Den wenigsten wird vielleicht bekannt sein, dass Schumpeter bereits 1911 in seiner “Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung” ein paar bemerkenswerte Erkenntnisse zur Bedeutung des Kredits kundgetan hat, welche die zeitgenössische Ökonomenschaft ziemlich blass aussehen lassen. In meinem Buch wird Schumpeter eine prominente Rolle spielen, daher lese ich mich seit geraumer Zeit in sein Werk ein.
Dass der Unternehmer mit einem Vorfinanzierungsbedarf startet, den er in der Regel nur mittels Kredit decken kann, sah er so klar – klarer geht’s nun wirklich nicht mehr. Zitat:
“Er kann nur Unternehmer werden, indem er vorher Schuldner wird. Er wird zum Schuldner in Folge einer inneren Notwendigkeit des Vorgangs der Entwicklung, sein Schuldnerwerden gehört zum Wesen der Sache und ist nicht etwas Abnormales, ein durch akzidentelle Umstände zu klärendes, mißliches Ereignis. Sein erstes Bedürfnis ist ein Kreditbedürfnis.”
Man muss dem Mann daher die Ehre zuteil werden lassen, die ihm gebührt: Wenn es heute selbst bei bürgerlichen Philosophen salonfähig wird, auf die Schulden als movens der kapitalistischen Entwicklung hinzuweisen, dann sollte man Schumpeter als denjenigen nicht unerwähnt lassen, der diese Ansicht als erster einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat (ich selber muß meine Ansicht ebenfalls revidieren, dachte bislang immer, das sei Keynes gewesen). Das merkwürdige bei Schumpeter ist allerdings, dass er gleichzeitig ein Anhänger von Walras war – was eigentlich nicht zusammenpasst.
Aber egal: Wer dem Kredit eine besondere Stellung einräumt, hievt implizit auch die Banker in eine erhabene Position. Und da geht Schumpeter to the max: “Ephoren” nennt er sie, in Anlehnung an die höchsten Beamten Spartas, die in einer Reihe von Punkten sogar den Königen übergeordnet waren. Er schreibt – auch aus heutiger Sicht durchaus zutreffend:
“Der Bankier ist also nicht so sehr und nicht in erster Linie Zwischenhändler mit der Ware “Kaufkraft”, sondern vor allem Produzent dieser Ware. Da aber heute normalerweise auch alle Rücklagen und Sparfonds bei ihm zusammenströmen und sich das Gesamtangebot an sei es vorhandener, sei es zu schaffender freier Kaufkraft bei ihm konzentriert, so hat er gleichsam den privaten Kapitalisten ersetzt oder entmündigt.”
Einer von Schumpeters herausragenden Schülern, ein Mann namens Hyman Minsky, wird das zu einem elementaren Bestandteil seiner “Instabilitätshypothese” machen – allerdings erst gut 50 Jahre später. Interessanterweise verweist Minsky in diesem Zusammenhang in seinen Werken so gut wie nie auf seinen ehemaligen Professor in Harvard – auch nicht auf Keynes, wie man vielleicht vermuten würde -, sondern fast immer auf den Begründer der Chicago School, Henry Simons.
Schumpeter schreibt weiters:
“Er [der Banker, WGN] steht zwischen jenen, die neue Kombinationen durchsetzen wollen [die innovativen Unternehmer, WGN], und den Besitzern von Produktionsmitteln [den Investitionsgüterproduzenten, WGN]. Er ist im Kerne eine Erscheinung der Entwicklung, allerdings nur dort, wo keine Befehlsgewalt den sozialen Wirtschaftsprozess leitet. Er ermöglicht die Durchsetzung neuer Kombinationen, stellt gleichsam im Namen der Volkswirtschaft die Vollmacht aus, sie durchzuführen. Er ist der Ephor der Verkehrswirtschaft.”
Eine höchst bemerkenswerte Einsicht, wenn man bedenkt, dass vor fast 100 Jahren formuliert wurde. Angesichts der Entwicklung in den letzten 20 Jahren finde ich allerdings, dass es die Allegorie der Ephoren nicht mehr so richtig trifft: dafür sind die Banker viel zu aktiv geworden, sodass man sagen kann, Finanzinnovationen treiben die Realwirtschaft, und nicht mehr umgekehrt. Dennoch: Schumpeter ist cool.
PS: Vergessen werden sollte dabei auch nicht, dass Schumpeter anfangs des 20. Jahrhunderts ein paar Jahre lang selbst in der Rolle des “Ephoren” werkelte: Im Winter 1920/21 erteilte ihm das Parlament in Wien eine Bankkonzession. Seine Freunde im Regierungslager waren der Ansicht gewesen, dass er bei seinem Abgang als Finanzminister unwürdig behandelt worden sei – daher gewissermaßen als Entschädigung. Daraus entwickelte sich ein Engagement als Präsident der Biedermann Bank, Wiens ältester Privatbank, mit der er 1925 eine grandiose Pleite hinlegte. Angeblich verlor er dabei nicht nur sein gesamtes Vermögen, sondern mußte auch noch Jahre danach Schulden abstottern. Schumpeter wußte also wirklich, wovon er sprach.
Welcher heutige Ökonom könnte vergleichbares von sich behaupten?















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WGNX
“Finanzinnovationen treiben die Realwirtschaft…”
…in den Ruin.
Wie sonst erklärt sich die Ackermannsche Rendite von 25 %?
Kann ein Volkswirt solch einen Blödsinn vertreten?
Wertschöpfung muß real sein – wer das nicht verstanden hat, studierte umsonst.
Hi Weissgarnix!
Ich hoffe, wird koennen dann Dein Buch als PDF runterladen.
Einer wird es schon einscannen, oder kannst Du es hier im Forum als kostenloses Ebook anbieten?
Ansonsten wohl hier: http://avaxhome.ws/search?q=spiegel
@Besserwisser #1
Wertschöpfung muß real sein – wer das nicht verstanden hat, studierte umsonst.
Damit sind wir wieder direkt bei Marx.
Das kann doch keine Absicht sein?
@ besserwisser
“Wertschöpfung muß real sein”
Ganz recht, das ist sie und das bleibt sie auch!
Nu?
@enigma
“Wertschöpfung muß real sein”
Real und Geld da ist nix Reales…Geld ist ein Kreditvertrag mit jemandem den du nie gesehen hast ich geb dir meine Konto Nummer dann gibst du mir auch nen Kredit 20Mille währen nicht schlecht…
http://www.youtube.com/watch?v=anOwMIm1-5w
„Das merkwürdige bei Schumpeter ist allerdings, dass er gleichzeitig ein Anhänger von Walras war – was eigentlich nicht zusammenpasst.“ (wgnx) Ja, sehr nett: Dieser Mensch ist ein WIDERSPRUCH IN PERSON ….
Trotzdem, ich schreibe an einer Stelle meiner Analyse:
„Das Wachstum, das durch produktivere Technologien möglich wird, verdient hier eine besondere theoretische Aufmerksamkeit, weil es von großer praktischer Bedeutung ist. Auf dieser Art des Wachstums hat Schumpeter seine bekannte Theorie des dynamischen Unternehmers begründet. Seiner Meinung nach, kann der Aufschwung nicht anders beginnen, als durch innovatorische Ideen. Im Rahmen meiner kreislauftheoretischen Gleichgewichtsanalyse kann nun endgültig entschieden werden, wo Schumpeter Recht hat und wo er sich täuscht.
Hätte Schumpeter es bei den Innovationen belassen, so würde seine Auffassung durch die bereits durchgeführte Analyse bestätigt und vervollständigt. Er beharrte aber darauf, innovative Unternehmen müssten durch Geldschöpfung der Banken finanziert werden. Mit dieser sehr unorthodoxen Meinung stieß er damals nicht einmal im traditionalistischen Lager auf Verständnis. Sie ist in der Tat alles andere als unproblematisch. Wozu braucht man denn die zusätzliche Kaufkraft der Banken, wenn Investitionsgüter (wie alle anderen Güter) durch die bei ihrer Produktion entstandenen materiellen Kosten (Amortisation) sowie durch Nettoeinkünfte nachgefragt werden können? Warum reicht das Sparen der privaten Haushalte und der Unternehmen nicht auch für die Investitionen der Innovatoren? Da nimmt Schumpeter das Saysche Gesetz offensichtlich nicht ernst. Er rettet sich schließlich mit einer realitätsfremden impliziten Annahme: Innovatoren seien mittellose Outsider, denen die etablierten Unternehmen nicht vertrauen, die als solche schicksalhaft von den Krediten der Banken abhängig seien. So spaltet er die Wirtschaft in eine technologisch stagnierende, die aus der endogenen Kaufkraft finanziert wird, und eine innovative, die sich durch das frische Geld der Banken, also durch die exogene Kaufkraft finanziert. Meine Analyse zeigt indessen, dass die Wirtschaft, wenn ihr Wachstum mit neuen, produktiveren Technologien beginnt, auf keine exogene Kaufkraft angewiesen ist. …
Nicht weniger irritierend klingt Schumpeters Erklärung des weiteren Ablaufs des ökonomischen Zyklus. Die Wirtschaft käme angeblich erst dann richtig in Fahrt, wenn neue Produkte „nach einigen Jahren auf den Markt kommen“. Der Aufschwung sei damit die Folge der expandierten Produktion, die ein „Auftreten massenweiser Unternehmernachfrage auslöst, die sehr wesentlich das Auftreten neuer Kaufkraft bedeutet“. An dieser Stelle des ökonomischen Zyklus erweitert Schumpeter also seine Analyse mit der expandierenden Nachfrage, und er führt sie damit endgültig in die Sackgasse. Wie kann ein überzeugter Gleichgewichtstheoretiker, bei dem die Nachfrage und das Angebot immer und unbedingt identisch sind – horribile dictu – erklären, dass die Nachfrage auf einmal „massenweise“ und die Kaufkraft „wesentlich“ auftreten? Sollte dies nur soviel bedeuten, dass beim Aufschwung beides, sowohl die Nachfrage (Kaufkraft) als auch das Angebot (Produktion) expandieren, dann ist diese Aussage peinlich trivial. Einiges spricht jedoch dafür, dass uns Schumpeter hier einen logischen Fehlschluss vom Typus circulus vitiosus vorführt: Die Produktion steigt, weil die Nachfrage wächst, und die Nachfrage wächst, weil die Produktion steigt.
Aber einmal abgesehen davon wie mangelhaft die Schumpetersche Auffassung der Nachfrage ist, er behält insofern Recht, als er Innovationen zu einem wichtigen Faktor der Erholung einer stagnierenden Wirtschaft macht. … “
@Besserwisser
“Wie sonst erklärt sich die Ackermannsche Rendite von 25 %?”
Die bezieht sich auf ein vergleichsweise putziges Eigenkapital und klingt somit gewaltiger als sie ist. Auch wenn Presse & Blogs da aufspringen: diese Zahl ist kein wirklicher Aufreger.
@yuri
Mein Buch wird es definitiv nicht als gratis download geben, aber ihr werdet es für einen angemessenen Preis kaufen dürfen. Ich meine: Hey, aber das sind wir dem Kapitalismus einfach schuldig – solange es ihn noch gibt.
@Besserwisser
>– wer das nicht verstanden hat, studierte umsonst.
Stimmt, war damals tatsächlich noch umsonst. Heute kostet das ja Studiengebühren und lauter so’n Kram.
Aber wenn ich das als Volkswirt nicht sagen darf, dann verkündige ich es halt als Betriebswirt: Denn Gratis-Zugang zur Uni habe ich weidlich ausgenützt, bin diesbezüglich also recht flexibel.
“ein Anhänger von Walras”
Ich bin ja nun kein Ökonom, habe mir das nur ein bisschen aus zweiter Hand zusammengelesen, allerdings mit einem gewissen Hintergrund in mathematisch formulierter Theorie und Modellierung.
Dieses Modell von Walras, in dem er das Geld als Skalenparameter aus dem Wirtschaftsleben herausfaktoriert, gehört zum primitivsten, was ich an Theorie in meiner ganzen wissenschaftlichen Laufbahn gesehen habe. Jeder Physikstudent im 3. Semester muss ein härteres Brot kauen und erhält solidere Ergebnisse.
Gut, es ist ein erster interesssanter, einfacher Ansatz unter dem Motto “Wie wäre es, wenn es in der Wirtschaft nur um solides Wirtschaften ginge” und als solcher legitim und sogar informativ. Dass die Mainstream-Ökonomie aber seit 100 Jahren versucht, auf dieser Basis das reale Wirtschaftsleben zu verstehen und zwischenzeitlich geglaubt hat, sie habe das fast schon geschafft, ist in meinen Augen eine ungeheuerliche Schande.
@Systemfrager
Habe an deiner Analyse recht arge Zweifel. Fakt scheint mir zu sein, dass sich in einem Kreislauf die Arbeiter als Gruppe das aneignen, was sie als Konsumgüter produzieren, minus dem, was Kapitalisten (und in ihrem Schlepptau Controller, Werbefritzen, Rechtsanwälte, Schönheitschirurgen, Steuerberater, PR-Damen, …) aus dem Gewinn konsumieren. Es bleiben also aus dem Gewinn verschwindend geringe Nettoeinkünfte, und die sind meiner Meinung nach ebenfalls bereits mit Kredit belastet (das Modell “Gewinne aus Konsum” funktioniert ja nur, wenn man sich die Zeit komplett wegdenkt, sprich in der Praxis gar nicht). Schumpeter, und später Kalecki, Keynes und Minsky, sehen es daher mM nach sehr richtig, dass der gesamte Gewinn einer VoWi aus den Investitionen kommen muß (Staatsdefizit und Außenhandel außen vor). Und die lassen sich nur aus Kredit finanzieren, woraus sonst?
Der Irrtum liegt meines Erachtens immer wieder darin, dass “Ersparnis” netto verstanden wird. Es gibt aber keine Netto-Ersparnis, sie ist null. Gespart werden kann – netto – in der Tat nur über den Kapitalstock – aber der bezieht seine monetäre Werthaltigkeit fast zur Gänze aus der Zukunft (was logisch ist, wenn alle Gewinne aus den Investitionen stammen).
Langer Rede kurzer Sinn: Die Passage aus deiner Analyse, wo du den Nachweis führst, würde mich sehr interessieren. Könntest du sie mir mailen?
@EuroOptimist
Die Herren Arrow und Debreu haben sich dann in den 50ern ja auch sehr verdient um das Walras-Modell gemacht, weshalb es heute auch ihren Namen trägt und nicht mehr den vom alten Léon. Es hat zwar nach wie vor nichts mit der realen Welt zu tun (im Prinzip eine Modellierung von Gleichgewichten zu unterschiedlichen Zeitpunkten), und kann mit Geld jetzt erst recht nichts anfangen, aber hey: es sieht mathematisch sehr schön aus.
@ EuroOptimist / 10
“Jeder Physikstudent im 3. Semester muss ein härteres Brot kauen und erhält solidere Ergebnisse.”
Ob du das nur aus Empörung so halt sagst … oder ob es dir wirklich bewßt ist, wie GROßARTIG du disbezüglich Recht hast … ?
“Dass die Mainstream-Ökonomie aber seit 100 Jahren versucht, auf dieser Basis das reale Wirtschaftsleben zu verstehen und zwischenzeitlich geglaubt hat, sie habe das fast schon geschafft, ist in meinen Augen eine ungeheuerliche Schande.”
Schande? Kennen die Interessen der moralisch degenerierten Menschen eine SCHANDE? Diese akademische Idiotie ist doch nur ihre Theologie.
@Mark #7
“. Auch wenn Presse & Blogs da aufspringen: diese Zahl ( 25%) ist kein wirklicher Aufreger.”
Doch, diese Zahl ist ein Aufreger, nämlich genau deswegen: WEIL das Eigenkapital vergleichsweise putzig ist.
Die Banken und Finanzinstitute können die Geldwelt doch nur deswegen so gigantisch aufblasen und eine völlig losgelöste Zirkulationssphäre schaffen, weil beim Geld- und Kreditschöpfungsprozess so wenig Bodenhaftung abverlangt wird:
- nur 2% der Kundeneinlagen müssen mit Zentralbankguthaben gedeckt werden ( Schnitt in Europa) – jeder Euro, der bei den Banken deponiert wird, kann von diesen 50 mal ausgeliehen werden
- eine gewisse Deckung könnte dann wenigstens durch Eigenkapital erfolgen, aber die ist auch nicht höher als etwa 4% .
Warum auch ? Ist ja nicht notwendig.
Ich darf Willem Buiter zitieren:
“Nehmen Sie z.B. den Flugzeugbau: die Grössenordnung in diesem Geschäft wird man nur dann verdoppeln können, …wenn ein neues, modernes Flugzeug entwicklet wird, wenn die Beschäftigen entsprechend geschult werden etc… Im Finanzsektor kann man die Grössenordnung des eigenen Geschäfts anheben, indem man auf beiden Seiten der Bilanz einfach nur eine “Null” hinzufügt.”
( Willem Buiter , institutional-money 3/2009 )
So werden dann die gigantischen Scheingeschäfte in der virtuellen Zahlenwelt getätigt und gigantisch verdient, immer so lange, bis aus irgendeinem Grund das Vertrauen schwindet und die Finanzwelt wieder so dasteht wie der Kaiser im Märchen: nämlich nackt.
Dann kollabiert die Zirkulationssphäre, und schickt ihre zerstörerischen Tornadorüssel auf den Boden der Realwirtschaft.
Deshalb sage ich:
Entreisst den Raubbänkern die Herrschaft über die Liquidität!
Die Liquidität ist ein öffentliches Gut, dass sich die Raubbänker für ihre spinnerten Geschäfte unter den Nagel gerissen haben!
Für die Errichtung der 4. Säule der staatlichen Gewalt!
Für die Errichtung der LIQUIDATIVE!
@ wgnx1 + wgnx2
Du wirst mir nicht glauben, ich hatte mir schon vor ein paar Monaten vorgenommen, mich bei euch zu melden. Spätestens in einer Woche wird es so weit sein.
Zu unseren „Missverständnissen“:
NEIN, aus den Gedankenfetzen, die in den Kommentaren hin und her verschoben werden, lässt sich RECHT WENIG klug sein. Nur bestimmte Intentionen lassen sich – WAGE, ABER IMMERHIN – fühlen und ahnen. Meine (wage weil nur gefühlte und geahnte) Intention: Du versucht hartnäckig zu vergessen (entschuldige die polemische Härte), dass
Waren mit Waren gekauft werden!
@Systemfrager
>Du versucht hartnäckig zu vergessen (entschuldige die polemische Härte), dass Waren mit Waren gekauft werden!
Stimmt – das verdränge ich mit aller Kraft.
@wsgnx #11
“Der Irrtum liegt meines Erachtens immer wieder darin, dass “Ersparnis” netto verstanden wird. Es gibt aber keine Netto-Ersparnis, sie ist null. ”
Es gibt aber auch keine Nettoschulden.
Ein Teil der Erwerbstätigen erzeugt Konsumgüter und ein anderer Teil Investitionsgüter. Die Investitionsgüter Erzeugenden werden von den Konsumgütererzeugenden mit Konsumgütern versorgt um im Gegenzug mit produktivitätssteigernden und Innovationen generierenden Investitionsgütern versorgt zu werden.
Geld darf dann allenfalls als Verrechnungsmedium verwendet werden. Zinsen sind vollkommen überflüssig für das System, denn durch die ständige Rationalisierung nimmt der Arbeitsaufwand je Produkteinheit permanent ab. Sollte es durch Sättigungseffekte zu Störungen kommen, muss entweder der Anteil der Erwerbstätigen in der Investitionsgüterindustrie erhöht oder die Arbeitszeiten verringert werden. Oder der Staat (der das Geldmonopol bei sich ansiedelt) druckt Geld, dass dann aber nur für öffentliche Investitionen in die Infrastruktur verwendet wird.
Das ganze System kommt doch nur deshalb immer wieder in Krisen, weil Menschen aus der alleinigen Tatsache des Eigentums Erträge erwarten. Und weil die Finanzindustrie, um diese Erwartungen zu erfüllen, zu immer waghalsigeren Instrumenten greift. Und die waghalsigsten Instrumente sind Privatkredite, die nicht zu erhöhter Produktivität des Schuldners führen. Die privaten (und übrigens auch die öffentlichen) Schuldner wären auf Dauer sogar bei zinsfreien Krediten überfordert.
@ wgn
“Die Herren Arrow und Debreu haben sich dann in den 50ern ja auch sehr verdient um das Walras-Modell gemacht”
Weil mir das bekannt vorkam, habe ich die Stellen nochmals in Binswangers “Wachstumsspirale” nachgelesen. Zitat: ‘Die “Dynamik” von Debreu und Arrow ist daher eine Pseudo-Dynamik’. Auch sonst ist er nicht sehr gnädig.
Mich haben beim Lesen diese diversen Gleichgewichte in diversen konstruierten “Märkten” vom ersten Moment an die Epizykeltheorie erinnert, mit der die ptolemäische Astronomie geflickt werden sollte. Mit jedem Epizykel ging es ein bisschen besser, aber die Theorie wurde dadurch nicht richtiger: kunstvolle Scholastik. Das ist aber so verdammt lange her! Ganz im Gegensatz zu Arrow und Debreu.
@ Wgnx @ All
Ich hätte da mal gerne eine Frage, nur zum Verständnis:
Wenn von Unternehmen gesprochen wird, sind dieses bestimmte Unternehmen, und wenn ja, welche Nachfrage (Bedürfnis) befriedigen diese, durch ihr Produktportfolio?
Jedenfalls, muss ich mich nicht verschulden, mit der Panflöte und einem Lama in der Fußgängerzone aufzutreten. Um Geld einzusammeln, oder was ehr der Fall sein wird, Prügel Aufgrund des musikalischen Talents zu beziehen.
Talent, war das nicht mal eine Währung?
Liquidative gefällt mir gut.
Ich frage mich nur, ob das wirklich hilft. Wir haben in Deutschland (Österreich ist AFAIK ähnlich bis genauso organisiert) immerhin 1.) Geschäftsbanken, 2.) Genossenschaftliche Banken und 3.) staatliche Banken (Sparkassen+Landesbanken). 2 und 3 haben signifikante Marktanteile! Hat das den Bankensektor wirklich besser oder stabiler gemacht? Würde ein komplett verstaatlichtes Bankensystem irgendwas verbessern?
Ich bezweifle das. Am Ende steckt doch immer kurzfristiges Denken dahinter. Wir schimpfen viel über Banker, die nur an ihre Boni denken. Aber Politiker denken auch nur an ihre Karriere und damit an ihre Wiederwahl in 4 Jahren (wie übrigens auch Greenspan und Bernanke). Würden die Politiker mit einem Bankensektor verantwortlicher umgehen?
@Hammersen
>Es gibt aber auch keine Nettoschulden.
Der Kandidat hat 99,9 Punkte! Es gibt Ersparnis und Schulden als rein monetäres Phänomen – der Kredit zieht Kaufkraft aus der Zukunft in die Gegenwart und führt genau deshalb zu einem “Nachziehen” der Güterproduktion.
DAS ist die Story des Kapitalismus. So einfach. In Schumpeters eigenen Worten: Der Kredit ist wie eine “Anweisung” des Unternehmers auf die gesellschaftliche Güterproduktion, dem in Feudalgesellschaften der “Befehl” gegenübersteht. Reproduktion im Sozialismus/Feudalismus beruht auf Befehl, im Kapitalismus auf Kredit. Gäbe es ihn nicht, dann gäbe es auch kein Wachstum sondern nur ein ödes Herumkurven in einem statischen Kreislauf (meint Schumpeter, obwohl wir wissen, dass auch das kaum funktionieren könnte).
Der Spruch “Waren kaufen Waren” muß also zumindest umformuliert werden in: Die Waren von Morgen kaufen die Waren von heute.
@holger
Bei Schumpeter sind “Unternehmer” nur diejenigen, die “neue Kombinationen” von Produktionsfaktoren durchsetzen – sprich: die bekannten kreativen Zerstörer. Alle anderen, die einfach nur so ihr innovationsloses Business betreiben, hätte er – würde er heute leben – wohl als “Warmduscher” abgetan.
@egghat
>Würden die Politiker mit einem Bankensektor verantwortlicher umgehen?
Natürlich nicht. Mal im Ernst: Wer möchte das, der noch seine 5 Sinne beisammen hat? Die Banken sollen auch durchaus innovativ sein, und dabei wird regelmäßig was grob schiefgehen. Nur: Das allgemeine Setup muß dann halt so aussehen, dass die Allgemeinheit nicht jedesmal erpresst werden kann.
@ wgnx
„Der Kredit zieht Kaufkraft aus der Zukunft in die Gegenwart und führt genau deshalb zu einem “Nachziehen” der Güterproduktion.“ (wgnx) Jetzt bin ich baff – es ist verdammt gut Formuliert. (Ich musste es immer wieder lesen.) Es ist aber nicht die ganze Wahrheit.
„Der Spruch Waren kaufen Waren muß also zumindest umformuliert werden in: Die Waren von Morgen kaufen die Waren von heute.“ (wgnx)
Das geht nicht. Die Waren von Morgen gibt es heute gar nicht. Was es nicht gibt, kann auch nicht von Bedeutung sein. (Gut, ist nur eine metaphorische Aussage.) Es stimmt aber, dass das Geld/Kredit eine externe (aus nichts geschaffene) Nachfrage ist. Und stellen wir uns jetzt vor:
Der Markt ist eine defekte Konstruktion, bei der – bei den bestimmten Umständen – ein Nachfragemangel entstehen kann. Der Markt verliert soz. das Öl. Was tun? Nachfüllen. Richtig! Womit? Mit neuem Öl – pardon: mit externer Nachfrage – pardon: mit nachgedrucktem Geld.
