Die deutsche Entwicklungshilfe – Ein Schätzfehler

by weissgarnix on 22. November 2009

Am Samstag ein kleiner Artikel in der WELT über unseren neuen Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) und seine hehren Ambitionen: Vom Ruf des “Armutsministeriums” befreien will er es, sein Haus, indem er entwicklungshilfetechnisch richtig durchstartet und bis 2015 allen internationalen Zielen nachkommt. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass man da nichts überstürzen dürfe:

“Er hält es aber für unrealistisch, schon nächstes Jahr einen Wert von 0,5% [des BIP, WGN] zu erreichen. Solche Zwischenziele dürfe man ‘nicht dogmatisch’ betrachten.”

0,5% ? Mensch, wo habe ich diesen Wert neulich erst gelesen?

Ach so, ja, hier war’s – bei destatis. Die erläutern ihre Berechnungsgenauigkeit der ersten BIP-Schätzungen u.a. mit folgendem Satz:

Im mehrjährlichen Vergleich weichen die ersten vorläufigen Ergebnisse vom endgültigen Wert um rund einen halben Prozentpunkt nach oben oder unten ab. Bei einigen Teilaggregaten des BIP ist der durchschnittliche Revisionsbedarf deutlich größer.”

Aha. Und wenn wir den oberen und den unteren Satz zusammenfassen, dann erhalten wir welche Auskunft über den deutschen Entwicklungshilfeetat?

Er entspricht seiner Größe nach noch nicht einmal dem Schätzfehler, der bei der Berechnung des BIP in Kauf genommen werden muß.

{ 31 comments… read them below or add one }

1 Nanuk 22. November 2009 um 13:34

Was erwartest du das Weltentwicklungshilfe Ministerium sitzt sowieso hier…
http://www.vatican.va/

Keine zwei Dinge konnten einander an sich fremder sein, als das römische Papsttum und der Geist deutscher Sitten.
Johann Gottfried Herder :)

2 Goldenes Kalb 22. November 2009 um 14:33

Aberaber, du vergleichst hier Äpfel mit Birnen.

In welcher Weise hängt denn die Entwicklungshilfe (0.5%) vom Schätzfehler des ganzen (100%) ab? Du möchtest wohl irgendwie aussagen, dass die Entwicklungshilfe den gesamten Schätzfehler ausmacht, aber das ist normalerweise nicht so. Beim Bilanzergebnis wäre es wohl so, aber das ist nur ein normaler Posten der Bilanz und hat auf das Ergebnis nur einen kleinen (0.5%) Einfluss. Da es noch viele andere Unsicherheiten gibt, kann die Unsicherheit der Entwicklungshilfe keine 100% der 0.5% betragen.

Was ist also die Aussage deines Beitrags?

3 weissgarnix 22. November 2009 um 14:40

@Goldenes Kalb

>In welcher Weise hängt denn die Entwicklungshilfe (0.5%) vom Schätzfehler des ganzen (100%) ab?

Gar nicht.

>Was ist also die Aussage deines Beitrags?

Dass der gesamte Entwicklungshilfeetat nicht größer ist, als der durchschnittliche Schätzfehler in der Erstellung des BIP. Mit anderen Worten: Er ist absolut unbedeutend.

Beide Größen, der Etat als % des BIP wie auch der Schätzfehler beziehen sich auf 100% des BIP – also bitte keine deplazierten Vorträge in Statistik.

4 Stephan 22. November 2009 um 15:33

Die Entwicklungshilfe ist nur mehr ein schlechter Witz. 5,81 Milliarden Euro für 2009? Ich sag nur Opel, HRE, … Das BMZ gehört tatsächlich abgeschafft.

Die sinnvollste Verwendung dieses lächerlichen Betrags wäre: Die ersten 5 Punkte des Kopenhagen Konsensus http://bit.ly/7eJ8D5 zu finanzieren. Da bleibt noch genug übrig für eine Ausschreibung für die Pharmaindustrie, zur Abwechslung mal eine Tropenkrankheit anzugehen.

Und der Niebel tut automatisch Gutes und kann statt ins Büro auf den Golfplatz fahren. Afrika wird es ihm danken. Ich hoffe die Dokumentation über Easterly’s “White Man’s Burden” kommt auch hier ins Kino. Trailer: http://bit.ly/4XSpNX

5 ~ hg ~ 22. November 2009 um 16:00

… Als Halbgott hat man es wahrlich nicht leicht – es ist schon ein Kreuz mit den … Lesser Mortals !

=> … neulich hat die System-Journallie von PANORAMA (ARD) die Schwesta Wella vom TV-Volk per Telefonabstimmung zum zum “POLITCLOWN” wählen lassen.

