Tolle Animation von destatis, die ich erst jetzt entdeckt habe. Der Verbraucherpreisindex und die offizielle Inflationsrate sind für die meisten Leute deshalb ein Buch mit sieben Siegeln, weil die relativen Gewichte einzelner Warengruppen unbekannt bzw. unterschiedlich wahrgenommen werden.
Mit ihrem “Preiskaleidoskop” schafft das Statistische Bundesamt Abhilfe, indem es die Preisveränderung einer Warengruppe farblich, und ihre Bedeutung für den Index flächig darstellt. Sehr gute Idee, finde ich.
Der nachfolgende Screenshot verlinkt zur aktuellen Ausgabe für September 2009.





















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WGNX und die Wunderbare suche nach Inflation oder auf der Suche nach der verlorenen Zeit.
und Heinsohns überschuss ware macht jetzt Urlaub in Afghanistan…um den Leviathan zu füttern… wollte der nicht seine Kinder in die USA schicken na wer so einen Vater hat…
http://www.tagesschau.de/ausland/usarmee100.html
So lange man Menschenmaterial so entsorgt gibt es auch keine Inflation…
@ WGNX
Danke erstmal für den Link.
schön ist der persönliche Inflationsrechner. Ich hab ihn mal ausprobiert. Deckt sich mit meiner “gefühlten” Inlation oder Deflationsrate.
Warum aber Mieten und Mietwert mit 20,3% ins Gewicht fallen, das muss man erstmal erklären können. Daher habe ich den Wert persönlich, auf 2% gesetzt. Der tangiert mich überhaupt nicht. Da die Mieten nicht so volatil sind, wie die Betriebskosten, das Leben zu bestreiten und den Wohnraum zu erhalten. Dazu gehört der Strom ohne den läuft garnix, ein warmer Wohnraum, und das liebe Happa Happa.
Interessant, wären die Umsätze die in den Branchen erziehlt werden. Im Verhältniss zu den Gewichtungen.
Gibt es sowas als Grafik? Ich finde es nicht.
Sehr schön!
@Holger:
Die Mieten sind so wichtig, weil sie so viel der monatlichen Ausgaben ausmachen. Die Inflation soll ja nicht die gefühlte Inflation messen, sondern die reale.
Die gefühlte Inflation ist sowieso immer höher als die reale, allein weil man Preiserhöhungen stärker wahr nimmt als Preissenkungen. Die Leute finden auch, dass Autos immer teurer werden. Was auch stimmt, aber ein Auto heute hat eben auch einen CD-Player, mehrere Airbags, ABS, ESP, einen Kat, etc. Jeder doofe Polo von heute ist sicherer und umweltschonender als ein 20 Jahre alter Benz. Ob die Berücksichtigung dieser Verbesserungen in der offiziellen Inflationsrate zu stark ist, kann man durchaus diskutieren. Aber auch wenn viele so tun als gäbe es das nicht, bleibt das falsch (kein Vorwurf an Dich, eher so unaufgefordertes Blabla ….)
@ egghat
“Die Mieten sind so wichtig, weil sie so viel der monatlichen Ausgaben ausmachen. Die Inflation soll ja nicht die gefühlte Inflation messen, sondern die reale.”
Das mag ja sein, das die “viel” ausmachen, dass kommt darauf an, wo jeder für sich selbst, die Prioritäten setzt, und welches Einkommen er erziehlt.
Wenn ich einen Mietvertrag habe, der z.B. für die nächsten 5 Jahre, keine Mieterhöhung vorsieht, dann kann ich meine Proritäten der Bewertung anders setzen.
1/5 der Inflationsberechnung geht auf die Miete? Unabhängig von der Höhe gesehen, ist das ein Dingen, was in der BWL als Fixkostenpunkt ausgewiesen wird. Eben über den Zeitraum wo der Miet oder Pachtvertrag Rechtsstatus besitzt.
Was macht denn Produkte “teurer” oder “billiger” das sind die Variabelenkosten in einem Betrieb. Und nicht die Miete.
@ egghat Nachtrag
Und wenn ich ständig unter den Break-Even produziere, dann bin ich pleite.
@holger:
Gerade WEIL deine Miete in deinem Beispiel konstant ist, zieht sie deine persönliche, REALE Inflationsrate nach unten.
Du kannst nicht einfach Posten, eine Inflationsrate von 0% haben, aus der Rechnung herausnehmen.
