Keynes für Jedermann

by weissgarnix on 29. November 2009

Es ist ja nicht gerade so, dass mir in meiner Bibliothek Bücher von und über John Maynard Keynes fehlen würden. Aber wenn ausgerechnet im Verlag der Frankfurter Allgemeinen ein Buch mit dem Titel “Keynes für Jedermann” erscheint, dann bin ich aufgekratzt-neugierig. Und skeptisch. Auch wenn das Buch aus der Feder von Gerald Braunberger stammt, der normalerweise weiß, worüber er schreibt.

Und so verhält es sich auch mit diesem Buch: Es ist sehr gut. Es ist sogar verdammt gut, weil es einerseits hält, was es im Titel “für jedermann” verspricht, andererseits aber auf rund 250 Seiten deutlich mehr an Tiefe bietet, als man von den üblichen “Quick’n dirty”-Abfassungen dieses Genres gewöhnt ist: Braunberger beleuchtet Leben, Werk, Interpretation und politische Wirkung des Briten, erläutert die wichtigsten Unterschiede zwischen der klassischen Orthodoxie und den Aussagen der “Allgemeinen Theorie”, zeichnet die Entwicklungen des keynesschen Werkes unter Autoren wie Hicks, Hansen, Patinkin und Samuelson (aka “Bastardkeynesianer”) nach und lässt natürlich auch allerlei liberale Kritiker zu Wort kommen. Und nicht nur das, auch bei der Kritik an der Kritik spart er nicht. Sogar sein “Fazit” am Ende des Buches stimmt versöhnlich, Braunberger präsentiert an dieser Stelle einen recht ausgewogenen Mix von “geht” und “geht nicht” und rückt damit einiges von dem gerade, was in Medien und Politik landläufig aus Keynes gemacht wurde. Die Drucklegung des Werkes war wohl im September, also gerade eben erst, was es Braunberger ermöglichte, die grundlegenden Aussagen von Keynes auf die aktuelle Finanzkrise zu beziehen. Begriffe wie “Sparparadoxon” und “Liquiditätsfalle” werden dadurch für den Leser plastisch und anhand der Tagesaktualität nachvollziehbar, was besonders dem im Titel angesprochenen “Jedermann” zugute kommen sollte. In diesem Kontext bringt Braunberger auch einen kurzen aber durchaus zutreffenden Beitrag zu Minsky und illustriert dessen essenzielle Aussagen am Beispiel all der unseligen Bankpraktiken, über die wir seit geraumer Zeit in der Zeitung lesen.

Ein Einführungswerk kann logischerweise nicht alles enthalten, was es zu sagen gäbe, und das ist auch gut so: Was bliebe sonst für bloggende Keynesianer, die zufällig ebenfalls gerade an einem Buch schreiben, noch übrig? Insoferne ist es nicht verwunderlich, dass Braunberger nicht alles unterbringen konnte, was am Leben und Wirken von Keynes wie auch seiner diversen Exegeten interessant gewesen wäre. Der Einfluss von Freud auf Keynes’ Denken bleibt zum Beispiel völlig unterbelichtet; und den Weg der “Allgemeinen Theorie” über den großen Teich nach Harvard zeichnet Braunberger zwar nach, läßt aber dabei außen vor, dass dort ein gewisser Joseph A. Schumpeter regelmäßig tobte, weil seine Studenten völlig unvorbereitet hinsichtlich seiner eigenen Werke in seine Seminare kamen, dafür aber ausgiebig mit ihm über das Werk des Briten diskutieren wollten. Man muß derartige Facetten nicht überstrapazieren, und ich will das auch ausdrücklich nicht als Kritik an Braunbergers Buch verstanden wissen; aber die Rolle Schumpeters (die es aus der Perspektive Keynes’ auch tatsächlich nicht gab), wäre für den Betrachter des großen Ganzen natürlich insoferne interessant gewesen, als keine zwei Ökonomen zu dieser Zeit die Bedeutung von Geld und Kredit im Kapitalismus besser verstanden haben – und daher durchaus Parallelen bestanden. An einigen anderen Stellen wird Braunberger auch durchaus ein wenig unpräzise, zB dort, wo er Abba Lerner zum Staatsschuldenapostel apostrophiert. Das Literaturverzeichnis des Buches weist nach, dass Braunberger das Originalwerk Lerners in seinem Buch nicht verarbeitet hat; hätte er es, würde er wissen, dass Lerners Konzept der “Functional Finance” etwas ganz anderes meinte, als Staatsausgaben auf Pump.

Aber egal: Das sind Details, die man in einem solchen Werk nicht auf die Goldwaage legen muss. Insgesamt halte ich es daher für ein wirklich gut gelungenes Buch, tatsächlich geeignet für “Jedermann” und insbesondere solche Leser, die von Ökonomie so gut wie gar keine Ahnung haben: In die werden sie nämlich von Braunberger en passant auf recht leicht verständliche Weise eingeführt. Ich kann das Werk nur wirklich jedermann empfehlen, er wird nicht enttäuscht sein.

Was mich direkt zu der Anregung an den Autor bringt, er möge sein Werk in Form von Freiexemplaren recht großzügig in der Wirtschaftsredaktion der FAZ verteilen; wenn es dort nämlich mit seiner Person einen so profunden Kenner der keynesschen Ökonomie gibt, ist nicht einzusehen, warum alle anderen Kommentatoren noch immer ihren neoklassisch inspirierten Nonsense verbreiten, der theoretisch ungefähr auf dem Stand von 1920 steckengeblieben ist.

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Ruhrpilot » ruhrbarone
30. November 2009 um 07:40

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1 aifran 29. November 2009 um 16:59

… und der Keynes Erklärer, erklärt uns wie mit Keynes Theorien/Konzepten der “Wachstumszwang” (Geld als Kreditgeldkonzept) aus dem System entfernt, und durch ein “Wachstumszwangfreies Geld/System” ersetzt werden kann? …

oder vielleicht doch nur die Erklärung einer der zahlreichen “Zähmungstheorien” – besser halt!
Kreditgeld ist und bleibt Schuld, folgt den bekannten “Funktionsmechanismen” ! … egal – ob von oben, von unten, von rechts oder links betrachtet …

Ist ja nichts neues, kennen wir doch – diese Zähmung des Unzähmbaren – Der Mythos des Sisyphos. Oh Gott wie schwer der Stein, wie hoch der Berg …. mir wird schon ganz heiß von dieser Plackerei – zum Thermonauten könnte man werden dabei ……

2 mylli 29. November 2009 um 18:49

Naja, wenn nicht mal der Herr Strobl Freiexemplare zu verteilen gedenkt, dann wird es der Herr Braunberger wohl auch nicht machen.

Die Hoffnung starb zuletzt.

3 ergo sum 29. November 2009 um 18:54

Dieser erste Ansatz sollte zu einer Bücherreihe anspornen, in der auch Ökonomen wie Schumpeter oder Milton Friedman “für Jedermann” Berücksichtigung finden könnten.

4 weissgarnix 29. November 2009 um 19:16

@ergo sum

Gute Idee. Ich finde, man sollte mit “weissgarnix für Jedermann” weitermachen … :-)

5 weissgarnix 29. November 2009 um 19:18

@mylli

Falls es die FAZ-Schreiber zu etwas niveauvolleren Texten inspiriert, würde ich jedem einzelnen von ihnen sein Freiexemplar persönlich vorbeibringen, mit Widmung versehen, und auch noch eine Kurzfassung von Minsky obendrauf legen.

6 Morph 29. November 2009 um 19:19

@wgn

wenn schon, denn schon à la Nietzsche “für alle und keinen” ;-)

7 Michael 29. November 2009 um 20:12

Allen Theorien zum Trotz scheinen die Sixpacks den Unterschied zwischen Geld und Schulden endlich begriffen zu haben. Und damit kann seine Lordschaft einpacken. Konsoliedierung ist angesagt. Da kann der Staat machen, was er will. Das heutige globale System ist gescheitert. Das ist auch die einzige Hoffnung für alle Nicht-Reichen.

8 holger 29. November 2009 um 21:00

@ Michael

–>Das heutige globale System ist gescheitert. Das ist auch die einzige Hoffnung für alle Nicht-Reichen.”

für über 90% bis zu 99,9% der Menschen gibt es Hoffnung? Nicht in der Urschuld das Leben fristen zu müssen? Was sagt Radio Vatikan dazu? Dann bricht ja für PCM die Welt zusammen :D

Ich glaube an vieles, aber das, dass wär ein Dingen.

9 holger 29. November 2009 um 21:03

Menno

so natürlich: Ich glaube an das Viele aber das, das wär ein Dingen.

Richtig so?

10 aifran 29. November 2009 um 22:10

… ein klein wenig Entspannung sollte doch möglich sein. (sogar dabei den Blick von den Realitäten der Welt zu wenden :-)
Chihiros Reise ins Zauberland (der Realität)
Yu-Baabas Badehaus – einzig und allein für die Entspannung der „Götter“ gedacht und bestimmt. Lebensaufgabe jener 99.9% die keine Götter“ sind, ist es dieses Badehaus zu betreiben, dort die „Götter“ zu Betreuen/Bedienen.
Ein Wunderbarer „Märchenfilm“ der aber bei genaueren Rezeption/Interpretation alles andere als Märchen erzählt. Unter diesem Aspekt ist auch sein Titel grundfalsch – Chihiros Reise in die Realität … scheint mir passender. (aber nur als „Märchenfilm“ konnte er sich Weltweit die zahlreichen Preise erobern.)
Als kleiner Film Tipp für all jene die wieder mal mit den „Sprösslingen“ einen gemeinsamen Nachmittag/Abend, eine gemeinsame Reise ins Zauberland (der Realität) ins Auge gefasst haben.
http://www.youtube.com/watch?v=D9y1i1GeWjU&feature=player_embedded

… schöne Tage :-)

11 aifran 29. November 2009 um 22:13

… wohin ist mir schon wieder dieses Wort entwischt …
hier ist es (sogar OHNE dabei den Blick von den Realitäten der Welt zu wenden)
schöne Tage

12 guggel 30. November 2009 um 10:16

@holger

“…für über 90% bis zu 99,9% der Menschen gibt es Hoffnung? Nicht in der Urschuld das Leben fristen zu müssen? Was sagt Radio Vatikan dazu? …”

Der Vatikan, und damit die katholische Kirche, ist den Wirtschaftstheoretikern da schon immer eine Nasenspitze voraus, denn beim Vatikan nennt sich das schon immer

“Erbsünde”

;)

13 Nanuk 30. November 2009 um 10:21

Ich bin ja nachtragend
Darum jetzt ein Nachtrag zur gestrigen bei Schlotters unterm Sofa sendung…

Hier ein paar Reaktionäre und Antimoderne Katholiken bei ihrem Kreuzug…
http://www.youtube.com/watch?v=Y7XrP9AhTZk
gegen die sind die Piusbrüder Weisenknaben mit ihren Lateinfetisch.
und hier die aufgeklärten Protestanten
http://www.youtube.com/watch?v=XVwI2TOzT_s

Noch fragen?

14 Nanuk 30. November 2009 um 10:29

und da ich ein Fiesling bin will ich noch mal daran erinnern das es aufgeklärte Protestanten waren die 1933 Hackenkreuze in ihren Kirchen aufgehangen haben…

15 JamesHeiler 30. November 2009 um 10:49
16 Nanuk 30. November 2009 um 11:13

Hier nochmal ein reaktionärer Katholischer Feiertag…
http://www.youtube.com/watch?v=K3mYDwRTALo
Ja ja so sind sie die Schlotters

17 holger 30. November 2009 um 12:10

@ Nanuk 14

wo du Recht hast, vollkommen richtig. Nur gibts da noch so einen Vertrag, der noch heute gültet.

http://de.wikipedia.org/wiki/Reichskonkordat

18 froZ 30. November 2009 um 12:26

@ Nanuk

“Es eifre jeder seiner unbestochenen, von Vorurteilen freien Liebe nach!” (Lessing, Nathan der Weise)

http://www.youtube.com/watch?v=o1m8-_RGDNM

19 Nanuk 30. November 2009 um 12:27

@holger
Der Papst wolle seine Schäfchen in Sicherheit bringen…
das kann man kritisieren wie die Appeasement-Politik
http://de.wikipedia.org/wiki/Appeasement-Politik
nur hatte der Vatican schon im März 1937 kapiert was für ne Saubande die Nazis sind…
http://de.wikipedia.org/wiki/Mit_brennender_Sorge

und meint hier wirklich jemand der Vatican will

20 Nanuk 30. November 2009 um 12:30

Die Trennung zwischen Kirche und Staat aufheben…

21 holger 30. November 2009 um 12:37

@ nanuk

du weißt doch wie ich zur Reli stehe. Leben und Leben lassen. Nur nicht immer alles unter den Teppich kehren wollen oder zu verniedlichen. Damit meine ich nicht Dich.

Der hier hat genug akribisch aufgearbeitet. http://www.deschner.info/

22 Nanuk 30. November 2009 um 12:41

@holger
und zur ach so Päpstlichen Hexenverfolgung…
http://tinyurl.com/yhhlrub

23 Rüdiger Kalupner 30. November 2009 um 12:47

Keynes’ System steht und fällt mit der Annahme ‘nichtflexible, nichtfallende Bruttoarbeitskosten’. Die stetig steigenden Bruttoarbeitskosten (= wg. Koppelung mit Produktivitätsfortschritt via Flächentariflohnerhöhungen) sind die ursächliche Weichenstellung und der Kern des 2%Wachstumszwang-Mechanismus, der über die stetige Steigerung von Kapitalstock- und Konsum-Nachfrage läuft. Nur so ist Vollbeschäftigung (vorübergehend) zu erreichen. Dieser Zwangsmechanismus muß evolutionsprozess-logisch im Systemcrash enden. Doch die Genialität-im-Evolutionsprozess hat natürlich sachlich wie durchsetzungs-logisch, d.h. machtpolitisch vorgesorgt.

Wer den Produktivitätsfortschritt über ein ZWEIT-Einkommen verteilt, das energie- und sachkapitalsteuerfinanziert ist (= EPIKUR-Lohn), der hebt den 2%Wachstumszwang-Mechanismus auf und stürzt den herrschenden Absolutisten vom Typ Rumpelstilzchen, der heute machtpolitisch für die steigende Kapitalstock- und Konsumnachfrage sorgt. Aus dieser evolutionsprozess-logischen Sicht steuerte Keynes nur die steuerungssystemische Reparatur-Theorie bei, die den mächtigen Profiteuren, d.h. dem 2%Wachstumszwang-Regime der Kapitalstock- und Konsum-Branchen, in den Macht-Kram passte.

Keynes Einfluß auf die Wirtschaftspolitik wird durch die Einführung des EPIKUR-Lohns beendet werden.

24 Rüdiger Kalupner 30. November 2009 um 12:50

@ holger 29. November 2009 um 21:00 Nr 8

Der Erkenntnisstand zum EPIKUR-Lohn i s t das D i n g e n !!!!

25 holger 30. November 2009 um 12:53

@ Nanuk nur zum guten Schluß
Danach, sollen alle machen was sie wollen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Congregation_for_the_Doctrine_of_the_Faith

and here he is

The New and the onlyone, an Inquisitor, live in Godsown County
From Ratzinger send, to this holy Land.

Da gibts viel zu tun, packen wir es an.

http://en.wikipedia.org/wiki/William_Levada

26 guggel 30. November 2009 um 13:05

@Rüdiger

Ja brauchts denn den “2% Wachstumszwang” und “Vollbeschäftigung” überhaupt? Wäre es da nicht einfacher die Währung in ihrer Kaufkraft so weit aufzuwerten bis jeder von “wenig” Geld “gut” leben kann?

27 Nanuk 30. November 2009 um 13:07

@holger
Na wenn das nicht Reaktionär ist ein ganz schlimmer Inquisitor der Levada… wenn das so weiter geht brennen morgen überall die Scheiterhaufen… :)

28 HAM 30. November 2009 um 13:12

@Nanuk

Was wollen die christlichen Fundamentalisten, wonach sehnen sie sich?

Sie möchten zurück in eine christliche Welt. Wo es einen gütigen und gerechten Gott gibt. Wo die 10 Gebote und das christliche Primat der Nächstenliebe gelten. Wo Gott die Guten belohnt und die Bösen bestraft.

Warum gibt es seit rund 40 Jahren diese Renaissance von religiösen und politischen Sektierern sowie Esoterikern?

Viele werden sich noch an die „Jesus People“ oder die Bhagwan Sekte erinnern.
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Osho_Drive_By.jpg&filetimestamp=20071031220851

Warum schließen sich Stars und Prommis der Scientology Church an?

Oder dem J*dentum, Islam …
„Madonna ist seit einigen Jahren Anhängerin der j*dischen Glaubensrichtung, die sich zu einer Trendreligion unter Prominenten entwickelt hat.“
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,370773,00.html

„Sie war die Popdiva der Teenies, die erste deutsche Moderatorin beim Musiksender MTV. Sie sagte auf Englisch Videos an, interviewte die Stones und Lenny Kravitz – heute in Paris, morgen in Berlin und übermorgen in New York.

Bis zum Jahr 1995: Backer konvertierte zum Islam und stieg bei MTV aus. Heute betet sie fünf Mal am Tag, fastet im Ramadan.
http://www.welt.de/fernsehen/article3852434/Wie-MTV-Diva-Kristiane-Backer-nach-Mekka-kam.html

In gesellschaftlichen Krisen entwickeln die Menschen Erlösungs- und Errettungsphantasien.

Sie haben den Gauben und die Hoffnung auf eine menschliche Vernunft verloren und glauben jetzt an „über-menschliche“ Ordnungen und Kräfte.

Die einen glauben an Götter, andere an Astrologie oder sonstige geheime Mächte oder Energien. Dritte glauben an den Markt oder den ewigen Flow des Kapitalismus.
Die Rechten glauben an das Volk, dass es sich irgendwann erhebt und eine völkische Revolution macht, die Marxisten glauben daran, dass irgendwann die Arbeiterklasse zum revolutionären Subjekt wird und die Menschheit von Herrschaft und Ausbeutung befreit.

Die westliche Welt ist zum Irrenhaus geworden – wir sind umzingelt von Irren.

29 Nanuk 30. November 2009 um 13:23

@HAM
Da kann ich ja froh sein das das Recht auf Leben das höchste für nen Katholik ist wenn unsere Schlotters schon wieder anfangen von Unproduktiven zu faseln…

30 Nanuk 30. November 2009 um 13:27

und da wir gerade eine Diskusion zu den Babyklappen haben ratet doch mal wer für Babyklappen ist und das Recht auf Leben höher bewertet als seine Eltern zu kennen…

Hey ich bin zwar im Müll gelandet aber ich weiss wer meine Eltern sind.Wer sind die Irren und wer die mit Gesundem Menschenverstand.

31 topi 30. November 2009 um 13:28

Da kann ich ja froh sein das das Recht auf Leben das höchste für nen Katholik ist wenn unsere Schlotters schon wieder anfangen von Unproduktiven zu faseln…</

leben schon.

frag mal bei Friedrich Thießen und Christian Fischeri, die sich nicht zu blöde waren, die 132-Euro-sind-genug! Propaganda anzuführen.

32 HAM 30. November 2009 um 13:30

@Nanuk
„Da kann ich ja froh sein das das Recht auf Leben das höchste für nen Katholik ist …“

Allerdings nicht das irdische, sondern das ewige Leben.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bartholom%C3%A4usnacht

33 froZ 30. November 2009 um 13:43

@ HAM

Es braucht keine gesellschaftlichen Krisen, um das Bedürfnis nach einer Erlösungsphantasie zu entwickeln.

Die Zahlen mögen variieren, aber, sagen wir mal, in 40 Jahren werden wir alle tot sein. In spätestens 80 Jahren werden alle tot sein, die wir heute kennen, und in etwas über einem Jahrhundert wird kein Grab von irgendjemand mehr existieren, den wir jemals gekannt haben werden. Ohne daß wir uns erzählen, nach Gottes Bild geschaffen zu sein, ist unsere Aussicht nur ein möglicherweise schwerer Tod nach einem unbedeutenden Leben. Oder, wie Luigi DeMarchi meinte, wir sind unglückselige Versuchsaffen in einem unbegreiflichen kosmischen Laboratorium. -Da hilft auch keine menschliche Vernunft, und schon gar keine bürgerlichen Tugenden.

http://www.youtube.com/watch?v=ZVCGf0CnYzw&feature=fvw

Aber was anderes, das hier wird Dir gefallen:

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0923/horizonte/0003/index.html

34 Nanuk 30. November 2009 um 13:44

@topi
Ich glaube nicht das die beiden die richtigen Ansprechpartner in Sozialfragen sind…
Da würde ich eher mal hier nachfragen.
http://tinyurl.com/ybgu8ce
und dann schau dir mal an was die Diakonie ihre Protestantische Schwester macht… dann weiste was hier los ist…

35 Rüdiger Kalupner 30. November 2009 um 13:48

@ guggel # 26 30. November 2009 um 13:05
Das alles organisierende Evolutionsziel lautet: wegemaximale Steigerung der Wechselwirkung. Alle bestehenden Subsysteme sind wegen ihrer höheren WW-Beiträge hier – früher wegen ihrer Ressourcen-/Energie-Ausbeutungs-/Nutzungs-/Umsetzungsansätze, heute sind die kreativitäts-gestützten Akteure und deren Angebote. Auf diesem letzteren Weg kommen wir über steuer-simulierte Knappheit von Energie- und Sachkapital weiter. Die alles organisierende Evolutionsgenialität/-Logik ist eine Maximalistin – in jeder Beziehung. Wer subjektiv-maximalistisch vorgeht, d.h. ihrer Logik folgt, die Maximalstrategie folgt und die Maximaloptionnen in seiner Mitwelt sucht, erkennt und zu realisieren versucht, dem kommen ‘die Götter’ zu hilfe. Der EPIKUR-Lohn ist hinsichtlich aller Erkenntnis-, Sach- und Machtbeziehungen in dieser Wirtschafts- und Kulturkrise die wirkungsmaximale Innovation. Und von mir wiederholt getestet !

36 topi 30. November 2009 um 14:02

@ froZ

“Die Zahlen mögen variieren, aber, sagen wir mal, in 40 Jahren werden wir alle tot sein. In spätestens 80 Jahren werden alle tot sein, die wir heute kennen, und in etwas über einem Jahrhundert wird kein Grab von irgendjemand mehr existieren, den wir jemals gekannt haben werden. ”

Was ist denn das für ein greiser BLOG?
Oder von wann sind deine Lebenserwartungsdaten?

;–)

37 Nanuk 30. November 2009 um 14:16

@topi
Das noch am Rande weil ich heute schlechte laune habe…

http://www.kirchensumpf.to/2009/05/22/billiglohn-nach-kirchentarif/

Wenn das die Aufgeklärte Moderne ist dann bin gerne ein reaktionärer Sack… und ein geldwaschender Vatican ist mir lieber als eine Hungerlohn zahlende Synode… da bin ich zu sehr Kapitalistenschwein alter reaktionärer Prägung…

38 froZ 30. November 2009 um 14:26
39 topi 30. November 2009 um 14:34

@ froz

Lautsprecher geht nicht, Kopfhörer weg. :roll:

Aber “Die Young”;
glücklicherweise hat mich die Ökonomie damals nicht völlig ereilt, heute sehe ich viele Alternativen. :-)

40 aifran 30. November 2009 um 15:14

…. die Kirchen und Gott, der Modrige Geruch der ” Stadthalter Gottes” den Hütern der Macht jeder Schattierung (egal ob Irdisch, Himmlisch – Damisch) Damisch = Wiener Dialekt Verrückt, Närrisch

http://www.youtube.com/watch?v=aab16E7aBHA&feature=player_embedded

41 klaus 30. November 2009 um 15:15

Wem hilft dieses Buch?
Niemanden, der Antworten sucht.

Befasse Dich lieber mit der Rolle der FED – die hat das ganze Chaos organisiert. Damit 100 Superreiche noch mehr Geld verdienen.

Das alle anderen Staaten da mitmachen, ist wohl ein Ergebnis des
2.Weltkrieges..

42 klaus 30. November 2009 um 15:21

Als Ergänzung noch folgendes:
Es gibt keine wirtschaftliche Erklärung für diese “Krise”.
Es gibt nur eine machtpolitische.

“Es ist doch verrückt, dass die „Deckung“ dieser Weltleitwährung Werte sind, die den USA bzw. der FED nicht gehören: z. B. das Erdöl. So lange die OPEC das Öl weiterhin in US-Dollar abrechnet, stellt es eine Art Deckung für den US-Dollar dar. Saddam Hussein hatte es gewagt das irakische Öl 1990 in „ECU“ – virtueller Euro-Vorläufer – abzurechnen und wir alle kennen das Resultat. Der geplante atomare Angriff auf den Iran hat auch diesen Grund* – nicht nur der unterstellte Bau von Atomwaffen, die Israel seit Jahrzehnten mit Hilfe des Westens schon lange besitzt! So wird also eine neue Weltwirtschaftsordnung mittels einer schweren, d. h. kriegerischen Geburt kommen und viele Opfer fordern. Viele Regierungen werde sich auf diese Art „entschulden“ und ich komme mir immer so vor, als wäre ich auf dem falschen Planeten gelandet. Über eine Milliarde Menschen hungern und mit einem Bruchteil dessen, was man/frau an finanziellen Mitteln für die „Finanzkrise“ mobilisiert hat, hätte das ganze weltweite Hungerproblem gelöst werden können.”
Zitat von
http://aipotustar.blog.de/2009/11/17/beitragsuebernahme-illusion-regiert-welt-7400413/

43 klaus 30. November 2009 um 15:34

http://www.rohstoff-welt.de/news/artikel.php?sid=15824

Wie lange schauen die Ami’s noch zu, daß da jemand Öl für Euros verkauft?

Der Iran-Krieg mit deutscher “Verteidigungsarmee” steht bevor.

44 keiner 30. November 2009 um 15:47

Klausi, bist du das Alter Ego zu dieser 13? Sind Monologe am Ende von Posts jetzt die große Mode? Fragen über Fragen…

45 niemand 30. November 2009 um 15:51

niemand weiss genaues nicht, keiner sowieso..

46 HAM 30. November 2009 um 15:55

@froZ #33
Es braucht keine gesellschaftlichen Krisen, um das Bedürfnis nach einer Erlösungsphantasie zu entwickeln.

Der Mensch als Individuum ist konfrontiert mit seinem individuellen Lebensprozess, mit Entwicklungsaufgaben, -chancen und –zwängen, mit Altern und Abbau, mit Krankheit und dem unvermeidlichen Tod. Alle Versuche des Kampfes, Altern und Abbau zu verzögern, Krankheiten zu vermeiden und/oder zu heilen, enden schlussendlich mit dem individuellen Tod. Die normale Lebensspanne eines Menschen unter günstigen Bedingungen ist ca. 90 +/- 10 Jahre. Das ist ein biologisches Gesetz.

Zugleich ist jeder Mensch Teil eines kollektiven Lebensprozesses, nämlich Teil von Menschheit und Natur. Als Teil von Menschheit war menschliches Leben quasi unsterblich, solange bis durch die Entwicklung moderner Massenvernichtungswaffen (ABC-Waffen) die Menschheit erstmalig in der Menschheitsgeschichte mit der Möglichkeit eines kollektiven Unterganges konfrontiert wurde.

Vor dem 20. Jahrhundert war individuelles Leben immer zugleich transgenerational ausgerichtet. Die Menschen lebten im Bewusstsein, dass sie in ihren Nachfahren weiterlebten.

Wenn im Mittelalter ein Dom gebaut wurde, dann war es normal, dass erst die Enkelkinder dessen Fertigstellung erleben würden.

Im Kapitalismus kam es zu jedoch einer extremen Individualisierung, zu jenem Normotypus des egoistischen, vereinzelten Einzelnen mit seiner Angst vor Tode, die kollektiv verdrängt wird. Der kapitalistische Mensch erlebt sich nicht mehr als Teil von Menschheit, sondern als Einzelkämpfer.

Diese extreme Individualisierung macht zugleich das individuelle Leben in gewisser Hinsicht „sinnlos“. Es wird als „Sein zum Tode“ erlebt, wie es der Dekadenz-Philosoph Heidegger es formulierte.

Das dekadente kapitalistische Individuum strebt nach maximalen Konsum, nämlich nach einer möglichst intensiven und extensiven Bedürfnisbefriedigung: Sex and Drugs and Rock´n´ Roll.

Zwischen den Individuen verläuft eine Konkurrenz um den besten Konsum und des besten Souialstatus: das beste Essen, die beste Kleidung, das beste Auto, die schönste Villa, das größte Boot etc.
Und deshalb streben sie primär nach Geld, weil Geld die Voraussetzung für Konsum und damit Sozialstatus ist.

Bei den einen ist es der verchromte Grill, mit dem sie ihren Nachbarn toppen wollen, bei anderen sind es Yachten und Flugzeuge.

Heute hat das Leben für die meisten Menschen keinen anderen Sinn (mehr), als möglichst maximal zu konsumieren.

Wen interessiert heute noch wirklich die Zukunft der Menschheit?

Im Gegenteil, jene Menschen, die sich dafür einsetzen, werden mit Spott und Verachtung bedacht. Wer dazu beitragen will, die Menschheit zu retten, wird als Narr angesehen.

Die Menschen erleben sich heute nicht mehr als „zoon politikon“, als Teil des Gemeinwesens und als Teil von Menschheit.

Folglich haben sie überhaupt nicht mehr das Bedürfnis, ihren Teil zur Entwicklung des Menschheitsprozesses beizutragen. Sie wollen „ihr“ Leben leben, jenes der Menschheit – ihr kollektives Leben – interessiert sie nicht.

Das Leben im Kapitalismus ist so pervers geworden, dass anti-soziale Tätigkeiten hoch bezahlt werden und prosoziale schlecht.

Würden diese Menschen ernsthaft über ihr Leben nachdenken, so müssten sie sich mit dem Irr-Sinn der kapitalistischen Gesellschaften konfrontieren.

Um nicht der Depression oder dem Irre-Werden anheim zu fallen, konstruieren sie sich Glaubensysteme.

Und je irrationaler der Gesellschaftsprozess verläuft, um so irrationaler werden diese Glaubenssysteme. Denn diese Konstrukte sind nichts anderes als eine geistige Fluchten in Erlösungsphantasien, aus der Sicht der Psychoanalyse handelt es sich um kollektive Neurosen.

Das ist der Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Krise und dem kollektiven Entstehen von Esoterik und irrationalem Sektierertum, welcher sich sowohl Auftreten von diversen Formen des Fundamentalismus und(!) Relativismus manifestiert.

47 aifran 30. November 2009 um 15:59

… Schweigen im Walde … im Angsicht der mächtigen Götter und ihrer Dienerschaft

der Teufel ist kein “Dummer”, schon vor langer Zeit hat er “Gott” gefangen,gefesselt und in ein tiefes Verlies geworfen … tritt seitdem selbst als “Gott” auf, beherrscht die Welt …. :-)

… Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; 3 nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.
Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. usw, usw.

nein diesen Apfel ess ich nicht, nein, nein nein …….
hat er gut hingekriegt, der Kidnapper Gottes :-)

48 unwissender 30. November 2009 um 16:03

Jenseits der Religion.

Keynes für jedermann …..

war hier glaub ich die Überschrift?

Auch für VWL- und BWL-Studenten wäre das o. g. Buch Pflichtlektüre – neben Mises, Hayek, Schumpeter, Popper und selbstverständlich unserem weissgarnix ;-) !

Ich hab es befürchtet!

http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/wirtschaftswissenschaften-wissensluecken-bei-vwl-und-bwl-studenten;2491607

49 Nanuk 30. November 2009 um 16:05

@Ham
“Um nicht der Depression oder dem Irre-Werden anheim zu fallen, konstruieren sie sich Glaubensysteme.”

und was bist du depressiv irre oder katholisch?

50 mylli 30. November 2009 um 16:13

@ HAM

Den vielen ausgestorbenen Völkern in der Geschichte war wohl ziemlich wurst, dass die Menschheit überlebt.

Außerdem, in einem Universum, wo der zu Verfügung stehende Sternbrennstoff endlich ist, wird es einmal den letzten Menschen gegeben haben.

Was soll der denken?

51 HAM 30. November 2009 um 16:14

@Nanuk

Weder – noch.

52 mylli 30. November 2009 um 16:14

@ Nanuk

HAM ist doch Teil des Superorganismus Mensch

53 topi 30. November 2009 um 16:17

Danke, mylli

Ausgehender Sternenbrennstoff, jetzt weiß ich, was unser aktuelles Problem ist.

54 Nanuk 30. November 2009 um 16:18

@aifran
Ein wunderbarer Gnostischer Text…
*gäääähn*

55 mylli 30. November 2009 um 16:21

@ topi

Sache ist, dass wir uns in dieser Welt auch über Kunstgriffe wie Nachkommen, Denkmäler, Menschheit oder Roboternachfahren nicht verewigen können.

Das ist für mich als ein um meinen Tode wissendes Wesen ein Problem (manchmal auch ein Trost).

56 Bernhard 30. November 2009 um 16:24

@Nanuk: Erhöhung des Hartz-IV-Tagessatz durch Diakonie oder Caritas gefordert.

Merke: Die hängen sich doch bloß dran an die Hartz-IV-Eckregelsatzdämmerung.

Wenn man die Hartz-IV-Bezieher durch kirchliche Almosen auf erträgliches Niveau hieven will, würden die Kirchen wohl pleite gehen Meine Spekulation geht dahin zu vermuten, dass die Kirchen 54,- Erhöhung pro Nase fordern, damit kircheneigene Gelder als Differenz ausreichen, um so die kirchlichen Almosen nicht mehr als ein winziger Tropfen auf dem heißen Stein unerscheinbar wirken zu lassen angesichts der Not. Wenn der Abstand zu groß wird, sehen die Kirchen trotz Kirchenalmosen dennoch recht nackt aus…

Freuen wir uns dann lieber auf das Jenseits und das erscheinende weißgarnixsche Wirtschaftskundemeisterwerk, in dem sicherlich gezeigt werden wird, wie Keynes bei ökologisch vertretbarem Nullwachstum – ich übertreibe gezielt – funktionieren wird.

Mit boshaftem Gruße aus der mikrigen Metropole hessisch-Absurdistans
Bernhard

57 HAM 30. November 2009 um 16:28

@mylli #50
Den vielen ausgestorbenen Völkern in der Geschichte war wohl ziemlich wurst, dass die Menschheit überlebt.

Lassen wir das dahingestellt.

In Stammesgesellschaften ging es um das Überleben des Stammes, das hatte oberste Priorität.

Wenn es das Überleben des Stammes erforderte, war es selbstverständlich, dass Stammesmitglieder dafür ihr Leben opfern mussten.

58 Nanuk 30. November 2009 um 16:28

@Bernhard
Ich bin kein verfechter von Allmosen sondern vom recht auf ein würdiges Leben… und Deutschland ist wahrlich kein Armenhaus…

59 HAM 30. November 2009 um 16:35

@mylli #52

In früheren Gesellschaften war das Wir-Gefühl und die Wir-Identität etwas Selbstverständliches.

60 Bernhard 30. November 2009 um 16:36

@Nanuk: mein Text war doch mehr Ergänzung als Kritik. *grins*

61 aifran 30. November 2009 um 16:36

… gääääähn – ja ist schon ermüdend …
gibt es Gott, den Gott des Wachstumzwanges??? Wenn ja -ist er klein und dick, groß und hager oder etwa eine kleine glänzende, wohlklingende Metallscheibe mit Gravur, ein bedruckter Papierschnipsel??? Ist der “Druckmaschinenbesitzer” (Eigentümer) Gott? Fragen über Fragen – Müdemachend!

http://www.youtube.com/watch?v=8ZhVNMWYQCU&feature=player_embedded#
das aber ist sicher nicht die Antwort – nicht für die auf der Erde herumkrabbelnden …..

62 Bernhard 30. November 2009 um 16:39

@Klaus, #42: Wirtschaftspolitik ist stets Machtpolitik, oder nicht?

63 mylli 30. November 2009 um 16:42

@ HAM

Allerdings braucht ein WIR-Gefühl oft radikale Abgrenzung von nichtWIR. Oder wollen wir Blutfehden und Stammeskrieger rund um uns.

Ich würde nicht Religiösität und Spiritualität einerseits abwerten und andererseits einen Ersatzglauben an das Wesen Mensch als Trost über den eigenen Tod verkünden.

64 einer 30. November 2009 um 16:42

Ein brisantes Video – brisanter als Keynes

America – Freedom To Fascism 10/11 deutsch
http://www.youtube.com/watch?v=MC08QeVeR5g&feature=player_embedded#

65 HAM 30. November 2009 um 16:59

@mylli #63
Ich würde nicht Religiösität und Spiritualität einerseits abwerten und andererseits einen Ersatzglauben an das Wesen Mensch als Trost über den eigenen Tod verkünden.

Um Ersatzglauben geht es doch gar nicht.

Sondern um Lebensfreude, um ein gelingendes Leben.

So wie sich die Eltern freuen, wenn sich ihre Kinder positiv entwickeln. Oder die LehrerInnen über ihre SchülerInnen, oder ProfessorInnen über ihre StudentInnen.

Oder Ärzte, Krankenschwestern etc. darüber freuen, wenn ihre Patienten gesund werden.

Man freut sich darüber, weil die eigene Tätigkeit dazu beigetragen hat. Und man sich mit der Freude der anderen identifizieren kann.

„Die Freude, die du gibst, kehrt ins eigene Herz zurück!“

Daraus resultiert ein gelingendes und erfülltes Leben.

Warum sollte man dann den Tod verdrängen, der wie die Geburt zum Leben gehört?

Aber das kapieren jene Menschen nicht, deren Job darin besteht, anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

66 HAM 30. November 2009 um 17:04

Im Westen nichts Neues

„Die Wünsche der angehenden Betriebs- und Volkswirte an ihre künftigen Arbeitgeber fassen die Forscher so zusammen: “Studierende der Wirtschaftswissenschaften möchten viel verdienen, einen sicheren Arbeitsplatz und möglichst wenig arbeiten.”
http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/wirtschaftswissenschaften-wissensluecken-bei-vwl-und-bwl-studenten;2491607

67 mylli 30. November 2009 um 17:20

@ HAM

Ja, die unmittelbare Wirkung des eigenen Tuns zu erleben kann sehr erfüllend sein.

Ich kann auch sagen: Unsterblichkeit gewinnt man nicht durch ewiges Leben, sondern durch Leben im Jetzt.

Beides gibt mir mehr als einer Designerhose oder ein Alufelgen.

Ich weiss aber auch, dass mir die Aussagen von oben nicht immer reichen.

Ich bin Narzisst und trauere um meine Sterblichkeit, unfähig, zu glauben.

68 gojko 30. November 2009 um 17:22

Hallo WEissgarnix,

kennst Du auch ein Buch “Österreichische Ökonomie für Jedermann”? Ist soweit ich weiß der Gegenpol zu Keynes.
Nachdem ich den vom Halbgott verlinkten Lebenslauf von Keynes gelesen habe, dreht sich bei mir der Magen um, wenn ich nur “Keynes” höre…

Gruß, Gojko.

P.S.: Die Frage ist ernstgemeint, was ist Deiner Meinung nach das beste Einsteigerbuch zur “Österreichischen Schule”?