Die entscheidende Frage ist jedoch: Ob es Nachfragemangel geben kann.
saucool … und nach dem ich mich nun mit ephoren, gerusia und apella beschäftigt habe bin ich dafür im bundestag ebenfalls nach lautstärke abzustimmen … es käume immerhin freude auf und phonix schauen würde sich lohnen
8% nicht risikogewichtetes Eigenkapital für Banken und Hedgefonds. U.U. 2%-4% in einem gemeinsamen Pool für alle Banken, damit der Einlagensicherungsfonds mal ein paar Euro mehr enthält als die 4 Mrd. Euro, die vor der Krise drin waren und die direkt bei der ersten Pleite wegwaren.
Damit wäre schon viel gewonnen, weil es einen ausreichenden Puffer gäbe.
Mit Eigenkapital meine ich übrigens richtiges Eigenkapital und nicht nachrangige Verbindlichkeiten. Ich halte es für einen Witz, wenn man Schulden als Eigenkapital verbuchen kann, nur weil die Schulden nachrangig haften … (würde mich übrigens mal interessieren, seit wann man das so verbuchen kann. Ich schätze, das ist noch nicht sonderlich lange so …)
@egghat, wgnx
“Würden die Politiker mit einem Bankensektor verantwortlicher umgehen?”
Man muss ja nicht verstaatlichen um die Herrschaft über die Liquidität wiederzuerlangen.
Wie wärs denn, wenn Banken dazu gezwungen werden 50% ihrer Kundeneinlagen mit Zentralbankguthaben zu decken?
Vielleicht wird dann aus dem Bankgeschäft auch wieder ein normales Geschäft, ohne diese ganzen eruptiven Blasenplatzereien. Oder wahlweise ein entsprechendes EK aufbauen?
Soll mir keiner erzählen , dass so was nicht gesetzlich verfügt werden könnte – wenn man es wirklich möchte.
@Systemfrager
>Das geht nicht. Die Waren von Morgen gibt es heute gar nicht. Was es nicht gibt, kann auch nicht von Bedeutung sein.
Du mußt meiner Meinung nach wirklich den Tauschfuzzi aus deinem Schädel kriegen. Sonst bist du für die Welt verloren und stirbst auch noch dumm – ein Schicksal, das ich meinen treuen Lesern gerne ersparen würde.
>Es stimmt aber, dass das Geld/Kredit eine externe (aus nichts geschaffene) Nachfrage ist.
Extern? Wieso extern? Selbst Schumpeter spricht von “systemintern” – und meinereins sowieso (war immer schon ein Vertreter der inside-money-Fraktion).
>Der Markt ist eine defekte Konstruktion, bei der – bei den bestimmten Umständen – ein Nachfragemangel entstehen kann.
Aufgrund der inhärenten Verteilungsproblematik der Marktwirtschaft – wenn du das meinst: Zustimmung.
>Was tun? Nachfüllen.
Klassische Antwort der Supply-Sider. Was zwangsläufig dazu führt, dass noch mehr überproduziert werden muß, damit aus den daraus fließenden Einkommen der Markt der Gegenwart geräumt werden kann. Der “Vorgriff” in die Zukunft wird also immer größer. Da hat Hammersen übrigens auch völlig recht: Weil zuviele Leutchens mit zuviel Geld glauben, dass “Eigentum” alleine Ertrag bringen muß. Übrigens verstehe ich erst seit kurzem, warum Keynes bei der Verteidigung der GT so dermaßen gegen Marshall lospolterte: Weil der diesen Scheiss als erster verzapft hat.
Meine Lösung wäre eine andere: Die Verteilungsproblematik entschärfen. Nicht aus sozialen Überlegungen heraus, sondern knallhart-ökonomischen. Das Soziale wird da quasi ein Nebenprodukt.
>Die entscheidende Frage ist jedoch: Ob es Nachfragemangel geben kann.
Bei den Herren Walras und Arrow-Debreu natürlich nicht – wie sollte es? Bei Schumpeter und Keynes sehr wohl. Ein reales Warengleichgewicht nutzt doch keiner Sau was, wenn die Ansprüche darauf (vulgo “Geld”) absolut ungleichmäßig verteilt sind.
@ wgnx
„Du mußt meiner Meinung nach wirklich den Tauschfuzzi aus deinem Schädel kriegen. Sonst bist du für die Welt verloren und stirbst auch noch dumm – ein Schicksal, das ich meinen treuen Lesern gerne ersparen würde.“ (wgnx) – Man muss es nicht glauben , ich mag aber wirklich die Diskussionen ohne Samthandschuhen. Diese Aussage erinnert mich an das Lachen der Newtonianer über die neue Physik vor einem Jahrhundert. Die Lachenden damals waren wirklich „für diese Welt verloren“.
„Meine Lösung wäre eine andere: Die Verteilungsproblematik entschärfen.“ (wgnx) Eine humane Gesellschaft ist ohne entschärfte Verteilungsproblematik unvorstellbar. Eine Lösung für die Probleme der Marktwirtschaft ist sie jedoch nicht. Hat übrigens schon Marx explizit behauptet.
„Ein reales Warengleichgewicht nutzt doch keiner Sau was, wenn die Ansprüche darauf (vulgo “Geld”) absolut ungleichmäßig verteilt sind.“ Jean-Charles-Léonard Simonde de Sismondi (1773-1842) pur. Ein zu dünner Ast – er bricht und dann ist man wirklich „für diese Welt verloren“.
@Systemfrager
>ich mag aber wirklich die Diskussionen ohne Samthandschuhen.
Dachte ich mir schon.
>Die Lachenden damals waren wirklich „für diese Welt verloren“.
Schon. Die Frage ist nur: Wer lacht am Schluß?
>Eine humane Gesellschaft ist ohne entschärfte Verteilungsproblematik unvorstellbar.
Wie gesagt – das meinte ich an dieser Stelle noch nicht mal. Die krass asymmetrische Verteilung ist zuvorderst ein ökonomisches Problem, kein sozialethisches. Das kommt noch on top.
>Ein zu dünner Ast – er bricht
Fein – wenn du mir dann auch noch erklären willst, wie die Renditeansprüche der zunehmend reicher werdenden Reichen erfüllt werden können, wenn die dafür nötigen Investitionen mangels Kaufkraft der Verarmten ausbleiben, dann wäre mir schon geholfen.
Will man diesen Weg gehen, dann führt – meiner Meinung nach – kein Weg an Keynes’ Vision der “Sozialisierung der Investition” vorbei. Sprich die Gesellschaft investiert als Ganzes in ausgesuchte Mega-Projekte, i.e. Besiedelung des Mars, Bau von Raumschiff Enterprise (sagte nicht Captain Picard in Star Treck “Treffen der Generationen” was von wegen “In unserer Gesellschaft ist Geld nicht mehr wichtig?” – ich frage mich schon seit geraumer Zeit, wie die Wirtschaft der “Vereinigten Planeten” eigentlich organisiert war, tippe stark auf Sozialismus mit schumpeterschen Zügen), oder was viel profaneres, zB Überleben des Planeten Erde…. nee, das wäre dann doch zu profan.
“Er [der Bankier] ist im Kerne eine Erscheinung der Entwicklung, allerdings nur dort, wo keine Befehlsgewalt den sozialen Wirtschaftsprozess leitet.”
Weil wir ja noch im Oktober sind, im Roten Oktober: Ist es nicht erstaunlich, dass Marx ausgerechnet hierzu nix zu sagen hat, sondern immer den Fabrikanten als den Kapitalisten hinhält?
Ja, in gewisser Weise sind Bankiers die Planer des Kapitalismus, sie lenken die Geldströme! Und dazu werden sie vom Staate ermächtigt. Der Staat gewährt ihnen das Privilig, das tun zu dürfen, mit der Erteilung einer staatlichen Lizenz.
http://dejure.org/gesetze/KWG/32.html
Und die Kreditausweitung unterliegt wiederum den Regeln der Zentralbank, welche über Zinsen und Anforderungen an Sicherheiten die Geldmengen grob steuert.
Die Zentralbank aber ist unabhängig gestellt und bestimmten Zielen verpflichtet. Das ist vergleichbar dem Staate, der als Rechtsstaat ja eben kein Machtinstrument der Bourgeoisie ist, sondern der allgemeinen Gleichbehandlung verpflichtet, unabhängig von gesellschaftlichem Stand und Vermögen.
Wenn aber die Zentralbank und der Staat keine Machtinstrumente sind, woher bekommt dann diese Gesellschaft ihre Tendenz? Wo kam also der Neoliberalismus her?
Vielleicht gibt es keinen Gegensatz zwischen Ausgebeuteten und Ausbeutern, sondern ein Einvernehmen? Marxisten wären dann verbitterte, alte Menschen, die es nicht schafften, Ausbeuter zu werden, oder junge, welche den Weg abkürzen und gleich an die Schaltstellen der Macht gelangen wollen. Nietzsche nennt letzteres den “Willen zur Macht”.
@ Wgnx
O.K. soweit. Jetzt noch der allseits beliebte Begriff, der Innovation.
Ab wann, ist etwas innovativ? Eine technische Innovation, gleicht zumeist, eine menschliche Schwäche aus. Oder will vermeintlich, das Dasein sicherer, komfortabler und leichter machen.
Ob bewusst oder unbewusst.
Roboterproduktion, oder die Vollautomatisation, sind doch nur das Ergebnis, dass der Mensch bequem ist. Oder, das ihm ein Blechkollege, die gefährliche Arbeit abnimmt.
Nehmen wir das Minensuchen. Du kannst Menschen über das Feld jagen die den Minenräumpanzer produzieren, du als Chf natürlich vorn weg, oder einen Minenräumpanzer.
Gibt es zu viele Innovationen, die das Leben leichter und angenehmer gestalten könnten?
Ich bin der Meinung, dass der Begriff “Arbeit” neu definiert werden muss. Durch Innovationen sind so viele Menschen aufgerufen, den Sinn der Arbeit, auch für sich neu zu definieren. Und da kann man sich die Frage stellen: Warum ist das Notwendig?
Ich sehe, das was momentan passiert, als einen notwendigen Schritt, in der Evolution Mensch-Technik, an. Vielleicht konzentrieren wir uns eines Tages darauf, unseren Vorteil, vor allen Innovationen und Maschinen zu nutzen. Unseren Geist. Und das jeder ein Anrecht auf “Menschenwürdiges” Leben auch wirklich hat. Unabhängig von Kapital.
Utopie? Ich weiß es nicht.
Heute ist Jahrestag: 80 Jahre “The Great Crash”. Herzlichen Glückwunsch Wall Street. Auf News from 1930 liest jemand das Wall Street Journal von damals. Nix hat sich geändert.
29. Oktober 1929 Editorial
“While “speculators whose margins have been devastated” may be hard to console, there are some comforting aspects to the current situation. “Business in general shows no signs of disintegration”; it has slowed somewhat from a midsummer peak, but this preceded the market break. With a few exceptions such as the car industry, we don’t have the high inventories that have caused previous recessions; together with lower prices, this indicates part of the needed readjustment has already been accomplished. Finally, a pause in the recent flood of security issues should be beneficial.”
Mit anderen Worten: alles net so schlimm. Ein paar Trotteln haben am Kapitalmarkt verloren. Auto hat wieder mal kleine Probleme. Aber sonst: alles Paletti.
28. Oktober 1930 Rede J. Raskob
“In closing, let me say that no country in the world, not even our own, was ever in as splendid position to go forward and enjoy a period of prosperity as our own country is today. Everything has been thoroughly deflated and business is now turning upward. The momentum is necessarily slow at first, but within three months … we will quickly leave depression behind.”
Das Schlimmste ist hinter uns. Jetzt geht’s wieder los. Und dann ging die Post auch richtig ab. Irgendwie hab ich das ungute Gefühl das hab ich heute in der Zeitung …
Und was schreibt der Schumpeter zur Bankenkrise, die dann 1931 und 1932 wütete:
“Bei der Art und Weise, in der sowohl Unternehmungen wie auch Haushaltungen sich während der zwanziger Jahre in Schulden gestürzt hatten, ist es klar, dass die angelaufene Belastung – die in vielen, wenn auch nicht in allen Fällen gegenüber einem Sinken des Preisniveaus sehr empfindlich war – ursächliche Bedeutung für das plötzliche Hinabstürzen in die Depression hatte. Insbesondere brachte sie eine endlose Spirale in Bewegung, innerhalb welcher die von jeden gemachten Anstrengungen, diese Belastung zeitweilig zu vermindern, nur die Wirkung hatten, dieselbe zu erhöhen. Es lässt sich also nichts gegen die Schuldendeflationstheorie der amerikanischen Krise einwenden.”
Ich würde mir auch wie WGNX den Alois zum Vorbild nehmen. Allerdings aus anderen Gründen: der trug nur Massanzüge und war ein echter Casanova.
Was uns fehlt ist ein Schumpeter-Politiker und eine Schumpeter-Partei. Deren gesellschaftliche Innovation kann nur in einer Innovation im Steuerungssystem von Wirtschaft-Politik-Staat-Gesellschaft bestehen. Sie muß bewirken, dass übermächtige Steuerungs- und Machtstrukturen dauerhaft und evolutionsprozess-logisch verhindert werden, und sie muß zugleich die vorhandenen, aus Konfliktkämpfen gewachsenen, fast-geheimen Machtclans auf glboaler Ebene stürzen.
So jedenfalls verstehe ich meine politische Aufgabe – sie ist mit wenig, aber steuerungssystem- und machtrelevantem Wissen zu schaffen und sie wird gelingen.
es ist einfach amüsant, zu lesen, zu welchen verwirrten Schlussfolgerungen man kommt, wenn man Schulden (Kredit) als eigentliche Grundlage des Wirtschaftens versteht. Aber, liebe Schuldenfetischisten, es geht auch ohne, kleine Leseempfehlung
das Buch “How the West grew rich” von Nathan Rosenberg und L. E. Birdzell. All die Firmen, deren Innovationen wir das Medium verdanken, über das wir hier kommunizieren, haben alle ohne Schulden angefangen, die erfolgreichen wie apple oder microsoft bunkern inzwischen riesige Milliardenbeträge in cash, die weniger erfolgreichen haben ihr Eigenkapital verbraten und sind ohne Schulden zu neuen Ufern aufgebrochen.
Ach so, für die die nicht wissen, wovon hier die Rede ist: nennt sich venture capital – aber bitte unterlasst die Ausrede, das wäre ja auch nur Kredit, halt der des VCs oder so ähnlich
@Rüdiger Kalupner #34
Kurze Zwischenfrage: Wo finde ich Angie’s “CHARTA für nachhaltiges Wirtschaften”?
@Geronimo
>nennt sich venture capital – aber bitte unterlasst die Ausrede, das wäre ja auch nur Kredit, halt der des VCs oder so ähnlich
Das ist keine Ausrede, sondern genau so ist es. Frag mal ein paar “geventure-te” Firmen, wie die das sehen. Die Art des Zahlungsversprechens ist eine andere, und die Art der Vergütung – aber sonst?
Im obigen (schumpeterschen) Kontext muß man “Eigenkapital” wirklich wörtlich verstehen – als das “eigene”, private Vermögen des Unternehmers. Die Art der Gründungsfinanzierung, die er anno 1911 in seinem Buch beschreibt, kommt übrigens dem heutigen VC sehr nahe – nur gab es das so halt anno 1911 noch nicht.
@ wgnx
„Fein – wenn du mir dann auch noch erklären willst, wie die Renditeansprüche der zunehmend reicher werdenden Reichen erfüllt werden können, …“ (wgnx)
Sagen wir es so: Wenn bei einem Wagen die Lenkung versagt hat, ist es nicht dasselbe, ob die Straße leergefegt ist, oder ein großer Lastwagen entgegen rollt. Du sprichst über diesen Lastwagen. Insoweit würde ich sogar sagen, alles was du sagst, ist zumindest nicht falsch. Die Erklärung der Keynesianer (ich bin auch ein stolzer Keynesianer) – also die alte Theorie von Keynes – beginnt erst zu greifen, wenn das Kind im Brunnen ist. Davor ist sie ganz stumm. Das ist ein nicht gerade kleines Problem. Das war der Tod des Keynesianismus. DAGEGEN MUSS MAN ETWAS TUN.
Aber ich weiß jetzt nicht, ob wir unsere Diskussion durch Kommentare fortsetzen könnten. Sie sind technisch betrachtet keine passende Grundlage für eine ernsthafte Diskussion. Vor allem meine ich damit: Weder du noch ich, haben unsere Auffassung/Modell/Konzeption gewissermaßen umfassend vorgelegt, so dass man ausrufen könnte:
Leute – jetzt wird darüber diskutiert!
Geronimo,
ich dachte bis jetzt, das der Konrad Zuse das gewesen sein sollte. Venture Capital, ist immer auf die Herkunft des Capital zu beziehen.
Ist eng mit Private Equity verbunden. Habe hier ein paar Emisionsprospekt vom Alfred Wieder liegen aus 2005 . Schicke ich dir kostenlos gerne zu.
Mit all den Bookmarks, wer mit wem zusammenhängt. Und wie der Vertrieb entlohnt wird, und welche die Rechte der Anleger sind.
Viel Spass dabei.
@geronimo
“Venture Capital”
Nur ist Venture Capital das Hereinholen von Partnern, also das Abtreten von Eigentumsrechten. Ein Kredit kann dazu führen, dass man sein Eigentum verliert – Venture Capital führt immer dazu!
Und so gesehen wären Start Ups wohl froh, wenn sie eine Kreditlinie erhielten! Insbesondere heute, bei den Zinsen. Sie kriegen nur keinen, die Armen und müssen also ihren Ideen, statt dass sie diese beleihen, für wenig Geld teilweise verkaufen. Ein schlechtes Geschäft in der Regel.
@ wgx
> Die Art der Gründungsfinanzierung, die er anno 1911 in seinem Buch beschreibt, kommt übrigens dem heutigen VC sehr nahe – nur gab es das so halt anno 1911 noch nicht.>
ne ne, schon Columbus hat seine Expeditionen vc finanziert – vergiss nicht, dass der Besitzer von einer handvoll Mineralien und ein paar Liter Erdöl aus welchen PCs gebastelt werden, dieses “Kapital” ganz ohne Schulden besitzen kann. Ganz gleich wie hoch der leverage der Zentralbanken ist, ohne Eigentum keine Schulden, deshalb sind nicht Kredite sondern Eigentum (= Eigenkapital) der Anfang aller Dinge. Und da hie so gerne philosophisch angehaucht diskutiert wird: das Eigentum eines Unternehmers sind sein Wissen und seine Kreativität, die kann man beleihen, aber nicht verleihen.
>Frag mal ein paar “geventure-te” Firmen, wie die das sehen. >
die Antworten kenne ich zu Genüge, die armen Gründer fühlen sich immer über den Tisch gezogen, scheint menschlich zu sein, dass immer die anderen Schuld an der eigenen Misere sind
@ Holger
private equity und vc sind zwei paar Schuhe, wird leider von unseren lieben Politikern nicht verstanden, PE Aktivitäten sind hier schön erklärt
http://geld-arbeitet-nicht.jimdo.com/heuschrecken/
das hat mit vc und Eigenkapital nichts gemein.
@Geronimo #35
Wir haben VC Funding und ich würde es auch als eine Form von Kredit beschreiben. VC ist wie ein US Hypothekenkredit. Die Besicherung ist dort das Haus. Und hier die Firma. Bei uns zum Beispiel IP (Patente, …) Bei beiden Kreditformen gibt es aber keine persönliche Haftung des Kreditnehmers. Das ist ein grosser Vorteil
Der Preis für diesen Vorteil ist (1) mehr Einmischung und (2) gewaltige Zinserwartungen. Solange du deinen Bankkredit bedienst ruft dich der Banker nicht monatlich an und will diesen und jenen Report. Mit VC Kreditgeber hast du einen Mann an Bord, der dauernd nach dem Exit Ausschau hält.
@ Hdecca
>Nur ist Venture Capital das Hereinholen von Partnern, also das Abtreten von Eigentumsrechten. Ein Kredit kann dazu führen, dass man sein Eigentum verliert – Venture Capital führt immer dazu!<
ne ne, da werden keine Eigentumsrechte abgetreten, es werden zwei notwendige Eigentumskomponenten zusammengetan: Kapital und Wissen/Kreativität, jede dieser Komponenten ist für sich wertlos. Finanztechnisch geschieht das über Kapitalerhöhung, nicht Abtretung.
@ Stephan
ne ne, VC Gelder sind kein Kredit, braucht ihr nicht zurückzahlen Zinsen fallen auch nicht an, der VC ist Mitinhaber eurer Firma und hat als solches Mitspracherechte, so ist das Leben.
Ob die VCs immer kompetente Mitinhaber oder aber nur spread-sheet Artisten sind, ist eine berechtigte Frage, die aber einen anderen threat eröffnet.
@Geronimo #44
Wichtig: ich find VC Funding Super! War schwer genug
Aber:
Zum Beispiel ein US Patent. Kostet Daumen x Pi 80.000 Euro. Musst du aus eigener Tasche finanzieren. Die Zeiten sind leider vorbei wo man beim VC mit einer PPT vorbeischaut und mit einer Million dann rausspaziert. Ich ärgere mich noch heute! Geht’s in die Hose, ist das Patent futsch. Gehört dem VC. In dem Sinne zahle ich was zurück. Im Falles des Untergangs.
Zinsen? Ich brauch ein paar Millionen. Ich geb dem VC für die Millionen Equity. Sag’n wir 40-60%. Und als Versprechen die Exitvariante VK des Unternehmens für 30 Millionen. Nach mehreren Jahren Exit. Der VC realisiert 12-16 Millionen. Wieso ist das kein Zins auf seinen Kapitaleinsatz?
Angesichts der Entwicklung in den letzten 20 Jahren finde ich allerdings, dass es die Allegorie der Ephoren nicht mehr so richtig trifft:
Nein, die Allegorie der Ephoren trifft nicht mehr so richtig:
Denn dann müßten die ABS, MBS, CMBS, CMO, CDO, CBO, CLO, CEO usw -Bankrotteure nach Beamtengehalt besoldet und nach Beamtenrecht ( Disziplinarverfahren inklusive Runterpfändung auf das von ihnen geschaffene HIV-Niveau) beurteilt und bewertet werden.
Aber was ist passiert, sagen wir in den letzten zwanzig Jahren?
Ich glaube, holger hat schon recht mit seinem PARALLELUNIVERSUM. Es haben sich Schweine im Weltall gebuildet, konstituiert, vernetzwerkt. Unsere Aufgabe wird es sein, sie wieder auf die Erde zurückzuholen.
Uff … wgnx will nicht mehr? War ich dort (38) zu ernst?
Auf kleine Geplänkel und kleine polemische Widrigkeiten sollte man doch nicht verzichten …
Sind sie nicht so etwas wie brainstorming? … Würde ich meinen …
„Fein – wenn du mir dann auch noch erklären willst, wie die Renditeansprüche der zunehmend reicher werdenden Reichen erfüllt werden können, …“ (wgnx)
mehrere arbeitsfreie Buß- und Bettage im Jahr für diese Spezies einführen!
(der Rest macht Party..)
Warum heißt es wohl Venture Capital, und nicht Adventure Capital?
Warum tritt im Normalfall, der “Entwickler” alle seine rechte ab. Warum gibt es das getarnt in Hedge Fonds? Und die Privat Equity Branche ist überhaupt nicht weit entfernt.
Wenn der Entwickler sein Zutun gegeben hat, dann darf er abtreten. Erzählt mir bitte nicht allzuviel über diese Ganoven Branche. Und kommt mir jetzt bitte nicht mit den Wörtern, Moral, Ehre, Rechtsverbindlichkeiten usw. usf.
Das sind keine kleinen Ganoven.
51% ist das Zauberwort.
Ein ehemaliger Staatsanwalt meinte ja zu den letzten 20/30/40 Jahren:
Es fand also in der Tat keine oder kaum eine Kontrolle statt, wenn die Banken ihre dubiosen Geschäfte in Zweckgesellschaften auslagerten; das war nicht Schlamperei, Leichtsinn, Lustlosigkeit, Lethargie, Überforderung der Staates – das war so gewollt. Das angebliche Versagen der Finanzkontrolle war kein Versagen, sondern die konsequente Durchsetzung der Ideologie des freien, sich selbst kontrollierenden Marktes.
Der Staat war nicht Versager, sondern Verführter. Er wurde verführt und in die Irre geführt von den Lehren derer, die ihn jetzt Versager nennen, es aber selber sind. Erst haben sie versagt, jetzt stehlen sie sich aus der Verantwortung. Mit solchen Ökonomen ist das Vertrauen in die Wirtschaft nicht wiederherzustellen. Eine neue Führungsgeneration muss die Führung und die Verantwortung übernehmen.
http://www.sueddeutsche.de/finanzen/305/464899/text/
Es ist also nur eine Ideologie, Idee, Märchen usw.. Sowas wechsele ich wie das tägliche Sterntalerhemd.
Ja, die neue Führungsgeneration, wo soll die herkommen? Auch aus dem Weltall?