@ hyde
deswegen habe ich die Gewichtung auch nicht auf Null, sondern auf 2% gesetzt. Und dafür die notwendigen Mietnebenkosten höher bewertet.
Denn meinen Vermieter, kann ich zur Not erschießen. Die EVUs (Strom) und die den Ölpreis steuern, sowie sonstige Rohstoffe nach gut dünken manipulieren, da wird es schon schwieriger.
Den einzigen Fixkostenpunkt den ich habe, ist nun mal die Miete. Alles was darüber hinaus ist, ist Variabel. Natürlich bestimmt die Miete die Infla oder Defla mit. Aber schon lange nicht mehr zu 1/5. Die Mieten bleiben relativ stabil im Preis/m².
Der Markt ist übersättigt. Allein die Leerstände, die nicht mehr vermietbar sind, weil es immer weniger solvente Mieter gibt, zeigen nicht eine Inflation an. Mir geht es um die Gewichtung, und diese ist mMn. vollkommen übertrieben.
@holger
Das geht einfacher man Fragt nicht nach leerstand sondern die Vermieter nach Preisen ob die erzielt werden oder nicht ist erstmal raus aus der Statistik… so funktioniert das beim US Häusermarkt auch…
@ Nanuk
ja, ist auch i.O., fragen wir doch die Eigentümer. Und dann später die Banken, ob denn auch das Kreditlein bedient werden kann. Aber all das, hat wenig mit der Inflation zu tun.
Sehr hübsche Grafik – wieder was gelernt, und nun kann man sich in der Tat auf einer guten Datenbasis Gedanken machen, ob die Gewichtungen so angemessen sind.
Deswegen lese ich hier so gerne mit.
Ich freue mich auch, dass WGNX das einfach so verlinkt und einen Screenshot ins Netz stellt.
Gut, dass Destatis eine öffentliche Einrichtung ist und wegen mangelndem Gewinnerwartungsdruck keine Abmahnanwälte in die Welt hinaus schicken muss
Alkoholische Getränke und Tabak +3,6%. Da haben wir’s doch…
Friseur- und Bankdienstleistungen in einer Rubrik? haircut?
Da jeder seine Inflationsstatistik auf einem anderen Warenkorb basiert, sind die diversen Angaben einfach nicht international vergleichbar. Es bedarf einer weltweiten Konstante — womit wir wieder beim altbewährten Big Mac-Inflationsindex angekommen sind (Island seit 1.November selbstverständlich ausgenommen).
Schönes Spielzeug, aber wir haben keine eigene Währung mehr, aus die Maus, der Euro ist eine Gruppennorm.
http://www.up2maps.net/maps/marco%20polo/World/big_mac_index.html
Ja ja, dass Leben kann so einfach sein – jenseits komplexer mathematischer Modelle und ihrer an Tastaturen klebender “Interpretationskünstler ! ! !
….. und ab und zu kommt mal ein schwarzer Schwan vorbei …..
Hedonische Methoden
Interessant ist es auch, im “persönlichen Inflationsrechner” bei “Güterauswahl” einmal die “Elektrogeräte” anzuschauen: die Kurve geht fast senkrecht nach unten. Das bedeuetet nicht, dass Computer & Co billiger geworden wären (ein guter Computer kostet 1000 EUR, das war schon immer so), sondern dass ein zeitgenössischer Computer heute so viel kann, wie ein ganzes Rechenzentrum vor 20 Jahren. Daher geht ein Computer auch mit dem Preis eines Rechenzentrums in die Statistik ein (zumindest in den USA, wo sie das schon länger so machen). Ein fragliches Verfahren, das uns sinkende Preise suggeriert.
@ holger:
2000€ netto im Monat, davon gebe ich 500€ für die Miete aus, also 25%. Wenn du natürlich 200.000€ hast und nur 2€ Miete zahlst, weil du noch bei der Mama auf dem Sofa schläfst, dann kommen auch 0,00001% hin. Es geht bei dem Warenkorb darum die Ausgaben eines durchschnittlichen Haushalts nachzubilden, dann werden die Preissteigerungen (unterscheiden sich von Kostensteigerungen) dieser Ausgabenpositionen zu einem Gesamtindex zusammengeführt. Das hat nichts mit Fixkosten und variablen Kosten zu tun. Ich gebe 25% meiner Ausgaben im Monat oder Jahr für eine bestimmte Sache aus, und mit diesem Gewicht geht das dann in die Preissteigerungsrate ein. Wenn du also von den 2000€ netto nur 1500€ durchschnittlich ausgiebst und den Rest sparst, dann hätte eine Miete von 500€ sogar einen Anteil von 1/3.
