Lustig, dass man ein Werk über die Ökonomie der antiken Griechen in die Hand nehmen muß, um mal wieder der reinsten Reinkarnation dieses Fabelwesens namens Homo oeconomicus zu begegnen. So geschehen gerade eben, als ich Money, Labor and Land – Approaches to the Economics of Ancient Greece von Cartledge, Cohen und Foxhall aufschlug. Dort blitzt einem bereits auf Seite 22 der alte Frank Knight mit seinem Klassiker aus 1921 entgegen, der noch 70 Jahre später als real-politische Vorlage für Maggie Thatcher & Co. diente:
“Jedes Mitglied der Gesellschaft agiert ausschließlich als Individuum, in absoluter Unabhängigkeit von allen anderen Personen. Um seine Unabhängigkeit zu wahren, muß es frei von sozialen Zwängen, Vorurteilen, Präferenzen, Abneigungen oder welchen Wertungen auch immer sein, die sich nicht vollständig aus dem Marktgeschehen ergeben. Der freie Markttausch von Waren ist die einzige Beziehung zwischen Individuen, oder zumindest gibt es keine andere, die wirtschaftliches Verhalten beeinflußt.” (aus: Frank Knight, Risk, Uncertainty and Profit, rezitiert aus o.a. Werk, Übersetzung von mir)
Interessanterweise ist Knight auch heute noch bei vielen Autoren sehr populär, insbesondere solchen aus dem Lager der Soziologen und da vor allem der Systemtheorie. Und auch der ökonomische Mainstream bedient sich selbstredend noch immer eines solchen Gewäschs als Grundlage, auch wenn er es heute nicht mehr gerne zugeben mag. Der homo oeconomicus ist in den allermeisten Modellen die Nullhypothese, zu der das reale Verhalten ökonomischer Akteure als Abweichung erklärt wird. Und selbst die Behaviouristen-Fraktion um Kahnemann & Friends macht im Grunde nichts anderes, als das rationale Individuum in verschiedenfarbige Mäntelchen zu packen, bevor es sich aus dem Haus und in die kalte Welt des Kapitalismus wagt.
Warum so und nicht anders? Weil ansonsten die Algebra versagt und diverse Nobelpreise der letzten 60 Jahre zurückgegeben werden müßten, deshalb. In dem Moment, wo man die Rationalitätshypothese aufgibt, wird die Ökonomie eigentlich nicht mehr modellierbar. Und was sollten wir dann bloß anstellen mit all diesen Professoren und Lehrstuhlinhabern?
Übrigens: Das Buch, in dem ich das Zitat gefunden habe, kaum weniger interessant (Dank an @moneymind aus dem DGF für den Hinweis). Man mag es kaum für möglich halten, aber die antike Ökonomie ist noch wesentlich umstrittener als die aktuelle es je sein könnte. Primitivisten vs. Modernisten – eine offenbar ewige Schlacht, deren Hintergrund man besser versteht, wenn man sie mit dem Label Marxisten vs. Marktwirtschaftler versieht und unter diesem Aspekt ausdeutet. Es geht um die Deutungshoheit, um die Ideologie – die Frage, ob der Kapitalismus bzw die Marktwirtschaft eine Erscheinung der letzten 300-400 Jahre war und damit eventuell nur eine “zeitweilige Verirrung” einer zuvor jahrtausendelang als Kollektiv operierenden Gesellschaft, oder ob Individualismus, Marktwirtschaft usw ihre Wurzeln nicht vielmehr bereits in der Antike haben. Vertreter der ersten Schule z.B. Weber, Polanyi, Finley, Dalton und – selbstverständlich – Marx. Protagonisten der Gegenseite u.a. Andreau, Thompson oder Heinsohn/Steiger. Dieses Werk versucht eine Art neutrale Zusammenschau – so gut das halt geht – und gibt sich vordergründig ideologiefrei. Ich stehe allerdings erst am Anfang, daher kann ich nicht viel mehr dazu sagen. Hole ich aber demnächst nach.




