Wir haben Zeit.
@Systemfrager
>Insoweit würde ich sogar sagen, alles was du sagst, ist zumindest nicht falsch.
Wow – dann sollte ich aber zumindest den Nobelpreis bekommen, findest du nicht? Weil im Ernst: über welchen neoklassischen-Synthese-Jolly könnte man das sonst behaupten?
@Geronimo
Wir betreiben hier Wortklauberei. Zumal du auch formal gesehen nicht recht hast, denn viele VCs venturen ihre Firmen per nachrangigen Gesellschafterdarlehen und nur zu einem geringen Teil per echtem EK. War zumindest zu meiner Zeit so.
Aber über die Bedeutung des Eigentums brauchen wir uns nicht zu streiten – die haben wir in diesem Blog alle begriffen, glaube ich.
Der Finanzchef eines großen, amerikanischen Unternehmens hat einmal die Frage nach dem notwendigen Gewinnaufschlag bei einem Kundenkauf gesagt: Addieren Sie die Gewinnerwartungen (in Prozent) mit dem gewünschten jährlichen Wachstum auf (ebenfalls in Prozent), dann können sie aus eigener Kraft wachsen.
Und hier liegt auch die Lösung für die Unabhängigkeit von den Banken, wie sie viele Kleinunternehmer in Deutschland über Jahrzehnte uns zeigen. Sparsam in den Kosten und im Gewinn und schon wird man unabhängig von den Banken.
Bleibt natürlich die Frage nach dem Startup. Manche Dinge gehen halt nicht bei Null los sondern brauchen Anschub. Da heißt es für den Kleinunternehmer zunächst einmal sparen und damit den Kredit bei sich selbst aufnehmen.
Gruß
@ wgnx
Hmmmmm … jetzt wird es wirklich schwierig. Sollten wir nicht ein paar Tage Urlaub nehmen?
Nein, ich habe Folgendes gemeint:
1) Wir sind uns einig, dass alle Waren für den Kauf aller Ware ausreichen.
2) Wir sind uns einig, dass es etwas gibt, was dies verhindert.
3) Wir sind uns einig, dass daran auch die ungerechte Verteilung, vulgo “Geld” schuld ist.
4) Wir sind uns einig, dass auch das Geld zur Lösung des Problems gehört.
Wir sind uns voraussichtlich nicht einig, dass man zu 3) und 4) noch hinzufügen muss
3) … aber nicht nur
4) … aber nicht nur
Und jetzt werden wir alle Zeugen davon sein, was ich mir – der Arme – nun selbst angetan habe
—„der Kredit zieht Kaufkraft aus der Zukunft in die Gegenwart und führt genau deshalb zu einem “Nachziehen” der Güterproduktion.“ (wgn – 21)
Exakt.
Das daraus resultierende Problem kondensiert in der alten Weisheit, dass man einen Euro nur einmal ausgeben kann. Was aus der Zukunft gezogen wird, steht in der Zukunft auch nicht mehr zur Verfügung. Deshalb bleibt die nachgezogene Güterproduktion auch – zumindest teilweise – ohne Abnehmer. Kredite muss man auch zurückzahlen (es sei denn, man ist ein Staat). Tut man dies, fehlt das Geld für den Konsum. Die Nachfrage schrumpft. Die Verbraucher haben weniger Geld; und das aus einem einfachen Grund: sie haben das Geld bereits ausgegeben.
—„DAS ist die Story des Kapitalismus. So einfach.“ (wgn – 21)
Hier habe ich Zweifel. Kredit ist nicht der Superdünger, für den er gemeinhin gehalten wird; zumindest dann nicht, wenn er nicht auf echten Ersparnissen beruht.
Ein Analyst schreibt dazu:
„Wenn man Geld leiht, um zu konsumieren, dann konsumiert man eigentlich etwas schon heute, dass man normalerweise in der Zukunft konsumiert hätte. Man hat dann Geld ausgegeben, dass man noch nicht verdient hat, für etwas, zu dem man noch nicht wirklich bereit war. Sie haben den Ausdruck Zeit ist Geld” schon einmal gehört.
Das ist der Grund, warum man, wenn man Geld leiht, in Wahrheit Zeit leiht. Später muss man das wieder ausgleichen. Man muss die Schulden abbezahlen. Und wenn man das tut, dann nimmt man Geld aus dem aktuellen Konsum, denn man hat es schon konsumiert.
Das bezeichnen die Wirtschaftler als Zerstörung der Nachfrage”. Es ist das, was während einer Krise passiert. Die Leute ersetzen das, was sie der Zukunft schon weggenommen hatten. Sie können nicht mehr konsumieren, weil sie ihr Geld schon während des zurückliegenden Booms verbraucht haben. Die Nachfrage bricht ein.
Das konnte man in den vergangenen zwei Jahren beobachten. Die Sparraten sind von Null auf 7% geklettert. Die Absatzzahlen gehen zurück (die jüngsten Korrekturen zeigen, dass sie deutlicher gefallen sind, als man ursprünglich angenommen hatte.) Auch die Gewinne schrumpfen.
Das ist natürlich eine ganz natürliche und notwendige Anpassung. Man kann der Zukunft nichts wegnehmen, ohne dass man es irgendwann wieder zurückgeben muss. Die Zukunft wird das nicht zulassen. Aber die Regierung bekämpft das Problem in ihrer umnachteten Verwirrung wie ein Farmer, der rückwärts pflügt, um die Krähen zu narren.
Sie denken, das Problem sei die zu geringe Nachfrage. Also versuchen sie, die Nachfrage zu erhöhen… indem sie die Steuern senken… Konjunkturprogramme einführen… die Zinsen senken… leichte Kredite ermöglichen… und Geld für Klapperkisten und andere Dinge hergeben. Was erreicht man mit dieser Politik? Steigert man so wirklich die Nachfrage? Nein, das kann nicht gelingen… dazu bräuchte es eine reichere Bevölkerung, die mehr Geld zum Ausgeben hat. Sie versuchen nur, die Nachfrage vorzuziehen.
Das Problem ist natürlich, dass bereits zu viel der Nachfrage vorgezogen wurde. Aber sie versuchen immer noch mehr davon zu stehlen… sie nehmen sich jetzt die Nachfrage, die eigentlich erst in zwei, drei, vier… oder zehn Jahren fällig wäre. Das Auto, dass man vielleicht im nächsten Jahr gekauft hätte, beispielsweise. ”
Ich denke, das ist eine zutreffende Beschreibung der Realität. Der Privatsektor versteht langsam, wie die Welt funktioniert. Er spart. Er zahlt seine Schulden zurück. Private Schulden werden derzeit durch staatliche Schulden ersetzt. Was der Privatsektor liegen lässt, greift der Staat auf wie eine nicht explodierte Handgranate. Die Politiker ziehen gerade die Sicherung…
DAS ist die Story des fiat-money, nicht die des Kapitalismus.
Ralf Dahrendorf hat das einmal sehr schön in einem älteren Werk beschrieben, das vor einigen Monaten in Cicero noch einmal abgedruckt war: „Vom Sparkapitalismus zum Pumpkapitalismus.“ Auszugsweise hier nachzulesen:
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Der-fatale-Schritt-zum-Pumpkapitalismus/story/18741259
@ Holger
weil er sich damit an einer Kapitalgesellschaft – GmbH oder AG – beteiligt, seine “Rechte” (Wissen, Patente, Kreativität) sind das Kapital, welches er einlegt, dafür bekommt er Anteile am Unternehmen, der VC steuert Geld bei und bekommt dafür Anteile an der Unternehmung.
@ Stefan
klar der VC will aus seinem Geld mehr machen, also Profit einstreichen, das kann man zwar als unternehmerischen “Zins” umschreiben, darf das aber nicht mit “Zins auf Kredit” verwechseln. Kredite müssen inklusive Zinsen zurückgezahlt werden, vom VC beigesteuertes Eigenkapital wird nicht zurückgezahlt, unabhängig davon, ob das Investment ein Erfolg wird oder nicht.
@wgx
was nichts daran ändert, dass Eigenkapital etwas anderes ist als Kredit, ebenso wenig ändert es etwas an dem Sachverhalt, dass Eigentum Voraussetzung für Kredit ist – und nicht umgekehrt, wie immer wieder behauptet wird.
@ geronimo
“@ Holger
weil er sich damit an einer Kapitalgesellschaft – GmbH oder AG – beteiligt, seine “Rechte” (Wissen, Patente, Kreativität) sind das Kapital, welches er einlegt, dafür bekommt er Anteile am Unternehmen, der VC steuert Geld bei und bekommt dafür Anteile an der Unternehmung.”
Kreativ maximal 49%, VC minimum 51%
Wenn Kreativ, sein Saft gegeben, dann Aufgrund eines fadenscheinigen Grundes 0%. Versuch einer Klage? RA Gebühren etc.? im schlimmsten Fall HIV
Nenn mir eine Firma VC die es Fair macht.
Ne ne, wenn einen Kreditgeber oder Beteiligungskapital, dann nur einen, den man persönlich, bei Beschiss, in den Rollstuhl befördern kann. Ohne Schwarzkittel, und Winkeladvokaten.
Und wenn man das offen und ehrlich anbringt, dann sollste mal sehen wo diese Schlipstragenden Schweinebacken, mit ihrem VC sind. Gerade dann, wenn die einen 7 stelligen Betrag wittern.
“Der Irrtum liegt meines Erachtens immer wieder darin, dass “Ersparnis” netto verstanden wird. Es gibt aber keine Netto-Ersparnis, sie ist null.
Ist dieses Gleichnis, diese Betrachtungsweise aber nicht auch Teil der neo-(schein)-liberalen Ideologie, die Hand in Hand ging mit der Aufhebung der Golddeckung in den 70ern, (früher Land und Boden, Grundstücke, usw) als es immer durchaus Nettoersparnisse sehr wohl gab, alles was an die Erde gebunden ist, verschwindet nicht über Nacht, oder?
PS. Danke, weissgarnix und meine Hochachtung vor Herrn Schumpeter, der das Risiko, welches er eingegangen ist auch bereit war (abzu)tragen. Leider ist der Herr lange tot und wie ganz anders ist die Scheuklappenmentalität seiner Berufsgruppe heute. Die können nur hohes Risiko für die anderen (und sich selbst) jahrzehntelang propagieren und abverlangen, aber wenn die zwingenden Folgen dann eintreten, können sie ihre eigene Verschuldung nur auf die Allgemeinheit abwälzen. Die mitverschuldete SPCDUFGD-Regierung macht es möglich. Allesamt Versager und Nichtskönner! Wahrscheinlich sehen diese frühergrauten Novembergestalten deshalb auch alle auch so langweilig und deppenhaft aus. Man erkennt sie schon von weitem..
http://www.youtube.com/watch?v=Ql4kaofJ02c
los……..
@bazi: “Hier habe ich Zweifel. Kredit ist nicht der Superdünger, für den er gemeinhin gehalten wird; zumindest dann nicht, wenn er nicht auf echten Ersparnissen beruht.”
Über die ganze Volkswirtschaft gibt es aber keine “echten Ersparnisse”. Die Ersparnisse des Einen sind immer die Kredite des Anderen. Zu viele Kredite bedeuten immer zu viele Ersparnisse.
Deshalb geht auch Dahrendorfs Analyse fehl, denn die von ihm beschriebenen Symptome bedeuten eigentlich, dass es keine Knappheit des investitionssuchenden Kapitals mehr gibt. Die Folge davon ist, dass es eine selbstverständliche Rendite des Kapitals nicht mehr gibt. Zur Krise kommt es, weil das Kapital das nicht einsehen will und stattdessen Klassenkampf von Oben betreibt.
Die bessere Analyse liefert da Deutschmann. WGN hatte den schon hier im Blog.
Interessant finde ich übrigens, dass heute neben dem Ende der Knappheit des Kapitals mit der Digitalisierung und dem Internet auch das Ende der Knappheit vieler “Waren” eingetreten ist, mit den bekannten Folgen für die traditionelle Medienindustrie. Vielleicht wird daher das Internet dem Rest der Gesellschaft beibringen müssen, wie das funktioniert.
@holger #58
Min. 49:51 Nicht zwangsläufig. “Fair” ist relativ. Beide Seiten sind nur bedingt fair. Ich sag’s mal so: wir haben nicht gerade Doomsday Szenarien in den Vordergrund gestellt. Und bei aller unterschiedlicher Interessenlage. Ein Interesse verbindet: das Unternehmen soll brummen. Sonst ist VC seine Kohle los und wir haben unsere Zeit verplempert. Nicht nur mit Arbeit sondern auch mit dem prophylaktischem Studium des 911er Online Konfigurators.
@ Stephan #61
49:51 nicht zwangsläufig? gut, dann lass uns unterhalten. Habe genug Sachen die nur auf das Kapital warten.
Nur “Innovative” Produkte. Manche sind sogar schon Richtung 0 Serie.
Das Unternehmen soll brummen, ok. Bin auf der EM Messe am 07.11. ab 12:30 Uhr können uns um 14:00 Uhr an Bühne 1 Treffen.
@ Stephan
in München Olympiapark.
Ephoren, „Aufseher“, deshalb noch der aufseherische Blick auf die Goetheuniversität:
„Politik muss aber heute mehr denn je auch mit Blick auf die Finanzmärkte formuliert werden. … Wenn man so will, haben die Finanzmärkte quasi als ‚fünfte Gewalt’ neben den Medien eine wichtige Wächterrolle übernommen. Wenn die Politik im 21. Jahrhundert in diesem Sinn im Schlepptau der Finanzmärkte stünde, wäre dies vielleicht so schlecht nicht.“
(Zitat aus dem Jahr 2000)
„Der Hochschulrat fungiert als Kontrollinstanz in …wirtschaftlichen Angelegenheiten; hierzu bedient er sich … des aus seinen Reihen gebildeten Wirtschafts- und Finanzausschusses.“
(aus dem Jahr 2009)
http://www.nachdenkseiten.de/?p=4299#h19
http://www.uni-frankfurt.de/org/ltg/grem/gruppen/gew/Download/Leserbrief.pdf
Herr Walters Spezi, Mr. Shaveholder-Value, der blasierte Rolf e-pünkelchen Breuer (der Scheinriese vor Ackermann), neuerdings Vorsitzender des Hochschulrats an der Goetheuniversität
An die Goetheleute: Wie wärs mit aus dem Fenster auf den Misthaufen der Geschichte werfen oder mit der Peitsche aus dem Tempel treiben?
@holger
Edelmetallmesse? Das klingt auf jeden Fall gut. Leider bin ich ja kein VC. Aber vielleicht werd ich ja mal einer? Und die 1.Regel wäre dann? Time is money. Ich kann nicht einfach auf Verdacht nach München jetten. Also Unterlagen bitte! Upload hier:
http://drop.io/hidden/8ewyi6lgud2qqa/upload
@ Tarantoga
Danke für den Deutschmann-Link. Habe ich tatsächlich gelesen. Dazu eine Anmerkung: Auf Seite 4 heißt es: „Mit dem Wachstum des Volkseinkommens, so argumentierte Keynes, sinkt der Anteil der Konsumausgaben und wächst der gesparte Teil des Einkommens.“
Das kann ich so in der Realität nicht feststellen. Ich habe mir gerade noch einmal die Zeitreihen bei der Bundesbank für Deutschland angesehen. Danach steigt der Konsum seit 1950 stetig. Wahrscheinlich ist der relative Anteil gemeint. Aber wenn ich die Steigungskurve des Konsums mit der des BIP vergleiche, ist dieser Unterschied nun wirklich nicht relevant.
—„Über die ganze Volkswirtschaft gibt es aber keine “echten Ersparnisse”. Die Ersparnisse des Einen sind immer die Kredite des Anderen. Zu viele Kredite bedeuten immer zu viele Ersparnisse.“
Dieser Satz ist in seiner Undifferenziertheit falsch. Natürlich gibt es echte Ersparnisse. Richtig ist, dass heutzutage neues Geld nur noch als Schuld in die Welt kommt. Das war nicht immer so. Früher war Geld das Ergebnis einer Leistung. Heute ist es nur noch ein Versprechen darauf, dass eine Leistung noch erbracht wird. Ich bezweifele, dass dies geschehen wird.
Das Tragische ist, dass für beide „Geldarten“ derselbe Begriff „Geld“ verwendet wird. Eine Unterscheidung wird so nicht mehr möglich. Das ist perfide.
Konfuzius hat einmal gesagt: „Wenn die Begriffe ihre Bedeutung verlieren, verlieren die Völker ihre Freiheit.“
Ich halte diesen Satz für nicht übertrieben.
(Den Rest vertage ich auf morgen)
@ Stephan #65
“Ich kann nicht einfach auf Verdacht nach München jetten. Also Unterlagen bitte!”
Stephan, so leid es mir tut, so wenig tut es mir weh. Ist nichts gegen dich. Siehe # 58
@ bazi 56
“Was aus der Zukunft gezogen wird, steht in der Zukunft auch nicht mehr zur Verfügung.”
SCOTTIE, BEAM ME UP!
und weil ich gerade so guter Luna/Laune bin, kommt hier noch eine weitere Allegorie… 3, 2, 1, …Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft…..(Vater, Sohn, böser Wolf…1, 2, 3…)…..
starring
1. Schuldenlast
2. Realwirtschaft (die un/menschliche Sphäre)
3. Professor Sinn (also Breuer, Walter, sträubendes Haar Co.kg GmbH und wie die bekannten Dunkelmänner alle heißen..)
Die Frage an Goethe lautet: Wer hat den Galgen aufgebaut?
Laßt die neo-(schein)-liberalen Einflüsterer doch auch mal Mundharmonika spielen..
@holger #67
Kannst ja zuerst ein knallhartes NDA hochladen
Aber du hast schon Recht. Die Asymmetrie in Macht (Anwälte, …) kann zu einem Problem werden. Das ist einer der wenigen Vorteile des US Rechtssystems. Dort findest du auch juristische Firepower, wenn du keine Kohle hast. Über Beteiligung am Ausgang. Hier wird ja zuerst die Gebührenordnung studiert.
ähhm, sorry, hab’ wohl kurz nicht aufgepaßt…wie war das noch? Gibt’s das in drei oder weniger kruzen Sätzen vielleicht nochmal?
Mir ging grade durch den verträumten (verdummten?) Schädel, daß ich noch gar nicht das Wörtchen Sklave in diesem Thread lesen konnte.
Der dicke ZDF-Philosoph ist ja nicht überall beliebt. Kredit respektive das ganze Kreditwesen ist aktuell ansehensmäßig beim Kredithai angekommen, wobei der Hai als Symbol für endlos fressende Modmaschinerie herhalten muß. Ökologisch bewanderte Tierfreunde sehen das wiedrum anders.
Quelle (wahrscheinlich bereits hier mal verlinkt gewesen)
Verändert das nicht die Diskussion über Kredit?
@bazi
>Deshalb bleibt die nachgezogene Güterproduktion auch – zumindest teilweise – ohne Abnehmer.
In puncto Konsumkredite gebe ich dir da recht, hinsichtlich Investivkredite nicht. Zumindest nicht im Regelfall. Meine Theorie des Kettenbriefs ist daher differenzierter als die vom hochgeschätzten dottore PCM, der diesbezüglich ja keine Unterscheidung trifft.
>Hier habe ich Zweifel. Kredit ist nicht der Superdünger, für den er gemeinhin gehalten wird; zumindest dann nicht, wenn er nicht auf echten Ersparnissen beruht.
Habe mir den restlichen Post von dir durchgelesen – du redest eindeutig von Konsumkrediten. Und ja, da hast du recht.
Der Investitionskredit funktioniert aber anders: dabei wird zunächst Kaufkraft aus der Zukunft in die Gegenwart geholt, aber dann nicht in Konsumgüter, sondern Investitionsgüter gesteckt. Das schafft sowohl neue Investitionsgüter ALS AUCH zusätzliche Kaufkraft für Konsumgüter. Soll heissen: Wenn wird damit ein reflexiver, selbstverstärkender Prozess gestartet – der aber nicht abreißen darf, weil sonst: Sayonara!
Minsky hat das auf eine unnachahmliche Formel gebracht: damit heute die Gewinne für Schulden von gestern eintreffen, muss heute investiert werden. Heute wird aber nur dann investiert, wenn sicher scheint, dass auch morgen Gewinne eintreffen – was bedeutet, dass heute nur dann investiert wird, wenn auch erwartet werden kann, dass morgen investiert wird.
@Degnaphta
Doch – auch die Sklaven haben wir durch, zwar nicht in diesem Thread aber schon früheren.
Den Post vom Kollegen von den “Blogjournalisten”, den du da zitierst, habe ich übrigens vor ein paar Tagen schon gelesen. Sehr gut und sehr amüsant, aber an den enstscheidenden Stellen nicht richtig.
PS: Nicht Sloterdijk aber Luhmann reflektiert auch eiskalt auf die Sklaven der Antike – die “Arbeit” verkommt bei ihm zu einem “Parasiten” im Sinne der dreiwertigen Logik von Michel Serres. Der Kollege von den Blogjournalisten sieht also Tabus, wo gar keine sind.
@holger
>Ab wann, ist etwas innovativ?
Wenn du Milchprodukte machst: Verpackung bzw. Inhalt verkleinern.
Wenn du Autos machst: Kühlschrank einbauen.
ALLES ist innovativ, wenn genügend Leute es glauben. Und vom Glauben haben wir wahrlich nie zu wenig.
Wenn Politiker etwas innovativ nennen, dann ist es meist schnee von gestern, der neu vermarktet wird. Etwas bunter halt.
Da wir unzählige solcher Innovationen haben, gibt es auch noch die Fraktion, die meint das Innovationen innavativer sein müssten. Vor allem gemessen im generierten Umsatz.
Zusammenfassung: Innovativ ist, was Geld zu dir lenkt, das sonst woanders gelandet währe. Betrug ist meist unglaublich innovativ.
@bazi
>Dieser Satz ist in seiner Undifferenziertheit falsch. Natürlich gibt es echte Ersparnisse. Richtig ist, dass heutzutage neues Geld nur noch als Schuld in die Welt kommt. Das war nicht immer so. Früher war Geld das Ergebnis einer Leistung.
Nope. Selbst der Goldstandard war im Kern fiat money. Ihr vergesst immer alle, dass das, was wir als “Geld” bezeichnen, ursprünglich nichts anderes war, als eine Art “Quittung” für den eigentlichen Wert, i.e. Roggen, Gerste, usw. So wie es einen Goldstandard gab, gab es davor einen “Feuerspieße”-Standard und noch unzählige andere. Der Gag beim Gold war nie sein physischer Wert, sondern seine Seltenheit, um das Fäschen von Quittungen zu erschweren. Aber die Grundlage des Geldes war immer Fiat (mit Deckung). Und das ist heute ja im Grunde nicht anders.
Ich dachte immer:
Fiat (lat): “Es werde Licht”, oder: “Es werde bereitet”. Habe ich da wieder irgend etwas verpasst?
Finanzinnovationen treiben die Realwirtschaft, und nicht mehr umgekehrt.
Diese einfache, lapidare Behauptung ist natürlich so nicht mehr richtig. Sie trieben bis September letzten Jahres, seitdem treibt sich nicht mehr viel in Richtung Realwirtschaft, oder? Mit Staatsschulden finanzierte Konjunkturprogramme treibt etwas Realwirtschaft. Die glorreichen “Finanzinnovationen” hängen in der Dunkelkammer und strömen langsam und beharrlich ihren Aasgeruch aus. Die Finanzinnovative(n) treiben dank günstiger Fastnullzins-Zentralbankkredite die Weltbörsen, Rohstoffmärkte, Schweinehälften…sonst nix…Fähnlein im Winde….
Bevor alles wieder vergessen wird, hier noch einer, der das ähnlich sieht (also nix von Finanzinnovationen treiben die Wirtschaft):
“Amerika braucht einen Sozialstaat nach dem Vorbild Europas und ein stark reguliertes Finanzsystem”, sagt er. “Bankgeschäfte müssen dringend wieder langweilig werden.” Nur dann gäben die Finanzmärkte Ruhe und die Wirtschaft könnte wieder wachsen. Ganz gemächlich.
Schau an..
http://www.sueddeutsche.de/finanzen/350/464944/text/
@ Ahnungsloser
Was sagt dazu die Allwissende zu Teilen auch Müllhalde:
Nach Joseph Schumpeter (Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, 1911) ist Innovation die Durchsetzung einer technischen oder organisatorischen Neuerung im Produktionsprozess, nicht schon die entsprechende Erfindung.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Innovation
Wie entsteht denn eine Neuerung im Produktionsprozess. Durch Hirnschmalz etwa durch eine Erfindung im Hirn vielleicht?
Evtl. durch Nachdenken? Komisch was?
Wie entsteht Nachfrage: In dem ein Bedürfnis im Hirn entsteht. Wie oft das Bedürfnis vorhanden sein kann, also wie viel Individuen dieses gleiche Bedürfnis, zur gleichen Zeit haben, hängt von den äußeren Umständen (Umwelt) ab.
Wie entsteht “Innovation”: Entweder aus einer Gruppe heraus, (Denk dir mal was aus, wie wir einfacher und schneller von A nach B kommen) “Auftragsinnovation”, oder aus eigenem Interesse, “Egoinnovation” (Erfinder etc. pp.)
Beides entsteht im Kopf, im Hirn, geprägt aus einer äußerlichen oder gefühlsmäßigen Reaktion auf irgendeine Begebenheit oder Ereignis oder hauptsächlich der Faulheit gedankt. Und immer die Frage: Was nutzt mir oder den anderen das, was ich jetzt Mache und Denke.