69 topi 30. November 2009 um 18:06

@ mylli

Sache ist, dass wir uns in dieser Welt auch über Kunstgriffe wie Nachkommen, Denkmäler, Menschheit oder Roboternachfahren nicht verewigen können.

Das ist für mich als ein um meinen Tode wissendes Wesen ein Problem (manchmal auch ein Trost).

Der Beweis dieser Unverewigbarkeit durchabnehmende kosmische Strahlung scheint mir jedoch verzichtbar-

Ich kritisiere ja auch zu kurze Zeithorizonte; aber bei MilliardenJahren sollte man vielleicht aufhören.

Vielleicht ist das so, im fortgeschrittenen Papierwährungszyklus, dass die großen Zahlen vertrauter werden?
Näher an unsere aktuelle Lebenswirklichkeit rückt deshalb das Jahr 3000 (um mal kurz zu greifen) noch lange nicht.

“Leben im jetzt” fiel als Stichwort; da ist es mir wurscht, ob sich das Universum ausdehnt oder zusammenzieht oder was auch immer.

70 Systemfrager 30. November 2009 um 18:07

@ Gojko

Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich glaube, so ein Buch nach deinem Wunsch gibt es tatsächlich. Heißt etwas so:

Mises & Hayek
Wir Stümper und Gaukler

71 nope 30. November 2009 um 19:19

@einer #64

Das Video bestätigt nur, was hier so abläuft.

72 Systemfrager 30. November 2009 um 19:32

Rober Misik (blog) ich schreibe jetzt nur ab:

Im Magazin „The New Republic” freilich lässt sich ein wirkliches Konversionserlebnis besichtigen. Der eloquente Jurist und Essayist Richard Posner, eine große Nummer im konservativen US-Establishment, erzählt da, er habe John Maynard Keynes nie gelesen, da er fest davon überzeugt war, mit seiner Milton-Friedman-Lektüre wäre er besser bedient. Jetzt habe er sich aber Keynes’ General Theory vorgeknöpft. Das scheint in dem Mann viel verändert zu haben. Titel der Story: „Wie ich zum Keynesianer wurde.”

73 weissgarnix 30. November 2009 um 19:55

@gojko

>P.S.: Die Frage ist ernstgemeint, was ist Deiner Meinung nach das beste Einsteigerbuch zur “Österreichischen Schule”?

Weiß ich nicht – ich kenne nur “Aussteigerbücher” aus der Österreichischen Schule.

74 weissgarnix 30. November 2009 um 19:58

>in dem sicherlich gezeigt werden wird, wie Keynes bei ökologisch vertretbarem Nullwachstum – ich übertreibe gezielt – funktionieren wird.

Nöö – damit kann ich leider nicht dienen. Man kann das Wachstumserfordernis sicherlich dämpfen, aber nicht komplett vermeiden. In einer Marktwirtschaft, wohlgemerkt; in der Planwirtschaft ist natürlich alles möglich – aber über die schreibe ich nicht.

75 weissgarnix 30. November 2009 um 20:01

@klaus

>Wem hilft dieses Buch? Niemanden, der Antworten sucht.

Antworten vielleicht nicht; aber die richtigen Fragen zu stellen und auf die Antworten selbst draufzukommen – das hätte ja durchaus auch seinen Reiz, findest du nicht?

76 weissgarnix 30. November 2009 um 20:04

@HAM

>Wenn im Mittelalter ein Dom gebaut wurde, dann war es normal, dass erst die Enkelkinder dessen Fertigstellung erleben würden.

Ein beinahe schon geniales Beispiel für den Effekt des Kredits: Die Leute wollten irgendwann mal selber erleben, wie ihre schöne Kirche aussieht. Kein Wunder, dass das Investieren auf Pump ab dem 17. Jahrhundert so richtiggehend populär wurde.

77 Wat. 30. November 2009 um 20:08

Wo überall gibt es denn noch den reinen ‘hochgelobten’ Markt, außer auf dem Gemüsemarkt?

Ist natürlich (auch) ein prima ‘Wachstum’, wenn von staatlicher Seite die Löhne aufgestockt werden oder Kredite abgesichert werden oder Banken ‘gerettet’ wurden oder noch besser, wenn Staat Dienstleistungsjobs ‘finanziert’ – da scheint mir nur eins zu wachsen – die Größe der Fettaugen.
Und mit denen über gesunde Ernährung zu disktutieren…. naja.

78 holger 30. November 2009 um 20:18

@ Weissgarnix

–>Ein beinahe schon geniales Beispiel für den Effekt des Kredits: Die Leute wollten irgendwann mal selber erleben, wie ihre schöne Kirche aussieht. Kein Wunder, dass das Investieren auf Pump ab dem 17. Jahrhundert so richtiggehend populär wurde.”

Aha, die Steinesetzer sind dadurch schneller und effektiver geworden.
Na am Kölner Dom wird ja heut zu Tage noch geschafft. Ein Debitorenmonster sozusagen. ;-)

79 aifran 30. November 2009 um 20:22

…die Dombaumeister … auf Kredit hätten sie wohl genug Geld gehabt um pro Baustelle 200.000 absolute Spezialisten (Steinbearbeitung) anheuern können, die die Türmchen in zwei Jahren aus dem Boden gestampft hätten.

An “Geld” hat´s kaum gemangelt – gab ja auch den Ablasshandel und zeitweise diese komischen “Braktaten”

80 HAM 30. November 2009 um 21:01

@weissgarnix #76
Ein beinahe schon geniales Beispiel für den Effekt des Kredits: Die Leute wollten irgendwann mal selber erleben, wie ihre schöne Kirche aussieht. Kein Wunder, dass das Investieren auf Pump ab dem 17. Jahrhundert so richtiggehend populär wurde.

Nun weiss ich nicht, ob die lange Baudauer von Dome technologisch oder durch deren Finanzierungsprobleme bedingt war.

Mir ging es hierbei um ein Beispiel für ein transgenerationales Projekt.
Auf jeden Fall wurde an derartigen Projekten eine kollektive, transgenerationale Identität gebildet.

Im letzten Jahrhundert waren der Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion oder das sog. „Tausendjährige Reich“ solche Projekte, an denen sich kollektive Identitäten bildeten. Beide totalitären Systeme – Stalinismus und NS – forderten explizit Opfer von den lebenden Generationen für die zukünftigen.

Heute ist die Entwicklung Chinas DAS transgenerationale Großprojekt.

Die westlich-kapitalistischen Staaten sind – wie es aussieht – zu einem derartigen Projekt nicht in der Lage. Den herrschenden Klassen geht es allein darum, ihre Herrschaft durch eine „Neue Weltordnung“ abzusichern und für sich im „Kasino“ möglichst viel Geld zu machen.

Zwar wird hier von „Bildung“ als DEM Zukunftsprojekt überall geschwätzt, aber der Zustand des Bildungswesens erscheint – genauso wie jener der Gesellschaft überhaupt – eher als Abbruchhalde.

TINA eben.

81 aifran 30. November 2009 um 21:15

Bildung … oder Ausbildung zu Funktionsrobotern

Konrad Paul Liessmann: Theorie der Unbildung
sehr empfehlenswert dieses kleine Büchlein … sozusagen für Neueinsteiger, hilft ungemein beim stellen der richtigen Fragen zur Ökonomisierung der Universitäten ….

(so falsch sind die Studentenproteste keinesfalls)

82 Michael 30. November 2009 um 21:39

@Holger
Es gibt entschieden weniger Geld (als Zentralbank- oder Bargeld, denn die Waren werden auf Kredit produziert) als Waren. Damit müßten die Preise den Waren mit ihrer Nachfrage, oder die Gehälter und Löhne den Preisen angepasst werden. Das ist die Frage aller Fragen unserer Zeit. Andere Lösungen gibt es nicht. Und zwar vollkommen unabhängig, davon, welcher Wirtschaftstheorie man anhängt.

Bei dem Bargeld oder Zentralbankgeld handelt es sich AUSSCHLIESSLICH um Einlagen auf Girokonten und Bargeld als Solches. Der Rest sind Geldforderungen gegen Finanzinstitute und das sind Geldforderungen und kein Geld.

Somit ist die Krise der heutigen Tage mit den Mitteln, die bisher verwandt wurden, egal ob Neos, Keynes oder Marx, nicht lösbar, das System gescheitert. Auf Billiglöhnen zu Hochpreisen kann kein System überleben. Das heißt, auch eine Goldpanik ist keine Lösung. Papiergeld kann sehr wohl funktionieren, aber nicht unter den heutigen Rahmenbedingungen.

Für diesen geistigen Erguß will ich jetzt den Wirtschaftsnobelpreis.

83 gojko 30. November 2009 um 21:49

weissgarnix: “Weiß ich nicht – ich kenne nur “Aussteigerbücher” aus der Österreichischen Schule.”

Wow, das ist hart… deswegen gleich ausgewandert? :-)

Gruß, Gojko.

84 holger 30. November 2009 um 22:17

@ Michael 82

ich schau gerade meine “Urkunde” an. 1996 habe ich die schon bekommen. Da steht drauf: BWL VWL Personalwirschaft Recht.

sieht so aus, dass das Geld dafür aus dem Fenster geschmissen worden ist, von mir. Ganz zu schweigen von den 14 Prüfungsfächern, um einen Industrie(insolvenz)betrieb leiten zu können. das war aber schon 1994.

–>Für diesen geistigen Erguß will ich jetzt den Wirtschaftsnobelpreis.

Kannste gerne haben. Ich kann dir bloß die Prämie dafür nicht geben. :D

85 Michael 30. November 2009 um 22:25

@Holger
Macht doch nix. Wir einigen uns schon irgendwie. Diese Theorie ließe sich ja noch weiterspinnen und daraus ergibt sich auch eine marktkonforme Lösung. Da kassieren wir eben den zweiten Wirtschaftsnobelpreis. Machen wir Fete bei Pizza und Cola. :-)

86 holger 30. November 2009 um 22:36

@ Michael

Allora vino Tinto et un poco birra? si? ;-)

87 holger 30. November 2009 um 22:40

Perfetto Italiano ich werde das nie kapieren. :D

Na klar Michael, Rotwein Bier Wein Weib und Gesang, es ist nach 22 Uhr, ich darf das schreiben :D

88 Michael 30. November 2009 um 23:07

@Holger
Sag doch einfach:”Wein, Weib und Gesang.” Lass uns einfach ob dieser “genial -trivialen Entdeckung” zufrieden sein. .

89 unwissender 30. November 2009 um 23:18

@Systemfrager

“Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich glaube, so ein Buch nach deinem Wunsch gibt es tatsächlich. Heißt etwas so:

Mises & Hayek
Wir Stümper und Gaukler”

@Systemfrager
http://de.wikipedia.org/wiki/Hybris

;-)

Hinterfrage das System!

http://www.youtube.com/watch?v=5w9mqaE10_A

90 froZ 30. November 2009 um 23:24

@ HAM

Na, bei Dir scheint ja jedes Dilemma unseres Daseins immer auf den Kapitalismus zurückgeführt zu werden…

Den Horror angesichts der Vergänglichkeit gab es wohl schon immer, und auch entsprechende Abwehrphänomene, siehe die ganzen Vorstellungen von Jenseits und Fegefeuer.

Was die europäische Geschichte angeht, so gibt es ja das sehr schöne Buch “Geschichte des Todes” von Philippe Aries. (Das ist ein grandioser Historiker, kein halbseidener Parawissenschaftler oder so.) Da stellt er u.a. auch die sich über Jahrhunderte hinziehende schleichende Individualisierung des Todes dar. Sicher ist die Kulturgeschichte auch mit der Wirtschaftsgeschichte verknüpft, aber nicht in einem mechanistischen Sinne. – Aber Du wirst gewiß auch nicht im Ernst behaupten, daß Irrationalismus und Sektierertum erst vor 250 Jahren mit dem heraufziehenden Manufakturkapitalismus in der Weltgeschichte Einzug gehalten haben…

“Leben im Jetzt!” – Ja, klar – eben Sex & Drugs & Rock’n'Roll. Aber im fünften Lebensjahrzehnt bringt’s das auch nicht mehr, da muß man dann ernsthaft über eine Konversion zum Katholizismus nachdenken. Leider ist die Lektüre des Alten Testaments dabei nicht eben hilfreich. Die Sache mit den Amalekitern… und das Schicksal der Stadt Jericho… und was dem armen Hiob widerfuhr… wie soll man sich dazu bekennen? Selbst die ungemein suggestive katholische Bildersprache kann das nicht überdecken. Der Klerus früher hat schon gewußt, warum er die Bibel nicht in die Volkssprachen hat übersetzen lassen.

P.S. Freilich wirken in einem kapitalistischen System, das gemeinhin als Interagieren rationaler Akteure beschrieben wird, die Ausbrüche von kollektivem Irrationalismus innerhalb der Systemlogik besonders bizarr, etwa das messianische Auftreten von Strukturvertrieblern – siehe nochmal hier:

http://www.youtube.com/watch?v=o1m8-_RGDNM

91 Gerald Braunberger 30. November 2009 um 23:31

Gestatten Sie mir kurze Anmerkungen zu drei Themen, die in der Diskussion erwähnt wurden.

1. Nullwachstum
Keynes hat in seinem Aufsatz “Economic Possibilities for our Grandchildren” und in mehreren späteren Arbeiten eine Welt beschrieben, in der die materiellen Bedürfnisse der Menschen mehr oder weniger gedeckt sind und in der eine Wirtschaft nicht oder kaum mehr wächst.
Diesem Thema ist ein Kapitel in meinem Buch gewidmet.

2. Geldordnung
Keynes hat keine alternative Geldordnung analysiert. Den Goldstandard bezeichnete er als “barbarisches Relikt” und er sah keine Rückkehr zu dieser Ordnung. Aus meiner Sicht sind viele in Blogs lesbare Fundamentalkritiken an unserer Geldordnung ziemlich konfus; nicht wenige Kritiker erwecken auch den Eindruck, dass sie unsere Geldordnung (was immer man von ihr hält) überhaupt nicht richtig verstehen. Das gilt auch für diesen Blog.

3. Österreicher
Aus meiner Sicht sollte man Österreicher wie Hayek und Mises im Original lesen. Viele moderne Darstellungen aus der Feder von Anhängern sind oftmals ziemlich ideologisch gefärbt und damit mehr oder weniger unbrauchbar. Empfehlen kann ich: Kurt Leube (Herausgeber): Die Österreichische Schule der Nationalökonomie. Band 1. Von Menger bis Mises. Wien 1995. Das Buch enthält Originalartikel zahlreicher “Österreicher” und bietet einen guten Einstieg.
Gerald Braunberger

92 froZ 30. November 2009 um 23:35

Und weil’s so schön war, auch gleich noch das hier:

http://www.youtube.com/watch?v=B0VAJsImGF4&feature=related

93 Michael 30. November 2009 um 23:37

@froZ
Nun ist’s aber gut. Der Fahrer steigt auf der “falschen” Seite aus. Ich will meinen Wirtschaftsnobelpreis ohne Keynes und Marx. Und wenn das nur Pizza und Cola wäre.

94 froZ 30. November 2009 um 23:55

@ Michael

Ist wohl irgendwo in Südasien. Malaysia? Singapur?

Einmal Nobelpreis ohne Keynes und Marx, aber dafür mit Pizza und Cola. Sehr wohl, der Herr. Die Küche schaut, was sich machen läßt.

95 Michael 1. Dezember 2009 um 00:08

@Gerald Braunberger
Der springende Punkt ist das Geldsysten, das auch leider niemand, der noch klar in der Waffel ist, verstehen KANN. Unter den heutigen Bedingungen ist das System weder verständlich, noch akzeptabel. So einfach ist das.

96 enigma 1. Dezember 2009 um 00:33

@ Michael 82

“Bei dem Bargeld oder Zentralbankgeld handelt es sich AUSSCHLIESSLICH um Einlagen auf Girokonten und Bargeld als Solches. Der Rest sind Geldforderungen gegen Finanzinstitute und das sind Geldforderungen und kein Geld.”

Vier Zeilen und schon ein Fehler! Alle Achtung!

@ Braunberger 91

1. Gehen Sie da auf die Keynes – Schumpeter connection ein?

2. Ja, bedauernswerterweise!

3. Schumpeter o.k., aber H + M?

97 aifran 1. Dezember 2009 um 00:36

…. Geldsystem – und es soll keiner Verstehen, weil sich dahinter der größte Betrug, der größte Beschiss den die Menschheit in ihrer Geschichte je sah versteckt. (ein Pumpe die “Geld”, durch die Kreditkonstruktion automatisch nach oben Pumpt. Ein Ungerechtes nach oben umverteilendes Steuersystem ist bestenfalls noch Draufgabe)

Noch nie zuvor gab es ein Perfekteres System der Sklavenhaltung. (Na ja – die Religion ist ganz knapp dahinter …)

Es geht um Verbrechen über die keiner Reden will … keiner will aus dem “Paradies” vertrieben werden. Noch ist sind ja drei Biernen und einige Bananen für sie drinnen … für die besonders eifrig Dienenden sogar noch mehr ….

98 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 00:56

@Braunberger

>Aus meiner Sicht sind viele in Blogs lesbare Fundamentalkritiken an unserer Geldordnung ziemlich konfus;

Dachte ich am Anfang auch. Mittlerweile seh ich aber das Problem eher darin, dass sich jeder aus den 3 Grundfunktionen des Geldes (Tauschmittel, Wertaufbewahrung, Recheneinheit) den seiner eigenen Ansicht genehmen Part herauspickt, und die anderen beiden teilweise völlig ausblendet. Das Lager der Österreicher/Goldbugs fokussiert fast ausschliesslich auf der Wertaufbewahrung; die soziologische Systemtheorie auf dem Aspekt des Tauschs; die Keynesianer und vor allem die Postkeynesianer auf der Funktion als Recheneinheit. Das führt notwendigerweise zu gänzlich konträren Ansichten und Schlussfolgerungen. Ich hielt zB jegliche Tauschperspektive des Geldes mit Dalton und vor allem Heinsohn/Steiger lange Zeit für völlig fehlgeleitet; aber nach eingehender Lektüre von Luhmann wurde mir klar, dass auch er seine Berechtigung hat. Natürlich nur solange man dabei nicht den Fehler begeht, Geld für eine “Ware” zu halten und allerlei tolle Gleichgewichtsbedingungen drumherum zu formulieren.

99 HAM 1. Dezember 2009 um 01:23

@froZ #90
Na, bei Dir scheint ja jedes Dilemma unseres Daseins immer auf den Kapitalismus zurückgeführt zu werden…

???

Den Horror angesichts der Vergänglichkeit gab es wohl schon immer, und auch entsprechende Abwehrphänomene, siehe die ganzen Vorstellungen von Jenseits und Fegefeuer.

Ist doch altbekannt.

Aber Du wirst gewiß auch nicht im Ernst behaupten, daß Irrationalismus und Sektierertum erst vor 250 Jahren mit dem heraufziehenden Manufakturkapitalismus in der Weltgeschichte Einzug gehalten haben…

Wo tue ich das?

Was Du offensichtlich nicht verstehen kannst, ist der soziokulturelle Umbruch, welcher im Westen so um das Jahr 1970 +/- 5 Jahre stattgefunden hat.
Der hat dann bei der Jugend zu progressiven Tendenzen (Protestkultur, Gesellschaftsanalyse, Liberalisierungs- und Demokratisierungsprozesse etc.) wie auch zu regressiven Prozessen (Drogenkonsum, Theoriefeindlichkeit, Entpolitisierung, Konsumorientiertheit, Irrationalismus etc.) geführt, wobei in den 70-er Jahren diese regressiv-irrationalen Tendenzen immer stärker wurden.

Da gab es Menschen aus dem eigenen Umkreis, die vorher als rational und psychisch einigermaßen stabil erschienen waren, die auf einmal Drogen konsumierten oder sich der Bhagwan Sekte anschlossen und dann mit rotem Bhagwan-Kittel oder mit eingelassenem Bild des Osho herumliefen.
Und Jesus People fingen an in der Mensa zu predigen.
Mitte der 70-er Jahre strickten Männer in den Lehrveranstaltungen an der Uni und Studenten kamen mit Hunden an die Uni.

Das sind Symptome eines gesellschaftlichen Wandels, welcher in seiner Komplexität erst verstanden werden muss. Theoretisch ist dies wenig aufgearbeitet worden, so z.B. durch Fromm, Lash, Postman, Wulff.

Vieles erinnert an gesellschaftliche Prozesse in den 20-er und 30-er Jahren. Das kann hier nicht vertieft werden.

Sicher ist die Kulturgeschichte auch mit der Wirtschaftsgeschichte verknüpft, aber nicht in einem mechanistischen Sinne.

Es geht um den gesellschaftlichen Gesamtprozess. Dass ich ein „mechanistisches“ Basis-Überbau-Modell ablehne, habe ich bereits mehrmals formuliert.

Freilich wirken in einem kapitalistischen System, das gemeinhin als Interagieren rationaler Akteure beschrieben wird, die Ausbrüche von kollektivem Irrationalismus innerhalb der Systemlogik besonders bizarr

Und gegen den kollektiven Irrationalismus ist mit „Aufklärung“ wenig auszurichten.

100 aifran 1. Dezember 2009 um 01:29

Geld ist Kredit der nach dem nächsten Kredit schreit (damit er inclusive Kapitalkosten/Zinsen zurückbezahlt werden kann. )

Nennen wir dieses Geldsystem doch der Einfachkeit halber einfach mal AUTO

… ist es Tatsächlich Mut/Intelligenz in einem Auto zu fahren in dem das Gaspedal nur eine Bedienungsrichtung zulässt – Gasgeben/Beschleunigen und Wachstum der Geschwindigkeit …. … ist es Tatsächlich Mut/Intelligenz in einem Auto zu fahren welches bei einem Nachlassen der durch die Beschleunigung Auftretenden “G” Kräfte auseinander fällt da es weder geschraubt oder geschweißt, sondern nur zusammengesteckt wurde und nur durch diese “G” Kräfte zusammengehalten wird (eine Höchstleistung Perverser Ingenieurskunst)

Schwer unter Kontrolle zu halten so ein “Superrenner” – eine Aufgabe die nur von den “Göttern” des Geldwesens und der Thermonautenzunft beherrscht wird … oder doch nicht?

101 Morph 1. Dezember 2009 um 01:36

@HAM

reden wir hier über den Mentalitätswandel von Studierenden in der BRD 1970ff. oder über die ökonomische Verfassung der modernen Welt. Mann!

P.S. Wir alle neigen dazu, unsere persönlichen Lebenserfahrungen an den Himmel des Weltgeistes zu projizieren, aber wir können das auch reflektieren und relativieren, auch Du! ( Trau Dich, Traudl!)

102 HAM 1. Dezember 2009 um 02:00

@Morph #101
reden wir hier über den Mentalitätswandel von Studierenden in der BRD 1970ff. oder über die ökonomische Verfassung der modernen Welt. Mann!

Ich rede über den „Zustand“ des Wissenschaftsprozesses.

Eine zentrale Aufgabe der Wissenschaft in der modernen Welt ist, den Menschen eine verlässliche Orientierung zu geben.

Wenn Wissenschaft zu einem Sammelsurium von „Halbbildung“ oder gar zu „Unbildung“ (Liesmann) degeneriert, woran können sich die Menschen orientieren?

Sorry, aber ich habe den Eindruck, dass Du gar nicht begreifst, worum es hier geht.

103 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 08:17

@ Gerald Braunberger

Ich will einfach nicht davon ausgehen, dass dieser Kommentator wirklich der Autor des oben genannten Buches über Keynes ist. (Würde mich irgendwie traurig machen.) Wie kann nämlich einer, der Keynes verstanden sollte, so etwas ausschwitzen:

Aus meiner Sicht sollte man Österreicher wie Hayek und Mises im Original lesen. Viele moderne Darstellungen aus der Feder von Anhängern sind oftmals ziemlich ideologisch gefärbt

Mises und Hayek bedeuten nicht weniger als 100.00% Ideologie. Von ihnen kommt nichts als eine Phrasendrescherei mit 0.00% Logik und 0.00% Realitätsbezug. (Langsam, langsam – ich habe ziemlich alles von ihnen gelesen!!!!!!)

Dieser Kommentator passt gut zu denn heutigen WiWi-Experten. So einer packt in seine Weltanschauung verschiedene und zwar gegensätzliche Auffassungen ein, und dann, egal was auf dieser Welt passiert, hat dieser Experte eine passende Erklärung dafür. Sein Lieblingssatz, wenn was passiert: „Habe ich schon längst gewusst!

Der Vergleich WiWi und Naturwissenschaften hat mich schon immer „fasziniert“: Wenn ein WiWi-ler gegensätzliche Meinungen vertritt und immer „passende“ parat hat, also sich ständig widerspricht (contradictio in adjecto), gilt er als besonders gut ausgebildet und theoretisch gerüstet. Eben: Ein Experte! In den Naturwissenschaften gilt er als ein hoffnungsloser Vollidiot.

104 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 08:53

@Systemfrager

>Ich will einfach nicht davon ausgehen, dass dieser Kommentator wirklich der Autor des oben genannten Buches über Keynes ist.

Ist er aber.

>Mises und Hayek bedeuten nicht weniger als 100.00% Ideologie.

Das trifft auf sämtliche 9.999 andere Autoren nicht weniger zu, inkl. Keynes, Marx, Smith, Ricardo, usw usw, und selbstredend die Herren Braunberger, weissgarnix und Systemfrager. Aber das ist nicht weiter schlimm. Ich halte es da ganz mit Karl Mannheims “Jegliches Denken ist ideologisch”.

105 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 09:14

Das kann doch nicht dein Ernst sein. Nur ein Beispiel:

Die Zeit zwischen 2 Weltkriegen war eine Zeit, als man immer mehr neoliberale Maßnamen durchgesetzt hat. Hier nur einige wenige Zitate:
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ba/40m/ba40m-2klick-winup1.html

Nach dem Kollaps sind einige orthodoxen Liberalen konvertiert: man nennt sie (bekanntlich) Ordoliberale. Und Keynes hat auch ausdrücklich und immer wieder gesagt: die neoliberalen Maßnahmen haben versagt.

Mises, Hayek, Popper (dieser ist besonders interessant, nicht war: Die Weltwirtschaftskrise war für ihn keine Falsifizierung der reinen Lehre seines Protegés Hayek), … wollten kein Problem in der Lehre sehen. Waren diese Menschen nicht normal oder waren sie nur geistige Huren des Kapitals – oder beides?

Ja, ich betone immer wieder, wie wenige Fortschritte hat die WiWi in den 2 Jh. nach Smith gemacht. Zum Verzweifeln wenig! Aber wenige sind immer noch nicht keine. Und es gab auch mansche ehrliche Menschen in der WiWi. Also, wir können karikieren und übertreiben – ja wir alle (ICH AUCH) sind psychisch betrachtet ideologisch durchtränkt – aber das, was plausibel ist, soll plausibel bleiben …

106 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 09:15

@ 105 geht natürlich => wgnx #104

107 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 09:36

@Systemfrager

Ich wüßte nicht, was dein Folgepost mit dem ursprünglichen Gedanken zu tun hätte. Nochmal: Jeder Gedanke ist ein Stück weit ideologisch, und in dem Moment, wo er seinen Weg in die Politik findet, ist er es erst recht. Die Zwischenkriegszeit war mitnichten geprägt von einer “homogenen” liberalen Ideologie, sondern es gab – hüben wie drüben – erbitterte Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Sozialisten, zumeist direkt auf Regierungsebene. Der erste Finanzminister der Weimarer Republik war ein gewisser Rudolf Hilferding – garantiert kein “Liberaler”. Das ganze Kabinett Stresemann war in diesem Sinne nicht liberal. Reichsbankpräsident Schacht war liberal, aber ihm gegenüber standen eine Vielzahl von Leuten auf Kommunal- und Landesebene, die alles andere im Sinn hatten, als eine liberale Politik.

Drüben in den USA war das nicht viel anders. In den Zanzigern pilgerten diverse Spitzen der späteren Regierung Roosevelt zu Stalin, um sich mal anzusehen, wie toll das funktioniert mit dem “Sozialismus”. Dann gab es da aber natürlich auch Leute wie Hoover, Mellon und Warburg – Ultraliberale, für die Roosevelt ein “Faschist” war.

Es stehen immer und überall Ideologien miteinander im Konflikt, treffen unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinander. Man verkürzt die Diskussion auf unzulängliche Art und Weise, wenn man das bestreitet; und man macht sich in meinen Augen lächerlich, wenn man sich selbst oder irgendeinen anderen benennen würde, der angeblich “ideologiefrei” argumentiert.

Keynes hat übrigens nie und nimmer gesagt, dass die “liberale” Politik versagt hätte, sondern “Laissez-faire”. Das ist sehr wohl ein wichtiger Unterschied.

108 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 09:47

@ wgnx

Wir dürfen uns jetzt – gerade jetzt – nicht von den Neoliberalen verarsch*n lassen. Was werden diese nämlich demnächst tun? Ihre auf Lügen und Märchen aufgebaute Doktrin ist kollabiert. Wie schon oft. Welche Strategie bleibt diesen Versagern übrig? Nur eine:

Wir werden immer öfter hören, wie die WiWi, also die ganze WiWi und zwar schon immer, keine exakte Wissenschaft war und (sogar) nie sein wird, sie hat nun versagt, aber eben die ganze WiWi sei versagt, ja, man wird zugeben, sie sei sehr ideologisch, und zwar die ganze WiWi sei ideologisch, usw …

NEIN! DIESES GEFALLEN DÜRFEN WIR DEM NEOLIBERALISMUS NICHT TUN! Der Neoliberalismus ist eine akademische Idiotie und zugleich ein sozialer Genozid. Er ist verantwortlich für alle größten Katastrophen der marktwirtschaftlichen Ordnungen. Er ist verantwortlich, warum bessere Ansätze unterdrückt und erstickt wurden, so dass die WiWi so rückständig geblieben ist. Er ist ein kompletter verrat an die Wissenschaft.

109 topi 1. Dezember 2009 um 09:51

Wie oft kommt es auf die Definition an, bei “Ideologie” durchaus vielfältig gefasst.

Nimmt man Ideologie als “die richtige Weltanschauung”, die durchgesetzt werden soll.
Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten: ich kann mit Fakten argumentieren, oder auc hmit Lügen (im Sinne des “Richtigen” natürlich :roll: ).

Man nehme die “Steuersenkungen vor allem für Familien mit kleinem und mittlerem Einkommen” durch das Wachstuchzerreißungsgeschwätz.

De facto: Steuersenkung/Entlastung für kleine Einkommen: Null
mittlere Einkommen pro Kind: 240€
hohe Einkommen pro Kind: 467€, dazu je nachdem Entlastung für Erbschaften und Unternehmensanteile.

Das Gesetz kann man gut finden, oder nicht. Das kann man dann Ideologie nennen, kann man aber auch lassen.

Fakt ist: die Titulierung als Entlastung vorwiegend kleiner und mittlerer EInkommen ist glatt gelogen und damit sicher ideologisch, egal nach welcher Definition.
Und die Bezeichnung als Wachstumsbeschleunigungsgesetz ist ebenfalls stark ideologisch, da selbst die Initiatoren wissen, dass Wachstumsbeschleunigung, wenn dadurch überhaupt, mit anderen Maßnahmen deutlich besser zu erreichen ist.

Da kann man durchaus sinnvolle Grenzen zwischen Ideologie und sauberer Argumentation ziehen (die natürlich auch falsch sein kann).

110 Nanuk 1. Dezember 2009 um 10:02

@topi
Das schlimme sind nicht die Ideologen das schlimme sind diejenigen die keine sind und sich dahinter verstecken und sie benutzen.
Die berühmten Wasser Prediger und Wein Säufer.

Ich bin auch Ideologe mit mir läst sich wunderbar reden oder?
Weil ich mich in meiner Ideologie auskenne… ihre Sprache spreche und die Bedeutung der Wörter kenne.

111 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 10:05

@ topi 109

Da kann man durchaus sinnvolle Grenzen zwischen Ideologie und sauberer Argumentation ziehen (die natürlich auch falsch sein kann).

NATÜRLICH! Das ganze Geschwätz über das angebliche Ideologieproblem der WiWi kommt von denen, die an den Tatsachen gescheitert sind.

Ein Naturwissenschaftler wird nie sagen, sein Kollege ist ideologisch, sodnern: Der Kollege vertritt etwas, was
1) formal (logisch-mathematisch) geprüft falsch ist
2) der Empirie widerspricht
Und dann sagt ein Naturwissenschaftelr, der ein bisschen Sozialswissenschaftler ist:
Ob nun meine Theorie, die richitg ist (die des Kollegen aber falsch!), praktisch angewandt werden soll, ist die Frage der Werte, aber dies ist was anderes. Das ist die nächste Stufe

112 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 10:07

@Systemfrager

>nicht von den Neoliberalen verarsch*n lassen.

Meiner Ansicht nach geht die große Gefahr unserer Epoche nicht von den “Neoliberalen” aus, sondern von den “Staatskapitalisten” im sozialen Gewand. Es wird den einen oder anderen vielleicht interessieren zu hören, dass ausgerechnet der Teil der “Sozialen Marktwirtschaft”, der Müller-Armack, Eucken und Röpke am dringlichsten am Herzen lag, noch von keiner Bundesregierung jemals umgesetzt wurde: die Zerschlagung monopolistischer Strukturen und die Fokussierung auf Klein- und Mittelbetriebe. Diese ganze zunehmende Verwobenheit inbesondere des Finanzsektors mit der Politik, dieses ganze unselige Gelaber über “nationale Bankenchampions” bereitet mir deshalb das allergrößte Kopfzerbrechen.

113 soffi 1. Dezember 2009 um 10:11

@ wgn – G. Braunberger

Zum Theorienstreit hier ein erhellendes interview von reason.com mit Hayek aus 7/1992 – in Ausschnitten. Keynes und Hayek waren ja dicke Kumpels, die gelegentlich auch miteinander geredet haben:

“Reason: Of your bestselling The Road to Serfdom, John Maynard Keynes wrote: “In my opinion it is a grand book…. Morally and philosophically I find myself in agree- ment with virtually the whole of it: and not only in agreement with it, but in deeply moved agreement.” Why would Keynes say this about a volume that was deeply critical of the Keynesian viewpoint?

Hayek: Because he believed that he was fundamentally still a classical English liberal and wasn’t quite aware of how far he had moved away from it. His basic ideas were still those of individual freedom. He did not think systematically enough to see the conflicts. He was, in a sense, corrupted by political necessity. His famous phrase about, “in the long run we’re all dead,” is a verv good illustration of being constrained by what is now politicallv possible. He stopped thinking about what, in the long run, is desirable. For that reason, I think it will turn out that he will not be a maker of long-run opinion, and his ideas were of a fashion which, fortunately, is now passing away.

Reason: Did Keynes turn around in his later years, as has frequently been rumored?

Hayek: Nothing as drastic as that. He was fluctuating all the time. He was in a sort of middle line and he was always concerned with expediency for the moment. In the last conversation I had with him (about three weeks before his death in 1945). I asked him if he wasn’t getting alarmed about what some of his pupils were doing with his ideas. And he said,” Oh, they’re just fools. These ideas were frightfully important in the 1930s, but if these ideas ever become dangerous. you can trust me–I’m going to turn public opinion around like this.” And he would have done it. I’m sure that in the post-war period Keynes would have become one of the great fighters against inflation.”

Hier die Quelle: http://reason.com/archives/1992/07/01/the-road-from-serfdom/

Leider ist Keynes kurz nach dieser Aussage gestorben, so dass er die öffentliche Meinung nicht mehr mit einem Fingerschnippen umdrehen konnte. Nur seine Jünger glauben nach wie vor an den Meister. Er selbst wusste genau, was er tat. In the long run…

114 holger 1. Dezember 2009 um 10:13

@ Nanuk

Heute hat das Dingen den Markt geschlagen

http://de.wikipedia.org/wiki/Reichskonkordat

“Bundesverfassungsgericht” Adventssonntage nicht mehr Shoppen, bis die Rübe Qualmt. Ha, unvereinbar mit GG.

Und warum gerade Berlin as an Example betroffen ist, das erklär ich nicht. :D

115 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 10:18

@ wgnx 112

Ja, ich unterschreibe alles sofort. Kommen wir jetzt zum Schritt B. Warum ist nämlich eine gute (die aber nur teilweise gute) Idee nicht realisiert worden?

Weil die Theorie der Ordoliberalen keine sozial-ökonomische Lösungen für eigene Realisierung bietet. Sogar das axiale Prinzip der Ordoliberalen, die berühmten Ordnungsrahmen, ist immer eine

LEERE ABSTRAKTION

geblieben. (Typisch deutsch – nicht wahr?) Also, die WiWi kann sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. Der deutsche Ordoliberalismus hat total versagt. Für immer!

116 Nanuk 1. Dezember 2009 um 10:20

@Holger
“Der Schlechtigkeit des Papsttums hat die Menschheit viel zu verdanken.” Oscar Wilde

117 soffi 1. Dezember 2009 um 10:28

@ wgn – 98

“Natürlich nur solange man dabei nicht den Fehler begeht, Geld für eine “Ware” zu halten…”

wenn man sich die entwicklungsgeschichte des geldes ansieht, war geld immer eine ware. geld hatte immer einen intrinsischen wert. kann es wirklich ein fehler sein, vor dem geschichtlichen hintergrund geld für eine ware zu halten?

man kann diesen warenhintergrund des geldes auch sehr schön etymologisch nachweisen – in mehreren sprachen.

Ich halte es für DEN grundfehler unserer bestehenden wirtschaftsordnung, dass man die deckung des geldes aufgegeben hat. alles andere sind folgeprobleme.

die funktionen des geldes zu kennen, ist wichtig. wichtiger ist es allerdings, das wesen des geldes zu kennen. der alte Mises hat dieses wesen mit seinem Regressionstheorem sehr zutreffend beschrieben. hättte dieses theorem keine gültigkeit, würde heute niemand diese lustigen bunten zettel akzeptieren.

@ systemfrager

ich empfehle den besuch eines kopfdoktors.

118 Dietmar Tischer 1. Dezember 2009 um 10:32

@ wsgn

>Es stehen immer und überall Ideologien miteinander im Konflikt, treffen unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinander. Man verkürzt die Diskussion auf unzulängliche Art und Weise, wenn man das bestreitet; und man macht sich in meinen Augen lächerlich, wenn man sich selbst oder irgendeinen anderen benennen würde, der angeblich “ideologiefrei” argumentiert.>

Auf den ersten Blick.

Er rechtfertigt nicht die Aussage, dass alles Ideologie ist (# 104).

Es stimmt zwar, dass jede Begründung unserer Überzeugungen wiederum auf Überzeugungen beruht (Donald Davidson).

Aber wenn man SEINE Überzeugungen offen darlegt, sie also für andere nachvollziehbar macht UND sie infrage stellen lässt, ist es keine Ideologie mehr.