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naja, in der Geschichtswissenschaft gab in den 90er ja den Cultural Turn oder so ähnlich, der eigentlich heute dominiert, also Analysen die Perzeptionen und Subjektives Zeugs in den Mittelpunkt stellen. Wichtig ist ja immer eine breite Palette von Herangehensweisen in der Hand zu haben, und dann mal alles durch zu probieren.
Klar, in den Wirtschaftswissenschaften siehts damit wohl ziemlich düster aus.
Ob eine Debatte um den Homo oeconomicus frutchtbar ist, wage ich zu bezweifeln.
Das – der HO – ist nur eine idealtypische Vorstellung, die die Analyse erleichtern soll. Wer das nicht erkennt und ein generelles Verhaltensmodell daraus konstruieren will, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Wer so verfährt ist in eine ideologische Falle gelaufen.
Das gibt es natürlich auch von anderer Seite – den Homo sociologicus. Die letzte Weiterentwicklung war meines Wissens dann der Homo sociooeconomicus. Im Endeffekt hat man dann viele schöne Label aufgeklebt aber keinerlei Erkenntnisgewinn erreicht.
@wgnx
Das Tagebuch kam erst ende des 19Jh auf also hat auch erst dann so etwas wie Privatsphäre das Licht der Welt erblickt…Weil ich das auch annehme muss ich nicht einem Historischem Materialismuss anhängen…
http://www.literaturhaus.at/buch/fachbuch/rez/gay/
Wäre der Mensch tatsächlich ein rational handelnder Homo oeconomicus. gebe es den Kapitalismus in seiner derzeitigen Ausprägung gar nicht.
“frei von sozialen Zwängen, Vorurteilen, Präferenzen, Abneigungen oder welchen Wertungen”
LOL, das ist doch das Ideal sowohl von Marxisten, als auch von Marktwirtschaftlern. Hier trennen zu wollen, unterschlägt doch vollständig, dass der Marxismus ein Kind der Aufklärung ist, wie die bürgerliche Ideologie auch.
Kommunismus ist doch, wenn Individuen sich frei (s.o.) assoziieren. Nur dass sie das auf wirtschaftlichem Felde unter der Kontrolle einer Institution tun sollen, im Sozialismus noch der Staat, das passt irgendwie nicht.
@ppp
Es kann halt das oder das sein beim einzelnen nur “entweder oder” wenn du “entweder oder” aber auf 80 Millionen Hochgerechnest… bist du schon in Absurdistan… Soviel zum Thema Genauigkeit und Gewissheit…
Die absolut perfektesten, weil markttauglichsten Menschen sind auch hier im Blog immer die dann sehr, sehr linken Kommentatoren.
Die sind nicht nur frei von Vorurteilen und bestens auf die Freiheit von sozialen Zwängen zumindest psychisch vorbereitet, die kennen ihre Präferenzen sogar so gut, dass Kapitalismus überflüssig wird – eine sinnlose Anstrengung, dieses more of the same.
Kommunisten sind eigentlich kapitalistische Konsumenten, freie Individuen, für welche man zielgerichtet produzieren kann, weil sie nicht nur wissen, was sie heute haben wollen, sondern auch morgen. Welche Bedürfnisse ihren Fähigkeiten entsprechen und entsprechen werden, ist für sie völlig klar. Deshalb ist ja auch die Planwirtschaft die Wirtschaft der Zukunft…
Kein sinnloses “trial and error” mehr, Kommunisten sind mündige Kunden.
Das noch es gab wohl bis zum heutigem Tag kein das rationale Handeln in all seiner abscheulichkeit so perfektionierendes Gebilde wie das Dritte Reich…
http://www.youtube.com/watch?v=k2K4i21XgLw
@hacedeca
Klar die Kommies waren schon immer die besseren Kapitalisten…
@ WGN
“In dem Moment, wo man die Rationalitätshypothese aufgibt, wird die Ökonomie eigentlich nicht mehr modellierbar.”
