Als Nebenprodukt meiner aktuellen Übungen und kleine Stütze für Kommentatoren wie Holger Steltzner in der FAZ, denen die Zusammenhänge offenbar noch immer nicht klar sind: Hierunter nochmals die Ultra-Kurzzusammenfassung von Minsky:
Reale Investitionen, die Kreditfinanzierung bedürfen, finden nur dann statt wenn:
- Die Nachfragepreise der Investitionsgüter über ihren Angebotspreisen liegen (sprich: Investitionsprojekte auf Basis aktueller Angebotspreise Renditen versprechen) und
- Die Nachfragepreise der Investitionsgüter über denen der Finanztitel liegen (sprich: Investitionsprojekte mehr Rendite versprechen als Finanzanlagen)
Was bedeutet: Mit ihren Portfolioentscheidungen bestimmen letztlich die Banken/Finanzmärkte über die Realisierung von Investitionen und damit Gewinn, Beschäftigung, neue Arbeitsplätze usw. In dem Ausmaß, wie Banken nicht reale Investitionen finanzieren, legen sie ihre Gelder an den Finanzmärkten an und produzieren mitunter Bubbles.
Es ist vor diesem Hintergrund völlig hirnrissig zu behaupten, die Notenbanken blasen mittels Erhöhung der exogenen Geldmenge nur Bubbles auf, wie Steltzner das in seinem Beitrag macht (und damit ist er ja nun bei Gott nicht alleine). Die Notenbanken sind im Grunde genommen schuld- wie auch machtlos: Nicht sie entscheiden, was die Banken mit ihren Zentralbankguthaben anstellen, sondern die Banken. Soweit Geldmengen überhaupt eine Relevanz für das wirtschaftliche Geschehen haben, wachsen sie endogen und nicht exogen. Die Notenbank kann den Banken mehr Geld zur Verfügung stellen, aber sie kann ja nicht im Geringsten beeinflussen, was die damit anstellen. Ich meine: Im Ernst Freunde – soweit sollten wir doch anno 2009 schon sein, als dass wir das kapiert hätten, oder?
Aus oben Gesagtem ergeben sich mindestens zwei Fälle, in denen jegliches Geld, dessen Banken habhaft werden können, nicht in Realinvestitionen, sondern in reine Finanzanlagen fließt – die deshalb im Preis steigen, was dann mitunter zu Bubbles führt. Und nein: beide Fälle haben absolut nichts mit “Investitions-” oder “Liquiditätsfallen” zu tun, wie das der Pauli Krugman und diverse andere Pseudokeynesianer noch immer behaupten, sondern sie ergeben sich schlicht und ergreifend aus der Portfoliooptimierung gewinnorientierter Banken. Mit dem Zins hat das, wenn überhaupt, nur am Rande was zu tun, und wenn, dann nicht mit der Art von Zins, den die Zentralbank beeinflussen könnte. Völlig beknackt ist es in diesem Zusammenhang, die höhere Staatsverschuldung zu verteufeln, wie es bei Steltzner ebenfalls durchklingt; denn über eine erhöhte Zufuhr “sicherer” Staatstitel in die Portfolios der Banken werden diese deutlich weniger riskant und damit stabiler (oder, um mit Minsky zu sprechen: sie gehen zurück von “Ponzi” in Richtung “spekulativ” oder partiell sogar “hedge”). Käme es nicht zu einer solchen Umschichtung, dann würde man sich so ziemlich des einzigen positiven Aspekts der Krise berauben, den diese überhaupt hervorbringt.
Wer Gegenteiliges noch immer behauptet, bei Greenspan & Co die Schuldigen an der Krise sucht und dergleichen, hat in meinen Augen auch nicht begriffen, worum es bei “Quantitative Easing” und derlei Scherzen geht: Die Zentralbank versucht dabei nicht mehr und nicht weniger, als Renditen von Finanzanlagen querbeet so dermaßen zu verringern, dass sie aus der Sicht der Geschäftsbanken für die Anlage uninteressant werden – in der Hoffnung, dass diese darob sich wieder verstärkt der Realwirtschaft und den Unternehmen zuwenden. In meinen Augen ist das so ziemlich das einzig vernünftige Mittel, das sie überhaupt im Repertoir hat – und der sehr geschätzte Professor Heinsohn liegt daher in meinen Augen mit seiner Dauerkritik an den Zentralbanken total falsch!
Wird das zu Inflation führen? Aber natürlich wird es das! Nicht zur Hyperinflation, klarerweise, aber es ist doch wohl logisch, dass in einem Szenario, in dem die Nachfragepreise von Investitionsgütern gegenüber denen von Finanzanlagen dermaßen attraktiv werden, dass massig Geld der Banken in sie fließt, dies über Output, Beschäftigung und zusätzliche monetäre Kaufkraft zur allmählichen Erhöhung des Preisniveaus führt. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage muß man hoffentlich niemandem mehr erklären.




















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@wgnx
http://www.youtube.com/watch?v=mXPUkrz7Uow
@wgnx
Wenn bei Staatsanleihen die Zinsen niedrig werden dann sie die wie Penny Stocks das ist das Problem… Minsky denkt nicht wie ein Trader.
@Nanuk
Wenn die Zinsen niedrig sind, dann weil die Kurse entsprechend hoch stehen – Was meinst du daher mit “penny stocks”?
Na kleine Absolute Gewinne ergeben hohe Prozentuale…
Man kann ja long und short gehen
“Die Notenbank kann den Banken mehr Geld zur Verfügung stellen, aber sie kann ja nicht im Geringsten beeinflussen, was die damit anstellen. Ich meine: Im Ernst Freunde – soweit sollten wir doch anno 2009 schon sein, als dass wir das kapiert hätten, oder?”
Jep. Aber warum stellt sie dann überhaupt so viel Geld zur Verfügung?
@wgnx
Bonds funtionieren genau anders herum wie Aktien…
@Bernd
>Aber warum stellt sie dann überhaupt so viel Geld zur Verfügung?
Aus Liquiditätsüberlegungen, schätze ich mal. Weil die andere Finanzierungsquelle (= der Interbankengeldmarkt) doch zusammengebrochen ist, oder nicht? Was sie damit also während der Krise gemacht hat, war bestehende Anlagen zu stabilisieren, indem sie die Refinanzierung absicherte. Daher war klar, dass derlei Maßnahmen unmöglich inflationär sein konnten. In dem Ausmaß, wie sich der Geldmarkt stabilisiert, kann sie diese Mittel auch wieder zurückholen – nur ist dann nach wie vor nicht gesagt, wie die Geschäfstbanken ihr Geld anlegen werden.
@Nanuk
>Bonds funtionieren genau anders herum wie Aktien…
Glaub ich nicht – erklär mal
Wenn die Zinsen von 1% auf 2% Steigen hast du dein Geld verdoppelt wenn du short bist…
und jetzt sind wie aber bei 0,irgendwas alles klar?
Geld ist falsch Gewinn hätte ich sagen sollen…
@Nanuk
Ja klar, weil die Kurse entsprechend fallen, du Dödel.
Das ist bei Bonds nicht anders als bei Aktien.
Ja halt nur das bei Aktien das bei niedrigen Kursen eintritt bei Bonds aber bei Hohen…
Darum werden die wie penny stocks wer ist jetzt der Dödel?
und genau darum kommt man da so gut wie nicht mehr raus… weil sofort Gewinn Mitnahmen einsetzen… da hat Heinsohn ausnahmsweise recht die ZB versuchen die Zinsen zu drücken obwohl der Markt eigendlich höhere haben will…
Die Wirtschaftliche Lage gibt das nicht her der Pfand fehlt.
Gestern meinte jemand die Banken können ja wieder neue Wunderwaffen erfinden aber warum sollten sie…
http://www.youtube.com/watch?v=kcJPX3LE63A
Man muss Deflation anders herum bekämpfen also Geld an die Leute die nix haben das dann zur Bank wandert… aber das kapieren unsere Politikbratzen nicht von daher Happy Deflating…
Im Ernst Freunde – was haben wir außerdem kapiert? Was könnten wir außerdem kapieren…
… unter dem Aspekt, es sollen ‘Investitionen’ gefördert und das vielleicht sogar gesteuert werden.
Btw. Wie wäre es mal damit, das andere (Zinsen, Inflation, Deflation, bubbles) sind doch eigentlich nur daraus resultierende Nebenkriegsschauplätze, die die Gedanken wieder vom wesentlichen ablenken.
Oder wir stellen einfach einen anderen ins Tor.
Vielleicht wäre die Welt untergegangen hätte man grosse Banken komplett ausgebucht, vielleicht aber auch nicht.
Der Nachfrageseite hätte das vermutlich gar nichts ausgemacht und die Realwirtschaft könnte sich jetzt wirklich erholen.
@weird, goldmine
Warum das nicht passiert???
Ganz einfach weil es nicht um die Realwirtschaft geht oder um Menschen sondern um Macht!
Lieber Weissgarnix, LOSLASSEN!
Die Welt geht auch ohne expansive Geldpolitik weiter, nicht wegen des Klammerns daran zu falschen Schlüssen kommen.
Eine mehrfach zu große Geldmenge, gemessen an der Realwirtschaft, sagen wir mal 4M, ist eine notwenige (s.u.) und hinreichende Bedingung für Asset-Preis-Blasen, wenn andere Bedingungen die “Normalpreise” einigermaßen stabil halten (wobei ein erheblicher Teil in “assets” schlummert, die mit Schneebällen besser als mit “Vermögenswerten” beschrieben sind).
Mit 1M ist bei weitem nicht alles gut, wir haben die Probleme, die wunderschön in zahlreichen Theorien beschrieben sind; allerdings gilt S=I. Mit 4M ist das auftauchen von 3M nahezu nicht prognostizierbar, S=I wird unsinnig; natürlich kannst du mit verschiedenen Maßnahmen versuchen, Finanzanlagen weniger lukrativ zu machen, aber du würdest dein Dach doch nicht mit Zentnern Schnee kanonieren, um dann mit dem Fön abzuschmelzen, oder? Ganz abgesehen davon, was passiert, wenn du wirklich 3M abschmelzen könntest….wuschschsch.
Das sind theoretisch motivierte Überlegungen; was die real existierenden Zentralbanken in der realen Situation tun könnten, ist eine andere. Was sie tun wollten, ist eine weitere. Und schon ist man mitten Schlamassel im Großen und Kleinen, in der Eigentümerstruktur, Machtverhältnissen, dem kaum begrenzten und von der Notenbank begrenzbarem Geldschöpfungsprivileg, den teils grotesken vw Theorien (alle auf Basis S=I), etc.pp.
Bleibt noch die Frage, ob xM auch notwendig ist für unsere Blasen; ich behaupte JA.
Es gäbe mit 1M und Preissteigerung bei assets sofortige Preissignale bei anderen Gütern, dies führte unmittelbar zu Reaktionen. Die wird bei unserem System in einer Ausweitung von M bestehen, die Blase kann starten.
Bleibt M bei 1M, ist keine Blase möglich, die Knappheitsrelationen werdens richten.
Ob für die realwirtschaftliche Entwicklung xM gut oder schlecht ist, ist damit noch nicht gesagt; allerdings muss die Abrechnugn nach dem final Cut erfolgen, also dem völligen Währungszusammenbruch; vielleicht kriegen wir das im Sinne des zivilisatorischen Fortschritts auch mal ohne Krieg hin.
@wgn
Jetzt verstehe ich auch den auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftigen Satz der Bundeskanzlerin in dem FAZ-Interview:
“Vorneweg müssen wir alle die Krise verstehen, und in der Koalitionsvereinbarung steht, dass möglichst Anfang 2011 weitere steuerliche Entlastungen durch die Einführung eines Stufentarifs in Kraft treten sollen.”
Steuersenkungen auf Pump für ein höheres Ziel. Ganz schön schlau. ’s Angela.
@Dipfele
Ich verstehe den nicht…
WGN – Der Text hat Hand und Fuß – die Schlussfolgerungen daraus sind allerdings vollkommen falsch.
S = I ist eine fundamentale Gleichung – dabei muss das S = sparen aber auch für I = Investitionen verwendet werden und nicht für C = Consum. Denn sobald das Geld von Sparer DM = Dummer Michel von CA = cooler Amerikaner für einen Swimmingpool im Garten ausgegeben wird, sind die Ersparnisse vom Dummen Michel keine, sondern Konsumausgaben.
S = I bedeutet daher nicht, dass automatisch alle Sparguthaben auch in Investitionen umgesetzt werden.
Das ist insbesandere auch wichtig, wenn wir uns die Welt der Geldpolitik anschauen. Ich behaupte einfach, dass die Zentralbanken die falschen Akteure sind. Der Monetarismus ist Tod. Realinvestitionen können nicht gut von Banken und Finanzspezialisten realisiert werden.
Wie in deinem obigen Text geschrieben steht – nur weil die Zinsen sinken, müssen sich die Realinvestitionen noch lange nicht lohnen – im Gegenteil. Durch vieles billige Geld können wenige Akteure Preise in die Höhe treiben um Blasen zu erzeugen – Jahrelang kann man dank Market to Market Bewertung saftige Gewinne erzielen – am Ende sucht man dann den Exit und eine dumme deutsche Landesbank oder man lässt den Staat die Zeche zahlen.
Der dann wiederum – zur Finanzierung – nicht etwa die EZB anpumpen darf, sondern Bonds veräußern muss. Daran verdienen die Banken schon einmal Geld, weil sie bei der Platzierung helfen.
Dann können Banken aus 1 Mio € Zentralbankgeld zu 1% Zinsen – 50 Mio € Anleihen des Bundes erwerben – zu 3% – der GEldschöpfung sei dank.
Und wieder klingeln die Kassen – und nun erklär mir doch bitte, aus welchem Grund einer der beteiligten Banker sich noch in die Untiefen der realen Welt begeben soll, in denen Forschungsprojekte scheitern, oder nur der Allg. nutzen und monetär nicht verwertbar sind?
It’s the system, stupid. Man kann das kranke aktuelle Geldsystem nicht retten, denn die Widersprüche sind im System selbst.
http://www.chrismartenson.com/
@Logic Ratio
Und wenn mal jemand nicht so will wie die Bankster dann setzt man Gerüchte über einen bevorstehenden Staatsbankrott in die Welt…”Happy times are back again”
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:staatsschulden-angst-vor-japanischer-bondblase/50037228.html?page=2
So einen brauchen wir jetzt.