Dann sind die Auffassungen falsch, inkonsistent, vielleicht auch nicht überprüfbar …

119 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 10:41

@soffi

Hayek hatte natürlich den “benefit of hindsight”, wie es so schön heißt. Aber ich habe trotzdem keinerlei Zweifel, das Keynes sich gegen die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik ab den 60er-Jahren gewandt hätte, die in vielen Ländern auf etwas hinauslief, das man am besten als “langfristigen Missbrauch” seines kurzfristigen Interventions-Instrumentariums bezeichnen sollte. Mit anderen Worten: eine opportunistische Politik und ihre Berater, darunter zahllose Nobelpreisträger vom Schlage eines Robert Lucas, waren sehr wohl dankbar für Keynes’ Diagnose der “Instabilität der Investitionsnachfrage”, verhackstückten sie aber zu einem Vollbeschäftigungsdauerthema. Unter Reagan starteten die USA in den 80ern etwas, was Keynes wohl als “Kriegswirtschaft” bezeichnet hätte (andere Autoren sind sogar der Meinung, das sei bereits seit den 1950ern der Fall gewesen); in Deutschland hätte ihm die stetig größer werdende Bedeutung der kapitalintensiven Großindustrie, verbunden mit neo-merkantilistischen Tendenzen in der Wirtschaftspolitik, vermutlich auch nicht gefallen.

Gleichwohl ist Hayek selbst in “Road to Serfdom” aber konkrete Antworten auf konkrete Fragen schuldig geblieben. Ich halte das Buch unter sozial-ethischen Gesichtspunkten für sehr lesenswert – aber aus wirtschaftspolitischer Sicht ist es ziemlich Wischi-Waschi. Ein Eindruck, den ich stellenweise übrigens auch von Euckens “Grundsätzen der Wirtschaftspolitik” gewonnen habe; nicht hingegen von Müller-Armack oder Röpke.

120 Hacki 1. Dezember 2009 um 10:46

Ich stelle mir gerade vor unsere grossen Firmen VW, BMW, THYSSEN, HANIEL, SIEMENS, usw. würden zerschlagen werden.
Als wenn , dass irgendein Problem lösen würde. Im Gegenteil.

121 Nanuk 1. Dezember 2009 um 10:48

@Dietmar Tischer
“Aber wenn man SEINE Überzeugungen offen darlegt, sie also für andere nachvollziehbar macht UND sie infrage stellen lässt, ist es keine Ideologie mehr.”

In Frage stellen meine Überzeugungen niemals würde ich das zulassen.Im übrigen sind das nicht meine die sind Universell!
Mal ne Frage. Wie willst du mit jemandem reden dessen erster Satz ist im übrigen alles was ich jetzt sage kannst du in Frage stellen?

122 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 10:49

@Tischer

>Er rechtfertigt nicht die Aussage, dass alles Ideologie ist (# 104).

Ich schrieb, dass alles “Denken” ideologisch sei. Und ich weiß ja nicht, wie Sie es halten, aber ich stelle jedenfalls nicht allen meine Gedanken eine Meta-Deklaration voran, etwa nach dem Muster: “Bedenke, dass du alle folgenden Gedanken durch eine keynesianische/christliche/indivudualistische/universalistische/konstruktivistische … Brille siehst!” Sondern ich habe schlicht einen Gedanken wie: “Verteilungsungerechtigkeit ist Scheiße!”

>Aber wenn man SEINE Überzeugungen offen darlegt, sie also für andere nachvollziehbar macht UND sie infrage stellen lässt, ist es keine Ideologie mehr.

Und bekanntlich ist das ja auch das goldene Prinzip des politischen Diskurses, nicht wahr? Und die Medien erst, die stellen ja regelmäßig auch vor allen ihren Kommentaren heraus, welchen Geistes Kind sie sind.

Shit, warum übersehe ich das nur immer?

123 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 10:52

@Hacki

>Als wenn , dass irgendein Problem lösen würde. Im Gegenteil.

Um das zu beurteilen, müßte man sich erst einmal darauf verständigen, was genau die “Probleme” sind, die man lösen will. Vielleicht gibt’s ja auch gar keine.

124 Morph 1. Dezember 2009 um 11:07

@wgn#122

Wenn man alles Denken als ideologisch bezeichnet, macht der Ideologiebegriff doch keinen Sinn mehr. Wenn die Absicht Deiner Aussage ist, die Nützlichkeit des Ideologiebegriffs zu bestreiten, solltest Du das sagen, aber nicht mit dem einfachen Übergeneralisierungssalto eine Scheinevidenz schaffen. Das ist allzu – ideologisch ;-)

125 Dietmar Tischer 1. Dezember 2009 um 11:09

@ wsgn

>Und ich weiß ja nicht, wie Sie es halten, aber ich stelle jedenfalls nicht allen meine Gedanken eine Meta-Deklaration voran, etwa nach dem Muster: “Bedenke, dass du alle folgenden Gedanken durch eine …>

Nein, keine Meta-Deklaration VORAN.

Aber wenn Sie „schlicht“ den Gedanken haben (sollten) “Verteilungsungerechtigkeit ist Scheiße!”, dann müssen sie sich schon die Frage nach der „Meta-Deklaration“ gefallen lassen.

Wenn Sie die verweigern, sind Sie Ideologe.

Wenn sie die zulassen, dann sind Sie vielleicht x, y oder … aber kein Ideologe.

Was ich sagen will:

„Ideologie“ bemisst sich nicht am Denken oder Meinen (den Inhalten), sondern dem VERFAHREN der Klärung.

@ Nanuk

>Wie willst du mit jemandem reden dessen erster Satz ist im übrigen alles was ich jetzt sage kannst du in Frage stellen?>

Ich würde antworten: Sie können auch alles infrage stellen, was ich sage.

Für den, der ehrlich argumentieren will, ist das SELBSTVERSTÄNDLICH.

Darüber wird nicht einmal ein Wort verloren.

126 holger 1. Dezember 2009 um 11:10

@ Nanuk
Naja, mir ist es eh egal, ob Sonntag oder nicht, mich interessiert die Urteilsbegründung. Und die ist interessant. ;-) Ich “glaube” ich mache auch ne Kirche auf. Mit dem Finanzamt hat das nicht hingehauen.

Immunität, ja, der Papa Römer wusste es schon.

127 Kritiker des Bösen 1. Dezember 2009 um 11:13

OFF TOPIC

Mal was zur Auflockerung! Ist ja bald Weihnachten!

http://www.lalelu.de/wb/pages/media/videos/weihnachtspolitzyklus-bei-ottis-schlachthof.php

128 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 11:25

@Morph

>Wenn man alles Denken als ideologisch bezeichnet, macht der Ideologiebegriff doch keinen Sinn mehr.

Warum? Wenn ich alle Sinneswahrnehmungen als “konstruiert” bezeichne, macht dann der Begriff des “Konstruktivismus” auch keinen Sinn mehr? Handelt es sich dann schon um “Relativismus” oder gar “Nihilismus”?

129 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 11:46

Die Psychologie hat auch mit nicht weiter nachfragbaren Phänomenen – Gefühlen und Überzeugungen – zu tun. Sie sagt aber zB nicht:

Homosexualität und Glaube gehören zur Ideologie, Muterliebe und Kleptomanie dagegen nicht, etc …

Warum nur? Man könnte doch darüber unendlich lange streiten!

Weil Psychologie das mytische und metyphysische Stadium der eigenen Entwicklung zur Wissenschaft hinter sich hat. WiWi offensichtlich nicht. DAS IST ALLES!

130 13 1. Dezember 2009 um 11:47

Keynes: “When the facts change, I change my mind. What do you do, Sir?”

When the month change, I change the stone of the wise. What do you do, Sir?

131 Nanuk 1. Dezember 2009 um 11:49

Dietmar Tischer
“Ich würde antworten: Sie können auch alles infrage stellen, was ich sage.”

dann redet man nicht miteinander sondern übereinander…

132 Morph 1. Dezember 2009 um 11:52

@wgn
“Warum? Wenn ich alle Sinneswahrnehmungen als “konstruiert” bezeichne, macht dann der Begriff des “Konstruktivismus” auch keinen Sinn mehr?” – ganz recht! Aus genau diesem Grund ist der radikale Konstruktivismus auch ein so armseliges theoretisches Gebäude. Eine Art Kantianismus für Doofe.
Ein Begriff kann nur dann einen kontrollierbaren Aussagegehalt haben, wenn er “genus proximum” und “differentia specifica” mitteilt, d.h. wenn er einen allgemeineren Sachverhalts formal spezifiziert. Gehaltvolle Begriffe setzen daher voraus, dass es auch Formen der von ihnen gemeinten allgemeineren Sachverhalte geben kann, der nicht unter sie zu subsumieren sind. Gute Begriffe sind begrenzt. Und wenn ein Begriff in seinen Grenzen einen Gegenstand auf operativ nachvollziehbare Weise erfasst, ist er genau aus diesem Grund ein guter Begriff. Das hat die von vielen Leuten als schmerzlich empfundene Konsequenz, dass das Wesen einer Sache, das, was es insgesamt an und für sich ist, nicht auf einen gehaltvollen Begriff gebracht werden kann. Was Denken an und für sich ist lässt sich genauso wenig auf einen gehaltvollen Begriff bringen wie das Wesen des Geldes oder das Wesen der Wirtschaft. Man kann nur verschiedene Teilaspekte beleuchten und deren Implikationen untersuchen, weshalb ich z.B. Deine Beobachtung, dass Tauschfunktion, Wertspeicherfunktion und Verrechnungsfunktion des Geldes drei Aspekte sind, auf die sich verschiedene Beobachter mit unterschiedlicher Intensität beziehen, außerordentlich fruchtbar finde. Geld als Tauchmittel, als Wertspeicher, als Verrechnungsmaß, das sind drei begrifflich wohlgeformte Aspekte des Geldes, die sich nicht aufeinander reduzieren lassen, sondern gerade in ihrer Inkongruenz und Partikularität erhellend sind.

133 Nanuk 1. Dezember 2009 um 11:57

@Morph
Dann nennen sie mir doch mal die verschiedenen Teilaspekte eines Kieselsteins

134 Rüdiger Kalupner 1. Dezember 2009 um 12:00

‘Theorie der 2% Wachstumszwang-Herrschaft für Jedermann – Wie funktioniert das 2%-Monster?’ – so lautete der Titel des Buchs, das ich schreiben würde, wenn mir dies nicht meine chaosphysikalischen Erkenntnisse verbieten würde. Diese Erkenntnisse zwingen mich auf die Welt der Innovations- und Machtspiele, konkret: auf den Versuch, die Geniepunkt-Änderung / -Innovation an oberster Stelle anzubieten und auf die geduldige Vorbereitung auf die realpolitische Geniepunkt-Aktion des Tages X. Chaosphysikalische Erkenntnisse deuten auf die e i n e, dramatisch-falsche Weichenstellung als Quelle aller Fehlentwicklung, die nur durch eine genial-einfache Innovation an der Geniepunkt-Stelle im Steuerungssystem des weltindustriellen Fortschrittsprozesses zu ändern ist.

Um diese Innovation in die Realität zu implementieren (= Umsteuerung der Fortschrittslogik), muß man auf die vorrevolutionäre Zuspitzungssituation warten können (= TINA-Konstellation, wenn das Ancien Régime nichts mehr kann), und zwar in der Gewißheit, dass sich dann eine personelle Koinzidenz ereignen wird – in der Form eines neuen Gorbatschow oder einer Gorbatschowa, die die Spitze der formalen Herrschaftsstruktur erreicht und die dann diese Innovation aus eigenem Erfolgsinteresse realisiert.

Von diesem sachlich-personellen Koinzidenz-Szenario sind wir nicht mehr weit entfernt. Angela Merkel ist Bundeskanzlerin und sie bereitet sich auf das Koinzidenz-Szenario vor. Wenn sie die Diskussion über das EPIKUR-Projekt, über den EPIKUR-Lohn und die EPIKUR-Steuersystem-Revolution anstößt, und die Inhalte der evolutionsprozess-logisch vollendeten, KREATIVEN ORDOliberalismus beschreiben wird, und sagen wird, dass nun der Keynesianismus und die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik völlig überflüssig geworden sind, dann werden Bücher wie ‘Keynes für Jedermann’ nur noch für Wirtschaftshistoriker und für Aufklärer interessant sein, die sich über die alle verwirrenden Rumpelstilzchen- und geheimen Steuerungswissen- und Machttricks der KAPITALSTOCKMAXIMIERER auslassen wollen.

Aber bevor der Tag X durch Angela Merkel nicht definiert ist, kann die Verwirrung und das Kannitverstan auf allen Seiten nur weiter zunehmen.

135 Dietmar Tischer 1. Dezember 2009 um 12:06

@ Nanuk

>Dietmar Tischer
“Ich würde antworten: Sie können auch alles infrage stellen, was ich sage.”
dann redet man nicht miteinander sondern übereinander…>

Sie sind verwirrt.

Wenn wir infrage stellen, was wie SAGEN, dann reden wir nicht übereinander, sondern über das Gesagte.

136 Nanuk 1. Dezember 2009 um 12:09

@Dietmar Tischer
Das gesagte ist aber in diesem moment dein ich zumindest für dein gegenüber.

137 Nanuk 1. Dezember 2009 um 12:11

@Dietmar Tischer
Wir kommunizieren halt nicht nur Sachverhalte wir werden auch am gesagten gemessen.

138 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 12:21

@Morph

>Eine Art Kantianismus für Doofe.

Aha – wieder was gelernt.

>Gehaltvolle Begriffe setzen daher voraus, dass es auch Formen der von ihnen gemeinten allgemeineren Sachverhalte geben kann, der nicht unter sie zu subsumieren sind. Gute Begriffe sind begrenzt. Und wenn ein Begriff in seinen Grenzen einen Gegenstand auf operativ nachvollziehbare Weise erfasst, ist er genau aus diesem Grund ein guter Begriff.

Genau darin lag doch zu allen Zeiten der Quell aller Ideologie, oder etwa nicht? Oder nach welchen Kriterien wird “begrenzt” und “operativ nachvollzogen”?

Der “Begriff” markiert bekanntlich immer eine Seite einer Unterscheidung. Welche Seite, welcher Unterscheidung – das ist die Frage, bei der die Ideologie ins Spiel kommt. Aber alleine schon der Umstand, dass ich überhaupt eine Unterscheidung treffe, kann bereits auf purer Ideologie beruhen.

139 Hacki 1. Dezember 2009 um 12:27

Keynes intellektueller Geniestreich ist für mich, dass er das Saysche Theorem ablehnte, demzufolge sich jedes Angebot seine Nachfrage schafft. Und dies in einer in sich logisch konzipierten Theorie auch zeigen konnte, dass es so sein muss.

Ich weiss gar nicht , was dass ist Angebotstheorie.

Lenkung von Einkommensströmen?

140 soffi 1. Dezember 2009 um 12:29

@ wgn – 119

“Gleichwohl ist Hayek selbst in “Road to Serfdom” aber konkrete Antworten auf konkrete Fragen schuldig geblieben. Ich halte das Buch unter sozial-ethischen Gesichtspunkten für sehr lesenswert – aber aus wirtschaftspolitischer Sicht ist es ziemlich Wischi-Waschi. ”

dein eindruck mag sogar der realität entsprechen. dies wir daran liegen, dass Hayek – wie wohl die Austrians an sich – keine großen freunde der wirtschaftspolitik = interventionismus sind. diese einstellung ist sicherlich einer gewissen bescheidenheit geschuldet, die die prinzipielle fehlbarkeit der menschlichen vernunft – auch der eigenen – anerkennt und akzeptiert. ich halte diese einstellung für richtig und alternativlos. für ethisch.

was mit der wirtschaft geschieht, wenn man diese einstellung nicht hat, bekommen wir gerade eindrucksvoll vor augen geführt.

“Wische-Waschi” ist daher wohl eine falsche wortwahl. wobei sich die frage anschließt, ob wirtschaftspolitik überhaupt ethisch sein kann.

141 Dietmar Tischer 1. Dezember 2009 um 12:30

@ Nanuk

>Das gesagte ist aber in diesem moment dein ich zumindest für dein gegenüber.

Wir kommunizieren halt nicht nur Sachverhalte wir werden auch am gesagten gemessen.>

Jetzt stellen Sie sich bitte mal nicht so blond an.

Ist ja alles richtig und noch viel mehr ist richtig, aber der entscheidende Punkt ist:

Man kann gegenseitig alles, was gesagt wird, infrage stellen.

142 holger 1. Dezember 2009 um 12:40

fölig OT
Also es gibt Tage…

Noch liege ich laut, brüllend, lachend auf dem Boden.

Da gibt es ganz gemeine Schwerverbrecher, und die gehören ganz klar, hinter Schloß und Riegel. Kein Thema. (da gehören noch mehr hin z.B. Bush, Blair und Konsorten)

Nun muss man sich mal vorstellen, der Kerl, ausgebrochen unter nicht “normalen” Umständen, fährt am Tage mit einem Fahrrad auf der Bundesstraße herum.

Nicht wie taktisch gemeldet wurde, in der Weltstadt Bielefeld oder gar Paderborn.

Man kann annehmen, dass er für den Ironman auf Hawaii trainiert hat. Wird von der Straße von einem SEK Kommando gedrängt und überwältigt.

Ja ist denn schon wieder Schweinegrippe?

Hat der denn, wenigstens, einen Helm aufgehabt? Hat das Kettler Alurad, einen Dynamo gehabt, Bremsen, etc. pp. für StVo? Sonst droht nämlich noch ein weiteres Verfahren.

Peter Paul M. so blöd können nur Deutsche sein.

Zustände in diesem Land…

143 Nanuk 1. Dezember 2009 um 12:41

@Dietmar Tischer
“Man kann gegenseitig alles, was gesagt wird, infrage stellen.”

Eben nicht!Es gibt für mich dinge die niemand in Frage stellen darf.

144 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 12:44

@Hacki

Angebotstheorie bzw supply-side-economics zäumt jedes wirtschaftspolitische Problem von den Angebotsbedingungen her auf, sprich dem Standortwettbewerb, der internationalen Konkurrenzfähigkeit der Betriebe, der niedrigen Steuern usw. Das Gros der deutschen Ökonomen, auch wenn sie sich als “Keynesianer” bezeichnen, sind in meinen Augen alle verkappte Supply-Sider.

145 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 12:55

@ wgnx 144

Jawohl. (Also ich könnte jetzt zum 2 Mal alles untrschreiben. Aber das ist nur etwas für mich – ich zähle es einfach und ich freue mich. Man darf es doch ;-)

146 S.K. 1. Dezember 2009 um 12:56
147 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 13:01

@ Hacki 120

Ich stelle mir gerade vor unsere grossen Firmen VW, BMW, THYSSEN, HANIEL, SIEMENS, usw. würden zerschlagen werden.
Als wenn , dass irgendein Problem lösen würde. Im Gegenteil.

Da fällt mir was ein:

Was bedeutet nämlich Outsourcing? Eine sanfte Entmonopolisierung: Ent-Vermachtung (Steuung des Eigentums). So wie es unsere Ordo-s es sich wünschten! Und die Große Depression kam trotzdem. Na Klasse ;-)

148 holger 1. Dezember 2009 um 13:08

@ nanuk

–>Eben nicht!Es gibt für mich dinge die niemand in Frage stellen darf.”

Welche? Und warum nicht?

149 Morph 1. Dezember 2009 um 13:13

@wgn
“Genau darin lag doch zu allen Zeiten der Quell aller Ideologie, oder etwa nicht? Oder nach welchen Kriterien wird “begrenzt” und “operativ nachvollzogen”?”
Zunächst einmal wird nach den Maßgaben der Wahrnehmung unterschieden, die uns glücklicherweise mit einer absoluten (allerdings standortbezogenen) Gewissheit über gegebene Unterschiede ausstattet (wie diese Unterschiede zu unterscheiden, d.h. zu interpretieren sind, ist schon eine Frage, die nicht ein für alle Mal beantwortet werden kann). Was die Wahrnehmung uns zeigt, ist, aufgepaßt, Leute!, eine nichtrelative, objektive, zweifels- und ‘wissens’resistente Struktur von Welt! Z.B. wenn ich in einem Ruderboot sitze und das Ruder betrachte, was sehe ich da? Genau: ein gebrochenes Ruder. Wenn ich es herausziehe, merke ich aber, oh Wunder, das Ruder ist intakt! Dieses Wissen führt aber nun nicht dazu, dass meine Wahrnehmung, aufgeklärt über den ‘wahren’ Sachverhalt, mir ein intaktes Ruder zeigt, wenn ich es wieder ins Wasser eintauche. Das ist doch bemerkenswert. Die Wahrnehmung kümmert sich überhaupt nicht um mein Weltwissen und zeigt mir genau die Unterschiede, die sie mir zeigt. Ich kann sie aber durch geeignete Modelle wegerklären (z.B. durch die Modelle der physikalischen Optik). Und es erweist sich als sehr nützlich, wenn man über Interpretationsweisen (Begriffe) verfügt, die aus den wahrnehmbaren Unterschieden die handlungsrelevanten von den handlungsirrelevanten unterscheiden.

“Der “Begriff” markiert bekanntlich immer eine Seite einer Unterscheidung. Welche Seite, welcher Unterscheidung – das ist die Frage, bei der die Ideologie ins Spiel kommt.”

Nicht notwendig. Zunächst mal kommt Praxis ins Spiel, nicht Ideologie.

“Aber alleine schon der Umstand, dass ich überhaupt eine Unterscheidung treffe, kann bereits auf purer Ideologie beruhen.”

Ich übersetze Ideologie für mich mit “Dogmatik”, und dogmatisch ist für mich jeder Glaube an ausgedachte Grundtatbestände (des Lebens, der Wirtschaft, der Kunst usw.). Ich denke, dass man ohne das auskommen kann. Z.B. handelt es sich bei meiner Überzeugung, dass Wahrnehmung mir eine unbezweifelbare Gewissheit über wirklich bestehende Strukturen verschafft, nicht um ein Dogma, sondern um etwas, das sich in meiner Wahrnehmung (zu meinem Erstaunen) immer wieder zeigt. Und ich kann nur jeden auffordern, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen, ob es ihm mit ihr nicht ähnlich ergehe. Und bisher hat noch jeder zugestimmt, dass es sich z.B. mit Ruderboot und dem Ruder genau so verhält wie ich es an meiner Wahrnehmung festgestellt habe.

150 Nanuk 1. Dezember 2009 um 13:23

@holger
Das merkt man wenn man sie mir stellt…

151 Morph 1. Dezember 2009 um 13:24

@wgn

btw, warum erachtet Luhmann eigentlich Wahrnehmung für den ’symbiotischen Mechanismus’ des wissenschaftlichen Wissens. Wie kommt er darauf, das gerade die Wahrnehmung the real asset ist, der in letzter Instanz hinter dem Code wahr/unwahr steht, der die wissenschaftliche Kommunikation reguliert. Wer Luhmann mit den Trugschlüssen der radikalen Konstruktivisten liest, kann überhaupt nicht erklären, wie Luhmann zu seinen Einsichten gelangt. Er war kein radikaler Konstruktivist, sondern zunächst einmal ein Phänomenologe. Und zwar ein Phänomenologe, der sich für die Phänomenologie der nicht phänomenologisch operieren könnenden Kommunikation interessierte.

152 Dietmar Tischer 1. Dezember 2009 um 13:28

@ Nanuk

>Eben nicht!Es gibt für mich dinge die niemand in Frage stellen darf.”>

Es geht um das, was gegenseitig gesagt wird – wobei Sie es SELBST in der Hand haben, etwas nicht zu sagen. Das wird dann auch niemand infrage stellen.

Wenn Sie aber das, was Sie gesagt haben in Erörterungen mit Klärungsbedarf, nicht infrage stellen lassen, verabschieden Sie sich aus der Diskussion.

153 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 13:46

@Morph

>Und bisher hat noch jeder zugestimmt, dass es sich z.B. mit Ruderboot und dem Ruder genau so verhält wie ich es an meiner Wahrnehmung festgestellt habe.

In Nazi-Deutschland soll es auch regelmäßig und über alle Maßen Zustimmung gegeben haben, dass Juden Volksschädlinge sind; und in den USA des frühen und mittleren 20 Jahrhunderts, dass “Neger” stinken; und im Südafrika fast des gesamten 20. Jahrhunderts, dass Schwarze Menschen 2. Klasse sind. Deine eigenen Kriterien wurden da also regelmäßig erfüllt.

Was wäre dann damit bewiesen?

154 keiner 1. Dezember 2009 um 13:48

Das die Schweizer auch nicht besser sind, als die Nazis? Das es schon wieder losgeht, mit der Ausgrenzung, die am Ende in Gewalt enden MUSS…?

155 froZ 1. Dezember 2009 um 13:49

@ HAM #99

Nur in aller Kürze; das ganze hier ist ja ein wenig in alle Richtungen zerfasert, woran ich vielleicht nicht ganz unschuldig bin.

Ich bezog mich vorher auf Deine #46 und fand schon, daß Du da so etwas dichotomisch argumentiert hast: früheres intergenerationelles Bewußtsein vs. ökonomisch bedingter Individualisierung im 20. Jh. etc. … Eigentlich wollte ich nur darauf hinaus, daß solche Einteilungen und Abtrennungen immer ein bißchen was Willkürliches haben und dem Wunsch des Betrachters nach Ordnung und Gliederung entsprechen. In der historischen Realität gibt es Tiefenströmungen und versteckte Entwicklungen, “das beständige Murmeln des fließenden Wassers zwischen den harten Segmenten” (aus der Erinnerung zitiert, Deleuze?) – und speziell die Individualisierung ist nun ein Prozeß, den man in Europa bis ins späte Mittelalter zurückverfolgen kann, zu belegen etwa durch Dichtung, Malerei und – wie von Aries besonders beschrieben – Bestattungskultur.

@ wgnx

Spannend fand ich ja die Frage, ob die aus heutiger Sicht lange Bauzeit mittelalterlicher Dome eher etwas mit Finanzierungs-Engpässen zu tun hatte, oder aber mit bautechnischen Beschränkungen. D.h. hätte mehr Finanz-Input bei gegebener Verfahrenstechnik die Bauzeit abkürzen können, oder aber nicht? Ich habe mal nachgeschlagen, aber nichts Explizites dazu gefunden. Allerdings scheinen mir die für vergleichbare Kirchenbauten einer Epoche doch erstaunlich einheitlichen zeitlichen Abläufe eher dafür zu sprechen, daß es gewisse technische Engpässe gab, die auch durch eine konzentrierte Allokation von Mitteln nicht ohne weiteres zu überwinden waren.

156 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 13:58

@Morph

>Er war kein radikaler Konstruktivist, sondern zunächst einmal ein Phänomenologe.

“Draw a distinction” heißt es bei Spencer-Brown. Ein Satz, den Luhmann andauernd predigt. Wie verträgt sich das mit deiner Darstellung?

Wenn man Luhmann tatsächlich ernst nimmt, dann “erscheint” überhaupt nichts – Verweise auf Husserl & Co. führen deshalb auch nur bis zu einem gewissen Punkt, aber nicht darüber hinaus.

“Wahrheiten” kann Luhmann daher in meinen Augen auch nie anders verstanden haben, als etwa Heinz von Förster: es sind “Differenzen”, die qua Konsens eine bestimmte Zeit lang “funktionieren”. Die “Wahrheit” der Nazis, der Apartheid und des Ku Klux Klans “funktionierten” qua Konsens ebenfalls, aber eben nur eine gewisse Zeit lang.

Dein Vergleich mit dem Ruder, den zu Boden fallenden Steinen usw zieht deshalb nicht, weil es sich um simple, leicht und unmittelbar für jedermann nachvollziehbare Wahrheiten handelt. Auf diesen Gebieten wird sich die Ideologie-Frage daher auch kaum jemals stellen. Wesentlich schwieriger wird es natürlich bei all den Dingen, die man grundsätzlich gar nicht “wissen” kann.

157 Morph 1. Dezember 2009 um 13:59

@wgn
Nein, wurden sie nicht, denn wenn ich richtig informiert bin, war die Zustimmung in all den genannten Fällen durchaus nicht allgemein. Bei meinem Ruderbeispiel ist das anders. Ich z.B. hätte in keinem der von Dir genannten Fälle zugestimmt, denn mir scheinen die Interpretationen und Evidenzen, die in den Urteilen atikuliert werden, ziemlich abwegig. Hättest Du zugestimmt? Zunächst einmal fällt ja auf, dass die Klassifikation von Leuten als Schädlingen auf einer metaphorischen Übertragung beruht, allein das sollte einen skeptisch machen. Ebenso die jede phänomenologische Angemessenheit überschreitende Wertung im olfaktorischen Urteil, das insbesondere in der generalisierenden Form von vornherein inakzeptabel ist.
Nein, Ideologie ist kein Schicksal. Mit etwas Nachdenken kann man sie durchschauen. Oder würdest Du sagen, dass die Fundamentalisten dieser Welt nur eine andere Ideologie haben, die wir an ihrer Stelle auch haben müssten, dass also die fundamentalistisch begründeten Formen der Zerstörung und der Massentötungen unvermeidlich waren, sind und sein werden? Dass wir als unvermeidliche Ideologen immer schon virtuelle Massenmörder sind, denen einfach nur die passenden Unterscheidungen und die Gelegenheit fehlen. Not my view.

158 Morph 1. Dezember 2009 um 14:14

@wgn#156
“draw a distinction” – sicher, wir sind verurteilt dazu zu interpretieren (auch dies eine sich in der Wahrnehmung erschließende Gewissheit), und wir überschreiten damit den Rahmen des gewissen Wissens. Und genau dies kann man wissen. Und Ideologen vergessen genau das. Im Übrigen halte ich sowohl Spencer Brown, als auch seine passe-par-tout-Funktion, wo immer es um Emergenz geht bei Luhmann, für theoretisch schwach. Nach meiner Lektüre hat Luhman seine wesentlichen Einsichten in seinen frühen Aufsätzen (gesammelt in den Bänden soziologische Aufklärung) relativ vollständig artikuliert. Seit den 1980er Jahren wird es mehr und mehr redundant.
Der Grundfehler liegt m.E. darin, dass Luhmann der Anweisung “Draw a distiction” und ihrer paradoxen Produktivität mein schließen zu können, dass jede Unterscheidung operativ vollzogen werden muss, um zu bestehen. Das ist allein logisch unhaltbar. Dass ich auf Aufforderung den Kammerton a singen kann, heißt doch noch lange nicht, dass jede Instanziation des Kammertons a auf die Performanz eines Sängers zurückzuführen ist.
Ich empfehle übrigens jedem, Spencer Brown mal wirklich zu lesen. Ziemlich unsympathischer, verstiegener Kerl. Der Kalkül als solcher ist ganz witzig, aber hinsichtlich der Gütekriterien logischer Notation durchaus kritikwürdig. Und ansonsten, die Vorworte etc. m.E. mystischer Bullshit!

159 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 14:31

@Morph

>Nein, wurden sie nicht, denn wenn ich richtig informiert bin, war die Zustimmung in all den genannten Fällen durchaus nicht allgemein.

“allgemein” ist hier keine Frage der absoluten Bedeutung, sondern der relativen, i.e. in Form von politischen Mehrheiten oder gesellschaftlichem “Konsens”.

>Ich z.B. hätte in keinem der von Dir genannten Fälle zugestimmt, denn mir scheinen die Interpretationen und Evidenzen, die in den Urteilen atikuliert werden, ziemlich abwegig.

Klar, aber nur aus deiner aktualistischen ex-post-Betrachtung, inklusive einer eindringlichen Sozialisierung in die jeweilige Gegenrichtung. Aber was wäre gewesen, wenn du in Deutschland anno 1930 aufgewachsen wärst und deine Eltern glühende Anhänger des Regimes oder womöglich sogar dessen Funktionäre gewesen wären?

Oder, um es mit Mannheim zu sagen: Dein Lebenszusammenhang ist ein ganz anderer, um in dieser Frage überhaupt urteilen zu können.

>Hättest Du zugestimmt?

Weiß ich nicht. Womöglich ja; womöglich nein.

>Oder würdest Du sagen, dass die Fundamentalisten

Das hat mit “Fundamentalismus” nicht das Geringste zu tun. Mir scheint, wir reden echt aneinander vorbei. Hier ein Zitat aus Mannheims “Ideologie und Utopie”, damit klar wird, worüber ich rede:

“Der Begriff der Ideologie reflektierte die dem politischen Konflikt verdankte Entdeckung, dass herrschende Gruppen in ihrem Denken so intensiv mit den Interessen einer Situation gebunden sein können, dass sie schließlich die Fähigkeit verlieren, bestimmte Tatsachen zu sehen, die sie in ihrem Herrschaftsbewusstsein verstören könnten. In dem Wort Ideologie ist implizit die Einsicht enthalten, dass in bestimmten Situationen das kollektive Unbewusste gewisser Gruppen sowohl diesen selbst wie anderen die wirkliche Lage der Gesellschaft verdunkelt und damit stabilisieren wirkt.”

160 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 14:35

@ Morph 158

Soviel ich es beurteilen kann – ich bin kein Soziologe -, ist Luhmann schon für die Soziologie ziemlich ohne Bedeutung – längst überholt. Dass er etwas kluges für die WiWi bieten kann, naja … (soll ich lieber schweigen) … Arme WiWi …

161 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 14:42

@Morph

>sicher, wir sind verurteilt dazu zu interpretieren

Eben nicht: Wir sind dazu verurteilt, zu KONSTRUIEREN. Und du konstruierst vor dem Hintergrund deiner eigenen Lebenswirklichkeit. DU konstruierst rechte Winkel, die ein Amazonas-Ureinwohner noch nicht mal “sehen” kann; DU findest den Kapitalismus scheiße, weil du ausschließlich nach Kapital/Arbeit oder haben/nicht-haben unterscheidest, während er für andere das größte ist, weil die nur entlang Freiheit/Unfreiheit denken. Da wird nichts “interpretiert” – da wird seligiert. Interpretieren setzt voraus, dass etwas “da” ist, was man zutreffend oder unzutreffend auslegen kann. Konstruieren heißt, dass ich das “etwas” erst schaffe, in exakt dem Moment, in dem ich es zu denken oder zu kommunizieren beginne.

162 aifran 1. Dezember 2009 um 14:46

… Freiheit der Habenden
… Unfreiheit der Nichthabenden

passt doch bestens zusammen … (was wäre das eine ohne das andere?)
:-)

163 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 14:58

@keiner

>Das es schon wieder losgeht, mit der Ausgrenzung, die am Ende in Gewalt enden MUSS…?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich zu dieser Minarett-Entscheidung stehen soll. Moscheen und freies Praktizieren des Glaubens soll ja weiterhin ungehindert möglich sein. Ergo reduziert sich das Ganze womöglich auf nichts anderes als Symbolismen.

Summa summarum halte ich die Schweizer Entscheidung daher für nicht wirklich soooo weltbewegend, wie sie jetzt dargestellt wird. Die diversen “Kopftuchverbote” wiegen da meines Erachtens deutlich schwerer.

164 Morph 1. Dezember 2009 um 15:02

@wgn
was Mannheim beschreibt, bezieht sich aber nicht auf das Denken und seine ideologische Imprägnierung, die Du unterstellst, sondern auf öffentliche Diskurse und was in ihnen gesagt oder verschwiegen wird, und Mannheim erklärt das durch Herrschaftsinteressen.

“Klar, aber nur aus deiner aktualistischen ex-post-Betrachtung, inklusive einer eindringlichen Sozialisierung in die jeweilige Gegenrichtung.”
Bitte lies genau. Ich begründe meinen Dissenz mit rassistischen Urteilen nicht dadurch, dass ich die rassistisch klassifizierten Leute gegenklassifiziere und mit irgendwie ansozialisierten Gegenstereotypen assoziiere. Rassismus ist nicht abzulehnen, weil er (aus heutiger Sicht) gefährlich, zynisch, whatever ist, sondern weil er schlicht und ergreifend die Tatsachen falsch darstellt und schon immer falsch dargestellt hat. Und dass ich, wenn ich in einer Familie von Rassisten aufgewachsen wäre, zu rassistischen Vorurteilen geneigt hätte, ist relativ wahrscheinlich, wenn man bedenkt, wie Kinder sich ein Weltbild bauen. Aber bei diesem Weltbild muss es nicht bleiben, wenn Jugendliche anfangen selber zu denken. Und da bin ich allerdings Kantianer: Selber denken kann jeder. Genauso wie selber wahrnehmen. Es gibt Umstände, die das fördern oder behindern, aber grundsätzlich ist selbständiges Denken und Wahrnehmen möglich. Luhmann hin oder her. Und von Förster, ja, der ist natürlich extrem amüsant, aber ein großer Denker, ich weiß nicht.
Interessant in diesem Zusammenhang der Vortrag von Luhmann: Erkenntnis als Konstruktion, Bern: Benteli, 1988. Zitat: “Und die letzte Mode in der Erkenntnistheorie heißt ‘radikaler Konstruktivismus’. … Je mehr der Konstruktivismus sich im Umterschied zu anderen Erkenntnistheorien als ‘radikal’ behauptet, desti mehr kann man deshalb zweifeln, ob nun diese Theorie (erstmals) das Problem der Erkenntnis gelöst hat, und sogar: ob sie wenigstens ihre Hausaufgaben ordentlich gemacht hat. Wer sich an das erinnert, was Kant (mit Bezug auf Descartes) ‘problematischen Idealismus’ genannt hat, wird nicht so leicht erkennen, was denn der radikale Konstruktivismus an prinzipiell Neuem zu sagen hat.”

Ich kenne einige Protagonisten des radikalen Konstruktivismus. Die hat das damals ganz schön angepisst (insbesondere das mit den Hausafgaben). Komischerweise bekennt sich von denen heute keiner mehr zu diesem Begriff…

165 Hacki 1. Dezember 2009 um 15:08

@Systemfrager

Ja, warum werden nicht alle Dax-Unternehmen in Stiftungen umgewandelt.

Ökonomisch spricht nichts dagegen.
Und politisch alles dafür.

Das viele Unternehmer und Kapitalbesitzer Hitler finanziert haben ist unbestritten.
Genau die gleichen Unternehmer und Kapitalbesitzer haben Mises und Hayek finanziert.

@wgn

“Ausgaben auf Pump” können die Gesellschaft reicher machen.”
General Theory S. 128 f.

Gibt es so etwas wie Zinseszinsen wirklich?

Ich sehe nur eine bedauerliche Ungleichverteilung von Einkommen, die aber nichts mit der Staatsverschuldung oder einem Zinseszinseffekt zu tun haben, sondern damit das die Unterschicht nicht wählen geht und ihre eigenen Interessen vertritt und so eine andere Verteilung von Einkommen verhindert wird.
Unser Schulsystem ist in seiner Struktur immer noch antidemokratisch.

166 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 15:11

@ Morpf

Nein, Konstruktivismus ist nicht tot, hat sich aber so wenig durchgesetzt wie Luhmann etc. Aber:

Wer hat das Wort konstruieren zum Totschlagargument gemacht? Der Ganove Hayek. Ursprünglich bedeutete konstruieren eine reine praktische Tätigkeit eines Technikers/Ingenieurs. Es war also kein Wort/Terminus der Naturwissenschaften. In der Naturwissenschaft wird die Theorie nicht konstruiert. Weder früher noch heute!!! Punkt.

Der Ganove Hayek wollte die deduktive Methode verleumden, so dass er sie begonnen hat als konstruktivistisch zu verspotten. Das Gegenteil von der konstruktivistisch sollte die empirisch-induktive und zwar streng individualistische (reduktionistische / par-pro-toto) Methode als richtig gelten. Frei übersetzt: Makro ist nur ein großes Mikro. Die Volkswirtschaft ist nur die Summe der Betriebe. Und das ist ein UNSINN.

Schon der Vater des Empirismus und der Induktion Becon (1561-1626) hat gewarnt. Man müsse unendlich auf die Fehler (Trugbilder) dieser Methode aufpassen. Heute wissen wir: Die Wissenschaften sind zwar empirisch aber nicht induktiv, sondern deduktiv (holistisch). (Sogar Popper wusste es.) Hayek und Östereicher haben nur Blödsinn verzapft.