Das halte ich für ein Gerücht. Rationalität ist sicherlich kein zielführendes Entscheidungsschema, denn im Prinzip ist dieser Begriff z.B. bei den Neoklassikern nicht richtig ausgearbeitet. Rationalität ist eine abhängige Größe, z.B. vom Informationsniveau – will sagen – der high roller eines hedge funds hat eine anderen, für sein Tätigkeitsfeld inklusiveren Begriff von Rationalität als der kleinanlegende Bürokaufmann.
Aber nur weil man eine Annahme verwirft, heißt das nicht, dass man sich gleichsam von der Modellierbarkeit verabschieden muss. Die Mathematisierung von ökonomischen Theorien ist kein Teufelswerk, die kommt nämlich erst lange nachdem man seine Annahmen und Voraussetzungen getroffen hat, kann also imho nicht für die Realitätsferne diverser Modelle verantwortlich gemacht werden.
Klarerweise ist es viel schwieriger ein Modell zu erstellen, ohne das rational handelnde Individuum vorauszusetzen, aber prinzipiell unmöglich ist es dadurch sicherlich nicht.
Man muss an dieser Stelle eben mehr Energie in die Klassifizierung der individuellen wirtschaftsbezogenen Entscheidungen investieren. Besonders in der kurzen Frist hat man gute Chancen, dass das individuelle Verhalten (in Teilbereichen) auf Wahrscheinlichkeitsverteilungen hinausläuft und nicht zwingend chaotisch verteilt ist. Erst in der mittleren und langen Frist trifft man immer stärker auf chaotische Verteilungen, mit denen man nicht mehr sehr viel anfangen kann.
Ich beschäftige mich gerade mit einem stochastischen Modell zur Investitionsnachfrage, bei dem weder der homo oeconomicus, noch die EHM, noch Arbitragefreiheit (wie bei Black Scholes) vorausgesetzt werden. Die Volatilität und das Gewicht des stochastischen Anteils sind hier inklusive Größen, werden also nicht von außen gesetzt. Noch sind die absoluten Voraussagen weit weg von den tatsächlichen Ergebnissen, allerdings kommen die errechneten (simulierten) Verteilungen und Muster ihren tatsächlichen Gegenparts schon ziemlich nahe.
Der homo oeconomicus wird ja auch nicht zu Unrecht als ein “Bürger der City of London” bezeichnet, den im Prinzip schon Hobbes und Locke im aufkommenden Kapitalismus erfunden haben. Und mit ihnen hat es doch eigentlich schon begonnen, diesen Art von menschlichen Verhaltensweisen, die natürlich wie alle von den historischen sozialen Verhältnissen bedingt ist, nicht als ein Idealmodell, sondern als die einzig mögliche anzusehen.
Und dann kam es zu der Ideologie, jeder Mensch müsse zwangsläufig ausschließlich egoistisch nutzenmaximierend handeln, die der Mainstram-Ökonomie zugrunde liegt. Und die ist dann die allein gültige, wissenschaftlich unwiderlegbar “bewiesene” Wahrheit.
@Nanuk #8
„Das noch es gab wohl bis zum heutigem Tag kein das rationale Handeln in all seiner abscheulichkeit so perfektionierendes Gebilde wie das Dritte Reich…“
Zustimmung. Es handelt sich jedoch nur um eine begrenzte Zeitspanne von 12 Jahren.
Aber insgesamt ist „The American Way Of Live“ DAS Paradigma einer Kombination von technischem Fortschritt, kapitalistischer Rationalität und kulturellem Niedergang.
@bommel
Du hast recht. Ich muß präzisieren: Gleichgewichtsmodelle werden nicht mehr darstellbar. Denn schließlich benötige ich dafür ja irgeindeine “Gravitationskraft”, die zwar zum Gleichgewichtspunkt hinzieht, aber nicht darüberhinaus. Die Rationalität ist die Gravitationskraft der Neoklassik, von der Mikrobetrachtung der Gossenschen Gesetze bis hinzu den Makro-Einstellungen des IS-LM-Schemas und des Patinkin-Effekts.
