Überall ist’s zu lesen: Das Abendland versinkt in einem dunklen Schlund aus Staatsschulden, Staatsschulden und nochmehr Staatsschulden. Aus, vorbei, Thema durch, Zukunft verspielt, 80% Staatsschuldenquote am BIP, demnächst vielleicht sogar noch mehr – way too much, am besten, wir wandern alle gleich Montag früh 8:00 geschlossen aus. Die Spatzen pfeifen es bereits von den Dächern: Die Pleite ist nah. Daher: Leute, kauft Ravioli-Dosen und Erbseneintopf mit langer Haltbarkeitsdauer, solange es noch geht! Und Gold, na klar, Gold muss auf jeden Fall sein. Findige Entrepreneurs hätten eigentlich längst den Eintopf im Grossgebinde gemeinsam mit ein, zwei Philharmonikern im Bundle als “Survival-Paket” vermarkten sollen – dass noch niemand auf diese innovative Idee gekommen ist, bestätigt ja wohl, wie traurig es um den Kapitalismus bereits bestellt ist.
Mit einem Wort: Alles ganz furchtbar! – Oder vielleicht doch nicht?
Der eine oder andere wird sich vielleicht noch an diesen Beitrag erinnern: “Dunkle Materie, schwarze Magie oder was?“, in dem ich mich mit einer volkswirtschaftlichen Kenngröße namens “NIIP” beschäftigt habe. Die NIIP heißt mit voller Berufsbezeichnung “Net International Investment Position”, was diejenigen unter Euch sicherlich wissen werden, die ab und an im Blog von US Ökonom und Roubini-Intimus Brad Setser mitgelesen haben; denn der beschäftigte sich gerne und häufig mit der amerikanischen NIIP.
Was ist so spannend an der NIIP? Das will ich Euch gerne verraten: Sie ist für alle, die sich seriös über Staatschulden unterhalten wollen, ohne den Alltagshysterien irgendwelcher “Experten” in den Medien oder dem Lager der professionellen Talkshow-Ökonomie hinterherzulaufen, die einzig akzeptable Referenzgröße. Warum? Ganz einfach: Weil – wie jeder BWLer im 2. Semester kapiert, im Unterschied zu vorgenannten “Experten” – die reine Betrachtung der Schuldenseite einer Bilanz keinerlei Informationsgehalt bereithält. Das sprichwörtliche Milchmädchen und die Ökonomen der INSM mögen sich an solchen Werten ergötzen, darüberhinaus vielleicht noch der eine oder andere Leichtgläubige, und hernach ihr übliches “Sparen, Sparen, Sparen!” in die Welt posaunen, stets verbunden mit der lieblich-naiven Frage: “Wie sollen wir all diese Schulden jemals wieder zurückbezahlen?”.
Weil wir in diesem Blog aber den süßen Kindertagen bereits entwachsen sind, wollen wir uns mit dem Thema ernsthaft beschäftigen. Daher sehen wir uns jetzt gleich mal ein Portraitfoto der bundesdeutschen NIIP an, aufgenommen von den freundlichen Fotografen der Bundesbank:
Da schaut sie Euch an: Sieht sie nicht phantastisch aus, unsere NIIP? Zum Verlieben!
Den Profis unter den Lesern wird vor allem diese grüne Kurve ins Auge stechen, die aktuell an der schlanken Billion Euro kratzt, aber sich auch in der Vergangenheit beharrlich weigerte, die Nulllinie zu unterschreiten. Was besagt sie? Na?
OK: Wir wollen die INSM-Experten und Talkshow-Ökonomen nicht unnötig auf die Folter spannen: Diese grüne Kurve besagt schlicht und ergreifend nichts anderes, als dass Deutschland seit mindestens 1994 überhaupt nie verschuldet war! Kapisch? Nix Schuldner – Gläubiger, Herrschaften! Wir sind auf dieser schönen, weiten Welt ein Nettogläubiger.
Und wer sich darüberhinaus mal diese Tabelle zu Gemüte führen möchte, wird feststellen, dass die Öffentlichen Haushalte in toto gerade einmal 900Mrd an Schulden gegenüber dem Ausland aufweisen, was unter 40% des BIP ausmacht.
Mein persönliches Fazit daher: Die deutsche Staatsschuld ist eine der größten Nebensächlichkeiten der Welt. Eher im Gegenteil: Wir sollten dringend zusehen, dass wir von dieser Gläubigerposition wieder runterkommen; und wenn sich die Privaten dazu nicht durchringen können, dann soll das meinetwegen der Staat für sie tun, indem er sich stärker verschuldet, als bislang. Die Welt wird davon keinesfalls untergehen – sie wird allenfalls besser und vor allem finanziell stabiler.
Was der Staat darüberhinaus machen sollte, ist, die Zinsen auf den nationalen Anteil der Staatsschuld stärker zu besteuern. Die 25%-ige Abgeltungssteuer muss diesbezüglich als eine der größten Fehlentscheidungen aller Zeiten angesehen werden, insbesondere dann, wenn man sich als Partei auf die Fahnen schreibt, die “Leistungsbereitschaft” steigern und das reale Wirtschaftswachstum fördern zu wollen. Stattdessen bewirkt die Abgeltungssteuer das genaue Gegenteil: die Förderung des passiven Rentierseinkommens und damit die “Verrentung” der Republik.
Aber wie dem auch sei: Der nationale Anteil der Staatsschuld ist kein Solvenz- sondern ein reines Verteilungsproblem. Und der Auslandsanteil befindet sich tief im grünen Bereich. Da brennt garantiert nichts an.















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Bofinger hat das auch schon lange gesagt. Aber Danke, dass Du das hier nochmal exakt erklärst.
Da würde ich gerne mal wissen, wo sich das “deutsche” Auslandsvermögen befindet. Gibt es da irgend was, was man nicht kennt? Und was fällt darunter?
Möchte ich gerne nach Versaille und 45 wissen. Sind wahrscheinlich auch nur Hirngespinste.
Die Staatsverschuldung ist eh wurscht.
Aber wo ist das Auslandsvermögen?
Supi, Weltklasse, Weissgarnix for President!
Ich finde, wenn Staatschulden keine Rolle spielen sollen, warum sollten dann überhaupt Privatschulden eine Rolle spielen. Vielleicht können wir ja auch eine NPIIP (Net Personal International Invest Position) entwickeln?
Um die Sache aber auch wirklich ans Laufen zu bringen, sollte sich jeder unbedingt vom @Halbgott einen Endo-Geld Baukasten aushändigen lassen. Man weiss ja nie …
Oder ist das jetzt kokolores?
Die Staatsverschuldung “gehört” dem Staat, das Auslandsvermögen ist privat. Insofern geht es hier nicht um EINE Bilanz, sondern um ZWEI, von Ausgleich kann also keine Rede sein. Fiktives VoWi-Geschwurbel ohne Berücksichtigung der konkreten Schuld- und Eigentumsverhältnisse.
@lemming
Nicht, solange der Staat sämtliche Zugriffsmöglichkeiten auf dieses Privatvermögen bzw die daraus fließenden Erträge hat. Die Frage, wie er diesen Zugriff gestaltet, verkommt dann zu einem rein politischen Problem – das nicht leicht lösbar sein muß, siehe Kalifornien, aber trotzdem.
Klar, nur die allseitige Verechnung der Schulden wird nicht so einfach. Da liegt das Dynamit!
Und also hat @lemming da sehr recht, wenn er die “Berücksichtigung der konkreten Schuld- und Eigentumsverhältnisse” einfordert.
Und je stärker das Schuldenwachstum, je höher der Kreditberg, umso komplexer die Angelegenheit.
Die Reichsstädte des ausgehenden Mittelalters hätten “NIIP” aussagekräftig betreiben können, dieses Land kann das nicht!
Dieser Staat hat sich doch selbst der Legitimation beraubt, indem seine Eliten seine Abschaffung zum Staatsziel erklärten. Was scheren einen deutschen Bürger denn die Schulden des deutschen Staates? Ist Deutschland jetzt wieder teure Heimat, oder was?
In der Schweiz ist es auch schön!
@Ratioso
>Ich finde, wenn Staatschulden keine Rolle spielen sollen, warum sollten dann überhaupt Privatschulden eine Rolle spielen.
Weil du als Privater a) keine hoheitlichen Eingriffsrechte in das Vermögen anderer besitzt und b) daher auch nicht mit AAA-Rating refinanzieren kannst.
@hacedeca
>Dieser Staat hat sich doch selbst der Legitimation beraubt, indem seine Eliten seine Abschaffung zum Staatsziel erklärten.
Maybe – aber dann ist jegliche Diskussion über hohe Staatsschulden erst recht überflüssig, wenn sich eh keiner drum schert.
@tar
Das darf ja wohl nicht wahr sein !
Du schreibst:
“Die Geldmengenbetrachtung ist Unsinn, weil sie von der völlig überholten exogenen Quantitätstheorie stammt.
…
Aus empirischer Sicht steht die Quantitätstheorie ebenfalls unter gehörigem Druck. Studien zeigen, dass sich die Wirtschaft die Zahlungsmittel schafft, welche sie braucht: Modernes Kreditgeld ist endogen.”
=> … jetzt fängst du auch noch mit dem hanebüchenem Schwachsinnkäse vom “endogenen Geld” an ! Schäm dich !!
=> … weißt du, vor wenigen Jahren noch (da warst du womöglich noch Schulkind ?), da stand es auf den Geldscheinen noch drauf, was passiert, wenn … “Wirtschaftssubjekte sich die Zahlungsmittel selber schaffen, welche sie brauchen”. Da stand dann nämlich sowas auf den Geldscheinen:
“Strafe: ENDO-GELD gilt als Verbrechen und wird mit Strafen nicht unter einem Jahr Haft geahndet. Das vorsätzliche In-Umlauf-Bringen von ENDO-GELD ist ein Vergehen und kann bis zu fünf Jahre Gefängnis einbringen.”
Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2003/0407/brandenburg/0010/index.html
=> … sonst schreibst du und Onkel-Otto doch ganz vernünftige Sachen – meist auf einem wesentlich höheren Logik-Level als die “Debitisten” ! Woran liegt’s, daß du an’s Märchen vom “Endo-Geld” glaubst ?
Retroliberale Grüsse,
~ HG ~
@wgnx
Weissgarnix erklärt die Welt.
Der grüne Strich ist beruhigend….
Die Staatsschulden werden natürlich von den Besitzern des Auslandsvermögens getilgt.
Faselte irgendwer von Insolvenz?
Es geht eher um politische Handlungsunfähigkeit.
Nicht weil es Verteilungsprobleme gibt – sondern Besitzprobleme.
Verteilung ist die Erscheinung – Besitz das Wesen.
@WGN
„Findige Entrepreneurs hätten eigentlich längst den Eintopf im Grossgebinde gemeinsam mit ein, zwei Philharmonikern im Bundle als “Survival-Paket” vermarkten sollen – dass noch niemand auf diese innovative Idee gekommen ist, bestätigt ja wohl, wie traurig es um den Kapitalismus bereits bestellt ist.“
Soooo traurig ist es um den Kapitalismus glücklicherweise nicht bestellt, der Markt funktioniert.
Nicht nur in Deutschland, z.B.
http://www.kraxel.com/outdoorkuche/essen-trinken/notbevorratung?gclid=CPeV4-ainJ4CFUGNzAodJ0YYkw
Sondern auch in Österreich, z.B.
http://www.innova-zivilschutz.com/website2009/cms/website.php?id=/de/index/langzeitlebensmittel.htm
Puhh … Endlich sagst mal einer! Ich kann die Schulden Jammerei scho nimmer hören und lesen. Vielleicht wär eine Erklärung für Herrn Mustermann mal fällig, inwiefern sich Staatsschulden von Privatschulden unterscheiden. In der aktuellen Debatte wird ja immer so getan, als ob Deutschland diesselbe Lebenserwartung wie Herr Mustermann hat.
Hm.
Wer schuldet hier denn wem etwas?
Bei der BIP-Verschuldung reden wir von Staatsschulden. Die Grüne Linie ist diejenige welche den Saldo “der Deutschen” (inkl. Staat?) anzeigt.
Fraglich ist ob ein Nettogläubiger wie es die USA wohl sind (Staat oder alle Amerikaner?) jemals seine Schulden bedienen kann. Oder anders ausgedrückt: leben die Amerikaner von unserem Geld gut und irgendwann lautet es: “Ätsch, Ihr bekommt aber nichts mehr für Euren Wohlstandsverzicht zurück”.
Ich mache mir über die Staatsverschuldung Gedanken in Bezug auf den Spielraum der Politik. Und ich mache mir Gedanken ob es denn so gut ist das sich die grüne Linie nach oben bewegt. Das erinnert mich etwas an das I und das S. Intuitiv (ohne das ich einen Grund nennen kann) würde mir die Waagerechte unten am Nullpunkt mehr zusagen.
Grüße
ALOA
@wgn
Ich denk und hoffe, dass die Abgeltungssteuergeschenke nur ein kleiner fieser Trick sind um das grosse Geld in diese Anlageklasse in Deutsche Banken zu locken. Wenn dann die Herde im Stall (registriert) ist fällt zum Stichtag 01.01.20xx das Gatter und die Steuer auf Renteneinkommen wird auf 50% angehoben!
Hach…wahrscheinlich ist’s nur ein feuchter Traum von mir
cheers
jörg
@ Stephan,
Staatsverschuldung interessiert nicht, solange die Zinsen bedient werden können.
Wo die VW Aktien auf unglaubliche 1000 gestiegen sind, war Niedersachsen Schuldenfrei.
Wie will der “Staat” denn auf “privates” “deutsches” “Auslandsvermögen” zugreifen?
Das ist nicht NIIP das ist NEPP
@holger
>Staatsverschuldung interessiert nicht, solange die Zinsen bedient werden können.
Es bedarf dafür lediglich eines einzigen Satzes in einem Bundesgesetzblatt: “Die Einkommenssteuer auf Zinserträge aus Bundesobligationen und ähnlichen Schulden der öffentlichen Hand beträgt 100% und wird an der Quelle erhoben.”
Thema durch.
“Weil – wie jeder BWLer im 2. Semester kapiert, im Unterschied zu vorgenannten “Experten” – die reine Betrachtung der Schuldenseite einer Bilanz keinerlei Informationsgehalt bereithält.”
=> … Duuhuu, weissgaaarnix ?
… ist es nicht so, daß bei einer Bilanz “immer Null rauskommen muss” ? Sind Aktiv-Seite und Passiv-Seite nicht „automatisch immer ausgeglichen“ ? … ich mein’ schon wegen “die Doppik” und so ? ( … BWL’er, die auch die dem 2. Semester nachfolgenden Semester bestanden haben, die wissen, daß Bilanzen … eh voll für’n Aahrsch sind, weil … auch die Betrachtung beider Seiten einer Bilanz (approximativ) keinerlei (belastbaren) Informationsgehalt bereithält …
)
=> … was unsere Netto-Auslandsposition angeht, wgnX:
- WO IST DIE NEUIGKEIT ??
- WER sind unsere Schuldner ? Länder wie Spanien, Griechenland, Osteuropa, unsere amerikanischen Freunde ?
- WANN … werden die uns unsere Netto-Billionen gutschreiben, bzw. uns Waren & Dienstleistungen im wertgleichem Volumen erbringen ?
- Angesichts der derzeitigen Gesamt-Situation, WAS erscheint dir vorteilhafter: Assets in Fremdkapital/Schuldscheinen, oder Assets in Eigenkapital/Sachwerten ?
- Was hältst du von meinem Vorschlag, fallierende US-Schuldscheine mit den damit erworbenen US-Eigenkapitalanteilen in Deutscheland zu verrechnen, also quasi auch mit fallierenden EK-Ansprüchen zu „netten“ ? Die Rede ist von … Berliner U- & S-Bahnen, Wasserwerken, Aktienbestände von anglo-amerikanischen PE- und Hedgefonds (u.a. auch die verbliebenen OPEL-Trümmer), Immobilien (z.B. die Warenhäuser, für die Karstadt und Hertie völlig überzogene Mieten abgeknöpft wurden), usw., usf. etc., pp. … ?
Retroliberale Grüße,
~ HG ~
@ weissgarnix #16
jetzt muss ich mal herzhaft lachen,
“und wird an der Quelle erhoben.” Das wäre zu einfach. Das würde alles durcheinander bringen.
@ weissgarnix & lemming (Nr. 5):
Die kalifornischen Sorgen sind selbstverschuldet von den linksliberalen Geldverschwendern im Staatsparlament mit ihren extrem generösen Versprechungen, die sie nun nicht erfüllen können, z.B. Gratisstudium für alle. Die US-Staaten dürfen bekanntlich im Gegensatz zu unseren Ländern keine Defizite machen.
In was sind denn diese Auslandsvermögen angelegt?
Etwa in US-Hypotheken oder sonstigen wertlosen Plunder?
Dann bedarf es aber bloß einer Wertberichtigung und der grüne Strich kann sehr schnell in die untere Hälfte rutschen Herr Weissgarnix.
@wgn
) – nun ist die Schuldenbremse im Grundgesetz.
dein Artikel kommt zu spät
Und da wir in den Wirren der kommenden Jahre nie wieder Mehrheiten bekommen werden, welche das Grundgesetz wieder ändern können – bleibt wohl doch nur die Nummer mit der Sachkapitalvernichtung bei durch sättigungsbedingt realwirtschaftlichem Renditemangel bedingter übetriebener monetärer Akkumulationslust.
Übrigens hatte ich dummer Nichtakademiker vorige Woche die Möglichkeit meine in Deinem Blog gebohrene “Staatsschuldenformel bei Nullinflation” einem leibhaftigen VWL Prof.(Keynesianer) zu präsentieren. Er meinte die Formel wäre wohl richtig.
)
Bitte schau noch mal ob Du einen Fehler findest – so eine Formel wäre doch für unseren lieben Herrn Schäuble eine echte Planungshilfe
Saldo Staatsdefizit =
Saldo Konsumverzicht* aus Einkommen
abzgl. Saldo privatwirtschaftlicher Kreditkonsum*
abzgl. Außenhandelssaldo
*die Begrifflichkeit des Konsum(verzichts) inkludiert hier den “Konsum” von realwirtschaftlichen Investitionsgütern!
@Holger
Staatsverschuldung? Ich würde folgendes vorschlagen. Jeder der über die Staatsverschuldung heult, leistet einen Beitrag und befreit zumindest sich selbst von den Folgen der Verschuldung.
Laut Economist Debt Clock bist du gerade mit $29.431,80 in den Miesen. Um denselben Betrag kannst du Bundesanleihen kaufen. Jedes Jahr zahlst du dann Steuern, mit denen der Staat die Zinsen seiner Schulden bedient und die Kohle kommt in Form von Verzinsung der Anleihen postwendend wieder bei dir an.
Das Problem sind nicht Schulden und Defizite. Das ist reine Ablenkung. Das eigentliche Problem ist: wofür gibt der Staat deine Kohle aus?
@Alfred
Hier kannst du es dir im Detail ansehen:
http://www.bundesbank.de/download/statistik/aussenwirtschaft/S201ATB39697.PDF
warum nur auslandsvermögen? man könnte den menschen auch im inland alles wegnehmen und siehe, der staat stünde weltweit als der reichste staat da. aber man muß es eben den leuten wegnehmen!
das ist trivial, so etwas zu behaupten.
Hi
@ WGNX
[wgnx]
> Nicht, solange der Staat sämtliche Zugriffsmöglichkeiten auf dieses
> Privatvermögen bzw die daraus fließenden Erträge hat.[]
WER ist der “Staat”?
WER sind die inländischen Gläubiger des Staates?
WER sind dessen inländischen Schuldner?
WER sind die ausländischen Gläubiger des Staates?
WER sind dessen ausländischen Schuldner?
Stehen inländischen Gläubigern des Staates Steuerschulden -gleich im Betrage deren Forderungen an den Staat- auch genau dieser Personengruppe gegenüber, dann gleichen sich Schulden des Staates und Forderungen an den Staat natürlich aus.
Dieser Anteil der Bürgerschaft, an welchen in gleichem Maße (Steuer-)Forderungen des Staates gerichtet sind, wie diese auch ihrerseits Forderungen an den Staat halten, ist in seiner Größenordnung sicher nicht unerheblich … (gut, dass sie es nicht wissen)… aber…
Es sind die Eliten die den Staat führen und nicht “das Volk”, die Eliten sind unter dem Strich immer die Gläubiger des Staates und gestalten dessen Gesetze.
Die Versorger dieser Eliten sind die Schuldner des Staates, sie erzeugen weit mehr als sie selbst konsumieren dürfen.
* Ausländischen Gläubigern unseres Staates stehen (so gut wie) keine inländischen Steuerforderungen gegenüber.
* Inländischen Gläubigern des Staates stehen (wieder in der Summe gesehen) weit weniger Steuerschulden gegenüber, als diese Forderungen gegen den Staat halten.
Ergo: es ist ein Witz in diesem Zusammenhang von einer “Volkswirtschaft” zu reden. Das ist nichts anderes als Feudalwirtschaft!
…zählt man Arm und Reich zusammen
und teilt sodann die Sach’ in zwei
sagen dann die tück’schen Lügen-Ammen
seht her, wir sind ja alle ach so frei!
Grüsse, WT.
PS. Spezialdemokraten, unsere Arbeiterfreunde wissen schon lange wie’s geht:
http://www.shortnews.de/start.cfm?id=800603
(hans eichel..)
und noch was: dieser staat steht nicht nur bei slotherdeyk wegen seiner konfiskatorischen manier (staatsquote von 52 %) in kritik, was wgn hier verlangt, ist die totale konfizierung des auslandvermögens. mit verlaub: das ist raub.
der staat, der sich mehr als 50% des BIP hohlt und umverteilt, ist der größte wirtschaftsakteur im land. ich persönlich bin nicht von der kompetenz der politik als aktiver wirtschaftsakteur überzeugt, finde sie nachgerade inkompetent und dumm. auch die ganzen maßnahmen die jetzt laufen – überall Baustellen im Straßenverkehr, jede schule wird erneuert……. halsbrecherischer aktionismus und damit auch sicherlich verschwendung. also mir wird es ziemlich taumelig und ich bin gespannt auf das weitere. jedenfalls ein bischen gold zu haben ist doch ein gutes gefühl – notfalls drück ich es mir anstatt amalgam in meine zähne.
@ergo sum 19
Genau, statt in Bildung zu investieren, lieber das Geld ausgeben um einen Großteil der 2,5 Millionen Häftlinge in den USA für immer hinter Gittern zu bringen. http://edgeofthewest.wordpress.com/2009/11/20/what-do-you-want-to-do-with-your-life/
@Helios
Gold? – a six thousand year-old bubble! http://bit.ly/81yBht
Da sind die Schlotters wieder…
Wo ist die Kokusnuss sucht los sucht…
http://www.youtube.com/watch?v=5r-HhKp9l6I
und nicht vergessen wer am lautesten Schreit gewinnt…
http://www.youtube.com/watch?v=xwE2SQrEiss
Selten so viel Schwachsinngelesen. entschuldige, sonst lese ich die Aufsätze ja ganz gerne und das eine oder andere kann ich auch nachvollziehen, aber dies hier, wieso sind dann die ganzen Städte und Kommunen, Länder und der Staat fast bis ganz handlungsunfähig, wenn sie eigentlich keine Schulden hätten?
Warum bezahlt der Staat gewaltige Summen an Zinsen, wenn er eigentlich doch keine Schulden hat?
Man kann sich die Abstusesten Gedanken zurecht basteln, aber das System wird wird sich wie 1929 zerlegen nur noch viel Schlimmer.
Es gibt kein unendliches exponentielles Wachstum, mathematisch beweisbar! Cantarell in Mexico, die zweitgrößte Erdölquelle der Welt kollabiert gerade, also nicht mit unendlichem Wachstum. Aber genau darauf basiert dieser Müll. Sorry, aber schaut mal vorher bei berndsenf.de rein und seht euch mal die Videos an und lest die Texte dort. Das erhellt dann doch ein bischen mehr.
@Goofy
“Warum bezahlt der Staat gewaltige Summen an Zinsen, wenn er eigentlich doch keine Schulden hat?”
Falsche Frage an wen bezahlt er die Zinsen heist die richtige Frage…
Namen Adressen und Telefonnummern bitte an Harz4 Empfänger verteilen… Danke!
@Nanuk
“An wen bezahlt er die Zinsen?” Gute Frage. AW: Unknown. Es gibt von der Finanzagentur zwar das PDF der Bietergruppe für Bundesemissionen. http://bit.ly/8yS5Mm Aber wer dann eigentlich die Zinsen einstreicht ist unbekannt. http://bit.ly/4QF6pH Ich nehmen aber an die Banken sind einer davon
@Helios
“Im Verhältnis des Starken zum Schwachen versklavt die Freiheit, während das Gesetz befreit.”
Rousseau
Woher kommt ihr Stuss?
Die Steuerqoute liegt bei 21%.
Eine der niedrigsten weltweit.
Wir zwingen die andren Staaten zum Steuersenkungsmitwettbewerb.
@ Stephan
“verdient” die HRE incl. Irischer Depfa als Staatsfinanzierer, im “Eigentum” des “Staates”, nun an der “Staatsverschuldung” mit? Oder stundet oder erlässt der “Eigentümer” seinem “Finanzier” die Zinszahlung?
Incl. den Dienstleister die “Finanzagentur GmbH” deren Eigentümer ja die “Bundesrepublik Deutschland” ist. Die wiederum ja, wie WGNX oben eingestellt hat # 23, über das Vermögen der “Bundesrepublik Deutschland” verfügt.
Ja, wohin fließen denn die Steueraufwendungen für Zinszahlungen?
Und wohin ist das Vermögen der Treuhand geflossen?
Essenz einmal mehr: lemming
Also auch wenn die NIIP komplett verstehe, ist doch die Zahl Schulden in % des BIPs nicht ganz aussagelos. Immerhin zeigt sie an, was an Wirtschaftsleistung da ist, das der Staat besteuern kann, um damit die Ausgaben der Zukunft zu decken.
Außerdem möchte ich auch kurz anmerken, dass es dem Staat relativ wenig nützt, wenn die Privaten jede Menge Vermögen im Ausland haben. Der Staat muss sich das von den Privaten erst über Steuern holen. Sollten diese beschließen, ins Ausland umzusiedeln (z.b. weil die Steuern zu hoch sind), hat der Staat die Schulden, aber kein Vermögen mehr.
Und abschließend: Kann man in US Debt Clock die NIIP sehen? in den letzten beiden Zeilen?
Ach so: Hessen Link noch vergessen:
Man muss bedenken, dass bei den Staatsschulden anders gerechnet wird als bei Firmenbilanzen. Insbesondere Verpflichtungen aus zukünftigen Rentenzahlungen und Ausgaben für die Gesundheitskassen werden in den Staatshaushalten nicht sauber erfasst. Hier werden einfach zukünftige Belastungen mehr oder weniger komplett unter den Teppich gekehrt und zwar noch extremer als bei den Pensionsverpflichtungen der Unternehmen. Wenn man fair rechnen will, muss man das auch berücksichtigen. Die Bilanz von Hessen sieht dann schon ganz schön übel aus …
http://egghat.tumblr.com/post/250701526/der-nicht-durch-eigenkapital-gedeckte-fehlbetrag
@D aus DD
Auch nichts verstanden…
Was meinst du was die Bank der du Geld leihst auch wenn du noch heute glaubst die passt darauf auf mit deinen 3 Euro macht? Entwerder weiterverleihen tun sie ja im moment nicht oder in Staatsanleihen packen. Ja mir hat der wie heist der Doofmann nochmal ach ja Hütter letztens bei Phoenix erklärt man wolle das so… man wolle ja das Eigenkapital der Banken stärken. Der Witz dabei Staatsanleihen sind für Banken wie Eigenkapital…
Also liebe Unternehmer wenn ihr eure Läden zumachen müst dankes schreiben bitte an die Mittelstandsfreundliche Regierung aus CDU und FDP in Berlin…
Manche sind so hohl die schwimmen in Milch…
@egghead
In welcher Währung werden denn die Pensionen ausgezahlt in Mondsteinen oder?
@goofy #30
“…wieso sind dann die ganzen Städte und Kommunen, Länder und der Staat fast bis ganz handlungsunfähig, wenn sie eigentlich keine Schulden hätten?”
Weil sie ein Problem auf der Einnahmenseite haben.
Ausserdem sind bei weitem nicht alle Kommunen pleite, wirklich nicht, es gibt eine Menge , die wissen nicht wohin mit dem Schotter. Wahrgenommen werden in der Öffentlichkeit aber nur die prekären Fälle.
“Warum bezahlt der Staat gewaltige Summen an Zinsen, wenn er eigentlich doch keine Schulden hat?”
Hat doch eine gute Seite – ein Teil davon dient der Verzinsung meiner Ersparnisse.
Wie lemming schon schrieb , ist die Verschuldung Staatssache , das Guthaben privat.
Ich persönlich finde es nett vom Staat, dass er soviel von der unvermeidlichen Verschuldung zeichnet, die der Debitismus nun mal laufend in die Welt setzt.
Wenn natürlich der Schuldendienst solche Ausmasse annimmt, daß sinnvolle und wichtige andere Massnahmen , die für uns Menschen wichtig sind, nicht mehr finanziert werden können, dann muss was geschehen: auf der Einnahmenseite.
@egghead 37
“Imagine”
there’s no countries
Nochmals zur HRE mitunter auch Staatsfinanzier “to Big to Fail”
In D ist es usus, wenn man einen Kredit aufnimmt, Sicherheiten zu bringen. Dafür eignet sich am besten, die jeweiligen Grundbücher der Flurstücke. Und in Abteilung III steht der Eigentümer. Selbst wenn nur eine Eurone, Forderung von “dritten” besteht, ist man nur Besitzer und nicht Eigentümer.
Wem gehört nun die BRD? Das steht in Abteilung III drin. Und wenn es da nicht drin steht, dann gehörts wem? Durch Notstandsgesetzte der BRD. Und wenn es im Schließfach liegt, dann werden im Notfall, die gesperrt.
Wem gehört im Fall der HRE Abteilung III, nach dem squeeze out?
Der BRD. Wem gehört die BRD? Das steht wiederrum in Abteilung III. Wer verwaltet das? die Finanzagentur GmbH. mit 25.000 Euronen Haftungskapital. Eigentümer die BRD.
Wer verwaltet die Steuereinnahmen? die Finanzagentur GmbH. Wem gehört die? der BRD, was das auch immer sein mag.
Wer finanziert die? die HRX!
Wem gehört die HRX? der BRD!
Was sind die Ansprüche? Abteilung III Grundbuch
Wer entscheidet darüber? der Gesetzgeber!
Wer ist der Gesetzgeber? die BRD!
So etwas nennt man auch Gewaltenteilung
@ nanuk
Ist das mit lautesten Schreien wirklich so?
Gebe zu, hat nicht viel mit dem Thema an sich zu tun,. aber immerhin.
‘Kann mich nicht erinnern, dass dieser Typ Screaming Lord Sutch zu den Gewinnern gehörte.
@ Nanuk
Ich habe in Post # 36 vier Worte geschrieben.
War wohl zuviel…
@holger
“So etwas nennt man auch Gewaltenteilung…”
Ne das ist eine ökonomische Kollektivperson der herrschenden Klasse,die sich die Arbeitskraft der Untertanen als »Wertding« beschafft hat…
@holger
“…Wer verwaltet die Steuereinnahmen? die Finanzagentur GmbH…”
?
Das verstehe ich nicht. Und auch wenn ich es verstünde , bin ich mir nicht sicher, ob es eine Rolle spielen würde, für dieses Thema, oder für was auch immer.
Bitte um Aufklärung, auch für Begriffsstutzige wie mir.
@ Frankie Bernankie # 47
–>Das verstehe ich nicht. Und auch wenn ich es verstünde , bin ich mir nicht sicher, ob es eine Rolle spielen würde, für dieses Thema, oder für was auch immer.”
Nehms mir nicht übel, aber ich kann hier nicht das ganze “GmbH” “Recht” präsentieren. Was eine GmbH ist, das weißt du oder?
Nachtrag zu # 48
wenn WGNX NIIF stimmt, dann macht die “BRD” Gewinn, wohin fließt der?
@egghat #38
“Insbesondere Verpflichtungen aus zukünftigen Rentenzahlungen und Ausgaben für die Gesundheitskassen werden in den Staatshaushalten nicht sauber erfasst.”
Was würde das bringen? In einem Staatshaushalt?
@Goofy hat völlig recht !
“Es gibt kein unendliches exponentielles Wachstum!”
=> … GENAU !
=> … Die fachfremden Kapitalismuskritiker unterstellen allerdings leider oft, daß “die Ökonomen” an immer währendes “exponentielles Wachstum” glauben. Das ist falsch. Die einzigen, die daran glauben, das sind die keynesianischen Demand-Side-Dudes. Die sind aber eben KEINE Ökonomen ! Darauf muss man bitteschön achten !
=> … das „Konzept“ von Weissgarnix und den anderen Keynesianern ist so simple wie falsch: “More Credits -> More Growth !”
=> … dabei isolieren sie ihren Blick auf “monetäre Nachfrage/Kaufkraft” und betrachten somit nur einen winzigen Ausschnitt des gesamten Wirtschaftskreislaufs, quasi aus der Schlüsselloch-Perspektive. Spricht man sie auf die “Weissen Flecken” in ihren Selektiv-Modellen an, so werden diese Aspekte ruck zuck und ohne mit der Wimper zu zucken wegdefiniert …
=> … zu den wichtigsten “Weissen Flecken” der keynesianischen Leere gehört der Kapitalmarkt. Dessen Aufgabe ist es Angebot und Nachfrage von realwirtschaftlichen Ersparnissen zusammen zubringen, also zwischen Sparern und Unternehmern verlässlich handelbar zu machen. Dumm nur, daß der Kapitalmarkt diese Aufgabe NICHT erfüllen kann, wenn die keynesianischen Demand-Side-Dudes (in Tätergemeinschaft mit dem ehrenwerten Bankiers-Syndikat) ihn mit ihrer exponentiellen Kreditgeldschöpfung vergiften und euthanasieren …
=> … allerdings stellt das wiederum für die totalstaatsradikalen Keynesianer „Null Problemo“ dar ! … denn wer braucht schon Sparer und Unternehmer ?????
=> … Nein, liebe Leute ! … die to-do-Liste der Keynesianer sieht nicht umsonst zunächst die Euthanasierung des Rentiers/Sparers und anschliessend die Euthanasierung des Unternehmers (das sind die mit den (Zitat JMK) „Blähungen“) vor.
=> … was bleibt dann übrig, wenn die Keynesianer die Sparer und die Unternehmer niedergemeuchelt haben ? Richtig ! … dann bleiben nur noch Arbeitersklaven und der Leviathan übrig !
= > … WER übernimmt gerne die Rolle des Leviathans ? Richtig ! … die schlimmste Plutokraten-Mafia übernimmt den Job !! BRAVE NEW WORLD !!!
= > … FAZIT: … Faschisten lieben JMK – denn JMK war ein Faschist mit Leib und Seele (*) !
Retroliberale Grüsse,
~ HG ~
(*)
1.) http://business.theage.com.au/business/what-does-keynes-advise-in-a-crisis-avoid-it-in-the-first-place-20081016-52fb.html
2.) http://mises.org/daily/3845
@~ h A l B g O t T ~
Im Gegensatz zu Hayek hat er aber Wittgenstein verstanden…
@wgn, #8
“Maybe – aber dann ist jegliche Diskussion über hohe Staatsschulden erst recht überflüssig, wenn sich eh keiner drum schert.”
Na ja, von den sehr mobilen Kapitalbesitzern schert sich kaum einer – Überlegenheit der Banker, Spekulanten und Münzsammler…
Der sekundäre Sektor mit seinen Fabriken hat es da doch schwerer mit der Mobilität. Aber bald sind die paar Roboter auch schnell nächtens und im Nebel verladen und über die Grenze geschafft…
Bitter wird es nur für die vom Staate Abhängigen: Rentner, HartzIV, usw. – der Staat pleite und so viele Leute ohne Einkommen, das wird noch problematisch.
… ein sehr Nebeliger Abend heute – schon schiebt sich die nächste Nebelwand ins Gesichtsfeld. Alles nur mehr hinter dichten Schleiern, Verschleiert – Verhüllt – Versteckt. Die “Hüttchenspieler” nicht mal mehr als Schemen erkennbar.
Nun ja: Dem Ingenöör ist nichts zu schwöööör
Klare Sicht würde wohl zu stark “Blenden”, würde schlimmes “Kopfweh” auslösen … ja der Schleier, die Burka ist für vieles gut
@ Halbsterblicher
kannst du mir nun sagen, warum Keynes, sich gegen den russischen Agenten Harry Dexter White, bei den Bretton Woods Verhandlungen 1944 nicht durchsetzen konnte?
@holger #48
“wenn WGNX NIIF stimmt, dann macht die “BRD” Gewinn, wohin fließt der?”
Die BRD macht keinen “Gewinn” , weil es ein Staat ist, und was ein Staat ist , weisst Du?
Ausserdem wurden werden in dem NIIF keine Aufwände und Erträge gegenübergestellt, sondern statistische Posten, und zwar:
-Posten von Verbindlichkeiten , die irgendjemand in D (Staat, Unternehmen, Banken , Privatleute) an irgendjemand im Ausland schuldet
zu
- Posten von Forderungen, die irgendjemand in D ( Staat, Unternehmen, Banken , Privatleute ) gegen irgendjemand im Ausland hat.
Das trifft jetzt nicht ganz den Gewinnbegriff, wie man ihn auch aus dem GmbH-Recht kennt , bei dem Du aber offensichtlich aus Gründen der leichteren Begreiflichkeit zu verharren beliebst.
@egghat
Der Staat ist integraler Sektor einer VoWi – wer das nicht sehen will, dem kann ich nicht helfen. Was den INLÄNDISCHEN Teil der Zinsaufwendungen betrifft (nicht den ausländischen, wie du oben geschrieben hast) handelt es sich definitiv um ein Verteilungsproblem, nichts anderes. Wenn ein Staat an seiner inländischen Verschuldung pleite geht, dann ist das ungefähr so, als wenn der sprichwörtliche Bäcker verhungert.