167 Geronimo 1. Dezember 2009 um 15:34

Geld ist keine Ware?
so, so, welche Ware wird denn hier gehandelt?:

http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/11/spekulation-statt-produktion.html

” 2007 wurden am Devisenmarkt täglich 3,21 Billionen US-Dollar gehandelt, ein Anstieg von +71% gegenüber dem Jahr 2004, davon etwa 1 Billion US-Dollar allein im Kassahandel, der “Rest” von täglich 2,1 Billionen Dollar am Terminmarkt und mit Derivaten (Foreign Exchange Swaps)! “

168 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 15:44

@Morph

>was Mannheim beschreibt, bezieht sich aber nicht auf das Denken und seine ideologische Imprägnierung, die Du unterstellst,

Nicht in diesem Zitat – und ich unterstelle gar nichts: Mannheims “totaler Ideologiebegriff” ist ja nun wahrlich nicht meine Erfindung.

>sondern weil er schlicht und ergreifend die Tatsachen falsch darstellt und schon immer falsch dargestellt hat.

Mag sein, aber die spannende Frage lautet, ob du die Darstellungen aus deinem jeweiligen Lebenszusammenhang heraus als “falsch” erkennst.

>Und da bin ich allerdings Kantianer: Selber denken kann jeder.

Wir fangen an, uns im Kreis zu drehen.

>Die hat das damals ganz schön angepisst (insbesondere das mit den Hausafgaben).

Es interessiert mich nicht im Geringsten, was der eine Blinde über den anderen sagt.

169 HAM 1. Dezember 2009 um 15:48

@weissgarnix #163
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich zu dieser Minarett-Entscheidung stehen soll. Moscheen und freies Praktizieren des Glaubens soll ja weiterhin ungehindert möglich sein. Ergo reduziert sich das Ganze womöglich auf nichts anderes als Symbolismen.

In der Schweiz gibt es Religionsfreiheit. Jeder kann an das glauben, was er will. Auch Moscheen oder sonstige Tempel bauen, soviel er will.

Was jene Schweizer wollen, die für das Minarett-Verbot stimmten, ist die Bewahrung ihrer Schweizer Kultur im öffentlichen Erscheinungsbild. Hier haben sich die Kulturbewahrer durchgesetzt.

Im Übrigen ist dies nichts Ungwöhnliches.
So wird in den meisten Gemeinden von der Bauordnung ein bestimmtes Erscheinungsbild vorgegeben wird. In bayerischen Kommunen wird man wahrscheinlich keine ostfriesischen Häuser mit Reetdächern finden.

Und die Züricher wollen aus ihrer Altstadt auch kein Frankfurt mit den Kathedralen des Kapitals machen.

Religionsfreiheit bedeutet auch:
Freiheit von Religion im öffentlichen Raum.

Und deshalb dulden die Franzosen auch keine Kopftücher in ihren öffentlichen Schulen.

170 goodnight 1. Dezember 2009 um 15:51

@Morph

“Der Grundfehler liegt m.E. darin, dass Luhmann der Anweisung “Draw a distiction” und ihrer paradoxen Produktivität mein schließen zu können, dass jede Unterscheidung operativ vollzogen werden muss, um zu bestehen. Das ist allein logisch unhaltbar.”

Yep, das ist lustig. “Draw a distinction” führt ja zur Paradoxie, weil die Unterscheidung nur als Einheit zu vollziehen ist, da ich ja nur unterscheiden kann, was vorher zusammen war, sonst macht die ganze Unterscheidung ja keinen Sinn und es würde ja keine Paradoxie entstehten, weil ja auch die “Paradoxie” nur Sinn als Einheit macht … whatever, das mit der Logik müssen wir nochmals Üben ;-)

Aber beside that: Bemerkenswert, dass WGN langsam aber sicher wirklich versteht…. und nope, natürlich auch alles in der Naturwissenschaft nur Wahrheit per Definitionem, d.h. per Kommunikation.

171 Morph 1. Dezember 2009 um 16:06

@systemfrager

der erkenntnistheoretische Konstruktivismus zielt m.E. auf etwas anderes als die methodologische Debatte zwischen rationalistisch vs. empiristisch motivierten Methodikern in den Einzelwissenschaften. Im Übrigen wäre die Frage, ob Luhmann ‘längst überholt’ sei, m.E. falsch gestellt, denn grundlagentheoretische Angebote werden nicht übeholt, sondern haben Konjunkturen. Es ist ja nicht so, dass Luhmann Talcott Parsons und dieser Max Weber überholt hätte. Es gibt immer noch Parsonsanhänger, Leute, für die Max Weber eine unüberholte theoretische Referenz ist und, ja, Luhmann-Anhänger gibt es natürlich auch noch, und es ist kein Wunder, dass in den Jahren nach seinem Tod es etwas stiller um die Systemtheorie geworden ist, es ist durchus icht unwahrscheinlich, dass irgendwann in zwanzig Jahren, wenn z.B. die Migrationswellen die europäischen Metropolen so verändert haben, dass man ohne interkulturelle Kompetenz und die Einstellung auf Beobachter höchst unterschiedlicher Lebenswelten nicht mehr weiter kommt, dass dann Luhmann eine Renaissance erlebt.

@wgn

Ich halte die Idee einer referenzlosen Konstruktion von Unterscheidungen ja auch für höchst aufschlussreich, gerade im Bereich der Kommunikationsanalyse. Aber dieses (paradoxale) Modell der Gegenstandskonstitution erhält seine Würze, sage ich mal, nur, wenn man es von einer Sphäre unproblematischer Gegenständlichkeit (und ihrer objektiven Erkennbarkeit) streng unterscheidet. Wer die Beobachtung 2. Ordnung meint vollziehen zu können ohne die Beobachtung 1. Ordnung, der beobachtet nicht, sondern geht den Leuten mit läppischen Provokationen auf den Keks, ‘die erfundende Wirklichkeit’, alles was ist, eine rekursive Errechnung unseres neuronalen Systems, ‘türlich, ‘türlich, nur ist es für uns alle, denke ich, ein ziemlich entscheidender Unterschied, ob uns der Gedanke an eine Kugel durch den Kopf geht, oder diese Kugel selbst.
Und im Übrigen: Nicht nur die Indianer können den rechten Winkel nicht sehen, uns selbst gelingt das ebenso wenig. Wie interpretieren das Gesehene als rechten Winkel, wenn wir es tun. Und wenn wir dem Indianer das Interpretationsschema vermitteln, wird auch er Gesehenes im geeigneten Fall als rechten Winkel interpretieren (und zwar, und das ist das Entscheidende: angesichts derselben Wahrhehmungstatsachen wie wir!).

172 HAM 1. Dezember 2009 um 16:09

Auch in Italien gibt es einen Kampf der Kulturbewahrer gegen die Aufoktroyierung des Multikulturalismus durch die EU.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,659474,00.html

173 Morph 1. Dezember 2009 um 16:20

@goodnight
“nope, natürlich auch alles in der Naturwissenschaft nur Wahrheit per Definitionem, d.h. per Kommunikation.” Würde ich auch nicht bestreiten. Die Kommunikation kann in Wahrheit, ebenso wie in Macht, Geld oder in Liebe bemerkenswert komplexe Formen aufbauen. Gleichwohl geht das nur auf der Basis hintergründiger symbiotischer Mechanismen (Wahrnehmng, Gewalt, Sex, Gebrauch eines Dings oder Verfügung über einen Dienst). Woher stammen diese Unterscheidungen, goodnight, ich habe Dich das schon mal gefragt und Du hast nicht darauf geantwortet. Ich gehe aber davon aus, dass Du diese Theoriestelle kennst. Sag mal was dazu. (Übrigens, ich halte Luhmanns Theorie der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien für den eigentlichen Kern der Theorie, mit einem extrem faszinierenden und weit tragenden Grundgedanken, allerdings scheint mir diese Kernbezirk nicht im Ansatz hinreichend geklärt zu sein, das liest sich wie Skizzen. Der entscheidende Aufsatz trägt den Titel “Einführende Bemerkungen zu einer Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien” – dieser Erkenntnisstand von 1975 wird von Luhmann nicht erweitert und taucht in dieser torsohaften Form auch in “Soziale Systeme” und “Die Gesellschaft der Gesellschaft” auf. Extrem unbefriedigend, wie ich finde.

174 unwissender 1. Dezember 2009 um 16:35

@Systemfrager

Bevor Du vorschnell der Empfehlung von @soffi folgst ;-) , habe ich hier noch was für Dich:

http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz

Und noch etwas. Das Verhältnis von Keynes und Hayek (auch Mises) war – bei allen Differenzen in der Sache – von gegenseitigem Respekt geprägt, einer sehr nachahmenswerten Tugend ! ! !

http://www.keynes-gesellschaft.de/Hauptkategorien/Gegenspieler/Hayek.html

http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/mit-keynes-plus-hayek-durch-die-krise-411721/

175 Morph 1. Dezember 2009 um 16:37

@goodnight

“Yep, das ist lustig. “Draw a distinction” führt ja zur Paradoxie, weil die Unterscheidung nur als Einheit zu vollziehen ist, da ich ja nur unterscheiden kann, was vorher zusammen war, sonst macht die ganze Unterscheidung ja keinen Sinn und es würde ja keine Paradoxie entstehten, weil ja auch die “Paradoxie” nur Sinn als Einheit macht … whatever, das mit der Logik müssen wir nochmals Üben ;-)

Ich möchte Dich ja nicht in Deinem logischen Selbstbewusstsein irritieren, dass ich Dir von Herzen gönne, aber eine Paradoxie kann als solche nur Sinn machen, wenn sie von einer Nichtparadoxie unterschieden wird. Der paradoxale Zunder in Luhmann wirkt doch nur als Kreuzung der Grenze, die die paradoxophoben Syllogistik konstituiert. Tritt man nun in den Bereich des Paradoxalen ein und argumentiert mit Paradoxen so, wie Du es tust, fällt man (auch dies ein schönes Paradox) zurück in die klassische Aussagenlogik (mit dem einzigen Unterschied, dass man deren Operationen zu ontologischen Geschehnissen macht).
Naja, aber Du WEISST ja, was Luhmann verstanden hat (eine interessante Form übrigens, für die sich systemtheoretisch kein Ort denken lässt). Hey, ich habe ein neues Schimpfwort: Luhmann-Versteher.

176 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 16:50

@ goodnight 174

Ach so, du hast irgendwelche deutsche Professoren gefunden, die etwas verzapft haben, was dir gefällt, und schon ist das für dich ein Bewies.

Es wundert mich gar nicht. Wenn jemand ganz öffentlich – naja: du bist doch anonym da – erklärt, auch bei den Naturwissenschaften hat die Suche nach neuen Kenntnissen etwas mit der Kommunikation, dem ist doch nicht zu helfen. Aber ganz uninteressant sind deine Kommentare doch nicht. Erzähle, was wird dort bei euch im Sandkasten noch gespielt?

177 cegees 1. Dezember 2009 um 16:58

Wäre da nicht ein Disclosure fällig?

178 Morph 1. Dezember 2009 um 17:03

@wgn

“Mag sein, aber die spannende Frage lautet, ob du die Darstellungen aus deinem jeweiligen Lebenszusammenhang heraus als “falsch” erkennst.”

M.E. richtet sich die spannende Frage nicht auf das Verhältnis zwischen meinem Denken und meinem Lebenszusammenhang, schließlich geht es nicht um das, was in unserem je individuellen Bewusstsein vorgeht (denn in diesem Zusammenhang scheint mir die Autopoiesis-These gerade die Möglichkeit des Selberdenkens zu erklären und damit der These einer starken Milieuabhängigkeit des Bewusstseins entgegen zu stehen), sondern die spannende Frage richtet sich auf darauf, was die Kommunikation als richtig und falsch erkennt und warum z.B. bestimmte einfache Wahrheiten, z.B. die, das rassistische Urteile keine sachliche Grundlage haben, in der Kommunikation so lange und so wirklichkeitsmächtig unberücksichtigt bleiben konnten. Aus Luhmannscher Perspektive würde man zunächst einmal Rassismus für eine extrem unwahrscheinliche Form halten, gerade weil sie keine Deckung in der Naherfahrung der Leute hat. Und dann würde man schauen, wie rassistisch unterschieden wird und welches Bezugsproblem die Gesellschaft mit der Rassensemantik zu lösen versucht, in welcher Geschichte funktionaler Äquivalente dieser Lösungsversuch steht und auf welche Probleme er stößt.

179 goodnight 1. Dezember 2009 um 17:32

@morph

in medias res oder so:

“Ich halte die Idee einer referenzlosen Konstruktion von Unterscheidungen ja auch für höchst aufschlussreich, gerade im Bereich der Kommunikationsanalyse.”

Hallo? Was soll das sein, eine “referenzlose Konstruktion von Unterscheidungen”. Das ist per definitionem eine Paradoxie, denn eine Konstruktion kann nicht ohne Referenz erzeugt werden. Yep, genau deshalb setzt Luhmann seine Theorie als Referenz. (siehe Soziale Systeme, die ersten ca. 50 Seiten.) Weil er weis, dass es da draußen keine Referenz gibt, wenigstens keine auf die wir zugreifen können, womit er natürlich inbs. auf Kant zurückgreift, womit er auf einen Zugriff auf andere Referenzen als seine Theorie verweist, womit seine Theorie dann natürlich nur eine Referenz sein kann, die mittels Zugriff auf andere Referenzen (Theorien, Sprache etc.) konstruiert werden konnte. Und diese Rekursivität ist Bestandteil Luhmanns Theorie, was bei Logikern und Lemmingen dann zu Unverständnis führt, da sie auf andere Theorien zurückgreifen, die solch ein infinites Zurückgreifen kategorisch ausschließen, womit sie sich für mein Verständis moderner Wissenschaft wiederum völlig ausschließen.

“Wer die Beobachtung 2. Ordnung meint vollziehen zu können ohne die Beobachtung 1. Ordnung, der beobachtet nicht, sondern geht den Leuten mit läppischen Provokationen auf den Keks,

Nope, nur mal nebenbei zur Info: bei Niklas und so gibt es keine Beobachtung 2. Ordnung, die nicht Beobachtung 1. Ordnung ist. Yep, um das zu verstehen muss man mal wieder ein bisschen reflexives operieren voraussetzen…whatever, die Unterscheidung zwischen Beobachtung erster und zweiter Ordnung liegt nicht in der Operation, sondern im Objekt der Beobachtung, d.h. man kann immer nur in erster Orndung beobachten, der Wechsel benötigt dann the little crazy thing called “Zeit”.

“‘die erfundende Wirklichkeit’, alles was ist, eine rekursive Errechnung unseres neuronalen Systems, ‘türlich, ‘türlich, nur ist es für uns alle, denke ich, ein ziemlich entscheidender Unterschied, ob uns der Gedanke an eine Kugel durch den Kopf geht, oder diese Kugel selbst.”

Nope, denn nur für den Beobachter erster ordnung ist es eine Kugel, die da durch den Kopf geht. Für den Beobachter zweiter Ordnung ist es hingegen einfach nur “Blei” (für Chemiker z.B.) und für nen anderen Beobachter eine Verdichtung von Atomen (z.B. Physiker). …und nun die Frage: Wo ist dann da Deine “Realität” oder “Wahrheit”? Beim Ergebins? Beim Tod? Lustig, denn auch der Tod ist so ne Sache, je nach Beobachtung, also für den einen ist es das Ende der hirntätigkeit (Mediziner) für den anderen der Übergang in ein anderes “Leben” (Theologe), für andere nur eine Abfolge einer Nahrungskette (Biologe) und für andere einfach nur die Transformation von Energie oder so (Physiker).

180 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 17:43

@Morph

>, schließlich geht es nicht um das, was in unserem je individuellen Bewusstsein vorgeht

Von Wittgenstein stammt bekanntlich der Satz: “Der Glückliche lebt in einer anderen Welt als der Unglückliche”.

>sondern die spannende Frage richtet sich auf darauf, was die Kommunikation als richtig und falsch erkennt

Die “Kommunikation” findet statt oder auch nicht – aber sie “erkennt” überhaupt nichts. Wie sollte sie?

>warum z.B. bestimmte einfache Wahrheiten,

Was sind “einfache Wahrheiten”?

>das rassistische Urteile keine sachliche Grundlage haben

Warum wäre das so?

>in der Kommunikation so lange und so wirklichkeitsmächtig unberücksichtigt bleiben konnten.

Weil der gesellschaftliche Diskurs nur eine ganz bestimmte Unterscheidung in den Vordergrund rückte, zB “Jude/Arier”, “weiß/schwarz” usw.

>Aus Luhmannscher Perspektive würde man zunächst einmal Rassismus für eine extrem unwahrscheinliche Form halten, gerade weil sie keine Deckung in der Naherfahrung der Leute hat.

Meinst du das im Ernst? Was glaubst du denn, worauf die Wahlerfolge der ganzen rechtsextremen Gruppen beruhen, auf bloßem Googeln im Internet? Natürlich sind das “Naherfahrungen” – aber eben höchst individuelle, allenfalls gruppedynamisch verstärkt durch gemeinsame Formen.

> Und dann würde man schauen,

Wer ist “man”?

>wie rassistisch unterschieden wird

Woher weiß “man”, wo “rassistisch” unterschieden wird, und wo nicht?

181 lemming 1. Dezember 2009 um 17:49

@goodnight
…was bei Logikern und Lemmingen dann zu Unverständnis führt, da sie auf andere Theorien zurückgreifen, die solch ein infinites Zurückgreifen kategorisch ausschließen, womit sie sich für mein Verständis moderner Wissenschaft wiederum völlig ausschließen.

Es ist, wieder mal, genau umgekehrt: Dieser Ausschluß ermöglicht erst moderne Wissenschaft, das ist genauso eine abstruse Verwechslung wie die zwischen “Erkennen” und “Kommunikation”. DIESE schließt Wissenschaft aus, wenn das, was die Wissenschaft “konstruiert” nur ein Kommunikationsphänomen wäre, dann bräuchte kein Wissenschaftler mehr forschen – es würde reichen, zu konstruieren und zu kommunizieren. So wie das Luhmann machte, den ich deshalb allenfalls als Geistesgeschichtler durchgehen lassen würde, aber sicher nicht als Wissenschaftler.

182 lemming 1. Dezember 2009 um 17:59

@wgnx
Von Wittgenstein stammt bekanntlich der Satz: “Der Glückliche lebt in einer anderen Welt als der Unglückliche”.

Das ist, wie vieles bei Wittgenstein, sehr hübsch und elegisch. Darum aber noch lange nicht richtig. Denn sowohl Glückliche wie Unglückliche verstehen diesen Satz. Wie wäre das möglich, bewohnten sie verschiedene Welten?
Ganz ähnlich “die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt”. Wenn das so wäre, wäre vollkommen unerklärlich, wie ich meine Sprache erworben haben könnte oder wie ich denken könnte, es gäbe noch etwas anderes zu verstehen als eben – Sprache.
Diese postmoderne Umkehrung zwischen Begriff und Gegenstand und das ganze hyperreflektierte Tätertää das darum veranstaltet wird, ist doch nur noch Feuilleton, noch dazu langweiliges…

183 goodnight 1. Dezember 2009 um 18:04

@morph

“Woher stammen diese Unterscheidungen, goodnight, ich habe Dich das schon mal gefragt und Du hast nicht darauf geantwortet.
Ich gehe aber davon aus, dass Du diese Theoriestelle kennst. Sag mal was dazu. ”

=>Yep, quick and dirty: Sie werden von Luhmann gesetzt.
So what? Das ist conditio sine qua non jeder Theorie. Und dabei ist Luhmann rein funktionalistisch, d.h. seine generalisierten Kommunikationsmedien dienen nur dem einen Zweck, der Transformation von Information und Mitteilung in die Differenz von Annahme oder Ablehnung der Mitteilung, d.h. letztlich dient alles nur der Erzeugung von Sinn, was bedeutet, man “versteht” Luhmann nur, wenn man sein Sinnmodell versteht, welches Ausgangspunkt der ganzen Veranstaltung ist. Der Witz ist ja: Luhmann erklärt die Gesellschaft vom Menschen her….wobei dieser Ansatz aus dem großen und ganzes eines Physikers natürlich niedlich wirkt, aber andererseits ist Luhmanns Thema die Gesellschaft und nicht das Tierreich, Planeten oder kosmos oder so….d.h. auf Ebene der Physik kann man natürlich mit Kommunikation kommen, weil die Welt als Produkt menschlichen “Handelns”… das wäre Blasphemie oder so

“Übrigens, ich halte Luhmanns Theorie der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien für den eigentlichen Kern der Theorie.”

=>Yep, bezogen auf Gesellschaft ist das der Machtfaktor. Auf Organisationsebene ist das vielleicht zugänglicher, wenn man auf “Legitimation durch Verfahren” verweisst, ganz dolle zu lesen bei Kafkas “der Prozess”… wo nicht böse Menschen das System, sondern Regeln die Menschen lenken …und zwar alle…bis zum bitteren Ende. … womit man mit einigen wenigen Reflexionen bei 1933-1945 landet….aber lassen wir das.

184 aifran 1. Dezember 2009 um 18:05

… sicher nicht ganz unbekannt … oder doch?

http://www.youtube.com/watch?v=RYA0DsPcbaU&feature=player_embedded#

185 Systemfrager 1. Dezember 2009 um 18:21

Herbert Schnädelbach, Zur Rehabilitierung des animal rationale, Suhrkamp, 1992

S. 126 – Bis zu Hegel galt die Philosophie auch darum als die „Königin“ der Wissenschaften, weil sie sich zutraute, die Bedingungen und Kriterien wissenschaftlichen Wissens überhaupt festzulegen und sie den einzelnen Wissenschaften vorzuschreiben. Dies ist nach Hegel nicht mehr der Fall, …

S. 127 – Nur aus der Sicht des deutschen Idealismus ist es unvereinbar, zugleich philosophisch und empirisch sein zu wollen; eine vor allem von Hegel formulierte Forderung, das Wissen müßte in seinem Sinne philosophisch werden, um wissenschaftlich sein zu können Nun soll sie, die einmal die Wissenschaft aller Wissenschaften gewesen war, plötzlich gar keine Wissenschaft mehr sein? Auf diese Provokation hat die Philosophie seitdem verschieden reagiert; die Reaktionsweisen reichen vom trotzigen Festhalten am

ZB „KOMMUNIKATION

MAN SOLL ES ENDLICH LASSEN:
=========================

S. 130 – Das Philosophieren verfügt über keinen eigenen Realitätszugang; immer ist der durch Erfahrung und die empirischen Wissenschaften vermittelt. Bloßes Denken ist noch kein Erkennen, was freilich nicht ausschließt, daß Erkennen Denken voraussetzt und enthält, wie wir umgekehrt schon immer etwas erkannt haben müssen, um etwas zum Nachdenken zu haben. Daraus könnte man ableiten – und das ist auch immer wieder versucht worden -, das philosophische Denken sei entweder die Tätigkeit der ersten Begründung des wissenschaftlichen Wissens oder die der Systematisierung zu einem allumfassenden wissenschaftlichen Weltbild. Philosophie als Grundlagenwissenschaft oder als Wissenschaftssynthese – mit diesen Programmen war stets das Bild vom Fundament oder vom Dach des Hauses der Wissenschaft verbunden; beide Vorstellungen halte ich für irreführend. Wenn mit Grundlagen die grundlegenden Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Disziplin gemeint sein sollen, so gehören die immer schon dieser Disziplin an; es ist nichts Philosophisches an ihnen. Was Materie ist, sagt uns der Kernphysiker, und was das Leben, die Biologen, und wenn sie es den Philosophen nicht sagen, können die es auch nicht wissen. Die Dach-Metapher hingegen ist geeignet, die Philosophie hoffnungslos zu überfordern: Wie sollte ein Philosoph, der die Wissenschaften nicht wirklich kennt, deren Resultate zu einer alles umfassenden Weltsicht zusammenführen können, ohne die größte Konfusion anzurichten?

186 Morph 1. Dezember 2009 um 18:21

@goodnight

“Hallo? Was soll das sein, eine “referenzlose Konstruktion von Unterscheidungen”.” – sry, missverständlich ausgedrückt, ich meinte Konstruktion ohne ontologische Fundierung. Dass für Luhmann Konstruktionen Systemzustände sind, die daher immer eine Systemreferenz haben, ist mir ja klar.

Kommt noch was zu den symb. gen. Komm.-Medien und ihren symbiotischen Mechanismen von Dir? Oder bleibt es dabei, dass Du nur die ewig gleichen und bekannten postontologischen Mantras nachbetest?

“bei Niklas und so gibt es keine Beobachtung 2. Ordnung, die nicht Beobachtung 1. Ordnung ist.” – Ja, aber doch nur, weil sie wie die Beobachtung 1. Ordnung, die Konstatierung eines besonderen Exemplars von etwas, eben auch etwas unterscheidet-und-bezeichnet, in diesem Fall keinen unabhängigen Sachverhalt, sondern die Form seiner Konstatierung. Die Frage, die mich beschäftigt, ist, ob eine Beobachtung beobachtet werden kann ohne das von dieser Beobachtung beobachtete zu beobachten? Deiner Meinung nach ja (und in Deiner unergründlichen Beobachtungskompetenz glaubst Du auch, dass Luhmann das so meint).
Übersetzt in nicht-Luhmann-Jargon hieße das, Begriffsbenutzungen zu beobachten ohne auf das durch sie Begriffene zu reflektieren. Und genau das ist m.E. nicht möglich. Kein Begriff ohne Begriffenes. Und das ist eine Konsequenz der Zwei-Seiten-Form der Unterscheidung. Luhmann selbst möchte es gern anders sehen, es geht aber nicht. Das drückt sich am besten in seiner Formel des Beobachtens aus “Unterscheiden-und-Bezeichnen”. Der Unterschied zwischen dem Unterscheiden und Bezeichnen lässt sich nicht dartun, er ist mythisch. Und daher die Abstraktion der Unterscheidung vom mit ihr Bezeichneten eine artifizielle Operation, die nur in einem als-ob-Modus gelingen kann. Das Faszinierende ist, dass auf der Basis dieser Als-ob-Abstraktion tatsächlich gesellschaftliche Komplexität aufgebaut werden kann, und zwar nicht zu knapp.

“Wo ist dann da Deine “Realität” oder “Wahrheit”?” – im Überschuss, darin, dass in keiner der von Dir genannten Perspektive das Beobachtete ganz aufgeht. Und umgekehrt gibt es dann eben auch die Armseligkeit der Einzelperspektive, die als solche zu wenig ist. Daher lebt Liebe eben nicht von Liebe allein, sondern dann und wann will und muss sie sich an einem sinnlichen Gegenhalt remotivieren. Ebenso lässt sich die Motivationskraft des Mediums Geld nicht allein durch den Kauf und Verkauf von Anlagen sichern, der Gebrauchswert der Anlagen muss sich dann und wann auf erlebbare Weise zeigen.

187 Morph 1. Dezember 2009 um 18:27

@ goodnight

“Kommt noch was zu den symb. gen. Komm.-Medien und ihren symbiotischen Mechanismen von Dir? Oder bleibt es dabei, dass Du nur die ewig gleichen und bekannten postontologischen Mantras nachbetest?” – sorry, hatte Dein Vorpost übersehen!

188 Morph 1. Dezember 2009 um 18:32

@wgn
“Meinst du das im Ernst?” – mein voller Ernst!
“Was glaubst du denn, worauf die Wahlerfolge der ganzen rechtsextremen Gruppen beruhen, auf bloßem Googeln im Internet?” – keine Ahnung jedenfalls nicht auf Erlebnissen mit den Opfern Ihres Hasses. Typischerweise findet jeder Ausländerfeind den Ausländer mit dem er zusammen arbeitet, einen prima Kerl. Der ist die Ausnahme. Alle anderen aber sind das schmarotzende Unglück. So stellt es sich doch dar. Und nicht als Übergeneralisierung eigener schlechter Erfahrungen.

189 goodnight 1. Dezember 2009 um 18:34

@morph

“Ich möchte Dich ja nicht in Deinem logischen Selbstbewusstsein irritieren, dass ich Dir von Herzen gönne, aber eine Paradoxie kann als solche nur Sinn machen, wenn sie von einer Nichtparadoxie unterschieden wird.”

=>Yep, langsam begreifst Du ;-) Das ist der Kern! Luhmann akzeptiert die Existenz von Paradoxien. Period. ..yep, einfach mal reflextieren….yep…”er akzeptiert die Existenz von Paradoxien”
Nope, er läuft nicht wie “Logiker” und so, immer wieder gegen die Wand der hegliansichen “Synthese” , nope er geht ERKENNTNISTHEORETISCH (vulgo; epistimiologisch) einen NEUEN WEG. Er start jetzt nicht mehr bei der EINHEIT, sonder bei der DIFFERENZ. D.h. Paradoxien sind für ihn nicht nur völlig natürlich, sondern die mother of all.
Und genau deshalb verstehen 99,999999999% aller kommunizierenden Wesen Luhmann NICHT! Weil unsere Kommunikation immer und immer wieder die Einheit, d.h. Ontolgie kommuniziert. …und Luhmann sagt: Das ist der Vorhang, die Schattenwelt, dahinter ist eine Differenz, IMMER. Und wer Wissenschaft beobachtet, der sieht: Wissenschaft macht nichts anderes als Unterscheidungen zu treffen, d.h. Einheiten zu zerteilen, einfach mal die moderne Physik beobachten.D.h. unserer Verstand operiert zerteilend ;-) Deshalb werden die Intelligenten auch immer wahnsinnig, weil sie immer in der Differenz enden, wo andere sich an der Einheit erfreuen.

“Tritt man nun in den Bereich des Paradoxalen ein und argumentiert mit Paradoxen so, wie Du es tust, fällt man (auch dies ein schönes Paradox) zurück in die klassische Aussagenlogik (mit dem einzigen Unterschied, dass man deren Operationen zu ontologischen Geschehnissen macht).”

=>Yep, aus Sicht aller Hegelianer ist Luhmann ein Rückschritt, weil er keine Möglichkeit der Synthese ermöglicht. Yep, deshalb gilt er ja auch als konservativer Knochen, weil da die Hoffnung fehlt, auf eine schönere, bessere Welt…Liebe und so.

“Naja, aber Du WEISST ja, was Luhmann verstanden hat (eine interessante Form übrigens, für die sich systemtheoretisch kein Ort denken lässt). Hey, ich habe ein neues Schimpfwort: Luhmann-Versteher.”

=>Yep, natürlich kann ich nur behaupten Luhmann zu verstehen, aber da Luhmanns Theorie als Referenz dient, muss man so argumentieren um zu kommunizieren, weil wenn man die “Referenz”, d.h. die Einheit weglässt bzw. zerlegt, yep, dann landet man in der Paradoxie, dass ich Luhmann natürlich nur interpretieren kann, wie jeder andere auch, d.h. es existiert innerhalb der Kommunikation gar keine Theorie Luhmanns, da es keine Einheit der Theorie in der Kommunikation geben kann.

190 Morph 1. Dezember 2009 um 18:34

@goodnight
“Der Witz ist ja: Luhmann erklärt die Gesellschaft vom Menschen her….” – gut dass das Luhmann nicht mehr hört. ;-)

191 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 18:57

@goodnight

>Deshalb werden die Intelligenten auch immer wahnsinnig, weil sie immer in der Differenz enden, wo andere sich an der Einheit erfreuen.

“Die Erkenntnis projiziert Unterschiede in eine Realität, die keine Unterschiede kennt” – so schrieb er es doch, nicht wahr?

192 lemming 1. Dezember 2009 um 18:59

@goodnight
Luhmann akzeptiert die Existenz von Paradoxien. Period. ..yep, einfach mal reflextieren….yep…”er akzeptiert die Existenz von Paradoxien”

Wenn es etwas gibt, das nur in und durch Kommunikation “existiert”, dann ist es das Paradox! Also einfach mal reflektiert ergeben deine Statements: Luhmann akzeptiert, dass er selber paradox ist. Und Leute, die sowieo lieber glauben, dass das ganze Verstehen- und Erklären-Wollen sowieso nur ein Kommunikationsdefekt oder -artefakt ist, die sind von der “Existenz” des Paradoxen natürlich zutiefst überzeugt, obwohl sie dabei nur in einem “Pardox 2. Ordnung” landen, das ist ihnen egal, Hauptsache, die lästige Gegenwart ist als “nur” 1. Ordnung der naiven Wahrnehmung diskreditiert und sie können die paradoxe Überlegenheit des Alles-, nämlich Nichtsverstehers, goutieren.

193 lemming 1. Dezember 2009 um 19:08

@wgnx
“Die Erkenntnis projiziert Unterschiede in eine Realität, die keine Unterschiede kennt” – so schrieb er es doch, nicht wahr?

Kann schon sein. Fragt sich nur: Woher weiss er das? Hat das Paradox himself es ihm verraten? Und wo hat er die Unterscheidung zwischen Erkenntnis und Realität her? Aus derselben Quelle, nehme ich an.
Je weiter man das reflektiert, desto “paradoxer”, alberner wird das. Und bei der nicht so originellen Volte, aus dieser Not eine Tugend zu machen, landet er nicht bei “Erkenntnis 2. Ordnung”, sondern schlicht auf der Nase.

194 lemming 1. Dezember 2009 um 19:13

PS: die ganze Luhmann-Debatte erinnert mich immer mehr an die Russell-Anekdote von der Solipsistin, die von ihm Argumentationshilfen habe wollte. Performativer Widerspruch.
Der konsequente Luhmannianner sollte sich verhalten wie der konsequente Skeptiker oder Agnostiker: still.
Wenn alles Kommunikation ist, gibt es keine Kommunikation.

195 Susanne 1. Dezember 2009 um 19:15

Im Moment existiert die Verantwortung nur gegenüber dem Kapital und somit setzt das Kapital die Wertmaßstäbe. In unserem System ist das Kapital im Moment die letzte Bezugsgröße und entscheidet über Leben (kreditwürdig) und Tod (nicht kreditwürdig).

Die Regularien und Kontrolle über das Kapital sind global nicht erzeugt. Das Kapital hat sich globalisiert und die Kontrollmechanismen sind noch regional.
Die Setzung von Werten ist eine hierariche Aufgabe also setzt das Kapital die Wertmaßstäbe.

Wir brauchen eine funktionierende Zivilgesellschaft die sich politisch beteiligt und die es vielleicht auch schafft Konrollmechanismen für das globale Kapital zu schaffen.

Luhmann hat es doch auf den Punkt gebracht – es geht darum eine gemeinschaftliche Welt zwischen den Menschenzu erzeugen.

196 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 19:19

@lemming

>Fragt sich nur: Woher weiss er das?

Na durch eine Differenz.

>Hat das Paradox himself es ihm verraten?

Kann es ja gar nicht, weil es “es” (also das Paradox) ja nicht gibt – außer man konstruiert es sich.

>Und wo hat er die Unterscheidung zwischen Erkenntnis und Realität her?

Die “Erkenntnis” hat er innerhalb der “Realität” unterschieden. Die Realität wiederum ist gänzlich un-unterschieden, quasi die Einheit des Universums. Sie grenzt nur an das “Undenkbare”.

197 goodnight 1. Dezember 2009 um 19:33

@lemming

” wenn das, was die Wissenschaft “konstruiert” nur ein Kommunikationsphänomen wäre, dann bräuchte kein Wissenschaftler mehr forschen – es würde reichen, zu konstruieren und zu kommunizieren. ”

=>Yep, wie immer, klaro, jetzt noch Popper und wir sind wieder bei Hegel und Synthese….nope, heisenberg und so…whatever, auch die Wissenschaft operiert mittels Sprache und mittels Hirn, d.h. alles was da durch geht, ist durch diese Strukturen gebunden. D.h. wir haben zu Nix zugang, was nicht im Denken (Kant) oder/und in der Sprache (Wittgenstein etc.) realiserbar ist, d.h. gedacht oder formuliert werden kann. Und folglich bestimmt die Sprache und unsere Synapsen unseren Erkenntnisprozeß.
Yep, soweit sollte man heute sein, wenn man über “Wissenschaft” redet. Ergo: Wissenschaftler glauben vielleicht, dass das, was ihre Gehirn mittels Sprache konstuiert wäre die Wahrheit, aber das ist halt nur die halbe Wahrheit ;-)

198 Morph 1. Dezember 2009 um 19:36

@wgn

jedenfalls sehr aufschlussreich, dass der Begriff der Konstruktion offenbar Dein God-Term ist. Man kann ja durchaus überzeugt sein, das so denken zu können und zu wollen, und solange Du nur Bücher schreibst, ist das auch nicht weiter schlimm, aber ehrlich gesagt, wäre mir lieber, dass sich politische und wirtschaftliche Akteure eher von Autoren inspirieren ließen, deren God-Term, sagen wir, Konsequenz ist. Unter dem Gesichtspunkt, das alles mehr oder weniger weit reichende Konsequenzen hat, wird einem der fröhliche Konstruktivismus irgendwann epistemologisch schal. Der taugt doch eigentlich nur für den Sandkasten, oder?

199 Morph 1. Dezember 2009 um 19:43

@goodnight

oje oje, ein hirngläubiger Konstruktivist! – Ohne Hirn kein Gedanke, d’accord, ist eine gut geprüfte These. Dass aber Gedanken im Hirn sind und durch die Hirnstrukturen ‘gebunden’ sind, was immer das bedeuten mag, ist bestenfalls ein mehr oder weniger aufschlussreiches Modell, aber als Situationsbeschreibung des Denkens der reine Mythos. Und auch das mit der Sprache ist noch nicht so richtig verstanden. Diagramme z.B., Bilder, Klangmuster können ebenso zur Kommunikation verwendet werden, und die lassen sich nicht über sprachanaloge Grammatiken verstehen. Das ist das negative Ergebnis des Semiotik-Hypes der 1960er/1970er Jahre. Die Sprache ist eine höchst bedeutsame Agentur der Vermittlung von Welt, aber nicht die einzige und nicht die alles entscheidende.

200 Geronimo 1. Dezember 2009 um 19:55

da hier so gern Grundsätzliches platziert wird, will ich nicht zögern, selbiges zu tun. Also, ohne Axiome und Definitionen gibt es keine Erkenntnis und daraus abgeleiteten Theorien, welche sich kommunizieren ließen. Nur gibt es da halt ein paar wichtige Sachverhalte, die hier im blog geflissentlich übersehen werden. In der Naturwissenschaft vermögen Theorien die Phänomene, auf die sie sich beziehen, nicht zu verändern: Die Erde dreht sich um die Sonne, auch wenn Menschen das Gegenteil behaupten, Elektronen existieren und verfügen über intrinsische Eigenschaften unabhängig davon, mit welcher Theorie (Welle oder Teilchen) Wissenschaftler diese beschreiben. Die Natur folgt ihrem Lauf unabhängig von den Theorien, die sich auf sie beziehen. Die Naturwissenschaftler passen ihre Axiome ständig an ihre Beobachtungen natürlicher Phänomene an und verfeinern damit ständig ihr Bild der natürlichen Welt, ohne jedoch die Welt zu verändern. Wenn also Phänomene auf atomarer Ebene sich mit den Axiomen der Newtonschen Mechanik nicht erklären lassen, werden halt andere Axiome herangezogen, mit denen sich griffigere Erklärungen „konstruieren“ lassen. Durch die Konstruktion von Theorien für die Kernphysik werden die Gegebenheiten der Natur nicht verändert. Diese sind unabhängig vom Denken der Menschen.