@ bommel:
Aber die Neoklassik geht trotzdem (iderlatypisch) davon aus, dass jedeM Mensch z.B. als Konsument alle für ihn nötigen Informationen zur Verfügung stehen (und dass er auf dieser Grundlage rational entscheidet).
Aber ich würde dir zustimmen, dass auch ohne dieses Annahme Modellbildungen notwendig sind, nur sind die leider nicht sehr zahlreich anzutreffen.
@ Limited 2
>>Ob eine Debatte um den Homo oeconomicus frutchtbar ist, wage ich zu bezweifeln.
Das – der HO – ist nur eine idealtypische Vorstellung, die die Analyse erleichtern soll. Wer das nicht erkennt und ein generelles Verhaltensmodell daraus konstruieren will, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Wer so verfährt ist in eine ideologische Falle gelaufen.<<
Soll doch jeder in seine Falle laufen, wenn er will.
Das Problem ist, dass wir alle (mehr oder weniger) in dieser Falle gefangen sind, wenn ho-basierte Modelle politisches Handeln begründen.
@ markus
Ich weiß was Du meinst. Im Gegensatz zu so einer Annahme, die man in Sachen Realitätsferne kaum übertreffen kann, ist Information, insbesondere die Asymmetrie in der Informationsverteilung mAn eine der treibenden Kräfte des Kapitalismus.
@bommel: mA auch.
Die zentrale Crux des ho ist, daß er – rein naturwissenschaftlich gesehen – ein Unwesen ist. Es gibt ihn nicht, und soweit sich das sagen läßt, *kann* es ihn gar nicht geben. Intelligenz auf Schimpansenniveau ist mindestens 4mal unabhängig voneinander evolviert (Papageien, Rabenvögel, Primaten und Wale), und irgendwie ist es so, daß die damit gekoppelte Fähigkeit zur Selbsterkenntnis/zum Ich-Bewußtsein mit einem Verlust der strengen Rationalität einhergeht, die sich bei rein instinkgesteuerten Lebewesen findet (die stumpf dem folgen, was gerade zur Gewährleistung ihrer biologischen Existenz notwendig ist): “Ich muß gar nichts ausser essen schlafen atmen und ficken…”. Das darauffolgende “und…” ist einerseits der Punkt, an dem die Rationalität endet – aber andererseits das, was Ökonomie gerade erst möglich macht.
Es gibt noch keine befriedigende biologische Theorie des Geistes und des Intellekts, aber evolutionsbiologisch ist man mittlerweile einigermaßen weit gekommen, daß man sagen kann daß sobald ein gewisses Niveau der neorologischen Komplexität erreicht ist eine near-human intelligence nur eine Frage der Zeit ist. Eine recht interessante Studie die das Thema berührt ist doi: 10.1098/rsbl.2008.0469.
Als anderes Beispiel wären evtl. Vögel der Gattung _Malurus_ zu nennen, die intellektuell zumindest nah an Schimpansen heranreichen (und dabei so groß sind wie eine Meise). Sie haben ein ziemlich kompliziertes Sexualverhalten – extrem sexuell polygam bei extremer sozialer Monogamie – und Teil der Interaktionen ihrer Nachbarschaftsverbände besteht darin, daß die Männchen sich Blüten pflücken, die in der Farbe mit ihrem Gefieder kontrastieren, und sie ihren Artgenossen zeigen. Wenn die Artgenossen die Blüten zur Kenntnis genommen haben, wird die weggeworfen.
Rational ist das nicht besonders gut zu erklären; es hat offensichtlich eine soziale Signalfunktion, aber wie genau diese aussieht, ist nicht bekannt. Und dessenungeachtet wäre es leichter, eine Signalfunktion auf trivialerem Weg zu erreichen, als erst mal die Flora der Nachbarschaft abklappern zu müssen, um etwas bestimmtes “sagen” zu können.