Und natürlich sind %-Quoten am BIP nützlich, aber was die ominöse “Zinsbelastung” betrifft, darf ich mir den Hinweis erlauben, dass wir seit Jahren einen ÜBERSCHUSS an Vermögenseinkommen aus dem Ausland erwirtschaften, wie diese BuBa-Tabelle ganz klar zeigt:
http://www.bundesbank.de/download/statistik/aussenwirtschaft/S201ATB33031.PDF
Die Vorstellung, dass unsere armen Kinderleins dereinst zu Zinssklaven der ausländischen Hochfinanz werden, ist danach unhaltbar.
Daher das Ganze nochmal zum Mitschreiben: Wir sind Nettogläubiger des Auslands, und erwirtschaften auf unser Guthaben regelmäßige Überschüsse.
Es war übrigens Nouriel Roubini, der in 2002 in einem vielbeachteten Aufsatz als erster die Staatsschuldenproblematik der USA thematisierte und damit seinen Ruf als “Schwarzseher” begründete. Auch er orientierte sich damals an der NIIP, deren Abdriften ins Negative er korrekt prognostizierte. Was er (und Kollege Brad Setser) allerdings nicht vorhersehen konnten war, dass die Vermögenseinkommen der USA aus dem Ausland trotz negativer NIIP nach wie vor positiv bleiben würden (darum geht es in dem oben verlinkten Beitrag zur “Schwarzen Materie”).
@ Frankie Bernankie # 56
Ah, hatte ich falsch geschreiben, sehe ich jetzt gerade erst, es heißt NIIP nicht NIIF. Mea Culpa
–>Die BRD macht keinen “Gewinn” , weil es ein Staat ist, und was ein Staat ist , weisst Du?”
ja, äußerst interessant. Das ein “Staat” keinen Gewinn macht evtl noch nicht mal machen darf, aber in der AO (Abgabenordnung), von den Unternehmen gefordert wird, diesen zu generieren. Sonst ist es “Liebhaberrei”, das Unternehmen.
@ wsgn
>Was ist so spannend an der NIIPfür alle … die sich seriös über Staatschulden unterhalten wollen, ohne den Alltagshysterien irgendwelcher “Experten” in den Medien oder dem Lager der professionellen Talkshow-Ökonomie hinterherzulaufen, die EINZIG (meine Hervorhebung, D. T.) akzeptable ReferenzgrößeWarum? Ganz einfach: Weil … die reine Betrachtung der Schuldenseite einer Bilanz keinerlei Informationsgehalt bereithält.>
Die Begründung ist auch Unsinn.
Denn Sie können das, was Referenzgröße sein soll, nicht mit etwas begründen, was KEINEN Informationsgehalt hat.
Es ist nun wirklich ein Anfänger-Fehler, von der STAATSVERSCHULDUNG zu sprechen und dann eine Grafik zu präsentieren, die den Vermögenssaldo mit dem AUSLAND darstellt.
Schön, dass DEUTSCHLAND gegenüber dem Ausland seit 1994 überhaupt nie verschuldet war. Wie schon andere hier schon festgestellt haben: DEUTSCHLAND ist NICHT der DEUTSCHE STAAT!
Aussagen sind nichts wert, wenn man zwischen Erkenntnisgewinnung und Aussage den Bezug gewechselt hat.
Da hilft auch kein Herausreden, wie:
>Es bedarf dafür lediglich eines einzigen Satzes in einem Bundesgesetzblatt: “Die Einkommenssteuer auf Zinserträge aus Bundesobligationen und ähnlichen Schulden der öffentlichen Hand beträgt 100% und wird an der Quelle erhoben.”
Thema durch.>
Richtig, das Thema ist dann durch – allerdings anders als Sie sich das vorstellen:
Dann wird dieser Staat von NIEMANDEN mit Steuerwohnsitz im Inland auch nur einen einzigen EUR geliehen bekommen (bei denen er zu ca. 60% verschuldet ist).
Er MÜSSTE sich dann zu 100% im Ausland verschulden, was Ihrer schönen grünen Kurve einen ganz anderen Verlauf gäbe – und Ihrer Argumentation die Basis entzieht.
>Die deutsche Staatsschuld ist eine der größten Nebensächlichkeiten der Welt. >
Mag sein, dass es Wichtigeres in der Welt gibt.
Aber dieser Satzu ist nichts weiter als ein Bewerbungsschreiben, um bei Merkel und Westerwelle die PR zu übernehmen.
Wsgn, der Beitrag ist argumentativ ein ziemlicher Verhau.
@ WGNX # 57
–>Daher das Ganze nochmal zum Mitschreiben: Wir sind Nettogläubiger des Auslands, und erwirtschaften auf unser Guthaben regelmäßige Überschüsse.”
Nein, eben nicht WIR, sondern die Eigentümer. Die haben die Zinserträge. WIR sind nur die Besitzer. Die Nach und nach “enteignet” werden.
Über die Position WIR. Die WIR aber nicht sind.
“=> … zu den wichtigsten “Weissen Flecken” der keynesianischen Leere gehört der Kapitalmarkt. Dessen Aufgabe ist es Angebot und Nachfrage von realwirtschaftlichen Ersparnissen zusammen zubringen, also zwischen Sparern und Unternehmern verlässlich handelbar zu machen. ”
@Halbgott
Wie bitte? Darum geht es IMHO doch bei Keynes? Wenn das monetäre Sparangebot größer als die solvente freiwillige Kreditneigung ist – was ein paar Jahrzehnte nach dem Krieg der retroliberale Normalzustand ist – dann ist dies aufgrund einer konstruktiven Geldmarktstörung nicht regelbar.
Deshalb müssen wir die Schulden auf das monetäre Sparangebot anpassen – statt das monetäre Sparangebot an den freiwilligen Kreditbedarf solventer Schuldner anpassen zu können.
Die “defla -so what-ösis” übersehen die platzenden Kreditketten – dottores Spielende. Die liberale Lösung ist die Abschaffung dieser Geldmarktstörung.
Übrigens regelt der Geldmarkt heute die Liquidität der Geschäftsbanken in Zentralbankgeld statt den monetären Konsumverzicht/Kreditbedarf – es gibt also ein falsches Marktziel mit einem verfälschten Marktpreis.
Grüße Jörg
Gute Tweets zum Thema find ich übrigens hier
http://twitter.com/liberalextrem
Also, lieber Autor, so einfach geht das nicht mit den Staatsschulden! Man muss immer fragen: cui bono? Wer profitert davon?
Mehr auf Nationale Schulden
Sabine
Organisatorin, Forum für Stabile Währungen
@Tischer
>Dann wird dieser Staat von NIEMANDEN mit Steuerwohnsitz im Inland auch nur einen einzigen EUR geliehen bekommen (bei denen er zu ca. 60% verschuldet ist).
Ich sehe eigentlich nicht, warum er sich überhaupt verschulden muß. Und wenn er mal für eine gewisse Zeit im Ausland netto Kredit aufnimmt, etwa um im Inland jegliches Crowding out zu vermeiden, dann warum nicht? Ich sehe zwar spontan keinen Grund, warum das nötig sein sollte, aber selbst wenn: solange wir Exportüberschüsse wie blöd erwirtschaften, wird es uns nicht umbringen, wenn wir einen Teil des BIP als Nettovermögenstransfers ins Ausland abdrücken.
>Aber dieser Satzu ist nichts weiter als ein Bewerbungsschreiben, um bei Merkel und Westerwelle die PR zu übernehmen.
Das ja wohl eher nicht. Westerwelle müßte als erster dafür sein, die passiven Rentierseinkommen aus der Staatsschuld stärker zu besteuern. Scheint mir aber nicht wirklich der Fall zu sein.
Egghat hat Recht, auch mit seinem Hinweis auf die so genannte implizite Staatsschuld (Pensionsverpflichtungen, Ansprüche an gesetzl. Renten-, Kranken-, Pflegeversicherung), die ein Mehrfaches der offiziellen Staatsschuld ausmacht.
Das Ganze gleicht einem gigantischen Kettenbriefsystem. Die Forderungen der Wohlhabenden an das Ausland werden es nicht vor dem Kollaps bewahren, der unvermeidlich wird, wenn nicht endlich gegengesteuert wird.
Aber klar, zusammenbrechende Kettenbriefsysteme sind “integrale Bestandteile einer Volkswirtschaft”. Wie tröstlich.
@ wgnx 57
Der Staat ist integraler Sektor einer VoWi – wer das nicht sehen will, dem kann ich nicht helfen. Was den INLÄNDISCHEN Teil der Zinsaufwendungen betrifft (nicht den ausländischen, wie du oben geschrieben hast) handelt es sich definitiv um ein Verteilungsproblem, nichts anderes. Wenn ein Staat an seiner inländischen Verschuldung pleite geht, dann ist das ungefähr so, als wenn der sprichwörtliche Bäcker verhungert.
°_°
Auch das jetzt noch von dir! Als ob der Artikel alleine nicht reichen würde, mein Wochenende kaputtzumachen. Ich habe jetzt einfach nichts, was ich sagen könnte. … Was kann ich jetzt nur machen? …
Sollte Amerika daran schuld sein? Von Amerika lernen …
@hacedeca
Die mobilen Kapitalbesitzer.
Wie transformiert man Absatzmärkte.
Ist ja wie 1945 als die Alliierten die deutsche Industrie demontieren wollten.
Das deutsche Volk wozu ich alle Immigranten zähle wird gleich mitgenommen.
Lassen die wenigstens die unnützen VWL-Professoren hier.
@Tischer
Da sie empirisch genau wissen.
Wie verwenden die Zinsempfänger ihre Zinsen.
Was machen die damit?
@Sabine Kurjo
Da stehen ja auch keine Namen Adressen und Telefonnummern…
http://www.youtube.com/watch?v=dX1Z7uKKI1I
Was mich interessieren würde – worin bestehen die Forderungen und wie ist die Bonität der Schuldner?
@weissgarnix
Bitte jetzt noch die Aufschlüsselung nach Staaten, die sich gegen die Schulden nicht wehren können, wie z.B. in der Eurozone und die 3. Welt Länder.
Meiner Meinung nach befinden wir uns seit längerem im Wirtschaftskrieg und Deutschland soll Europa dominieren.
@ Sarah # 68
Der Frage schließe ich mich gerne an.
–>Was mich interessieren würde – worin bestehen die Forderungen und wie ist die Bonität der Schuldner?”
Mich würden die Sicherheiten interessieren, und die “Bonität” der Gläubiger?
Bei 4% Eigenkapital
@Holger
“kannst du mir nun sagen, warum Keynes, sich gegen den russischen Agenten Harry Dexter White, bei den Bretton Woods Verhandlungen 1944 nicht durchsetzen konnte?”
=> … Ja. Sicher.
=> … aber an einem anderen Tag. Passt doch nicht zum Thema, oder ?
“Im Gegensatz zu Hayek hat er aber Wittgenstein verstanden…”
=> … weiss ich nicht. Is’ Wittgenstein auch vom anderen Ufer gewesen ?
@holger
Vorsicht vorsicht Herrhausen ist nicht eines natürlichen Todes gestorben…
@ Nanuk
Roh…edder auch nciht.
@ Halbsterblicher gerne später.
@wgnX
“Die Vorstellung, dass unsere armen Kinderleins dereinst zu Zinssklaven der ausländischen Hochfinanz werden, ist danach unhaltbar. ”
=> … O.K. Und was is’ mit dem Ticket für die S-Bahn (wenn die Züge im CBL gegen Mickey-Maus-Dollar verkauft wurden) ? Was ist mit dem Strompreis (wenn Goldman Sachs unser Stromnetz kauft, gegen Mickey-Maus-Dollar der Marke “Uncle Ben’s”) ? Daimler, VW, Heidelzement, Voss + Blohm, usw. … überall steigt der Anteil ausländischer Eigentümer … werden deine Kinder keine Zinssklaven, sondern Dividendensklaven ? Im Gegenzug nimmt Frau Kasner bald Eurobonds auf, um Mittel- und Südeuropa rauszubailen ?? Da stimmt doch irgend etwas nich’ …
“Daher das Ganze nochmal zum Mitschreiben: Wir sind Nettogläubiger des Auslands, und erwirtschaften auf unser Guthaben regelmäßige Überschüsse. ”
=> … sind das NOMINALE Überschüsse ? Oder REALE ? Können wir damit unsere Renten bezahlen ?
“Es war übrigens Nouriel Roubini, der in 2002 in einem vielbeachteten Aufsatz als erster die Staatsschuldenproblematik der USA thematisierte und damit seinen Ruf als “Schwarzseher” begründete.”
=> … bist du dir da 100%-ig sicher, daß der gute Herr Nouriel Houdini der ERSTE war, der die us-amerikanische Staatsschuldenproblematik entdeckt und kritisert hat ? Im Jahr 2002 ? … Ganz ehrlich, wgnX, mir ist, als hätte ich schon davor irgendwo mal das ein oder andere kritische Statement zur US-Verschuldung und zur US-Geldpolitik gelesen. Ich kann mich natürlich auch irren.
Retroliberale Grüsse,
~ HG ~
@hg
wgnx ist spätestens seit seit seinem hubi auf der sarkastischen schiene..
also nicht so sezieren, sondern hinnehmen.
kauf sein buch – dann ist er wieder gut drauf.
@ wgn (57):
Nouriel Roubini zeigte sich gestern gar nicht mehr ganz so schwarzseherisch wie früher: es werde nun doch kein W geben, sondern vielmehr was er als U bezeichnet, worunter er aber eine Art flacher Suppenschüssel zu verstehen scheint. — Im Klartext: Wir haben zwar den Nadir passiert und es wird nun weiter bergauf gehen, aber halt nur sachte, sachte.
@wgnx
Apropos;
Wenn dein Buch so halbseiden wird, wie die letzten 100 Themen, dann wird es ein Ladenhüter.
Das hast du selbst gemerkt.
Halbwissen bringt nichts in der Unterhaltung.
Schreibe kurze Essays.
=> … “Herrhausen” -> am Mittwoch im TV
( … denn die im Dunkeln … sieht man nicht … Googelt doch auch mal nach Kelly und Bastian
)
=> … “Addy Hytlar und die Autarkie” -> am Freitag im TV …
(… immerhin bis heute der “Führende” in der ewigen Keynesianer-Hall-of-Fame …
… vergleicht doch mal den Bau von Autobahnen (1929) … mit dem Verschrotten & anschliessendem Neubau von fahrtüchtigen PKW (2009) … )
Genauso, wie der Artikel es beschreibt, ist es. Wenn irgendjemand keinen “Staatsbankrott” befürchten muß, ist es Deutschland. Aber Deutschland hat keine DM mehr, sondern ist Mitglied der €urozone, und das ist erheblich weniger als die DM, es waren Deutschlands DM- Schuldner, jetzt können sie nicht mehr abwerten, es sind Deutschlands €uroschuldner, da der €uro abwerten muß, hat Deutschland keine Alternative.
@Halbgott
Ganz einfach, wir sind Sklaven unser eigenen Geldsauger um das Völkchen nicht Blutsauger zu nennen. USA, die Hetze gegen die Amis und den Dollar ist ein klein wenig absurd. Die haben die “Weltreservewährung”, die “Welthandelswährung” und falls Du genau hinsiehst, eben auch eine vergleichsweise stabile Währung im Weltmaßstab. Es ist doch scheißegal, ob der €/$ 1,5 oder sogar 2 steht, wenn ein Golf in den USA 15.000 $ kostet und hier 45.000 $. Wer sind denn da die Blöden ? Klar wir, und das betrifft keineswegs nur untergeordnet wichtige “Golfs”. Genauso ist es auch mit anderen Währungen. Die EZB, nicht die FED oder andere, ist ein Skandal. Wenn die Börsen Theater spielen und realen wirtschaftlichen Schaden anrichten, kann es nur Devisenhandelsbeschränkungen geben. Schluß mit irgendwelchen carrys, die die Amis und auch uns sehr real schädigen ! Es wäre ja schon hilfreich, wenn die Wechselkurse nur 3 mal täglich gefixt würden. Noch hilfreicher wäre es aber, wenn die Zentralbanken einmal im Monat die Wechselkurse festlegten. Was da läuft ist doch ein pures Irrenhaus.
@michael #80
Google mal nach “Wem gehört die BRD ….Staatsbürgerschaft BRD…
“kauf sein buch – dann ist er wieder gut drauf.”
=> … ich denke, das erscheint erst in einem Jahr ?
=> … ich muss mich solange “bremsen” in meinen Korrekturen an seinen Beiträgen. Denn als typischer BWL’er würde er sich ohne Skrupel an meinem Geistigen Eigentum vergreifen …
( … der arme @miesespeter knabbert derweil schon verzweifelt an der Tischkante, weil er bei der Verarbeitung seines marxistisch-debitistischen “Profit-Gap”-Trauma nicht weiterkommt …
… )
@hg #82
Was ist schon ein Jahr??
Von BWL hat er auch keine Ahnung. Dafür verbürge ich mich.
Tischkanten hat er genug ….
Lieber Wgn,
bei dem Text wird deutlich wie sonst selten, wie theoretisch abgehoben und unbrauchbar selbst simple Einsichten sein können. Wenn Vermögende Macht und Einfluss besitzen, gibt es keinen Schuldenerlass (und keine 100-%-Steuern auf irgendwelche Kapitaleinkünfte) – außer hunderttausende stehen vor der Tür. Es wird so lange weiter umverteilt, bis soziale Bewegungen, Kriege oder Inflationen Vermögen reduzieren. Wenn die Staatsverschuldung steigt, sinken im gegenwärtigen Regime die Verteilungsspielräume. Das mag alles viel zu trivial für einen Volkswirt sein – aber das ist das Problem: VWLer geben selten sinnvolles – im Sinne von verwertbarem, realitätsnahem, die realität ernst nehmendem – von sich. Liegt wohl auch daran, dass VWL sich um Macht so ziemlich herumdrückt. dazu brauchts bourdieu oder foucault, lauter so leute, die keine Formeln in bücher schreiben. Oder eine Zwangsvereinigung der Soziologie und der VWL unter dem Dach der Soziologie. Dann könnte es wieder etwas realitätsnäher werden.
entscheidend sind die Aussagen ca. eine Minute vor Schluß
http://video.google.de/videoplay?docid=8415351670267173334#
Erst KuK dann Hytlar dann ???
ab 9:55 eine Aussage aus 2006
Na, so langsam kommt wieder ein bischen Würze in die Seite. Ich finde, das die Tabelle oben schön zeigt, das “wir”, die BRD, etwa halb so viele Ansprüche gegen das Ausland haben wie die Helden in der VR China. Gut das Herr Obama das nicht weiss… sonst hätten wir den hier bald wieder unter der Siegessäule stehen.
Was ist eigentlich der Vorteil, den wir gegenüber den Amis haben?
Na, wir haben den Euro! Wir können über das Geld die Sachwerte im Ausland zu hier Inland verwertbaren Kapital machen.
Das ist fundamental anders, als die Nummer mit den Staatsobligationen, die die Chinesen bei den Amis ziehen. Die haben Papier und wir haben Geld.
Huh ist das gemein… das ist wie 1919, nur andersrum und diesmal in einer konvertierbaren Währung.
Quatsch für 2006
@Micheal (#80)
=> … Ja. Weitgehende Zustimmung.
“Was da läuft ist doch ein pures Irrenhaus”.
=> … exakt. Deswegen sind Diskussionen mit wgnX über “Kapitalismus” auch längst rein theoretischer Natur. Das eigentlich wichtige Thema wäre, wie man der plutokratischen Macht-Mafia die Macht entreißen könnte. Um anschliessend Demokratie und Marktwirtschaft einzuführen
=> … Ich habe ja vor einem Jahr versprochen, daß entweder umgehend eine Währungsreform (@froZ: im Ausmaß natürlich vergleichbar mit “Bretton-Woods” – als Weltwährungskonferenz ( freilich mit scharfen Einschnitten für die USA …) ) mit ultimativer Verlustallokation der uneinbringlichen Schulden erfolgen muss … oder eben Totalitarismus angesagt ist: q.e.d. !
=> … der “Plan” scheint zu sein, die Geldillusion wieder in Gang zu kriegen: Debt/GDP=5 ? … Na und ? … 100, das wäre schlimm, aber 5, 10 oder 50 ? … das ist harmlos und eigentlich völlig normal
…. Realwirtschaftlich wird derweil auf DDR-mäßigen Notbetrieb umgestellt. Mit “Subventionen” auf Pump kaschierte Zwangsbewirtschaftung mit 5-Jahresplänen a la Abwrackwahnsinn, Desertec, Nabucco, EU-weite Häuserdämmung, Elektroautos, Euro-GPS, A400-Flieger, dazu aufgehübschtes HIV + 1Euro-Aufstockung als grossflächig eingesetzter Einheitslohn, private Zwangspflegeversicherung, usw … zum Glück haben wir mit Frau Dr. Kasner eine Führerin, die auch schon in der DDR eine “kaminartige” Karriere hingelegt hat (Studium z.T. in Moskau, Job in Berlin-Adlershof, …) . Die Keynesianer werden jubeln …
=> … die geopolitische Situation sieht für mich auch alles andere als gut aus. Waffengeschäfte florieren. Manche kriegen gar nicht genug U-Boote und Kanonenboote. Nein, ich befürchte die NWO-Gottspieler wollen das Ding nicht “ökonomisch” und “politisch” lösen, sondern blutig. Es gilt, die Ressourcen Arabiens und Afrikas für “den Westen” zu “patriieren” … und China und Russland so eng wie möglich einzukreisen (und sie dann “aus zu hungern” und von innen zu zersetzen oder die Regierungen zu korrumpieren). Keine schöne Sache, das.
Retroliberale Grüsse,
~ HG ~
sind schon scheiße diese Video Dokumente. # 85
macht kein Spaß.
kann ich verstehen. Alles dummes Zeugs, Verschwörung sozusagen. Bis zur nächsten Steuererhöhung.
Alles klar. Wird alles wieder gut. Man muss nur feste daran glauben.
Harry 84
Macht? Machtfrage? – welch ein Unsinn, wir haben doch eine Demokratie voller Demokraten und da gilt immer noch die Wähler entscheiden – ein Euro/Dollar – eine Stimme … wir sind doch nicht bei den Wilden …
Was soll der Quatsch?
Wir haben einen systembedingten Moloch mit Namen Finanzmarkt.
Dieser dient zur Akkumulation von Vermögen bei immer weniger Teilnehmern, das theoretische Ergebnis ist alles Kapital in einer Hand.
Dazu ist es noch nie gekommen, und wird es auch nicht kommen, da vorher der reale Markt in irgendeiner Form zerbricht.
Das System hat einen exponentiellen Charakter, d.h. daß die Akkumulation immer schneller immer stärker verläuft. Wir sind in der Zwischenzeit schon in der stark steigenden Phase, ohne eine radikale Wende am Kapitalmarkt ist der Zusammenbruch unausweichlich. Eine Wende kann nicht aus dem Kapitalmarkt erfolgen, da diese dem System als solchem widerspricht.
Politisch ist nicht zu erkennen, daß die derzeitigen Regierungen das Problem als solches erkannt haben und auch nur einigermaßen entsprechend reagieren können oder auch wollen. Offensichtlich wird die Entwicklung von den meisten als unabwendbar akzeptiert. TINA (There Is No Alternative) regiert die “westliche” Welt.
Das System verlangt Rendite, die angestrebte Renditehöhe lässt sich aber in einem gesättigten Markt, bei gleichzeitiger immer größeren Akkumulation im Finanzmarkt, nicht mehr realiseren. Deshalb produzieren die Banken immer neue “Finanzprodukte”, die entsprechende Renditen “vorgaukeln”, die im Endeffekt aber nur reine Wettgeschäfte sind, gleichzeitig wird versucht aus dem realen Markt immer noch Rendite in entsprechender Höhe abzusaugen, dieses geschieht durch alle möglichen Arten der Einsparung, geringere Investitonen, Firmenzusammenschlüsse, den Verkauf von angeblich gewinnträchtigeren Firmenteilen, und vor allem durch Einsparungen im Beschäftigtenbereich durch Personalabbau und Lohnkürzungen, bzw. weit unterdurchschnittlichen Lohnsteigerungen. Letzteres schädigt aber auch nachhaltig die Nachfrage und führt wieder zu noch mehr Einsparungen etc., die Spirale nach unten ist in Gang. Dieses hat schon in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts begonnen und wird nun immer schneller immer graviernder. Der Ruin des realen Marktes schreitet erschreckend schnell fort, darüber täuschen die Wachstumszahlen des BIP hinweg, da diese Wachstumszahlen derzeit nur durch das Positivsaldo der Finanzmärkte entstehen.
Die einzig richtige Maßnahme im Moment wäre die großen Geldansammlungen rigeros zu besteuern, wie es Mitte der dreissiger Roosevelt in den USA getan hat, und dieses Geld für reale angemessen bezahlte Arbeit im öffentlichen Dienst zu verwenden. Nur damit lässt sich die allgemeine Nachfrage wieder auf ein entsprechendes Niveau bringen.
Das Geld MUSS wieder in den realen Markt von Waren und Dienstleistungen. Solange es in den “Sphären des Kapitalmarktes” verbleibt, ist es für die Gesellschaft als ganzes verloren und ruiniert diese immer mehr.
@wgnx #63
Ich sehe eigentlich nicht, warum er sich überhaupt verschulden muß.
Dann solltest du wohl nochmal drüber nachdenken. Könntest zB bei der sog. “Abschlagssteuer” von 25% bei max. Einkommenssteuer von >40% anfangen. Dann könnte es auch anfangen zu dämmern, so dass du wieder Sicht kriegst…
Und wenn er mal für eine gewisse Zeit im Ausland netto Kredit aufnimmt, etwa um im Inland jegliches Crowding out zu vermeiden, dann warum nicht?
Die Staatskredite, die nur “für eine gewisse Zeit” aufgenommen wurden, so wie versprochen, die musst du mir erst mal zeigen. In der Regel werden die erst bei vorgehaltenen Gewehrläufen getilgt. Wer immer das Gewehr dann hält…
Damit das mit deiner tollen Bilanzausgleichung auch nur halbwegs hinhauen kann, also mit der “Notfall-Enteignung per 100% Kapitalertragssteuer”, müsste dem deutschen Staat (bzw. dieser Schatten-GmbH) sofort verboten werden, sich bei anderen als den eigenen Staatsbürgern zu verschulden. Das wird nur aber nicht hinhauen: denn der Exportweltmeister an Waren muss auch das dazu nötige Kapital exportieren, das ist doch der Aberwitz. Wer Waren exportiert, importiert Schulden, sozusagen.
Ich sehe zwar spontan keinen Grund, warum das nötig sein sollte, aber selbst wenn: solange wir Exportüberschüsse wie blöd erwirtschaften, wird es uns nicht umbringen, wenn wir einen Teil des BIP als Nettovermögenstransfers ins Ausland abdrücken.
Es gibt kein “WIR”, auch wenn du gerne die “deutsche Volkswirtschaft” als “Volksgemeinschaft” verwendest. Das sind Haves und Havenots, kein Kollektiv. Und warum das nötig ist? Unter anderem deswegen, weil die Exportweltmeisterschaft (von der die wenigsten profitieren, hast du hier selber andauernd zum Besten gegeben) eben eine entsprechende “Besteuerungssystematik” und “‘Entlohnungslogik” (à la Unsinn-Sinn) erfordert, weshalb dann die Staatseinnahmen die Staatsausgaben unmöglich mehr decken können. Kurz: der Staat verschuldet sich zu Gunsten des Kapitals. Das “scheue Reh” könnte sonst weglaufen…
Das ja wohl eher nicht. Westerwelle müßte als erster dafür sein, die passiven Rentierseinkommen aus der Staatsschuld stärker zu besteuern. Scheint mir aber nicht wirklich der Fall zu sein.
Weil sich “Leistung wieder lohnen” soll? Quatsch! Die FDP meint, dass sich Besitz weiterhin lohnen muss, sonst nix. Die Kernklientel dieser Lobbyistenbande leistet doch schon längst nichts mehr, und weiss das nur allzu gut. Die beschäftigt sich eher damit, Hubis, bought in US, made in China, in ihren Arbeitszimmern rumfliegen zu lassen..
Gute Nacht allerseits…
ahja, unser wochenend-revoluzzer ist also nach seinem ausflug wieder zuhause im kapitalismus angekommen.
und hast schon deine db-aktien zurückgekauft?
umsonst-hartz-putzen vortreten, eine von euch wird gebraucht.
oh je; wer jetzt noch was zu sagen hat, trete vor und schweige!
@WGN
Wieviel bezahlt man dir für deine Propaganda?
Schau mal diesen Werbefilm des Finanzministeriums an.
Ihr seid deckungsgleich.
Deutschland ist schuldenfrei
http://nachrichten.rp-online.de/article/politik/CDU-Chefin-Merkel-betont-katholische-Seite/57160
und während wir hier Diskutieren schwindet die Macht der Kanzlerin jeden Tag ein bischen mehr… sind halt nicht nur Protestanten in der CDU die Max Webers Arbeits Ethos teilen würden…
“Jener eigentümliche, uns heute so geläufige und in Wahrheit doch so wenig selbstverständliche Gedanke der Berufspflicht , einer Verpflichtung, die der einzelne empfinden soll und empfindet gegenüber dem Inhalt seiner “beruflichen” Tätigkeit, gleichviel worin sie besteht, gleichviel insbesondere ob sie dem unbefangenen Empfinden als reine Verwertung seiner Arbeitskraft oder gar nur seines Sachgüterbesitzes (als “Kapital”) erscheinen muss – dieser Gedanke ist es, welcher der “Sozialethik” der kapitalistischen Kultur charakteristisch ist” [...] “Die Fähigkeit der Konzentration der Gedanken sowohl als die absolut zentrale Fähigkeit, sich der Arbeit gegenüber verpflichtet zu fühlen, finden sich hier besonders oft vereinigt mit strenger Wirtschaftlichkeit, die mit dem Verdienst und seiner Höhe überhaupt rechnet und mit einer nüchternen Selbstbeherrschung und Mäßigkeit, welche die Leistungsfähigkeit ungemein steigert. Der Boden für jene Auffassung der Arbeit als Selbstzweck, als “Beruf”, wie sie der Kapitalismus fordert, ist hier am günstigsten” (Die protestantische Ethik und der “Geist” des Kapitalismus, 1904/05).
passt halt nicht zu den 4 Kardinaltugenden
Gerechtigkeit, Tapferkeit, Weisheit und Mäßigung
nicht wahr lieber in alten Schriften rumwühlen als lästiger Arbeit nachgehen…
Der Staat, Schulden und Investitionen
aus einem etwas älteren Text von Helmut Creutz
Überprüft man die öffentlichen Investitionsausgaben, dann wurden diese von 1965 bis 2003 von 12 auf 33 Milliarden Euro auf knapp das Dreifache ausgeweitet.
Vergleicht man diese Entwicklung aber mit den Steuereinnahmen, die in der gleichen Zeit von 54 auf 468 Milliarden und damit das Neunfache zunahmen, wird der relative Rückfall der Investitionsausgaben erkennbar.
Diese unterschiedlichen Entwicklungen der Staatseinnahmen und
Investitionsausgaben werden noch deutlicher, wenn man die Milliardenbeträge in Prozenten der Steuereinnahmen umrechnet, wie in der Grafik geschehen. Hieraus geht hervor, dass die Investitionen, die 1965 immerhin noch bei 22 Prozent der
Steuereinnahmen lagen, bis 2003 auf rund sieben Prozent abgesunken sind. Das heißt, der Staat hat seine laufenden Investitionsausgaben, verglichen mit 1965, auf ein Drittel herunter gefahren. Mit dieser radikalen Reduzierung hat er zwangsläufig in
der Wirtschaft große Auftragslöcher gerissen und damit zusätzlich die Arbeitslosigkeit erhöht!
Sucht man nach Gründen für diesen Investitionsabbau, dann muss es zwangsläufig andere Ausgabenposten geben, die in einem ähnlichen Umfang angestiegen sind.
Fündig wird man bei den staatlichen Zinsausgaben. Denn dieser Posten, der langfristig im Gleichschritt mit der Verschuldung zugenommen hat, stieg in den 38 Jahren von 2 auf 66 Milliarden Euro an, also auf das 33-fache und damit dreieinhalb Mal so rasch wie die Steuereinnahmen des Staates!
Gemessen an diesen Steuereinnahmen stiegen die Zinszahlungen von drei auf vierzehn und damit um elf Prozentpunkte an, während die Investitionen, von 22 auf zwölf Prozent fallend, um zehn Prozentpunkte abgebaut wurden.
Das aber heißt, die steigenden Zinszahlungen wurden praktisch im vollen Umfang durch Reduzierung der Investitionen ausgeglichen!
Gemessen an Steuereinnahmen und Gesamtausgaben wurden die Investitionen laufend verringert! Wofür aber wurden dann die ständigen Geldaufnahmen verwendet?
Geht man dieser Frage nach, dann zeigt sich, dass die ganzen Ausweitungen der Schulden, die sich in dem dargestellten Zeitraum auf insgesamt 1,3 Billionen Euro summieren, fast ausschließlich in den Zinsendienst geflossen sind! Das heißt, die jährlichen Neukreditaufnahmen stellten praktisch nur einen durchlaufenden Posten vom Kapitalmarkt an den Kapitalmarkt dar! Sie waren also zu gar nichts nutze,
außer,
dass sie den Reichtum der Geldgeber im gleichen Billionenumfang erhöhten wie die Staatsverschuldungen und damit die Zinslasten wuchsen!
Yep… positive Diagnose:
Wir sterben NICHT an einer Verschuldung im Ausland.
Yep, nächste Diagnose:
Wir sterben an einer Verschuldung im Inland (Rentenansprüche und so nen Zeug…)
Andere Krankheit, gleiches Ergebnis:
Patient tot.
Thema durch.
@goodnight, 99
Wer “wir”?
GO
ist also – rein finanztechnisch – spätestens dann, wenn auch der Teil der Arbeitsleistung des Personals eines Wirtschafts – und Verwaltungsgebietes für den Schuldendienst eingezogen wird, der für das Überleben des Personals nötig ist – wenn also so mehr als 10 Monate des Jahres für das Finanzamt zu arbeiten ist
Daran ändern die Auslandsvermögen – NIX
Dummheit tut nicht weh, im Gegenteil, die meisten Menschen fühlen sich darin offensichtlich wohl, doch sie kann zum Untergang von Gesellschaften führen.
@wisi
Für die Erhaltung des Personals braucht man kein Geld, sondern echte Ressourcen, z.B. Nahrung. Die kann dem Personal auch so zu Verfügung gestellt werden. Der wirkliche Knackpunkt ist also, wann dem Personal die Motivation abhanden kommt.
Nette Diskussion. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass Ökonomen von Astrologen beraten werden. Mein Fazit dieser amüsanten Diskussionsrunde.
… interessanter Artikel heute in der Online-Ausgabe der CIA-Propaganda-Illustrierten. Dort vergleicht Schäuble die Finanzkrise mit dem Mauerfall
=> … aha. Wie meinen, Herr Dr. Schäuble ?!?!??? … ich nix verstähn.
=> … dazu stammelt er noch ein paar viel sagende Sätze über erfolgreiche ELITEN, zu VERMITTELNDE Fairness, GEFÜHLTE Gerechtigkeit und natürlich … ZUSAMMENHALT, ZUSAMMENHALT und nochmals ZUSAMMENHALT (!):
“Zugleich ermahnte Schäuble die Eliten zur Zurückhaltung: “Die Erfolgreichen haben auch eine besondere Verantwortung den Nicht-so-Erfolgreichen gegenüber: Sie müssen vermitteln, dass dieses System fair und gerecht ist. Und dafür braucht es ein gewisses Maß an Zurückhaltung. Damit unsere Gesellschaft zusammenhält, müssen ‘die da oben’ auch Verständnis für ‘die da unten’ haben. Das Gefühl, dass es in der Welt gerecht zugeht, darf nicht immer schwächer werden.”
… hört, hört …
@weissgarnix 16.
>Es bedarf dafür lediglich eines einzigen Satzes in einem
>Bundesgesetzblatt: “Die Einkommenssteuer auf Zinserträge aus
>Bundesobligationen und ähnlichen Schulden der öffentlichen Hand
>beträgt 100% und wird an der Quelle erhoben.”
>Thema durch.
Eine solche Verankerung ist leider unmöglich. Das Einkommensteuergesetz basiert leider auf dem Kerngedanken der Gewinn und Einnahmen/Überschuss-Besteuerung. Insoweit war die Abgeltungsteuer auch nur unter Berücksichtigung pauschaler Abschläge für Werbungskosten durchsetzbar.
Seit 2009 sind zudem die Veräußerungen von Anteilen unter 1% an Kapitalgesellschaften, Fonds etc im Rahmen der Kapitaleinkünfte zu erfassen und fallen daher ebenfalls unter die Regelungen der Abgeltungsteuer. Über 1%-Beteiligungen besitzen weiterhin den Sondercharakter des Betriebsvermögens nach 17EStG und fallen in die Teileinkünftebesteuerung (60% Stpfl/ 40%Stfrei)
Eine 100%ige Besteuerung hätte eine verfassungsrechtliche Klage gegen die Doppelbesteuerung zur Folge. Quellen- und Abgeltungssteuern sind bei ausländischen Vermögenshaltungen halt in die Gesamtsteuerbelastung der Anteilsgebenden Kapitalgesellschaft mit einzuzubeziehen.
Viele Grüße,
Ashitaka
@hg #105
Gebt Schäubles Satz:
Sie müssen vermitteln, dass dieses System fair und gerecht ist.
bei Google ein.
Dann kann man sehen, wie die Einheits-Medien funktionieren.
@ wgn
richtig ist, dass wir auslandsgläubiger sind, nicht schuldner. unser “auslandseigenkapital” steht auf der richtigen bilanzseite. das ist beruhigend. die auslandsbilanz ist aber nur ein teilsektor der gesamtbilanz. mich würde die gesamtbilanz ineressieren. da ich zu faul zum suchen bin, hast du dafür vielleicht auch eine quelle zur hand?
unberuhigend ist das, was wisi schreibt.
unberuhigend ist auch, dass das ek nur dann wirklich positiv ist, wenn die aktivseite so werthaltig ist, wie niedergeschrieben. hier sind zweifel angebracht. in letzter zeit sind sehr viele bilanzen geplatzt. gibt es belastbare informationen zur werthaltigkeit unserer aktivseite?
unberuhigend ist auch, dass “der staat” kein eigenes geld hat. er bekommt es – leider – immer von uns, seinen bürgern. das mag diejenigen, die in der existenzdruckbefreiten zone der staatlichen alimentierung leben, nicht beunruhigen. zu diesen leuten zähle ich leider nicht. ich muss wissen, wie wirtschaft funktioniert. sonst verdiene ich kein geld. deshalb frage ich nach.
der grafik und der dahinterliegenden statistik ist zu entnehmen, dass deutschland dank des auslands immer reicher wird. warum steigen dann die steuerlasten für die inländer? wenn diese grafik eine relevanz hat und staatsschulden egal sind, dürfte das doch nicht der fall sein. wie hängt das zusammen?