Der würd sich das Ackermännchen bei den Eiern schnappen und einfach Fragen wer ist hier der Bundeskanzler…
http://www.youtube.com/watch?v=VftEzgISQCE
@Nanuk
Du denkst halt nicht dialiktisch genug. Darin ist die Bundeskapunzlerin aber DDR-geschult. Also: Den Staat verarmen –> Staatsanleihen ausgeben –> Banken von “Ponzi” auf Reali trimmen –> … (siehe oben bei wgn).
und dann noch zum konkreten, auch wenn ich kein Freund der mühen der Ebene bin.
>>>Die Notenbanken sind im Grunde genommen schuld- wie auch machtlos: Nicht sie entscheiden, was die Banken mit ihren Zentralbankguthaben anstellen, sondern die Banken. Soweit Geldmengen überhaupt eine Relevanz für das wirtschaftliche Geschehen haben, wachsen sie endogen und nicht exogen. Die Notenbank kann den Banken mehr Geld zur Verfügung stellen, aber sie kann ja nicht im Geringsten beeinflussen, was die damit anstellen.<<<
Die Notenbanken sind schuldlos? Wer sitzt da, mit welchen Interessen? Könnte es sein, dass die Schwemme quasi unverzinsten Geldes in den Banken doch nicht ganz interessenungeleitet entsteht?
Von der Vergangenheit bis heute, also von M auf xM, ganz zu schweigen.
Machtlos, nun gut. Welche Instrumente hätten sie denn, wenn sie wollten? Mindestreservesätze deutlich anheben wäre ein klarer Schritt hin zur besseren Geldmengensteuerung, will das jemand dort?
Es ist doch ein Theorie-Problem: die Geldmenge wird als wurscht angesehen, deshalb brauch ich sie auch nicht zu steuern, sondern nehme mir eine "Inflations"rate und lass ansonsten soviel schöpfen wie irgend möglich.
Die wirkliche Vereinigung des Unsinn-Anteils keynesianischer und monetaristischer Geldtheorie.
Was man konkret machen könnte, nun ja; wirkliche Finanzinnovationen, aber welche, die den "Finanzinnovatoren" Hören und Sehen vergehen lassen.
Wie du sagst, so groß ist die Relevanz der Geldmengen real nicht; das gilt allerdings nur, so lange die Schneebälle kühl und trocken lagern. Insofern ist ein Pfad von xM zu M natürlich sehr schwer.
Am besten, man wartet auf den nächsten Knall; ein Großer fällt um, dominoartig alle anderen Mitspieler, verstaatlichen und üM einfach abschöpfen. Dann können sie privat wieder weitermachen. Bis dahin durchwurschteln.
Aber da stehen vielleicht doch ein paar Interessen dagegen.
Immer dann, wenn absolut kein Zusammenhang zwischen Realwirtschaft und Börsen besteht haben wir eine Bubble. So auch jetzt. Eine US – Leitzinsanhebung würde das Spielcasino unverzüglich schließen.
Man muß doch selbst als Uneingeweihter mühelos verstehen können, dass wertlose US – Hypothekenpapiere mit der Pleite der Schuldner nur wertlos bleiben können. Die Schuldner sind blank, haben das auch endlich verstanden und sparen mal ein wenig, sowie denken nicht daran weiter auf Pump “konsumfreudig” zu sein. Völlig der Lage angemessen. Aktien dagegen sind der Inbegriff eines Kettenbriefes, wer sie zu lange hält, verbrennt sich die Finger. Gute Aussichten bieten sie nur wenn die Konjunktur wirklich anzieht. Davon ist die Welt, abseits der getürkten Ökonomenschwurbelei, Lichtjahre entfernt.
Wir sehen fundamental durch nichts zu begründbare Aktienkurse gegenüber einer U-3-US-Arbeitslosigkeit von 10 %, U-6-US-Arbeitslosigkeit 17,5% und unverfälschten US-Arbeitslosigkeit von 22%. Die wird in den nächsten Monaten weiter steigen. Damit platzt die Bubble nicht durch Zinsen, sondern durch Aufstände, “soziale Unruhen”. Unsere total verfälschten Arbeitslosenzahlen sähen genau betrachtet auch aus, als wenn wir auf dem Weg in die, nicht aus der, Typ-Japan-Krise sind.
Die Finanzmärkte sind kein Spiegel der Konjunktur, sondern sie entziehen einer möglichen Konjunkturerholung die Liquidität. Und hier ist der krasse Fehler der Zentralbanken, FED, wie auch EZB. Das wissen sie auch. Die Zentralbanken sind ganz klar durch ihre Niedrigzinspolitik Verursacher der heutigen Bedingungen. Die Politik unterstützt sie dabei tatkräftig. Sie sind nicht bereit hinzunehmen, dass die Privatbanken nach heutigem Muster nicht bestehen bleiben dürfen. Z.B. Trennbankensystem, Aufsplitterung der Finanzmonster in handliche und jederzeit abwickelbare Einheiten mit unterschiedlichen Aufgaben.
Selbstverständlich wird eine Investmentbank viel lieber Renditen von 25 %, durch katastrophale Staatsverschuldung noch attraktiver, einfahren, als mit schnöden ausfallgefährdeten Krediten an Unternehmen nur 5 % zu gewinnen. Solange sie das darf, wird sie das auch voll ausnutzen.
Bei der jetzigen Lage haben wir es schlicht mit Verrat der Regierenden an das Finanzmonster zu tun.
@ Michael # 29
Sie sind nicht bereit hinzunehmen, dass die Privatbanken nach heutigem Muster nicht bestehen bleiben dürfen. Z.B. Trennbankensystem, Aufsplitterung der Finanzmonster in handliche und jederzeit abwickelbare Einheiten mit unterschiedlichen Aufgaben.
Ich würde in ‘meiner Einsicht’ sogar noch einen Schritt weitergehen – das wollte ich in # 18 provozieren: Privatbanken nicht nur in heutigem Muster sondern Privatbanken überhaupt!
Ja, ja, … Umsetzbarkeit – ich weiß.
Nein, mir ging es diesmal ‘nur’ um die Schlußfolgerung für Gesellschaft schlechthin, nicht darum gleich morgen damit beginnen zu können…
@michael
Etwas Besseres als den Tod finden wir ueberall.
Nur dann wird es Aufstände geben. Im Moment glaubt kurioserweise noch jeder, vom Harz4ler bis zum Mittelständler er hätte etwas zu verlieren. Es soll Harz4ler geben die FDP gewählt haben.
Weissgarnix Thesen sind insofern total falsch, als dass Banken extrem hoch verschuldete Gesellschaften sind. Um nicht pleite zu gehen, würden sie, wenn der Staat keine sensationellen Schulden machte (Keynesianische Anschubfinanzierung) und sie nicht an den Finanzmärkten spielen dürften (dortige “Gewinne” sind bis zur Realisierung pure Fiktion) Kredite an Unternehmen vergeben müssen. Ansonsten würden sie so schnell, wie kein anderes Unternehmen, pleite gehen.
Obama macht mit seiner Billionenverbrennung genau das Falsche. Genauso sind “Konjunkturprogramme” Schwachsinn. Die Zentralbanken sind keine Opfer, die jetzige Finanzmarktblase durch die zu niedrigen Zinsen schafft rein fiktives “BIP”.
@weird, goldmine
Wenn ein Hartzi die FDP wählt, dann kann ihm selbst ein Psychiater nicht mehr helfen. Wir müssen nicht von uns ausgehen. Der US-Zeltstadrbewohner, von denen es sehr viele geben soll und der, der seine Hütte nicht heizen kann, weil er sonst wegen der ausstehenden Raten obdachlos würde, wird diesen Winter spätestens sozial unruhig. Unsere Harzis leben dagegen paradiesisch.
@Wat.
Das haben wir ja letzlich diskutiert. Ich würde “demokratisch gewählten” Regierungen generell nicht mehr vertrauen wollen. Die Banken müssen zwingend regierungsunabhängig bleiben. Alternative Staatsgeld, aber dann Goldstandard. Am Goldpreis abseits der Finanzmärkte würde man die Geldentwertung schön mitverfolgen können.
OT
Mal so eine Frage nebenbei. Kennt jemand ein gutes Übersichtswerk über die historische Entwicklung der Krankenversicherung in Deutschland?
@Logik-Ratio
Mal abgesehen davon, dass I=S hier keinerlei Rolle spielt: Wo genau sind meine Schlußfolgerungen jetzt falsch? Mein Punkt ist total simpel: Profitorientierte Banken werden in die Realwirtschaft investieren, wenn sie dort mehr Geld verdienen, als an den Finanzmärkten. Ende der Durchsage.
Gib ihnen viel Geld, dann gilt das; gib ihnen wenig Geld, gilt es auch. Zumal in einer Situation, in der das Gros des zusätzlichen exogenen Geldes ja nicht für Neugeschäft, sondern die ausfallenden Finanzierungen des Altgeschäfts verwendet werden mußte.
Und was Merkela gerade in ihrem schönen FAZ-Interview zu vergessen scheint: Den tollen Aufschwung in der Realwirtschaft (Spanien, Holland, Miami, New York, China und über den Export auch bei uns) gab es überhaupt nur wegen der Finanzexzesse. Denk dir die Housing-Bubble weg, denk dir den US “wealth effect” und “home equity” weg, denk dir die spanische Immoblase weg – dann ist vom “Aufschwung”, so wir ihn denn überhaupt gesehen haben, nicht mehr viel übrig.
Natürlich können die Notenbanken beeinflussen, was die Banken mit dem Geld machen. Über den Zinsatz. Den legen Sie nämlich als Rahmenbedingung fest, also exogen. Und wenn der bei Null-Prozent liegt, dann lohnt es sich für die Banken zu spekulieren oder Unternehmen zu zerlegen und auszunehmen. Wenn der aber über 3 Prozent liegt (also über der Produktivitätsentwicklung), dann müssen die Banken in reale Wertschöpfung investieren, weil die Investitionen nämlich mindesten 3 Prozent erwirtschaften müssen und dafür muß richtig gearbeitet werden und man muss vor allem innovativ sein. Da funktioniert es dann nicht mehr, mit billigem Geld auf kleine Marktfluktuationen zu wetten oder Rücklagen der mit hohem Hebel gekauften Unternehmen zu plündern. Übrigens würde ich genauso die Ultra-Kurz-Zusammenfassung von Minsky interpretieren. Ich glaube Wgnx sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
@topi
>Es ist doch ein Theorie-Problem: die Geldmenge wird als wurscht angesehen
Nope. Die Geldmenge wird irrtümlicherweise als KAUSAL betrachtet, wo sie lediglich RESIDUAL ist – da liegt der Hase im Pfeffer. Aber nochmal: Darum geht es im obigen Beitrag überhaupt nicht. Das Problem, das ich anspreche, besteht bei hoher Geldmenge also auch niedriger. Wenn überhaupt, dann reden wir hier über Relationen, also zB von MO zu M1,2.
Hallo @Sterbliche !
=> … was sind denn das hier :
“german-foreign-policy.com”
… für komische Vögel ?? Kennt die jemand ?
@BB
>Über den Zinsatz. Den legen Sie nämlich als Rahmenbedingung fest, also exogen.
Ja, aber nur am kurzen Ende. Sie können also die Refinanzierung partiell teurer oder billiger machen – aber was die Banken dann mit dem Geld machen ist ja eine völlig andere Frage. Und wer sagt, dass bei einem Hebel von 1:10 die ” richtig gearbeitet und daher in die Realwirtschaft investiert werden muß”?
Allerdings liegt hier auch eine (Teil)-Lösung des Problems: Erhöht man die EK-Anforderungen an die Banken, verringert man auch ihre Hebelmöglichkeiten und damit das Renditepotenzial in diversen Finanzanlagen – und zwar wesentlich effektiver, als es die Zentralbank mittels Zinsen je könnte.
@WGN: Grossartiger Beitrag! Das mit Heinsohn führte schon immer vom eigentlichen Problem weg
@wgn
Der schlichte Punkt ist einfach – Banken sind überhaupt nicht für Investitionen in die Realwirtschaft geeignet. Wenn dann investieren Konzerne und Unternehmen – vor allem aber Erfinder und Unternehmensgründer – wenn man mal von Häusern und Co. absieht.
Diese sind für mich aber nur bedingt “Investitionen” weil Sie eigentlich Konsum sind – mitlerweile wird aber alles als Investition bezeichnet, womit sich Geld verdienen lässt.
Du schreibst, die Staatsverschuldung ist kein Problem, weil die Banken hier wenigstens nicht in Riskoprodukte investieren würden…. aber wem bitte nützt dies nur ein Pfifferling, außer den Banken und vor allem ihren Aktionären und Managern?
Das ganze System ist perfide und unsinnig, kann nur bei starkem exponenziellen Wachstum zeitweise funktionieren. Da hilft kein fummeln an kleinen Symptomen.
Staatsverschuldungen und Rettungsaktionen sind der absolut falsche Weg, weil es Banken und dem System die Möglichkeit gibt risikolos zu investieren. Anstatt das Geld von der EZB zu leihen, leiht er es praktisch von den Banken und der reichen Oberschicht, welche mit dem Staat und seinen Zwangsinstrumenten zur Steuereintreibung – vor allem Konsumsteuern wie Tabak,Öl, Mwst etc. – den idealen Schuldner haben.
Wenn die Banken eine Anlagemöglichkeit ohne Risiko und hohen Gewinnen nutzen können – wieso sollten Sie dann in die Realwirtschaft investieren?
Solange sich die Banken allerdings günstig refinanzieren können, und danach dank Geldschöpfung, viele praktisch risikolose Anlageprodukte kaufen können, solange brauchen Sie die Realwirtschaft nicht wirklich.
Ich weis ich rede für dich am Thema vorbei, weil ich das Thema auf einer anderen Ebene analysieren – aber für mich geht es um folgende zentrale Frage:
Ist die Zeit, Geld und Energie in diesem System sinnvoll investiert? Ist es das Systemziel die Welt, Technologie, Wohlstand aller Menschen zu vergrößern?
Wie soll es dann den gewünschten Effekt haben? Die Mächtigen in diesem System werden sich immer versuchen selbst zu bereichern – denn das ist ihre heilige Pflicht. Sie sind die Akteure, die Geld investieren, die Entscheiden.
Die EZB, FED und alle Monetaristen können nur an den Stellschrauben Zins und Geldmenge und Co. drehen – Sie können aber keinen Verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen erzwingen.
Realinvestitionen werden erst dann sinnvoll, wenn es keine oder kaum finanzielle Möglichkeiten mehr gibt Geld über längere Zeit zu vermehren, wenn der Staat aufhört immer mehr Anleihen, von denen jeder weis, dass sie nie zurückgezahlt werden können, immitiert.