@bommel:
Wenn das was Du schreibst(Dein stochastisches Model), funktionieren würde, dann würdest Du im Geld schwimmen….und nicht hier posten.
@ maestro
1. Das ist nicht mein Modell, ich arbeite nur daran mit.
2. Es ist ein Modell, dass nicht das Individuum beschreibt, sondern aggregierte Entscheidungen von Individuen. Man kann es sektoral aber auch auf Makroebene anwenden.
Im Klartext: Es gilt nicht für einen Einzelnen, sondern für Gruppen von Akteure bzw. alle Akteure.
3. Wer will denn im Geld schwimmen ? Das ist doch unhygienisch.
4. Selbst wenn ich im Geld schwömme, würde ich hier posten, du Parkuhr.
@maestro
Wir anderen, die wir hier posten, schwimmen alle im Geld – du etwa nicht?
Punkt 2:
Dann bin ich mal auf Deine Zukunftsprognosen gespannt…Du Augure.
P.S. Aber pass auf, dass dann nicht alle dieses Modell benutzen…könnte dann “nicht mehr” funktioniern.
@WGN:
Nach dem ich Deine Börsenprognosen für wahr genommen habe…schwimme ich nicht mehr im Geld…:)
Nein Scherz…
P.S. Darf ich fragen, wann Dein Buch erscheinen wird?
Ich hoffe noch…das die Heinsonomics dort keine grosse Rolle spielen werden
@ maestro:
“Dann bin ich mal auf Deine Zukunftsprognosen gespannt…Du Augure.”
“Besonders in der kurzen Frist hat man gute Chancen, dass das individuelle Verhalten (in Teilbereichen) auf Wahrscheinlichkeitsverteilungen hinausläuft und nicht zwingend chaotisch verteilt ist. Erst in der mittleren und langen Frist trifft man immer stärker auf chaotische Verteilungen, mit denen man nicht mehr sehr viel anfangen kann. Bommel”
“P.S. Aber pass auf, dass dann nicht alle dieses Modell benutzen…könnte dann “nicht mehr” funktioniern.”
Das Modell ist für N -> infinity konvergent.
@ bommel
Erinnert mich an Simulationsmodelle, die etwa im Bereich der Rentenversicherung en vogue waren. Da gibt es interessante Modelle, die Aussagekraft bleibt aber schwer abwägbar, da nur ein mit der Zeit sich immer mehr auffächernder Ereignishorizont als Ergebnis herauskommt und die schön-schlichten analytischen Antworten der klassischen Ökonomie dagegen mehr Erwartungssicherheit suggerieren.
@jma#17
“Intelligenz auf Schimpansenniveau ist mindestens 4mal unabhängig voneinander evolviert (Papageien, Rabenvögel, Primaten und Wale)”
Interessant, das wusste ich nicht. Kannst Du mir eine Quelle für diesen Befund nennen?
WGN
… In dem Moment, wo man die Rationalitätshypothese aufgibt, wird die Ökonomie eigentlich nicht mehr modellierbar. Und was sollten wir dann bloß anstellen mit all diesen Professoren und Lehrstuhlinhabern?
ganz einfach – das tun was ohnehin getan werden sollte: Die WIWI Facultäten auflösen und das vorhandene Personal den Theologischen Facultäten zuordnen. Dort können sie ja weiterhin ihre “von der Sonne umrundeten Scheibenwelttheorien” diskutieren …
Kann den Text unterschreiben.
Die heutige VWL braucht die Annahme des Homo Oeconomicus – weil viele Thesen und Modelle sonst implodieren würden.
Wenn es nur “Individuen” auf dem Markt gäbe, müssten Kinder in Fabriken produziert werden…. Gerade die Kooperation hat unser Überleben überhaupt gesichert. Oftmals ist es gänzlich unmöglich Gefälligkeiten korrekt Abzurechnen – für die ideale Modellwelt müsste jedoch jeder Nutzen bestimmbar und berechenbar werden und jedes Individuum , dank perfekter Information, immer die ideale Entscheidung treffen.