@ ergo sum: Der Big Mac Index hat nur bedingt mit Inflation zu tun, eher mit Paritäten (Wechselkurs und Zins). Er soll die Kaufkraft zwischen Ländern vergleichbar machen.
@ Schnabel: du hast das doch grundsätzlich richtig verstanden mit der Qualitätsbereinigung von Produkten. Es geht doch um Preissteigerungen und nicht um Kostensteigerungen. Grundsätzlich darf man nicht die eigentliche Anwendung der Inflationsmessung vergessen, als Frühindikator der Geldpolitik, und da geht es nunmal um rein monetäre Probleme. Um die Lebenshaltungskosten (wichtig Kosten!) nach zu bilden sind Preissteigerungen nur bedingt nützlich, man muss eben wissen wie diese berechnet werden. Da werden Qualitätsänderung berücksichtigt, und auch alle 5 Jahre Änderungen in der Ausgabenstruktur. 1950 haben die Leute keine Playstation gekauft, heute kaufen sie dafür nur noch selten Hosenträger.
Ein Computer hat eben vor 10 Jahren 2000DM gekostet und er Kostet heute 1000€, aber die Preissteigerung ist eben etwas anderes als eine Kostensteigerung. Die Begrifflichkeiten sind das Problem.
@ was geht bei euch?
Nochmals, deine Miete macht nicht die Sprünge nach oben oder unten, wie die Nebenkosten. Die Inflationsrate soll anzeigen, wie “teuer” oder “billig” das Leben ist oder sein wird oder in Vergangenheit war. Und da ist die Miete, überhaupt nicht zum Einkommen zu sehen. Auch in der durchschnittlichen Familie nicht. Da diese nicht den extremen Schwankungen unterliegt. Darf diese auch nicht so hoch gewertet werden.
Die Miete beeinflußt die Inflation weniger stark, wie die Mietnebenkosten.
Da es Fakt ist, das die Variabelenkosten die Inflation mehr beeinflußen, incl. das Zocken und Trading, müssen diese Faktoren ein höheres Gewicht erlangen. Unabhängig, wie viel diese Position an meinen Ausgaben tatsächlich zerrt.
Alles was über der Miete, an Kosten anfällt, das ist Inflation. Extrem Beispiel: Wenn das Stück Butter, in der Hyperinflation schon längst 2000 Euro kostet, bedeutet das nicht, dass ich den gleichen Preissprung bei den Mieten habe.
@Holger
Du verstehst das Konzept von Preissteigerungen und der Messung der Inflation nicht!
Wie hoch sind deine Gesamtausgaben im Jahr?
Wie groß ist der Anteil von Miete, Nebenkosten, Butter, Bier usw. an deinen Gesamtausgaben?
Wie haben sich die Preise dieser Produkte, die du konsumierst verändert?
Wenn du diese 3 Fragen beantwortet hast, dann bilde eingewogenes Mittel.
Nach Laspeyres vergleichst du den Preis eines Gutes in der Periode t mit dem Preis des Gutes in einer Basisperiode 0. Da aber eine Vergleichbarkeit zwischen den beiden Perioden nur gegeben ist wenn du die Menge des Gutes konstant hälst (also die Menge in t (Paasche) oder die in 0 (Laspeyres)), musst die die Preissteigerungen gewichten mit einem Anteilswert (Anteil an deinen Gesamtausgaben), die Menge die du konsumierst! Das machst du mit allen Gütern die du erwirbst und bildest darüber die Summe. Schon hast du die Preissteigerung.
Wenn du für 10€ einkaufen gehst, dann hast du 10 Eier, 2 Flaschen Cola und 400g Schweinelende erworben. Eier kosteten 1€ Cola kosteten 3€ Schwein kostete 6€.
Nächst Woche kaufts du das gleiche Nochmal, aber für 11€ diesmal.
Eier 1€, Cola 3€ Schwein 7€.
Die Preissteigerung betrug 10% von 10 auf 11! Bei Schwein betrug sie 16%, bei Cola und Eiern 0%.
Schwein ist dir aber nicht so wichtig! Eier und Cola sind aber nicht so wichtig deswegen nehm ich die 0% einfach mal raus. udn die Presisteigerung beträgt 16%! So Argumentierst du! Das ist falsch!