Diesen letzten Schluss, dass es in diesem System in sich fehlerhaft und instabil ist, den ziehst Du in meinen Augen nicht. Du betonst nicht wie unverantwortlich die Akteure unsere Mittel bisher verwendet haben – auch hier die Anspielung auf I=S – wieso glaubst Du diese schamlosen Akteure durch reine Geldpolitik disziplinieren zu können?
Die Geldpolitik und die Monetaristen sind in meinen Augen tot – ihre Welt wird in den nächsten Jahren implodieren. In einer funktionierenden Welt, darf ein Staat keine Bonds über längere Zeit ausgeben und es funktionieren keine Bankengeldschöpfungssysteme. Daher meine Aussage – Dein Text ist richtig – Deine Analyse nicht.
@Wgnx
Bonds belasten das Eigenkapital der Banken garnicht…
und jetzt willst du in einem anflug von Grössenwahn das ändern weist du was dann am Montag morgen auf den Märkten los dann ist Feierabend…
@wgn
bzgl Aufschwung – Zustimmung reine Bubbles – meist im Immo-Sektor
bzgl. Zinspolitik der Banken – reinster Widerspruch
Wie soll denn ein Bankensystem entscheidne, ob es Geld in die Forschung, in neue Unternehmen usw. investiert. Die können doch meistens gar nicht abschätzen, wie erfolgreich Neuerungen überhaupt sind.
Wenn dann geschieht es über den Umweg der Unternehmen – und hier arbeiten Banken gerne mit Großunternehmen zusammen. Großunternehmen sind gemeinhin aber nicht sonderlich innovativ oder flexibel.
Daher investieren auch andere Akteure in den Aufbau neuer Firmen.
Das Bankensystem ist nicht geeignet um langfristig Geld in die Hand zu nehmen und es sinnvoll in Forschung zu investieren. Das können nur wir Bürger bzw. der Ausdruck unserer Gemeisnchaft, der Staat.
Dem Finanzsektor wird einfach eine viel zu große Kompetenz zugewiesen, dabei kann er gar nicht sinnvoll über lange Zeit investieren. Aktuelles Beispiel sind die Häuserbubbles.
Eig. müssten nun alle Investoren ihr Geld verlieren – doch diesmal wären es Banken und Ottonormalsparer, welcher seine Kapitalrücklagen für die Rente verlieren würde. Die Versicherer hätten Probleme und das gesamte schöne System würde implodieren. Also weiterwurschteln.
Daher auch meine ungewöhnlich starke Kretik an Deinen Texten – Ich bin mir sicher, Dir sind die Zusammenhänge bewusst, aber Sie werden nicht thematisiert. Das System ist einfach kautt – der Monetarismus tot.
@BB 36
sehe ich absolut genauso und damit KEINEN Grund den Geschäftsbanken einen Quasi-Nullzinssatz zu gewähren. Hat der gemeine Kreditkunde davon was? Ich sehe auf breiter Front recht wenig Zinslasterleichterung sondern nur eine saftig erhöhte Marge für den göttlichen Auftrag der Banksters.
cheers
Jörg
@ Logik-Ratio 24
>>>S = I ist eine fundamentale Gleichung – dabei muss das S = sparen aber auch für I = Investitionen verwendet werden und nicht für C = Consum. Denn sobald das Geld von Sparer DM = Dummer Michel von CA = cooler Amerikaner für einen Swimmingpool im Garten ausgegeben wird, sind die Ersparnisse vom Dummen Michel keine, sondern Konsumausgaben.
S = I bedeutet daher nicht, dass automatisch alle Sparguthaben auch in Investitionen umgesetzt werden.<<<
S=I ist fundamental, für bspw. M= 4Y jedoch fundamental falsch (die notwendigen Faktoren kann sich hoffentlich jeder denken). Dafür brauche ich keinen Außenbeitrag; wieweit dortige Ungleichgewichte das Problem (oder andere) verstärken, ist diskutierbar.
Nehmen wir eine VW mit Y=90 und M=90 (und S=I); jetzt kommt einer (sagen wir mal direkt aus dem Grundstudium) und erhöht die Geldmenge nicht auf 100, sondern M´ auf 400; klotzen statt kleckern.
Fall1 ohne Banken; die Kohle geht an die Wirtschaftssubjekte.
a) Entweder, die jetzt für 100M (kleine Aufmerksamkeit für die Expansionsfreunde) hergestellten Güter Y´werden für 400 verkauft. Dann gilt weiterhin S=I
b) Die Preissumme steigen nicht auf 400, jemand hat Geld übrig. Da keine Banken existieren, gründet er ein Pilotenspiel, oder Schenkkreis, oder was ihm einfällt.
jetzt ist S=I+I´ (irrlichternde "Innovations"Investition)
Fall2 mit Banken.
a) s.o.
b) die WS erhalten die 400 als Faktoreinkommen, Preissumme steigt nicht auf 400, es wird Geld zur Bank gebracht, die Finanzinnovationen anbietet (Pilotenspiel für Anspruchsvolle). Dort wird dann wieder Einkommen erzielt, aber Y` bleibt unter 400.
c) die Wirtschaftssubjekte kriegen nur 200 in die Hand, den Rest verwenden die Banken gleich selbst innovativ.
bei b) und c) gilt nicht S=I
Warum sich das ändern soll, wenn die Steigerungsrate von M nur, „nur“, 10% über der von Y liegt, jahrzehntelang, kann ja mal jemand erklären versuchen. Natürlich gibt es dann mehr "echtes" Y, was aus den iII rausgepresst wird.
Ich weiß zwar nicht, ob man das als die Zinsfalle bezeichnet – dass die Notenbanken (zwar unabhängig aber irgendwie dem Staat verpflichtet) gar keine Wahl haben, den Zins auf Null zu halten (obwohl das meiner Meinung nach unanständig ist). (Ich glaube, die Definition für Zinsfalle war was anderes, hab ich schon wieder vergessen), aber was passiert denn, sollten die Notenbanken die Zinsen jetzt tatsächlich erhöhen? Alle Staaten dieser Welt brauchen zur Zeit unglaublich viel Geld und wenn die Zinsen steigen, werden alle Schuldner dieser Welt (Staaten, Unternehmen Private) schnell ganz schön alt aussehen. Im Grunde bedeutet Zinserhöhung in der aktuellen Situation “Weltinsolvenz”. Im Moment aber kann sich der Staat noch relativ günstig Geld leihen. Allerdings tut er das nicht von der Zentralbank, wie Logik-Ratio richtig bemerkt hat (warum eigentlich nicht, bräuchte doch nur die EZB ein Girokonto für den Staat eingerichten?), sondern dummerweise von den Banken, deren Einlagen er gerade noch gerettet hat. Und die nehmen dann ein paar Prozentpunkte mehr. Und die ganzen Typen, die sich verspekuliert haben und deren Einlagen vom Staat gerettet wurden, tauschen jetzt ihre Schrottpapiere in solvente Staatsanleihen um. Schönes Geschäft. Der Steuerzahler darf ihnen bis in die fernere Zukunft über die Bank-Zinsen schöne Kapitalrenten zahlen. Allerdings bricht das System zusammen, sobald die Zinsen steigen, schon aufgrund der weltweiten Verschuldung. Wie gesagt, der Globalbankrott droht. Und genau deshalb wird es nie mehr schöne Zinsen geben. Auch z.B. für die nicht, die für’s Alter ansparen wollen. Stattdessen müssen wir alle zu Spekulanten werden um zumindest die Hoffnung auf eine Rendite zu haben, und diese Hoffnung ist sehr trügerisch. Auch hier wird wieder deutlich, dass Zinszahlen, die aufgrund Produktivitätssteigerungen gerechtfertigt wären, auf lange Sicht eine Illusion bleiben werden. Deshalb wird auch nicht investiert. Unser System ist tatsächlich blockiert. Damit gibt es natürlich auch keine Inflation (das einzig gute an der Sache), aber falls es Inflation gäbe, dann stiegen die Zinsen und es droht ebenfalls sofortiger Global-Bankrott. Und sollten die Zentralbanken die Zinsen erhöhen, z.B. weil die Konjunktur wieder anläuft um die Inflation bekämpft werden muss, dann droht ebenfalls Globalbankrott, weil alle verschuldet sind. Fazit: Die Zinsen werden nie mehr steigen, aber wir werden geknechtet, weil wir die Zinsen der Banken über Steuern finanzieren müssen (wohlgemerkt nicht die Null-Zinsen der Zentralbanken) . Fast folgt daraus? Die kreative Problemlösung wäre: Die Banken abzuschaffen und Staat, Unternehmen und Private bekommen alle ein Konto bei der Zentralbank und kriegen auch Geld für Null Prozent Zinsen. Ich finde, das wäre fair
Aber dann würden ja die ganzen Vermögenden, die auf Staatsanleihen umgeschichtet haben, in die Röhre schauen. Und deshalb wird das nicht passieren. Da aber keine echten Renditen mehr erwirtschaftet werden (wozu bei Null-Zinsen), werden wir langsam aber sicher technologisch wieder in die Steinzeit zurückfallen. Aber um in dieser Situation überhaupt noch Wirtschaftsaktivität simulieren zu können, brauchen wir die täglichen Konjunkturwasserstandsmeldungen. Da gehen dann die Dax-Kurse rauf und wieder runter, die einen Verlieren ihre Wetten, die anderen Gewinnen und immer knapsen an diesen Transaktionen die Banken ein paar Prozentpunkte ab, bis sie allen alles abgenommen haben und dann ist wieder Stunde Null. Denn dann sitzen die Banken auf ihrem Geld und es gibt nichts mehr, was sie davon kaufen können. Das ist dann der Endzustand der funktionalen Ausdifferenzierung.
Wie gesagt, die Bank gewinnt immer
@WGN
“… Notenbanken sind im Grunde genommen schuld- wie auch machtlos …”
Das ist richtig, aber auch falsch. Machtlos JA. Schuldlos NEIN. Mit Zins 0% am Diskontfenster und US$ wackelnd ist es logisch wenn Banken US$ short gehen und über Carry Trade auf dem Finanzmarkt altbekannte Rediten erwirtschaften. So ist der effektive Zinssatz negativ.
Das ist kein Problem einer Notenbank sondern ein Problem der Notenbanken. Am Ende ist es die Frage der Politik, wie unsere Banken das Geld verwenden. Wie in der Financial Times schon ausgeführt: http://bit.ly/lUIdT
@BB
“Wie gesagt, die Bank gewinnt immer:-)” Blödsinn! Unsinn! Das ist Defätismus. Nicht mehr und nicht weniger.
@ wgn
mal ehrlich. was sollen die geschäftsbanken denn machen? die fed hat mal soeben ihre bilanzsumme mehr als verdoppelt. da ist eine menge geld im markt. eine große menge. sollen die banken dabei helfen, die USA auf dem Mond noch einmal komplett nachzubauen?
Die banken machen das einzig richtige. sie stärken ihre ek-basis, statt das geld an häuslebauer oder unternehmer zu verleihen, von denen sie nicht wissen, ob sie das geld jemals wiedersehen. das risiko, ihr ek erneut zu verzocken, ist einfach derzeit zu groß.
offenbar erkennen die geschäftsbanken – im gegensatz zu den zb, dass wir es mit einer gewaltigen strukturkrise zu tun haben. und sie wissen, dass man falsche strukturen nicht mit liquidität heilen kann. vielleicht muss man etwas von BWL verstehen, um zu dieser einsicht zu gelangen. ein blick in eine beliebige GuV mag genügen. dort findet man keine position “liquidität”.
unser geldsystem ist mausetot. tilt. gelddrucken hilft da nicht. damit bläht man nur bilanzen weiter auf. bei einer aktiv-passiv-mehrung weiß jedes erstsemster, dass die ek-quote sinkt. ein synonym für schwindenden wohlstand oder wachsende verarmung.
homer simpson hat einst versucht, den alarm in einem atomkraftwerk dadurch aufzuheben, dass er limonade über die alarmlampe goss. bernanke kommt mir irgendwie genauso vor.
@ wsgn
>Reale Investitionen, die Kreditfinanzierung bedürfen, finden nur dann statt wenn:
1. Die Nachfragepreise der Investitionsgüter über ihren Angebotspreisen liegen (sprich: In-vestitionsprojekte auf Basis aktueller Angebotspreise Renditen versprechen)
und
2. Die Nachfragepreise der Investitionsgüter über denen der Finanztitel liegen (sprich: Investi-tionsprojekte mehr Rendite versprechen als Finanzanlagen)>
Bedingung 1: stimme zu
Bedingung 2: Ist nicht richtig.
Erster Fehler von Minsky (oder Ihnen?) ist die Interpretation:
>Was bedeutet: Mit ihren Portfolioentscheidungen bestimmen letztlich die Banken/Finanzmärkte über die Realisierung von Investitionen und damit Gewinn, Beschäftigung, neue Arbeitsplätze usw. In dem Ausmaß, wie Banken nicht reale Investitionen finanzieren, legen sie ihre Gelder an den Finanzmärkten an und produzieren mitunter Bubbles.>
Auch wenn Sie „letztlich“ sagen, behaupten Sie, dass die Banken/Finanzmärkte die ALLEINIGEN Akteure in diesem Spiel sind.
Das sind sie nicht.
Es sind zwar die Banken, die ALLEIN Kredite bereit stellen (im Rahmen volkswirtschaftlicher Betrachtung), sie bestimmen aber NICHT allein – uns schon gar nicht mit ihren Portfolioentscheidungen –, wie diese eingesetzt werden.
Es gibt auch Individuen und Unternehmen, die als Nachfrager von Krediten MIT darüber entscheiden, wie diese eingesetzt werden. Das kann für Investitionsgüter oder für Finanzanlagen, z. B. zur Risikoabsicherung, sein.
Zweiter Fehler ist die UNDIFFERENZIERTE Korrelation von Nachfragepreisen für Investitionsgüter mit Nachfragepreisen für Finanztitel bzw. von den jeweiligen Renditen.
Es handelt sich hier um zwei völlig unterschiedliche Klassen von Renditeobjekten.
Viele Anleger, Unternehmen und wohl auch viele Kapitalsammelstellen werden – auch oder gerade kreditfinanziert – grundsätzlich NUR die Renditeobjekte nachfragen, die den Namen „Investitionsgüter“ tragen.
Für die spielt es keine Rolle, ob Finanzanlagen mehr Rendite versprechen als Finanzanlagen.
Fazit 1:
Es ist falsch, dass kreditfinanzierte reale Investitionen NUR dann stattfinden, wenn (auch) Bedingung 2 erfüllt ist. Sie finden auch dann statt, wenn Bedingung 2 nicht erfüllt ist.
