Und noch eine weitere Buchempfehlung aus meiner aktuellen Leseliste: “Revisiting Keynes – Economic Possibilities for our Grandchildren”, von Lorenzo Pecchi und Gustavo Piva. Wie einige von Euch vielleicht wissen werden, verfasste Keynes um 1930 ein kurzes Essay, in dem er die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten 100 Jahre skizzierte: Der Wohlstand würde sich vervier- bis verachtfachen, die Arbeitszeiten dramatisch zurückgehen (auf 15 Stunden pro Woche), der Kapitalismus und die “good society” sich schließlich die Hände reichen – mit einem Wort: das “ökonomische Problem” gelöst werden. Da Akkumulation dann nicht mehr im Vordergrund stehe, kämen ganz neue moralische Standards zum Vorschein, die Menschheit könne sich nun endlich den schönen und vergnüglichen Dinge im Leben widmen.
Anno 2009, also 79 Jahre danach, sieht es bekanntlich nicht gerade danach aus, als ob Keynes recht bekäme: Der Wohlstand hat sich zwar insgesamt deutlich erhöht, und es kann gut sein, dass wir bis 2030 die obere Grenze seiner Schätzung locker überbieten. Allerdings verteilt sich dieser Wohlstandszuwachs auf höchst ungleiche – manche sagen: ungerechte – Art und Weise, einen Faktor, den Keynes in diesem Essay völlig außen vor gelassen hat (obwohl er die Verteilungsproblematik 6 Jahre danach in der General Theory sehr wohl aufgreift). Auch hinsichtlich der Arbeitszeit und der daraus resultierenden Arbeitslosenproblematik lag er ziemlich offensichtlich daneben. Und von der Überwindung der kapitalistischen Antagonismen kann auch nicht so richtig die Rede sein.
Was die Frage aufwirft: Wo weichen wir anno 2009 von seinen Prognosen ab, und welche Schlüsse für die Zukunft lassen sich daraus ziehen?
Darauf versuchen insgesamt 14 Beiträge von renommierten Ökonomen wie Solow, Stiglitz, Phelps, Leijonhufvud, Becker und Baumol in diesem Aufsatzband Antwort zu geben. Die Schwerpunkte werden dabei unterschiedlich gesetzt und auch kontrovers interpretiert, was sich alleine schon dadurch ergibt, dass unter den 14 Ökonomen nicht nur Keynes-Sympathisanten sind. Solow zum Beispiel betont klipp und klar die Verteilungsproblematik, zeichnet gar das düstere Bild einer reinen Maschinenwirtschaft ohne jeglichen menschlichen Arbeitseinsatz, in der die materielle Versorgung der Bevölkerung zu einer immensen politischen Herausforderung wird. Stiglitz wiederum widmet sich der Arbeitszeitfrage, Phelps betont die Rolle der Innovationen, die Keynes in seiner Vorhersage nur am Rande berücksichtigte. So ziemlich alle Autoren kommen aber zum Schluß, dass der zentrale Fehler des Briten in der dramatischen Unterschätzung dessen liegt, was an immer neuen Konsumbedürfnissen möglich ist. In diesem Punkt war unser Lord vermutlich wirklich allzusehr “upper class”, um sich vorstellen zu können, welche Überdrehtheiten die Epoche des “Consumerism” im Zuge von Werbung und Privat-TV nur wenige Jahrzehnte nach seinem Tod bereithalten würde. Dieser topos daher selbstredend auch ein zentraler Punkt in einigen der enthaltenen Aufsätze, unter anderem in dem (leider etwas kurz geratenen) Beitrag von Axel Leijonhufvud.
Keynes ursprüngliches Essay findet sich natürlich ebenfalls in dem Band, auch selbst immer wieder interessant zu lesen. Warum? Weniger wegen seiner konkreten Voraussagen der Zukunft (von denen übrigens nicht überliefert ist, wie ernst sie Keynes selbst überhaupt nahm), sondern wegen des generell optimistischen Tons, den der Brite da inmitten des Auftakts zur größten Wirtschaftskrise aller Zeiten anschlägt. Gegen die “bad attack of economic pessimism” wollte er sich wenden, gegen die Furcht, dass es mit Wohlstandsverbesserungen nunmehr für lange Zeit vorbei sei. Sein Zeitalter leide nicht am Rheuma des Alters, sondern vielmehr an Anpassungsschmerzen, die sich aus dem schnellen Wechsel zweier wirtschaftlich ganz und gar unterschiedlicher Epochen ergäben, schreibt er.
Ich habe noch nicht alle Beiträge der Sammlung gelesen, mag aber die von Solow und Stiglitz – obwohl beide nicht gerade zu meinen Favoriten zählen. Solow trifft meines Erachtens voll ins Schwarze, ich bin ziemlich davon überzeugt, dass uns die Verteilungsproblematik in den nächsten 20 Jahren um die Ohren fliegen wird. “Wessen Enkelkinder?”, lautet seine kecke Überschrift und in der Tat: Das ist die spannende Frage. Insbesondere natürlich, wenn man sie im planetaren Kontext aufwirft und gleich auch noch die ganze 3-Welt-Problematik mitanreißt. Wer also mal sehen will, wie sich die großen Jungs der Szene mit dem “long shot” auseinandersetzen, für den ist das eine wirklich interessante Lektüre.














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“So ziemlich alle Autoren kommen aber zum Schluß, dass der zentrale Fehler des Briten in der dramatischen Unterschätzung dessen liegt, was an immer neuen Konsumbedürfnissen möglich ist”
Möglich sind die schon nur werden diese erzeugt!Man muss nur ein striktes Werbe verbot einführen und schwups bricht alles zusammen wie ein Kartenhaus… das weist du so gut wie ich.
“In diesem Punkt war unser Lord vermutlich wirklich allzusehr “upper class”, um sich vorstellen zu können, welche Überdrehtheiten die Epoche des “Consumerism” im Zuge von Werbung und Privat-TV nur wenige Jahrzehnte nach seinem Tod bereithalten würde.”
Ja es ist in England heute noch so das die mit den ältesten und verschlissensten Klamotten die Adeligen sind im Gegensatz zu unseren Landpomeranzen und Verteidigungs ministeriellen Bauerntrampeln. Dort ist eher wir haben es geschaft das haben wir nicht nötig die vorherrschende Attitüde.
Es sind halt genau die hier die das Problem darstellen.
http://www.youtube.com/watch?v=X6dl-1cybvU
Die Perspektive der Enkelchen?
Mich würde interessieren, ob irgendwo etwas geschrieben steht, von Keynes persönlich, wie er die “Niederlage” gegen Harry Dexter White (Bretton Woods 1944) gesehen hat.
–> Er konnte sich jedoch gegen die US-amerikanische Position, vertreten durch Harry Dexter White, nicht durchsetzen. Unter anderem schlug er eine Internationale Zahlungsunion (International Clearing Union) und eine internationale Verrechnungseinheit namens Bancor vor, die dem US-Dollar keine Vormachtstellung als internationales Verrechnungs- und Zahlungsmittel eingeräumt hätte.
Qualle: http://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes
H.D. White, war ja kein Lamm. Er hatte den Morgenthau-Plan maßgeblich gestaltet, und noch ein paar andere lustige Dinge, wenn man der deutschen Wikipedia glauben schenken darf. Nicht zu vergessen, das er auch später Finanzminister der USA war. Gleichzeitig aber auch hier tätig war
http://de.wikipedia.org/wiki/VENONA-Projekt
–> Unglücklicherweise legte er mangels Vorsicht Verbindungen zur Sowjetunion bloß, so dass das FBI ihn sowie Coe, Currie, Ullmann und Nathan Silvermaster als kommunistische Agenten anklagte. Solange Franklin D. Roosevelt noch am Leben war, genossen sie den Schutz einer Immunität.
Qualle: http://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Dexter_White
Ich mag nicht viele Briten, aber wenn einer schon den Vertrag von Versailles, damals als Katastrophe für das kommende Deutschland und Europa sah, dann war es mitunter Keynes. Und da hat er ja genau recht gehabt.
1930 konnte er ja nicht wissen, was 1944 ihm einen Strich durch die Rechnung machen sollte. Es war H.D. White. Ein russischer Agent. Der Bretton Woods durchsetzte, und den abscheulichen Morgenthau-Plan entwarf.
Gibt es darüber irgendwo eine Aufzeichnung? Keynes ist ja 1946 verstorben.
Und die Enkelchen vom Blendwerk Bretton Woods sind heute noch spürbar.
Keynes hat zwei grundlegende Bedingungen für seine Prognose benannt:
keine großen Kriege und kein massives Bevölkerungswachstum
Nicht zu sättigender demonstrativer Konsum ist ein grosses Problem.
daher ist diese Aussage zu überdenken:
–>”Anno 2009, also 79 Jahre danach, sieht es bekanntlich nicht gerade danach aus, als ob Keynes recht bekäme: Der Wohlstand hat sich zwar insgesamt deutlich erhöht, und es kann gut sein, dass wir bis 2030 die obere Grenze seiner Schätzung locker überbieten. Allerdings verteilt sich dieser Wohlstandszuwachs auf höchst ungleiche – manche sagen: ungerechte – Art und Weise, einen Faktor, den Keynes in diesem Essay völlig außen vor gelassen hat”
Keynes hatte keinen Einfluß auf Bretton Woods. Aber Bretton Woods auf den historischen Ablauf der Finanzhistorie. Und ich betone es nochmal, von einem nachgewiesenem, russischen, kommunistischen Agenten.
Auch wenn BW 1971 “unterging”, beeinflusst es die Finanzwelt heute noch, genau das was Keynes verhindern wollte, die Weltmacht des Dollars.
„Allerdings verteilt sich dieser Wohlstandszuwachs auf höchst ungleiche – manche sagen: ungerechte – Art und Weise …“
Nein, lieber WGN, umgekehrt ist es richtig:
Allerdings verteilt sich dieser Wohlstandszuwachs auf höchst ungerechte – manche sagen: ungleiche – Art und Weise …
Jene, die von „ungleicher“ Verteilung reden, sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme.
System-Apologeten reden so.
Aber vielleicht meinst Du nur Deinen Berufsstand:
Da reden fast alle nur von „ungleicher“ Verteilung.
Da hatten wir hier schon einen roten Oktober und WGNX hat den Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung nicht verstanden.
System-Apologet trifft es gut.
Demagogie und Gehirnwäsche sind eine Grundvoraussetzung, damit der Kapitalismus weiterhin so prächtig funktioniert.
Die “ungleiche Verteilung” hat mit Klassengesellschaften zu tun.
In denen ist das so üblich.
Ich nenne das einfach Raub.
Kennt jemand die Entstehungsgeschichte des Eigentums?
Wurde da nicht irgendwann mal ein Stück Erde verscherbelt?
Wem gehörte Sie denn, bevor sie geraubt wurde?
Dem lieben Gott?
@HAM
Ungerechtigkeit ist eine moralische Kategorie, Ungleichheit nicht. Je nach Gerechtigkeitskonzept würde sogar eine Gleichverteilung auf Ungerechtigkeit hinauslaufen, z.B. die Gerechtigkeitsformel “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen” würde nur dann auf Gleichverteilung hinauslaufen, wenn Fähigkeiten und Bedürfnisse bei den Menschen identisch ausgeprägt wären, was sie ja nicht sind. Der Terminus “Ungleichheit” trifft den ökonomischen Sachverhalt besser als der Terminus “Ungerechtigkeit”, das hat erstmal nichts mit apologetischen Haltungen oder Interessen zu tun. Mein Problem mit Ideologiekritik sind die einschnappenden Interpretationen: sag das Wort x, also hegst Du das Motiv y.
I’m ready for my 15-hour workweek.
@ D.Tischer
bitte melden, bitte melden, hier gehts wieder um Begrifflichkeiten.
piep piep piep pieeeep pieeeeep pieeeeep piep piep piep
@ D. Tischer
… — …
@Besserwisser
Könnte man Deine Weltsicht eigentlich irritieren? Kannst Du Dir ein Ereignis vorstellen, dass Dich nachdenklich machen würde, ob das mit der Klassengesellschaft stimmt? Oder bist Du Dir Deiner Sache absolut sicher. Und wenn ja, warum?
Wer behauptet, dass die gegenwärtigen Verhältnisse durch Demagogie oder Gehirnwäsche am Laufen gehalten werden, kommt leicht in die Lage, Gesprächspartner, die die eigene Sicht des Gangs der Dinge nicht teilen, nur noch als Opfer oder als Agenten der Gehirnwäsche wahrnehmen zu können. Es ist dann kaum mehr möglich, gesellschaftliche Erfahrungen zu machen, da man diejenigen, mit denen man diese Erfahrungen teilen könnte, nur noch entweder zur Gruppe der Rechtgläubigen gehören (da sie das denken, was man selber denkt), oder Marionetten der ‘Macht’ sind. Das kann durchaus ein gelingendes Lebensmodell sein, aber mit gesellschaftlicher Erkenntnis hat das nichts zu tun.
@Morph #11
“Könnte man Deine Weltsicht eigentlich irritieren? ”
Könnte man schon, aber nicht mit viel Gerede ohne Inhalt.
@Morph #7
Wenn ein Kinderschänder sich an einem Kind vergeht, dann würde heutzutage
niemand mit dem Einwand kommen, man soll die Angelegenheit nicht unter moralischen Kategorien betrachten, der Terminus “Ungleichheit” trifft den sexuellen Sachverhalt besser als der Terminus “Unrecht”, denn hier handele es sich um eine ungleiche Verteilung sexueller Bedürfnisbefriedigung.
Systemapologeten trennen Ökonomie und Moral, um den Unrechtscharakter dieser Ökonomie zu verschleiern.
@Morph
Ich glaube nicht, daß Besserwisser auf exakt einzelne Personen als Demagogen abhebt, sondern auf Demagogie als beobachtbares Event. Frei nach Marx:
Der einzelne Kapitalist als Individium macht auch nur, was er machen muß, um mit seinem Laden zu überleben. Er begegnet einem nicht auf der Straße mit einem Messer zwischen den Zähnen. Das Ergebnis des Handelns aller Kapitalisten ist dabei ein anderes und produziert das System so wie es ist. Und in der Summe und im Ergebnis ihrer Handlungen handeln sie unbewußt als Klasse.
Die Spaltung der Gesellschaft ist ja kein Hirngespinst…
@wgn
wie siehst Du eigentlich den Faktor Ressourcen? Gehst Du auch davon aus, dass wir letzten Ende eine quasi-infinite Quelle des Reichtums haben (Energie) (dann sind Keynes Hoffnungen berechtigt und entsprechende Überlegungen, in welcher Form und in welchem Ausmaß die zu verwirklichen sind, sinnvoll), oder gehst Du davon aus, dass der exponentielle Ressourcenverschleiß und die exponentielle Senkenbelastung ein ökomisch relevantes Problem sind, dass möglicherweise sogar bald auf die Form des Wirtschaftens durchschlagen könnte? Mir scheint ja eine ganz wesentliche Frage (auch) der Wirtschaftstheorie zu sein, wie weit die Realabstraktion (von den Lebens- und Entfaltungsbedingungen des biologischen Lebewesens Mensch) getrieben werden können. Dass diese Realabstraktion sich sehr weit von den Lebensbedingungen der Menschen entfernen kann, steht ja außer Frage, aber wie weit das gehen kann, scheint mir vollkommen ungeklärt. Und selbst Luhmann, entgegen anders lautenden Vorurteilen, ging nicht davon aus, dass soziale Systeme sich komplett von den Bedürfnissen und Notwendigkeiten menschlichen Lebens ablösen können.
@Besserwisser#12
und wodurch?
@Morph #16
Durch logisches und dialektisches Denken.
Durch eine gute Allgenmeinbildung.
Durch Antworten auf Fragen.
In #6 stehen doch 4 Fragen. Beantworte sie und ich werde dann beeindruckt sein oder auch nicht.
@sven
“Die Spaltung der Gesellschaft ist ja kein Hirngespinst…”
Nein, sicher nicht. Sondern eine Beobachtung, und man kann fragen, wer die Spaltung mit welchem Modell beobachtet, denn ohne Modell ist sie nicht zu beobachten, man kann die Spaltung nicht sehen, riechen, schmecken oder anfassen, sondern nur an Indikatoren erfassen, die dann ein bestimmtes Modell von Spaltung bestätigen. Und Modelle sind zwar keine Hirngesprinste, aber immerhin ausgedachte Idealisierungen. Und man kann sich schon überlegen, welche Phänomene von einem ausgedachten Modell gut erklärt werden und welche nicht. Und die Klassentheorie hat sich in der Vergangenheit leider als prognostisch und diagnostisch sehr beschränkt erwiesen.
#18
“Und die Klassentheorie hat sich in der Vergangenheit leider als prognostisch und diagnostisch sehr beschränkt erwiesen.”
1. Welche Klssentheorie meinst Du?
2. Bitte Beweise zu diesem Spruch.
@Besserwisser #17
Ich bin dann sicher nicht in der Lage, Dich zu beeindrucken, selbst wenn ich es wollte. (Ich will natürlich nicht, das wäre ein Missverständnis. Mich interessierte nur, welche Art Irritation bei Dir verfangen würde). Z.B. bin ich total schwach in ‘Dialektisches Denken’, schon immer gewesen. Dafür bin ich musikalisch, ist ja auch was. Allgemeinbildung habe ich natürlich auch gar nicht. Gottseidank brauche ich die heute nicht mehr so arg, da ja der Begriff der Allgemeinbildung den heutigen Formen gesellschaftlichen Wissens nicht mehr gerecht wird und ohnehin eine zutiefst ‘bürgerliche’ Kategorie ist. Und Du kannst ja nur die Allgemeinbildung beurteilen, über die Du selbst verfügst, also wiederum machst Du Dich zum Maßstab dessen, was Dich irritieren kann. Egal. Danke jedenfalls für die Info!
“Der Fortschritt ist eine zweischneidige Waffe wie das Bier. Die Leute machen sich da dran und wissen nicht mehr wann sie aufhören sollen”
Jaroslav Hasek
Ungerechtfertigt-Ungerecht-Unrecht
Egon Kreutzer meint:
Es sei an dieser Stellen noch einmal darauf hingewiesen,
dass es in der gesamten Produktion von Gütern und Leistungen keine anderen Kosten gibt, als Lohnkosten.
Der Rest sind Gewinne, Ansprüche aus sonderbaren Rechten, Zinsen, Pachten, Mieten, also leistungslose Einkommen. Oder haben Sie schon einmal gehört, dass das, was unsere Erde an Boden
und Bodenschätzen trägt, irgendwann einmal vom lieben Gott an Adam verkauft worden wäre?
Das ist – ohne wenn und aber – alles umsonst vorhanden. Nur abstrakte Eigentumsrechte verwehren den kostenlosen Zugang und ermöglichen damit gigantische, vollkommen
ungerechtfertigte
leistungslose Einkünfte.
@bw#19
tut mir leid, den Beweis kann ich nicht in der Länge eines Kommentars antreten. Du darfst jetzt: Siehste! schreiben.
@Morph
Ökonomie und Moral
Mathematik und Physik haben nichts mit Moral zu tun.
Wer von einer „arischen Physik“ redet, wie es die Nazis taten, ist ein Ideologe.
Gesellschaftliche Sachverhalte haben immer mit Moral zu tun.
Ökonomie ist ein gesellschaftlicher Sachverhalt.
Wer Ökonomie und Moral trennt, ist ein Ideologe.
@HAM #24
Ich denke, daß Morph grandios gescheitert ist.
Konkrete Fragen sind ihm lästig.
Er redet, ohne etwas zu sagen. Er sollte Politiker oder Manager werden.
(Ist er bestimmt…)
@HAM#13
auch im Fall der Vergewaltigung von Kindern tut man gut daran, sich nicht mit Empörungsgesten aufzuhalten, oder die Unrechtmäßigkeit solchen Verhaltens zu betonen (würdest Du nicht auch etwas befremdet reagieren, wenn jemand auf die Nachricht einer solchen Tat wortreich die Unrechtmäßigkeit dieses Verhaltens beteuerte? Wäre Dir so jemand nicht auch irgendwie – verdächtig?), sondern möglichst präzise und vorurteilsfrei, jenseits etablierter Moralvorstellungen, die Motivstruktur solcher Taten zu analysieren. Sonst kann man ihnen nicht vorbeugen.
Gilt m.E. auch für die makrogesellschaftliche Tatbestände.
@besserwisser#25
“grandios gescheitert” – das ist mal ein Wort! Danke!
Aber wenn es Dir so wichtig ist, beantworte ich Deine konkreten Fragen:
“Kennt jemand die Entstehungsgeschichte des Eigentums?
Wurde da nicht irgendwann mal ein Stück Erde verscherbelt?
Wem gehörte Sie denn, bevor sie geraubt wurde?
Dem lieben Gott?”
ad a) Eigentum ist eine Kategorie und hat daher keine Entstehungsgeschichte, allenfalls lässt sich eine Kulturgeschichte der Eigentumssemantik rekonstruieren und das leistet mehr oder weniger materialreich jede Historiographie der Geldgeschichte.
ad b) Sicher hat das irgendwann mal stattgefunden.
ad c) Welches Stück Erde meinst Du genau?
ad d) nein.
“…alles umsonst vorhanden. Nur abstrakte Eigentumsrechte verwehren den kostenlosen Zugang und ermöglichen damit gigantische, vollkommen… ”
Also darf dann jeder auf mein Grundstück, mein Haus, es sich breit und beqeum machen und womöglich auch noch meinen Kühlschrank leerfuttern und mein Bier trinken ?
@Morph #26
Nein, am Anfang steht die moralische Bewertung der Tat.
Daraus resultiert die Entscheidung, sie gesellschaftlich zu akzeptieren oder nicht zu akzeptieren.
Erst wenn man zur Entscheidung gekommen ist, diese nicht zu akzeptieren, wird man Schritte zum Schutze der Kinder und zur Verhinderung weiterer Taten dieser Tat einleiten.
Und in der wissenschaftlichen Analyse kommt es dann zu Abstraktionen …
…weiterer Taten dieser Art einleiten.
@HAM
“Gesellschaftliche Sachverhalte haben immer mit Moral zu tun.”
Moral ist ja ein nicht ganz einduetiger Begriff. Sicher hat jeder gesellschaftlicher Sachverhalt, insofern er auf Anerkennungspraktiken beruht, immer irgendwie auch mit Fragen der Achtung und Missachtung von Personen zu tun. Aber ich glaube nicht, dass man zu solchen Fragen notwendig Stellung nehmen muss, wenn man gesellschaftliche Sachverhalte analysiert. Und zwar nicht, weil ich wahnsinnig prima finde, was abläuft, sondern weil ich keinen Sinn darin sehe. Ich glaube nicht und habe nicht die Erfahrung gemacht, dass sich Menschen von menschenfreundlichen Haltungen und Redebeiträgen überzeugen lassen, außerdem halte ich die Anforderung, die ein ernsthafter Begriff menschlicher Solidarität an den Einzelnen stellt, für schlechthin unerfüllbar und geradezu illegitim. Eine gewisse Ignoranz gegenüber den Nöten anderer ist überlebensnotwendig und wer das Gegenteil behauptet, weiß nicht wovon er redet (finde ich).
@skydive
Unzulässige Vermengung. Es geht nicht um dein Haus samt Inventar, sondern um den Boden, auf dem es steht. Den kann eigentlich keiner verkaufen, da ihn auch niemand erschaffen hat. Der war ja ursprünglich “herrenlos” und wurde irgendwann mal durch einen Despoten zum Eigentum erklärt und ab dann weitervertickert…
Und das funzt heute noch. Stichwort verwaiste Bücher.
“Solow zum Beispiel betont klipp und klar die Verteilungsproblematik, zeichnet gar das düstere Bild einer reinen Maschinenwirtschaft ohne jeglichen menschlichen Arbeitseinsatz, in der die materielle Versorgung der Bevölkerung zu einer immensen politischen Herausforderung wird.”
Dass das kommen wird ist eigentlich eine logische Konsequenz der momentanen Entwicklung. Steigende Produktivität die durch immer weniger menschliche Arbeitskraft realisiert wird. Und durch Dienstleistung und Hütchenspielchen am Finanzmarkt lässt sich das nicht kompensieren.
Der real existierende Kapitalismus kann dann so sicher nicht mehr existieren. Vielleicht liesse er sich retten wenn man das Grundeinkommen und u.a. Maschinensteuer einführt. Aber da bin ich auch skeptisch.
Die Perspektiven sehen momentan, gell, (dank der vielen Waisen in diesem Land?) kurzgefaßt so aus:
Drei Enkelkinder drehen am Rad, das vierte, ein kleiner schrömüntemerkel..(name bitte aussuchen) schwingt die Peitsche..
http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/p74-3797/index.jpg
Peitsche-Brot-Zucker…eigentlich kein großer Unterschied zu heute, oder?- Schulden [für die anderen] sind schön!
@HAM
“am Anfang steht die moralische Bewertung der Tat.”
Am Anfang steht kein begrifflich vermitteltes Urteil, am Anfang steht das Entsetzen. Das ist ein rein mimetisches Reagieren. Total vorsprachlich. Hat mit Moral m.E. nichts zu tun.
@Sven #32
Am Anfang stand der Landraub.
Darauf gründen sich das Privateigentum und alle Gesetze der jeweils herrschenden Klasse.
@ Morph
Überlegene Argumentation auf der ganzen Linie – immer wieder erstaunlich, wie viel Nonsens Sie hier wegschaufeln müssen.
merci, tischer, Sie haben’s aber auch nicht leicht
@Morph #27
Das war nichts.
Denke erst nach, bevor du schreibst.
@Morph #35
„Am Anfang steht kein begrifflich vermitteltes Urteil, am Anfang steht das Entsetzen. Das ist ein rein mimetisches Reagieren. Total vorsprachlich. Hat mit Moral m.E. nichts zu tun.“
Du argumentierst mit einem angeborenen Instinkt beim Menschen, welcher bei sexuellen Übergriffen auf Kinder das Affektmuster des Entsetzens auslösen soll.
Willst Du diese Argumentation ernsthaft aufrechterhalten?
@Besserwisser#39
Ich hab jetzt echt lange über Dein #39 nachgedacht, weil das ist echt total tief, richtig, puh…, weise, würde ich geradezu sagen, zumal wenn man billigerweise unterstellt, dass Du da auch ganz arg lang vorher nachgedacht hast…
@Morph
Tja, das gilt für all deine Beiträge. Du schreibst über Dinge, die du nicht verstehst.
Deine Wortwahl zeigt es auch.
32,36
Ich denke so unzulässig ist die Vermengung gar nicht. Es gibt für alles eine Voraussetzung, und wenn ich (m)ein Haus bauen will muss ich das auf Grund und Boden tun, und alle anderen können dann nicht mehr auf dem gleichen stück Land ihr Haus bauen – sollte eigentlich einleuchten.
Und was ist z.B. mit immateriellem Eigentum ? Wieso soll ich als Ingenier mich anstrengen und eine Entwicklung/Erfindung machen, wenn ich nachher über Patente (IPR’s) nicht davon profitieren kann sondern jeder sie frei kopieren darf ?
Antwort: da bleib ich morgens lieber im Bett und mach’ mir einen faulen Tag.
@dtischer, @morph
Überlegene Argumentation auf der ganzen Linie – immer wieder erstaunlich, wie viel Nonsens Sie hier wegschaufeln müssen.
Was ist “überlegen” an einer Argumentation, die nur über Wörter reden will, und alle Dinge, Gegenstände, Empirie, wegblendet?
Der “linguistic turn” live in action sozusagen.
Der Witz ist, das führt ebenfalls nur zu Nonsense, nur eben Nonsense anderer Art, wie man an @HAMs Replik #40 sehr schön erkennen kann.
@HAM
Nein, das war nicht als anthropologische These gemeint, zumal ich mich in Ethologie nicht auskenne, allerdings davon ausgehe, dass die Instinktunsicherheit des Menschen ein gut gesicherter Tatbestand ist, so dass, was immer instinktiv im Menschen angelegt sein mag, dieser Bereich sicher keine allzu große Erklärungskraft hat.
Die Instinktunsicherheit heißt aber nicht, dass das Verhalten des Menschen allein begrifflich vermittelt ist. Mimetisches Reagieren sollte nicht instinktives Reagieren heißen, sondern, sagen wir, kasuistisches Reagieren, ein Reagieren nicht in Bezug auf Allgemeinbegriffe, sondern auf Situationen (die freilich immer kontaminiert sind mit allgemeinbegrifflichen Bedingungen der Gegenstandsidentifikation, die darauf aber keines Falls zu reduzieren sind). Mir ging es darum, dass die Evidenz “Das da ist schrecklich, das da soll nicht sein” weder auf moralischen Reflexionen noch auf Kenntnissen des Rechts beruht, sondern sich für den Einzelnen, der eine solche Evidenz erfährt, unmittelbar in Form eines Affekts einstellt.
Und wer einigermaßen ehrlich mit sich ist, wird zugeben, dass unser ‘moralisches’ Engagement nicht nur von abstrakten Unrechtmäßigkeiten abhängt, sondern von unserem situativen Horizont. Mir scheint immer, dass Leute, die mit moralischen Begriffen an die Gesellschaft herangehen, eigentlich allen Lebensmut verlieren müssten, zusammenbrechen müssten angesichts der unfassbaren, grenzenlosen Greuel, die sich tagtäglich auf der Erde vollziehen. Daher kommen mir solche Haltungen immer irgendwie als geheuchelt vor. Kannst Du das verstehen?
Ich hätte wetten können, dass sich Tischer bei den Systemapologeten einreiht.
Leider ist Tischer bei den Wettbüros nicht gelistet.
Sonst wäre ich heute reich geworden.
@HAM und Besserwisser
Ich finde, Morph hat recht: “Diebstahl” und das auch noch “am Anfang” sagt mir zumindest überhaupt nichts. Im Prinzip gibt es zum “Anfang” zwei Thesen: a) einem gehörte alles und b) allen gehörte nichts. Wobei die klassische Antike wohl eher a) zuneigt, während b) sozusagen bei den “Barbaren” des Nordens vorherrschend gewesen dürfte.
Inwieweit per Eigentum also was “gestohlen” wurde und wenn ja wem, das sollte man vielleicht nochmal abklären.
@lemming#44
naja, in Diskussionen hat man es zunächst mal mit Worten und Argumenten zu tun und nicht mit Dingen und Ereignissen. Und das zu reflektieren, u.U. ein bisschen Disziplin einzufordern, kann schon mal hilfreich sein. Blöd wird’s freilich, wenn man’s übertreibt oder irgendeinem abstrakten Ideal des Argumentierens hinterherläuft, und nicht auf die Situation achtet, in der man diskutiert. Ich würde auch nie für mich reklamieren, da total sattelfest zu sein. Dafür ist Sprache zu verführerisch und Kommunikation zu dynamisch, als dass es einen nicht hin und wieder aus der Kurve tragen würde, das ist ja normal. Aber mit der Schublade ‘linguistic turn’ und den Vorwurf, n ur über Worte zu reden und nicht die Empirie zu bedcnken, kann ich mich nicht identifizieren. Allerdings finde ich es auch nicht okay, wenn Leute ihre Empirie der Zeitungslektüre und der imaginären Generalisierung eigener Erfahrungen als empirische Kenntnis “der Gesellschaft” ausgeben, das ist, und zwar empirisch!, nicht haltbar.
@Morph
…so dass, was immer instinktiv im Menschen angelegt sein mag, dieser Bereich sicher keine allzu große Erklärungskraft hat.
Umgekehrt, lieber Morph, genau umgekehrt. Hier, das dürfte dir gefallen:
[G. Bateson, Ökologie des Geistes]
Soviel, am Beispiel Instinkt, zu den Erklärungen aus Begriffen…
jetzt müßte Christ TINE eigentlich bald kommen..
http://www.youtube.com/watch?v=hGoq5QF8wQg
@lemming
ja, so ist das, das Erklären hat seine eigene, äh, Dialektik. Der Witz aber ist doch, dass man überhaupt nur etwas aus Begriffen (aka Modellen) erklären kann. Dass es zum Begriff des Erklärens gehört, eine rätselhafte Empirie in Allgemeinbegriffe und ihren teils seriellen, teils enmaligen Zusammenhang aufzulösen. Man muss freilich nicht erklären, man kann auch beschreiben, das ist auch sehr nützlich. Man kann auch Erklärungen beschreiben (Batesonbeispiel) und Beschreibungen erklären. Man sogar Beschreibungserklärungen beschreiben. Das halten z.B. Systemtheoretiker des Sozialen für ein sinnvolles Unterfangen. Und die Praxis (ja!) zeigt, dass die systemische Wiederbeschreibung von Beschreibungserklärungen als außerordentlich fruchtbar erlebt wird.
@Morph #45
„Mimetisches Reagieren sollte nicht instinktives Reagieren heißen, sondern, sagen wir, kasuistisches Reagieren, ein Reagieren nicht in Bezug auf Allgemeinbegriffe, sondern auf Situationen (die freilich immer kontaminiert sind mit allgemeinbegrifflichen Bedingungen der Gegenstandsidentifikation, die darauf aber keines Falls zu reduzieren sind). Mir ging es darum, dass die Evidenz “Das da ist schrecklich, das da soll nicht sein” weder auf moralischen Reflexionen noch auf Kenntnissen des Rechts beruht, sondern sich für den Einzelnen, der eine solche Evidenz erfährt, unmittelbar in Form eines Affekts einstellt.“
Diese Evidenz gibt es nicht.
In unterschiedlichen Gesellschaften werden sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche unterschiedlich bewertet und praktiziert.
Und selbst in Gesellschaften, welche sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche eigentlich ablehnen, kommen zu Kriegszeiten sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen von Kindern und Jugendlichen ständig vor, auch von Individuen, welche dies in anderen Kontexten nicht praktizieren würden.
„Mir scheint immer, dass Leute, die mit moralischen Begriffen an die Gesellschaft herangehen, eigentlich allen Lebensmut verlieren müssten, zusammenbrechen müssten angesichts der unfassbaren, grenzenlosen Greuel, die sich tagtäglich auf der Erde vollziehen. Daher kommen mir solche Haltungen immer irgendwie als geheuchelt vor. Kannst Du das verstehen?“
Geheuchelt, verdrängt, abgespalten – wie auch immer.
Die Psychoanalyse gibt hier Antworten.
Die einen werden zu Sadisten, andere werden zu Masochisten.
Die einen profitieren vom Armut, Elend und Greuel der anderen. Zynisch vergrößern sie Armut und Elend von Menschen, wenn es ihnen mehr Profit bringt.
Natürlich gibt es gerade in dieser Gesellschaft massenhaft Heuchler, kognitiv Dissonante und Demoralisierte.
Aber es gibt auch moralische Menschen, die es verabscheuen, sich auf Kosten von anderen Menschen zu bereichern.
Und auch Menschen, die gegen Armut, Elend und Verbrechen ankämpfen, selbst um den Preis, dass dieser Kampf ihnen selbst Nachteile einbringt.
apropos 13-stunden-woche:
die Praxis sagt, daß die Enkelkinder, die dann noch beim Daimler schaffen, kurz(?)arbeiten werden…..
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/autoindustrie/:entmutigendes-signal-daimler-laesst-auch-2010-kurzarbeiten/50036889.html
ein ent/….oder ermutigendes Signal?
(wär ja auch noch schöner, wenn nur die Banken die allgemeinen Steuerzahler anzapfen könnten..)
siehe auch
http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:folgen-der-finanzkrise-rogoff-das-grosse-schrumpfen/50035990.html?page=2
Die Regierungen der G20 stehen jetzt vor einer einschüchternden Situation. Sie müssen versuchen, die Monster, die sie selbst geschaffen haben, an die Kandare zu nehmen. Es ist nun klar, dass der Steuerzahler immer da sein wird, um zu garantieren, dass die Inhaber von Schuldverschreibungen ihr Geld bekommen. Die großen Finanzunternehmen werden noch jahrzehntelang in der Lage sein, ungebremst die Anleihemärkte anzuzapfen – und zwar zu Zinsen, die, ungeachtet ihrer Risiken, gerade eben über dem liegen, was der Staat zahlt. Die Kreditgeber der Banken werden sich nicht einmal die Mühe machen, darüber nachzudenken, welche Arten von Glücksspielen und Investments die Finanzinstitute tätigen oder ob diese wirksam reguliert sind.
@ wgnx
<>
a) ??
es geht doch mum den Zeitpunkt davor, bevor einem alles gehörte??
Was ist mit “allen gehörte alles”, auf lokaler Ebene? Sobald es `andere` gab, gab es sicher auch ein Gefühl für das Gemeineigentum.
Dann wäre klar, wem was gestohlen wurde.
Aber selbst ohne dies: Da kommt einer, und eignet sich etwas an, wovon bisher alle gelebt haben; welche Kategorie verwendest du dafür?
Interessant, dass du dir mit deinem geschätzten Kollegen Sloterdijk einig bist.
Der “bewies” schon, mit bemerkenswerter Logik, wieso EInkommenssteuer Enteignung ist.
“”Es würde sich an dieser Stelle nicht lohnen, die Irrtümer und Missverständnisse aufzuzählen, die der abenteuerlichen Fehlkonstruktion des Prinzips Eigentum auf der von Rousseau über Marx bis zu Lenin führenden Linie innewohnen.”"
noch zur Heuchelei:
Was sind Talkshows im Fernsehen heute anderes als Jahrmärkte der Heuchelei?
@weissgarnix #
Die historische Genese von Privateigentum in grauen Vorzeiten ist ein Aspekt und primär ein Thema für Historiker.
Die aktuelle Frage ist, wie derzeit mit Privateigentum verfahren wird und wie in Zukunft damit verfahren werden soll(t)e.
„Inwieweit per Eigentum also was “gestohlen” wurde und wenn ja wem, das sollte man vielleicht nochmal abklären.“
Wem gehörte Nordamerika, bevor die Weißen kamen?
Und wie entstand die derzeitige Eigentumsordnung in Nordamerika?
Wenn dies nicht Diebstahl und Raub war, was sonst?
Eine weitere Frage ist, wie Eigentum transferiert wird.
Ist es gesellschaftlich akzeptabel, dass immer noch Eigentum in Familien auf deren Abkömmlinge transferiert wird, welches irgendwann von Vorfahren gewaltsam und/oder verbrecherisch angeeignet wurde?
Wie sieht es mit der Chancengleichheit der Menschen aus, die heute neu zur Welt kommen?
Ist heute Chancengleichheit nicht DIE Heuchelei?
@HAM
“Diese Evidenz gibt es nicht.” – Das würde das Opfer oder ein unmittelbarer Zeuge einer Untat wohl bestreiten. Das moralische Urteil, dass eine bestimmte Tat nicht hätte geschehen dürfen, wird anders verarbeitet und hat andere Folgen als das Entsetzen und ggf. die nachhaltige Traumatisierung angesichts einer situativ erfahrener Entwürdigung. Das erste lässt sich diskursiv u.U. revidieren, das zweite nicht, selbst wenn ‘gute Gründe’ eine höhere moralische Legitimität der Tat ‘beweisen’ (z.B. die Inkaufnahme eines schlimmen Geschehens um ein schlimmeres zu verhindern).
“In unterschiedlichen Gesellschaften werden sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche unterschiedlich bewertet und praktiziert.” Aber nur, weil in manchen Gesellschaften die psychische Integrität ihrer Teilnehmer unterschiedlich wichtig ist. Erzwungene Sexualität, da wäre ich schon psychologischer Essentialist, ist unter allen Umständen für das Opfer und diejenigen, denen es am Herzen liegt, verstörend, wie immer das von der regional gültigen, offiziellen Moral gerahmt sein mag.
@weissgarnix #47
„Im Prinzip gibt es zum “Anfang” zwei Thesen: a) einem gehörte alles und b) allen gehörte nichts. Wobei die klassische Antike wohl eher a) zuneigt, während b) sozusagen bei den “Barbaren” des Nordens vorherrschend gewesen dürfte.“
Da fehlt:
c) das Kollektiveigentum
Das ist gerade für das Beispiel Nordamerika entscheidend.
Gehörte Nordamerika bevor die Weißen kamen
b) niemanden
oder
c) befand es sich im Kollektiveigentum der indianischen Ureinwohner?
@ HAM 59
natürlich
a) dem großen Manitu.
SIeht man sich die “Entdeckungen” der <2entwickelten" Völker an, sieht man auch, dass die Eigentumsverhältnisse der "Entdeckten" "Wilden" ("moralisch" zu Ungläubigen gemacht) völlig egal war.
Es fand Diebstahll statt, ob nun Sonnenkönigs Latifundien oder Allmende.
@Morph #58
“Diese Evidenz gibt es nicht.” – Das würde das Opfer oder ein unmittelbarer Zeuge einer Untat wohl bestreiten.
War das „ius primae noctis“ für die Opfer als Unrecht evident?
Ist „Marktwirtschaft“ für deren Opfer als Unrecht evident?
Oder ist der “Unrechtsgehalt” der „Bankenrettung“ für deren Opfer evident?
Eigentum entsteht nicht dadurch, dass irgendjemand sich etwas nimmt und sagt: Meins!, sondern dadurch, dass ein solcher Anspruch akzeptiert wird. Eigentum entsteht durch Anerkennung, nicht durch Aneignung.
Eine Urszene derart, dass irgendein verderbter Egoist in der Urgemeinde aufgestanden ist und einen Claim abgesteckt hat, über den fortan nur noch er verfügte, ist vollkommen abwegig.
Viel einleuchtender sind getrennt siedelnde Menschengruppen, die durch irgendeinen Zufall in Kontakt geraten und durch diesen Kontakt den Unterschied zwischen dem “Eigenen” und dem “Fremden” entdeckten.