Die Produktion ist ein nebensächliches Abfallprodukt, welches nur der Bedürfnisbefriedigung dient. Die Produktion ist ein Hilfsmittel, einen so genannten Mehrwert zu schaffen. Die Produktion kann keine Nachfrage schaffen, und die Nachfrage (Bedürfnisbefriedigung) keine Produktion. Wenn die Betroffenen, nicht in der Lage sind, dieses umzusetzen. Hierbei kommt es primär nicht auf das Kapital und/oder Geld an, sondern auf die “Fingerfertigkeit” und geistige Kenntnisse und/oder Fähigkeiten der Probanten.
Warum wird eigentlich eine Produktion aufgebaut und produziert? Von wem, und mit welcher Berechtigung autorisiert?
Hier kann man die ureigenste Eigenschaft oder Bedürfnis des Menschen nehmen (Außer Wasser & Nahrung), die Suche nach Schutz und Geborgenheit. Bleiben wir im Flachland, sind es erst Palisaden aus Holz, und später ausgetauscht, durch Stadtmauern. Gehen wir etwas höher, sind die Burgen auf den Hügeln zu erkennen.
Die Palisaden mussten zunächst vor Ort produziert und aufgestellt werden. Damals ging es wohl noch nicht darum, dass die Zeit Geld ist, sondern die Zeit über Leben oder das Gegenteil richtete. Also der Schutz durch geordnete Produktion gegen einen möglichen Feind.
Und so ändert sich das im Laufe der Zeit, immer selbstverständlicher, dass gewisse Bedürfnisse, automatisch, durch die Produktion befriedigt werden müssen. Um nicht einen Rückwärtsschritt zu machen. Das waren die Voraussetzungen dafür, dass wir heute über ganz andere Produktion reden und schreiben können.
War die Produktion vormals, einen Gruppenbedürfnis, so wandelte sie sich immer mehr zu einem individuellen Bedürfnis. Die Entwicklung für die Massen wurde als selbstverständlich hingenommen. Und jeder, der in so einer Produktion arbeitet, kann sich damit identifizieren, oder aber auch nicht.
Was verbirgt sich denn heute hinter dem Begriff “Innovation”? Nehmen wir die Automobilindustrie. Entwicklung von der Tin Lizzy bis dato. Gibt es da noch Innovationen, außer dass das Auto bald selber fahren kann? Und das auch noch Unfallfrei?
Na klar, kann das Design verändert werden, das sind aber nur visuelle Eindrücke. Na klar, kann das Mobil Telefon bald Handstand und mit dem Arsch fliegen fangen. Sind das wirklich Innovationen? Oder ist es nicht ein Update, und eine Verschlimmbesserung?
Alle “Innovationen” besser die Folge von Applikationsansprüchen, dienten in letzter Zeit in der Technik “nur”, der Sicherheit und des Komforts. Da der Mensch sich Aufgrund, der gewissen Umweltsituationen, mal mehr oder weniger vermehren kann, so stieg, in den “Sicherheitszonen” die quantitative Population und somit auch die Nachfrage.
Unabhängig von den politischen Gegebenheiten und dem Kapital.
Das Kapital als parallel auftretendes Monstrum, hat heute die Möglichkeit, die Geschwindigkeit zu Beschleunigen, auf einem Niveau zu halten, und wieder auf die Bremse zu treten. In welcher Reihen-Folge, vollkommen egal.
An dem hier würde sich Schumpi wohl ziemlich die Zähne ausbeissen:
http://www.elektro-pkw.de/
Bastelt einfach mal so ein Elektroauto aus billigen Teilen zusammen, ohne die Autokonzerne zu fragen. Die vielen schönen Patente von denen sind bald nix mehr wert.
Und was fällt bloß diesen Häusel-Besitzern ein, die einfach mittels Blockheizkraftwerk in Zukunft keinen Strom mehr produzieren. Kompletter Markt – mittels Innovation – einfach futsch!
Auch Navigationssysteme waren mal innovativ, bis Google innovativer wurde:
http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,657978,00.html
Als iPhone-Programmierer kann man zwar Kredit aufnehmen, um ein Jahr lang die Entwicklung eines Spiels voranzutreiben, nimmt dann aber an einer Lotterie teil. Wenn er unter die ersten 10 kommt, kriegt er seine Kosten vielleicht raus. Alle anderen gehen leer aus.
http://bazonline.ch/digital/computer/Schweizer-iPhoneProgrammierer-Nur-wenige-verdienen-mehr-als-ein-Sackgeld/story/25550453
Kein Wunder, dass sich zur Zeit alle Großkonzerne für irgendwelche Gebühren (postmoderne Wegelagerei), z.B. Maut-Häuschen, Zwangs-Pflegeversicherung, Privatisierung aller bisher ganz ohne Markt preiswert und gut produzierter Güter und Dienstleistungen (Abfall, Wasser, Verwaltung), Leistungsschutzgesetz (Verleger), interessieren. Denen brechen die Märkte weg wegen Innovationen und jetzt suchen sie ihr Heil in Pseudo-Innovationen.
Was würde Schumpi heute dazu sagen?
PS, dem Elektro-Corsa-Fritzen würde ich empfehlen, einfach mal eine ABS-Steuerung auf Linux-Kernel-Basis zu entwickeln
Die Meinung des Coautors dieses Logbuchs zu:
“Finanzinnovationen treiben die Realwirtschaft, und nicht mehr umgekehrt. “
@ BB
auf der Flugmesse, in Friedrichshafen, habe ich eine Ingenieur kennen gelernt, der einen Linearmotor, in runde Form gebracht hat. Für Ultraleicht Flieger. 12 oder 24 V
10 kW Leistung, bei 1,5 Kg Gewicht. 300 mm Durchmesser Höhe 40 mm. Das auf jeder Achse als direkt Antrieb und Bremse eines Smarts.
Nicht nur Redbull verleiht Flügel.
@BB
Was würde Schumpi heute dazu sagen?
Ich glaube, er wäre nicht allzu geschockt, denn – wie Marx – sah er den Kapitalismus gerade aufgrund seiner Dynamik als Übergangsstadium. Ebenfalls wie Marx sah er das Ende aber in einem “Sozialismus” oder Pseudosozialismus, der sich aus der Konzentrationstendenz ergibt. Diese Gefahr hat der Kapitalismus gebannt – wenn auch teilweise mit sehr unschönen, teuren Methoden, wie immer. Jetzt aber droht ihm etwas ganz anderes, wofür du sehr treffende Beispiele gibst: Die Gefahr der Dezentralisierung, Re-Lokalisierung der Gebiete, in denen Innovationen überhaupt noch stattfinden.
Per se, das wusste Schumpeter sehr gut, ist der Kapitalist (nicht zu verwechseln mit dem Unternehmer) kein Freund der Innovation: er hätte am liebsten das stetige, ungestörte Wachstum auf dem alten Pfad, mit garantierten Gewinnen und Zinsen. So wie Merkel, oder Honecker…
@ lemming # 83
“Per se, das wusste Schumpeter sehr gut, ist der Kapitalist (nicht zu verwechseln mit dem Unternehmer) kein Freund der Innovation: er hätte am liebsten das stetige, ungestörte Wachstum auf dem alten Pfad, mit garantierten Gewinnen und Zinsen.”
Da für hat der Kapitalist, auch den Helfershelfer Patentamt.
Damit alle schön wissen, was so los ist. Und mancher “Unwissende” meldet fleißig an.
Eine bessere Kontrollbehörde gibt es nicht. Und manche Advokaten vedienen sich mit diesem Konstrukt, dumm und dämlich.
@ Tarantoga
—”Deshalb geht auch Dahrendorfs Analyse fehl, denn die von ihm beschriebenen Symptome bedeuten eigentlich, dass es keine Knappheit des investitionssuchenden Kapitals mehr gibt. Die Folge davon ist, dass es eine selbstverständliche Rendite des Kapitals nicht mehr gibt. Zur Krise kommt es, weil das Kapital das nicht einsehen will und stattdessen Klassenkampf von Oben betreibt.”
Zur Knappheit:
Die erste Lektion der Ökonomie ist die Knappheit. Alles Wirtschaften dreht sich um die Bewirtschaftung dieser Knappheit. Geld ist heute nicht mehr knapp. Es kann heutzutage nahezu beliebig und nahezug kostenlos vermehrt werden. Das muss unweigerlich zu unbeabsichtigten Nebenwirkungen führen. Das blöde ist, dass das Geld bei denen, die die geschaffenen Investitionsergebnisse verkonsumieren sollen, nicht oder sehr viel später ankommt (Cantillon-Effekt). Das Geld hat seine Neutralität damit verloren. Es verkommt mehr und mehr zu einer Illusion. Illusionen sind nur wirksam, solange sie nicht als solche erkannt sind. Ich bin gespannt, wann dieser Zeitpunkt kommen wird.
der Kluge braucht einen Dummen, um erfolgreich zu sein
die Erfolgreichen raffen Macht und
schaffen Gesetze zu ihrem Nutzen
was sollen Erklärungsversuche des Kapitalismus – der Geld Ware Kreditbeziehungen – unter Vernachlässigung der Verhaltensweise
des Menschen und seiner temporären Organisationsstrukturen
immer ging es um Macht
egal wie das Warenherstellungs und Bezahlungswesen organisiert war
Allerdings haben die derzeitigen Herrscher über das Weltfinanzgebäude die Menschheit ziemlich gelinkt
der Kluge braucht einen Dummen, um erfolgreich zu sein
rätselt ruhig weiter, ob es den von Euch favorisierten sozialen und gerechten Kapitalismus geben könnte
obschon, der Blick auf die skandinavischen Länder noch eine Hoffnung zuläßt
da wäre der Umfang direkter Demokratie zu gewichten – denn mit mehr davon sähe es auch in D anders aus, aber
der Kluge braucht einen Dummen, um erfolgreich zu sein
nun müssen die für dumm gehaltenen Klugen nur anfangen die Wffen zu schärfen
@ wgn – 72
Zustimmung. Mein Geschreibsel zielte in der Tat auf Konsumentenkredite.
Kleine Einschränkung zu Minsky: Die Erwartungen der Investoren können enttäuscht werden, da sie bereits bei der Erwartungsbildung wegen der Nichtneutralität des Geldes getäuscht werden.
@ wgn – 75
—”Aber die Grundlage des Geldes war immer Fiat (mit Deckung). Und das ist heute ja im Grunde nicht anders.”
Hab ich wirklich nicht verstanden. Fiat mit Deckung ist für mich eben kein fiat. Nur weil die Quittung für einen Wert aus Papier ist, ist sie deshalb noch kein fiat; keine Zauberei.
Die heutigen Papierzettel sind Zauberei. Man kann sie zwar gegen echte, reale Werte eintauschen. Aber ihnen stand bei ihrer Erschaffung eben kein realer Wert als Deckung zur Verfügung. Sie enstehen aus dem Nichts. Diese Eintauschfähigkeit ist lediglich in ihrer Erinnerungskomponente an die “gedeckten Zeiten” begründet.
Sowohl gedecktes Geld als auch ungedecktes Geld wird heute Geld genannt. Da kann man schon mal durcheinander kommen.
Ich bin zwar kein VWLer, auch wenn ich einige Zwangs-Semester auf dem Buckel habe. Aber mein gesunder Menschenverstand sieht sich immer fassungslos oder amüsiert – je nach Tagesform – mit der Tatsache konfrontiert, dass erwachsene Leute, studierte Experten, gar Nobelpreisträger die Meinung vertreten, man könne durch das exzessive Bedrucken von Papier wirtschaftlichen Wohlstand schaffen oder überholte Wirtschaftsstrukturen gesunden lassen. Ich habe ernsthafte Probleme damit, soetwas ernst zu nehmen.
Vielleicht kann mir hier jemand auf die Sprünge helfen.
Wahrscheinlich bin ich auf diesem Blog der einzige, der schon ‘mal eine Produktionssystem- und Basisinnovation entwickelt hat und versucht hat, diese – als Schumpeter-Arbeitnehmer – über seinen Arbeitgeber zum Nutzen der deutschen Produktionswirtschaft am Markt zu implementieren.
Mein Arbeitgeber wollte dies aber nicht zulassen. Nach Absprache (geheim) mit dem IGMetallvorstand wurde ich wegen Arbeitsverweigerung gekündigt und auf die Schwarze Liste gesetzt, sodass ich nirgendwo mit meiner Erfindung (rd. 1 Billion DM, Preisbasis 1984) – auch bei SAP nicht – landen konnte.
Fazit: Erfindungen werden in vermachteten Wirtschaftssystemen nur dann zu marktfähigen Innovationen, wenn diese (Basis-) Innovationen den Zielen der obersten Machtspitze nicht schaden. Es stellt sich also die konkrete Machtsystem-Frage, wenn es um Schumpeters Volkswirtschafts- und Entwicklungsansatz geht. Keynes Theorie und Praxis kam den Kapitalstock-Maximierern (= Kapitalinteressen) entgegen. Schumpeters Entwicklungstheorie aber nicht. Dennnoch stehen die Chancen für eine machtsystem-minimierende Gesellschaft nicht schlecht. Erkenntnis ist, dass die Machtfrage am leichtesten zu beantworten ist, weil die Genialität-im-Evolutionsprozess auf Kreativität, Wandel, Erfindung, Freiheit setzt. Wer sich mit dieser Systemlogik, d.h. der Akzelerationswegeordnung des KREATIVEN verbündet, wird sich immer durchsetzen. Er muß sich auf dieses Bündnis konzentrieren und darf sich nicht, wie auf diesem Blog und anderswo, in überflüssige nicht-innovative Diskurse verzetteln.
Wir behandeln die Falschen. Das Problem sind die Normopathen!
http://grilleau.blog.de/2009/10/24/normopathen-7235252/
@BB
“An dem hier würde sich Schumpi wohl ziemlich die Zähne ausbeissen”
http://www.youtube.com/watch?v=9oYPYYjlepg
an dem auch
Die Welt braucht mehr William Beckfords…
http://de.wikipedia.org/wiki/William_Beckford
@ BB 89
Induziertes Irresein. Dank für das Video, genau das ist es.
Normophaten.
@Bazi: Solange der Staat dieses Geld zur Zahlung von Steuern akzeptiert, ist sein Wert keine Illusion.
Ich glaube übrigens nicht, dass Gelddrucken “marode Industrien vor dem Untergang rettet”. Aber es kann helfen den Kapitalismus vor der Selbstzerstörung zu bewahren und es schadet dabei auch nicht unbedingt. Es kommt halt darauf an, wofür das Geld ausgegeben wird.
@holger #78
“Was verbirgt sich denn heute hinter dem Begriff “Innovation”? Nehmen wir die Automobilindustrie. Entwicklung von der Tin Lizzy bis dato. Gibt es da noch Innovationen, außer dass das Auto bald selber fahren kann? ”
Schumpeter hilft da nicht mehr weiter, ich empfehle jetzt Kondratieff und Nefiodow.
Bezeichnend , dass Du am Beispiel Auto verharrst. Aber das Auto ist 4. Kondratieff , wir stehen aber vorm 6.
Was ist Innovation? Das ist etwas mit dem die Realkostengrenez einer bisherigen Wirtschafts- oder Produktionsweise durchstossen werden kann.
“Jede Produktionsweise stößt einmal an ihre Grenzen. Irgendwann ist ein Faktor so knapp, dass weiteres Wachstum zu teuer ist, sich also ökonomisch nicht mehr rentiert. Beispiel: Als eine Dampfmaschine einen mechanischen Webstuhl antrieb, war er zuerst um den Faktor 200 produktiver als ein Spinnrad (also nicht um 200 Prozent, sondern 200 Mal so produktiv). Textilien wurden viel billiger, die Bevölkerung konnte mehr erstehen. Ressourcen wurden frei, die gewaltigen Investitionen (Bergwerke, Kanäle) zu finanzieren, aber auch, um neue Bedürfnisse zu erschließen. Die Investitionen steigerten mit der Produktivität auch die Unternehmensgewinne, so dass sich die gestiegenen Kapitalkosten gut bezahlen ließen. Irgendwann jedoch war der Transport von Kohle, Erz und Industriegütern zu teuer – es gab ein neues Knappheitsfeld, das weiteres Wachstum verhinderte. ”
( Erik Händeler, Geschichte der Zukunft)
Vergiss das Auto. Alles, was es für dei Erhöhung der Produktivität bzw. der Erleichterung unseres Lebens leisten konnte, ist bereits abgeschöpft – genauso wie die IT: schnellere Rechner bringen uns bloss die Informationen noch schneller an unseren Arbeitsplatz , wo wir sie dann nicht verwerten können. Der Produktivitäts-bottleneck liegt in unserer Aufmerksamkeit.
Nochmal Händeler:
“Eine Basisinnovation – einmal in Fahrt – steigert die Produktivität, verbilligt die Produktion, erhöht die Gewinne, was den Unternehmer (und eine zunehmende Zahl von Konkurrenten) zur wirtschaftlichen Expansion reizt. Wenn sich das Produktivitätswachstum abschwächt, kommt im umgekehrten Mechanismus der Abschwung: sinkende Gewinne, stagnierende Wirtschaft, Arbeitslosigkeit.
Brisant an der Kondratiefftheorie ist, dass ein langer Strukturzyklus nicht nur ein ökonomischer, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Vorgang ist. Denn die ganze Gesellschaft organisiert sich neu, um die Basisinnovation optimal zu nutzen (neue Infrastruktur, neue Bildungsinhalte und Verhaltensweisen). Die neue, problemlösende Technik, die die Realkostengrenze durchbricht, ist schneller entwickelt, als sich die Strukturen der Gesellschaft darauf einstellen. Etablierte Gruppen zögern lange, sich an die (Produktivität hebenden) neuen Spielregeln anzupassen – die Eisenbahn wurde zuerst ebenso abgelehnt wie das Automobil oder später die Informationstechnik. Das Establishment des vorherigen Strukturzyklus verursacht so den Produktivitätsstau zwischen zwei Kondratieffzyklen, der das Wirtschaftswachstum lange Jahre tief hält, bis sich ein gesellschaftlicher Konsens herausgebildet hat, wohin die Reise gehen wird. “
@Kalupner #88
>Fazit: Erfindungen werden in vermachteten Wirtschaftssystemen nur dann zu marktfähigen Innovationen, wenn diese (Basis-) Innovationen den Zielen der obersten Machtspitze nicht schaden.
Ein wichtiger Gedanke, der mir während der Schumpeter-Lektüre auch andauernd durch den Kopf ging.
@ Tarantoga
—”Solange der Staat dieses Geld zur Zahlung von Steuern akzeptiert, ist sein Wert keine Illusion.”
“Akzeptiert” ist hier wohl nicht das richtige Wort. Er zwingt uns mittels § 14 BBankG, alles – auch unsere Steuern – in Euronen zu bezahlen -> gesetzliches Zahlungsmittel.
Und damit wir auch schön brav sind und den Euro und nichts anderes – ggf. auch gegen unseren Willen – als Zahlungsmittel benutzen, gibt es mit § 35 BBankG gleich auch noch die Androhung einer Freiheitsstrafe, damit wir bloß nicht auf die Idee kommen, diese Illusion zu hinterfragen.
Warum sollte ich freiwillig etwas als Zahlungsmittel akzeptieren, was mittels Teilreservebankensystem und Druckerpresse beliebig vervielfältigt und damit entwertet wird, ohne dass ich etwas dagegen tun könnte? Freiwillig würde ich das nie tun. Das weiß auch meine Regierung. Deshalb zwingt sie mich mit obigen Paragraphen dazu. Das ändert aber nichts daran, dass unser heutiges Geld eine Illusion ist. Ich werde gezwungen, an den Weihnachtsmann zu glauben.
—”Es kommt halt darauf an, wofür das Geld ausgegeben wird.”
Hmmm… glaube ich nicht so recht. Ich glaube eher, dass es darauf ankommt, bei wem das Geld ankommt. Bei mir ist es jedenfalls nicht gelandet.
Ich habe da eine Grafik von Feri im Hinterkopf, die Jörg Berens (FTD) in seiner Kolumne vor einigen Tagen oder Wochen veröffentlicht hat. Gegenübergestellt wurden M1, M2 und die Industriegüterproduktion der OECD von 1989 (=100) bis heute. Die Produktion stieg auf rund 130, die Geldmengen auf rund 500 (grobe Erinnerung); somit um ca. Faktor vier stärker als die Produktion.
Wenn ich auf mein “Sparbuch” schaue, wird mir schlecht. Da kann ich in den letzten 20 Jahren keinen Faktor vier erkennen. Wenn ich auf die Kaufkraft schaue, die mein 20 Jahre altes Geld heute noch hat, wird mir noch schlechter. Und wenn ich dann an meine Altersversorung denke, kollabiere ich endgültig.
Ich werde durch die Gelddrucker schlichtweg enteignet. Diese Erkenntnis reicht mir, um mal ein wenig über Geld nachzudenken und zu hinterfragen, ob wir da heute wirklich auf einem gesunden Weg sind.
@ wgn und @ all
Ich warte immer noch auf theoretische Unterstüzung bei der Beantwortung der Frage, wie man durch das Bedrucken von Papier Wohlstand schaffen kann. Ist wirklich nicht ironisch gemeint. Ich will wenigstens versuchen können, die vorherrschende Lehre – und Praxis – zu verstehen.
Buchhaltungsinnovationen treiben die Boni…
(hoch, der ausgewiesene Gewinn kommt längst aus der Zukunft)
Und wer ist die oberste Macht/Nadelspitze?
Ackermann/Hundt/Schröder/Merkel/Prof. Un/Sinn/Dohnanyi/Rürup/Breuer/Walter/Waffelküßchen/Clement/Asmussen/Nonnenmacher/Wiegard/Franz/Zimmermann/Roland Berger/Breuel/Big McKinsey/di Mauro………….die Medienbagage….(wem fallen noch Namen ein)..?
apropos Sirup: Wann kommt von den Ephoren des Kapitalismus eigentlich der nächste 5000seitige hochstrengwissenschaftliche Quellekatalog….äh…das nächste Frühjahr/Herbst/Winter-Sommer-Gutachten der Wirtschaftswaisen?…(die hab ich lang nicht mehr gesehen)
Das Energiekartell muß natürlich noch nachgereicht werden..
Damit alle mal reinlesen können.
http://www.kondratieff.biz/download/zukunft.pdf
Immerhin hat die Kanzlerin dieses Buch gelesen.
@ 13 – 30. Oktober 2009 um 09:53
“Und wer ist die oberste Macht/Nadelspitze?”
Ihre Frage ’13′ kann ich abschließend beantworten. Der abschließende Beweis für meine Erkenntnis kann nur der realisierte Sturz dieser Macht-Nr.1-Spitze sein. Die Wirkungsmacht der Erkenntnis ist vorhersehbar, denn jede Macht-Nr.1-Spitze wird im kulturellen Evolutionsprozess ersetzt oder bricht am eigenen Erfolg zusammen. Wenn man diesem Selbstcrash als Revolutionär zuvorkommen will, muß man nur den systemeigenen, evolutionsprozess-eigenen Tipping-Point kennen. Vorläufig müssen Sie ’13′ und alle anderen Leser nur die Ergebnisse meines Genie-und-Panik-Spiels mit dieser Macht-Nr1-Spitze zu Kenntnis nehmen und einordnen.
Hier meine Antwort:
Die deutsche Macht-Nr.1-Spitze besteht aus den führenden Vorständen des Metalltarif-Kartell. Das sind die Siemens- und IGMetall-Vorstände. Sie haben sich die Herrschaft über das Steuerungsinstrument-Nr.1 für die KAPITALSTOCKMAXIMIERUNG seit 1953 angeeignet – oder sind evtl. als IGMetall-Vorstand dazu erpresst worden. Dieses Steuerungsinstrument-Nr.1 – das alle anderen wirtschaftlichen Steuerungssystem-Elemente übertrifft an Durchgriff und Unterstützung/gesellschaftlicher Zustimmung – sind die stetig steigenden Bruttoarbeitskosten. Durch deren Anstieg-mit-dem-Produktivitätsfortschritt-gekoppelt wird ein 2%- Wachstumszwang-durch-KAPITALSTOCKMAXIMIERUNG installiert. Nach und nach müssen alle Teile der Wirtschaft, Staat und Gesellschaft diesem 2%-Moloch dienen – jeder nach seinem Vermögen, seiner Verschuldungsfähigkeit, seiner Erpressbarkeit, usf. ‘Kapitalstock-Wachstum oder Sterben’ ist die Systemlogik unter diesem Absolutisten. Der 2%-Moloch hat in der IGM seine geheime Massenbasis. Die IGM ist für die KAPITALSTOCKMAXIMIERER das, was das Heer für Caesar war. Nur mit ihr konnte der 2%-Moloch bisher als Macht-Nr.1 überleben. Sie wehrte die revolutionäre Steuerungsinstrumenten-Alternativen stets und bis heute ab, die in der SPD und anderswo diskutiert wurden. Wer diese Zusammenhänge kennt und auch die gescheiterten ‘Reform’-Vorgänge konkret mitbekommen hat, der weiß: die IGM-Vorstände tragen die Schuld am Niedergang der SPD. Deshalb stehen der IG Metall schwerste Zeiten bevor. Sie wird den Weg der SPD gehen. Die geschichtliche, machtstrukturelle Wahrheit und das alternative Steuerungsinstrument zu den Flächentariflohnerhöhungen muß nur ans Licht kommen.