Das gilt nicht für die Geistes- und Sozialwissenschaften. In diesen beeinflussen Theorien die Phänomene, auf die sie sich beziehen. Realitäten können beeinflusst werden durch Aussagen, die über sie gemacht werden. Eine Theorie muss nicht “wahr” sein, um das Verhalten von Menschen zu verändern. In den Geisteswissenschaften bildet das Denken selbst einen Teil des Gegenstandes, mit dem es sich beschäftigt. Die Naturwissenschaften hingegen haben es mit Phänomenen zu tun, die völlig unabhängig davon sind, was jemand über sie denkt. In sozialen Systemen gibt es hingegen keine vom Denken und den Wertvorstellungen der Beteiligten unabhängige Realität. Diese ist mit den Reflexionen der Beteiligten eng verwoben. Im Unterschied zu den natürlichen Prozessen, mit denen sich Naturwissenschaftler beschäftigen, wirken an sozialen Prozessen denkende Individuen mit, die Kraft ihrer Vorstellungen die Regeln dieser Systeme jederzeit ändern können. Das gilt auch für die Regeln der Marktwirtschaft.

Weil dem so ist, ist die von Systemfrager zitierte Behauptung von Schnädelbach
„Was Materie ist, sagt uns der Kernphysiker, und was das Leben, die Biologen, und wenn sie es den Philosophen nicht sagen, können die es auch nicht wissen.“
falsch. Naturwissenschaftler können nicht sagen was „Materie“ oder „Leben“ ist, sie bieten lediglich ein konstruiertes Bild an, von dem sie hoffen, dass es dem „Leben“ oder der „Materie“ nahe kommt. Philosophen lassen ihren Phantasien freien Lauf. Ihre Gedankengebäude unterliegen keiner externen Referenz an Hand derer sie falsifiziert werden könnten. Gilt leider auch für Wirtschaftswissenschaftler.

201 Susanne 1. Dezember 2009 um 20:06

Heinz von Förster sagt ganz eindeutig dazu:

Wir sehen nicht, dass wir nicht sehen!

202 lemming 1. Dezember 2009 um 20:12

@wgnx #196
Na durch eine Differenz.
Also dann: Wie kam er zu dieser Differenz? Oder zu einer Unterscheidung? Er hat nicht “unterschieden”, denn Unterscheiden setzt einen Grund für die Unterscheidung voraus, eine Wahrnehmung, eine Theorie, ein Verstehen-Wollen, ein Orientierungsbedürfnis, was immer. Aber Luhmann verwendet nur das Label “Unterscheidung”, was er tatsächlich tut ist “Setzen”, axiomatisch, idealistisch, fundamental, in bekannter deutscher Tradition nach dem fichteschen “absoluten Ich”, das sich die Welt “setzt”, als eigenes Denken, heute würde man sagen: als eigene Neuronenaktivität.
Natürlich ist dieses Denken paradox, reine Scholastik, sozusagen. Mein Vorwurf bleibt, dass die Luhmannschen Paradoxe genauso leer sind wie das Fichtesche “Ich” – mit dem eben sie funktional und epistemologisch identisch sind, Luhmann also reinstes 19. Jahrhundert in den vokabularen Gewändern des 20. Und sehr sehr deutsch…

203 Morph 1. Dezember 2009 um 20:12

@susanne

“dass” wir nicht sehen? nicht: “was” wir nicht sehen?

204 Morph 1. Dezember 2009 um 20:17

@lemming
“Und sehr sehr deutsch…”, was ja nicht per se schlecht ist. – Was das erkenntnistheoretische framing angeht, würde ich Dir zustimmen, aber es gibt ja bei Luhmann auch eine Menge jenseits dieser allgemeinen Formen deutsch-tiefsinniger Selbstimmunisierung, z.B. die Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien. Wenn über Luhmann diskutiert wird, geht es immer um Ontologie und Postontologie. Ist Luhmann Ontologe, ja oder nein, und wenn so oder so, ist das verwerflich oder prima. Auch diese Art der Diskussion ist sehr deutsch, oder?

205 Susanne 1. Dezember 2009 um 20:18

an Morph

Richtig ist

Wir sehen nicht, dass wir nicht sehen!

sonst hätte es ja einen anderen Sinn.

206 weissgarnix 1. Dezember 2009 um 20:24

@Morph

>“dass” wir nicht sehen? nicht: “was” wir nicht sehen?

Nein: dass wir nicht sehen. Das ist der springende Punkt: In dem ich eine bestimmte Unterscheidung treffe, sehe ich alle anderen möglichen Unterscheidungen nicht mehr. Ich habe einen “blinden” Fleck in meiner Wahrnehmung, der nicht positiv sonder negativ abgegrenzt ist: er umfasst wirklich ALLES, was nicht im bezeichnenden Teil meiner Unterscheidung liegt, sprich: alle anderen möglichen Unterscheidungen. “Black Swan” nannte das ein gewisser Nassim Taleb in seinem gleichnamigen Bestseller.

207 lemming 1. Dezember 2009 um 20:25

@goodnight
Na immerhin mal auf den Punkt:
…whatever, auch die Wissenschaft operiert mittels Sprache und mittels Hirn, d.h. alles was da durch geht, ist durch diese Strukturen gebunden.
Zweifellos. Aber wie machen wir uns die Sprache?
Valskibus dliuj sklö? Ist das Sprache? Man kann es doch lesen!

D.h. wir haben zu Nix zugang, was nicht im Denken (Kant) oder/und in der Sprache (Wittgenstein etc.) realiserbar ist, d.h. gedacht oder formuliert werden kann.
Und woher haben wir, WAS gedacht und formuliert worden IST?
Aus der Sprache selbst? Und was bedingt die Sprache? Nach Wittgenstein würden wir alle nur individuelle Privatsprachen verwenden, gebunden an die Erfahrungen des eigenen Hirns. Offensichtlich ist es NICHT so, sonst würdest du hier nicht schreiben, und ich auch nicht. Unsere Sprachen wären inkommensurabel. Sind sie aber nicht, wir können uns über unsere Hirngrenzen hinweg miteinander auseinandersetzen. Wie ist das nur möglich?! Ein Wunder. So wie sich viele wundern, wie es denn möglich ist, mit mathematischen Verfahren Wirklichkeit zu beschreiben. Wie kann das sein? Nun – offensichtlich haben Sprache und Realität etwas miteinander zu tun. Sie sind nicht identisch, sonst wäre alles Gesprochene immer wahr, sie sind aber auch nicht voneinander getrennt, sonst würden wir gar keine Sprache haben, nur Träume, wir hätten nicht mal das Wort “Realität” – es hätte gar keinen Sinn.

Und folglich bestimmt die Sprache und unsere Synapsen unseren Erkenntnisprozeß.
Nope. Wir sind synapsen- und sprachbegabte Wesen IN DER WELT. Offene, und daher undeterminierbare Systeme. In meinem Neuronenzirkus spielt sich ab, was die Folge davon ist, dass gerade jemand das Licht angemacht hat. Kein Hirnforscher hätte das vorher determinieren können. Daher kommt der Erkenntnisprozess. Der schreitet, aufgrund der Nicht-Identität und des stetigen Überschusses von Wirklichkeit über Sprache, voran, verändert sich, ist aber, zu jedem Zeitpunkt so gegeben “als ob” er Wahrheit wäre, denn in der Zukunft können wir nicht denken, nur an sie.
Wobei wir diese Wirklichkeit nicht zuletzt selber, sozial, als voneinander abhängende Existenzen, hervorbringen.

208 Morph 1. Dezember 2009 um 20:28

@susanne

übrigens stellt sich die Binsenweisheit: wir können nicht sehen/beobachten/erkennen etc., was wir nicht sehen/beobachten/erkennen können, schon bei einfachster phänomenologischer Besinnung als unangemessen heraus. Wenn wir etwas sehen, sehen wir auch, dass der Körper seine eigene von uns abgewendete Seite verdeckt, die wir sehen könnten, wenn wir uns um ihn herum bewegen würden. Die Wahrnehmung zeigt uns, dass sie begrenzt ist. Genau deshalb müssen wir interpretieren, wie die Dinge von hinten aussehen, wie es hinter dem Horizont weiter geht, was vorher war und was nachher kommt. Und in diesem Rahmen, den wir, individuell und kollektiv, versuchsweise, experimentell überschreiten, zeigt sich uns ein Bereich von Unterschieden, deren Sosein nur von Konstruktivisten in Zweifel gezogen wird, die Spaß daran haben, gedanklich mit virtuellen Selbstvernichtungen zu experimentieren. (Es geht ihnen natürlich um das Gegenteil der virtuellen Selbstvernichtung, das sich mit ihr einstellt, die virtuelle Apotheose des Selbst).

209 soffi 1. Dezember 2009 um 20:30

@ Geronimo

Danke. Das verschafft ein wenig Linderung.

Ich halte es gerne mit Camus – Der Mythos des Sisyphos:

“In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch den Tod. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein. […]”

An alle Blinden da draußen: die Nacht hat wirklich kein Ende. Lasst uns unseren Stein. Bitte!

210 Aufschwund 2010 ff 1. Dezember 2009 um 20:39

Es fällt zunehmend schwer, an lemming zu zweifeln. Was nicht heißt, dass es unmöglich wäre. Aber dann ist dieses Blog tot. Was wiederum heißt: lemming, nimm dir Zeit, aber komm ab und zu hier vorbei.

211 Susanne 1. Dezember 2009 um 20:41

an morph

Das ist nur die scheinbare Objektivität unserer Sinneswahrnehmung.

Sonst würden sich aus Erkenntnissen nicht immer noch mehr Fragen ergeben.

212 goodnight 1. Dezember 2009 um 20:43

@morph

“Die Frage, die mich beschäftigt, ist, ob eine Beobachtung beobachtet werden kann ohne das von dieser Beobachtung beobachtete zu beobachten? Deiner Meinung nach ja (und in Deiner unergründlichen Beobachtungskompetenz glaubst Du auch, dass Luhmann das so meint).”

=>Nope, Luhmann ist da deutlich, denn bei ihm wird das nicht Bezeichnete der Unterscheidung immer mitgeführt, denn das Bezeichnete bezieht sich ja immer auf das Nicht-bezeichnete, weil das Bezeichnete und das Nicht-bezeichnete als unterschiedenes Ganzes immer die Einheit einer Differenz ist und vice versa.

“Der Unterschied zwischen dem Unterscheiden und Bezeichnen lässt sich nicht dartun, er ist mythisch. Und daher die Abstraktion der Unterscheidung vom mit ihr Bezeichneten eine artifizielle Operation, die nur in einem als-ob-Modus gelingen kann. Das Faszinierende ist, dass auf der Basis dieser Als-ob-Abstraktion tatsächlich gesellschaftliche Komplexität aufgebaut werden kann, und zwar nicht zu knapp.”

=>Yep, das “reale” ist ja, das Unterscheidungen existieren ;-) … yep, jetzt zucken alle Ontologen zusammen, whatever, andere nennen es Handlungen oder Entscheidungen, bei Luhmann sind Unterscheidungen da, sie sind sein “real thing”. Und rein empirisch sind da Unterscheidungen, d.h. hier werden gerade von meinem Körper Tasten in einer bestimmten Reihenfolge gedrückt und andere tasten nicht gedrückt, d.h. es finden Unterscheidungen statt, …und jedes Drücken ist ein bezeichnen nd jedes nicht Drücken ein Unterscheiden und umgekehrt, …und ob das nun mein “ich” oder meine Sozialisation oder whatever vollzieht, das ist zu beobachten und Luhmann hütet sich davor hier Gott, Ego, oder whatever reinzubringen, es ist einfach das, was zu beobachten ist: Unterschediung und bezeichnen. Das und nur das kann man empr
irisch belegen: tasten werden gedrückt. (Yep, natürlich sind Tasten für Physiker wiederum nicht tasten sondern Atome, für Chemiker Kunstoffe, etc. etc., d.h. Poppers Erkenntnismodell ist immer abhängg von den Axiomen…aber das ist nicht das Thema)
Und mittels Unterscheidungen kann man dann neue Unterscheidungen infinit erzeugen, d.h. Einheit zu Differenzen machen oder wie Luhmann sagt. Mittels Komplexitätsreduzierung Komplexität erzeugen.

“Wo ist dann da Deine “Realität” oder “Wahrheit”?” – im Überschuss, darin, dass in keiner der von Dir genannten Perspektive das Beobachtete ganz aufgeht. Und umgekehrt gibt es dann eben auch die Armseligkeit der Einzelperspektive, die als solche zu wenig ist. Daher lebt Liebe eben nicht von Liebe allein, sondern dann und wann will und muss sie sich an einem sinnlichen Gegenhalt remotivieren. ”

=>Yep, das witzige an der Liebe ist ja, dass sie niemals das liefert, was wir von ihr erwarten, aber wir verfolgen sie trotzdem, von einer Entäuschung zur Nächste, wie bei der Wahrheit und dem Geld. Warum? Weil es keine alternative Kommunikationsform zwischen mann und Frau gibt….die Gesellschaft hat das vorgegeben, es ist eine Struktur…und alle alternatvien Beziehungsformen sind gescheitert von der Kommune bis zum Single-Leben….no way out, und das, obwohl wir das Ding Liebe von Frauenzeitschriften, Soziologen, Psychologen, etc. schon sowas von dekonstruiert, d.h. unterschieden haben, so das keiner wirklich mehr dran glauben kann…und trotzdem…..weil keine Alternative.

213 Nanuk 1. Dezember 2009 um 20:50

@Geronimo
“und was das Leben, die Biologen”

Den Biologen zeig mir mal der sagen kann was Leben ist?

214 Nanuk 1. Dezember 2009 um 20:52

Das wissen die nämlich selbst nicht…

215 Morph 1. Dezember 2009 um 20:52

@goodnight
“Yep, das witzige an der Liebe ist ja, dass sie niemals das liefert, was wir von ihr erwarten, aber wir verfolgen sie trotzdem, von einer Entäuschung zur Nächste, wie bei der Wahrheit und dem Geld. Warum? Weil es keine alternative Kommunikationsform zwischen mann und Frau gibt” – naja, kommt drauf an. ;-) Zweifellos sind Liebe, Wahrheit und Geld diabolische Medien, die mit dem was sie ‘versprechen’ (höchstpersönliche Rücksichtnahme, Erkenntnis funktionaler Zusammenhänge, Güterverteilung) im Rücken das Risiko mitführen, genau das Gegenteil zu verwirklichen (höchstpersönliche Ignoranz, Mythenbildung, Konzentration des Reichtums), aber es ist nicht ganz so fatal, wie Du darstellst. Weder sind die Medien alternativlos, noch ist ihr Funktionieren immer und notwendig illusionär.

216 Susanne 1. Dezember 2009 um 20:56

Wenn du und ich ein Stückchen spazieren gehen, sich unterhalten,
Werte austauschen und wir uns im Diskurs über diese Werte geeinigt haben, ist zwischen uns eine Kultur entstanden. Dann haben wir gemeinsame Wertegrundlagen , weil wir jetzt einzuschätzen wissen – was meint der andere wenn er diese Formulierung benutzt . Dann sind wir in der Lage einen Lernprozess miteinander zu haben und gemeinsame Denkleistungen zu erbringen die größer ist als das was der Einzelne zu leisten vermag.
Luhmann hat das in seiner Theorie auf den Punkt gebracht.

217 Morph 1. Dezember 2009 um 21:01

@susanne
“Das ist nur die scheinbare Objektivität unserer Sinneswahrnehmung.
Sonst würden sich aus Erkenntnissen nicht immer noch mehr Fragen ergeben.”
M.E. macht der Begriff der Objektivität keinen Sinn mehr, wenn man nicht in der Wahrnehmung und ihrer Unverfügbarkeit, Zweifels- und Wissensresistenz den Inbegriff der Objektivität erkennen würde. Wenn Du unsere Wahrnehmung als scheinobjektiv bezeichnest, dann müsstest Du m.E. den Begriff der Objektivität insgesamt aufgeben. Darüber lässt sich ja diskutieren. Aber ich finde es verwirrend und nicht nachvollziehbar, die Wahrnehmung als scheinobjektiv zu bezeichnen, so als gäbe es eine wahre Objektivität jenseits der Wahrnehmung. Welche sollte das sein? Wenn es Dir aber darum geht, die Unterscheidung subjektiv/objektiv aufzugeben, dann wäre interessant zu erfahren, was im Sinne eines funkmtionalen Äquivalents an deren Stelle treten soll.

218 goodnight 1. Dezember 2009 um 21:01

@lemming

” wir können uns über unsere Hirngrenzen hinweg miteinander auseinandersetzen. Wie ist das nur möglich?! Ein Wunder. .. Nun – offensichtlich haben Sprache und Realität etwas miteinander zu tun. Sie sind nicht identisch, sonst wäre alles Gesprochene immer wahr, sie sind aber auch nicht voneinander getrennt, sonst würden wir gar keine Sprache haben, nur Träume, wir hätten nicht mal das Wort “Realität” – es hätte gar keinen Sinn.”

=>Yep und genau hier kommt die Kommunikation ins Spiel. Denn die einzige für Gesellschaft relevante Realität ist die kommunizierte. (Yep, nicht für den Mensch, für denn zählt auch die biologische und physische und so Realität… aber den Mensch müssen wir ja rausnehmen aus der Gesellschaft. ;-) ) Und das Signifikat von Realität ist …äh…nope, da ist nix, das ist nur als Signifiaknt zugägnlich, d.h. als Referenz für eine unhinterfragbare Basis, und damit für alles Nichtbezeichnete…und damit für alles Nicht-Reale in der Kommunikation ;-) . Whatever, hauptsache Du kommst hier nicht mit Chomsky ;-)

219 Susanne 1. Dezember 2009 um 21:09

an Morph

Meinungen sind immer subjektiv. Als objektiv wird im Sprachgebrauch bezeichnet was die Mehrheit der Menschen glaubt.

Objektiv ist nur 1 + 1 = 2

220 Morph 1. Dezember 2009 um 21:22

@goodnight
“Denn die einzige für Gesellschaft relevante Realität ist die kommunizierte.” Ja, das ist die große Plausibilität der soziologischen Systemtheorie, Gesellschaft so modelliert zu haben und damit etwas zu verstehen zu geben, was mit anderen Gesellschaftmodellen nicht verstanden werden konnte, nämlich die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber individuell erkennbaren Faktenlagen (sagen wir mal z.B. Afghanistan). Und Luhmann erklärt auch, wie es kommt, dass soziale Systeme bestimmte Kommunikationen wahrscheinlich machen. ABER: Kommunikationen machen Anschlusskomunikationen nur und aussschließlich wahrscheinlich. Das wirkliche kommunikative Anschlussereignis muss schon von einem psychischen System, d.h. von einem Menschen, instanziiert werden. Jemand muss es sagen, zahlen, malen und dichten, anordnen, ohne Worte mitteilen etc. Und sei es ‘im Namen’ einer Organisation. Und da die Gesellschaft ihr Operieren nur im Modus der Wahrscheinlichkeit steuert, kann man, wenn man Interesse an anderen Wahrscheinlichkeiten hat, fragen, wo da aus Luhmannscher Perspektive die Stellschrauben sind. Meine Erfahrung ist die, dass Luhmannianer sich allzu sehr mit dem fatalistischen Gestus des Diskursbegründers identifizieren, aber an den inneren Theoriestrukturen kaum Interesse haben (wie ist das Verhältnis von Politik und Wirtschaft genau beschaffen, sind Massenmedien und Kunst tatsächlich zwei verschiedene Funktionssysteme, wo ist eigentlich das Militär anzusiedeln, gibt es da ein eigenes Funktionssystem “die Verteidigung der Gesellschaft”, mit dem Paradox, dass auch die Verteidigung derart diabolisch ist, das mit ihr die Verteidigungsnotwendigkeit steigt, dazu gibt es von Luhmann buchstäblich nichts!). Und auch Du, bester goodnight, ziehst Dich nach meiner Wahrnehmung einfach auf die Position zurück: Der Meister hat’s so verkündet, also nimm’s hin oder halte Dich an einen anderen Theoretiker. Das ist unwissenschaftlich; es geht hier doch nicht um Religionen!
Nicht alles was Luhmann gesagt hat, ist sinnvoll. Manches ist schlicht Übertreibung. Der Ausdruck “nur Kommunikartion kommuniziert” ist z.B. einfach eine Provokation, wie McLuhans “The Medium is the Message”. Man sollte solchen Signalformeln nicht allzu viel Bedeutung beimessen.

221 Morph 1. Dezember 2009 um 21:27

@susanne#219

“Meinungen sind immer subjektiv.” Schon, aber Wahrnehmungen?

“Als objektiv wird im Sprachgebrauch bezeichnet was die Mehrheit der Menschen glaubt.” Nein, was die Mehrheit glaubt, ist die Mehrheitsmeinung. Niemand, den ich kenne, würde deren Inhalt als Objektivität anerkennen. Du doch auch nicht, das kann ich mir nicht vorstellen.

222 Morph 1. Dezember 2009 um 21:31

@susanne
“Objektiv ist nur 1 + 1 = 2″

nee, das ist logisch. genauso wie der Schluss: Alle Österreicher sind spitzenmäßige Erkenntnistheoretiker. Weissgarnix ist ein Österreicher. Ergo: Weissgarnix ist ein spitzenmäßiger Erkenntnistheoretiker. Logisch zwingend, aber objektiv? :-)

223 goodnight 1. Dezember 2009 um 21:41

@morph

Yep, nur Kommunikation kommuniziert. Das ist keine Provokation, sondern die Folge wenn man Kommunikation ernst nimmt…rein wissenschaftlich. Denn Luhmann ist der erste Soziologe ever. Das ist der Witz. Während all seine “Vorgänger” die Soziologe an den Menschen, Handlungen, Sprache oder Religion etc. angebunden hatten, yep, da hat Luhmann für die Soziologe einen eigen Bereich entdeckt: Die Kommunikation. Yep, Gesellschaft ist Kommunikation. Und da hat der Mensch nix zu sagen. Der Mensch ist Thema der…ups, welche Wissenschaft beschäftigt sich eigentlich mit dem “Mensch”? Die Mediziner sehen den Körper, die Psychos die Psyche, die Theologen die Seele, die Biologen die Zellen, yep, verdammt, so rein wissenschaftlich existiert der Mensch garnicht :-( Sowas Dummes, yep, also, was soll dann kommunizieren, wenn nicht die Kommunikation selber?

Yep, da sind physische Systeme oder so, aber die nehmen an Kommunikation teil, aber die bestimmen die nicht….wo mir immer wieder der Vorwurf an die großen, bösen und berühmten Führer der Geschichte einfällt, wonach diese immer nur die Zeichen der zeit erkannt und für ihre Zwecke genutzt hätten. Yep, was denn sonst? Selbst Luhmann stand nur auf den Schultern von Titanen und hat deren “Theorien” weiterentwickelt. Yep, und was wirft man Ihm dann vor: Er hätte nix neues, eigenen entwickelt. Yep, schon mal Einstein gelesen? Der hat auch nur bekanntes zusammengefasst. Yep, wo sind eigentlich diese Genies, die die Kommunikation erfinden, bestimmen, lenken oder whatever?

224 Morph 1. Dezember 2009 um 21:56

@goodnight
“Sowas Dummes, yep, also, was soll dann kommunizieren, wenn nicht die Kommunikation selber?” Nun, man muss es gar nicht so ausdrücken, man könnte einfach sagen, Kommunikation findet statt, ihr Stattfinden motiviert zum Mitmachen, ihre thematischen Inhalte prägen, was sinnvollerweise eingebracht werden kann und was nicht, mit welchen Beiträgen man Chancen auf Gehör hat und mit welchen nicht usw. Das versteht jeder und beschreibt im Übrigen den sinnvollen und relativ einfachen Kern der Sache. Man muss diesem Geschehnis nicht sprachlich die Form eines handlungsaufzeichnenden Satzes geben: Die Kommunikation kommuniziert. Das ist doch ein sprachlicher Stolperstein, der die Aufmerksamkeit auf die Devaluierung der menschlichen Akteure lenken soll, die die Luhmannsche Systemtheorie betreibt und die ich ja auch fruchtbar finde, deren sprachliche Inszenierung durch Luhmann aber schon sehr oft ziemlich groteske Blüten treibt. Naja, beurteilt jeder nach seinem literarischem Geschmack.

Und dass der Mensch im Schnittpunkt höchst verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen steht, zeigt im Gegenteil seine Relevanz: real facts possess degrees of being in proportion to the variety of perspectives from which they can with justice be perceived.

Diese kommunikationslogische Menschenfeindlichkeit könnte mir fast noch unangenehmer werden als die empfindungsselige Menschenfreundlichkeit, wenn ich es recht bedenke.

225 Susanne 1. Dezember 2009 um 22:06

an Morph

Wahrnehmungen sind auch subjektiv. Wenn du neben mir stehst und wir schauen in verschiedene Richtungen sehen wir nicht dasselbe. Wir können uns nur gegeseitig beschreiben was wir sehen
und doch würden wir schon alleine durch unsere Wortwahl keine objektive Beschreibung abgeben. Objektivität gibt es eigentlich nicht, da niemand das sieht was alle anderen sehen.

226 Andreas Kreuz 1. Dezember 2009 um 22:25

@Susanne #225

Deshalb sehen manche eine Umverteilung von unten nach oben,
andere eine von oben nach unten, und wieder andere sehen gar nichts.
Wo ist oben – wo ist unten?

Ich werde mal bei Einstein nachschlagen…. ;-)

227 Morph 1. Dezember 2009 um 22:26

@susanne
“niemand das sieht was alle anderen sehen.” Wahrnehmungen sind standortgebunden und insofern individuell. Aber wenn ich ein Foto mache, dann zeigt dieses Foto die standortgebundene Ansicht der Szene. Und wenn wir beide das Foto betrachten, sehen wir dieselbe Ansicht der Szene, wie sie durch die Optik des Fotoapparats aufgefasst wird. Und wenn wir beide einen Gegenstand ansehen, der sich in unserem gemeinsamen Gesichtsfeld befindet, wissen wir (und zwar mit absoluter Gewissheit, objektiv!), das wir entsprechend unserer Standortdifferenz unterschiedliche Ansichten haben, aber unterschiedliche Ansichten desselben Gegenstands.

“doch würden wir schon alleine durch unsere Wortwahl keine objektive Beschreibung abgeben” – ja, Beschreibungen sind immer Interpretationen von Wahrnehmung und insofern imprägniert mit subjektiven Möglichkeiten der Versprachlichung.

228 Susanne 1. Dezember 2009 um 22:28

an Andreas Kreuz

Gott sei Dank! Endlich einer der mich versteht.

229 lemming 1. Dezember 2009 um 22:31

@susanne
Wahrnehmungen sind auch subjektiv. Wenn du neben mir stehst und wir schauen in verschiedene Richtungen sehen wir nicht dasselbe.
So weit, so klar. Wahrnehmung ist notwendigerweise subjektiv, weil ja einer wahrnehmen muss, andererseits aber ist auch Objektivität ohne Wahr-Genommenes, also ohne Wahrnehmung nicht denkbar. Sowas Dummes, sollte das ein postmodernes “Paradox” sein, das uns erst ein Herr Luhmann objektiv (sic!) klargemacht hat?

Wir können uns nur gegenseitig beschreiben was wir sehen
und doch würden wir schon alleine durch unsere Wortwahl keine objektive Beschreibung abgeben. Objektivität gibt es eigentlich nicht, da niemand das sieht was alle anderen sehen.

Der Witz ist: Wenn es keine Objektivität gäbe, gäbe es auch keine Möglichkeit, sich gegenseitig etwas zu beschreiben.
Die Wortwahl “färbt”, aber sie färbt ETWAS, das man verstehen kann, obwohl man es selber nicht wahrgenommen hat (oder auch anders wahrgenommen). Phänomen der Kommunikation, Autopoiese der Sprache, würde ein goodnight jetzt sagen, also nicht wir beschreiben etwas, sondern die Beschreibung macht uns zu ihren Organen.
Ich aber würde sagen: Wir leben alle in derselben Welt und wissen darum auch, dass wir nicht alles auf einmal sehen können, und dass es verschiedene Sichten auf diese Welt gibt, die aber dennoch eine gemeinsame Welt (objektiv) ist, was sich eben gerade daran zeigt, dass es verschiedene Sichten gibt. Sonst wäre nicht nur das Paar “objektiv/subjektiv” bedeutungs- und auch funktionslos, überflüssig, sondern Sprache überhaupt.

230 Susanne 1. Dezember 2009 um 22:34

an morph

Ja das stimmt, ein Foto ist relativ objektiv.
Doch durch mein bisherigs Leben und meine gemachten Erfahrungen sehe ich auf dem Bild vielleicht 3 Leute vor einem Sonnenuntergang und du siehst 3 Leute die mit einem Auto abends am Strand stehen und schon ist alles wieder subjektiv.

231 Andreas Kreuz 1. Dezember 2009 um 22:36

@lemming #229

Es ist schon merkwürdig:

Wenn mir jemand sagt, “Das Buch liegt auf dem Tisch.”,
weiß ich sofort, was mich da erwartet.
Unabhängig davon, ob er es in deutscher, englischer oder russischer Sprache sagt.

232 Stephan 1. Dezember 2009 um 22:43

@goodnight #223
“Yep, schon mal Einstein gelesen? Der hat auch nur bekanntes zusammengefasst. ”

Hallo? Bitte um Aufklärung! Wer vorher die Relativitätstheorie bekannt gemacht hat? Und wenn’s netter weisser geht unter Minimaleinsatz von “Yep” und “Nope”. Ist halt einfacher zu lesen. Sozusagen KOMMUNIKATIONS-freundlich. Also sozial.

233 Nanuk 1. Dezember 2009 um 22:49

@Susanne
Dann können wir das Blog ja zumachen wenn alles nur Subjektiv ist…

234 Susanne 1. Dezember 2009 um 22:57

Zum definitiven Ende meines Abends, da ich ojektiv und subjektiv müde bin, lass ich noch einen Heinz von Förster da:

“Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.

Gute Nacht.

235 unwissender 1. Dezember 2009 um 23:30
236 topi 2. Dezember 2009 um 00:36

Ah, freies Geld für freie Bürger!

Ich frag mich nur: Woher nehmen die Freigeldler die Gewissheit, dass sich nicht neue, innovative Ivestitionen bilden?

Klar, ohne Zwang müsste Anti-Gresham gelten.
Aber sollte bei solcher Rationalität der Goldpreis nicht ein vielfaches betragen?
Das gemeine Wirtschaftssubjekt lässt sein Geld doch lieber “arbeiten”, also ich sehe da keinen so großen Unterschied zu den aktuellen Schneebllsystemen.

237 Rüdiger Kalupner 2. Dezember 2009 um 01:16

an Geronimo 1. Dezember 2009 um 19:55 # 200
“In sozialen Systemen gibt es hingegen keine vom Denken und den Wertvorstellungen der Beteiligten unabhängige Realität. Diese ist mit den Reflexionen der Beteiligten eng verwoben. Im Unterschied zu den natürlichen Prozessen, mit denen sich Naturwissenschaftler beschäftigen, wirken an sozialen Prozessen denkende Individuen mit, die Kraft ihrer Vorstellungen die Regeln dieser Systeme jederzeit ändern können. Das gilt auch für die Regeln der Marktwirtschaft.”

Das ist nur auf kurze Sicht gedacht. Auf lange Sicht kommen systemische Selektions- und Konkurrenzvorgänge – bezogen auf die Reflexionsergebnisse der Akteure – ins Spiel. Der kulturelle Evolutionsprozess, dessen Ordnungssystemexperimente noch nicht abgeschlossen sind, ist das natürliche Gegenüber jedes Menschen. In diesem setzten sich jene Erkenntnisse durch, die den Gesetzen und Akzelerationsmustern des Evolutionsprozesses und der Chaosphysik näher kommen. Über den Durchsetzungserfolg entscheidet die ‘Physik’ des Evolutionsprozesses. Hier entscheidet also das angenähert Wahre.

Erst wenn jemand eine operationale Evolutionsprozess-Physik erkannt und formuliert haben, werden wir vom Erfolg dieser Avantegarde überzeugt werden, deren Erkenntnisfortschritt akzeptieren und ‘die Kontinuität des Irrtums’ und den Irrtum des Relativismus beenden können. Erst auf der Grundlage einer solchen Evolutionsprozess- und Chaosphysik haben wir die Chance, in eine gelingende, menschliche Fortschrittsordnung zu gelangen und die Crash-folgt-Crash-Ordnung der Konflikt- und Machtkämpfer zu verlassen. Natur- und Geisteswissenschaftler haben dann eine gemeinsame Theoriegrundlage und auch eine von den Beteiligten ‘unabhängige Realität’.

Man unterschätze die Goetheische ‘Genialität-in-den-Dingen’ nicht. Sie ist meist einfacher als zu denken ist.

238 Systemfrager 2. Dezember 2009 um 08:22

@ Geronimo 200

Auf so einen habe ich gewartet. Der unerschütterliche, realitätsfremde, sture, deutsche Philosoph aus dem 18. Jahrhundert, ein Mystiker und ein Voluntarist.

In der Naturwissenschaft vermögen Theorien die Phänomene, auf die sie sich beziehen, nicht zu verändern: Die Erde dreht sich um die Sonne … Elektronen existieren und verfügen über intrinsische Eigenschaften unabhängig davon, mit welcher Theorie (Welle oder Teilchen) Wissenschaftler diese beschreiben.

Ob etwas ein Elektron ist oder eine elektromagnetische Welle, hängt davon ab, wie man das, was man sich vorgenommen hat zu messen, misst – mit welchen Methoden also. Man kann im echten Sinne des Wortes wählen: Elektron oder Welle. Geronimo hat offensichtlich keine Ahnung davon, weil ihm Physiker dies nicht gesagt hat – oder weil Geronimo so etwas unfähig ist zu verstehen. Wie großartig Recht hat Schnädelbach! Die Wissenschaft hat schon längst recht wenig mit dem “Geschaffenen” zu tun (Erde, Mond, Wasser, Ochse, …). Das war schon in Hegels Zeit nicht mehr so – aber dieser Verrückte (wie es Schopenhauer schon immer behauptet hat) wollte es nicht sehen. Es gibt keine Dampfmaschine in der Natur, andere mechanisch-elektrischen „Dinge“ desto weniger. Der Chemiker schafft neue Substanzen, der Biologe bzw. Genetiker (bald) völlig neue Organismen, … Der Naturwissenschaftler ist kein Deuter sondern ein Schöpfer. Die Philosophen und Sozialwissenschaftler – allen voran die WiWi-ler – sind Deuter, die bei ihrem tollpatschigen Deuten die Realität zertrampeln.

Bekanntlich haben die Menschen sehr schlechte Meinung über die Philosophen. Warum denn? Weil sie Unfug verzapfen wie Geronimo.

239 Nanuk 2. Dezember 2009 um 10:12

@Susanne
“Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.”

Sprach der Ackermann und verteilte Boni an seine Freunde.
http://www.youtube.com/watch?v=iellXDUHxdc

240 Nanuk 2. Dezember 2009 um 10:51

“Geschwätz ist jede Konversation mit einem, der nicht gelitten hat.”
Émile Michel Cioran

241 Geronimo 2. Dezember 2009 um 11:28

@ Systemfrager

sorry, aber von Naturwissenschaft verstehst Du wohl nicht viel. Also, es gibt ein Phänomen, welches Naturwissenschaftler beschlossen haben als “Elektron” zu bezeichnen. Mittels geeigneter Experimente können diesem Phänomen unterschiedliche Eigenschaften zugeordnet werden, es kann beschrieben werden als Teilchen, welches eine Masse besitzt oder als elektromagnetische Welle. Weitere Beschreibungsformen und Eigenschaften harren der Entdeckung. Die Physiker können nicht wählen, welche Eigenschaften das Elektron hat, sie können diese nur beschreiben, Eigenschaften des Elektrons können sie nicht konstruieren.

Techniker können im Rahmen der von den Naturwissenschaftlern beschriebenen Gesetzmäßigkeiten neue Dinge konstruieren. Philosophen können phantastische Gedankengebäude errichten, Schriftsteller bewegende Geschichten erfinden, Wirtschaftswissenschaftler viele unsinnige Theoreme in die Welt setzen, Politiker begeistert Ideologien anhängen, blogger eine breite Vielfalt von bedeutungsschwangeren Mist verzapfen, aber eines können wir alle nicht: begründen, warum es “Dinge an sich” gibt.

242 Systemfrager 2. Dezember 2009 um 11:46

@ Geronimo

Na bitte. Wie schon vermutet. Was die Physik betrifft, davon verstehst du offensichtlich O,NIX!

aber eines können wir alle nicht: begründen, warum es “Dinge an sich” gibt

Wenn sogar du nicht, dann haben wir ein echtes Problem. Wozu sollen wir dann überhaupt darüber schwätzen? Nanuk hat es auf den Punkt gebracht:

“Geschwätz ist jede Konversation mit einem, der nicht gelitten hat.”
Émile Michel Cioran

243 Nanuk 2. Dezember 2009 um 11:49

@Systemfrager
Worüber man nicht sprechen kann darüber soll man schweigen!
Ludwig Wittgenstein

244 goodnight 2. Dezember 2009 um 11:52

@Geronimo

Nope, unterkomplex. Schon mal nen Atom gesehen? Nen String, Nen Quant? Yep, haste nich! Warum nicht? Weil die nur in den Modellen der Physiker “sichtbar” sind, nicht in der Realität. Folglich messen die Physiker nur das, was sie versuchen zu messen. Denn zuerst war nicht das Atom, was da einem Physiker vor die Füße gefallen ist oder so, nope, zuerst war die “Idee” von einem Atom, welches seltsame Vorgänge beschreiben sollte, die dann, mit dem Modell des Atoms, welches an die “seltsamen Vorgänge” erklärend angepasst wurde ;-) oder so, erklärt werden. Physiker suchen dann mit ihren Messinstrumenten nach diesen Atomen als Erklärung…und finden dann natürlich diese Atome, die sie suchen…obwohl man diese ja nur mit den Messinstrumenten findet, die der Findung von Atomen dienen, d.h. die genau für diesen Zweck, d.h. konstruiert wurden. Yep, mit anderen Messinstrumenten, wie zum Beispiel dem menschlichen Augen kann man nämlich keine Atome finden ;-) . Yep, sowas nennt man das Selbstbezüglichkeit oder Selbstreferenzilität oder so.
Whatever, das gibt es genauso in den Sozialwissenschaften, yep, da sprechen wir auch von der Liebe und dann suchen wir nach Liebe und finden Liebe…obwohl noch keiner die Liebe gesehen oder so hat…aber wenn ich in einer Studie 1000 menschen befrage, yep, dann haben mindestens 70% die liebe schon mal erlebt, obwohl keiner die Liebe defnieren kann, und so, aber sie ist da…wie Atome und Strings und manchmal scheinen die Leute bei Liebe an G-Strings zu denken…aber lassen wir das ;-)

245 Systemfrager 2. Dezember 2009 um 11:54

@ Nanuk

Philosoph: Rechtfertige Dich!
Laie: Bitte nach Dir.
Odo Marquard
;-)

246 Systemfrager 2. Dezember 2009 um 11:59

@ goodnight 244

Na so was !!!!!!!!!!!!
Wir sind uns einig !!!!!!!!
Kann doch passieren.
Aber muss nicht. Also:

Nächstes Mal bitte besser aufpassen.
;-)

247 Geronimo 2. Dezember 2009 um 12:07

@ goodnight

glaubst Du wirklich, was Du da schreibst?:
“Weil die nur in den Modellen der Physiker “sichtbar” sind, nicht in der Realität.”
wenn ja, schmeiss Dein Handy weg, es funktioniert, weil es Dinge gibt, die man nicht sehen kann ;-)
Du musst lernen, zu differenzieren zwischen einer unbeeinflussbaren Realität – den “Dingen an sich” – und den Beschreibungen, welche Naturwissenschaften zur Erläuterungen dieser unbeeinflussbaren Realität anbieten. Die Naturwissenschaftler malen ein Bild des Objektes, mit welchem sie sich beschäftigen, aber dieses Bild ist verschieden von dem Objekt, es wird niemals mit ihm identisch sein.