Lieber Wgn,
deine Aussagen sind sowol aus wirtschaftshistorischer Sicht, als auch aus moderner ökonomischer Sicht, nicht haltbar.
Die zunehmende Konzentration von Besitz, vor 1800 war das in der Regel Landbesitz, löste bei den Byzantinern eine zunehmende Gesellschaftskrise aus. Auch aus anderen Staaten, historischen Epochen sind solche Prozesse bekannt – u.a. im alten Rom, was dort schlussendlich auch zum Untergang der Republik führte.
Die Verteilung und Konzentration von Vermögenspielt in vielen Teilbereichen der VWL, z.B. in der Entwicklungspolitik, eine entscheidende Rolle. In vielen Entwicklungsländern besitzt die Oberschicht einen westlichen Lebensstandart, wohingegen die Massen in den Slums in Armut leben.
Ich verstehe Deine Aussage indes so, dass Du herausarbeiten wolltest, dass es in der Macht des politischen Systems in Deutschland liegt, diese Schulden an die innerdeutsche Bevölkerung per Dekret aufzulösen.
Allerdings ist es nicht jedem int. Staat möglich per Dekret seinen Schuldendienst einzustellen – ohne den eig. Untergang zu riskieren? Oder ist Argentinien verarmt?
Insofern stimme ich Dir zu – die Schulden des Staates sind die Guthaben anderer Akteure. Die Staatsschulden per se führen nicht in den Staatsbankrot. Internationale Schuldenper dekret zu nivelieren führt zu größeren Verwerfungen, als innerstaatliche “Enteignungen”.
Trotzdem ist dieses Verhalten in der Politik äußerst unwahrscheinlich, solange der Staat nicht vor dem Ruin steht. Vorher sind solche Entscheidungen politisch nicht durchsetzbar und kämen einem pol. Selbstmord gleich.
Die richtige Entscheidung für den Staat wäre es die Schuldenzinsen, sowie neue Kredite am Markt aufzunehmen und diese Spirale solange zutreiben, bis diese Blase platzen muss.
Ansonsten kann ich meine Kritik nur erneuern – in klassischer VWL manierenkonzentrierst Du Dich viel zu sehr auf virtuelle Modelle und variablen, anstatt auf die realen Sachverhalte einzugehen – oder wie stellst Du Dir die wegdifinition in den beiden Fällen und ihre Auswirkungen vor?
@Ashitaka
Die 100%-Besteuerung war ja auch nur exemplarisch gemeint, um den Punkt zu illustrieren. Worauf ich hinauswill ist, dass die Binnenzinsausgaben des Staates insofern kein Problem darstellen, als er sie jederzeit durch Steuern neutralisieren kann. Durch welche Steuern er das genau macht, und in welcher individuellen Höhe, ist ja eine ganz andere Frage.
Weiter oben im Thread kam die eigentliche Problematik aber schon zur Sprache: Wir haben ziemlich offensichtlich kein Problem zu hoher Schulden, sondern zu niedriger Steuern. Wenn der Staat seine Einnahmen proportional so dermaßen zurückschraubt, wie er es in den letzten Jahren getan hat, ist es kein Wunder, wenn er als volkswirtschaftlicher Sektor in einem Dauerdefizit landet. Ihm gegenüber stehen die privaten Haushalte als Sparweltmeister, und weil sie nicht wissen, wohin mit ihrem Geld, landet es schließlich in drittklassigen US Immobilienprojekten.
Ich sehe nicht, was das mit Mafia, Finanzoligarchie oder sonstigen kriminellen Machenschaften zu tun hätte. Ich sehe schlicht eine völlig falsche Fiskalpolitik am Wirken. Mag sein, dass die uns in die große Pleite führt – aber die Staatsschulden per se werden es definitiv nicht sein.
@die Simpsons
“Nette Diskussion. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass Ökonomen von Astrologen beraten werden.”
Dein Gefühl führt Dich in die richtige Richtung, da die Wirtschaftswissenschaften die Lücke zwischen der Archäologie und der Astrologie ausfüllen. Wer allerdings derjenige war, der glaubte, dass diese Lücke gefüllt werden muss, ist unbekannt – für einen validen Beitrag zum Weltverständnis hätten wohl jeweils ein Aufsatz von Adam Smith ( Philosoph) , Karl Marx ( Jurist ) , Max Weber ( Jurist und Historiker ) und Keynes ( Mathematiker und Philosoph ) ausgereicht.
Hallo Weissgarnix,
ein paar Einwände seien erlaubt. Worauf beruhen denn deutsche Forderungen im Ausland? MMn auf ausländ. Gesetze und Goodwill! Oder ist die Bundestrachtentruppe etwa in der Lage dt. Vermögen im Ausland zu sicher? Das haben die ja noch nicht mal beim unbewaffenten Island geschafft.
Und diese Gesetzeslage kann sich ja wohl jederzeit ändern, siehe WW1+2, Kuba usw.
Öffentlichen Haushalte in toto gerade einmal 900Mrd an Schulden gegenüber dem Ausland aufweisen, was unter 40% des BIP ausmacht.
Und wieviel Vermögen des Staates BRD steht den Auslandsschulden im Ausland gegenüber? MMn nicht annähernd soviel. Was haben also Vermögen von Privaten + Unternehmen im Ausland mit Auslandsschulden des Staates BRD zu tun? (es sei denn dt. Staat konfisziert die irgendwann [mal wieder])
Btw., wie Defizit und neue Schulden in UK komplett von der BoE mittels QE gesponsert werden habe ich mal im DGF gezeigt, kannste aber auch hier hochoffiziell nachrechen.
Warum wohl, haben die etwa nicht genug Auslandsvermögen? Kann ich mir bei den Briten (nach jahrhundertelangen Raubzügen) kaum vorstellen.
Schönen Sonntagsgruß, McShorty
@hg
Der Witz ist ja, dass Schäuble die Banker, Manager etc. als “Erfolgreiche” bezeichnet, d.h. in seinem Wertebild ist “viel Geldbesitz” = “Erfolg”….. und dann im gleichen Atemzug sich über die “Gier” (ergo; Streben nach “Erfolg” im Sinne von Schäuble)dieser Leute aufregen ist natürlich sowas von paradox…..egal, hat für nen Lacher am Sonntag gereicht, mehr kann man nicht mehr erwarten.
@wgn
“Wir haben ziemlich offensichtlich kein Problem zu hoher Schulden, sondern zu niedriger Steuern.”
Nope, wir haben ein Problem zu hoher Inlandsverschuldung, denn genau deshalb muss der Staat ja seine Steuern erhöhen, damit die Bürger als “Wir” (Staatsbürger) die Schulden begleichen, die sie gegenwärtig und zukünftig als “ich” (Person) als Forderung an den Staat stellen…oder so ähnlich. Whatever zwei Paradoxien am Tag, yep, mehr kann als erwartet.
Na wunderbar,
–>Ich sehe nicht, was das mit Mafia, Finanzoligarchie oder sonstigen kriminellen Machenschaften zu tun hätte.”
Lobbyismus etwa? oder ist der auch nicht vorhanden?
–>Ich sehe schlicht eine völlig falsche Fiskalpolitik am Wirken. Mag sein, dass die uns in die große Pleite führt
Wer bestimmt denn die Fiskalpolitik? Da ist selbst der Professor aus Heidelberg dran gescheitert.
Nein, es ist eben nicht die Fiskalpolitik. Die hat sowieso nichts mehr zu melden.
–>aber die Staatsschulden per se werden es definitiv nicht sein.
ja, da hast du Recht, und weißt du auch warum? Solange die Hänschen der Eichels über “Konsolidieren” debatieren, ist alles tutto va bene. Aus der Ecke wird nichts kommen. Die Staatsverschuldung ist per se nicht der tragische Moment. Da gibt es andere Hebel und Wahrscheinlichkeiten.
z.B. ein Wettskandal im Fußball.
@goodnight
Die Inlandsverschuldung ist keineswegs eine Paradoxie, sondern eine Umverteilung zwischen zwei Sektoren: Ausgaben des Staates – Einnahmen der Privaten. Wie bei allen anderen Einkommen stellt sich auch hier die Frage der Besteuerung – und warum ausgerechnet dieses Einkommen begünstigt besteuert werden soll, erscheint mir erklärungsbedürftig. Zumal es ziemlich offensichtlich kein “Leistungseinkommen” darstellt – daher womöglich sogar, nach aktueller politischer Leitkultur, mit einem Strafzuschlag belegt werden sollte.
@weissgarnix #110
„Ich sehe nicht, was das mit Mafia, Finanzoligarchie oder sonstigen kriminellen Machenschaften zu tun hätte. Ich sehe schlicht eine völlig falsche Fiskalpolitik am Wirken. Mag sein, dass die uns in die große Pleite führt – aber die Staatsschulden per se werden es definitiv nicht sein.“
Die angeblich so „völlig falsche Fiskalpolitik“ hat nur Teile der Unter- und Mittelschichten in die Pleite geführt, die Reichen hingegen hat sie reicher gemacht.
Es sind NICHT die Reichen, die sich politisch und ökonomisch irrational verhalten.
Es sind die MITTELSCHICHTEN, die sich den Ast absägen, auf dem sie Sitzen, indem sie sich zu Mitläufern und Unterstützern der Politik der (Super-)Reichen machen.
Die Super-Reichen werden niemals Pleite gehen, egal zu welchen Staats- und Wirtschaftskrisen es kommt.
Kluge Leute haben dies schon längst erkannt. Z. B. Krysmanski:
„Herrschende Klasse Revisited“
http://www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/archiv/xxinfo/h057s008.html
@ HAM 116
Jawohl: Es sind NICHT die Reichen, die sich politisch und ökonomisch irrational verhalten. Es sind die MITTELSCHICHTEN, die sich den Ast absägen, auf dem sie Sitzen.
Das ist in (ad-sinistram.blogspot.com) so fantastisch geschrieben, dass ich dies hier zitieren muss:
http://ad-sinistram.blogspot.com/2009/10/trostet-euch.html
„All diese Mittigen, die sich in Leserbriefen, Gästebüchern, Foren auskotzten, die am Stammtisch und in geselligen Runden aufwiegelten, ihren Nachbarn und Bekannten ein Lehrbeispiel in Sachen Menschenverachtung gaben, all diese Befürworter enger Regelsätze, Schönredner schmaler Transferleistungen, Apologeten noch kleinerer Überweisungszahlungen, all dieses aufgehetzte Personal also … Selbst diese lächerliche Kopie der Bourgeoisie, Schlipsproletariat und Karikaturen ihrer Herrn, Geiferer und Treter nach unten, Feinde des faulen Lenz, Todfeinde der im Lenz Faulenden, selbst dieses Konglomerat aus Kesseltreibern und Einpeitscher ängstigt sich um die schlackernde Stellung. …
Wie irrational von ihnen, nun plötzlich in Angststarre zu verfallen. Skurril, dass man ausgerechnet jetzt die üppig gepolsterte Hängematte nicht zu erkennen vermag.
Seid mutig, ihr Mittigen, so mutig wie einst, als ihr mutig die Finger in die Wunden derer gelegt habt, die sich nicht mal Verband leisten konnten, um sich notdürftig zu umwickeln. So furchtlos wie damals, als ihr der Wahrheit zum Durchbruch verholfen habt, jener Wahrheit, man könne auch von Luft und Liebe und Almosen ein sattes Leben führen. Geht mit demselben Mut in eure schmarotzende Zukunft, legt euch angstlos in die Hängematte!“
Ja, wir Recht hat Roberto-Ad-sinistram. Recht? Nein. Er spricht nur offen über die Zukunft, die eigentlich schon begonnen hat. Nur Narren wollen sie nicht sehen. Es war ein Quatsch, wenn man sich von der Wahl der rechts-liberalen Regierung erhofft hat, jetzt würden die Unterschichten richtig bluten. Nein. Die bluten schon längst. Dort wird man nichts mehr was großartig tun können. Sonst wird der Arme auf die Idee kommen, besser im Kampf als am Hunger zu sterben.
Und dass wissen die Merkels, (Un-)Sinns, Westerwelles, … Und sie wissen auch, dass sie dies nicht wollen können. Oh, ja!
Deshalb wird die neue Regierung keinen Kreuzzug gegen die Unterschichten starten. Ach was! Blödsinn! Sondern gegen die mit all den Mythen umworbene „Neue Mitte“.
Es beginnt das Opferfest der „Neuen Mitte“. Das Blut wird in Strömen fließen …
Sie ‘raffen’ es nicht. Sie können es nicht, sie wollen es nicht…
Auch wenn dazu noch ein paar Balken mehr vor die Augen und Bretter von den Kopf genagelt werden müssen, zwei Bilanzen in eine gewickelt.
Kapitalismus ist schön.
Nur Blinde können das nicht sehen, logisch, die haben ja keine von innen bemalten Balken (mehr) vor den Augen. Also ab in den Wald mit denen…
@Ham
>Die angeblich so „völlig falsche Fiskalpolitik“ hat nur Teile der Unter- und Mittelschichten in die Pleite geführt, die Reichen hingegen hat sie reicher gemacht.
Ich sehe DIE Reichen nicht pauschal in der Täterrolle: Wer tatsächlich sein Vermögen in einem produktiven Betrieb stecken hat und dort für halbwegs akzeptable Arbeitsplätze sorgt, vielleicht sogar noch für Wirtschaftswachstum – was auch immer man da genau drunter verstehen mag -, der hat meinen Segen. Egal, ob er das jetzt direkt als Unternehmer oder über eine Finanzbeteiligung bewerkstelligt, da sehe ich nicht den großen Unterschied.
Fatal hingegen ist das leistungslose Rentierseinkommen, insbesondere aus “sicheren” Staatsanleihen. Die liegen aber zumeist nicht bei den “Reichen”, sondern ganz überwiegend bei Pensionsfonds und Lebensversicherungen. Und die werden wiederum von der breiten Allgemeinheit gehalten, nicht bloß den “Reichen”.
Ich stimme übrigens allen zu, die da meinen, die seit den 70ern stark steigende Staatsverschuldung im Zuge der Ausdehnung der Wohlfahrtsstaaten habe den Finanzsektor erst zu dem gemacht, was er heute ist, inklusive Private Equity, Hedge Fonds, Derivate usw. Da habe ich kaum Zweifel dran. Nur: umsomehr verlangt das Ganze nach einem Regulativ über eine angemessene Besteuerung; darauf läuft es für mich hinaus.
@Systemfrager #117
„Es beginnt das Opferfest der „Neuen Mitte“. Das Blut wird in Strömen fließen …“
Warum diese kriegerische Metapher?
Es wird doch gar nichts Dramatisches passieren.
Scheibchenweise – gemäß der „Salami-Taktik“ – werden zunehmend Menschen aus den Mittelschichten zu Klienten der Bundesarbeitsagentur werden.
That´s all.
@ HAM:
Deine Botschaft hörr ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.
Versetzen wir uns einen Augenblick in die Zeit vor den Kriegen in Exjugoslawien. Jeder der damals zuerst durch Ostblockländer und danach durch das kommunistische Jugoslawien fuhr, mag sich noch an den Unterschied erinnern. In den Ostblockländen wimmelte es von Parolen, die den sozialistischen Fortschritt bejubelten, die die Errungenschaften des Sozialismus hochleben ließen und die eine strahlende sozialistische Zukunft beschworen. All dies war im ehemaligen Jugoslawien nahezu unbekannt. Wer sich Mühe gab, konnte dennoch politische Parolen finden, und er merkte schnell, dass eine Redewendung öfter vorkam als alle anderen zusammen, nämlich „bratstvo i jedinstvo“: Brüderlichkeit und Einigkeit. Zur Brüderlichkeit und Einigkeit wurde man schon im Kindergarten erzogen, dann in der Volksschule, auf dem Gymnasium und ebenso während des Studiums; an sie wurde man an seinem Arbeitsplatz immer wieder erinnert und beim Militär wurde man auf Brüderlichkeit und Einigkeit gedrillt. Dichter haben „bratstvo i jedinstvo“ besungen, bei allen offiziellen Feierlichkeiten wurden sie in jeder erdenklichen Form stilisiert; es gab sowohl neukomponierte Volksmusik als auch Popsongs nach neuestem westlichem Muster, welche die Brüderlichkeit und die Einigkeit zu erfolgreichen Schlagern machten, die noch lange Zeit in Kneipen und auf Hochzeiten immer wieder von „gut gelaunten“ Gästen bestellt wurden. Und jeder kannte sehr genau den Sinn und Zweck des Ganzen. Die Grausamkeiten, die sich diese Brüdervölker während des Zweiten Weltkrieges gegenseitig zugefügt hatten, waren so groß, dass sie die Kriegsverbrechen der faschistischen Besatzer weit übertrafen, obwohl auch diese schon grausam genug waren. Dies dürfe sich niemals wiederholen, war die einhellige Meinung, und eine Zeit lang schien es, als habe das Volk die historische Lektion gelernt und würde sie beherzigen. Man konnte sich damals alles vorstellen, sogar die Wiederkehr des Kapitalismus. Aber dass sich ein Bruderkrieg wie im Zweiten Weltkrieg wiederholen würde, das lag weit außerhalb jeder Vorstellungskraft. Wie wir jetzt wissen, waren alle Bemühungen, das Volk moralisch zu bessern und ihm beizubringen, die Würde des Nächsten zu achten, völlig umsonst. Die Geschichte schlug mit aller Wucht zurück.
Gutgläubige mögen darauf hinweisen, es habe sich in diesem Krieg, wie auch in allen anderen, nur um kleine Minderheiten gehandelt, welche die Gräueltaten verübt hätten. Dies ist gar nicht einmal falsch. Tatsache ist aber auch, dass die Mehrheiten dies nicht verhindern vemochten oder gar wollten, und das allein zählt vor der Geschichte. (Ob die unbeteiligten Mehrheiten das Leid, das anderen zugefügt wurde, möglicherweise gerechtfertigt oder sogar gutgeheißen hatten, bleibt daher irrelevant.) Die Tatsache bleibt also, dass Menschen in bestimmten Situationen immer auf ähnliche Weise reagieren. Es gibt in der menschlichen Natur so etwas wie anthropologische Konstanten, und zu denen gehört offensichtlich auch, dass der Mensch ein schlechter Verlierer ist.
@ HAM:
Deine Botschaft hörr ich gern, allein mir fehlt der Glaube.
„Vor fünfzig Jahren“, erinnert sich Aldous Huxley, „als ich ein Knabe war, schien es völlig selbstverständlich zu sein, daß die schlimmen alten Zeiten vorbei waren, daß Folter und Massenschlächterei, Sklaverei und Ketzerverfolgungen der Vergangenheit angehörten. Unter Leuten, welche Zylinderhüte tragen, in Eisenbahnzügen reisen und jeden Morgen ein Bad nehmen, kamen solche Gräuel einfach gar nicht in Frage. Wir leben schließlich im 20. Jahrhundert. Ein paar Jahre später begingen diese Leute, die täglich ein Bad nahmen und im Zylinderhut zur Kirche gingen, Grausamkeiten in einem Ausmaß, das sich die umnachteten Afrikaner und Asiaten nie hatten träumen lassen.“
Aldous Huxley, Dreissig Jahre danach, S. 45.
@ weissgarnix #119
Was wird das? Eine Unterscheidung nach ‘raffendem’ und ’schaffendem’ Kapital hatten wir schon mal…
@WGN
Wenn Du ein neues Steuersystem forderst, wie sähe dieses denn in Deinen Augen aus?
Wenn Du gegen Staatsanleihen usw. bist, wie sollen dann Kapital.Lebensversicherungen – also die kap. gedeckte Rente – organisiert werden?
@wgnX
“Fatal hingegen ist das leistungslose Rentierseinkommen, insbesondere aus “sicheren” Staatsanleihen. Die liegen aber zumeist nicht bei den “Reichen”, sondern ganz überwiegend bei Pensionsfonds und Lebensversicherungen. Und die werden wiederum von der breiten Allgemeinheit gehalten, nicht bloß den “Reichen”.”
=> … Mensch, Mensch, Mensch, Mensch, … , Mensch, @weissgarnix !!!
=> … willst du uns jetzt die armen Sheeple-Säue, die die von der Arbeiterverräterpartei in die Stillhalter-Position von Riester- und Rürup-Verträgen gelockt haben, als keynesianische Rentiers-Volksschädlinge verkaufen, die die Wirtschaft “kaputtsparen” ???
=> … weissgarnix, mein Freund, meinst du nicht, es wäre gut, wenn du mal wieder ein paar Wochen Urlaub auf Madeira machen würdest, mit der Familie ? Dem Berufsstress deines knallharten 16h-Manager-Arbeitsalltages entkommen ? Mal wieder Entspannen? Und wieder zur Besinnung kommen ?
Retroliberale Grüsse,
~ hg ~
@Systemfrager
Natürlich ist es denkbar, dass die „latente Gewalt in den Strukturen“ zur manifesten wird.
Aber ist dies hier für die nächste Zeit wahrscheinlich?
Möglich ist, dass Unruhen „von oben“ durch Agent Provocateurs ausgelöst werden, wenn dies bestimmte Kräfte wollen.
Vgl. die Diskussion
http://www.weissgarnix.de/2009/04/24/legitimationsverlust-und-soziale-unruhen/
@Logik-Ratio
>Wenn Du ein neues Steuersystem forderst, wie sähe dieses denn in Deinen Augen aus?
Ich würde vermutlich alle Steuern und Abgaben abschaffen, bis auf eine Einkommenssteuer und eine ertragsabhängige Vermögens- und Erbschaftssteuer.
>Wenn Du gegen Staatsanleihen usw. bist, wie sollen dann Kapital.Lebensversicherungen – also die kap. gedeckte Rente – organisiert werden?
Gar nicht. “Kapitaldeckung” ist aus aggregierter Makro-Sicht absoluter Unsinn.
@Wat
>Was wird das? Eine Unterscheidung nach ‘raffendem’ und ’schaffendem’ Kapital hatten wir schon mal…
Und nicht nur das: in der langen Geschichte der Menschheit bereits dutzende Male. Adolf Hitler war nun bei Gott nicht der erste, der als “Schuldreformer” in Erscheinung trat.
@ weissgarnix # 119
–>Nur: umsomehr verlangt das Ganze nach einem Regulativ über eine angemessene Besteuerung; darauf läuft es für mich hinaus.”
Wer ist dafür prähistorischdestiniert, so etwas einzuführen? Cui bono? Et jibbet kenen mehr. Der dieses könnte.
That´s all there is. Nothing more.
–>Ich würde vermutlich alle Steuern und Abgaben abschaffen, bis auf eine Einkommenssteuer und eine ertragsabhängige Vermögens- und Erbschaftssteuer.”
ist doch ein Anfang, wenn nur alle, die ein Einkommen generieren, damit einverstanden wären. Die einen ziehts nach Monaco und die anderen eben nach Liechtenstein. Und das doofe Volk bleibt da, wo es muss.
Einkommenssteuer ist der größte Humbug den es gibt. Denn die die es sich leisten können, wohnen ja jetzt schon nicht mehr hier.
@holger
>Wer ist dafür prähistorischdestiniert, so etwas einzuführen?
Die Politik – wer sonst? Die wird gewählt. Und damit wird alles zu einer reinen Frage des Wählerwillens – so oder so.
@holger
>Einkommenssteuer ist der größte Humbug den es gibt. Denn die die es sich leisten können, wohnen ja jetzt schon nicht mehr hier.
Das ist ja nicht viel mehr als ein Gestaltungsproblem. Das übrigens auch jetzt schon gelöst ist. Versuch mal als Besitzer von in Deutschland gelegenem Betriebsvermögen ins Ausland auszuwandern – da wirst du aber dein schönes blaues Wunder erleben.
Meinungsmanagement – Manipulation Pawlowsche Hunde
Wachstumszwang durch das Geldsystem
alles kein Thema (na klar, wie auch – siehe Zeile 1)
… möge die kommende “Problemlösung” ein Gütiger und Humaner “Meister” sein
für den Weg – ein klein wenig Goethe
http://www.youtube.com/watch?v=zIBzUxdTAhk
… schöne Tage
“Die Politik – wer sonst? Die wird gewählt. Und damit wird alles zu einer reinen Frage des Wählerwillens – so oder so.”
=> … jetzt wird’s aber gemeingefährlich …
@ weissgarnix # 131
–>Die Politik – wer sonst? Die wird gewählt. Und damit wird alles zu einer reinen Frage des Wählerwillens – so oder so.”
das hatte wir ja schon, irgendwo bei der Diskussion um BTW.
–>Das ist ja nicht viel mehr als ein Gestaltungsproblem.
Da beißen sich die Gelehrten, in Verbindung mit der nicht veränderbaren Fiskalisch-Monetären “Politik” schon seit Jahrtausenden den Zahn aus.
“nicht viel mehr”! natürlich, man könnte es einfacher haben, nur dann würden nicht soviele Bücher verkauft werden können. Es könnte vieles einfacher sein. Ist nur die Frage ob man es will.
Die Kunst besteht darin, einfache Dinge zu verkomplizieren, um dann über die Empirie und Theorien, die Einfachheit, zu erfinden.
Und dafür gibts dann den Nobelpreis.
“Koalitionskompromiss: Getrennte Mehrwertsteuer für Bett und Frühstück”
=> … DEMOCRAZY … works !
@Frankie Bernankie
“Hat doch eine gute Seite – ein Teil davon dient der Verzinsung meiner Ersparnisse.”
Ob Sie dabei ein gutes Geschäft machen, ist noch fraglich, denn um Zinsgewinne zu erwirtschaften müssen Sie ein reichlich großes Vermögen haben. Ansonsten geraten Sie in die Miesen, denn die Zinsen sind in allen möglichen Dingen eingepreist:
http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/geldsyndrom/pdf/gs.pdf
Auch das System von wgn überzeugt mich irgendwie nicht. Was soll es bringen, den Reichen Zinsgewinne zu gestatten, die man sich dann nachher mühsam über Abgeltungssteuern wieder zurückholen muss.
@weissgarnix #119
„Ich sehe DIE Reichen nicht pauschal in der Täterrolle: Wer tatsächlich sein Vermögen in einem produktiven Betrieb stecken hat …“
Natürlich macht es keinen Sinn, undifferenziert von DEN Reichen zu reden.
Ein Blick in den verlinkten Artikel hätte gezeigt, dass es Krysmanski gerade darum geht, den neuen Typus von kapitalistischer Weltherrschaft darzustellen, und zwar soziologisch differenziert, basierend auf der „Power Structure Research“.
Dazu einige Zitate aus Texten von Krysmanski:
„„Es geht um die globale Rolle jener kleinen Gruppe von wenigen tausend “ultra-high-net-worth individuals”, die zusammen über mehr Geldmittel verfügen als die unteren vier Fünftel der Weltbevölkerung.
…
Der innere Ring ist der Ring der Geldmacht, bestehend aus der Gruppe der Superreichen. Über Mikro-Netzwerke, über ‘Philanthropie’ und über die Machtmaschine des Stiftungswesens übt diese Gruppe auf alle (auch die abseitigen) Bereiche des gesellschaftlichen und weltgesellschaftlichen Lebens einen enormen Einfluss aus. Diese neue Form des Gottesgnadentums steht, was seine gesellschaftliche Funktionsweise angeht, oberhalb der üblichen Kapitalverwertungsprozesse, kann nicht bestimmten “Kapitalfraktionen” zugeordnet werden und ist vornehmlich mit transkapitalistischen Formen der “Kapitalvernichtung” zwecks Verhinderung von Machtkonkurrenz beschäftigt.“
„Herrschende Klasse Revisited“ (2007)
http://www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/archiv/xxinfo/h057s008.html
„”Lässt man einmal”, schreibt Henwood, „die Frage beiseite, wo sie ihren Hauptwohnsitz haben (Bahamas, Cayman Islands, Europa), verfügt das reichste halbe Prozent der U.S. Bevölkerung über einen größeren Anteil am nationalen Reichtum als die unteren 90 Prozent, und die reichsten 10 Prozent verfügen über dreiviertel des gesamten Reichtums. Und mit diesem Reichtum geht außerordentliche soziale Macht einher – die Macht, Politiker, Publizisten und Professoren einzukaufen, die Macht, die Politik des Gemeinwesens ebenso wie die Politik der Konzerne zu diktieren.”
…
Wer aber sind nun konkret die hinter diesem Geld-Macht-Komplex stehenden Reichen und Superreichen, deren Taschen durch jene Gewinnoperationen gefüllt werden? Es ist eine bunte Gesellschaft, an deren Spitze wir – beispielsweise in Europa – folgende Gruppen unterscheiden können: 1) den über Generationen vererbten, dynastischen Reichtum – die alten reichen Familien; 2) den teilweise immer noch potenten Adel; 3) den mittels technischer, finanzieller und konsumstrategischer Innovationen zusammengerafften Neureichtum – Discounter-Könige, Software-Erfinder, Spekulanten; 4) die durch korrupte Privatisierungspraktiken hochgekommenen Oligarchen – in Russland, aber inzwischen auch in anderen osteuropäischen Ländern; 5) Mafia-Milliardäre – wie Silvio Berlusconi. Darunter gibt es eine breite Basis der – wie Doug Henwood sie nennt – ‚Klasse der Reichen’.
Nach dem Weltreichtumsbericht 2006 von Merrill Lynch stieg im Jahre 2005 das Gesamtvermögen der sogenannten High Net Worth Individuals (HNWIs) auf 33 Billionen – also 33 tausend Milliarden Dollar. Im Jahre 2010 werden es 44 Billionen Dollar sein. HNWIs sind Personen mit einem jeweils frei verfügbaren Netto-Geldvermögen von mindestens 1 Million Dollar. Im Jahr 2005 betrug die Zahl solcher HNWIs 8,7 Millionen Personen weltweit. Aber es gibt ja auch noch die Ultra High Net Worth Individuals (UHWNIs), die über Netto-Geldvermögen von mehr als 30 Millionen Dollar verfügen. Von ihnen gab es in der gleichen Zeit 85 400 Personen weltweit. Und die Zahl der europäischen Ultra-HNWIs – wie gesagt, mit einem frei verfügbaren Geldvermögen von mehr als 30 Mill. Dollar – betrug etwa 17 000 Personen. Wie diese Personen zusammenwirken, ist weitgehend unerforscht. Aber dass sie zusammenwirken, sich vernetzen, ist sicher!
…
Unter den reichsten hundert Europäern sind mindestens zwanzig russische ‚Oligarchen’. Bei ihnen und Milliardären wie Silvio Berlusconi (Rang 16, 9,3 Mrd. Euro) sind Verbindungen zum organisierten Verbrechen hochwahrscheinlich. Außer dem Duke of Westminster (Rang 14, 9,7 Mrd. Euro) und dem Prinzen Hans-Adam von Liechtenstein (Rang 58, 4,6 Mrd. Euro) finden sich kaum Aristokraten auf der hunderter Liste. Das liegt daran, dass gerade alte, gewachsene Vermögen sozusagen in den Kellern der Geschichte verborgen werden können.
…
Und so sind wir wieder in Heiligendamm. Die Superreichen, welche die neoliberale Privatisierungsstrategie zu den neuen Herren der Welt macht, lassen hier ihre Politik machen. Nun gut. Spitzenpolitiker wie der französische Präsident und die deutsche Bundeskanzlerin haben ein Jahreseinkommen von allenfalls 200 000 Euro, Spitzen-Chefredakteure wie Stefan Aust oder ein ordentlicher Bankdirektor kommen schon auf 400 000 Euro, Dieter Zetsche von Daimler verdient 6,5 Mill. Euro, doch schon die Familie Quandt heimst , wie gesagt, insgesamt 300 Mill. im Jahr ein – und ein amerikanischer Hedge-Fond Manager kam 2006, wie wir hörten, auf 1,7 Mrd. Dollar …
Niemand kann behaupten, dass solche enormen Geldmittel noch in den Luxuskonsum fließen können. Sie werden in politische, kulturelle und soziale Macht umgewandelt. Geld regiert die Welt, und damit regieren die Geldreichen, die Geldmächtigen. Schaut euch den beginnenden amerikanischen Wahlkampf an.
In Heiligendamm aber trifft sich also eine politische Elite, die weitgehend zur Dienstklasse des Geldadels geworden ist. Man erkennt sie daran, dass sie alle mal gern übers Wochenende auf der Yacht eines Milliardärs verschwinden. Man weiß das nicht nur von Sarkozy, von EU-Kommissionspräsident Barroso, von Putin, Blair und Bush – auch Angela Merkel trifft sich gern mit zwei Milliardärinnen, die aus dem Stande der Lieblingssekretärin des Chefs in diese Höhen des Ultra-Nettowerts aufgestiegen sind: Liz Mohn und Heide Springer – beide Repräsentantinnen geldgetriebener Medien- und Kulturmacht.
…
Die Superreichen haben seit den Fünfziger Jahren in den USA und nun auch weltweit gelernt, wie sie in einer immer komplexeren Welt der Massenmedien, des Aktieneigentums, der Werbung, des Massenkonsums sowie eines zeitweise robusten Selbstbewusstseins der Mittelschichten ihren Einfluss bewahren und mehren können. Sie schufen sich immer neue Instrumente, Institutionen, Think Tanks, Stiftungen, informelle Kreise zur Befriedigung ihrer Aspirationen. Und sie hieven regelmäßig Domestiken des Geld-Macht-Komplexes wie beispielweise Horst Köhler, den früheren geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds, in höchste politische Ämter.
Das ist kapitalismusbasierte Refeudalisierung auf hohem finanztechnischen Niveau.
…
Die herkömmlichen politischen Systeme als solche werden immer bedeutungsloser. Der Geldadel verselbständigt sich, er beginnt im wahrsten Sinne des Wortes auf eigene Faust zu operieren. Er beschäftigt Privatpolizeien und Söldnerheere. Weitestgehend unkontrolliert verschiebt und akkumuliert diese Schicht riesige Geldmengen und verwandelt sie in Macht. Dies alles geschieht unter der Fahne der Liberalisierung und Deregulierung.“
Krysmanski: Die Reichen von Heiligendamm (2007)
http://www.linksnet.de/linkslog/index.php?itemid=552
@weissgarnix #119
„Fatal hingegen ist das leistungslose Rentierseinkommen, insbesondere aus “sicheren” Staatsanleihen. Die liegen aber zumeist nicht bei den “Reichen”, sondern ganz überwiegend bei Pensionsfonds und Lebensversicherungen. Und die werden wiederum von der breiten Allgemeinheit gehalten, nicht bloß den “Reichen”.“
Ob die leistungslose Rentierseinkommen – rein quantitativ betrachtet – „überwiegend bei Pensionsfonds und Lebensversicherungen“ liegen, ist aus soziologischer Perspektive sekundär.
Entscheidend ist jener „Mechanismus“, der die (Super-)Reichen immer reicher und damit immer mächtiger macht.
Hierzu Krysmanski:
„Die Finanzmärkte erfüllen in diesem Kontext ihre angebliche Aufgabe, die Ersparnisse der Gesellschaft in Richtung der besten Investitionen zu lenken, nur kümmerlich. Das globale Finanzsystem ist extrem teuer, gibt falsche Signale zur Lenkung der Kapitalströme und hat weniger mit wirklicher Investitionstätigkeit als mit der Konzentrierung von Reichtum zu tun.
Der Mechanismus ist einfach. “Mithilfe staatlicher Verschuldung werden Einkommen von unten, von den einfachen Steuerzahlern, nach oben, zu den reichen bond-holders, verschoben. Statt die Reichen zu besteuern, leiht die Regierung von ihnen, und bezahlt für dieses Privileg auch noch Zinsen.
Auch die Konsumentenkredite bereichern die Reichen. Wer bei stagnierenden Löhnen und Gehältern seine VISA-Karte benutzt, um über die Runden zu kommen, füllt mit jeder Monatsrate die Brieftaschen der Gläubiger im Hintergrund. Unternehmen des produktiven Sektors zahlen ihren Aktionären Milliarden an jährlichen Dividenden, statt ins Geschäft zu investieren.
Kein Wunder also, dass der Reichtum sich auf spektakuläre Weise immer mehr ganz oben zusammenballt.” (Henwood 1997, 4)“ [Hervorh. d. HAM]
http://www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/archiv/xxinfo/h057s008.html
“Der Geldadel verselbständigt sich, er beginnt im wahrsten Sinne des Wortes auf eigene Faust zu operieren. Er beschäftigt Privatpolizeien und Söldnerheere”
Wo? Der letzte Superreiche, der ein Söldnerheer anheuerte, war der Fugger – und seine Söldner verteidigten Wien gegen die Türken. Danach wurde dann der Türkenpfennig als Steuer eingeführt und Söldnerheere überflüssig.
Und das war schon so ziemlich das einzig überprüfbare in Deinem Zitat… Im Film haben die Illuminaten immer Gegner, gibt es immer zwei Geheimsekten. Hier haben wir nur die unterstellte Geheimsekte der Superreichen – monokausale Erklärungen sind immer unbefriedigend, manichäische sind mindestens tröstlich…
Auf der internationalen Bankenkonferenz in Paris wurde 1913 verkündet: “Die Stunde hat geschlagen für die Hochfinanz, öffentlich ihre Gesetze für die Welt zu diktieren, wie sie es bisher im
Verborgenen getan hat … Die Hochfinanz ist berufen, die Nachfolge der Kaiserreiche und Königtümer anzutreten, mit einer Autorität, die sich nicht nur über ein Land, sondern über den ganzen Erdball
erstreckt. ” (Zitiert nach “Überstaatliche Machtpolitik im 20. Jahrhundert”, S. 211)
Lukas 19,27: “Doch jene meine Feinde, die nicht wollen, daß ich über sie herrsche, erwürget sie vor mir.”
http://widerhall.de/46wh-wei.htm
Frankie Bernakie #56
“Die BRD macht keinen “Gewinn” , weil es ein Staat ist, und was ein Staat ist , weisst Du?” Kooorrrekt…!!!
Das ist auch der Grund warum der STAAT KEINE ZINSEN ZAHLEN SOLLTE!!! Denn dies ist der größte anzunehmende Schwachsinn!