Auch die folgende Aussage bedarf einer Kommentierung:
>In dem Ausmaß, wie Banken nicht reale Investitionen finanzieren, legen sie ihre Gelder an den Finanzmärkten an und produzieren mitunter Bubbles.>
Der Satz ist nicht falsch, aber
a) Es sind nicht nur Banken, die mitunter Bubbles produzieren.
und
b) Banken produzieren mitunter Bubbel auch dann, wenn sie reale Investitionen finanzieren, so z. B. bei der Finanzierung amerikanischer Wohnhäuser.
Fazit 2:
Die Entstehung von Bubbles NUR den Banken zuzuschreiben und sie NUR vom Ausmaß nicht getätigter realer Investitionen abhängig zu machen, greift zu kurz.
Die Dinge sind komplexer.
10 Sekunden Minsky reichen nicht.
S=I
was bedeutet das?
Das Say’sche Theorem besagt kurz zusammengefaßt
folgendes: Jeder Mensch benötigt Güter. Um diese zu
erhalten, produziert er durch seine Arbeit selbst
Tauschgüter. Für deren Gegenwert bekommt er alles, was
er selbst braucht. Jede Produktion findet also nur im
Hinblick auf Konsumwünsche statt. Jeder produziert nur
deshalb, um im Gegenzug dafür etwas anderes nachzufragen.
Also gilt gesamtwirtschaftlich: Jedes Angebot
schafft sich seine Nachfrage selbst – jedes Gut, das
auf der Angebotsseite produziert wird, taucht auf der
Nachfrageseite als Gegenwert auf. Ein Überangebot bei
einzelnen Gütern ist natürlich möglich, durch Fehleinschätzungen
oder unvorhersehbare Entwicklungen (Naturkatastrophen,
Staatseingriffe, Kriege, etc.), eine
allgemeine Überproduktion ist jedoch ausgeschlossen.
Dies galt auch in einer Geldwirtschaft, denn die
Klassiker sahen Geld lediglich als ein Hilfsmittel, das
Tauschtransaktionen vereinfachte, aber ansonsten keine
Wirkungen hatte. … Im klassischen Denken wurde aber alles das, was gespart wird, von denen ausgegeben, die es in Form von
Krediten ausliehen. Daher konnte Ricardo dagegenhalten,
daß ein Nachfragemangel ausgeschlossen war:
Demand is only limited by the will and
power to purchase.
Weiter ist man in 150 Sinn – Jahren nicht gekommen als S=I ????
Die einzige wirklich sinnvolle einer Bank ist die Bonitätsprüfung, weil das die Zentralbanken in der Masse nicht machen können. Nur deshalb gibt es eigentlich Banken. Das Geld von den Zentralbanken nehmen und dann dezentral an Interessenten weitergeben, wobei sie deren Bonität prüfen.
Aber Bonität prüfen, das war einmal! Vor der Erfindung der Kreditverbriefungen. ha ha ha, ha ha ha.
Ich hätte da einen Vorschlag: Banken schließen und Bonitätsprüfungsunternehmen gründen. Die haben nur diese einzige Aufgabe. Sie verdienen nicht mehr an Zinsen und Spekulationen, sondern bekommen Prämien für “geringe Kreditausfälle”. Einfach nach dem Verhältniss “Abgeschriebene Kredite” / “Zurückgezahlte Kredite” berechnet. Die verwalten die Kreditkonten bei den Zentralbanken im Auftrag der Zentralbanken für jeden, der dort ein Konto haben möchte. Ob Staat, Unternehmen, Privatmensch. Und nur das ist ihr einziges Geschäft. Die Zentralbank legt nur einen einzigen Zinssatz fest und der liegt immer über 3 Prozent (untere Schranke! Wenn man eine Schuldengrenze ins Grundgesetz schreiben kann, dann kann man auch eine untere Zinsschranke als Rahmensetzung festlegen.
Ich glaube, ich habe gerade das Ei des Columbus gefunden.
Wollte schreiben: “Die einzige wirklich sinnvolle Aufgabe einer Bank ist die Bonitätsprüfung …
Gott verdammt, ist doch verdammt einfach!
Steuern auf “Spekulationen”, bis diese mit der Rendite unter denen von Realinvestionen sind.
Die Investmentbanker werden aufheulen, aber es geht doch um die Gesamtwirtschaft und nicht um das Wohl und die Boni einiger Schnösel.
da heute Sonn Abend ist, kann ich den 10 Sekunden leider nur
http://www.youtube.com/watch?v=N7pUq8sfsIQ
entgegensetzen..
… ist es Tatsächlich Mut/Intelligenz in einem Auto zu fahren in dem das Gaspedal nur eine Bedienungsrichtung zulässt – Gasgeben/Beschleunigen und Wachstum der Geschwindigkeit …. … ist es Tatsächlich Mut/Intelligenz in einem Auto zu fahren welches bei einem Nachlassen der durch die Beschleunigung Auftretenden “G” Kräfte auseinander fällt da es weder geschraubt oder geschweißt, sondern nur zusammengesteckt wurde und nur durch diese “G” Kräfte zusammengehalten wird (eine Höchstleistung Perverser Ingenieurskunst) Schwer unter Kontrolle zu halten so ein “Superrenner”
… die “Schraube” an der zu drehen ist: Wachstumszwang! (egal ob “Realwirtschaft” oder “Kunst des Luftballonaufblasens”)
Man kann es doch einfach ausrechnen. Eine Bank habe 100 Mio. Geld in Schrottanleihen hinterlegt und Zentralbankgeld bekommen. Dafür darf sie 9000 Mio Kredit zu einem Zins von 0,25 % aufnehmen. Damit “kauft” sie Staatsanleihen mit einer Rendite von 3,25 %. Sie gewinnt 3 %. 27 Mio.. Je mehr sich der Staat verschuldet, desto weniger besteht für die Bank ein Grund Unternehmen günstige Kredite zu geben. Denn dieses Geld fließt in die Staatsanleihen statt in die Unternehmensfinanzierung. Die Schrottanleihen liegen beim Steuerzahler, der Bank geht es prächtig. Mit der jetzigen Zentralbank – und Politik wird gewiß alles, aber keine Krise gelöst. Da der kluge Bankster davon ausgeht, dass das nur schiefgehen kann, geht er gleichzeitig mit einem Teilbetrag short auf Aktien. Denn, wenn die Staatsanleihen durch Unruhen abrauschen, stürzen die Aktien ins Bodenlose. Siehe Nikkei nach 1992 . Das beläßt den Ausblick für die USA und Europa Richtung Japan – Krise.
Die Zinsen müssen hoch, sonst kommen wir aus dem Schlamassel, wie Japan, über Jahrzehnte nicht mehr raus. Der jetzige Kursanstieg würde also durch die Gegenposition zu den “Vorwärtsverkäufen” der Bankster verursacht. Es bleibt hoch interessant. Die Lunte brennt auf dem letzten Meter.
Ein paar Mitnahmeeffekte als Strohfeuer, das war es dann wieder. Die Inflationsbefürchtungen sind ziemlich grundlos. Erst mal steht Deflation an, die über das Jahr noch wegen hoher Energiepreise kaschiert werden konnte. Warten wir mal auf den Jahreswechsel. Inflation gäbe es erst durch neuerliche Steueranhebungen, da die Einkommen aber nicht steigen werden, geht dann beim letzten Einzelhändler vor Aldi das Licht aus.
@~ h A l B g O t T ~
Du wurdest hier in irgendeinem Kommentar bezüglich Geldgeschichte zu einem Buch deines Prof. gesucht. Zu den schrägen Typen es sind nach ihrem Impressum ein paar Subjekte die noch nicht verstanden haben, dass Deutschland mit der Aufgabe seiner Währung und seiner Souveränität nicht mehr als eigenes Land existiert. Frau Ganslerin führte an der ex-Mauer ja aus, dass sie nationale Souveränität an internationale Organisationen, …, abtreten möchte. Ganslerin vor der Mauer kingt entwicklungsfähig ….
@Tischer
>Auch wenn Sie „letztlich“ sagen, behaupten Sie, dass die Banken/Finanzmärkte die ALLEINIGEN Akteure in diesem Spiel sind.
Tu ich nicht, aber kann sein, dass das missverständlich war. Natürlich treffen Unternehmer Investitionsentscheidungen, aber ebenso treffen Banken Finanzierungsentscheidungen. Soweit es sich um kreditfinanzierte (in einem allgemeineren Sinne “extern” finanzierte) Investitionen handelt, haben sie daher in der Regel das letzte Wort.
>Zweiter Fehler ist die UNDIFFERENZIERTE Korrelation von Nachfragepreisen für Investitionsgüter mit Nachfragepreisen für Finanztitel bzw. von den jeweiligen Renditen.
Gemeint ist hier die relative Bewegung zueinander.
> Viele Anleger, Unternehmen und wohl auch viele Kapitalsammelstellen werden – auch oder gerade kreditfinanziert – grundsätzlich NUR die Renditeobjekte nachfragen, die den Namen „Investitionsgüter“ tragen.
Die allermeisten Finanzanlagen sind nichts anderes als die “andere Seite” (nämlich die der Finanzierung) früherer Investitionsvorhaben.
> a) Es sind nicht nur Banken, die mitunter Bubbles produzieren.
Habe ich das geschrieben? Wir sind uns aber hoffentlich einig, dass es so gut wie keine Bubble seit 1636 mehr gegeben hat, für die die Banken nicht auf die eine oder andere Art instrumental gewesen wären.
> b) Banken produzieren mitunter Bubbel auch dann, wenn sie reale Investitionen finanzieren, so z. B. bei der Finanzierung amerikanischer Wohnhäuser.
Wenn man die Immomärkte unter “Finanzanlagen” subsummiert, klar. Allerdings müßte da aus Investoren/Banken-Sicht das gleiche Prinzip gelten: ab einem bestimmten Break-Even-Point lohnt gegenüber dem Neubau nur noch der Kauf aus dem Bestand und umgekehrt.
>Die Entstehung von Bubbles NUR den Banken zuzuschreiben und sie NUR vom Ausmaß nicht getätigter realer Investitionen abhängig zu machen, greift zu kurz.
Und wo hätte ich das geschrieben?
>Die Dinge sind komplexer.
Auf jeden Fall.
>10 Sekunden Minsky reichen nicht.
Nein – aber sie helfen schon mal.
@ wgnx
>>>Es ist doch ein Theorie-Problem: die Geldmenge wird als wurscht angesehen
>Nope. Die Geldmenge wird irrtümlicherweise als KAUSAL betrachtet, wo sie lediglich RESIDUAL ist – da liegt der Hase im Pfeffer. Aber nochmal: Darum geht es im obigen Beitrag überhaupt nicht. Das Problem, das ich anspreche, besteht bei hoher Geldmenge also auch niedriger. Wenn überhaupt, dann reden wir hier über Relationen, also zB von MO zu M1,2.<
Meinen Satz hätte ich editiert; es gibt sicher Leute, die wissen genau, was sie tun, Theorie hüh oder hott.
Deshalb stimmt es trotzdem nicht, dass die Geldmenge kausal gesehen wird. Vielleicht wird das behauptet (von wem noch? ), aber ein Blick auf die Wachstumsraten zeigt doch, dass sie den Handelnden Völlig EGAL ist. [nannte Gailbraith die heutige Mehrheitsmeinung in den ZB postmonetaristischen Mainstream? habs leider nicht gespeichert]
Ein großer Ökonom unserer Tage sagt:
""Die schlichte Wahrheit lautet: Geld kommt nicht durch “Verleihen” von irgendwas, und schon gar nicht von ZB-Geld in die Welt, sondern durch folgenden Buchungssatz
Per Forderung an Sichtguthaben
Eine Bilanzverlängerung simpelster Bauart also!""
Wie kann da die Geldmenge residual sein??
Sicher, sie resultiert aus Entscheidungen in Rahmenbedingungen, aber für die Entscheidung Realanlage oder Finanzinnovation ist sie doch (weitgehend) exogen?
Dass es im konkreten Beitrag nicht direkt darum geht, ist klar, schließlich sind wir ja nicht bei M sondern vielleicht 4M; allerdings schimmert aus deinen Argumentationen immer wieder durch, dass du dich nicht von der Expansion trennen willst; kehre um!
Die Expansion ist hinreichend und notwendig für Spekulationsblasen. Deshalb wird JM kein schlechter Mensch oder versagt komplett als Ökonom.
Also unter welchen Bedingungen wird wieder investiert?
Da war letztens eine schöne Dokumentation über Island. Das Land wurde ja bekanntlich hart getroffen von der Finanzkrise. Vor allem hatte sich das Land davor zu einem globalen Finanzdienstleister entwickelt. Dementsprechend der ganz tiefe Fall der isländischen Krone, Heulen und Zähneklappern, die Angst ging um.
Aber was passiert heute? Es werden Arbeitsplätze geschaffen! Wie das?
Die Krone ist noch weit unter das Niveau des Dollars gefallen. Also hat MacDonald, dieses Ur-Symbol des globalen Kapitalismus sofort das Weite gesucht und alle Filialen dort dicht gemacht.
Was machten jetzt die arbeitslos gewordenen isländischen Filialleiter von MacDonalds? Sie gründeten ihre eigenen Fastfood-Filialen (die sich übrigens optisch kaum von MacDonalds unterscheiden). Und sie besinnen sich auf den isländischsten Rohstoff, den man sich denken kann: Fisch!
Fisch ist 10 mal gesünder als globalisiertes argentinisches Rindfleisch. Wer Hühnchen und Fisch anstatt Rotfleisch isst, der hat ein dreimal geringeres Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen. Und was gibt es jetzt in den isländischen Fastfood-Filialen? Fisch-Burger statt Cheese-Burger!
Beispiel Textilindustrie. Während in den Export-orientierten Ländern nur noch ganz sture Unternehmer-Existenzen im Heimatland T-Shirts produzieren und dafür selbst im Werbefernsehen den Affen machen, besinnt man sich in Island auf den guten alten isländischen Strick-Pulover, und siehe da, er gefällt. Vielleicht nicht dem globalen Markt, aber in Island wird er zum Renner. Und genau solche Existenzgründungen, z.B. einschlägige Mode-Produktionen, führen zur Zeit in Island zu einer erstaunlichen Erholung des Arbeitsmarktes.
Ich weiß nicht, woher jetzt die Isländer die Kredite dafür bekommen, aber sie kriegen sie irgendwoher. Es zeigt sich vor allem doch eines. Es gibt eine Alternative zur Exportwirtschaft.
