter und schrumpfender Zielgruppe.
@ceteris
“jeder Text bedient sein spezielles Publikum, und das stimmt eben nicht nur für die Bild-Zeitung, sondern auch für die Uni und ihre Studenten.”
Würde ich nicht sagen. Aber das hat mit meiner Perspektive zu tun. Ich gehe nicht von konkreten empirischen Texten aus und ihren respektiven Publika, da wird man natürlich immer eine solche Korrelation feststellen können, wie Du sie unterstellst: hier Text mit Eigenschaften xyz, da Publikum mit Kompetenzen, Eigenschaften xyz wertschätzen zu können. Jeder gesellschaftlich zirkulierende Text hat dieses Profil einer Passung. Völlig klar.
Mein Gesichtspunkt ist ein anderer: Texte fallen nicht vom Himmel auf ihr Publikum. Das Publikum imaginiert sich die Texte auch nicht herbei.
Sondern Autoren schreiben Texte.
Für einen IDEALEN Leser, sehr oft, oft aber auch für ein konzeptionell umrissenes Publikum. Und das macht einen riesigen Unterschied im Produktionsprozess. Es macht einen Unterschied, ob ich einem IDEALEN Leser (einem Freund, eigentlich) etwas nahebringen will, was mich FASZINIERT, oder ob ich mit einem gut begründeten Wissen darüber arbeite, wie man ein träges, sattes Publikum ‘rumkriegen’ kann.
Ich halte mich nicht für einen besonders versierten Schreiber, habe aber über die Möglichkeiten der Sprache ein bißchen nachgedacht. Und man kann durch die Analyse von Textmustern, Wortbildungsstrategien usw. schon sehr schlagend zeigen, wie ein Autor auf bestimmte ihm geläufige Wirkmechanismen abzustellen versucht oder wie er sich im Gegenteil ziemlich originär einem Sachverhalt zuwendet ohne auf sprachliche Halbfertigprodukte zurückzugreifen.
Man kann dann z.B. zeigen, dass Kafka praktisch nie versucht hat, wie Kafka zu schreiben, dass in seinen Texten aber ständig andere Autoren parodiert werden (von Platon bis Nietzsche und die zeitgenössische politische und Versicherungsliteratur). Und das Kafka-Epigonen wie, sagen wir, Dürrenmatt gerade darin so peinlich sind, dass sie auf ein ‘Kafka-Publikum’ spekulieren (was Kafka nie getan hat, obwohl er sich natürlich, wie alle Künstler, den großen Erfolg und die Anerkennung ersehnt hat, ist ja klar). Das kann man linguistisch präzise herausarbeiten.
Aber die Literaturkritik kann das nicht, die macht Verkaufe, indem sie ganz verständlich die kleine Frau Hegemann hochjazzt, statt einmal Satz für Satz ihren Text zu lesen und zu überlegen, wie in diesem Text Sprachmuster fungieren, wo die herkommen, wie ein Autor an die rankommen könnte usw.
Apropos Adorno: Es gibt eine Reihe von Texten, in denen Adorno auf ziemlich peinliche Weise den Adorno macht.
Nichts gegen Verständlichkeit. Ich wünschte, mir würde verständliches Schreiben leichter von der Hand gehen. Aber Verständlichkeit ist für sich nicht viel. Und sie ist auch keine notwendige Bedingung für einen eminenten Text. Ich meine, wir reden ja nicht von Entzifferbarkeit, sondern von Readability, der locker-flockigen Eingängigkeit. Und die ist ganz nett, keine Frage, aber verzichtbar.
Ein Richard David Precht kann so saftig schreiben wie er will, aus dieser Art Schreibe kann keine Philosophie werden, aus ganz prinzipiellen Gründen, die eben mit dem Versuch zu tun haben, ein Publikum zu gewinnen.
@ Morph #272
Neulich stelltest Du mir die rhetorische Frage, ob “Tischlein deck dich” noch eine Perspektive sei. Mit großer Freude stelle ich fest, daß Du sie in Deiner #272 nun selbst zur hoffentlich allgemeinen Zufriedenheit beantwortet hast. Allerdings sind wir hier ja (noch) nicht bei Islamofaschistens, also könnte ruhig auch eine Flasche Wein auf dem Tisch stehen, nicht nur Wasser.
@guang #257
„Was mich stört ist, dass wir hier unsere Spuren hinterlassen ohne die Möglichkeit zu haben rückwirkend auf gepostete Kommentare Einfluss nehmen zu können. Fast könnte man den Verdacht haben, wir werden durch dieses Medium gezwungen Protokoll über unsere Kommunikation zu führen. Bei einem Stammtisch ist das anders. Spätestens nach einer Woche erinnert sich kaum noch einer daran, was alles beim letzten Treffen gesagt wurde. Hier im Blog aber lässt sich alles über die Such Funktion nachlesen.“
Die Frage ist, inwieweit dem/der Autor/in das Geschriebene zurechenbar ist. Wenn der Auto einen Nick gebraucht, dann verbirgt er bewusst seine Identität.
Selbst dort, wo die Identität des Autors bekannt ist, gibt es eine Differenz zwischen dem, was der Autor unter seinem bürgerlichen Namen oder unter seinem Nick schreibt. Jeder weiss, dass der Autor von Weissgarnix Thomas Strobl ist. Aber WGN ist nicht identisch mit Thomas Strobl. Denn WGN hat auf Kritik wiederholt betont, dass ihm Nichtwissen nicht vorzuhalten sei, was er schon durch seinen Namen ausdrücke. Strobl hat damit die Möglichkeit, zwischen Strobl und WGN differenieren.
Daraus resultiert die Möglichkeit zu einem spielerischem Umgang mit Positionen und Meinungen.
Vgl dazu:
http://www.golem.de/0702/50451.html
„Um einen progressiven Diskurs zu führen ist dieses Medium daher nicht geeignet.“
Das kann natürlich kein Blog dieser Art leisten.
„Das Internet kann aus meiner Sicht nie viel mehr als ein öffentliches Klo mit der Möglichkeit auf die Wände ein paar Sprüche zu kritzeln sein.“
Das ist überall im Internet so, wo es einen offenen Zugang für Kommentare gibt. Was ist dort anders zu erwarten als die „vox populi“? Zumal dann, wenn der/die Autor/in anonym bleibt.
Dort, wo Hinz und Kunz ihre Meinung loswerden können, kann nur “Klowand” bzw. “Speakers Corner” herauskommen.
Anspruchsvoller Diskurs ist nicht voraussetzungslos, sondern exklusiv.
Die Anonymität im Internet bietet einen gewissen Schutz für die freie Meinungsäußerung. Auf der anderen Seite verhindert oder zumindest erschwert sie, dass die Diskussionspartner in persönlichen Kontakt treten bzw. ihre Diskussion in Emails vertiefen.
Früher oder später kommt es daher bei diesen anonymen Blogs zur Autopoiese eines kommunikativen Systems, in dem der “Klowandcharakter” immer mehr dominiert. Dann ist das Stadium des Messie-Syndroms erreicht.
@froZ
okay, mein Lieber, zu dieser späten/frühen Stunde stoße ich auch mit Treidelsteinerianern an! Sieht ja keiner.
Aber im Ernst: Das Materielle ist immer nur Aufschub. Und es gerinnt eben mehr und mehr zum Bild, zum Klischee. Die politische Kraft wird wieder aus der Askese kommen, leider!!
Lies mal zur Abwechslung im opus postumum von Jacques Derrida (ich weiß, das schauen sich SoWis und WiWis natürlich nicht an), da finden sich zwei große Essays zu Bruchmüller: “Die Hunde/Leine” und “p non olet”, in denen Derrida detailliert zeigt, dass Bruchmüller bei der Namensgebung seines Hundes Kindheitserinnerung und Verhöhnung des akademischen Feindes zusammenschweißt, was ein Treidelstein und nolens volens auch Du nicht auf den Schirm bekommt und spannt. Die unhörbare Differenz der Bezüge Lump / Lumpp wird durch das kleine i ersetzt bzw. maskiert. Eine außerdiskursive theoretische Geste, eine performative Rhetorik, die die griechische Schule (κυνισμός) und den h. oec. jenseits logischer Formen, nämlich in der Hundeliebe, zur Deckung bringt.
Oder so ähnlich…
@Tina #276
,,Die Frage ist, inwieweit dem/der Autor/in das Geschriebene zurechenbar ist. Wenn der Auto einen Nick gebraucht, dann verbirgt er bewusst seine Identität.”
Mit der nicht-Änderbarkeit geposteter Kommentare verbinde ich zwei aus meiner Sicht negative Eigenschaften dieses Mediums. Erstens, können wir ehemalige Kommentare nicht ändern. Auch dann nicht, wenn sich unsere Einstellungen odere Erkenntnisse geändert haben. Okay, wir können einen Nick ändern. Dadurch ist es m.E. möglich aus der von uns gewählten ,,Romanfigur” in eine eine andere Figur zu wachsen. Trotzdem sind natürlich die gemachten Äusserungen aller unserer Nicks weiterhin im Inernet vorhanden und wir haben keinen Einfluss auf deren Existenz. Zweitens. Alle unsere Äusserungen und Kommentare sind über die IP Adresse einem physisch existenten Haushalt zuordnenbar. Unter Verwendung einer Anonymisierungssoftware ist es nicht möglich in diesem Blog zu posten. Man wird mit einer Fehlermeldung von WGNX abgewiesen. Dieser Punkt ist vielleicht zurzeit nicht sehr kritisch, da wir nichts illegales hier tun. Andererseits kann man sich im Hinterkopf aber ausmalen, dass wenn es in Deutschland einmal einen Überwachungsstaat gäbe, die Behörden mittels Software theoretisch in der Lage wären, Profile von Haushalten anzulegen. Das BND könnte mittels der von uns im Internet gemachten Kommentare eine Akte für jeden von uns anlegen, ohne auf informelle Informanten angewiesen zu sein. Denn die Informanten sind wir selber.
@Morph
Selbstgespräche mit zwei Nicks im Blog zu inszenieren ist aus meiner Sicht auch unsinnig. Im übrigen bin ich wie Du auch zu kurz dabei, um diese Spiele zu durchschauen und bewerten zu können. Mit projizieren oben in meinem Kommentar wollte ich darauf hinweisen, dass wir anders als im wirklichen Leben hier nichts aufbauen, auf welches wir zu einem späteren Zeitpunkt zurückgreifen können. Du magst unter Kollegen als sehr klug und belesen gelten. Vielleicht hast Dir sogar einen Namen unter Deinen Kollegen verdient gemacht. Hier im Internet zählt all dies nicht. Gelegentlich assozieren wir mit einem Nick Erwartungen gegenüber dem Inhalt eines Postings. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir jegliche Rechte an unserem Posting nach Drücken der Entertaste aufgegeben haben. Marken- oder Schutzrechte an unseren Kommentaren oder Nicks gibt es m.E. aus meiner Sicht nicht. Solange Dein Kommentar höfflich und nicht beleidigend auf andere verbal einschlägst ist es mir daher egal, ob Du die Kommentare von morph verfasst oder es sich dabei um die Person hinter Wat. handelt oder ob morph und Wat. von derselben Person verfasst werden.
@Morph
#278
Die Anonymität des Internets wirkt aus meiner Sicht deindividualiserend. Du magst einwenden, dass die Personen hintern den Nicks in der Realität existent sind. Das zählt aber nicht. Denn Du trittst hier nicht als Person auf, sondern nur als Quelle für Information. Dies ist aus meiner Sicht eine Beschränkung des Mediums, welcher niemand im Internet entkommen kann.