Deshalb ist Deine Annahme von Selbstbezüglichkeit falsch. Die Referenz für das von den Naturwissenschaftlern geschaffene Bild ist das zu beschreibene Objekt. Genau hieran fehlt es den Geisteswissenschaftlern. Sie schaffen sich ihr Objekt selbst, weshalb Bild und Objekt identisch werden.

vive la difference ;-)

248 Nanuk 2. Dezember 2009 um 12:11
249 Nanuk 2. Dezember 2009 um 12:13

@Geronimo
“Vive la difference”
Sprach der Banker zum Bettler!

250 goodnight 2. Dezember 2009 um 12:35

@Geronimo

“glaubst Du wirklich, was Du da schreibst?”

=>Yep!

“wenn ja, schmeiss Dein Handy weg, es funktioniert, weil es Dinge gibt, die man nicht sehen kann”

=>Yep, es gibt Dinge, die man nicht sehen kann, wusste ja schon Kant. So what, er wusste aber auch, dass es dann etwas schwierig wird mit dem Zugang zu diesen Dingen, also von Mensch zu Ding oder so. Dies war ganz nebenbei DAS Grundproblem der Philosophie der letzten 400 Jahre…ach eigentlich schon ever. Die Physiker haben es einfach übersprungen, mittels der Mathematik. Die nennen sie “Meta-Sprache” oder so ähnlich, und damit ist alles geklärt. Yep, es gibt da so nen matheprofessor aus der USA, ok, Nebenberuflich war der Bombenleger, aber der sagte mal sowas wie “Alle Mathematik über Oberstufennivrau ist für die Mülltonne”. Whatever, auch Die Physik kann nur sehen, was sie sehen kann. Wenn ich mein Handy loslasse, yep, dann wird es fallen, aber was sagt das aus? Yep, die Physiker erklären das mit dem großen G (nope nicht das vom G-String ;-) ), also dieser Newton-kraft, die da werkelt und alles zusammenzieht oder so. Nur leider gibts da seit Einstein auch so krümmungen, ansonsten würde ja alles zusammenziehen und nicht expandieren…alos da draußen im All und so…yep, und beide Theorien sind nicht so ganz kompatibel, aber die Physiker glauben trotzdem irgendwie an alles zugleich, aber das ist auch egal, weil das gemeine Volk kennt ja nur Schul-Physik, d.h. Newton und fertig. Whatever, irgendwas passiert, wenn ich mein handy loslasse, aber ob das nun Erdanziehung oder Ausdehnung oder einfach nur der Versuch zu fliegen oder so ist, yeb, das weiss keiner….was nichts daran ändert, dass der Versuch meines handy zu Fliegen zu 100% scheitern wird…obwohl…wenn ich es beschleunige, yep, dann kann ich G ausschalten…für einige Sekunden…d-h- ich kann die göttliche kraft überwinden… wahnsinn….was sagt das über das Ding ansich?

“Du musst lernen, zu differenzieren zwischen einer unbeeinflussbaren Realität – den “Dingen an sich” – und den Beschreibungen, welche Naturwissenschaften zur Erläuterungen dieser unbeeinflussbaren Realität anbieten.”

=>Yep, das Ding ansich, yep, war das nicht heidegger oder so? Whatever, er ist daran gescheitert, und er hat sich wirklich in Zeug gelegt, also im Gegensatz zu diesen naturwissenschaftlern. Whatever, ich komme zurück auf kant und ddie frage aller Fragen: Wie kommt Objekt und Subjekt zusammen, wie erhalten die naturwissenschaftler diese beschreibungen der unbeeinflussbaren Realität? Wurden die von Gott auserwählt, d.h. erleuchtet? Ist da ein geheimnis?

“Die Naturwissenschaftler malen ein Bild des Objektes, mit welchem sie sich beschäftigen, aber dieses Bild ist verschieden von dem Objekt, es wird niemals mit ihm identisch sein.”

=>Ups, was ist das? D.h. die Physiker können das “reale Objekt” erkennen, aber nicht beschreiben? Paradoxie, wunderbar ;-) Ihr Bild von dieser “echten Realität” ist also ein anderes als die “Echte Realität”, aber sie wissen, das es diese “echte Realität” gibt….äh…woher, wenn sie diese “echte Realität” weder vollständig beschreiben, noch messen noch erklären noch sehen noch irgend einen “echten” Zugang haben? Wie kann ich behaupten, etwas wäre “Echt”, wenn ich keinen Zugang zu dem “echten” habe, wenn ich nur meine Schatten zu sehen?

“Deshalb ist Deine Annahme von Selbstbezüglichkeit falsch. Die Referenz für das von den Naturwissenschaftlern geschaffene Bild ist das zu beschreibene Objekt. ”

=>Yep, die Referenz ist eine Referenz, die keiner kennt, beschreiben oder erklären kann. Die Referenz ist für keinen Naturwissenschaftler zugänglich. Yep, was sagt mir das? Die Referenz ist ein Konstrukt.
Period.
Willkomen in der Philosphie des 18. Jhd.

“Genau hieran fehlt es den Geisteswissenschaftlern. Sie schaffen sich ihr Objekt selbst, weshalb Bild und Objekt identisch werden.”

=>Nope, wenigstens Luhmann als “Sozialwissenschaftler” war so konsequent, das er eine selbstreferiezielle Theorie entwickelte.
State of the art.
Willkommen im 21. jhd.

251 Nanuk 2. Dezember 2009 um 12:36

“Vive la difference” von wegen…
http://www.youtube.com/watch?v=4K1q9Ntcr5g

252 topi 2. Dezember 2009 um 12:45

State of the art.

Und?

253 Morph 2. Dezember 2009 um 13:09

@geronimo & goodnight

Es gibt unterschiedliche Wege, die eigenen Überzeugungen zu stabilisieren; man kann sich bemühen, auf dem eigenen Standpunkt zu beharren, indem man Gegenevidenzen hartnäckig bezweifelt, man kann sich auf Autoritäten beziehen (Pabst, Meisterdenker wie Marx oder Luhmann, ‘öffentliche Meinung’) oder man kann die wissenschaftliche Methode der Untersuchung anwenden.

Diese wissenschaftliche Methode beruht auf der Hypothese einer unabhängigen und strukturierten Realität. Historisch gesehen, ist die wissenschaftliche Methode relativ jung, ziemlich voraussetzungsreich und immer durch wirtschaftliche, rechtliche und politische Grenzsetzungen bedroht. Die Hypothese einer unabhängigen Realität zu unterstellen, von ihrer Richtigkeit überzeugt zu sein, ist die Bedingung der sozialen Veranstaltung ‘Wissenschaft’. Ohne sie geht es nicht (insofern: ganz d’accord, Geronimo). Ich z.B. nehme beruflich an der gesellschaftlich institutionalisierten Wissenschaft teil und habe selten Anlass, ihre Grundhypothese, durch die sie möglich ist, zu bezweifeln. Allerdings ist mir die Möglichkeit, dies zu tun, bewusst und die historische Kontingenz der gesellschaftlichen Ausdifferenzierung dieser Funktion ebenso (insofern: d’accord, goodnight).

Wenn ein Teilnehmer wissenschaftlicher Kommunikation die Existenz einer unabhängigen, strukturierten Realität bezweifelt, ist sozusagen ein Skandalon (gr. Ärgernis) der wissenschaftlichen Praxis. Ich denke, wissenschaftliche Praxis tut gut daran, dieses Skandalon mit der wissenschaftlichen Methode zu untersuchen, um herauszubekommen, was dieses Skandalon motiviert und welche Funktion es haben könnte.

Lit. http://www.peirce.org/writings/p107.html

254 Geronimo 2. Dezember 2009 um 13:11

@ goodnight
“die Physiker können das “reale Objekt” erkennen, aber nicht beschreiben? Paradoxie, wunderbar ”

Du konstruierst eine Paradoxie, in dem Du “erkennen” mit “beschreiben” gleichsetzt. Schaue heute nacht mal an den Himmel, dort wirst Du eine kreisrunde Erscheinung wahrnehmen (erkennen), Du kannst Dir viele Erklärungen dazu einfallen lassen, Gesetzmäßigkeiten ableiten etc. Wenn Du den “Wahrheitsgehalt” Deiner Theorien ermitteln willst, muss Du diese mit dem beobachtbaren Verhalten der Erscheinung, die zumeist als “Mond” bezeichnet wird, vergleichen. Diese Erscheinung ist die Referenz für das von Dir konstruierte Bild.

Fordere eine Klasse von Schülern auf, ein Bild einer auf dem Lehrertisch stehenden Blume zu malen. Alle Schüler erkennen die gleiche Blume, aber die von ihnen geschaffenen Bilder differieren in Abhängigkeit vom zeichnerischen Vermögen der Schüler erheblich. Es bedarf einer Abstimmung zwischen den Schülern, um zu beschließen, welche Beschreibung, der Blume am nächsten kommt. Am Wesen der Blume ändert das nichts, sie bleibt die unveränderbare Referenz.

Alle Geisteswissenschaftler kreieren selbstreferentielle Systeme, Luhmann war da keine Ausnahme. Alles was Luhmann auszeichnet, ist, dass er sich offen zur Selbstverarschung bekannt hat,

state of the Arsch ;-)

255 HAM 2. Dezember 2009 um 13:19

@Geronimo #241
Also, es gibt ein Phänomen, welches Naturwissenschaftler beschlossen haben als “Elektron” zu bezeichnen. Mittels geeigneter Experimente können diesem Phänomen unterschiedliche Eigenschaften zugeordnet werden, es kann beschrieben werden als Teilchen, welches eine Masse besitzt oder als elektromagnetische Welle.

„Beschreiben“ können die Naturwissenschaftlich dies eigentlich nicht, denn dieses Phänomen entzieht sich einer sinnlichen Wahrnehmung. Sondern sie bilden Modelle, mit denen sie versuchen, diese Phänomene in einer sinnlich konkreten Form darstellen, wohl wissend, dass es sich nicht um die Beschreibung einer Wirklichkeit, sondern um ein Modell von Wirklichkeit handelt.

Das hast Du in #247 ausgeführt.

Zugleich „verändern“ die Menschen damit die „Natur“. Sie wird dadurch zu einer „zweiten Natur“, einer durch Menschen veränderten Natur.
So ist z.B. der Elektrosmog eine „Erfindung“ von Menschen, welche die vorgefundene Natur verändert hat.

Dadurch setzt der Mensch aber nicht die Naturgesetze außer Kraft. Im Gegenteil, er lernt, sie für seine Zwecke einzusetzen – zum Guten wie zum Bösen.

Ähnlich ist es bei den Begriffen. Sie erfassen mehr oder minder die Realität. Die Begriffe sind die Realität, in der sich menschliche Wahrnehmung und das Verständnis von Zusammenhängen bewegt. Insofern gibt es auf der Ebene des menschlichen Bewusstseins selbstreferentielle Prozesse. Aber damit wird menschliches Bewusstsein nicht zwangsläufig in Gänze selbstreferentiell. Denn das (nur) selbstreferentielle Bewusstsein ist der Wahn, welcher nicht mehr zwischen Vorstellung und Wirklichkeit unterscheiden kann.

Sondern das menschliche Bewusstsein mit seinen Vorstellungen, Begriffen, Modellen etc. kann besser oder schlechter die Wirklichkeit erfassen.

Das ist der Grund, weshalb es überhaupt die menschlichen(!) Phänomene von Irrtum und Wahn gibt.

Aber ohne dialektisches Denken kann man dies nicht begreifen.

256 Morph 2. Dezember 2009 um 13:19

@geronimo
“Alle Geisteswissenschaftle”… – sagen wir, viele, okay? Allsätze sind ideologisch und ein wissenschaftlich motivierter Diskussionsteilnehmer sollte auf sie verzichten, oder?

257 Systemfrager 2. Dezember 2009 um 13:28

@ alle Mystiker, Luhmannianer, “Sozialwissenschaftler”, “WiWi-ler”, …

Warum wollen sie alle selbst refferenzierbar sein? Weil sie sich den Tatsachen nicht stellen wollen. Weil sie ihre Hirngespinste nicht mit irgendwelchen objektiven Methoden prüfen lassen wollen. Weil sie Versager sind. Es ist eine Flucht von der Realität im Namen der alleinigen Realtitätvertretung. Das ist ALLES:

Und natürlich gerade solche „Wissenschaften“ braucht jeder Herrscher. Sie stellen die bestehende Praxis nicht in Frage. Solche Wissenschaften bedeuten nichts als eine geistige Prostitution bei den Machthabern.
.

258 goodnight 2. Dezember 2009 um 13:43

@Geronimo

“Du konstruierst eine Paradoxie, in dem Du “erkennen” mit “beschreiben” gleichsetzt. Schaue heute nacht mal an den Himmel, dort wirst Du eine kreisrunde Erscheinung wahrnehmen (erkennen), Du kannst Dir viele Erklärungen dazu einfallen lassen, Gesetzmäßigkeiten ableiten etc. Wenn Du den “Wahrheitsgehalt” Deiner Theorien ermitteln willst, muss Du diese mit dem beobachtbaren Verhalten der Erscheinung, die zumeist als “Mond” bezeichnet wird, vergleichen. Diese Erscheinung ist die Referenz für das von Dir konstruierte Bild.”

=>Nope, unterkomplex. Wahrnehmung erfordert die bedingung der Möglichkeit….yep, und die Bedingungen hier sind: Ich kann sehen. Wenn Du mal ein bisschen Biologie und Chemie und Physik zum Vorgang des Sehens “anschaust”, dann wirst Du sehen: Wir sehen nicht allzuviel, von dem was zu sehen ist, und das, was wir sehen, dass ist auch kein direkter Zugang zur Welt da draußen, sondern eine Konstruktion eine Gehirns, welche die Daten der Netzhaut irgendwie interpretiert.
Soweit schon Kant….dafür brauchen wir keine Naturwissenschaften, die mit irhen Erkenntnissen Paradoxie erzugeen, indem sie ihre die Bedingungen der eigenen Existenz als Wissenschaft terminieren. Whatever, die Hirnforschung wird alles verändern….oder vergessen werden ….
Wie auch immer, meine Netzhaut sieht nur irgendwas, es kann das, was es wahrnimmt nicht bezeichnen, weil es nicht mal unterscheiden kann. Wie kann die netzhaut zwischen Mond und Sterne unterscheiden, wenn sie nicht weiss, wa mond und Sterne sind, wenn sie nicht weiss, was “rund” und “eckig”, was “hell” und “Dunkel” ist. All diese Informationen liefert die Sozialisation des Hirns…die dann vom hirn an das Informationsauswertung der Daten der netzhaut weitergeleitet wird (so oder so ähnlich), d.h. die Informatione der netzhaut werden determniert, vom hirn, welches durch Erziehung determiniert wurde. Und NICHT umgekehrt.
Yep, das meint v. Foerster mit: Wir sehen nur das, was wir sehen.
Yep, Du kannst nicht sehen, dass Deine Freundin dich betrügst, wenn Du es nicht sehen willst….der alte Klassiker aus Jugendtagen, es war offensichtlich, aber man hat es nicht gesehen.
Yep, und damit sind wir bei Sprache, denn die Sprache bestimmt die Existenz von Mond. Denn nur mittels der Sprache wird der Mond von Sternen abgegrenzt. Yep, es existierte keine Raumkrümmung bevor Einstein nicht das Wort Raumkrümmung erfunden hatte. That´s it. Mag sein, dass sie existierte, aber für uns Menschen existierte sie nicht.
Whatever, da draußen ist etwas, aber wir haben keinen direkten Zugang. Wir beobachten nur unsere Modelle einer Realität. Yep, wir sind dem Höhlengleichniss nie entkommen…2400 jahre später.

“Fordere eine Klasse von Schülern auf, ein Bild einer auf dem Lehrertisch stehenden Blume zu malen. Alle Schüler erkennen die gleiche Blume, aber die von ihnen geschaffenen Bilder differieren in Abhängigkeit vom zeichnerischen Vermögen der Schüler erheblich. Es bedarf einer Abstimmung zwischen den Schülern, um zu beschließen, welche Beschreibung, der Blume am nächsten kommt. Am Wesen der Blume ändert das nichts, sie bleibt die unveränderbare Referenz.”

=>Das Wort Blume bestimmt, was eine Blume ist…linguistik turn. Wieso sehen wir Blätter, Stiel, narbe, Staubbeute, Fruchknoten und Blütenkelch als eine Einheit, warum unterscheiden wir einzelne Blumen von anderen? Warum gehörne Bienen nicht zu Blumen, warum nicht das Grass um sie herum? Warum ist die Blume plötzlich Bestandteil von “Blumenbeet”? Eben noch alleine, jetzt zusammen? und ist Blumenbeet ein natürliches Element der Welt oder eine Erfindung von Menschen? Ist Genmais real oder ein Konstrukt? Yep, das Wesen der Blume ist nicht unveränderlich, sorry ;-)

” Alles was Luhmann auszeichnet, ist, dass er sich offen zur Selbstverarschung bekannt hat”

=>Yep, er hat es wenigstens begriffen, das ist a difference that makes a difference, und deshalb ist er beyond, er hat den Schritt vollzogen, denn ALLE anderen noch vollziehen werden. State of the art….

259 Nanuk 2. Dezember 2009 um 13:44

@Systemfrager 257
Ein Schelm wer jetzt Hegel sagt…

260 Morph 2. Dezember 2009 um 13:50

@geronimo
“Es bedarf einer Abstimmung zwischen den Schülern, um zu beschließen, welche Beschreibung, der Blume am nächsten kommt.” NEIN!!! Das ist der Terror der Mehrheitsmeinung, hat mit Wissenschaft nichts, aber auch überhaupt nichts zu tun. Ein Betrachter, der die Blume nicht selbst gesehen hat, und wissen möchte, wie wohl die Blume aussah, profitiert von der Vielheit der unterschiedlichen Versionen, die die Kinder angefertigt haben, viel viel mehr als von einem einzelnen Bild, dessen größte Ähnlichkeit mit dem Original in einer statitischen Umfrage ermittelt wurde. Das statistische Mittel über die Bewertung der größten Ähnlichkeit sagt über die Ähnlichkeit selbst überhaupt nichts aus, sondern nur etwas über die Gruppe der Urteilenden.

261 Nanuk 2. Dezember 2009 um 13:55

@Morph
Da bin ich ja beruhig das es beim Übermensch Wissenschaftler keinen Herdentrieb kennt… und das sie alle nur der Wahrheit verpflichtet sind.

262 Nanuk 2. Dezember 2009 um 13:58
263 Morph 2. Dezember 2009 um 13:58

@goodnight
“Wenn Du mal ein bisschen Biologie und Chemie und Physik zum Vorgang des Sehens “anschaust”, dann wirst Du sehen: Wir sehen nicht allzuviel, von dem was zu sehen ist, und das, was wir sehen, dass ist auch kein direkter Zugang zur Welt da draußen, sondern eine Konstruktion eine Gehirns, welche die Daten der Netzhaut irgendwie interpretiert.”
Das Schöne ist doch, dass wir sehen, ohne durch Biologie etc. darüber belehrt werden zu müssen, wie das geht (im Unterschied zu, sagen wir mal, Autofahren, da ist ein instructor ganz hilfreich). Das Problem des Konstruktivismus ist, dass es alle Tätigkeiten über den Kamm der Artifizialität schlägt. Gerade für die Wahrnehmung gilt das nicht. Und was Biologie usw. tun ist nichts weiter als bestimmte notwendige Bedingungen des Sehens zu untersuchen (wenn sie das Sehsystem modellieren), kein Biologe wird jemals eine hinreichende Erklärung für den Vorgang des Sehens anbieten können. Im Gegenteil muss der sich an die Phänomenologie des Sehens halten um seine Modelle zu überprüfen.
Und im Übrigen: Sieh doch mal zu, ob Du das mit der Begriffsverwendung: Sehen, Beobachten, Erkennen, Beschreiben, nicht doch etwas differenzierter hinbekommst, einen Betrug kann man nicht “sehen”, c’mon!!

264 goodnight 2. Dezember 2009 um 13:59

@morph

Der Witz der ganzen Geschichte ist ja. Die Physik ist keine Wissenschaft. Und deshalb ist sie so erfolgreich, weil sie nicht nach Wahrheit sucht, sondern Wahrheit erschafft.Irgendwann im 18./19 Jhd. löste die Physik die Philosophie ab. Das ist kein Zufall, das ist die Moderne, das ist die Folge von Darwin, das ist der Glaube an die Zeit, an Evolution. Seitdem wird nicht mehr erforscht sondern erschaffen. Was wäre Newton ohne Flugzeug, Rakete oder Kugeln? Ein Luhmann ;-) Vergessen. Was wäre Einstein ohne A-Bombe? Ein Spinner.
Wir haben die Suche nach Wahrheit längst aufgegeben. Es ist vorbei. Und Luhmann hat den Schlusstrich gezogen.
Wer heute eine erfolgreiche VWL-Theorie entwicklen will, yep, der muss ne Billion am Markt verdienen und diesen Erfolg dann rekursiv mit ner Theorie unterfüttern. Damit erklärt er zwar nix, außer vielleicht one lucky moment in time, aber man wird ihm glauben. Yep, Keynes hat ja genauso operiert… zur richtigen zeit die passende Theorie….womit wir wieder beim Thema wären…wgn Dein Auftritt ;-)

265 Morph 2. Dezember 2009 um 14:02

@nanuk
nix übermensch, es geht um Spielregeln, die natürlich gebraochen werden können und, leider, sehr oft gebrochen werden. Gilt vom Spiel der Wissenschaft nicht weniger als vom Spiel der Heilkunst, der Rechtsprechung, der Machtausübung, des Hausbaus und des Brötchenbackens. In allen diesen Spielen gibt es einige wenige Könner und viel Duchschnitt, und eine ganze Reihe von Spielverderbern.

266 Nanuk 2. Dezember 2009 um 14:04

Goodnight ruft das ende der Geschhichte aus!
http://www.youtube.com/watch?v=bDBz_naagJE
Schade nur das mein Gehirn nicht aufhören will zu denken…

267 Nanuk 2. Dezember 2009 um 14:09

@morph
“Spielregeln”

Wer setzt die denn die Spielregeln.Das machen die wohl selbst oder?
Also doch Übermenschen oder?Man kann es sich natürlich einfach machen wie Luhmnnchen und sagen ha die Wissenschaft ist doch ihr eigenes System das hat doch nix mit den Normalsterblichen zu tun… Die Öpfer vor Hiroschima und Nagasaki werden da wohl anders drüber Urteilen aber die sind ja zum glück Tod…

268 Morph 2. Dezember 2009 um 14:14

@goodnight
warum gibt es eigentlich das hier: http://www.eso.org/projects/vlt/
Weil wir fremde Galaxien besiedeln wollen? Wie begründen sich solche Instrumente, wenn man keine unabhängigen Daten braucht, die Modelle faktenlogisch unterfüttern?

269 Systemfrager 2. Dezember 2009 um 14:17

@ goodnight 264

Das ist nicht fair. Du gefällst mir immer mehr. Vielleicht versuche ich den ganz normalen netten Kriegszustand zurückzuholen. (Sonst müsste ich mir ihn nur selbstreferenzieren, und das ist wirklich nicht mein Ding … ähhhhhh … nicht einmal meine neue ökonomische Nachfragetheorie sollte sebstreferenziell sein …)

Wir haben die Suche nach Wahrheit längst aufgegeben. Es ist vorbei. Und Luhmann hat den Schlusstrich gezogen.

War da nicht auch was mit einem gewissen Hume. Der freche Kerl lebte noch vor Kant. Ich rechne es aus. Hume geboren 1711, Luhmann 1927: difference 216 Jahre. Verdammt! Eine (wahrhaftig) verspätete Nation
;-)

270 lemming 2. Dezember 2009 um 14:18

@goodnight

“Selbstreferenzialität”, das ist, ins Praktische übersetzt so was wie “having s*x with yourself”. Es ist ja nicht so, dass man dabei nicht zum Höhepunkt kommen könnte, und jedenfalls besser als nix.

Mehr fällt mir zum Thema “goodnights weltlose Welt” nicht mehr ein.

271 HAM 2. Dezember 2009 um 14:18

Wenn Menschen nicht mehr zwischen „subjektiv“ und „objektiv“ unterscheiden können oder wollen, dann – so meine These – manifestiert hierin ein „Lebensgefühl“, welches die Welt als prinzipiell undurchschaubar bzw. unbegreifbar wahrnimmt.

Alles wird (nur) als „Vorstellung“ bzw. subjektives Konstrukt wahrgenommen.

Die Menschen haben vor der Aufgabe resigniert, unterschiedliche und widersprüchliche Wahrnehmungen in ihrem Kopf zu einem logischen (widerspruchsfreien) Ganzen zusammenzufügen. Daraus resultiert eine „Patchwork-Identity“, ein subjektives Konstrukt, welches für die Individuen jedoch ausreichende Plausibilität enthält und zur Alltagsbewältigung ausreicht. Und die Individuen zugleich psychisch entlastet.

In den Köpfen dieser Individuen entsteht dadurch eine (scheinbar) stimmige, heile Welt, vergleichbar mit jener Welt, in der Autisten leben. Denn der Autismus basiert auf nichts anderen als Selbstrefentialität.

Im Gegensatz zum Autismus, wie er in der Psychopathologie beschrieben wird, ist dieser Autismus jedoch „gruppenfähig“: Es bilden sich Glaubengemeinschaften und Sekten, in denen sich deren Mitglieder in ihren Konstrukten gegenseitig bestätigen.

Anders als das dialektische Denken verzichtet jenes Denken, wie es z. B. goodnight ausführt, explizit auf die Synthese, begnügt sich mit der Feststellung der Existenz von Differenzen und hält dies für den höchsten Stand von soziologischer Wissenschaft.

Dass damit ein Zustand der heutigen Gesellschaft zutreffend beschrieben wird, welche zur gesellschaftlichen Synthese nicht mehr fähig und/oder willens ist, möchte ich gar nicht bestreiten.

Das Verhalten der Individuen entspricht dem herrschenden gesellschaftlichen Imperativ des „Surf or Sink“: Bleib auf der Welle des kapitalistischen Flows bzw. der herrschenden Kommunikation – oder geh unter.

Entscheidend ist das „Hier und Jetzt“. Wer auf der Welle surft, darf sich keine Gedanken über das Davor oder Danach machen, seine volle Konzentration ist darauf gerichtet, auf der Welle zu bleiben.

„In-Sein“ und bleiben, das ist alles!

272 goodnight 2. Dezember 2009 um 14:23

@morph

“Das Schöne ist doch, dass wir sehen, ohne durch Biologie etc. darüber belehrt werden zu müssen, wie das geht (im Unterschied zu, sagen wir mal, Autofahren, da ist ein instructor ganz hilfreich). ”

=>Nope, es soll Menschen geben, die unterscheiden Farben nicht, aber keiner merkst, weil die zu Rot auch himmer rot sagen, obwohl die kein Rot von Grün unterscheiden können. Die sind dann offiziell gestört ;-) Whatever, natürlich kann unsere Netzhaut Informationen ans Hirn liefern, aber darüber, was Informationen sind, darüber entscheidet das Hirn, nicht die Netzhaut…soweit die Hirnforschung. Du könnstest also dann nur noch mit Chomsky kommen, der da so ne veranlagung für Sprache im mensch “ansich” oder so erkannt haben will. Aber doch bitte keine Nichtdifferenz zwischen Subjekt und Objekt, bitte.

“Das Problem des Konstruktivismus ist, dass es alle Tätigkeiten über den Kamm der Artifizialität schlägt. Gerade für die Wahrnehmung gilt das nicht.”

=>Nope. Definiere mal “Wahrnehmung”. Was soll das sein, außer das, was wir als “Wahrnehmung” definieren. Also entweder bestimmt das Außen das Innen oder das Innen das Außen, entweder bestimmt die “Realität” die Wahrnehmung oder die Wahrnehmung die “Realität”… tertium non datur.

“Sieh doch mal zu, ob Du das mit der Begriffsverwendung: Sehen, Beobachten, Erkennen, Beschreiben, nicht doch etwas differenzierter hinbekommst, einen Betrug kann man nicht “sehen”, c’mon!!”

=> Betrug kann man sehen: Wenn meine Freundin viel Zeit mit meinem besten Freund verbringt um mit ihm zu reden, yep, dann kann das in der Realität alles sein, aber für mich ist es entweder eine Freundschaft oder die behoppsen mich….je nachdem, wie ich die Realität wahrnehmen, d.h. ob ich vertraue oder nicht, d.h. ich SEHE die zusammen im Cafe, wie die zusammen lachen und reden und sich sogar anfassen…das ist Realität…aber ich BEOBACHTE entweder zwei gute Freunde oder ein Liebespärchen … denn ich kann die “echte” Realität nicht aus der Realität, d.h. aus dem zu sehenden ERKENNEN, denn dafür brauche ich eine Unterscheidung, die hier aber nicht greift, denn die einzige Unterscheidung die hier geführt wird ist “sexuelle Vereinigung” (was seit Clinton ja ein dehnbarer Begriff ist), whatever, mein Großhirn erlaubt mir also erst ein Urteil, wenn eine bestimmte untershceidung eintritt, d.h. “Sexualität”. Sollte es dazu kommen, so habe ich also im Cafe einen Betrug beobachtet, obwohl ich zur zeit der Beobachtung eine Freundschaft beobachtet hatte, aber in der Realität habe ich das Gleiche gesehen. D.h. die Zeit bestimmt über Realität ;-)

273 Nanuk 2. Dezember 2009 um 14:23

@HAM
“Entscheidend ist das „Hier und Jetzt“. Wer auf der Welle surft, darf sich keine Gedanken über das Davor oder Danach machen, seine volle Konzentration ist darauf gerichtet, auf der Welle zu bleiben.”

Imagine all the people living for today….

274 Morph 2. Dezember 2009 um 14:24

@nanuk
“Wer setzt die denn die Spielregeln.Das machen die wohl selbst oder?”
Von Siel zu Spiel unterschiedlich. Im Goßen und Ganzen muss man sagen, dass die Spielregeln zufällig sind. Und wir können die Spiele versuchen, so erfolgreich wie möglich zu spielen (nach Maßgabe der Regeln und der schiedsricherlichen Instanzen), wir können aber auch uns den Spielen entziehen (schlicht nicht mitspielen), wir können auch die Regeln unterlaufen, stören, wir können versuchen, neue Regeln durchzusetzen. Das alles ist möglich und von Fall zu Fall mehr oder weniger gerechtfertigt durch die eigenen Überzeugungen. Aber eines sollten wir nicht tun: Ignorieren, dass es diese Spiele gibt, bzw. wenn wir das tun, wenn wir ohne Reflexion auf andere Leute, Organisationen und die (ihrem eigenen Anspruch nach) allinklusiven Metaspiele allein unseren individuellen Impulsen folgen, müssen wir mit den Konsequenzen leben, die das hat.

275 Nanuk 2. Dezember 2009 um 14:27

@Morph
Ich bestreite nicht das es diese Spiele gibt…

276 Systemfrager 2. Dezember 2009 um 14:27

@ lemming 270

Du bist Extra-Klasse! Zum Glück hort mich keiner wie hysterisch ich jetzt lache. Nicht einmal der Selbstreferentielteste würde nicht anderes tun können, als mich für total verrückt zu erklären.

277 Nanuk 2. Dezember 2009 um 14:30

Leider fällt mir auch keine Lösung ein ich kann nur aufräumen und Müll wegschaffen…

278 goodnight 2. Dezember 2009 um 14:31

@HAM

“Anders als das dialektische Denken verzichtet jenes Denken, wie es z. B. goodnight ausführt, explizit auf die Synthese, begnügt sich mit der Feststellung der Existenz von Differenzen und hält dies für den höchsten Stand von soziologischer Wissenschaft.
Dass damit ein Zustand der heutigen Gesellschaft zutreffend beschrieben wird, welche zur gesellschaftlichen Synthese nicht mehr fähig und/oder willens ist, möchte ich gar nicht bestreiten.”

=>Yep.
Luhmann beschreibt die Gesellschaft so wie sie ist.
Mehr Lob kann man einem Sozialwissenschaftler nicht zukommen lassen.

279 Systemfrager 2. Dezember 2009 um 14:37

“Wenn man seine (Hume) Bücher liest, wundert man sich, daß nach ihm viele und zum Teil hochgeachtetet Philosophen so viel Verschwommenes haben schreiben und denkbare Leser finden können.”

“Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.”

Einstein

280 Morph 2. Dezember 2009 um 14:40

@goodnight

ich kapier schon Deine moves, und Du bist im Rahmen unserer Kommunikation insofern im Vorteil, dass für sie, wenn wir Wahrnehmung sagen (bzw. schreiben) das eben ein Sinnkonzept ist wie jedes andere auch und es für dieses Sinnkonzept qua Kommunikation keine andere ‘Deckung’ geben kann als seine Ausdifferenzierung im Rahmen der Spezialkommunikationen, die die Möglichkeiten und Funktionen der Wahrnehmung modellieren, d.h. Biologie usw.

Allerdings ist Kommunikation als solche nur anschlussfähig möglich, indem sie sich von ihrer Umwelt unterscheidet, und ihre Umwelt ist eben nicht alles andere, sondern IHRE Umwelt ist Wahrnehmung. Und Wahrnehmung-als-Umwelt-der-Kommunikation ist nicht die wissenschaftliche Kommunikation über Wahrnehmung, sondern Wahrnehmung ‘itself’ (würdest Du vielleicht schreiben).

Schon okay, wenn Du in Deinen Beiträgen auf einem absoluten Immanentismus der Kommunikation beharrst (also aus der Perspektive ihrer Selbstreferenz argumentierst). Kannst Du ja auch probierern, wenn Du demnächst Deine Freundin mit einem anderen erwischst, bin gespannt wie lange Du das durchhältst ;-) Apropos: Warum betrügt die Dich eigentlich? Vielleicht zuviel second-order in der Beziehung? ;-)

281 goodnight 2. Dezember 2009 um 14:40

@lemming

““Selbstreferenzialität”, das ist, ins Praktische übersetzt so was wie “having s*x with yourself”. Es ist ja nicht so, dass man dabei nicht zum Höhepunkt kommen könnte, und jedenfalls besser als nix.”

=>Nope, lemming, das ist nur der Schatten an der Wand. Die grausame Wahrheit ist, dass wir immer nur Sex alleine haben. Da ist kein S*x “zwischen” Menschen, genausowenig wie Kommunikation zwischen Menschen. Beim S*x sind alle allein, Vereinigung ist da nur bei Körper und so, d.h. der S*x macht was er will….oder um im Terminus von Luhmann zu bleiben: Nur S*x f*ckt. ;-)

282 HAM 2. Dezember 2009 um 14:53

@goodnight #278
Luhmann beschreibt die Gesellschaft so wie sie ist.
Mehr Lob kann man einem Sozialwissenschaftler nicht zukommen lassen.

Jedoch kommst Luhmanns Soziologie nicht über die Immanenz der kapitalistischen Welt hinaus. Seine Soziologie ist nur die Perfektion des kapitalistischen TINA-Syndroms.

Er beschreibt nicht die Soziologie der heutigen „Welt-Gesellschaft“.
Die „kapitalistische Welt“ dominiert zwar heute noch die Welt, aber ist von der Zahl der Menschen her nur ein kleinerer Teil der Welt.

Und die Frage, ob die zukünftige Welt eine kapitalistische sein wird, ist längst noch nicht entschieden.
Im Augenblick sieht es so aus, als würde ein immer größerer Teil der Menschen in der kapitalistischen Welt nicht mehr auf der Wohlstandswelle surfen, sondern absaufen.

283 Geronimo 2. Dezember 2009 um 14:57

@ goodnight

ich stimme Morph zu: Du solltest etwas sorgfältiger mit Begriffen umgehen, dann lösen sich manche Deiner Probleme auf. Als Einstieg empfehle ich Dir Hofstadter zu lesen, z.B.
“Gödel, Escher, Bach: Ein Endloses Geflochtenes Band” oder auch
“Ich bin eine seltsame Schleife”
wird Dir erhellende Erkenntnisse vermitteln, so auch den nicht unwesentlichen Unterschied von “Information” und “Bedeutung”, aber Vorsicht! diese Lektüre erfordert Zeit und volle Konzentration, leider etwas mühseliger als bloggen ;-)

284 goodnight 2. Dezember 2009 um 14:57

@morph

Kleines Quiz:

Ist er hier jetzt Friedensnobelpreisträger oder Kriegstreiber?

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,664679,00.html

Also, mal so in der “Realität”, weil in der Kommunikation ist er gerade beides. Yep, wie entscheidest Du jetzt, also in der “Realität”? hat er uns betrogen oder nicht? Oder wir uns selbst? Denn er hatte ja auch vorher schon ganz viele Soldaten in Afghanistan….yep, ändert die Zeit oder die Kommunikation meie Wahrnehmung von Realität und damit die Realität?

Und was ist mit dem hier? Gutmensch oder Killer?

http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,664744,00.html

Yep, vielleicht können Menschen vieles zugleich sein…nur wo ist dann die Einheit? Und wer erkennt die Realität, wenn der Mensch keine Einheit mehr hat? Wie komme ich zum Objekt, wenn mir das Subjekt flöten geht? Fragen, Fragen, Fragen….

285 Systemfrager 2. Dezember 2009 um 15:04

@ HAM 282

Luhmann beschreibt die Gesellschaft so wie sie ist. Mehr Lob kann man einem Sozialwissenschaftler nicht zukommen lassen.

Doch! Der Kerl ist noch viel besser! Seine Beschreibung der Gesellschaft ist richtig und wichtig. Leider, dort wo sie richitg ist, ist sie nicht wichtig, und wo sie wichtig ist, ist sie nicht richtig. (Sie ist einfach nur autopoiesisch, poetisch … oder so etwas.)
;-)

286 goodnight 2. Dezember 2009 um 15:07

@Geronimo

“ich stimme Morph zu: Du solltest etwas sorgfältiger mit Begriffen umgehen, dann lösen sich manche Deiner Probleme auf. ”

=>Nope, dann fangen die Probleme ja erst an, mit diesen “Begriffen”.