Und manchmal muss eine künstliche Marktabschottung (niedrige isländische Krone) uns wieder in Erinnerung bringen, dass Länder sich auch selbst sehr gut versorgen können. Die Globalisierung wird überschätzt. Der Fetisch “Export” wird angebetet.
Übrigens ist der Finanzsektor in Island immer noch zusammengebrochen. Er wird also anscheinend gar nicht mehr benötigt.
Hier gibt also einen Zusammenhang, den ich in den 20 Sekunden Minsky gar nicht finde.
Vielleicht sollten wir auch mal über das Problem “starker Euro” reden. Denn mitnichten ist eine starke Währung heute ein Hemmschuh für den Export. Gerade die globalisierten exportorientierten Unternehmen produzieren im jeweiligen Land und ziehen dorthin, wo die Löhne am billigsten sind. Ein starker Euro beflügelt diese Entwicklung, weil er die Arbeitskraft teuer macht. Für die Gütermenge, die importiert heimische Güter ersetzt spielt er deshalb heute genau die gegenteilige Rolle, die ihm von den BWL/VWL-Schulbüchern zugewiesen wird. Er zieht ausländische Unternehmen an, die im Inland produzieren und dort die heimische Wirtschaft verdrängen und zwar mit Hilfe des globalen Finanzkapitals.
Sie importieren dann fremde Rohstoffe, z.B. argentinisches Rindfleisch oder verkaufen Produkte, die im Ausland gefertigt wurden, dort wo die Löhne niedrig sind (z.B. Elektronik-Gadgets).
Das Währungssystem sollte also unbedingt mit der Frage, was begünstigt Investitionen, im Zusammenhang betrachtet werden. Ein einfacher Vergleich Nachfragepreise “Investitionsgüter” und “Finanztitel” ist da viel zu kurz gegriffen.
@WGN
“Reale Investitionen, die Kreditfinanzierung bedürfen, finden nur dann statt wenn:
1. Die Nachfragepreise der Investitionsgüter über ihren Angebotspreisen liegen (sprich: Investitionsprojekte auf Basis aktueller Angebotspreise Renditen versprechen) und
2. Die Nachfragepreise der Investitionsgüter über denen der Finanztitel liegen (sprich: Investitionsprojekte mehr Rendite versprechen als Finanzanlagen)”
Was bitte ist neu an dieser Erkenntnis?
Im Grunde doch nichts anderes als die Ergebnisse aus den Untersuchungen von Sharp und Markowitz, die daraus ihre Portfoliotheorie herleiteten.
Dafür haben die beiden Herren 1990 den Nobelpreis erhalten.
Vergessen hast Du zu erwähnen, dass die obige Darstellung eine c.p. Betrachtung ist, also nur bei Annahme gleichen Risikos der Investionsentscheidungen gilt. Ansonsten gilt, je grösser das Risiko, desto höher der erwartete Gewinn, damit sich die Investionsentscheidungen sich lohnt. Die jeweils günstigste Kombination aus unterschiedlichen Investionsentscheidungen wird wird als “efficient market line” bezeichnet.
Nachtrag zu #62
Warum nur begrenzt auf “Reale Investitionen, die Kreditfinanzierung bedürfen”. Meiner Ansicht trifft dies auch auf reale Investiotionen aus Eigenkapital zu. In der Kostenkalkulation unterstellt man dazu einen fiktiven Prozentsatz der “Kapitalkosten”. Eben den Zinssatz, den man erhalten würde, wenn man alternativ zur Investionsentscheidung einen Finanztitel gleichen Risikos kaufen würde.
Noch ein Nachtrag da zu meiner Idee von den Bonitätsprüfungsunternehmen / 53 Da fehlt natürlich noch was. Die Risiko-Prämie. Nun, die können die Bontitätsprüfungsunternehmen natürlich von den Gläubigern je nach Bonitätsprüfung zusätzlich verlangen. Das wäre dann also ein Zins. Damit wären die Bonitätsprüfungsunternehmen natürlich wieder sowas wie eine Hausbank. Aber eben keine Investmentbank mehr. Natürlich kann man niemandem verbieten, irgendwo zu investieren. Das Geschäft wäre aber ganz normalen Firmen vorbehalten (eben Investment-Firmen und nicht Investment-Banken), die ihr Geld dann bei den Bonitätsprüfungsunternehmen entsprechend dem dort eingeschätzen Risiko leihen könnten. Also zum gleichen Zinsatz, wie der mittelständische Unternehmen von Nebenan und nicht, wie heute üblich, fast zum Zinsatz etwas über Zentralbankzins, also etwas über Null.
Kurz zusammengefasst: Die früher bei uns übliche Trennung zwischen Hausbank und Investmentfirmen muss wieder eingeführt werden.
@irgendeiner
>Was bitte ist neu an dieser Erkenntnis?
Na nix. Ihr glaubt im Ernst, für lau würde ich hier auch noch radikal Neues bringen?
>also nur bei Annahme gleichen Risikos der Investionsentscheidungen gilt.
Die Nachfragepreise verstehen sich inklusive der jeweiligen Risikoerwartungen bzw Sicherheitsmargen, wie es bei Minsky heißt.
@BB
>Es zeigt sich vor allem doch eines. Es gibt eine Alternative zur Exportwirtschaft.
Hab nie was anderes behauptet – wenngleich es für Deutschlands Tekkie-Economy etwas schwieriger werden dürfte, die Kurve zu kratzen, als für die Isländer.
Übrigens war ja vor kurzem der Heinsohn mal zu Gast im Philosophischen Quartett, wo der Sloterdijk erkennbar keinen Durchblick mehr hatte. Der einzige, der dort noch moderierend und immer schön zusammenfassend zwar nicht unbedingt durch Fachkompetenz im Thema, aber das kann man auch nicht immer verlangen, aber durch strukturierende Beiträge positiv auffiel, war der Safranski, der wirkliche und einzige Arbeiter in dieser Veranstaltung.
Und der Safranski fragte am Ende den Heinsohn, ist die Lösung wirklich so einfach? Wenn es denn so klar auf der Hand liegt, wie kann es sein, dass all die Zentralbanker, Politiker und Experten niemals diese einfachen und nicht schwer zu verstehenden notwendigen Maßnahmen umsetzen (Zins erhöhen).
Meine Antwort: Sie können es gar nicht mehr. Es ist zu spät. Eine Zinserhöhung löst sofort den globalen Overkill des Finanzsystems aus. Eine Zinserhöhung ist erst nach einer Zerschlagung des Finanzsektor wieder möglich und sinnvoll und dann bitte nicht unter drei Prozent! Niemals! Keynes hin oder her!
@ wsgn # 59
Mit Ihren Erklärungen ist die Verengung auf die Banken rausgenommen.
Ich weiß nicht, ob wir uns beim Jahr einig sind, aber ansonsten sind wir uns einig, „dass es so gut wie keine Bubble seit 1636 mehr gegeben hat, für die die Banken nicht auf die eine oder andere Art instrumental gewesen wären.”
Der Knackpunkt ist natürlich: “die eine oder andere Art”
PS:
Mit den Kommentierungen zu dem einen Satz und Fazit 2 behaupte ich nicht, dass Sie diesen Satz im oder nicht im Sinn meiner Kommentierungen verstanden wissen wollen. Ich meinte nur darauf hinweisen zu müssen, wie der betreffende Satz – meiner Auffassung nach – (auch) zu interpretieren ist bzw. nicht falsch interpretiert werden sollte.
“b) Banken produzieren mitunter Bubbel auch dann, wenn sie reale Investitionen finanzieren, so z. B. bei der Finanzierung amerikanischer Wohnhäuser.
Wenn man die Immomärkte unter “Finanzanlagen” subsummiert, klar. Allerdings müßte da aus Investoren/Banken-Sicht das gleiche Prinzip gelten: ab einem bestimmten Break-Even-Point lohnt gegenüber dem Neubau nur noch der Kauf aus dem Bestand und umgekehrt.”
Warum werden Häuser immer als Investition angesehen?!? Das ist zu einem großen Anteil langlebiger Konsum – sicher wir sind uns einig, dass wir alle ein Dach über dem Kopf brauchen, ebenso wie öffentliche Immobilien oder Wirtschaftsräume – aber was da in den USA gebaut wird ist oftmals Schrott.
Das sind keine richtigen Häuser, sondern ungedämmte Holzhütten, deren Stromverbrauch gigangtisch ist – einerseits zum heizen, andererseits zum kühlen.
Aber wenn man dieses ganze Thema nur von der Finanzwarte sieht, und eine VWL als abdiskontierter, mathematischer Zahlungsstrom, dann fällt einem diese Dummheit auch kaum auf.
Die zentrale Frage einer Investition ist doch, ob Sie unseren Handlungsspielraum ertweitert. z.B. in der Produktion von mehr Ware oder günstigerer Ware. Welchen VWL nutzen hat der Anstieg der qm Anzahl in den USA pro Kopf?
Genau hier meine ich sollte man sich über I=S einmal Gedanken machen – wurde hier wirklich sinnvoll Geld investiert, oder wurde es verkonsumiert?
Es gibt 2 Arten einen Kredit zu nutzen – den Konsumkredit, welcher oftmals durch die Geschichte hindurch verboten war, und den Investitionskredit, welcher sich von selbst zurückzahlt.
Haben die Banken und Akteure das geliehene Geld Menschen anvertraut, die es sinnvoll investiert haben?!? Ich denke Nein!
Und genau hier ist doch der entscheidende Punkt – die Bonitätsprüfung und der Verwendungszweck waren unprofessionel und die Idioten und Mietmäuler der Finanzbranche versuchen den Dummen zu verkaufen, dass dies so nicht vorhersehbar war ……. wenn ich als Privatmann über meine Verhältnisse lebe, dann kommt irgendwann der Absturz – ich bin Pleite und muss 7 Jahre lang warten bevor ich wieder Schuldenfrei bin – im Idealfall.
Lebt ein Staat über seine Verhältnisse, welche Chance hat er dann? Wenn offensichtlich wird, dass er seine aktuellen Schulden (als Gesellschaft) nicht zurückzahlen können wird, oder es so massive Einschnitte bedarf, dass diese nicht umgesetzt werden können – was macht ein Privatmann in der Siutation? Ja, er versucht neue Kredite zu erhalten, um das Problem aufzuschieben und auf ein Wunder zu warten.
@ BB
Das Problem ist, wie Du treffend schreibst, einfach gelöst. Das Finanzsystem muss komplett reformiert werden, angefangen bei den Zentralbanken und der Geldschöpfung der Geschäftsbanken, über ein Steuersystem der Staaten.
Ein Hauptproblem ist doch vor allem, dass der Staat mehr Geld ausgibt, als er durch Steuern einnimmt. Er traut sich nicht die Reichen zu besteuern, bzw. erreicht einen größeren Nutzen, internationales und nationales Geld durch Bonds zu sammeln. Geld das den Reichen zuvor nicht wegbesteuert wurde.
D.h. die Bürger geben dem Staat ihr Geld weil Sie glaube, dass er es sinnvoller einsetzen kann, als Sie selbst, mit Zinseszins als Dankeschön.
In einem funktionierenden System darf der Staat sich nicht zunehmend verschulden – jeder weis wohin sich exponenzialfunktionen bewegen und die Verschuldung des Staates, solange er Sie nicht in einem kurzen Zeitraum zurückzahlt, ist eine solche Exponenzialfunktion.
Daher gibt es für die Staaten aktuell auch 2 Probleme warum die Zinsen niedrig bleiben müssen – steigen Sie an, wird die Neuverschuldung dank Zinsdienst massiv steigen – noch weiter als bisher.
In den angelsächsischen Ländern wurden sehr viele Häuser gebaut bzw. spielt der Hauskredit auf das Eigenheim eine viel größere Rolle, als die Miete. D.h. die Zentralbank legt bei variablen Krediten die “Miethöhe” für das Eigenheim fest und entzieht der Bevölkerung wiederum Kaufkraft, in einer wirtschaftlichen Rezession – steigt der Zins, steigt auch die Arbeitslosigkeit dank geringerem Konsum – zumindest vorläufig.
Egal was die Akteure nun tun, es wird auf eine Situation hinauslaufen in der sie das System massiv verändern müssen. Die Zahlungsversprechungen der Vergangenheit können nur eingehalten werden, wenn das Geld dafür gedruckt wird und damit durch Inflation auch die Staatsanleihen entwertet werden. Der Staat muss also irgendwann die Staatsanleihen mit frisch gedrucktem Geld bedienen und das wird dann zu einer erheblichen Abwertung der Währung führen und Vermögen entwerten.
Die aktuellen Schuldenlevel sind viel zu hoch geworden, als dass sie jemals von anderen Generationen abgetragen werden – vor allem sind die “Staatsschulden” meist nur Zahlungsversprechen des Staates an seine oberen 10.000 – die soviel Geld haben, dass Sie noch nicht einmal mehr wissen, wohin damit.
Dieses Kartenhaus mit Staatsschuld, kapitalgedeckten Renten, Betrebsrenten & Co., wird der alternden Babyboomer – Generation nicht nur in den USA um die Ohren fliegen – wer keine Kinder mehr in ausreichernder Anahl bekommt, muss sich im Alter nicht wundern wenn keiner mehr da ist um sich um seinen Ruhestand zu kümmern.
@BB
Warum er sich das Geld von den Banken leiht? Weil sie der Limes der Macht sind… sie schützen den Staat.
@BB
Es ist zu spät. Eine Zinserhöhung löst sofort den globalen Overkill des Finanzsystems aus.
Genau der Kaiser ist nackt!
Es geht überhaupt nicht darum den Patienten zu retten sondern darum ihn am Leben zu erhalten bis man was neues hat… schaut euch doch mal an welche Kursrutsche alleine die mini Erhöhungen in Norwegen und Australien angerichtet haben…
@Michael, #58
“Man kann es doch einfach ausrechnen. Eine Bank habe 100 Mio. Geld in Schrottanleihen hinterlegt und Zentralbankgeld bekommen.”
Eben! So fängt es doch immer an! Und genau hier müsste eine Notenbank steuern, dann käme es auch zu “Realinvestitionen”, (als wenn die Investitionsruinen, die leer stehenden Häuser ob der Immobilienblase, nicht real wären…).
Finanzkrisen entstehen doch genau, weil Zentralbanken als notenbankfähige Sicherheiten eben subprime akzeptieren und griechische Staatsanleihen. Die Zentralbanken hätten durch die Verweigerung der Annahme solcher Papiere frühzeitig eingreifen können.