@Tina
Unsere Nicks sind anonym, aber der Internetprovider ist verpflichtet unsere Verbindungsdaten zu speichern. Darüber ist es gewährleistet, die Verbindung zu einer real existierenden Person jederzeit herzustellen.
Staatliche Schnüffelei?
von 18.09.2007, 13:50
,,Constanze Kurz vom Chaos Computer Club kritisierte das monströse Gesamtkonzept der Vorratsdatenspeicherung: “Die geplante EU-weite Regelung führt dazu, dass eine halbe Milliarde Menschen in ihrem Kommunikationsverhalten beobachtet werden.” Zudem wecke die Überwachungstechnologie immer neue Begehrlichkeiten. Anfragen aus der Musikindustrie, wer wann welches Musikstück aus dem Netz geladen habe, seien dann nur noch eine Frage der Zeit.”
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/computer/885/418650/text/
@guang
also ich sehe nicht die prinzipielle Differenz zwischen Internet-Forendiskussionen und ähnlichen real-life-events, z.B. BarCamps. Jedenfalls glaube ich nicht daran, dass im wirklichen Leben die echten Personen zu bestaunen sind und im Internet lediglich pseudopersonalisierte anonyme Informations-chunks durch die Gegend flitzen. Das ist eine viel zu scharfe Trennung, nach meinem Gefühl.
Auch im face-to-face-Kontakt offenbart sich ja nicht das Individuum (das ist und bleibt ineffabile) und umgekehrt bilden sich auf die Dauer auch in der virtuellen Diskussion relativ stabile und komplexe Images aus, mit was für Leuten man es in den Fällen von @guang, @wat, @froZ, @nanuk zu tun hat (um mal ein paar der in sich stimmig postenden Forenbeiträger zu nennen).
Ich habe natürlich nicht den Eindruck, die Leute, die hinter den Nicks stehen, ‘gut’ zu kennen, aber irgendwie zu kennen, der Eindruck drängt sich doch schon auf. Geht Dir das überhaupt nicht so?
Dass ich mich da im einen oder anderen Fall auch schwer täuschen könnte, weiß ich natürlich. Aber im wirklichen Leben gibt es doch auch Trickbetrüger und Heiratsschwindler.
Also ich denke, wenn Kommunikation stattfindet, dann ist es Kommunikation von Personen, und die telepräsente Schriftkommunikation ist sicher eine neue Form, deren Potenziale und Grenzen noch nicht gut genug verstanden sind, aber durch sie ändern sich die Bedingungen der Kommunikation nicht prinzipiell, würde ich vermuten.
Und im Übrigen: Es steht allen, die im Internet schreiben und bloggen, frei, offen oder unter Pseudonym zu kommunizieren. Das Internet macht da keine Vorgabe. Insofern verstehe ich Deinen Punkt mit der Beschränkung des Mediums, der man nicht entgehen kann, nicht ganz.
“Anspruchsvoller Diskurs ist nicht voraussetzungslos, sondern exklusiv.”
Pseudo Elitäres geschwurbel… Frau Hegemann bitte zur Kasse 7…
http://www.youtube.com/watch?v=KZ2lWyTi0oY
,,Ich habe natürlich nicht den Eindruck, die Leute, die hinter den Nicks stehen, ‘gut’ zu kennen, aber irgendwie zu kennen, der Eindruck drängt sich doch schon auf. Geht Dir das überhaupt nicht so?”
Der für mich entscheidende Unterschied zum face-to-face Encounter ist, dass hier Menschen unabhängig von ihrer Funktion im wirklichen Leben ihre Meinungen und sowie Informationen ohne Offenbarung ihrer Identität posten können. Ein Mitarbeiter des Kieler Wirtschaftsinstitut beispielsweise kann seine kritische Meinung kundtun ohne befürchten zu müssen, dass diese bei seinen Vorgesetzten auf Missbilligung stösst. Ein Eindruck von den Menschen drängte sich mir dabei in der Vergangenheit mehrmals auf. Wo dies geschah und es mit tatsächlich bewusst wurde, versuchte ich mir die Gründe hierfür bewusst werden zu lassen und das image von einem Nick zukünftig zu vermeiden.
,,Insofern verstehe ich Deinen Punkt mit der Beschränkung des Mediums, der man nicht entgehen kann, nicht ganz.”
Durch dieses Medium lernen wir uns nicht kenne. Wir können nur Ideen und Informationen austauschen. Das ist unabhängig davon, ob Du beim Posten Deinen wirklichen Namen oder einen Nick verwendest. Vielleicht hilft die Vorstellung zu einer Science-fiction Idee meinen Punkt Dir verständlich zu machen. In einer zukünftigen Gesellschaft sei es möglich das Bewusstsein der Menschen auf einen elektronischen Chip zu verdampfen. Die auf diese Weise unsterblich gemachten Kreaturen würden ihre Erscheinung in der physischen Welt aufgeben, hätten aber die Möglichkeit über das Internet weiterhin zu kommunizieren. Würde es sich aus Deiner Sicht bei diesen Kreaturen um Personen handeln? Ich will damit sagen, die Information ist im Kommuniktionsprozess nur ein Aspekt des Austausches zwischen Menschen. Sofern der Austauschprozess sich aber tendenziell durch das Austauschmedium auf die Informationsvermittlung beschränkt, findet nicht mehr eine Kommunikation zwischen Personen statt, sondern wir beginnen Selbstgespräche mit einem interaktiven Medium was nicht Mensch ist zu führen. Und dies auch dann, wenn dieses Medium von Menschen bedient wird. Die Aussage der letzten beiden Sätze ist unter der Einschränkung gemacht, dass ich dieses Medium für mich noch relativ neu ist.
@guang und der Rest…
“Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er für sich selbst spricht. Gib ihm eine Maske und er wird dir die Wahrheit sagen.” – Oscar Wilde
Gääääähnn….
@Morph
Nanuk hat sich mit einem Vid dazwischen gedränkt. Bitte siehe #283. Wir brauchen das Thema aber aus meiner Sicht aber nicht weiter vertiefen. Ich bin heute sehr beschäftigt und werde dazu nicht mehr viel aus zeitgründen dazu beisteuern können. Natürlich würde ich trotzdem gerne Deine Replik dazu lesen. Ich glaube aus Deinen Kommentaren herausgelesen zu haben, dass Du Dich mit diesem Thema intensiver als ich mich beschäftigt hast.
@Nanuk
Gääääähnn….
Ich hoffe Du konntest gut schlafen. Melde Dich doch bitte nochmal wenn Du wieder wach bist.
@guang
Dein Gedankenexperiment geht m.E. von prinzipiell unmöglichen Umständen aus. Das psychische Interpretieren wird sich nie informationstechnisch so abbilden lassen wie Du es andeutest. Allenfalls lassen sich Expertensysteme derart verbessern, dass ein menschlicher Nutzer den Unterschied zwischen einem bot und einem menschlichen Berater nicht mehr feststellen kann.
Ich würde Dir zustimmen, dass die telepräsente Schriftkommunikation ein fragwürdiger Ersatz ist für Treffen im real life. Und vermutlich haben wir ja alle ein etwas gespaltenes Verhältnis zu unseren Kommunikationen hier. Einerseits macht das Hin und Her der Meinungen Spaß – ich find’s zum Teil wirklich verblüffend, was alles so Thema ist und dieser ständige Wechsel von Tief- und Flachsinn, Expertise und Stammtisch hat schon was, andererseits ist es nur ein weiterer der elenden medialen Zeitfresser.
Ich würde es für mich als eine Art textbasiertes intellektuelles Online-Rollenspiel beschreiben.
@ Morph
Den Derrida habe ich nicht gelesen, nur ein bißchen Deleuze (Teile von “Tausend Plateaus”), während des Studiums, auf Empfehlung eines Freundes hin. Ich fand es ja ganz unterhaltsam, aber doch sehr effekthascherisch, allerdings eben für ein anderes Publikum als das der Nebenbei-Sachbuchleser. Da würde ich @ceteris recht geben (wenn ich ihn richtig verstehe); es kommt immer auf den Effekt und den Wiedererkennungswert von Argumentationsfiguren an, in dem einen Falle eben demokratischer, in dem anderen elitärer. Mich interessiert die mögliche politische Wirksamkeit von Textproduktion, und da sollte klar sein, welcher Form ich den Vorzug gebe…
Darüber hinaus erinnere ich mich mit einem gewissen Amüsement daran, wie leptosome ganz in Schwarz gekleidete Jungmänner in den Pausen zwischen den Uni-Seminaren mit verschwörerischem Illuminaten-Unterton Namen wie “Derrida” und “Deleuze” raunten (die virileren unter ihnen raunten auch noch “Virilio”…), um auf diese Weise die anwesende studierende Weiblichkeit schnurstracks ins Bett zu kriegen, was ihnen bei den naiveren Exemplaren auch zumeist gelang. – Allerdings stellte sich schnell der Eindruck ein, daß die Milieus, in denen solcherlei Brauchtum gepflegt wurde, trotz allem vorübergehenden Verbalradikalismus eher unpolitisch waren und eine gewisse effekthascherische Attitüde schnell auch anderen politischen Moden anpassen konnten, was sich im Nachhinein bei der Beobachtung des weiteren Werdeganges einiger der damaligen Protagonisten vollauf bestätigte. – Zudem bin ich doch eher ein erd- und wasserverbundener Mensch (Sternbild Steinbock, Aszendent Skorpion, um mal was Persönliches preiszugeben…), und die so ganz luftigen Sphären liegen mir weniger. Wie sagte doch Richard Rorty sinngemäß: Die emanzipatorische Linke solle sich mehr für Wirtschaftsstatistiken und weniger für luftige Diskurse interessieren… Und zu guter Letzt: Bei manchen Hervorbringungen aus jener Richtung frage ich mich doch, ob da nicht begnadete Satiriker am Werke sind, die ihr gläubiges Publikum ebenso verarschen wie weiland Picasso das seine. Mein Lieblingstext ist ja folgendes Stück “Scientific Slam Poetry”; besonders hinweisen möchte ich auf die überaus genialische und kurze Zusammenfassung am Ende:
http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/lexikon%20der%20linguistik/b/BEDEUTUNG%20Nachtr%C3%A4glichkeit%20der%20Bedeutung%20nach%20Lacan.htm
Was das Maskiertsein angeht, so liegt @Nanuk mit dem Oscar-Wilde-Zitat in #284 ziemlich richtig, wie ich finde. Oder, anders gesagt: Natürlich setze ich eine Maske auf, sobald ich zu sprechen anhebe, und wenn ich statt der Kürzel “froZ” meinen bürgerlichen Namen verwenden würde (@Nanuk: Nein, nicht Karl Theodor…), so würde sich daran nicht viel ändern. Mein bürgerlicher Name ist gleich mehrere Masken, umso mehr, als ich ihn bei gewissen Gelderwerbsverrichtungen auf einem Ansteckschild vor mir her trage. Insofern ist “froZ” da noch ehrlicher, aber das Kürzel ist eigentlich ein Zufallsprodukt; es erschiene mir albern, es jetzt gegen ein anderes einzutauschen. Doch da soll jeder nach seiner Fasson selig werden.