Als Einstieg empfehle ich Dir Hofstadter zu lesen, z.B.
“Gödel, Escher, Bach: Ein Endloses Geflochtenes Band” oder auch
“Ich bin eine seltsame Schleife”

=>Yep, danke, aber schon vor einigen jahren erledigt…

wird Dir erhellende Erkenntnisse vermitteln, so auch den nicht unwesentlichen Unterschied von “Information” und “Bedeutung”,

=>Wow, sowas stand da drin….sorry, ich habe mir nur die Bilder angeschaut, ich Depp. Aber wieso unterscheiden die zwischen Information und Bedeutung, wieso nicht zwischen Information und Nicht-information, wieso? Gibts dafür nen Grund? Vielleicht ne Einheit der Unterscheidung…also, wie entstehen eigentlich Unterscheidungen…und ab wann weiss ich, welche Unterscheidungen richtig oder wichtig sind, und ab wann Unterscheidungen udn Begriffe sorgfältig geogen bzw. genutzt werden…..nur mal so gefragt, wegen der Sorgfalt der Begriffe und so…

“aber Vorsicht! diese Lektüre erfordert Zeit und volle Konzentration, leider etwas mühseliger als bloggen”

=>verdammt, habe leider keine Zeit, muss nebenbei arbeiten. Kann hier nur das bringen, was ich mir in den jahren in der Uni angelesen habe… obwohl, yep, für Dich reichts ;-)

287 Geronimo 2. Dezember 2009 um 15:16

@ goodnight
LOL :-)
“Aber wieso unterscheiden die zwischen Information und Bedeutung, wieso nicht zwischen Information und Nicht-information, wieso? Gibts dafür nen Grund? Vielleicht ne Einheit der Unterscheidung…also, wie entstehen eigentlich Unterscheidungen…und ab wann weiss ich, welche Unterscheidungen richtig oder wichtig sind, und ab wann Unterscheidungen udn Begriffe sorgfältig geogen bzw. genutzt werden…..nur mal so gefragt, wegen der Sorgfalt der Begriffe und so…”

versuche auch den Text in Hofstadters Büchern wahrzunehmen, könnte helfen …. nur mal so geantwortet
;-)

288 Morph 2. Dezember 2009 um 15:23

@goodnight

sag mal, das ist doch kindisch. Ich brauch doch keinen Luhmann um mediale Images als Artefakte zu erkennen. Und Leute, die den ‘Friedenswillen’ oder das ‘militärische Kalkül’ der us-amerikanischen Regierung auf ihre Personifikation, den Präsidenten, oder gar auf das Individuum Obama zurückführen, betrachte ich von vornherein eher als, sagen wir, uninformiert, auf solche Gespräche lasse ich mich in der Regel gar nicht erst ein bzw. gebe zu erkennen, dass ich nicht bereit bin die us-amerikanische Politik auf der Basis irgendwelcher persönlichen Motive eines Herrn Obama zu diskutieren.

Aber ansonsten scheint mir Obama ein interessanter Zeitgenosse zu sein, mit dem ich sicher ein zwei Bier trinken gehen würde, wenn er Zeit und Lust hätte, da er mir bestimmt Einiges erzählen könnte, was ich nicht weiß, was jenseits meiner Möglichkeiten der Erfahrung steht (und was ich auch nicht einfach mal eben kognitiv konstruieren kann).

289 HAM 2. Dezember 2009 um 15:26

@goodnight #284
Wie komme ich zum Objekt, wenn mir das Subjekt flöten geht?

Falsche Frage.

Das Subjekt geht nicht einfach flöten.

Der Sachverhalt ist komplizierter.

Wenn Menschen darauf verzichten, sich mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen und sich stattdessen in ihren Köpfen eine Scheinwelt konstruieren, dann sind sie es selbst, die dies tun.

Dass sie sich dann irgendwann aus dieser Scheinwelt nicht mehr von alleine befreien können, ist eine andere Sache. Dann sind sie Gefangene ihrer Konstrukte.

Zur Subjektivität des Subjektes gehört, dass es sich als Subjekt zerstören kann. Sogar irreversibel.

Und Subjekt(selbst)zerstörung gehört zur Normalität der kapitalistischen Gesellschaft. Die Menschen machen sich zu Objekten des Systems.

290 get it 2. Dezember 2009 um 15:32

http://www.luhmann.info/

Was ihr so besonders findet bei Luhmann…

291 goodnight 2. Dezember 2009 um 15:37

@morph

Nope, das ist nicht kindisch, sondern es stellt sich hier die Frage nach der Referenz. Yep, unterteilen wir einfach mal den Mensch in seine Rollen als Präsident und Familienvater etc. Yep, dann definiere bitte die Grenze: Ab wo ist Obama Präsident, d.h. welche Ausagen muss ich seinem Amt zuweisen, welche der “PRicvtaperson” Obama? Was ist “mediale Inzinierung”? Und können wir ihn so wahrnehmen? Als Differenz? Wählen wir Differenzen in Ämter? Und wer bestimmt dann, was der Präsident Obama in Afghanistan macht? Sein Amt? Wer steuert das Amt? Das Volk? Oder steuert der Präsident das Volk? Wer hat die Macht? Oder doch der “Mensch” Obama?
Whatever, conditio sine qua non der Wissenschaft ist die Frage, insbesondere die, auf die man keine Antwort hat.
Und, kannst Du meine Fragen beantworten?

292 HAM 2. Dezember 2009 um 16:07

@goodnight #291

Was sollen diese Fragen hier in diesem Blog?

Hast Du keinen Frisör?
:-D

293 Morph 2. Dezember 2009 um 16:16

@goodnight

ich kann Deine Fragen nicht ad hoc beantworten, sie sind aber beantwortbar. Z.B. ist deutlich erkennbar, dass es für die Mitteilungen des Präsidenten konfirmierende Zusatzmitteilungen gibt, die von anderen sozialen Adressen stammen als von der, die auf den Namen Obama hört (von Pressesprechern etc., die bestätigen, dass das, was der Präsident gesagt hat, der Präsident gesagt hat). Schön immer dann zu sehen, wenn Amtsträger aus der Rolle fallen (betrunken sind, andere Staatsmänner mit politischen Unpersonen vergleichen usw.), dann werden Kommunikationen von den Kontroll-Mitteilern reinterpretiert, rekonstextualisiert etc. Die Interaktionsadresse Barack Obama jedenfalls kann das, was der Präsident sagt, nur irritieren, aber nicht determinieren (in manchen Fragen wird ihm auch eine sehr weitreichende Definitionsmacht eingeräumt, z.B. was für ein Haustier der Präsident anschaffen wird). Aber alle Fragen von Belang entscheidet nicht BO, sondern die ‘Regierung’ (alles andere wäre im Übrigen viel zu riskant), eine Organisation, die außerordentlich komplizierte und extrem kostenintensive Mechanismen der Personal- und Hilfspersonalrekrutierung aufweist (weshalb potente Geldgeber auch den größten Einfluss auf die Regierungen von Industriestaaten haben, unabhängig von den ‘demokratischen’ Mechanismen der Regierungsbildung). Weswegen ja auch offenkundig nicht so smarte Leute wie GWB das Amt des ‘mächtigsten Mannes der Erde’ bespielen dürfen. – Aber das ist alles ja nicht wirklich rocket science, sondern ist das, was man als aufmerksamer Zeitungsleser und 2 und 2 zusammenzählen könnender Zeitgenosse einigermaßen verlässlich wissen kann.

“Was ist mediale Inszenierung?” Jede Sendung, jedes Bild, jede Website, jeder Popsong usw., die die Präsidentenfigur darstellen. Ob mit der Person Barack Obama interagiere oder aber eine massenmedial verbreitete Ansicht dieser Person wahrnehme, ob ich eine Aufzeichnung einer Rede oder einen Song über Obama vor mir habe, gehört zu den trivialsten Unterscheidungsherausforderungen, die sich denken lassen. Wo soll da das Problem sein, für dessen Lösung ich systemtheoretisch informiert sein müsste?

“Wer hat die Macht?” Ich kann nicht glauben, dass Du solche Fragen ernst meinst, echt nicht. Ich meine, diese Frage kann man allerspätestens seit der “Phänomenologie des Geistes” so nicht mehr stellen und in der Kommunikation über Macht ist das seither nicht vergessen worden (sehen wir mal von Fascho-Blödmännern ab, die ohnehin von Nix eine Ahnung haben).

294 Morph 2. Dezember 2009 um 16:40

Zusatz zu #293

Fascho-Blödmänner? Man sollte nicht immer alles Schlechte nur auf die armen Glatzen, Altnazis usw. schieben. Die Mein-Bewusstsein-ist-alles-Hippies sind ja auch nicht besser. Fehlt noch wer? Ach ja, unsere islamistischen MitbürgerInnen. Kommt doch eine ganze Menge VOLK zusammen… – aber ob denen mit Luhmann-Kursen zu helfen wäre?

295 froZ 2. Dezember 2009 um 17:56

Nichts Neues unter der Sonne. Die Ausdifferenzierung des Allmächtigen in Gottvater, Gottsohn und den Heiligen Geist. Hat Jesus eine menschliche und/oder göttliche Natur? Ist es auch so, daß “die Interaktionsadresse Jesus von Nazareth das, was der Heiland sagte, nur irritieren, aber nicht determinieren konnte”? War die im Monotheismus begründete Entdifferenzierung für die frühen Christen so unerträglich, daß es eine Heilige Dreieinigkeit brauchte, und dazu noch jede Menge Schutzheilige? Und sollte man “islamistischen MitbürgerInnen”, ehe man ihnen mit Beobachtung von Beobachtungen kommt, nicht erstmal die Heilige Dreieinigkeit und die Lehre von den zwei Naturen des Menschensohnes nahebringen? Ist das der symbolische Einstieg in eine pluralistische Gesellschaft? Noch mehr Fragen, nur so als Einwurf…

296 Morph 2. Dezember 2009 um 18:30

@froZ
“Ist es auch so, daß “die Interaktionsadresse Jesus von Nazareth das, was der Heiland sagte, nur irritieren, aber nicht determinieren konnte”?” Denke schon, was GLAUBST Du? Der ‘Heiland’ ist doch ein schönes historisches Beispiel für die soziale Konstruktion einer über den mikrosozialen Rahmen hinaus wirksamen PERSON.

“Und sollte man “islamistischen MitbürgerInnen”, ehe man ihnen mit Beobachtung von Beobachtungen kommt, nicht erstmal die Heilige Dreieinigkeit und die Lehre von den zwei Naturen des Menschensohnes nahebringen?” Nein, man sollte Ihnen zunächst mal die sozialen Plattformen für Ihren politischen Islamismus kaputtmachen und zwar einigermaßen rigoros. Koranschulen verbieten, Kopftuchverbot an Schulen, Missionsverbote an Unis usw. usf. Oder hältst Du den politischen Islamismus für eine evolutionäre Errungenchaft? Vielleicht urteilt man anders darüber, wenn man mal völlig verstrahlte Studierende technischer Fachrichtungen in seiner Sprechstunde sitzen hatte, die einem was vom großen und kleinen Satan erzählen und mit einem maliziösen Lächeln betonen, wie wenig sie am Leben hängen.
Von mir aus kann ja jeder den großen Kürbis anbeten: Gibt ja genügend etablierte Enklavenangebote moderner Gesellschaft für jene Kommunikationen, die durch die Kultivierung des ‘Heiligen’ motiviert sind.

297 lemming 2. Dezember 2009 um 18:42

@goodnight
Nur S*x f*ckt.
Weiss deine Freundin/Partnerin/Gattin das auch? Wenn ja, dann hätte sie besser auf eine Verbindung mit einem Parvenü aka goodnight verzichtet, denn:
1. wenn er recht hat, braucht sie keinen
2. wenn er nicht recht hat, weiss er einfach nicht, was S*x ist, und so einen braucht auch keine…

Gruss ins Nirvanaland…

298 HAM 2. Dezember 2009 um 19:26

@lemming #297

Dieses Thema ist m. E. ungeeignet, es ad personam zu diskutieren.

Die Frage ist doch, ob Entfremdungs- und Verdinglichungsprozesse dazu führen, den anderen Menschen als Objekt der Bedürfnisbefriedigung und Projektionsfläche eigener Phantasien zu benutzen. Nicht nur beim Sex, sondern generell in „Liebesbeziehungen“.
Und zwar, ohne sich dessen bewusst zu sein. Diese Menschen glauben, den andren Menschen zu lieben, aber erreichen diesen Menschen gar nicht als Subjekt.

Und dies ist doch unbestreitbar ein weit verbreitetes Phänomen.

299 Morph 2. Dezember 2009 um 20:13

@HAM
“Dieses Thema ist m. E. ungeeignet, es ad personam zu diskutieren.”
ganz, ganz, ganz im Gegenteil, würde ich sagen. :-)

300 HAM 2. Dezember 2009 um 20:19

@Morph #299
ganz, ganz, ganz im Gegenteil, würde ich sagen

Na, dann leg los:
Wie sieht es bei Dir aus?
:-D

301 lemming 2. Dezember 2009 um 20:33

@HAM
Dieses Thema ist m. E. ungeeignet, es ad personam zu diskutieren.

Darauf beruht ja das Ganze, was der @goodnight hier von sich gibt, nämlich, dass es “ad personam” gar nicht geben KANN, da es nur Konstrukte, Unterscheidungen, Differenzen und was dergleichen Blabla mehr ist, gibt. Was immer “geben” dann auch heisst.
Und wenn du genauer hinguckst, geht es hier gar nicht um die einzelne Person, sondern nur darum, was bestimmte Erfahrungen selbstevident machen. Wer also zwischen S*x mit jemandem und S*x mit sich selber keinen Unterschied (sic!) machen kann, sondern immer nur das Abstraktrum S*x für real hält, der ist ein echter Luhmannianer, ein Wolkenkuckucksheimer. Das hat mit der Person, die hinter @goodnight steckt, null und gar nichts zu tun. Wie auch? Ich kenne den doch gar nicht!

302 froZ 2. Dezember 2009 um 20:45

@ Morph #296

Ich folge dem Diskurs hier ja mit einem etwas distanzierten Interesse, habe den Luhmann freilich auch nicht gelesen. Die #295 war eher ein halbernstes Gedankenspiel, allerdings, wenn ich so darüber nachdenke, war die Richtung vielleicht nicht falsch. Der Koran als unmittelbare Offenbarung ist ja sozusagen “first order”, nix mit Beobachtung einer Beobachtung. Das Neue Testament aber ist “second order”, da hat man keinen unmittelbaren Zugang zu der göttlichen Natur Jesu, sondern es gibt vier unterschiedliche Beobachterperspektiven: die Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die ja in etlichen Punkten sogar voneinander abweichen. Und dann noch die Paulusbriefe…

Nun kann man sich fragen – ist eine Glaubenslehre, die auf einer solchen “perspektivistischen” Grundlage aufbaut, notwendige Voraussetzung oder zumindest Korrelat einer sich herausbildenden gegliederten Gesellschaft, die seit dem frühen Lehnswesen mehr oder weniger auf Vertragsbeziehungen beruht?

Schreibt Meister Luhmann darüber auch was?

Ansonsten sehe ich das mit dem politischen Islamismus nicht viel anders als Du, wobei ich denke, daß man – zumindest was muslimische communities bei uns angeht – vor allem dem dort teilweise gelebten patriarchalischen Familienmodell zu Leibe rücken sollte. D.h. ich hätte nichts gegen Kindergarten- und Vorschulpflicht, und auch nichts gegen ein restriktiveres Unterbinden gewisser praktizierter Formen des “Familiennachzugs”.

303 Frankie Bernankie 2. Dezember 2009 um 21:01

@froZ #302

“…da hat man keinen unmittelbaren Zugang zu der göttlichen Natur Jesu, sondern es gibt vier unterschiedliche Beobachterperspektiven: die Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die ja in etlichen Punkten sogar voneinander abweichen. Und dann noch die Paulusbriefe…”

Nun, das macht das Ganze ja auch glaubwürdiger.

304 lemming 2. Dezember 2009 um 21:10

@Morph
Erstaunlich:
Nein, man sollte Ihnen zunächst mal die sozialen Plattformen für Ihren politischen Islamismus kaputtmachen und zwar einigermaßen rigoros. Koranschulen verbieten, Kopftuchverbot an Schulen, Missionsverbote an Unis usw. usf.
Wer ist “man”? Und mit welcher Legitimation könnte “man” das tun?
Verbieten heisst bekämpfen, also bist du ein “Huntingtonianer”, überraschenderweise?

Oder hältst Du den politischen Islamismus für eine evolutionäre Errungenchaft?
Nun ja: wenn dem politischen Islamismus irgendwas völlig wurscht ist, dann die Frage, ob du/wir ihn für eine “evolutionäre Errungenschaft” halten. Wir könnten ja, ehrlich, nicht mal erklären, was das sein soll, denn dazu müsste man das Ziel der Evolution kennen. Umgekehrt halten die politischen Islamisten uns für dekadente Verfallsprodukte. Man sollte lieber hier mit Argumentieren anfangen, nicht mit Verbieten. Maliziös lächeln können wir nämlich auch, nach Luhmann, Nietzsche et. al.
Das wäre die Probe auf diese Exempel…

305 Gerald Braunberger 2. Dezember 2009 um 21:14

@ enigma 96

1.Keynes’ Vorstellung einer Welt (“für unseren Enkelkinder”), in der die materiellen Bedürfnisse weitgehend gedeckt, es kein oder kaum mehr Wirtschaftswachstum gibt und die Menschen sich dem Wahren, Schönen und Guten widmen, ist meines Erachtens eine Synthese von Gedanken Roger Frys mit ökonomischen Plausibilitätsüberlegungen (ich würde das keine Theorie nennen). Der Kunstkritiger Fry war Mitglied von Bloomsbury und hatte die Vision von dem materiell unabhängigen Leben entwickelt, in dem die Menschen sich den schönen Dingen widmen. Ökonomisch gesehen war Keynes unter anderem von Malthus beeinflusst. Eine Verbindung zu Schumpeter sehe ich nicht.

2. Was die Österreicher betrifft: Anhänger dieser Schule würden Schumpeter wohl als einen aus der Art geschlagenen österreichischen Ökonomen ansehen. Ich bin überhaupt kein Anhänger des späten Mises, aber frühe Werke wie das Geldbuch und sein Buch über die Unmöglichkeit des Sozialismus sind nun wahrlich kein Schrott. Auch von Hayek gibt es viel Lesenswertes, ohne dass man deswegen Hayekianer werden muss.

@ soffi 113

Im Grunde genommen hatten Keynes wie Hayek in jeweils einer Hinsicht unrecht: Keynes besaß keine ökonomischeTheorie der Politik. Keynes sah den Missbrauch seiner Ideen durch Interventionisten; in einem Brief an Hayek schrieb er, dass seine Staatseingriffe nur von Leuten vorgenommen werden dürften, die liberalen Geistes seien. Seine Politik wurde aber nicht nur von Liberalen betrieben. Hayek wiederum hatte im Weg zur Knechtschaft den Eindruck erweckt, dass jede Form von Staatseingriff ins Unglück führe. Das ist empirischer Unsinn und in einem Briefwechsel mit Paul Samuelson (mittlerweile veröffentlicht, siehe google) hat er sich im Jahre 1980 hiervon distanziert.

Ansonsten bleibe ich bei meiner Beauptung, dass unser Geldsystem nicht schwer zu verstehen ist, auch wenn man es aus unterschiedlicher Warte kritisieren mag. Ebensowenig teile ich die Ansicht, dass ein kreditbasiertes Geldsystem per Definition unseriös ist.

Gerald Braunberger

306 aifran 2. Dezember 2009 um 22:31

Gerald Braunberger 305
… Ebensowenig teile ich die Ansicht, dass ein kreditbasiertes Geldsystem per Definition unseriös ist.

… nun man kann sicher darüber streiten ob von einem System welches “Systembedingt” Geld von unten nach oben Pumpt unseriös ist (die Vermögenden werden diesen “Pumpmechanismus sicher ganz toll finden. Das Geld “arbeitet” ja für sie – denkt übrigens auch „Omi“ die für ihren “Spargroschen” 1% auf ihr Sparbüchlein kriegt. An die „Zinszahlungen“ die über ihren “Konsum” von ihr geleistet werden denkt sie allerdings nicht. Die sind bekanntlich in den Produktpreisen der “Verschuldeten Produzenten/Händler ja auch enthalten … und nicht zu knapp. Omilein wird wohl mit ihren Sparbüchlein kaum genug Rendite einfahren um bei den Zinseingängen und Zinsausgängen ins Plus zu kommen. Und dabei hat sie selber gar keine Schulden, keinen Kredit!)
… ja und dann ist da ja noch dieser Wachstumszwang der vom Kreditgeld ausgeht. Es muss expandieren – damit es sich nicht „verflüchtigt“. Geld ist Kredit der Hysterisch nach dem nächsten Kredit schreit (damit er inklusive Kapitalkosten/Zinsen zurückbezahlt werden kann) Schlicht und einfach ein Irrsinn, ein Teufelskreis. Systemzwänge des Irrsinns –

… ein derart Konstruiertes ständig Hyperventilierendes „Kredit/Geldsystem“ mit der Funktion eines Tauschmittels, Wertaufbewahrungsmittels, Rechnungseinheit“ – innerhalb der Markwirtschaft (Realwirtschaft) zu betrauen ist entweder Zeichen vollkommener Verblödung und Vertrottelung, oder eben vollste Absicht. (Installation der Pumpe)

… die Markwirtschaft, selbst in ständig hektisch in Bewegung, Umbruch – benötigt ein halbwegs Neutrales, Statisches „Tauschmittel, Wertaufbewahrungsmittel, Rechnungsmittel und nicht ein in sich selbst „Hysterisch Hyperventilierendes“ Mittel (Geld)

… (diese “Verblödung und Vertrottelung” – ist aber „Pawlowschen Hunden“ nicht vorzuwerfen. Ist Teil ihrer Konditionierung.)

es ist schwer in Platos Hölle sich von den Schattenspielen an der Wand loszureißen, die Schattenspieler zu erkennen und die Höhle hinter sich zu lassen …….

307 Frankie Bernankie 2. Dezember 2009 um 22:33

@wgnx #112

“…die Zerschlagung monopolistischer Strukturen und die Fokussierung auf Klein- und Mittelbetriebe. Diese ganze zunehmende Verwobenheit inbesondere des Finanzsektors mit der Politik, dieses ganze unselige Gelaber über “nationale Bankenchampions” bereitet mir deshalb das allergrößte Kopfzerbrechen.”

Der Commerzbank-Blessing sagte ja heute in einem SZ-Interview, dass “…wir grosse Banken brauchen, um die grossen Unternehmen in unserem Land mit Krediten zu versorgen.” Mit Sparkassen und Volksbanken ginge das nicht.

Da hast Du’s. Wir müssen gross sein, weil wir gross sind. Selbstreferentielle gegenseitige Einander-Bedingung.

Der Blessing brachte übrigens einen recht bunten Vergleich: man brauche für unterschiedliche Banken unterschiedliche Regulierung, je nach Risiko des Geschäfts, “Wasserkraftwerke würden vom Staat auch anders reguliert als Atomkraftwerke”.

Fand ich nicht uninteressant, den Vergleich.
Atomkraftwerke schaffen wir übrigens gerade ab, weil sie zu gefährlich sind – ob wir das seiner Meinung nach mit Investmentbanken auch tun sollten?

Ich wär ja dabei ( ..LIQUIDATIVE!”).

308 topi 2. Dezember 2009 um 22:59

@ aifran

Kreditbasiertes Geldsystem reicht allerdings nicht für diese Kritik.
Wir brauchen zumindest Zinsen (empirisch natürlich meist vorhanden ;–))

Aber auch mit Zinsen muss m.E. das Urteil nicht von vornherein so aussehen, berücksichtigt man mögliche Kapitalertrags- und Vermögensbesteuerung.

309 Gerald Braunberger 2. Dezember 2009 um 23:05

@ aifran 306

Ich denke, Ihr Beitrag ist ein Beleg für die These, dass das herrschende Geldsystem auch Kritiker findet, die es überhaupt nicht verstehen. Weder sind die von Ihnen behaupteten Verteilungswirkungen zwingend, noch existiert ein Wachstumszwang. Das kann man auf vielerlei Weise analysieren. Wenn Sie ein simples neoklassisches Wachstumsmodell nehmen, ist (bei konstanter Bevölkerung) der Realzins gleich der realen Wachstumsrate des BIP. Wenn die Wachstumsrate des BIP Null ist, ist der Zins Null. Genau dahin kommen Sie bei Keynes’ langfristiger Perpektive: Wenn die materiellen Bedüfnisse befriedigt sind und keine Nettoinvestitionen mehr notwendig sind, tendiert der Zins gegen Null.

Gerald Braunberger

310 aifran 2. Dezember 2009 um 23:15

…. zahlen wir also alle “Schulden incl. Zinsen zurück” (von mir aus auch ohne die Kreditlaufzeit einzuzuschränken) Einzige Bedingung – KEINE NEUEN KREDITE (Neugeldschöpfung)

311 topi 2. Dezember 2009 um 23:17

aber wer gibt dann noch Kredit?

312 aifran 2. Dezember 2009 um 23:30

… wenn alle Materiellen Bedürfnisse befriedigt sind ….

Marksättigung, sicher ein bei der Wirtschaft “Jubelgeschrei” auslösender Zustand. Mein Gott welch ein Freude für die Autoindustrie – endlich Überkapazität. Endlich Überkapazität.

(Nun Mangelnde Nachfrage ist natürlich kein Beweis für Mangelnden Bedarf. Möglicherweise nur ein Zeichen von fehlenden Geldmitteln bei den “Nichtautobesitzen” ………)

313 Gerald Braunberger 2. Dezember 2009 um 23:30

Wofür brauchen Sie Kredite, wenn es keine Nettoinvestitionen mehr gibt?

314 aifran 2. Dezember 2009 um 23:47

… mit “Schuldenzurückzahlung” sind auch die “Schulden” der Geschäftsbanken bei den Zentralbanken gemeint!!!
Wieviel “Geld” ist dann noch im Umlauf und steht der “Marktwirtschaft” für denTäglichen Geschäftsbetrieb zur verfügung???

Sind wir dann bei der “Gratisökonomie” (André Gorz) weil die Zentralbanken oder der Staat “Gutscheine” an die Menschen verschenkt?

315 unwissender 2. Dezember 2009 um 23:54
316 aifran 3. Dezember 2009 um 00:01

… schließe mich dem an, gute Nacht! :-)

http://img256.imageshack.us/img256/250/bild3affenjk2.jpg

317 enigma 3. Dezember 2009 um 03:01

@ Braunberger 305, 309

Die Verbindung von Keynes und Schumpeter liegt in der ähnlich gelagerten Zinstheorie, die beide zu dem Schluß geführt haben, daß ein langfristiges stationäres Gleichgewicht zu einem sinkenden Zins und zur Eliminierung von Renteneinkommen führen würde. Schumpeter drückt das aus, indem er schreibt, daß die statische Wirtschaft keinen Produktivzins kenne, während Keynes für die Welt allgemeiner Bedarfsdeckung die Euthanasie des Rentiers in Aussicht stellt. Nun war Keynes dabei wenig optimistisch, was ihn dazu gebracht hatte, die Sozialisierung der Investitionen zu einem niedrigen Zins als politische Leitlinie zu propagieren. Schumpeter dagegen konnte aus seiner Zinskonzeption als “Vorsprungsrente” des “innovativen Unternehmers” darauf vertrauen, daß im stationären Gleichgewicht diese Extraprofite durch Konkurrenz sich von selbst eliminieren würden.

Interessant dabei ist doch, daß gerade bei Schumpeter sich das präferenztheoretische Konzept der Kreditvergabe wiederfindet, was bei Keynes dann in die Form der Liquiditätsprämie gegossen wurde, so daß sich bei beiden vergleichbare geldtheoretische Konzeptionen finden lassen. Diese machen denn auch den Unterschied zu H+M aus, die sich ja bis zum Hals in dem Sumpf der Quantitätstheorie wiederfinden. Wenn man sich die Buchbesprechung (1911) von Böhm-Bawerck ansieht, braucht man sich nicht die Sorge zu machen, daß Schumpeter mit dem Rest der “Österreicher” auch nur irgendwas zu tun hätte. Denn Schumpeters Betonung der “produktiven Kraft des Kredits” war doch genau dasselbe Weihwasser, was Keynes als zentrale Grundlage seiner Einkommenstheorie gegen die Klassik und auch und insbesondere gegen das klassische Gesetz Say´s brauchte.

Möglicherweise liegt in der Interpretation Keynes´ als “Staatsausgabentheorie” auch der Schlüssel zu der Lebendigkeit der Rentiers, da eine Theorie, die eigentlich einen niedrigen Zins als langfristige Gleichgewichtskonzeption postuliert, genau dann scheitern muß, wenn es genau wegen des kontinuierlichen Nettoverschuldungsvolumens des Staates zu einer Beschränkung des langfristigen Zinses nach unten kommt. Oder anders gesagt, verhindert die Zinsgestaltung der Staatsverschuldung, daß langfristige, niedrige Zinsen eine stationäre Wirtschaftsentwicklung erzeugen würden. (Wenn man so will, könnte das als ein Grund angesehen werden, daß realwirtschaftliches Wachstum zur Erhaltung der Verteilungskonstanz zwischen Realsektor und Finanzsektor erforderlich ist?) Es ist allerdings zu bezweifeln, daß Keynes die Staatsverschuldung in dieser Funktion gesehen hat, denn diese war lediglich dazu da, kreislauftheoretische Probleme in den Griff zu bekommen; immerhin stand er ja unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise I, deren Folgen ja noch deutlich zu spüren waren.

Nun sind ja die geldtheoretischen Aspekte der General Theory bei der Einbettung in die neoklassische Synthese weitgehend verloren gegangen und hier ist auch nicht der Ort, diese wieder auszugraben. Was jedoch die Theorie des langfristigen Gleichgewichts (tot oder auch nicht) angeht, können sich Schumpeter und Keynes schon die Hand reichen!

318 keiner 3. Dezember 2009 um 08:21

Möglicherweise nur ein Zeichen von fehlenden Geldmitteln bei den “Nichtautobesitzen” ………

Mein Geld hat sich gerade die Steuer geholt. Da wird so schnell kein neuer Opel gekauft, wenn die Kohle zum Finanzamt geht. Man kann jede Mark nur einmal ausgeben. Aber beim Finanzamt ist mein Geld in guten Hände, oder?

319 aifran 3. Dezember 2009 um 08:27

… in guten Händen? Natürlch – die Retten damit die Banken damit wenigstens ihre Restgroschen nicht auch noch verloren gehen ….

320 Systemfrager 3. Dezember 2009 um 08:46

@ Gerald Braunberger 309 & 313

Vielen, vielen, vielen DANK! Ich habe diese Sätze richtig genossen:

>Wenn Sie ein simples neoklassisches Wachstumsmodell nehmen, ist der Realzins gleich der realen Wachstumsrate des BIP.
Wofür brauchen Sie Kredite, wenn es keine [Sie meinten „realen“] Nettoinvestitionen mehr gibt?

Das ist die richtige, und in meinen Augen die ÜBERHAUPT DIE WICHTIGSTE Frage, wenn man sich seriös dh. analytisch (== keine Märchenerzählung) mit der WiWi beschäftigt! Ich glaube einiges zur Klärung dieses Problems beitragen zu können. Das Sparen kann nämlich real und nominal sein. Die wirkliche Realität sieht so aus: Das reale und das nominale Sparen sind nicht immer deckungsgleich. So etwas ist in der neoliberalen (oder gar ganzen bisherigen) WiWi nicht denkbar: UNVORSTELLBAR. Und deshalb ist sie hoffnungslos FALSCH. Das habe ich in meinem Blog begonnen zu erklären.

Wenn man herausgefunden hat, dass das reale und nominale Sparen nicht dasselbe ist, kann man analytisch streng und eindeutig die Existenz des Nachfragemangels / Nachfagelücke nachweisen. Es gibt also bis heute (seit A. Smith) zwei Erklärungsmöglichkeiten, wie die Nachfrage kleiner als das Angebot werden kann:

1) Die monetaristische Erklärung: Geldhortung (Sismondi … … … Keynes)
2) Durch difference zwischen dem realen und nominalenSparen

Wenn Sie sich das anschauen wollen:
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/steuerung.php?tbch=ca&schp=rnachfrE

321 topi 3. Dezember 2009 um 09:09

@ Gerald Braunberger 313
“Wofür brauchen Sie Kredite, wenn es keine Nettoinvestitionen mehr gibt?”

Aber Herr Braunberger, wir sprachen doch von einem kreditbasiertem Geldsystem.
Dann brauche ich nicht nur für Nettoinvestitionen Kredit.

Oder wird sonst allen alles geschenkt, bzw. mit einer “Erstausstattung” von Geld bezahlt?
Dann wäre es jedoch kein kreditbasiertes Geldsystem.

Ich sage noch nicht mal, dass das nicht geht, nur nicht unter diesem Namen.

322 weissgarnix 3. Dezember 2009 um 09:31

@enigma und Braunberger

>Denn Schumpeters Betonung der “produktiven Kraft des Kredits” war doch genau dasselbe Weihwasser, was Keynes als zentrale Grundlage seiner Einkommenstheorie gegen die Klassik und auch und insbesondere gegen das klassische Gesetz Say´s brauchte.

In etwa so sehe ich das auch. Meiner Meinung nach jonglieren sowohl Keynes wie auch Schumpeter mit dem Faktor “Zeit”. Schumpeter trifft dazu in “Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung” ja einige sehr explizite, wie er selber schrieb “häretische” Aussagen, die er in jedem 3. Satz gegen allfällige Vorwürfe der Zunft quasi prophylaktisch zu verteidigen suchte. Meine These: Keynes wie Schumpeter (und natürlich Kalecki noch ein paar Jahre vor Keynes) sehen im Netto-Zuwachs einer Volkswirtschaft in jeder gegenwärtigen Periode nichts anderes, als einen Transfer von Einkommen aus zukünftigen Perioden. Keynes war in diesem Zusammenhang meiner Meinung nach sehr von Freud inspiriert, wie ich es in diesem Artikel ( http://www.weissgarnix.de/2008/12/13/die-anal-erotische-finanzkrise/ ) darzustellen versuchte.

Hyman Minsky goß die Synthese aus Kalecki/Keynes/Schumpeter in den bekannten Dreisatz, den ich in diesem Blog rauf und runter bete, nämlich: “Gegenwärtige Gewinne kommen aus gegenwärtigen Investitionen. Gegenwärtige Investitionen bedingen aber zukünftige Gewinne. Womit gegenwärtige Investitionen implizit zukünftige Investitionen bedingen.”

Warum die Neoklassik in jeder x-beliebigen Variante, insbesondere den beweglichen Gleichgewichten nach Arrow-Debreu scheitern muß, ist, weil sie diese Funktion der historischen Zeit schlicht nicht abzubilden vermag. Eine recht Ausführliche Kritik dazu bei H. Ch. Binswanger “Die Wachstumsspirale”.

Es gibt daher definitiv einen “Wachstumszwang”, die Alternative ist nicht der Solowsche Steady State, sondern der Absturz. Würden wir heute davon ausgehen, dass wir morgen kein Wachstum (verstanden als zusätzliche Gewinne) mehr verzeichnen, würde bereits heute keiner mehr investieren. Damit fielen aber auch die gegenwärtigen Gewinne weg, die benötigt werden, um vergangene Gewinnerwartungen zu “validieren”, wie es bei Minsky immer so schön heißt. Ergebnis: Fishersche Schuldendeflation und Depression.

323 Nanuk 3. Dezember 2009 um 09:45

@Morph
“Vielleicht Urteilt man anders darüber, wenn man mal völlig verstrahlte Studierende technischer Fachrichtungen in seiner Sprechstunde sitzen hatte, die einem was vom großen und kleinen Satan erzählen und mit einem maliziösen Lächeln betonen, wie wenig sie am Leben hängen.”

Wenn du Menschen die nach gut und böse fragen als verstrahlt bezeichnest hast du den falschen Job und das mit dem Heiligen Küris ist die Typische Aroganz des Westens da die religiösen Primitivlinge und hier die Aufgeklärten.
So werden wir mit denen nie Frieden schliessen du must sie in ihrer Sprache schlagen und das ist die Sprache der Theologie.

324 soffi 3. Dezember 2009 um 09:56

@Gerald Braunberger

danke für den hinweis auf den briefwechsel Samuelson/Hayek. Werde ich mir bei gelegenheit einmal anschauen. Zum inhaltlichen:

„Ansonsten bleibe ich bei meiner Behauptung, dass unser Geldsystem nicht schwer zu verstehen ist, auch wenn man es aus unterschiedlicher Warte kritisieren mag.

Danke, dass Sie ´Behauptung´ geschrieben haben. Sie wissen, dass die realität anders aussieht. Das sieht man schon an so einfachen dingen wie dem (un-)verständnis des teilreservebankensystems; u.a. hier in diesen blogs immer wieder dokumentiert. Das zitat von Henry Ford sollte bekannt sein:

Es ist sehr gut, dass unsere Bürger unser Bankwesen und Währungssystem nicht verstehen, denn wenn sie es verstünden, dann gäbe es, so denke ich, noch vor Tagesanbruch eine Revolution.

das ist zutreffend.

-„Ebensowenig teile ich die Ansicht, dass ein kreditbasiertes Geldsystem per Definition unseriös ist.“

Hier kommen wir nicht zusammen. Dieses system basiert auf der maxime ´mehr schein als sein´. Per definitionem. Das erkennt man schon ganz einfach an der tatsache, dass keine bank einen run überleben würde. Unsere banken sind alle latent bankrott.

Banken sollten sich darauf beschränken, die rolle des depositars und des intermediärs zu übernehmen und dabei die fristen-, risiko- und losgrößentransformation im auge zu haben. Mehr nicht. An der traurigen tatsache, dass die banken heute als geldproduzenten anerkannt sind, ist Schumpeter sicherlich nicht schuldlos, der in seine ´Therorie der wirtschaftlichen Entwicklung´(1912/1926) den sog. zirkulationskrediten (geldschöpfung aus dem nichts) die absolution erteilte. Ein verhängnisvoller fehler. (Wer kennt denn heute noch den rechtlichen unterschied zwischen einer spareinlage und einer einzahlung auf ein girokonto? stichworte: mutuum und tantundem)

Heute wird ´geld´ aus dem nichts – ex nihilo – geschaffen. Wenn das nicht unseriös ist, dann weiß ich nicht, was auf dieser welt sonst noch als unseriös bezeichnet werden könnte. Man drückt einen knopf, eine zahl erscheint auf dem konto, man hebt geld von diesem konto ab und geht damit reale güter einkaufen. Sorry, aber das ist – wir sagen es gemeinsam: betrug.

@ 309: –„Weder sind die von Ihnen behaupteten Verteilungswirkungen zwingend…“

Das ist falsch.

Ich hatte schon mehrfach den Cantillon-Effekt erwähnt, der verkürzt besagt, dass neu geschaffenes geld nicht gleichmäßig auf die bevölkerung verteilt wird. Es gibt erst- und frühbegünstigte, die notwendigerweise durch den inflationären effekt des gelddruckens zu lasten der spät- und letztempfänger des neuen geldes begünstigt werden. Dies ist schlicht und einfach enteignung oder raub. da die frühbegünstigten wohl immer dieselben sind – nie war dieser satz leichter zu überprüfen als heute – existiert diese verteilungswirkung sehr wohl. und sie ist zwingend. und dies liegt an unserem kranken geldsystem.

Aus demselben grund kann geld auch nicht neutral sein. Sie können alle theorien, die geld als neutral ansehen und daher einfach weglassen, getrost vergessen.

—„Wenn die Wachstumsrate des BIP Null ist, ist der Zins Null.“

Auch das ist falsch.