Wenn also @wgnx schreibt, dass “Die Notenbank kann den Banken mehr Geld zur Verfügung stellen, aber sie kann ja nicht im Geringsten beeinflussen, was die damit anstellen. Ich meine: Im Ernst Freunde – soweit sollten wir doch anno 2009 schon sein, als dass wir das kapiert hätten, oder?”, dann halte ich das gelinde gesagt für falsch.
Bin ich jetzt retardiert?
@ Logik-Ratio # 69
>Warum werden Häuser immer als Investition angesehen?!?>
Mietshäuser WERDEN als Investition angesehen, weil über die NUTZUNG Rendite zu erzielen ist.
Eigengenutze Häuser KÖNNEN als Investition angesehen werden, wenn sie qua EXISTENZ Rendite erwarten lassen. Das ist in Ballungszentren wie München der Fall. Dort sind die Preise für Wohnimmobilien durch erhöhte Nachfrage aufgrund von Zuzug gestiegen. Die Rendite entsteht in diesem Fall aus dem REALWIRTSCHAFTLICH bedingten Vermögenszuwachs.
Ihr Bezug auf die Qualität amerikanischer Immobilien ist neben der Sache.
Der Punkt war der Diskussion war:
Häuser sind real im Gegensatz zu den Krediten für den Hauskauf, die ein Finanzprodukt sind.
>Die zentrale Frage einer Investition ist doch, ob Sie unseren Handlungsspielraum ertweitert. z.B. in der Produktion von mehr Ware oder günstigerer Ware.>
Für dienigen, die eine Investition tätigen wollen, ist die Erweiterung irgendeines Handlungsspielraums irrelevant für die Entscheidung, OB sie die Investition tätigen sollen oder nicht.
Entscheidend ist die Rendite, die sie zu erzielen glauben.
Renditen können auch durch die Verringerung von Handlungsspielraum erzielt werden. Das ist dann der Fall, wenn Investitionen derart für eine Verringerung des Angebots sorgen, dass damit verbundene Preissteigerungen die Investionen rentierlich machen.
>Welchen VWL nutzen hat der Anstieg der qm Anzahl in den USA pro Kopf?>
Für einige Zeit werden Bauarbeiter und Makler etc. beschäftigt.
Später kann das – je den Umständen entsprechend – wie erfahren zu außerordentlichen volkswirtschaflichen Schäden führen.
@ BB
“Meine Antwort: Sie können es gar nicht mehr. Es ist zu spät. Eine Zinserhöhung löst sofort den globalen Overkill des Finanzsystems aus. Eine Zinserhöhung ist erst nach einer Zerschlagung des Finanzsektor wieder möglich und sinnvoll und dann bitte nicht unter drei Prozent! Niemals! Keynes hin oder her!”
Sie wollen nicht, die Interessenlage ist zu eindeutig.
Könnten sie? Ich sehe das bei weitem nicht so grundsätzlich unmöglich.
Nehmen wir die Staatsverschuldung; 70% vom Y, ihre Zinssteigerung (vereinfacht) von drei Prozent macht dann bei Y=2500 MRD Mehrkosten von 56 Milliarden; zwar ein dicker Brocken, aber nichts, was durch eine etwas höhere Besteuerung nicht finanzierbar wäre.
Für eine Gesamtbetrachtung bräuchte man eine Abschätzung, wieviel zuvielen Geldes wir haben. Der dt. Beitrag zur Euromenge beträgt 2 Billionen, nimmt man eine Umschlagshäufigkeit von 5 an, sind wir beim etwa vierfachen (4M). Müsste man wohl noch korrigieren, bspw. bzgl. der Zinseinkommen, die im Y enthalten sind.
Hat jemand eine fundierte Abschätzung??
Jedenfalls sehe ich selbst bei einer Verzinsung von 10% kein grundsätzliches Problem, sind 0,08Y, also noch lange aus dem Y zu bezahlen (und in erster Linie eine Frage des Steuersystems).
Natürlich ist der Pfad aus der heutigen Situation schwierig, Abschmelzung der Schneebälle ohne Reduzierung der real notwendigen Kredite zu erreichen.
Das geht nur mit Steuerinstrumenten neben dem Zins, um Geld (relativ) umzuschichten aus dem Schneeball ins reale;, und natürlich nicht zu schnell, man denke an das wuschschsch (Inflation ).
@hacedeca
Die ZB muss alles annehmen was AAA gerated ist… so sind die Regeln.Das ist doch der witz daran.Es gibt nicht die eine Institution die versagt hat alle waren es ausnahmslos… Von der Aufsicht über die Banken die Politik die Zbs alle!
@ BB
gut, müßig, siehe oben (Interessenlage).
Aber die drei Prozent nach dem Neustart interessieren mich doch nochmal. Die stellen eine Herausforderung an Unsere Finanzinnovatoren dar; aber doch keine unlösbare!
Zinssteuerung scheitert, nur die (relativ) konstante Menge führt zwingend zu deutlichen Preissiganlen durch Fehlentwicklungen.
@ Dietmar Tischer
Die (oben) beanstandete Bedingung für Investitionen
ist Minsky, der den Inhalt von Keynes’ 12. Kapitel der General Theory referiert.
Bei Keynes heißt es:
“The daily revaluations of the Stock Exchange, though they are primarily made to facilitate transfers of old investment between one individual and another, inevitably exert a decisive influence on the rate of current investment. For there is no sense in building up a new enterprise at a cost greater than that at which a similar existing enterprise can be purchased; while there is an inducement to spend on a new project what may seem an extravagant sum, if it can be floated off on the Stock Exchange at an immediate profit”
Dieser Zusammenhang wird in dem IS-LM Modell nicht deutlich.
@Logik-Ratio
Na ja, das mit der Kinderarmut sehe ich nicht so dramatisch. Weil: die gleichen umgekehrten Bevölkerungspyramiden, mit denen uns die Raffelhüschens dieses Landes Angst machen, haben schon die Nazis gemalt. Hoch interessant, wie sich die Argumente und auch Visualisierungen ähneln. Und sie haben damals berechnet, dass die Deutschen 1960 ausgestorben sein würden. Das ist ja wohl nicht eingetreten.
Aber dass die Schulden trotzdem nicht mehr zurückgezahlt werden können, dass denke ich auch. Zumal vorauszusehen ist, dass die Krisen in immer kürzeren Abständen kommen werden. Für antizyklische Keynesianische Schuldentilgung in den kurzen Aufschwüngen reicht dann die Zeit nicht mehr. Man kann ja jetzt schon die Entwicklung neuer Blasen erkennen, wo die aktuelle Krise angeblich gerade mal ihren Tiefpunkt erreicht hat.
Und selbst, wenn mehr Kinder geboren würden. Wo sollen die denn arbeiten. Wir haben seit der letzten Krise in etwa die gleiche Arbeitslosigkeit mit der gefälschten Statistik und mit der Statistik, die 2001 verwendet wurde etwa 1,5 Mio Arbeitslose mehr. Hinzu kommt seit der letzten Krise (New Economy) ein rasanter Anstieg des Niedriglohnbereichs heute etwa 1/3 der arbeitenden Bevölkerung, davon muss ein großer Teil quer subventioniert werden (Aufstocker). In der aktuellen Krise und in der bald folgenden Krise muss ein weiterer Teil längs subventiert werden (Kurzarbeit). Teilweise über mehrere Jahre hinweg (manche Firmen haben bis Okt 2010 Kurzarbeit angemeldet). Dann müssen systemrelevante Banken (HRE) und Unternehmen (Opel) mit Mrd. Subventionen gerettet werden. Bis zur nächsten Krise können wir mit einem Anwachsen des Niedriglohnsektor auf 50 Prozent der arbeitenden Bevölkerung rechnen.
Ursache sind die schrumpfenden Märkte der Exportindustrie, denn nur die wird vom Staat unterstützt, auch gesetzgeberisch. Die Steuerpolitik aber auch Arbeitsrecht, Kündigungsschutz etc. laufen darauf hinaus, dass diese Unternehmen in der Krise extrem schnell Personal abbauen können. Sie sind dann sehr schnell wieder profitabel, die DAX-Kurse steigen wieder, es wird ein Aufschwung verkündet, aber diese Konzerne – obwohl wieder profitabel – produzieren weniger Güter mir weniger Mitarbeitern. Eine Spirale nach unten. Mehr Menschen, die – wenn die Arbeitslosigkeit nicht steigen soll, ihr Existenzminimum nur mit staatlich subventionierten Löhnen sichern können.
Übrigens hat das nicht einmal Marx vorausgesehen. Der ist ja immer davon ausgegangen, dass die Unternehmen Löhne mindestens existenzsichernd zahlen. Und heute haben wir die Situation, dass Unternehmen unter Existenzniveau zahlen und der Steuerzahler aufstocken muss bis zur Reproduktionsfähigkeit der Arbeitskraft.
Dann kommen die Besserverdienenden und wollen sich rechtzeitig aus der Mitverantwortung für die Solidarsysteme stehlen. Sie sagen, bevor wir zur Kasse gebeten werden, weil die Systeme nicht mehr bezahlbar werden, führen wir noch schnell die Kopfpauschale ein, frieren die Arbeitgeberanteile ein, fahren die Einkommenssteuer auf Null zurück und erhöhen die Umsatzsteuer, sagen wir mal auf 50%. Damit sind wir erst mal fein raus. Der Zusammenbruch des Systems ist uns erst mal egal. Zeitgewinnen und Vermögen umschichten. Dann nach uns die Sintflut.
Außerdem gründen einige von Ihnen, sogenannte Social Entrepreneure flugs Firmen, deren Geschäftsmodell auf folgender Grundlage basiert:
1. Zwang zur Arbeit
2. Subventierte Aufstockerlöhne (sagen wir im Mittel 50 Prozent subventioniert)
So ein Social-Entrepreneur wurde uns am Sonntag von Frau Maybritt Illner, der Circe der Lobbyisten vorgestellt, damit wir uns an sowas schon mal gewöhnen sollen: Ein Urenkel von unserem ollen Georg Kiesinger, der dort mit dem Motto auftrat: “Gewinne machen ist nicht unredlich!” und der Berliner Arbeitslose an Unternehmen verhökert. Die Forderung nach “Pflicht zur Arbeit” und “Aufstocker-Löhnen” sprach er allerdings nicht selbst aus, sondern sein Kumpel Hasso Plattner (SAP), mit dem er offensichtlich kungelte und die sich beide die Bälle zuwarfen.
Klar, da ist überhaupt nichts verwerflich daran, wenn man Leute beschäftigt, die zur Arbeit gezwungen werden und sich dann auch noch deren Löhne vom Steuerzahler bezuschussen lässt und damit Gewinne macht. Da haben die Griechen früher auch nichts dran gefunden, Sklaven zu beschäftigen, allerdings sind sie wenigstens noch selbst für deren Lebensunterhalt aufgekommen. Die unglaubliche moralische Fragwürdigkeit fällt natürlich auch keinem Journalisten, erst Recht nicht Frau Illner auf. Die glaubt wohl tatsächlich, sie hätte da jemand mit einer unglaublich guten Idee eingeladen. War schließlich das einzige Konzept, dass unter dem Motto “Neue Arbeit” in der Runde vorkam. Über Mindestlöhne wurde selbstverständlich nicht diskutiert.
Nun zu den Volkswirtschaftlichen Implikationen dieser feuchten Träume unserer Entrepreneure und Eliten:
Man könnte glauben, sie hätten das Perpetuum Mobile erfunden. Man rechne: Wenn ich einen Arbeitgeberlohn von 400 Euro vom Staat auf 800 Euro aufstocken lasse und 50 Prozent Mehrwertsteuer verlange, dann finanziert sich das Prekariat quasi selbst. Denn wenn der Prekarier an die Lidl-Kasse geht und dort 100 Euro ausgibt, dann zahlt er ja 50% Steuern und damit genau den Anteil, den er vom Staat bekommt! Da braucht man sich quasi gar nicht mehr zu kümmern. Im Grunde werden die ganzen Sozialprobleme dann finanziell zu einem reinen Durchlaufposten. Ist das nicht genial?
Leider wird das wohl nicht ganz funktionieren. Wie bei den mechanischen Perpetua Mobila (?), irgendwo ist immer eine unsichtbare Energiequelle versteckt. Wahrscheinlich irgendwo in der Absturz-gefährdeten Mittelschicht, die mittels psychologischer Beeinflussungstechniken (Hass gegen die Unterschicht, gegen Faule und Arbeitsscheue, vor allem, wenn sie Kopftücher tragen, …) in Schach gehalten wird.
Nun, wo kommen in einem solchen System jetzt eigentlich die Einnahmen zur Schuldentilgung her? Doch wohl nur aus dem Export und genau den wollen die gleichen Schichten, die sich hier aus der Verantwortung stehlen, so lange wie möglich aufrecht erhalten. Dabei ist der Export doch gerade die Ursache für die Krisenanfälligkeit.
Aber wenn Exportunternehmen hierzulande kaum noch Steuern zahlen und deren Mitarbeiter immer mehr Lohnverzicht üben müssen, weil nur Exportunternehmen dem globalen Lohndumping ausgesetzt sind und außerdem Vermögende, Rentiers, Erben, Spekulanten, Aktionäre, Pleitiers, Bankster, Immobilienbesitzer und sogar die Mittelschicht von lästigen Steuern befreit werden, dann fehlt irgendwo der Input. Es wird dann wohl nicht einmal mehr für die Begleichung der Zinsen auf dem aktuellen Niveau reichen.
(Ach man kann zur Zeit so herrlich gruselige Dystopien entwickeln. Es macht einfach Spaß, so rumzuspinnen. Das erschreckende ist nur, ich kann keinen Denkfehler finden
)
@logik-rat. könntest du bitte deinen namen ändern
Keynes, GT:
Certain classes of investment are governed by the average expectation of those who deal on the Stock Exchange as revealed in the price of shares, rather than by the genuine expectations of the professional entrepreneur.
Es macht volkswirtschaftlich keinen Unterschied, ob die Banker selbst zocken oder das Geld an andere verleihen, die solche Geschäfte auf eigene Rechnung tätigen.
Übrigens kann eine Zentralbank keine High Tech-Aktienblase oder eine Immobilienblase produzieren, das tun immer die homines oeconomici, die als Masse irrational handeln.
@topi/67/87 Interessante Rechnung. Könnte stimmen. Ehrlich gesagt, habe ich selbst nicht so genau gerechnet, bin Argumentationen aus diesem Thread hier gefolgt:
http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/11/staatsverschuldungen-steigen-kraftig.html
Aber kann schon sein, wenn es nicht unmöglich ist, dann verhindern es einschlägige Interessengruppen. Im Ergebnis kommt’s auf’s Gleiche hinaus.