Der Staat darf keinen Gewinn machen. Er hat ausschließlich
hoheitliche Aufgaben. Warum muß er Zinsen zahlen? Warum muß
er überhaupt etwas zurückzahlen? Er sollte selbst Geld schöpfen
dürfen! Und zwar das was benötigt wird, für alle öffentlichen
Ausgaben. Dann wäre der Staat nämlich auch nicht mehr erpressbar
von unseren “Eliten”. Er könnte jederzeit die Konjunktur ankurbeln
sollten gewisse vorher klar definierte Parameter unterschritten
werden. Es geht darum den Staat aus den Fängen der Zocker und
des Kapitals zu befreien. Aber das wäre natürlich der größte
anzunehmende Unfall für Bankster und angeschlossene Interessen!
Das momentane System stopft Banken und das Kapital! Und zwar
in etwa so wie eine fette Gans gestopft wird…
Sonst aber auch garnix…hat sich einer einmal vor langer Zeit
genial ausgedacht..:)
@ wgx #119
< Ich stimme übrigens allen zu, die da meinen, die seit den 70ern stark steigende Staatsverschuldung im Zuge der Ausdehnung der Wohlfahrtsstaaten habe den Finanzsektor erst zu dem gemacht, was er heute ist, inklusive Private Equity, Hedge Fonds, Derivate usw. <
auf welchem neoliberalen trip bist Du denn heute?!?
der Commodities Futures Modernization Act von GW Bush oder die Deregulierungsorgie von rot-grün mit der Genehmigung von Zweckgesellschaften zur Auslagerung von Giftmüll oder die Steuerbefreiung von Veräußerungsgewinnen beim Verkauf von Unternehmen etc hat's gegeben weil die Staatsverschuldung stieg?
man, denk erst mal nach, bevor Du in die Tasten haust
Die aktuelle Finanzkrise zeigt sehr gut, wer die Macht hat, wer bestimmt. Es sind die Schöpfer des Geldes, die den Politikern sagen, wo es langgeht, wo frei entschieden werden kann und mit welchen Themen sich die Volksvertreter besser nicht beschäftigen
sollten.
Wer sich als Staat systemkonform verhält, darf sich dafür beliebig hoch und auch preiswert bei den Banken verschulden. Wer an den „Grundfesten“ rütteln oder gar die Herren des Geldes in die Schranken weisen will, hat kaum eine politische Überlebenschance. Denn wenn die Banken nicht mitspielen, ist keine Regierung handlungsfähig.
Solange der Geldschöpfungs- und damit auch Umverteilungsmechanismus von unten nach oben intakt ist – und vom Volk kaum begriffen wird –, ist eine adäquate Auseinandersetzung mit dieser Problematik gar nicht möglich, kann sich daher auch nichts ändern. Von den gewählten Volksvertretern ist übrigens keine Hilfe oder Aufklärung zu erwarten. Die Handlanger des Systems haben es sich bereits zu bequem gemacht, um dieses größte Problem unserer westlichen Gesellschaft wirklich ernsthaft und vor allem gemeinsam in Angriff zu nehmen.
http://www.investor-verlag.de/die-welt-gehoert-den-investment-banken-teil-1-von-2/104050914/
@hacedeca #140
„Söldner gab es wohl schon immer. Bereits in der Antike kämpften Soldaten für Geld. Im Irak ist vor allem die amerikanische Söldnerfirma Blackwater Worldwide tätig.“
http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=3179496/606ya3/index.html
“Blackwater: Eine Firma für die Drecksarbeit
Das private US-Unternehmen Blackwater hat sich zum weltweit agierenden Söldnerkonzern entwickelt – mit fragwürdigen Methoden.”
http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Blackwater-USA-Soeldner;art123,2881356
“Ein privates Sicherheits- und Militärunternehmen ist ein Wirtschaftsunternehmen, das von einem Staat oder einem Unternehmen beauftragt wird, in Kriegs- oder Krisengebieten militärische Aufgaben zu erfüllen.”
Unternehmen nach Ländern
Vereinigte Staaten von Amerika
• 3D Global Solutions
• Airscan Inc.
• American Security Group
• AQMI Strategy Corp
• Bechtel Corporation
• Blackwater Worldwide
• Blue Sky Corporation
• BriarThorn WorldGroup
• CACI International Inc.
• Combat Support Associates
• Crescent Security Group
• Cubic Defense Applications
• Custer Battles
• Defence Security
• DynCorp
• EOD Technology
• Fluor Corporation
• Group H3
• GlobalEnforce, Inc.
• Global Security Services
• Golan Group
• Gryphon Group
• HSS-International
• ICI of Oregon
• Kellogg, Brown and Root
• Kroll, Inc.
• Military Professional Resources (MPRI)
• MVM Inc.
• SCG International Risk
• Select Armor Inc.
• Spartan Consulting Group
• Special Operations Consulting Security Management Group (SOC-SMG)
• Steele Foundation
• Titan Corporation, von L-3 Communications übernommen
• Triple Canopy
• Vinnell, Tochtergesellschaft von Northrop Grumman
Großbritannien
• Aegis Defence Services
• AKE Group
• Armor Group
• Centurion Risk Assessment Services Ltd.
• Control Risk Group
• Edinburgh International
• Erinys International
• Genric
• Global Strategies Group
• Gurkha Security Guards
• Hart Security Limited
• Pilgrim Elite
• Rubicon International Services Ltd
• Saladin Group
• Sandline International
• Saracen International
• TOR International
Israel
• Beni Tal International Security
• Instinctive Shooting International
• International Security & Defence Systems
• Levdan
Frankreich
• Barril Securité
• GEOS
• EHC Group
Südafrika
• Executive Outcomes
• Meteoric Tactical Solutions
• Omega Security Solutions
Deutschland
• Asgaard German Security Group
• Praetoria
• Praesidia Defence
Sonstige
• ALGIZ Services, Deutschland-Großbritannien
• Alpha, Russland
• Alpha Confidential, Südafrika-Großbritannien,
• CAG Internacional S.A., Panama
• Defion Internacional, Peru-Mexiko
• Hill and Associates, Hong Kong
• HSS-H3 Base Switzerland, Schweiz
• Hudson Trident Ltd., USA-Großbritannien
• Omega Group, Norwegen
• Sharp End International,
• Spearhead Ltd, Israel-Großbritannien
http://de.wikipedia.org/wiki/Privates_Sicherheits-_und_Milit%C3%A4runternehmen
@ wisi # 98
Ihr Beitrag belegt, warum der Satz „Die deutsche Staatsschuld ist eine der größten Nebensächlichkeiten der Welt” DEMAGOGISCHE Qualität hat (auch wenn diese unbeabsichtigt gewesen sein sollte, als er geschrieben wurde).
>Gemessen an Steuereinnahmen und Gesamtausgaben wurden die Investitionen laufend verringert …
…. die jährlichen Neukreditaufnahmen stellten praktisch nur einen durchlaufenden Posten vom Kapitalmarkt an den Kapitalmarkt dar! Sie waren also zu gar nichts nutze,
außer,
dass sie den Reichtum der Geldgeber im gleichen Billionenumfang erhöhten>
Damit stellen sich mir folgende Fragen:
Warum haben die reicher gewordenen Geldgeber des Staates NICHT die Investitionslücke geschlossen – das Geld dazu hatten sie ja?
Warum war und ist es so UNINTERESSANT in die hiesige Realwirtschaft zu investieren?
Liegt es an der – bis dato jedenfalls – SICHEREN Rendite von Staatsschulden, an der ATTRAKTION der Finanzmärkte oder ist die Realwirtschaft hierzulande per se so UNATTRAKTIV?
Zum Thema “Privatarmeen”
Peter W. Singer
“Die Kriegs AG´s”
… sehr erhellend
@Ham
Ja, aber diese Söldner, insbesondere Blackwater, werden doch nicht von den Superreichen angeheuert, sondern von Staaten, das ist schon ein Unterschied.
Die Staaten verteidigen ihr Gewaltmonopol und geben es nicht an die Superreichen ab [außer vielleicht in Afrika, aber da gibt es dann keine richtigen Staaten].
@hacedeca #147
„Ja, aber diese Söldner, insbesondere Blackwater, werden doch nicht von den Superreichen angeheuert, sondern von Staaten, das ist schon ein Unterschied.“
Wenn man den Artikel von Prof. Krysmanski liest, dann werden doch die Zusammenhänge ganz deutlich.
Diese Privatarmeen werden vom Staat – und hier meist von Geheimdiensten oder aus Geheimetats – bezahlt, aber im Interesse einer Oligarchie/Plutukratie eingesetzt, welche den Staat beherrscht.
Das ist doch der Witz an der Sache. Der Staat bezahlt, nicht ein Superreicher wie Fugger. Die Söldnerarmeen werden im Interesse dieser „ruling class“ eingesetzt, aber die Steuerzahler zahlen.
Die unklare rechtliche Stellung der Sicherheitsunternehmen kann von Auftraggeberseite auch als Vorteil privater Sicherheitsunternehmen angesehen werden. So operieren ihre Mitarbeiter in einer Grauzone des Kriegsvölkerrechts, an das reguläre Soldaten gebunden sind. Deshalb ist es ein häufig geäußerter Vorwurf gegenüber Staaten, die private Militärunternehmen einsetzen, dass sie damit gezielt das Kriegsvölkerrecht umgehen. Beispielsweise waren einige private Kämpfer, die 2007 im Auftrag des US-Außenministeriums im Irak eingesetzt waren, durch ihre Arbeitsverträge sowie Abkommen zwischen den USA und dem Irak sowohl vor kriegsvölkerrechtlicher als auch vor strafrechtlicher Verfolgung in beiden Ländern geschützt. Dies betraf vor allem Mitarbeiter von Blackwater. (wikipedia)
Aber auch Konzerne beschäftigen Söldner, als „Betriebsarmeen“, „Werksschutz“ etc., so werden Privatarmeen von Konzernen insbesondere auch für „Auslandseinsätze“ eingesetzt, so in Afrika oder Südamerika.
Auch Gazprom darf Privatarmee aufstellen:
Russische Staatskonzerne können ihr Eigentum ab sofort durch bewaffnete Verbände schützen lassen – das hat die Duma beschlossen. Offiziell soll es der Verhinderung von Anschlägen auf Pipelines dienen. Doch Kritiker sagen, dass nun die Entstehung eines “Staates im Staate” drohe.
http://www.welt.de/wirtschaft/article1002006/Gazprom_darf_Privatarmee_aufstellen.html
@ wsgn # 110
>Wenn der Staat seine Einnahmen proportional so dermaßen zurückschraubt, wie er es in den letzten Jahren getan hat, ist es kein Wunder, wenn er als volkswirtschaftlicher Sektor in einem Dauerdefizit landet>
Da der Staat die Steuer- oder die Abgabenquote gesenkt hat, also zugunsten der Wirtschaftssubjekte auf EINNAHEN verzichtet hat, d. h. bei gleichen bzw. steigenden Ausgaben die Differenz durch Verschuldung ausgleichen musste, haben wir ein DAUERDEFIZIT?
Das war NICHT der Fall!
Egal, wie die Abgabenquote – Kennzahl für den Anteil von Steuern und Sozialabgaben am BIP – berechnet wird (Bundesministerium der Finanzen, Bundesamt für Statistik, OECD, Deutsche Bundesbank alle etwas unterschiedlich) – die Abgabenquote hat sich von den 70er Jahren bis 2000 NICHT signifikant geändert – es gibt keine “Tendenz” hin zu Mindereinnahmen.
Wenn 2000 bis 2008 die “letzten Jahre” sein sollen – ja, da ist die Staatsquote etwas gefallen. Aber das hat NICHTS mit dem deutschen DAUERdefizit zu tun.
Der Staat hat auf lange Sicht NICHT auf Einnahmen verzichtet!
Man kann ja WOLLEN, das die privaten Haushalte mehr Steuern zahlen (auch weil die Steuerquote gefallen und die Abgabenquote gestiegen ist).
Man kann das aber nicht auf der Basis pauschal FALSCHER Tatsachenbehauptungen wollen.
# 115
>Wie bei allen anderen Einkommen stellt sich auch hier die Frage der Besteuerung – und warum ausgerechnet dieses Einkommen begünstigt besteuert werden soll, erscheint mir erklärungsbedürftig. Zumal es ziemlich offensichtlich kein “Leistungseinkommen” darstellt – daher womöglich sogar, nach aktueller politischer Leitkultur, mit einem Strafzuschlag belegt werden sollte.>
Wer sagt denn, dass 25% Besteuerung “begünstigt besteuert” heißen muss?
Das Problem ist vielmehr:
Auf Einkommen aus Kapitalerträgen – egal, ob aus Staatsanleihen oder Industrieanleihen – werden KEINE Abgaben erhoben.
Deshalb werden sie bevorzugt behandelt.
Frage: Warum sind Zinseinkommen keine Leistungseinkommen?
@ wsgn
- werden KEINE Abgaben erhoben, soll natürlich heißen keine Sozialabgaben erhoben.
A propos Amerika: Ron Paul ist seit 30 Jahren dabei, für Aufklärung über die Federal Reserve zu sorgen. Jetzt hat er nicht nur für neue Legislature gesorgt, sondern auch das Buch “End the Fed” rausgebracht. Mehr auf Englisch auf Fed under fire as public anger mounts
@Ham, #148
“Das ist doch der Witz an der Sache. Der Staat bezahlt, nicht ein Superreicher wie Fugger. Die Söldnerarmeen werden im Interesse dieser „ruling class“ eingesetzt, aber die Steuerzahler zahlen.”
Na ja, die “herrschende Klasse”… Wo ist dann der Unterschied zu den herkömmlichen Armeen, werden die nicht im Interesse der “ruling class” eingesetzt? Was ist mit den Lehrern, indoktrinieren die nicht im Interesse der “ruling class”? Und die staatliche Lotterie illusioniert doch auch im Interesse der “ruling class”, damit die Menschen nix gegen Reiche haben, weil sie hoffen, selbst bald dazu zu gehören… (Gab es eigentlich in der DDR eine Lotterie?
)
Die Denkfigur der “ruling class” erklärt alles und damit nix. Sie eröffnet aber durch ihre Behauptung der unverhüllten Klassenherrschaft den Weg zur Diktatur. Denn wenn die “ruling class” im Kapitalismus so dermassen offen und perfide ihre Interessen durchdrückt, kann es bei einer offenen Interessenherrschaft der Arbeiter nur besser werden, weil die ja hochmoralisch sind: Und dann gibt es wegen der Stalins wieder Tränen!
Aber zurück zu den Söldnerheeren: Die Amis dulden private Armeen eben nicht. Deshalb gibt es ja auch keine Ostindien-Company mit eigenen Truppen, die Indien beherrschen, oder modern Afrika. Diese Leerräume füllen dort die Chinesen. Die Amis sind ja im Irak und in Afghanistan gebunden.
Das war und ist ja gerade die Spezialität des amerikanischen Empires: Eben kein offener Kolonialismus, keine offene Willkür, kein “Herz aus Finsternis”! Das regelt man viel eleganter über Schulden, Freihandel und wenn es mal ernst wird, inszeniert der CIA einen Bürgerkrieg, oder eine bunte Revolution. Das Ganze gleich noch mit einer ordentlich Finanzierung, also späteren Schulden angereichert…
Man sehe sich doch die ehemaligen Feinde Amerikas an: Die Iraker haben Maliki, die Afghanen Karsai und die Deutschen Merkel
– alles selbstbestimmte Völker und anständige Demokratien und eben keine Kolonien!
@hacedeca
=> … kennst du @Talleyrands Zusammenfassung der modernen Scheindemokratie ?
http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=123831
=> … der VT-Teil war ja mit Abstand das beste am DGF !! Tja, schade drum !
https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1024868
Pefekt!
Wenn man den grünen Balken am Ende bei ~ 900 Mrd schätzt,
sind von den 1300 Mrd EUR Handelsbilanzüberschüssen 1999-2008 nur rund 400 Mrd in der Finanzkrise oder unter “Sonstiges” verschwunden!
Im übrigen darf ich mal frech behaupten die Aktivseite der Deutscher Auslandsvermögen ist eine unbekannte Größe
Das ist ungefähr so wie
Anzahl Morde = Anzahl gefundener Leichen
vs
Anzahl Morde = Anzahl verschwundener Personen
@ Ashitaka 106
Eine solche Verankerung ist leider unmöglich. Das Einkommensteuergesetz basiert leider auf dem Kerngedanken der Gewinn und Einnahmen/Überschuss-Besteuerung. Insoweit war die Abgeltungsteuer auch nur unter Berücksichtigung pauschaler Abschläge für Werbungskosten durchsetzbar.
Mit Staatsrechtlern diskutiert sichs immer am besten.
Kam das GG auf Steintafeln von einem Berg?
Oder wurde es von Halbgöttern geschrieben?
Offenbar nicht, sonst lebten wir nicht in dieser Geldschwemme.
(Wäre mal interessant: ein in der Welt eher kleines, in Europa größtes Land mit abweichender Währungspolitik, was wäre herausgekommen.)
A propos, @Halbgott.
Kann es sein, dass du deine währungspolitische Schelte der “Ökonomen” etwas ungleichmäßig verschenkst?
Oder ist deine Definition von Keynesianer umfänglicher als allgemein verwendete?
@ weissgarnix
Worauf ich hinauswill ist, dass die Binnenzinsausgaben des Staates insofern kein Problem darstellen, als er sie jederzeit durch Steuern neutralisieren kann. Durch welche Steuern er das genau macht, und in welcher individuellen Höhe, ist ja eine ganz andere Frage.
Weiter oben im Thread kam die eigentliche Problematik aber schon zur Sprache: Wir haben ziemlich offensichtlich kein Problem zu hoher Schulden, sondern zu niedriger Steuern.
Soweit Zustimmung;
wobei man dieMachtverhältnisse nicht gänzlich unberücksichtigt lassen darf (und die “Schuld” jetzt auf die Nicht-Reichen abzuschieben, omG!).
In deinem Steuersystem fehlt übrigens eine Vermögenssteuerkomponente.
Nach einem Währungsschnitt könnte man ev. darüner reden, im derzeitigen System ist diese unbedingt notwendig.
Eine recht geringe Vermögenssteuer hätte “uns” ja in den letzten Jahren schon Überschüsse beschert.
)
Dies wäre jetzt natürlich Makulatur; nein, nicht unbedingt wegen der Krise, sondern wegen regierlicher Steuerungskunst ohne gleichen (Quatsch, natürlich gab es die gleichen; die eiserne Lady und der Weltraumkrieger scheinen aber als Vorbilder nicht sehr zu taugen für unsere beiden
das argumentativ schwächste was ich hier jemals gelesen habe. Narkt- bzw. ‘depot’psychologisch’ lese ich da Verzweiflung heraus: die Verzweiflung zwar die Zeichen der Zeit erkannt, sie aber falsch gedeutet und nicht danach gehandelzt zu haben.
Hat Weissgarnix garnix Gold gekauft? Und will deshalb jetzt so tun als seien die die das gemacht haben doof ? Wie ist der Ravioli-Dosen-Spruch sonst zu bewerten?
@weissgarnix
Ich bin verblüfft über Deinen Standpunkt zur inländsichen Staatsverschuldung (Dass die ausländische nicht das Problem ist, geschenkt). Ich dachte immer, Du könntest Paul C. Martins Gedanken aus den 80ern etwas abgewinnen?
Deiner Meinung nach ist die inländische Staatsverschuldung ist unwesentlich, ein kleines Verteilungsproblem, das man ohne größere Probleme schnell lösen könnte. Da bin ich sehr skeptisch:
Wenn sich der Staat bei seinen Bürgern 1 Billion € leiht, die dann sofort ausgibt, die also über Transferzahlungen und Investitionen etc. sofort wieder an die Bevölkerung zurückfließen lässt, die zudem noch die 1 Billion an Forderungen an den Staat an Titeln bei der Bank liegen hat. Dann hat sich das Privatvermögen , heureka, um 1 Billion erhöht,. Irgendwann allerdings muss das nur scheinbare Vermögen an Staatstiteln bei der Bevölkerung wieder gestrichen werden, sei es durch Staatsbankrott oder durch Rückzahlung über Steuern, macht im Prinzip gar keinen Unterschied. (lassen wir die Verteilungswirkungen und die politischen Wahrscheinlichkeit mal beiseite).
Konsequenz: Die Bevölkerung muss zwecks Ermittlung Ihrer Nettoposition ihr Vermögen um die inländischen Staatsschulden und gesetzlichen Rentenansprüche etc.bereinigen. Wieviel macht das?…1,5 Billionen … vielleicht etwas weniger wegen der ausländischen Staatsschulden…? Jedenfalls eine Menge. Und das ist schon ein Problem, finde ich. Wie solvent bleiben die Privaten, wenn man diese Summe streicht? Die Staatsverschuldung macht vor allem eines. Sie verschleiert die Nettovermögensposition der Privaten, da die Bevölkerung sich das Geld ja selbst schuldet.
Spricht nicht einiges dafür, dass eine die Vermögensschere mit der Staatsverschuldung wächst? PCM zufolge wächst auch die Arbeitslosigkeit mit der Staatsverschuldung. Kann man sicher drüber diskutieren. Da hat sich PCM ja ausgiebig ausgelassen.
Fazit: Ich finde, Du bagatellisierst hier das Problem der inländischen Staatsverschuldung.
Meinst du zur Vermeidung kognitiver Dissonanz?
Aber die schlägt irgendwann zu (was den Raucher allerdings auch nicht stört, bis er verraucht).
Oder traut sich wgnx zu, die Märkte zu bewegen?
Das glaube ich nicht: jeder weiß doch, dass eingefleischte Goldies sich durch Argumente, und wären sie noch so gut, nicht von ihrer Überzeugung abgehen.
vergessen: 160 an 158
@ Feedback Loop
die lösung ist denkbar einfach:
wenn staatsschulden kein problem sind und die verteilungsfrage entscheidend ist: einfach geld drucken und jedem etwas geben. gleichmäßig. ich denke, 1 Mio. € sollte für jeden am anfang reichen.
wir wären alle millonäre. die staatsschulden… ach, vergesst die stattsschulden.
bekomme ich den nobelpreis?
Staatsschulden: Reich und arm nebeneinander
Staatsschulden machen Reiche reicher und Arme ärmer.
Sie sind ein Mittel der Umverteilung.
Nicht WGN erklärt es, sondern Doug Henwood, ein linker New Yorker Wall Street Broker:
„Eine der schönsten und klügsten Analysen der hegemonialen Funktionen des geldheckenden Finanzsystems stammt von dem linken New Yorker Wall Street Broker – das gibt es! – Doug Henwood. Er bezieht sich zwar auf die USA, meint aber die ganze Welt. Einerseits, so Henwood, erfüllt das U.S. Finanzsystem seine angebliche Aufgabe, die Ersparnisse der Gesellschaft in Richtung der besten Investitionen zu lenken, nur höchst kümmerlich. Das System ist wahnsinnig teuer, gibt falsche Signale zur Lenkung der Kapitalströme und hat kaum etwas mit wirklicher Investitionstätigkeit zu tun. Auf der anderen Seite aber macht der Finanzmarkt eines sehr gut: er bewirkt die Konzentration von Reichtum. Der Mechanismus ist einfach: mithilfe staatlicher Verschuldung werden Einkommen von unten, von den einfachen Steuerzahlern, nach oben, zu den reichen Inhabern von Wertpapieren, verschoben. Statt die Reichen zu besteuern, borgt die Regierung von ihnen, und bezahlt für dieses Privileg auch noch Zinsen.“ (Krysmanski)
Wenn ich das alles so lese, dann kommt es mir vor, als ob es hier um die Verteilung von Hirn geht…nämlich bei den Beteiligten.
oh, verteile bitte, göttliche Ulla!
Ergänzung zu #163:
„Staatsschulden machen Reiche reicher und Arme ärmer.
Sie sind ein Mittel der Umverteilung.“
Was ist mit den Mittelschichten?
Die Reichen sind die Profiteure der Staatsverschuldung.
Die Mittelschichten werden der große Verlierer bei der Staatsverschuldung sein.
Und die Unterschichten werden noch ärmer werden.
@wgnx
> Es bedarf dafür lediglich eines einzigen Satzes in einem Bundesgesetzblatt: “Die Einkommenssteuer auf Zinserträge aus Bundesobligationen und ähnlichen Schulden der öffentlichen Hand beträgt 100% und wird an der Quelle erhoben.”
Danke für den! Nur logisch – wenn deutsche Gesetze jetzt international gelten, dann gefälligst auch deutsche Steuern!
@topi
Heyyy… unsere Politik darf ja wohl glauben, was sie will. Gott (CDU) oder Servietten (FDP) – alles gleich (bzw. isomorph).
Oh, bevor ich mich an Isometrisch vs. Isomorph zurückerinnere oder gar noch die Isometrische Isomorphie auftaucht, hole ich mir was Isotonisches.
@Frankie Bernankie #50
Das würde eine saubere Darstellung bringen. Wenn der Staat in Zukunft Pensionsverpflichtungen hat, sollte er sie auch bilanzieren. Wobei wir gar nicht darüber diskutieren müssen, ob der Staat das machen sollte, denn er macht es schon. Nur sind diese Kassen nicht *ausreichend* gefüllt. Es gibt beim Staat ein ähnliches Loch wie bei den Unternehmen auch.
Ich mache diese Anmerkung, weil wgn anfängt beim Staatshaushalt ähnlich einer Bilanz zu denken und wgn “grob vereinfacht” sagt, dass die Inlandschulden quasi irrelevant sind, weil sich Vermögen von Privaten und Schulden vom Staat aufheben. IMHO muss man dann aber auch eine richtige Bilanz machen. Leider habe ich für den Bund (bis auf Hessen, Link siehe oben) keine aktuellen Zahlen bis auf diese hier (Stand aber Ende 2004)
824 Mrd. Schulden für den Bund
Und im Gesundheitssystem werden die zukünftigen Lasten sowieso nicht vernünftig bilanziert. Hier genau so wenig wie in den USA.
Das hatte ich hier ja auch schon ausführlich diskutiert und in Kommentar 98 übrigens dieselbe Statistik gebracht:
http://www.weissgarnix.de/2009/04/29/er-hat-zwar-nicht-mich-gemeint/#comments
Deinem Beitrag hätte ich ja fast völlig zugestimmt, aber – Verzeih mir die Wiederholung – du hast einfach ein Talent dafür den Ball aus 5 Metern 3 Meter übers Tor zu hauen. So auch diesmal wieder:
“Aber wie dem auch sei: Der nationale Anteil der Staatsschuld ist kein Solvenz- sondern ein reines Verteilungsproblem. Und der Auslandsanteil befindet sich tief im grünen Bereich. Da brennt garantiert nichts an.”
Aus dieser Sicht dürfte auch Japan mit 300% Staatsverschuldung kein Problem haben. Nur eine Sache vergisst du: Die Assetseite ist marked-to-market. Wer sagt denn, dass die Aktien, Anleihen etc., die die Deutschen und Japaner im Ausland halten, wirklich so viel wert sind, wie die aktuellen Marktpreise vermuten lassen. In den Preisen stecken immer Erwartungen drin und diese können sich als verdammt falsch herausstellen. Und ich verrate dir eines: Japan ist de facto insolvent! Jepp, you heard it here first.
In dem Moment, wo Japan das Problem der Staatsverschuldung angeht, müssen Japaner ihre Anlagen im Ausland liquidieren, um ihren Konsum halbwegs zu halten. Daraus würde eine weitere Aufwertung des ohnehin starken Yen erfolgen. Sehr zum Leidwesen des japanischen Exportsektors, an dem seit dem Crash in den 90ern quasi die gesamte japanische Wirtschaft hängt. Das träfe Beschäftigung, inländischen Konsum und weitere Assets müssten liquidiert werden. Weil das Ausland inzwischen selbst zu hoch verschuldet ist und die Leitzinsen historisch niedrig sind, könnte es den Verfall der Assetpreise nicht mehr stoppen und das große internationale Leveraging der vergangenen zwei Dekaden käme zu einem lehrbuchhaften Ende. Schuldenabbau sollte daher in der Tat nicht zur Diskussion stehen, dennoch sind die Schulden ein Problem und werden unvermeidlich zum Staatsbankrott und dem großen Knall führen.
Naja, vlt lässt China ja den Yuan aufwerten, haut die Dollarreserven raus und übernimmt die Rolle des großen internationalen Schulders. Dann haben wir zumindest die Chance auf 10-20 weitere schöne Jahre.
@ soffi 162
Nein, weil der Nobelpreis für die Ökonomie mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen nichts, aber gar nichts zu tun hat !!!!
Hier liegst du falsch – der Rest ist (im Großen und Ganzen) richtig. Man muss heute nur bessere Techniken finden, damit die Inflation nicht aus der Kontrolle geriet
Während der Großen Inflation ist die deutsche Wirtschaft am stärksten gewachsen in der Weimarer Zeit – erst Adolf war erfolgreicher (auch ohne Inflation)
Carl-Ludwig Holtfrerich thematisiert das, ich beziehe mich auf ihn hier
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ca/30p/ca30p.php?df_name=caDF30&tbch=ca&schp=rnachfrE&ordner=30p
Was macht man mit Problemen, die einem zu groß erscheinen? Beliebte Strategie in letzter Zeit: Nicht lösen, sondern leugnen. Und so gibt es jetzt nicht nur keinen Krieg in Afghanistan und auch keinen Klimawandel, auch die Staatsverschuldung ist schlicht nicht-existent. Problem aus der Welt geschafft, und jetzt lasst uns alle kuscheln!
Nochmal im Klartext: Ich halte das Geschreibsel hier für absoluten Blödsinn. Selbst wenn wir lemmings guten Einwurf eingangs einmal vollkommen ignorieren; Rückforderungen sind nur dann möglich, wenn der Schuldner auch zahlungsfähig ist. Und das ist bei vielen Ländern schlichtweg nicht der Fall. Den möchte ich sehen, der dieser Tage einmal zum Schuldeneintreiben nach Island, Zimbabwe, Birma oder Nicaragua geht, um dort dem sprichwörtlichen, nackten Mann in die Tasche zu langen. Langfristig wird es auf viele weitere Schuldenerlasse hinauslaufen, wie wir sie in den vergangenen Jahren schon für Afrika gesehen haben. Und dann erzähle mir nochmal ein Traumtänzer was vom Verlauf der grünen Kurve…
Allerdings: auch wenn man die Milliarden von Zahlungsunfähigen Schuldnern weglässt, ergibt sich aus dem Außenbeitrag kein großes Problem.
Die gesamten Verbindlichkeiten sind 410 Mrd, ein Teil der Forderungen wird wohl auch der größte Pessimist nicht abschreiben.
So lange der Euro also nicht völlig verfällt, sind auch die Außenschulden kein Problem.
Und selbst wenn, müssten auch die deutschen Produkte verfallen.
Deutsche Ausfuhren 2008 etwa eine Billion Euro.
Es ist vieles denkbar, ein deutsches Problem wegen Auslandsverschuldung jedoch zählt zu den unwahrscheinlichsten Dingen.
Egghat #170
“Es gibt beim Staat ein ähnliches Loch wie bei den Unternehmen auch.”
Jaja die pösen,pösen Löcher. Vor allem die Schwarzen durch die das viele Geld einfach so..schwupp die wupp verschwindet…
Äh mal vollblöd gefragt: Wo ists hin das liebe Geld, der Gott der
Götter? Im Orkus verschwunden? Oder gibt es Gründe für die
vielen vielen Löcher?
Es gibt sie die Gründe man ahnte es schon, denn Volksvermögen
löst sich nur sehr selten wirklich auf. Das Geld spielt nur ein
bisschen Verstecken. Es will nur spielen..und zwar an Plätzen an
die ihr nicht eingeladen werdet…!
Schauet ihr Lieben und Treuen zu den einzig wichtigen Plätzen
auf dieser Erde! Schauet hin zu den Finanzplätzen wo geblasen
wird, dass sich die Balken biegen. Die Haie lächeln euch an und
fragen euch ob ihr auch ein bisschen spielen wollt. Sie stellen
euch ihre “Profi(t)spieler” vor, denen müsst ihr es nur
anvertrauen und glauben!!!
Es wird an alle gedacht werden, aber eben nur gedacht machet euch nichts vor…
Ja,ja diese vielen vielen Löcher Milliarden und Billionengroß.
Viele von ihnen werden immer erst nach Wahlen entdeckt, manche
die ganz tückischen, entdeckt man viel später und manche nie.
Der Staat ist bei unseren Geldeliten verschuldet bis zur Halskrause,
dass heißt wir alle, zumindest das gemeine Volk ist es! Der Staat,
Blödsinn natürlich die die wir in gutem Glauben gewählt haben,
( oder auch nicht..) schaufeln
seit einer Dekade den Reichen und den Banken das Geld durch
eine Steuersenkung nach der anderen, wobei die Senkungen viele
viele Gesichter haben, in den Schoß , nimmt bei eben diesen
durch den dadurch erlittenen Steuerausfall einen Kredit nach dem
anderen auf! Und zahlt dafür auch noch Zins und Zinsezins! Die
Banken erhalten die Garantie sich weiterhin die Milliarden ins
eigene Gärtchen zu schaufeln und verweigern ihre eigentliche
Aufgabe, weil die 25 Ackermann Prozente eben in der
Realwirtschaft nicht erzielbar sind. Nee zocken ist wesentlich
lukrativer!
Das Problem ist, das Geld ist nicht weg! Es ist nur nicht mehr dort
wo es eigentlich sein müsste. Und wenn unsere neue Hornissen
Koalition alles so verwirklicht wie es in deren Schmierblatt, vulgo
“Koalitionsvertrag” steht, dann wird der Schwund auf unserer
aller Seite ( STAAT) weitere Löcher von unvorstellbaren
Ausmaßen annehmen!
Ich weiß das Wachstum. Mit dem vielen Geld das immer mehr
Menschen in diesem Land der explodierenden Löhne und Gehälter
verdienen, befeuern wir unsere Binnenkonjunktur, das es eine
wahre Freude ist! Ich sehe es quasi schon vor mir…hahaha
Jaja diese mysteriösen Löcher. Wo die immer herkommen…?
@weissgarnix
So viel neoliberales Geschwätz liest man selten. Westerwelle und Co. wären erfreut, wenn sie hier lesen würden….
@Schmeichler
Zumindest ist es originell, dass Sie das für “neoliberal” halten.
@weissgarnix
Nicht nur ich halte es dafür…Nein, da gibt es etliche andere.
Für was halten Sie das eigentlich?
@HansWurst und diverse andere
Die Vorstellung, dass Staaten ihre Schulden “zurückbezahlen” ist absurd. Eines der großen Missverständnisse von Leuten, die den Staat mit einem privaten Häuslebauer verwechseln. Staaten bezahlen ihre Schulden genauso wenig zurück, wie Banken sie zurückbezahlen oder Großunternehmen. Warum sollten sie? Wann sollten sie? Und was passiert, nachdem sie ihre Schulden zurückbezahlt haben?
Würden Staaten ihre Schulden zurückbezahlen, oder auch nur aufhören, welche zu machen, würde die Realwirtschaft von einer Sekunde auf die nächste in der größten Deflation aller Zeiten versinken. Würden Unternehmen oder Banken als ganzes das machen, ditto.
Worum geht es also? Darum, dass Staaten – wie Unternehmen auch – ihre Kreditwürdigkeit aufrecht erhalten, um Anschlußfinanzierungen zu erreichen. Insoferne ist die spannende Frage die, was mit zusätzlichen Schulden gemacht wird. Solange die Aktiva mit den Passiva mitwachsen, und solange sich aus steigenden Schulden sogar noch steigende Vermögenseinkommen (netto, d.h. nach Abzug der Schuldzinsen) erzielen lassen, wird da nichts passieren. Das mag man aus religiösen, ideologischen oder Gründen schlichter Unkenntnis nicht wahrhaben wollen, aber so ist es nunmal. Und das wird solange gelten, als Deutschland, Japan oder die USA nicht eines schönen Tages beschließen, dass sie als Staat plötzlich zu existieren aufhören.
Was die Vorstellung betrifft, dass der Staat sich zur Bedienung seiner Schulden nicht am Vermögen bzw der Ertragskraft seiner Bürger bedienen könnte, empfehle ich allen Skeptikern einen unvoreingenommenen Blick in die Geschichtsbücher. Wahl der Epoche dabei nach jedermanns Gusto, die Story lief 3000 vChr genauso ab wie im alten Rom, in der Feudalzeit oder im frühen 20. Jahrhundert. Und ob die Umverteilung von den Vermögenden hin zum klammen Staat nun durch Sullas Proskriptionslisten, die Weimarer Hyperinflation oder eine saftige Steuererhöhung erfolgt, ist nichts weiter als eine Frage des sozio-kulturellen Zeitgeists.
@ Systemfrager – 172
Mist! Dabei war die idee so gut. also kein nobelpreis. na gut.
“Nein, weil der Nobelpreis für die Ökonomie mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen nichts, aber gar nichts zu tun hat !!!!”
Das ist zumindest tröstlich. Hayek hatte recht. für diese disziplin sollte es keinen nobelpreis geben. mir reicht auch das geld.
Ich würde deinen satz allerdings etwas umformulieren:
die wissenschaftlichen ´erkenntnisse´ der VWL haben mit der realität nichts zu tun.
“Man muss heute nur bessere Techniken finden, damit die Inflation nicht aus der Kontrolle geriet”
Kannst du vergessen. inflation ist und bleibt inflation. da gibt es nichts zu kontrollieren. man müsste das neue ´geld´ gleichmäßig verteilen. dann wäre die inflation egal. das ist alles.
ich muss immer über diese debististen schmunzeln, die im fiat-money eine segnung erkennen, gleichzeitig aber beklagen, dass die reichen immer reicher werden. der Cantillon-Effekt (ich hatte ihn schon mehrfach erwähnt) scheint ihnen unbekannt zu sein.
deinen link habe ich mal kurz angelesen. nach 10 minuten bin ich ausgestiegen. diese verformelung der welt führt zu nix. formeln in der VWL sind immer gleichungen nach dem muster:
unbekannt = unbekannt
und damit tautologisch.
in der natur sind gleichgewichtszustände unbekannt. und irgendwie finde ich, dass wir dazu gehören.
panta rhei!
@ wgn
“Solange die Aktiva mit den Passiva mitwachsen, und solange sich aus steigenden Schulden sogar noch steigende Vermögenseinkommen (netto, d.h. nach Abzug der Schuldzinsen) erzielen lassen, wird da nichts passieren.”
das ist falsch. aus zwei gründen.
“Was die Vorstellung betrifft, dass der Staat sich zur Bedienung seiner Schulden nicht am Vermögen bzw der Ertragskraft seiner Bürger bedienen könnte…”
Sollen wir diese traurige wahrheit nun gut finden?