=> … jetzt vergreift sich der nächste an meinem Geistigen Eigentum:

“Deshalb propagiere er einen „Retroliberalismus” im Erhardschen Sinne“.

http://www.focus.de/finanzen/news/focus-interview-henkel-wuenscht-sich-eine-hall-of-shame_aid_456396.html

=> … na, herzlichen Dank ! … ausgerechnet du, Hans-Olaf !

==> … @wgnx, kannst du bitte – bevor du dich in den wohlverdienten Urlaub verabschiedest – noch schnell einen klarstellenden Artikel über den wahren, halbgöttlichen RETROLIBERALSIMUS schreiben … und den Hans-Olaf wegen Verstoßes gegen die Lizenzbedingungen verklagen ? Danke.

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

PS: … scheinen doch mehr Leute mitzulesen, als man denkt …

6 Nanuk 22. November 2009 um 16:13

@halbmensch
Jetzt isset soweit die Deutschen Eliten schreiben von wahnsinnigen Bloggern ab… wo kann ich mich einliefern lassen…
http://www.youtube.com/watch?v=FrDQ5hz7H7w

7 ~ hg ~ 22. November 2009 um 16:18

@nanuk

“… wo kann ich mich einliefern lassen…”

=> … nee, jetzt !!

=> … du willst mir ja wohl nicht im ernst erzählen, daß du noch frei rumläufst ??

:-) x :-) x :-)

8 ~ hg ~ 22. November 2009 um 16:26

… Andererseits ….

…. mir kömmt da gerade so ein Gedanke …

- … “POLITCLOWN”
- … „RETROLIBERALISMUS”

… wenn … “DIE” … jetzt anfangen, meine Ideen zu übernehmen …

=> … dann sollte auch der …

- … “LATERNENPFAHL”

===> … langsam wieder eine … “tragende” … Rolle spielen … :-)

9 Nanuk 22. November 2009 um 16:34

@halbmensch
http://www.youtube.com/watch?v=-QBiBltfWEI
Ne muss nicht sein mit den Laternen…

10 Nanuk 22. November 2009 um 16:49

@halbmensch
Was hat der Hans-Olaf denn für nen Körperfett Anteil meine Frau braucht nen neues Makeup…
http://www.welt.de/vermischtes/article5275765/Menschenfett-war-frueher-ein-begehrter-Rohstoff.html

11 Ahnungsloser 22. November 2009 um 18:09

@wgnx:
> Dass der gesamte Entwicklungshilfeetat nicht größer ist, als der durchschnittliche Schätzfehler in der Erstellung des BIP. Mit anderen Worten: Er ist absolut unbedeutend.

Schon, aber es gibt ja ziemlich viele solcher Zielsetzungen, etwa 2% für Bildung. Damit hätte man vergleichen müssen.

Das das ganze BIP (noch?) nicht gefälscht wird, ist eh ein Wunder. Ein Wunder, dass vmtl. so lange hält, wie Profilneurose (BIP = Wohlstand = muss steigen) den Pragmatismus (weniger BIP, kleinere Etatziele) schlägt. Hätten die Grichen ihr BIP nach unten geschönt, gäbe es wenigstens ‘nen Präzedenzfall. Chance verpasst.

12 Ahnungsloser 22. November 2009 um 18:10

Der EU-Beitrag ist, glaube ich, auch als % des BIP formuliert. Die Betrugsanreize steigen…

13 ich 22. November 2009 um 18:16

Das das ganze BIP (noch?) nicht gefälscht wird,

Es wird gefälscht.

14 weissgarnix 22. November 2009 um 18:36

@ich

>Es wird gefälscht.

Glaube ich nicht. Sehe dafür auch keine Notwendigkeit, da die meisten Kommentatoren bereits an der korrekten Interpretation scheitern – Fälschen ist da völlig unnötig.

15 Goldenes Kalb 22. November 2009 um 21:26

@weissgarnix, 3
>>Was ist also die Aussage deines Beitrags?
> Dass der gesamte Entwicklungshilfeetat nicht größer ist, als der
> durchschnittliche Schätzfehler in der Erstellung des BIP.

Äpfel mit Birnen.

> Mit anderen Worten: Er ist absolut unbedeutend.

Der Vergleich mit dem Schätzfehler macht den Betrag, der mehrere Milliarden Euro umfasst deshalb nicht unbedeutend.

Es mag wirklich unbedeutend wenig Geld sein, das zur Dressur der 3. Welt ausgegeben wird, aber das hat nichts mit dem Schätzfehler zu tun. Da braucht es schon eine andere Argumentation.

Vielleicht drückt einfach Weihnachten auf deine Spendenbereitschaft?

16 Stephan 22. November 2009 um 22:03

Off Topic
Hab grad den Baader Meinhoff Komplex geschaut. Meine Frage: Warum cruisen der Baader und die RAF Jungs im TV dauernd in Porsches durch die Gegend? War das wirklich so? Die Super-kapitalistische-Tarnkappe: der Porsche 911?