@bazi
“Ich warte immer noch auf theoretische Unterstüzung bei der Beantwortung der Frage, wie man durch das Bedrucken von Papier Wohlstand schaffen kann. Ist wirklich nicht ironisch gemeint. Ich will wenigstens versuchen können, die vorherrschende Lehre – und Praxis – zu verstehen.”
Das Bedrucken von Papier schafft keinen Wohlstand Demokratie schafft Wohlstand…
@ wisi 29. Oktober 2009 um 21:15
“was sollen Erklärungsversuche des Kapitalismus – ….
immer ging es um Macht egal wie das Warenherstellungs und Bezahlungswesen organisiert war…”
Endlich verläßt die Diskussion auf diesem Blog den verqueren Sachkomplex und nähert sich dem Punkt, an dem alles – Erkennen und Tun – leicht und euphorisch wird: der Macht-Nr.1-Frage. An dieser Stelle hat die Genialität-im-Evolutionsprozess ihre Akzelerations- und Befreiungspotenziale versammelt.
Hier ein Beispiel für die Leichtigkeit des ‘revolutionären Seins’: mit der bloßen Drohung-per-Flugblatt, verteilt am 1. Mai 1991 während der Frankfurter 1. Maikundgebung, dass ich die evolutionsprozess-logische Alternative ‘EPIKUR-Lohn’ zu den Metalltariflohnsteigerung in die Diskussion bringen würde, habe ich die Metalltarifrunde 1991 in Baden-Württemberg in einen Panikabschluß gehetzt. Am 5.5.1991 endete sie mit einem völlig unerwarteten, überhöhten Zweijahresabschluß, nachdem die Tarifpartner am 2.5. zur ersten und letzten Verhandlungsrunde für den 4.5. eingeladen worden war. Höchste Panikstufe der Macht-Nr.1-Spitze in Deutschland!
Ist dieser Vorgang nicht ein gutes Beispiel für die revolutionäre Leichtigkeit des Seins, wenn es um die Macht-Nr.1-Frage geht? Ist der Panikabschluß v. 5.5.1991 nicht auch eine akzeptable Grundlage für die Auseinandersetzung über die Frage, wer die Macht-Nr.1 in Deutschland bildet und wie sie funktioniert?
@13 #98
“Ackermann/Hundt/Schröder/Merkel/Prof. Un/Sinn/Dohnanyi/Rürup/Breuer/Walter/Waffelküßchen/Clement/Asmussen/Nonnenmacher/Wiegard/Franz/Zimmermann/Roland Berger/Breuel/Big McKinsey/di Mauro………….die Medienbagage….(wem fallen noch Namen ein)..?”
Biedenkopf – wo der dabei ist, werden die ganz grossen Brote gebacken;
sei es Privatisierung der Rente oder SoFFin.
ja, Frankie, der ging mir dann auch noch durch den Kopf, was zur schwäbsche Eisebahne Späth führt…
@ wgn #73
verdammte Axt! die blockquotes vergeigt … ne editier-funktion wäre echt ein bringer
@bazi
“wie man durch das Bedrucken von Papier Wohlstand schaffen kann.”
Yep, indem man Zahlungsfähigkeit garantiert….und damit die Existenz des Kapitalismus. Weil ohne Zahlungsfähigkeit kein Kapitalismus… und – für die vielen Ontologen unter Euch
– nur wer zahlen kann, der ist “im” Kapitalismus, alle anderen sind draußen.
Ergo: Wenn ich ganz viel Geld drucke und verteile (z.B. mittels Kredit), dann vergrößere ich …yep…den Kapitalismus, d.h. zum einen ermögliche ich viel mehr Nachfrage nach Gütern und Investitionen und….halt, hier müssen wir erstmal aufhören…
Halten wir fest: Wir ermöglichen mehr Kapitalismus mittels Bereitstellung von Zahlungsmitteln bzw. Ausdehnung der Zahlungsfähigkeit….haben wir in den letzten 15 jahren beobachten können…worldwide…
Führt uns das nun zu mehr Wohlstand? yep, aber erst über Zahlung, d.h. es müssen dann die nachgefragten Konsum- und Investitionsgüter produziert werden.
Und da liegt der Hase im Pfeffer, der Krug im Brunnen bzw. ökonomisch Smiths Nadel im Heu…whatever, wir brauchen eine Asymmetrie, weil wenn alle nur zahlen und niemand mehr produziert, d.h. arbeitet, yep, dann steht der Nachfrage kein ausreichendes Angebot gegenüber, für das man zahlen könnte….und dann wird das nix mit dem “gefühl” von Wohlstand. Ergo: neben den Menschen die zahlen müssen auch andere Menschen arbeiten. Wie bringe ich die Menschen nun zur Arbeit? Erstens: ich verspreche ihnen den Erhalt extremer Zahlungsfähigkeit in der Zukunft (Profit). Oder ich verknappe das Angebot an frei verfügbaren Zahlungsmitteln (Kreditzinsen). Oder ich erhöhe das Risiko für Zahlungen (Spekulationsrisiko).
Wir brauchen also einen Preis für die Zahlungsfähigkeit, entweder mittels harter Arbeit (und damit langer Nicht-Zahlungsfähigkeit), oder mittels Zwangszahlung (zins) oder mittels Risiko. Und diese Asymmetrie muss man nun mit dem Menschen verbinden, d.h. man verteilt sie auf die Menschen oder legt sie in die Menschen. Ich denke das verteilen auf Menschen ist erfolgreicher da radikaler. D.h. wenn ich in den USA Konsumenten mit hohen Zahlungsverpflichtung und in China Menschen mit hoher Arbeitsbelastung erzeuge, und dann noch ganz viele banker mit ganz viel Risiko, yep, dann habe ich da zur Zahlung (konsum) und dort zur Arbeit (nichtzahlung) verurteilte…und dazwischen ganz viele Wahnsinnige geldumverteiler (banker). Und das erzeugt ungemeinen Druck und eine ungemeine Beschleunigung der zahlungen und nichtzahlungen, d.h. von Produktion, Sparen, Investition. Yep, was die Amis da konsumiert haben, das geht auf keine Kuhhaut, dieses Defizit….unglaublich…und was die Chinesen im selben kurzen Zeitraum da gesparrt und produziert haben….wahnsinn, baby, wahnsinn….und das hebel-leverage-Risks-whatever der banker….reden wir nicht drüber. Alles in einigen wenigen jahren…und warum? Wegen der Asymmetrie und der Unterscheidung und dem Druck und all dem.
Und yep, unser gutes altes deutsches Modell der Sozialen Marktwirtschaft, d.h. wo der Mensch Konsument und Arbeiter und Sparer zugleich ist, nope, der hat keine Zukunft, weil der ist angenehmer für den Mensch…weil etwas Arbeit, etwas Zwangszahlung und etwas Risiko….aber es fehlt die Leistung….das ist evolutionär nen no-burner…
Whatever…hört sich alles total irre an…ist es irgendwie auch…aber vielleicht ist die Wahrheit einfach nur irre
@ goodknight
“Yep, indem man Zahlungsfähigkeit garantiert”
Vorgaukelt, vorgaukelt, vorgaukelt. Und die besten Gaukler enden am Schafott. Weil die Garantiezeit abgelaufen ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Schafott
http://de.wikipedia.org/wiki/Gaukler
Im Gegensatz zu den heutigen Begriffen Unterhaltungskünstler, Artist oder Komiker ist der Begriff Gaukler teilweise negativ besetzt, da mit ihm unehrliches Fahrendes Volk verbunden wird, das nur darauf aus ist, den unbedarften Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen, oder es als Beutelschneider zu rauben.
it´s under warrenty was a mol
@Bazi: Wenn der Staat Dich mittels seiner Gesetze zur Zahlung in Euro zwingt, dann entspricht das seiner Macht und Aufgabe. Das Ergebnis davon ist nicht weniger illusionär als andere Produkte seiner Gesetze – Markt und Eigentum zum Beispiel.
Wenn Du Produktionszuwachs und Geldmengenzuwachs nebeneinander stellst, dann sollte bedacht werden, dass beide nicht zusammenhängen müssen. Produkte sind Güter und Dienstleistungen und Geld ist ein Schuldtilgungsmittel. Der Geldmenge steht eine entsprechende Verschuldung gegenüber. Durch das Ausmaß der Verschuldung wird sehr viel Geld zur Tilgung derselben benötigt, so dass die Knappheit des Geldes trotz seiner Menge gewahrt bleibt.
Die leichte Inflation des Systems ist gewünscht und auch gesund. Du sollst nun mal nicht in Bargeld sparen und es steht Dir um übrigen ja auch völlig frei, das Geld, was Du so schlecht findest, jederzeit auszugeben oder zu investieren. Wenn es ein Problem mit dem Kapitalismus gibt, dann liegt es darin, dass die Leute das nicht tun und stattdessen Geld anhäufen während sie sich darüber beklagen, dass dieses Geld so schlecht, die Inflation so hoch und die Renditen so niedrig sind.
Ich meine übrigens, dass es nicht darauf ankommt, wo das Geld landet, sondern wo der Staat es in den Markt “injiziert”. Am Ende wird das Kapital es an sich reißen, weil der Kapitalismus nun mal auf den größten Haufen sch…t. Und deshalb sollte der Staat das Geld denen geben, die es garantiert ausgeben und vielleicht auch am dringendsten brauchen. Den Rest macht dann der Markt.
@holger
Nope, Du nix wirklich verstehen.
Einer muss den verdammten Job erledigen….den Job der Banker, den Job des Konsumenten und den Job des Billig-Lohn-Arbeiters.
) Das System named Kapitalismus beruht – wie Smith schon erkannte – auf Arbeitsteilung, d.h. Spezialisierung, d.h. quer zum “Menschen”.
Das sind die Baustellen, und den Banker ihre Verbriefung vorzuwerfen ist genauso dämlich wie dem Unternehmer ala Marx die Profitorientierung oder dem Konsumenten die Kauffreudigkeit. Das ist ihr verdammter Job im System. Wenn die einen Nichtzahlen, weil arbeiten und sparen, so müssen die anderen umso mehr zahlen und sich verschulden….und dazwischen einige das Risiko reiten….ansonsten geht das System hopps….und wir landen im Sozialismus, wo alle irgendwie alles machen und letztlich nichts richtig.
Yep, alles Drecks-Jobs, aber nur so läuft das System so schnell, wie es laufen will. Du darfst das System nicht aus der Sicht des einzelnen Menschen sehen, weil da kommst Du nicht weit (ergo: nur bis marx
Dat hatte ich doch schon alles mit halbgott, die frage, wer denn jetzt aufs Schafott gehört: Die Risiko-junkies named Banker, die Konsum-sex-in-the-city-20-Kreditkarten-lippstick-jungle-Ami-Girls oder der Mao- bzw- masochistische-80-Std-Arbeiter aus China? Wer ist Schuld? Schuld sind alle zusammen. Jeder macht das, was er am besten kann.
Es ist das System … und das läuft, und entweder man läuft mit oder nicht. Exit or participation…
Whatever, der interessante Punkt ist ja, wie die Banker das Risiko minimieren, die Unternehmer den Profit maximieren und die Konsumenten ihre Schulden…äh…auslagern
@ goodnight
es geht doch gar nicht um Schuld oder nicht, oder wie auch immer.
und lass mir bloß Marxes weg, bitte bitte bitte.
“Ich warte immer noch auf theoretische Unterstüzung bei der Beantwortung der Frage, wie man durch das Bedrucken von Papier Wohlstand schaffen kann.”
darum ging es doch oder?
ich finde, das hat mit der Schuld nix zu tun.
Und da ich wirklich bald garnix mehr verstehe, …
i feel me foolish
Me too too. Auch wenn ich Dritter bin: Warum ist eine mit Gold gedeckte Währung (Annahme: Deckung stabil) fiat? Es kann doch eben kein Geld mit der Notenpresse bei Bedarf erzeugt werden. Und damit ist es nicht fiat. Es hat andere Probleme (zum Beispiel dem Problem, dass man bei Bedarf kein Geld erzeugen kann), aber fiat ist es doch nicht.
Klar, es gibt die Probleme mit den Banken, die ihren Hebel hochhieven wie vor der Finanzkrise auch. Die Geldmenge kann sich durch die Umlaufgeschwindigkeit des Gelds erhöhen. Die Geldmenge kann durch erhöhte Reservesätze bei den Notenbanken reduziert werden. Eine goldgeckte Währng verhindert keine einziges Umverteilungsproblem. Etc. pp. Golddeckung verhindert also nur das extreme Ausufern der Geldmenge, was zur Hyperinflation führt. Sonst fast nix. Aber unterschätzen darf man das auch nicht. Immerhin ist ein Problem, das die Deutschen schon zweimal getroffen hat in den letzten 100 Jahren damit gelöst (wobei man selbst das diskutieren könnte. Denn wenn man nach dem 1. bzw. 2. Weltkrieg dem Verlierer Deutschland die Goldreserven konfisziert hätte, wäre die alte Währung genauso wertlos gewesen …)
“wie man durch das Bedrucken von Papier Wohlstand schaffen kann.”
Yep, ich gebe jungen hübschen Chicks in NYC nen Kredit über 50 tsd. Dollar….und die shoppen sich dumm und dämlich (z.B. Lippsticks). Daraufhin investieren fette alte Männer ihre Dollar in China (z.B. lippsticks-company) um dünnen blassen Chinesen wenig Dollar für ganz viel Arbeit zu geben (z.B. Lippsticks-bauen).
Folge: Die dünnen Chinsen werden ein bisschen dicker, die fetten alten Männer kränker und die chicks noch hübscher….und alle sind glücklich bis ans Ende …der Kredilinie….. aber da die alten Männer gerne hübsche chicks sehen wollen fließt das Geld dann doch weiter……bis die Chinsen fett sind und unsere chicks kaufen
@ egghat
“Warum ist eine mit Gold gedeckte Währung (Annahme: Deckung stabil) fiat?!”
Eine mit Gold gedeckte Währung ist nicht fiat , sondern fata (morgana).
Eine mit Gold gedeckte Währung gabs nie und wird es nie geben.
@ goodnight
andersrum, über # 114 kann ich bald nicht mehr Lachen, das ist M.e. abgearbeitet, was der Chinesische Wonderarbeiter im Puff ausgiebt.
Bazi hat eine andere Frage gestellt:
“wie man durch das Bedrucken von Papier Wohlstand schaffen kann.”
Und nicht China, Japan oder die Karparten sind da der Aufmacher.
IN GOD WE TRUST IN PAPER WITH GREEN COLOUR THATS THE SAME AS GOD; THIS IS GOD; GOD IS PAPER
Gold, wat ist schon Gold? Im Gegensatz zu Geld? Ne andere Währung…so what. Ist Gold mehr wert als Papier? Wieso? Von Gott gegeben? Wegen des Gebrauchswerts? Papier kann ich beschreiben etc. Was kann ich schon mit Gold anfangen?
Und als Währung ist Gold dem Papiergeld funktional unterlegen, weil man Papier besser transportieren und viel mehr drucken kann. So einfach ist das, yep, der kapitalismus hat sich für mehr drucken und nicht für “begrenzen” entschieden…und zwar schon vor mehr als 100 Jahren. Und da macht ihr nix. Und nope, auch wenn ich noch so oft von Krise redet, der kapitalismus ist seitdem Master of Universe geworden und zwar gerade wegen des “Mehrdrucken”.
Das ist sowas von empirisch belegt. Der ganze “Wahrheitsanspruch” der Goldfanatiker beruht auf einer möglichen Welt-doom-krise in der Zukunft. So what, was soll das sein, rein wissenschaftlich. Yep, das ist garnix.
Period
@holger
Yep, deshalb bin ich ja auch Fan von Luhmann, weil der betrachtet Wirtschaft als Kommunikationssystem Yep, Geld ist Kommunikationsmedium. Dat versteht man nur, wenn man an Kommunikationssystem glaubt und nicht nach ewigen Entitäten sucht, ala Gold und Wohlstand und whatever. Alles eine Frage der Koommunikation, d.h. die Kommunikation bestimmt darüber, ob Gold mehr oder weniger wert ist als papier, ob der Chinse für Geld seine lebenszeit und gesundheit opfert, ob Hinz und Kunz den bankern sein Lebensarbeitzeitvermögen leiht und vice versa.
geld ist kommunikationsmedium. Nicht Gold. Warum? Frag WGX, der scheint es ja wissen zu wollen…ich weiss nur: Es ist so. Und das ist schon mal ne ganze Menge
“wie man durch das Bedrucken von Papier Wohlstand schaffen kann.”
Yep…und jetzt noch ein bisschen Empirie:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,658353,00.html
goodnight
es geht nicht um das Papiergeld ansich, aber warumß soll das Mehr an bedrucktem Papier, automatisch den Wohlstand einer Gesellschaft erhöhen? Wenn ich die Frage richtig von Bazi interpretiert habe.
Oder was ich mir für eine Frage stelle: Wenn drucken, wenn ja, Warum?
Es geht ja nicht um das Papiergeld. Ich habs auch scheixxe ausgedrückt. O.k.
Aber die Sinn Frage: “Warum laufe ich bedrucktem Papier hinterher?” die beschäftigt doch einen.
Ahhhh, wenn ein Arbeiter wüsste, wie einfach es ist, seinen Lohn zu produzieren, dann wären schon Manche in Beton gegossen.
@goodnight @holger
Der Wert des Papiers über den ihr spricht bemisst sich aus dem darauf befindlichen Aufdruck. Ein Stück Papier mit dem Aufdruck “Indischer Rupi” ist weniger wert als ein Stück Papier mit dem Aufdruck “Euro”, obwohl ersteres Stück Papier vielleicht sogar schöner aussieht oder grösser ist. Der Wert der dem Aufdruck zugemessen wird schwankt hingegen mit der Zeit und kann u.a. mit dem Ausfallrisiko, welches der Währung des Aufdruckes beigemessen wird in Verbindung gesetzt werden. Bei Gold verhält es sich anders. Gold hat kein Ausfallrisiko. Die nächste Krise kommt bestimmt. Auch dies ist systemimmanent. Es geht nur darum stets den richtigen Zeitpunkt zum Absprung, wie auch zum Engagement in Gold oder in Währung zu finden.
“Im Winter 1920/21 erteilte ihm das Parlament in Wien eine Bankkonzession. Seine Freunde im Regierungslager waren der Ansicht gewesen, dass er bei seinem Abgang als Finanzminister unwürdig behandelt worden sei – daher gewissermaßen als Entschädigung. Daraus entwickelte sich ein Engagement als Präsident der Biedermann Bank, Wiens ältester Privatbank, mit der er 1925 eine grandiose Pleite hinlegte.”
Wer genauer wissen möchte, wie Schumpeter die Biedermann-Bank “gegen die Wand” fuhr, empfehle ich einmal folgenden Aufsatz (kann ich bei Bedarf einscannen und hochladen):
Andreas Resch: Die M. L. Biedermann & Co. Bankaktiengesellschaft (1921-1927/31), in: Herbert Matis (Hrsg.): Historische Betriebsanalyse und Unternehmer (1997), S. 71-99
@wgn
Bevor der rote Oktober zu Ende geht, zu dem Thema hier noch ein Literaturhinweis:
Geld und Kredit in der Kritik der politischen Ökonomie und eine Zitatsammlung.
Hat da Schumpeter Marx evtl. ‘unorthodix’ gelesen?
@goodnight #111
Nope, Du nix wirklich verstehen.
Exakt. Du, verehrteste Gutenach(t)gestalt, würdest mit dem Verstehen anfangen, wenn du verstündest, dass dieses “System”, das du hier so TINA-mässig verabsolutierst, deinem Kopf, deinen hyper-sozialisierten Phantasien und Theorien entspringt. Und sonst nix. Fatal ist nur der Tod, die Freiheit blüht genau auf ihm. Kojève hatte recht, ich hab’s nur bisher nicht verstanden. Deine paranoiden Zwänge wären nur gültig für Wesen, die – unsterblich gefangen – über das Gegebene nicht hinausschauen könnten. Und überhaupt: woher kommt es denn, dein “System”? Ein Götze ist das, ein Gottersatz, Fetischismus hätte Marx wohl dazu gesagt. Eine “Denkfalle”. Mehr nicht.
PS @goodnicht
: Nicht “die” Kommunikation bestimmt, wer kommuniziert und was kommuniziert wird. Umgekehrt. Deine Welt steht Kopf, macht Subjekte zu Objekten, und eben umgekehrt. Damit bist du in bester praktischer Gesellschaft, es könnte darum so scheinen, als lägst du richtig, ist aber nur Schein – ich vermute: seit dem “linguistic turn”, von dem du nichts wissen willst – verstehe ich ja… aber Luhmann gehört eben auch zu dieser Bande, genau deswegen..!
@lemming
Hab’ Dich ja selten so in Rage gesehen. Endlich kommt Laune auf im Thread…Na ja, viel Glück auch…
http://www.youtube.com/watch?v=CPMn6bay3WY
@guang_hualu
nichts einfacher als das:
http://www.youtube.com/watch?v=rpebrtsSSYY
@goodnight #108ff.
das ist schon eindruckvoll, wie Du repräsentative Anekdoten des Turbokapitalismus (wie sie notabene die Massenmedien konstruieren) und die intangible Autopoiesis des Funktionssystems Wirtschaft ineinanderschreibst. Schade nur, dass es analytisch nicht haltbar ist. Das Funktionssystem_Wirtschaft hat bei Luhmann einen ganz anderen theoretischen Rang als die gesellschaftliche_Struktur_der_Produktion bei Marx. Ich habe den Eindruck, dass Du die Marxsche Perspektive, nämlich die (kapitalistische) Produktion für das zentrale Bewegungsmoment aller (modernen) gesellschaftlichen Phänomene zu halten, übernimmst und unter dem Luhmannschen Gesichtspunkt kommunikativen Eigensinns sozusagen entkernt gegenbeschreibst. Das kann aber nicht mehr ergeben als den einen oder anderen postontologischen Distinktionsgewinn gegenüber einem klassischen Marxisten, aber keine wirklich neue, informative Perspektive auf wirtschaftliche Sachverhalte. Besonders sprechend finde ich dabei Deine Checker-Rhetorik. Solche Schlüsselattitüden kann man heute doch nicht mehr wirklich elegant austanzen. Das ist doch – angesichts der weltgesellschaftlichen Komplexität, mit der wir es zu tun haben – schon im Ansatz eine alberne Hampelei. Und war es schon bei den revolutionsoptimistischen Marxisten der Studentenbewegung. Wenn man irgendwie weiterkommen will, dann mit einer Herabstufung der diagnostischen Ambition. “Es könnte auch alles ganz anders sein” ist das Motto Luhmanns, nicht: “I’ve been around – I know what makes things run.”
@guang_hualu # 121
Ein paar Zahlen zum Thema Gold. Stör dich bitte nicht, an dem Wert, das ist schon ein paar Monate her.
Gold- ein ewiges Thema
Hier mal ein paar Zahlen:
Ca. 2.600 Tonnen Gold werden jährlich, mal mehr und mal weniger, weltweit aus der Erde gepult.
Hört sich viel an oder?
Nun, eine Feinunze kostet (31,1034768 Gramm) momentan so um die 950 $ oder je nachdem wie der € zum $ steht, 670 €.
2.600 Tonnen sind 2.600.000 Kilogramm oder 2.600.000.000 Gramm.
das sind in Unzen: ca. 83.601.286 Stück oder in $ ausgeschrieben 79.421.221.864 ein Dollar Wertgutscheine oder in € geschrieben 56.012.861.620 ein Euro Noten.
Das sind alleine die jährlichen Zinsen, die Deutschland an seine Gläubiger zahlen muss.
Wie viel Einwohner hat Nordamerika, Südamerika, Europa, Asien, Afrika, Australien?
Man schafft es noch nicht mal, in 10 Jahren jedem Chinesen nur eine! Unze zukommen zu lassen. Es reicht gerade mal für Deutschland und ein wenig noch für Österreich, jedes Jahr, eine Unze zu erwerben.
In den USA fallen in einem Jahr ca. 670.000.000.000 Dollar nur als Zinsen an.
Das sind, ca. 8,4 Jahre, weltweites Goldschürfen. Nur für die Zinsen.
Und jetzt reden einige Experten von einen Goldstandart? Mit einer Gold gedeckten Währung?
Gold wäre ein sicherer Hafen? Lebensgefährlich würde ich das bezeichnen.
Ca. 4 Milliarden Menschen werden sich um den Mist, wieder einmal, in die Fresse hauen.
Damit jeder nur eine Unze hat, mussten rund 48 Jahre gebuddelt werden.
@holger
Jetzt kommen WGNX Stunden der Wahrheit!
Wird die FED nochmal die Geldpresse anschmeissen? Gibt es neue Gazzilionen Konjunkturprogamme?
Turn around?
http://www.youtube.com/watch?v=z_NdBiLlVl8
@ Nanuk
Quantitatives ist Easy to do. In the World of powerness, and faithfully Minds. Why dont they call a truce?
@holger
http://www.youtube.com/watch?v=NYW6mgIN6Pk
@ goodnight
Money Illusion… meinst du einer der Bonigeier ist Schuldenfrei?
http://www.youtube.com/watch?v=c8EiHcDY4Po
@ goodnight – 108
—”Yep, indem man Zahlungsfähigkeit garantiert….und damit die Existenz des Kapitalismus.”