1. die aktiva wachsen immer mit den passiva mit – oder sie sinken zusammen. eine bilanz ist immer ausgeglichen. aber das war kleinkarriert.
2. wichtiger (hatte ich auch schon erwähnt): bei steigender bilanzsumme sinkt zunächst einmal die eigenkapitalquote. ein synonym für sinkenden wohlstand. der netto-anstieg der vermögenseinkommen kann das wohl nie kompensieren. warum sollte man sonst neue schulden machen?
“Insoferne ist die spannende Frage die, was mit zusätzlichen Schulden gemacht wird.”
alte schulden bezahlt. was sonst?
irgendwie puzzelt dieses programm die absätze durcheinander. aber du wirst schon klar kommen.
@Kritiker des Bösen
Dass mit den “löchern” Politik gemacht wird, ist logisch. Das kann man gerne kritisieren. Dass heisst aber nicht, dass die Löcher nicht da sind.
@soffi
>sinkt zunächst einmal die eigenkapitalquote. ein synonym für sinkenden wohlstand.
Steile These.
>Sollen wir diese traurige wahrheit nun gut finden?
Sie ist – meiner Ansicht nach – verteilungspolitisch weitgehend neutral. Staatsdefizite erhöhen relativ unmittelbar die Gewinne der Unternehmen, und über Zinsen auf Staatsschulden die Vermögensportfolios der Wohlhabenden. Beides stärker zu besteuern hätte also keine größeren Umverteilungseffekte.
Was anderes ist es, wenn stattdessen die Mehrwertsteuer erhöht wird – wie das die Smarties in der deutschen Bundesregierung immer machen. Dann hast du in der Tat unerwünschte Umverteilungseffekte.
@ wgnx 179
Würden Staaten ihre Schulden zurückbezahlen, oder auch nur aufhören, welche zu machen , würde die Realwirtschaft von einer Sekunde auf die nächste in der größten Deflation aller Zeiten versinken. Würden Unternehmen oder Banken als ganzes das machen, ditto.
Menno, erzähl doch nicht so einen Quatsch!
)
Wir hatten gesamtstaatlich einen Überschuss, die USA hatten mehrere Jahre Überschüsse gar im Bundeshaushalt: selbst mit der gewagtesten Deflations-Definition kann doch niemand von Deflation reden (ok, wenn ich sinkende Staatsschuld als Deflation definiere, dann schon
Du kannst doch nicht solchen Quatsch schreiben, nur weil du der Meinun gbist, Staaten müssen ihre Schulden nicht zurückzahlen.
Dies kann man ja diskutieren, aber die Behauptung, sie dürfen gar nicht aufhören, sich zu verschulden, ist einfach widerlegt.
Übrigens: du sagtest, die Shculden sind kein Problem, weil durch Steuererhöhung einzutreiben.
Und jetzt sagst du, Steuererhöhungen (relativ geringe!), um neue Schulden zu verhindern, lassen die Welt zusammen brechen.
Fällt dir was auf?
@soffi #180
in der natur sind gleichgewichtszustände unbekannt
Doch, Fließgleichgewichte.
Tja, sowas nennt man neoliberales Geschwätz.
Schulden machen bis ins Unendliche, Zinsen dafür gleichfalls – und dann noch fragen, wohin mit dem ganzen Geld?
Herr weissgarnix sollte sich mal die Entwicklung der Lohnquote anschauen. Und alles was irgendwie damit im Zusammenhang steht.
Da stimmt so einiges nicht im Theoriengebäude von weissgarnix.
@wgn
“Worum geht es also? Darum, dass Staaten – wie Unternehmen auch – ihre Kreditwürdigkeit aufrecht erhalten, um Anschlußfinanzierungen zu erreichen.” – So ist es. Die Höhe der öffentlichen Schulden und ihr exponentielles Wachstum spielen an sich keine Rolle, da es für das ‘Wachstum’ symbolischer Größen keine natürliche Grenze gibt. Das Entscheidende ist die Kreditwürdigkeit, und die hat im Fall des Staates ihr Maß, würde ich denken, letztlich in der öffentlichen Wahrnehmung, in welcher Qualität der Staat die Aufgaben erfüllt, die die nahezu allgemeine Anerkennung seines Anspruchs auf das Gewaltmonopol motivieren (ohne diese Anerkennung funktioniert ein Staat nicht, und im Ernst herausgefordert, d.h. von einer hinreichend großen Zahl von Staatsbürgern, kann sie kein Staat der Welt durchsetzen). Wenn heute eine wachsende Anzahl von Leuten (an den ‘oberen’ und ‘unteren’ Rändern der Gesellschaft) keinen Grund mehr findet, die staatliche Ordnung zu respektieren, wenn also die staatliche Autorität mehr und mehr erodiert, dann wird sich dieser politische Vertrauensverlust à la longue auch in einem Abschmelzen der ökonomischen Kreditwürdigkeit äußern. Staaten können fallieren, auch so, dass es mittelfristig zu keiner Reetablierung einer durchsetzungsfähigen Staatlichkeit in dem entsprechenden Territorium kommt, sondern Clans und Banden die Organisation von Gesellschaft übernehmen. Die moderne Staatlichkeit ist ja noch nicht sehr alt und es gibt genügend Gründe, ihr weniger Zukunft einzuräumen als sie Vergangenheit hinter sich hat.
Daher: Formal hast Du zweifellos Recht, wgn, aber mit Blick auf die Bedingungen staatlicher Kreditwürdigkeit, ist der Imperativ “Vergesst die Staatsschulden!” kein wirklich Vertrauen bildendes Signal. Daher könnte man Deine Einlassung auch für frivolen Feuilletonismus halten…
@Morph
Gute Bemerkung, aber bedenken Sie eins:
Wenn der Staat irgendwann neue Kredite zu 100 % für die Bedienung der alten braucht – was dann?
@ wgn
“>sinkt zunächst einmal die eigenkapitalquote. ein synonym für sinkenden wohlstand.
Steile These.”
Nein. mathematik.
Bsp.: müller sei ein habenichts. kein vermögen. keine schulden.
er erbt 100.
Vermögensbilanz: Aktiva 100, Passiva = Eigenkapital 100
Eigenkapitalquote 100%
Müller nimmt schulden auf. 100
Vermögensbilanz: Aktiva 200, Passiva 200, (Eigenkapital 100)
Eigenkapitalquote 50%
ist er durch die schulden reicher geworden? zunächst einmal nicht.
ist er durch die schulden ärmer geworden? zunächst einmal nicht – absolut. relativ schon.
aber seine risikoposition hat sich verändert. es kommt drauf an, ob er mit den aufgenommen schulden von 100 plus seinem ek von 100 ausreichend rendite erzielt (nach steuern!), um die schuldzinsen zu bezahlen und darüber hinaus noch etwas zu erwirtschaften, damit sich die ganze aktion gelohnt hat. und zurückzahlen muss er die schulden auch noch. gar nicht so leicht, wenn man kein staat ist.
Ich muss hoffentlich nicht erwähnen, dass für den fall der konsumtiven verwendung der neuen 100 Müller bald pleite wäre. er müsste sowohl die zinsen als auch die tilung aus seinem ek bezahlen. geht nicht lange gut.
es drohen wohlstandsverluste – bis zur pleite.
da der staat nicht pleite gehen kann (nur seine bürger) und er ein toller schuldner ist, nimmt er immer neue schulden auf. seine ek-quote sinkt, seine risikoposition verschlechtert sich. die wohlstandsverluste mehren sich, da ein großteil für konsumtive zwecke drauf geht.
das kann man nicht ernsthaft gut finden.
-”Sie ist – meiner Ansicht nach – verteilungspolitisch weitgehend neutral. Staatsdefizite erhöhen relativ unmittelbar die Gewinne der Unternehmen, und über Zinsen auf Staatsschulden die Vermögensportfolios der Wohlhabenden. Beides stärker zu besteuern hätte also keine größeren Umverteilungseffekte.”
DAS ist eine steile These.
Des einen Schulden sind des anderen Guthaben. Nur sind die Persona eben verschieden. Ich kann ja auch nicht zur Bank gehen und obwohl ich überschuldet bin und den nächsten Kredit verlangen mit dem Hinweis dass mein Nachbar die gleiche Summe als Guthaben besitzt. Der Fluss ist im Durchschnitt einen halben Meter tief und die Kuh ist dennoch ersoffen. Wir ersaufen in Schulden und einige wenige im Reichtum.
Vielleicht ist auch Herr weissgarnix zusammen mit einem Frosch mal in ein Milchbottich gefallen…
Alle kennen doch diese Geschichte der Butterherstellung.
@Morph
>Wenn heute eine wachsende Anzahl von Leuten (an den ‘oberen’ und ‘unteren’ Rändern der Gesellschaft) keinen Grund mehr findet, die staatliche Ordnung zu respektieren, wenn also die staatliche Autorität mehr und mehr erodiert, dann wird sich dieser politische Vertrauensverlust à la longue auch in einem Abschmelzen der ökonomischen Kreditwürdigkeit äußern.
Sehe ich ganz genauso – aber was hätte es mit den Staatsschulden zu tun? Genau die entgegengesetzte Logik ist es doch, die das Vertrauen in den Staat zur Erosion bringt, die Forderung, er möge sich aus allem und jedem heraushalten und sich bitte mit dem Allernötigsten bescheiden. Ich weiß nicht, ob es eine Kausalität zwischen einer historisch niedrigen Steuerquote und der Erosion des Staatsvertrauens gibt, aber offenbar gibt es zumindest eine Korrelation.
>ist der Imperativ “Vergesst die Staatsschulden!” kein wirklich Vertrauen bildendes Signal.
Überschriften sind kurz und prägnant, so ist das nun mal. Aber man kann mir ja kaum vorwerfen, dass ich das im Text nicht spezifiziert hätte.
>Daher könnte man Deine Einlassung auch für frivolen Feuilletonismus halten…
Unbedingt. Ich mache hier “Economics for the masses” – da ist das feuilletonistische Element stets mit dabei.
@Frankura
Da haben wir keinerlei Dissens. Ich schrieb es ja: ein Verteilungsproblem. Und in einer Zeit, in der tendenziell alle großen Industriestaaten unter dem gleichen Problem leiden und weltweit Aufwärtsdruck bei den Steuern besteht, meiner Meinung nach sogar ein (relativ) leicht zu lösendes.
@schmeichler#189
100% wovon? Sry, ich verstehe die Frage nicht. Hab wohl einen Knoten im Hirn. Bitte Lösen Sie ihn.
@ soffi
Meinungen/Auffassungen der anderen muss man respektieren, aber nicht teilen
So. Die Fragen:
Was wissen wir?
Wie wissen wir?
Wann wissen wir etwas?
1) Man kann über die Realität Märchen erzählen. Die passen immer, weil: Es gibt KEINE Aussage, die sich NICHT auf irgendwelche Tatsachen bezieht. Aber die Märchen sind praktisch nutzlos. (Die Künste sind die einzige Ausnahme.)
2) Man kann die Realität logisch-mathematisch (schlüssig) strukturieren und modellieren. Kant sagte dazu: System. Also Wissenschaft ist ein Sysstem – ein Märchen ist einn Märchen. Alle Wissenschaften, die bisher erfolgreich waren, sind (kohärente) Systeme. (Gibts keine Ausnahme!!!!!)
Die Schlussfoglerung kannst du dir denken
@ wgnx
Sie ist – meiner Ansicht nach – verteilungspolitisch weitgehend neutral. Staatsdefizite erhöhen relativ unmittelbar die Gewinne der Unternehmen, und über Zinsen auf Staatsschulden die Vermögensportfolios der Wohlhabenden. Beides stärker zu besteuern hätte also keine größeren Umverteilungseffekte.
Was anderes ist es, wenn stattdessen die Mehrwertsteuer erhöht wird – wie das die Smarties in der deutschen Bundesregierung immer machen. Dann hast du in der Tat unerwünschte Umverteilungseffekte.
Allerdings wissen wir, welche Steuer erhöht wird. :–(
Wenn du die These vertrittst, dass Abzahlung der Staatsverschuldung durch Steuererhöhung auf Gewinne und Zinsen neutral wirkt:
Heisst das dannnicht, dass die unterbleibenden Steuererhöhungen nicht neutral wirken, und somit Staatsverschuldung eine Verteilungswirkung hat?
@soffi #180
diese verformelung der welt führt zu nix.
Das Lieblingsspiel der WiWis scheint Kausalitäten-Raten zu sein.
Man nimmt zwei oder mehr beliebige, quantitative wirtschaftliche Parameter. Dann vergleicht man ihren Verlauf in der Zeitachse.
Finden sich analoge Verläufe, dann steigt der Adrenalin-Spiegel und los geht es mit den Spekulationen.
Vielleicht entdeckt man eine Gesetzmäßigkeit, die es erlaubt, gewinnbringende Engagements zu platzieren?!
Besonders absurd erscheint Außenstehenden dieses, wenn sich das Ganze im Kontext von Tauschwert-Parametern (z.B. BIP) abspielt, also irgendwelche qualitativ indifferenten Wirtschaftsaktivitäten als Parameter für „Wirtschaftswachstum“, „Wirtschaftsleistung“ etc. zugrunde gelegt werden.
Sorry, das aber ist so absurd, als würde ein Mediziner eine positive Gewichtszunahme konstatieren und dabei davon abstrahieren, dass es sich um Hungerödeme oder Krebswachstum handelt.
==> Wachstum
@Morph #195
Nettokreditaufnahme ist NULL als Differenz aus Brutto…und…
na das ist bekannt.
@topi #197
Intragenerative Verteilungswirkungen der Staatsverschuldung
Uni Regensburg
einfach mal googeln…interessantes pdf
@wgn
“Und in einer Zeit, in der tendenziell alle großen Industriestaaten unter dem gleichen Problem leiden und weltweit Aufwärtsdruck bei den Steuern besteht, meiner Meinung nach sogar ein (relativ) leicht zu lösendes.”
Wohl kaum. Denn wenn wir in Deutschland das Auslandsvermögen der Deutschen besteuern wollten, müssten die Ausländer wohl darauf verzichten und das werden sie aufgrund ihrer Steuersituation eher nicht tun. Naja, man kann natürlich auch doppelt besteuern und jegliche Doppelbesteuerungsabkommen kündigen. Erscheint mir aber weder einfach noch irgendwie sinnvoll.
@ soffi
Die verformulierung der Welt
Die Naturwissenschaften sind bis zum Verzweifeln verformuliert, die Grenznutzen- und Gleichgewichtstheorie auch. Der unterscheid:
1 – In den Formeln der Naturwissenschaften gibt es immer mindestens zwei Variablen, wo es gilt:
- wenn A dann B (im logischen oder quantitativen Sinne),
- A und B lassen sich empirisch genau bestimmen oder auch messen
2 – In den Formeln der neoliberalen Theorie gibt es auch viele solche Variablen-Paare, wo es gilt:
- wenn A dann B (im logischen oder quantitativen Sinne),
- A und B lassen sich aber NIE empirisch genau bestimmen oder messen
Das ist der ganze Witz. Das ist der neoliberale Betrug
Quantitative Wirtschaftsbetrachtung + Abstraktion von Qualitäten = herrschende WiWi
So führt die Staatsverschuldung bei denjenigen, die den Staat – mit billigen Zentralbankgeld oder mittels Fiat Money – kreditieren und dafür Zinsen kassieren, zu Fettbäuchen, bei anderen zu Hungerbäuchen.
Ist alles Wachstum.
@bilbo
Es geht nicht darum, das Auslandsvermögen zu besteuern, sondern inländische Einkommen (und Vermögen).
Als Unwissender mal eine Frage:
Theoretisch kann der Staat doch unendlich viel Kredit aufnehmen.
Warum erhebt er überhaupt Steuern?
Kann doch alles aus neuen Krediten bezahlt werden – oder?
@wgn: Dann hilf mir doch bitte nochmal auf die Sprünge. Was hat die Besteuerung der inländischen Einkommen und Vermögen mit dem NIIP zu tun?
@topi
>Heisst das dannnicht, dass die unterbleibenden Steuererhöhungen nicht neutral wirken, und somit Staatsverschuldung eine Verteilungswirkung hat?
Aber ganz selbstverständlich heißt es das. Staatliche Defizite fließen in Gewinn- und Kapitaleinkommen, entweder direkt (über staatliche Investitionen) oder indirekt (über Konsumausgaben von Transferleistungsempfängern).
Aber vorsicht: wenn du oben von “neutral” schreibst, dann gilt das wirklich nur unter Verteilungsgesichtspunkten – auf das Wachstum wirken Steuern zur Schuldenkonsolidierung natürlich keineswegs neutral. Nicht zwingend jedenfalls.
@ wsgn
>Genau die entgegengesetzte Logik ist es doch, die das Vertrauen in den Staat zur Erosion bringt, die Forderung, er möge sich aus allem und jedem heraushalten und sich bitte mit dem Allernötigsten bescheiden.>
Wenn das so ist, sind Staatsschulden eben NICHT “eine der größten Nebensächlichkeiten der Welt”, die man vergessen kann.
Denn wenn die Staatsschulden derart wachsen, dass die Zinszahlungen praktisch so hoch werden, dass der Staat sich “aus allem und jedem heraushalten” muss, dann tritt genau der Vertrauensverlust ein, der er nach Ihrer “Logik” zu vermeiden ist, nämlich dadurch, dass er sich aus allem und jedem heraushalten muss. Das ist dann keine Forderung mehr an den Staat, sondern eine NOTWENDIGKEIT staatlichen Handelns.
Wenn Sie nun – dem entgegenhaltend – glauben, das er immer mehr Schulden auftürmen kann, um dem zu entgehen, wird es in der FOLGE aufgrund von – wie Sie richtig beschrieben haben – Proskriptionslisten, Hyperinflation, (dann) enormen Steuererhöhungen, Zwangsanleihen auf Sachwerte etc. zu einem Desaster kommen – allerdings in der gesamten PRIVATWIRTSCHAFT und damit das Gemeinwesen inkl. Staat fundamental beschädigend.
Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen – wenn Sie Ihre EIGENE Argumentation zu Ende denken, werden Sie feststellen müssen, dass IHRE Logik nicht stimmt.
@bilbo
Nix. Die NIIP zeigte ich nur, um darzustellen, dass wir gegenüber dem Ausland keine Schuldner-, sondern eine Gläubigerposition innehaben (das steht da übrigens auch ziemlich klar und deutlich in dem obigen Beitrag). Aber tatsächlich wäre eine negative NIIP für mich der “echte” Teil der deutschen Schulden.
Der von Inländern gehaltene Teil der Staatsschuld stellt hingegen kein Solvenz- sondern ein Verteilungsproblem dar. Und das kann man durch Besteuerung entschärfen.
@weissgarnix #204
Es geht nicht darum, das Auslandsvermögen zu besteuern, sondern inländische Einkommen (und Vermögen).
Und dann transferieren die (Super-)Reichen ihr Vermögen ins Ausland, entdecken ihre Liebe zu Schweiz, Österreich, Monaco etc. – und nehmen ihren Wohnsitz dort.
Wer zahlt dann die Staatsschulden?
Hauptsächlich der Mittelstand.
@ Systemfrager
“So. Die Fragen:
Was wissen wir?
Wie wissen wir?
Wann wissen wir etwas?”
Unter ´Wissen´ verstehe ich die fähigkeit zu effektivem handeln. man kann deine fragen somit nur kontextbezogen mit blick auf ein ziel beantworten. insofern müssten wir zunächst ein gemeinsames ziel festlegen.
-”Aber die Märchen sind praktisch nutzlos.”
Sehe ich anders. zur kindererziehung taugen sie recht gut. aber dieser anwendungsbereich ist sicher neben dem thema.
–”2) Man kann die Realität logisch-mathematisch (schlüssig) strukturieren und modellieren. Kant sagte dazu: System. Also Wissenschaft ist ein Sysstem – ein Märchen ist einn Märchen. Alle Wissenschaften, die bisher erfolgreich waren, sind (kohärente) Systeme. (Gibts keine Ausnahme!!!!!) ”
Ich empfehle dringend die auseinandersetzung mit dem systembegriff der ´Emergenz´. wenn du danach noch lust hast, reden wir über deine systeme.
—”Meinungen/Auffassungen der anderen muss man respektieren…”
Wenn es beim “Meinen” bliebe, wäre ich bei dir. da die ´Meinung´ der Gelddrucken-ist-gut-Fraktion leider tagtägliche Politik ist, die unser aller leben massiv beeinträchtigt, ist es mit meinem respekt eher schlecht bestellt.
@ wgnx 207
Aber ganz selbstverständlich heißt es das.
Schön.
War eine Anregung, dies im Text über Staatsverschuldung (gar ihren Segen bei Abbau der Auslandsgläubigerposition) auch explizit zu erwähnen.
@ soffi
Auch etwas über die Inflation hast du gesagt
Die Quantitätsformel (P = k M/Y) ist bekanntlich viel älter als der Neoliberalismus (der große Hume hat sie auch vertreten), dh ihre Variablen reichen bis zur Realität. (Also die WiWi war nicht schon immer ein ideologischer Betrug.) Die Formel sagt:
Preisniveau (P) wird durch Geldmenge (M) und Gütermenge (Y) (indirekt proportional) bestimmt.
Was sagen die Tatsachen?
Die NEO sagen: Druckt man Geld, Gütermenge wird gleich bleiben (sic!), also Preise müssen steigen. Schließlich alles Unsinn. (Friedman hat dafür den Nobelpreis bekommen.)
Der Adolf sagte: Ich drucke Geld, anstatt den Banken zu geben lasse ich etwas bauen, die Gütermenge wird steigen, etwa proportional mit der Geldmenge. Word also keine Inflation kommen, ich schaffe materielle Werte und natürlich auch Arbeitsplätze.
Beides stimmt mit der “Formel” überein. Nur die Kausalität wird anders gedeutet. Du darfst raten, wer Recht hatte
@Dietmar Tischer
>Denn wenn die Staatsschulden derart wachsen, dass die Zinszahlungen praktisch so hoch werden, dass der Staat sich “aus allem und jedem heraushalten” muss, dann tritt genau der Vertrauensverlust ein, der er nach Ihrer “Logik” zu vermeiden ist, nämlich dadurch, dass er sich aus allem und jedem heraushalten muss.
Zweifellos. Daher sollte der Staat dafür sorgen, dass er über Steuern und Abgaben adequate Einnahmen hat. Die Frage ist nur, ob er ausgerechnet in der jetztigen Situation die Steuern erhöhen sollte – meiner Meinung nach: nein. Dass jetzt über zusätzliche Defizite versucht wird, die Dinge zu stabilisieren, halte für angezeigt und unproblematisch. A la longue wird man aber zu einer adequaten Steuerfinanzierung zurückkehren und die Neuverschuldung wieder begrenzen müssen, daran besteht ja wohl kein Zweifel.
>Wenn Sie nun – dem entgegenhaltend – glauben, das er immer mehr Schulden auftürmen kann, um dem zu entgehen, wird es in der FOLGE aufgrund von – wie Sie richtig beschrieben haben – Proskriptionslisten, Hyperinflation, (dann) enormen Steuererhöhungen, Zwangsanleihen auf Sachwerte etc. zu einem Desaster kommen – allerdings in der gesamten PRIVATWIRTSCHAFT und damit das Gemeinwesen inkl. Staat fundamental beschädigend.
Klar – aber das hatte ich damit ja nicht gemeint, wie jedermann wissen sollte, der hier schon länger mitliest. Ich sehe punktuell keine Schuldenproblematik, aber langfristig eine Notwendigkeit zu höheren Steuern – das ist ja nun nicht gerade neu, das schreibe ich seit der ersten Stunde.
@ soffi
WIKIPEDIA: Emergenz (lat. emergere: auftauchen, hervorkommen, sich zeigen), gemäß Aristoteles (Zitat) auch Übersummativität, ist die spontane Herausbildung von Eigenschaften oder Strukturen auf der Makroebene eines Systems auf der Grundlage des Zusammenspiels seiner Elemente. Dabei lassen sich die emergenten Eigenschaften des Systems nicht – oder jedenfalls nicht offensichtlich – auf Eigenschaften der Elemente zurückführen, die diese isoliert aufweisen. … Damit im Zusammenhang steht auch die von Donald Davidson in der Philosophie des Geistes entwickelte Vorstellung der „abwärtsgerichteten“ Kausalität von geistigen auf physikalische Prozesse.
Ja, ich bein sehr gegen pars-pro-toto (methodischer Reduktionismus), und für eine holistische Denkweise, aber ohne Mystik und Obskurantismus … wenn es geht …
@HAM
>Und dann transferieren die (Super-)Reichen ihr Vermögen ins Ausland, entdecken ihre Liebe zu Schweiz, Österreich, Monaco etc. – und nehmen ihren Wohnsitz dort.
Zu einer Zeit, wo alle Staaten unter zu geringen Steuereinnahmen leiden, sollte das ja wohl das geringste Problem sein. Aktuell drohen die großen Corporates der USA übrigens damit, das Land zu verlassen (inkl. Microsoft, GE und Co), weil Obamas Steuerpläne ihnen nicht gefallen. Frage an Radio Eriwan: Wo sollen sie denn hin – alle nach Liechtenstein oder Luxemburg? Und das ließe die US Regierung zu, so einfach mir nix dir nix?
Das glaubt ihr ja wohl selber nicht.
@ weissgarnix # 209
–>Der von Inländern gehaltene Teil der Staatsschuld stellt hingegen kein Solvenz- sondern ein Verteilungsproblem dar. Und das kann man durch Besteuerung entschärfen.”
Seit wann wird darüber diskutiert? Gerade jetzt, sollte man sich auf etwas anderes besinnen? Ich glaube an vieles, nur nicht daran.
Ich wette mit dir, egal ob es richtig wäre oder nicht, es ändert sich nix. Gar nix. Das Dingen muss sich selber ermorden, sich selber. Dabei bleibe ich.
Da helfen die ganzen Auslandsvermögen der Einzelnen, und wenn es nur eine Burg am Gardasee ist, nix. Der rückt nix raus. Dafür sorgt schon das Steuerrecht und die Abgabenordnung in D.
Meinst du, dass die so bekloppt sind, überhaupt vier Minuten, über das Steuerrecht in D ihre Gedanken zu verschwenden?
Das machen die Top Advokaten.
@ Sytemfrager
das problem beim gelddrucken ist ja leider, dass dies immer neue schulden produziert (Bilanzverlängerung), die zurückgezahlt werden müssen. dass das in der praxis nicht gelingt, sollten wir mittlerweile gelernt haben. also steht verarmung am ende der geschichte. mathematisch zwingend.
vergiss das preisniveau. es ist nur ein symptom. das hat nicht zwingend mit inflation zu tun. preisveränderung liegen doch irgendwie in der veränderung von angebot und nachfrage begründet – hab ich mal so gelernt.
was ist mit der emergenz? Schon verstanden?
@ Systemfrager 213
Jetzt mal bitte nicht die monetaristische Verwurstung mit der schönen klassischen Quantitätsgleichung gleichsetzen!
Letztere mit ihren Summenformeln ist einfach wahr (wenn man das gehortete Gold mal weglässt, aber das steht ja in der Umschlagsgeschwindigkeit). Die monetaristische Quantitätsgleichung mit ihren Aggregaten führt zu falschen Schlüssen.
Das sieht man wunderbar am monetaristischen Unsinn, der bei der Inflations/Deflations- Definition anfängt.
Da laut Quantitätsgleichung jede Geldmengenausweitung “die Preise” erhöht, muss jede Preiserhöhung Inflation sein, es wird nicht mehr nach Knappheit und Geldmengenausweitung unterschieden.
Um dann festzustellen, dass ja eine Geldmengenausweitung unproblematisch ist, wenn sich die Preise nicht ändern.
Geradezu eine Pevertierung.
Zumal der postulierten realen Neutralität des Geldes (erhöht ja einfach die Preise) eine Geldmengenausweitung zur Wirtschaftsankurbelung ungekannten Ausmaßes erfolgt.
@topi #212
Als Neoliberaler muß weissgarnix solche Aussagen natürlich verstecken.
Darum ist er ein hervorragender Vertreter dieser Strömung
@schmeichler#199
Die Nettoneuverschuldung kann doch nur dann zu 100% zur Bedienung der Altkredite verwendet werden müssen, wenn die Nettoneuverschuldung begrenzt ist (durch Gesetze bzw. durch eine begrenzte Nachfrage nach Staatsanleihen). Diese Grenzen sind doch nicht formaler, sondern historisch-empirische Art und hängen von den einzelnen Staatsgebilden insbesondere im Kontext des internationalen Machtgefüges ab. Dass die Nettoneuverschuldung irgendwann zu 100% zur Bedienung der Kredite verwendet werden muss, ist doch keine mathematische Notwendigkeit, oder sehe ich das falsch?
@ Weissgarnix # 216
Nein, in die neuen EU Staaten, Rumänien etc. Da gibt es noch deutsche EU Subventionen abzugreifen. Und Grund Boden billig.
Das kann man schon glauben.
Hmm …
Weisgarnix argumentiert also, dass die Höhe der nationalen Staatsschulden prinzipiell irrelevant ist, solange die Kreditwürdigkeit des Staates erhalten bleibt, ist das richtig?
Unerwünschten Verteilungswirkungen der inländischen Staatsverschuldung könne man durch entsprechende Besteuerungssysteme vermeiden. Haber ich das auch richtig verstanden?
… weiss ja nicht …
Ich glaube, das an PCMs These von dem Zusammenhang von Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit etwas dran ist. Die Staatsschulden von heute sind dementsprechend weniger die Steuern von morgen, sondern die Arbeitslosigkeit von heute(!).
Also, das Elend der (in der Vergangenheit schon gemachten und existierenden) Staatsschulden spüren wir schon in der Gegenwart, nicht erst in der Zukunft.
Wahrscheinlich werden die Staatsschulden niemals zurückgezahlt werden, sondern irgendwann gestrichen. Bis dahin bleibt die Arbeistlosigkeit oder ähnliche Phänomene (Working Poor, Vielfach-Jobs), also die soziale Problematik bestehen. Geschichtlich (z.B. französische Revolution) scheint mir das immer so gewesen zu sein.
Es bleibt abzuwarten wie die kommende, große Systemkrise (vulgo: Revolution) aussehen wird. Irgendwann wird sie kommen, das ist wohl kaum zu vermeiden. Aber was danach kommt, hängt schon von den Ansichten der Menschen ab, die sie durchleben werden, und damit auch von uns. Und amit sind unsere Diskussionen auch nicht sinnlos, finde ich.
@ soffi
Das problem beim gelddrucken ist ja leider, dass dies immer neue schulden produziert (Bilanzverlängerung), die zurückgezahlt werden müssen.
Zurückgezahlt an wen? An die Geldruckerei? So, so !!!
Siehst du, wenn man die Realität nicht kennt, landet man so schnell in einer (sebsverschudeten) Märchenwelt
Unser Problem war, dass “unser” Staat, anstatt das Geld zu drucken und es ohne Umwege zu investieren, sich bei den Reichen verschuldet hat. (Damit diese genug Geld haben, um ihm es dann auszuleihen, hat ihnen der Staat zuerst Steuergeschenke gemacht.) Chinesen – wie unser Adolf – drucken Geld und investieren es. Jetzt kannst du raten, ob wir oder die Chinesen recht haben.
Ich helfe dir mit dem Tipp: Zinsknechtschaft!
@ Systemfrager “Chinesen – wie unser Adolf – drucken Geld und investieren es.”
Geld arbeitet nicht. Insofern muss man schon herausarbeiten, unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen (normal wäre die Preissteigerung) man einfach Geld drucken und damit Güter und Dienstleistungen kaufen kann.
@ soffi
Die verformulierung der Welt
@ wgnx
Taugt I=S zu irgendwas? (Ein Titel)
Ja, soffi – da hast du auch Recht. Die Verformulierung ohne einen echten Realitätsbezug ist eben das Problem von I=S. Ihre Variablen – in allen bisherigen ökonomischen Interpretationen/Theorien – sind nicht messbar. Also sie sind Märchen-Begriffe. (Naja fast …. ich übertreibe jetzt ein bisschen)
Ich versuche die Formel weiter zu entwickeln – und ich meine es todernst -, damit sie die Realität erreicht. (Ich weiß: muss es mir nicht gelingen. Aber versuchen darf man trotzen – nehme ich an.)
@ Feedback Loop
“Ich glaube, das an PCMs These von dem Zusammenhang von Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit etwas dran ist.”
Hast du mal einen Link?
Mir scheint das abhängig, womit man vergleicht, und was mit den Schulden geschieht.
Wenn Kapazitäten unterausgelastet sind und sinnvolle (rentierliche)Investitionen unterbleiben, sollte eine Verschuldung zugunsten dieser Investitionen positiv auf den Arbeitsmarkt wirken (zumal, wenn das Geld sonst in Zertifikaten landet).
Durch eine Besteuerung der sinnlos herumiegenden Gelder müsste der Effekt noch größer sein,also wäre hier im Vergleich Verschuldung ungünstig. aaABer das scheint mir nicht der Inhalt der These zu sein, oder?
@ topi 225
Insofern muss man schon herausarbeiten, unter welchen Bedingungen und mit welchen Folgen (normal wäre die Preissteigerung) man einfach Geld drucken und damit Güter und Dienstleistungen kaufen kann.
Ich weiß nicht, ob wir dasselbe meinen, aber unter welchen Bedingungen ist genau das, was ich für mega-wichtig halte
Das “Helikopter-Geld” zum Beispiel- wenn Hannibal (Adolf, oder egal wer …) nicht schon vor den Toren steht, wäre eine völlig falche Methode
@ wsgn
Punktuell (kein Problem) vs. langfristig (Notwendigkeit von Steuererhöhungen) und daher auch nicht nur ein Verteilungsproblem – o.k., Sie haben die unhaltbare Logik über die Zeitschiene entschärft.
Wahrlich, das ist gekonnt.
Ich will jetzt nicht darauf rumreiten, ob der von Ihnen angesprochene „soziokulturelle Zeitgeist“ einer solchen Sicht tatsächlich gerecht wird.
Man darf jedoch Zweifel anmelden und darauf hinweisen, dass bei überschaubarer historischer Erfahrung „punktuell“ zu JEDEM Zeitpunkt der langen Frist regelmäßig kein Problem war – BIS es zum Problem wurde.
Das wäre, zugegeben, eine Diskussion, die etwas mit Gesellschaft, Politik und Geschichte, aber nicht mehr mit der hier angesprochenen Logik zu tun hätte – vielmehr mit so etwas wie „realgesellschaftlicher Logik“.
@WGN #216
Und das ließe die US Regierung zu, so einfach mir nix dir nix?
Keineswegs.
Interessant ist, welche Strategien die US-Adminstration einschlägt, um die US-Wirtschaft zu konsolidieren?!
Wem nützt es, wenn sich EU-Staaten verschulden, um „Opelarbeitsplätze“ zu retten?
„Opelarbeitsplätze“ sind doch nichts anderes als „GM-Arbeitsplätze“.
Und wer GM subventioniert, schadet doch damit VW, BMW und Daimler.
Mit Opel-Subventionen wird die US-Wirtschaft subventioniert.
@Dietmar Tischer
>Man darf jedoch Zweifel anmelden und darauf hinweisen, dass bei überschaubarer historischer Erfahrung „punktuell“ zu JEDEM Zeitpunkt der langen Frist regelmäßig kein Problem war – BIS es zum Problem wurde.
Das darf man durchaus. Ich sehe nur den Zeitpunkt kommen, wo eine Regierung gar keine andere Wahl mehr hat, als die Steuern zu erhöhen. Denn einerseits wird man sie dazu drängen, die Defizite zu begrenzen; andererseits wird sie aber feststellen, dass es kaum mehr was zu sparen gibt. Ergo wird sie irgendwann gar nicht mehr anders können. Wie sie es genau anstellen wird, hängt von denn politischen Konstellationen ab, die dann anliegen. Aber ich schrieb es ja schon mal: ich erwarte in den nächsten Jahren sehr intensive und unschöne Verteilungskämpfe.
@Ham
>Mit Opel-Subventionen wird die US-Wirtschaft subventioniert.
Teilweise, ja. Aber auch alle deutschen Unternehmen, bei denen weiterhin beschäftigte und einkommenbeziehende Opel-Arbeiter einkaufen. Der auf Deutschland entfallende Subventionsanteil ist daher vermutlich größer. Zumal ja nicht geplant ist, die Opel AG zu einem reinen Import-Unternehmen für Fahrzeuge aus US Produktion umzumodeln.
@Morph #221
Ihre Aussage in #188 war:
“Die Höhe der öffentlichen Schulden und ihr exponentielles Wachstum spielen an sich keine Rolle, da es für das ‘Wachstum’ symbolischer Größen keine natürliche Grenze gibt.”
Die Schulden steigen. Damit auch die Zinsen.
Beide streben gegen unendlich.
Bilde daraus die Differenz – das wäre die Nettokreditaufmahme.
Das Rechnen mit Unendlichkeiten ist aber sehr schwierig (siehe Cantor).
Wenn die Schulden nur symbolisch sind – hätte weissgarnix ja recht.
Dann sind Zinsen auch nur symbolisch?
Weil die sich aus den Schulden ergeben.
Das ist schon sehr gewagt.
@ Schmeichler 233 “Das ist schon sehr gewagt.”
Das ist schon richtig.
Wenn die gezahlten Zinsen immer wieder in neue Schulden gehen gar ohne Steuern. So lange jeder will.
Das ist das gleiche bei Finanz”investitionen”. Die nichtsymbolischen Zinsen fließen in noch innovativere Anlagen.
So lange jeder will.
Es kann sogar Umschichtungen geben. Bei der Richtung
Staatsschulden–> Investitions”innovationen” muss der Staat halt anderswo den entstehenden Saldo ausgleichen.
Oder erstmal die Steuern senken, im Vertrauen darauf, dass das Geld schon wieder fließt.
@tischer
“Sie haben die unhaltbare Logik über die Zeitschiene entschärft.” – stimmt, das hat er gemacht, aber ob das lediglich ein Argumentationstrick ist oder gegenwartsdiagnostisch angemessen, erweist sich seinerseits in der Zeit.
Es scheint ja tatsächlich so zu sein, dass man im Zuge der Identifikation gesellschaftlicher Sachverhalte (ihrer Fest-Stellung) immer genötigt ist, unhaltbare Logiken darzustellen und diese (implizit) über die Zeitschiene zu ‘entschärfen’. Und das gilt ja selbst schon für die Beobachtung von Veränderungen. Veränderungen erscheinen nicht anders denn als in der Zeit aufgehobene Widersprüche (Kant).