Die 10% Preissteigerung setzen sich aus den 16% und den 0% zusammen und zwar nach der Gewichtung deines Einkaufs!
@ was geht bei euch?
“Du verstehst das Konzept von Preissteigerungen und der Messung der Inflation nicht!”
Genau, und weißt du auch warum? “Weil wir im Durchschnitt schon alle tot sind”. Wer das gesagt hat, weiß ich nicht. Wurschtelt ihr man in eurer Durchschnittsstatistik, mit festen Glauben daran, weiter, die Realität wird euch früher oder später anders überzeugen.
Durchschnittlich gesehen, hat keine Wirtschaftsprognose, das Potential richtig zu sein. Eben nur Durchschnitt. Der eine belügt sich mehr, der andere weniger, um zum guten Schluß einen einheitliche, durchschnittliche Selbstverarschung zu sein.
Ich will den ganzen Krams auch gar nicht mehr verstehen.
@Holger
“In the long run we are all dead ” JM Keynes
“Prognosen sind nur dann schwierig, wenn sie mit der Zukunft zu tun haben!” Sprichwort für den ders versteht!
Und um dem Durchschnitt zu entgehen ist der persönliche Inflationsrechner da, du sagst einfach, das du nur Dinge kaufst die jedes Jahr um 100% steigen und auf Dinge verzichtest die nicht steigen, und schon brauchst du dich nicht mehr mit der Durchschnittlichen Preissteigerung rumägern.
Die Realität kann dich ja nicht mehr einholen, die hat dich scheinbar schon überholt. Wenn man nur ein wenig Verständnis von Statistik und Ökonometrie hat, dann weiß man auch wie man mit deren Ergebnissen umgehen kann. Aber da manche sich gar kein Verständnis aneignen wollen, hören sie nur irgendwelche Zahlen und reagieren so wie jeder reagiert wenn er etwas nicht kennt. Mit Angst und Intoleranz.
Nehmt euch doch mal ein einfaches Mathebuch oder Statistikbuch, von Werner Neubauer gibt es ein gutes älteres auf deutsch, speziel für Preisstatistiken. Oder lest einfach auf Destatis.de mal ein Handbuch oder eine Erläuterung. Da wird keine Hexerei betrieben und im Grunde ist alles nur die 4 Grundrechenarten, da taucht keine höhere Mathematik auf. Ist ja keine Quantenphysik.
“Qualitätsbereinigung” bei der Preismessung gibt es auch bei destatis schon seit längerem, nur die hedonische Methode ist relativ neu. Hier sieht man am Ende des Artikels eine Übersicht, bei welchen Gütern sie derzeit angewandt wird.
http://www.innovations-report.de/html/berichte/statistiken/bericht-16511.html
Bedenklich finde ich es, wenn eine ganze Güterklasse sich so verteuert, dies jedoch dank Qualitätsbereinigung in der Statistik nicht adäquat erfaßt wird (wenn also das früheren Berechnungen zugrunde gelegte billigere Modell am Markt gar nicht mehr verfügbar ist). – Und außerdem ist schwer einzusehen, daß Qualitätsverschlechterungen nicht mit in die Berechnung eingehen. Beispiel: Vor 15 Jahren wartete ich im Schnitt 5 Minuten in der Postfiliale am Schalter; heute werden es nach der Ausdünnung der Filialen oft 15 Minuten. Auch der Erholungsfaktor in Hallenschwimmbädern bleibt nicht gleich, wenn sich eine gegebene Anzahl von Menschen auf weniger Bäder verteilt. Und das Vorhandensein von so Zeug wie Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat in Lebensmitteln kann man auch getrost als Qualitätsverschlechterung werten. Aber all dies spielt bei der Qualitätsbereinigung der Statistiker offenbar keine Rolle; das sind die letzten Fortschrittsoptimisten, in deren Universum alles immer nur besser, aber nichts schlechter wird.
P.S.
Das Preiskaleidoskop finde ich als Idee einer Visualisierung aber ziemlich gelungen.