Das ist wirklich gut. Zahlungsfähigkeitsgarantie durch Schuldengenerierung. Und damit man dann die Schulden auch garantiert zurückzahlen kann, macht man neue Schulden. Das ist eine zutreffende Realitätsbeschreibung. Aber mal ehrlich: wir wissen doch, wo das hinführt, oder?
Beim Durchlesen dieser Beiträge regisitriere ich des öfteren zwei Ansichten – meist unterschwellig angedeutet, bei denen ich regelmäßig zusammenzucke.
Die erste Ansicht, die mich regelmäßig erschaudern läßt, ist die, dass der Kapitalismus für die ganze heutige Misere verwantwortlich gemacht wird. Oder genauer, dass unser Geld- und Währungssystem mit dem Kapitalismus in einen Topf geworfen wird. Oder noch genauer, dass unser Geldsystem kapitalistisch – also i.e.S. freiheitlich, marktwirtschaftlich – ist.
Das ist Humbug. Folgenschwerer Humbug. Wenn sowohl die Menge des Geldes als auch sein Preis (Zins) von einer zentralen Behörde bestimmt wird, dann nenne ich das… Planwirtschaft oder von mir aus auch Sozialismus. Das hat mit Marktwirtschaft (oder Kapitalismus) nicht das geringste zu tun. Wer in der Krise reflexartig ruft: “Der Kapitalismus ist Schuld”, dokumentiert damit nur, dass er nichts verstanden hat. Unser Geld ist sozialistisches Geld.
@ Tarantoga
—”Produkte sind Güter und Dienstleistungen und Geld ist ein Schuldtilgungsmittel.”
Ich “lerne” hier ständig neue Definitionen von Geld.
Ich muss noch einmal penetrant an Konfuzius` Mahnung erinnern. Wenn die Begriffe ihre Bedeutung verlieren….
Ich kann nur jedem dringend ans Herz legen, sich über die verwendeten Begriffe Klarheit zu verschaffen. Dies kann nur gelingen, wenn man bis zur Wurzel zurück geht; bis zur Enstehung des Begriffs. Oder in Bezug auf das Geld besser, bis zu seiner Entdeckung. Das macht Arbeit. Sicher. Ist aber unerlässlich. Die Gründe für die Krise sind ursächlich darin zu suchen, dass sich die maßgebenden Leute diese Arbeit nicht mehr gemacht haben und dass die moralischen und rechtlichen Wurzeln des Banksystems in Vergessenheit geraten sind.
—”Die leichte Inflation des Systems ist gewünscht und auch gesund. Du sollst nun mal nicht in Bargeld sparen und es steht Dir um übrigen ja auch völlig frei, das Geld, was Du so schlecht findest, jederzeit auszugeben oder zu investieren. ”
Puh, das war ´ne Menge Zeugs.
Also von mir ist die (leichte?) Inflation nicht gewünscht. Und ungesund ist sie auch. Und was ich soll, solltest du besser mir überlassen. Ich spare, wenn ich sparen will. Ich konsumiere, wenn ich konsumieren will. Meistens tue ich beides gleichzeitig. Gesellschaftsklempner von Beruf?
Aber jetzt kommt der zweite Punkt, bei dem ich immer zusammenzucke:
—”Wenn es ein Problem mit dem Kapitalismus gibt, dann liegt es darin, dass die Leute das nicht tun und stattdessen Geld anhäufen während sie sich darüber beklagen, dass dieses Geld so schlecht, die Inflation so hoch und die Renditen so niedrig sind.”
Das liest man leider sehr oft. Diese “Argumentation” ist enthymematisch, was nicht Schlimmes sein muss. Das, was bei dieser Argumentation im Hintergrund mitschwingt, ist u.a. die Vorstellung, man könne sich reich konsumieren. Das funktioniert aber leider nicht, obwohl es schön wäre. Niemand kann sich reich konsumieren. Kein Individuum, keine Familie, kein Unternehmen, keine Gesellschaft, kein Staat. Niemand. Ungläubigen sei der Selbstversuch empfohlen.
Um nicht missverstanden zu werden: Ich habe nichts gegen Konsum. Überhautp nichts. Ich konsumiere liebend gerne. Konsum ist sehr wichtig; sowohl für das persönliche Wohlbefinden als auch für die Wirtschaft an sich.
Das entscheidende Missverständnis beim Konsum ist, dass er das ZIEL der Wohlstandserzeugung ist; nicht der WEG zur Wohlstandserzeugung. Wohlstandsbildung geht dem Konsum notwendigerweise voraus. Erst sparen (= Konsumverzicht), dann investieren, dann konsumieren. Die meisten Theorien kranken an dieser falschen Vorstellung. Und genauso kranken sie an einem falschen Geldverständnis.
P.S.:Auf das – ebenfalls unterschwellig – angedeutete Hortungsproblem gehe ich jetzt nicht ein. Es ist keins.
@ Bazi #135
Das ist Humbug. Folgenschwerer Humbug. Wenn sowohl die Menge des Geldes als auch sein Preis (Zins) von einer zentralen Behörde bestimmt wird, dann nenne ich das… Planwirtschaft oder von mir aus auch Sozialismus. Das hat mit Marktwirtschaft (oder Kapitalismus) nicht das geringste zu tun. Wer in der Krise reflexartig ruft: “Der Kapitalismus ist Schuld”, dokumentiert damit nur, dass er nichts verstanden hat. Unser Geld ist sozialistisches Geld.
ein paar Anmerkungen:
a) von einer privat zentralen “Behörde”
b) private Planwirtschaft
c) Unser Geld und das Gemeinwesen ist den Umtrieben, des private internationalen Finanz Faschismus, der in der Gesellschaft, gerne auch als Sozialismus ob national oder international abgebildet sowie irrtümlicher Weise Kapitalismus genannt wird, geschuldet.
Das hat wirklich nichts mit dem Kapitalismus gemein.
@ bazi
>Das ist eine zutreffende Realitätsbeschreibung. Aber mal ehrlich: wir wissen doch, wo das hinführt, oder?
Nein, wir wissen es nicht. Der Weimarer Turbokapitalismus (wie die andern Kapitalismen damals) stolperte in die Große Depression ohne Staatschulden.
>Wer in der Krise reflexartig ruft: “Der Kapitalismus ist Schuld”, dokumentiert damit nur, dass er nichts verstanden hat. Unser Geld ist sozialistisches Geld.
Die USA-Zentralbank ist zB privat, aber ihr Geld sollte auch sozialistisch sein !?!?!?! Und das Geld aller amerikanischen bis ins Mark privaten Banken sollte auch sozialistisch sein !?!?!?!
Es ist unvorstellbar, was für einen Unsinn dieser Kommentator immer wieder verzapft. Und es gibt keine Tatsache die er nicht manipulieren und leugnen wird – um den Kapitalismus zu rechtfertigen.
@holger #130
Dein Posting habe ich noch nicht ganz verstanden. Gold und Papierwährung ist doch kein Widerspruch. Papierwährung ist offizielles Zahlungsmittel ohne irgendeine Deckung – d.h. Zahlungsversprechen mit einer bone-fide Klausel, wobei der Auszahlungszeitpunkt sowie dass was ausgezahlt werden soll noch nicht mal mehr erwähnt wird. Irgendwie total unlogisch und genial. Funktioniert aber auch nur, weil verordnet durch Staatsgewalt. Gold auf der anderen Seite ein Hafen der Ängstlichen und derjenigen, die obwohl reich, das Vertrauen in diesem Staat verlieren. Soll heissen, die “Vampire” verlieren das Vertrauen in die Vitalität ihres Opfers. Und nicht nur die Vampire verlieren das Vertrauen. In Südamerika und Indien weiss jede Oma das ein Stück Gold im Gebiss mehr wert ist als das Zahlungsversprechen einer maroden und korrupten Regierung. Den Dollar stützt die Tatsache, dass damit Öl bezahlt wird und dass Amerika die Weltmacht hier bei uns auf dem Planeten ist.
Kurze Begründung zu obiger Meinung. Zahlungsmittel dienen vor allem der Preisinformation sowie der Verteilung wirtschaftlicher Macht über die Güter in der Welt. Sobald die letztere Funktion in Frage gestellt ist, kann auch erstere Funktion nicht mehr erfüllt werden. Letztere Funktion ist in Frage gestellt, weil zunehmend Geld sich aus Geld generiert. Ein Bezug zur Realwirtschaft geht allmählich verloren.
http://www.youtube.com/watch?v=omwccK_8NR4
@ guang_hualu
wie wird eine Staatsanleihe seitens des Staates abgesichert? Sämtliches Gold würde dafür nicht ausreichen. Es gibt und gab noch nicht eine Papier-Währung, die du in Gold, Aufgrund der Quantitatät der Papierwährung geschuldet dem Zins, in Gold eintauschen könntest. siehe 1971 Bretton Woods.
Welchen Preis, müsste Gold, denn heute in Dollar schon haben? Goldmenge gegenüber Papier Währungen. Es geht nicht, eine Gold gedeckelte Papier Währung.
@bazi
“Erst sparen (= Konsumverzicht), dann investieren, dann konsumieren. Die meisten Theorien kranken an dieser falschen Vorstellung. Und genauso kranken sie an einem falschen Geldverständnis.”
Max Weber ist Tod…
http://www.youtube.com/watch?v=EQDHCyFe2rY
@bazi
Ohne Kredite gibt es auch nix zum horten…
@bazi: Begriffe haben keine andere Funktion, als dem Gegenüber die möglichst präzise Vorstellung des eigenen Gedankens zu vermitteln. Das Maß an Mühe, was man hierfür aufbringen sollte, bemisst sich an der Fähigkeit des Gegenübers die Begriffe produktiv zu dekodieren. Ich meine bei Dir erkennen zu können, dass Du keine relevanten Schwierigkeiten damit hast.
Ich wollte übrigens weder auf Hortung anspielen, noch Gesellschaftsklempner sein. Es ging mir nur um den Hinweis, dass in der freiheitlichen Marktwirtschaft es die Verantwortung jedes Einzelnen ist, unter den gegebenen Bedingungen möglichst kluge Entscheidungen zu treffen. Das bezieht die Entscheidung darüber, wann, wie viel und worin man spart, ein. Deine Entscheidung darüber geht mich nicht einmal etwas an. Ich wundere mich nur, dass Du derart über Deine Entscheidung schimpfst obwohl sie ja in Deiner Verantwortung und Freiheit liegt.
Die Interessen des Sparers bezüglich des Geldes sind immer anders als die der “aktiven” Teilnehmer am System. Wenn das Sparen denn Deines ist, dann ist mir verständlich, warum Du forderst, was Du forderst. Aber es ist dann nichts weiter als die Interessenäußerung eines Individuums. Ich persönlich halte es -durchaus im Interesse meiner Lebenssituation- für sinnvoller, die Möglichkeiten des Einkommenserwerbs aus unternehmerischer Tätigkeit oder Erwerbsarbeit vor den Interessen der Sparer zu priorisieren. Immerhin haben Sparer die oben beschriebene Wahl.
@holger
“… wie wird eine Staatsanleihe seitens des Staates abgesichert? Sämtliches Gold würde dafür nicht ausreichen. ”
Nein, das meine ich nicht. Aus meiner Sicht wird es in absehbarer Zeit keine goldgedeckte Währung geben. Ich bin da ganz Deiner Meinung. Eine Goldwährung würde nicht funktionieren. Und warum auch sollte ein Land so blöd sein, seine Schätze unters Volk zu bringen…? Andererseits: Regierungen haben nur indirekt Einfluss darauf Paralell-Währungen zu verhindern. In der Nachkriegszeit wurde in Deutschland mit Zigaretten und Kaffee bezahlt. Ich meine damit, das Misstrauen in Regierungen führt dazu, dass Individuen Gold vermehrt nachfragen. Gold hat keine andere Funktion als die eines “Wertspeichers”. Du kannst die gegenwärtige Goldblase daher auch als ein Votum über das Misstrauen in die Weltwirtschaft verstehen.
@Systemfrager
“Die USA-Zentralbank ist zB privat, aber ihr Geld sollte auch sozialistisch sein !?!?!?! Und das Geld aller amerikanischen bis ins Mark privaten Banken sollte auch sozialistisch sein !?!?!?!”
Ich glaube worauf Bazi anspielt ist die Forderung einiger Turbo-Kapitalisten die Autonomie des Bargelds an private Banken in Lizenz zu vergeben. Auf unseren Geldscheinen stünde dann nicht mehr EZB sondern z.B. BNP, Deutsche Bank, ABN Amro etc… Mit allen Konsequenzen die man sich dabei so ausdenken kann.
Ich persönlich würde eher dazu neigen, jedem EU Bürger das Recht einzuräumen in seiner Wohnung einen Geldautomaten aufstellen zu dürfen.
http://denisbider.blogspot.com/2008/10/decentralized-money-supply-solving.html
@ guang_hualu
“Du kannst die gegenwärtige Goldblase daher auch als ein Votum über das Misstrauen in die Weltwirtschaft verstehen.”
Deswegen wundert es mich, warum der Goldpreis “gedrückt” wird. Wer hat daran ein Interesse? Das verstehe ich nicht, entweder weiß man, dass das Gros, eh nicht an das Metall dran kommt oder es sich leisten kann, oder man spielt hier ein anderes dubioses Szenario.
Stell dir vor, die Forbesliste würde nur Goldeinkaufen gehen. Physisch.
Soviel gibt es faktisch nicht. Und die ETF Sachen noch dazu. Stell dir vor jeder will was haben, und nix ist mehr da. Das gibt aber ein Hallo.
@holger
Soweit wird es nicht kommen. Goldhandel kann stets verboten werden. Die Unternehmer halten Anteile an den Produktionsstätten. Die sind auch inflationssicher. Aus meiner Sicht sind es eher die “Vampire” die es noch nicht in die Forbes-Liste geschaftt haben, welche den Preis treiben. Eine Eigentumswohnung in Dubai, eine in Singapur. Gold als Beimischung im Depot neben Schiffsanteilen und Aktien.
Den ganzen grossen Run wird es aber aus meiner Sicht nicht geben. Es reicht doch aber auch schon so, oder?
@guang_hualu
“Die sind auch inflationssicher. ”
Was ist den Deflationssicher?
@ guang_hualu
schau dir bitte die Zahlen oben noch mal an. Pro Jahr gibt es etwa um die 80 Millionen Uz. neu zu erwerben. Was ist das für eine Menge? Das ist nix. Das ist momentan ein Wert von 80 Milliarden Dollar. Die ersten drei Seiten der Forbesliste, weisen schon 1.500 Miliarden Vermögen auf. Und es folgen noch ca. 40 Seiten.
Allein diese Verzinsung bei 6%, 1.500 Mrd. sind 90 Milliarden Dollar.
Und die lassen den kleinen Mann mitspielen? Deshalb braucht es gar kein Goldverbot. Die Masse hat keines.
@Nanuk
Inflation oder Deflation ist natürlich beides Gift. Wie ich oben auf ein Posting von Holger bereits schrieb, ist Geld nichts weiter als eine Tratte mit fide bona Klausel OHNE Auszahlungsanspruch. Trotzdem beinhaltet dieses Geld ein indirektes Versprechen, nämlich das auf Werterhalt. Die Individuen (wir) würden unser Vertrauen in Geld verlieren, wenn der Glaube in diesen Werterhalt nicht mehr da wäre. Der Fabrikbesitzer erzeugt mit seiner Fabrik stets NEUEN Cashflow. Insofern stellt für ihn die Inflation oder Deflation nicht an sich ein Problem dar, sondern nur die prozentuale Abweichung der tatsächlichen Rate von der ursprünglichen Erwartung.
Ist jetzt alles bisschen schulbuchmässig herübergekommen. War nicht beabsichtigt, aber in diesem Punkt stimme ich mit den gängigen Theorien noch überein. Mich ärgert nur, dass dies oft von den Wirtschaftsvertretern missbraucht wird, um die Stabilät des Systems zu erklären, obwohl sie es besser wissen müssten. Das ganze Geldsystem ist aus meiner Sicht nur ein Traum. Oder nenn’ es ein Schneeballsystem. Es trifft immer nur die Letzten…
@holger
Ist schon klar. Aber warum sollte denn auch das viele “Papier”-Vermögen in Gold angelegt werden? Und wenn schon, dann steigt lediglich der Goldpreis, solange bis auf G4 Ebene wird irgendeine Resolution oder ähnliches abgegeben wird.
@holger
Erklär doch mal wieso aus Deiner Sicht die Masse kein Gold hat? Oder wieso sie welches haben sollte? Wird aus Deiner Sicht der Goldpreis steigen oder hällst Du den Preis aus Ausdruck übertriebener Spekulation?
@ bazi 135
Die Vorstellung, daß eine Zentralbank die “Menge” des Geldes vorgibt, ist als “Einsicht” vor etwa 4 Jahrzehnten in die Köpfe der zuständigen Leute eingedrungen. Das war zu der Zeit, als man Friedman noch für einen Vordenker gehalten hatte. Vor etwa 2 Jahrzehnten hat man sich dann wieder reumütig davon entfernt und festgestellt, daß Bagehot seinerzeit mit “Lombard Street” schon recht gehabt hatte. Immerhin war der deutsche SVR mit seiner produktionspotentialorientierten Geldmengenregel ziemlich hartnäckig weil er damit versucht hatte, die Sterilisierungspolitik der Bundesbank zu rationalisieren (aber das ist eine andere Baustelle). Inzwischen ist von Geldmengensteuerung nur noch bei Goldromantikern die Rede, der Rest klammert sich an die Vorstellung, daß die Vorgabe eines Diskontsatzes die Steuerungswirkung entfaltet, die man früher von der Geldmengensteuerung erwartet hatte. Neuerdings ist man dabei zu realisieren, daß auch eine Zinssteuerung nicht das Instrument ist, um Geldmärkte steuern zu können. Ich weiß also nicht, wo Du AUSGERECHNET bei einer Zentralbank so was wie Planwirtschaft siehst, wo doch genauer betrachtet gerade darüber gerätselt wird, wie man die Geldmärkte wieder in den Griff bekommt. Ich sehe da keine Planwirtschaft sondern nur schlecht verpackte Hilflosigkeit!
“Unser Geld ist sozial-istisch-es Geld.”
Ohne das -istisch- ergibt Dein Satz ja sogar Sinn. Denn das ist ja auch das EINZIGE, was goodnight immer wieder durch den Kakao zieht. Und das ist auch richtig, unabhängig davon ob Geld als Tauschmittel, Geschöpf der Liquiditäts- oder Eigentumsprämie oder staatlicher Steuern konzipiert wird. So richtig das ist, so uninteressant ist das auch, denn ohne soziale Interaktion verliert sogar Gold seinen “Statuswert”! Vielleicht liegt ja dort die “Wurzel” die Du suchst, woraus man dann einen gerechtfertigten “Geld”-Begriff bilden kann, um sich Klarheit über das Geldwesen zu verschaffen. Vielleicht sind ja Heinsohn / Steiger die Favoriten für Dich.
“Wohlstandsbildung geht dem Konsum notwendigerweise voraus.”
Was natürlich korrekt ist, ist Deine These, daß der Kapitalismus für die Probleme der Gegenwart nicht verantwortlich ist. Denn als Mechanismus zur Wohlstandsbildung ist er unbestrittenerweise unübertroffen! Da ändert auch keine irgendwie geartete “Kritik” etwas daran. Menschlich ist jedoch dann, daß nach der Wohlstandsmehrung die Frage der Verteilung jede noch so erfolgreiche Kooperation in ihr Gegenteil verkehrt. Dieses Verteilungsproblem gibt es selbstverständlich auch im Kapitalismus, was wahrscheinlich als Antriebsfaktor wohl eine höhere Wirkmächtigkeit besitzt, als das so viel gescholtene Zinseszinsmotiv, welches im Grunde genommen derselbe Popanz ist, wie die Geschichte mit dem tendenziellen Fall der Profitrate. Aber Mystik ist ja schon immer ein unwiderstehlicher Antrieb von schöngeistigen Schreiberlingen gewesen.
@ guang_hualu 151
Da stehe ich vor einem großen Rätsel, ob des Goldpreises. Wenn das Gold tatsächlich so ein Macht in sich hätte, dann wäre es zu billig, aber zu was zu billig. Zum Dollar, zum Euro, zum Yen, … zum Käse?
Käse deswegen, weil es z.B. in Teilen Italiens Banken gibt, die auf Parmesan Kredite gewähren.
Reines Gold, z.B. 999,999 wo findest du das in Ottonormal Haushalten? Könnte die Masse damit wirtschaften, was sie an “Gold” besitzt? Ich denke nicht.
Warum die Haushalte ein wenig Gold haben sollten, dann bitte in “Goldmark”, das funktioniert auch außerhalb der EZB. Warum? Das werde ich vermutlich nicht mehr verstehen. Liegt vermutlich im Vertrauensverlust, in das Papiergeld. Gold schürfen ist noch kein Monopol.
Die Frage ist, bekomme ich auch etwas, für das Gold? Meine Antwort ist, ich weiß es nicht. Vielleicht dann, wenn nach einer Währungsreform wieder neue Scheinchen gebraucht werden. Dann sind die mit Gold im Rucksack ganz klar im Vorteil. Es sei denn, Gold wird als “wertlos” deklariert, und nicht mehr eingetauscht.
@ bazi
“Die erste Ansicht, die mich regelmäßig erschaudern läßt, ist die, dass der Kapitalismus für die ganze heutige Misere verwantwortlich gemacht wird. ”
?
Welche Misere meinst Du? Ich bin nicht der Meinung, daß wir eine Misere haben.
Schwierigkeiten gibts, ja, und Probleme – aber Misere?
In den 70er, 80er Jahren, da hatten wir eine Misere:
Ost-West – Konflikt auf dem Höhepunkt, atomare Gesamtauslöschung eine realistische Option
Osteuropa und Russland ein Kerker,
China ein Schlachthaus, Kambodscha ein Blutbad
Südamerika ein Folterkeller;
Europa: Knochenbrecherdiktaturen in Portugal, Spanien, Griechenland
Homosexualität unter Strafe, Frauen mussten ihren Ehemann fragen wenn sie Arbeit aufnahmen oder Konto eröffneten ( in BRD bis in die 70er Jahre)
Misere ist relativ. Manchmal glaube ich , wir sind bloss nervöser geworden, weil uns so gut geht.
@holger
Für mich sind das auch alles Rätsel. Aber in einem Punkt stimme ich mit Dir nicht überein:
“Reines Gold, z.B. 999,999 wo findest du das in Ottonormal Haushalten? Könnte die Masse damit wirtschaften, was sie an “Gold” besitzt? Ich denke nicht.”
In China kannst Du 999,999 Gold in jeder grösseren Stadt beim Juwilier kaufen. Man schenkt es sich zum Geburtstag, den Freunden oder Verwandten.
@guang_halu
“In Südamerika und Indien weiss jede Oma das ein Stück Gold im Gebiss mehr wert ist als das Zahlungsversprechen einer maroden und korrupten Regierung. ”
Also , ich hörte mal, dass Zähne aus Gold in diesen Gegenden die preiswerteste Prothetik sei, wegen der Abwesenheit einer moderen Zahnmedizin.
Wegen der relativen Reinheit, Beständigkeit und Formbarkeit des Stoffs. Und das sei der Grund, warum man dort soviel Gold im Mund trage, und nicht wegen der Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit ( der Bezahlvorgang wäre ja auch äusserst bizarr ).
Also , entweder den Zahn gleich ausfallen lassen oder eben aus Gold.
zu #155
Zur Geburt eines Kindes wird z.B. in der Regel ein Maskottchen aus 5-8 Gramm geschenkt. Wie es in Indien oder Südamerika aussieht weiss ich nicht. Die alten Mayas liebten das Gold bekanntlich aber auch.
@ guang_hualu
Noch lebe ich aber in D.
Und hier ist es zumeist, 333 (kein” Gold”) oder 585 angesagt. 999 wirst du auch finden, aber das ist der Beschenkte zumeist nicht wert
Dieser Clown Frankie Bernankie ist wirklich gut
Und er hat zumindest in einer Sache Recht: „Die Misere ist relativ“. Nur die menschliche Dummheit ist absolut
>“Osteuropa und Russland ein Kerker …“
Es gab in Russland nie so viele Häftlinge, nicht einmal während der Gulag-Zeiten, als in dem Freiheitsparadies USA in den letzten Jahrzehnten
Wie hat es Mephistopheles bei Goethe schön gesagt:
„Er nennt’s Freiheit und braucht’s allein,
Nur tierischer als jedes Tier zu sein.“
So oder ähnlich
@ frankie bernankie 156
hast du rein zufälliger Weise, etwas über den Verbleib bei Todesfall gehört? Vererben, vergraben oder sooo?
@Systemfrager
“Es gab in Russland nie so viele Häftlinge, nicht einmal während der Gulag-Zeiten, als in dem Freiheitsparadies USA in den letzten Jahrzehnten”
Doch , nämlich ca. 260 Millionen. Die mussten nur nicht in Haftanstalten verwahrt werden, weil das Land an sich über alle notwendigen Attribute verfügte.
@ Frankie Bernankie
“Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.”