“Das wäre, zugegeben, eine Diskussion, die etwas mit Gesellschaft, Politik und Geschichte, aber nicht mehr mit der hier angesprochenen Logik zu tun hätte – vielmehr mit so etwas wie „realgesellschaftlicher Logik“.” – Und in dieser Diskussion entscheidet weniger die logische Kohärenz der Modelle von Wirtschaft, Politik und Geschichte als vielmehr ihre rhetorische Kombination, deren Verführungskraft man sich mit Skepsis und logischer Beharrlichkeit entziehen kann.
@wgn
“Ich erwarte in den nächsten Jahren sehr intensive und unschöne Verteilungskämpfe.”
Ich denke, das unterschreiben alle, die hier mitdiskutieren. Allerdings ist das die Lage seit jeher (sieht man einmal vom goldenen Zeitalter des Westens, ‘45 – ‘90, ab). Die Frage ist, für wen sich die Klimaverschärfung am drastischsten darstellt und was die Folgen dieser Befindlichkeitsänderungen sein werden. Elendsrevolten? Glaube ich eher nicht.
…. ist koksen jetzt legal in D-Land oder brauchts provozierendere Headlines um Hits zu erzeugen ? 100 % Einkommenssteuer auf Zinsen von Staatsanleihen ? So ein Schwachsinn wurde es hier immer nur bei anderen angeprangert …
Dass diese Titel dann niemand mehr kaufen würde muss man doch wohl nicht ausdrücklich erwähnen … oder doch ?
Die Zeitschiene gibt es nicht!
WIRTSCHAFTSWACHSTUM, ARBEITSLOSIGKEIT,
STAATSVERSCHULDUNG
zu #237
Einfach mal dort lesen und Grafiken deuten.
Staatsschulden wirken sofort – da ihre Zinsen sofort fällig sind.
Nicht nur symbolisch…
@ Sytemfrager 224
“Zurückgezahlt an wen? An die Geldruckerei? So, so !!!”
Heißt das, Schulden müssen gar nicht zurückgezahlt werden?
-”Siehst du, wenn man die Realität nicht kennt, landet man so schnell in einer (sebsverschudeten) Märchenwelt ”
Das ist wahr.
–”Jetzt kannst du raten, ob wir oder die Chinesen recht haben.”
Niemand, der geld druckt, kann recht haben. DAS nenne ich Wissen.
Geld ist einmal im markt entstanden. als ergebnis eines marktprozesses, einer leistung. schöne zeiten (19. Jahrhundert). leichte deflation von 1,5% und moderat steigende löhne. traumhaft. eine wohlstandsmaschine.
@ Morph
Stimme zu.
Das Problem wird mittels Zeitschiene aus der Funktionslogik in die „Diskurslogik“ überführt – und damit zur Auffassungssache gemacht.
Es gibt dabei allerdings eine Referenz, die nicht so ganz einfach auszuhebeln ist: geschichtliche Erfahrung.
Alle, die jetzt die Krise bekämpfen, beziehen sich explizit oder implizit darauf.
Allerdings kommt man damit argumentativ nicht sehr weit, weil auch alle wissen, dass sich Geschichte nicht wiederholt – jedes Heute ist immer anders, u. a. auch deshalb, weil immer Geschichte davor liegt.
Ich glaube nicht, dass wir daran etwas ändern können.
Wir können immer wieder nur feststellen, wie in welcher Situation argumentiert wird.
@ all
da hier alle so ernst sind, mal etwas aufheiterndes:
Der optimale Finanzkreislauf
Es ist August, eine kleine Stadt an der Riviera, Hauptsaison, aber es regnet, die Stadt ist leer. Alle haben Schulden und leben auf Kredit. Zum Glück betritt ein reicher Russe eines der Hotels:
- der Russe will ein Zimmer, legt 500,- € auf den Tisch und geht, um sich das Zimmer anzusehen,
- der Hotelchef nimmt das Geld und rennt zum Metzger, um seine Schulden zu begleichen,
- dieser nimmt die Banknote und rennt zum Schweinezüchter, um seine Schulden zu regulieren,
- dieser nimmt die 500,- € und rennt zum Futterlieferanten, um seine Schulden zu reduzieren,
- dieser nimmt das Geld und gibt es einer Nutte, bei der er laufend auf Kredit war (Krise),
- die Nutte nimmt das Geld und rennt zum Hotelchef, um ihre Schulden für das Stundenzimmer zu regulieren.
Genau in diesem Moment kommt der Russe zurück, sagt, das Zimmer gefalle ihm nicht, nimmt seine 500,- € und verlässt die Stadt.
Niemand hat etwas verdient, aber die ganze Stadt hat keine Schulden mehr und schaut plötzlich wieder völlig optimistisch in die Zukunft!
@ soffi
“Geld ist einmal im markt entstanden. als ergebnis eines marktprozesses, einer leistung. schöne zeiten (19. Jahrhundert). leichte deflation von 1,5% und moderat steigende löhne. traumhaft. eine wohlstandsmaschine.”
ja, das war mal endogenes Geld. (allerdings mit blühenden Ausnahmen)
soweit ok.; allerdings muss man muss die Realgütererzeugung betrachten, also den Verschuldungsfreunden beweisen, dass die Verschuldung real nichts bringt.
Schwierig wird es, weil man sinnvoll nur nach einer Währungsreform abrechnen kann.
Vielleicht fühlen wir uns auch besser, wenn es Jahrzehnte aufwärts geht, und dann ein paar Jahre ganz bitter, dann wieder Jahrzehnte aufwärts.
Der Hotelchef hat aber 500,- weniger. Bzw. Schulden beim Russen.
Oder?
@ soffi
Niemand, der geld druckt, kann recht haben. DAS nenne ich Wissen.
Nein, mit dem Wissen hat das nichts zu tun. Das ist nur eine neoliberale Idiotie.
Das 19. Jahrhundert: Die schönen Zeiten hat Marx und viele anderen beschrieben. Muss man nicht glauben? Bestimmt nicht! Wenn aber die Zeiten so schön waren, warum zwei mal Revolution in Frankreich (1848 und 1873)
Das ganze 19. Jahrhundert war deflationär. Stimmt! Das 20. inflationär. Stimmt! Das Wachstum im 20. war aber doppelt so hoch wie im 19. Also warum ???????????
@ soffi 241
von dir?
@ Schmeichler
überleg noch mal. der chef hat keine schulden beim russen. de rhat ja sein geld wieder.
@ topi
nö. kam gerade per email reingeschneit.
@ Systemfrager
“Das Wachstum im 20. war aber doppelt so hoch wie im 19. Also warum ???????????”
nominal oder real?
@ topi 245
Natürlich von ihm. Er ist in Märchen verliebt.
@soffi
Der Hotelchef hat aber 500,- weniger. Oder Schulden beim Russen.
Eins von beiden trifft schon zu.
@ soffi 246
Du selbst hast doch gesagt, die Deflation im 19. Jahrhudnert 1.5% Wenn man dann von Wachstum spricht, was würdest du sagen:
Hat man niminal oder real gemeint?
@ Schmeichler
nein. der hotelchef hat 500 weniger schulden (beim metzger) und 500 weniger forderungen (an die nutte). bilanzverkürzung.
@ systemfrager
ich hab nicht von wachstum gesprochen. ich hab von steigenden löhnen gesprochen. in zeiten der deflation ein umso größerer kaufkraftgewinn.
@ schmeichler 238
“Einfach mal dort lesen und Grafiken deuten.
Staatsschulden wirken sofort – da ihre Zinsen sofort fällig sind.
Nicht nur symbolisch…”
Überzeugt mich nicht, aus der Korrelation, die ja auch mit anderen Größen (Wirtschaftszyklus) besteht, die Kausalität (in dieser Richtung) abzuleiten.
Rentierliche Investitionen bei unterausgelasteten Kapazitäten sind sinnvoll, egal wie finanziert, behaupte ich mal schlankweg.
Nur da geht es ja erst los: wofür wird das Geld verwendet.
@ soffi
Dein 500-Märchen bestätigt wunderbar “Emergenz”:
Sogar wenn alle in einer Writschaft Schulden haben, die Wirtschaft in toto ist schuldenfrei.
Der Unterschied zwischen dem Märchen und unserer Realität:
Russe lässt sein Geld aus der Hand, unser rrr-Reiche wird dies nie tun. Das wird nur mit Gewalt gehen. Also man wird ihm das, was er geklaut hat, nehemen müssen.
@ soffi #241
Der reale Finanzkreislauf
Es ist Wahlkampf, Frankfurt/Main. Alle Banken haben Schulden und leben auf Kredit. Zum Glück besucht ein reicher Finanzminister eine der Banken:
- der Minister will wiedergewählt werden, legt 500,- € auf den Tisch und geht Wahlkampf machen
- der Bankenchef nimmt das Geld und rennt zur nächsten Bank, um seine Schulden zu begleichen,
- diese nimmt die Banknote und rennt zur nächsten Bank, um ihre Schulden zu regulieren,
- diese nimmt die 500,- € und rennt zur nächsten Bank, um ihre Schulden zu reduzieren,
- diese nimmt das Geld und gibt es einer Bank, bei der sie Schulden hat,
- diese Bank nimmt das Geld und rennt zum anfangs erwähnten Bankenchef, um ihre Schulden zu regulieren.
Genau in diesem Moment kommt der Minister zurück, sagt, das er gewählt worden sei, teilt den Wählern mit, dass die Staatsschulden um 500,- € erhöht werden müssen, weil die Banken systemrelevant seien.
Der Steuerzahler zahlt Zins und Tilgung auf neue Staatsschulden, aber die Banken keine Schulden mehr, schauen völlig optimistisch in die Zukunft und betreiben ihre Casino weiter!
@ Systemfrager
“Also man wird ihm das, was er geklaut hat, nehemen müssen.”
Was hat er denn geklaut, der reiche? und wem?
Laß mich mal raten, wo wir denn als Gläubiger auftreten. Griechenland, Spanien, eigentlich die ganze Eu. Jährlich 40 mrd über Ausgleichzahlungen.
Dann vielleicht Amiland, aber ich glaube die sind schon Pleite. Wo könnten wir denn noch Kredite hingegeben haben? Achja Osteuropa, nur leider auch Pleite. Da können wir als Gläubiger noch sagen was Sie tun sollen. Aber nicht glauben, das von dort unsere Kredite mit Zinsen zurückkommen.
Bei aller Liebe ich glaube hier ist jemand als verkleidete BLINDPESE unterwegs.
@Morph
>Es scheint ja tatsächlich so zu sein, dass man im Zuge der Identifikation gesellschaftlicher Sachverhalte (ihrer Fest-Stellung) immer genötigt ist, unhaltbare Logiken darzustellen und diese (implizit) über die Zeitschiene zu ‘entschärfen’.
Das ist auch gar kein Wunder, weil so ziemlich alle Paradoxien des Lebens sich nur über die Zeitschiene auflösen lassen. Nehmen wir nur einmal das heilige “Wirtschaftswachstum” – nichts anderes als ein Vorgriff auf die Zukunft. Oder “Knappheit” an sich. Nichts auf der Welt ist “knapp” – bis zu dem Zeitpunkt, wo jemand drauf zugreifen will. Die “Zahlungsunfähigkeit” ist ein reines Zeitproblem: ich kann die ganze Zeit über ohne 1 einzigen Cent auskommen – solange ich ihn zu dem Zeitpunkt vorlegen kann, wo ich meinen Verpflichtungen nachkommen muß.
Das mag ein wenig esoterisch klingen, aber ich halte “Zeit” für die ganz, ganz unterschätzte Größe in so ziemlich allem, was die Menschheit so treibt – allen voran dem Kapitalismus. Daher faszinieren mich an Luhmann bis heute auch seine Aussagen über “Temporalisierung” durch die Massenmedien und den “Verlust der Gegenwart” am meisten.
@ Systemfrager
“Russe lässt sein Geld aus der Hand, unser rrr-Reiche wird dies nie tun. Das wird nur mit Gewalt gehen. Also man wird ihm das, was er geklaut hat, nehemen müssen.”
Wenn das das Problem wäre, ließe es sich durch eine Clearing-Stelle lösen; wenn das jetzt schon für Derivate eingeführt werden soll, muss es doch gehen. :–)
Das wirkliche Problem: Der Hotelbesitzer hat keine Schulden, sondern an alle im Ort Forderungen!
@ Systemfrager
“Sogar wenn alle in einer Writschaft Schulden haben, die Wirtschaft in toto ist schuldenfrei. ”
toll, oder?
wenn ich zwei schnitzel esse und du keins, sind wir in toto auch beide satt.
wie ich schon sagte: der wohlstand einer gesellschaft wird durch seine gütermenge repräsentiert, nicht durch seine geldmenge.
aber warum drucken wir dann geld? wo ist die sinngebung?
@247 Systemfrager
Nein. Es ist ein Klausurtext für Jura-Studenten und es geht darum herauszufinden wer sich strafbar gemacht hat. Meine Schlussfolgerung war, das ich den Text in die Tonne klopfen würde weil sich vermutlich keiner (offensichtlich) strafbar gemacht hat. (Nein, ich bin bekanntlich kein Jurist.)
Grüße
ALOA
@Bernd und andere
Wir erzielen aber jahraus-jahrein Einkommensüberschüsse aus diesen Positionen. Soll heissen: Wir kassieren höhere Zinsen aus dem Ausland, als wir selber ins Ausland überweisen.
Sooo schlecht kann es um unser Auslandsvermögen also kaum bestellt sein.
@tischer
“Es gibt dabei allerdings eine Referenz, die nicht so ganz einfach auszuhebeln ist: geschichtliche Erfahrung.”
Ja, das würde ich auch konzedieren. Ich würde allerdings den Akzent nicht so sehr auf die geschichtliche Erfahrung, sondern auf die Erfahrung der Geschichtlichkeit setzen, nämlich auf die Beobachtung, dass zeitgenössische Gegenwartsdiagnosen sich im Nachhinein immer als allzu belastet von zeitgenössischen Vorurteilen und diskursiven Machtverhältnissen erweisen. Die Hellsichtigsten einer Zeit sind selten diejenigen, denen Gehör geschenkt wird. Die Geschichte lehrt vor allem Skepsis gegen das ‘offizielle’ zeitgenössische Selbstverständnis und motiviert das Interesse an marginalen Stimmen.
Zeitgenössische Hellsichtigkeit ist, denke ich, nicht nur ein Zufallseffekt – den es natürlich gibt, jemand mag zufälligerweise den Zeitpunkt des Platzens einer Blase korrekt erraten, das hat mit Hellsichtgkeit natürlich nichts zu tun. Aber es gibt offenbar auch so etwas wie vorgeschobene Beobachterposten der gesellschaftlichen Entwicklung. Z.B. scheint mir Heinsohn, bei aller berechtigten Skepsis gegenüber den allzu kurzen Vermittlungswegen zwischen Demographie, Konflikt und Wohlstand, wegen seines Interesses an der Thematik der großen Tötungen so etwas wie einen vorgeschobenen Beobachterposten einzunehmen.
Und es gibt Modelle gelingender Krisenbewältigung, die man mutatis mutandis als Perspektiven einsetzen könnte (z.B.: Wie vollziehen sich typischerweise touch-down und recovery im Fall eines Alkoholikers? Wodurch und wie vollziehen sich Rückfälle? Was sind die Mittel stabilen Trockenseins?). Also eher ein experimentelles denn ein erzählerisches Verhalten zur Wirklichkeit und ihrer Geschichte.
Und einem persönlich bleibt ja im Interesse an der eigenen Integrität ohnehin nur, sich nicht den falschen und fatalen Projektemachern der Jetztzeit anzuschließen. Damit hat man geleistet, was billigerweise von einem vernünftigen Zeitgenossen verlangt werden kann.
@ soffi
“wie ich schon sagte: der wohlstand einer gesellschaft wird durch seine gütermenge repräsentiert, nicht durch seine geldmenge.”
sag ich auch.
“aber warum drucken wir dann geld? wo ist die sinngebung?”
na um die Güterproduktion anzukurbeln!!!
Hast du belastbare Daten zu Wirtschaftswachstum und Gelddruckgeschwindigkeit?
wenn ich zwei schnitzel esse und du keins, sind wir in toto auch beide satt.
wie ich schon sagte: der wohlstand einer gesellschaft wird durch seine gütermenge repräsentiert, nicht durch seine geldmenge
Unsinn. Du widersprichst Dir in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen selbst. Die Gütermenge ist zwei Schnitzel – und nein, der Wohlstand einer Gesellschaft wird wie Du selbst sagst offensichtlich eben nicht alleine durch deren Existenz widergespiegelt.
Die Sinngebung von Geld ergibt sich zum einen aus Ricardo und zum anderen aus der Abwesenheit der Arbeitswerttheorie in der Praxis.
Grüße
ALOA
@wgn#257
absolut, sehe ich genau so. Aber auch eine extrem schwierige, für unsere Denkgewohnheiten ungewohnte, weil un-anschauliche Thematik (Sehsinn = Raumsinn). Vielleicht müsste man hinsichtlich der zeitbezogenen Phänomene des Sozialen (und der Wirtschaft) eher mit Begriffen des paradigmatischen Zeitsinns, nämlich des Gehörs, arbeiten.
@ aloa5
“und nein, der Wohlstand einer Gesellschaft wird wie Du selbst sagst offensichtlich eben nicht alleine durch deren Existenz widergespiegelt.”
doch, schon. zur verteilung habe ich nichts gesagt. ich denke, darauf spielst du an. ich wollte mit meinem schnitzel-beispiel den werten systemfrager auch nur darauf aufmerksam machen, dass gelddrucken umverteiligung von arm zu reich bedeutet.
@ topi
“na um die Güterproduktion anzukurbeln!!! ”
Ja, genau.
und ich vollpfosten dachte immer, die käm von arbeit. tstst. das ist ja leicht.
-”Hast du belastbare Daten zu Wirtschaftswachstum und Gelddruckgeschwindigkeit?”
nicht greifbar.
aus dem kopf aus einer der letzten FTD:
für 1 $ Wachstum haben die USA in den jahren 2001-2007 rund 6,50 $ schulden gemacht. 2008 waren es für 1$ wachstum 18,50 $.
so ca.
@topi #258
„Das wirkliche Problem: Der Hotelbesitzer hat keine Schulden, sondern an alle im Ort Forderungen!“
Nein, alle haben Forderungen und Schulden in gleicher Höhe und damit in der Bilanz schuldenfrei. Tatsächlich sind alle aber erst in dem Moment schuldenfrei, wo sie von Schuldnern das Geld bekommen und an ihre Gläubiger weiterreichen.
@Bernd #246
„Laß mich mal raten, wo wir denn als Gläubiger auftreten. Griechenland, Spanien, eigentlich die ganze Eu.“
Nein, „wir“ als konkrete Menschen und Staatsbürger treten als Gläubiger überhaupt nicht in Erscheinung. Folglich haben „wir“ auch keine rechtswirksamen Forderungen.
Siehe @lemming #4 + #93
aloa5 #260
„Nein. Es ist ein Klausurtext für Jura-Studenten und es geht darum herauszufinden wer sich strafbar gemacht hat.“
Ganz klar: der Wirt. Der hat eine Unterschlagung begangen.
Die 500 € waren nach wie vor Eigentum des Russen.
@ soffi
Das ist ungerecht! 2008 als Vergleich, ts.
Aber ja, das ist der Trend, wohin sich unsere endogene Geldmenge entwickelt. :daumen:
Ich meinte eher den long run; vielleicht braucht man auch nur zwei Zustände unterscheiden: angemessenes Geldmengenwachstum und unangemessenes. Letzteres hat ja den Hang, sich zu beschleunigen.
@ HAM
„Das wirkliche Problem: Der Hotelbesitzer hat keine Schulden, sondern an alle im Ort Forderungen!“
Nein, alle haben Forderungen und Schulden in gleicher Höhe und damit in der Bilanz schuldenfrei. Tatsächlich sind alle aber erst in dem Moment schuldenfrei, wo sie von Schuldnern das Geld bekommen und an ihre Gläubiger weiterreichen.
Lieber HAM, war ich so missverständlich?
Du sagtest, unser Problem wäre, dass der Geldinhaber das Scheinchen nicht loslässt, und ich meinte, dass dies nicht das Problem ist, sondern in unserem System wenige die Forderungen haben, alle anderen die Verbindlichkeiten (direkt oder über den Staat).
Das Gleichnis lässt sich eben nicht übertragen, es kann kein Ölscheich oder die Bank of China kommen, und unser inländisches Verschuldungsproblem durch netting lösen.
@HAM 267
Das ist vielleicht gemeint, jedoch sprachlich mit einer sechs zu versehen. Zur Belustigung aller dazu der entsprechende Thread aus dem April diesen Jahres bei Herrn Vetter:
http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/04/23/perfekter-kreislauf/
Grüße
ALOA
@topi #269
Du sagtest, unser Problem wäre, dass der Geldinhaber das Scheinchen nicht loslässt, und ich meinte, dass dies nicht das Problem ist, sondern in unserem System wenige die Forderungen haben, alle anderen die Verbindlichkeiten (direkt oder über den Staat).
Beides ist richtig, einmal wird es unter dem Aspekt von
ob Geld/Eigentumstitel, zum anderen von Schuldtiteln betrachtet.
Selbst der nicht-verschuldete Landarbeiter ist wirtschaftlich nicht frei, wenn er nicht über Eigentumstitel an Land verfügt, also das Land z.B. einem Großgrundbesitzer gehört. Hätte er eigenes Land, könnte er sich selbst ernähren.
Geld ist in diesem Sinne eine Art “Rechtstitel” – in Form eines staatlich anerkannten Wertäquivalents – auf in der Gesellschaft vorhandene reale Güter, also auf Waren, welche im Marktgeschehen als Angebot vorhanden sind.
Der geld- bzw. vermögenslose Mensch muss seine Arbeitskraft und damit sich selbst erst zur Ware anbieten, um die Chance zu erhalten, zu Geld zu kommen und somit Zugang zur Waren-Welt.
Zur Ware wird die Arbeitskraft des geld- oder vermögenslose Menschen erst dann, wenn ein anderer Mensch für das „Mieten“/„Benutzung“ dieser Arbeitskraft bzw. des Körpers bezahlt.
Der Staatsbürger besitzt unter bestimmten Voraussetzungen rechtliche Forderungen auf Versorgung mit Gütern an den Staat (s. Sozialhilfe, HartzIV).
@ topi
“Ich meinte eher den long run; vielleicht braucht man auch nur zwei Zustände unterscheiden: angemessenes Geldmengenwachstum und unangemessenes. Letzteres hat ja den Hang, sich zu beschleunigen.”
ebenfalls aus dem Kopf: oecd-zahlen der letzten 20 jahre. das geldmengenwachstum war ca. 4 mal größer als das bip-wachstum.
viel statistikkrams findet man aber bspw. hier:
http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?open=ewu&func=row&tr=AC4954&showGraph=1
@wgnx
Das ist auch gar kein Wunder, weil so ziemlich alle Paradoxien des Lebens sich nur über die Zeitschiene auflösen lassen.
Nur dummerweise scheint es “Paradoxien des Lebens” zu geben, die sich über die Zeitschiene nicht auflösen, sondern verschärfen. Ich vermute, so aus diversen diffusen Gründen, der Kapitalismus könnte zu dieser Kategorie Paradoxie, aka Widerspruch, gehören.
@aloa5 #270
Das ist vielleicht gemeint, jedoch sprachlich mit einer sechs zu versehen.
Volle Zustimmung.
Man weiß überhaupt nicht, warum/wofür der Russe das Geld dem Hotelwirt gegeben hat.
Darum wird auch der juristische Streit gehen.
- Hat er das Zimmer damit unbesehen schon gemietet?
- Gab er das Geld als Pfand? Aber wofür?
- Wollte er seine Zahlungsfähigkeit beweisen?
Auch entscheidend:
Wie hat der Wirt das interpretiert?
Man sieht, keiner ist zu Schaden gekommen, trotzdem ist es ein Fall, der Juristen beschäftigen kann.
@Morph
Sehe ich genauso. Zufällig mal Reinhart Kosseleck gelesen?
@weissgarnix
http://www.youtube.com/watch?v=wtJFhJPBtss
@ HAM
wieso sollte es streit geben? der russe hat seine 500 doch wieder. der hotelchef bekam sie von der nutte, etc.
@lemming
Der Kapitalismus ist meiner Ansicht nach gerade ein System, das seine inneren Widersprüche über die Zeit (i.e. die Zukunft) auflöst. Daher ja auch die immer wieder angestellten Vergleiche mit der Religion, zB bei Walter Benjamin.
@weissgarnix
Da tun wir alle weil wir sonst verückt werden würden weil das Sein an sich schon eine Paradoxie ist.
@wgnx #257
“Das mag ein wenig esoterisch klingen, aber ich halte “Zeit” für die ganz, ganz unterschätzte Größe in so ziemlich allem, was die Menschheit so treibt – allen voran dem Kapitalismus.”
Sehr gut. Also, ich muss sagen, langsam bin ich gespannt auf Dein Buch.
Kann man dafür jetzt eigentlich schon ein Bezugsrecht “zeichnen” ? Ich möchte das tun, schon allein deswegen, damit die Relevanz des Aspektes “Zeit” um eine weitere Facette bereichert wird…
@lemming
“Nur dummerweise scheint es “Paradoxien des Lebens” zu geben, die sich über die Zeitschiene nicht auflösen, sondern verschärfen.” und “Paradoxie, aka Widerspruch”
).
Womit wir wieder beim Thema wären
Nach meinem Sprachverständnis kann sich ein Widerspruch nicht verschärfen. Entweder Widerspruch, oder nicht. Der Begriff “Paradoxie” hingegen scheint mir (wie gesagt, Sprachgefühl) eher den Beobachter-Eindruck der logischen Diskrepanz auszustellen. Und dieser Eindruck kann mehr oder weniger prägnant sein (Prägnanz, Gestalt, nicht objektive Gegenbenheit, sondern Form, nicht Materialismus, sondern Morphologie
@wgn
ich kenne Koselleck nur sekundär, so die groben Thesen, die mit dem Namen verbunden werden, habe aber keine wirkliche Kenntnis. Denkst Du an einen bestimmten Text?
„ruling class“
Varga (1963)
http://www.jungewelt.de/2009/11-21/002.php
@Morph
Da löse doch bitte Objektiv Logisch wie auch immer das Paradox auf…
Da entsteht etwas nur um nach ablauf von etwas das wir Zeit nenen nicht mehr zu sein.
Viel glück…
http://www.youtube.com/watch?v=Yu_UFHrC02k
@Frankie
>Also, ich muss sagen, langsam bin ich gespannt auf Dein Buch.
Darin schneide ich das Thema nur an, leider. In meinem Buch geht’s primär um die Schulden; allerdings merkt man meiner Ansicht nach in der Beschäftigung mit dem Kredit am ehesten, wie sehr der Kapitalismus auf Zeit angewiesen ist. Das hat allerdings Schumpeter schon vor 100 Jahren rausgefunden, ist also nicht meine grandiose Erkenntnis.
@Morph
Ja: “Vergangene Zukunft – Zur Semantik geschichtlicher Zeiten”
@weissgarnix #278
Der Kapitalismus ist meiner Ansicht nach gerade ein System, das seine inneren Widersprüche über die Zeit (i.e. die Zukunft) auflöst. Daher ja auch die immer wieder angestellten Vergleiche mit der Religion
Früher wurden die christlichen Gläubigen mit der Hoffnung auf eine himmlisches Leben nach dem Tode vertröstet,
heute werden die bedrohten Mittelschichten und das Prekariat mit der Hoffung auf ein zukünftiges Wirtschaftswachstum vertröstet.
Die Kapitalismusgläubigkeit nach wie vor weit verbreitet.
Und auch im Prekariat enden Armut und Elend bekanntlich spätestens mit dem Tode.
Heute verkündigen die Pfaffen und Pfäffinnen des Kapitals schon erste Zeichen des Wachstums:
„Prima Stimmung, große Auslandsnachfrage und anziehende Investitionen – die Erholung der deutschen Wirtschaft straft pessimistische Prognosen Lügen. Sollte das Arbeitsmarktwunder anhalten, spricht alles für einen kräftigen Aufschwung.“
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:ifo-index-und-bip-wachstum-gute-gruende-fuer-einen-breiten-aufschwung/50041649.html
@ Morph
„Erfahrung der Geschichtlichkeit“ trifft es natürlich besser als „geschichtliche Erfahrung“.
>Aber es gibt offenbar auch so etwas wie vorgeschobene Beobachterposten der gesellschaftlichen Entwicklung …>
Da gibt es das Problem, dass durchweg fraglich sein wird, wer ein “vorgeschobener Beobachter” oder Spinner ist.
Aber egal, ob vorgeschobener Beobachter oder Spinner: Die können sensibilisieren oder etwas anstoßen.
Ich halte eher den RÜCK-Blick für gewichtig gegenüber der von Kurzzeit-Interessen geleiteten „HEUTE-Diskussion“.
Beispiel: Hyperinflation im letzten Jahrhundert in Deutschland.
Die ist NICHT wegzudiskutieren und – wie auch immer – irgendwie in der Gesellschaft verankert.
Aber diese „Erfahrung“, die natürlich nur eine der Geschichtlichkeit ist, für uns also bestenfalls dokumentarisch erfahrbar ist, wird eben in der HEUTE-Diskussion relativiert, z. B. wie:
Ja, es gab Hyperinflation, aber DAMALS wurden eben Fehler gemacht. Heute wissen wir, wie man das verhindern kann.
Ich bin ganz sicher, wenn wir die gegenwärtige Krise einigermaßen überstehen, wird aus der Krise allem voran das „Beherrschbarkeits-Syndrom“ gestärkt hervorgehen.
@ Weissgarnix
–>Das mag ein wenig esoterisch klingen, aber ich halte “Zeit” für die ganz, ganz unterschätzte Größe in so ziemlich allem,”
Was klingt denn an der Zeit esoterisch? Wollen wir die auch noch ausklammern? Die Zeit ist noch nicht mal empirisch ermittelt. Und doch hat sie etwas mit Esoterik zu tun.
Nicht umsonst heißt es: “Zeit ist Geld”
Ich habe keine Zeit, schnell schnell, bis der Herzschlag da ist, dann hat man alle Zeit der Welt und kann in aller Ruhe darüber nachdenken.
@nanuk#283
ich nehme natürlich wahr, dass die Formen der Gesellschaftsbeschreibung, die ich für stimmig halte, für viele andere Menschen wie eine Apologetik bestehender Verhältnisse anhören. Das bin ich gewohnt. Und ich kenne auch die Wut, die perspektivisches Denken auslöst. Ich habe schon so oft gehört, och sei ein Zyniker, ein ekelhafter Kerl, man hat mir so oft die schlimmsten Schicksale an den Hals gewünscht, da kann eigentlich nichts mehr groß kommen. Aber ich habe oft genug die Erfahrung gemacht, dass Leute ihren Sinn geändert haben, nachdem sie kapiert haben, was es mit perspektivischem Denken auf sich hat, und dass man nichts verliert an Haltung, Weltgeswissheit und Sinn, wenn man sich auf das Perspektivische einlässt, dass man aber etwas an denkerischer Elastizität gewinnt. Das muss man natürlich nicht wollen und ich respektiere jeden, der auf einem “Fundament” steht, wie Du kürzlich geschrieben hast, Nanuk, wenn damit nicht lediglich die Legitimation reklamiert wird, andere zu beschimpfen und virtuell die Fresse zu polieren.
@Tischer
>Ich bin ganz sicher, wenn wir die gegenwärtige Krise einigermaßen überstehen, wird aus der Krise allem voran das „Beherrschbarkeits-Syndrom“ gestärkt hervorgehen.
Sehr guter Hinweis. Minsky nannte das “Validierung von Geschäftspraktiken” – dadurch, dass man die Krise “beherrschen” kann, werden die Faktoren, die zu ihr geführt haben, nicht abgestellt, sondern endgültig gesellschaftsfähig. Taleb spricht im “Black Swan” vom “Survivor Bias”, ähnliches Thema iSv “Was uns nicht umbringt, macht uns hart” bzw mit Angela Merkel “Deutschland wird gestärkt aus der Krise hervorgehen”.
@tischer
“Da gibt es das Problem, dass durchweg fraglich sein wird, wer ein “vorgeschobener Beobachter” oder Spinner ist.”
Allerdings! – Deshalb ist Logik, Wahrnehmung und Beobachtungskontrolle ja so eminent wichtig. Nicht jeder der Ungewöhnliches sagt, sagt Bemerkenswertes. – Im Übrigen habe ich auch den Eindruck, dass die politischen Reaktionen auf die Krise – nach Maßgabe der Politik – sozusagen wohlinformiert waren. Ich bin aber wirklich skeptisch, ob nicht mehr dringewesen wäre hinsichtlich der Begrenzung der Betriebsgröße von Finanzinstituten. Das Argument, dass die gekonnte politische Reaktion nur das Katastrophenpotenzial vergrößert hat, ist ja nicht völlig von der Hand zu weisen. Eine Stimme, die ich sehr informativ in diesen Angelegenheiten finde, ist die Elizabeth Warrens. So, wie sie es darstellt, sind die politischen Möglichkeiten in der Krise durchaus durchaus nicht ausgenutzt worden. Und wenn man sich das entscheidende Personal anschaut und ihre Nähe zu den Interessen der Finanzindustrie, ist das ja auch kein Wunder.
Ich habe festgestellt das die “Flexibilität im Geiste” oftmals nur getarnte Feigheit ist. Empirisch ermittelt…
@ wgn
“Darin schneide ich das Thema nur an, leider. In meinem Buch geht’s primär um die Schulden; allerdings merkt man meiner Ansicht nach in der Beschäftigung mit dem Kredit am ehesten, wie sehr der Kapitalismus auf Zeit angewiesen ist.
Thema Zeit und Geld: das ist einfach. da kann ich helfen.
ich zitiere mal aus ein paar email, die mir zugeflogen sind:
“Weder die Fed noch die Bank of Japan haben die Macht, die Dauer eines Tages zu verlängern. Sie könnten zwar per Dekret die Zahl der Stunden oder Minuten erhöhen, aber die Zeit, die die Erde für eine tägliche Rotation braucht, würde trotzdem konstant bleiben. Genauso wenig kann eine Zentralbank die Summe der realen Ersparnisse einer Gesellschaft erhöhen – weder durch Proklamationen noch durch Taschenspielertricks.
Alles, was sie tun kann, ist, den Leuten etwas vorzugaukeln: Dass neu gedruckte Geldscheine genauso gut seien wie die alten.
Um eine Krise – oder einen Abwärtstrend im Kreditzyklus – zu verstehen, ist es entscheidend, dass die Nachfrage schrumpft. Die Verbraucher haben weniger Geld. Und das aus einem einfachen Grund: Sie haben das Geld bereits ausgegeben.
Aufgepasst, denn das ist wichtig. Wenn man Geld leiht, um zu konsumieren, dann konsumiert man eigentlich etwas schon heute, dass man normalerweise in der Zukunft konsumiert hätte. Man hat dann Geld ausgegeben, dass man noch nicht verdient hat, für etwas, zu dem man noch nicht wirklich bereit war. Sie haben den Ausdruck Zeit ist Geld schon einmal gehört.
Das ist der Grund, warum man, wenn man Geld leiht, in Wahrheit Zeit leiht. Später muss man das wieder ausgleichen. Man muss die Schulden abbezahlen. Und wenn man das tut, dann nimmt man Geld aus dem aktuellen Konsum, denn man hat es schon konsumiert.
Das bezeichnen die Wirtschaftler als Zerstörung der Nachfrage. Es ist das, was während einer Krise passiert. Die Leute ersetzen das, was sie der Zukunft schon weggenommen hatten. Sie können nicht mehr konsumieren, weil sie ihr Geld schon während des zurückliegenden Booms verbraucht haben. Die Nachfrage bricht ein.
Das konnte man in den vergangenen zwei Jahren beobachten. Die Sparraten sind von Null auf 7% geklettert. Die Absatzzahlen gehen zurück (die jüngsten Korrekturen zeigen, dass sie deutlicher gefallen sind, als man ursprünglich angenommen hatte.) Auch die Gewinne schrumpfen.
Das ist natürlich eine ganz natürliche und notwendige Anpassung. Man kann der Zukunft nichts wegnehmen, ohne dass man es irgendwann wieder zurückgeben muss. Die Zukunft wird das nicht zulassen. Aber die Regierung bekämpft das Problem in ihrer umnachteten Verwirrung wie ein Farmer, der rückwärts pflügt um die Krähen zu narren.
Sie denken, das Problem sei die zu geringe Nachfrage. Also versuchen sie, die Nachfrage zu erhöhen… indem sie die Steuern senken… Konjunkturprogramme einführen… die Zinsen senken… leichte Kredite ermöglichen… und Geld für Klapperkisten und andere Dinge hergeben. Was erreicht man mit dieser Politik? Steigert man so wirklich die Nachfrage? Nein, das kann nicht gelingen… dazu bräuchte es eine reichere Bevölkerung, die mehr Geld zum Ausgeben hat. Sie versuchen nur, die Nachfrage vorzuziehen.
Das Problem ist natürlich, dass bereits zu viel der Nachfrage vorgezogen wurde. Aber sie versuchen immer noch mehr davon zu stehlen… sie nehmen sich jetzt die Nachfrage, die eigentlich erst in zwei, drei, vier… oder zehn Jahren fällig wäre. Das Auto, dass man vielleicht im nächsten Jahr gekauft hätte, beispielsweise. ”
Soviel zum Thema: Zeit ist Geld. mehr braucht man gar nicht zu wissen.
@Morph
Ich bin ein wunderbarer Dolmetscher ich übersetze ihre Selbstkritik mal…für normalsterbliche…
Ich bin zwar ein Zynisches Schwein aber ich besitze “denkerischer Elastizität”
Na denn Prost…
@nanuk
und was sollte man, Deine Meinung nach, mit einem solchen zynischen Schwein anstellen? Sprich Dich aus, Brauner.
@ soffi 255
>“Also man wird ihm das, was er geklaut hat, nehemen müssen.”
Was hat er denn geklaut, der reiche? und wem?
Du wirst jetzt hoffentlich nicht erzählen, dass die Steuersenkungen, Privatisierungen und Flexibilisierungen, fordern statt fördern, Leistung muss sich lohnen, mehr Netto von Brutto, … das Wachstum und Arbeitsplätze bringen sollten.