Auf dieser Basis sind dann verschiedene Formen denkbar, sicher auch der Raub, aber durchaus auch das Geschenk. Ethnologisch gut belegt und auch systematisch hoch plausibel sind stabile intertribalistische Beziehungen auf der Basis einer Geschenkökonomie (klassische Referenz: Marcel Mauss, die Gabe).
Unter Bedingungen einer wachsenden Prosperität, einer wachsenden Unübersichtlichkeit intratribaler Verhältnisse, der Entwicklung von ‘Häusern’ ist dann sehr naheliegend, das intertribalische Verhältnis ins inttratribale Verhältnis hineinzukopieren. Und das zwischen Geschenk und Verpflichtung ein höchst enger Zusammenhang besteht, der zur ‘Berechnung’ adäquater Schenkungs-/Tausch-Beziehungen führt, wissen wir ja alle aus der eigenen vermaledeiten Weihnachtsöknomoie, der man sich mit einigem Glück entwinden kann, ohne dass das soziale Band zerreißt.
@HAM#61
“War das „ius primae noctis“ für die Opfer als Unrecht evident?”
vermutlich nicht als Unrecht (da es ja nicht als solches codiert war), aber doch wahrscheinlich als etwas Beschämendes, das man hinzunehmen hat.
“Ist „Marktwirtschaft“ für deren Opfer als Unrecht evident?”
ebenso: vermutlich nicht, ich kenne aber sehr viele, die von der Legitimität des Marktgeschehens überzeugt sind, aber dennoch den Zwang, den Kunden als König anerkennen zu müssen, als entwürdigend erfahren und auch so beschreiben.
Oder ist der “Unrechtsgehalt” der „Bankenrettung“ für deren Opfer evident?
Na aber sicher, niemand in meiner Umgebung beschreibt die Bankenrettung als ‘fair’, (selbst die Kanzlerin hat von Erpressung gesprochen!) aber interessanterweise bleibt es bei einem diffusen Gefühl, dass das nicht okay war. Wie sieht’s in Deiner Umgebung aus?
@ Morph
–>”Eigentum entsteht nicht dadurch, dass irgendjemand sich etwas nimmt und sagt: Meins!, sondern dadurch, dass ein solcher Anspruch akzeptiert wird.”
Kommt auf die Bewaffnung der Angreifer, und Verteidiger an.
Die Eroberung und Landverteilung des Nordamerikanischen Kontinents, ist ein jüngeres Beispiel. Was Spanier und Portugiesen vorher getrieben haben, ist ja auch bekannt. Und die Römischen Kohorten haben auch alles ausgewürfelt.
Ich glaube, es hat wenig Sinn, über Eigentumsverhältnisse in Gesellschaften zu spekulieren, die keinen rechtlichen Eigentumsbegriff kannten.
Sicher gab es überall tradierte Nutzungsrechte der einen oder anderen Art.
Eigentum setzt doch aber wohl voraus, daß Nutzungsrechte, Genußrechte (“Fruchtziehungsrechte”) und weitere Verfügungsrechte (Verkauf, Beleihung) an einer Sache zunächst formal voneinander geschieden werden; sind sie dann in einer Hand vereinigt, haben wir “Eigentum” im engeren Sinne. Sind sie voneinander getrennt, haben wir aufgespaltene und unterschiedlich verteilte Eigentumsrechte.
In jedem Falle setzt Eigentum positives Recht und und eine vertragsdurchsetzende dritte Partei voraus, weshalb es wohl müßig ist, in die Nutzungsrechte vormoderner Gesellschaften so etwas wie einen Eigentumscharakter hineinzuinterpretieren.
@holger
das würde ich ja nicht betreiten. Die Frage ist, ob die Idee des Eigentums auf der Praxis räuberischer Aneignung basiert. Die Beispiele, die Du nennst, betreffen Gesellschaften, in denen die Kategorie des Eigentums schon geläufig ist. Typischerweise wird von den Eroberern die räuberische Aneignung auch nicht als Aneignung eines fremden Eigentums verstanden. Die Fremden, denen man das ihrige raubt, sind nicht Fremde, sondern Barbaren, Unmenschen im Exklusionsbereich der Gesellschaft, für die die Regeln der eigenen Gesellschaft natürlich nicht gelten.
@ holger
>>Kommt auf die Bewaffnung der Angreifer, und Verteidiger an.
Die Eroberung und Landverteilung des Nordamerikanischen Kontinents, ist ein jüngeres Beispiel. Was Spanier und Portugiesen vorher getrieben haben, ist ja auch bekannt. Und die Römischen Kohorten haben auch alles ausgewürfelt.<<
Und wenn sich heute in einem bisher uninteressanten Fleckchen Erde noch eine Gemeinschaft mit Gemeineigentum findet, wird bei aufkommendem wirtschaftlichen Interesse der wie du sagst besser Bewaffneten ganz schnell Privateigentum daraus.
@ morph
<>
Was ändert das für die heutige Bewertung des jeweiligen Eigentums??
Interessant übrigens der Verweis auf die Barbaren und der Aneignung, bzw. Umwidmung von 400 bis 600 Milliarden “Altschulden” aus Ossiland durch dummdreiste (wobei man vermuten kann, dass die Banken wohl selbst nicht damit gerechnet hatten, bspw. mit 115 Millionen 15 staatlich garantierte Milliarden kaufen zu können; da war besondere Regierungskunst am Werk) Wessis.
Das mit dem Eigentum geht ganz einfach…
Ugauga Stamm A haut Ugauga Stamm B den Schädel ein raubt die Frauen ermordet die Männer macht die Blagen zu Sklaven… und sagt was euch gehört ist jetzt meins ihr dürft damit nur Arbeiten für mich…Tribute zahlen weil ihr ihr seit und ich stärker bin als ihr…
68 geht an 66, irgendwann krieg ich das noch hin mit dem html.
So geht das heute noch…Nur heist rauben heute Investieren und versklaven Arbeitsplätze schaffen…
@Morph #63
„Wie sieht’s in Deiner Umgebung aus?“
Unterschiedlich.
Die „normalen“ Bürger kapieren die wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht.
Hoffen nach wie vor darauf, dass es irgendwie in Zukunft wieder aufwärts geht.
Sie reproduzieren die Informationen, die sie aus den Massenmedien erhalten.
Natürlich ärgern sie sich über die hohen Einkommen und Boni der Banker.
Meinen, dass es ungerecht in der Welt zugeht.
Aber dass sie selbst, an allem nicht ändern können.
Im Grunde hat sich bewusstseinsmäßig nicht viel verändert.
Zum Meinungsbild der Deutschen aus der BBC-Studie:
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=2070389&em_src=763801&em_ivw=fr_polstart
Das ist hier ja Klassenkampf in Reinkultur!
Da sage noch einer, man kann die Unterschiede nicht riechen, sehen, schmecken….
Bei mir werden alle Sinne angesprochen.
@froZ
danke für die Differenzierung und Präzisierung. Ja, die Zentrierung und Codifizierung der Rechte an einer Sache ist die Fluchtlinie der Herausbildung des modernen Eigentumsbegriffs (die im Übrgen auch mit der Geschichte des Individuums zu tun hat), aber die Aussage, Eigentum setzt positives Recht voraus, halte ich insofern für problematisch, als dadurch eine historische Sequenz: Staat -> Recht -> Eigentum, insinuiert wird. Ich denke, dass es sich dabei eher um die Evolution eines ganzen Bündels von symbolischen Formen handelt (zu dem auch z.B. die bildnerische Zentralperspektive), dessen einzelnen Fasern kein definitiver Stellenwert im Ganzen zuzumessen ist. Wichtig scheint mir das deshalb zu sein, weil eine Fundierung des Eigentums im Staat auf einen Debitismus hinausläuft, dessen prognostische Kraft in den letzten dreißig Jahren zwei Mal desavouiert worden ist, also erkennbar zu kurz greift.
Wenn man weder den Staat (das politische System), noch die Justiz (das rechtliche System) als das Primäre ansieht, dann ist man gezwungen, einen weiten und etwas losen Begriff des Eigentums zu unterstellen. Wovon allerdings, da stimme ich Dir ausdrücklich zu, die moderne Eigentumssemantik im engeren Sinn unterschieden werden sollte.
@ froz
>>In jedem Falle setzt Eigentum positives Recht und und eine vertragsdurchsetzende dritte Partei voraus, weshalb es wohl müßig ist, in die Nutzungsrechte vormoderner Gesellschaften so etwas wie einen Eigentumscharakter hineinzuinterpretieren.<<
nein.
Das Eigentum kann ohne weiteres vom Eigentümer durchgesetzt werden, brauchts dafür Beispiele?
Und selbstverständlich wird Gemeineigentum auch durchgesetzt, durch soziale Kontrolle.
@HAM
“Aber dass sie selbst, an allem nicht ändern können.”
Und? Könnten sie? Wie?
@Besserwisser
“Das ist hier ja Klassenkampf in Reinkultur!”
Ne das ist Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft!
„Man kann den Staat auffassen als eine ökonomische Kollektivperson der herrschenden Klasse, die sich die Arbeitskraft der Untertanen als »Wertding« beschafft hat.“
Franz Oppenheimer
@ nanuk “Das mit dem Eigentum geht ganz einfach…
Ugauga Stamm A haut Ugauga Stamm B den Schädel ein raubt die Frauen ermordet die Männer macht die Blagen zu Sklaven… und sagt was euch gehört ist jetzt meins ihr dürft damit nur Arbeiten für mich…Tribute zahlen weil ihr ihr seit und ich stärker bin als ihr…”
Und weil Stamm B das akzeptiert, ist alles in Ordnung mit dem Eigentum, ist das so schwer zu verstehen?
froZ #65
„Ich glaube, es hat wenig Sinn, über Eigentumsverhältnisse in Gesellschaften zu spekulieren, die keinen rechtlichen Eigentumsbegriff kannten.“
Damit meinst Du hoffentlich nicht die Eigentumsgesellschaften.
„In jedem Falle setzt Eigentum positives Recht und und eine vertragsdurchsetzende dritte Partei voraus, weshalb es wohl müßig ist, in die Nutzungsrechte vormoderner Gesellschaften so etwas wie einen Eigentumscharakter hineinzuinterpretieren.“
Mit dieser Position entrechtest Du die Mitglieder vormoderner Gesellschaften.
Ist Dir klar, dass diese Position die eines Apologeten von Kolonialismus und Imperialismus ist?
Da steht alles drin was wir erleben genau beschrieben…
http://www.franz-oppenheimer.de/staat5.htm#V_c
bitte sehr…
#79
Froz wollte nur mitteilen, daß der Diebstahl rechtens war und sein wird.
Damit schlägt er einen großen Bogen bis in die jüngere Geschichte, nämlich zu der Treuhand, die ein gewisser Hotte Köhler managte ….
sorry:
Damit meinst Du hoffentlich nicht die INDIANERgesellschaften.
@ froZ # 65
–>”Ich glaube, es hat wenig Sinn, über Eigentumsverhältnisse in Gesellschaften zu spekulieren, die keinen rechtlichen Eigentumsbegriff kannten.”
Damit komme ich nicht klar? Nur weil die noch kein BGB HGB oder sonstigen Text in gebundener Fassung hatten, kannten die den rechtlichen Eigentumsbegriff nicht?
Das kannten ja schon die alten Germanen in MÜNDLICHEN Überlieferungen, kannst ja Tacitus lesen.
Und dann kamen die Römer, wollten Recht und Ordnung bringen, und sind deswegen auf das übelste verprügelt worden. Und das zu Recht.
Kaum ist der Sieg errungen, so wendet die Klasse des mobilen Reichtums, die Bourgeoisie, die Waffen rückwärts, schließt mit dem alten Gegner Frieden und bekämpft die Plebs im Namen des Legitimismus oder wenigstens einer üblen Mischung legitimistischer und scheinliberaler Argumente.
Franz Oppenheimer oder doch Joschka Fischer oder unser aufstiegskind Guido…
Ergänzung zu #81
Jener Hotte Köhler ist übrigens identisch mit dem Bundespräsidenten..
Natürlich waren schriftlose Kulturen, wie Indianerkulturen, keine Gesellschaften ohne Recht. Natürlich verfügten z.B. die Indianer über „positives Recht“, also eine allgemein verbindliche Rechtsordnung, auch wenn diese nicht verschriftet war.
Es gab Organe der Rechtssetzung, der Rechtsprechung und der Rechtsdurchsetzung.
Nur reichte ihre „Rechtsgewalt“ – bedingt durch die Unterlegenheit ihrer Waffen – nicht aus, ihr Recht gegen die Kolonialisten und Imperialisten durchzusetzen.
Sonst wären diese am Marterpfahl gelandet …
Um das auf die Politische ebene zu heben…
Wenn sich Peter Gauweiler und Sarah Wagenknecht nicht so hassen würden sähe es anders aus in Deutschland.
@ morph #74
“… weil eine Fundierung des Eigentums im Staat auf einen Debitismus hinausläuft…”
Verstehe ich nicht. Bin kein Experte für Debitismus, aber nach meinem Verständnis erklärt dieser zuvörderst Geld aus dem Kredit sowie Kapitalakkumulation aus der Schuldenakkumulation. Sofern er sich auf Heinsohn/Steiger beruft, kommen dabei auch Argumentationsfiguren wie die Herleitung des Kredits aus dem Eigentum und des Eigentums aus dem Staat vor. Aber es scheint mir schwer nachvollziehbar, prognostische Fehlschläge debitistischer Autoren nun als Argument gegen den sozialhistorischen Nexus Staat->Eigentum ins Feld zu führen.
@ topi #75
“Das Eigentum kann ohne weiteres vom Eigentümer durchgesetzt werden…”
Nun, wenn ich auf Deinem Grundstück zelten will, kannst Du mit der Wumme in der Hand herauskommen und mich vertreiben. Dafür bringe ich das nächste Mal ein paar Jungs mit noch größeren Wummen mit, und ohne Staat kannst Du Deinen Eigentumstitel dann in der Pfeife rauchen.
Soziale Kontrolle als Ersatz für den Leviathan… funktioniert bei wenig komplexen Transaktionen, einem hohen Grad an Wiederholung und einer begrenzten Anzahl von Mitspielern. Eigentum, welches Verkauf, Verpachtung, Beleihbarkeit impliziert, ist ja gerade ein Rechtskonstrukt, durch das die Komplexität der Wirtschaftsbeziehungen ausgeweitet werden kann, das aber eben nicht “self-enforcing” ist.
Natürlich kann es gemeinschaftliche Nutzungsrechte etwa an einem Stück Land geben. Um dieses Stück Land aber etwa zu verpachten (u.a. in dieser Möglichkeit besteht der qualitative Sprung zum Eigentum), braucht es ein entsprechendes Recht und die Garantie seiner Durchsetzbarkeit.
nochmal @ morph
Sicher ist der Übergang, wenn man etwa einen Blick in die europäische Agrargeschichte wirft, fließend. Das Zustandekommen von Pachtbeziehungen und die Verdichtung von Besitzrechten zu Eigentumsrechten setzte z.T. schon vor dem endgültigen Ausbau der Landesherrschaften und dem Aufkommen des Absolutismus ein. Aber es kann m.E. gar kein Zweifel daran bestehen, daß man die Wirtschaft erst dann als Eigentumswirtschaft beschreiben kann, wenn auch der Leviathan als vertragsdurchsetzende Partei seine volle Ausprägung erfahren hat.
@froZ
Wenn du in meinem Garten Zeltest tust du das auf meinem Besitz Eigentum ist etwas anderes…
Eigentum währe wenn du auf meinem 500Km Entfernten Stück Land Zeltest es völlig egal ist ob ich es bewirtschafte und ich die Polizei hohle damit sie meine Eigentums interessen durchsetzt… und deine Pflanzungen zerstört…
froZ 89
…. Aber es scheint mir schwer nachvollziehbar, prognostische Fehlschläge debitistischer Autoren nun als Argument gegen den …
die prognostischen Felhschläge debetistischer Autoren begründen sich vor allem in der Frechheit mit der die “Big Player” in zusammenarbeit mit ihren Politischen Funktionsträgern, jegliches Regelwerk einfach über Bord warfen und auf ein bizarres “Alice im Wunderland” Bilanzieren usw. umstellten.
Der Prognosefehler dieser Autoren lag vor allem darin die Verbrecherischen Energien der “Systembetreiber” zu unterschätzen.
@Besserwisser
Hotte wer?
Köhler?
Wohnhaft in Berlin?
Etwa der hier?
http://www.sebastian-engelmann.de/?p=942
http://www.koehler-iwf.de/koehler_und_iwf/index.html
@froz
und zu meinem von dir bewirtschaftetem aber von mir zerstörtem Stück Land sagt jetzt der Jasper folgendes…
Macht hat Legitimität nur im Dienst der Vernunft. Allein von hier bezieht sie ihren Sinn. An sich ist sie böse.
Karl Jaspers
@HAM
“[Amerika] c) befand es sich im Kollektiveigentum der indianischen Ureinwohner?”
Völlig irrelevant! Entscheidend ist der Krieg, bzw. die Kriege! Dadurch verloren sie alle (wie auch immer bestehenden) Eigentumstitel. Da kann mal heulen, mehr nicht.
Aber wer weint schon um Suleiken? Dann doch lieber um den edlen Winnetou… Verdammter Kapitalismus!
@ holger #83
Du meinst wohl das altgermanische Allod, über dessen wirkliche Bedeutung sich die Gelehrten streiten; ein zentraler Bestandteil der Agrarordnung scheint es ja vielerorts nicht gewesen zu sein…
Aber gut, man kann wohl sagen: Wenn man Eigentum dann als gegeben ansieht, sobald Nutzungsrechte vererblich werden, dann haben natürlich auch Gesellschaften ohne kodifiziertes Recht Formen von Eigentum ausgeprägt. “Eigentum” stünde dann begrifflich im Gegensatz zu “Lehen”.
Wenn man Eigentum als Rechtsrahmen des Wirtschaftens ansieht, dann muß es aber auch solche Operationen ermöglichen wie Verkauf, Verpachtung, Beleihung. “Eigentum” steht dann begrifflich im Gegensatz zu “Besitz”, und da macht m.E. schon die rechtliche Durchsetzbarkeit von Verträgen den Unterschied aus.
@hacedeca #94
„Entscheidend ist der Krieg, bzw. die Kriege! Dadurch verloren sie alle (wie auch immer bestehenden) Eigentumstitel.
Nicht nur ihre Eigentumstitel, sondern größtenteils ihr Leben.
Sie wurden schlichtweg ausgerottet.
Und ohne Eigentümer gibt es keine Eigentumsansprüche mehr.
@ Nanuk
Na, mir ging es erst mal um den Begriff des Eigentums, nicht um seine Legitimität. Von mir aus kann der Grundsatz “Eigentum verpflichtet” durch das Gesetz ruhig auch restriktiver ausgelegt werden – solange dies transparent und nicht willkürlich erfolgt, solange die Restriktionen also ihrerseits Rechtssicherheit vermitteln.
Da muß ich gar nicht erst zu Deinem 500 km entfernten ungenutzten Grundstück fahren. Da kann ich mich auch in ostdeutschen Innenstädten umschauen, wo Ortsfremde nach 1990 Häuser gekauft oder restituiert bekommen haben, diese mangels Mitteln oder Interesse nicht bewirtschaften, sie aber auch wider Erwarten nicht zu einem ihnen genehmen Preis am Markt veräußern konnten. Diese zunehmend verfallenden Objekte sind jetzt ein ziemliches Hindernis für Stadtentwicklungsstrategien; sie können nicht genutzt, aber auch nicht enteignet werden, und bevor sie zu einer offensichtlichen Gefahrenquelle werden, kann man sie auch nicht abreißen. In solchen Fällen sollten Eigentumsrechte schneller suspendiert werden.
@ HAM # 95
Und ohne Eigentümer gibt es keine Eigentumsansprüche mehr.
Das provoziert aber ganz gemeine Schlußfolgerungen.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Staatseigentum und Volkseigentum?
Das kann ja nicht identisch sein.
Die Bundespost gehörte dem Staat, aber nicht dem Volk.
Wäre die Bundespost Volkseigentum gewesen, so hätte man die Eigentümer, also das Volks, fragen müssen, bevor man diese an Privatinvestoren verkauft.
Also mich hat man nicht gefragt, und ich nehme an, auch niemanden von Euch.
Wem gehört eigentlich der Staat? Wer ist der Eigentümer?
Das Volk doch offensichtlich nicht.
Was ist mit dem Volkseigentum in der DDR? War dort das Volk der Eigentümer?
Ja solche Objekte dürfen aber nicht an den Staat fallen sondern an einen anderen Mitbürger sonst haste den Leviatan wieder im Boot hier darf der Staat nur sowas wie eine verschenkungs Plattform einrichten… und dann gilt wer zuerst kommt der hat…
Hei das gäb einen Heiden spass.
Anarchy im Wilden Osten…
http://www.youtube.com/watch?v=dAsWdUo7r4c
@ HAM
Sorry kommt nicht zuerst die Frage – wer oder was ist das Volk?
@Wat.
Das Staatsvolk sind die der Staatsgewalt Unterworfenen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsvolk
Das Staatsvolk sind Menschen, deren Besitzer der Staat ist.
Any questions?
@ Nanuk
Na, für viele Objekte dürfte es eh schwer werden, einen Käufer zu finden. Aber wenn jemand durch Schenkung darankommt, sollte die Kommune zumindest Auflagen machen, was damit zu geschehen habe und was nicht, sonst gibt es das gleiche Problem in ein paar Jahren wieder.
Ansonsten hat man sich auch jenseits des großen Teiches Gedanken darüber gemacht:
http://www.youtube.com/watch?v=VP1NyV60WzA&feature=fvw
@ HAM # 102
Staatvolk ist ne graue Masse, das sagt gar nichts finde ich, auch wenn Du Staat als Besitzer der Menschen umschreibst.
Wenn man davon ausgeht, daß Staat eine gesellschaftliche Vereinbarung aller gleichermaßen ist, mag man diesem Trugschluß aufsitzen, genauso wenn man davon ausgeht, das alle gleichermaßen im ‘Besitz’ des Staates sind.
Aber Staat ist Überbau und Machtinstrument zur Durchsetzung von Herrschaftinteressen. Damit muß ich ‘Volk’ differenzieren, wenn ich nicht in einem Pudding des Herrschaftsslang (Was ja mit dem Wort ‘Staatvolk’ umschrieben wird) landen will…
Und Staat ist aus meiner Sicht nunmal immerKlassengesellschaft.
Wozu bräuchte ich ihn anderes als zur Durchsetzung von Interessen der einen gegen die anderen!
Am ehesten ist für viele der Zusammenhang in der Durchsetzung von Rechtstiteln des Eigentums (auch) erkennbar.
Damit sollte auch ersichtlich sein, wem der Staat gehört, für wen alle ‘besessen’ werden, damit diese Herrschaftinteressen umgesetzt werden können.
@froz
Ja nutzen soll der neue Eigentümer das…
@Wat.
Willst Du bestreiten, dass der Staat der Besitzer des Staatsvolkes ist?
Ergänzung zu 104
In der DDR hatten wir Staatseigentum. Nichts mit von wegen Volkseigentum. Es fehlte die gesellschaftliche Teilhabe, wie ich sie mir von gemeinschaftlichem Eigentum vorstellen würde.
Und doch war es ein Unterschied, wenigstens ein kleiner, es stand nicht das Kapital im Vordergrund, wenn auch dafür der Mensch lange nicht so, wie proklamiert – aber es wurde nicht alles und jedes diesem Kapital unterworfen…
Wie hätte es denn Volkseigentum oder besser gemeinschaftliches Eigentum werden sollen, es war ja bei Lichte betrachtet schlußendlich wohl nicht einmal wirklich Eigentum der Lohnarbeiter (Was eine Diktatur des Proletariats suggerieren würde) – dafür hätte doch wohl wenigstens der wirkliche gemeinsame Wille ‘aller Lohnarbeiter bedurft, diesen Staat zu errichten und zu erhalten, oder?
@ HAM – ich bestreite das insofern, als es um das ‘gleichermaßen’ der einzelnen Personen, die zu einem Staatsvolk zusammengefaßt werden, besitzen geht…
@Alle Zitat:
“Während das ursprüngliche Besitzrecht darin besteht, demjenigen der den Boden bebaut, das Recht auf Ernte zu sichern, beschränkt sich das Eigentumsrecht darauf, dem Eigentümer das Recht auf einen Ertrag von seinem Land zu sichern, unabhängig davon, ob er das Land selbst nutzt oder nicht. Während das Besitzrecht sich selbst genug ist, erwächst die destruktive Kraft des Eigentums daraus, dass es einen Nichteigentümer erfordert.
Jacques Sapir bringt es auf de Punkt: Bevor Freitag die Insel betritt, gehört Robinson alles, also nichts. Für den der allein ist, haben Eigentumsrechte keine Bedeutung.
http://fr.wikipedia.org/wiki/Jacques_Sapir
Anders ausgedrückt: ohne Freitag kann Robinson nur die Früchte seiner Arbeit genießen. Als Eigentümer des an Freitag verpachteten Landes kann er auch die Früchte von Freitags Arbeit konsumieren. Dieses offensichtliche Unrecht erscheint uns heute als selbstverständlich. Doch der Weg bis zur Entstehung dieser unserer Rechtsvorstellung war lang.”
Samirah Kenawi
FALSCHGELD
Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit
http://www.egon-w-kreutzer.de/Newsletter%20extra/Falschgeld.html
Auch wenn der ‘Rote Oktober’ vorrüber ist:
Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats
Friedrich Engels
@ froZ # 94
–>”Wenn man Eigentum als Rechtsrahmen des Wirtschaftens ansieht, dann muß es aber auch solche Operationen ermöglichen wie Verkauf, Verpachtung, Beleihung. “Eigentum” steht dann begrifflich im Gegensatz zu “Besitz”, und da macht m.E. schon die rechtliche Durchsetzbarkeit von Verträgen den Unterschied aus.”
Eigentum und Besitz, dass weiß ich schon zu glauben, den Unterschied. Besitzer sind wir alle, nur das mit dem Eigentümer haut bei einer Verschuldung nicht hin. “Eigentumsvorbehalt”
D besteht aus ca. 350 Mrd. m² Fläche. Davon fallen rund 12,3 % auf Siedlungs und Verkehrsfläche. Das sind rund 43 Mrd. m² überbaute Fläche. Nehme ich die Staatsverschuldung 1.500 Mrd. noch mit auf, sind das pro m² ca. 35 Euro.
Wievie m² davon sind wohl im Eigentum UND Besitz?
d.h. Schuldenfrei. 2-3% ?
Und dann noch die Frage wer sind die Eigentümer? Oder die Gläubiger?
Ich weiß, der Staat kann nicht Pleite gehen, aber sein Volk kann es.
Wie bedient der Staat dann seine im Ausland sitzenden Gläubiger?
Wie sieht die rechtliche Durchsetzbarkeit der Gläubiger aus?
Und genau hier spalten sich die “Rechte” auf. Nicht nur global, sondern in Rechteigentümer (Kreditor) und Rechtbesitzer (Debitor) und ob die Kreditoren, auch wenn sie Rechteigentümer sind, auch dieses Recht durchsetzen können, hat man an der Enteignung der HRE Aktionäre gesehen.
Das ist ein parade Beispiel dafür, was der Eigentumstitel wert ist. Die ganze so genannte “Verfassung” GG ad absurdum geführt. Und jeder der den Saustall jetzt noch verklagen will, sollte sich überlegen, ob er das Geld für einen Advokaten auch noch aus dem Fenster wirft. Er ist von ganz oben Entrechtet worden.
HAM hat das schon gut in # 95 geschrieben.
–>”Und ohne Eigentümer gibt es keine Eigentumsansprüche mehr. “
Wieder beim Ami abgeschreibselt? Fläche von DE in Mrd km² ? Bitte 3 Nullen streichen…
WGN
“Solow trifft meines Erachtens voll ins Schwarze, ich bin ziemlich davon überzeugt, dass uns die Verteilungsproblematik in den nächsten 20 Jahren um die Ohren fliegen wird”.
Ich habe schon nicht mehr dran geglaubt! Chapeau!
Im übrigen muss man doch gar nicht soweit in die
Vergangenheit reisen um die Gegenwart zu begreifen! Viele trauen
ihrem eigenen Urteilsvermögen nicht. Sie holen sich “Rat” bei
Keynes und anderen historischen Figuren um …ja was eigentlich?
Um zu “beweisen” dass man “es” hat kommen sehen? Das schon
damals ein Keynes weitestgehend “gesehen” hat was kommt?
Thesen aufgestellt hat was man machen sollte und was nicht?
Leute WER BESTIMMT eigentlich den Lauf der Welt? In
ökonomischer, ökologischer und gesellschaftlicher Hinsicht?
Dinge passieren nicht einfach! Entscheidungen werden getroffen!
Vorgestern von Kohl, gestern von Schröder und heute von unserer
Bundesmami! Interessenlagen werden bedient! Kapitalvermögen
wachsen, wachsen, wachsen…..und damit geht Macht einher!
Wachsende Macht! Macht die irgendwann alle Bereiche unseres
Lebens durchziehen und alles und jeden beherrschen. Diese Macht
ist gerade dabei die Demokratie zu zerstören! Wir haben die Ehre
mit dabei sein zu dürfen. Wir können es quasi “live” beobachten!
Ist das tröstlich?
Was Keynes und andere “sahen” und in Büchern
veröffentlicht haben, mag heute jeder für sich beurteilen. Aber:
es bringt uns HEUTE nicht weiter, weil die vorgeschlagenen
Handelsstränge des ein oder anderen “Superökonomen” die “Elite”
eh nicht interessieren.
Es geht um ganz profane Dinge wie Geld, Macht, Einfluss. Um sonst
nichts! Gar nichts…
Ich habe es schon oft gesagt und wiederhole mich hier noch mal:
Das Stadium in dem wir uns momentan befinden ( für alle die das
ein oder andere Orientierungsproblem haben..) ist die Übernahme
der politischen “Eliten” durch das Kapital! Oder anders ausgedrückt:
Die Gleichschaltung!
Abwertende Bemerkungen zu
dieser These bin ich gewohnt und kann darüber nur lachen! Wer
es bis jetzt noch nicht gemerkt hat, der wird es wohl nie mehr
kapieren…deshalb kann ich damit leben..
Im übrigen ist es schon passiert.
Mit Hilfe der, dem Großkapital gehörenden
Medien, ( im öffentlich rechtlichen Bereich wächst der politische
Druck im Moment immens..) die diesen Prozess erfolgreich
flankieren und das Volk verarschen und belügen! Das dieser
Prozess noch mal friedlich umkehrbar sein soll, kann ich persönlich
nicht glauben…denn die Medien SIND AUCH das Großkapital.
Ich lese und höre immer wieder, meist von Ökonomen der besseren
Sorte, “das wir aus der Krise nichts gelernt hätten”! Zuerst einmal:
WER IST WIR??? Das Volk? Die Regierung? Die Banken? Die
Fonds? Oder alle zusammen?
Und warum sollten einige aus der Krise nichts gelernt haben?
Natürlich haben einige gelernt! Und zwar immens wichtige Dinge.
Die Banken haben gelernt dass sich riesige Raubzüge lohnen! Wer
sollte sie auch für weitere Verfehlungen verantwortlich machen?
WER? Es gibt niemand mehr über ihnen! DAS haben sie unter
anderem gelernt. Sie haben gelernt mit riesigen Hebeln zu
arbeiten und werden das auch in Zukunft tun! Wer sollte sie
daran hindern? Die Boni gibt für Umsatz , Umsatz, Umsatz.
Umsatz ist Gewinn, Gewinn, Gewinn..
(Übrigens sollte der Gewinnbegriff in unserer Gesellschaft
mal kontrovers diskutiert werden.. aber das nur am Rande.)
Sie haben ganz schnell gelernt, und diese Krise war der geprobte
“Ernstfall” , WIE weit das vom Kapital vorangetriebene System
auch auf politischer Ebene schon greift!!!
Und die Politik hat begriffen, dass sie sich alle Ausgänge selbst
zugemauert hat, ob bewusst oder unbewusst, so pingelig will hier
gar nicht mehr sein.
Allen die hier ihr Ego pflegen und sich in Detailfragen die Köpfe
einschlagen sei folgendes gesagt: Es gibt nur wenige Köpfe die
das GANZE im Blick haben! Nicht nur das Ökonomische,sondern
auch das Ökologische und Gesellschaftliche. Von mir aus sogar das
Menschliche. Den Sinn des Lebens zu erkennen. Ich weiß, ich weiß,
damit können nicht mehr viele Menschen in unserer heutigen Zeit
was anfangen. Ich habe mit Religion nichts am Hut, im Gegenteil.
Aber nur Vollnaive glauben noch daran das unsere vorgeblich
politischen “Kräfte” für das Volk da sind! Selbst wenn sie wollten,
es ist schlicht zu spät! Sie haben sich, Ausnahmen bestätigen nur
noch die Regel, verkauft…
Die westliche Hemisphäre und ihre “Leitkultur” ( hahahaha..) sind
auf dem besten Wege die Welt in Schutt und Asche zu legen. Es gibt
übrigens mehrere Wege dahin…
..als der erfolgreichste wird sich der neoliberale/ monetaristische
Weg unseres viel gepriesenen Kapitalismus der heutigen
Ausprägung erweisen. Er wird gründlich aufräumen auf dieser
kleinen Erde…der einzige Lichtblick könnte in der gründlichen
Abkehr eines starken Gegengewichtes liegen, der sich gründlich
und komplett von Weltbank und IWF abkoppelt und völlig andere
Werte verfolgt. Wenn es dann noch Länder wären die erheblichen
Einfluss auf die wichtigsten Rohstoffe haben, dann gäbe es ein
wenig Hoffnung..
Ob solch eine Hoffnung trägt, weiß ich nicht.. es ist aber immerhin
die einzige die es gibt.. außer…
@Wat.
Dass der Staat Besitzer seines Staatsvolkes (= seiner Staatsbürger) ist, das merkt man sehr schnell, wenn der Staat entscheidet, seine Staatsbürger in den Krieg zu schicken oder diese hinter Stacheldraht und Mauern einzusperren.
Dagegen kannst Du keine Rechtsmittel einlegen.
Denn ob, wo und wie ein Staatsbürger Rechtsmittel einlegen kann, auch dies bestimmt der Staat.
Genauso wenig wie das Geld ist auch der Staat in komplexen Gesellschaften ein reines „Überbauphänomen“.
„In der DDR hatten wir Staatseigentum. Nichts mit von wegen Volkseigentum.“
Ja, die DDR war von vorn bis hinten ein Schwindel.
Auch das mit dem Sozialismus stimmte nicht.
@ HAM # 114
Leider… ich war schließlich dabei.
Es war aber wenigstens eine ‘Übungsrunde’, die einerseits zeigt, wie es nicht geht, aber doch Perspektiven aufzeigt, wie es ohne ‘Kapital hoch über allem’ gehen könnte – wenn endlich mal richtig(!) aufgearbeitet würde. Dieser shit-Ideologie-Kram aus der ‘Analyse’ raus wäre… und dann die ‘richtigen’ Schlußfolgerungen…
@ Wat #112
350.000 km = 350.000.000 m
350.000 km² = ? m²
350.000 km³ = ? m³
1 km² = 1000 m x 1000 m = 1.000.000 m²
Das ist eben, wenn nur der Staat über die Flächen verfügt
@ holger – ich hatte km² gelesen, in dem Moment viel mir ein, das Territiorium der DDR war ca. 108.000 km² … da konnte dann was nicht stimmen.
Jetzt wissen wir auch was – meine Augen.
Aber ich bitte um Nachsicht, solche Angaben sind für mich sonst wirklich in km².
brrrrrrrrrr fiel statt viel… vorhin schon vorrüber, statt vorüber… weia
@Wat.
Das Absurde ist, dass sowohl Kommunisten wie Kapitalisten behaupten, das war ein Sozialismus.
Die Kommunisten sagten damals, dies sei der reale Sozialismus.
Und die Kapitalisten behaupten heute mit Nachdruck: So ist der Sozialismus in Wirklichkeit!
Wie kann man da heute noch für den Sozialismus sein?
@ HAM
Noch schöner – alles redet deshalb von einem dritten Weg.
Wenn Kap der erste ist, Soz der zweite…. hatten wir den dritten schon… also ein Schritt vorwärts zum vierten oder zwei zurück. Öhm, ich meine mich zu dunkel zu erinnern daß Hr. Uljanow damit was anderes meinte… [ironie.off]
@ HAM – ich würd gern endlich mit vielen anderen die Schritte nacheinander gehen… wo sind wir jetzt.
Genug der Wortspiele – Auf Dauer läßt sich Geschichte nicht betrügen.
@ HAM 119
>Wie kann man da heute noch für den Sozialismus sein?
Aber sicher! Vielleicht werden wir den Namen ändern müssen … warum nicht?
Die Nazimitläufer (Eucken, Erhard, Müller-Armack, …) haben den Kapitalismus zur “sozialen Marktwirtschaft” umgetauft … hat wunderbar funktioniert
http://themoderatevoice.com/52761/if-war-breaks-out-venezuelas-fifth-columnists-will-have-to-be-confronted-el-universal-venezuela/
Venezuela bereitet sich auf einen Krieg mit Kolumbien und der USA vor (Kolumbien stellt den Amerikanern Militärbasen an der Grenze zu Venezuela zur Verfügung). 25% der venezulanischen Bevölkerung sympathisieren mit den Agressor und würden ihn unterstützen.
Dort wird das nächste Öl-Fass geöffnet in der Aneignung von fremden Resourcen und das hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun. Das Land wird von Chavez auf einen Krieg vorbereitet, wobei er sagt, wenn wir uns auf den Krieg vorbereiten, erhalten wir den Frieden. Ob das wirklich aufgeht????
Damit läuft ja bei uns in Deutschland in der politischen Auseinandersetzung die Muppet-Show oder?
so long
eigentlich sollte mich heute eine Freundin aus Venezuela besuchen, sie hat den Besuch kurzfristig abgesagt auf Grund der politischen Lage. Sie ist als Juristin eigentlich Oberschicht, aber voll Nationalistin und kritische Unterstützerin von Chavez. Sie hat mir eigentlich die Augen, für das politische Chavez-Experiment in Venezuela geöffnet, fernab was wir über Venezuela hier im Westen über unsere Medien mitbekommen. Die Lage dort ist extrem unübersichtlich, viele Gerüchte über kolumbianische Paramilitärs in Venezuela. In den letzten Tagen gab es Verluste von venezulanischen Soldaten bei Kämpfen an der Grenze zu Kolumbien.
Eigentum und Staat
Ich möchte den Punkt (#98) noch etwas weiter ausführen.
Viele sehen im Staat den Garanten des Eigentums.
Bei der Privatisierung von Staatseigentum wurde bereits deutlich, dass der Staat auf die Eigentumsinteressen seiner Bürger keine Rücksicht nimmt. Er verramscht das Kollektiveigentum und enteignet diesbezüglich seine Bürger.
Wie sieht es mit dem Privateigentum aus? Schützt der Staat das Privateigentum seiner Bürger?
Auch hier muss man dem staatsgläubigen Bürger leider einige Enttäuschungen bereiten.
Indem sich der Staat verschuldet, kann er sich nur entschulden, indem er auf das Privateigentum seiner Bürger zurückgreift.
Er macht dies auf zwei Wegen, nämlich durch Steuern und durch Inflationierung der Geldmenge. Und hilft noch durch Senkung der Löhne nach.
Gerade der kapitalistische Staat, in dem das Privateigentum als heilig angebetet, enteignet die Privateigentümer.
Irgendwie auch lustig:
Das ganze Sammelsurium von Geldanbetern und Geizknochen wird enteignet! Und zwar von ihrem geliebten kapitalistischen Staat!
Nun ja, eine kleine Minderheit wird ausgespart. 2,4%, so stand es in der FAZ, profitieren vom Staat. Sie zahlen weniger Steuern als vorher. Und ihr Vermögen wächst ständig.
Ungerecht?
Nach Meinung führender Wirtschaftswissenschaftler keineswegs, nur eben ungleich verteilt.
So ist das mit Eigentum und Staat – im Kapitalismus.
@ HAM – was willst Du da machen, jeden einzelnen aufklären? Diese ‘verteidigen’ doch ‘ihr Eigentum’, ihr Häuschen, ihre Firma, trotzdem im Grundbuch die Bank steht und der Kredit für die Firma diese als Sicherheit wollte.
Ich meine, sie kapieren einfach nicht, daß sie gar nichts (mehr) haben oder noch besser, nie etwas hatten…
@HAM
“So ist das mit Eigentum und Staat – im Kapitalismus”
und so wird es wieder eingemeindet, siehe Venezuela. Ich frage mich, wieso die USA eigentlich volle Konteneinsicht auf unsere europäischen Kapital-Einlagen haben will? Wahrscheinlich weil sie es als Eigenkapital für Ihre Rocky-Horror-Show benutzen wollen.
Das Kapital der politischen Satelliten ist Teil der amerikanischen G&V Bilanz…. einfach mal vereinfacht dargestellt!!!!
@ Pique
Andere ‘Lösungen’ vor allem ‘Insellösungen’ gegen den Welt-Hausherren gehen nur mit dicken, hohen Mauern, Stacheldraht und bis an die Zähne bewaffnet…
Auch der Staat hat (Unsichtbaren) Eigentümer … Der Staat – ein gemeinsam betriebener Pool zur wahrung ihrer Eigentümerinteressen … z.b. sollten die einzelnen “Nutzmenschenhalter” im lauf der Zeit merken: Wir brauchen aufgrund des Technischen/Organisatorischen Fortschrittes “Nutzmenschen” die Lesen und Schreiben können! Der “Pool” wird mit der “Einführung der Schulpflicht und Organisation beasuftragt. Ist ja auch um viel Kostengünstiger als Einzelinitiativen …. usw. usw. usw. usw.