Einstein
@holger
Betreffend der Reinheit von Gold. Das führt weg vom Thema, ist aber auch interessant. In China wird der Goldpreis im Geschäft zu Marktpreisen ausgewiesen und dann bei Kauf wird das Gold auf einer elektronischen Feinwage abgewogen. Eheringe etc. sind alle aus reinem Gold. Man kann Gold auch wieder zurückverkaufen. Aber nur wenn es 999,999 Gold ist. In Indien vermute ich, sind die Bräuche ähnlich. In D. lohnt sich die Anlage in Gold allein schon wegen der hohen Mwst nicht. Von Zertifikaten kann ich nur abraten. Die werden womöglich zu einem späteren Zeitpunkt stark versteuert oder einfach gesperrt… Überhaupt wird in D. in der Bevölkerung Gold nicht der Wert beigemessen, wie in dritte Welt Ländern, wo Gold immer noch ein Ausdruck des Status ist. Wie oben von Bernankie betreffend der Goldzähne beschrieben. Man lässt den Zahn ausfallen oder man füllt das Gebiss mit Gold. Aber auch als Schmuck ist reines Gold beliebt. Aber nur reines! Übrigens ist Gold ausser in der 3. Welt auch im angelsächischen Ländern und in Süd-Europa sehr beliebt. Ich würde nicht von den Bräuchen in unserem Land auf den Rest der Welt schliessen
Siehe z.B. mal hier:
http://www.youtube.com/watch?v=VYlUKps6Pqw
(Wäre bei uns wahrscheinlich nicht vorstellbar…)
…was hat der gute alte Marc Faber von GloomBoom zum Thema Kapitalismus und Gold zu sagen?
http://www.youtube.com/watch?v=__hxxrsresg&feature=related
@holger
Marc Faber ist auch nur so ein Polit Clown, der versucht aus der Krise Kapital zu schlagen. Nicht sehr fundamentiert, was er da sagt, aber in einem hat er vielleicht Recht….Geschichte kann sich wiederholen.
http://www.neatorama.com/2006/02/15/german-inflationary-notgeld-banknotes/
@ guang_hualu
“In D. lohnt sich die Anlage in Gold allein schon wegen der hohen Mwst nicht.”
Ich dachte bis jetzt, das auf Gold keine MwSt. erhoben wird.
@ systemfrager
Die FED ist ein Mischwerk aus privat und staatlich. Das muss ich nicht erläutern, das kannst du dir ergoogeln.
Zudem ist die Frage, ob die FED privat oder staatlich ist, zutiefst irrelevant. Verschwörungstheorien sind überlüssig. Wer abdrückt ist der Mörder; nicht derjenige, dem das Gewehr gehört.
Wem gehört eigentlich die EZB? Auch wenn es irrelevant ist.
@ Tarantoga
—”Die Interessen des Sparers bezüglich des Geldes sind immer anders als die der “aktiven” Teilnehmer am System.”
VWL ist bei mir echt lange her. Aber gab es da nicht mal soetwas wie S = I ? Gibt es das immer noch oder braucht man heute keine Sparer mehr?
Das ist mir auch zu eindimensional gedacht. Wir sind doch in mehreren Funktionen unterwegs. Ich bin Sparer, Konsument, Unternehmer, Investor. Alles gleichzeitig. Da wäre es mir schon sehr recht, wenn ich mich auf ein stabiles Geldwesen stützen könnte; in allen Funktionen.
@ enigma
Schöner Beitrag. Vorweg: ich bin sicher kein Goldromantiker, auch wenn ich Gold als Versicherung überdenkenswert finde.
—”Ich weiß also nicht, wo Du AUSGERECHNET bei einer Zentralbank so was wie Planwirtschaft siehst, wo doch genauer betrachtet gerade darüber gerätselt wird, wie man die Geldmärkte wieder in den Griff bekommt. Ich sehe da keine Planwirtschaft sondern nur schlecht verpackte Hilflosigkeit!”
Hilflosigkeit ist schon das richtige Wort. Selbstverschuldete Hilflosigkeit noch besser. Ich meinte auch letztlich eine Planwirtschaft, bei der der Plan nicht aufgeht – wie bei allen Planwirtschaften. Gerade weil das so ist, bin ich dagegen, dass es überhaupt versucht wird. Meine Anmerkung war sicherlich ein wenig platt. Dass eine Zentralbank ein gewünschtes Ergebnis auf lange Sicht nicht errreichen kann, ist schon klar. Aber sie kann den Lauf der Dinge beeinflussen. Und das leider in die falsche Richtung. Deshalb sollte sie es gleich lassen. Und wenn die Steuerung über den Zins nicht funktioniert, warum setzt sie dann einen fest?
—”So richtig das ist, so uninteressant ist das auch, denn ohne soziale Interaktion verliert sogar Gold seinen “Statuswert”! Vielleicht liegt ja dort die “Wurzel” die Du suchst, woraus man dann einen gerechtfertigten “Geld”-Begriff bilden kann, um sich Klarheit über das Geldwesen zu verschaffen. Vielleicht sind ja Heinsohn / Steiger die Favoriten für Dich.”
Ohne soziale Interaktion brauchen wir überhaupt keine Wirtschaft. Da sind wir dann alle Selbstversorger. Geld brauchen wir dann auch nicht mehr. Den Gedanken müssen wir nicht weiter verfolgen.
Heinsohn/Steiger hab ich mir mal angeschaut, ebenso wie dottore PCM (mittlerweile ist mir eingefallen, dass damit wohl Paul C. Martin gemeint war). War beides nichts für mich. Ich weiß schon nicht mehr, warum. Ich hab ja in den letzten beiden Jahren viele Bücher gewälzt. Am besten hat mir bislang Hülsmanns “Die Ethik der Geldproduktion” gefallen. Eine in sich stimmige Fleißarbeit von den Anfängen des Geldes bis heute; zumindest für mich. Kann ich als Lesetip guten Gewissens empfehlen.
Muss jetzt Fussball gucken.
@ bazi 167
Na, dann haben wir ja auch schon DAS Vorbild: “Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!” Egon Olsen
“Im selben (14.) Film bezeichnet Inspektor Jensen Egon als Gentleman, mit der Begründung, er habe wenigstens immer nur illegale Verbrechen begangen, nicht wie viele Wirtschaftsverbrecher „heutzutage“, deren Verbrechen legal sind.” Wikipedia
@Holger #166
Du hast völlig Recht. Umsätze in Gold sind in der EU ab 2000 umsatzsteuerfrei geworden. Das wusste ich noch nicht. Lese halt keine Zeitung und habe keinen Fernseher. Ich ging immer noch von dem alten Stand (vor 2000) aus. Damals musste man den vollen Mwst-Satz zahlen (das waren 16 % damals).
http://dejure.org/gesetze/UStG/25c.html
@Holger
Danke für den Hinweis betreffend der Mwst. Werde mir also überlegen, ob ich mir einen Goldbarren kaufen soll. Weiss nur noch nicht, wo ich ihn verstecken soll…
@ guang_hualu
wenn du nichts dagegen hast, ich passe darauf auf wie eine Fuchselster oder eine Steinlaus.
Oder schluck ihn runter
wenns Bong in der Schüssel macht, musste wieder runterschlucken
Das beste versteck ist, mach dir daraus Blumenkästen, und mal die an.
@bazi
“Am besten hat mir bislang Hülsmanns “Die Ethik der Geldproduktion” gefallen. Eine in sich stimmige Fleißarbeit von den Anfängen des Geldes bis heute; zumindest für mich. Kann ich als Lesetip guten Gewissens empfehlen.”
Hülsmann?! Sieh mal sein Idol Murray:
http://en.wikipedia.org/wiki/Murray_Rothbard
Die Frage wieso dieser freie Markt immer wieder zu Kriegen und Krisen geführt hat, kann von der Österreichischen Schule nicht beantwort werden. Die Fortsetzung dieser Gedanken für dann zum Recht des Stärkeren.
In der praktischen Umsetzung des Kapitalismus bleibt zudem noch die Frage bei diesen von Murray, Hüllsmann et. al. vertretenen Ansatzes, auf wen man die Schulden in einem solchen System abwälzen will? In der letzten Finanzkrise hätte ich mir gewünscht, dass die CDU/SPD – Regierung sich an Herrn Hülsmann’s vertretenen Ideen eines “staatsfreien Marktes” gehalten hätte. Die 152 Mrd. Hilfe an die deutschen Banken wären dann den deutschen Bürgern erspart geblieben.
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/soffin-sagt-banken-152-milliarden-euro-hilfe-zu;2233271
(Zahlen sind etwas veraltert,habe ncihts neueres gefunden)
@holger
Nee, Blumtöpfe reichen da nicht aus, ich habe dabei mehr an so etwas wie auf dem Bild unten gedacht:
http://basicmotion.files.wordpress.com/2009/03/dagobert_duck_geld.jpg
@ guang_hualu
und die Panzerknacker? Gundula von der Schäuble? Mach Blumentöpfe daraus.
Stell die vor die Tür, das merkt keiner.
Nachtrag zu 172 @bazi
Vielleicht habe ich mich oben nicht ganz verständlich ausgedrückt, daher hier ein Zusatz dazu. Ich wollte oben auf die alte Weisheit “Gewinne werden individualisiert, Schulden sozialisiert” anspielen. Wenn Du das soziale in der sozialen Marktwirtschaft entfernst, auf wen werden dann die Schulden gewälzt? Hat Hülsmann dazu eine Idee oder glaubt er, der MARKT wirds regeln? Vielleicht mit Gottes Hand?
@Systemfrager #24:
Es ist halt nur ein intertemporaler Transmissionsmechanismus. Oder: Alle laufen wie eine Meute wirklich einer Illusion hinterher.
@systemfrager #162
“Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
Einstein”
Beeindruckendes Zitat, wirklich.
Ich hab auch eines:
” Es reibt sich mit der Lotion ein, wann immer man es ihm sagt!”
( Jame Gumb, Schweigen der Lämmer)
Weil Halloween ist.
@guang_hualu
Wir schreiben das Jahr 2009 …..
Damit Du Dir zum Thema Edelmetall und MWSt einen Überblick verschaffen kannst!
http://www.proaurum.de/preisliste.jsp?action=showList
mal kurz vom Gold weg.
Heute startet ja der große Räumungsverkauf bei Quelle. Ca. 18 Millionen Artikel müssen raus.
Ist das nicht ein schönes vorweihnachtliches Geschenk, für den Ottonormalo?
Wie wird das Weihnachtsgeschäft beim Wettbewerb laufen?
ca. 2 bis 4 Milliarden Euronen zieht wohl Quelle, an Kaufkraft ab.
Punsch, Glühwein, Curry oder Bratwurst mal außen vor.
@ enigma
Über deine Bemerkung zu meinem “sozialistischen Geld” habe ich noch einmal nachdenken müssen:
—”Ohne das -istisch- ergibt Dein Satz ja sogar Sinn. Denn das ist ja auch das EINZIGE, was goodnight immer wieder durch den Kakao zieht. Und das ist auch richtig, unabhängig davon ob Geld als Tauschmittel, Geschöpf der Liquiditäts- oder Eigentumsprämie oder staatlicher Steuern konzipiert wird.
Ich würde es begrüßen, wenn du rechts hättest mit der Idee, Geld sei sozial, nur weil es Interaktion ermöglicht. Die Realität sieht in unseren inflationären Zeiten leider anders aus. Wenn das ungedeckte Geld, das heute so gerne vermehrt wird, gleichmäßig auf die Bevölkerung verteilt würde, könnte ich deinen Satz unterschreiben. Wird es aber nicht. Das macht unser Geld im Grunde sogar asozial. Ich zitiere mal Altmeister Erhard:
“Die Inflation ist schlechthin Volksbetrug. Sie bedeutet eine permanente Verschiebung von Vermögenswerten innerhalb der verschiedenen Gruppen. [...] Man kritisiert die marktwirtschaftlichen Vorgänge, lastet sie der Marktwirtschaft an, obwohl es Inflationsfolgen sind, die nicht im Markt, sondern in der Überforderung des Marktes durch zu lockere Geldpolitik, zu hohe Löhne oder durch eine inflationistische Erweiterung der Staatsaufgaben [...] liegen.”
Ich denke, er liegt richtig damit.
Das Grundproblem beim Geldverständnis bleibt mE die begriffliche Vermischung von Warengeld und Schuldgeld. Beides wird heute als Geld bezeichnet. Das ist genauso falsch wie verhängnisvoll. “Feuer” und “Wasser” werden ja auch nicht unter dem Begriff “Feuer” vereinheitlicht.
Sprache ist sehr wichtig. Sie kann sehr präzise sein. Und sie sollte sehr präzise sein. Unsaubere Sprache gebiert unsauberes Denken. Unsauberes Denken führt zu vermeidbaren Fehlschlüssen. Fehlschlüsse führen zu unrealistischen Erwartungen (um auf Minsky zurückzukommen). Unrealistische Erwartungen führen zu Fehlallokationen und letztlich zu Wohlstandsverlusten. Um diese Fehlallokationen nicht auflösen zu müssen, pumpt man einfach noch mehr Schuldgeld in den Sumpf. Feiglinge.
Das einzige, was gegen die Krise hilft, ist die Krise. Man muss sie nur zulassen.
(Ich übernehme hier mal die mainstream-Bezeichung für die gegenwärtige Situationsbeschreibung der Wirtschaft. Persönlich würde ich “Bereinigung” vorziehen.)
Der Mensch ist ein merkwürdiges Geschöpf. Geht es aufwärts, so hält er das für normal und klopft sich auf die Schulter. Geht es mal abwärts, so sucht er händeringend nach einem Schuldigen. Dabei erwischt es regelmäßig die Falschen.
@ holger # 179
Dem Internet sei Dank, es konnte ja mal wieder niemand mit solch einem Ansturm ‘rechnen’ – sind die Server bei Quelle (Verlautbarung meines Radios) erst einmal zusammengebrochen…
@ guang_hualu
Griffiger Name.
—”Die Frage wieso dieser freie Markt immer wieder zu Kriegen und Krisen geführt hat, kann von der Österreichischen Schule nicht beantwort werden.”
Mal ehrlich. Welcher Markt hat jemals zu Kriegen geführt? Kriege sind immer politischer Natur. Wirtschaft verbindet, Politik trennt. Niemand bekämpft seine Kunden.
—”In der praktischen Umsetzung des Kapitalismus bleibt zudem noch die Frage bei diesen von Murray, Hüllsmann et. al. vertretenen Ansatzes, auf wen man die Schulden in einem solchen System abwälzen will?”
Ich denke nicht, dass bei Befolgung dieses Ansatzes diese Schulden überhaupt entstehen würden bzw. entstanden wären. Von daher geht die Frage an die falsche Adresse.
—”Die 152 Mrd. Hilfe an die deutschen Banken wären dann den deutschen Bürgern erspart geblieben.”
und
“Wenn Du das soziale in der sozialen Marktwirtschaft entfernst, auf wen werden dann die Schulden gewälzt?”
Um konkret zu sein: ich hätte alle hops gehen lassen.
Und bitte: das soziale an der sozialen Marktwirtschaft ist nicht das Wörtchen “sozial” sondern die Marktwirtschaft selbst. Auch hier zitiere ich mal Altmeister Erhard:
“Nichts ist darum in der Regel unsozialer als der sogenannte ´Wohlfahrtsstaat´, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken läßt.”
Wohlfahrt für Banken. Krude Idee.
@ Wat #181
Schön ne?
wie lange man doch eine Insolvenz hinauszögert, und Zeit und Termingerecht
zufällig kurz mal das Weihnachtsgeschäft, mitnimmt. Einen besseren Zeitpunkt konnte es gar nicht geben.
Der Wettbewerb wird schon in die Hände klatschen. Gerade was Elektronik Artikel und Haushaltsgeräte betrifft.
@ bazi # 182
“Mal ehrlich. Welcher Markt hat jemals zu Kriegen geführt? Kriege sind immer politischer Natur. Wirtschaft verbindet, Politik trennt. Niemand bekämpft seine Kunden.”
Hast du so etwas wie ein Bühnenprogramm? Kann man das Live sehen? Oder sind alle Vorstellungen schon ausverkauft?
@ bazi: „Kriege sind immer politischer Natur. Wirtschaft verbindet, Politik trennt. Niemand bekämpft seine Kunden.“
Das ist wirklich nicht zu fassen, was dieser Mensch immer wieder für eine Idiotie erzählt. Na ja – man bleibt anonym und dann kann es nicht schaden. Nein, „niemand bekämpft seine Kunden“ – auch Mafia nicht – sondern seine Konkurrenz. Auch die deutschen verlogenen, raffgierigen und kriminellen Wirtschaftskapitäne – heute wollen sie sich Leistungsträger nennen – bekämpfen „nur“ ihre Konkurrenz in der EU und in der Welt – und zwar durch Dumpinglöhne. Wie lange wird die EU diesen dritten deutschen Totalkrieg ertragen?
Übrigens, was sind die Politiker: In den USA sind sie alle Millionäre, die für ihre Multinationale Firmen die Kriege organisieren. Die „entwickelte“ parlamentarische Demokratie ist nichts als eine Plutokratie. Und der Kapitalismus ist der ewige Krieg. Die kommunistischen Ländern haben, und dies sehr selten, nur an ihren Grenzen gekämpft. Die USA kämpfen tausende von Kilometern entfernt.
Hat dieses Blog es nötig, Fische zu füttern?
@ Dipfele # 186
Wenn es nur um einen solchen gehen würde, nee, bestimmt nicht.
Allein ‘da draußen’ ticken Tausende und Abertausende so.
Sie wollen von der Politik in Ruhe gelassen werden.
Der Markt richtet alles von selbst, man müsse ihn (den Markt) nur lassen.
Daß Politik aber die Markt-Grund-Ordnung vorgibt, sprich das Eigentum mit dem man den Markt betritt, also desjenigen Eigentum sichert, das wäre intellektuell in diesem Stadium schon eine als zu anspruchsvoll zu wertende Leistung, genau dies zu erkennen.
Jahrzehntelange Gehirnwäsche hat da prächtig funktioniert.
Es gilt ihnen – Kapitalismus ist prima – man müsse ihn nur mal richtig lassen.
In dem speziellen Fall kommt dazu, daß man nicht mal im produzierenden Bereich sein Unternehmen hat, sondern in der Dienstleistung.
Es wäre also als allererstes zu kapieren, daß man in einer Art ‘Transferbereich’ tätig ist und keine wirklichen Werte schafft.
Also nicht Fische füttern sondern der vielleicht vergebliche Versuch ‘Hirn regnen zu lassen’…
@ bazi 180
“Das einzige, was gegen die Krise hilft, ist die Krise.”
Eben! Eine Krise zeichnet sich nicht dadurch aus, daß der Kapitalismus mit der Krise untergeht, sondern dadurch, daß eine Krise eine systemkompatible Stabilisierungsreaktion darstellt. Insofern wurde durch die staatlichen Rettungsaktionen VERHINDERT, daß das, was Du “Fehlallokationen” genannt hast, beseitigt wird. Soll heißen, daß die Implosion des “Finanzbauches” durch Geldinjektion weitgehend abgeschwächt wurde. Warum? Offenbar hat man es als zu riskant empfunden, den ganzen “Sparern” klipp und klar zu erklären, daß ihre “Spareinlagen” sich in Luft aufgelöst haben. Ausgerechnet in Deutschland hat man ärgerliche Erfahrungen damit, was passieren kann, wenn das (eigentlich) staatstragende Bürgertum um sein (Finanz-) Vermögen gebracht wird! Das Ergebnis ist, daß die Blase die eigentlich mit PUFF! platzen würde nur ein bißchen PFFFT! gemacht hat und damit im wesentlichen NOCH DA ist. Insofern ist keine (Grund-)”Bereinigung” erfolgt, sondern lediglich eine “Katzenwäsche”!
@ systemfrager
—”Nein, „niemand bekämpft seine Kunden“ – auch Mafia nicht – sondern seine Konkurrenz. Auch die deutschen verlogenen, raffgierigen und kriminellen Wirtschaftskapitäne – heute wollen sie sich Leistungsträger nennen – bekämpfen „nur“ ihre Konkurrenz in der EU und in der Welt – und zwar durch Dumpinglöhne.”
Wir sprachen von Krieg, nicht von Konkurrenz. Ich sehe da schon einen Unterschied. Ich habe auch noch keinen deutschen verlogenen, raffgierigen und kriminellen Wirtschaftskapitän in einem Panzer durch die EU rasen sehen. Merkwürdiges Weltbild. Konkurrenz ist ein evolutionärer Prozeß, kein kriegerischer.
Dumpinglöhne? Hmmm… aus wessen Sicht?
—”Die USA kämpfen tausende von Kilometern entfernt.”
Richtig. Und wer schickt die Soldaten dahin? Bill Gates oder Politiker? Ich weiß, scheiß Millionäre. Wenn ich von Politikern rede, beziehe ich mich nicht auf die – von mir aus korrupte – Person des Politikers sondern auf seine Funktion. Wenn du es so siehst, wirst mich in einem lichten Moment vielleicht verstehen können.
@ Wat.
—”Daß Politik aber die Markt-Grund-Ordnung vorgibt”
finde ich gut und richtig. Sie sollte sich aber auf die Rahmensetzung beschränken. Das Malen des Bildes sollte sie anderen überlassen.
Komm mal von deinen Vorurteilsreflexen runter. Wenn jemand “Kapitalismus” sagt, ist er nicht gleich Anarchist oder Marktradikaler. Ist ja peinlich.
Er hat Jehovah gesagt, er hat Jehovah gesagt….
Ich halte gleich noch meine Sandale hoch…
—”Es wäre also als allererstes zu kapieren, daß man in einer Art ‘Transferbereich’ tätig ist und keine wirklichen Werte schafft.”
Autsch. Da hat aber einer von arbeitsteiliger Wirtschaft viel verstanden.
@ enigma
Heinsohn bei Sloterdijk:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/872518
Jetzt weiß ich auch wieder, was mich bei ihm gestört hat. Für ihn war offenbar der erste Mensch ein Banker. (Kredit ist der Anfang der Marktwirtschaft, uiuiui)
@bazi #189
Persönliche Zwischenfrage: warum tust du dir diese Diskussion an? Das grenzt an Masochismus
PS: Der Gunnar? Ein Spinner! Meine Meinung. Ist aber gerade deswegen wichtig. Sonst haben wir nur mehr Eugene Famas.
@bazi #189
Hier noch zwei Bilder:
Poverty1
Poverty2
Und die Studie dazu: http://papers.nber.org/papers/w15433 Scheiss Marktwirtschaft! Freundschaft!
@ bazi # 189
Richtig. Peinlich ist etwas anderes.
Wenn jemand den Kapitalismus als solches ‘gut findet’, sollte dieser wenigstens wissen, daß er damit die ‘Freiheit des Kapitals’ gut findet.
Diese Freiheit (und nur diese) hat Staat und Politik zu schützen in diesem System, das sich da Kapitalismus (nicht zu unrecht) nennt.
Dann gucke jeder, ob er 1) Kapitalist ist 2) also Kapital, nicht einfach Geld hat und 3) es nicht noch welche mit viel größerem Kapitalvermögen gibt und 4) damit Staat und Politik seine Interessen vertritt.
Noch besser als gucken ist denken.
Arbeitsteilung, ja und weiter…
Und jetzt komme ich auf meine Wünsche aus dem letzten Thread zurück – Alles Gute.
@bazi
http://de.wikipedia.org/wiki/Xe_%28Unternehmen%29
Die erschiessen nicht ihre Kunden die erschiessen für ihre Kunden
@bazi
und die vergiften auch nicht ihre Kunden sondern für ihre Kunden und für ihre Eigentümer.
http://www.youtube.com/watch?v=lbpuSPL-FNU
Die Demokratie ist mit den Nationalstaaten entstanden und fest mit ihnen verbunden. Kapital(ismus) ist es nicht (mehr) und International ohne Kontrollen und Verkehrsschranken. Demokratie kommt darin nicht mehr vor. Laut Tietmeyer stimmen seit Mitte der 90er Jahre die Finanz”märkte” über die Politik ab. Spätestens ab da hat die Selbstabdankung der Politik stattgefunden. Alles schönvernebelt auf Autopilot, Politik ist nur noch Showbusiness, hier und da etwas “nach(verschlimm)bessern”, das wars..
Amen, oder?
@ 13 – ich wäre für ‘oder’.
Nur auf das ‘oder’ müssen andere von ‘alleine’ kommen, zwingen bringt da gar nichts.
(Meine ich als ‘Erfahrung’ gelehrt bekommen zu haben, oder?)
(Wat., ‘Erfahrung’ gelehrt klingt nicht so gut. Du mußt/solltest/könntest e s in Dir f ü h l e n, e r t a s t e t haben..)
@ 13
Wie macht man anders Erfahrungen?
Nur mit dem Kopf – nee, das wäre ein Computer- oder Modellergebnis.
Ich bin ein Mensch, wenn ich auf die Schn**** falle mit meinen Wünschen, Hoffnungen, Idealen, ich sehe, daß ‘die’ Menschen (natürlich mich selbst eingeschlossen) sooo nicht weiter kommen, dann tut das weh, verdammt weh.
Gut, Herz muß man dafür haben, Kopf, Augen, eine Magengrube auch… eben ein ‘Mensch’ sein und ‘sich selbst fühlen’ können.
Ich meinte also schon meine eigenen und nicht durch andere vermittelte Erfahrungen. Denn es sind die, die uns (leider in den allermeisten Fällen) als einziges zum ‘Umdenken’ veranlassen.
Alles in allem: Es geht immer nur um Disziplinierung …. die Politik hat dem Kapital zu Diensten zu sein ….