Zins ist primär eine funktion der zeit, nicht des geldes. Deshalb kann es auch keinen zins von null geben. Andernfalls würden sie für einen apfel, der 2 monate alt ist, genauso viel bezahlen, wie für einen frisch gepflückten apfel. Die zeit steht nicht still. Es gibt keinen zins von null.

325 weissgarnix 3. Dezember 2009 um 09:58

@topi

>Dann brauche ich nicht nur für Nettoinvestitionen Kredit.

Du hast recht, das kommt noch erschwerend hinzu: Selbst bei vollständiger Deckung von Investitionen aus Ersparnissen und einer Nettoneukreditaufnahme von nahe null, würden auch Ersatzinvestitionen zu einem guten Teil aus neuen (allerdings nicht netto zusätzlichen) Krediten finanziert werden müssen. Der “reine” Zins nach Vorstellung der Klassik mag auf diese Kredite auch tatsächlich null sein, aber dennoch wäre auf sie über Risikoprämien usw ein Nettomehrprodukt zu leisten. Bliebe das BIP insgesamt stationär, müßte es also zwangsweise zu einer Einkommensumverteilung kommen.

326 Systemfrager 3. Dezember 2009 um 10:02

@ wgnx 322

>Würden wir heute davon ausgehen, dass wir morgen kein Wachstum (verstanden als zusätzliche Gewinne) mehr verzeichnen, würde bereits heute keiner mehr investieren. Damit fielen aber auch die gegenwärtigen Gewinne weg, die benötigt werden, um vergangene Gewinnerwartungen zu “validieren”, wie es bei Minsky immer so schön heißt. Ergebnis: Fishersche Schuldendeflation und Depression.

?
Es kann nur heißen:
Würden wir heute davon ausgehen, dass wir morgen kein Wachstum mehr verzeichnen, würde bereits heute keiner mehr NETTOinvestieren. Die gegenwärtigen Gewinne WERDEN BLEIBEN UND dass alles kann sich als ein stationärer Zustand unendlich lange wiederholen. Ob wir dann Inflation oder Deflation bekommen werden, wird AUCH und VOR ALLEM von der Geldmenge abhängen. Das Sparen – ohne eine richtige Geldpolitik – kann IN DER TAT alles zunichte machen ….

327 Systemfrager 3. Dezember 2009 um 10:11

@ soffi 324

Da kommt der alte Bekannte aus dem neoliberalen Elfenbeinturm, einer der Realitätsblinden

> Es gibt keinen zins von null.

In Japan schon etliche Jahre, und die essen immer noch Äpfel. Das hat dir wieder Oma zugeflüstert – stimmt oder habe ich Recht?

328 goodnight 3. Dezember 2009 um 10:27

@Soffi

“Dieses system basiert auf der maxime ´mehr schein als sein´. Per definitionem. Das erkennt man schon ganz einfach an der tatsache, dass keine bank einen run überleben würde. Unsere banken sind alle latent bankrott.”

=>Yep, der Witz ist aber: Nicht nur die Banken, sonder ALLE!
Wer hier im Blog wäre nicht sofort bankrott, wenn morgen die Bank bzw. Gläubiger “ihr” Geld totally zurückfordern? Und/oder der Arbeitgeber die Zahlung einstellt? Über 90% aller Immobilien werden mittels Verschuldung finanziert, ebenso das geliebte Automobil…. bei Küchen, Möbeln und Fernseher sieht es nur wenig besser aus…irgendeine Statistik besagte mal, das jeder 3 alleinstehende Mann in DeutscheLand Kopfunter im Dispo steht.
Und wenn wir dann man den deutschen Mittelstand anschauen, yep, dito: immer eine Forderung vorm Abgrund.
All das merkt man in so ner Krise, wie das Dominospiel von den Banken über die Unternehmen über den Mittelstand hin zum einfachen Bürger durchknallt…mit unendlicher Geschwindigkeit…d.h. in Echtzeit fallen sofort die Automobil- und Immobilienpreise, werden Arbeitnehmer freigestelllt oder auf Kurzarbeit gesetzt, fallen Steuereinnahmen weg etc. …und all das in einer VWL mit einer der höchsten Sparquoten ;-)
Ergo: Wir sind alle Banker! Wir können weder von der Vergangenheit noch der Gegenwart “leben”, d.h. wir brauchen die Zukunft als Fundament für unsere Gegenwart (s.o. der Beitrag von WGN), d.h. I=S ist nicht mehr, vielmehr muss es I=S’ lauten, wobei S’ = Schulden ist ;-)

329 weissgarnix 3. Dezember 2009 um 10:48

@Systemfrager

Die japanischen Zinsen für Nicht-MFIs waren noch nie bei null. Bitte hier selber von überzeugen. Selbst die Prime Rate für die allerbesten Adressen liegt seit geraumer Zeit bei rund 2%.

http://www.boj.or.jp/en/type/stat/dlong/fin_stat/rate/prime.htm

330 Dietmar Tischer 3. Dezember 2009 um 10:52

@ wsgn

>Hyman Minsky goß die Synthese aus Kalecki/Keynes/Schumpeter in den bekannten Dreisatz, den ich in diesem Blog rauf und runter bete, nämlich:
“Gegenwärtige Gewinne kommen aus gegenwärtigen Investitionen. Gegenwärtige Investitionen bedingen aber zukünftige Gewinne. Womit gegenwärtige Investitionen implizit zukünftige Investitionen bedingen.”>

Mir gefällt nicht, dass sie m. A. nach Bestandsgrößen und Flussgrößen mischen, z. B. mit „gegenwärtige Investitionen“ (Satz 1 eine Bestandsgröße, in Satz 2 eine Flussgröße). Das ist wohl nur einer ungewollten sprachlichen Verkürzung geschuldet.

Wie wäre es mit dieser Formulierung, die im Grunde auch nichts anderes sagt, sondern die Zeitdimension mit dem meiner Ansicht nach hier richtigen Begriff „Erwartung“ untermauert:

Gegenwärtig generierte Gewinne kommen aus in der VERGANGENHEIT getätigten Investitionen.
GEGENWÄRTIG getätigte Investitionen bedingen die ERWARTUNG ZUKÜNFTIGER Gewinne (warum sollte ich sonst meine gegenwärtig generierten Gewinne investieren).
Womit GEGENWÄRTIG getätigte Investitionen implizit die ERWARTUNG zukünftig zu tätigender Investitionen bedingen (weil sonst die Erwartung zukünftiger Gewinne keine Grundlage hätte)

Wenn ich falsch liegen sollte, bitte eine Erklärung.

331 hacedeca 3. Dezember 2009 um 10:54

@weissgarnix, #322

“Würden wir heute davon ausgehen, dass wir morgen kein Wachstum (verstanden als zusätzliche Gewinne) mehr verzeichnen, würde bereits heute keiner mehr investieren.”

Doch! Um den anderen ihre Anteile am stagnierenden Gesamtgewinn wegzunehmen. “Business is war!” Im Kapitalismus geht es bei den meisten Marktteilnehmern um “more of the same”, also um Konkurrenz, um dog eat dog. Schumpeters Pionierunternehmer nimmt als Monopolist durch Kreativität ja nicht am Kapitalismus teil, der beginnt erst mit seinen Nachahmern und endet, wo die marxsche Akkumulation des Kapitals als Superkonzentration geduldet wird, etwa bei der Steinkohle.

Das zwischen diesen Monopolen, das ist der Kapitalismus und da sind die Gewinnaussichten, da eben keine Monopolgewinne einfahrbar sind, meist eh nicht so toll. Deshalb ja auch der “Terror der Ökonomie”, das permanente Streben nach mehr Effizienz, nach dem Minifortschritt, mit all seinen Begleiterscheinungen.

Auch dass gegenwärtige Gewinne aus gegenwärtigen Investitionen allein resultieren, ist irgendwie prinzipiell falsch, weil ein zu starkes Einkochen der kreditgetriebenen Wirtschaft auf eben den Kredit.

332 Systemfrager 3. Dezember 2009 um 11:02

@ wgnx 329

01. Dezember 2009, 10:21
Tokio – Die japanische Notenbank lockert angesichts des stark ansteigenden Yens und sinkender Verbraucherpreise ihre Geldpolitik. Der Zentralbankrat in Tokio beschloss am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung, extrem zinsgünstige Darlehen zur Stützung der Wirtschaft anzubieten. Es würden Darlehen mit einer Laufzeit von drei Monaten zu einem festen Zinssatz von 0,1 Prozent angeboten, teilte die Bank of Japan (BOJ) am Dienstag mit. Ziel sei es, die lockere Geldpolitik durch eine Senkung der längerfristigen Zinsen auszuweiten.
Ihren Leitzins beließ die Notenbank unverändert auf dem niedrigen Stand von 0,1 Prozent. Der Yen ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen, was als eher schlecht für die exportorientierte japanische Wirtschaft gilt. Regierungsvertreter haben deswegen die Zentralbank wiederholt zu einer Intervention aufgefordert. Japan befindet sich in der tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. (APA)

333 Systemfrager 3. Dezember 2009 um 11:07

@ Dietmar Tischer 330

>Mir gefällt nicht, dass sie m. A. nach Bestandsgrößen und Flussgrößen mischen

Deshalb braucht man ein strenges Denkmodell: Sonst wird man immer Bestandsgrößen und Flussgrößen durcheinanderbringen. Folglich ist eine reine narrative WiWi ein Quatsch

334 HAM 3. Dezember 2009 um 11:16

@lemming #301
Wer also zwischen S*x mit jemandem und S*x mit sich selber keinen Unterschied (sic!) machen kann, sondern immer nur das Abstraktrum S*x für real hält, der ist ein echter Luhmannianer, ein Wolkenkuckucksheimer.

Was aber ist, wenn die Wirklichkeit so erlebt wird?
Wo ist denn der große Unterscheid zwischen S*x mit einer Prostituierten und S*x mit sich selbst? Vielleicht liegt er nur in der Phantasielosigkeit des Kunden, der eine konkrete biologische Vorlage benötigt.

Beim bezahlten S*x läuft doch nichts Persönliches ab. Die Prostituierte ist doch gar nicht an dem Mann als Person interessiert. Ohne Geld würde dort überhaupt nichts laufen.

Wie ist es in den Beziehungen (Partnerschaft, Ehe)?
Klar, da wird nicht unmittelbar bezahlt. Aber handelt es sich nicht häufig (nur) um einen Komplex von Tauschhandlungen? Und wenn der Mann den Verhaltenserwartungen seiner Frau nicht entspricht, dann läuft dort auch nichts mit S*x.
Dass dort zwei Menschen verheiratet sind, beweist doch nicht, dass in ihrer Beziehung irgendetwas Persönliches abläuft. Vielleicht ist der Anlass für die sexuelle Interaktion nur eine eigengesetzlich ablaufende neurohormonelle Aktivität? Wobei aber der Mann sich als Subjekt erlebt, weil er sich dies einbildet.

Und die Frau? Was läuft da ab? Etwas Persönliches? Liebe?

Sorry für diesen Vergleich, er soll keine Gleichsetzung sein:
Liebt ein Hund seinen Herrn?
Nope, der Hund akzeptiert jeden als Herrn, der ihm Futter gibt. Da ist nichts Persönliches. Ist alles nur Biologie plus Pawlow.

Und in der Ehe?
Wie kann man unterscheiden, ob da noch mehr ist als jene biologische Interaktion von Männchen und Weibchen in der Tierwelt plus Konditionierung in einem Sozialsystem?

Und die menschliche Gesellschaft?
Ist die menschliche Gesellschaft so, wie sie von Luhmann beschrieben und ERLEBT wurde?

Ist das Menschliche nur eine Fiktion bzw. Illusion?

Luhmann habe ich nie persönlich erlebt. Aber den von Foerster. In meinem Erleben war der genau so: Ein behavioraler Misanthrop durch und durch, der seine Misanthropie als Wissenschaft verkaufte und zudem witzig und unterhaltsam sein wollte. Im Prinzip gab es in seiner Theorie keine Differenz zwischen dem Verhalten von Insekten oder von Menschen.

335 weissgarnix 3. Dezember 2009 um 11:25

@Tischer

>Das ist wohl nur einer ungewollten sprachlichen Verkürzung geschuldet.

Ist es: Ersetzen Sie “Investitionen” durch “In Bearbeitung befindliche Aufträge für Investitionsgüter”

>Gegenwärtig generierte Gewinne kommen aus in der VERGANGENHEIT getätigten Investitionen.

Nein – das wäre die klassische Vorstellung, aber um die geht es hier nicht. Was stattdessen interessiert sind die gegenwärtigen Beschäftigungs- und Einkommenseffekte aus der Herstellung von Investitionsgütern. Die ökonomische Wirkung dieser Investitionsgüter in der Zukunft (wie immer man sie jetzt genau nennen mag, erwartete Grenzleistungsfähigkeit usw) interessiert im Sinne des Reproduktionsschemas (oder der VGR, wenn sie so wollen) nicht. Aber selbstverständlich ist diese ökonomische Wirkung das eigentliche movens hinter der Investitionsentscheidung.

>GEGENWÄRTIG getätigte Investitionen bedingen die ERWARTUNG ZUKÜNFTIGER Gewinne

Das ist wiederum richtig, weil (mit Keynes) die Erwartung zukünftiger Gewinne direkt von den aktuell erzielten Gewinnen abhängt.

>Womit GEGENWÄRTIG getätigte Investitionen implizit die ERWARTUNG zukünftig zu tätigender Investitionen bedingen

Der Kandidat hat 99 Punkte. Genau das ist der Kern von Minskys “finanzieller Instabilitätshypothese” – und nicht das ganze Palaver über Ponzi, Minsky-Momente und dergleichen.

336 soffi 3. Dezember 2009 um 11:27

@ goodnight

“Wer hier im Blog wäre nicht sofort bankrott, wenn morgen die Bank bzw. Gläubiger “ihr” Geld totally zurückfordern?”

Ich.

Ansonsten grundsätzliche zustimmung. die politik des billigen falschgeldes hat notwendigerweise auch ökonomische konsequenzen, um nicht zu sagen: moralische. und die hast du schön skizziert. ich fürchte, so wird es kommen.

unsere wirtschaft gleicht einem hochgedoptem rennpferd. aber was nützt es, auf einem gedoptem gaul zu reiten, wenn man nicht weiß wann er zusammenbricht?

@ Systemfrager

-”In Japan schon etliche Jahre, und die essen immer noch Äpfel. Das hat dir wieder Oma zugeflüstert – stimmt oder habe ich Recht?”

du verwechselst wieder einmal die realität mit dem versuch, sie zu beeinflussen. Es gibt auch verückte, die von brücken springen, weil sie plötzlich annehmen, sie könnten fliegen.

337 weissgarnix 3. Dezember 2009 um 11:38

@Systemfrager

Die BoJ macht das, weil in ihrem Direktorium offenbar nur komplette Vollidioten sitzen. Welchen Sinn hätte es, KURZFRISTIGE Darlehen zu Nullzinsen auszureichen, wenn die relevanten Finanzierungszeiträume von Unternehmern mehrere Jahre umfassen?

Angenommen ich will für 10 Millionen investieren und rechne mit einer Amortisationsdauer von 3 Jahren? Wenn ich das Angebot der Zentralbank annehme, muß ich einkalkulieren, dass ich mich alle 3 Monate zu neuen Kreditkonditionen refinanzieren muss. Wenn die initialen Zinsen nach einer Periode langanhaltender Inflation hoch liegen, und ich deshalb auf zumindest gleichbleibende oder sinkende Zinsen hoffen kann, dann mag das unternehmerisch klug sein (obwohl es selbstredend nach wie vor riskant ist). Wenn ich das ganze aber auf Nullzinsniveau mache, dann ist das Risiko, dass über den Amortisationszeitraum die Zinsen steigen, ich daher also mit meinen Ertragserwartungen aus der Investition womöglich falsch liege, extrem hoch.

Wenn die BoJ daher wirklich was erreichen wollte, müßte sie mittel- und langfristige Darlehen zu Nullzinsen ausreichen. Und selbst dann ist nicht sicher, ob das Geld wirklich in Realinvestitionen wandert.

338 Systemfrager 3. Dezember 2009 um 11:48

@ wgnx 337

Die Diskussion hatte schon eine sehr gute Richtung, dummerweise habe ich Zinsen erwähnt … äh … lassen wir es (da werden wir uns schnell einigen – also uninteresant!)

Ich habe nur nur auf soffi reagiert, der begonnen hat, die Zinsen mit dem neoliberalen Schwachsinn (Leistung aus „Warten“, „Verzicht“, …) zu begründen/rechtfertigen.

339 HAM 3. Dezember 2009 um 11:55

Für den mit seinem Privatvermögen haftenden Unternehmer ist die Investition doch nicht selten eine Entscheidung zwischen einem Konkurs HEUTE und einem Konkurs MORGEN.
Die investieren, obwohl sie wissen, dass ihr Unternehmen auf Dauer nicht überlebensfähig ist.
Es geht darum, das Unternehmen noch möglichst lange am Leben zu halten. Die träumen nicht von zukünftigen Gewinnen, sondern die wollen Zeit gewinnen.
Morgen Pleite ist besser als heute Pleite.

Ähnlich wie die Medizin einen Patienten am Leben hält, obwohl sie weiß, dass Lebenserhaltung nur eine Verschiebung des Todeszeitpunktes darstellt.

So sehe ich die gegenwärtige Strategie der Herrschenden. Im Grunde wissen sie, dass es keinen Turn Around geben wird. Nur eine Verlängerung des Sterbens des Kapitalismus.

340 weissgarnix 3. Dezember 2009 um 12:06

@Systemfrager

Ist schon OK. Aber nochmal für alle: Der “Wachstumszwang” des Systems kommt NICHT aus den (Geld)Zinsen. Er würde auch bestehen, wenn der Zins auf alle Kredite null wäre und das komplette Intermediär-Geschäft für lau vom Staat abgewickelt würde.

Binswanger hat das in dieser Formulierung ganz gut getroffen finde ich:

“Diesem Modell [i.e. seiner "Wachstumsspirale"] liegt die Erkenntnis zugrunde, dass es nicht eine einmalige, in der Vergangenheit liegende “Erstausstattung” von Ressourcen gibt, sondern dass fortlaufend neue “Erstausstattungen” entstehen. Dies beruht auf zwei Grundlagen, nämlich erstens auf der Eigentumsordnung, die stets weitere Besitzergreifungen ermöglicht, und zweitens auf der Geldordnung, die eine Geldschöpfung durch Kreditvergabe gestattet und die Kreditnehmer in die Lage versetzt, sich stets neue finanzielle Mittel zu verschaffen, um diese Besitzergreifung durch entsprechende Ausweitung des Investitionsvolumens zu realisieren.”

Das ganze in aller Kürze: Das Wachstum ist elementarer Bestandteil des Kapitalismus. Wer kein Wachstum will, muss den “Drang zur Besitzergreifung” (bei Marx bekanntlich “Akkumulation”) abschaffen, redet dann aber über ein grundsätzlich anderes System. Deshalb fand ich ja auch BP Köhlers “Berliner Rede” so amüsant, weil er damit Marx näher war, als er es selber ahnte.

Binswanger weiter: “Der Wachstumsprozess wird von einem kumulativen Schrumpfungsprozess abgelöst, wenn er sich nicht fortsetzt. Das heißt: der Wachstumsprozess kann, wenn er einmal begonnen hat, nicht einfach in eine stationäre Wirtschaft mit Null-Wachstum einmünden, es sei denn nach einer Regression in Richtung Robinson-Crusoe-Wirtschaft.” Das alles aus dem sehr empfehlenswerten Buch: H.Ch. Binswanger, Die Wachstumsspirale, Verlag metropolis

341 Systemfrager 3. Dezember 2009 um 12:17

@ wgnx 340

Binswanger beschaffe ich mir bestimmt. Aber

1) … warum kann eine „ganz normale“ kapitalistische Wirtschaft nicht jahrelang stagnieren (0%-Wachstum)? (Siehe Japan) Was habe ich da falsch verstanden?

2) Es ist was andres, wenn die Wirtschaft wächst, ganz bequem (ein paar %/Jahr), und dann Absturz. Das ist das Problem, das die NEO nicht kennt, aber gerade deshalb sagen wir, dass sie ein Unsinn ist

(Und wir stehen in der Pflicht es zu erklären!)

342 Nanuk 3. Dezember 2009 um 12:35
343 weissgarnix 3. Dezember 2009 um 12:40

@Systemfrager

ad 1) weil sie üblicherweise keinen Staat kennt, der Länge mal Breite selbst ins Obligo geht, damit in toto alles so halbwegs stabil bleibt

ad 2) Schon, aber dafür muß man schon die richtigen Argumente wählen. Wer mit dem “Zins” kommt, den widerlege sogar ich locker mit 5 schlanken Sätzen.

344 HAM 3. Dezember 2009 um 12:42

@Systemfrager #342

M.E. muss man „Wachstum“ im kapitalistischen Sinne erst einmal definieren.
So kann z.B. BIP-Wachstum stattfinden, wenn die sog. „Realwirtschaft“ stagniert oder schrumpft.

Es ist was andres, wenn die Wirtschaft wächst, ganz bequem (ein paar %/Jahr), und dann Absturz.

Wenn die Wirtschaft „abstürzt“, dann ist doch das kein Phänomen, welches ALLE Betriebe betrifft. Sonden ein Teil stürzt ab und geht kaputt, ein anderer Teil ist weiterhin aktiv und investiert (= “wächst“).

Kapitalismus ist Betriebswirtschaft.

Die Konkurrenz erzwingt Investitionen, auch wenn kein Größenwachstum stattfindet.
Z. B . investiert ein Hotelbesitzer (Renovierungen etc.), um konkurrenzfähig zu bleiben, obwohl sich damit die Zahl der zu vermietenden Räume und möglicherweise auch sein Gewinn nicht erhöht.

345 holger 3. Dezember 2009 um 12:44

@ WGNX 240

–>Aber nochmal für alle: Der “Wachstumszwang” des Systems kommt NICHT aus den (Geld)Zinsen. Er würde auch bestehen, wenn der Zins auf alle Kredite null wäre und das komplette Intermediär-Geschäft für lau vom Staat abgewickelt würde.”

Es gibt nur einen “Wachstumszwang” weil die hungrige Meute im Laufe der Zeit, größer geworden ist. D.h. immer schneller, für immer mehr Biomasse auf 2 Beinen, Happa Happa und damit Energie zur Verfügung zu stellen.

Und diese Entwicklung hat sich auf den Kontinenten überall anders entwickelt. Ein Grund ist auch, der Wechsel der Jahreszeiten. Und da wir in D mal 4 davon hatten. Konnten wir, die Zentralheizung bauen. Kein Afrikaner ach falsch, besser oder die, die am Äquator wohnen, brauchen diese. Es ist eine Frage der Bedürfnisse vor Ort, und welche Bedingungen ich dort vorfinde. Und somit hat sich das Wachstum diesen Bedürfnissen angepasst.

Und irgendwann, ist damit mal Schluss. Weil die Bedürfnissbefriedigung hat sich der Umwelt angepasst. Deswegen, muss man die Umwelt verändern, um dann wieder zu Investieren. D.h. auf Sizilien muss es kälter werden, um Heizungen verkaufen zu können. Im Gegenzug muss es in anderen Regionen wärmer werden um die Klimaanlagen verscheuern zu können.

In Griechenland muss es schneien um Winterreifen auf den Markt bringen zu können. Die haben ja noch nicht mal ne Feuerwehr, die Helenen. Aber Zeus. Beim Teutates.

346 weissgarnix 3. Dezember 2009 um 12:54

@HAM

>Und irgendwann, ist damit mal Schluss.

Das dachten schon viele – allen voran ein gewisser John Maynard Keynes.

Sie lagen damit alle falsch: die Bedürfnisse des Menschen sind schier grenzenlos, sobald wir die elementare Ebene verlassen und in Dimensionen von “Anerkennung”, “Sozialprestige” und dergleichen vordringen.

347 Systemfrager 3. Dezember 2009 um 13:00

@ HAM 344

>So kann z.B. BIP-Wachstum stattfinden, wenn die sog. „Realwirtschaft“ stagniert oder schrumpft.

Genau so ist es. BIP-Wachstum in konstanten Preisen (Gebrauchswert – die Sprache der Klassiker) kann wachsen, auch wenn die Kapitalmenge pro Arbeiter konstant bleibt (Kapitalkoeffizient) . Und was geschieht dann mit dem Sparen? Ist sie auch dann möglich? Nominal ja, real nicht. Aber dass kann man nur innerhalb eines präzisen Modells klären.

348 Nanuk 3. Dezember 2009 um 13:00

@weissgarnix
Also gibt es auch keine Lösung für unsere Elementaren Probleme…
Dann last uns singen.
http://www.youtube.com/watch?v=saalGKY7ifU
Es wird ohne verzicht der Milliadäre und Millionäre niemals funtionieren.

349 goodnight 3. Dezember 2009 um 13:05

@WGN

Yep, aber wer A sagt muss auch B sagen …. d.h. wer Wachstum sagt, der muss auch Schulden sagen, denn ohne Schulden kein wirkliches Wachstum. Ergo: Mehr Schulden = mehr Wachstum….was uns in der Terminolgie von G.G. zu: “Debt is good.” führt.
Das System, yep, das passt sich immer mehr der Schuld an, yep, das findet Wege und Möglichkeiten Menschen in Schuld zu bringen und auch wieder raus. Und yep, dieser Weg geht weg von Eigentum und Gold und all dem Zeug. In den USA bekam man Kredit ohne Eigentum und selbst ohne Arbeitsplatz….und am Ende konnte man sein Eigentum wieder abstoßen an die Bank. Das ist lustig. Hier ensteht etwas Neues, wobei ja Schulden im Finanzsektor schon länger nicht mehr das sind, was sie mal waren, d.h. sie entkoppeln sich immer mehr von der Entität, d.h. von Eigentum und so…..siehe Verbriefung etc.
Whatever, das System wird mit den Schulden leben können. Denn das System ist clever.

350 Systemfrager 3. Dezember 2009 um 13:12

@ Nanuk 348

> Es wird ohne verzicht der Milliadäre und Millionäre niemals funtionieren.

Und genau das ist kein Problem, weil will den größten Philosophen aller Zeiten haben: Sloterdijk – er wird die Reichen überzeugen
;-)

351 hacedeca 3. Dezember 2009 um 13:14

@Systemfrager, #347

“Und was geschieht dann mit dem Sparen? Ist sie auch dann möglich? Nominal ja, real nicht. Aber dass kann man nur innerhalb eines präzisen Modells klären.”

Wer, “sie”? Das Wachstum? Natürlich ist Wachstum bei einer hohen Sparquote möglich! So fing ja nach Max Weber der Kapitalismus an:

Sparen und Konsumverzicht führten zum Aufbau eines Kapitalstocks. Dieser plus protestantische Arbeitswut plus neue Methoden führten zu Investitionen und diese zu einer Ausweitung der Produktion samt sunk costs und Qualitätsverbesserungen.

Aber Max Weber scheint hier im Blog ja seit jeher ein Fremdwort zu sein. Wie dem auch sei: Die protestantischen Puritaner sparten und wurden so reich. Für die Schwaben gilt das irgendwie noch immer…

352 holger 3. Dezember 2009 um 13:21

@ hacedeca

es gab ja mal einen Schuldenturm, in dem man eingesperrt worden ist, wenn der Kreditor der Meinung war, dieses zu beantragen.

Vielleichtwird ja auch mal Sparen unter Strafe gestellt. Und im GG festgehalten. Oder eine Antisparbeschleunigungsverordnung verabschiedet. Wer weiß es.

353 goodnight 3. Dezember 2009 um 13:25

@hacedeca

“Die protestantischen Puritaner sparten und wurden so reich. Für die Schwaben gilt das irgendwie noch immer…”

=>Yep, lustige Sache, Yep, die Schwaben, diese fleißigen, ordentlichen Calvinisten….yep, nur leider, leider, können diese Schwaben ja nur sparen, weil die auch ein Einkommen haben, z.B. so nen Job am Fließband bei Daimler….yep, und dieser Job ist ja da, weil dieses Unternehmen seine Automobile an Leute verkauft, die kurzfristig mehr Geld locker machen können als der gemeine Schwabe, ergo: Der Ami, der Saudi, der Russe, der Asiate. Yep, der Saudi und der Asiate kann sich den Benz leisten, weil er sein Öl und sein Spielzeug an die verkauft, die zuviel Geld für Spritfresser und viele Kinder ausgeben kann….ergo: Der Ami.
Yep, also läuft alles auf den Amis raus. Yep, und der Ami kann sich den ganzen Blödsinn nur leisten, weil er nicht spart….sondern sich totally verschuldet.
Ergo: Der Schwabe kann nur sparen, weil sich der Ami verschuldet.

354 Systemfrager 3. Dezember 2009 um 13:27

@ hacedeca 351

Ich meinte, ob “die” individuellen Ersparnisse auch dann möglich sind, wenn Kapitalkoeffizient nicht wächst, was in den westlichen Wirtschaften schon etliche Jahrzehnte der Fall ist.

Da hat sich Weber – Marx und den anderen Klassiker folgend- sehr blamiert. (Sie alle sind also seit ca 8 Jahrzehnten ad acta – total überholt! Unbrauchbar! Ein Museumsstück!) Und wenn Kapitalkoeffizient nicht gewachsen ist, warum gab es dann immer noch Sparen? Das ist doch contradictio in adjecto! Aber genau das kann man logisch einwandfrei erklären, wenn man das reale und nominale Sparen trennt.

Wenn man dies richtig modelliert, kann man sehen, dass sogar bei O%-Saprquote reale Investitionen im Prinzip möglich sind – das reale Wachstum (Gebrauchswert-Wachstum) sowieso. Ist verrückt. (Ich weiß.)
;-)

355 goodnight 3. Dezember 2009 um 13:43

Yep, ich habe das Ende der Geschichte vergessen:

Jetzt, wo der Ami nicht mehr zahlen kann und der Dollar bei 1.50 zum Euro steht, yep, da wandert das Automobilunternehmen vom Schwabenland zum Ami, um den Amis nun die Jobs zu geben, mittels derer der Schwabe sparen konnte. Was wohl dazu führt, dass der Schwabe sich bald verschulden muss (sei es beim Staat per HartzIV)…. yep…. es endet auch beim Schwaben in Schulden, da kann er noch soviel sparen ;-)

356 HAM 3. Dezember 2009 um 13:44

@weissgarnix #346
Das dachten schon viele – allen voran ein gewisser John Maynard Keynes.
Sie lagen damit alle falsch: die Bedürfnisse des Menschen sind schier grenzenlos, sobald wir die elementare Ebene verlassen und in Dimensionen von “Anerkennung”, “Sozialprestige” und dergleichen vordringen.

Was den Kapitalismus bislang gerettet hat, waren Faschismen und Kriege.

Na klar, man kann alles zertrümmern und dann das Spiel von vorne beginnen.

357 ppp 3. Dezember 2009 um 13:45

@goodnight
“Ergo: Der Schwabe kann nur sparen, weil sich der Ami verschuldet.”

Ja, und es ist faszinierend, wie der Glaube ans “Sparen” trotzdem die Wirtschaftsdebatte so kindisch bestimmt…ich mein, Angie war sich tatsächlich nicht zu doof, in ihren Reden auf die “Schwäbische Hausfrau” zu verweisen – ich habs ja nicht geglaubt, bis ich tatsächlich gesehen habe.

358 kolja 3. Dezember 2009 um 13:47

@HAM

Stimmt. Aber das sehen Systemapologeten a la wgnx nicht.
Sie übersehen das einfach.

359 topi 3. Dezember 2009 um 13:48

@ HAM
Für den mit seinem Privatvermögen haftenden Unternehmer ist die Investition doch nicht selten eine Entscheidung zwischen einem Konkurs HEUTE und einem Konkurs MORGEN.
Die investieren, obwohl sie wissen, dass ihr Unternehmen auf Dauer nicht überlebensfähig ist.
Es geht darum, das Unternehmen noch möglichst lange am Leben zu halten. Die träumen nicht von zukünftigen Gewinnen, sondern die wollen Zeit gewinnen.
Morgen Pleite ist besser als heute Pleite.

Und wer ist dieser Unternehmer?
Eine Lanze für dei kleinen, ist ja ok.

Aber man wende auchmal den Blick zur Quelle.
Einst war Karstadt ein richtig reicher Laden, mit ordentlich Vermögen (und bei ein bischen Geschick sehr sicherem Geschäftsmodell, seit man in Asien selber nähen lässt).

Private Haftung? Nie.
Aber natürlich das Risiko des Geschäftsvermögensverlustes.

Deshalb verscherbelt man das Vermögen, an sich selbst größtenteils, und die Bude geht ohne etwas in der Tasche Pleite.

gut, macht sicher nicht jeder so.

360 hacedeca 3. Dezember 2009 um 13:50

@goodnight

Nö, Sparen führt nicht zu Reichtum, weil ein anderer sich verschuldet!

Das Zauberwort lautet hier “technischer Fortschritt”. Nun könnte man meinen, der sei unabhängig vom Sparen. Dem ist aber nicht so, jedenfalls so Weber in seiner “Protestantischen Ethik”.

Anerspartes Eigenkapital hat – unmodern, aber wirksam. Spare in der Zeit und erfinde und plane und optimiere!

Wie auch immer: Auch die Selbstbescheidung ist ein Weg zum Wohlstand, ja ist für Europa sogar der eigentliche – der Konsumverzicht.

361 Morph 3. Dezember 2009 um 14:00

@froZ#302, lemming#304, nanuk#323

total off-topic, aber ich wollte doch antworten, da mir das Thema einigermaßen wichtig ist:

Die Beobachtungsverhältnisse, die in heiligen Texten inszeniert werden, sind sicher aufschlussreich, was die Logik der entsprechenden religiösen Semantik angeht, aber allem Anschein nach funktionieren diese Texte ja nicht (nur) als solche sondern (vor allem) vermittelt durch eine auslegende Autorität mit Alleinstellungsanspruch, die exegetisch mit dem Text verfährt, wie es ihr in den historisch kontingenten Kram passt.

Ich weiß nicht, ob ich Huntingtonianer bin, ich kenne die Thesen nur aus der Debatte, die Huntington damals ausgelöst hat. Der Ruf nach Verboten ist sicher zu einfach und reflexhaft, insofern: Ich widerrufe! :-)

Aber ich habe tatsächlich Erfahrungen mit islamistisch motivierten Studierenden, die mir erstens die Grenzen des Argumentierens gezeigt haben und mich zweitens davon überzeugt haben, dass man den politischen Islamismus und seine aufbauorganisatorische Dynamik nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Die Art wie die Jungs z.B. ihren muslimischen Kommilitoninnen zusetzen, die kein Kopftuch tragen, ist m.E. nicht akzeptabel.

Und hinsichtlich der praktischen Schlüsse, die man daraus ziehen sollte, fühle ich mich nicht sehr motiviert, ausufernde Begründungsdiskurse zu führen, denn meine Überzeugungen in der Sache sind einigermaßen zweifelsfrei. Über die Effizienz der Mittel muss man reden, über ihren Zweck (die Eindämmung des politischen Islamismus) wäre ich wenig motiviert zu streiten. Und wie gesagt, Reden hilft in diesem Fall praktisch nicht. Es bedürfte vieler vieler Stunden, die Jungs überhaupt erst mal soweit zu bekommen, dass es überhaupt die Möglichkeit verschiedener Welterklärungen gibt, die man vergleichend erwägen kann, und nicht nur eine Wahrheit und sonst nur Lüge und Betrug. Ich denke, uns fehlt schlicht die Zeit, solche besinnlichen und besonnenen Dialoge mit denen zu führen, die einen zunächst nur als in Unwahrheit Lebenden anerkennen und dann, wenn man Ihnen Argumente entgegenhält, als Agent des großen und/oder kleinen Satans beargwöhnt.

Ich bin sehr dafür, die islamischen Kräfte im Westen zu unterstützen, die bereit sind, die für religiös motivierte Menschen sicher bittere Pille der Säkularisierung zu schlucken, durch die ihr Glaubenssystem zu einer kulturellen Orientierung neben anderen devaluiert wird.

Und allerdings beanspruche ich die Anerkennung einer dezidiert areligiösen Perspektive, ich bin ja auch bereit, anzuerkennen, dass Leute im Glauben an Gott persönliche Erfüllung finden.

Und, Nanuk, ich muss mit Religiösen nicht in der Sprache der Religion argumentieren, genauso wenig wie mit den Rassisten in der Sprache des Rassismus. Das ist m.E. eine fatal falsche Strategie, wenn einem, im Unterschied zu denen, das Leben lieb ist. Mir scheint es auch eine fatal falsche Interpretation zu sein, den politischen Islamismus für eine autarke kulturelle Entwicklung der islamisch geprägten Kultur zu halten, mit der man irgendwie Frieden zu schließen hätte. Es handelt sich m.E. und nach dem Urteil von Leuten, die die historische Entwicklung besser kennen als ich, um ein dezidiert modernes, durch die Weltgesellschaft begründetes Phänomen. Ähnlich wie die kapitalistische Wirtschaft neben allem Reichtum auch eine ganze Menge Elend produziert, so produziert die Säkularisierung offenbar auch religiöse Radikalisierungen.

Und so wie man im Interesse an den Errungenschaften kapitalistischen Wirtschaftens (doch, die gibt es!) seine diabolischen Formen in den Griff kriegen muss, so muss man auch im Interesse an den Errungenschaften der Säkularisierung (und ob es die gibt!) dessen diabolische Formen bearbeiten. Kann ja sein, lemming, dass das nicht geht, dass die Geschichte abläuft wie am Schnürchen, dass man nur dagegen sein, aber sonst nichts machen kann. Das ist aber eine sub-specie-aeternitatis-Perspektive, die for the time being nicht einfach zu übernehmen ist, oder? “Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.”

362 HAM 3. Dezember 2009 um 14:04

@goodnight #355
da wandert das Automobilunternehmen vom Schwabenland zum Ami, um den Amis nun die Jobs zu geben

So ist das nun mal. Die Kapitalisten interessiert kein Vaterland. Sie müssen das System am Laufen kalten.

Der deutsche Staat rettet mit Milliarden „Opel“, d.h. in Wirklichkeit: GM.

Und Daimler schafft Arbeitsplätze in den USA.

Und so wird es weiter gehen.

363 goodnight 3. Dezember 2009 um 14:07

@hacedeca

“Das Zauberwort lautet hier “technischer Fortschritt”. Nun könnte man meinen, der sei unabhängig vom Sparen. Dem ist aber nicht so, jedenfalls so Weber in seiner “Protestantischen Ethik”.
Anerspartes Eigenkapital hat – unmodern, aber wirksam. Spare in der Zeit und erfinde und plane und optimiere!”

=>Nope. Wann war die Zeit des größten technischen Fortschritts? Yep, in den Kriegsjahren…immer und immer wieder: Kernspaltung, Flugzeuge, Düsenantrieb,……etc. Yep, der Krieg ist mother of progress, und der Krieg ist auch die Mutter der Verschuldung, nicht des Sparens.
Wichtig ist immer: Druck. “Druck erzeugt Diamanten” sagte Hannibal im “A-Team”…und yep, der Druck des Krieges ist ganz wunderbar, denn er erzeugt dolle Ideen. Der moderne Kapitalismus ist eigentlich nur eine billige Kopie vom Krieg, denn er erzeugt mittels Verschuldung Druck zu Laufen … und erst wenn die Menschen laufen müssen, yep, dann laufen sie