Es geht bei der Qualitätsbereinigung um die Vergleichbarkeit von 2 Produkten. Und da muss ich eben wälen ob ich die Preise des Produkt von 2005 mit Preisen des gleichen Produkts von 2009 vregleiche, oder ein Produkt von 2009 mit den Preisen von 2005 vergleiche. Das letztere gestaltet sich aber sicherlich schwieriger als das erstere, denn in den meisten Fällen hab ich keine Ahnung was das Produkt von 2009 in 2005 gekostet hat und Vorrausagen konnten die Statistiker bestimmt nicht in 2005 das welches Produkt in 2009 neu da ist. Also muss ich sagen , dass ein Computer von 2005 heute nur noch 1/3 von dem in 2005 kostet. aber da ist ja eben der Unterschied zwischen Kosten, die ich habe, wenn ich etwas kaufe und der Preissteigerung.
Aber genauso geht es auch in die andere Richtung. Wenn in der buko Packung nur noch 75g drin sind statt 100g, aber der Preis gleich bleibt, dann hat sich eben das Produkt verschlechtert. Und der Preis ist gestiegen. Wenn Abs jetz standardmäßig im Auto drin ist und das Auto 3000€ mehr kostet als vorher und vorher das Auto mit zusätzlich ABS nur 2000€ mehr gekostet hätte dann hat sich der Preis auch erhöht, aber eben nur um die 1000€ . Wenn die Reinigung der Wohnung heute 4 Stunden dauert und früher nur 2 Stunden, dann hat sich auch hier der Preis pro m² erhöht.
Das wird schon alles berücksichtigt, aber man muss auch irgendwo den Aufwand abwägen, den so eine Statistik macht. Wie soll den jemand herausfinden, dass du 15 minuten bei der Post wartest? Bei mir schwankt das so zwischen 1 – 20 Minuten! Und am ende ist die Leistung auch noch die gleiche, bzw. früher kam die Post nach 5 Tagen und heute kommt sie am nächsten Tag an (So jedenfalls die Post). Dann geht es doch schon ziemlich in die eingemachten wenn man alles so genau messen will, und dann will ich aber den Aufschrei in der Bevölkerung hören! Man erinnere sich an die Volkszählung in den 80ern, das steht uns ja auch demnächst wieder ins Haus!
@ was geht bei euch?
“Also muss ich sagen, dass ein Computer von 2005 heute nur noch 1/3 von dem in 2005 kostet…”
Ja, dann würde die Preissenkung bei Computern dämpfend auf den Anstieg der Verbraucherpreise insgesamt wirken. Aber nehmen wir den Fall, der Computer von 2005 ist gar nicht mehr am Markt verfügbar, sondern nur der von 2009 (O.K., realistisch wird das, wenn man längere Zeiträume nimmt). Der moderne Rechner ist, sagen wir, genauso teuer wie das alte Modell, aber er ist leistungsstärker. Der Besitz eines Computers ist in vielen Berufen und Milieus ein “Must”, d.h. der Konsument wird immer einen Rechner kaufen, der zumindest minimalen in seinem beruflichen oder privaten Umfeld etablierten Standards entspricht, ganz gleich, was diese Standards gerade konkret sind. Er gibt für den am Markt verfügbaren Rechner immer ungefähr das gleiche aus; laut qualitätsbereinigter Statistik aber hat er infolge des Zuwachses an Leistungsfähigkeit nur ein Bruchteil der Summe verausgabt, um die seine Kaufkraft durch den Erwerb des Rechners tatsächlich abgenommen hat. (Analog auch für das Auto.)
“Wenn in der buko-Packung nur noch 75g drin sind statt 100g, aber der Preis gleich bleibt, dann hat sich eben das Produkt verschlechtert.”
Nein, das ist ja eine quantitative Veränderung, die in der Statistik natürlich erfaßt wird. Wenn aber der Opa die gewöhnliche Lammkeule beim Schlachter seinerzeit noch ohne Antibiotika-Rückstände gekriegt hat, heute aber ein Produkt gleicher Qualität nur zu einem saftigen Aufpreis im Bioladen zu haben ist, dann wird dieser Umstand beim Eingang des Gutes “Lammkeule” in die Verbraucherpreisstatistik meines Wissens nicht berücksichtigt. Aber ich lasse mich da gern eines besseren belehren.