Was war noch? Die “politische Kraft aus der Askese”… Glaube ich nicht. Meist hat ungewollte, aufgezwungene Askese allein nicht zu politischer Kraft geführt, sondern so isoliert für sich nur zur Apathie. Neben die Not derjenigen, die keinen Truthahn haben, muß auch der Veränderungswille derjenigen treten, die zwar Truthahn haben, aber noch Wein dazu wollen. Erst aus einer Konstellation heraus, in der beide Interessen gebündelt auftreten, ist das Ancien Regime angreifbar.
P.S.
Es scheint mir auch nicht möglich, auf irgendeine Ursubstanz des Selbst zurückzugreifen, um sich von einer Maske zu emanzipieren. Wo sollte die auch herkommen? Das, was uns vor dem irreversiblen Festwachsen der einen Maske am Kopf bewahrt, ist nur die ständige Verfügbarkeit der anderen Masken. Aber für einen Blog sollte eigentlich eine Maske genügen.
@froZ
“Die “politische Kraft aus der Askese”… Glaube ich nicht. Meist hat ungewollte, aufgezwungene Askese allein nicht zu politischer Kraft geführt, sondern so isoliert für sich nur zur Apathie.”
Naja, die größte mobilisierende Kraft geht ja heute nicht mehr vom Sozialismus und seinem Wohlfahrtsversprechen aus, sondern vom politischen Islamismus. Und der funktioniert ganz offenbar asketisch.
“Es scheint mir auch nicht möglich, auf irgendeine Ursubstanz des Selbst zurückzugreifen, um sich von einer Maske zu emanzipieren. Wo sollte die auch herkommen? Das, was uns vor dem irreversiblen Festwachsen der einen Maske am Kopf bewahrt, ist nur die ständige Verfügbarkeit der anderen Masken.”
Mit Verlaub: Das ist poststrukturalistischer und postmoderner als Du vielleicht glaubst. Ich bin immer sehr skeptisch, wenn Metaphern gegen ihre Bildquelle verwendet werden. Z.B. “Maske” als Begriff: eine Gesichtsabdeckung, die zugleich ein Gesicht darstellt; als Metapher: die vorgestellte Persönlichkeit eines Akteurs. Problem: Eine wirkliche, unmetaphorische Maske kann getragen werden oder nicht (stimmts?). Die metaphorische Maske aber, von der wir reden, wenn wir von “Masken des Selbst” reden, die soll die merkwürdige Eigenschaft haben, nur gewechselt, aber nicht abgelegt werden zu können. Ziemlich ominös, finde ich.
“Und zu guter Letzt: Bei manchen Hervorbringungen aus jener Richtung frage ich mich doch, ob da nicht begnadete Satiriker am Werke sind, die ihr gläubiges Publikum ebenso verarschen wie weiland Picasso das seine.”
Wie gesagt, Betrug gibt’s überall. Einem bestimmten Anspruch von Kunst und Theorie wird aber das Betrügerische gewissermaßen vorab in Rechnung gestellt. Ich habe den Eindruck, dass sich da viele Ärgernisse aus dem ‘richtigen’ Leben auf den schwächsten, da experimentell gesonnenen und unversicherten Bereich der Gesellschaft projizieren. Einen Künstler oder Philosophen einen Scharlatan zu nennen kostet weniger Mut und bringt mehr Applaus als die soliden Funktionseliten anzuprangern. Künstler und Philosophen sind immerhin oft reflektiert genug, die eigene Unzuverlässigkeit und Asozialität auszustellen.
@Morph
Problem: Eine wirkliche, unmetaphorische Maske kann getragen werden oder nicht (stimmts?). Die metaphorische Maske aber, von der wir reden, wenn wir von “Masken des Selbst” reden, die soll die merkwürdige Eigenschaft haben, nur gewechselt, aber nicht abgelegt werden zu können. Ziemlich ominös, finde ich.
Es war DEINE Metapher, nicht die von mir oder @froZ. Und so wie du sie in dem Wort vom “unmaskierten Sprechen” gebraucht hast, hat sie in der Tat die von dir als metaphernbrüchig beanstandeten Eigenschaften. Eigentlich ging es darum, in wiefern die Sprachform selber notwendig Maskencharakter hat. Denn es ist ja nie so, dass man seine “eigenen Worte” (die gibt’s nicht) verwendet, sondern nur seinen eigenen Gebrauch von allgemein genutzten Wörtern macht. Die kommen dann bei den Empfängern mal mehr mal weniger verfremdet und gefiltert an und bilden additiv ein “Image”. Welches das ist, erfährt man – wenn überhaupt – nur indirekt. Man kann darum mit dem Ergebnis also nicht schon im Vorhinein einverstanden sein. Man muss erst erkennen können, was man da bewirkt.
Einem bestimmten Anspruch von Kunst und Theorie wird aber das Betrügerische gewissermaßen vorab in Rechnung gestellt.
Nach meiner Erfahrung: WEIL dieser Anspruch damit kokettiert (all das “Post” und “Meta”-Zeugs tut das – auch der Konstruktivismus, und ich würde das sogar für NL mutmaßen, auch wenn der, wie ich vermute zu dem froZschen Typus der Scharlatane und Satiriker zählt). Da darf er sich nicht beschweren, wenn er bei dem Wort genommen werden soll, das er dann aber immer nicht gemeint haben will. Darum nennt man ihn einen Buffon, oder eben Vortäuscher oder Betrüger – zu Recht.
@ceteris
Wenn ich morph richtig interpretiert habe, meinte er mit seiner metaphorischen Masken die aufgrund Sprache mögliche Verstellung des Selbst. Nur in dieser Weise interpretiert macht das Zitat Oskar Wildes, welches Nanuk unter #284 in diesem Thread kopiert hat Sinn. Das Sprache immer auch Maske ist, ist hiervon unberührt. Allerdings ist mit der Maske, welcher wir uns bedienen müssen, um überhaupt miteinander kommunizieren zu können eine andere Maske als die metaphorische im Sinne morphs oben gemeint.
Um auf den Ursprung dieser Diskussion zurückzukommen. Tina und ich vertraten hier im Thread einen lockeren Umgang mit den metaphorischen Masken (habe zurzeit keine bessere Bezeichnung) hier im Blog, während froZ und Wat. eine engere Auslegung hinsichtlich der Verwendung der metaphorische Maske vertrat. M.E. wurde diese Diskussion von Wat. und froZ nicht in der Weise verstanden, wie ich es ursprünglich in meinem Diskussionsbeitrag auf ein Posting von Wat. gemeint hatte. Siehe hierzu auch #251. Mir ging es nicht nur um die Frage, ob wir hier mit demselben Nick posten sollten oder ob ein Nickhopping bzw. das Ändern des Nicks erlaubt sei. Die Frage ist doch, ob wir mit unseren Kommentaren unter Verwendung eines bestimmten Nicks eine Identität hier im Blog aufbauen und wenn ja, wie entscheidend diese Identität hinsichtlich der hier im Blog geführten Diskussionen ist. Ich habe morph in der Weise verstanden, dass er dies zumindest teilweise bejaht und die Identität als Vorraussetzung für den Dialog hält. Während ich den Standpunkt vertrat, dass die Schaffung einer Identität in einem Meinungsforum nicht im Vordergrund stehen sollte, sondern eher ein unvermeidliches Nebenprodukt ist. Wahrscheinlich ist dies eine Geschmachksfrage.
@ Morph
Oh, ich wollte spekulative Philosophien oder sog. nonfigurative Kunst nicht abqualifizieren, ich sprach ja auch von “Satirikern” und nicht von “Scharlatanen” (obwohl letzteres es auch träfe, nur ist der erste Ausdruck positiv, der zweite negativ besetzt). Sofern die Herrschaften einen hierarchisch strukturierten Akademiebetrieb an der Nase herumführen und zum Preisen von des Kaisers neuen Kleidern veranlassen, haben sie sogar meine Hochachtung – und in gewisser Weise sind ihre Leistungen dann ja auch Gesamtkunstwerke, die neben den Artefakten auch deren Vermarktung mit einschließen. – Daß es sich dabei nun aber um den schwächsten Bereich der Gesellschaft handeln soll, wie Du schreibst, erschließt sich mir jedoch nicht: in der Regel sind das doch gut vernetzte Leute mit sozialer Positionsmacht.
Problematisch und unerfreulich wird es m.E. nur dann, wenn deren Jünger dann auch noch vorgeben, die Speerspitze sozialer Emanzipationsbestrebungen zu sein und den Leuten neben Erbauung & Unterhaltung & dem Gefühl von Bedeutung auch noch zusätzlich ein Mittel zu verkaufen vorgeben, mit dem sich das Schlechte in der Welt erkennen und beseitigen lasse.
Da mag ich lieber so bescheidene Scharlatane wie den hier:
http://www.youtube.com/watch?v=m4CfPBgx8zU
@guang
Wahrscheinlich ist dies eine Geschmacksfrage.
Es sind eher zwei Aspekte. Ich kann auf einen Blogeintrag antworten, ohne ein Bild des Verfassers zu haben, d.h. ohne, dass mir der Nick, der darüber steht, irgendetwas sagt. Ich kann aber unter Berücksichtigung meines Bildes vom Verfasser antworten, wenn ich mit dem Nick eine Historie, eine identische Figur verbinde. Letzteres ist hintergründiger, reichhaltiger, mit mehr Kontext versehen, weil ich nicht nur mit einem Text auf einen Text antworte, sondern auch “jemanden” meine. Nachvollziehen können das aber nur Dritte, die auch wissen, WER hier auf WEN antwortet. Das gibt dem ganzen eine zusätzliche Dimension, kann einen öffentlichen Blog aber auch zu einer geschlossenen Veranstaltung machen. Je mehr Annahmen über den anderen meine Antwort impliziert, desto schwerer verständlich wird sie für diejenigen, die diese Annahmen nicht (aus langem Mitlesen) nachvollziehen können. Und das gilt natürlich auch für die Rolle des Antwortenden selbst, der schon annimmt, dass der/die anderen wissen, WER hier redet.
@ceteris
,,Ich kann aber unter Berücksichtigung meines Bildes vom Verfasser antworten, wenn ich mit dem Nick eine Historie, eine identische Figur verbinde. Letzteres ist hintergründiger, reichhaltiger, mit mehr Kontext versehen, weil ich nicht nur mit einem Text auf einen Text antworte, sondern auch “jemanden” meine.”
Na gut, so etwas kennt man von jeder besseren Party, wenn zu späterer Stunde sich einige Gäste in der Küche verdrückt haben und dort in kleinen Grüppchen oder auch zu zweit sich leise und kichernd unterhalten. Mitnichten wollte ich auch in Frage stellen, dass Kommunikation reichhaltiger ist, wenn man sich einander gut kennt. Es drängt sich mir dann aber die Frage auf, weshalb eine derartig personalisierte Kommunikation in einem öffentlichen Netz stattfindet. Wobei ich allerdings zugegeben muss, dass die Bestätigung, dass es Teilnehmer gibt, die eine derartige Kommunikation zu schätzen wissen für deren Existenz ausreichender Berechtigungsgrund ist. Das ich eine derartig tiefgehende Kommunikation in einem Blog nicht sinnvoll halte, liegt vielleicht auch daran, dass ich noch nicht tief genug in die Sphäre des Bloggens eingedrungen bin. Also weiterhin, viel Spass dabei.
@froZ
“…in der Regel sind das doch gut vernetzte Leute mit sozialer Positionsmacht.”