„Man kann den Staat auffassen als eine ökonomische Kollektivperson der herrschenden Klasse, die sich die Arbeitskraft der Untertanen als »Wertding« beschafft hat.“ (Franz Oppenheimer)
@WAT
ich sehe eigentlich keine Inseln in Südamerika, sondern Staaten, die sozialdemokratisch regiert werden, wie Chile, Brasilien, mit abstrichen Argentinien. Nur Mexico, Peru, Panama, Kolumbien und jetzt auch Honduras (der erste Putsch in diesem Jahrhundert in Südamerika) sind noch Teil des Satellitensystems der Yankees. Now they are working for the great change! Da geht es nur um Resourcen… sorry WAT… und um ganz viele Menschen, die ganz viel Hoffnung auf berechtigten Wohlstand haben, im Gegensatz zu Europa.
@ Pique
Es geht um Menschen, die mit den Resourcen was anderes anfangen wollen…. als sich das da wer anders vorstellt. Und sie sind nicht so groß und so mächtig sich den vom Hals zu halten, sie sind zu klein und zu wenig. Und dieses vergleichsweise klein, zu wenig, meine ich mit Insellösung.
Vielleicht müssen eben doch alle zu so etwas antreten oder wenigstens die allerallerallermeisten, die dann aber auch über die allerallerallermeisten Resourcen verfügen.
Trotzdem würde so lange ‘der’ noch da ist, ohne Mauer und Waffenklirren nix gehen.
@WAT
wer ist “der? okay, ohne Revolution gibt es auch in Deuschland keine Veränderung, weil die Ansprüche der deutschen Menschen nichts mehr mit der Realität zu tun haben. Diese Illusionen und Ansprüche, die über Jahrzehnte gewachsen sind, kannst Du freiwillig nicht mehr einfangen. Aber unsere Jugend, Studenten machen schon mal einen Anfang mit Demos an den Hochschulen, meine Meinung die Verteilungsknappheit wird uns weiterbringen, auch wenn uns Merkel & Westerwelle noch ein Hauch von Zukunft mit Kreditaufnahme vorheucheln will……. Endgame
@ Pique, ich stimme Dir soweit zu. Endgame muß aber nicht sein, kann nur so aussehen… mir wäre Endgame allerdings sehr recht.
@ Pique # 127
–>”Ich frage mich, wieso die USA eigentlich volle Konteneinsicht auf unsere europäischen Kapital-Einlagen haben will?”
weil die Godmans Sucks die einst mit Brüdern und Schwestern, auszogen aus dem Land der Germanen, um den Nordamerikanischen Kontinent zu erobern, durch die Hintertür Lissabon, nun über ihre einstige Heimat frei verfügen können. Und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten einstweilen, in Teilen, dem eigenen Schicksal überlassen werden. Ja, sie werden sich in Norwegen niederlassen. Da sind riesige Kornspeicher angelegt worden. Es soll an nichts mangeln. Und Platz hats auch.
@Wat
Endgame heisst ein Schimmer von Neuanfang, Urspung und Erkenntniss! Leider erkenne ich es nur in dem Wunder, aus einer Wüste ein Paradies zu machen oder zumindestens dafür zu arbeiten und alles für eine bessere Zukunft zu opfern….. und wenn einmal alles schlechter wird, auch die Tiefen mitzunehmen, weil ansonsten kannst Du die Höhe oder den Ausblick nicht geniessen… blöd ich bin ein Buddhist…. ist kein Zen Koan….
@ Pique – ich bin nun kein Buddhist, aber das man für zu erfüllende Hoffnungen was tun muß und Rückschläge erleiden kann, das ist mir auch klar. Und das ohne Hoffnung nichts geht, das erst recht. Um Hoffnungen zu haben, muß man sich wohl erst als Mensch ‘fühlen’ – vielleicht haben das viele bereits verloren…
@ wsgn
>So ziemlich alle Autoren kommen aber zum Schluß, dass der zentrale Fehler des Briten in der dramatischen Unterschätzung dessen liegt, was an immer neuen Konsumbedürfnissen möglich ist.>
Kann ja sein, dass das der zentrale Fehler von Keynes war.
Allerdings rettet uns der vermeintliche Consumerismus nicht vor wirklich großen Problemen.
Man müsste erst einmal intensive über Annahmen diskutieren, bevor man irgend etwas über die Zukunft sagt.
Aus meiner Sicht hier nur kurz anskizziert:
Demografie, IT und Globalisierung sind die drei maßgebenden Parameter, die bis auf weiteres die zukünftige Wirtschaftsentwicklung beeinflussen.
Dazu kommen: keine großen, nachfragewirksamen Kriege und keine signifkanten Epedemien.
Vor diesem Hintergrund sehe ich einen weiterhin intakten Renditewettbewerb, der vor allem als Kostenwettbewerb mit hohen Produktivitätssteigerungen und Freisetzung von Arbeitskräften ausgetragen wird.
Heißt unter dem Strich (zumindest für die “reifen” westlichen Industriegesellschaften):
a) schwaches Wirtschaftswachstum (was für sich betrachtet keine Katastrophe wäre)
b) Zunehmend hohe Arbeitslosigkeit, d. h. tendenziell zieht der Arbeitsmarkt nach Konjunktureinbrüchen nicht so stark an wie das ohnehin nicht berauschende Wirtschaftswachstum (USA z. Z. schon bei “echter” Arbeitslosigkeit von 17,5%)
c) tendenziell stärkere Belastung der öffentlichen Haushalte durch Transferzahlungen, speziell für steigende Arbeitslosigkeit
d) schon hohe Verschuldung der Staatshaushalte steigt weiter
Fazit, nicht anders als Sie:
Es wird Verteilungkämpfe geben, die wir uns heute noch nicht vorstellen können.
Die Stabilität der Gesellschaft nimmt dramatisch ab.
Warten wir einfach ab, wie lange es dauert, bis die Leute begreifen, dass die Bankster nur noch erschlagen werden können. Denn mit denen haben weder heutige Kinder noch deren Kinder eine erfreuliche Zukunft. Sie werden Sklaven der Zinsen auf die Schulden sein. Da hilft kein “Sparen”, die Zinslast ist schon zu mächtig. Da gibt es nur noch Gläubigerverzicht oder Wahl zwischen Scheiterhaufen und Kreuzigung. Zu deutsch, das heutige Finanzsystem muß alternativlos zerschlagen werden. Vielleicht kriegen das die Amis auch ohne die üblichen Pro grome auf die Reihe. Denn sie sind die, die dieses Mal in der Schuldenfalle sitzen und nie wieder rauskommen würden.
@holger
Wenn sich GoldmannSucks in Norwegen ansiedeln will, schlage ich als Ausweichlager La Gomera vor…. das ganze Jahr über super Wetter, Mangos, Avocados, schwimmen mit Delphinen, und für unsere Sportfreunde stehen jede Menge an Mountainbikes und Bergtouren bereit…. und jeden Abend Sunset Party with spanish latinas und einmal im Monat Vollmond Party…. Let the sucker freeze in Norwegian, with their rice/corn dish
@ Pique #139
gute Idee “La Gomera” auch wegen der viel zu kurzen Landebahn. Ich wollte wenn schon nach Sizilien. Aber da wird ja auch Wein angebaut, und Land liegt auch genug brach.
Cervesa hats auch. Was kostet da eine Finca?
@Dietmar Tischer
okay, ich komme aus der IT Branche…. brain/capital/dead… sorry
und wir arbeiten nur mit den Fortune100 zusammen… okay letzter Anker öffentlich/rechtlich…. ansonsten downunder
@holger
wenn Du Lust hast, diskutieren wir das nicht in diesem Blog… nionde2003@yahoo.com….. good night and good luck… nice start in the WE!!!
out of time…
Es ist jetzt irgendwas um 23:17, ich habe leider einen job, komme jetzt erst zum lesen dieses Blogs und sehe: 142 Einträge…seit 10:50 …..und dann nochmals ca. 40 im noch viel neuerem Thread…
Nee Jungs und Mädels, so geht das nicht weiter, das wird ja langsam ein Blog für real-time-user, da bin ich dann doch out of time…
@ goodnight
multitask and talk. IBM wir machen die Welt ein wenig smarter. Job, what is that for a stuff? Sounds like an uralt employe. The Godmans are Investors. Investors!
@Pique & Wat.
Island hatte bereits “Endgame”, mit dem Ergebnis das es jetzt genauso läuft wie vorher auch, nur mit kaputter Währung, hoher Arbeitslosigkeit, Rezession und nochmal gesteigerter Segregation.
Und gerade Island wäre ja für Versuche (>Insellösungen) denkbar geeignet gewesen.
Daher ist es in meinen Augen auch nur konsequent wenn unsere Wirtschaftswaisen nun eine MwSt Erhöhung und eisernes sparen fordern, dagegen die steuerliche Freistellung von Konzernen (darauf läuft das Wachstumsbeschleunigungsgesetz doch hinaus, oder?) lobenswert finden.
Fehlt nur noch Käpt´n Ahab vom ifo-Institut, der uns erklärt das die Löhne immer noch viel zu hoch sind, die Transferleistungen ja sowieso.
@ HAM
Also durch Steuern vergreift sich der Staat am Privateigentum der Bürger? Das geht jetzt aber wild durcheinander, wie beim Slotti.
Zutreffend ist das ja ausschließlich für Substanzsteuern, also in D die Grundsteuer und die Erbschaftsteuer. Steuern auf Transaktionen (Zahlungen) wie Einkommen- und Verbrauchsteuern, die den Löwenanteil des Steueraufkommens ausmachen, tangieren das Eigentum gar nicht.
Inflation berührt unmittelbar erst einmal nur Geldvermögen, also den Wert von Forderungen. (Unangenehm genug.)
Was den Umgang mit dem Staatseigentum angeht, so liegt das Problem ja in der politischen Willensbildung in der repräsentativen Demokratie, die z.T. stark vom Mehrheitswillen abweichende und intransparente Entscheidungen möglich macht. Siehe die Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe. Wie kann man das grundsätzlich verhindern? Man könnte daran denken, sämtliche eigentumswirksamen Entscheidungen im Zusammenhang mit öffentlicher Infrastruktur an eine direkte Mehrheitsentscheidung der betroffenen Bevölkerung zu binden. Also Volksabstimmungen oder Bindung der Abgeordneten an vor der Wahl getroffene Festlegungen durch imperatives Mandat.
@ HRE-Aktionäre
Leute, weint nicht rum. Ich habe im Depot seit langem Aktien eines tschechisches Stahlwerkes, das um die Jahrtausendwende pleite gegangen ist. Alle Jahre wieder grüßt mich der Wert aus der Depotaufstellung mit dem Vermerk “ohne Bewertung”, das hilft einem, demütig zu werden und eine gesunde Einstellung zur Börse zu entwickeln. – Und Eure Firma ist ja nun wirklich sowas von pleite, also nehmt die 1,30 € pro Aktie dankbar entgegen, trollt Euch von dannen und erzählt bitte nicht überall herum, Ihr wäret “enteignet” worden.
@ froZ
Nicht verwechseln: HAM macht die Avantgarde von Slotti!!
Aber wer muß sich darum kümmern…
@ goodnight 143
“da bin ich dann doch out of time…”
Sag´ doch einfach: Ich bin kommunikativ differenziert!
@ pique 141
Ich habe dir schon mal gesagt, daß deine Fortune 100 bemitleidenswert sind, und du kommst schon wieder mit einer BWL – Krücke?
Was ich noch schreiben würde, könnte dich höchstens auf gute Ideen bringen, aber die kannst du ja auch nicht umsetzen…
@ Neoliberalismus
“Also durch Steuern vergreift sich der Staat am Privateigentum der Bürger?
Was bedeutet die Besteuerung ihrem Wesen nach?
Durch Steuern versucht der Staat einen Teil der Beute,
die durch den erpresserischen Raub durch Urraub an den Naturressourcen & Produktionsmitteln (seitens der raffgierigsten, rücksichtlosesten und kriminelllustigsten Menschen einer Gesellschaft) schon längst legal und automatisch vonstatten geht,
den Beraubten zurückzugeben.
@Alle : 1980 , schön, so schön, war die Zeit .
http://www.youtube.com/watch?v=SFzhL3DFkYI
Wir wissen, dass der weiße Mann unsere Art nicht versteht. Ein Teil des Landes ist ihm gleich jedem anderen, denn er ist ein Fremder, der kommt in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er braucht. Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern Feind, und wenn er sie erobert hat, schreitet er weiter.
Er lässt die Gräber seiner Väter zurück – und kümmert sich nicht.
Er stiehlt die Erde von seinen Kindern – und kümmert sich nicht.
Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum Verkaufen wie Schafe oder glänzende Perlen.
Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als eine Wüste.
Die Luft ist kostbar für den roten Mann
denn alle Dinge teilen denselben Atem
das Tier, der Baum, der Mensch
- sie alle teilen denselben Atem.
Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken, wie ein Mann,
der seit vielen Tagen stirbt,
ist er abgestumpft gegen den Gestank.
Ich habe tausend verrottende Büffel gesehen, vom weißen Mann zurückgelassen – erschossen aus einem vorüber fahrenden Zug. Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen, wie das qualmende Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel, den wir nur töten, um am Leben zu bleiben.
Könnt Ihr die Büffel zurückkaufen, wenn der letzte getötet ist?
Der große Häuptling in Washington sendet Nachricht, dass er unser Land zu kaufen wünscht.
Der große Häuptling sendet uns auch Worte der Freundschaft und des guten Willens.
Das ist freundlich von ihm, denn wir wissen, er bedarf unserer Freundschaft nicht. Aber wir werden sein Angebot bedenken,
denn wir wissen – wenn wir nicht verkaufen – kommt vielleicht der weiße Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land…..
http://www.subventionsberater.de/seattle/index.html
@froZ #146
Zu den Steuern:
Ob das Privateigentum eine Immobilie ist oder sich als Geld im Portemonnaie befindet, ist doch völlig gleich: Jede Zahlung ans Finanzamt ist ein Eigentumstransfer mit dem Resultat, dass das Privateigentum des Bürgers weniger wird.
Das Gleiche gilt für indirekte Steuern. Tanke ich dieselbe Menge Sprit in Österreich, dann habe ich hinterher mehr Geld im Portemonnaie, als wenn ich in Deutschland getankt hätte.
Du willst doch hoffentlich nicht mit dem blödsinnigen Argument kommen, dass die Hälfte der Deutschen keine Steuern zahlt und dabei die indirekten Steuern ignorieren?!
Völlig zutreffend ist es, wenn @Systemfrager (#150) darauf hinweist, dass Steuern ein Mittel der Umverteilung zugunsten der Arbeitsbevölkerung sein können, z.B. durch entsprechend hohe Gewinnsteuern. Ein Teil des Mehrwertes wird dann an den Staat abgeführt werden und der Staat baut dann z.B. Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Schwimmbäder etc.
Ich nehme diese Beispiele, um zu verdeutlichen, dass die Lohnarbeiter von diesen Staatsaktivitäten etwas haben. Der Besuch einer staatlichen Schule ist kostenfrei. Gäbe es nur Privatschulen, dann müsste der Lohnarbeiter Schulgeld bezahlen, was sein Privateigentum schmälern würde. Und verfügt er nicht über soviel Privateigentum, dann muss er seinen Konsum reduzieren. Also sich die Bildung der Kinder vom Munde absparen, wie das früher hieß.
Was aber ist, wenn der Staat die direkten Steuern (Steuern auf Unternehmensgewinne, Kapitaleinkünfte, Einkommen etc.) SENKT und die indirekten Steuern (Umsatzsteuer etc.) ERHÖHT?
Dann wird der Eigentumstransfer verändert. Profitable Unternehmen zahlen weniger Steuern, Kapitalseinkünfte werden geringer besteuert etc., aber die Lebenshaltung wird höher besteuert. Eine Umsatzsteuererhöhung von 16% auf 19% erhöht das Steuervolumen – um wie viel? – um 3 : 16 x 100 = 18,75%. Ein saftige Steuererhöhung, welche insbesondere den kleinen Mann trifft.
Zugleich werden die Kommunen verarmt, die Schwimmbäder werden teurer oder ihr Betrieb eingestellt, für seine Kinder muss der Lohnarbeiter Studiengebühren bezahlen etc.
Inzwischen ist umfangreich staatliches bzw. kommunales Eigentum privatisiert worden, die Leistungen der Post, das Wassergeld, die Müllabfuhr etc. – alles wird teuerer.
Zugleich werden die Löhne und die sog. AG-Zuschüsse gesenkt, der Input von Privateigentum für die Lohnarbeiter also reduziert.
Jetzt komme ich zum „Mehr-Netto-vom-Brutto-Schwindel“. Reduzierung von Sozialabgaben bedeutet: weniger Rente, weniger Geld ins Gesundheitswesen, weniger Arbeitslosengeld, verkürzte Anspruchdauer von ALG etc.
Dazu kommt noch die verschleierte Rentenkürzung durch die Rente ab 67.
Nun zur sog. „Bankenrettung“. Was wurde da gerettet? Das Vermögen der Reichen. Wie wurde es gerettet? Durch Staatsverschuldung.
Wer bezahlt die Staatsverschuldung?
1. der Steuerzahler, und zwar insbesondere durch Erhöhung der indirekten Steuern und der sog. Mittelstand durch „kalte Progression“, welche die Spitzeneinkommen nicht betrifft. Im Gegenteil. der Spitzensteuersatz wurde massiv gesenkt.
2. der Staatsbürger, durch Reduzierung von staatlichen Leistungen bzw. Verteuerung der staatlichen Leistungen (Beispiel: Bildung, Gesundheit, „Schwimmbäder“ – auch die zu bezahlende Beratung beim Finanzamt).
3. der Konsument durch Inflation
4. der Sparer durch Wertverlust von Geldvermögen.
5. der Bezieher von Sozialversicherungsleistungen (Arbeitslose, Kranke, Rentner) durch offene und versteckte Leistungskürzungen sowie im Gesundheitswesen durch „Selbstbeteiligungen“
6. der Bezieher von Sozialfürsorge (direkte Kürzung und versteckte Kürzung durch Nichtanpassung an das erhöhte Preisniveau)
Zur Inflation:
Hier muss man unterscheiden zwischen offener und latenter Inflation.
Offen ist die Preissteigerung, latent sind die Nichtweitergabe von Produktivitätsfortschritten durch Senkung der Preise sowie die Qualitätsverschlechterungen von Waren und Dienstleistungen.
Fällt endlich der Groschen?
So schwer zu erstehen, sind doch diese Vorgänge eigentlich nicht.
Und ich gehe erst einmal davon aus, hier mangelnder Durchblick der Grund der Gegenargumentation ist.
@froZ + enigma:
Und vergleicht Ihr mich noch einmal mit diesem Typen als Karlsruhe, dann kommt als Replik der Vergleich mit verlogenen Sozialdemokraten und/oder gelb-schwarzen Betrügern.
@ HAM # 153
–>”Eine Umsatzsteuererhöhung von 16% auf 19% erhöht das Steuervolumen – um wie viel? – um 3 : 16 x 100 = 18,75%. Ein saftige Steuererhöhung, welche insbesondere den kleinen Mann trifft.”
Wie du darauf kommst, 18,75% das musst du mir mal erklären.
Der Nettopreis ist fix bei 100 €, oder sagen wir, der ganze Einkauf. Kostet netto soviel.
wenn ein Produkt z.B. 116 € kostet bei 16% MwSt.
danach, 119 € kostet bei 19% MwSt.
dann beträgt das Delta 3 €
wenn ich jetzt die Preissteigerung wissen will, dann setze
ich 116 € = 100%
dann ist 1% = 1,16 €
3 € / 1,16 € = 2,586…%
Gegenprobe:
116 € * 2,586 = 299,796 jetzt runden auf 300
300€ / 100 = 3 €
D.h. eine MwSt. Steuererhöhung von 16% auf 19%
ist eine Preissteigerung um 2,586…%
Das ist es, was man real im Geldbeutel zu spüren bekommt.
Was ist dagegen, ein Heizölpreis, der von 60 Cent/Liter irgendwann mal wieder auf 100 Cent/Liter steigt.
@holger #154
„D.h. eine MwSt. Steuererhöhung von 16% auf 19% ist eine Preissteigerung um 2,586…%“
Das ist richtig. Aber Du verwechselst in Deiner Betrachtung die Preissteigerungsrate mit der Steuererhöhungsrate.
Bei einer eine Preissteigerung um 2,6% erhöht sich das Steuervolumen um 18,75%.
Aus der Erhöhung des Umsatzsteuervolumens kann man dann die Steuergeschenke an die Reichen finanzieren. Das ist dann Umverteilung von unten nach oben.
„Das ist es, was man real im Geldbeutel zu spüren bekommt.“
Deshalb begreifen auch so wenig Menschen, was hier vorgeht.
2,6% mag auf dem ersten Blick als wenig erscheinen, aber 2,6% eines Netto-Jahreseinkommens bedeutet bei 25.000 € Netto-Jahreseinkommen ein Minus von 650,- €.
„Was ist dagegen, ein Heizölpreis, der von 60 Cent/Liter irgendwann mal wieder auf 100 Cent/Liter steigt.“
Nehmen wir an, eine Familie hat eine Wohnung von 100 qm. Dann ist der Heizölbedarf 1500 l/Jahr. Die Mehrkosten sind 0,40 € x 1.500 = 600,- €.
Insgesamt fehlen dieser Familie 650,- + 600,- = 1.250,- €.
@HAM
Wer sind die “Reichen” ? Die Zinskassierer sind mehrheitlich auch deine Pensionsfonds und Versicherungen, wenn sie kapitalmarktbasiert sind. Die einzige Alternative, die es gibt, heißt Bankrun. Anders ist das globale Finanzmonster nicht mehr klein zu kriegen. Nicht nur das, wir zahlen noch die Zinsen auf deren Schulden, weil wir “Banken retten”. Bravissimo.
Wenn ihr Europa und Globalisierung wollt, bitteschön, dann zahlt gefälligst den Preis dafür. Der heißt, die Löhne und Leistungen Deutschlands werden sich denen “Resteuropas” anpassen müssen. Merkela hat doch ganz klar an der Berliner Mauer formuliert, dass wir unsere Souveränität an “internationale Organisationen” abzugeben haben. Ein zusätzlicher Härtegrad für die Menschen besteht im widernatürlich “starken” €uro. Mit dem zahlen wir den Preis für die sinnlosen Amikriege und deren überbordender und explodierender Verschuldung.
Die Zukunftsaussichten der überwiegenden Mehrheit der heutigen Deutschen erst recht ihrer Kinder und Enkel sind so schlecht wie nie zuvor. Der Weg von Sarkozy ist der Richtige, nicht der der gehirnamputierten deutschen “Ökonomen”.
Ganz klar formuliert, der relative Wohlstand der Deutschen beruhte darauf, dass wegen der vielen Währungen in Europa die deutschen Geldgeier zur Vermeidung von Wechselkursverlusten in Deutschland investieren mußten. Daraus resultierten relativ höhere Löhne und Gehälter. Das müssen sie jetzt nicht mehr. Im Gegenteil, sie schieben das Sozialsystem noch dem Finanzmonster in den Rachen, damit sie Kredite für ihre Auslandsinvestitionen bekommen können.
Damit schließt sich der Kreis, abseits der ganzen Kleinkrämerei und Gehirnvernebelung.
@ HAM # 155
ich habe einen Würfel mit einem Volumen von 16, nach der Erhöhung habe ich einen Würfel mit einem Volumen von 19. Da kann ich nicht mit der Differenz von 3 Rechnen. Da kann ich nur Prozentual, das Ausgangsvolumen A, dem Endvolumen B gegenüberstellen. also 16/19 = 0,8421 oder eine Volumenzunahme um 15,79 %.
Weil, die 3 Erhöhung ist Strichrechnung 16% + 3%. Das Volumenverhältnis aber Punktrechnung.
Das Nächste, deine Beispiel Familie, hat bei 25k Netto ca. 36k Brutto. Und drückt somit alleine schon im Jahr 11.000 Euronen ab.
Das ist Raub.
Dann bei einer Wohnung, von 100 m² zahlt die Familie evtl. Miete, die nicht MwSt pflichtig ist. Diese muss ich vom Netto abziehen. Den Rest kann man durch die Steuermühle drehen.
Und zu deinen Unternehmen, da kann ich nur sagen Verlustrück-vortrag. Steuererstattung. Die zahlen eh keine Steuern. Und gerade z.B. Topunternehmen wie procter & gamble. Die Gewinne, werden in USA versteuert. Genauso wie bei GM auch.
Und ansonsten werden die klein gerechnet. Keine Familie hat diese Chance. Keiner kann Windeln absetzen, oder seine Raten für das Auto steuermildernd angeben. Oder Bewirtungskosten der Familie.
@ holger
Geldvolumina werden nicht in Kubikmetern berechnet.
@Michael #156
„Wer sind die “Reichen” ? Die Zinskassierer sind mehrheitlich auch deine Pensionsfonds und Versicherungen, wenn sie kapitalmarktbasiert sind.
Wer verwaltet wie jene Pensionsfonds und Versicherungen?
Es gibt jene Managerkaste, welche fremdes Vermögen verwaltet, und deren einziges Interesse ist, sich an dieser Verwaltung durch möglichst hohe Gehälter und Boni zu bereichern, ohne Rücksicht darauf, ob das verwaltete Vermögen dabei zugrunde geht.
@ HAM 158 #
sie sind mir aber ein Lustiger, dann nennen sie mir nur ein physisches Dingen, was kein Volumen besitzt
HAM wenn Du 16 Meter weit springst, dann hast du eine Strecke überbrückt. Beim nächsten Mal, hüpfst du 19 Meter, wieviel Prozent bist du weiter gehüpft?
@ holger – ich schaffe da 18,75 %
…und HAM auch.
@Wat. #120 ff
Liebe Wat., ich möchte Dir noch antworten und anschließend „offline“ gehen.
„Wenn Kap der erste ist, Soz der zweite….“
Es gab nie nur zwei Wege.
Im Osten haben sie gesagt, DIESER Sozialismus ist die einzige Alternative: TINA.
Im Westen sagen sie, es geht nur DIESER kapitalistische Weg: TINA
Das ist alles Ideologie.
Nun zu meinem Kommentar „Eigentum und Staat“. Was ich dort skizziert habe, ist eine abstrakte Prozesslogik.
Völlig unklar ist die Zeitdimension, also die Frage, in mit welcher Geschwindigkeit und in welchem Zeitrahmen das ablaufen kann/wird.
Eine weitere Frage ist die nach der politischen Entwicklung. Da kann/darf man nicht einfach extrapolieren.
Meine Vermutung ist, dass trotz eines fortschreitenden wirtschaftlichen Niederganges das westliche System die nächsten 10 bis 20 Jahre politisch relativ stabil bleibt. Und solange es politisch stabil bleibt, steht die Systemfrage nicht auf der politischen Tagesordnung.
Verarmung von immer größeren Teilen der Gesellschaft führt keineswegs zwangsläufig zu politischer Instabilität, wie der Blick in die Geschichte des letzten Jahrhunderts zeigt. Die Individuen richten sich auf dem niedrigen Niveau ein, welches ja immer noch zur physischen Reproduktion der Individuen ausreicht. Es ist ja nicht so, dass die Menschen im Westen massenhaft verhungern oder erfrieren (werden).
Die „Grundsicherung“ als Versorgung mit Nahrung, Kleidung und Unterkunft wird auch in Zukunft funktionieren und sei es durch Bezugsscheine.
Weiterhin gehöre ich nicht zu denen, die sich von einem „Systemcrash“ einen gesellschaftlichen Fortschritt erhoffen, sondern es könnte auch sein, dass daraus eine fürchterliche Phase der Barbarei resultiert.
Traditionelle politische Strategien, wie Parteigründung, „Klassenkampf“, „Aufklärung“ etc., sehe ich als wenig bzw. nicht erfolgversprechend an.
Die gesamte Welt befindet sich in einem Epochenumbruch. Und da bin ich mir sicher, dass die Welt in 20 Jahren nicht mehr so sein wird wie heute.
Am sinnvollsten sehe ich für mich – andere werden andere Schwerpunkte setzen – jene Ansätze an, in denen Menschen versuchen, in selbstorganisierten Projekten eine neue Kultur zu leben und von dort geistig-kulturelle Impulse in die Gesellschaft zu geben.
@ HAM @ Wat.
Was nehmt ihr als 100% an? die 19 oder die 16 ?
19 * 15,79 % = 3 und 19 -3 = 16
16 * 18,75 % = 3 und 16 + 3 = 19
Vielleicht steckt da mein Denkfehler.
Nö @ holger, ich denke mal, Du hast Prozent-Punkte mit Prozent vertüddelt – egal, nun haste dat ja… Thema erledigt.
@ HAM # 165
(auch wenn Du schon offline bist und das vielleicht erst viel später liest)
Weiterhin gehöre ich nicht zu denen, die sich von einem „Systemcrash“ einen gesellschaftlichen Fortschritt erhoffen, sondern es könnte auch sein, dass daraus eine fürchterliche Phase der Barbarei resultiert.
Hoffen hin oder her – realistisch betrachtet muß man wohl für die nächste Zukunft eher von der fürchterlichen Phase der Barberei ausgehen.
@Alvar Hanso hat das mit seine Hinweis auf Island schon insofern angedeutet, als das keine Alternativen gesehen werden, als machbar gehalten werden, momentan auch wohl nicht machbar sind.
Es fehlt an Alternativen im Kopf; im Denken, in Handeln.
Du würdest wieder mit dem Bewußtsein kommen und ich würde Dir diesmal einhundert Prozent recht geben…
Von TINA zu TIAnA ist es ein langer und beschwerlicher Weg – den JEDER selbst gehen muß.
Darf ich nach dem roten Oktober eine Frage wagen:
Worin besteht der Unterschied zwischen dem Marxschen Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate und der Keynesschen Euthanasie des Rentiers?
Mir geht es nicht um die Begründung, sondern um das Ergebnis, also die Prognose:
Bei Marx das Ende des Kapitalismus, bei Keynes ein anderer Kapitalismus.
@ wat
“Hoffen hin oder her – realistisch betrachtet muß man wohl für die nächste Zukunft eher von der fürchterlichen Phase der Barberei ausgehen.
@Alvar Hanso hat das mit seine Hinweis auf Island schon insofern angedeutet, als das keine Alternativen gesehen werden, als machbar gehalten werden, momentan auch wohl nicht machbar sind.”
BB hat uns doch heute gesagt, in Island wird alles wieder gut.
Warum auch nicht, die paar Prozent (in den Citys auchein paar mehr) “Wert”schöpfungsbeitrag der Finanzer, pfff.
Es sind wirklich innovative Finanzierungen gefragt, wie werden reale Überschüsse zu denen transferiert, die damit was sinnvolles machen wollen.
Aber den Begriff Finanzinnovation sollte man wohl lieber nicht verwenden.
@ top # 167
Nach meiner Auffassung gibt es eine Entwicklungslogik innerhalb (menschlicher) Gesellschaftssysteme, ich meine die wirklich existierenden, nicht die Modelle – und die wird nicht aufgehoben(!), weil es einem gelingt, einige Stufen weiter unten wieder (neu) einzusteigen…
Den Menschen dort ist allerdings zu wünschen, daß sie so lange wie möglich für sich (wieder) ein vorwärtskommen sehen.
Hallo Wat., hast du das etwas genauer?
Gedanken zu # 166
Geht Keynes nicht von einem aktiv in das Geschehen eingreifenden Staat aus? Einem Staat, der gesamtwirtschaftliches Handeln ‘denkt’ und erzeugt? Einem Staat der Ungleichgewichte in der Verteilung ‘ausgleicht’?
Marx spricht beim Kapitalismus vom Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privat-kapitalistischer Aneignung und meint, dieser Widerspruch müsse ‘gelöst’ werden. Keynes scheint diesen Widerspruch ebenfalls zu sehen, will aber diesen Widerspruch mildern.
(Ich hoffe, bis dahin habe ich das richtig verstanden)
Was ist denn nun aber ‘Staat’, der so ‘tolle’ Dinge vollbringen können soll.
Es ist doch ein Instrument derer, die Machtinteressen in diesem System gewahrt sehen wollen. Das sind nun im Kapitalismus gerade die, die privat-kapitalistische Aneignung als ihr ureigenstes Interesse verstehen. Diese mögen (ihren) Staat nun ganz und gar nicht in diese Richtung ‘arbeiten’ lassen und sie haben auch die Macht, das zu verhindern.
(Falls das nicht jetzt schon zu sehen ist, ist das in den nächsten Jahren gut zu beobachten)
Da sind wir dann wieder bei meinem ‘Lieblingsthema’ dem ‘Übervater Staat’, mit dem hier so viele Träume und Wünsche verbunden werden. Er ist es nicht. Er ist Machtinstrument.
(Dazu kommt außerdem, daß diese Keynes-Gedanken mit dem Nationalstaat verbunden sind.
Dieses Thema hat sich im Rahmen der Globalisierung, im Rahmen der EU, wohl so und so erledigt.)
Kapitalismus heißt nmA ja deshalb Kapitalismus weil hier wenigstens theoretisch jedes Geld zu Kapital werden kann. Gelänge es, dies auf ‘irgendeine’ relevante Art und Weise zu beschränken, wäre es keiner mehr – erst einmal völlig egal, wie das (neue) Gebilde dann benannt würde.
Also:
Soll vom Staat ‘nur’ die Nachfrageseite gestärkt werden, braucht ‘er’ dafür ‘Mittel’ von genau denen, die von den Gewinnen profitieren (oberen 1,6 %), die dann ‘diesen Staat’ verhindern werden, weil er ihnen ‘ihre Freiheit’ nimmt. Da er aber sogar seine ‘Handlungsaufträge’ (siehe Sachzwänge) von dort bezieht, wird er es nicht tun, kann er gar nicht.
Will Staat sogar planerisch eingreifen, kann er das ja wohl nur, jedenfalls auf längere Sicht, wenn er in die Eigentumsverhältnisse eingreift. Mit ‘Bitte, bitte’ und Appellen ist da nichts zu machen.
Und ich meine, da liegt der Trugschluß. Kapitalismus ist nicht nur ein ökomisches System, es ist ein polit-ökonomisches.
Ökonomie muß man immer als Politische Ökonomie sehen, will man nicht wesentliche Bestandteile und Wirkungsmechanismen ausblenden.
Beide (M+K) gehen nicht davon aus, daß sich der Widerspruch von allein aufhebt.
Sie haben unterschiedliche ‘Lösungsansätze/-hinweise’ – Keynes hofft auf die Einsicht der Kapitalisten, Marx meint eher die Einsicht/das Bewußtsein der ‘Benachteiligten’ löse das Problem’.
[ironie.exe]
Es ist allerdings gut möglich, daß die Einsicht der Benachteiligten die Einsicht der Kapitalisten ‘fördert’
[ironie.off]
topi # 169
Ob ich das genauer habe? Ich versuch’s mal.
(Scheint heute mein ‘Versuche(!)-Sonntag’ zu sein)
Du meinst doch sicherlich die Entwicklungslogik innerhalb gesellschaftlicher Systeme, hier des Kapitalismus, oder?
Ich hatte ja eben in # 170 schon angesprochen, daß der Kapitalismus den Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privat-kapitalistischer Aneignung ‘in sich birgt’.
Heute kann man das für viele besser nachvollziehbar am Widerspruch zwischen der Sozialisierung von Verlusten und der Privatisierung von Gewinnen beobachten – ist aber mit Verlaub, immer noch dasselbe. Aber eben auf einer anderen, jetzt höheren Entwicklungsstufe.
Der Kapitalismus ist ein auf unendliches Wachstum ausgerichtetes System. Das ist sein Triebfeder, die so gewaltige Entwicklungen im technologischen Fortschritt für die Welt möglich mach(t)en. Das ist ja nun an sich alles andere als schlecht.
Durch seinen Widerspruch, der einerseits solch eine Entwicklung erst möglich macht, verschärft sich aber andererseits die Lage derer, die nicht an den Gewinnen teilhaben, das schließt auch die ein, die nicht mehr an den Gewinnen teilhaben können, weil sie durch Konkurrenz auf ‘die andere Seite geschoben’ wurden, die nun nur noch sich selbst verkaufen können. Es werden dort immer mehr, die immer weniger haben.
Dieses unendliche Wachstum… in einer endlichen Welt.
Es gibt ein Überangebot an Waren und die Nachfrage nach solcher wird immer geringer, nicht der Bedarf, aber dieser kann eben nicht mehr in Nachfrage gewandelt werden.
Diese Welt ist begrenzt. Ich finde es gibt einen Nachfragemangel. Der ist ja dann erreicht, wenn entweder alle, alles haben und/oder sie ihren Bedarf ob fehlender finanzieller Mittel nicht zur Nachfrage ‘bringen’ können.
Hier gräbt sich der Kapitalismus mit seinen Widerspruch das Wasser selbst ab.
Gelingt es nun, diese Nachfrage wieder zu erhöhen, sei es, weil mehr finanzielle Mittel frei sind (alte Kreditbedienung wird gestoppt), sei es weil es etwas neues interessantes gibt (Werbung für Konsumgüter, neues technisches ‘Spielzeug’ – siehe iPod) oder gar, sei es, daß durch Kriege alte Konsum- und Investitionsgüter vernichtet werden – hat es da wieder ‘Luft’ das Begrenzte ist wieder weiter entfernt.
Es ist dadurch aber nicht entfernt, daß es diese Grenzen gibt und die Entwicklung durch den Drang nach immer mehr Gewinn wird genau diese Grenze in absehbarer Zeit ‘wieder finden’.
Das ist für mich die Entwicklungslogik.
Btw. Ich finde meine Texte werden nicht ‘intelligenter’, wenn ich x-mal ex ante und ex post verwende, darum schenke ich mir das für gewöhnlich.
@Stefan Enzinger
>Bei Marx das Ende des Kapitalismus, bei Keynes ein anderer Kapitalismus.
Ja, so könnte man es sagen. Marx sieht quasi ein Anwachsen der Antagonismen bis zum Sich-Entladen in der Revolution, Keynes hingegen ihr Erlahmen über stetig sinkende Realrenditen.
@Wat.
“Marx spricht beim Kapitalismus vom Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privat-kapitalistischer Aneignung ”
Worin besteht der WIDERSPRUCH?
Man könnte doch auch sagen, die Waren werden privatwirtschaftlich produziert und gesellschaftlich in Form von Kauf/Konsum angeeignet.
@ HAM #173
(wollte schon offline gehen, mal gucken, wie ich das so auf die Schnelle hinbekomme…)
Diese Privatwirtschaft im Ganzen gesehen, ‘bedient’ sich ja gerade der Teile der Gesellschaft, die sich an die Privatwirtschaft ‘verkaufen’ müssen, weil sie nichts anderes haben, woraus sie ihr Leben bestreiten könnten. Sie haben nichts, womit sie selbst produzieren könnten, keine Produktionsmittel/kein Eigentum/kein Kapital.
Mit ‘privat produzieren’ ist ja nun nicht (mehr) die Produktion eines Einzelnen mit (höchstens) seiner Familie gemeint sondern die Eigentumsverhältnisse, die dahinter stehen.
Insofern ist der Eigentümer der Produktion ein ‘Privater’, aber nicht die Produzenten.
Die Gesellschaft produziert, stellt her, entwickelt, erwirtschaftet – aber nicht die ganze Gesellschaft erhält daraus (zusammen) den Gewinn sondern nur einzelne Private, hier Kapitalisten, die über die Produktionsmittel, das Eigentum, das Kapital verfügen, es in der Realwirtschaft zu ihrem Gewinn werden zu lassen. Die, die sich dafür verkaufen müssen erhalten nur einen ausgehandelten Lohn, unabhängig davon, welchen Gewinn sie tatsächlich mit ihrer Tätigkeit erzielt haben. Diesen schöpft der ‘Einkäufer ihrer Arbeitskraft’ ab. Das ist die privat-kapitalistische Aneignung.
Es kann deshalb auch nicht jeder aus dieser Gesellschaft alle Produkte kaufen/konsumieren sondern nur in der Höhe, in der es ihm gelang ’sich zu verkaufen’.
Hier liegt also in der gesellschaftlichen Aneignung ein Defizit, es kann sich eben nicht gesellschaftlich angeeignet werden.
„Der Satz vom Widerspruch oder Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch besagt, dass zwei einander widersprechende Gegensätze nicht zugleich zutreffen können.“ (wikipedia)
„Karl Marx und seine Nachfolger übernahmen den Hegelschen Begriff und wandten die Dialektik Hegels auf materialistischer Grundlage als Untersuchungsmethode für gesellschaftliche und wirtschaftliche Prozesse an. …
Auch Marx verwendete den Begriff Widerspruch nicht im Sinne des Satzes vom Widerspruch, sondern ebenso wie seine Nachfolger im Sinne von Gegensatz, auch Feindschaft der sozialen Klassen im Klassenkampf und in der Revolution gleichbedeutend.“ (wikipedia)
Der letzte Satz ist Blödsinn. Ein dialektischer Widerspruch ist kein „Gegensatz“.
Aus meiner Sicht ist die Rede
Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privat-kapitalistischer Aneignung
erläuterungsbedürftig, weil man nicht versteht, was damit gemeint ist, und dann irgendetwas hineininterpretiert.
Und auch bei sog. Marxisten kommt dann häufig nur Blödsinn heraus.