@Stefan Enzinger(82)
>>>>>> Keynes, GT:….. Es macht volkswirtschaftlich keinen Unterschied, ob die Banker selbst zocken oder das Geld an andere verleihen, die solche Geschäfte auf eigene Rechnung tätigen.
Das ist genau der Fehler, den ihr immer macht, wenn ihr modell-theoretisch argumentiert und nicht merkt, wie realitätsfremd das ist. “Es macht volkswirtschaftlich … ” du meinst wohl nach Keynes “… keinen Unterschied …”
Es gibt ja die Legende von dieser organisatorischen Wand, die angeblich zwischen dem Geschäftsbankenbereich und dem Investementbankenbereich einer Bank existiert. Wie gesagt: Legende. Die sich ergebenden Interessenkonflikte diesbezüglich sind natürlich nicht Gegenstand der GT/Keynes.
Und Banker verleihen Geld nicht nur zum Zocken bzw. zocken selbst, sondern sie betätigen sich auch als Unternehmen, z.B. wenn sie Wohnungsgesellschaften kaufen. Nur haben sie dann keine Ahnung von Immobilienbewirtschaftung und Energiesanierung. Auch dieses Problem fehlt in der GT/Keynes.
@ BB , sehr schöne Überlegungen, wenn man bedenkt daß sie ein noch besserer Ingenieur usw. sind sogar übermenschlich.
Nur komisch daß Sie sich darüber solche Gedanken machen,
während diejenigen die es (finanziell) betrifft sich eher um ein “Ausländerproblem” kümmern oder so.
@Nanuk:
WGN’s “Erklär mal” war tongue-in-cheek. Und Minsky wusste schon, wie ein Trader denkt. Er hat zeitweise für Wallstreet gearbeitet (und wurde verdächtigt, Mitglied der CPUSA zu sein. Ob das freilich die Wallstreeter oder die Kollegen Wissenschaftler waren, habe ich nicht mehr im Kopf. Zu seiner Zeit war der Wissenschaftsbetrieb jedenfalls nicht unorthodoxer als heute. Und auch gegenwärtig werden in den USA u. U. heterodoxe Fakultäten abgewickelt – s. Notre Dame).
Minskys Theorie ist in keiner Hinsicht darauf ausgelegt, die Profite des Finanzsektors zu sichern. Wenn Taleb, Stiglitz, Buiter und überhaupt jeder dritte oder vierte lebende Nobelpreisträger nach Verstaatlichung ruft, dann hat keiner von denen Minsky etwas voraus. Nur mit Geithner, Summers und der restlichen GS-Hilfstruppe geht eben nichts. Alles klar?
@BB
Zur Staatsverschuldung: Unter PROs sind wir uns hoffentlich einig, dass der Binnenanteil der Staatsverschuldung ziemlich schnurzpiepe ist. Und was den externen Teil der Staatsverschuldung betrifft, so sollte ein Blick auf die deutsche NIIP verklickern, dass da wohl eher nichts anbrennt: Wir liegen mit 1000 Milliarden im Plus, Tendenz steigend.
http://www.bundesbank.de/statistik/images/statistik_aussenwirtschaft_avs.en.gif
Mit den wegbrechenden Exporten wird das zwar zukünftig womöglich nicht mehr ganz so rosa, aber trotzdem sehe ich spontan nicht, weshalb die Staatsverschuldung die Deutschen aus dem Häuschen bringen sollte.
@Peter Lehmann
Wobei Minsky nicht für die Bankenverstaatlichung eintrat, sondern für die Größen- und Risikobegrenzung.
@stefan
>>>>>>>>>>> Nur komisch daß Sie sich darüber solche Gedanken machen, während diejenigen die es (finanziell) betrifft sich eher um ein “Ausländerproblem” kümmern oder so.
Ehrlich gesagt habe das jetzt nicht ganz verstanden. Aber im Grunde bürste ich nur immer gerne andere Leute Meinung gegen den Strich. Vielen geht das auf die Nerven, aber das ist nun mal meine Natur. Und es sind im Grunde nur meine ganz persönlichen Erkenntnisse aus dem Fernsehprogramm der letzten Woche
@wgnx. Den Punkt sehe ich im Grunde nicht anders. Ich glaube auch, dass speziell unsere Verschuldung noch nicht dramatisch ist. Für die USA aber bin ich mir nicht ganz so sicher. Und wie in dem bezeichneten Thread irgendwo von irgendjemand anproblematisiert: wie hoch ist eigentlich die weltweite Gesamtverschuldung (Staat, Unternehmen, Private, etc.)? Wäre wirklich mal interessant, das zu untersuchen. Auch die Dynamik diesbezüglich wäre interessant. Wie stark nimmt diese zu?
Was mich dagegen sehr beunruhigt ist, dass der Staat seine Einnahmemöglichkeiten systematisch ruiniert. Und zwar sowohl durch die Steuer- und Abgabenpolitik als auch durch die Vergöttlichung des Fetischs “Exportindustrie”.
Die Staatsverschuldung der USA ist auch noch im Rahmen (den diverse Staaten schon Jahrzehnte stemmen);.
Die satte Dollar-Abwertung hat natürlich besonderen Charme: trotz wiederholter gigantischer Steuersenkungen scheffelt die kalte Progression neue Steuern heran.
Fraglich ist natürlich, wie lange die Schulden durch den Leitwährungscharakter noch quasi inländisch sind.
@ BB
man kann natürlich auch Optimist sein: es braucht “nur” eine vernünftige Kampagne, die den geldschwemmensystematisch ebenfalls gekniffenen “Gut”verdienern klarmacht, wie sehr sie von den “Besser”verdienern ausgenommen werden.
Klappt nicht, dann kann man bei der nächsten Blase den Spuk beenden.
Klappt auch nicht, dann freuen wir uns auf den finalen Schnitt und starten von vorn.
Aber bitte ohne Krieg., wenn es geht auch ohne Diktatur; wie sieht es da eigentlich historisch aus?
@BB
“produzieren weniger Güter mir weniger Mitarbeitern. ”
Eben nicht sonder mehr Güter mit weniger Mitarbeitern.
@BB
Strausswochen… für die ganzen Pseudoliberalen…
http://www.youtube.com/watch?v=Kxwrg_o8i5w
@ BB # 90
>Was mich dagegen sehr beunruhigt ist, dass der Staat seine Einnahmemöglichkeiten systematisch ruiniert. Und zwar sowohl durch die Steuer- und Abgabenpolitik als auch durch die Vergöttlichung des Fetischs “Exportindustrie”.>
Ruiniert ER seine Einnahmemöglichkeiten?
Oder sind es vor allem Parameter, auf die er keinen oder nur geringen Einfluss hat, die seine Einnahmemöglichkeiten BEGRENZEN?
Ich meine hier insbesondere die demografische Situation, an der mittelfristig niemand etwas ändern kann und die für schwaches Wachstum sorgen wird.
Was mich beunruhigt sind vielmehr die Ausgaben des Staats.
Offensichtlich ist die Politik nicht in der Lage, auf der Ausgabenseite zu konsolidieren.
Im Gegenteil, bei – wie ich annehme – wachsender Arbeitslosigkeit, wachsenden Gesundheitskosten und wachsender Altersarmut wird es hier zu noch höheren Ausgaben kommen.
Das wiederum – und hier bin ich bei Ihnen – wird über höhere Steuerung und Abgaben finanziert werden, was wiederum das Wachstum bremst, weil u. a. kontraproduktiv für Investitionen.
Und: Es wird zu sich ausweitender Verschuldung führen, was wiederum den Handlungsspielraum des Staats wegen erhöhter Zinszahlungen einengt.
Fazit:
Die Ausgabenseite ist das Problem der Staatsfinanzen.
Bekäme man dieses Problem in den Griff, könnte es in der Folge auch auf der Einnahmeseite wieder besser aussehen.
Das ist freilich keine gesamtwirtschaftliche Betrachtung, sondern nur eine zur Situation und Entwicklung der Staatsfinanzen.
Ach das noch ihr könnt die Banker verkleinern wie ihr wollt die verleihen trotzdem nix…
@Herr Tischer
Ich muss Ihnen widersprechen. Ich halte es durchaus für wichtig, zwischen billigen Holzbauten und z.B. massiven Passivhäusern zu unterscheiden.
Einerseits betrifft es die Lebenserwartung des Produkts, die zukünftgen Unterhaltskosten für Kühlung und Heizung, Risikoprämien für größere Schäden durch Unwetter usw. – Bei dem Bau eines “normalen” Hauses müssten Sie um die Gesamtbetriebsosten zu kennen, die zukünftigen Ströme an notwendigen Betriebsmitteln, wie Strom, Öl für die Heizung, usw. mit den zukünftigen Preisen versehen und abdiskontieren.
Ich halte das für Unmöglich und es durchaus für Vorsichtiger soweit möglich auf diese zukünftigen Warenströme zu verzichten – d.h. wenn ich heute ein Passivhaus baue, brauche ich morgen kein Öl.
Ob ich in Lehmhütten wohne, oder jeder in einer Villa – auf die Produktivität hat das in erster Linie keinen Einfluss, solange die Wohnung die fundamentalen Bedingungen erfüllt – Schutz vor dem Wetter / Klima, Erholungs und Lagerraum, usw.
Der Unterschied zwischen einer Villa und einer Lehmhütte ist u.a. auch die Fage des Unterhalts – größere Gebäude können oftmals ohne mehrere Hausangestellte gar nicht gemanagt werden. Angefangen bei Reparaturen, über das bischen Haushalt/Putzen usw. – d.h. möchte ich die Anlagen nutzen, muss ich auch in Zukunft Geld in die Hand nehmen.
Das betrifft z.B. auch Swimmingpools, Gartenanlagen usw.
Daher stelle ich einfach einmal grob in Abrede, ob es sich in den USA um Investitionen gehandelt hat, oder um Consumausgaben. Die Gelder wurden einfach nicht sinnvoll verwendet, und hätten viel Effektiver in Forschung, Bildung oder öffentlich Infrastruktur investiert werden können – oder zumindest in Wäregedämmte Niedrigenergiehäuser in guter Fertigungsqualität und langer Haltbarkeit bei geringen Unterhaltskosten…..
Heute verfallen ganze Vorstätte, weil noch nicht einmal mehr die unverkäuflichen Häuser per Discount veräußert werden können, da in der globalen Finanzwelt kein Gesprächspartner – Eigner – vorhanden ist, der versuchen könnte die Fehlinvestition noch wenigstens teilweise zu retten.
Vielleicht ist es auch gar nicht gewollt, weil die “Wertpapiere” in den Tressoren der Zentralbanken lagern und dann abgeschrieben werden müssten…….
@Herr Tischer 2
Ausgabenseite des Staates
Ich hoffe Sie meinen dies nicht ernst. Natürlich bin ich auch der Meinung, eine reine Steigerung der Mehreinnahmen ist falsch. Der Staat muss seine Mittel effizienter Einsetzen – aber wo fangen wir an? Bei den Sozialtransferleistungen? Bei den Verteidigungsausgaben? Beim Schuldendienst?
Meiner Ansicht nach, kann man hier sicherlich noch an einigen Stellschrauben drehen, z.b. den Afghanistaneinsatz beenden, bei der Bundeswehr einsparen, viel stärker mit Frankreich kooperieren, usw.
Bei den Sozialausgaben würde ich einmal bei der Bundesagentur der Arbeit ansetzen und dort einfach per Ransemäher kürzen – bei den Angestellten und die Hartz Gesetze grundlegend reformieren – dann bräuchten wir auch wesentlich weniger Richter….
Aber das führt zu weit.
Auf der anderen Seite sehe ich auf Seiten unserer Gemeisnchaft/des Staates dringenden Handlungsbedarf – z.B. bei der Förderung von Migrantenkindern in der Schule, bei der Nutzung des Internets als rechtssischeren Raum (z.B. Demail, usw.), Ausbau der öff. Kinderbetreuung, und zukünftig eine stärkere Nutzung des Instruments der kostenlosen Verfügbarkeit für Kinder vs. Zahlungen an die Eltern.
Doch vor allem müsste der Staat viel mehr in die Schulen, und Universitäten investieren, so wie in Forschungsprojekte und deren Umsetzung, wie auch beginnen die Schulden zu tilgen (oder Sie einfach nicht mehr zurückzuzahlen)
Aber woher soll der gute Staat das Geld nehmen? Ich meine die unteren Bevölkerungsschichten kann er kaum weiter auspressen. Diese belasten die Mineralöl, MWST, Tabaksteuer usw. bereits genug.
Aber da gibt es einen Teil der Bevölkerung, der in den letzten 10-20 Jahren unglaublich viel mehr an Vermögen dazugewonnen hat. Vielleicht beteiligt man den Staat einfach auch einmal – als Hüter dieses Vermögens, dank funktionierender Systeme, wie der Polizei – an diesen Gewinnen? Dann sind die Staatsschulden wirklich kein Problem, wie WGN schreibt.
Das lustige ist, diese Menschen müssten noch nicht einmal auf irgendetwas verzichten, da Sie eh nicht in der Lage sind ihr Vermögen noch zu verkonsumieren – aber sie hassen es zu Teilen, abzugeben….
Nicht die Ausgabenseite ist das Problem – sondern die Einnahmeseite.
… langsam nähern sich die Diskussionen der letzten Tage, der letzen Blog-Beiträge dem entscheidendem Punkt …
… 2 Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;
3 nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.
4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben.
5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.
usw.
was ist hinter dem Vorhang, der Verbotenem Tür, im Verbotenen Zimmer? Die Tür öffen, das Zimmer betreten, den Apfel vom Verbotenen Baum essen … oder wieder zurück in die “Sandkiste” und wunderhübsch konstruierte Sandburgen bauen …
zum Trost ein kleines Lied voller Herz und Schmerz
http://www.youtube.com/watch?v=bHJ0uRkEC8M
@ Logik-Ratio
>Ich halte es durchaus für wichtig, zwischen billigen Holzbauten und z.B. massiven Passivhäusern zu unterscheiden.>
Ich auch.
Ich hatte lediglich auf die Frage geantwortet, die Sie gestellt hatten:
“Warum werden Häuser immer als Investitionen angesehen?”
Hätten Sie eine andere Frage gestellt, hätte ich anders geantwortet, z. B. in etwa so wie Sie in # 69 geschrieben haben.
>Ausgabenseite des Staates.
Ich hoffe Sie meinen dies nicht ernst>
Selbstverständlich meine ich das ernst.