Als Faustregel kann man, glaube ich, sagen, dass je ‘waghalsiger’ einer einen Gegenstandsbereich perspektiviert, je weiter sich einer auf unkartiertem Gelände vorwagt, desto geringer die soziale Positionsmacht im Wissenschaftssystem. Fächerübergreifende Resonanz und fachorganisatorischer Einfluss verhalten sich geradezu gegenläufig, habe ich den Eindruck.
Die wirklich gut vernetzten Leute mit Positionsmacht sind Wissenschaftsmanager aber keine Diskursbegründer. Selten kommt das zusammen, dass einer theoretisch relativ originell ist und organisatorisch kompetent und einflussreich.
@froZ
“Problematisch und unerfreulich wird es m.E. nur dann, wenn deren Jünger dann auch noch vorgeben, die Speerspitze sozialer Emanzipationsbestrebungen zu sein”
Keine Frage. Aber ich würde das nicht nur für ein Problem von Mittzwanzigern halten, die zu viele Merve-Bändchen lesen, sondern das trifft für alle universitären Vielleser mit Handlungsdruck zu, die sich nicht in der Wirklichkeit umschauen mögen und ihre Motivlagen nicht sortiert bekommen.
@ceteris
Ja, die Frage ist: Hat die Sprachform Maskencharakter? Du sagst (und froZ wohl auch): Ja, unvermeidlicherweise! Ich würde sagen: Kommt drauf an; wenn man seinen Ausdruck in einer bestimmten Wirkabsicht frisiert, dann interveniert ein maskenhaftes Stilisierungsprinzip, wenn man aber ohne eine solche Wirkabsicht eine bestimmte Mitteilung macht, dann nicht. Unstilisiertes Sprechen und Schreiben, das sich ganz auf den Sachgehalt konzentriert, wirkt oft spröde und wenig alert, teilt so aber gerade die sprachliche Vermitteltheit mit, die zu erkennen gibt, dass die Sache nicht in ihrer Bezeichnung aufgeht, ein Eindruck, den die frisierte, maskierte Sprache oft hervorruft.
Das Phänomen, dass Ihr im Blick habt, nämlich dass Sprache nicht die Wirklichkeit 1:1 abbildet, hat mit der Frage nach maskiertem und unmaskiertem Sprechen überhaupt nichts zu tun, – und das zeigt die Metapher, indem sie bricht, wenn man diesen Zusammenhang herstellen will.
“ein Eindruck, den die frisierte, maskierte Sprache oft hervorruft.”
es muss heißen: ein Eindruck, den umgekehrt die frisierte, maskierte Sprache oft hervorruft.
@Morph
Es macht einen Unterschied, ob ich einem IDEALEN Leser (einem Freund, eigentlich) etwas nahebringen will, was mich FASZINIERT, oder ob ich mit einem gut begründeten Wissen darüber arbeite, wie man ein träges, sattes Publikum ‘rumkriegen’ kann.
Der wesentliche Unterschied liegt hier doch im ‘rumkriegen’ – also im Abzielen auf eine spezifische Wirkung des Textes. Dein “idealer Leser” scheint mir zunächst der Autor selbst zu sein, also dass Textproduktion – echte, nicht ‘rumkriegende’ – immer auch einen Aspekt von Selbstverständigung hat. Daneben gibt es den Text als “Form an und für sich”, die gelungen oder nicht gelungen sein kann und die den Gegenstand linguistischer Verfahren ausmacht. Also ich glaube, dass du hier mit dem “idealen Leser” auch den “idealen Autor” setzt, dem es nur um “die Sache” geht – es kann dann auch der Text selber die Sache sein – nicht um die Wirkung seines Textes. Dabei kann es sich aber eigentlich doch nur um Texte handeln, die gar nicht für eine publikatorische Praxis gedacht sind. Auch solche gibt es, Robert Walser würde mir da einfallen. Wgnx aber würde mir da gar nicht einfallen
Jedenfalls: Wer öffentlich spricht, zB in einem Blog, der will Wirkung, sonst könnte er seinen Text auch einfach auf seiner Festplatte sammeln, um vielleicht später Literatur daraus zu machen.
Er muss dann und darum die Wirkungsbedingungen berücksichtigen, also verständlich sein, was eben NICHT heisst, jedermann und sofort verständlich, aber doch denen, an deren Verständnis er im gegebenen Umfeld Interesse hat. Ohne ein solches Interesse würde er nicht schreiben.
@Morph

#298 : siehste!
Unstilisiertes Sprechen und Schreiben, das sich ganz auf den Sachgehalt konzentriert, wirkt oft spröde und wenig alert, teilt so aber gerade die sprachliche Vermitteltheit mit, die zu erkennen gibt, dass die Sache nicht in ihrer Bezeichnung aufgeht, ein Eindruck, den die frisierte, maskierte Sprache oft hervorruft.
Le style, c’est l’homme – n’est-ce pas?
Ich weiss nicht, was du dir unter “unstilisiertem Sprechen und Schreiben” vorstellst. Zu bestreiten, dass es solches gibt, ist eben gerade der Hintergrund meiner (und @froZ’) Behauptung, dass allein die sprachliche Form per se einen “Stil” ausmacht.
Ich darf jedenfalls für mich behaupten, dass ich meine Äußerungen nicht in einem handwerklichen Sinne einer “Nachbearbeitung” stilisiere. Möglicherweise habe ich dieses Prozedere durch jahrelanges Blogposting auch schon zu sehr verinnerlicht, um mir dessen noch bewusst zu sein …
Sicher geht die “Sache” nicht in ihrer Beschreibung auf – das gilt für den frisierten wie den unfrisierten Text, und darum ist es eben auch kein Vorteil des unfrisierten, darauf speziell hinzuweisen. Es sind gerade die Texte, die rein am Gegenstand bleiben, die am verständlichsten sind. Unverständlich werden die Texte gerade dann, wenn sie Reflexionen auf ihren eigenen Textcharakter mitschleppen. Das tun sie meist auch unfreiwillig, also aus Unvermögen des Schreibers. Das ist keine Tugend, das ist ein Laster, das sich als solche ausgeben will.
@guang
Komme gerade dazu, in diesen Thread hineinzuschauen.
Mein Kommentar (# 276) gibt möglicherweise Anlass zu Missverständnis.
„Klowand“ ist natürlich überzeichnet, eine Karikatur.
Dieses Blog sehe ich als eine Mischung von „Spielwiese“, Unterhaltung, Meinungsaustausch und Information sowie Desinformation an.
Meine These ist, dass die Eigengesetzlichkeit eines Blogs dieser Art auf die Dauer zwangsläufig zu Qualitätsverlust führt. Goodnight hatte bereits davon gesprochen, dass er 90% als „Blubb“ bewertet.
Wem diese Art der Kommunikation Spaß macht, wird weitermachen.
Wer mehr erwartet bzw. mehr möchte, der ist hier am falschen Ort.
Im Unterschied zur Realität kann man sich die Gesprächspartner nicht wählen. Das ist eher so wie in einem öffentlichen Verkehrsmittel, da kann man sich die Mitfahrer auch nicht aussuchen.
Wie bei Volksfesten oder Ähnlichem gibt es nur die Alternative „Mitmachen oder Wegbleiben“. Der Animateur gibt die Themen vor.
Die bisherige Diskussion um die „Masken“ blendet einen wesentlichen Aspekt auf. Die Individuen mögen zwar im Alltag Masken aufsetzen, doch sind sie nicht nur durch ihre Worte, sondern auch und vor allem durch ihre Taten identifizierbar.
Ein Großsprecher blamiert sich im Real Life, wenn er nichts Entsprechendes an Taten aufzuweisen hat. Er kann zwar viel von seinen angeblichen Taten erzählen, aber es gibt (fast) immer die Möglichkeit, zu recherchieren, was diese Person tatsächlich kann und geleistet hat.
Das Internet ermöglicht durch seine Anonymität den Individuen, ihre Größenphantasien und/oder Aggressionen verbal bzw. fiktiv auszuleben. Daher kann das Internet psychische Bedürfnisse für jene zu erfüllen, die dazu im Real Life nicht die Möglichkeit haben. Deshalb auch die Suchtentwicklungen.
Damit kann man im richtigen Leben natürlich nichts bewegen. Daher auch der Hamsterradcharakter.
@ Morph
“…wenn man aber ohne eine solche Wirkabsicht eine bestimmte Mitteilung macht…”
Da haben wir wohl den Unterschied. Ich würde bestreiten, daß es möglich ist, eine Mitteilung ohne Wirkabsicht zu machen. Selbst bei Small Talk oder so gibt es ja noch eine Wirkabsicht – die Inszenierung eines gewissen grundlegenden Einverständnisses über Sinn und Möglichkeit einer persönlichen Kommunikation – auch wenn uns diese Wirkabsicht durch Alltagsroutinen nicht mehr so recht bewußt ist. Vielleicht kann man auch sagen, daß da, wo maskenhafte Stilisierung offensichtlich fehlt, diese mehr oder weniger durch Routinen des sprachlichen Austausches ersetzt ist, denen bereits eine frühere kollektive “Stilbildung” vorausging. Aber eine Mitteilung ohne Wirkabsicht, und dazu noch in einer hochgradig institutionalisierten Kommunikationssphäre wie der akademischen Textproduktion – also das erschiene mir schon wie eine contradictio in adjecto.
Das soll es aber für heute gewesen sein.
@Tina
Das Internet ermöglicht durch seine Anonymität den Individuen, ihre Größenphantasien und/oder Aggressionen verbal bzw. fiktiv auszuleben. Daher kann das Internet psychische Bedürfnisse für jene zu erfüllen, die dazu im Real Life nicht die Möglichkeit haben.
Wie im Real Life hängt das Maß des Ausleben-Könnens vom Umfeld ab. Auch bei wgnx finden sich häufiger mal Größenphantasten und verbale Aggressoren ein. Die kriegen dann auch – manchmal sofort, meist spätestens nach ein paar Tagen/Beiträgen – das, was sie verdienen, nämlich nicht mehr ernst genommen zu werden, in sehr groben Fällen werden ihre Auslassungen schlicht entfernt. (wgnx verdient hier ein großes Kompliment für seine Moderationspraxis, finde ich!)
Das passiert im Real Life seltener als in Blogs, weil man da mehr Rücksicht nimmt, sofern nicht sogar Machtverhältnisse im Spiel sind – und sei es die kräftigere körperliche Statur
Insofern ist das Internet, das Bloggen, ein Privileg für egalitäres kommunikatives Handeln. Das macht seine Attraktivität aus und sollte nicht als “Surrogat” geschmäht werden. Viel “Real Life” Verhalten besteht oder basiert auf Kommunikation, und, wie oben gesagt, auch dort nicht weniger beschränkt.
Die “Tat”, so wie du sie hier verwendest, ist nur eine rhetorische Figur, so lange nicht von konkreten Handlungen mit Zeit & Ort geredet wird. Also lass’ doch mal deine Taten hören, damit ich weiß, was du meinst…
@ Tina #301
Nö, wir täten bloß alle gern mal im FAZ-Feuilleton (Print) schreiben, werden dort aber nicht reingelassen.
@froZ
Aber eine Mitteilung ohne Wirkabsicht, und dazu noch in einer hochgradig institutionalisierten Kommunikationssphäre wie der akademischen Textproduktion – also das erschiene mir schon wie eine contradictio in adjecto.
Es gibt akademische Textproduktionen, wo die Wirkabsicht sich darauf beschränkt, etwas geschrieben/abgeliefert zu haben. Verständlich oder nicht, egal. Da ist Textproduktion Manufaktur.