Alles was mehr Arbeitsplätze schaffen sollte, sollte eigentlich Arbeitsplätze vernichten, damit die Löhne ins Bodenlose sinken. Die Privatisierung war von Anfang an ein organisierter Raub der Bevölkerung. Und das alles, nur weil man den Kommunismus nicht mehr fürchten musste.
„Der Kapitalismus hat der Arbeiterklasse den Krieg erklärt und er hat ihn gewonnen“, schrieb der Ökonom Lester Thurow in den 1990er Jahren
@Morph
http://www.youtube.com/watch?v=wP3YCZvuB6A
So hat sich die moderne Gesellschaft in Glaubensgemeinschaften separiert.
In Kapitalismusgläubige und in Kapitalismusungläubige,
in Pessimisten und Optimisten.
Die einen befürchten, dass sie ihr Geld verlieren, die anderen, dass sie nie wieder zu Geld kommen.
Die einen glauben ganz fest an die Beherrschbarkeit der kapitalistischen Ökonomie, die anderen an das Gegenteil.
„Ich bin ganz sicher, wenn wir die gegenwärtige Krise einigermaßen überstehen, wird aus der Krise allem voran das „Beherrschbarkeits-Syndrom“ gestärkt hervorgehen.
Ja, WENN …
Ein Sammelsurium von Sekten.
@ Soffi
Zukunft verbraten?
Richtig und nicht richtig.
Es kommt darauf an, ob die Einkommen, stabil bleiben. Wenn meine Löhne steigen und ich in 1970 ein Haus gebaut habe, für z.B. 200.000
Ich dank einer Lohnerhöhung anstatt 5 die Stunde, 500 verdiene, ist die Zeit dann geändert? Ich könnte das Haus ja schneller abbezahlen.
Einerseits hast du recht, heute kaufen morgen bezahlen oder tod, aber am Ende bekommst du nix aus der Zukunft.
Mit dem Einkommen, wird nicht die Zeit manipuliert, sondern der Zeitraum. Was ich mir jetzt leiste, kann ich in Zukunft nicht mehr mir leisten. Immer in Abhängigkeit meines Einkommens.
Deswegen, ein zweischneidiges Sword
@ soffi 293
Siehst du, deshalb hat Kant behauptet, eine Wissenschaft kann nur ein System sien. (Er meinte logisch-matehamtisches System.) Sonst ist alles nur ein Müll, wie bei deiner Ezählung
@nanuk
“Ich habe festgestellt das die “Flexibilität im Geiste” oftmals nur getarnte Feigheit ist. Empirisch ermittelt…”
Ich sehe es umgekehrt: Feste Werte an sich sind nichts wert, die haben irgendwie alle. Helmut Kohl ist in D der Politiker, der mit dem Wertbegriff am meisten assoziiert wird. Worauf es (mir) dagegen ankommt, ist die Fähigkeit, andere Position als Positionen wahrnehmen zu können und nicht nur als Un-Position, als Ort des Bösen usw. – Aber das hat vermutlich mit persönlichen Erfahrungen zu tun, ob man eher auf bestimmte Werte oder auf den Wert der Relativierung setzt. Und Dein Fundamentalismus erschöpft sich nach meiner Wahrnehmung darin, Mitdiskutanten zu beschimpfen und zu denunzieren. Leuchtet mir nicht ein, was das soll, aber mach nur so weiter, wird schon seinen guten Sinn für Dich haben.
@ Systemfrager
“Die Privatisierung war von Anfang an ein organisierter Raub der Bevölkerung. Und das alles, nur weil man den Kommunismus nicht mehr fürchten musste. ”
und daraus folgern wir was? mauer wieder aufbauen?
wer hat die beute?
ich finde grundsätzlich schon, dass das geld beim bürger besser aufgehoben ist, als bei unserer umverteilungselite.
-”Sonst ist alles nur ein Müll, wie bei deiner Ezählung”
das hast du schon gut erkannt. ich bin bekennender märchenfreund. insbesondere, wenn du von deinem logisch-mathematischen systemen fabulierst, fällt mir eins meiner lieblingsmärchen ein; das vom schwarzen schwan.
@ soffi 302
Aber – wie bereits angedeutet – es gibt kein Märchen, das gar nichts mit der Realität zu tun hätte. Dein ist keine Ausnahme. Im Gegenteil. Mir gefällt es sogar sehr, wenn du sagst:
Sie denken, das Problem sei die zu geringe Nachfrage. Also versuchen sie, die Nachfrage zu erhöhen …
Das Problem ist natürlich, dass bereits zu viel der Nachfrage vorgezogen wurde. Aber sie versuchen immer noch mehr davon zu stehlen… sie nehmen sich jetzt die Nachfrage, die eigentlich erst in zwei, drei, vier… oder zehn Jahren fällig wäre. Das Auto, dass man vielleicht im nächsten Jahr gekauft hätte, beispielsweise. ”
Seit mehr als zwei Jahrhuderten diagnostizeiren die scharfen Beobachter der Tatsachen, dass die Nachfrage fehlen kann. Nur keiner konnte erklären: wo,wie, warum, wann, …
Das ist das wahre Problem der WiWi, nicht die Kosten (Neolib) oder Geldspekulationen (naive Keynesianer), …
@ Systemfrager
“Das ist das wahre Problem der WiWi, nicht die Kosten (Neolib) oder Geldspekulationen (naive Keynesianer), …”
vielleicht hast du den text nicht richtig gelesen oder nicht verstanden:
die scharfen Beobachter DENKEN nur, das problem sei die zu geringe nachfrage. das WAHRE problem ist, dass man über seine verhältnisse gelebt hat – auf pump, und dadurch die nachfrage vorgezogen hat. nicht nachfrageMANGEL ist das problem, sondern zuviel nachfrage in zu kurzer – zu früher – zeit.
erinnert mich ein wenig an den crédit mobilier. eine idee, die ärmeren etwas egalitärer zu machen. klappt so nicht.
@ soffi 304
das WAHRE problem ist, dass man über seine verhältnisse gelebt hat
Aber sicher, man hat die Ferkel verspeist, die noch nicht geboren sind, die Autos gefaren, die noch nicht produziert wurden, usw
Siehst du, deshalb gelten die WiWiler bei den Naturwissenschaftlern (ich weiß wovon ich spreche) als die hoffnungslosen Dummköpfe
@ Systemfrager
“Aber sicher, man hat die Ferkel verspeist, die noch nicht geboren sind, die Autos gefaren, die noch nicht produziert wurden, usw ”
schlechte beispiele.
vielleicht hat man sich auch einfach dinge gekauft, die eigentlich zu teuer waren…
heißt das, du hältst sparquoten von null für OK?
-”Siehst du, deshalb gelten die WiWiler bei den Naturwissenschaftlern (ich weiß wovon ich spreche) als die hoffnungslosen Dummköpfe”
ich teile diese ansicht. für ca. 98%.
melde mich für heute ab.
Als NichtWiler könnte man vermuten, es wären mehr Zinsen auf Schulden zu zahlen, als Geld aus eigenem Einkommen vorhanden ist. Heißt wohl, das vorher zu viel ausgegeben wurde. Bedeutet die Schuldner fordern Gläubigerverzicht. Das nennt man dann trivial Inflation. Die, die nicht auffällt und nicht durch Leitzinserhöhung bekämpft wird. Sonst würden die Rohstoffpreise nicht da stehen, wo sie sind, nicht nur Gold.
Heißt wohl Soffi sollte richtig liegen.
Nebenbei, abseits der Zinsen baut sich eine massive Inflationswelle auf, die wohl in den nächsten Jahren zum Tsunami wird, wenn ich Heli Ben & co. mit ihren Äußerungen zu den Zinsen richtig verstand. War aber klar. Böcke als Gärtner, igitt.
@ soffi, eigentlich Schade, dass du dich aus dem Staub machst. Aber ich bekomme von dir die Antwort morgen – hoffe ich. Du sagst nämlich:
“Aber sicher, man hat die Ferkel verspeist, die noch nicht geboren sind, die Autos gefaren, die noch nicht produziert wurden, usw ” schlechte beispiele. vielleicht hat man sich auch einfach dinge gekauft, die eigentlich zu teuer waren…
So, so. Wenn man sich die Dinge kauft, die eigentlich zu teuer waren, dann bleibt weniger Geld für andere Dinge übrig. Mercedes statt VW. Geht. Aber dann kein Ferkel (aus der Zukunft). So war es bei mir immer. Oder liege ich da doch falsch?
@ Morph
>Ich bin aber wirklich skeptisch, ob nicht mehr dringewesen wäre hinsichtlich der Begrenzung der Betriebsgröße von Finanzinstituten …. Eine Stimme, die ich sehr informativ in diesen Angelegenheiten finde, ist die Elizabeth Warrens. So, wie sie es darstellt, sind die politischen Möglichkeiten in der Krise durchaus durchaus nicht ausgenutzt worden.>
Sehe ich auch so.
Man hätte spätestens 3 Monate nach dem Wochenende der Lehman-Pleite als ALLE hart am Abgrund in das tiefe Loch blickten, alle für den Finanzsektor erforderlichen Regulierungen im Sack haben müssen – und zwar international geschnürt.
Jetzt scheint es mir weitgehend zu spät zu sein, um noch hinreichend wirksame Maßnahmen durchzusetzen.
Deshalb:
>Das Argument, dass die gekonnte politische Reaktion nur das Katastrophenpotenzial vergrößert hat, ist ja nicht völlig von der Hand zu weisen.>
Das ist vornehm untertrieben und gleichzeitig in aller Klarheit richtig ausgedrückt:
Die gekonnte politische Reaktion hat – vielleicht nicht nur, aber auch – das Katastrophenpotenzial vergrößert.
Ein Paradoxon?
Glaube nicht, sondern ich bin der Meinung, dass der Handlungsbedarf so groß war (und immer noch so groß erscheint), dass die HandlungsKONSEQUENZEN ausgeblendet werden (fatal irreführendes Motto: first things first).
Ich wage vorauszusehen, dass die Liquidität von den Notenbanken nicht DANN „eingesammelt“ wird bzw. nicht in dem Maß, das erforderlich wäre, wenn der Nachlaufindikator „Arbeitslosigkeit“ weiter an Gewicht gewinnt.
Es wird später sein, womöglich mit gravierenden Folgen.
@Morph
Absolute Flexibilität im Geiste morgens schlachten abends Mozart hören… und glauben sie mir es gibt gründe zum Mörder zu werden zb um so etwas zu verhindern!
http://www.youtube.com/watch?v=qNPP-Sq6F4o
@Morph
Der Witz an der Sache ist unsere Sprachlosigkeit gegenüber der Realität.
Sie versuchen sie durch Wortaufblähungen zu kaschieren das machen die Meisten hier oftmals reicht ein Satz von mir eine kurze Videosequenz um schweigen zu erzeugen.Ich muss gestehen es amüsiert mich köstlich.
@wgnx #278
Der war gut!
Der Kapitalismus ist meiner Ansicht nach gerade ein System, das seine inneren Widersprüche über die Zeit (i.e. die Zukunft) auflöst.
Über das Zukunftsmodell “Kettenbrief”, wenn ich richtig verstanden habe. So “löst” sich der Widerspruch natürlich auch auf, weil er in der Zeit nicht grenzenlos dauern kann. Nur dass diese Lösung dann je nachdem “Bankrott”, “Krieg” oder “Revolution” heisst.
Daher ja auch die immer wieder angestellten Vergleiche mit der Religion, zB bei Walter Benjamin.
Vergleichen kann man natürlich, mit zyklischen Modellen oder auch mit apokalyptischen. Nehmen wir mal was Hübsches aus der christlichen Tradition: für gute Taten in diesem Leben wird man dereinst im Jenseits entlohnt werden heisst es da.
Das übersetzt sich auf kapitalistisch so: die Entlohnung heute und maximal, gute Taten dafür können wir ja später mal vollbringen (“Schuldenabbau” zB) – aber wenn wir Glück haben, sterben wir noch vor dem Zahltag. Denn “in the long run…” das ist so die kapitalistisch-keynesche Ausgabe der zwinkernden Letzten Menschen von Nietzsche…
In der Diskussion wird – so mein Eindruck – von einem unterschiedlichen Krisenverständnis ausgegangen, nämlich zum einen von einer ökonomischen, zum anderen von einer gesellschaftlichen bzw. sozio-kulturellen Krise.
Die Frage ist, ob man die gegenwärtige ökonomische Systeminstabilität tatsächlich als „Krise“ diskutieren sollte?
Denn „Krise“ ist der Status Quo lediglich für die Betroffenen. Man könnte auch sagen, es gibt keine wirkliche ökonomische Krise, sondern nur einen verschärften „Klassenkampf von oben“, der zu einer Umstrukturierung der Gesellschaften in eine neue Herrschaftsordnung verbunden mit einer Umverteilung nach oben führt.
So wie sich der kalifornische Staat nicht in einer wirklichen Krise befindet, sondern lediglich in einer „Finanzierungskrise“ durch die Verweigerung von Steuererhöhungen.
Eine gesellschaftliche bzw. sozio-kulturelle Krise hingegen ist wesentlich tiefergehend, weil sie die alte gesellschaftliche Ordnung zerstört, also eine Krise der Reproduktion der Zivilgesellschaft ist.
In diesem Blog ist eine fortwährende Tendenz vorhanden, Ökonomie und Gesellschaft zu trennen. Das führt zwangsläufig zu Missverständnissen, wenn unterschiedliche Krisenvorstellungen vorhanden sind.
@Ham
Es ist eine gesellschaftliche Krise…
@wgn:
Also noch einmal ganz kurz, weil du zu glauben scheinst, es bestünde nur ein Verteilungsproblem. Pack dein Minsky-Modell aus, nimm an, die Wirtschaft befände sich im Boom und sag mir, was passiert, wenn der Staat anfängt die Kapitalisten stärker zu besteuern, um seine Verschuldung zu senken. Die Gewinne fallen, oder? Und wir beide wissen, was das bedeutet…
@Nanuk
Für bestimmte Kreise und Schichten ist es keine Krise, sondern die Etablierung eines neuen Gesellschaftsmodells. Die wollen sich verabschieden von bürgerlicher Demokratie, Wohlfahrtsstaat etc. Ihr Gesellschaftsmodell ist nicht von den bürgerlichen Vorstellungen von Freiheit und Gleichheit getragen, die wollen eine neo-feudale, plutokratische Gesellschaft.
@nanuk#310, 311
vielen Dank für die Videolink. Ein wertvolles Beispiel dafür, wie eine Intuition des Richtigen durch Überpointierung in ihr Gegenteil vekehrt werden kann. Als wenn erst Kinderschicksale das Grauen ratifizierten. Oje. … (gelöscht, es bringt nix) … Ja, interpretier, was ich schreibe, als Wortblähungen, es ist mir egal.
@HAM
Für bestimmte Kreise und Schichten ist es keine Krise…
Sicher, aber woher kommen sie denn, diese Kreise und Schichten?
Sie sind doch selber Resultat der kapitalistischen Akkumulation und Kapitalkonzentration der letzten Jahrzehnte, sie haben eine sozioökonomische Basis, die aber nicht selbsttragend sondern selbstzerstörerisch ist. Mit anderen Worten: diese Basis lässt sich zunehmend mit “bürgerlichen Vorstellungen” nicht mehr aufrecht erhalten oder in Einklang bringen, darum wird an einem anderen “Überbau” gebastelt. Dem Zwang zur Verwertung ihres Kapitals und damit dem Wachstums- und Produktivitätssteigerungszwang entrinnen sie so aber nicht – sie werden auf ihre goldenen Schnauzen fallen, da bin ich ziemlich sicher.
Das ganze Post- Neo- Retrozeugs ist in meinen Augen selber Krisenausdruck.
Marxistisch müsste man vielleicht formulieren, dass Produktions- und Eigentumsverhältnisse nicht mehr zusammenpassen, so wie damals Feudalismus und Manufakturproduktion aneinandergeraten sind oder wie der “real vegetierende Sozialismus” sich unter post-fordistischen Bedingungen nicht mehr erhalten konnte. Dieser Widerspruch würde dann auch diesmal nicht zugunsten der Eigentümer und Machthaber, sondern im Sinne der neuen Produktionsbedingungen gelöst.
@lemmingg #318
Dieser Widerspruch würde dann auch diesmal nicht zugunsten der Eigentümer und Machthaber, sondern im Sinne der neuen Produktionsbedingungen gelöst.
Ich weiß nur nicht,
wo ausreichend Optimismus her kommen soll…
@lemming
“im Sinne der neuen Produktionsbedingungen”
die da wären?
@HAM
Es ist eine Krise der Bürgerlichen Gesellschaft…
Es ist nicht meine Krise ich schmuntzel jeden Tag wie sich das Gesellschaftsbild der Meritokratie schneller auflöst als ich bis 3 Zählen kann.
Es lebe die Ungleichheit…
Bis die Autos brennen und die Kinder Amok laufen!
@undertaker
>Pack dein Minsky-Modell aus, nimm an, die Wirtschaft befände sich im Boom und sag mir, was passiert, wenn der Staat anfängt die Kapitalisten stärker zu besteuern, um seine Verschuldung zu senken. Die Gewinne fallen, oder? Und wir beide wissen, was das bedeutet…
Nope. Gross profits before taxes – darum geht’s. Minsky plädierte sogar für eine partielle Nichtabzugsfähigkeit der Zinsen von der Steuerbasis.
Ich würde daher tatsächlich versuchen, alles an direkten Steuern und Abgaben möglichst zu eliminieren: Sozialabgaben, Mehrwertsteuern, Verbrauchssteuern… der Kuchen soll zunächst mal so groß werden, wie es nur irgendwie geht. Und danach gucken wir, wie wir ihn aufteilen.
@Morph
die da wären?
Automatisierung – Dezentralisierung – Miniaturisierung – Virtualisierung – “Ent-fossilisierung”
@akreuz
Ich weiß nur nicht,
wo ausreichend Optimismus her kommen soll…
Ich auch nicht, warum der Konjunktiv. Aber eben: wenn diese Abhängigkeit zwischen Produktionsverhältnissen und Gesellschaftsverhältnissen besteht, dann ist immerhin so viel klar, dass es – auf Dauer, was immer dazwischen an Kämpfen und Katastrophen eintreten mag – NICHT auf einen “Neo-Feudalismus” hinauslaufen kann. Geschichte wiederholt sich so wenig wie die Dampfmaschine ein zweites Mal erfunden werden kann.
Herr Strobl
–>Ich würde daher tatsächlich versuchen, alles an direkten Steuern und Abgaben möglichst zu eliminieren: Sozialabgaben, Mehrwertsteuern, Verbrauchssteuern… der Kuchen soll zunächst mal so groß werden, wie es nur irgendwie geht. Und danach gucken wir, wie wir ihn aufteilen.”
Die sind direkt? Brutto auf Zettel zu Netto in der Tasche, diese Differenz, das ist direkt.
Das Andere sind “indirekte” Abgaben und Steuern. Da durch den Erwerb eines Produktes, einer realen sofortigen Verwendung zugeführt. Im Ermessen, des Marktteilnehmers, und nicht im Interesse des “Staates”.
@lemming#323
“Automatisierung – Dezentralisierung – Miniaturisierung – Virtualisierung – “Ent-fossilisierung”” – Ja. Scheint so, als wäre die Zeit nicht nur des bürgerlichen Subjekts, sondern auch die des kollektiven proletarischen Subjekts abgelaufen, oder? – Und trotzdem polemisiert Kollege Lemming gegen den Perspektivismus. Kapier ich nicht.
@Morph
Es geht um Schuldner vs Gläubiger.
@lemming #318
Dem Zwang zur Verwertung ihres Kapitals und damit dem Wachstums- und Produktivitätssteigerungszwang entrinnen sie so aber nicht
Warum?
Diesem Zwang zur Verwertung ihres Kapitals und damit dem Wachstums- und Produktivitätssteigerungszwang unterliegen sie doch nur unter marktwirtschaftlichen Bedingungen . Im „Stamokap-Stadium“- vgl. z.B. Varga – läuft das ganz ohne Vermittlung des Marktes. Der Staat stellt billiges Geld der Plutokratie zur Verfügung, die verleihen es mit Zinsgewinn an den Staat. Die Gehälter und Boni der sog. Spitzenmanger orientieren sich doch gar nicht (mehr) am wirtschaftlichen Erfolg der Bank oder des Unternehmens.
Die Steigerung des Massenkonsums interessiert nicht mehr. Im Gegenteil, der wird eingeschränkt.
Massenloyalität wird über Psychologie (-> Meinungsmanipulation, Angstmache, Unterhaltung) und über staatliche Versorgung für einen immer größer werdenden Teil der „Überflüssigen“ hergestellt. Für diese gibt es Brot und Spiele in einer modernen Version, wobei die Versorgung immer mehr an neue Formen der „Zwangsarbeit“ (-> „Armutsindustrie“) gekoppelt wird.
Wobei natürlich nicht übersehen werden darf, dass das Prekariat gesamtgesellschaftlich zwar eine größer werdende, aber immer noch eine Minderheit darstellt.
Noch gibt es breite „Pufferschichten“.
@HAM
Nicht ganz:
Der Staat stellt billiges Geld der Plutokratie zur Verfügung, die verleihen es mit Zinsgewinn an den Staat.
Jaja, aber diese Zinsgewinne müssen ja irgendwo her kommen.
Entweder aus wirtschaftlichem Wachstum (woher?) oder aus Umverteilung (von wem denn noch?)
Dein Szenario läuft mE darauf hinaus, dass sich die Plutokraten vom Staat Geld drucken lassen, das aber immer wertloser wird, weil die Produktion nachlässt und die Produkte (ausser denen für die Prekariatsruhigstellung) teurer. Die “Ausbeutung” kann nicht zunehmen, ohne dass das, was da als “Beute” erscheint, tatsächlich existiert, also produziert worden ist. Die ganze Industrie würde nur noch aus digitalem Billigkram und Luxusgüterproduktion bestehen, wo soll da der Mehrwert zur Erhaltung der systemstabilisierenden Strukturen herkommen – vom Militär über Medizin bis zu den Medien? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie eine solche Struktur – nicht nur in der Vermögensverteilung sondern tatsächlich in der materiellen Reproduktion – funktionieren könnte.
Noch gibt es breite „Pufferschichten“.
Ganz recht. Und die haben als solche eine überaus systemerhaltende Funktion, ich denke hier liegt Wallerstein ganz richtig. Wenn die also zu weit abschmelzen, und in deinem Szenario würden sie das unweigerlich, kommt es zum Clash. Über den Ausgang desselben, von 0,1% gegen 99,9%, können wenig Zweifel bestehen…
Ich glaube auch nicht, dass die Plutokraten international so einig sind, wie sie sein müssten, um auch nur die ersten Schritte dieses Weges gehen zu können, zB BRIC / USA,EU, das ist nicht eitel Sonnenschein.
Naja, wir werden sehen… ich will hier nichts predigen, sondern nur ein paar Argumente und Gedanken in die Wildbahn dieses Blogs werfen.
@Morph
Und trotzdem polemisiert Kollege Lemming gegen den Perspektivismus. Kapier ich nicht.
“Perspektivisten aller Länder, vereinigt euch!”
Der Perspektivismus, gegen den ich polemisiere, ist der, der alle Sachen zu Ansichtssachen macht, also auch die von mir konstatierten “neuen Produktionsverhältnisse”, oder der Widersprüche nur als Phänomen logisch falscher Beschreibungen für möglich hält, nicht aber als Eigenschaften des Beschriebenen, die “in der Zeit”, also in der Realität, zur Austragung kommen müssen.
@holger
Ja, natürlich “indirekt”, sorry.
@ soffi
“viel statistikkrams findet man aber bspw. hier:
http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?open=ewu&func=row&tr=AC4954&showGraph=1”
Viel zu kurzfristig. ;–
nach etzwas gurgeln kommen mir Zweifel an der einfachen Vergleichbarkeit. Die Kriege haben erhebliche Lücken gerissen u d damit enormes Aufholpotential geschaffen, in den 20ern/30ern erhebliche Sondereinflüsse.
Müsste man auf andere Länder ausweichen.
Die Unterscheidung 45-71 und ab 71, Goldeinlösungsaufgabe, greift wegen des Aufholprozesses zu kurz.
Allerdings kann man wohl sagen, dass die letzten Jahrzehnte nach Ende der (richtigen) Krise wohl nicht so berauschend abschneiden werden.
@wgnx #278
“Der Kapitalismus ist meiner Ansicht nach gerade ein System, das seine inneren Widersprüche über die Zeit (i.e. die Zukunft) auflöst. ”
WGN ich mache mir wirklich Sorgen! Der Kapitalismus löst seine
inneren Widersprüche auf? Auf welcher Wolke kommen solche
Gedanken angeflogen? Meinst du allein? Gewaltfrei? So einfach
aus dem nichts? Entschuldige, sollte DAS deine wirkliche
Überzeugung sein, dann hast du den Kapitalismus schlicht nicht
verstanden! Jedenfalls seine heutige Ausprägung, und da müssen
alle Vorkommnisse der letzten Zeit dazugerechnet werden, nicht!
Seit etlichen Jahrzehnten versuchen unsere modernen Glaskugel
Leser den Kapitalismus ZU BEGREIFEN! Und scheitern grandios!
Sie müssen scheitern! SIE MÜSSEN!!! Schon allein an der
mathematischen Logik!
Sie müssen auch deshalb scheitern weil in allen Modellen rein
theoretische und mathematische Annahmen unterwegs sind und der menschliche Faktor völlig aussen vor bleibt! Das ist EIN Grund dafür das sich alles was ein Kopp zwei Beine und Hände hat, sich an Theorien abarbeitet und auf keinen gemeinsamen Nenner kommt.
Alle Systeminterpretierer scheitern schlicht am Menschen und
seinen Eigenarten, Vorlieben und Interessen. An seiner Gier, an
seiner Fähigkeit Systeme im System zu errichten, den sogenannten
“Netzwerken”, an den Machtinstrumenten mit denen ganze
Völker de facto enteignet werden (können). An der Macht, die
Dinge lenkt. Wohin..?
Der Kapitalismus ist wandlungsfähig! Der Kapitalismus, wie jedes
andere System übrigens auch, ist erst einmal ein Begriff. Sonst
nichts. Ihm muss ein Gewand angezogen werden. Dann ist es schön
oder nicht. Der heutige Kapitalismus ist nicht nur scheiße
angezogen, er ist auch noch schmutzig und stinkt zum Himmel!
Systeme müssen mit Leben erfüllt werden um zu funktionieren.
Wer erfüllt in einem Land ein System mit Leben? Ein
Gesellschaftssystem? Die von uns gewählten Politiker. Sie
erlassen die Gesetze nach denen unser Zusammenleben
funktionieren sollte..die RAHMENBEDINGUNGEN!
Bei uns war das mal besser als heute. Jeder der unser System hier
in D. ausreichend frequentiert, sieht und hört das das System vom
Kapital geentert wurde! Diese Entwicklung ist im Kapitalismus
kohärent!!! Die EINZIGE Frage ist: Wie SCHNELL entwickelt sich
solch ein Prozess? Das wiederum hängt ganz entscheidend von den
handelnden Personen in Politik und Wirtschaft ab ( mit Wirtschaft
sind hier u.a. auch Banken gemeint..). Mit ihrem Willen ( oder
Unwillen) das System gerecht zu gestalten oder eben nicht! Leider
ist sogar unser modernes Wirtschaftssystem von Kriegsrethorik
durchzogen und jeder MUSS besser sein als der andere. Der
“Verdrängungswettbewerb” wird als TINA angesehen! Wohin
werden große Teile unserer Menschheit “verdrängt”? WOHIN?
Alle die sich über DEN Kommunismus oder DEN Kapitalismus
unterhalten sollten diese schlichten Tatsachen nicht vergessen.
Das ein System auch ganz schnell verfälscht oder auch schlicht in
entscheidenen Punkten geändert werden kann zeigt doch die
aktuelle Krise auf eindrucksvolle Weise. Bankbilanzen die
“angepasst” werden ( übrigens müßt ihr mal drauf achten das
Preiserhöhungen nur noch als “Anpassungen” daherkommen.
Erhöhungen treten nicht mehr auf..) ausgelagerte Geschäfte,
womöglich noch in andere Länder, Drohungen des Kapitals sich
zu verpissen, sollte sich die Politik nicht im Sinne dieses Kapitals
gefällig und willfährig verhalten bis hin zu “Schattenhaushalten”
wo aus dem nichts “Sondervermögen” auftauchen usw usf…
Man sieht Systeme wollen gestaltet werden. Deshalb sind
Deutungen auch nicht möglich! Man kann ISTZUSTÄNDE
analysieren, sonst nichts! Es kommt auf die Gemeinschaft an.
Auf ihre Wirkweise. Auf ihre Solidarität, falls vorhanden. Auf
das Funktionieren der Meinungsbildung UND ihrer
Durchsetzung! Auf Fairness. Eigentlich auf Dinge die sich der
moderne Mensch westlicher Prägung ans Hemd nagelt. Die bei
uns in der Bevölkerung auch in Mehrheit vorhanden ist. Was aber
nichts nützt.
Und hier ist der nächste Punkt. DIE MACHT! Die Macht zu lenken.
Die Macht zu bestimmen und mit oder gegen das Volk zu regieren.
Beispiel: Hessen. Die Vorkomnisse um die 4 Steuerfahnder. Jeder
hier wird die Geschichte kennen. Das ist MACHT! Zerstörerische
Macht. In diesem Lande sind wir soweit das menschliche Existenzen
von der Politik vernichtet werden ( können). Ist was passiert? Hat
unsere vierte Gewalt groß drüber berichtet? Hat eine Zeitung
“SKANDAL” gerufen und sich wirklich engagiert? Warum ich hier
auf ein vordergründig anderes Feld ausweiche? Weil es für mich
dazu gehört! Gelenkt wird ein System durch Machtstrukturen. Sie
sind der Koordininator, der Richtungsanzeiger! Heute offener und
brutaler als je zuvor…
Und hier schließt sich der Kreis. Aufbauend auf einem
vorhandenen Machtapparat ( Staat) und der zunehmenden
Verfilzung aller Gewalten in diesem Staat, hat sich etwas gebildet
für das man irgendeinen neuen Namen verwenden könnte oder
vielleicht müsste. Wenn eine Lobbyorganisation Worte so
einfach neu deuten kann, warum kann man das nicht auch mit
Systembegriffen tun? Die Frage die ich mir stelle ist die: ist das
noch das System in dem ich mal aufgewachsen bin? Erkenne ich
es als das was ich mal kannte? Meine Antwort ist NEIN! Der
BEGRIFF Kapitalismus ist dergleiche aber der INHALT ist ein
völlig anderer.
Fazit: Berechnungen, Weissagungen, Deutungen und Voraussagen
über SYSTEME sind und waren schon immer verschwendete
Zeit. Der Mensch neigt zu theoretischen Erklärungsansätzen und
meint er würde so zu Erkenntnissen gelangen. Dabei wundert er
sich seit Jahrunderten und Jahrtausenden immer wieder das morgen alles anders ist als heute…
@ Morph
“So, wie sie es darstellt, sind die politischen Möglichkeiten in der Krise durchaus durchaus nicht ausgenutzt worden. Und wenn man sich das entscheidende Personal anschaut und ihre Nähe zu den Interessen der Finanzindustrie, ist das ja auch kein Wunder.”
Wirklich kein Wunder.
Man sehe sich die hunderte Milliarden an, die im Rahmen der deutschen Einheit aus formalen Buchzahlen in richtig echtes und staatlich garantiertes Vermögen verwandelt wurden.
Und zwar völlig ohne Not.
Vorher, die Not kam hinterher, bei den neugeschaffenen Schuldnern und den voll haftenden Steuerzahlerdödeln.
@HAM
Nochwas:
Wachstums- und Produktivitätssteigerungszwang unterliegen sie doch nur unter marktwirtschaftlichen Bedingungen .
Ne. Der war vorher da. Das Produktivität und Wachstum haben die marktwirtschaftlichen Bedingungen geschaffen, nicht umgekehrt. Darum können sie auch nach dem Markt weiterbestehen. Abgesehen davon halte ich den Markt sowieso für einen “Gemüsemythos”, eine KMU-Veranstaltung… jedenfalls ist er genau das nicht, was seine Apologeten ihm zuschreiben: ein Innovationstreiber.
@ lemming 335
Das Produktivität und Wachstum haben die marktwirtschaftlichen Bedingungen geschaffen, nicht umgekehrt. Darum können sie auch nach dem Markt weiter bestehen.
Das Produktivitätswachstum ist das Ergebnis des Marktes. Ohne Markt kein Produktivitätswachstum. Punkt! Nimmt man den Markt weg, kein Produktivitätswachstum. Punkt! Wer dies nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nicht begriffen hat, dem ist einfach nicht mehr zu helfen. (Das hat übrigens schon der Sozialist P. J. Proudhon – Marx Widersacher – begriffen.)
Man kann aber den Markt auf verschiedene Weise in die „Gesellschaft“ integrieren. Da hat HAM großartig Recht – sollte er er dies meinen, was ich jetzt einfach annehme. Wir müssen uns über den Markt aus der „gesellschaftlichen“ Sicht Gedanken machen. Das Problem der vielen, die „gesellschaftlich“ denken, liegt darin, dass ihnen in der Regel die Wirtschaft irgendwie abhanden kommt. (Es ist nämlich nicht so, dass Markt eine idiotensichere Institution ist. Im Gegenteil. Man muss paralell auch dort etwas reparieren – einen eingeborenen Fehler beseitigen. Nur deshalb bin ich sehr skeptisch, wenn jemand den „Menschen“ vor die „Wirtschaft“ stellt.)
@ undertaker 315
Die Gewinne fallen dann, … Und wir wissen, was das bedeutet …
Die neoliberalen rrr-Märchenerzähler wissen es. Wir Wissenschaftelr, also die realitätsbezogenen und analytisch (logisch-mathematisch) denkenden Menschen, wissen es eben nicht. Also erkläre es uns
@lemming#330
das sehe ich auch so (ähnlich). Ich denke auch, dass es Diskrepanzen gibt, die für Leute auf Dauer nicht tragbar sind, in Intimbeziehungen ebenso wie in Organisationen und in der funktionalen Gliederung der Gesellschaft.
Aber um diese Diskrepanzen als Widersprüche im Marxschen Sinn beschreiben zu können, als objektive Gegebenheiten von ebenso ontischer ‘Härte’ wie, sagen wir, die Gravitation, muss man davon ausgehen, dass das Bewusstsein der Menschen durch ihre gesellschaftliche Lage in einem nahezu absoluten Sinn determiniert wird. Im Allgemeinen scheint das ja auch tatsächlich so zu sein. Im Einzelnen und Besonderen gibt’s da aber eine erhebliche Bandbreite möglicher Denk- und Lebensweisen, die so etwas wie einen Eigensinn entfalten und sich von ihren ökonomischen Bedingungen relativ weit entfernen können. Es gibt habilitierte Hartz-IV-Empfänger ebenso wie, sagen wir, Dieter Bohlen. Außerdem gibt es noch (und wieder in der Zahl wachsend) regelrechte Sklaven, die nicht ihre Arbeitskraft verkaufen, sondern als Gesamtlebewesen gehandelt werden, es gibt Leute die in staatsfernen agrarisch geprägten Clan-Strukturen aufwachsen und abrupt in die Industriekultur gestoßen werden, es gibt den Gegensatz zwischen den Bildungseliten in den vergreisenden Industrienationen einerseits und den Schwellenländern andererseits usw. – alles in allem keine homogene Produktionsstruktur und keine homogenen Klassen.
Mir passt an dem Basis-Überbau-Modell gesellschaftlichen Lebens vor allem nicht, dass das Bewusstsein der Analyse sich dem analysierten Bewusstsein systematisch überlegen gerieren muss (ganz ähnlich übrigens in der Psychoanalyse). Das mag unter den Bedingungen des klassischen Fordismus ja noch angehn und produktiv sein (ebenso wie die Psychoanalyse in einer Gesellschaft mit sehr weitreichenden Sexualtabus ein produktiver, Perspektiven erweiternder Denkstil ist), aber heute, unter den von Dir konstatierten neuen Produktionsbedingungen erstarrt das zu einer mehr und mehr realitätsfernen Besserwisser-Pose. Die Marxschen Kategorien Ausbeutung, Entfremdung usw. sind ja nicht gegenstandslos geworden, aber sie reichen nicht mehr aus, um die gegenwärtigen gesellschaftlichen Formen und ihre Diskrepanzen zu beschreiben. Der Perspektivismus, den ich meine, macht Realität nicht zur Ansichtssache, sondern Ansichtssachen zu wirklichkeitsmächtigen Realitäten, und es kommt darauf an, möglichst reichhaltig diese Realitäten und ihre wechselseitige Profilierung bzw. Irritation zur Kenntnis zu nehmen. Ein solches Denken zeigt ontologisch sicher nicht so schön ‘klare Kante’ wie der Hegelsche Begriffsrealismus oder der Marxsche historische Materialismus. Und man hat es unter dem Gesichtspunkt der Perspektive (auch sie: nur ein Gesichtspunkt neben anderen) auch weniger mit harter Rationalität im Sinne erfahrungswissenschaftlicher Standards zu tun, sondern mit einer metapherngeleiteten Evaluation. Das aber ist nicht Beliebigkeit und auch keine generelle Relativierung. Im Gegenteil nimmt eine solche Vorgehensweise die Natur der Sache um die es geht sehr viel ernster als jeder empirische Forschungsstandard es könnte. Hier ein Zitat, das vielleicht verdeutlicht, was ich meine:
“Metaphor is a device for seeing something in terms of something else. It brings out the thisness of a that or the thatness of a this. If we employ the word “character” as a general term for whatever can be thought of as distinct (any thing, pattern, situation, structure, nature, person, object, act, rôle, process, event, etc.) then we could say that metaphor tells us something about one character as considered from the point of view of another character. And to consider A from the point of view of B is, of course, to use B as a perspective upon A.
It is customary to think that objective reality is dissolved by such relativity of terms as we get through the shifting of perspectives (the perception of one character in terms of many diverse characters). But on the contrary, it is by the approach through a variety of perspectives that we establish a character’s reality. If we are in doubt as to what an object is, for instance, we deliberately try to consider it in as many different terms as its nature permits: lifting, smelling, tasting, tapping, holding in different lights, subjecting to different pressures, dividing, matching, contrasting, etc. . . .