Diese Annahmen sind so lächerlich, dass sich ernsthafte Ökonomen im Grab umdrehen würden. Die Welt von Morgen entsteht durch die Entscheidungen von heute und unbestimmte Umwelteinflüsse.
… ach ja, hatte ich doch glatt vergessen: Das Wichtigste!
Gott – ein wunderbares Werkzeug um Macht und Machtpositionen zu konstituieren …
aber irgendwann funktionierte dieses Spielchen nicht mehr. Etwas neues musste her, ein neuer Gott der nicht wie Gott aussah –
Geld – ein wunderbares Werkzeug um Macht und Machtpositionen zu konstituieren (und gleichzeitig die Machtverhältnisse vor den Aufgeklärten Demokraten zu Verschleiern. – Demokratie – eine Java-Applikation für das Volk, ohne Zugriff auf das Betriebssystem der Welt.)
@bommel:
Was versteht man unter “kurzen Frist”?
@ maestro
Das hängt von der realen Sektor- bzw. Makroentwicklung ab. Je größer die (betragsmäßige) Ableitung der Input-Indikatoren nach der Zeit sind, desto schwächer wird die Genauigkeit der Vorhersage mit fortschreitender Zeit. Bei relativ konstanten Input Indikatoren (-> Ableitung verschwindet) wächst der Vorhersagefehler mit sqrt(t), t=^Zeit. Pi mal Daumen heißt kurzfristig bis zu 3 Monaten. In hochvolatilen Zeiten kommt man nur noch auf bis zu 2 bis 3 Wochen.
2 Anmerkungen:
Der HO ist sowohl Modellannahme als auch präskriptiv für die Wirklichkeit (die gezwungen wird, sich modellgemäß zu verhalten), hier schafft sich die Theorie eine Praxis, die sich theoriegemäß verhält. Man kann die Selbstimmunisierung, die darin steckt nur noch als Religion bzw. Ideologie fassen, mit Wissenschaft hat das nix zu tun. Hier
Warum und wie Menschen überhaupt tauschen (und daß sie das jedenfalls nicht nach dem HO tun) ist Gegenstand einer eigenen Wissenschaft, der ökonomischen Anthropologie.
@ blu_frisbee:
“Der HO ist sowohl Modellannahme als auch präskriptiv für die Wirklichkeit (die gezwungen wird, sich modellgemäß zu verhalten), hier schafft sich die Theorie eine Praxis, die sich theoriegemäß verhält.”
Ja, da stimme ich dir genau zu, die Neoklassik erzählt uns nicht nur, der “Mensch ist ausschließlich egoistisch” oder “der Mensch muss ausschließlich egoistisch sein”, sondern macht daraus geradezu “der Mensch soll ausschließlich egoistisch sein”.
@ 31 blu_frisbee
“Der HO ist sowohl Modellannahme als auch präskriptiv für die Wirklichkeit (die gezwungen wird, sich modellgemäß zu verhalten), hier schafft sich die Theorie eine Praxis, die sich theoriegemäß verhält.”
Interessant auch dazudie BWL-Modelle, bspw. Taylerismus.
Wer so seine Angestellten behandelt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch entsprechendes Verhalten erzeugen.
Und nach dem man eine Zeitlang davon abging, ist wieder ein deutlicher Trend zu sehen.
Kopfarbeiter mit extrem kleinteiligen Arbeitszeitmeldesystem bspw.
Allerdings gibt es einen, zumindest partiellen Ausweg; wenn kleine Firmen mit anderer Philosophie und engagierten intrinsisch motivierten Mitarbeitern erfolgreicher sind
Bis ab einer gewissen Größe irgendwann McBerger durch die Räume weht.
Gerade gefunden zum Thema: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,655217,00.html
Wenn ich twittern könnte:
So viel traffic for nonsens ist unglaublich….