Auch in Deiner Erläuterung sehe ich nicht, wo da ein Widerspruch vorliegen soll.
@HAM # 175
Tja, die einen interpretieren, die anderen können nicht gucken…
Es ist ja für die einen auch kein Widerspruch, daß ein Arzt wichtiger sein soll, als der der (auch) dessen Brot zum Verzehr produziert und für den anderen nicht mal der einer, daß der eine das Brot produziert, das der andere (allein) ißt.
Denn das ist er, der Sinn des Kapitalismus, der zum Unsinn wird. Alle erhoffen sich durch ‘rackern’ ihre Träume erfüllen zu können, aber dadurch, daß sich den Gewinn nur einige aneignen (können), können eben nur einige ihre Träume realisieren, die, denen die Produktionsmittel gehören.
Davon kann man natürlich ablenken, in dem man sich an Begrifflichkeiten klammert, was ich Dir im Normalfall nicht vorwerfe – aber in diesem Zusammenhang hast Du das schon einmal getan und mir fällt schwer zu begreifen, was das denn nun soll.
@Wat. #176
„Es ist ja für die einen auch kein Widerspruch, daß ein Arzt wichtiger sein soll, als der der (auch) dessen Brot zum Verzehr produziert und für den anderen nicht mal der einer, daß der eine das Brot produziert, das der andere (allein) ißt.“
Das ist eine ungleiche und ungerechte Verteilung, aber kein Widerspruch.
„Denn das ist er, der Sinn des Kapitalismus, der zum Unsinn wird. Alle erhoffen sich durch ‘rackern’ ihre Träume erfüllen zu können, aber dadurch, daß sich den Gewinn nur einige aneignen (können), können eben nur einige ihre Träume realisieren, die, denen die Produktionsmittel gehören.“
Da gibt es einen Widerspruch, und zwar im Bewusstsein derer, die ‘rackern’, nämlich zwischen „Traum“ und Wirklichkeit. Und die praktische Folge daraus ist, dass sich ihre Träume nicht realisieren lassen. Sie haben sich umsonst abgerackert.
Meine These:
Man muss den Satz von Engels so interpretieren, dass deutlich wird, wo der Widerspruch liegt.
So gesehen, meine ich, kann auch das zweite ‘nur’ eine ungleiche und ungerechte Verteilung sein und das erste ein Widerspruch.
Ich stimme Dir zu, daß diese Passage mit der gesellschaftlichen Produktion und der privat-kapitalistischen Aneignung verdeutlicht werden muß.
Man muß das Abstrakte dieser Aussage so in das Konkrete des Lesenden, des Hörenden ‘herunterbrechen’ können, daß dieser es wieder in seine Erfahrungswelt, seinen Horizont, aufnehmen kann.
So ist das für Dich der Vergleich mit den umzusetzenden Träumen, für den Schiffbauer aber vielleicht eher die Tatsache, daß er zusammen mit anderen Schiffbauern eine Jacht, einen Frachter baut, auf dem sie selbst aber nie fahren und sie selbst mit diesem nie Gewinn machen können. Oder eben der Bauarbeiter und der Zimmermann, die ein Haus bauen, aber dreist wenn sie selbst anschließend in dieses einziehen könn(t)en, es dazu von einem anderen erst wieder kaufen oder mieten müßten…
Wer sich mal wieder so richtig gut über Keynes informieren will, dem seien diese Lektüreempfehlungen gegeben:
http://www.metropolis-verlag.de/Wachstumseuphorie-und-Verteilungsrealitaet/595/book.do
Metropolis-Verlag | Wachstumseuphorie und Verteilungsrealität
http://www.papyrossa.de/sites_buchtitel/zinn_reichtum.htm
Zinn – Wie Reichtum Armut schafft
@ wat
Danke für die Erläuterungen.
Ich bezog mich ja auf deine fürchterliche Phase der Barberei, im Zusammenhang mit Island, und ich kann die dort bisher nicht sehen.
Es kann natürlich so kommen, aber es kann auch anders sein, wenn beim Finanzzusammenbruch eine Art Notbankensystem installiert werden muss, muss es nicht unbedingt schlechter laufen als jetzt.
Insgesamt sehe ich verschiedene mögliche Pfade im Kapitalismus, teils gar nicht soo negativ.
Vielleicht später mal mehr.
@HAM #175
“Aus meiner Sicht ist die Rede Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privat-kapitalistischer Aneignung
erläuterungsbedürftig, weil man nicht versteht, was damit gemeint ist, und dann irgendetwas hineininterpretiert.”
Sehr richtig. Er ist erläuterungsbedürftig. Leider hat WGNX das im
roten Oktober nicht getan. Ich habe es schon kritisiert.
Wenn Du Wert darauf legst, kann ich Dir erläutern, was dieser Grundwiderspruch beinhaltet.
Dazu muß man übrigens nicht Marxist sein – sondern eher Kenntnisse der PolÖk. besitzen.
Frage an Dich:
Was machen die dt. Soldaten in Afghanistan?
Konnte mir bisher noch niemand erklären.
@Wat.
Was ist der „Grundwiderspruch“ in der kapitalistischen Ökonomie?
Es handelt es sich somit um eine zentrale Frage in der Theoriebildung von Marx und Engels.
Daher bin ich zum Bücherregal, habe das Büchlein von Engels: “Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft” herausgesucht. Inzwischen ist es vergilbt, Anfang der 70-er habe ich es gekauft. Kostete damals 1 Mark.
Im Vorwort des Verlages manifestiert sich der ganze Schwachsinn des Marxismus-Leninismus, so wie er in der DDR propagiert wurde, nämlich als „Weltanschauung“. Und da finden sich solche Sätze:
„An der Spitze dieses machtvollen Weltlagers des Sozialismus steht die Sowjetunion, deren Völker bereits den Übergang zum Kommunismus vollziehen. Auch in den noch vom Kapitalismus beherrschten Ländern erobert sich der Marxismus-Leninismus immer stärker die Herzen und Hirne der werktätigen Menschen …“
Das toppt sogar die blühenden Landschaften von Kohl.
Ein wesentlicher Teil des Textes steht übrigens auch im Netz:
http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_210.htm
Zum „Grundwiderspruch“ schreibt Engels hier:
Der Kapitalist tritt auf: In seiner Eigenschaft als Eigentümer der Produktionsmittel eignet er sich auch die Produkte an und macht sie zu Waren. Die Produktion ist ein gesellschaftlicher Akt geworden; der Austausch und mit ihm die Aneignung bleiben individuelle Akte, Akte des einzelnen: Das gesellschaftliche Produkt wird angeeignet vom Einzelkapitalisten. Grundwiderspruch, aus dem alle Widersprüche entspringen, in denen die heutige Gesellschaft sich bewegt und die die große Industrie offen an den Tag bringt.
Das kurze Zitat gibt Anlass zu Fehldeutungen.
NICHT gemeint mit dem WIDERSPRUCH ist, dass das Produkt gesellschaftlich produziert wird, aber vom Einzelkapitalisten privat angeeignet ist.
Das ist ein gängiges Missverständnis. Und wird ständig nachgeplappert. Und deshalb wird nicht kapiert, was der „Grundwiderspruch“ in der kapitalistischen Ökonomie ist.
Aber lies selbst.
@Besserwisser #181
So ist es.
Man muss verstehen, was da in „Konflikt“ tritt. Woraus die kapitalistischen Krisen entstehen. Und warum es dadurch mit der kapitalistischen Ökonomie zwangsläufig abwärts gehen MUSS.
Aber wer kapiert, dass es einen WIDERSPRUCH zwischen Kapital und Arbeit gibt, aber dass Kapital und Lohnarbeit ein GEGENSATZ und KEIN Widerspruch sind?
Frage an Dich:
Was machen die dt. Soldaten in Afghanistan?
Konnte mir bisher noch niemand erklären.
Zudem es im Widerspruch zur deutschen Verfassung steht.
@HAM #183
Nur ein paar Stichwörter, ohne nachzulesen
- Übergang Feudalismus zu Kapitalismus
Einzelproduktion –> Manufakturen
-doppelt freie Lohnarbeiter
- Wertübertrag/ Mehrwerterschaffung
- Aneignung des Mehrwerts
Der Widerspruch von … tritt an den Tag als Gegensatz von Proletariat und Bourgeoisie.
Oder auch:
Gegensatz zwischen der Organisation der Produktion in der einzelnen Fabrik und Anaarchie der Produktion in der ganzen Gesellschaft.
Hat übrigens schon Fournier entdeckt.
Die Marxisten haben nur noch hinzugefügt, daß es eine Todesspirale wird – für den Kapitalismus. Auf Grund der Freisetzung von Arbeitskraft durch den wiss.-techn. Fortschritt..
P.S.
Auf eine deutsche Verfassung warten viele bis heute.
Es gibt lediglich ein “GG für die BRD” – geschrieben durch die Allierten….
Ergänzung zu #184
Tja, Wesen und Erscheinung.
Ursache und Wirkung.
Die meisten Menschen können da nicht unterscheiden.
Will sagen: Sie haben nie ‘Denken’ gelernt.
Damit meine ich aber nicht Dich.
Was soll’s. Ist hier wie Perlen vor die Säue ….
@Besserwisser #184
„Die meisten Menschen können da nicht unterscheiden.
Will sagen: Sie haben nie ‘Denken’ gelernt.“
Wie kann man Denkformen (vgl. Paradigmen) entwickeln, die es als “Denkmethode” erlauben, einen zutreffenden Begriff von den die modernen Gesellschaften und deren Ökonomie zu entwickeln?
M.E. geht dies nur vermittels Mathematik und Naturwissenschaften (= materialistischen Wissenschaften).
Die Geisteswissenschaften sind so ideologieverseucht, dass sie eher den Verstand beschädigen, statt in zu fördern.
Das Problem der etablierten Wirtschaftwissenschaften ist, dass sie – trotz aller empirischer Forschung – vom Grundkonzept her eben keine materialistischen Wissenschaften sind, sondern sie mathematisieren Modellannahmen und werden dadurch zu Science Fiction.
@HAM #186
Zu pessimistisch bist Du da.
Es gibt schon gesicherte empirische Erkenntnisse in den WiWi – nur werden Sie heute verdreht bzw. verschwiegen.
Geh mal weg von allen Modellen und beobachte, was seit 1989 passiert ist.
Dann wirst Du wissen, was ich meine.
Die Ideologie kann man draussen lassen, wenn man selbst kein Eigeninteresse hat, bestehende Zustände zu verteidigen und zukünftige nicht erleben wird.
Einverstanden?
Vieleicht kann WGNX ja sich mal positionieren, wenn er aus dem
“Flieger” nach N.Y. rausgekommen ist…
Zwei Chef-Theoretiker am Werk.
Oder, genauer:
Der Unverstand, der mit dem Meister nicht über das 19. Jahrhundert hinaus gekommen ist.
Es gibt KEINEN Widerspruch und keinen Gegensatz in jener und dieser Welt.
Die Welt bzw. das System FUNKTIONIERT.
Es gibt Menschen, die diese oder jene Zustände als Widerspruch oder Gegensatz AUFFASSEN.
Und dann gibt es besondere Menschen, wie Marx und Engels, die eine THEORIE entwickeln, die diese Auffassungen erklären und mit Funktionalität beschreiben.
Diese Theorie, die nur EINE unter mehreren möglichen ist, um das betreffende System zu beschreiben, und die zumindest in Teilen NACHWEISLICH falsch ist, wird zum MASSTAB für Denken erhoben.
Eine Lachnummer, wenn das nicht der Gipfel der Borniertheit wäre.
#189
Die Welt bzw. das System FUNKTIONIERT.
Hervorragend.
Wenn man so ca. 80 Prozent der Menschheit ausblendet, die nicht menschenwürdig leben, dann hast du recht.
Natürlich – das System funktioniert.
Aber immer weniger Menschen partipizieren davon.
Natürlich – Systemfrager oder auch Tischer – geht es um das System.
Mir um den Menschen.
@Dietmar Tischer #189
„Es gibt KEINEN Widerspruch und keinen Gegensatz in jener und dieser Welt.“
Gehört menschliches Denken und Handeln nicht zur Welt?
@Besserwisser #187
Einverstanden.
Auch das gehört auch zu den Wirtschaftswissenschaften:
http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ&feature=related
@HAM #192
Kannte ich schon.
Besser ist doch das Video direkt darunter.
“Wem gehört die BRD”?
Mal unabhängig von youtube & co.:
Das Geld ist nicht die Ursache des Elends – sondern es sind
Macht/ Besitzinteressen.
Auch ohne Geld gab es diese schon davor..
Geld als allg. Äquivalent verschleiert nur die Ursachen.
Von daher sollte man mit der Geschichte des Eigentums beginnen.
Eigentum hat eine Geschichte.
Irgendeiner meinte – nein, es ist eine Kategorie.
Dümmer gehts immer.
In diesem Sinne….
@HAM
“Gehört menschliches Denken und Handeln nicht zur Welt?”
Schon, allerdings sind Gedanken und Handlungen, wenn man davon ausgeht, dass es sich bei beidem um Formen des Intentionalen handelt, unaufhebbar hypothetisch, jedenfalls wenn man epistemologisch einen “Vorrang des Objekts” unterstellt (nota bene: unterstellt!). Gegensätzlich bzw. widersprüchlich können unter diesem Blickwinkel nur Interpretationen sein. Nur Interpretationen sind negationsfähig und können vermittels der Negation in eine Ordnung von Gegensätzen und Widersprüchen gebracht werden. Die wahrnehmbare und messtechnisch kontrollierbare Faktizität aber ist Positivität, die erst durch ihre begriffliche Subsumtion in eine Form gebracht werden, die dann negiert werden kann.
Man kann das natürlich auch anders sehen und der nichtsinnlichen Welt (den Begriffen) eine höhere, tiefere, weitere (wie auch immer) Realität zusprechen. Dann gibt es in der Tat ontische Widersprüche, allerdings sind das dann auch keine analytisch auflösbaren Widersprüche mehr, sondern solche, die nach einer praktischen Negation rufen, auf Gesellschaft bezogen: nach einem fundamentalen, revolutionären Gewaltakt.
Ein solches Denken ist (und ich sage das ohne jede Wertung) mythisch. Jeder kann für sich entscheiden, welcher Denkstil ihm mehr zusagt, der mythische oder der rationale. Ich persönlich halte die diskursive Trennung zwischen Sachen und Gedanken für eine kulturelle Errungenschaft ersten Ranges (eine Trennung, die immer wieder neu reflektiert werden muss, denn es ist in der Tat nicht so leicht, im eigenen Denken zwischen den eigenen Gedanken und den Sachen, auf die sich die Gedanken beziehen, zu unterscheiden), an der festzuhalten einem ermöglicht, zu gesellschaftlichen Projekten, die auf gewalttätige Lösungen setzen Distanz zu halten. Unter allen gesellschaftlichen Gewaltprojekten ist die Idee einer sozialistischen Revolution die zweifellos am besten begründete und in ihren Zwecken am ehesten den modernen Lebensbedingungen angemessen, allerdings zeigt die historische Erfahrung, dass Revolutionen aus dem Ruder laufen. Die Idee einer zentral gesteuerten Machbarkeit von Gesellschaft hat im 20. Jh. jeglichen Kredit verspielt, würde ich sagen. Und die revolutionären Kräfte, mit denen heute und in Zukunft zu rechnen ist, beruhen allesamt auf vormodernen Interpretationen. Wer heute noch an allgemeine Bewegungsgesetze der Menschheitsentwicklung glaubt, denen man revolutionär auf die Srünge helfen kann, der findet sich schnell an der Seite reaktionärer Kräfte, die alles in den Schatten stellen, was mal mit dem Begriff des Reaktionären gemeint war.
Morph 13. November 2009 um 12:36
schrob:
a) Eigentum ist eine Kategorie und hat daher keine Entstehungsgeschichte….
Der wars!
Zufälligerweise tauchte er jetzt wieder auf.
Sachen gibt’s!!!
Die Systemapologeten sind sehr wachsam.. zu #195
@Besserwisser
ja genau. So wie auch der Satz des Pythagoras kategorialer Natur ist, und in diesem Sinne keine Entstehungsgeschichte hat. Allerdings gibt es eine Überlieferungsgeschichte dieses Satzes, die man konventionellerweise mit der Person des Pythagoras beginnen lässt. Ebenso (naja, etwas komplizierter) verhält es sich mit dem Eigentum.
Besserwisser 193
… Das Geld ist nicht die Ursache des Elends – sondern es sind
Macht/ Besitzinteressen.
Auch ohne Geld gab es diese schon davor..
Geld als allg. Äquivalent verschleiert nur die Ursachen. ….
… aber es ist das perfekteste nur denkbare Werkzeug zum durchsetzen dieser Interessen – der “Prügel” um die Sklaven anzutreiben (der (Geld)Vermögende vermag viel zu vollbringen — und so nebenbei auch (bereits vorhandener aber nicht sofort erkannter) “Stein der Weisen” nach dem die Alchimisten im Auftrag der Fürsten so lange suchten … endlich die möglichkeitt Gold/Geld aus Müll zu machen …..)
Die derzeitige Konstruktion des Geldsystems ist das wichtigste Werkzeug der Nutzmenschen/Sklavenhalter …
@ Morph
kannst du Absätze in deine längeren Texte einfügen? Das wäre nett. Bin schon ein alter Mann
@Besserwisser
“Das Geld ist nicht die Ursache des Elends – sondern es sind
Macht/ Besitzinteressen.”
Zustimmung! Ich finde nur, dass analytisch mit diesem Befund nicht allzu viel gewonnen ist. Offenbar macht mich das zum Systemapologet. Kommt mir vor, wie einer, der auf den Hinweis, dass man Kopfschmerzen nicht dadurch los wird, dass man den Kopf gegen die Wand haut, antwortet: Halt’s Maul, Du Kopfschmerzapologet!
@Holger
danke für den Hinweis, werde künftig dran denken!
@morph #197
Morph 16. November 2009 um 15:06
So wie auch der Satz des Pythagoras kategorialer Natur ist, und in diesem Sinne keine Entstehungsgeschichte hat…
Wobei mit dem Satz des P. sich kein Zins und Zinseszins berechnen läßt…
Von daher ist dein Vergleich so lächerlich – ich habe sowas bisher noch nie gehört; geschweige denn gelesen…
Kategorien sind eine gute Ausrede, um Nichtwissen zu vertuschen.
Ich nehme mal an, daß du irgendetwas studiert hast – nichts ist unmöglich. TOYATA.
Korrektur
@morph #197
Morph 16. November 2009 um 15:06
So wie auch der Satz des Pythagoras kategorialer Natur ist, und in diesem Sinne keine Entstehungsgeschichte hat…
Wobei mit dem Satz des P. sich kein Zins und Zinseszins berechnen läßt…
Von daher ist dein Vergleich so lächerlich – ich habe sowas bisher noch nie gehört; geschweige denn gelesen…
Kategorien sind eine gute Ausrede, um Nichtwissen zu vertuschen.
Ich nehme mal an, daß du irgendetwas studiert hast – nichts ist unmöglich. TOYOTA.
@ morph
“Die wahrnehmbare und messtechnisch kontrollierbare Faktizität aber ist Positivität…”
Nur daß der Aufbau der sozialwissenschaftlichen “Versuchsanordnung” schon einige kategoriale Klärungen voraussetzt, die ihren Ursprung nicht in der “Faktizität” selbst haben, die aber entscheidend für das sind, was wir wahrnehmen und meßtechnisch kontrollieren können. Da beißt sich die Katze sozusagen in den Schwanz. Für die Psychologie schön dargestellt von Kurt Danziger:
http://www.uk.sagepub.com/booksProdDesc.nav?prodId=Book204381&currTree=Subjects&level1=K00&level2=KC0
Dürfte Dir gefallen, wenn Du es nicht schon kennst.
Und wenn man sich diese apriorischen kategorialen Klärungen näher anschaut, wird man um den Begriff des Interesses nicht herumkommen, womit nicht nur Erkenntnisinteresse gemeint ist…
@ Besserwisser
Abweichende Meinungen mit so einem generalisierenden diffamierenden Begriff wie “Systemapologeten” zu belegen, erinnert mich immer an Orwells Farm der Tiere: “Zweibeiner schlecht, Vierbeiner gut!” – Das ist es, was ich immer mit dem Ausdruck “Salonrevoluzzertum” meine. Man kümmert sich einen Dreck um kulturelle und diskursive Hegemonie, sondern freut sich darüber, in einem engen Kreis von Gleichgesinnten die reine Lehre zu vertreten. So hat man immer recht und nie Einfluß. Ist freilich ganz bequem.
@ HAM
Schöne Visualisierung. Nun wird der wgnx angesichts des dort zur Schau gestellten Tauschparadigmas gewiß der Meinung sein, daß die ganze Darstellung vom Kopf auf die Füße gestellt gehört…
@froz #203
Auch irgendetwas zur Sache?
Oder nur diese generalisierende Veralberung?
@Froz
Leider enthälst du uns deine abweichende Meinung.
Nichts in deinem Schallplattenarchiv gefunden oder war der Schauspielunterricht nicht ergiebig genug??
@Morph
Ich persönlich halte die diskursive Trennung zwischen Sachen und Gedanken für eine kulturelle Errungenschaft ersten Ranges (eine Trennung, die immer wieder neu reflektiert werden muss, denn es ist in der Tat nicht so leicht, im eigenen Denken zwischen den eigenen Gedanken und den Sachen, auf die sich die Gedanken beziehen, zu unterscheiden)
Diese Unterscheidung ist schlicht denk-unmöglich! Diese Unmöglichkeit liegt der (post-)modernen “diskursiven Trennung” (aka “linguistic turn”) zugrunde, die darum nur noch Diskurse über Diskurse produziert, aber eben keine praktischen Resultate mehr.
“Praktisch” heisst dann, aufs Gesellschaftliche bezogen, “gewalttätig”, denn alles, was kein Diskursieren mehr ist, sondern Entscheiden und Durchsetzen, fällt hinter die postmoderne Elfenbeinturmlogik zurück und erscheint dieser daher “mythisch”, was dann wiederum – dialektisch – der postmoderne Mythos des Postmythologischen ist… mit der “Kategorie” ‘Ideologie” dito.
allerdings zeigt die historische Erfahrung, dass Revolutionen aus dem Ruder laufen.
O ja! Und wie! Der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, ist ebenfalls Folge diverser “bürgerlicher” Revolutionen und Kriege und ohne diese allenfalls diskursiv vorstellbar.
@ Besserwisser
Irgendwas zur Sache?
Nun, Du hattest den Diskurs hier selbst zum Thema gemacht in m.E. wenig weiterführender Art und Weise, ich bin nur darauf eingegangen.
Aber bitte:
“Das Geld ist nicht die Ursache des Elends – sondern Macht-/Besitzinteressen.”
Nehmen wir mal nicht das Geld im allgemeinen, sondern das aktuelle Geldsystem (damit vermeidet man erst mal den ganzen historischen tausch-/ schuldparadigmatischen Streit). Unser Geldsystem wird man ohne weiteres als eine Institution bezeichnen können. Deine Aussage – etwas verallgemeinert – wäre also nun: Nicht die Institution ist schuld an dem Elend, sondern ein institutionen- und akteursunabhängiges, irgendwie zeitloses Interesse.
Aber wo kommt dieses her? Wer ist sein Träger durch die Jahrhunderte?
@froZ
Nein, kenne ich noch nicht, danke für den Tipp! – Die Katze beißt sich in den Schwanz. Genau. Wenn man die wahrnehmbare Welt und die Möglichkeiten ihrer kontrollierten technischen Manipulation ernst nimmt, kommt man um diesen Schluss nicht herum, dass die soziale Koordination des Verhaltens sich nicht direkt beobachten lässt, sondern auf nicht zu prüfenden Unterstellungen beruht. Und wenn man unterstellt, dass das für alle Beteiligten gilt, dann landet man bei einer Systemtheorie Luhmanscher Prägung.
Man würde aber die Konsequenzen dieses Schlusses nicht hinreichend ziehen, wenn man nun Luhmann für das Maß aller Dinge halten würde. Das Maß des Sozialen kann m.E. nur sein, dass es ein solches Ma0 nicht gibt und erkennbar nicht geben kann. Man muss die Analyse des Sozialen vielmehr pragmatisch kontextualisieren. Um welche Probleme geht es mir genau. Was ist es eigentlich, was ich wissen will? In mancher Hinsicht sind dann z.B. akteurbasierte Theorien sehr viel aufschlussreicher als strukturbasierte Theorien. Ich könnte mir denken, dass es sich im Rahmen der Wirtschaft ähnlich verhält (bin kein WiWi), d.h. dass die Zeit der grand theory auch in den einzelnen gesellschaftlichen Feldern der Vergangenheit angehört. Grand Theory geht eigentlich nur noch negativ, als begründete Kritik an Theorien mit Exklusivanspruch (das beste Erbe der Ideologiekritik Frankfurter Prägung).
@ morph
Weitgehende Zustimmung, zumindest zum zweiten Absatz Deiner #208. Bin übrigens auch kein WiWi, sondern ein “fachfremder Leviathanist”, wie der ~HG~ früher immer zu schreiben beliebte.
@ Besserwisser
Schauspielunterricht habe ich auch nicht genommen, bin in der Hinsicht ein völliger Autodidakt und lebe vom Talent.
Weitere abweichende Auffassungen kann ich Dir heute aber nicht offerieren, muß nämlich gleich wieder zu einem Auftritt…
@lemming
“Diese Unterscheidung ist schlicht denk-unmöglich! ” – Kommt auf den Begriff des Denkens an. Ich gehe bei meinen Überlegungen davon aus, dass nicht jeder Zustand, den ich an mir erfahre ein Gedanke ist. Z.B. kann ich Bauchschmerzen empfinden und ich kann denken: puh, was für üble Bauchschmerzen, und ich kann zwischen meinem Urteil, lange nicht mehr so üble Bauchschmerzen gehabt zu haben und der Empfindung dieser Bauchschmerzen reflexiv unterscheiden. Wo ist da die Unmöglichkeit, lemming?
““Praktisch” heisst dann, aufs Gesellschaftliche bezogen, “gewalttätig”” – ich meinte gesamtgesellschaftlich zielende Projekte, ich dachte, das sei kontextuell deutlich, nicht gesellschaftliche Praxis per se.
Ich habe den Eindruck, geschätzter lemming, dass Du mich mit zweifelhaften labeln provozieren möchtest (Postmoderne, linguistic turn). Denn Du verbindest mit diesen geistigen Spielmarken (was ist schon ‘postmodern’, was ist schon ‘linguistic turn’?) offenbar den Vorwurf der Nichtdurchdachtheit, akademischen Bequemlichkeit bzw., wie das bei Marx schon schön heißt, Sykophantentum, habe ich recht?
Kein noch so blödes Argument wird ausgelassen, wenn es gegen die Marxsche Theorie geht.
Kein Mensch kann sich mit Knollenbätterpilzen ernähren.
Auch wenn Tischer behauptet, es gäbe „KEINEN Widerspruch und keinen Gegensatz in jener und dieser Welt.“
Aber menschliches Leben ist mit dem Konsum von Knollenbätterpilzen nicht vereinbar, da gibt es einen Widerspruch.
Und Morph kommt mit dem Argument, dass „Gedanken und Handlungen, wenn man davon ausgeht, dass es sich bei beidem um Formen des Intentionalen handelt, unaufhebbar hypothetisch“ sind.
Wie kommt es, dass gerade die Wissenschaft es darauf anlegt, zwischen Hypothese und gesichertem Wissen zu unterscheiden, und damit ihre gesellschaftliche Existenz begründet?
Wie soll man z.B. auf Basis von unaufhebbaren Hypothesen ein stabiles Hochhaus oder eine funktionierende Weltraumfähre bauen?
@aifran #198:
„Die derzeitige Konstruktion des Geldsystems ist das wichtigste Werkzeug der Nutzmenschen/Sklavenhalter …“
Und es funktioniert nach wie vor über das System der Lohnarbeit.
Der Witz besteht darin, Menschen für Geld arbeiten zu lassen und trotzdem nicht zu soviel Geld kommen zu lassen, dass sie nicht mehr arbeiten müssen. Damit werden die Menschen zu lebenslanger Lohnarbeit gezwungen.
Engels schreibt:
„Hatte bisher der Besitzer der Arbeitsmittel sich das Produkt angeeignet, weil es in der Regel sein eignes Produkt und fremde Hülfsarbeit die Ausnahme war, so fuhr jetzt der Besitzer der Arbeitsmittel fort, sich das Produkt anzueignen, obwohl es nicht mehr sein Produkt war, sondern ausschließlich Produkt fremder Arbeit. So wurden also die nunmehr gesellschaftlich erzeugten Produkte angeeignet nicht von denen, die die Produktionsmittel wirklich in Bewegung gesetzt und die Produkte wirklich erzeugt hatten, sondern vom Kapitalisten. Produktionsmittel und Produktion sind wesentlich gesellschaftlich geworden. Aber sie werden unterworfen einer Aneignungsform, die die Privatproduktion einzelner zur Voraussetzung hat, wobei also jeder sein eignes Produkt besitzt und zu Markte bringt. Die Produktionsweise wird dieser Aneignungsform unterworfen, obwohl sie deren Voraussetzung aufhebt.
[alle Hervorh. v. HAM]
Und als Fußnote fügt Engels hinzu:
„Es braucht hier nicht auseinandergesetzt zu werden, daß, wenn auch die Aneignungsform [im Vergleich zum selbstständigen Produzenten (HAM)] dieselbe bleibt, der Charakter der Aneignung durch den oben geschilderten Vorgang nicht minder revolutioniert wird als die Produktion. Ob ich mir mein eignes Produkt aneigne oder das Produkt andrer, das sind natürlich zwei sehr verschiedne Arten von Aneignung. Nebenbei: die Lohnarbeit, in der die ganze kapitalistische Produktionsweise bereits im Keime steckt, ist sehr alt; vereinzelt und zerstreut ging sie jahrhundertelang her neben der Sklaverei. Aber zur kapitalistischen Produktionsweise entfalten konnte sich der Keim erst, als die geschichtlichen Vorbedingungen hergestellt waren.“
Der Lohnarbeiter muss seine Arbeitskraft und damit sich zur Ware machen. Vom Unternehmer/Kapitalisten wird er als Teil in einen gesellschaftlichen Arbeitsprozess eingegliedert. Die Produkte der Lohnarbeiter eignen sich die Kapitalisten an und verkaufen mit Profit im System der Marktwirtschaft.
Obwohl die Ökonomie – materiell betrachtet – als vergesellschaftlichter Kreislaufprozess von Produktion und Zirkulation funktioniert, verlaufen die Aneignungsprozesse nach wie Form im Rahmen von Privateigentumsverhältnissen.
Die Produktion verläuft in den Betrieben bzw. Kontext mit den beteiligten Firmen völlig geplant und durchorganisiert, aber die Realisierung des Transfers des Produktes zum Konsumenten wird der Anarchie des Marktes überlassen. Und zwar zwangsläufig, weil die Alternative hierzu die Aufhebung des privaten Verfügung über die Produktionsmittel, Produktionsvorgänge und Produkte die Voraussetzung wäre.
Engels:
„Der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung stellt sich nun dar als Gegensatz zwischen der Organisation der Produktion in der einzelnen Fabrik und der Anarchie der Produktion in der ganzen Gesellschaft.
In diesen beiden Erscheinungsformen des ihr durch ihren Ursprung immanenten Widerspruchs bewegt sich die kapitalistische Produktionsweise, beschreibt sie auswegslos jenen “fehlerhaften Kreislauf”, den schon Fourier an ihr entdeckte.“
Der “fehlerhaften Kreislauf” der kapitalistischen Ökonomie wurde folglich bereits früh erkannt.
Engels:
„In der Tat, seit 1825, wo die erste allgemeine Krisis ausbrach, geht die ganze industrielle und kommerzielle Welt, die Produktion und der Austausch sämtlicher zivilisierten Völker und ihrer mehr oder weniger barbarischen Anhängsel, so ziemlich alle zehn Jahre einmal aus den Fugen. Der Verkehr stockt, die Märkte sind überfüllt, die Produkte liegen da, ebenso massenhaft wie unabsetzbar, das bare Geld wird unsichtbar, der Kredit verschwindet, die Fabriken stehn still, die arbeitenden Massen ermangeln der Lebensmittel, weil sie zuviel Lebensmittel produziert haben. Bankerott folgt auf Bankerott, Zwangsverkauf auf Zwangsverkauf. Jahrelang dauert die Stockung, Produktivkräfte wie Produkte werden massenhaft vergeudet und zerstört, bis die aufgehäuften Warenmassen unter größrer oder geringrer Entwertung endlich abfließen, bis Produktion und Austausch allmählich wieder in Gang kommen. Nach und nach beschleunigt sich die Gangart, fällt in Trab, der industrielle Trab geht über in Galopp, und dieser steigert sich wieder bis zur zügellosen Karriere einer vollständigen industriellen, kommerziellen, kreditlichen und spekulativen Steeple-chase, um endlich nach den halsbrechendsten Sprüngen wieder anzulangen im Graben des Krachs. Und so immer von neuem. Das haben wir nun seit 1825 volle fünfmal erlebt und erleben es in diesem Augenblick (1877) zum sechsten Mal. Und der Charakter dieser Krisen ist so scharf ausgeprägt, daß Fourier sie alle traf, als er die erste bezeichnete als: crise pléthorique, Krisis aus Überfluß.“
Das ist der WIDERSPRUCH im System der kapitalistischen Ökonomie:
Es kann nicht dauerhaft krisenfrei funktionieren und führt auch nicht zu einem dauerhaft wachsenden Wohlstand in der Bevölkerung.
Der Grund:
Gesellschaftliche Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse stehen miteinander im Konflikt.
Es ist jener „ Grundwiderspruch, aus dem alle Widersprüche entspringen, in denen die heutige Gesellschaft sich bewegt und die die große Industrie offen an den Tag bringt.“ (Engels)
P.S.
Ausbeutung funktioniert darüber hinaus natürlich auch in der Zirkulations-/Konsumsphäre, zudem vermittels des Staates und durch das Finanzkapital.
Aber dies ist ein anderes Thema.
HAM 211
da dran gibt es – für mich – nichts zu mecker
@Morph
Man muss die Analyse des Sozialen vielmehr pragmatisch kontextualisieren. Um welche Probleme geht es mir genau. Was ist es eigentlich, was ich wissen will? In mancher Hinsicht sind dann z.B. akteurbasierte Theorien sehr viel aufschlussreicher als strukturbasierte Theorien. Ich könnte mir denken, dass es sich im Rahmen der Wirtschaft ähnlich verhält (bin kein WiWi)
Na, da kommen wir einer gemeinsamen Sicht der Dinge doch schon deutlich näher. HAM hat den Unterschied, um den es hier wohl auch geht, als den zwischen “Wahrheitssucher” und “Problemlöser” etikettiert. Das trifft es ziemlich gut, ich würde beim Sozialen hinzusetzen, dass es dafür qua definitionem keine “Wahrheit an sich” geben kann, da es die “Objektdistanz” nicht gibt, um es mal so unrein auszudrücken, man kann nicht “jenseits” einer Gesellschaft denken, man ist immer schon drin – sondern es geht stets um praktische Fragen, wie Verteilung, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit – alles Dinge für die es keine “positive Faktizität” gibt. Hier setzen sich Paradigmen durch, aber nicht aufgrund eines größeren Wahrheitsgehalts oder auch nur als berechnungspraktischen Vorteilen à la Ockham, sondern nach “historischen” Regeln, die eben solche der Konflikte sind, der Auseinandersetzung. Genau in diesen überprüft sich das Denken seine Gedanken, nicht in sich selber. Und eben darum halte ich die Luhmannsche Theorie für “leer”, sie beschreibt sich im Grunde nur selbst.
… neben dem vergessenen “n” noch eine kleine Ergänzung – Der Lohnabhängige braucht das “Geld” um sich Brot und Dach über dem Kopf zu kaufen –
die Sklavenhalter früherer Zeiten stellten den Sklaven noch Hütten und irgendwas essbares bei, der moderne Sklave muss sich auch darum kömmern … da bleibt ihm kaum noch Zeit um Abend am Lagerfeuer vor der Hütte zu sitzen und wehmütige Lieder zu singen
…. ja Effizienz ist allerorten eingezogen – auch in der Kunst der Sklavenhaltung und deren Verwaltung
Ich bin erst vor ca. einer Stunde von meiner Lohnarbeit nach Hause gekommen, konnte jetzt erst lesen.
Btw. *’Perlen und Säue’ – prima – so hält man ein Blog ganz gewiß gedankenoffen…
@HAM
“Aber menschliches Leben ist mit dem Konsum von Knollenbätterpilzen nicht vereinbar, da gibt es einen Widerspruch.”
Selbstverständlich kann ein Mensch Knollenblätterpilze essen. Überhaupt kein Widerspruch. Passiert dieser Tage immer wieder jenen Ignoranten, die glauben, ohne hinreichende Sensibilität für den Unterschied zwischen wahrnehmungshafter Attraktivität und begrifflicher Subsumtion Pilze sammeln zu können. Lässt sich im Einzelfall auch meistens widerspruchsfrei erklären, wie es zum Knollenblätterpilzkonsum kam.
@lemming
“Na, da kommen wir einer gemeinsamen Sicht der Dinge doch schon deutlich näher.” Da komme ich Deiner Sicher der Dinge näher, wolltest Du sagen
man ist immer schon in Gesellschaft, ja, aber man ist nicht in jeder gesellschaftlichen Beziehung. Jedenfalls nicht gleichermaßen wie alle anderen. Z.B. kann ein Paartherapeut schon sehr viel erreichen, wenn er nicht die Partei eines Beteiligten des zerstrittenen Paares einnimmt, sondern sich konsequent einer normativen Bewertung dessen, was er mitbekommt, enthält und einfach nur beschreibt, was er (unter dem Gesichtspunkt seiner Unterscheidungen) beobachtet. Es gibt im Sozialen keine Objektdistanz, d’accord, aber es gibt Techniken der Distanzierung, und die sind, ob die Menschenfreunde es glauben oder nicht, den Leuten oftmals sehr viel zuträglicher als wenn man allzuschnell zu verstehen meint, was abläuft. Ich meine, man sieht es doch auch in diesem Blog. Wie schnell glauben einen Leute einordnen zu können. Systemapologet, Elfenbeintürmler usw. Das sind einschnappende Interpretamente, die mit dem, was z.B. ich tue, nicht allzu viel zu tun haben, und ich vermute, alle, die so attribuieren, würden das selbst in real life, bei tatsächlichem Kontakt anders beschreiben. Ich meiner, ernsthaft, wir wissen doch noch nicht einmal, ob sich hinter unseren nicks überhaupt eine Person oder nicht vielmehr ein Kollektiv verbirgt.
@HAM #211
Da hast Du dann doch noch die Stelle gefunden, auf die es ankömmt.
Wenigstns Dir helfen Denkanstösse…
@wat #215
Wer will schon Proletarier in einem Blog…
Hier verkehren Elche (Rentiere), Juristen, Schauspieler und
HIV-Schmarotzer….
@ Besserwisser
und Multifunktionseinheiten
Flexibel, ist das Zauberwort mein Herr, flexibel.
heute dies und morgen jenes.
@morph
“Ich meiner, ernsthaft, wir wissen doch noch nicht einmal, ob sich hinter unseren nicks überhaupt eine Person oder nicht vielmehr ein Kollektiv verbirgt”
Wenn Du nicht weißt, wer hinter deinem Nick steht, dann wundert mich nichts mehr.
@Morph #216
Natürlich kann man Knollenbätterpilze in den Mund stecken und herunterschlucken.
Wie käme es sonst zu Vergiftungen?
Dies als Ernährung oder Konsum zu bezeichnen, ist offensichtlich blödsinnig.
So wie die Qualität Deiner meisten Beiträge.
Sie sind Nonsens und/oder akademisch aufgepeppte Trivialitäten.
#219
“und Multifunktionseinheiten”
Das verstehe wer will- Du lebst in deiner Welt – erkläre sie ansatzweise…
@Morph
Ich meine, man sieht es doch auch in diesem Blog. Wie schnell glauben einen Leute einordnen zu können. Systemapologet, Elfenbeintürmler usw. Das sind einschnappende Interpretamente
Tja siehst du, das mit der Distanzierung ist halt nicht so ganz einfach:
Was hier eingeordnet wird, sind nicht Menschen – wie auch, sind ja nur Blog-Kommentare! – sondern Argumentationen. Und tatsächlich gibt es davon nicht beliebig viele Stämme oder Linien, sondern nur ein paar. Bezogen auf die Themen eben affirmierende, kritische, “diffamierende”
Übrigens: Mit der “Phänomenologie” der Paartherapeuten ist es meines Wissens so weit gar nicht her, das ist ein “Trick”, der dann schon viel schlechter funktioniert, wenn es sich um ein Paar von Paartherapeuten handelt
Und es bedarf eines solchen professionellen und artifiziellen Settings, um das “Parteiergreifen” zumindest scheinbar oder wenigstens in ihrer Wirkung auf die Klienten auszuschalten oder zu verdecken. In der sozialen Auseinandersetzung gibt es keine Neutralität, darauf wollte ich mit dem Elfenbeinturm als privilegiertem sozialen Ort hinaus, der naturwissenschaftliche Objektivitätsnimbus ist in sozialen Angelegenheiten und “Wissenschaften” immer Trug, mal mehr, mal weniger absichtsvoll.
Das wird spätestens an der politischen Resonanz erkennbar, die solche Theoreme erzeugen.
@ Besserwisser
–>Hier verkehren Elche (Rentiere), Juristen, Schauspieler und
HIV-Schmarotzer….”
naja, und diejenigen, die schon vieles davon in sich vereinigen können, und aus Erfahrung eben Multifunktionseinheiten geworden sind.