17 Nanuk 23. November 2009 um 09:56

@Goldenes Kalb
“das zur Dressur der 3. Welt ausgegeben wird”

Was du Liberaler Wohlstandskrüppel da als Dressur bezeichnest ist für viele Menschen überlebenswichtig…

18 topi 23. November 2009 um 10:51

Ist unsere Entwickluingshilfe mittlerweile wirklich so gestaltet, dass sieden Menschen zugute kommt und nicht falsche Strukturen stärkt?
Das würde mich freuen.

19 Nanuk 23. November 2009 um 11:50

@topi
Das sagt niemand das alles gut ist ich sage lediglich das die sonst verhungern… Ich glaube jemandem der Hunger hat ist die Dressur sowas von egal hauptsache er hat was zu Fressen…

20 topi 23. November 2009 um 12:00

Sicher.
Wenn die “Dressur” (als Mischung aus Entwicklungshilfe und Agrarpolitik und “Frei”handelsdurchsetzungen) allerdings dazu führt, die einheimische Nahrungsmittelproduktion abzuwürgen?

21 Nanuk 23. November 2009 um 12:19

Ja was will man machen wenn wir auf Butterbergen sitzen und die Pflaumen verfaulen ob da der Warenverteilungs Mechanismuss Markt glatt versagt kann es sein das unser Kapitalismuss es einfach nicht schafft sondern genau das Gegenteil bewirkt?
Hmm?
Böse Zunge würden jetzt behaupten das sei gewollt!
und was macht der ach so schlaue Topi mit unseren Bauern die müssen ja auch von was Leben hab ich mir sagen lassen…

22 Nanuk 23. November 2009 um 12:25
23 topi 23. November 2009 um 12:29

Ach!

Früher hatten wir [einen Kaiser? auch, aber den meine ich nicht] wieviele Bauern?
Offenbar geht es auch mit zwei oder drei Bauern weniger. (Wer hat denn die armen Stellmacher beschützt?)
Wenn es so gewollt ist, dass ungehörnte Kühe über Almen stapfen, na dann soll man die Bauern halt dafür bezahlen. (Wobei ich die Schreckensvorstellung “Nichtoffenhaltung der Kulturlandschaft i.A. nicht zu teilen vermag; o Graus, keine abgesperrten heckenlosen Riesenfelder mehr, stattdessen Sekundärurwälder oder abgeweidetes Grasland).

Ob man sie für Giftausschüttung auf die Felder und Massentierhaltung bezahlen sollte, kann man ja mal diskutieren.
Jedenfalls nicht dafür, denn Mist anderen Bauern vor die Füße zu kippen.

24 Nanuk 23. November 2009 um 12:36

@topi
Du hast meine Frage nicht beantwortet was sollen die Menschen machen?

25 Nanuk 23. November 2009 um 12:42

Wir müssen uns nämlich entscheiden faulenzen im Überfluss oder Armut und Arbeiten…

26 topi 23. November 2009 um 12:45

Habe ich gesagt: von mir aus auch landschaftspflegende Bauern sein, allerdings zumindest ohne Exportsubvention!

Und eine wirkliche Entwicklungshilfe wäre die Zulassung von massiven Exporten aus bspw. Afrika; dann natürlich mit größerem Problem für die bäuerliche Beschäftigung.

Energiebauer ist allerdings eine Zukunftsbranche, da ist noch viel zu tun.
Also: Fuck the Energieversorger, zur Lösung des Entwicklungshilfe- und Bauernbeschäftiguzngsproblems. :–)

27 Nanuk 23. November 2009 um 12:53

Zukunftsbrache bitte… und was machste mit den Jobs bei den Energieversorgern?

28 Nanuk 23. November 2009 um 12:53

Der Arsch bleibt hinten… so isset nunmal.

29 topi 23. November 2009 um 13:37

Ach komm.

Wie viele arbeiten denn im abgeschriebenen Atomkraftwerk?
Dass es nichts zu tun gibt, sehe ich anders, wenn ich mich umsehe.

Wer bezahlt, ist eine andere Frage, aber keine theoretisch unlösbare.

30 Nanuk 23. November 2009 um 14:04

@Topi
Falsche Frage wieviele arbeiten im Kraftwerkssektor inklusive Kraftwerksbau?

31 Cangrande 29. November 2009 um 13:05

Darf ich den Titel als Kritik daran verstehen, dass (nicht nur) die deutsche Entwicklungshilfe zu gering ist?

Freuen wir uns doch, wenn der Steuersenkungsapostel die unserem Staatswesen dann noch verbleibenden Einnahmen ins Ausland transferieren! (Statt dass die Geldkapitalbesitzer ihre Kohle nur privat über die Grenze schaffen.)

Wir müssen viel mehr Hungernde als bisher sättigen: Wo sonst kriegen wir morgen den zu sättigenden Hunderndenzuwachs her?

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