Ich sehe auch dringenden Handlungsbedarf des Staats, insbesondere auf Gebieten, die Sie auch ansprechen: Bildung im weitesten Sinn. Ob das alles kostenlos sein muss, ist eine andere Frage, über die wir in diesem Zusammenhang nicht streiten müssen.
>Aber woher soll der gute Staat das Geld nehmen?>
Die Grundeinsicht ist:
Wenn er investieren soll (ohne sich endlos zu verschulden), dann muss er von seinen Bürgern konsequenterweise Konsumverzicht fordern.
Von wem, wieviel – darüber kann man streiten.
Der Staat bzw. die Politik kann Konsumverzicht für Investitionen meiner Ansicht nach nicht durchsetzen, weil
a) er/sie bereits Konsumverzicht ERZWINGT durch WEITER erhöhte Steuern und Abgaben, die aufgrund wachsender, gesetzlich festgeschriebener Ausgaben der Sozialsysteme erhoben werden müssen.
b) große Teile der Bevölkerung KEIN INTERESSE an Investitionen haben. Dies so, weil staatlichen Investitionen ihnen erkennbar keinen ERTRAG bringen. Das sind z. B. die Rentner, die wissen, dass sie in absehbarer Zeit sterben werden. Die denken zwar an die Zukunft ihrer Enkel – die sie durchaus bezuschussen – aber nicht an die Zukunft der Gesellschaft.
c) der Abbau von Subventionen nicht durchsetzbar ist, weil Subventionen als gesetzlich LEGITIMIERTER Besitz angesehen werden. (Das ist übrigens der „Fluch“ von staatlicher Zuwendung: sie wird als rechtens, garantiert und unwiderruflich angesehen. Im Markt gibt’s das nicht: Was man heute verdient oder erworben hat, kann morgen wieder verloren sein.)
Natürlich könnte sich der Staat – theoretisch – viel Geld von denen holen, die in den letzten Jahrzehnten Vermögenszuwächse zu verzeichnen haben.
Das ist nicht durchsetzbar, weil die Vermögenden
a) etwas, das sie – soweit sie es durch eigene Anstrengungen und Konsumverzicht als rechtens erworben ansehen – und ihnen genommen werden soll als ENTEIGNUNG betrachten würden.
b) ZWEIMAL auf Konsum verzichtet haben würden – und das nach Lage der Dinge in ihren Augen auch für den Konsum von anderen –, wenn ihnen das Vermögen oder große Teile davon weggenommen würde.
c) den FÄHIGKEITEN des Staats misstrauen, so mit dem überlassenen Vermögen umzugehen, dass sie es für sinnvoll halten könnten.
Kurzum: Was konzeptionell denkbar ist, wird realistischerweise nicht oder nur in geringem Maße durchzusetzen sein.
Ich wäre einverstanden, wenn der Staat sich NUR für Investitionen, insbesondere im Bildungswesen, weiter verschulden würde.
Denn Wissen wird der Standortvorteil der Zukunft, der Investitionen generiert und ans Land bindet. Die Vermögenden würden dann AUTOMATISCHE investieren, d. h. ohne Abgabe-zwang. Sie würden Arbeitspätze schaffen und durch ihre Unternehmen auch mehr Steuern zahlen.
In der Zukunft hätten wir damit eine Entlastung der sozialen Systeme – wenn schon nicht absolut, dann wenigstens relativ. Auf der Einnahmeseite gäbe es ebenfalls positive Effekte – jedenfalls tendenziell.
Auch das ist meiner Ansicht nach aussichtslos:
Der Staat/die Politik wird nicht entsprechend investieren in Bildung, weil sie vorrangig Konsuminteressen bedienen wird („Demokratieproblem“)
Auf der Nachfrageseite wird Bildung bei zu vielen aus vielfältigen Gründen nicht angestrebt.
Fazit:
Unvermeidliche Abwärtsspirale.
@Dietmar Tischer
Kann Ihnen leider nicht widersprechen – ihre Ausagen halte ich für korrekt.
Allerdings hoffe ich, dass aufgeklärte, entschlossenes Bürger diesen Staat verändern können und wir unseren Staat nicht aus Egoismus schwächen und demontieren.
@ D. Tischer: “Wenn er investieren soll (ohne sich endlos zu verschulden), dann muss er von seinen Bürgern konsequenterweise Konsumverzicht fordern.”
Ist aber in den Beiträgen hier nicht die Rede davon, dass der Staat nicht jene Mittel durch Steuern/Abgaben eintreiben/aktivieren soll, die gar nicht erst für den Konsum bestimmt sind (vs. nur gehortet werden), weil die Vermögen dafür einfach zu groß sind, als daß da Konsumeinschränkung dabei heraus kommen würde? Bei diesem Teil der Mittelaufbringung gäbe es kein Konsumverzicht.
@ MNB
Ihr Einwand ist berechtigt gegen folgenden Punkt meiner Ausführungen:
„ …ist nicht durchsetzbar, weil die Vermögenden
b) ZWEIMAL auf Konsum verzichtet haben würden – und das nach Lage der Dinge in ihren Augen auch für den Konsum von anderen –, wenn ihnen das Vermögen oder große Teile da-von weggenommen würde.“
Ich hätte besser geschrieben:
b) einmal auf Konsum verzichtet haben würden und auf VERFÜGBARKEIT, auch für Konsum, verzichten müssten – und das nach Lage der Dinge in ihren Augen auch für den Konsum von anderen –, wenn ihnen das Vermögen oder große Teile davon weggenommen würde.“
Vielleicht sollte ich noch einmal den entscheidenden Punkt meiner Ausführungen verdeutlichen:
Es geht bei ALLEN Begründungen, die ich vorgebracht habe, nicht um OBJEKTIVE Verluste oder Besserstellung von irgendjemand etwa der Art: Damit fallen die in Armut (bei Rentnern etwa) oder die können nicht darauf verzichten, weil Sie aufgrund von Verpflichtungen verfügen müssen (Vermögende).
Es sind vielmehr so etwas wie STANDPUNKTE, die denen argumentativ zugeordnet werden können, die Widerstand gegen Veränderungen leisten. Es spielt dabei keine Rolle, ob im Ein-zelnen tatsächlich so argumentiert wird. Rentner würden wahrscheinlich nicht sagen, dass ihnen die Zukunft des Landes egal ist. Aber niemand kann sie zwingen, dafür Konsumverzicht in Kauf zu nehmen.
Ich will damit nur darlegen, dass es letztendlich nicht um GERECHTIGKEIT, eine „GUTE Gesellschaft“ oder dergleichen in der ÖFFENTLICHEN Diskussion geht, sondern darum, dass praktisch alle Beteiligten und Betroffenen sich mit SYSTEMIMMANENTER Argumentation grundlegenden Veränderungen widersetzen können.
Das ist das eigentliche Problem.
Es mag schwierig sein, einzeln oder gemeinsam ein tragfähiges Konzept für die Gesellschaft zu entwickeln – aber verglichen mit diesem Problem wäre das ein Kinderspiel.
Wenn man klar darstellt, wo die Grenze zwischen Bevorteilten/Benachteiligten durch bestimmte Gesetze liegt, gilt dies nicht mehr. Eine Kampagnenfähigkeit ist zwar nicht zu sehen, aber deshalb nicht auszuschließen.
Selbst bei der aktuellen Wahl wäre ein anderer Ausgang möglich gewesen, wenn die SPD ihren Parteitag vom Wochenende im Sommer abgehalten, konsequent zu Ende gebracht und offensiv kommuniziert worden wäre.
Ein ganz klares “Wir haben verstanden und bitten um Verzeihung “, Darstellung der wirklichen Notwendigkeiten und der dabei gemachten Fehler; Finanzkrise als Begründung, als Augenöffner.
(dann hätte man sogar die Überhangmandate einfach noch kicken können)
Sicher keine Gewähr für den Ausgang, aber sicher eine Möglichkeit; mit anschließender Möglichkeit zur RückUmverteilung der Belastung im Steuer-und Abgabensystem.
ALso nicht vieles als gegeben definieren, schon gar nicht Partikularinteressen als politisch nicht überwindbar.
BB#46
“Alle Staaten dieser Welt brauchen zur Zeit unglaublich viel Geld und wenn die Zinsen steigen, werden alle Schuldner dieser Welt (Staaten, Unternehmen Private) schnell ganz schön alt aussehen. Im Grunde bedeutet Zinserhöhung in der aktuellen Situation “Weltinsolvenz”.
Komisch, mir wollen alle ” Spitzenökonomen” immer erzählen, dass der Zins und Zinsezins mit den Verwerfungen im Weltwirtschafts System gar nichts zu tun haben!?? Ja potzblitz
aber auch. Alle diejenigen die sich berufen fühlen “Analysen”
über die Krisen dieser Welt, die ja alle mit dem lieben Geld zu tun
haben ( womit eigentlich sonst, selbst Kriege in denen viele, viele
Menschen unmittelbar umkommen, oder 1 Milliarde hungernder
Menschen werden nicht wirklich als Krise wahrgenommen..), zu
beleuchten und über ihre Ursachen zu debattieren, sehen alle
möglichen ( oder unmöglichen..) Ursachen für die diversen
“Krisen”, aber der Zins mit dem wir alle großgeworden sind und
dessen Anwesenheit genauso selbstverständlich ist, wie Milch und
Honig, wird doch eigentlich keine besondere Aufmerksamkeit
geschenkt!
Deshalb wundere ich mich über deine obige Analyse schon
irgendwie…grübel..:)
@WGNX
Anstelle der 10 sekunden Minsky solltest Du mal mehr als einen
Rotweinabend den Helden des “Roten Oktober” widmen.
Denn die heißen Smith, Ricardo…usw.usf.
Aus meiner Sicht ist Deine sehr löbliche Absicht, Menschen aufzuklären, ins Gegenteil umgeschlagen…
Das entnehme ich hier den Kommentaren.
Also: Mach’s noch einmal Dad!
@WGN:
Kann man hier bestimmte User sperren?
“worum es bei “Quantitative Easing” und derlei Scherzen geht: Die Zentralbank versucht dabei nicht mehr und nicht weniger, als Renditen von Finanzanlagen querbeet so dermaßen zu verringern, dass sie aus der Sicht der Geschäftsbanken für die Anlage uninteressant werden”
So sympathisch ich diese These finde, mir fehlt der Glaube. Es mag zwar sein, dass man so die Renditen festverzinslicher Papiere drücken kann, aber das lässt sich durch größere Hebel wohl leicht umgehen. Ebenfalls habe ich gewisse Zweifel, dass Aktienrenditen dadurch gedrückt werden können, mir erscheint eher das Gegenteil realistisch.
@wgn: “Allerdings liegt hier auch eine (Teil)-Lösung des Problems: Erhöht man die EK-Anforderungen an die Banken, verringert man auch ihre Hebelmöglichkeiten und damit das Renditepotenzial in diversen Finanzanlagen – und zwar wesentlich effektiver, als es die Zentralbank mittels Zinsen je könnte.” (aus den Kommentaren, nicht dem Artikel, den ich ausnahmsweise mal glaube verstanden zu haben
).
Aber das gleiche gilt doch für die Kreditvergabe von Banken ebenfalls, oder? Ob die Bank ihr Eigenkapital x-fach investiert oder verleiht, ist doch egal. Eine Änderung der Eigenkapitalanforderungen (des Hebels) beeinflusst also das Investmentgeschäft genau wie das Kreditgeschäft. Das nur als Ergänzung.
Ganz nebenbei finde ich die hergeleitete Begrüdung von BB, der die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken schön hergeleitet hat, sehr spannend. Vielleicht sollte man beides trennen und den Investmentbanken die Quelle Notenbankgeld entziehen und den Geschäftsbanken Investments verbieten. Die Geschäftsbanken würden damit dir volkswirtschaftlich sinnvolle Aufgabe der Kreditvergabe erfüllen und die INvestmentbanken müssten sich das Geld für die Investments in echt besorgen. Wie jeder andere Investor auch. Dass sich die Investmentbanken für Null Prozent Geld besorgen und das dann an die Börse schieben, kann irgendwie nicht die Lösung der Probleme sein.
Was die (massiven) Auswirkungen einer Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen angeht: Zustimmung. Deshalb traut sich auch keiner ran. Das Deleveraging fürchtet die Schuldenwirtschaft wie der Teufel das Weihwasser. Das Problem ist nur: Irgendwann wird der Tag kommen, an dem man am Deleveraging nicht mehr vorbeikommt. Das mag noch in dieser Krise sein, oder in der nächsten oder übernächsten.
Warum die Notenbanken die Mindestreserveanforderungen abgeschafft hat, werde ich nie verstehen. Das war ein wirksames Mittel. Die Chinesen haben es noch (und nutzen es auch). Die EZB und die Fed drehen immer nur an ihrem extrem ineffizienten Leitzinsen …
@106
Das ist ein selbstverwalteter Block. Die User sperren sich bei Bedarf selbst.
@wgnx:
“Die Zentralbank versucht dabei nicht mehr und nicht weniger, als Renditen von Finanzanlagen querbeet so dermaßen zu verringern, dass sie aus der Sicht der Geschäftsbanken für die Anlage uninteressant werden”
verstehe ich nicht, denn genau das wäre doch passiert wenn die zb`s gar nicht reagiert hätten! aus renditen bei papieren wären verluste geworden und jeder der noch geld hätte, hätte es in die “reale” wirtschaft gepumpt.
also versuchen sie zu erreichen was sie gerade noch verhinderten?
und wenn sie ein umdenken der banken (was deren investitionen betrifft) hätten erreichen wollen, wäre es nicht der einfachste weg gewesen die banker auszutauschen, indem sie nicht deren bank gerettet hätten?
Hier mal jemand, der meint, mit Minsky den kommenden Aufschwung prophezeien zu können:
“Hyman Minsky’s view is that in good times, firms get more and more confident and willing to use leverage. In bad times, they resist borrowing and instead fund expansion out of profits.
I am sympathetic with Minsky’s view. In the Garett Jones world, hiring a worker is as much a capital investment as is buying a machine. I think that as profits continue to improve, firms will be willing to make more investments in both equipment and workers. This will produce a recovery in employment. So, although I do not exactly agree with Daniel Gross’s reasoning, I share his optimism based on the recent productivity trends. Contra Roubini, I would bet that jobs will be increasing by June.”
http://econlog.econlib.org/archives/2009/11/a_minsky_recove.html
Sachen gibt’s …
Ach ja, und wenn jemand einen Grund braucht, warum demnächst auch der Goldpreis auf $ 6300/Unze explodiert, siehe die Analyse der Société Générale hier (via FT Alphaville):
http://ftalphaville.ft.com/blog/2009/11/19/84216/a-minskian-roadmap-to-the-next-gold-mania/