Die eben, die sich umstellen können. Mal Schauspieler, mal HIV Empfänger, mal Unternehmer, mal Lohnempfänger…
kurz um, die mal reinriechen durften in das “Leben”
#223
Psst…
Pischologen flüstern unter sich ?
#224
Sag schon, daß du Ossis meinst…
Warum Multifunktionseinheiten?
Drück dich ehrlich aus.
@ HAM # 182 + 211 und einer (unsere) alten Diskussion
Daß meine # 215 nicht ganz so eingeschnappt da steht, wie ich es eigentlich empfinde… deshalb umreiße ich wenigstens, was ich zusammensuchen wollte(!)…
Einen Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen gibt es schon immer, sonst gäbe es keine Entwicklung. Hatte ich schon einmal geäußert.
Entscheidend ist, daß hier dieser Widerspruch die Grundlagen des Systems zerstört. (sollte nach meiner dunklen Erinnerung in der Dtsch. Ideologie stehen)
Wie sie die Grundlagen zerstören, hätte ich belegen müssen…
Widerspruch – im ökonomischen Verhältnis
Gegensatz – im politschen Verhältnis
Btw. Seh’s mir bitte nach, ich schmoll noch nen büschen, und wenn BW hundertpro recht hat. Ich bin hier nicht in irgendeinem wie auch immer geartetem Doktorandenseminar, ich wollte hier ‘was inhaltlich mitnehmen’.
@ Besserwisser
warum denn schon wieder diese “Vidschiörekörder”?
Schweizer Taschenmesser, mit Lupe und Zahnstocher und survival Schnur.
Mad Gyver des Über-Lebens. Überlebenskünstler. Aus einem Kaugummi, eine Atombombe bauen. und die mit Spucke aus sicherer Entfernung zünden. Multitask.
@Besserwisser #217
„Da hast Du dann doch noch die Stelle gefunden, auf die es ankömmt.
Wenigstns Dir helfen Denkanstösse…“
Klar helfen mir Denkanstöße.
Allerdings ist mit der sog. Grundwiderspruch schon seit 40 Jahren bewusst.
Habe dies auch schon wiederholt hier in diesen Blog eingebracht.
#227
Wenn ich als BW gemeint sein sollte –
Liebr Wat.,
ich versuche hier zu erklären.
Die Perlen bezogen sich nicht auf dich.
Frieden.
#228

Ein bissel kurz – aber wirksam…………..
#229
)
Das beruhigt mich.
@Besserwisser #229
Man tut, was man kann.
Anfang der 70-er Jahre wurde ständig und überall vom „Grundwiderspruch“ gefaselt, besonders gern vom „Grundwiderspruch zwischen Kapital und Lohnarbeit“.
Die wenigsten hatten begriffen, dass es diesen gar nicht gibt.
Ansonsten hätten sie vielleicht verstanden, warum damals die sog. Arbeiterklasse sich so wenig für Kapitalismuskritik interessierte.
Hi WGN #47
Verstehe ich nicht
Wenn 1 vollständigen Zugriff auf Alles (unendlich) hat, dann macht die Umkehrung dieser Funktion nur dann Sinn, wenn man ausblendet, dass beim Zugriff von Allen auf Nichts diese (Alle) sich sehr schnell in Luft auflösen (wegen Verhungern, Atemnot…Durst.)
Diese Funktion wäre in Praxis mit einem Picknick der gesamten Weltbevölkerung auf dem Mond zu vergleichen… (ohne Raumanzüge und Verpflegung….Handy…)
Daher bin ich verwirrt…
Muss es nicht bei b) vielmehr heißen:
Allen gehörte Alles …Womit wir dann auch in dem A-kulturellen Spektakel wären, welches die restliche “Natur” seit vielen Jahrmillionen auf unserem Erdenrund in immer neuem Gewande “aufführt”…
Und hier fand ich noch…
WGN#172
Der sanfte Tod des Rentiers…Märchen können sooo schön sein.
Wir als “Edel-Ökonomen” wissen jedoch Folgendes:
1. Sinkt die Realrendite, sinkt mit ihr auch der Zins, der bei einer Gläubiger-Schuldner-Beziehung fließen kann.
2. Bei einem Zins = Null entfällt die Gläubigermotivation, und damit auch jegliche Möglichkeit der Kreditierung und Neuinvestition.
3. Damit stagniert die Geldmenge. Die jetzt noch möglichen Renditen müssen zwangsläufig aus dem vorhandenen (Geld-)Markt generiert werden. Gewonnene Marktanteile müssen daher aus dem Corpus von Wettbewerbern stammen.
4. Dies muss zwangsläufig zu einer Vergrößerung/Monopolisierung der (noch) vorhandenen Marktteilnehmer führen, bei einer gleichzeitigen Zunahme von Insolvenzen.
5. Das Ende liegt dann wie bei Monopoly auf dem Opernplatz…
6. Daher kann es mEn keinen sanften Tod des Rentiers innerhalb des bestehenden Systemes geben, sondern nur ein in vielen Schüben verlangsamtes Wirtschaften mit schließlichem Gesamt-Exitus des Systemes…
(ach ja, fast vergessen: Je näher der Zins gegen Null läuft, desto eher geht Geld in kurzfristige, bzw. Nicht-fristige “Titel”…)
gruss pansen
@lemming
“Übrigens: Mit der “Phänomenologie” der Paartherapeuten ist es meines Wissens so weit gar nicht her, das ist ein “Trick””
Kommt drauf an, wer es macht. Die Schwierigkeit phänomenologischer Verfahren (@besserwisser, ich muss Dich enttäuschen, ich habe von Psychologie noch weniger Ahnung als von Wirtschaft…, das war nur ein Beispiel) liegt darin, dass sie ganz und gar auf die Kompetenz des Selberdenkens abstellen, auf die Fähigkeit sich mit sich kritisch zu konfrontieren und sich zu Gunsten eines Erkenntnisgegenstands zurückzunehmen. Ich habe den Eindruck, dass das geht (insofern bin ich übrigens ganz und gar kein Vertreter des ‘lingusitic turn’), und ich nehme an, dass Leute, die wirklich nach Klärung suchen davon profitieren.
“In der sozialen Auseinandersetzung gibt es keine Neutralität, darauf wollte ich mit dem Elfenbeinturm als privilegiertem sozialen Ort hinaus, der naturwissenschaftliche Objektivitätsnimbus ist in sozialen Angelegenheiten und “Wissenschaften” immer Trug, mal mehr, mal weniger absichtsvoll.”
Ja, finde ich auch. Ich persönlich würde methodologisch auf eine Kombination aus möglichst akkurater phänomenologischer Beschreibung des sozialen Geschehens und einer Ideologiekritik laufender Diskurse setzen. Und dass ich selber für mich keinen politischen Ort, kein politisches Projekt ausmachen kann, von dem aus ich meine Erkenntnisinteressen begründen könnte, ist halt mein Privatproblem. Kann jeder ja halten, wie es das Portemonnaie befiehlt. Bei mir einfach zu volatil
@HAM
“So wie die Qualität Deiner meisten Beiträge.
Sie sind Nonsens und/oder akademisch aufgepeppte Trivialitäten.”
Woran, denkst Du, mag das wohl liegen? Dummheit, Arroganz, Krankheit, vielleicht werde ich ja auch dafür bezahlt? Sprich Dich aus!
@lemming
“Was hier eingeordnet wird, sind nicht Menschen – wie auch, sind ja nur Blog-Kommentare! – sondern Argumentationen.”
ja, nur ist das offenbar nicht allen bewusst, sonst würden sie nicht so albern ad hominem austeilen.
“Und tatsächlich gibt es davon nicht beliebig viele Stämme oder Linien, sondern nur ein paar. Bezogen auf die Themen eben affirmierende, kritische, “diffamierende””
Schon, aber es geht ja nicht lediglich um pro- oder contra-Standpunkte, sondern auch und vor allem um deren Begründung. Und da gibt’s dann schon eine erhebliche Bandbreite der Töne und Stile. Ich z.B. ziehe praktisch gar nichts aus der bloßen Affirmation oder Kritik, die hier in Kommentaren geäußert wird, sondern einzig aus deren Begründung, und da ist es dann eigentlich egal, ob im Endeffekt eine Meinung herauskommt, die ich teile oder nicht, entscheidend ist die Denkfigur, die Formulierung und die sachlichen Hintergründe, die ich noch nicht kannte, die überraschend sind und informativ.
@ Ham # 211
Ist man mal für ein paar Stunden aus dem Haus, geht es hier wild zur Sache.
>Kein Mensch kann sich mit Knollenbätterpilzen ernähren.
Auch wenn Tischer behauptet, es gäbe „KEINEN Widerspruch und keinen Gegensatz in jener und dieser Welt.
Aber menschliches Leben ist mit dem Konsum von Knollenbätterpilzen nicht vereinbar, da gibt es einen Widerspruch.>
Es gibt Menschen, die sich mit Knollenblätterpilzen ernähren.
Die sterben daran.
Es gibt Menschen, die sich nicht mit Knollenblätterpilzen ernähren.
Die sterben nicht daran.
Das ist die faktisch feststellbare Funktionalität in unserer Welt.
Wenn man aus den Beobachtung von Menschen, die Knollenblätterpilze essen und solchen, die diese nicht essen, generalisierend SCHLIESST, dass menschliches Leben mit dem Konsum von Knollenblätterpilzen nicht möglich ist, dann ist das ein GEDANKE über Menschen, den Konsum von Knollenblätterpilze und Leben/Sterben.
Es ist ein Gedanke über die Funktionalität der Welt.
Er ändert nichts an der Funktionalität der Welt (wenn man einmal davon absieht, dass aufgrund dieses Gedankens und seiner Verbreitung vermutlich weniger Menschen Knollenblätterpilze essen werden).
Menschen, die … sterben dran.
Menschen, die nicht … sterben nicht daran.
Wo ist da ein Widerspruch IN der WELT?
Zu Engels (Zitat):
„So wurden also die nunmehr gesellschaftlich erzeugten Produkte angeeignet nicht von denen, die die Produktionsmittel wirklich in Bewegung gesetzt und die Produkte wirklich erzeugt hatten, sondern vom Kapitalisten.“
Die Beschreibung eines Sachverhalts – Funktionalität in der Welt. (Wobei Engels konzeptionell vorgeprägte Begriffe nutzt, wie z. B. „gesellschaftlich erzeugte Produkte“, was aber hier außer Betracht bleiben kann, weil er sie fast identisch im folgenden Zitat verwendet, sie daher als „Konstanten“ aus der Auseinandersetzung herausfallen)
Noch einmal Engels:
„Der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung…“
KEINE Beschreibung, sondern eine GEDANKLICHE Qualifizierung des GLEICHEN Sachverhalts wiederum durch Engels.
Der beschrieben Vorgang von Produktion und Aneignung geht bis zu seinem Ende weiter, d. h. bis er durch andere Produktion und/oder Aneignung abgelöst wird.
Das wäre dann andere Funktionalität.
Widerspruch – was für ein Widerspruch IN der WELT?
@HAM
“Wie kommt es, dass gerade die Wissenschaft es darauf anlegt, zwischen Hypothese und gesichertem Wissen zu unterscheiden, und damit ihre gesellschaftliche Existenz begründet?”
Sorry, aber man muss in diesen Sachen m.E. so genau wie möglich sein um nicht auf sprachliche Laxheiten hereinzufallen und ein nachweisbar falsches Bild von der Wirklichkeit zu bekommen. Die Wissenschaft begründet ihre gesellschaftliche Existenz in aller Regel nicht, sondern betreibt einfach ihre Forschungsprogramme. Natürlich betreiben wissenschaftliche Institutionen viel PR und da ist dann auch viel von der Nützlichkeit wissenschaftlichen Wissens die Rede und von nützlichen Anwendungen. Aber das hat mit Wissenschaft als einer gesellschaftlichen Form der Wissensproduktion nichts zu tun, das ist sozusagen bloßes gift-wrapping!
Eine wirkliche Begründung der gesellschaftlichen Form der Wissenschaft im Rahmen der Wissenschaft selbst hat verschiedene Orte: Wissenschaftstheorie, Wissenschaftssoziologie, Wissenschaftsgeschichte, um nur drei zu nennen. In allen drei Disziplinen wird Wissenschaft ganz unterschiedlich perspektiviert, aber in allen drei Bereichen so, dass das, was Du als das spezifisch wissenschaftlich erachtest, gesichertes Wissen, als ein höchst relatives Phänomen erscheint. Es gibt im Grunde nur veränderliche historische Forschungsstände (und oft noch nicht mal einen Konsens über den), und gesichertes Wissen nur als Beobachtungswissen, nicht aber in Form von Begründungswissen. Gerade weil das Beobachtungswissen in der Moderne rapide anwächst, werden die Ansprüche an das Begründungswissen immer höher, und es gehört heute zur wissenschaftstheoretischen Binsenweisheit, dass mit dem Wissen eben auch das Unwissen ansteigt.
Das Verrückte ist, HAM, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass Du das anders siehst. Ich verstehe Dein Ranting und Raving wirklich nicht.
“Wie soll man z.B. auf Basis von unaufhebbaren Hypothesen ein stabiles Hochhaus oder eine funktionierende Weltraumfähre bauen?”
Die Antwort darauf ist das Zauberwort des Gesellschaftlichen: Vertrauen (aka Credit)!
@ D. Tischer #237
Die Beschreibung eines Sachverhalts – Funktionalität in der Welt. (Wobei Engels konzeptionell vorgeprägte Begriffe nutzt, wie z. B. „gesellschaftlich erzeugte Produkte“, was aber hier außer Betracht bleiben kann, weil er sie fast identisch im folgenden Zitat verwendet, sie daher als „Konstanten“ aus der Auseinandersetzung herausfallen)
Was – zum Teufel – versuchen Sie denn hier zu verkaufen?
@dtischer
Wie schön, dass der Hausmeister wieder im Haus ist, dann enden alle Widersprüche, es bleibt die Metaphysik des Funktionierens…
Wenn man aus den Beobachtung von Menschen, die Knollenblätterpilze essen und solchen, die diese nicht essen, generalisierend SCHLIESST, dass menschliches Leben mit dem Konsum von Knollenblätterpilzen nicht möglich ist, dann ist das ein GEDANKE über Menschen, den Konsum von Knollenblätterpilze und Leben/Sterben.
Ähm – nein. Das ist kein Gedanke, das ist eine Vergiftung, wobei ich natürlich voraussetze, dass der toxische Wirkmechanismus bekannt ist. Die Frage war aber: Ist es ein Widerspruch?
Das würde ich so nicht sagen, es ist schlicht eine Unvereinbarkeit. Ich kann mich nicht dauerhaft von Giftpilzen ernähren, weil ich an dem Gift sterben würde, ich würde mich also nicht zum Leben, sondern zum Tode ernähren. Das allerdings wäre dann ein Widerspruch, wenn ich äße um mich am Leben zu erhalten, mich dabei jedoch zu Tode brächte.
Und damit sind wir beim Thema:
Das ist der WIDERSPRUCH im System der kapitalistischen Ökonomie:
Es kann nicht dauerhaft krisenfrei funktionieren und führt auch nicht zu einem dauerhaft wachsenden Wohlstand in der Bevölkerung.
Die Ökonomie ist auf Wachstum oder jedenfalls Erhalt der gesellschaftlichen Reproduktion aus, das ist ihr Zweck und Sinn. Wenn eine bestimmte Ökonomie, die kapitalistische, aber auf eine Weise organisiert ist, die regelhaft diesen Zweck unterläuft, indem sie aufgrund ihrer eigenen Funktionsweise in Krisen schlittert und diese über die Zeit (historisch) sogar an Tiefe immer mehr zunehmen müssen, dann stehen Zweck und Ergebnis im Widerspruch.
Mit anderen Worten: “Widerspruch” setzt einen “Spruch” voraus, zB einen Anspruch, etwa den der kapitalistischen Ökonomie, Wohlstand für alle am besten zu bewirken. So wie aus der Tatsache des Sich-Ernährens auf ein Am-Leben-Bleiben-Wollen geschlossen werden kann. Beide Widersprüche sind also nicht logischer Natur, sondern historischer, bzw. lebensweltlicher.
Und so kommen Kapitalismus und Knollenblätterpilz dann wieder zusammen.
@Morph
Die Antwort darauf ist das Zauberwort des Gesellschaftlichen: Vertrauen
Ach so, deswegen wird immer so was feierlich in den Grundstein versenkt. Da ist dann wohl das schriftlich fixierte Vertrauen drin. In welchem Bauteil der Weltraumfähre ist das implementiert? Nein, Technik ist mehr als Gesellschaftliches. Es ist faktisch beobachtbares und erklärbares Funktionieren. Zur Benutzung eines Telefons brauche ich kein “Vertrauen”. Es funktioniert, oder nicht.
Endlich hammer’s!
Sklaven gehören in die Baracken auf dem Fabrik-Gelände.
http://www.faz.net/s/RubC43EEA6BF57E4A09925C1D802785495A/Doc~EFF544510AEA44AF9AF9E29B1F59EF4E5~ATpl~Ecommon~Scontent.html
@lemming
“Technik ist mehr als Gesellschaftliches” – Technik ist ein Bindeglied zwischen Natur und Kultur, Faktizität und Hypothese, etwas ziemlich Ambivalentes. Die praktische Anwendung von wissenschaftlichen Modellen ist wissenschaftlich eigentlich nicht zu rechtfertigen, zumal dann nicht, wenn technisch nicht berücksichtigte Störgrößen der technisch implementierten Abläufe mit großen Gefahren verbunden sind, da die – notwendig idealisierenden – wissenschaftlichen Modelle nie alle Einflussgrößen eines Prozesses erfassen. Dass Modelle trotzdem der Ingenieurskunst zu Grunde liegen, basiert auf einem, wie gesagt, im Grunde nicht zu rechtfertigenden Vertrauen. Wissenschaftler sind nicht unbedingt Erfinder und Erfinder sind nicht unbedingt Wissenschaftler, auch wenn das dann und wann in Personalunion läuft. Zur Benutzung eines Telefons brauchst Du kein Vertrauen, okay, aber wie sieht’s mit einer Brücke, einem Flugzeug, einem Atomkraftwerk aus?
@Morph #242
Ist ‘Erfahrung’ auch eine Kategorie?
@Andreas Kreuz
ja sicher.
@Andreas Kreuz
oder hast Du schon mal eine Erfahrung getroffen im Leben? Erfahrungen lassen sich nicht sehen, hören, anfassen usw. und nicht vermessen. Erfahrung ist also ein gedankliches Schema.
@Morph
Zur Benutzung eines Telefons brauchst Du kein Vertrauen, okay, aber wie sieht’s mit einer Brücke, einem Flugzeug, einem Atomkraftwerk aus?
Genauso. Und wenn das, beim Atomkraftwerk, anders ist, dann darum, weil hier die großen Gefahren nicht zu übersehen sind. D.h. mein Vertrauen in die Technik (mit Ausnahmen) unterscheidet sich nicht wesentlich von meinem Vertrauen in die Natur, also so wie ich darauf vertraue, morgen wieder wach zu werden. Von Vertrauen, zumal in einem sozial bedingten Sinn, würde ich hier nicht sprechen.
Dass Modelle trotzdem der Ingenieurskunst zu Grunde liegen, basiert auf einem, wie gesagt, im Grunde nicht zu rechtfertigenden Vertrauen.
Doch, dieses Vertrauen ist durchaus gerechtfertigt. Aus Erfahrung. Für das erste gebaute Flugzeug galt das wohl nicht, aber für die heutigen. Und, wie gesagt, “Vertrauen” ist mE dafür der falsche Begriff, denn Vertrauen kann enttäuscht werden. Wie aber sollte oder könnte es geschehen, dass dieses Vertrauen in die Ingenieurskunst prinzipiell, d.h. nicht im Einzelfall, der Einzeltechnologie, enttäuscht würde? Das Vertrauen liegt hier eher auf seiten der innovativen Ingenieure, die sich bei ihren Entwicklungen tatsächlich auf Modelle einerseits verlassen, sie andererseits aber auch äußerst praktisch überprüfen. Hat das Modell zu viele oder zu große Störgrößen vernachlässigt, wird eine darauf konzipierte Technologie nicht zuverlässig funktionieren. Funktioniert sie aber, so kann auch ich sie verwenden, ohne dabei jedesmal einen sozialen Vertrauensvorschuß erbringen zu müssen.
Interessant übrigens, dass es vielleicht nicht nur mir so geht, dass ich hier noch am meisten mein Vertrauen gefordert finde: in der Medizin und ihren echten oder nur vorgeblichen Innovationen.
Und sicher stimme ich dir zu, dass Technik etwas ziemlich Ambivalentes ist, gerade als Bindeglied, nur sehe ich diese Ambivalenz nicht zuletzt in dem von mir angesprochenen “Mehr als Vertrauen”. Das Vertrauen in die Kunst eines Ingenieurs ist einfach anderer Art als das in die Kunst eines Politikers, zB.
@Morph
oder hast Du schon mal eine Erfahrung getroffen im Leben? Erfahrungen lassen sich nicht sehen, hören, anfassen usw. und nicht vermessen. Erfahrung ist also ein gedankliches Schema.
Ja! Gerade habe ich die Erfahrung getroffen, dass ich von Erfahrung schrieb, ohne noch erfahren zu haben, dass du genau dazu in der Zwischenzeit an @kreuz geschrieben hast. Diese Erfahrung kann ich sogar “belegen”. Ansonsten: “Erfahrung” als ein “gedankliches Schema” zu qualifizieren, gefährdet den Begriff des “gedanklichen Schemas” selbst. Sehen, Hören, Anfassen, Vermessen – was ist das letztlich, wenn nicht (erinnerte) “Erfahrung”? Da bist du auf dem Abflug ins Nirvana, wo dir also dein von dir verwendeter Schema-Begriff unter den Füßen wegrutscht, wenn er von Erfahrung unterschieden, ja zur Abgrenzung von ihr gebraucht wird.
@ lemming
>Das ist der WIDERSPRUCH im System der kapitalistischen Ökonomie: Es kann nicht dauerhaft krisenfrei funktionieren und führt auch nicht zu einem dauerhaft wachsenden Wohlstand in der Bevölkerung.>
Die Welt funktioniert.
Nicht dauerhaft krisenfrei?
Nicht dauerhaft wachsener Wohlstand der Bevölkerung?
Das sind mögliche zukünftige Sachverhalte, die Sie und andere in ihren GEHIRNEN generieren.
Die Welt funktioniert.
Dabei wächst der Wohlstand der Bevölkerung dauerhaft.
Oder er wächst nicht dauerhaft.
Das eine ODER das andere.
Widerspruch – welcher Widerspruch IN der WELT?
Sie beziehen sich auf irgendwelche VORSTELLUNGEN oder THEORIEN, also Gedankengebilde, wenn Sie einen Widerspruch feststellen.
>Die Ökonomie ist auf Wachstum oder jedenfalls Erhalt der gesellschaftlichen Reproduktion aus, das ist ihr Zweck und Sinn>
Die Ökonomie hat keinen Zweck und Sinn.
Menschen verfolgen Zwecke und geben ihrem Handeln Sinn.
>Mit anderen Worten: “Widerspruch” setzt einen “Spruch” voraus, zB einen Anspruch …
Ich würde es etwas anders formulieren, aber egal:
„Spruch“ und „Anspruch“ basieren auf KONZEPTEN und VORSTELLUNGEN.
Sachverhalte in der Welt haben und erheben keinen Anspruch.
@dtischer
Ich weiß schon lange: in Ihnen wurde Platon wiedergeboren. Können Sie nix für. Ich sag’s trotzdem:
Die Welt funktioniert.
Woher wissen Sie das? Ist doch auch nur eine Theorie. Vielleicht hat sie nur bis genau heute, dem 17. November 2009 nach christlicher Zeitrechnung, funktioniert? Oder vielleicht gar nie? Es kam nur dem Herrn Tischer seinem Gehirn so vor, als funktionierte sie…
Die Ökonomie hat keinen Zweck und Sinn.
Ach nein? Dann können wir das ja auch lassen, nicht wahr? Nur: Was gibt’s morgen zum Abendbrot? Gehirn?
Sorry, aber ich breche hier ab, weil ich nicht glauben kann, dass Sie die Numero #248 selber und bei klarem Verstand geschrieben haben.
@lemming
“Doch, dieses Vertrauen ist durchaus gerechtfertigt. Aus Erfahrung.”
Der Begriff der Erfahrung ist sicher mehrdeutig. Ich meine mit Erfahrung nicht das kontinuierliche Erleben, sondern die Verdichtung des Erlebens zu wiederholbaren Erlebensformen. So wie man von Erfahrung redet, wenn man sagt, man war schon mal verliebt, man hat Drogenerfahrungen oder “da kannst Du nicht mitreden, Du warst ja nie im Krieg” usw., also Erfahrung einer allgemeinen Situation (die eben in Wirklichkeit immer singulär und nicht wirklich generalisierbar ist).
Aber das ist vielleicht gar nicht so entscheidend, denn eigentlich bestätigst Du das, was ich meine, würde ich sagen. Es gibt unterschiedliche Grade der Verlässlichkeit und je geringer die Verlässlichkeit ist, desto anspruchsvoller sind die Vertrauensleistungen, die man erbringen muss. Und was die Technik betrifft, muss man, denke ich, unterscheiden zwischen Werkzeugen, Geräten, Maschinen und intransparenten technologischen Netzen. Und auch, wenn man im ‘Normalbetrieb’ keinen Anlass hat an der Zuverlässigkeit der Technik, die uns umgibt zu zweifeln, ist doch unsere Situation die, dass wir uns zu einem Vertrauen geradezu verurteilt fühlen, dem wir mit unseren “Erfahrungen” eigentlich nicht hinterher kommen. He, Du bist der Günther-Anders-Leser, nicht ich!
@tischer
“Sachverhalte in der Welt haben und erheben keinen Anspruch.”
Ich wüsste nicht, wie man das entkräften kann. – Allerdings gibt es in der Welt auch Symbole, ein ähnlich vertracktes Thema wie das der Technik.
@Morph
He, Du bist der Günther-Anders-Leser, nicht ich!
Du kennst ihn offenbar auch ganz gut.
Ich muss zugeben, schon länger in kein Buch von ihm mehr geguckt zu haben, er war eine Wegmarke für mich und ist es noch, besonders seine “Antiquiertheit des Menschen”, weit früher und tiefsichtiger, weil auch von persönlicher Erfahrung imprägniert als zB das Slotterdicksche Gerede vom “Menschenpark”. Er war definitiv kein Elfenbeinturmbewohner, vielleicht wider Willen.
Zum Vertrauen: Da gehört dialektisch das Gegenstück dazu, nämlich das Misstrauen. Davon ist auch einiges gewachsen, oberflächlich sichtbar an all den VTn. Ich komme drauf, weil ich spontan eher das Gegenteil gesagt hätte: also je geringer die Verlässlichkeit, desto geringer auch das Vertrauen, oder desto leichter das Misstrauen. Vertrauen muss wachsen, durch die wiederholte Erfahrung von Verlässlichkeit. Neue Technologien wecken bei einigen Euphorie und beinah blindes Vertrauen-Wollen, bei vielen anderen das genaue Gegenteil. Naja, wir sind hier mal wieder weit off-topic, wobei: man müsste das jetzt nur auf das Vertrauen auf die VoWi-Theorie und -Praxis rückbeziehen, dann wären wir wieder mittendrin.
@ Pansen 234
Edel sei der Mensch…
Aber hier will ichs nicht sein. ;- )
“”Wir als “Edel-Ökonomen” wissen jedoch Folgendes:
1. Sinkt die Realrendite, sinkt mit ihr auch der Zins, der bei einer Gläubiger-Schuldner-Beziehung fließen kann.
2. Bei einem Zins = Null entfällt die Gläubigermotivation, und damit auch jegliche Möglichkeit der Kreditierung und Neuinvestition.
3. Damit stagniert die Geldmenge. Die jetzt noch möglichen Renditen müssen zwangsläufig aus dem vorhandenen (Geld-)Markt generiert werden. Gewonnene Marktanteile müssen daher aus dem Corpus von Wettbewerbern stammen.
4. Dies muss zwangsläufig zu einer Vergrößerung/Monopolisierung der (noch) vorhandenen Marktteilnehmer führen, bei einer gleichzeitigen Zunahme von Insolvenzen.
5. Das Ende liegt dann wie bei Monopoly auf dem Opernplatz…
6. Daher kann es mEn keinen sanften Tod des Rentiers innerhalb des bestehenden Systemes geben, sondern nur ein in vielen Schüben verlangsamtes Wirtschaften mit schließlichem Gesamt-Exitus des Systemes…”"
1) ist klar, allerdings erst ab einer unteren Grenze der Realrendite, vorher sind auch Umschichtungen von real zu Geldgeber denkbar (40% der Unternehmensgewinne durch Finanzer legen dies nahe?); Vermachtung.
Zu einem Zins =0 kommt man allerdings auch bei 1) mathematisch nicht; und bei sinkendem Zins über 0 bleibt eine Motivation. Viel entscheidender ist die Alternative “Investition”. Ist die nicht gegeben, passiert noch gar nichts.
3) Also das die Geldmenge nun abhängig ist von den erzielbaren Realrenditen, beschreibt auch eine Realität, die nichts mit der gegenwärtigen zu tun hat. Man muss also den Rahnmen genauer definieren. 4-6 folgen aus 3.
In einem System mit richtiger Geldmenge wären wir von 2 noch so weit weg, dass es noch nicht relevant ist.
“”(ach ja, fast vergessen: Je näher der Zins gegen Null läuft, desto eher geht Geld in kurzfristige, bzw. Nicht-fristige “Titel”…)”"
Nun ja, wenn ich mir die EK-Renditen so anschaue, scheint mir das nicht der springende Punkt zu sein, sondern , auch unter leichter Widerholungsgefahr, die wabernde Überschußgeldmenge.
Vielleicht sagt wgn noch was zum Eigentum; lieber wgn, war auch nicht böse gemeint, Sloti als Kollegen zu bezeichnen, bezog sich nur auf den FAZ-Artikel. ;- )
Oder ärgerts dich, dass du ihm so knapp zugestimmt hast, statt ihn dezidiert auseinanderzunehmen.
@Wat. #227
Gegensatz – Widerspruch – Perspektiven
Bei Gegensätzen kann es – aber muss es nicht – sein, dass sie gut in Symbiose leben. So Mann und Frau, Unternehmer und Arbeitnehmer, Gläubiger und Schuldner, Kapitalist und Lohnarbeiter, Herr und Sklave, Sadist und Masochist etc.
Gegensätze können sich anziehen oder abstoßen.
Widersprüche schließen sich miteinander aus. 2 + 2 können nicht zugleich 4 und 5 sein.
Unternehmenspartner können auf Dauer nicht als Symbiose kooperieren, wenn der eine das Unternehmen fördert und der andere es kaputt macht.
Und wenn der eine Herr sein will, der andere aber nicht Sklave, dann geht das nicht. Umgekehrt auch nicht.
Dialektische Widersprüche lassen sich aufheben, indem man sie auf eine andere Ebene bringt, wo sie keine Widersprüche mehr bilden.
Menschen können sich nicht von Knollenblätterpilzen ernähren. Das ist unmöglich, weil dieser Pilz den menschlichen Organismus zerstört. Genauso wie ein bösartiger Krebs.
Kein Mensch kann mit einem bösartigen Krebs in Symbiose leben, genauso wenig wie mit Pest und Cholera. Mit bestimmten Mikroorganismen kann der Mensch jedoch gut in Symbiose leben. Noch mehr: Ohne diese Symbiose könnte der Mensch nicht (über-)leben.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen interessanten Beitrag von Helmut Höge hinweisen, welcher sich mit Symbiose als biologischem Grundprinzip befasst, ganz im Gegensatz zur darwinistischen Vorstellung, welche vom Grundprinzip der Konkurrenz ausgeht:
„kulturelle und natürliche Symbiosen/Sozialdemokratien“
http://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2008/05/
Die Rede von DEM „Grundwiderspruch in der kapitalistischen Ökonomie“ habe ich nie gemocht.
Aber es ist mein Anliegen, zu vermitteln, was Marx und Engels darunter verstanden haben. Es ist wichtig zu verstehen, warum Kapital und Lohnarbeit ein GEGENSATZ und KEIN Widerspruch sind, aber es einen WIDERSPRUCH zwischen Kapital und menschlicher Arbeit gibt.
Zum Widerspruch zwischen der Entfaltung der Produktivkräfte und den kapitalistischen Produktionsverhältnissen habe ich schon etwas geschrieben, das kann man dort nachlesen.
http://www.weissgarnix.de/2009/08/23/luhmanns-wirtschaft-der-gesellschaft/#comment-33314
Warum mag ich die Rede von DEM „Grundwiderspruch in der kapitalistischen Ökonomie“ nicht?
Weil es aus meiner Sicht mehrere „Grundwidersprüche“ in der kapitalistischen Gesellschaft gibt.
Und der wesentliche Widerspruch der kapitalistischen Gesellschaft ist aus meiner Sicht, dass er die menschliche Natur des Menschen zerstört, nämlich den Menschen als soziales, geistiges und entwicklungsoffenes Wesen. Das ist ein anthropologischer „Widerspruch“.
Zudem zerstört der Kapitalismus die Grundlagen menschlicher Reproduktion. Unter kapitalistischen Bedingungen ist die Menschheit nicht überlebensfähig, sie gerät zwangsläufig in einen Prozess kollektiver Autodestruktion.
„The American Way Of Life“ ist ein Irrweg, eine Sackgasse. Das ist ein kulturelles Selbstmord-Programm, welches in den kulturellen Untergang führt. Vgl. dazu z.B.
http://www.studien-von-zeitfragen.net/James_Cumes/Vorwort/vorwort.html
Die Marxsche Theorie – so meine These – ist nur in begrenzter Weise in der Lage, die heutigen Konflikte auf Weltebene zu erklären. Sie ist einerseits nach wie vor aktuell, zugleich aber antiquiert. Ihre Aktualität ergibt sich aus ihrer Kritik der der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten politischen Ökonomie des Kapitalismus, ihre Antiquiertheit aus ihren strategischen Antworten darauf, welche Antworten im Kontext des 19. Jahrhunderts sind.
Welthistorisch – so meine These – befindet sich der Kapitalismus im Stadium des „Endgame“. Die Bevölkerungen des Westens mögen ignorieren oder verdrängen, was ihre Vorfahren im Stadium des Kolonialismus und Imperialismus anderen Völkern angetan haben. Jene Völker, die Opfer von Kolonialismus und Imperialismus wurden, haben dies nicht vergessen.
Der US-Imperialismus mit seinen europäischen Satelliten ist nicht mehr in der Lage, der Welt seine Ordnung aufzuoktroyieren. Geschätzt sind rund 1-2 Milliarden der Menschen auf dieser Welt pro-amerikanisch und 5 Milliarden anti-amerikanisch.
Und die Perspektiven der (Enkel)Kinder?
Zu Pessimismus gibt es keinen Grund, zu Optimismus allerdings auch nicht.
@wgn 172
Ich müßte diesen Essay endlich einmal lesen. Aber abgesehen davon finde ich es frappierend, daß Keynes hier – nicht anders als ihm Marx und die Klassiker – Neoklassiker von einem quasi-stationären Zustand ausgeht, auf den die Entwicklung zustrebt. Die einen sagen Kommunismus, die anderen Gleichgewicht.
Und das ist meiner Meinung nach der schwache Punkt: Angesichts der selbstzerstörerischen Tendenzen und dem Widerspruch des Kapitalismus ist mir schon der Weg dorthin nicht klar, weder der von Marx noch von Keynes noch der Neoklassiker. Und außerdem ist die Frage, ob die Dynamik wirklich zum Stillstand kommt?
Hallo topi..#253
Nein…Ich halte mich in Thomas Blog auf, weil sich meine Auffassung von Ökonomie mit seiner ziemlich überschneidet.
Daher “trade” ich hier idR nur mit “Hinzufügungen”…Oder weise auf logische Brüche hin (1=alles – alles=0 ???)
Manchmal finde ich echte Perlen in seinen Beiträgen…Manchmal wundere ich mich aber, dass er hinter bereits gemachte Erkenntnisse zurückzufallen scheint…
Je größer die Menge an kurzfristig gehaltener Titel ist, desto schwieriger sollte die Einschätzung von langfristigen Risiken sein.
Bei einem langfristig nahe Null liegendem Zins, sollte die Menge von nicht-fristigen Titeln (Tja, echtes Geld) die zur Wertaufbewahrung genutzt werden, stark ansteigen. (Siehe Nippon)
Zeitnah führt dies zu sinkenden Preisen…Zeitfern zu einer Inflationsgefahr.
In diesem Falle seitens der ZBs noch von “umlaufender Geldmenge” zu sprechen ist mehr als seltsam…Daher sollte bei einem Zins nahe Null die Arbeit der Geldemittenten extem schwierig werden. Und zwar nicht nur auf dem politschen Ende, sondern auch auf dem ökonomischen.
Um zu dem von Keynes herbeigedachten langsamen Tod des Rentiers zu kommen, bedarf es eines Zinses, der nahe Null liegt. Darauf beziehe ich mich…
Für mich das glasklare Ergebnis des Umstandes, dass sich diese “Renditen” in der Realwirtschaft der entsprechenden VoWi nicht mehr erzielen lassen. Nur fange ich hier nicht an, die bösen Bänker, die böse Habsucht, die untätige SPD, die dumme Angie, den gemeinen Ben…oder sonst wen als Schuldigen zu suchen.
Für mich ist o.a. Verlagerung ein grundsätzlicher Ausdruck dieses Systemes.
Je länger nämlich dieses System den zu erwartenden Nominaltransfer wuppt, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieser an solchen Orten aus dem System entnommen wird, an denen die Zuweisung von “Wert” nur noch sehr “virtuell” ist. Warum wohl?
Immerhin..in “Anführungszeichen”…
IdR bedarf es zur Finanzierung von “Investitionen” eines Kredites. Bei einem Zins nahe Null entfällt aber die Belohnung für den Gläubiger. Warum also “investieren”, wenn unklar bleiben muss, ob die “Investition” auch wieder einen Flow erwirtschaftet…
WGN und meiner Wenigkeit ist klar, dass Kapitalismus zum Wachstum verdammt ist. Bei einem “Gesamtzinsniveau” nahe Null fängt dieser Motor bedenklich an zu stottern..
Aua…Was genau eine richtige Geldmenge wäre, ist dermaßen unbekannt, dass es wehtut.
Das klingt in etwa wie “echtes Geld”…(vor kurzem ist mir mal folgenlos die Hutschnur geplatzt, als hier jemand avon “echtem Geld” fabulierte…)
Ok…Etwas weniger brilliant als Frage: WAS ist eine genau richtige Geldmenge???
gruss pansen
@ lemming
Warum denn Platon?
Bleiben wir doch bei Engels, der ist doch Realist, wie wir wissen:
Er sagt, dass die gesellschaftlich erzeugten Produkte von den Kapitalisten angeeignet werden.
Das ist eine Aussage über zwei Sachverhalte in der (kapitalistischen) Welt.
Wenn Engels aufgrund „kategorialer Klärungen“ (froZ # 203), die uns hier nicht weiter zu interessieren brauchen,
a) ein VERSTÄNDNIS von „gesellschaftlich erzeugen“, „Produkte“, „Kapitalisten“ und „aneignen“ erworben hat (er muss wissen, was er damit meint, z. B. dass erzeugen, etwas schaffen und nicht etwas zerstören ist)
und
b) weiß, was er mit diesen Begrifflichkeiten in der Realität IDENTIFIZIERET (er darf die Kapitalisten in der Welt z. B. nicht mit Rentiers verwechseln)
und
c) weiß, wie er das, was diese so identifizierte Realität ausmacht, DOKUMENTIEREN kann (er muss eine Methode haben, mit der feststellt, dass z. B. „aneignen“ sich ereignet oder nicht ereignet).
dann kann er FESTSTELLEN, ob das, was er behauptet hat, tatsächlich in der Welt so stattfindet.
Beachten Sie: Es kommt nicht darauf an, ob es sinnvoll ist gerade dies festzustellen statt etwas anderes, oder ob das, was er feststellt, mit dem übereinstimmt, was er gesagt hat.
ENTSCHEIDEND ist: Er kann einen ganz bestimmten Sachverhalt IN der Welt feststellen (und jeder andere übrigens auch, der ihm von a bis c folgt).
Alle (im Prinzip) SO festgestellten Sachverhalte sind das, was ich mit „die Welt funktioniert“ meine.
Damit ergibt sich auf Ihre Frage und Feststellung hinsichtlich „die Welt funktioniert“
>Woher wissen Sie das? Ist doch auch nur eine Theorie>
als Antwort:
Ich weiß es, weil ich – wie andere mit mir übereinstimmend – die unter a) bis c) gennannten BEDINGUNGEN als hinreichend ansehe für FESTSTELLUNGEN in der Welt.
Das ist KEINE Theorie, sondern eine stillschweigend getroffene, allgemein befolgte Vereinbarung für EMPIRIE (für die Feststellung von Sachverhalten in der Welt).
Sie wird allegemein befolft, weil es hat sich herausgestellt hat, dass man bei Einhaltung dieser Bedingungen ERFOLGREICH Sachverhalte in der Welt feststellen kann.
Bis dahin würde Engels nur nicken, denke ich.
Erst jetzt wird es spannend, denn nun kommen wir zum eigentlichen Punkt.