Ich hatte die Tiefen des akademischen Betriebs nicht ansprechen wollen – damit hätte ich mich mir selber als rachsüchtig verdächtig gemacht… und das soll es jetzt auch gewesen sein …
@Tina
,,Mein Kommentar (# 276) gibt möglicherweise Anlass zu Missverständnis.
„Klowand“ ist natürlich überzeichnet, eine Karikatur.
Dieses Blog sehe ich als eine Mischung von „Spielwiese“, Unterhaltung, Meinungsaustausch und Information sowie Desinformation an.”
Sowie mein Kommentar:
#257
,,Das Internet kann aus meiner Sicht nie viel mehr als ein öffentliches Klo mit der Möglichkeit auf die Wände ein paar Sprüche zu kritzeln sein.”
Natürlich ist ,,Klowand” als Metapher überzeichnet. Ich würde diese Metapher aber nicht herunterspielen wollen. Wenn Du danach suchst, was Menschen bewegt, darfst Du nicht in den Festsaal gehen. Dort wirst Du nur Floskeln hören.
Einerseits gibt es hier so eine Art Diskurs auf Stammtischebene, der manchmal interressant sein kann, weil Literaturtips ausgestauscht werden oder zu bestimmten Autoren eine Reszension erfolgt etc. Andererseits fliessen auch immer wieder Erfahrungen der Menschen aus ihren Arbeitsumfeld in die Diskussion hinein. M.E. finde ich daher den Wirtschaftsteil am interessantesten.
Bewirken kann man mit dem Internet aus meiner Sicht gar nichts. Eher der Gegenteil ist der Fall. Die Menschen werden durch Verwendung des Internets angepasster. Ähnlich dem Fernseher erzeugt das Internet das Gefühl dabei zu sein ohne wirklich etwas getan zu haben. Eine kritische Meinung im Internet ausgedrückt zu haben kann dem Ego eine Befriedigung stiften, tatsächlich aber halte ich dies für eine Selbsttäuschung, wobei ich nicht weiss, ob der Wunsch etwas in Deutschland zu bewegen oder zu ändern bei den Teilnehmern dieses Blogs überhaupt besteht. Ich würde eine derartige Motivation auch für ziemlich auswegslos und sinnlos halten. Weder mit oder ohne Internet wird sich in Deutschland etwas ändern. Dieses Blog hat mir andererseits geholfen über die Zusammenhänge, warum dies so ist nachzudenken.
@Tina @ceteris
Ergänzung zu #306
,,Bewirken kann man mit dem Internet aus meiner Sicht gar nichts.“
Um nicht missverstanden zu werden, ergänze ich.
Oben führt ceteris aus, dass jemand, der im öffentlichen Raum spricht etwas bewirken möchte. Nach seiner Meinung könne der Autor, wenn er nichts bewirken wolle den Text ansonsten ja auch auf der Festplatte speichern, um daraus zu einem späteren Zeitpunkt Literatur etc. zu machen. Ich meine, ceteris übersieht dabei, daß mit Wirkung tendenziell auch eine Zielgerichtetheit verbunden ist. Das nur wahrgenommen werden reicht für eine Wirkung nicht aus. Natürlich könnte man behaupten, dass durch die Wahrnehmung im Rezipienten bereits eine Wirkung erfolgt, nämlich zumindest die, den Text zu ignorieren. Andererseits kann man Wirkung aber auch als Versuchsname auf eine Änderungen der Umwelt, Einflussnahme der Meinungen anderer Menschen, Vorwegnahme von Handlungen etc. verstehen. In diesem letzteren Sinne verstanden, bewirkt das Internet aus meiner Sicht sehr wenig oder gar nichts, weil die Sinneseindrückung sowie die Einbettung der Kommentare in ein Lebensumfeld etc. fehlen. Ich sehe das Bloggen eher als ein interaktives Lesen.
Fortsetzung #307
Durch das interaktive Lesen entwerfen und verwerfen wir fortwährend ,,Romanfiguren” die miteinander in Verbindung treten ohne einen stringenten Bezug zu unserem wirklichen Leben haben zu müssen. Auch das Gefühl in der Anonymität ,,ehrlicher” als im bürgerlichen Leben auftreten zu können, ändert aus meiner Sicht nichts an dieser Beschränkung. Das Blog ist und bleibt fiction. In diesem Sinne kann Beschränkung aber auch als Chance für Kreativität verstanden werden.
@guang
Genau das ist es Interaktivität… wir schreiben hier einen Roman…
Eine Kettengeschichte…
und jetzt schreiben wir darüber das wir eine Kettengeschichte schreiben die nächste ebene ist das schreiben über das schreiben von Kettengeschichten bzw wie man darüber schreibt…
@Nanuk
Das interessante ist doch, finde ich, dass, auch wenn wir uns oft dabei im Kreise drehen, diese Kettengeschichte immer wieder neue interessante Wendungen einschlägt. Derweil hilft WGNX mit dem Einstreuen kleiner Artikel des gesellschaftlichen Tagesgeschehens, daß wir mit unseren Kommentaren nicht ohne Bezug zur sozialen Wirklichkeit in unserer Welt darstehen.
@Nanuk
,,und jetzt schreiben wir darüber das wir eine Kettengeschichte schreiben die nächste ebene ist das schreiben über das schreiben von Kettengeschichten bzw wie man darüber schreibt…”
Bitte nicht so ungeduldig mit mir sein. Ich habe dafür fast sechs Monate gebraucht, um zu verstehen, was hier abgeht….und jetzt machst Du Dich über mich lustig. Na ja, ist halt nicht jeder solange dabei wie Du.
@guang #306
„Eine kritische Meinung im Internet ausgedrückt zu haben kann dem Ego eine Befriedigung stiften, tatsächlich aber halte ich dies für eine Selbsttäuschung, wobei ich nicht weiss, ob der Wunsch etwas in Deutschland zu bewegen oder zu ändern bei den Teilnehmern dieses Blogs überhaupt besteht. Ich würde eine derartige Motivation auch für ziemlich auswegslos und sinnlos halten. Weder mit oder ohne Internet wird sich in Deutschland etwas ändern.“
Es gilt zu verstehen, WARUM sich in Deutschland nichts in progressiver Richtung ändert bzw. ändern kann. Dazu ist sowohl eine historische wie auch transkulturelle Perspektive erforderlich.
Die kulturelle Blütezeit Deutschlands war im 18. Jahrhundert während des aufgeklärten Absolutismus. Eine Entwicklung hin zur Kultur einer bürgerlichen Gesellschaft ist in Deutschland nie gelungen. In den zwei Jahrzehnten nach dem WK II geschah das in Westdeutschland nur oberflächlich.
. Im 19. Jahrhundert musste die kritische Intelligenz emigrieren, um der preussischen Diktatur und Zensur zu entgehen.
Nach dem WK I. wurden in Deutschland die klügsten Köpfe der revolutionären Intelligenz systematisch ermordet. Im Zuge der Machtergreifung der Nazis musste die kritische Intelligenz erneut emigrieren.
Ein ähnliches Phänomen sehen wir nach den Notstandgesetzen und den Berufsverboten.
Jedoch bestand der Unterschied darin, dass der Prozess der kulturellen Regression und Dekadenz die gesamte westliche Welt erfasste. Wohin sollte die kritische Intelligenz damals emigrieren?
Die kulturelle Revolte, welche als 68-er Bewegung bezeichnet wird, war ein globales Phänomen, genauso wie der anschließende reaktionäre Gegenbewegung und kulturelle Dekadenz.
„Der Mai 68 hat eigentlich nirgends viel bewirkt. Die Bewegung war symbolisch sehr wichtig, sie hat die Gehirne verändert, also die Denkweisen und Wahrnehmungen etwa von Hierarchien, Autorität, dem Verhältnis zwischen den Geschlechtern – aber in der Wirklichkeit, und besonders im Schulsystem, hat sie nicht viel erreicht. Ich weiß noch, daß ich 68 von Fakultät zu Fakultät ging und sagte: ich bin mit Euch einverstanden, aber Achtung: es gibt nichts Schlimmeres als eine fehlgeschlagene Revolution! Denn die macht genauso viel Angst wie eine gelungene Revolution und ist doch nicht gelungen. Gegenwärtig sind wir nun tatsächlich in einer konservativen Revolution, meine ich, die zum Teil durch die Angst bestimmt ist, die viele Intellektuelle und andere im Mai 68 hatten, nicht nur in Europa, es war ja eine universelle Revolution von Berkeley bis Moskau.“
– PIERRE BOURDIEU IN EINEM INTERVIEW, 1998
http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/div/bourdieu.htm
Dass die 68-er Bewegung „eine universelle Revolution von Berkeley bis Moskau“ war, wurde und wird ja gerade in Deutschland verdrängt und umgedeutet. Zunächst wurde die 68-er Revolte in Deutschland als „zivilgesellschaftliche Modernisierung“ idealisiert und die Niederlage in einen Sieg umgedeutet. Heute herrscht das Deutungsmuster vor, dass diese Revolte Ausdruck kultureller Dekadenz gewesen sei, welche zum kulturellen Niedergang beigetragen habe.
Unbestreitbar gab es in der damaligen Bewegung auch(!) regressive, dekadente und linksfaschistische Elemente, welche zum kulturellen Niedergang beigetragen haben. Aber dies machte nicht das Wesentliche dieser kulturrevolutionären Bewegung „von Berkeley bis Moskau“ aus.
Ein Teil der damaligen Weltordnung – der Ostblock – ist bereits zusammengebrochen und untergegangen, eben weil diese Gesellschaften kulturell nicht entwicklungsfähig waren. Der andere Teil – der Westblock – befindet sich im fortschreitenden kulturellen Niedergang.
In Deutschland wird der kulturelle Niedergang von Seiten der Intellektuellen verdrängt und verleugnet. So von jenen affirmativen Theoretikern, die diese Entwicklung als zwangsläufigen historischen Prozess einer systemischen, strukturellen Differenzierung bzw. als notwendige „Modernisierung“ umdeuten oder gar den Popanz einer kulturellen Bedrohung durch eine „Islamisierung“ der Welt beschwören.
Insofern finde ich die kritische Auseinandersetzung mit der Entwicklung der „Kultur des Kapitalismus“ bzw. mit der Entwicklungen in Richtung auf eine zukünftige Weltkultur – so mit Theoretikern wie z.B. Bourdieu, Fromm, Gorz, Postman, Sennett etc. – viel interessanter und zukunftsrelevanter als sich mit systemimmanenten Verteilungskämpfen zu befassen.
Die Frage ist allerdings, in welchem Rahmen eine derartige Diskussion stattfinden könnte. Eine „Klowand“ ist dazu jedenfalls nicht geeignet.