Generell geht es ja darum, daß Veränderungen des Gebrauchswertes irgendwie in den Tauschwert (Marktpreis) hineingerechnet werden sollen, was schwer ist, da der Gebrauchswert eine subjektive Angelegenheit, der Tauschwert dagegen ein objektives Faktum ist. Deshalb ja offenbar auch diese sehr ausgeklügelten Verfahren wie das hedonische. Du hast sicher recht damit, daß dies nicht flächendeckend für alle Güter und Dienstleistungen gemacht werden kann. Aber es fällt bei Betrachtung der oben verlinkten Übersicht doch auf, daß davon ganz überwiegend Artikel mit einem hohen Anteil an Elektronik und Halbleitertechnik betroffen sind, wo der Zusammenhang stark in eine Richtung wirkt. Die Auswahl der Güter, bei denen Qualitätsbereinigung systematisch durchgeführt wird, ist also ziemlich selektiv, so daß man einen starken “bias” annehmen kann. Mir ist nicht ein Fall bekannt, wo versucht wird, qualitative Verschlechterungen systematisch zu erfassen. Aber wie gesagt, für überraschende neue Erkenntnisse in dieser Hinsicht bin ich natürlich offen.
Ob mein Rechner nun 1Tb oder 100mb Speicher hat ist grundsätzlich das gleiche wie eine 100g Packung und eine 75 g Packung, wenn es um Preisstatistiken geht. Qualitätsberinigung wird bei allen Produkten vorgenommen, hedonische Methoden (ist ja im Grunde nur eine Regression, die auf einem komponenten Modell des Produkts beruht) werden eben bei Elektronischen Produkten verwendet, weil sie dort relativ einfach anzuwenden sind. Andere Modelle wie Output pricing oder Inputpricing, Modell Pricing werden bei anderen Produkten verwendet weil sie dort besser einzusetzen sind.
Außerdem wird unterschieden wo zb. Lebensmittel gekauft werden, auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt oder sonst wo, aber auch hier gilt, dass das Produkt gleich bleiben muss, dass ich vergleiche. Also hab ich einmal eine Lammkeule beim Metzger meines Vertrauens gekauft , wird die Lammkeule auch immer beim gleichen Metzger gekauft. Dafür werden Haushaltsbefragungen durchgeführt und es wird die Preiserhebung so durchgeführt wie die Haushalte einkaufen. Wenn diese nun in den Bioladen einkaufen gehen und dort ist es teurer, weil angeblich die Qualität höher ist, dann wird geprüft ob man den Qualitätsunterschied quantifizieren kann, wenn das möglich ist , dann wird da auch eine Qualitätsbereinigung durchgeführt. aber wie gesagt wie soll man das bei jedem Produkt machen?
“…laut qualitätsbereinigter Statistik aber hat er infolge des Zuwachses an Leistungsfähigkeit nur ein Bruchteil der Summe verausgabt, um die seine Kaufkraft durch den Erwerb des Rechners tatsächlich abgenommen hat”
und das ist der Unterschied zwischen Kosten des Produkts i 2005 und Kosten des Produkts j 2009 und der Preissteigerung des Produkts i von 2005 bis 2009. Die Kaufkraft hat zugenommen, wenn ich eine Sache 2005 für 100 kaufen kann und die gleiche Sache 2009 für 50 kaufen kann. Was hätte den Produkt j, dass seit 2009 gibt in 2005 gekostet? Kosten sind nicht Preise!
Wo hat sich den ein Produkt verschlechtert? Keine Dienstleistung, sondern ein Produkt!
Dann rechnen wir eben zukünftig die Mieten nicht mehr nach der Höhe wegen neueren Heizungen oder Solardächern sondern nach dem was die Miete einer Wohnung im Jahre 1960 heute kosten würde. Mann, ist die Inflation am Boden – aber so was von.
Überaus überzeugend.
Grüße
ALOA
Genau das wird doch gemacht! Es wird unterschieden wo und wie wohnen die Leute! Neubau? Altbau? Altbau saniert? Zentralheizung? was weiß ich noch. Und die Produkte werden dann nach und nach ausgetauscht, deswegen sind Preisindizes rein mathematisch in der Regel nicht vergleichbar, wenn es einen Wechsel in der Basisperiode gab. Aber um bei wichtigen Artikeln lange Zeitreihen zu haben werden sie einfach fortgeschrieben. Für die Deflationierung des BIP zB. werden Kettenindizes berechnet, die nicht mit den Preisindizes vergleichbar sind.
Miete in Frankfurt 80m² 1960 400DM heute 1000€. Die Preissteigerung laut Index gibt das nicht her, mit 2% jährlich! Oder im Odenwwald 1960 100DM und heute 400€. Weil eben Qualitätsänderungen der Wohnung berücksichtigt werden!