Engels bleibt nämlich nicht bei obiger Feststellung stehen, sondern schreibt auch:
„Der WIDERSPUCH zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung…“
Ich frage nun, WO und WIE Engels diesen Widerspruch FESTSTELLT, von dem er implizit behauptet, dass es ihn gibt.
Heißt konkret:
Findet Engels den Widerspruch IN der Welt (im Prinzip) GENAUSO wie er das findet, was er anderswo behauptet hat – nämlich dass die gesellschaftlich erzeugten Produkte von den Kapitalisten angeeignet werden?
Finden und feststellen muss er den Widerspruch IN der Welt, wenn er sagt, dass es ihn DORT – „zwischen“ den beiden Sachverhalten „gesellschaftliche Produkten“ und „kapitalistische Aneignung“ – GIBT (existiert, „wirklich“ IST).
Jeder, der Engels einfach nachplappert und einen „Widerspruch zwischen …“ als REAL EXISTIEREND behauptet, MUSS für Engels und sich darlegen, wie das FINDEN von statten geht.
Wenn nicht, ist das nur eine Behauptung, die – auf was auch immer –, aber nicht auf Empirie beruht.
Wenn Engels und seine Anhänger
in der Welt keinen Widerspruch (als Sachverhalt) finden, sondern ihn nur der Welt ZUSCHREIBEN – weil in der Welt überhaupt keine Widersprüche gefunden werden können (was ich damit begründe, dass Widersprüche keine weltlichen Sachverhalte sind) –
dann muss der Widerspruch woanders „verortet“ werden.
Dieser Ort kann jegeliches Denken sein – z. B. Mythologie oder auch Theorie.
Der Widerspruch, von dem hier geredet wird, ist in der Marxschen Theorie existent – und NUR dort.
Ergänzung zum Kommentar(#254):
Was Marx und Engels noch nicht sahen:
Der Kapitalismus zerstört nicht nur wiederkehrend den Wohlstand der arbeitenden Klassen, sondern hält auch die – materiell – privilegierten Klassen gefangen.
Dann tritt gewissermaßen der „Enke-Effekt“ ein, denn sie sind gefangen in ihren Rollen. Sie mögen depressiv sein, dürfen es aber nicht zeigen.
Daher z.B. auch der hohe Kokain-Konsum in diesen Schichten: Koks wirkt anti-depressiv. Der Preis dafür ist, dass sie in eine Art manische Psychose hineingeraten (vgl. das Beispiel jenes designierten Fußballbundestrainers).
Die privilegierten Dienstklassen (s. Funktionseliten) stehen unter großem Anpassungsstress: Sie müssen den Kapitalismus positiv sehen, obwohl alle Evidenz dagegen spricht.
Das führt zwangsläufig zum Hirnriss.
Die Ideologie der Kapitalismus ist das eine, seine Realität das andere.
Der Kapitalismus taugt nur dazu, eine technologisch unterentwickelte Gesellschaft zu entwickeln. Danach kommt es zu jenem Widerspruch zwischen den Produktivkräften und Produktionsverhältnissen.
Und dann schafft er weder allgemeinen Wohlstand, noch verkürzte er die Arbeit, noch entfaltet er die Ökonomie so, wie es längst gemäss dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt möglich wäre.
Da aber Kapitalismuskritik ein Tabuthema ist, machen sich die Dienstklassen – auch und besonders die akademisch qualifizierten – zum Affen und finden den Kapitalismus ganz toll oder zumindest als System ohne Alternative.
Warum meine These vom „Endgame“ des Kapitalismus?
Die USA und ihre europäischen Satelliten werden den Dritten Weltkrieg nicht gewinnen, der schon längst als Cold War und asymmetrischer Krieg im Gang ist.
Heute sind die USA aufgrund ihrer De-Industrialisierung noch nicht einmal mehr in der Lage, sich allein materiell zu reproduzieren.
Wie in den Elendsvierteln der Dritten Welt, legen Armen in den USA immer häufiger die Toten einfach auf die Straße.
http://www.rp-online.de/hps/client/opinio/public/pjsub/production_long.hbs?hxmain_object_id=PJSUB::ARTICLE::528831&hxmain_category=pjsub::opinio::/wirtschaft___soziales/geld
Warum gibt es zu Pessimismus keinen Grund?
Nach dem Kollaps des USA-EU-Systems, also dem Untergang der alten Imperial- und Kolonialmächte, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine neue und bessere Weltordnung entsteht. Das wird zwar noch einige Zeit dauern, vielleicht ein paar Jahrzehnte.
Was die gegenwärtigen USA-EU-Gesellschaften betrifft, so ist m. E. der Tiefstand weitgehend erreicht, allerdings noch nicht generalisiert. So wie z.B. die Hartz4-Slums in Berlin, so wird in ein paar Jahren ein Großteil dieser Gesellschaft aussehen. Armut kombiniert mit Zwangsarbeit wird zur Normalität für den Großteil dieser Gesellschaft werden.
Den großen Crash mit kathartischer Wirkung, die schöpferische Zerstörung mit anschließendem Wachstum und „sozialer Marktwirtschaft“ wird es nicht geben. Darauf werden die Liebhaber des Kapitalismus in den Mittelschichten vergeblich warten, denn die Gesellschaften werden langsam, aber kontinuierlich verfaulen.
Die etablierten Geistes- und Sozialwissenschaften sind längst zu Nonsens-Wissenschaften geworden. Da dominiert die Tauschwert-Logik der Selbstvermarktung, gesamtgesellschaftliche Gebrauchwerte können sie nicht mehr produzieren. Die Teilnehmer am akademischen Zirkus mögen sich zwar heute noch an ihren postmodernen Theorien mit entsprechender Terminologie aufgeilen, sich selbst ein (pseudo-)wissenschaftliches Design geben, aber auch sie werden – bis auf wenige Oberideologen – in Richtung Hartz4 gehen. Genauso wie das Gros der Medienstricher.
Für diese parasitären Schichten wird die „ungleiche Verteilung“, deren Opfer sie werden, dann auch irgendwie gerecht sein.
Und die dann noch privilegierten Schichten werden in einer Art „Menschenzoo“ leben (müssen).
Hallo Ham #258…so gerne ich Deine prophylaktisch geäußerten Visionen teilen würde, sie entbehren jeglicher überprüfbarer Grundlage.
Die Zukunft ist unbekannt.
Leider lehnen sich immer wieder argumentationsgehemmte Zeitgenossen aus dieses Fenster (passiert mir selber auch)…
Wie groß mag der Informationsgewinn für Jemanden sein, der diese Zukunftserwartung NICHT teilt. >0???
Ich merke immer wieder, dass HomoSapiens ein hoffnungsloser Wichtigtuer ist, der in den schlechtesten Momenten seiner Karriere sogar die Zukunft als “Claim” zu beanspruchen droht.
Immerhin ist dies Systemkonform.
Ich frage mich natürlich, ob diese Systemkonformität nicht von jeher eine Eigenschaft der “etablierten” Wissenschaften war…
@ HAM # 258 + pansen # 259
[Meld] – ich hätte da mal was…
Karl Marx
Kritische Randglossen zu dem Artikel »Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem Preußen« (»Vorwärts!« Nr. 60)
|402| [...] Wollte der moderne Staat die Ohnmacht seiner Administration aufheben, so müßte er das jetzige Privatleben aufheben. Wollte er das Privatleben aufheben, so müßte er sich selbst aufheben, denn er existiert nur im Gegensatz zu demselben. Kein Lebendiger aber glaubt die Mängel seines Daseins im Prinzip seines Lebens, im Wesen seines Lebens begründet, sondern in Umständen außerhalb seines Lebens. Der Selbstmord ist widernatürlich. Also kann der Staat nicht an die inwendige Ohnmacht seiner Administration, das heißt seiner selbst glauben. Er kann nur formelle, zufällige Mängel derselben einsehn und ihnen abzuhelfen suchen. Sind diese Modifikationen fruchtlos, nun so ist das soziale Gebrechen eine natürliche, vom Menschen unabhängige Unvollkommenheit, ein Gesetz Gottes, oder der Wille der Privatleute ist zu verdorben, um den guten Zwecken der Administration entgegenzukommen. Und welche verkehrte Privatleute? Sie murren gegen die Regierung, so oft sie die Freiheit beschränkt, und sie verlangen von der Regierung, die notwendigen Folgen dieser Freiheit zu verhindern!Je mächtiger der Staat, je politischer daher ein Land ist, um so weniger ist es geneigt, im Prinzip des Staats, also in der jetzigen Einrichtung der Gesellschaft, deren tätiger, selbstbewußter und offizieller Ausdruck der Staat ist, den Grund der sozialen Gebrechen zu suchen und ihr allgemeines Prinzip zu begreifen. Der politische Verstand ist eben politischer Verstand, weil er innerhalb der Schranken der Politik denkt. Je geschärfter, je lebendiger, desto unfähiger ist er zur Auffassung sozialer Gebrechen. [...] Die einzige Aufgabe eines denkenden und wahrheitsliebenden |406| Kopfes, angesichts eines ersten Ausbruchs des schlesischen Arbeiteraufstandes, bestand nicht darin, den Schulmeister dieses Ereignisses zu spielen, sondern vielmehr seinen eigentümlichen Charakter zu studieren. Dazu gehört allerdings einige wissenschaftliche Einsicht und einige Menschenliebe, während zu der andern Operation eine fertige Phraseologie, eingetunkt in eine hohle Selbstliebe, vollständig hinreicht.
Ganz so tragisch ist es mit der Zukunft nun auch nicht.
Ein ungebremstes Auto wird auch künftig den Berg hinab rollen statt hinauf…
@tischer
“Der Widerspruch, von dem hier geredet wird, ist in der Marxschen Theorie existent – und NUR dort.”
Sicher, wie ja auch Kausalitäten nicht in der Welt existent sind, sondern in den sie konzeptualisierenden Theorien. Ich halte Ihre Ausführungen für leicht nachvollziehbar und im Übrigen auch nicht für provokant. Ich meine allerdings, dass Ihre Ausgangskategorie des Sachverhalts – so überaus treffend ich sie finde (viel besser als z.B. ‘Ding’ oder ‘Phänomen’) – vielleicht etwas zu stark generalisiert. Wie gesagt, Sachverhalte, die Zeichen sind, verhalten sich ganz anders (fast möchte man sagen: widersprüchlich) im Vergleich zu Sachverhalten, die funktionieren, ohne verstanden werden zu müssen; aber das ist ein Nebenthema.
Ich glaube, dass die Einsprüche gegen Ihre Argumente daher rühren, dass Sie den Eindruck erwecken, dass Sie die Wirklichkeitsmacht der Unvernunft nicht anerkennen. Dass Sie z.B. die Erklärung der regionalen und schichtenspezifische Konzentration der Verfügungsgewalt und der Konsumchancen bei gleichzeitiger massenhafter Verelendung durch eine gesellschaftliche Zwecksetzungen, die ‘im Grunde’ ein performatives Paradoxon formuliert (nämlich die Vorstellung, dass gesellschaftliche Institutionen vor allem oder gar ausschließlich nur einem Gütekriterium unterworfen sind: in wiefern sie der Freiheit des Einzelnen zuträglich sind) für theoretisch unstatthaft halten. Ist dem so?
Der Witz der Marxschen Theorie besteht ja unter anderem darin, das motivationale Zentrum der bürgerlichen Gesellschaft (die Freiheit des Einzelnen) als motivationales Unding zu desavouieren, als in sich widersprüchliche Zweckbestimmung, deren Unvernunft sich in der Unfreiheit, die sie produziert, beweist.
Anmerkung zu # 260
Ich kenne ja nun schon das zweite System, was mit ‘Lust’ an die Wand fährt… mir hat obiger Text einmal dabei geholfen zu verstehen, weshalb ich in dem ersten, trotz aller meiner Kritik, die ich natürlich auch hatte, so ‘wunderbar’ funktionierte…
Ich hatte ihn für mich (einfach) so übersetzt: Je lebendiger ich an einer Gesellschaft teilhabe, so geringer ist mein ‘Einsehen’ daß es sich um grundsätzliche Fehler im System handelt, desto mehr bin ich geneigt, die Fehler einzelnen oder einzelnen Ausgestaltungen, aber nicht dem System als ganzem, zu geben.
@ Wat # 263
Dein zweites System wird aber nicht so einfach mit ein paar Demos beerdigt werden. Das unterschätzt Du gewaltig.
Es wird sehr viel Blut fließen.
Das ist für Demokratien normal.
Ich weiß – besser gesagt, da bin ich mir sicher!
Es fließt heute schon viel Blut, besonders in Kriegsgebieten, aber auch mitten in unserer Gesellschaft.
Man denke an die Menschen, die sich oder gar ihre ganze Familie umbringen.
Oder an die zunehmende Zahl von Menschen, die zu unschuldigen Opfern von Aggressions- und Gewaltdelikten werden, auf den Straßen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Schulen …
@Wat, HAM
Nochmal:
Eine Gesellschaft, die nur einen Wert kennt (Geld), kann mit Menschen nicht viel anfangen.
Übrigens würde ich den Verdummungsgrad per heute in der BRD bei ca. 800 % sehen ( Basis DDR 1989 = 100% ).
sehen.
Ja, stimmt…Man denke an die vielen Blutspender…
Ähmmm, hat einer Interesse daran, eine Naherwartungs-End-Game-Sekte zu gründen?
Als Räumlichkeiten für wöchentliche Gottesdienste bietet sich im Grunde sofort die Brücke um die Ecke an.
Ne rostige Tonne als Wärmequelle ist als Erstausstattung drin. Spende von mir…
Ist das ein Wort…oder ist das ein Wort?
@ Besserwisser # 267
Ich bin da aus ‘rein menschlicher Sicht’ etwas gnädiger.
Es klingt vielleicht herablassend, soll es aber nicht: Sie können nichts dafür, sie haben nie etwas anderes wirklich kennengelernt, sie sind hier groß geworden, haben hier gelernt/studiert, sich ihr Leben eingerichtet – sind mit Ideologie und vielen (richtigen aber auch zensierten) ‘Beispielen aus dem schlechten unfreien Leben anderer’ regelrecht bombardiert worden. Tagtäglich, stündlich, minütlich.
Die einen gehen dann nur noch in Ideologie auf, weil etwas anderes ja nur noch schrecklicher sein kann, die anderen sind so im System involviert, daß sie einfach nicht aus den Denkmauern und Denkblockaden herauskommen, sie klammern sich so lange wie möglich an: was nicht sein kann, das nicht sein darf!
Und meinen ‘lieben Ossis’ – da scheint zu gelten: Das darf nicht sein, daß wir auch noch freiwillig dahin wollten, wo es auch mit uns immer weiter bergab geht – es muß hier doch irgendwie gehen, ging doch bei den anderen, die immer schon dort waren, auch mal… oder so ähnlich.
@HAM
“Für diese parasitären Schichten wird die „ungleiche Verteilung“, deren Opfer sie werden, dann auch irgendwie gerecht sein.”
- parasitäre Schichten? Schreib doch bitte gleich ‘Ungeziefer’ oder meinethalben auch ‘Ratten und Schmeißfliegen’. Ich weiß, Du findest es eine bodenlose Frechheit, wenn man Dich, den aufrechten Vertreter der gerechten Sache in einem Meer von Dummheit und postmodernem Nonsense, auf die Nähe Deiner Rhetorik zu Denkhaltungen hinweist, die Du ablehnst. Dann schreib halt anständiger und vernünftiger und aale Dich nicht so peinlich in Deiner selbstgerechten Haltung des Alles-Checkers! Gilt für @besserwisser gleichfalls (“Ich aber sage Euch, der Verdummtheitsgrad beträgt heute, einen Moment bitte, jawohl: 800 % !!” – und alle so “yeah!”).
@dtischer
Verstehen – Identifizieren – Dokumentieren.
So geht Ihr Dreischritt, um Empirie im Unterschied zu Theorie zu definieren? Nun ja, abgesehen von der merkwürdigen Zusammenstellung und Reihenfolge (wie kann ich verstehen, was ich gar nicht identifiziert habe?) scheint mir das eher einem eigenartigen Verfahren der Theoriebildung als der Theoriekritik zu entsprechen. Sie können damit natürlich Ihre Theorie auf ihre ganz eigenen Füße stellen und damit begründen, warum “die Welt funktioniert”.
Das wäre dann die Tischersche Wissenschaftslehre. Von mir aus. Ich nehme mir theoretisch wie praktisch die Freiheit, dieses Konstrukt für irrelevant zu halten.
Kommen wir also zum Widerspruch:
Wenn Engels und seine Anhänger
in der Welt keinen Widerspruch (als Sachverhalt) finden, sondern ihn nur der Welt ZUSCHREIBEN – weil in der Welt überhaupt keine Widersprüche gefunden werden können (was ich damit begründe, dass Widersprüche keine weltlichen Sachverhalte sind) –
Das ist eine rein definitorische Methode, den Widerspruch (als logisches Element) aus der Welt (als Summe der “funktionierenden Sachverhalte” gem. Wissenschaftslehre à la Tischer) auszuschliessen. Damit ist zunächst nichts über den Erkenntnisgewinn ausgesagt, der sich aus einer solchen Zuschreibung ergibt. Ich könnte, statt “Widerspruch”, auch “zeitlich notwendig beschränktes Funktionieren” sagen, so wie das etwa ökologisch als “Nachhaltigkeit” bzw. deren Fehlen beschrieben wird. Ein Sachverhalt in der Welt: Wenn ich die Bäume schneller fälle als sie nachwachsen, dann sind nicht jetzt, aber notwendig irgendwann, keine Bäume mehr da und ich kann nicht weiter welche fällen. Wenn jetzt jemand meint, es könnten unter diesen Bedingungen auch seine Enkelkinder noch mit der Perspektive existieren, weiter so wie er selber Bäume zu fällen, so befindet er sich damit in einem Widerspruch, weil sein Verhalten (viele Bäume fällen) die notwendigen Bedingungen desselben (das Vorhandensein von Bäumen) notwendig aufhebt. So sind marx/engelsche Widersprüche gemeint.
Der Widerspruch, von dem hier geredet wird, ist in der Marxschen Theorie existent – und NUR dort.
Genau dieses NUR haben Sie nicht aufgezeigt. Dazu müssten Sie nämlich nicht nur wortklauberisch behaupten, dass es in der Realität (Empirie) gar keine Widersprüche (Logik) geben könne, sondern aufweisen, warum private Aneignung des Mehrwerts und damit stetig steigende Akkumulation des Kapitals NICHT zu einem Widerspruch führen muss, einem Widerspruch in dem Sinne des Baumfällers, also eine Systemlogik, die die Bedingungen ihres eigenen Fortdauerns aufhebt.
„Verdummung“ trifft m. E. das Phänomen nur unzureichend.
Die westdeutsche Gesellschaft war bis zu den 70-er Jahren anders.
Erst dann entwickelte sich eine Welle von Irrationalität und Pseudorationalität.
Theoriefeindlichkeit, unpolitisches Verhalten, unzählige Varianten von Esoterik, Okkultismus und Sektierertum, Drogenkonsum, Konsumsucht, Fatalismus etc.
In der Wissenschaft wurde mit dem radikalen Konstrukten die Existenz von objektiver Wahrheit in Frage gestellt. Alles wurde zum „Konstrukt“ deklariert, die Verbindlichkeit gesicherten Wissens aufgehoben und stattdessen ein Markt wissenschaftlicher Beliebigkeit eröffnet.
Viele US-Amerikaner erschienen damals – noch in den 60-er Jahren – aus deutscher Sicht als infantil und pubertär, amerikanische Frauen als zickig und frigide. Wie immer mit der Einschränkung: dies galt nicht für alle Amerikaner.
Damals gab es noch Versuche, sich gegen die Überschwemmung mit Produkten amerikanischer (Un)Kulturindustrie zu wehren. Vergeblich.
Danach wurden die Menschen in Deutschland jenen in den USA immer ähnlicher.
Seit den 70-er Jahren ist die westdeutsche Gesellschaft vom „American Way Of Life“ geprägt, seit den 80-er gibt es das Schund-Privatfernsehen, eingeführt von den (Pseudo-)Konservativen.
Heute ist die Qualität von öffentlich-rechtlichem und Privatfernsehen kaum mehr unterscheidbar.
Was die Ostdeutschen 1989/90 in Westdeutschland an Kultur vorgefunden haben, war nichts weiter als ein Abklatsch der US-amerikanischen. Nicht wenige Ossis fanden das ganz toll, sie kamen dann mit Cowboystiefeln, Jeans-Jacke und „Go West“-T-Shirt, und waren neben ihrer Kostümierung vor allem an ihrem sächselnden Akzent zu erkennen.
Wahrscheinlich können die wenigsten Ostdeutschen verstehen, dass bis in die 70-er Jahre es hier noch ein ganz anderes Deutschland gegeben hat.
Generell lässt sich sagen:
In den Köpfen der Individuen manifestiert sich die Krise und Irrationalität des Systems. In den 20-er und 30-er Jahren war dies nicht anders.
Wir wissen, was danach kam. Und nicht nur in Deutschland.
@Morph #270
Es ist das Hirn des Morph, das aus „parasitären Schichten“ eine Rede von ‘Ungeziefer’, ‘Ratten und Schmeißfliegen’ macht.
Nicht meines.
Das ist die Differenz, die Unterschiede macht.
Hallo Pansen 256
Sorry für die Verwirrung; ich sprach in 253 nach dem Semikolon wgn direkt an, natürlich nicht sehr erwartbar.
Vielleicht sagt wgn noch was zum Eigentum; lieber wgn, war auch nicht böse gemeint, Sloti als Kollegen zu bezeichnen, bezog sich nur auf den FAZ-Artikel. ;- )
Oder ärgerts dich, dass du ihm so knapp zugestimmt hast, statt ihn dezidiert auseinanderzunehmen.
Das “allen gehört allen” hatte ich ja weiter oben schon angemerkt, und WGN dabei geneckt, warum er denn hier Sloterdijk in seinem unglaublich schlechten FAZ-Artikel (“ich behaupte, also ist es so”)zu Rosseau zustimmte (in dem er übrigens noch locker flockig weiter ausführte, dass Steuer Enteignung ist).
Und da er nicht geantwortet hat, habe ich in der ANtwort an dich nochmal nachgehakt.
Jetzt aber gut, viel wichtiger ist ja die richtige Geldmenge.
Nein @ HAM – Morph hat recht.
So wie Du es benutzt hast, ist es ein Totschlagsargument und Deine Begründung macht es nicht besser.
Man kann wohl Meinungen/Einstellungen/Äußerungen verachten – man darf deshalb nicht die Menschen dieser gleichfalls verachten.
Btw – es sind nicht immer die anderen schuld.
@pansen #259
„Die Zukunft ist unbekannt.“
Und die Konsequenzen menschlichen Verhaltens sind damit generell nicht vorhersehbar und nicht prognostizierbar?
Was ist dies anderes als Agnostizismus und Fatalismus?
Und weiter, @pansen 253.
Um zu dem von Keynes herbeigedachten langsamen Tod des Rentiers zu kommen, bedarf es eines Zinses, der nahe Null liegt. Darauf beziehe ich mich…
“(40% der Unternehmensgewinne durch Finanzer legen dies nahe?) ”
Für mich das glasklare Ergebnis des Umstandes, dass sich diese “Renditen” in der Realwirtschaft der entsprechenden VoWi nicht mehr erzielen lassen.
Für mich nicht. Aber dazu noch später, hier ging es um die Möglichkeit, dass Rendite von den RealInvestoren zu den Finanzierern verschoben wird, also auch bei sinkenden Realzinsen noch länger Gläubiger zu finden sind. Aber eigentlich bestreite ich ja schon die abnehmenden Renditen, man sehe sich aktuelle (ok, fast aktuelle) EK-Renditen an.
IdR bedarf es zur Finanzierung von “Investitionen” eines Kredites. Bei einem Zins nahe Null entfällt aber die Belohnung für den Gläubiger. Warum also “investieren”, wenn unklar bleiben muss, ob die “Investition” auch wieder einen Flow erwirtschaftet…
WGN und meiner Wenigkeit ist klar, dass Kapitalismus zum Wachstum verdammt ist. Bei einem “Gesamtzinsniveau” nahe Null fängt dieser Motor bedenklich an zu stottern..
Ich will euch ja nicht in euer Modell reinreden, aber das scheint mir auch innerhalb nicht zu stimmen.
Nullzins durch die ZB heißt doch nicht Nullzins für Realinvestoren?.?
Hallo Pansen, jetzt zur Geldmenge, extra ein extra Beitrag.
Aua…Was genau eine richtige Geldmenge wäre, ist dermaßen unbekannt, dass es wehtut.
Das klingt in etwa wie “echtes Geld”…(vor kurzem ist mir mal folgenlos die Hutschnur geplatzt, als hier jemand avon “echtem Geld” fabulierte…)
Ok…Etwas weniger brilliant als Frage: WAS ist eine genau richtige Geldmenge???
Genau richtig, geschenkt; ein paar Milliarden machen da nichts.
Ein paar Billionen schon.
Natürlich kann man meine Abschätzung (r=5, macht bei Y=2500 eine M von 500) abschätzig geringschätzen. Aber sehr weit weg wird es nicht sein.
Die M=2000 dagegen schätze auch ich sehr gering; das ist M3, die Einlagen der Nichtbanken + Bargeld sind schon rund 3.000, die Kredite 3.700. (und was die Banken noch so gegenseitig anschieben, ist ja gar nicht drin; findet man diese Zahlen?)
Die Entwicklung, dass beim Wachstum Y um 4% M mit 10% wächst, kann nicht gesund sein.
Für 100 MRD Sozialprodukt also 200 MRD mehr Geld (in geringer Abschätzung).
Es sollte wohl jedem, unabhängig seiner Modellannahmen, auffallen, dass da etwas nicht passt.
Wenn es keine irrlichternden “Investitions”Innovationen gäbe, gäbe es sofort Preissignale, und Y würde relativ schnell wieder zu M passen. Ein Weg. (dann führt expansive GP sofort zu Inflation)
Ein anderer ist die Definition einer angemessenen Relation Y zu M, und gleichschrittiges Wachstum.(keine expansive GP möglich)
Offenbar ist klar: die Notenbank kann nicht die Hände heben und sagen, sie kann nichts tun.
Aber es ist klar, wie es kommen wird, ein Blick in die Geschichte aller Papierwährungen zeigt den Weg.
Es geht mir ja um Euch
Keynes hatte in vielem Recht, aber deswegen kann er doch mit expansiver Geldpolitik i.A. auch völlig daneben gelegen haben. (und ich bin mir sehr sicher, dass er in den letzten Jahrzehnten nicht über restriktive GP geklagt hätte).
Mit besten Grüßen.
@topi
Die Entwicklung, dass beim Wachstum Y um 4% M mit 10% wächst, kann nicht gesund sein.
Für 100 MRD Sozialprodukt also 200 MRD mehr Geld (in geringer Abschätzung).
Es sollte wohl jedem, unabhängig seiner Modellannahmen, auffallen, dass da etwas nicht passt.
Könnte das nicht auch daran liegen, dass die Umschlagshäufigkeit bei “Investitionsinnovationen” wesentlich geringer ist als bei realen Investitionen in Güter? Wenn da nur einmal jährlich was von Fonds A in Fonds B verschoben wird, r=1.
Schon Marx wies darauf hin, dass eine hohe Geldmenge gerade NICHT auf eine schnelle, wachsende, sondern eher auf eine stockende Wirtschaftstätigkeit hindeutet.
@ lemming # 271
>merkwürdige Zusammenstellung und Reihenfolge … eher einem eigenartigen Verfahren der Theoriebildung als der Theoriekritik zu entsprechen>
Es ist nicht Theoriebildung und auch nicht Theoriekritik.
Ich habe etwas genauer erklärt, unter welchen Bedingungen Engels feststellen kann, dass das, was er behauptet, als Sachverhalt in der Welt existiert.
Bedingungen für etwas zu benennen, ist nicht Theoriebildung.
Ich hätte auch ganz einfach sagen können: „gesellschaftliche erzeugte Produkte“ und „Aneignung durch die Kapitalisten“ sind EMPIRISCH feststellbare Sachverhalte (oder auch nicht feststellbare, wenn sie nicht existieren).
Fertig.
Kein Mensch, der auch nur eine Sekunde darüber nachdenkt, würde damit irgendeine Theoriebildung verbinden.
>Ein Sachverhalt in der Welt: Wenn ich die Bäume schneller fälle als sie nachwachsen, dann sind nicht jetzt, aber notwendig irgendwann, keine Bäume mehr da und ich kann nicht weiter welche fällen.>
Egal, ob das nun ein oder mehrere Sachverhalte sind – eindeutig JA.
>Wenn jetzt jemand meint, es könnten unter diesen Bedingungen auch seine Enkelkinder noch mit der Perspektive existieren, weiter so wie er selber Bäume zu fällen, so befindet er sich damit in einem Widerspruch, weil sein Verhalten (viele Bäume fällen) die notwendigen Bedingungen desselben (das Vorhandensein von Bäumen) notwendig aufhebt. So sind marx/engelsche Widersprüche gemeint.>
Falsch.
Wenn jemand das meint, dann befindet er sich nicht in einem Widerspruch – ich weiß nicht, was es überhaupt heißen soll „sich in einem Widerspruch zu befinden“ –, sondern: Er IRRT.
Wenn Irrtümer für marx/engels Widersprüche wären, müsste man sie Dummköpfe nennen.
>Der Widerspruch, von dem hier geredet wird, ist in der Marxschen Theorie existent – und NUR dort.
Genau dieses NUR haben Sie nicht aufgezeigt.>
„Aufgezeigt“ – doch, das habe ich (jedenfalls wie folgt nachvollziehbar).
Ich habe die These vertreten (was zugegeben nicht „bewiesen“ heißt), dass es Widersprüche IN der Welt nicht gibt.
Wenn das richtig ist, dann müssen Widersprüche woanders zu finden sein.
Dieses woanders kann im Zusammenhang mit „gesellschaftlich erzeugte Produkte“ und „Aneignung durch die Kapitalisten“ nur die Marxsche Theorie sein.
Ich meine damit nicht, dass die Marxsche Theorie selbst widersprüchlich ist, sondern nur, dass sie behauptet, in der Welt gibt es diesen Widerspruch.
Was übrigens auch heißt: Wenn ein solcher Widerspruch in der Welt aber nicht festgestellt werden kann, dann ist die Theorie falsch. Das ist ein weiterführender Gedanke, der allerdings nichts mit der Meinungsverschiedenheit hier zu tun hat. Denn es geht hier nicht um die Marxsche Theorie.
„Aufgezeigt“ heißt also: Eine Schlussfolgerung aus der These gezogen zu haben, dass Widersprüche IN der Welt nicht festzustellen sind.
Kann dennoch jemand solche Widersprüche in der Welt feststellen, dann bin ich widerlegt.
Das muss dann aber auch mal jemand TUN statt immer nur davon zu reden, dass es sie in der Welt gibt.
Also, beispielsweise:
Ich will etwas darüber hören, wie festzustellen ist, dass Blätter grün und GLEICHZEITIG nicht grün sind.
@Wat. #275
Nein, dass es gesellschaftliche Schichten gibt, die auf Kosten anderer leben, ist eine objektive Realität. Solches Verhalten wird als “parasitär” bezeichnet.
Für mich sind es dennoch Menschen und kein „Ungeziefer“.
Diese Assoziation mit ‘Ungeziefer’, ‘Ratten und Schmeißfliegen’ kommt einzig und allein von Morph.
Und Deine blödsinnige Unterstellung kommt einzig und allein aus Deinem Hirn.
Du gehörst offensichtlich auch zu denen, die hier nicht zwischen der Klassifikation eines Verhaltens als parasitär und der Klassifikation eines Menschen als „Ungeziefer“ unterscheiden können. Gewissermaßen die Gutmenschenversion, die in faschistischen Kategorien denkt.
Bedauerlich.
@dtischer
Na ja, wir nagen das Brett schon noch durch, mangels Motorsäge, schliesslich geht es hier nur um Wörter:
Also:
Wenn jemand das meint, dann befindet er sich nicht in einem Widerspruch – ich weiß nicht, was es überhaupt heißen soll „sich in einem Widerspruch zu befinden“ –, sondern: Er IRRT.
Richtig. Wenn der Kapitalismus ein Mensch wäre, würde er sich irren. Es wäre nun aber reichlich komisch zu behaupten “Der Kapitalismus irrt sich”. Kaum besser wäre: “Der Kapitalismus ist ein Irrtum”, denn dann müsste man fragen, wer denn genau der Irrende ist – und Sie würden sicher zu den ersten dabei gehören…
Da er aber kein Mensch ist, sondern ein ökonomisches System, befindet er sich als solches mit seiner eigenen Zukunft im Widerspruch, weil er eben diese aufgrund seiner eigenen Dynamik und Funktionsweise verunmöglicht, wozu noch kommt, dass er (das System nach seiner eigenen Verwertungslogik) stets auf Zukunft und Beschleunigung aus ist, auf Maximierung, Wachstum etc.
Ansonsten ist zur marxschen Begrifflichkeit festzustellen, dass sie sich primär mit gesellschaftlichen Phänomenen befasst, nicht mit “der” Welt, die Sie als metaphysisch ewig funktionierendes Mirakel so im platonischen Sinn zu haben scheinen.
Zu behaupten, die grünen Blätter eines Baumes würden sich im Widerspruch zu ihrem Vergilben im Herbst befinden, wäre nun freilich Unfug, oder allenfalls Metapher. Sie sollten solches aber nicht der marxschen, und auch keiner anderen soziologischen oder ökonomischen Theorie unterschieben.
PS @tischer
Der Widerspruch im Marxschen Sinne hat natürlich noch eine andere, nicht auf die Zukunft bezogene Komponente. Sie meint den Widerspruch im Sinne eines Antagonismus, widerstreitender Interessen, Konflikte – also etwa den Klassenkampf.
@Wat.
Nein @ HAM – Morph hat recht.
Nein, Morph hat NICHT recht. Er hat etwas assoziiert und interpretiert, das wohl mehr über ihn mehr aussagt als über das, was HAM tatsächlich geschrieben hat.
(Mit dem ich übrigens nicht einverstanden bin, aber das ist eine andere Sache.)
@ morph # 262
>Ich meine allerdings, dass Ihre Ausgangskategorie des Sachverhalts – so überaus treffend ich sie finde (viel besser als z.B. ‘Ding’ oder ‘Phänomen’) – vielleicht etwas zu stark generali-siert.>
Das mag so rüber gekommen sein, zu generalisieren war aber nicht meine Absicht.
Speziell die zitierten Aussagen von Engels beziehen sich auf Sachverhalte, weshalb ich nur darauf abgehoben und nicht über Dinge gesprochen habe, die es natürlich auch in der Welt gibt.
>Wie gesagt, Sachverhalte, die Zeichen sind, verhalten sich ganz anders (fast möchte man sagen: widersprüchlich) im Vergleich zu Sachverhalten, die funktionieren, ohne verstanden werden zu müssen; aber das ist ein Nebenthema.
Mich würde ein Beispiel dafür interessieren. Ich kann mir im Augenblick schwer vorstellen, dass sich Zeichen irgendwie verhalten können.
>Ich glaube, dass die Einsprüche gegen Ihre Argumente daher rühren, dass Sie den Eindruck erwecken, dass Sie die Wirklichkeitsmacht der Unvernunft nicht anerkennen.>
Das kann ich nicht beurteilen.
Ich will in der Diskussion lediglich darlegen, dass von der Gegenseite mit einer atemberaubender Selbstgewissheit unreflektierte Behauptungen über Sachverhalte getroffen werden. Mit „unreflektiert“ meine ich, dass immer wieder Existenzbehauptungen über Widersprüche übernommen oder aufgestellt werden, ohne z. B. auch nur einmal zu fragen, WIE überhaupt ein Widerspruch in der Welt festgestellt werden kann.
Insofern ich gegen sie argumentiere, erkenne ich die Unvernunft an.
>Dass Sie z.B. die Erklärung der regionalen und schichtenspezifische Konzentration der Verfügungsgewalt und der Konsumchancen bei gleichzeitiger massenhafter Verelendung durch eine gesellschaftliche Zwecksetzungen, die ‘im Grunde’ ein performatives Paradoxon formuliert (nämlich die Vorstellung, dass gesellschaftliche Institutionen vor allem oder gar ausschließlich nur einem Gütekriterium unterworfen sind: in wiefern sie der Freiheit des Einzel-nen zuträglich sind) für theoretisch unstatthaft halten. Ist dem so?>
Langer, schwieriger Satz, auch nach mehrmaligem Lesen.
Ich weiß nicht ganz genau, nach welcher Erklärung sie fragen, die ich möglicherweise für unstatthaft halte.
Ihre Frage interessiert mich und ich würde Ihnen gern antworten, auch weil ich vermute, dass ich bestimmte Ansichten bei der Beantwortung möglicherweise infrage stellen müsste.
Vielleicht können Sie sie etwas anders formulieren.
>Der Witz der Marxschen Theorie besteht ja unter anderem darin, das motivationale Zentrum der bürgerlichen Gesellschaft (die Freiheit des Einzelnen) als motivationales Unding zu desavouieren, als in sich widersprüchliche Zweckbestimmung, deren Unvernunft sich in der Unfreiheit, die sie produziert, beweist.>
Das ist ein interessanter Gedanke.
Meine Meinung dazu:
Ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt und wo in der Marxschen Theorie ein „motivationales Zentrum der bürgerlichen Gesellschaft“ festzumachen ist.
Ich habe auch leichte Zweifel, ob der Begriff “Zweckbestimmung” hier richtig ist.
Marx hätte meiner Meinung nach sagen können:
Die bürgerliche Gesellschaft hält sich für eine Gesellschaft von freien Menschen. Das ist eine Illusion, weil die Menschen Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind, nach denen sie nicht wirklich frei sind. Denn sie müssen, ob sie wollen oder nicht, zwanghaft handeln: die Arbeiter ihre Arbeitskraft verkaufen, die Kapitalisten bei Drohung des Untergangs akkumulieren. Zugespitzt würde er vielleicht sagen: Der „freie“ Bürger ist Sklave des Marktes, seiner in höchstem Maße freiheitlichen Institution. Er ist das, obwohl es im Markt (beim Tausch) nicht ungerecht zugeht und ihn kein anderer Mensch und keine Institution zu etwas zwingt.
@lemming
In der Tat.
Morph, Systemschreiber und Tischer fabulieren hier wie Schüler der 3.Klasse.
Von daher sollte man sie nicht weiter beachten.
@tischer
Marx hätte meiner Meinung nach sagen können: …
Ganz richtig, und so ähnlich hat er das ja auch gesagt. Und da haben Sie doch die dritte Dimension, also was es heisst “sich in einem Widerspruch befinden”. Nämlich sich für frei halten zu müssen, in der Freiheit der Arbeits- oder Kapitalverwertung, ohne eben von dieser frei zu sein. Das ist mehr als ein Irrtum. Ebenso das “motivationale”, also aus wirtschaftlichen Zwängen anders zu handeln als man es für richtig hielte. Auch dann befindet man sich nicht in einem Irrtum, sondern in einem Widerspruch. Man könnte das auch als Dilemma bezeichnen. Ebenso die Auffassung einer “funktionierenden Welt”, in der offensichtlich nicht alles funktioniert, Apologie, Theodizee, auch das ist nicht ein Irrtum, sondern eine Kompensation, oder eine Ausflucht.
@ Lemming 279
Könnte das nicht auch daran liegen, dass die Umschlagshäufigkeit bei “Investitionsinnovationen” wesentlich geringer ist als bei realen Investitionen in Güter? Wenn da nur einmal jährlich was von Fonds A in Fonds B verschoben wird, r=1.
Schon Marx wies darauf hin, dass eine hohe Geldmenge gerade NICHT auf eine schnelle, wachsende, sondern eher auf eine stockende Wirtschaftstätigkeit hindeutet.
Könnte. Wenn man die “Investitionsinnovationen” anerkennt, ist doch alles getan. ;– )
Wenn der reale Sektor “geräumt” wird und trotzdem noch soviel Geld übrig ist, muss es ja eine Überschußgeldmenge geben. Wenn Erträge aus dieser in Y auftauchen, verstärkt sich das Missverhältnis. Da muss man gar kein Gesellianer sein.
@Dietmar Tischer
Begriffe wie Krise, Konflikt und Widerspruch sind in der Poetik seit Aristoteles im Gebrauch. Mit diesen Begriffen läßt sich ein klassisches Drama, wie Hegel und Marx es kannten (z.B. Antigone oder Wallenstein), recht gut analysieren. (Oder denken Sie nicht?)
Anschließend übertragen Sie die Begriffe auf die das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem. Ich sehe nichts, was dagegen spricht, dies zu tun…
@ lemming
>Richtig. Wenn der Kapitalismus ein Mensch wäre, würde er sich irren. Es wäre nun aber reichlich komisch zu behaupten “Der Kapitalismus irrt sich”>
Sie haben von Menschen gesprochen und ich habe – auf Menschen bezogen – darauf geantwortet.
Jetzt reden Sie vom Kapitalismus.
Sie springen umher, das klärt nichts.
>… ein ökonomisches System, befindet er sich als solches mit seiner eigenen Zukunft im Widerspruch, weil er eben diese aufgrund seiner eigenen Dynamik und Funktionsweise verunmöglicht>
Egal, ob Marx und Engels das so gesagt hätten (was ich bezweifle):
Sie VERWENDEN den Begriff „Widerspruch“ so, wie ihn niemand ernsthaft verwendet.
Wenn sich das HEUTE real existierende System „Kapitalismus“ so entwickelt, dass es irgendwann in der ZUKUNFT nicht mehr existiert, dann heißt das:
Wir haben mindestens zwei UNTERSCHIEDLICHE Sachverhalte, einen heute und einen in der Zukunft.