@Tina #313
Danke für Dein Posting oben. Ich habe mir diesen Thread auf meiner Festplatte abgespeichert, weil ich die Diskussion sehr interessant fand. Diese ,,Klowand”, natürlich sollte dieser Begriff auch provozieren, war von mir zu keiner Zeit negativ gemeint. Ich denke halt manchmal verquerrt. Die Vorlage zu einem Science-fiction könnte z.B. sein, dass unsere Welt im Chaos untergeht, und dass aus welchen Grund auch immer, zu einem späteren Zeitpunkt eine kleine Gruppe von avantgardistischen Forschern eines ausländischen Forschungsinstituts durch Auswertungen dieses Blogs Hinweise zur Erforschung der Hintergründe des dritten Weltkriegs erhält. ,,Klowand” ist für mich daher nicht negativ. Ganz im Gegenteil, ich habe oft festgestellt, dass man nicht da suchen darf, wo die Masse sucht. Wer immer nur den kürzesten Weg gehen will, läuft oft Umwege und manchmal sind es auch wieder die Umwege, die uns auf den kürzesten Weg bringen. Mit dem ,,Wertvollen” und dem ,,Vulgären” verhält es sich ähnlich. Eine Betrachtung der Dinge von aussen führt leicht zur Fehleinschätzung. Andererseits gebe ich Dir aber Recht, dies ist nicht das Medium sich über irgendetwas wichtiges progressiv unterhalten zu können. Die Menschen hier lassen nur ihren Frust ab, posten youtube Vids oder erklimmen unverfängliche Gedankenspiele erkenntnistheorethischer Art. Daher meine Einschätzung, dass dieser Ort banal ist. Vielleicht ist es aber auch die Technik, die diesen Ort banal werden lässt. Oder aber, ich denke bisweilen, vielleicht habe auch ich den Zugang zu diesem Medium nur noch nicht gefunden.
@guang
„Ich habe mir diesen Thread auf meiner Festplatte abgespeichert, weil ich die Diskussion sehr interessant fand.“
Sehe ich aus so. Auch die Diskussion zuvor über China.
Falls Du das Interview mit Bourdieu gelesen hast, würde mich Deine Meinung dazu interessieren.
Auf dieses Interview bin ich erst heute gestoßen und fand es äußerst interessant.
P.S.
Aus meiner Sicht sollte man zwischen dem Internet und den Arten bzw. Möglichkeiten seiner Nutzung unterscheiden. Ein Blog, wie dieses, ist doch nur EINE Möglichkeit.
@Tina
Eine „Klowand“ ist dazu jedenfalls nicht geeignet.
Eine Klowand ist zur menschlichen Fortpflanzung geeignet warum sollte sie nicht auch dafür zu gebrauchen sein… Form follows funktion in der Architektur aber nicht in der Sprache.
Hatte sich Tina nicht schon verabschiedet?
Sie soll aufhören, meine Wände zu bekritzeln.
P.P.S.
Natürlich interessiert mich auch die Meinung anderer (z.B. froZ, Zecke et al.) zum Interview mit Bourdieu.
Bourdeieu ist auch so ein Spinner wie Cohn-Bandit oder der
Joseph Fischer.
Verlogen, verkokst und pseudointellektuell.
@Klowand
Nur Geduld. Lass die Erwachsenen ihr Gespräch in Ruhe zu Ende bringen.
Bist du auch so eine grüne Lesbe wie die Claudia Roth?
@ Tina
Na, wenn Du mir schon eine Meinungsäußerung zum Bourdieu-Interview entlocken willst, dann will ich dem auch nachkommen, aber wohl erst morgen.
Zur Funktionsweise des Wissenschaftsbetriebes kann sicher @Morph eine bessere Einschätzung abgeben, aber ich will gern ein paar Gedanken zum “Sozialkapital”-Begriff und zum schwierigen Verhältnis von Normativem und Deskriptivem anfügen, was in dem Interview ja auch eine Rolle spielt. – “1968″ kann ich nicht gut beurteilen, da dies für jemand jenseits des Eisernen Vorhanges in der Familiengeschichte keine rechte Rolle spielte, mir also die Beobachtungen fehlen – und die Emotionsgeladenheit, mit der das unter Wessis gelegentlich debattiert wird, mir deshalb auch ziemlich fremd ist. Andererseits ist es auch noch nicht lange genug her, daß man es einfach als historisches Ereignis bilanzieren könnte. In 20 Jahren wird es gewiß “Oral History”-Projekte zu 1968 geben, wo die dann 80-jährigen Zeitzeugen den Doktoranden ihre Erinnerungen aufs Band diktieren…
Aber weiteres wie gesagt später.
@Tina #315
Ich konnte das Interview bisher nur teilweise lesen. Sehr interessant fand ich die Frage hinsichtlich Bildung.
Frage: Eines Ihrer Hauptforschungsgebiete war und ist der Bereich Schule und Bildung und deren zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der sozialen Klassen. Auch hier fragt man sich aber, inwieweit Ihre Untersuchungen nicht eine typisch französische Situation beschreiben, während diese enorme Wichtigkeit der Schulen, der formalen Bildung anderswo einfach weniger gegeben ist, beispielsweise in den Vereinigten Staaten?
Antwort ,,Weltweit gilt, daß das kulturelle Kapital in bezug auf die soziale Reproduktion, den Machterhalt, die Privilegien etc. den Platz des ökonomischen einnimmt. Immer mehr ist es dasjenige Kapital, das man braucht, um in der Gesellschaft zu reüssieren. Es ist der neue Reichtum. Das bedeutet nicht, daß das ökonomische Kapital keine Rolle mehr spielt, aber es ist in seiner Bedeutung relativiert. Selbst der Besitzer eines großen ökonomischen Kapitals kann sich nicht mehr vollständig reproduzieren, also seine Stellung weitergeben, ohne die Sanktion des Schulsystems. Doch dafür gibt es Mittel und Wege. In vielen Gesellschaften gibt es immer mehr Schulen für das Großbürgertum – die übrigens ja immer gegeben hat – wo man Sport macht, reitet, und ökonomische Kapital in schulisches umwandelt. Diese Schulen vervielfältigen sich in allen Ländern. Die internationalen Schulen zum Beispiel, wo man lebende Sprachen lernt, Savoir vivre etc., die einer internationalen, polyglotten Elite als Basis dienen. Die königlichen Familien waren das ja immer, polyglott. Heute gibt es eine internationale Elite mit internationalen Gymnasien.”
Für mich ist das Interview hinsichtlich meiner Chinaerfahrung sehr interessant. China ähnelt in einigen Aspekten sehr Amerika oder auch Frankreich. Obige Passage beispielsweise spiegelt die Situation in China seit Einführung der Markreformen 1978 sehr gut wieder. Mein Eindruck ist auch, dass die Klassen m.E. mittlerweile über die Landesgrenzen hinweg laufen. Im Gegensatz zu uns, nimmt in der chinesischen Gesellschaft die Ausbildung einen sehr hohen Stellenwert ein. Es gehört für die Neureichen in Peking zum guten Ton ihre Kinder auf internationale und englischsprachige Schulen zu schicken. Anschliessend schliesst sich idR ein Studium auf einer Universität in den U.S.A. an. Die sehr fleissigen aber weniger wohlhabenden Schüler schaffen den Sprung auf eine Universität in Peking oder Shanghai. Die weniger begabten oder nicht wohlhabenden gehen auf eine Universität in den Provinzen oder werden von ihren Eltern nach Europa geschickt. Trotzdem gelingt nur wenigen Menschen der Sprung aus ihrer Kultur. Die meisten kehren früher oder später in ihren Kulturkreis zurück und nehmen leider nur wenig von der anderen Kultur heim. Zumindest aber können sie hinterher sehr gut englisch sprechen und kennen sich im Umgang mit den Ausländern im eigenen Land sehr gut aus.
Eine Ausnahme hiervon bilden die Geisteswisschaftler sowie Künstler und insbesondere verschrobene Menschen. Aufgrund der in ihrer Jugend im eigenen Kulturkreis teilweisen erlebten Abneigungen der Anderen gegenüber ihrem Anderssein, fällt es diesen Menschen leichter sich in eine andere Kultur hineinzufühlen.
Tina, ich werde demnächst eine zeitlang auch weniger bloggen. Mein Schwerpunkt ist China. Ich hatte hier vor einer Weile aus Neugierde angefangen Kommentare zu schreiben, weil ich etwas über meine eigene Kultur erfahren wollte. Inzwischen bin ich mir aber der Beschränkungen dieses Mediums bewusst geworden.
@tina #315
Aus meiner Sicht geht es noch einen Schritt weiter. Klassen wollen über das eigene Bildungsmonopol Einfluss auf die staatliche Herrschaft nehmen. Zum einen rekrutieren sich sich politische Eliten über die Selektion der Universitäten. Zum anderen versucht der Geldadel diesen Mechanismus mittels monetärer Mittel zumindest teilweise ausser Kraft zu setzen, daher gibt es Bestrebungen private Universitäten bei gleichzeitiger Vernachlässigung des öffentlichen Bildungssektors zu fördern.
Dazu eine wahre Volksgeschichte aus China, die sich vor ca. 2300 Jahren ergeben hat, und welche in China in vielen Geschichtsbüchern immer wieder disktutiert wird.
There is a folktale about why Lu Buwei wanted to meddle in the affairs of the royal family. One day, he asked his father,”How much profit can I gain when I farm and the harvest is good?”
His father said, “Ten times the farm’s worth.”
Buwei then asked, “What about if I sell goods as a merchant?” The father answered “A hundred.”
“What about helping a king ascend to the throne, and taking control of a country’s affairs?”
His father smiled. “A thousand, even ten thousand. It can’t be calculated.”
Lübowei hat es im Anschluss dieses Gesprächs mit seinem Vater tatsächlich geschafft durch Bestechung und Schwindel einen kleinen bedeutungslosen Prinzen zum König zu machen. Seitdem (wenn nicht bereits schon früher) sind in China Kaufleute bei den Intellektuellen verhasst.
@tina @froZ und allen anderen
Hier noch eine Quellenangabe zu der Geschichte oben in #324:
http://www.associatedcontent.com/article/2020538/chinese_history_the_story_of_l_buwei.html
@froZ #322
„1968″ kann ich nicht gut beurteilen, da dies für jemand jenseits des Eisernen Vorhanges in der Familiengeschichte keine rechte Rolle spielte, mir also die Beobachtungen fehlen – und die Emotionsgeladenheit, mit der das unter Wessis gelegentlich debattiert wird, mir deshalb auch ziemlich fremd ist.
Wenn Bourdieu schreibt, dass die 68-er Bewegung „eine universelle Revolution von Berkeley bis Moskau“ war, so ist das einerseits zutreffend, andererseits missverständlich. Denn gerade hinter dem Eisernen Vorhang waren viele Staaten davon unberührt, so auch die DDR.
Oder kannte jemand in der DDR Radovan Richta?
“Radovan Richta (June 6, 1924 – July 21, 1983) was a Czech philosopher who coined the term technological evolution; a theory about society’s replacement of physical labour with mental labour.
Richta’s first work was Člověk a technika v revoluci našich dnů (“Man and Technology in the Revolution of Our Day”), published in 1963. This work did much to bring the concept of technology into the forefront of philosophical thought during the 1960s. Richta then went on to publish Civilizace na rozcestí (“Civilization at the Crossroads”) in 1966. “Crossroads” was a compilation work published by 60 authors (including and led by Richta) that “attempt[ed] to analyze the social and human implications of the scientific and technological revolution” (Crossroads, Third expanded edition. Trans. Marian Slingova, 13). The concepts touched on in “Crossroads” are considered by some philosophical historians to be very ground-breaking for their time.
Richta became the director of the Philosophical Institute of the Czechoslovak Academy of Sciences (ČAV – Československá akademie věd) in 1968. As such he developed the famous term of “Socialism with a human face” serving as a motto of the Prague Spring period.”
http://en.wikipedia.org/wiki/Radovan_Richta
Wer kann heute in der BRD mit dem Namen Radovan Richta etwas anfangen?