By deliberate coaching and criticism of the perspective process, characters can be considered tentatively, in terms of other characters, for experimental or heuristic purposes. Examples may be offered at random: for instance, human motivation may, with varying degrees of relevance and reward, be considered in terms of conditioned reflexes, or chemicals, or the class struggles, or the love of god, or neurosis, or pilgrimage, or power, or movements of the planets, or geography, or sun spots, etc. [I deal] with such perspectives as an “incongruity,” because the seeing of something in terms of something else involves the “carrying-over” of a term from one realm into another, a process that necessarily involves varying degrees of incongruity in that the two realms are never identical.” (Kenneth Burke, Grammar of Motives, Berkeley 1945, S. 504).
Perspektivische Diversität und objektive Realität stehen, so betrachtet, in einem Steigerungsverhältnis! “real facts possess degrees of being in proportion to the variety of perspectives from which they can with justice be perceived” (ebd.)
Im Übrigen (da das in einem der vorigen threads mal Thema war – ob es sich bei den Auseinandersetzungen hier um irrelevante Selbstbespiegelungen oder um Sandkasten- bzw. relativ regellose Fußballspiele handelt): Mein Ziel ist nicht, Einigung zu erzielen, sondern die Position anderer Leute (und dann auch: meine eigene) genauer und besser zu verstehen. Und da probiert man Formulierungen aus, kriegt manchmal was vor den Bug, übertreibt oder ist unverständlich, jedenfalls findet da immer auch Veränderung statt, das ist doch klar, selbst wenn bestimmte Grundmotive der einzelnen Diskutanten sich durchhalten. Das ist völlig in Ordnung so, finde ich. Jeder hat ja gute individuelle Gründe, seine je eigenen Idiosynkrasien zu pflegen. Und es gibt doch nichts Erhellenderes als die blinden Flecken der anderen
Und autologisch schließend nehme ich für mich in Anspruch, dass das auch für meinen blinden Fleck gilt.
@ Systemfrager
Punkt!
Ist natürlich ein kräftig vorgetragenes Argument, wird es dadurch richtiger?
Selbstverständlich gab es auch im real existierenden Produktivitätssteigerungen. Ob man die jetzt ausschließlich auf den Markt beim Nachbarn zurückführen kann? Sicher nicht.
Aber mal größer betrachtet, wieviel Produktivitätssteigerung braucht man denn von der heutigen Basis ausgehend? Und welche? Mosanto steigert sicher die Produktivität, gewissermaßen.
@ Systemfrager – 308
„So, so. Wenn man sich die Dinge kauft, die eigentlich zu teuer waren, dann bleibt weniger Geld für andere Dinge übrig. Mercedes statt VW. Geht. Aber dann kein Ferkel (aus der Zukunft). So war es bei mir immer. Oder liege ich da doch falsch?“
Nein, natürlich nicht. Aber du nimmst eine metapher wörtlich. Das macht sonst nur till eulenspiegel.
Ich wiederhole noch einmal, was wichtig ist:
´Wenn man Geld leiht, um zu konsumieren, dann konsumiert man eigentlich etwas schon heute, dass man normalerweise in der Zukunft konsumiert hätte. Man hat dann Geld ausgegeben, dass man noch nicht verdient hat, für etwas, zu dem man noch nicht wirklich bereit war. Sie haben den Ausdruck Zeit ist Geld schon einmal gehört. Das ist der Grund, warum man, wenn man Geld leiht, in Wahrheit Zeit leiht. Später muss man das wieder ausgleichen. Man muss die Schulden abbezahlen. Und wenn man das tut, dann nimmt man Geld aus dem aktuellen Konsum, denn man hat es schon konsumiert.´
Ich weiß nicht, ob man dieser schilderung aus guten gründen widersprechen kann. Mir fällt dagegen nichts ein. Das liegt wohl daran, dass ich die alte weisheit akzeptiert habe, dass man einen euro auch nur einmal ausgeben kann. Dies gilt umso mehr, wenn dieser euro als lufteuro bzw. schuldeneuro in die welt gesetzt wird. Denn ich brauche genau diesen lufteuro, um den korrespondierenden schuldeneuro zurückzahlen zu können. Wenn dieser lufteuro dann aber in den konsum fließt – und ich behaupte mal, dass das in der weit überwiegenden zahl der fälle so ist -, dann fehlt der euro, um den schuldeneuro zurückzahlen zu können. Einfache geschichte. Folglich muss weiter aufgeschuldet werden. Die realität bestätigt diese theorie. Das erklärungsmodell funktioniert. Offensichtlich.
Eine theorie sollte neben beschreibung und erklärung auch eine prognose leisten können. Ich prognostiziere also – völlig mutig – dass wir weiter aufschulden werden. Wir werden sehen.
und ich prognostiziere noch etwas: es wird nichts nützen. Langfristig. Kurzfristig sicher. Das sehen wir gerade. Aber in den USA werden schon wieder neue konjunkturprogramme gefordert, wie dem heutigen handelsblatt zu entnehmen ist.
Auch das wird nichts nützen. Langfristig. Man verlängert nur das sterben. Es gibt auf diesem weg keine multiplikatoren > 1. auch wenn man das nicht wahr haben will. Man druckt einfach weiter geld. Und es funktioniert. Logisch. Wenn ich eine kerze an beiden enden gleichzeitig anzünde, wird es ja auch heller. Aber was sagt das über die lebensdauer der kerze?
Die banker freuen sich. Da fällt manna vom himmel. Die bank leiht sich geld von der zentralbank für 1% und verleiht es weiter an den staat für 4%. Meine putzfrau könnte das auch. Trotzdem werden wieder milliarden-boni gezahlt. haha.
Ich werde mir daher ein haus in den Hamptons niemals leisten können.
Wie war das: Neutralität des geldes? Haha
Es ist endlich an der zeit, die ganzen unterkonsumtionstheorien in die tonne zu treten. Besser wäre eine überkonsumtionstheorie (s.o.). diese würde zu der erkenntnis gelangen, dass konsum wohlstand vernichtet und ersparnis wohlstand erzeugt. Doch halt! War da nicht noch was?
Das paradox des sparens. Hmmm…. Haha
Konjunkturprogramme funktionieren. Kurzfristig. Deshalb gibt es sie immer wieder, weil man denkt, sie würden wirklich etwas ändern. Hmmm… haha
Die naturvölker dieser erde machen bei einer sonnenfinsternis auch immer einen höllenlärm, damit die sonne wiederkommt. Und es funktioniert. Jedesmal. Hmmm… haha
Ich habe immer noch nicht verstanden, warum man Bernie Madoff verhaftet hat und Bernanke noch auf freiem fuß ist….
@ topi – 332
“Viel zu kurzfristig. ;–”
sehe ich eigentlich auch so.
die beste langfristgrafik, die ich einmal gesehen habe (FTD – das Kapital) betraf die nettoersparnisentwicklung der USA von 1949 bis heute. da ging es wundervoll in wellenbewegungen abwärts. ein sehr anschauliches bild, wie die konsumgesellschaft ihren kapitalstock verzehrt.
@ topi 339
Selbstverständlich gab es auch im real existierenden Produktivitätssteigerungen.
Die Ausnahmen bestätigen nicht die Regel. Mir fällt Kalaschnikow ein. Welche sonst Produkte und Technologien kannst du aufzählen, die uns in 7 Jahrzehnten Kommunismus hinterlassen hat? Keine. Aha!
Der Kommunismus war eine viel menschlichere Ordnung als der Kapitalismus; da gab es auch den YU-Kommunismus, eine direkte Demokratie, der die parlamentarische Demokratien nich einmal Wasser reichen könnte, aber ÖKONOMISCH betrachtet:
Der Kommunimus war ein totaler Versagen
PS
Ja, ich weiß, dass einige sehr rückständige Länder, welche die kapitalistischen Technologien kopieren konnten, zeitlang doch eine Wachstumsrate hatten, die es im Kapitalismus kaum gab. Aber das konnte nicht lange dauern
@ soffi 340
Jetz has du das ganze Repertoire der neolbieralen Idiotien ausgeschwitzt …
Du hast eine Wahl: Entweder beschränkst du dich auf ein bestimmtes Thema, wo man realitätsbezogen & analytisch diskutieren kann. Oder du bleibst auf dem Stammtischniveau der neoliberalen Krämer. Dann verabschiede ich mich
(Wenn ich diskutiere, will auch ich etwas davon haben. Die Unverbesserleichen kann keiner zur Vernunft bringen. Da hilft nur Gewalt.)
@ Systemfrager
kleine Hybriserkrankung?
“Du hast eine Wahl: Entweder beschränkst du dich auf ein bestimmtes Thema, wo man realitätsbezogen & analytisch diskutieren kann.”
nun, das obige thema war doch wohl sehr bestimmt, oder nicht?
und wo widerspricht die ´überkonsumtionstheorie´der realität?
beschreibung: passt.
erklärung: passt.
prognose: wird sicher auch passen.
das kannst du gerne widerlegen. aber bitte ohne gewalt. ich bin sensibel.
konkret.
1. gibt es multiplikatoren > 1?
2. erhöhen konjunkturprogramme (meistens in gestalt von brücken, die ins nichts führen) das wachstum – das BIP?
Ja. Sicher. Aber erhöhen sie auch den Wohlstand?
@ soffi
Vorweg. Sei mir nicht böse. Morph 338 hat das, was ich meine, fast unvorstellbar fantastisch erfasst:
Mein Ziel ist nicht, Einigung zu erzielen, sondern die Position anderer Leute (und dann auch: meine eigene) genauer und besser zu verstehen. Und da probiert man [nicht ganz nette] Formulierungen aus, kriegt manchmal was vor den Bug, übertreibt oder ist unverständlich, jedenfalls findet da immer auch Veränderung statt, das ist doch klar, selbst wenn bestimmte Grundmotive der einzelnen Diskutanten sich durchhalten. Das ist völlig in Ordnung so, finde ich. Jeder hat ja gute individuelle Gründe, seine je eigenen Idiosynkrasien zu pflegen. Und es gibt doch nichts Erhellenderes als die blinden Flecken der anderen. Und autologisch schließend nehme ich für mich in Anspruch, dass das auch für meinen blinden Fleck gilt.
Überkonsumption! Erkläre:
1) Kann eine Gesellschaft/Wirtschaft mehr konsumieren, als sie produziert hat?
2) 10 Mill haben keinen Arbeitsplatz. Sie konsumiern (leben) trotzdem. Ist das Überkonsumption, oder nur eine Art der Verteilung?
@ topi:
P.C. Martin schreibt über den Zusammenhang Staatsschulden & Arbeitslosigkeit in seinem Buch “Die Krisenschaukel” von 1999. Das ist allerdings wohl sein schlechtestes Buch. Die Argumentation findet sich aber nach meiner Erinnerung auch in seinen älteren Büchern (z.B. “Aufwärts ohne Ende”). Im Wesentlichen beschreibt er den “Verrentungseffekt” der Staatsschulden, die die Wirtschaft immer sklerotischer macht. Der erklärt gleichzeitig dann auch die Vermögensumverteilung von unten nach oben. Einziger online-link, den ich gefunden habe.
http://www.welt.de/print-welt/article563801/Vom_Euro_den_Staatsschulden_der_Arbeitslosigkeit_und_der_Zukunft.html
Wie meistens schreibt PCM polemisch, radikal und und vor allem offensichtlich ohne Lektor. Dennoch … es hat was, wie eben auch sein Debitismus-Ansatz etwas hatte, trotz seines indiskutablen Stils, der allerdings manchmal ganz witzig sein kann.
In MEINEN Augen ist das Thema langanhaltender hoher Sockel-Arbeitslosigkeit in entwickelten Ländern von zentraler Bedeutung und theoretisch überhaupt noch nicht gut erfasst. Es gibt ja wohl nichts ineffizienteres, volkswirtschaftlich gesehen, als Arbeitslosigkeit. Wie kommt es, auf einer fundamentalen Ebene, zu dieser langanhaltenden Ineffizienz? Ich sehe da einen Widerspruch zum Effizienz-Dogma der Theorie, zumindest eine nicht gut erklärte Paradoxie.
Mir scheint , dass “Sockel/Massen-”Arbeitslosigkeit ein monetäres Problem sein muss. Überall wimmelt es von notwendiger Arbeit, die eigentlich getan werden MUSS, während gleichzeitig völlig überflüssiges hervorragend bezahlt wird. Das ganze Gerede von “Der Gesellschaft geht die Arbeit aus” ist doch völliger Unsinn. (Und in der deutschen Zeitschrift für Philsophie wurden mehrere ganze Bände dieser These gewidmet.)
Und dann noch der Begriff “Arbeit”. Wenn mal einmal genauer hinschaut, wird er in der Theorie, und als Konsequenz auch in der Praxis, völlig unterschiedlich verwendet. Da mischen sich normative mit deskriptiven Gebräuchen, formale mit sozialen/sittlichen Definitionen. Kein Wunder, dass man da nie zu einer Einigung kommt. Der Begriff ist so schillernd, dass jeder darunter etwas anderes versteht. Dann kommt er auch noch als “Produktionsfaktor” vor. Bitte, liebe arbeitslose Philosophen: Macht mal eine begriffliche Klärung für die unterreflektierten Wirtschaftswissenschaftler. Damit sie ihre eigenen Begriffe besser kennen lernen. Ihr könnt das doch!
Zuguterletzt: wenn Arbeitslosigkeit ein monetäres Problem ist, dann kann man Billiglöhne, 1-Euro-Jobs, das ganze Phänomen der Working Poor als Varianten der Arbeitslosigkeit betrachten. Wenn unter diesen Blick auf die USA blickt, wo der Begriff “Working Poor” ja her kommt, dan erscheint dort die “Arbeitslosigkeit” sehr viel höher zu sein, als die offizielle Statistik vermuten lässt.
Wenn jemand zu diesen Themen interessante Forschungsliteratur kennt: Bitte mitteilen!
Definition von “Arbeit”?
Was solls, der eine verrichtet Arbeit, wenn er den Hammer schwingt, der andere, wenn er 80 Zementsäcke auf einmal in den 180sten Stock ohne Pause trägt.
Helden in Strumpfhosen.
Für den anderen, wenn er ein Buch schreibt, oder ein Tor schießt, evtl. auch einer ist.
Was ist Arbeit?
Kann jeder Bundeskanzlerin sein?
Das Wort Beruf kommt von Berufung, nicht jeder ist zu allem berufen. Der eine kann dies, der andere kann das.
Aber alle haben eines gemeinsam, sterben zu müssen. Ob mit 2, 40 oder 80 oder so alt werden wie, was weiß ich.
Leben ist Arbeit, aber Arbeit nicht Leben. Quelle keine Ahnung.
Hauptsache es stinkt qualmt und macht Krach. Dann scheint es Arbeit zu sein. Was für ein gran(dios)er Blödsinn.
@holger
Definition von “Arbeit”?
Mich kümmert nicht eine “richtige” Definition von Arbeit, sondern ich wünsche mir eine Analyse der unterschiedlichen Verwendung des Begriffs “Arbeit” in der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie. Vielleicht gibts die ja bei den Soziologen schon. Darum frag ich nach.
@lemming #324
Aber eben: wenn diese Abhängigkeit zwischen Produktionsverhältnissen und Gesellschaftsverhältnissen besteht, dann ist immerhin so viel klar, dass es – auf Dauer, was immer dazwischen an Kämpfen und Katastrophen eintreten mag – NICHT auf einen “Neo-Feudalismus” hinauslaufen kann. Geschichte wiederholt sich so wenig wie die Dampfmaschine ein zweites Mal erfunden werden kann.
Zustimmung.
Es ist ja auch gar kein echter „Feudalismus“.
Was sich oben auf der Ebene der sog. Eliten ansammelt, ist doch nur ein Sammelsurium von Parvenüs. Das sind „Experten für sozialen Aufstieg“, sie wissen, wie man in Institutionen hochkommt. Durch Lug und Trug, Intrigen etc. Es sind mediokre Gestalten, keine Führungspersönlichkeiten und fachlich in der Regel zweitklassig. Siehe: „Nieten in Nadelstreifen“. Das läuft in der Politik, in der Wirtschaft, in den Medien, in der Verwaltung, in der Wissenschaft etc. so. Wenn man sich z. B. die Hochschulrektorenkonferenz mir anschaut, dann sind dies genau diese Typen.
Ein Sammelsurium von Wichtigtuern, Blendern, Bluffern und narzisstischen Psychopathen.
Die bringen allesamt nichts Nachhaltiges zustande. Sondern wirtschaften die Ökonomie, das Bildungswesen, das Gesundheitswesen etc. ab. Sie zerstören die reproduktiven Grundlagen der Gesellschaft.
#318
Marxistisch müsste man vielleicht formulieren, dass Produktions- und Eigentumsverhältnisse nicht mehr zusammenpassen, so wie damals Feudalismus und Manufakturproduktion aneinandergeraten sind oder wie der “real vegetierende Sozialismus” sich unter post-fordistischen Bedingungen nicht mehr erhalten konnte.
Der entwickelte Kapitalismus ist nicht mehr in der Lage, den materiellen Reichtum der Gesellschaft zu vermehren. Im Gegenteil, was wie beobachten ist ein Niedergangsszenario. Man muss sich nur den Zustand der Infrastruktur ansehen. Industriestruktur, Schulen, Universitäten, Gesundheitswesen, Verkehrswesen, Versorgungssysteme, Justiz etc.
Es gibt nur noch vereinzelte „Inseln“ mit allgemeinem Wohlstand (z.B. Schweiz).
Im entwickelten Kapitalismus verlaufen hauptsächlich Verteilungskämpfe, immer größere werdende Bereiche der Gesellschaft werden vom Wohlstand exkludiert.
Kapitalakkumulation im materiellen Sinne als Vermehrung des materiellen Reichtums der Gesellschaften findet nicht statt, sondern „Geldvermehrung“.
Die Reichen werden eigentlich nicht reicher, sondern verfügen lediglich über mehr Geld, was – bezogen auf den tatsächlich vorhandenen materiellen Reichtum der Gesellschaft – immer weniger wert wird.
Der „Kuchen“ wird kleiner, aber die Reichen und Mächtigen schneiden sich immer größere Stücke daraus. Daher auch die zunehmende Verarmung und Verelendung in den Gesellschaften.
Insgesamt ist dieser Verteilungskampf irrational, eben weil die reproduktiven Grundlagen dieser Gesellschaften zerstört werden.
Mit anderen Worten: diese Basis lässt sich zunehmend mit “bürgerlichen Vorstellungen” nicht mehr aufrecht erhalten oder in Einklang bringen, darum wird an einem anderen “Überbau” gebastelt.
So ist es. Die Gesellschaften werden wie „Steinbrüche“ behandelt.
Darüber bastelt man dann einen „Überbau“ mit Happy-End-Illusion.
Dein Szenario läuft mE darauf hinaus, dass sich die Plutokraten vom Staat Geld drucken lassen, das aber immer wertloser wird, weil die Produktion nachlässt und die Produkte (ausser denen für die Prekariatsruhigstellung) teurer. Die “Ausbeutung” kann nicht zunehmen, ohne dass das, was da als “Beute” erscheint, tatsächlich existiert, also produziert worden ist. Die ganze Industrie würde nur noch aus digitalem Billigkram und Luxusgüterproduktion bestehen, wo soll da der Mehrwert zur Erhaltung der systemstabilisierenden Strukturen herkommen – vom Militär über Medizin bis zu den Medien? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie eine solche Struktur – nicht nur in der Vermögensverteilung sondern tatsächlich in der materiellen Reproduktion – funktionieren könnte.
In der Tendenz läuft es so. Die materielle Reproduktion eines immer größer werdenden Teils der Gesellschaft wird auf ein immer niedrigeres Niveau gedrückt. Aber natürlich ist der „Stamokap“ gezwungen, die Reproduktion aufrechtzuerhalten. Wo der Markt dies nicht mehr gewährleistet, geschieht dies durch den Staat.
Ganz recht. Und die haben als solche eine überaus systemerhaltende Funktion, ich denke hier liegt Wallerstein ganz richtig. Wenn die also zu weit abschmelzen, und in deinem Szenario würden sie das unweigerlich, kommt es zum Clash.
Um diesen Clash nicht manifest werden zu lassen, bedarf es zwangsläufig zum einen des Ausbaus von Kontroll- und Repressionsapparaten. Zum anderen muss dafür gesorgt werden, dass die „System-Loyalität“ von relevanten Teilen dieser „Pufferschichten“ erhalten bleibt. Letzteres wird ohne eine gewisse „Systemveränderung“ nicht gelingen. Denn die wirklichen Leistungsträger in dieser Gesellschaft befinden sich in diesen „Pufferschichten“. Nur lohnt sich Leistung für diese zunehmend nicht mehr. Und man kann DIESE Leistungsträger auch nicht durch Maschinen ersetzen. Man hat ja z.B. versucht, Lehrpersonen durch „industrialisierte Lernstrukturen“ zu ersetzen. Das funktioniert aber allerhöchstens nur zum Teil.
Das ist der Witz.
@ Feedback Loop
der eine verwendet den Begriff “Arbeit” so, und der andere eben anders. Je nachdem wie es in den Krams passt.
Die WiWi oder VoWi oder ich weiß es nicht Wi, sehen je nach Standpunkt andere Sachen, die Arbeit sein sollen. Ich wüßte nicht, wo man eine Analyse ansetzen sollte. Kann man “Arbeit” überhaupt analysieren? oder kanalysieren?
@Systemfrager #336
Man kann aber den Markt auf verschiedene Weise in die „Gesellschaft“ integrieren. Da hat HAM großartig Recht – sollte er er dies meinen, was ich jetzt einfach annehme. Wir müssen uns über den Markt aus der „gesellschaftlichen“ Sicht Gedanken machen.
Du hast mich gut verstanden!
Grundlage für Produktivität und Wachstum ist die Aktivität freier Wirtschaftssubjekte, der „Markt“ bot historisch dazu die Rahmenbedingungen. Dies ist der Grund für die gewaltige Entfaltung der Produktivkräfte nach dem Feudalismus.
Die zentralistische Kommandowirtschaft des sog. „realen Sozialismus“ blockierte diese Entfaltung der Produktivkräfte.
Das ist das zentrale Argument all derjenigen, die für eine „echte“ Marktwirtschaft votieren und zugleich den „Stamokap“ kritisieren.
Die entscheidende Frage ist folglich, unter welchen Rahmenbedingungen die Aktivität freier Wirtschaftssubjekte gewährleistet werden kann, ohne dass es zu einer „Anarchie des Marktes“ oder zu einem „Stamokap“ kommt, sondern sich die Aktivität freier Wirtschaftssubjekte zum Wohle der Gesamtgesellschaft entfalten kann!
@ holger 350:
der eine verwendet den Begriff “Arbeit” so, und der andere eben anders. Je nachdem wie es in den Krams passt.
Die WiWi oder VoWi oder ich weiß es nicht Wi, sehen je nach Standpunkt andere Sachen, die Arbeit sein sollen. Ich wüßte nicht, wo man eine Analyse ansetzen sollte. Kann man “Arbeit” überhaupt analysieren? oder kanalysieren?
Man kann die Verwendung eines jeden Begriffs analysieren. Ich finde, hier MUSS man es tun. Sonst kann man sich jede Diskussion sparen. Wenn man einen Begriff verwendet wie er will, dann ist es vorbei mit einem jedem Gespräch, sei es ein normales oder ein wissenschaftliches.
@ Systemfrager – 345
ich kann gar nicht böse sein. weil Morph recht hat. und weil ich das weiß.
da du meine beiden fragen nicht beantwortet hast, gehe ich davon aus, dass du das nicht kannst. macht nix. ich kenne ja die antworten.
zu deinen fragen:
“1. Kann eine Gesellschaft/Wirtschaft mehr konsumieren, als sie produziert hat?”
Nein. aber das hat nichts der ´überkonsumptionstheorie´(gibt es die eigentlich wirklich?) zu tun. es geht hier um die struktur von konsum, ersparnisbildung und investition. die ist derzeit (in den USA) klar zugunsten des konsums verzerrt. in china ist es genau anders herum. da gibt es sparquoten von an die 45%.
“2) 10 Mill haben keinen Arbeitsplatz. Sie konsumiern (leben) trotzdem. Ist das Überkonsumption, oder nur eine Art der Verteilung?”
ich würde sagen, beides. bei soviel arbeitslosen stimmt offenbar die struktur nicht.
@ Feedback Loop
Interessante empirische Sachen zur Veränderung von Arbeitsorganisation, Formen atypischer Beschäftigung etc. hat man eigentlich immer hier gefunden:
http://www.wzb.eu/publikation/discussion_papers/liste_discussion_papers.de.htm
Habe die Veröffentlichungen der letzten Jahre aber nicht so verfolgt, muß mich da selbst mal wieder genauer umschauen.
Mich würde mal interessieren, wer von den Teilnehmern hier einer Arbeit nachgeht.
Wenn ich mir die Uhrzeiten ansehe:
wgnx postet zeitgleich in 2 bloggs.
iele andere auch.
Sind hier die “Leistungsträger” unter sich?
@ Neugieriger
wie siehts mit dir aus? Cheffe sein Rechner mißbraucht?
Fragen beantwortet man nicht mit Gegenfragen.
Also habe ich ins Schwarze getroffen….
@ soffi 353
Das nennt man Vergewaltigung der Sprache. Orwell würde dich beneiden.
Du sagst jetzt, die Überkonsumption hat gar nichts mit „über“ und „Konsumption“ zu tun, also mit einer Konsumption die „über“ etwas hinausgeht. Anstatt dessen sagst du: „Es geht hier um die struktur von konsum, ersparnisbildung und investition“. Also Überkonsumption ist gleich den Strukturverwerfungen. Dass du dies nicht als Unsinn verstehen willst, kann nur eine Ursache haben. Du willst es nicht verstehen. Aber warum? Lass mich raten.
1) Als unsere rrr-Eliten den Raub der Bevölkerung begonnen haben, konnten sie nicht sagen: Wir wollen das haben, was ihnen gehört. Sondern:
Das was ihr habt, gibt es gar nicht. Also wir nehmen euch etwas, aber weil dies gar nicht gibt, haben wir euch gar nicht genommen.
Das haben sie aber. Die Lohnquote war früher über 70%, jetzt ist sie unter 60%. Die Überkonsumption war nur ein rhetorischer Trick bzw. eine Rechtfertigung des Betrugs und des Raubes.
2) Du sagst, es geht um Strukturverwerfungen. Man hat konsumiert anstatt zu sparen. Aber wozu braucht man so viel zu sparen. Der Kapitalkoeffizient wächst schon seit Jahrzehnten nicht mehr (wenn dir der Begriff was sagt). Real brachte man schon seit Jahrzehnten NIX zu sparen. (Aber da muss man auch etwas Mathe verstehen.) Und übrigens. Ist es so, dass wir nicht genug Realkapital bzw. Produktionskapazitäten haben. Ich nehme an, so einen Unsinn wirst du nicht behaupten. Das Problem aller kapitalistischen Krisen war immer: Es gab Fabriken im Überfluss, aber die standen leer. Und warum? Dreimal darfst du raten: Nachragemangel.
@ Morph # 338, lemming
Morph: gehaltvoller Beitrag, interessante Auffassung.
>It is customary to think that objective reality is dissolved by such relativity of terms as we get through the shifting of perspectives (the perception of one character in terms of many diverse characters). But on the contrary, it is by the approach through a variety of perspectives that we establish a character’s reality.>
Ich sehe das ähnlich, aber mit einer anderen Begründung (aus erkenntnistheoretischen Erwägungen).
Hier mein Beitrag (letzter im thread), an lemming gerichtet, zu diesem Thema mit einem interessanten Link:
http://www.weissgarnix.de/2009/11/13/die-perspektiven-der-enkelkinder/
@ Feedback Loop
Danke für die Info.
Mir scheint , dass “Sockel/Massen-”Arbeitslosigkeit ein monetäres Problem sein muss. Überall wimmelt es von notwendiger Arbeit, die eigentlich getan werden MUSS, während gleichzeitig völlig überflüssiges hervorragend bezahlt wird. Das ganze Gerede von “Der Gesellschaft geht die Arbeit aus” ist doch völliger Unsinn. (Und in der deutschen Zeitschrift für Philsophie wurden mehrere ganze Bände dieser These gewidmet.)
Über die Arbeitsausgehthese habe ich gleichzeitig was im Krisenfaden geschrieben. Unsinn, sehe ich auch so.
“monetäres Problem” finde ich etwas schwierig, vielleicht wegen gedanklicher Nähe zur Geldmenge. Und die ist nicht das Problem, jedenfalls nicht, dass sie insgesamt zu klein ist.
Insofern bleibt die Verteilung des Geldes (wobei es immer um die dahinterstehenden Güter und Dienstleistungen geht), warum wird sinnvolles nicht bezahlt.
Im Sozialbereich ist es wohl einfach: Entsolidarisierung. Wer hat, der braucht nicht solidarisch zu finanzieren, wer nicht hat, der kann halt nicht bezahlen. Keineswegs unabänderbar, Bürgerversicherung ist nicht nur gerechter, bringt sicher auch Wachstum (von der Zukunftssicherheit ganz zu schweigen, wenn die kapital”gedeckten” Kartenhäuser purzeln).
In anderen Bereichen fehlt, ganz ökonomisch, die Internalisierung externer Effekte. Der Staat knickt vor der Lobby ein (bzw. der Lobbyist sitzt gleich in der Regierung).
Wir haben eine Spreizung der Markteinkommen (kann man auch diskutieren, Vermachtung, Geldvermehrungs[auch Staatsverschuldungs]zyklus, etc.)
Doch statt diesem entgegenzuarbeiten, sind sämtliche (ok, bis auf die Zuschläge Soli und für “Reiche”) Steuer- und Abgabenänderungen der letzten Jahrzehnte verteilungsverschärfend, statt mindernd.
@Feedback Loop #346
Es gibt ja wohl nichts ineffizienteres, volkswirtschaftlich gesehen, als Arbeitslosigkeit. Wie kommt es, auf einer fundamentalen Ebene, zu dieser langanhaltenden Ineffizienz? Ich sehe da einen Widerspruch zum Effizienz-Dogma der Theorie, zumindest eine nicht gut erklärte Paradoxie.
Arbeitslosigkeit
Betriebswirtschaftlich ist Arbeitslosigkeit das beste Mittel
a) um Löhne zu senken
und
b) um die Arbeitsintensität zu steigern.
Die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust ist die psychologische Peitsche, welche die Verausgabungsbereitschaft der Lohnabhängigen bis ultimo steigert.
Unter dem Aspekt der Mehrwertgenerierung ist Arbeitslosigkeit deshalb eine Profitmaschine.
Dass Arbeitslosigkeit die Gesundheit sowohl der Arbeitenden wie auch der Arbeitslosen (z.B. Depressionen, Alkoholismus etc.) ruiniert, ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht weitgehend irrelevant, weil diese Schäden und Kosten sozialisiert werden.
Natürlich will man die Kosten für die staatliche Verwaltung der Arbeitslosigkeit minimieren, den die werden schließlich aus Steuern bezahlt.
Auch hier wieder einmal ein schönes Beispiel:
Die Kapitalisten generieren Arbeitslosigkeit, erzeugen erhöhte staatliche Ausgaben, zugleich werden für sie die Steuern gesenkt.
Das Paradox besteht zwischen betriebswirtschaftlicher Profitlogik und gesamtwirtschaftlicher Reproduktionslogik.
P.S.
Arbeitslosigkeit ist nicht primär ein ökonomisches, sondern ein politisches Phänomen.
Der Staat passt die Wochenarbeitszeit nicht an die erhöhte Produktivität an.
Bei einer 30-Stunden-Arbeitswoche gäbe es keine relevante volkswirtschaftlich ineffiziente/schädliche Arbeitslosigkeit mehr.
@ soffi
´überkonsumptionstheorie´(gibt es die eigentlich wirklich?)
Gurgel hat zwei Treffer: von Hayek.
Du sprichst weiter oben von Realgütern statt Geldmenge, um Wohlstand zu definieren, oder habe ich das falsch verstanden?
Insofern kann ja der Überkonsum kein Überkonsum(gemessen an den Gesamtgütern) sein, nur Mehrkonsum von Menschen, die bei der Geldverteilung in der VW weniger erhalten haben, als sie konsumieren wollen.
Das sehe ich auch nicht unlösbar.
Sinnvoll wäre natürlich, die Märkte zu entmachten (gleichmäßigere Verteilung), und weiter die Verteilung nicht zu reduzieren, sondern im Sinne einer Räumung der Märkte zu verschieben. Eine Gleichverteilung ist dafür keineswegs notwendig.
Wenn nun das Kind schon im Brunnen liegt, muss man es rausholen; die Gläubiger haben dermaßen von der Einkommensverteilung profitiert, dass sie auch eine (teilweise) Entschuldung hinnehmen können.
Muss man nur intelligent organisieren, und die EInsicht wachsen, dass es besser ist als der Tritt in den…
@topi 360
“monetäres Problem” finde ich etwas schwierig, vielleicht wegen gedanklicher Nähe zur Geldmenge. Und die ist nicht das Problem, jedenfalls nicht, dass sie insgesamt zu klein ist.
Das adjektiv “monetär” ist wohl unglücklich gewählt. Danke für den Hinweis! Auf gar keinen Fall wollte ich über die “Geldmenge” reden. Ich halte ohnehin “Geldmenge” für einen unglücklich gewählten Begriff, weil er suggeriert, dass Geld netto existiere, so wie etwa Häuser. Dabei entspricht doch jeder Vermögensgegenstand, der zur Geldmenge gezählt wird einer entsprechenden Verpflichtung/Gegenbuchung.
Geld und Schulden sind somit eher so etwas wie das Medium, in dem das komplizierte Netz von Verpflichtungen und Ansprüchen beschriebn wird. Also etwas soziales, nichts Gegenständliches (und damit im Übrigen auch kein Kapital).
Die Topologie/ der aktuelle Zustand dieses Netzes beeinflusst dann sozusagen die Gesellschaft; meiner Meinung auch die Arbeitslosigkeit, die eben, da sie nicht auf einer irgendwie gearteten materiellen Sättigung beruht, ein soziales Phänomen ist.
Kompliziert wird es dadurch, dass neben natürlichen Personen jede Menge mehr oder weniger komplexen Institutionen Akteure in diesem Netz sind, unter anderem der Staat. Da haben wir dann die Agentenproblematik. Der Zustand und die Dynamik dieses Verpflichtungs-Netzes samt den Akteuren sowie den Regeln, denen diese unterworfen sind kann Krisen verursachen, unter anderm auch Arbeitslosigkeit. Etwas in dieser Art wollte ich eigentlich mit “monetär” ausdrücken. Zugegeben, ziemlich abstrakt. Aber mein Punkt ist, es geht hier um soziale Beziehungen zwischen Akteuren und nicht um die Menge an Gütern (Sättigung).
@tischer#359
Ja, ich bin vielleicht im Gegensatz zu Ihnen nicht so entschieden in der Frage, was ich von Erkenntnis halten soll. Für Sie ist Erkenntnis, scheint mir, eine durchweg positiv zu bewertende Sache. Sie identifizieren sich mit der Sache des Denkens. Ich persönlich erlebe mein Denken eher als etwas unwillkürliches, etwas dem ich eher ausgesetzt bin als dass es mein Produkt wäre. Ganz so wie die Wahrnehmung. Auch die erlebe ich als Nötigung, mit anzusehen und dabei sein zu müssen. Und meine Wahrnehmungen bescheren mir eine absolute zweifelsresistente Gewissheit darüber wie es ist, in der Welt zu sein, eine Gewissheit mit der man mal mehr mal weniger froh ist und auf die man auch manchmal gut und gern verzichten könnte. Meine Schwierigkeit mit der Erkenntnistheorie ist immer gewesen, das mit einer großen Selbstverständlichkeit davon ausgeht, dass Erkenntnis etwas ist, dass errungen und gesichert werden muss. Vielleicht muss man sich vor amncher Erkenntnis ja auch in Acht nehmen. Aber woher weiß man vorher, dass eine Erkenntnis gefährlich sein könnte? (etwas ungeordnet dahergeschrieben, auf alle Fälle freut mich Ihr positives Feedback!).
@Morph
Schön & richtig. Was wir hier im Blog praktizieren, ist tatsächlich eine Art “Perspektivismus” in der Kommunikation – wenn man nicht zu denen gehört, die glauben, das anderen Vor-den-Bug-Schießen sei der Kern der Sache. Man probiert seine Gedanken an denen der anderen aus. Dabei fällt auf, dass hier äußerst selten von anderem als von Gedanken zu öffentlichen Informationen die Rede ist, von persönlichen Erfahrungen zB. Es gehört zu den Konventionen dieses Blogs, sich eher “abstrakt” abzuarbeiten. Und ich vermute, dass diese Begrenzung und medial gesicherte Anonymität und Unverbindlichkeit auch etwas mit den Bedingungen zu tun hat, die für Perspektivismus gegeben sein müssen.
@ Systemfrager – 358
“„Es geht hier um die struktur von konsum, ersparnisbildung und investition“. Also Überkonsumption ist gleich den Strukturverwerfungen. Dass du dies nicht als Unsinn verstehen willst, kann nur eine Ursache haben. Du willst es nicht verstehen. ”
das ist keine willensfrage.
wenn ich eine struktur – aus sicht des individuums – folgender gestalt habe (übertreibung macht anschaulich, obwohl… USA?):
konsum = 100
ersparnis = 0
investition = 0
halte ich die nicht für zukunftsweisend. sie ist nicht durchzuhalten. ich denke, das kann man verstehen.
-”Aber wozu braucht man so viel zu sparen?”
um später konsumieren zu können. ist doch logisch. warum sollte man sonst sparen? je mehr man spart, desto mehr kann man später konsumieren. unterlässt man das sparen, ist man irgendwann pleite.
–”Real brauchte man schon seit Jahrzehnten NIX zu sparen.”
ich ahne langsam, warum wir uns nicht verstehen. du hast deinen gesunden menschenverstand ausgeschaltet und kannst nur noch in aggregierten größen denken. wie gesagt, wenn ich zwei schnitzel esse….
schau mal. wenn ich aus einem fenster im 3. stock springe, dann muss ich nicht wissen, ob mein körper nun mit 9,8 m/s² beschleunigt wird oder mit 15 m/s². mir reicht es zu wissen, dass ich mir mit viel glück nur beide beine brechen werde. und daran ändert sich auch nichts, wenn es vorher jemand geschafft hat, ohne sich ein bein zu brechen. aggregiert gesehen haben wir dann beide ein gebrochenes bein.
mir genügt völlig die versteckte intelligenz einer daumenregel. ich kann die welt eh