Der Unterschied ist KEIN Widerspruch.
Denn die beiden Systeme existieren nicht GLEICHZEITIG.
Hintereinander können verschiedene Systeme existieren.
Das ist wie mit den Blättern:
Die können im Herbst gelb und im Frühjahr grün sein.
Nehme Sie doch einfach mal zur Kenntnis: Ein Widerspruch liegt vor, wenn der Fall ist „Etwas ist x UND es ist nicht x“.
Bei den Blättern wäre es ein Widerspruch, wenn sie (gleichzeitig) grün und nicht grün sind.
Das alles hat nichts mit Metapher, sondern Realität zu tun.
Ich habe nicht von der Welt gesprochen, wie man von ihr spricht, wenn man bestimmte metaphysische Probleme diskutiert. Ich habe von „in der Welt“ gesprochen und im Zusammenhang mit Engels den in der Welt existierenden Kapitalismus gemeint.
Wenn man Marxistisch oder nicht Marxistisch „widerstreitende Interessen“ oder „Konflikte“ feststellt, dann sollte man das so benennen.
Widersprüche sind es nicht.
# 278
>Und da haben Sie doch die dritte Dimension, also was es heisst “sich in einem Widerspruch befinden”. Nämlich sich für frei halten zu müssen, in der Freiheit der Arbeits- oder Kapitalverwertung, ohne eben von dieser frei zu sein>
Falsch.
a) Wenn ich mich für frei halte, aber nicht frei bin, dann ist das ein IRRTUM.
b) Wenn ich mich für frei halten MUSS (was Sie behaupten, aber die Frage ist), aber nicht frei bin, dann ist das ein IRRTUM (ob ich mich freiwillig oder aus irgendwelchen Gründen gezwungenermaßen für frei halte, ist unerheblich für die Tatsache, dass ich mich für frei halte).
c) Wenn ich mich für frei halte UND gleichzeitig überzeugt bin (was etwas anderes ist als „tatsächlich sein“), nicht frei zu sein, dann IST das ein WIDERSPRUCH.
Er findet im Kopf statt – kann als Gedanke formuliert werden – ist aber NICHT aufrecht zu erhalten.
Kein Mensch kann von etwas überzeugt und gleichzeitig vom Gegenteil überzeugt sein.
@ Stefan Enzinger
Sie können Begriffe übertragen, müssen aber wissen, wo und wie Sie das tun und nicht tun dürfen.
Siehe # 290, Antwort auf lemmings # 278
@ Besserwisser
>Morph, Systemschreiber und Tischer fabulieren hier wie Schüler der 3.Klasse.>
Ich habe hier von Ihnen noch keine Gedanken gelesen, der Sie jenseits des Vorschulalters ausweist.
Wie können Sie also über Schüler der 3.Klasse urteilen wollen.
@tischer #290
Na, wenn Sie nicht wollen, dann wollen Sie halt nicht. Sie können ja gerne bestimmen, was mit welchen Begriffen wie beschrieben werden kann, aber eben nur für sich, nicht für andere.
Meines Erachtens wurden in unserem Prozedere drei Widerspruchsebenen festgestellt:
a Bezogen auf das gesamte Wirtschaftssystem Kapitalismus, dessen Möglichkeit zu nachhaltiger Existenz der Marxismus bestreitet. Und zwar aufgrund von Widersprüchen bestreitet, die das System in die Disfunktionalität treiben, es geht an seinem Wachstum zugrunde, das eben ist der Widerspruch
b Bezogen auf gesellschaftliche Gruppen mit antagonistischen Interessen, naheliegend: Verteilungskämpfe zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Kapitalistengruppen, zwischen Arbeitergruppen, zwischen Transferempfängern (Zins/HIV)
c Bezogen auf Individuen, die ihre persönliche Freiheit nur dadurch erlangen können, indem sie wirtschaftlich erfolgreich sind, was sie aber den größten Teil dieser Freiheit wieder kostet.
Ob man das nach Tischerschem Begriffsverständnis so sagen darf oder nicht, weil es dem ersten Tischeraxiom “Die Welt funktioniert” unverträglich sein könnte, ist mir ehrlich gesagt ziemlich gleichgültig.
Gute Nacht.
@ HAM # 281
Nein, dass es gesellschaftliche Schichten gibt, die auf Kosten anderer leben, ist eine objektive Realität. Solches Verhalten wird als “parasitär” bezeichnet.
Natürlich, für wie blöd hältst Du mich eigentlich.
Dieser Text aus # 281 iauch geschrieben in die Reaktion in # 273 und ich hätte wohl nicht so reagiert.
Ich finde, in Zeiten, in den das Wort ‘parasitär’ gerade auf Menschen persönlich bezogen wird (Hartz4) sieht es vielleicht so aus, als könne die Benutzung nur eine Retourkutsche sein, eine Art Aufrechnung gegeneinander. M’s. Reaktion war entsprechend – die Antwort dann hat aber übergebügelt, nicht den Inhalt dargestellt.
Fazit: Vielleicht ist es wirklich falsch von mir bis zum letzten Moment erklären zu wollen – ändern kann ich mich da wohl nicht mehr – aber zukünftig wohl besser die ‘Klappe’ halten…
@HAM
die Semantik des Terminus “Parasit” ist ziemlich eindeutig und die Geschichte seiner Verwendung im Rahmen der Beschreibung sozialer Verhältnisse auch. Im Übrigen sprechen Deine antiamerikanischen Ressentiments in #272 für sich.
Mit dem Terminus “parasitäre Schicht” hast Du ja in dem Zusammenhang ja explizit die Leute klassifiziert, die in den Medien arbeiten (wozu ich im Übrigen nicht gehöre, keine Sorge), und das erinnerte mich an F. J. Strauß sel., der eben dieselbe Gruppe von Leuten einmal als “Ratten und Schmeißfliegen” bezeichnet hat (in den 1960er Jahren, die Dir intellektuell so golden vorkommen). Deine Beschreibungen der intellektuellen Entwicklung in D der letzten Jahrzehnte sind m.E. außerordentlich einseitig, sie überbetonen bestimmte – zweifellos kritikwürdige – Prozesse und blenden andere, die eher in andere Richtungen weisen, komplett aus.
Vor allem unterschlagen sie den Muff, das autoritäre Gehabe, die monströsen Tabus, die diese Zeit viel stärker geprägt haben als die intellektuelle Aufbruchstimmung, die es natürlich (und Gott sei dank!) gab. Vor diesem Hintergrund ist die gegenwärtige Lage viel offener, diskussionsfreudiger und, ja, lebenswerter. Mein Eindruck ist, dass die nach meiner Wahrnehmung intelligentesten und sensibelsten Menschen zwischen Mitte 20 und Mitte 30 heute ihren ‘Vorfahren’ der 1960er/70er Jahre, was das kritische Interesse und Denkvermögen angeht, in nichts nachstehen. Im Gegenteil, viele Formen autoritären Gehabes, verklemmter Praxen und ererbter Traumata (WK II und die Folgen) sind bei ihnen nicht zu beobachten.
Mir fällt an dem, was Du schreibst, eine rhetorische Form auf, und zwar eine, die mich persönlich extrem stört, weil sie der Gesellschaftskritik, an der ich Interesse habe, und die sich wahrscheinlich in vielem mit dem deckt, was Dich motiviert, m.E. einen Bärendiest erweist. Dazu gehört z.B. auch der Terminus “Schweinesystem”. Auch der hat einen eindeutigen historischen Ort. Den Ort des grandiosen und nachhaltigen Scheiterns linker Gesellschaftsanalyse, der Ort, an dem radikale Kritik in Psychopathologie umgekippt ist (mein Eindruck ist, dass sich die Linke vom Terror der 1970er Jahre nie wieder erholt hat; ich würde die Entwicklung der 1970er Jahre nicht als Amerikanisierung beschreiben, die alles platt gemacht hat, sondern als – tragische, nicht notwendige, endogen verursachte – Dekomposition einer undogmatischen Gesellschaftskritik in Terror einerseits und Esoterik andererseits).
Ich setze voraus, dass jeder links motivierte Diskutant um die Semantik und die Geschichte solcher Termini wie “Parasit” und “Schweinesystem” weiß.
Ansonsten ziehe ich es natürlich vor, nicht Rhetorik zu kommentieren, sondern Argumente zu erwägen. Dafür müssen aber Argumente genannt und nicht nur Dogmen auf der Basis von Klassikerzitaten kundgetan werden. Die Sprachspiele der Linken sind m.E. nicht revitalisierbar. Und je unkritischer und dogmatischer sich die Beiträge in diesen Blogkommentaren auf Marx beziehen, desto deutlicher wird mir das. Insofern, vielen Dank für Deine Beiträge, die mir als exemplarische Formen einer bestimmten Haltung dabei geholfen haben, eine gewisse Intuition zu klären. So long!
@tischer
“Langer, schwieriger Satz, auch nach mehrmaligem Lesen.”
ja, sorry, das passiert, wenn man nach dem Schreiben des Hauptsatzes noch Parenthesen einfügt und das dann alles zerhaut.
Kurz und knapp:
Wenn Widersprüche nicht in der Welt, sondern nur in Sätzen über die Welt vorkommen können, und wenn bewusste Handlungen durch Absichten, d.h. Zielbeschreibungen, konstituiert werden, kann es dann nicht widersprüchliche Absichten geben?
Und wenn so (um eine schöne Argumentverbindung zu zitieren, die Sie, aber auch Luhman, oft verwenden), lässt sich dann nicht auch ein tatsächliches Verhalten beobachten, dass als Ausdruck einer widersprüchlichen Zielbestimmung bestimmt werden kann?
Und weiterhin: Könnten nicht die faktischen, funktional (!) ineinandergreifenden Teilvollzüge gesellschaftlicher Prozeduren auch auf einer widersprüchlichen Zielbestimmung beruhen?
P.S. Zeichen ‘verhalten’ sich natürlich nicht wie Lebewesen, ich habe den Ausdruck verhalten so benutzt wie in dem Ausdruck: “die Sache verhält sich so und so.” – Mein Argument zu Zeichen wäre: Zeichen sind Sachverhalte, deren empirische Gegebenheit voraussetzt, durch sie die Vergegenwärtigung von etwas, das sie nicht sind, anzuerkennen. Ein Wort wird dadurch zu einem Wort, dass ich die empirisch vermessbare Lautfolge bzw. das Schriftbild als Vergegenwärtigung einer Sachvorstellung anerkenne, die eben gerade nicht in der Vorstellung der Lautfolge oder dem Schriftbild besteht. Identitätslogisch betrachtet liegt hier, denke ich, ein Widerspruch vor. Man könnte sagen, dass Zeichen Widersprüche sind, die sich in der Welt befinden.
@tischer
zur Präzision. Statt: “Könnten nicht die faktischen, funktional (!) ineinandergreifenden Teilvollzüge gesellschaftlicher Prozeduren auch auf einer widersprüchlichen Zielbestimmung beruhen?”
so: Könnten nicht die faktischen, funktional (!) ineinandergreifenden Teilvollzüge gesellschaftlicher Prozeduren auch auf einer übergreifenden kollektiven Zielbestimmung beruhen, die allerdings widersprüchlich ist?
18. 11
“Häufen Sie Widersprüche auf Widersprüche bergehoch, überschütten Sie alles mit Blumen, lassen Sie Funken und Blitze herausleuchten und nennen Sie’s BET TINA.”
http://www.wasistzeit.de/5dm/index.htm
@Morph #295
„Mit dem Terminus “parasitäre Schicht” hast Du ja in dem Zusammenhang ja explizit die Leute klassifiziert, die in den Medien arbeiten…“
Nein, habe ich nachweislich nicht.
Ich sprach vom „Gros der Medienstricher“ (s. #258). „Medienstricher“ sind jene, die gegen Geld ein falsches Bewusstsein erzeugen.
„die Semantik des Terminus “Parasit” ist ziemlich eindeutig und die Geschichte seiner Verwendung im Rahmen der Beschreibung sozialer Verhältnisse auch“
Nein, ist es nicht. Im Gegenteil.
Wer so argumentiert, dem fehlt es offensichtlich an Bildung oder er will bewusst verleumden.
Denn schon Blick z.B. in Wikipedia macht dies deutlich:
„Herkunft des Wortes
Parasit kommt von griechisch παράσιτος, pará- für neben und sitos für gemästet – ursprünglich für Vorkoster bei Opferfesten, die dadurch ohne Leistung zu einer Speisung kamen.
Das deutsche Wort Schmarotzer für einen Parasiten stammt vom mittelhochdeutschen smorotzer ab, das soviel wie Bettler heißt.“ (Wikipedia)
Wer so argumentiert, wie Du es tust, bei dem drängt sich der Eindruck auf, dass es ihm nicht um das soziale Phänomen – um die Sache – geht, sondern darum, mittels Unterstellungen, andere Menschen zu verleumden.
Anstatt die sozialen Phänomene – hier: Ausbeutung und Bewusstseinsmanipulation – zu thematisieren, geht es darum, den Fokus der Diskussion auf irgendwelche Begriffsklaubereien zu verschieben und/oder die Kritik an Ausbeutung und Bewusstseinsmanipulation vermittels moralisierender Argumentation zu diskreditieren. Und ein derartiges Vorgehen verkleidet sich regelmäßig in „linke“ Rhetorik.
Du bist durchschaut.
@ Morph # 296
>Wenn Widersprüche nicht in der Welt, sondern nur in Sätzen über die Welt vorkommen können … >
So ist es.
> … und wenn bewusste Handlungen durch Absichten, d.h. Zielbeschreibungen, konstituiert werden, kann es dann nicht widersprüchliche Absichten geben?
Ich würde es anders formulieren:
Kann es widersprüchliche Absichten geben, die dann zu Handlungen führen – Handlungen sind die Konsequenz von Absichten –, die auch widersprüchlich sind?
Ich bin ganz sicher, dass es widersprüchliche Überzeugungen nicht geben kann, d.h. KEIN Mensch kann der Meinung sein, dass x der Fall ist und nicht x der Fall ist. (Wenn Menschen widersprüchliche Überzeugungen haben, dann … könnte das die Definition von “verrückt” sein).
Daraus schließe ich, dass auch KEIN Mensch WOLLEN kann, dass durch SEINE Handlungen x eintritt und nicht x eintritt.
Allerdings:
Ein Mensch (oder viele) können „x“ wollen.
Ein anderer oder viele andere können „nicht x“ wollen.
Heißt:
Es gibt Ziele in der GESELLSCHAFT, die sich widersprechen – WIR als widersprüchlich BEZEICHNEN können.
>Könnten nicht die faktischen, funktional (!) ineinandergreifenden Teilvollzüge gesellschaftlicher Prozeduren auch auf einer übergreifenden kollektiven Zielbestimmung beruhen, die allerdings widersprüchlich ist?>
Definitiv JA!
Das ist vielleicht das Schlüsselproblem, vor dem wir stehen:
Die Menschen haben Ziele, die NICHT miteinander VEREINBAR sind, beispielsweise – pauschal ausgedrückt, um zu verdeutlichen, was ich meine – wollen sie immer mehr vom Staat haben, aber immer weniger an den Staat abführen.
Die Ursache für solche kollektiven Zielbestimmungen ist meiner Ansicht nach zweifach:
a) die Menschen verstehen die Funktionalität nicht, d. h. nicht das Ineinandergreifen von Systemfunktionalitäten, insbesondere nicht die Interdependenzen von Subsystemen. Beispiel: Sie verstehen vielfach nicht, dass Mindestlöhne auch Kosten erhöhen können – ich formuliere das mal bewusst so vorsichtig, um mit diesem Thema nicht eine neue Debatte loszutreten – und so zu mehr Arbeitslosigkeit führen. Der Fokus ist fast immer NUR, von Leuten wie DG-Sommer zementiert: Man muss von der Arbeit leben können. Wünsche ich jedem, blendet jedoch das Verstehen von Zusammenhängen aus.
b) die Menschen denken nicht um die „Ecke“, d. h. sie ignorieren fast systematisch die Konsequenzen, die mit ihren Zielvorstellungen verbunden sind. Ich erlebe das bei Rentendiskussionen in Ostdeutschland immer wieder. Man fordert gleiche Rentenhöhe wie in Westdeutschland, fragt sich aber nicht, wie das finanziert werden soll. Erwähnt man diesen Aspekt, wird das als Gegenposition aufgefasst, was er natürlich nicht ist.
Eine ganz andere Frage ist, ob DIE (eine!) kollektive Zielbestimmung WIDERSPRÜCHLICH ist bzw. sein kann.
„Kollektiv“ ist hier BEGRIFFLICH etwas anderes als diese Zielbestimmung oder jene Zielbestimmung dieser oder jener Menschen (siehe Ausführungen am Anfang).
Sie wäre es, wenn sie EXPLIZIT beinhalten würde: kollektive Zielbestimmung ist x UND nicht x.
Ich glaube, dass sie das nicht explizit beinhaltet, jedenfalls wenn man die Menschen nach ihren Zielen befragte und daraus auf eine „kollektive Zielsetzung“ schließen würde.
Ob ein solcher Widerspruch IMPLIZIT besteht, weiß ich nicht.
Es wäre meiner Ansicht nach schwierig nachzuweisen, dass die kollektive Zielbestimmung x UND nicht x beinhaltet.
„Nicht vereinbar“ – das trifft es meiner Ansicht nach hinreichend genau.
Alles Quatsch! Ich bin weg!
@ lemming, D. Tischer
Mir kommt es häufig so vor, als würdet Ihr die zwei Pole eines gedanklichen Kontinuums bilden, von denen der eine unumgänglich auch den anderen hervorbringen muß… These, Antithese, Synthese sozusagen, wenn wir schon dabei sind… (HAM etwa sprengt das Kontinuum bereits und gibt hier zunehmend gern den apokalyptischen Reiter…)
Kleiner Input zu den Widersprüchen: Ihr redet hier ja wohl von dialektischen und nicht von logischen Widersprüchen – und erstere finden sich wohl weder innerhalb von Theorien noch in den Dingen, sondern sie sind selbst gedankliche Konstrukte zur Erklärung von Gesellschaftsgeschichte, also Muster zur Beschreibung sozialer Realitäten. Als solche sind sie weder objektiver noch subjektiver Natur, sondern… intersubjektiv, sie werden wirkungsmächtig nur, wenn Menschen, die wir als Akteure verstehen können, diese Beschreibungsmuster – vor dem Hintergrund eines überlieferten Verständnisses von “Ich” und Gesellschaft – in ihrer Lebenswirklichkeit wiederfinden und durch ihr soziales Interagieren und Handeln fortwährend bestätigen. Insofern – aber nur dann – haben diese Widersprüche auch durchaus ein materielles Korrelat.
Kommen wir dann also zu dem Widerspruch zwischen gesellschaftlichem Charakter der Produktion und der privaten Aneignungsform des Mehrprodukts. Im Fabrikindustrialismus des 19. Jahrhunderts war der Widerspruch für den Arbeiter konkret erfahrbar durch die innerbetriebliche Organisation der Arbeitsteilung, das sichtbare Ineinandergreifen verschiedener Arbeitsschritte zur Erstellung eines Produkts, also den kollektiven, planmäßig vollzogenen Produktionsprozeß bei gleichzeitiger Abtrennung der Usus-Fructus-Rechte von den Produzenten.
Das Paradoxe des heutigen postfordistischen Kapitalismus besteht m.E. ja darin, daß die Vergesellschaftung der Produktion objektiv seither noch vorangeschritten ist und weitgehend über staatliche Institutionen vermittelt wird. (Schön ist das daran zu sehen, daß es gerade die Laissez-Faire-Liberalen sind, die mit am lautesten über den Zustand des staatlichen Bildungssystems klagen, dessen Funktion für den kapitalistischen Reproduktionsprozeß sie offenbar nicht hoch genug veranschlagen können.)
Gleichzeitig ist daß Maß an Vergesellschaftung jedoch für den Einzelnen in einem postindustriellen Zeitalter nicht mehr lebensweltlich wahrnehmbar. Nur noch ein vergleichsweise geringer Anteil der Arbeitenden ist heute unter einem solchen Mobilisierungsregime tätig, wie das um 1900 der Normalfall war, und gerade diese Arbeiter gehören heute oft eher zur gut bezahlten “Arbeiteraristokratie” mit einer stark individualisierten Lebensführung, Eigenheim und Kapitallebensversicherung.
Eine verbreitete Wahrnehmung des “Charakters der Produktion” im Postfordismus ist jedoch die des isolierten Input-Leisters, für den das Wesen des arbeitsteiligen Prozesses nicht mehr konkret erlebbar wird. Ihm erscheint die Produktion – zumal im tertiären Sektor – zunehmend als eine zerhackte Sequenz individueller Inputs. Damit verschwindet auch der genannte Widerspruch aus dem Bewußtsein, er verliert seine Bekräftigung durch intersubjektives Sprechen und Handeln – und… damit verschwindet er in der Tat.
Er könnte allenfalls politisch rekonstruiert werden, aber so etwas ist natürlich außerhalb der Vorstellung jener, für die politische Institutionen des Teufels sind und die statt dessen so von einem Dahinscheiden des Kapitalismus an seinen eigenen Widersprüchen träumen.
(Meine – zugegebenermaßen spekulative – Idee ist ja die, daß eine privatkapitalistische FORM der Aneignung durchaus vereinbar ist mit ihrer faktischen Sozialisierung. – Selbst ein BGE könnte verstanden werden als Kapitaleinkünfte, die einem jeden Gesellschaftsmitglied aus einem ererbten Anteil am gesellschaftlichen Kapitalstock erwachsen.)
“Es wird Blut fließen!”
Freilich:
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-28214-2.html
@Wat.
„Ich finde, in Zeiten, in den das Wort ‘parasitär’ gerade auf Menschen persönlich bezogen wird (Hartz4) sieht es vielleicht so aus, als könne die Benutzung nur eine Retourkutsche sein, eine Art Aufrechnung gegeneinander.“
Leben jene Menschen, die Sozialfürsorge bekommen, auf Kosten anderer Menschen?
Eine Position, die so etwas behauptet, stellt die Zusammenhänge falsch dar.
Normale Sozialhilfeempfänger leben nicht auf Kosten anderer Menschen.
Sondern es sind Menschen in Not, die Hilfe aus einem gesellschaftlichen Solidarsystem erhalten.
Wären nicht sie in Not, dann würden sie andere, in Not befindliche Menschen über ihre Steuern unterstützen (müssen).
Folglich handelt es sich um eine Solidarbeziehung, die auf Gegenseitigkeit beruht und das Überleben aller Menschen sichert, welche sich in diesem Beziehungskontext befinden.
Mit parasitärer Beziehung ist hingegen eine Struktur gemeint, in der ein Teil auf Kosten eines anderen lebt, und zwar ohne Gegenleistung. Es ist keine reziproke Beziehung, sondern eine ausbeuterische.
Was wollen jene, welche davon reden, dass Hartz4ler auf Kosten anderer Menschen leben?
Zunächst stellen sie den Zusammenhang falsch dar, so als handele es sich um den Bezug einer Leistung ohne Gegenleistung. Was völlig falsch ist. Denn der Leistungsbezug ist ähnlich wie bei einer Versicherungsleistung. Da wird in eine Versichertengemeinschaft eingezahlt, und im Versicherungsfall hat jeder Anspruch auf Versicherungsleistungen.
Ähnlich verhält es sich beim Sozialstaat. Jeder Staatsbürger, der hilfsbedürftig ist, hat Anspruch auf Sozialfürsorge.
Indem die Sozialfürsorge als „Leistung ohne Gegenleistung“ dargestellt wird, wird der Eindruck erweckt, als schulde der Sozialfürsorgeempfänger eine Gegenleistung.
In genau diese Richtung zielt auch die Rede, dass wer nicht arbeitet, auch nicht essen soll.
Der Normalfall ist jedoch, dass arbeitslose Sozialfürsorgeempfänger arbeiten wollen, aber nicht arbeiten können, weil die herrschenden Machtgruppen eine Aufteilung des gesellschaftlichen Arbeitsvolumens auf alle Arbeitswilligen durch die entsprechende Senkung der Wochenarbeitszeit verweigern.
Stattdessen wird von den Sozialfürsorgeempfängern gefordert, dass sie jede Arbeit annehmen, und zwar unabhängig von der Beschaffenheit der Arbeit und von deren Bezahlung.
Damit wird den Betroffenen Kontrahierungsfreiheit genommen, also das Recht, Vertragsbeziehungen einzugehen oder nicht. Dies aber ist ein Grundrecht. Fehlt die Kontrahierungsfreiheit, dann handelt es um Zwangsarbeit.
Klar, nun kann man formal einwenden, dass der Hartz4ler nicht zur Arbeit gezwungen wird, er hat ja die Freiheit, auf Sozialleistungen verzichten.
Das ist natürlich eine zynische Argumentation. Denn die Freiheit, die übrig bleibt, ist die, sich für Prostitution, Kriminalität, Betteln, Schnorren, Verhungern und/oder Erfrieren zu entscheiden.
Fazit:
Die Darstellung der Sozialfürsorge als „Leistung ohne Gegenleistung“ will die Etablierung eines Zwangsarbeitssystems legitimieren.
Doch nicht der Sozialhilfeempfänger schuldet dem Staat eine Gegenleistung. Es ist genau umgehrt.
Denn es ist die Politik bzw. das kapitalistische System, wodurch arbeitswillige Menschen zu arbeitslosen und sozialhilfebedürftigen Menschen gemacht werden. Weil sich die Politik weigert, das vorhandene Arbeitsvolumen aufzuteilen und damit gewollt Arbeitslosigkeit aufrechterhält.
Die Darstellung der Sozialfürsorge als „Leistung ohne Gegenleistung“ ist eine typische Argumentation des Sozialdarwinismus.
Im Unterschied dazu spricht die faschistische Argumentation einem Menschen mit – realem oder zugeschriebenen – „parasitären Verhalten“ Menscheneigenschaften und damit Menschenrechte ab, indem sie diese Menschen als „Ungeziefer“, „Ratten“, „Schmeißfliegen“ etc. bezeichnet.
Völlig blödsinnig bzw. niederträchtig ist, die Kritik und Benennung von parasitärem Verhalten gesellschaftlicher Gruppen oder einzelner Menschen als „faschistisch“ zu deuten oder damit zu assozieren.
Denn damit wird ein Junktim zwischen der Klassifizierung von menschlichem Verhalten als parasitär und der Absprechung von Menscheneigenschaften und Menschenrechten hergestellt, welches allein im Kopfe des Beobachters bzw. Interpreten entsteht.
Und dieses Junktim ist strukturidentisch mit jenem, welches die Faschisten herstellen.
Wer als „Gutmensch“ ein solches Junktim herstellt, der sollte sich ernsthaft fragen, was in seinem Gehirn so vorgeht.
Zudem stellt sich die Frage, welche FUNKTION die Tabuierung des Terminus „parasitär“ zur Kennzeichnung sozialer Ausbeutungsverhältnisse hat?
So ist beispielsweise bei Mark zu lesen:
„Das Kreditsystem, das seinen Mittelpunkt hat in den angeblichen Nationalbanken und den großen Geldverleihern und Wucherern um sie herum, ist eine enorme Zentralisation und gibt dieser Parasitenklasse eine fabelhafte Macht, nicht nur die industriellen Kapitalisten periodisch zu dezimieren, sondern auf die gefährlichste Weise in die wirkliche Produktion einzugreifen – und diese Bande weiß nichts von der Produktion und hat nichts mit ihr zu tun. Die Akte von 1844 und 1845 sind Beweise der wachsenden Macht dieser Banditen, an die sich die Finanziers und stock-jobbers anschließen.“ (MEW 25, 560)
Hat Marx damit den Menschen in dieser „Parasitenklasse“ menschliche Eigenschaften abgesprochen?
Handelt es sich hier um eine „Biologisierung des Sozialen“?
Nein, parasitäres Verhalten ist ein „Lebensprinzip“, welches sich sowohl in der Natur wie auch in menschlichen Gesellschaften findet. Ein „Lebensprinzip“, welches das Gegenteil von Symbiose ist.
Es ist für menschliche Gesellschaften inakzeptabel, weil es die Gesellschaften zerstört.
Ein Tabu, welches ohne jegliche Differenzierung darauf abzielt, zu „verbieten“, parasitäres Verhalten als „parasitär“ zu benennen, hat die Funktion – so meine These – Sozialkritik am parasitären Verhalten zu diskreditieren.
„HAM etwa sprengt das Kontinuum bereits und gibt hier zunehmend gern den apokalyptischen Reiter“
apokalyptische Reiter
Niemand kündigt hier einen bevorstehenden Weltuntergang an.
Marx und Engels beschreiben den Prozess der kapitalistischen Ökonomie, welcher die Vergesellschaftung der Produktion vorantreibt, krisenhaft verläuft und daher eine Tendenz zur Aufhebung der privatkapitalistischen Produktionsweise entwickelt. Aber nicht als Geschichtsautomatismus.
Von „apokalyptischen Reitern“ zu unterscheiden sind Mahner und Warner.
So Engels und Luxemburg mit ihrer Warnung vor barbarischen Zuständen.
So Orwell und Huxley mit ihren Visionen von gesellschaftlicher Entwicklung.
Um nur einige, sehr bekannte Mahner und Warner zu nennen.
Die entscheidende Frage:
Lagen sie richtig oder falsch?
PRODUKTIONSVERHÄLTNISSE
News aus der Marktwirtschaft
„Knapp 50 Millionen US-Amerikaner hatten im vergangenen Jahr Schwierigkeiten, sich ausreichend zu ernähren. …
Sie hätten für einen aktiven und gesunden Lebensstil nicht genug zu essen, hiess es.
Unter ihnen waren auch 16,7 Millionen Kinder, 4,3 Millionen mehr als 2007.“
http://bazonline.ch/ausland/amerika/50-Millionen-leiden-Hunger-in-den-USA/story/31887179
@ HAM
Lagen sie richtig oder falsch?
Am einfachsten zu beantworten ist die Frage wohl für Orwell. “1984″ beinhaltet ja nun die implizite These, daß sich in der westlichen Welt im Zusammenhang mit der beginnenden Blockbildung ein extrem ausbeuterisches und ultra-totalitäres Regime herausbilden werde, als Pendant zum Stalinismus in der Sowjetunion. Obgleich Orwell in einzelnen Punkten richtig lag (etwa mit seiner Voraussage des Bruchs zwischen China und Rußland), so ist seine düstere Zukunftsvision offensichtlich nicht eingetroffen. In Westeuropa hat sich als Folge der Systemkonfrontation keine fortwährende totalitäre Kriegswirtschaft herausgebildet, sondern ein Wohlfahrtsstaat mit bisher nicht dagewesenen Partizipationsrechten, und in der Sowjetunion selbst hat der Stalinismus seinen Schöpfer nicht überlebt; was folgte, war ein ineffizienter Autoritarismus mit zunehmender Fragmentierung der Macht, aber kein totalitäres Terrorregime mehr.
Was Engels’ Alternative angeht, so muß man die Frage wohl als unbeantwortet ansehen, da sie eine Antwort nur vom Standpunkt einer wie auch immer gearteten postkapitalistischen Ordnung oder Unordnung erfahren kann. Dito für Luxemburg, wobei bei ihr noch der dem Kapitalismus angeblich inhärente Zwang zum Übergang in einen Imperialismus eine Rolle spielt. Wenn man den Ausdruck “Imperialismus” nun nicht völlig beliebig verwenden will, sondern im konkreten Kontext der großen Kolonialreiche, dann wird man zu diesem Teil der Luxemburgschen Prognose wohl sagen können, daß er sich nicht bewahrheitet hat.
@HAM#299
Nee, stimmt, in Bildung war ich immer vier-minus. Genau wie Reli. Aber ich sprach ja auch von Semantik und nicht von Etymologie. Den Unterschied kann man, glaube ich, auch in Wikipedia nachlesen, dem Informationsmedium der, äh, gebildeten Stände. Und lies bei der Gelegenheit doch mal den ganzen Artikel zu “Parasit” (ist wirklich ganz interessant, danke für den Hinweis).
… na zu Orwell fällt mir dann schon noch manches ein – zum Beispiel die “Nützlichkeit” des nie endenden Krieges – Krieg gegen den Terror, was natürlich den Überwachungswahn des großen Bruders zwangsläufig mit sich bringt … und Neusprech soll sich heutzutage ja auch recht großer Beliebtheit erfreuen …
Frodo – einer von den kleinen, schwachen bricht die Macht des Ringes ….. er wirft ihn ins Feuer
Einer dem Dunklen Herrscher auf dunklem Thron,
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden,
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
@froZ #307
Derzeit lässt sich m. E. nur eine Art Zwischenresümee ziehen.
Zur Barbarei würde ich insbesondere die beiden Weltkriege, die großen Kriege, wie Vietnam- und Irak-Krieg, die faschistischen Regimes in Europa, die Terrorregimes in Süd-Amerika und die Ausbeutung und Verelendung Afrikas zählen.
Zu Orwells „1984“ und Huxleys „Schöne neue Welt“ würde ich meinen, dass sie gewisse Tendenzen durchaus zutreffend sahen.
Zutreffend war auch Luxemburgs Kritik an der russischen Revolution und ihre Prognose der daraus resultierenden Entwicklungen.
Falsch lagen sowohl sozialistische „Revolutions-Propheten“ wie auch jene, die ein sozialdemokratisches Zeitalter mit ständig wachsendem Wohlstand und „mehr Demokratie“ prognostizierten.
Wer sich mit Zukunftsszenarien beschäftigt, sollte m. E. vom „Worst Case“ ausgehen und wie dieser zu verhindern ist. Wunschdenken ist der schlechteste Ratgeber.
Du gehörst offensichtlich auch zu denen, die hier nicht zwischen der Klassifikation eines Verhaltens als parasitär und der Klassifikation eines Menschen als „Ungeziefer“ unterscheiden können. Gewissermaßen die Gutmenschenversion, die in faschistischen Kategorien denkt.
Es spricht für eine sehr große Weitsicht und intellektuelle Schärfe, daß es genau zu dieser Schlußfolgerung in Bezug auf meine Person kommen mußte.
Es spricht für noch größere, daß die ‘Arbeit der Qualtitätsmedien’ gar nicht erst in Betracht gezogen werden mußte.
Deshalb ist es selbstverständlich richtig, daß eine Äußerung einer anderen Person nur mit Haudrauf beantwortet werden muß, es ist ja nicht nötig, hier irgendetwas zu (er-)klären. Diese Gelegenheit braucht man ja nicht nutzen, ‘Abwatschen’ bringt da das viel eindeutigere, für das Nachdenken, bessere Ergebnis.
Stimmt, wir sind ja hier auch auf keiner Missionsschule.
Da braucht man natürlich nicht in die Realität gucken, daß diese ‘Parasiterei’ längst so unter das ‘Volk’ gebracht wurde wie die Neiddiskussion. Man sagt einfach, alle doof und Sache erledigt.
Ich bin trotz Vollzeitarbeit Prekariat. Um in Göttingen dabei sein zu können, fällt bei mir Geburtstag, Weihnachten, Sylvester und noch eine Menge anderes mal eben aus… Ich habe schon wörtlich und persönlich gehört, daß die Erklärung, daß nicht ich und andere parasitär seinen, sondern ja wohl diejenigen, die hier wirklich auf Kosten andere partizipieren, nur eine Retourkutsche dafür sein soll, weil wir nicht zugeben wollen, daß wir faul sind. Habe ich mich wohl doch mehrfach verhört, kann ja nicht anders sein. Geistiges Prekariat bin ja eh schon.
Auch damit kann ich leben – nicht leben kann ich mit der Einordnung als ‘Gewissermaßen die Gutmenschenversion, die in faschistischen Kategorien denkt’
Mein Fehler, aber so abgehärtet bin ich nun doch (noch) nicht.
Die # 301 ist nicht von mir.
Jetzt bedienen sich jemand schon meines Namens.
Warum wohl?
@ D.Tischer
die Blöden sterben eben nicht aus. Der liebe Gott, hat die gern, sonst hätte er davon nicht so viel gemacht.
ist aber nicht schlimm. ein ächter Tischer schreibt so was nämlich nicht.
Jetzt hätte ich fast auf die Frage #312 “Warum wohl?” geantwortet:
“Sind wir nicht alle ein bisschen Tischer?”
Aber das verkneife ich mir natürlich. Nicht lustig. Solche Namensklauereien gehören zu einem Grad von Blödheit, der schon nicht mehr so reichlich von Gott gemacht wurde – derartig konzentriert hatte er die nur in geringen Mengen vorrätig..
@HAM#304
“Nein, parasitäres Verhalten ist ein „Lebensprinzip“, welches sich sowohl in der Natur wie auch in menschlichen Gesellschaften findet. Ein „Lebensprinzip“, welches das Gegenteil von Symbiose ist.
Es ist für menschliche Gesellschaften inakzeptabel, weil es die Gesellschaften zerstört. Ein Tabu, welches ohne jegliche Differenzierung darauf abzielt, zu „verbieten“, parasitäres Verhalten als „parasitär“ zu benennen, hat die Funktion – so meine These – Sozialkritik am parasitären Verhalten zu diskreditieren.”
liest sich für mich wie eine nachgeschobene Argumentation, die weder mit dem, was Du ursprünglich geschrieben hast – “aber auch sie werden – bis auf wenige Oberideologen – in Richtung Hartz4 gehen. Genauso wie das Gros der Medienstricher. Für diese parasitären Schichten wird die „ungleiche Verteilung“, deren Opfer sie werden, dann auch irgendwie gerecht sein” (#258) – überhaupt nicht konsistent ist, auch nicht mit der Verwendung der Terminus an der von Dir zitierten Marx-Stelle. Die jetzt von Dir nachgeschobene Argumentation stammt offenbar aus dem im Wikipedia-Artikel zu “Parasitismus” verlinkten Heise-Interview mit Kirsten Esch (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19841/1.html). Diese Art den Begriff des Parasiten zu verwenden folgt einer Strategie der semantischen Paradoxierung, die im Poststrukturalismus eine gewisse Tradition hat. Die einschlägige Referenz dafür im Fall des Parasitenbegriffs ist Michel Serres. Diese Art über Parasiten zu reden ist aber so apokryph, dass Du es mitgeteilt hättest, wenn das die von Dir intendierte Bedeutung gewesen wäre (zumindest hättest Du es unter Verständlichkeitsgesichtspunkte mitteilen müssen). Darüber hinaus passt dieses Verständnis des Parasiten kaum zu dem ursprünglichen Kontext, in dem Du den Begriff ins Spiel gebracht hast.
Ich beobachte an Deinen Beiträgen eine Rhetorik und einen Weltdeutungsanspruch, die für mich Ähnlichkeiten mit totalitären Haltungen haben (ich könnte das noch sehr viel detaillierter an Redewendungen, Terminologien und Reaktionsweisen belegen als bisher). Nicht mehr und nicht weniger. Dass ich außerdem glaube, dass Du mit totalitären Gesinnungen eigentlich nichts am Hut haben willst, habe ich mehrfach geschrieben.
Keine Sorge, ich weiß schon, wie ein wirklich überzeugter Faschist und/oder Islamist wirklich tickt und redet.
@Dietmar Tischer 290 und 291
Eine Frage: Verwenden Sie den Begriff “Widerspruch” nur im Sinne eines logischen Widerspruchs (im Sinne, daß ein Körper nicht zugleich rund und eckig sein kann) oder lassen Sie einen dialektischen Widerspruch à la Hegel oder Marx grundsätzlich gelten, halten ihn aber im Hinblick auf den gegenwärtigen Kapitalismus nicht für anwendbar?
Wenn ersteres richtig ist, dann reden Sie und lemming aneinander vorbei, wenn nicht, dann wären Sie in diesem Punkt wirklich unterschiedlicher Meinung.
@lemming
Einer, der wie Marx solche Erscheinungen wie Revolutionen als eine Form des Kampfes von Klassen erklärt, ist dadurch im Grunde Platoniker.
@Stefan E.
Einer, der wie Marx solche Erscheinungen wie Revolutionen als eine Form des Kampfes von Klassen erklärt, ist dadurch im Grunde Platoniker.
Diese Annahme wäre richtig, wenn die Marxsche Lehre nicht die Aufhebung der Klassen(kämpfe) als Ziel/Telos der ganzen Geschichte ansähe. Insofern ist die Marxsche Theorie eben “historistisch” und nicht platonisch. Allerdings sind das nicht die Aspekte der Marxschen Philosophie, die mich besonders interessieren, also der “Prophet” Marx, allerdings sind diese Aspekte durchaus Teil einer prinzipiell dialektischen Denkart.
Ich sehe den Unterschied zwischen Platonismus und Dialektik hegel/marxscher Prägung da, wo sie das, was der Platonismus als “Ideen” nimmt, selber dem Vorbehalt der dialektischen Veränderung, Negierung, “Aufhebung” aussetzt, sie aber in jedem Moment dennoch als wahr setzt, also nicht etwa “relativiert”. Eine solche Relativierung könnte nämlich nur in Hinblick auf einen dann wieder platonisch gefassten Wahrheitsbegriff stattfinden.
Damit kommt der gesamte Konnex zwischen Begriff und Wirklichkeit in Bewegung, in eine Bewegung, die bei Platon nur im sokratischen Dialog, nicht aber in dem Verhältnis Denken(Begriff)-Sein(Wahrheit) stattfindet. Das ist das, was mir gefällt, und für mich die Möglichkeit eines fortschreitenden Denkens eigentlich erst ermöglicht, anders als die Kontemplation über Logik und Termini.