Bei den 68-ern war Richta so bekannt wie heute Bourdieu oder Sennett. Was Gorz schreibt, ist bereits bei Richta formuliert.
Wer kennt heute noch die Praxis-Gruppe aus Jugoslawien?
http://de.wikipedia.org/wiki/Praxis-Gruppe
Die DDR war eine kulturelle Insel. Da gab es nur SED-Indoktrination und West-Fernsehen.
Als die Grenzen der DDR 1989 geöffnet wurden, da war der Geist von „68“ schon längst untergegangen. In der BRD gab es keine einzige Person des öffentlichen Lebens, welche den Geist von „68“ noch repräsentierte.
Schröder und Cohn-Bendit waren schon längst zu reaktionären Konvertiten geworden, Fischer war nie ein 68-er gewesen, sondern allerhöchstens ein lumpenproletarisches Element in der Peripherie der 68-er Bewegung. Damals ein Kleinkrimineller, der dann in der post-68-er, pseudo-linken Gewaltszene sich einen Namen machte.
DDR eine Kulturinsel? Deutschland ist es noch immer. Von der DDR sind wir politisch nicht weit entfernt. Regiert wird dieses Land damals wie heute von einer Gruppe unsensibler und nach Macht strebenden Pragmaten. Die intelligenten und nachdenklichen werden geszielt ausgefilter.
Brenders:
,,Er hat lange geschwiegen, er war lange loyal. Doch jetzt ist es aus dem von der Politik lange gepiesackten ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender herausgebrochen, und er hat öffentlich gesagt, wie er manche Journalisten in seinem Sender und vor allem die strippenziehende Parteipolitiker im Hintergrund wirklich sieht: Als Spione und Einflüsterer die einen, als machtversessene Anstaltsherrscher die anderen.
Und er erntet Empörung. Von seinem Intendanten, von manchem Kommentator und – natürlich – von der CDU. Dabei geht es gar nicht um den Inhalt der Vorwürfe, sondern deren Form. Ein Mitglied des ZDF-Fernsehrats findet Brenders Vergleich mit Stasi-Spitzeln untragbar. Die Kritik sei maßlos, erregt sich Intendant Markus Schächter, von dem man in früheren medienpolitischen Auseinandersetzungen selten derartige Leidenschaft erlebt hat. Und ein Unionsmann droht gleich unverhohlen, die Pensionszahlungen Brenders zu kürzen. Das alles zeigt am Ende nur, wie sehr Politiker die öffentlich-rechtlichen Sender als ihre Beute betrachten, über die sie frei verfügen können.
Brender hat ausdrücklich die große Mehrheit der Journalisten beim Sender von seiner bitteren Kritik ausgenommen. Aber statt sich mit den Vorwürfen in der Sache auseinanderzusetzen, wird am Stil herumgemäkelt. Geradezu höhnisch kommt nun der Intendant selbst um die Ecke: Brender habe ja selbst zehn Jahre Zeit gehabt, die von ihm beklagten Missstände abzustellen, sagt er. Ausgerechnet der Ober-Diplomat auf dem Mainzer Lerchenberg fordert mehr Mut. Schächter hat erst jüngst dafür gesorgt, dass das ZDF-Landesstudio in Düsseldorf mit einer Leiterin besetzt wurde, die als Merkel-Porträtistin und für ihre guten Drähte ins Kanzleramt bekannt ist. Und er hat schon vor der entscheidenden Sitzung seines unionsdominierten Verwaltungsrats zur Brender-Abwahl öffentlich gesagt, dass er gegen den Übergriff der Politik nicht klagen werde.
Der Skandal ist nicht Brenders Ausbruch, sondern was die Attackierten nun daraus machen. Der Skandal sind die Zustände beim ZDF. Das Proporzdenken, das Freund-Feind-Schema, die offenbar von manchen immer noch als karriereförderlich angesehene Nähe zur Politik. Und die Reflexe, mit denen versucht wird, eine nun wieder aufflammende Debatte im Keim zu ersticken, weil da ein von der Politik an den Rand der Demütigung gedrängter Chefredakteur in der Wortwahl bis ans Äußerste ging.
“
Hervorhebungen im Text von mir.
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,679575,00.html
@guang
Über Bourdieus Aussagen zur Bildung ließe es sich lange diskutieren.
So über den Satz:
Weltweit gilt, daß das kulturelle Kapital in bezug auf die soziale Reproduktion, den Machterhalt, die Privilegien etc. den Platz des ökonomischen einnimmt.
Niedrige Bildung ist sicherlich hoch korreliert mit niedrigem Einkommen und niedrigem Sozialstatus.
Aber stimmt diese Aussage umgekehrt?
Ist höchste Bildung hoch korreliert mit höchstem Einkommen und höchsten Sozialstatus?
In Deutschland ist das Gymnasium vielerorts schon zur Hauptschule geworden. Es gibt Städte, wo die Abiturientenquote über 50% eines Altersjahrganges beträgt. Wie hoch war da die Aufnahmequote? 60, 70 oder 80%?
Die Bildungsrendite von Habilitierten hat sich – statistisch gesehen – ständig verschlechtert. Nur ein geringer Teil schafft es auf eine Universitätsprofessur. Die meisten müssen schon froh sein, wenn sie überhaupt eine Fachhochschulprofessur bekommen oder auf einer Mittelbaustelle an der Universität bleiben können bzw. sich von Projekt zu Projekt durchhangeln können.
Übrigens – nach der Professorenbesoldungsreform verdienen FH-Professoren im Durchschnitt weniger als ein Gewerbelehrer.
In wenigen Jahren wird der Bachelor-Abschluss der Normalabschluss sein, in einigen Ländern ist dies bereits der Fall.
Auch ein Master-Abschluss ist heutzutage keineswegs eine Garantie für eine gutbezahlte Stelle, geschweige denn eine Führungsposition. Zudem wird der Anteil von akademisch Qualifizierten, die im Prekariat landen, immer größer.
Die Massenuniversität hat ein interessantes Phänomen hervorgebracht: Die Abschlussnoten werden immer besser, die durchschnittliche Qualifikation wird – im Vergleich zu früher – immer schlechter. Die Noten sagen deshalb immer weniger über die tatsächliche Qualifikation aus. Unternehmen lassen daher vor der Einstellung von Akademikern die in Frage kommenden Bewerber erst durch Assessment-Center überprüfen.
Dies nur als Anmerkung. In Deutschland wird immer so getan, als laufe DER entscheidende Selektionsprozess beim Übergang von der Grundschule zur höheren Schule ab.
Natürlich ist das in China – noch – anders. Dort wird es noch einige Jahrzehnte dauern, bis eine Überproduktion von akademisch Qualifizierten erreicht wird.
@327
„DDR eine Kulturinsel? Deutschland ist es noch immer. Von der DDR sind wir politisch nicht weit entfernt. Regiert wird dieses Land damals wie heute von einer Gruppe unsensibler und nach Macht strebenden Pragmaten. Die intelligenten und nachdenklichen werden geszielt ausgefilter.“
„Noch immer“ ist m. E. falsch. Das galt nicht für beiden Jahrzehnte nach dem WK II.
Deutschland ist WIEDER dazu geworden.
@Tina
,,„Noch immer“ ist m. E. falsch. Das galt nicht für beiden Jahrzehnte nach dem WK II.”
Begann nicht bereits mit Machtübernahme der Nazis eine Abwanderung der Interlektuellen nach Amerika und Russland? Auch nach WKII sind glaube ich viele Wissenschaftler aus D. weggezogen.
zu #328
Deutschland ist ein von Pragmatikern getriebenes Land. In den Unternehmen haben viele Manager überhaupt keinen Studienabschluss. In den Wartehallen der Flughäfen lesen viele Geschäftsleute die Bild. Das sagt eigentlich schon alles.
Neue Produkte oder Geschäftsprozesse werden in deutschen von Unternehmensberatungen einfgeführt. Die Menschen in den Unternehmen müssen diese ,,Geschäftsprozesse” nur bedienen. Ein höherer Bildungsabschluss ist hierfür nicht notwendig. Eine Ausnahme sind die Firmenbereiche mit Kundenkontakt. Hier wünscht man sich aus Imagegründen gerne promovierte Mitarbeiter.
Nach meiner Kenntnis ist Bildungsstand kein Garant für gesellschaftliche Anerkennung. Auch in China sind Intellektuelle in Randgruppen verdrängt. Fast scheint es mir, als würden intelligente Menschen gefürchtet, denn sie neigen zu Unzufriedenheit und sind oft auch Kritiker.
In Frankreich und Amerika ist es üblich, Kinder auf teure Elite-Schulen zu schicken. Ein Job in Führungsposition ist damit fast 100% sicher. In China muss ein Platz in einer Elite-Uni noch mit sehr guten Leistungen erkämpft werden. Doch auch hier zeichnet sich ab, dass diese Plätze auch mit Geld erkauft werden können.
Deutschland hatte den Anspruch Bildung allen Menschen zu eröffnen, unabhängig von deren sozialen Herkunft. Ein Abschluss einer deutschen Uni ist aber kein Garant für Karriere. Auch die Assessment Center würde ich nicht überschätzen. Es gibt Quoten für Kuki (Kundenkinder) und Miki (Mitarbeiterkinder). Hinterher entscheidet oft die Sympathie des direkten Vorgesetzten über den weiteren Aufstieg. Jeder Chef darf dabei ein oder zwei Menschen nach seinem Belieben fördern. Eine Rechenschaft hierüber vom Management oder formale Kriterien, weshalb jemand weiter aufsteigt, gibt es nicht. Es ist Gutdünken des Managements und nicht an Bildung gekoppelt.
@guang #330
„Begann nicht bereits mit Machtübernahme der Nazis eine Abwanderung der Interlektuellen nach Amerika und Russland? Auch nach WKII sind glaube ich viele Wissenschaftler aus D. weggezogen.“
Was kritische Intellektuelle aus dem Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Bereich betraf, so sind doch eine ganze Reihe der Emigranten insbesondere aus den USA zurückgekehrt. In diesen Bereichen gab es in den USA nie eine Wissenschaftskultur wie in Europa. Zudem darf nicht übersehen werden, dass viele insbesondere unter dem McCarthyismus gelitten haben.
In die USA emigrierten nach dem WK II insbesondere Wissenschaftler aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Die Einkommen waren dort wesentlich höher, zum Teil Faktor 10 und mehr.
„Neue Produkte oder Geschäftsprozesse werden in deutschen von Unternehmensberatungen eingeführt. Die Menschen in den Unternehmen müssen diese ,,Geschäftsprozesse” nur bedienen. Ein höherer Bildungsabschluss ist hierfür nicht notwendig.“
Ein wichtiger Hinweis.
Zu unterscheiden sind jene Bereiche in den Unternehmen, die eigentlich gar keine wissenschaftliche Qualifikation benötigen und jene, welche qualifizierte Wissenschaftler insbesondere in F&E-Bereichen erfordern. Der größte Teil des Managements benötigt keine wissenschaftliche Methodik. Dort soll mit einem formalen Uni-Abschluss nur der Schein erzeugt werden, dass sich die Karriere auf Qualifikation und Leistung gründet. Da hat schon vor Jahrzehnten die bildungsökonomische Forschung belegt.
„Es gibt Quoten für Kuki (Kundenkinder) und Miki (Mitarbeiterkinder). Hinterher entscheidet oft die Sympathie des direkten Vorgesetzten über den weiteren Aufstieg.“
Vitamin A und Vitamin B waren sind in diesen Bereichern entscheidend für die Karriere (= Ar***kriechen und Beziehungen). Ähnliches trifft für die Karrieren im öffentlichen Dienst zu, da spielt jedoch das Parteibuch noch eine entscheidende Rolle.