Problematisch bei den hedonischen Berechnungen scheinen mir:
- die “Verbesserung” wird viel zu stark gewichtet: Ein PC mag heute den hundert- oder tausendfachen Takt oder Speicherplatz haben wie vor 10 oder 15 Jahren, aber man arbeitet ja nicht entsprechend effektiver. Manches geht vielleicht doppelt so schnell, vieles aber überhaupt nicht schneller als früher. Der Spaß beim Computerzocken war ebenfalls auch beim Amiga mit 1 MB Speicher vor 20 Jahren vorhanden und hat sich seither nicht verhundertfacht.
- Verschlechterungen, etwa bei Lebensmitteln, werden nicht berücksichtigt. Teils gilt das auch für Kleider und Schuhe oder HiFi. Massenware ist evtl. wesentlich günstiger geworden, hohe Qualität eher teurer.
- Schwellen: Das betrifft besonders Dinge wie Autos oder Wohnungen. Besonders für die, die knapp bei Kasse sind, bringt es eher wenig, daß Autos heute allen Schnickschnack drin haben, aber entsprechend teurer sind, es aber eben keine oder kaum noch sehr einfach ausgestattete und billige Fahrzeuge (Ente, R4 usw.) gibt. Ebensowenig wie Wohnungen ohne Zentralheizung oder mit Klo auf der halben Treppe. Mag aber sein, daß das den Durchschnittsverbraucher kaum berührt.
“Wo hat sich denn ein Produkt verschlechtert?”
Ach, wenn wir bedenken, daß auch die Haltbarkeit eines Produktes eine Rolle spielt und daß es eben unter Kaufkraftaspekten nicht das gleiche ist, ob ich eine Anschaffung alle 10 oder alle 20 Jahre tätigen muß, dann fallen mir schon einige Produkte ein, von Schuhen und sonstigen Lederwaren bis hin zu Haushaltstechnik. Vor einiger Zeit habe ich mir in eine alte weitgehend mechanische Waschmaschine einen neuen Motor einbauen lassen; das Ding war vorher schon wenigstens 15 Jahre gelaufen und läuft jetzt wieder. Wie der Monteur meinte, sind die neueren mit mehr Elektronik ausgestatteten Modelle alle schon früher hinüber oder wenigstens reparaturbedürftig. Und kein Paar Lederschuhe hat jemals eine solche Haltbarkeit gezeigt wie die vom Großonkel geerbten Bergwanderschuhe, die wohl noch aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammen, heute aber noch ihren Dienst tun. Und wenn ich bedenke, welch gute Dienste ein alter Korkenzieher mit Holzgriff aus jener Zeit tut, während das dysfunktionale eigentümlich geformte Gelumpe, das heute so als Korkenzieher gehandelt wird, meist schon nach ein paar Jahren hinüber ist… Nur ein paar Beispiele… Solltest Du übrigens ein z. B. ein Leser von F.A.Z. oder Frankfurter Rundschau sein, dann dürfte Dir Qualitätsverschlechterung von Produkten auch aus dem Bereich Printmedien vertraut sein…
“Die Kaufkraft hat zugenommen, wenn ich eine Sache 2005 für 100 kaufen kann und die gleiche Sache 2009 für 50 kaufen kann.”
Ohne Zweifel, aber nach Qualitätsbereinigung hätte die Kaufkraft selbst dann zugenommen, wenn ich Dein Produkt i im Jahre 2009 gar nicht mehr kaufen kann, sondern nur noch das Produkt j zu dem gleichen Preis 100. Wenn ich also genötigt bin, Produkt j zu kaufen, um überhaupt in den Genuß des wesentlichen Nutzwertes der ganzen Güterklasse zu kommen, egal in welchem Maße ich auf die seither erfolgten qualitativen Veränderungen Wert lege.
@froZ #29
“Wo hat sich denn ein Produkt verschlechtert?”
Ich habe noch die einen oder anderen Socken aus DDR-Zeiten.
Aus den 90igern habe ich keine mehr.
Darin liegt eine wesentliche Quelle des ‘Wachstums’ des Kapitalismus.
Verfallsdatum ist kurzfristig eingebaut.
Hier wird Inflation gemacht:
Achtung!!! das ist nichts für Average Stasitiker
http://www.mikrocontroller.net/attachment/45512/vermoegensverteilung.gif
Wen wird wohl die neue Kopfpauschale in der Krankenversicherung, am härtsten treffen?