Tischer aber gefällt das anscheinend gar nicht, der eben ein dezidierter Entweder-Oder Denker ist, und jeder Widerspruch ewig, da logisch, also zeitlos, also nicht in einem auch das Erkennen selber verändernden Prozess gewinnbar, sondern “der Vernunft” gegeben oder eben nicht.
Die Frage, ob das Phänomen von Marx und Engels zutreffend als „Widerspruch“ bezeichnet wurde, halte ich für zweitrangig.
Entscheidend ist, ob man das Problem überhaupt versteht, um das es hier geht.
Im Wesentlichen gibt es in diesem Zusammenhang drei Positionen:
1. Kapitalismus-Kritiker
Sie erkennen einen grundlegenden Systemfehler des Kapitalismus.
Er kann niemals dauerhaft so funktionieren, wie eine Ökonomie funktionieren sollte, nämlich zu einem wachsenden Wohlstand der Bevölkerung zu führen bei gleichzeitiger Abnahme der gesellschaftlich notwendigen Arbeit aufgrund des wissenschaftlich technischen Fortschrittes.
2. Kapitalismus-Befürworter
Sie sehen keinen grundlegenden Systemfehler, sondern sie glauben, dass der Kapitalismus das beste aller ökonomischen Systeme sei, wenn man ihn nur richtig steuere.
Ihre Hauptthese ist: Wenn man gelernt habe, den Kapitalismus richtig zu verstehen, dann können man diesen auch so steuern, dass er zum Wohlstand für alle führe.
3. Die Verteilungs-Kritiker und Verstaatlicher
Ihre Kritik am Kapitalismus besteht im Wesentlichen daran, dass der Kapitalismus den Wohlstand „ungerecht“ verteile. Charakteristisch dafür ist z. B. die Rede, dass genug Geld da sei, aber es ungerecht verteilt sei.
Das Hauptproblem sei die Herrschaft/Macht der egoistischen (anti-sozialen, gierigen, raffenenden) Kapitalisten, welche sich den Mehrwert aneignen, statt ihn gerecht zu verteilen. Die Lösung sehen sie in einer Verstaatlichung der Produktionsmittel und in einer gerechten Verteilung des Mehrproduktes durch den Staat.
Sie wollen einen Staatskapitalismus (z.B. Faschisten) oder einen Staatssozialismus (z.B. Leninisten, Trotzkisten, Stalinisten, Maoisten).
zu 1. Worin besteht der grundlegende Systemfehler des Kapitalismus nach Auffassung dieser Systemkritiker?
Nach Marx und Engels liegt ein Widerspruch zwischen dem vergesellschafteten Prozess der Produktion und der Eigentumsstruktur der Gesellschaft vor, welche nach wie vor eine Ordnung des Privateigentums ist.
In Engels Worten:
Produktionsmittel und Produktion sind wesentlich gesellschaftlich geworden. Aber sie werden unterworfen einer Aneignungsform, die die Privatproduktion einzelner zur Voraussetzung hat, wobei also jeder sein eignes Produkt besitzt und zu Markte bringt.
Dadurch kommt es zur Anarchie des Marktes. [vgl. HAM #211]
Man kann das ganze auch in moderner Sprache ausdrücken:
Im Kapitalismus treffen zwei Logiken aufeinander, eine betriebswirtschaftliche und eine gesamtwirtschaftliche.
Die betriebswirtschaftliche Logik ist gekennzeichnet durch den Zwang zur erfolgreichen Kapitalverwertung (G -> G´). Die Kapitalisten müssen – wie auch immer – Profit machen, bei Strafe ihres Unterganges. Das ist der Primat ihres Wirtschaftens, alles andere ist sekundär, sei es das Wohl ihrer Mitarbeiter, die Qualität ihrer Waren und die Folgen ihres Wirtschaftens für Gesellschaft und Ökologie.
Der Staat ist hierbei Helfer und Gegenspieler zugleich.
Als Helfer schafft er Rahmenbedingungen durch das Recht, verteilt Subventionen etc.
Als Gegenspieler sorgt er dafür, dass die Ökonomie als Ganzes funktioniert, auch gegen die Interessen von Einzelkapitalisten. Er soll Kartellbildungen, Korruption etc.verhindern, sorgt – in Grenzen – für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, verhindert – in Grenzen – die Produktion und Verkauf gesundheitsschädlicher Produkte und Lebensmittel . Etc.
All diese staatlichen Beschränkungen der Freiheit der Kapitalisten schränken zugleich ihre Profitmöglichkeiten ein. Deshalb ist der Bezug der Kapitalisten zum Staat auch ambivalent, einerseits fordern sie, dass der Staat die Rahmenbedingungen für Wirtschaft setzt, zum andern versuchen sie, diese Regulation zu mindern oder zu umgehen, wenn diese ihre Profite einschränkt.
Einerseits fordern sie einen starken Staat, andererseits soll sich der Staat aus der Wirtschaft möglichst heraushalten.
In China versucht man so etwas wie eine „sozialistische Marktwirtschaft“, eine Kombination zwischen kapitalistischer Betriebswirtschaft und einem starken, sozialistischen Staat. Drakonische Strafen sollen verhindern, dass auf betrieblicher Ebene gegen die Interessen des Volkes gewirtschaftet wird. Todesstrafen bei Wirtschaftsverbrechen, wie Korruption, Unterschlagung von Betriebsvermögen etc., sind möglich.
Trotz dieser Bedingungen gibt es Wirtschaftsverbrechen, wie z.B. beim Milchpulverskandal. Um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen, wurden Milch und Milchprodukten die Chemikalie Melamin zugesetzt. Melamin ist nichts anderes als „Plastik“. Es hat keinerlei Nährwert, verstopft die Nierenkanälchen und dies kann zu Nierenversagen mit tödlichem Ausgang führen. Aus dem gleichen Motiv – zur Vortäuschung eines höheren Proteingehalts – wird Melamin auch Tierfutter beigemischt.
Aus Sicht eines Außenstehenden erscheint dies als verbrecherischer Wahnsinn, aus Sicht der beteiligten Wirtschaftsakteure ist es ein Trick, um ihre Profite zu erhöhen oder ihren Betrieb profitabel zu halten
Nun könnte man unzählige Beispiele dieser Art aufzählen. Antibiotika werden in der industriellen Fleischproduktion eingesetzt, weil sie bei den Tieren ein Hungergefühl erzeugen und diese zu mehr Fressen antreiben. Man nennt diesen Antibiotika-Einsatz auch „Mastbeschleuniger“. Natürlich ist dies Wahnsinn. Die Fleischesser nehmen diese Antibiotika mit dem Fleischkonsum, die Vegetarier diese etwas weniger mit dem Grundwasser auf. Dafür nehmen die Vegetarier mehr Pestizide zu sich, denn ohne diese ist eine Produktion pflanzlicher Lebensmittel nicht profitabel. Auch nicht der sog. Öko-Produkte. Wie überall bilden sich mafiöse Strukturen in der Wirtschaft. Ein großes Geschäft ist heute der Betrug mit sog. Öko-Produkten.
Der erhöhte Antibiotika-Einsatz und –Konsum führt dann zu antibiotika-resistenten Bakterienstämmen. Die Menschen sterben heute an einfachen Infektionen, die vor 30 Jahren noch gut behandelbar waren.
Wie das Beispiel China zeigt, kann selbst ein starker, sozialistischer Staat diese Entwicklungen nicht verhindern, höchstens eindämmen. Die Führung der KP Chinas nimmt das in Kauf, weil ihr vorrangiges Ziel die industrielle und wissenschaftlich-technologische Entwicklung Chinas ist.
Zum Zwecke einer “Entwicklungsdiktatur” ist der Kapitalismus hervorragend geeignet, weil er nur an den Egoismus der Wirtschaftsakteure appelliert und diese einer mörderischen Konkurrenz aussetzt. Das funktioniert viel besser als die staatsterroristische Entwicklungsdiktatur mit verstaatlichter Produktion, wie es der Stalinismus praktizierte.
Die spannende Frage ist, ob und wie es der chinesischen Gesellschaft gelingen wird, ab einem gewissen Entwicklungsstand zu einer neuen Organisation von Ökonomie zu kommen, welche die kapitalistische löst.
Die Logik des Kapitalismus bringt und zwingt die Individuen dazu, sich nur noch im Interesse ihrer eigenen Geld-Vorteils wirtschaftlich zu verhalten, und das betrifft Banker, Landwirte und Lohnarbeiter in gleichem Maße, obgleich sie unterschiedlich davon profitieren. Wenn es um die Erhaltung ihres Betriebes und damit ihres Arbeitsplatzen geht, dann verhalten sich Lohnarbeiter genauso egoistisch und kurzsichtig wie Banker. Und Wissenschaftler verraten ihren Anspruch auf wissenschaftliche Wahrheit, wenn dieser Anspruch ihren Interessen auf erfolgreiche Selbstvermarktung widerspricht.
Wer sich nicht dieser Logik des wirtschaftlichen Erfolges unterwirft, wird zum Loser. Aber auch diejenigen Lohnarbeiter sowie Klein- und Mittelunternehmer, welche sich dieser Logik unterwerfen, werden in immer größeren Umfang zu Losern, weil sie aufgrund des wissenschaftlich-technischen Fortschrittes überflüssig werden und der gesellschaftliche Exklusion zum Opfer fallen.
Dass eine derartig organisierte Ökonomie ein gesellschaftliches, kulturelles und ökologisches Selbstmordprogramm ist, können und wollen die Kapitalismus-Befürworter nicht wahrhaben. Sie kommen aus ihrem Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensparadigma nicht hinaus. Anstatt zu begreifen, dass der Fehler im System des Kapitalismus liegt, kreisen ihre Gedanken ständig nur darum, wie der Kapitalismus besser zu organisieren und zu steuern ist.
Wie alle Gläubigen sind die Liebhaber des Kapitalismus und Marktgläubigen zu reflexiver Distanz nicht in der Lage. Daher können sie die Widersprüche in ihren Vorstellungen nicht erkennen und bleiben in ihrer Vorstellungswelt gefangen.
Ein bissel off topic – Günstlingskapitalismus an der Saar (um diesen Begriff mal wieder zu promoten):
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2252095_0_9223_-koalitionsverhandlungen-jamaika-filz-an-der-saar.html
@ lemming , froz # 302, Stefan Enzinger # 317
Das ist mein letzter Versuch, den Begriff „Widerspruch“ zu erklären.
Soll sich danach jeder sein Urteil bilden und ihn verwenden, wie er will.
A.
Wir können etwas denken (in unseren Gehirnen „bilden“), was in der realen Welt bis zum heutigen Tage nie festgestellt worden ist, nämlich dass etwas x ist UND (gleichzeitig) nicht x ist.
Wer sich mit der Erforschung der Welt, also Erkenntnisgewinnung beschäftigt (Wissenschaftler aller Fachrichtungen) sagt daher, dass es dieses „x ist UND (gleichzeitig) nicht x“ NICHT gibt. Selbst der normale Menschverstand ist dieser Meinung. Fragt man ihn, ob die Blätter am Baum gelb und gleichzeitig nicht gelb sein können, wird die Antwort – ohne langes Überlegen – sein: Das kann nicht sein, das gibt es nicht.
Ob sich die reale Welt und unsere kognitiven Möglichkeiten irgendwann so geändert haben werden, dass DANN festgestellt werden kann, x ist UND (gleichzeitig) nicht x“ gibt es TAT-SÄCHLICH, kann nicht ausgeschlossen werden.
Was das für eine Welt wäre und was wir für Menschen wären, ist für uns HEUTE NICHT EINMAL VORSTELLBAR. Solche Gegebenheiten auch nur in Erwägung zu ziehen, ist IRREAL.
Das ist die Begründung dafür, dass man – berechtigt – davon ausgehen MUSS, dass es, wie oben behauptet, x ist UND (gleichzeitig) nicht x“ NICHT in der Welt gibt.
Ein GEGENTEILIGE Gedankenbildung bzw. Aussage – in welcher Form auch immer – wird Widerspruch genannt.
Das ist, wie dargelegt nicht Tischer-Theorie oder dgl., sonder eine Erklärung wie wir ALLE die Welt RATIONAL begreifen.
Wenn jemand den Begriff „Widerspruch“ anders als hier dargelegt verwendet, also in der Welt irgendwelche Widersprüche erkennen will, dann
a) hat er nicht VERSTANDEN, was der Begriff bedeutet und wie er zu verwenden ist
und/oder
b) er verwendet ihn MISSBRÄUCHLICH, mit der Folge, dass Aussagen über die Welt getroffen werden, deren Gehalt PRINZIPIELL NICHT feststellbar ist und die daher als falsch ein-gestuft werden müssen.
B.
Es gibt ein anderes Konzept von „Widerspruch“, das wir bei Hegel finden.
Hier nur kurz und in gewisser Weise oberflächlich, aber hinreichend, das Wesentliche zum Verständnis, wie es sich von dem unter A. Gesagten unterscheidet.
Hegel will Begriffe verstehen und versucht das METHODISCH dadurch, dass er Begriffspaare bildet. So „Herrschaft“ und „Knechtschaft“ in der „Phänomenologie des Geistes“ oder „SEIN“ und „SCHEIN“ in der „Wissenschaft der Logik“. Er stellt fest, dass sich die jeweiligen Begriffe nur in einem GEGENSÄTZLICHEN MITEINANDER erklären lassen, was er als Widerspruch BEZEICHNET.
Die Auflösung solcher Widersprüche geschieht auf einer „höheren“ Ebene der Begriffspaarung.
Dieses Verfahren – das als alle Widersprüche auflösend verstanden wird – heißt Dialektik.
Hierbei ist zu beachten:
Widersprüche werden als EXISTENT angesehen, als KONSTITUTIV für Entwicklung begriffen und sie können in einem bestimmten Zustand der Entwicklung als ENDGÜLTIG über-wunden angesehen werden (in der Vollendung des Denkens). Das ist das die Gedankenbildung Hegels.
Hegel hat diesem Denken ONTOLOGISCHE Bedeutung zugemessen, d. h. es als REALITÄTSBESTIMMEND erklärt.
Nun kurz zu Marx – methodisch.
Als Marx seine Theorie entwickelte, hat er den Kapitalismus als System von Funktionalitäten begriffen, d. h. mit einem Denken, das dem unter A. angegebenen entspricht. Ohne hier auf die hinlänglich erörterten Annahmen, Defizite, unbestimmten, richtigen sowie falschen Feststellungen seiner Theorie einzugehen, kann gesagt werden:
Da er den Kapitalismus in Funktionalitäten begriffen und dargestellt hat, können seine Feststellungen auch an der REALITÄT gemessen werden (wie habe ich in einem anderen Beitrag dargelegt). Ernsthafte Wissenschaftler haben das getan und seine Feststellungen danach bewertet – so wie das immer wieder in den empirischen Wissenschaften geschieht.
Marx hat aber nicht nur das getan – methodisch.
Er hat auch das Hegelsche Denken aufgenommen in seine Theorie.
Dabei hat er zwar erkannt, dass es „idealistisch“ ist, weil es SEINEM Verständnis von Idealismus entsprechend auch nur „ die Welt interpretiert“, aber nicht verändert hat.
Ich lasse hier mal offen, ob die Welt NUR interpretierend verstanden werden kann oder ob ein Denken – welches auch immer – die Welt verändern kann (als DENKEN!)
Entscheidend ist, dass Marx die METHODE des Hegelschen Denkens, d. h. das Hegelsche Verständnis von „Widerspruch“ als KONSTITUTIV für die Entwicklung von Systemen in der REALEN Welt, übernommen hat.
Das signifikanteste Beispiel: Die Lösung von Widersprüchen, die bei Hegel auf einer begrifflich „höheren“ Ebene erfolgt, ist für Marx in der realen Welt „Revolution“.
Marx hat meines Wissens NIRGENDWO reflektiert, d. h. begründet, warum eine so verstandene ÜBERNAHME des Hegelschen Denkens gerechtfertigt sein soll.
Sie überzeugend darzulegen, hätte bedeutet: Grundlegende Aussagen zu A. zu treffen – und
zwar nicht MIT dem Hegelschen Denken, sondern von einem Standpunkt außerhalb des Hegelschen Denkens.
Wie auch immer.
Jedenfalls ist beim Marx und Engels die Rede von REALEN Widersprüchen in der Welt, die offensichtlich den Lauf des Weltgeschehens bestimmend etwas anderes sind als Konflikte oder entgegengesetzten Interessen und dgl.
So überragend Marx als Denker auch immer war, Feststellungen von Widersprüchen in der realen Welt sind der begründeten Auffassung von A. entsprechend NICHT VERSTÄNDLICHE und daher FALSCHE Aussagen über die Welt.
Für alle die meinen, ein Weltverständnis nach A ist einem nach B keinesfalls überlegen und vielleicht sogar unterlegen, sollten sich wirklich klar machen, was unter A gesagt wurde.
Wenn sie nach allem Bemühen immer noch der Meinung sind, dass Widersprüche in der realen Welt existieren (statt nur gedacht werden können), dann sollten sie auch bekennen:
Blätter an Bäumen können GRUNDSÄTZLICH gelb und (gleichzeitig) nicht gelb sein.
@lemming
“… sie aber in jedem Moment dennoch als wahr setzt, also nicht etwa “relativiert”. Eine solche Relativierung könnte nämlich nur in Hinblick auf einen dann wieder platonisch gefassten Wahrheitsbegriff stattfinden.”
Hinsichtlich der Relativierung könnte man auch eine ähnliche Unterscheidung in Anspruch nehmen, die Hegel in Bezug auf die Negation benutzt: abstrakte Negation vs. bestimmte Negation -> abstrakte Relativität vs. bestimmte Relativität.
Die Relativierung, gegen Du zu Recht Einwände erhebst, ist die abstrakte Relativierung. Die führt in der Tat zu einer Art negativem Platonismus, aka Konstruktivismus.
Der Hegel/Marxsche Typ der Dialektik hat das Verhältnis von Geltungsanspruch und Veränderlichkeit der ‘Idee’/der Form gesellschaftlicher Reproduktion nie zureichend geklärt, denke ich.
Denn Vorstellung des sich bewegenden Denkens/ der sich historisch verändernden gesellschaftlichen Verhältnisse schließt m.E. notwendig eine Relativierung bzw. die Relativität des Geltungsanspruchs von Idee/Gesellschaftsform ein.
Für eine Reflexion dieser Relativität wäre aber entscheidend, von einer bestimmten Relativität auszugehen, d.h. konkreten, historisch identifizierbaren individuellen (psychischen) oder kollektiven (sozialen) Beobachtungen, in deren Rahmen der Geltungsanspruch der Idee (des Beobachtungsschemas) wirksam ist. Und dies erzwingt, wenn man konsequent analysiert, den autologischen Schluss, dass diese Relativität auch für mein/unser Beobachten gilt.
Das heißt nun keineswegs, dass Inhalt und Anspruch meiner/unserer Beobachtungen beliebig sind. Allerdings heißt es, dass sich ein allgemeines Bewegungsgesetz der historischen Entwicklung des Begriffs (oder der Produktionsverhältnisse) nicht begründen lässt. Genau diesen Anspruch haben aber Hegel und Marx.
Der “Prophet” Marx mag Dich nicht so sehr interessieren, aber die inhaltlich bestimmte historische Vorausschau war Sinn und Zweck der ganzen Theorieveranstaltung (“…es kömmt aber darauf an, sie zu verändern”). Und sie begründete die Idee eines ‘vernünftigen’ Gangs der Geschichte, gegen den sich das falsche Bewusstsein sperrte und der vom richtigen Bewusstsein stimuliert wurde. Die Unterscheidung zwischen fortschrittlichen und reaktionären Lebensformen schien wissenschaftlich begründbar und politisch anwendbar zu sein. Man konnte mit reinem theoretischen Gewissen produktive und parasitäre Lebensweisen identifizieren und entsprechende sozialhygienische Maßnahmen projektieren.
Ich verstehe gut, dass Dialektiker sich mit diesen Implikationen der Dialektik nicht gern identifizieren, aber ich sehe nicht, wie man Dialektiker bleiben kann, ohne diese Implikationen akzeptieren zu müssen. Adorno hat auf genau dieses Problem mit seinem Konzept einer negativen Dialektik reagiert, deren Verfahren in einer kritischen Revision aller bürgerlichen Wertbegriffe samt ihrer Dialektik bestand, ein Festhalten an Dialektik in der Form ihrer dialektischen Kritik, ein Unternehmen, das wie in einer Art negativem Münchhausentrick die Dialektik sich selbst unter Wasser drücken und ertränken lies.
Und jetzt?
@D. Tischer
man könnte und sollte vielleicht ad A. noch schärfer formulieren: Wir können A-UND-non A noch nicht einmal denken (denn: kein Denken ohne Gedachtes, das Gedachte aber ist dem Satz der Identität und des Widerspruchs unterworfen). Wir können lediglich SAGEN, dass wir A-UND-non A denken und dann der Überzeugung sein, mit diesem Satz uns und anderen einen Gedanken mitzuteilen (ein Irrtum, denn ein solcher Gedanke lässt sich gar nicht identifizieren). Widersprüche sensu A. sind nur in der Sprache möglich, nicht in der Welt und nicht im Denken. Aus widersprüchlichen Sätzen folgt alles und nichts, und ein Denken, dass sich an widersprüchlichen Sätzen orientiert, begibt sich der Möglichkeit, gedankliche Zusammenhänge zu entwickeln.
@ Morph
Im Grund völlig einverstanden mit dem, was sie schreiben.
Nur eine kleine Differenzierung, der Sie wohl zustimmen können:
>Wir können lediglich SAGEN …>:
Sagen generiert sich nicht aus dem Nichts, sondern es muss vorher ein Denken (neutral: Gehirnaktivität) stattgefunden haben.
Aber, und das ist entscheidend, ich kann einen Satz, der einen weltlichen Widerspruch bezeichnet, NICHT aufrecht erhalten, d. h. ich kann nicht davon überzeugt sein, dass er wahr ist bzw. weltliche Realität wiedergibt.
Er bezeichnet (erläutert) – mir und anderen gegenüber – was wir meinen, wenn wir aufgrund von weltlicher Erfahrung feststellen: „kann nicht der Fall sein kann“.
NUR dazu kann er dienen.
Puh!
Ich glaube, soviel bringt das nicht mehr, außer einem Neuaufguß der jeweils verstandenen – oder verstanden geglaubten – Teile der abendländischen Geistesgeschichte. Das ist 4.,5.,6. Aufguss, habe ich den Verdacht. Aber trotzdem, nur indem man sich erneut damit befasst, merkt man überhaupt, worum es geht und ging.
Also:
@Tischer
Sagen generiert sich nicht aus dem Nichts, sondern es muss vorher ein Denken (neutral: Gehirnaktivität) stattgefunden haben.
Kann es sein, dass hier der blinde Fleck liegt? Was heisst “Gehirnaktivität”? Das ist ein widersprüchlicher Begriff, wenn er als “Gehirnaktivität” den Begriff selber erklären will. Wenn also Begriffe/Aussagen “Gehirnaktivitäten” sind, was ist dann der Begriff “Gehirnaktivität”?
Ich ziehe jetzt mal rasant den Schluss: Ohne Widersprüche bräuchten wir überhaupt nicht denken. Wer den Widerspruch als unmöglich ausschliesst, der kann auch einfach in die Sonne gucken. Der Fortschritt des Denkens geschieht in Widersprüchen, deren Auflösung und Neuformulierung. Wissen erzeugt Nichtwissen.
@Morph
Für eine Reflexion dieser Relativität wäre aber entscheidend, von einer bestimmten Relativität auszugehen, d.h. konkreten, historisch identifizierbaren individuellen (psychischen) oder kollektiven (sozialen) Beobachtungen, in deren Rahmen der Geltungsanspruch der Idee (des Beobachtungsschemas) wirksam ist. Und dies erzwingt, wenn man konsequent analysiert, den autologischen Schluss, dass diese Relativität auch für mein/unser Beobachten gilt.
Eben nicht. Die “konsequente Analyse” unterliegt nämlich selber dieser “Relativität”. Mir fehlt jetzt die Zeit, das näher auszuführen, aber ich denke, wenn du deinen eigenen Text nochmal liest, dann kommst du schon drauf, was ich meine – ob du dem dann zustimmst, ist freilich damit nicht gesagt.
Zum Widerspruch
Es gibt Konstellationen, wo nur das eine oder das andere richtig ist.
Tertium non datur.
Eine Frau ist entweder schwanger oder nicht.
Ein Mensch kann zum gleichen Zeitpunkt nur in Berlin oder München sein, aber nicht zugleich in beiden Städten.
Nun kann man sich beispielsweise fragen, ob die Herr-Knecht-Beziehung einen Antagonismus oder einen Synergismus darstellt?
These:
Die Herr-Knecht-Beziehung ist antagonistisch.
Das wird mit Beispielen aus der Empirie belegt.
Anti-These:
Die Herr-Knecht-Beziehung ist synergistisch.
Auch dies wird mit Beispielen aus der Empirie belegt.
Synthese:
Beides kann richtig sein.
Die Herr-Knecht-Beziehung kann folglich in der gesellschaftlichen Wirklichkeit sowohl antagonistisch wie auch synergistisch sein.
Sie kann in einer konkreten Beziehung sogar teils antagonistisch und teils synergistisch in einer konkreten Beziehung sein.
Zu klären wäre also, unter welchen Bedingungen die Herr-Knecht-Beziehung antagonistisch oder synergistisch ist?
Das Gleiche geht auch mit dem Kapitalismus:
These:
Der Kapitalismus führt zu gesellschaftlichem Fortschritt.
Das wird mit Beispielen aus der Empirie belegt.
Anti-These:
Der Kapitalismus führt zu gesellschaftlichem Rückschritt.
Auch dies wird mit Beispielen aus der Empirie belegt.
Synthese:
Beides kann richtig sein.
Der Kapitalismus kann folglich in der gesellschaftlichen Wirklichkeit sowohl zu Fortschritt wie auch zu Rückschritt führen.
Es kann sogar teils fortschrittlich und teils rückschrittlich in einer konkreten Epoche sein.
Zu klären wäre also, unter welchen Bedingungen der Kapitalismus zu Fortschritt oder zu Rückschritt führt?
Die Antwort ist klar, ab einem gewissen Stadium der Entwicklung
(-> Überflussproduktion als generelles Phänomen)
führt der Kapitalismus zu gesellschaftlichem Rückschritt.
Und dann gerät er mit der ihm zugeschriebenen Zielsetzung, eine Ökonomie des gesellschaftlichen Fortschritts zu sein, in Widerspruch.
Aus widersprüchlichen Sätzen folgt alles und nichts, und ein Denken, dass sich an widersprüchlichen Sätzen orientiert, begibt sich der Möglichkeit, gedankliche Zusammenhänge zu entwickeln.
Na, das ist doch nur “nachgepoppert”. Die Frage ist nicht, ob der Satz in sich widersprüchlich ist, sondern ob er einen real bestehenden Widerspruch wiedergibt. Es gibt kein richtiges widerspruchsloses Denken, wenn die Dinge selber widersprüchlich sind. Wobei mit “Dingen” hier natürlich gesellschaftliche Verhältnisse (cf. Relation -> Relativität) gemeint sind, zB Aneignungsverhältnisse, auch im Denken.
@ lemming
>Die Frage ist nicht, ob der Satz in sich widersprüchlich ist, sondern ob er einen real bestehenden Widerspruch wiedergibt.>
Man muss NUR behaupten, dass es real bestehende Widersprüche gibt, dann GIBT es sie auch.
So ist einfach ist das, wenn nichts verstehen will.
@Tischer #328
Das überzeugt mich natürlich.
Wie wär’s denn andersrum?
Genauso:
“Man muss nur behaupten, dass es real bestehende Widersprüche nicht geben kann, dann gibt es sie auch nicht.”
So einfach ist das, wenn man nichts verstehen will.
schöne Grüße nach Platonien!
@lemming
“Eben nicht. Die “konsequente Analyse” unterliegt nämlich selber dieser “Relativität”. … wenn du deinen eigenen Text nochmal liest, dann kommst du schon drauf, was ich meine.”
Ich bin mir nicht sicher. Störst Du Dich an dem “erzwingt” in meinem Satz: “Und dies erzwingt, wenn man konsequent analysiert, den autologischen Schluss, dass diese Relativität auch für mein/unser Beobachten gilt”? – Da hättest Du vermutlich Recht: Der autologische Schluss ist nicht zwingend, denn er wird ja in der Tat nicht von jedem vernünftigen Beobachter vollzogen.
Es handelt sich bei dem Schluss von der beobachtbaren Relativität fremder Beobachtungen auf die virtuell beobachtbare Relativität meiner eigenen Beobachtungen, denke ich gerade, tatsächlich lediglich um einen nichtnotwendigen Analogieschluss, dessen Vollzug oder Nichtvollzug von historisch gewordenen und veränderlichen Bedingungen des (eigenen) Räsonnierens abhängt.
Und es sind wohl auch ganz individuelle Interessen und Schwerpunktsetzungen, die darüber entscheiden, welche Denk- und Argumentationsstile einem hilfreich und zukunftsträchtig oder irreführend und arretiert vorkommen. Hauptsache man bleibt beweglich.
P.S. und für das “nachpoppern” gibt’s noch eine derbe Retourkutsche, aber hallo!
@ HAM 326
Zu klären wäre also, unter welchen Bedingungen der Kapitalismus zu Fortschritt oder zu Rückschritt führt?
Die Antwort ist klar, ab einem gewissen Stadium der Entwicklung
(-> Überflussproduktion als generelles Phänomen)
führt der Kapitalismus zu gesellschaftlichem Rückschritt.
Und dann gerät er mit der ihm zugeschriebenen Zielsetzung, eine Ökonomie des gesellschaftlichen Fortschritts zu sein, in Widerspruch.
Gibt es das ausführlich und bewiesen?
Unter welchen Annahmen?
Eine Überproduktionskrie mit anschließender Kapazitätsanpassung muss unter geeigneten Rahmenbedingungen m.E. nicht zwingend beobachtbare Folgen haben.
Und die negativen Folgen scheinen mir auch nicht an die Überflussproduktion gekoppelt zu sein.
@topi #331
Was bedeutet „Überflussproduktion“?
Für einen Teil der produzierten Waren gibt es keine zahlungsfähige Nachfrage.
Für die betroffenen Betriebe bedeutet dies, sie realisieren keinen Profit (Mehrwert), sondern Verluste.
Die Folge:
Sie entlassen Lohnarbeiter, um Kosten zusenken, ein Teil macht Bankrott.
Die Arbeitslosen müssen ihren Konsum drosseln, damit reduziert sich die zahlungsfähige Nachfrage.
Wenn nicht nur Teilbereiche der Ökonomie betroffen sind, dann ergibt sich daraus eine Abwärtsspirale für die gesamte Ökonomie.
„Gibt es das ausführlich und bewiesen?“
Das ist heutzutage empirischer Alltag.
Oder was wären Deine Einwände?
“Die Antwort ist klar, ab einem gewissen Stadium der Entwicklung
…
führt der Kapitalismus zu gesellschaftlichem Rückschritt!”
Salopp gesagt: du weißt nicht, ob das “gewisse Stadium” erreicht ist, oder nicht, und wenn doch, dann ist der ganze Blog gespannt…
Antwort vorausgenommen: zu argumentieren, ohne Kriterien zu haben, ist vor 30 Jahren schon als langweilig erkannt worden…
@ HAM 332
Das ist heutzutage empirischer Alltag.
Oder was wären Deine Einwände?
Mein Einwand, mit Verlaub: die Argumentation ist Unsinn.
Empirie ohne klare Abgrenzungsmöglichkeit könnte dann auch beweisen, dass nach dem Zusammenbruch des real existierenden alles den Bach runter geht.
Oder weil kosmische Strahlung zunimmt, was weiß ich.
Nehmen wir an, wir hätten die Rahmenbedingungen der Siebziger. Oder noch “besseren” (lässt sich ja definieren, Steuersatz nach Steuerarten, Sozialsystem, Finanzmärkte, Geldschwemmenmöglichkeiten)
Wie wirkten dann Überflußkrisen? Mit einer Verschärfung der Armut? Das ist beileibe nicht zwingend, scheint mir.
Du müsstest schon behaupten, dass in Überflußkrisen sich die Rahmenbedingungen zwangsweise verändern.
Und am besten beweisen. Ob Empirie da hilft? Wenn man sich die Rahmenbedingungen zu anderen Zeiten ansieht, scheint mir das nicht so.
Jedenfalls sind wie gesagt andere Einflussgrößen wichtig; die Geldvermögensverteilung, hauptsächlich bestimmt durch den Zeitpunkt imPapierwährungszyklus (und politischem Handeln), scheint mir sehr bedeutend.
Und der Zusammenbruch der “Alternative”.
Und die ziemlich geschickte STrategie des Kreidefressens, der Entwicklung “wissenschaftlicher” Theorie und deren weite Verbreitung bis zum allgemeinen Glauben daran.
Da kann auch eine argumentative Gegenoffensive gefragt sein, zumal die meisten der Unterstützer der “wissenschaftlichen” Thesen real auf der Verliererseite stehen.
@stefan enzinger#289
was die Möglichkeit oder Unmöglichkeit wirklicher Widersprüche angeht, ist Dein Hinweis auf Poetik und Dramatik sehr nützlich, denke ich. Ich vermute, dass man sich die Frage danach, ob es in der Wirklichkeit Widersprüche gibt, danach beantwortet, ob man in der Wirklichkeit ein sinnvolles Ganzes erkennt bzw. erkennen will (nach Art eines geschlossenen Handlungszusammenhangs, wie er in den klassischen Dramen mehr oder weniger komplex entfaltet wird), oder ob man das nicht tut bzw. im Sinnverzicht u.U. sogar etwas Positives entdecken kann.
Aus der Perspektive des Sinnzusammenhangs gibt es immer einen zentralen Konflikt, Antagonismus, Widerspruch, der die Aktionen und Reaktionen bestimmt. Und es ist immer das Moment der Anagnorisis, der Erkenntnis des zentralen Widerspruchs, das im Guten wie im Tragischen das Geschehen und seine Reflexion zum wirklichen Sinnzusammenhang rundet. Die Wirklichkeit des Widerspruchs ist aus dieser Perspektive ein konstitutives transzendentales Argument, sozusagen.
Aus der Perspektive des Sinnverzichts sind dramatisch abgerundete Sinnzusammenhänge modellhafte Stilisierungen der Wirklichkeit, deren kausalnektische Formen in den Grenzen, die das Modell vorgibt, aufschlussreich sein können, die aber der Komplexität der Wirklichkeit prinzipiell unangemessen sind. Aus dieser Perspektive sind Widersprüche in der Wirklichkeit nicht der Fall, sondern nur in sinnhaften Wirklichkeitsbeschreibungen, die dann je nach Beobachterstandpunkt auch als sinnvoll erlebt werden mögen. Wer aber durch die Absicht des Sinnverzichts motiviert ist, betrachtet solche Sinneffekte prinzipiell als transitorisch und ironisierbar.
Natürlich wird jemand, dem das große Geschichtsdrama einleuchtet, denjenigen, der auf solche Erleuchtungen programmatisch verzichtet, ein tu-quoque entgegenhalte. Auch Sinnverzicht ist ja ein Motiv. Auch die Beschreibung der Welt als sinnlos ist eine voraussetzungsreiche Sinnkonstruktion, die man doch gerade aus der Perspektive des Sinnabstinenzlers abzulehnen hätte. Der Perspektivist und Relativierer scheint sich ständig in den Fallstricken seiner eigenen Sinnskepsis zu verheddern.
Aber das sind lediglich die üblichen gegenseitigen universaltheoretischen Scharmützel. Im Grunde geht bei der Frage der wirklich oder nur formal zu konstatierenden Widersprüche um Fragen des individuellen und mehr oder weniger kollektiven Erkenntnisinteresses. Auf welche Themen und Gegenstände möchte man die Aufmrksamkeit lenken und gelenkt sehen. Und mich irritieren globale Phänomene wie die ökologischen Grenzen des Wachstums und der sich diversifizierende und verschärfende Fundamentalismus allerorten z.Zt. sehr viel stärker als das Auseinandertreiben von arm und reich in den westlichen Industrienationen.
Marxistisch inspirierte Diskutanten sagen dann sofort, ja aber das ist doch ein und derselbe Zusammenhang, du Hirni! – Das mag man so sehen, aber erstens wird dieser Zusammenhang, wenn er denn besteht, durch die Marxsche Theorie nicht unmittelbar einsichtig, sondern bedarf einer Reihe von ad-hoc-Theoremen, um für alle Weltregionen in ihren spezifischen Umständen zu taugen, und zweitens findet dabei ständig ein problematologisches Quidproquo statt, alles wird über den einen Kamm des Ökonomischen geschoren und verliert damit seine problematische Besonderheit; und damit werden eventuell auch Möglichkeiten partieller, vorläufiger, bereichsspezifischer Lösungen verdeckt.
Mein Vorwurf an diejenigen, die glauben, dass in der Gesellschaft ein Grundwiderspruch wirksam sei, lautet: Mit dieser Denkfigur macht ihr aus der Vielheit der Probleme ein Problem und ignoriert tendenziell die Besonderheiten. Das gilt nicht grundsätzlich für jeden Marxisten, es gibt ja durchaus nicht selten unter religiösen Menschen Leute mit Realitätssinn, aber es gibt diesen Zug. Und an durchaus auch nicht seltenen Begebenheiten zeigt sich dieser Zug zur Ignoranz (um das Mindeste zu sagen) auf eine so empörende Weise, dass mir z.B. die Lust vergeht, Faschos und Antiimps, Lechts und Rinks überhaupt noch zu unterscheiden.
Lookahere: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,661980,00.html
@topi
“Gibt es das ausführlich und bewiesen?
Unter welchen Annahmen?”
Das Kapital lesen!
@HAM: du auch nochmal!
und stell Dich nicht immer so in die Ecke.
@enigma #333 + 334 topi
Kann jemand empirisch genau bestimmen, wann das Sterben eines Menschen beginnt?
(Die Antwort: „mit der Geburt“ ist blödsinnig.)
Wann beginnt der Einsturzprozess einer Stahlbrücke durch Korrosion?
(Die Antwort: „mit dem Bau dieser Brücke“ ist blödsinnig. „Mit dem Auftreten erster Zeichen von Korrosion“ als Antwort ist auch falsch, denn diese Korrosion kann man (noch) beseitigen.)
Niemand kann genau voraussagen, wann eine von Korrosion befallene Brücke zusammenstürzt.
Aber man weiß, dass – weil Korrosion nicht verhindert wurde – diese Brücke irgendwann zusammenstürzen muss.
Wenn irgendwann der NATO-Kapitalismus kollabiert sein wird, dann werden sich Historiker streiten, wann der historische „Umschlagspunkt“ war, der den Niedergang des Kapitalismus markierte?
War es die Ermordung Kennedys, welcher den Vietnamkrieg nicht fortsetzen wollte?
War es der Zusammenbruch von Bretton Woods?
Und so fort.
10 Historiker werden 10 verschiedene Antworten geben.
Wenn die Freunde des Kapitalismus und die Marktgläubigen der abstrakten Darstellung der Niedergangslogik des Kapitalismus nichts entgegenzusetzen haben, dann kommen sie mit der Empirie:
Sie kritisieren die These vom Niedergangsprozess des Kapitalismus als Spekulation, die nicht empirisch bewiesen werden kann.
Klar, man kann sich auch vorstellen, dass wir uns noch in die Abwärtsbewegung einer Sinuskurve befinden und irgendwann kommt wieder der Umschlag in die Aufwärtsbewegung.
Ja, das kennen wir. Seit zwei Jahrzehnten erzählen uns die pro-kapitalistischen VoWis, dass der Aufschwung kommen werde.
Man müsse nur die Löhne und Renten kürzen, die Betriebe mittels Entlassungen restrukturieren, Arbeitnehmerrechte abbauen, Steuern senken etc.
Sollte nicht die Agenda 2010 die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung schaffen?
Und wenn man sich die Empirie der letzten drei bis vier Jahrzehnte anschaut, welche These besitzt dann mehr empirische Plausibilität, die eines Niedergangsprozesses oder die einen bevorstehenden Aufschwungs?
@ inzwischen gelangweilter Zuschauer
“Das Kapital lesen!”
Da steht also drin, dass die jetzige die endgültige Krise des real existierenden Kapitalismus ist?
Ich bin gar nicht gelangweilt, erzähl doch mal mehr.
@ HAM 337
Kennedy, Vietnamkrieg?
Da gefällt mir die Abschaffung des Geldschöpfungsprivilegs aber besser, 11110 vs 10289.
Klar, man kann sich auch vorstellen, dass wir uns noch in die Abwärtsbewegung einer Sinuskurve befinden und irgendwann kommt wieder der Umschlag in die Aufwärtsbewegung.
Ja, das kennen wir. Seit zwei Jahrzehnten erzählen uns die pro-kapitalistischen VoWis, dass der Aufschwung kommen werde.
Man müsse nur die Löhne und Renten kürzen, die Betriebe mittels Entlassungen restrukturieren, Arbeitnehmerrechte abbauen, Steuern senken etc.
Sollte nicht die Agenda 2010 die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung schaffen?
Und wenn man sich die Empirie der letzten drei bis vier Jahrzehnte anschaut, welche These besitzt dann mehr empirische Plausibilität, die eines Niedergangsprozesses oder die einen bevorstehenden Aufschwungs?
Sorry, aber das bleibt Unsinn.
Wenn sich in den letzten Jahrzehnten vieles in die falsche Richtung entwickelt hat, heißt das doch nicht, dass die Gegenrichtung nicht möglich ist und wieder zu Stabilität führt.
Auch die Entwicklungslogik stimmt einfach nicht.
Wenn beide bekannte Richtungen sich al