Im Prinzip gilt – insbesondere im Zeitalter der Massenuniversitäten – das Gleiche für Hochschulkarrieren. Wissenschaftliche Exzellenz – insbesondere wenn sie mit kritischer Subversivität (s. Bourdieu) einhergeht – ist ein Ausschlusskriterium. Daher auch das Sammelsurium der „Taschenträger“ auf den Mittelbaustellen und „Papageien“ auf den Lehrstühlen. Gesellschaftlich gesehen, findet – anders als behauptet – keine “Bestenauslese” statt, sondern eine Negativauswahl.
@Tina
Ich hatte Bourdieu in der Weise verstanden, dass es in einigen Länder erforderlich ist, einen bestimmten Abschluss einer Elite-Universität zu haben, um eine Führungsfunktion erklimmen zu können. Durch den Aufbau eines Bildungssystems zu dessen Eintritt man ein hohes Eintrittsgeldes oder aber überschnittlicher Begabung bedarf, bleiben die Mitglieder der Elite unter sich. Auf Frankreich und viele Staaten in Asien trifft das meine Meinung nach zu. China ist ein Sonderfall, weil sich dort die Klassen erst gerade wieder herausbilden. Aber auch da ist sehr entscheidend, auf welcher Universität man einen Abschluss erworben hat. Einen MBA zu haben reicht nicht aus. Der Name der Universität ist der entscheidende Karrierefaktor. In Deutschland und Österreich gibt es glaube ich solche Elite Universitäten nicht. Die Menschen studieren idR an ihrem Wohnort. Die Bereitschaft für den Studienplatz die Stadt zu wechseln ist gering. Es gibt ein Ranking der Unis, aber die Unterschiede für die anschliessende Job-Suche vielleicht nicht gross genug, um einen Umzug in eine andere Stadt wegen Aufnahme des Studiums zu provozieren. Um einen Aufstieg an einer deutschen Universität oder sonstwie mit dem Staat verbundenen Einrichtung zu machen, spielt das Parteibuch vielleicht noch ein Rolle. Aber eine Klasse, die sich durch den Abschluss eines Studiums an einer bestimmter Gruppe von Universität festmachen liesse, habe ich in Deutschland noch nicht feststellen können. Aus meiner Sicht kann man daher Bourdieu mit seinen Aussagen über die Bildung nicht auf Deutschland anwenden.
@Tina
,,Zu unterscheiden sind jene Bereiche in den Unternehmen, die eigentlich gar keine wissenschaftliche Qualifikation benötigen und jene, welche qualifizierte Wissenschaftler insbesondere in F&E-Bereichen erfordern. Der größte Teil des Managements benötigt keine wissenschaftliche Methodik. Dort soll mit einem formalen Uni-Abschluss nur der Schein erzeugt werden, dass sich die Karriere auf Qualifikation und Leistung gründet. Da hat schon vor Jahrzehnten die bildungsökonomische Forschung belegt.”
Zustimmung.
Bei den sogenannten Top Jobs des Geldadels geht es nicht um einen Posten in der Forschung und Entwicklung oder als Ingenieur in einem mittelständischen Maschinenbauer, sondern angestrebt werden Führungstätigkeiten. Guttenberg geht da mit guten Beispiel voran. Es reicht nicht, nur Geld zu besitzen, man möchte auch eine gesellschaftliche oder unternehmerische Tätigkeit wahrnehmen und dafür bedarf es eines universitären Abschlusses. M.E. besteht daher auch für den Geldadel der Zwang sich zu qualifizieren. Man darf dies aber nicht mit einem Wettbewerb verwechseln. Darum geht es nicht. In Deutschland studiert der Geldadel nach meinem Wissen (ich kann mich täuschen) BWL und Jura. Nach studium Abschluss vermittelt der Vater einen Job in einem befreundeten Unternehmen. In Frankreich, Angel-Sachsen und Asien ist darüberhinaus zudem der Name der Universität Eintrittsvorausetzung.
http://www.4icu.org/top200/
@guang #332
„Aus meiner Sicht kann man daher Bourdieu mit seinen Aussagen über die Bildung nicht auf Deutschland anwenden.
Das frühere System der Elitenbildung in Deutschland vollzog sich über das klassische Gymnasium und die klassische Universität. Ich habe dies selbst noch erlebt.
Nach der Grundschule gab es von Seiten der Lehrer einen Vorschlag fürs Gymnasium. Anschließend gab es eine, sich über mehrere Tage hinwegziehende Aufnahmeprüfung.
Ca. 20% der Schüler eines Geburtsjahrganges wurden danach aufs Gymnasium aufgenommen. Ca. die Hälfte der Schüler schaffte das Abitur, so dass in den 60-er Jahren rund 10% eines Geburtsjahrganges die allgemeine Hochschulreife erreichten. Das war die Zugangsvoraussetzung zu einem Universitätsstudium. Wie viel Prozent davon an der Universität studierten, kann ich nicht sagen, ich schätze 80 – 90%. Die damalige durchschnittliche Studienabbrecherquote an Universitäten ist mir nicht bekannt, aber ich vermute, dass sie 10 – 20% betrug, in einzelnen Studienfächern mehr, in anderen weniger.
Das heutige System ist völlig anders. Wie schon geschrieben, ist das Gymnasium zur Normalschule geworden mit Abiturientenquoten zwischen 30 – 50% eines Geburtsjahrganges. Anschließend erfolgt gemäß der Bologna-Reform ein Bachelor-Studium (es gibt in D noch Ausnahmen, wie Medizinstudium). Grundsätzlich erfordert die Aufnahme eines Studiums kein Abitur mehr, es ist auch ein Zugang mit abgeschlossener Berufslehre möglich. Ist das Bachelor-Studium nach i. d .R. 6 Semestern abgeschlossen, so gibt es die Möglichkeit, anschließend als zweites Studium ein Master-Studium zu absolvieren, wobei i. d. R. ein Studienabschluss des ersten Studiums mit mindestens „gut“ vorausgesetzt wird. Ursprünglich war einmal in der Diskussion, dass nur ca. 20% der Bachelor-Absolventen zum Master-Studium zugelassen werden sollten. Soweit ich gehört habe, ist die Entwicklung jedoch umgekehrt, nämlich dass das Gros der Bachelor-Absolventen an der Universitäten weiterstudiert und nur eine Minderheit nicht.
Bis zum Abschluss des Universitätsstudiums folglich die Ausbildung eher am Ziel ausgerichtet, eine möglichst große Zahl von Uni-Absolventen zu erhalten. Die Bildung wissenschaftlicher Eliten findet eigentlich erst anschließend statt. Da geht vor allem über Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie mit Stipendien geförderte Promotionen in sog. Sonderforschungsbereichen. Die normalen Universitäten besitzen heute kaum noch Forschungsmittel, die fließen in die SFBs. Hauptaufgabe der normalen Uni-Profs ist die Lehre. Völlig anders sieht es in den SFBs aus. Der Zugang zur Wissenschaftselite auf internationalem Niveau erfolgt in D also i. d. R. in den SFBs.
Gegenwärtig wird auch in D versucht, sog. Eliteuniversitäten aufzubauen. Deren – bislang noch nicht erfüllte – Hauptforderung ist, dass sie sich ihre Studenten in einem eigenen Aufnahmeverfahren selbst aussuchen können.
Ziel ist folglich – wie z. B. in den USA – unterschiedliche Qualitätsniveaus hinsichtlich der Hochschulausbildung zu etablieren.
erstklassig – Eliteuniversitäten
zweitklassig – normale Universitäten
drittklassig – Fachhochschulen und Berufsakademien.
Entsprechend ist die Ausstattung mit Lehrpersonal, das Ausmaß des Lehrdeputates, die Studenten-Hochschulehrer-Relation sowie die Ausstattung mit Sach- und Forschungsmitteln.
Im Prinzip wird man in Zukunft eine ähnliche Situation wie früher haben, allerdings nicht mit der Chancengleichheit wie zu meiner Schulzeit.
Nur ein kleiner Prozentsatz eines Geburtsjahrganges wird es auf die Eliteuniversitäten schaffen, wenn diese sich ihre Studierenden werden selbst auswählen können. Nur als kleine Minderheit werden es Absolventen der schulgeldfreien Normalgymnasien sein. Die überwiegende Mehrzahl wird aus PRIVATEN „internationalen Elitegymnasien“ kommen, deren Zahl sich ständig vermehrt. Und dort ist der Schulbesuch nicht billig.
Übrigens ist es nach meiner Kenntnis auch nicht so, dass man sich auf amerikanischen Eliteuniversitäten einen guten Abschluss einfach „erkaufen“ kann. Sondern dort herrscht ein knallhartes Leistungsprinzip. Entscheidend ist, dass man beim Studienabschluss auf die vorderen Plätze der Rankingliste kommt. Wer es dorthin geschafft hat, den erwarten Spitzenjobs mit Spitzeneinkommen.
P.S.
Wenn ich hier von “Elitenbildung” spreche, dann meine ich damit die Funktionseliten.
#334
Das frühere System der Elitenbildung in Deutschland vollzog sich über das klassische Gymnasium und die klassische Universität. Ich habe dies selbst noch erlebt.
Du meinst BRD und schreibst Deutschland.
Deutschland gibt es nicht und gab es nie.. Es gab vor 1945 ein
Deutsches Reich und danach gab es DDR und BRD.
Denk nochmal nach, bevor du rumfaselst.
@tina
George W. Bush, for example:
“Bush besuchte von 1961 bis 1964 die Phillips Academy, die auch sein Vater besuchte. Anschließend studierte er von September 1964 bis Mai 1968 Geschichte an der Yale University, wo er, ebenfalls wie sein Vater, Mitglied der Vereinigung Skull & Bones und des Studentenbundes Delta Kappa Epsilon war. Im Oktober 1965 wurde er dessen Präsident, wie zuvor ebenfalls sein Vater. 1968 schloss er sein Studium an der Yale-Universität als Bachelor in Geschichte ab. Zwischen 1972 und 1975 besuchte George W. Bush die Harvard Business School der Harvard University, wo er den Titel MBA (Master of Business Administration) erwarb.” (wikipedia)
knallhartes Leistungsprinzip?
well…
Weitere Nachhilfe für TINA
Eventuell bist du sogar eine Deutsche.
Woher das kommen könnte, kannst du selbst googeln.
Du wirst erstaunt sein, was du findest.
Es gibt keine deutsche Verfassung, außer die der Weimarer Republik. Es gibt lediglich ein
GG für die BRD.
Geschichte hast du sicherlich abgewählt auf deiner Walldorfschule…
##337
TINA meinte doch nur, daß das Bezahlen eines Studiums die Leistung der Eltern widerspiegelt….
TINA ist nicht nur naiv – sie hat auch niemanden, der es ihr sagt im Freundeskreis.
@Homo#339
schreib erst mal was Diskutierbares, bevor Du versuchst, andere Beiträger zu kritisieren. Mit Dir habe ich nichts zu schaffen.
Wo ist dein Problem?
Hast du irgendetwas gefühlt, was dort nicht stand?
Meinst du, daß ich dich liebe?
LOL!
Dein Zeug ist dem von TINA ähnlich – Gelaber ohne Wissen.
@Morph #337
Es geh