Zitat aus einer Broschüre der Deutschen Bundesbank. (wo finden sich sonst noch so klare Worte???)
Darüber hinaus wurden alle Kapitalverkehrskontrollen aufgehoben, um den Weg für eine wirksamere Disziplinierung der nationalen Wirtschaftspolitiken durch die Kapitalmärkte freizumachen. http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec2/geld2_gesamt.pdf
(Buch S90 PDF S45)
Stufenplan Bereits am 1. Juli 1990 begann die erste Stufe der WWU. Hier ging es vor allem darum, die nationale Geld- und Fiskalpolitik stärker auf die Erfordernisse der Preisstabilität und Haushaltsdisziplin auszurichten. Dazu sollten auch Maßnahmen beitragen, die die Unabhängigkeit der Notenbanken von den Regierungen stärkten. Darüber hinaus wurden alle Kapitalverkehrskontrollen aufgehoben, um den Weg für eine wirksamere Disziplinierung der nationalen Wirtschaftspolitiken durch die Kapitalmärkte freizumachen. Zu Beginn der zweiten Stufe am 1. Januar 1994 wurde das Europäische Währungsinstitut (EWI) als Vorgänger-Institut der EZB mit Sitz in ….
@bazi
“Und bitte: das soziale an der sozialen Marktwirtschaft ist nicht das Wörtchen “sozial” sondern die Marktwirtschaft selbst. Auch hier zitiere ich mal Altmeister Erhard:
“Nichts ist darum in der Regel unsozialer als der sogenannte ´Wohlfahrtsstaat´, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken läßt.””
Von dieser Art Marktwirtschaft haben wir uns weit entfernt. Im Wilden Westen vor 300 Jahren in Amerika, da hätte ich mir noch eine solche Art Gesellschaft wie Hülsmann und Co. sie fordern vielleicht noch vorstellen können. Aber nicht in der heutigen Industriegesellschaft. Wo ist denn z.B. die Verantwortung eines Mitarbeiters der Controlling Abteilung bei VW oder die eines Vorstands Assistenten bei der Commerzbank AG? Ob in der Position eines Tarifangestellten oder ob in der Positon eines Ressortleiters oder auch der des Geschäftsführers, egal, die schwimmen sich da aus meiner Sicht (und Erfahrung) alle nur durch…Dickes Fell und die Fähigkeit sich selbst zu belügen vorausgesetzt.
@Bazi
Sieh mal hier.
http://www.spiegel.de/video/video-1028561.html
Was hätte Altmeister Erhard mit Typen wie Nonnenmacher gemacht? In den einem Punkt gebe ich Dir völlig Recht. Ich hätte die auch alle hops gehen lassen…
@Bazi #182
“Mal ehrlich. Welcher Markt hat jemals zu Kriegen geführt? Kriege sind immer politischer Natur. Wirtschaft verbindet, Politik trennt. Niemand bekämpft seine Kunden.”
Wenn Du die Verbindungen der Links auf Hülsmann Homepage (www.guidohulsmann.com) richtig liest, wirst Du feststellen, dass von Hülsmann der Weg direkt zu den Republikanern führt.
“Niemand bekämpft seine Kunden.”
Nein, aber man will sich Rohstoffmärkte sichern (z.B. Irak-Krieg) oder strategische Punkte sichern, welche zur Aufrechterhaltung der Handelsstrassen notwendig sind (z.B. Panama-Krieg), aber auch Afghanistan rechne ich dazu. Durch Kriege und das Eingehen von militärischen Bündnissen will man sich eine weltweite Handelszonen schaffen. Dabei stecken internationale Organisationen und Verträge den Rahmen der Handelsbeziehungen in dieser Zone ab. Kunde ist, wer Mitglied der WTO ist. Wer sich diesem Markt entzieht, wird schnell zum Feindesstaat deklariert, falls er nicht sonst irgendwie etwas anzubieten hat.
Dazu ein Beispiel. Wieso die Konfrontation zwischen USA und Nord-Korea, wenn nicht marktwirtschaftlich bedingt? Hier wird der internationalen Bühne gezeigt, dass Amerika in Asien nicht aufhört. Müssten nicht eher die direkten Nachbarn, also Japan, China und Russland auf Konfrotation mit Nord-Korea gehen? Wieso interessieren sich gerade die Amerikaner für die Atom Ambitionen der Nord-Koreaner? Weil es ihnen an einem sicheren Planeten für uns ALLE gelegen ist? Wieso ist ihnen dann die Umwelt so fürchterlich egal? Das gibt aus meiner Sicht alles kein schlüssiges Bild.
@bazi
>(Kredit ist der Anfang der Marktwirtschaft, uiuiui)
Das stimmt auch. Kredit gab es ca 3000 Jahre eher als Märkte. Und auch in den sich entwickelnden Agora-Marktwirtschaften der Polis handelten zunächst schwer verschuldete Kleinbauern, lange bevor die Hauswirtschaften daran gingen, dort ihre Überschüsse zu verkaufen.
Die Geldgeschichte hat er schon ziemlich gut drauf, der Heinsohn. Auch wenn ich mittlerweile stärker der Ansicht von PCM zuneige, dass sich alles aus Abgabenschulden entwickelt hat. Je mehr man über die Antike liest, umso öfter begegnen einem die Steuerschulden, man glaubt es gar nicht. Selbst das Wort “Philanthrop” bezog sich, nachdem es ganz am Anfang nur Göttern zugeschrieben wurde, später auf Herrscher und Verwalter, die ihre “Menschenfreundlichkeit” wie zeigten? Durch Erlass von Abgabenschulden.
@wgnx
Kredit ist der Anfang von Marktwirtschaft. Unsinn! Diese völlig abgedrehten Ansichten a’la Heinsohn gehen mir schön langsam echt am Senkel.
Gegenbeispiele: In den Kriegsgefangenlagern in DE im WW2 sidn Märkte enstanden. Das Zahlungsmittel Zigaretten. (Radford, R The Economic Organisation of POW Camp, 1945) In Zaire heute Kongo haben in den Lagern ruandische Flüchtlinge >82.000 Unternnehmungen gestartet und einen lokalen Markt geschaffen. (Wrong Michaela, In the footsteps of Mr. Kurtz, 2000)
Menschen schaffen Märkte um Probleme zu lösen und geben einen Scheiss auf ökonomische Pseudo-Philosophien von einem Herrn Schlau aus Wien.
@wgnx
Abgaben/Steuerschulden sind NICHT Kredit!
Sas sind Zwangsentrichtungen, letztlich gewaltbasiert, die, wenn nicht gezahlt, in die Verschuldung führen. Das hat mit dem normalen “modernen” Kredit, der für Investitionen gegeben wird, null & garnix zu tun.
PS: Man erkennt das schon daran, dass man, um steuerpflichtig zu werden, keine Sicherheiten braucht ..
… Steuerpflicht, Steuerschuld – und nur mit schönen bunt bedruckten Zetteln kann sie geleistet/beglichen werden. erst diese Vereinbahrung zwischen Steuerherr und Drucker macht aus den schönen bunten “Zetteln” etwas “Werthaltiges” … (dieser Zettel ist “Geld” – )
… ist doch was schönes, dieses Privileg “Drucken” zu dürfen …… es gibt nichts vergleichbares auf dieser Welt
@ WGNX 203
“Kredit gab es ca 3000 Jahre eher als Märkte.”
Wie kann man sich das vorstellen?
Wer war der Kreditor und wer der Debitor?
Was hat man mit dem Kredit gemacht?
Märkte entstehen da, wo der Mensch in der Gruppe lebt, und eine Arbeitsteilung vorherrscht bzw. Spezialisierung. Ob die Gruppe nun unentgeldlich oder entgeldlich, die Waren, Dienstleistungen etc. pp. jeden Gruppenmitglied überläßt, ist sekundär.
… Märkte gibt es hier und dort – und da auch – überall – und ist es von Vorteil die von der Schutzgeldmafia”Lizensierten Zettel” bereit zu haben …
Die “Schutzgeldeintreiber” sind überall (und sie Schützen mit ihren Knüppel dein Eigentum – aber dieser Schutz hat eben seinen Preis)
Es ist so fantastisch geschrieben (ad-sinistram.blogspot.com), dass ich es hier zitieren muss:
„(All diese Mittigen, die sich in Leserbriefen, Gästebüchern, Foren auskotzten, die am Stammtisch und in geselligen Runden aufwiegelten, ihren Nachbarn und Bekannten ein Lehrbeispiel in Sachen Menschenverachtung gaben, all diese Befürworter enger Regelsätze, Schönredner schmaler Transferleistungen, Apologeten noch kleinerer Überweisungszahlungen, all dieses aufgehetzte Personal also … Diese lächerliche Kopie der Bourgeoisie, Schlipsproletariat und Karikaturen ihrer Herrn, Geiferer und Treter nach unten, Feinde des faulen Lenz, Todfeinde der im Lenz Faulenden, dieses Konglomerat aus Kesseltreibern und Einpeitscher ängstigt sich jetzt um ihre schlackernde Stellung. …
Wie irrational von ihnen, nun plötzlich in Angststarre zu verfallen. Skurril, dass man ausgerechnet jetzt die üppig gepolsterte Hängematte nicht zu erkennen vermag.
Seid mutig, ihr Mittigen, so mutig wie einst, als ihr mutig die Finger in die Wunden derer gelegt habt, die sich nicht mal Verband leisten konnten, um sich notdürftig zu umwickeln. So furchtlos wie damals, als ihr der Wahrheit zum Durchbruch verholfen habt, jener Wahrheit, man könne auch von Luft und Liebe und Almosen ein sattes Leben führen. Geht mit demselben Mut in eure schmarotzende Zukunft, legt euch angstlos in die Hängematte!“
Ja, wir Recht hat Roberto-Ad-sinistram. Recht? Nein. Er spricht nur offen über die Zukunft, die eigentlich schon begonnen hat, nur die Narren wollen sie nicht sehen. Es war ein Quatsch, wenn man sich von der Wahl der rechts-liberalen Regierung erhofft hat, jetzt würden die Unterschichten richtig bluten. Nein. Die bluten schon längst. Dort wird man nichts mehr was großartig tun können. Sonst wird der Arme auf die Idee kommen, besser im Kampf als am Hunger zu sterben.
Und dass wissen die Merkels, (Un-)Sinns, Westerwelles, … Und sie wissen auch, dass sie dies nicht wollen können. Oh, ja!
Nein, die neue Regierung wird nicht einen Kreuzzug gegen die Unterschichten starten. Ach was! Blödsinn! Sondern gegen die mit all den Mythen umworbene „Neue Mitte“.
Es beginnt das Opferfest der „Neuen Mitte“. Das Blut wird in Strömen fließen …
Wir lesen und staunen:
„Nach monatelangem Überlebenskampf meldet der über 100 Jahre alte US-Mittelstandsfinanzierer CIT Insolvenz an. Das Unternehmen will sich nach eigenen Angaben unter Gläubigerschutz sanieren. Dabei will das Institut einen Teil seiner Schulden abschütteln.“
Noch eine sozialistische Bank aus der Reagan-Bush-sozialistischen Ära der USA geht pleite. Ist doch wahr. Oder?
@systemfrager
sage mal, machst Du Dir eigentlich auch mal den einen oder anderen Gedanken über den pragmatischen Kontext solcher Donnerworte, d.h. wer sagt da was zu wem mit welcher Absicht? Ich lasse mich gern eines besseren belehren, aber mir fällt zu sowas – angesichts der kompletten Belanglosigkeit solcher Aussagen: Niemand fühlt sich durch sie informiert, angegriffen, herausgefordert, motiviert – nur dies ein: lunatic fringe! – Was mich wirklich stört ist, dass es die Kritiker der bestehenden Verhältnissen den Apologeten der Verhältnisse so unglaublich einfach machen, sie zu marginalisieren. Und ich meine, dass Kritiker bestehenden Verhältnisse diese ihre Marginalität mal ernsthaft und systematisch reflektieren sollten. Gesellschaftskritik kann sich doch nicht darin erschöpfen, aus der Perspektive der schon Verelendeten die kommende Verelendung derer zu beklatschen, die ehemals auf sie herabschauten. Ich meine, was ist das denn für eine hilflose Geste!
@ Morph : Was du nicht sagst!
„die Kritiker bestehenden Verhältnisse sollten ihre Marginalität mal ernsthaft und systematisch reflektieren“, sei machen es ihren Gegnern „unglaublich einfach“
Und warum regt dich jetzt eine Kritik eines Marginalisierten so auf? Lass mich raten:
Die Zahl dieser „Marginalisierten“ wächst wie Pilze nach dem Regen. Die Helden des kalten Krieges und die Totengräber des Abendlandes bekommen kalte Füße … Keiner will mehr Luhmann und Sloterdijk lesen, sondern man ließt diese „Marginalisierten“, die nur “gegen etwas” sind …
Stimmt … oder habe ich Recht?
@systemfrager
keine Ahnung, ob Du Recht hast. Mich regt die Kritik von ad-sinistram auch nicht auf, weil sie mich und meine Interessen angreift; es ist mir vollkommen wurscht, ob oder wieviele Leute Sloterdijk, Luhmann oder Systemfrager lesen. Mich stört, dass Gesellschaftskritik so häufig in begriffslose Empörung, Häme usw. umschlägt.
Ich kann mich mit der Kritik am Vertrauen auf das positive Regulativ der ‘Märkte’ durchaus identifizieren, ich habe aber den Eindruck, dass radikale, revolutionär motivierte Kritiker der bestehenden Verhältnisse, vielleicht ohne dass sie es wollen und wissen, das Geschäft der herrschenden Interessen betreiben; spätestens seit Mitte des 20. Jh.s hat sich das Revolutionsthema erledigt, und typischerweise erschöpft sich revolutionärer Elan heute im “Ätsch!” sagen, wenn es den Nutznießern der herrschenden Interessen mal an den Kragen geht. Das ist in jeder Hinsicht, theoretisch, moralisch, pragmatisch, ein Verfallsstadium von Kritik. Zwischen dem (pseudo)neoliberalen “Eure Armut kotzt mich an!” und dem (pseudo)radikalen “Es beginnt das Opferfest der ‘Neuen Mitte’. Das Blut wird in Strömen fließen!” kann ich keinen Unterschied erkennen: lunatics of all classes & countries, unite! — I prefer not to…
@ Morph: Weiß du was mich ankotzt? Wenn die stolzen postmodernen Pragmatiker, also: Nichtdenker, Antidenker, Antilogiker, Antianalytiker, Antiwissenschaftler, Moralrelativisten, … bei ihren Kritiker nicht als nur eine plumpe Kritik (von gestern) sehen können. Und diese können sie nicht ertragen – du kannst sie ebenfalls nicht ertragen. Wo warst du aber bitte, als man mit „Eure Armut kotzt mich an!“ das Land ruiniert hat? Das konntest du ertragen! Oder? Sag mir ein einziges Beispiel, dass du etwas dagegen getan hast?
Aha! Und wenn die Gegner jetzt mit Gleichem zurückzahlen, das treibt dich in den Wahnsinn. Wie nennt man das: Verlogenheit, Opportunismus, Heuchelei, moralische Verdorbenheit, … ?
Außerdem unterscheidest du offensichtlich die „Ätsch-Kritik“ nicht von einer Analyse. Ja, dass ist eine Analyse, wenn ich behaupte, dass wir jetzt in eine Phase kommen werden, wo
Die (neo-)liberale Revolution ihre Kinder fressen wird!
Nebenbei angemerkt: Die letzten drei Jahrzehnte sind nur ein Abklatsch dessen, was in der Weimarer Republik geschah. Die Geschichte wiederholt sich:
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ba/40m/ba40m-2klick-winup1.html
@systemfrager
“Sag mir ein einziges Beispiel, dass du etwas dagegen getan hast?
Aha!”
Da Du mich so gut zu kennen glaubst, sogar für mich (nicht) antworten kannst, möchte ich Deine Selbstgespräche nicht weiter irritieren. (Die Verve Deiner Rhetorik zeigt mir, dass Du viel Spaß beim Schreiben hast. Das freut mich!).
So long!
@ Morph
Das war ein ziemlich elender Rückzug. Und es begannn so vielversprechend: man würde jetzt den „Marginalisierten“ Scham ins Gesicht treiben …
Schade, schade, …
@ morph, Systemfrager
Hat die “Neue Mitte” überhaupt irgendeine gesellschaftliche Substanz, oder ist es nicht vielmehr ein reiner Propagandaausdruck, mit dem halbprekären Arbeitskraftunternehmern mit Hochschulabschluß suggeriert werden soll, sie seien so etwas wie ein neues Bürgertum? Den Arbeitern wurde in der Sowjetunion ja auch erzählt, sie seien die herrschende Klasse.
@ holger
“Märkte entstehen da, wo der Mensch in der Gruppe lebt und eine Arbeitsteilung vorherrscht bzw. Spezialisierung.”
Eine verbreitete Auffassung, die aber wohl nicht den historischen Fakten entspricht. Der Karl Polanyi etwa referiert in seiner “Great Transformation” recht ausführlich die ethnographischen Studien eines Richard Thurnwald (“Economics in Primitive Communities”), wonach Austauschbeziehungen in ursprünglichen Gesellschaften durchaus nicht über Märkte und Preise koordiniert waren, sondern ritualhaft verliefen (zwischen den Gruppen) oder durch zentralisierte Umverteilung gewährleistet wurden (innerhalb der Gruppe). – Auch in europäischen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaften ging die Ausprägung von Märkten noch lange einher mit einer gleichzeitigen Begrenzung derselben; so etwa waren städtischer Lokalwarenhandel und Fernhandel institutionell streng getrennt; ihre Integration erfolgte erst zwangsweise durch den absolutistischen Staat, der die alten städtischen Privilegien schleifte.
@ Stephan
Ich kenne auch so Berichte von “Gefängnisökonomien” und marktförmigen Austauschbeziehungen, die sich in großen Gefängnissen herausbilden. Allerdings scheint da doch oft bandenförmig organisierte Schutzgelderpressung der Ausgangspunkt von “Wirtschafts-”beziehungen zu sein, sozusagen das Binnen-Pendant zu Tribut- und Abgabenforderungen, die ein Schuldverhältnis begründen.
@systemfrager#217
ich ziehe mich nicht zurück, ich bin nur zum Schluss gekommen, dass mir das weitere Gespräch vermutlich nichts bringen wird. Ich meine, wenn Du mir persönliche Fragen nach meiner gesellschaftlichen Praxis stellst, und sie selbst als unbeantwortet antizipierst und mit einem “Aha!” kommentierst (lies: Dachte ich’s mir doch!) und damit zu erkennen gibst, dass Du Dir nicht nur die richtige Analyse sondern auch die vollumfängliche Kenntnis Deines Gesprächspartners zuschreibst, dann warte ich erst mal ab, ob noch irgendetwas interessantes kommt, aber führe die Kommunikation nicht von meiner Seite aus fort. Und mir liegt auch nicht an der Schamesröte eines Gesprächspartners (zumal nicht im Internet, ist doch irgendwie abwegig, oder?).
@froZ
die “Neue Mitte” ist sicher ein fragwürdiges Konstrukt, aber die Mittelschicht hat schon eine ganz entscheidende Rolle gespielt, in der zweiten Hälfte des 20. Jh. Außerordentlich informativ und aufschlussreich fand ich die folgende Beschreibung der amerikanischen Situation von Elizabeth Warren: http://www.youtube.com/watch?v=akVL7QY0S8A
@froZ
der Vortrag beginnt bei 4:40
@ froZ 218
“wonach Austauschbeziehungen in ursprünglichen Gesellschaften durchaus nicht über Märkte und Preise koordiniert waren, sondern ritualhaft verliefen (zwischen den Gruppen) oder durch zentralisierte Umverteilung gewährleistet wurden (innerhalb der Gruppe)”
Trotzdem ist der Markt vorhanden, oder nicht? Und ritualhaft, ist unsere Gesetzgebung doch heute auch.
Wenn ich Märkte nur in Hinblick in Zusammenhang sehen soll, das auch ein Preis erzielt werden soll, also einen Geldwerten Vorteil, auch falsch, Preis hat mit Geld nichts zu tun… Ist aber auch vertrakt, dann redet man von verschiedenen Märkten.
Mir ging es eigentlich darum:
Wie geht das, dass Kredit vor dem Markt hätte existieren können?
Oder ist meine Definition vom “Markt”, falsch?
@ holger
Das mit dem über 3000 Jahre alten Kredit hat wgnx ins Spiel gebracht; worauf genau er sich bezieht, mußt Du Dir von ihm darlegen lassen. Ich vermute, er meint die Viehleihe im altmesopotamischen Königreich unter Hammurapi. Die war wohl Bestandteil einer frühen Form des Lehenswesens, einer mehr oder weniger stark zentralisierten Abgabenwirtschaft. Der Lehensherr (v. a. der Königshof) gab zusammen mit dem Lehen einen gewissen Viehbestand an den Vasallen heraus – und hatte dann Anspruch auf einen Teil des land-/viehwirtschaftlichen Mehrprodukts. Dazu brauchte es keine Markt-Transaktionen. Ob man das nun “Kredit” nennen mag… Letzten Endes ist es auch eine Frage der Begriffsbestimmung. Details der entsprechenden frühgeschichtlichen Forschung erfährst Du besser von wgnx und den anderen erklärten Debitisten.
P.S.
Wenn man Kredit allgemein als eine Überlassung von etwas zum zeitweiligen Gebrauch ansieht und seine Herkunft von “credere” (“glauben”) bedenkt – also dem Glauben des “Gläubigers” an eine Mehrprodukt schaffende Verwendung des Gegenstandes durch den Schuldner -, dann wird man solche Formen von zeitweiliger Überlassung wie die frühgeschichtliche Viehleihe sicher ohne weiteres als “Kredit” bezeichnen können, auch wenn weder Geld noch Waren involviert sind.
@ froZ
Der Debitsmus ist mir nicht ganz einleuchtend. Aber egal, vielleicht fehlt mir dazu auch allein der Glaube.
WGNX Antwortet doch nicht.
“Der Lehensherr (v. a. der Königshof) gab zusammen mit dem Lehen einen gewissen Viehbestand an den Vasallen heraus”
So ein König, Lehensherr, oder Despot…, fällt doch nicht einfach vom Himmel. Der ist doch nicht einfach Plopp da. Oder doch?
Also ich schau mir jetzt doch noch mal die Indischen Veden an.
Entweder habe ich eine Entwicklung aus der Evolution heraus, dann gibt es am Anfang keine Kredite oder Sachzwang, oder mir wird ein “Vorgesetzter” mit ausreichender Macht, vorgestellt. Der über die Macht, mir befehlen kann, tu dies und tu das.
@ holger, froZ
Folgende Klärung zu Ihrer Diskussion:
Tausch ist nicht gleich Markgeschehen.
Konkreter:
Tausch ist ein Handeln, das nicht notwendigerweise ÖKONOMISCHE Bedeutung haben muss.
Beispiel: Austausch von Gastgeschenken. 5 Muscheln „gegen“ 3 Perlen kann auch als Ritual gegenseitiger ANERKENNUNG oder gegenseitige FRIEDENSABSICHT gedeutet werden. Es hätte dann nichts mit ökonomischer Äquivalenz in dem von uns verstandenen Sinn zu tun. Ich glaube, dass es Ethnologen gibt, die begründet der Meinung sind, dass ein solcher Austausch bei verschiedenen frühgeschichtlichen Gemeinschaften auch so gedeutet werden MUSS.
@ D.Tischer
“Beispiel: Austausch von Gastgeschenken. 5 Muscheln „gegen“ 3 Perlen ”
Davon redet keiner, das ist auf dem Markt überflüssig.
“Tausch ist nicht gleich Markgeschehen. ”
Dann frag ich mich, warum man Kamee noch in hübsche Frauen verwandeln kann. Wenn das kein Markt ist, …
Und bitte, keine Kettensäge.
Kamele sollte das eigentlich heißen
@ morph
Habe da jetzt mal reingehört, kann es aber erst später in voller Länge hören. Interessante Darstellung, aber es geht ja (bis Minute 12 jedenfalls) um Entwicklung von durchschnittlichem Einkommen, Sparquote, Verschuldung amerikanischer Haushalte, nicht aber um eine empirische Abgrenzung von Schichten, ggf. einer alten und neuen Mittelschicht. Dafür müßte man m.E. schon auf der Mikroebene gewonnene Daten zur Einkommensmobilität der Haushalte haben. Aber vielleicht kommt das später in der Vorlesung noch; ich komme vielleicht noch mal darauf zurück, wenn ich alles gehört habe. Auf jeden Fall vielen Dank für den Link.
@ holger
Nun, strenge Hierarchien sind auch das Ergebnis von Evolution, und die frühgeschichtlichen Hierarchien sind sicher gleichermaßen Ergebnis wie Bedingung der komplexer werdenden Arbeitsteilung. Insofern sehe ich da gar keinen Widerspruch zwischen Evolution und dem Resultat von Machtausübung.
@ Dietmar Tischer
Also wenn ich Polanyis Zusammenfassung der Thurnwaldschen Erkenntnisse richtig deute, dann meint letzterer, daß solchem ritualhaften Austausch durchaus auch ein wirtschaftliches Motiv zugrunde liegt, daß dieses aber nicht an der Oberfläche der Tauschhandlung erscheint und daß das Wesen der Handlung eben nicht allein aus dem Tauschmotiv erklärbar wird.
Wörtlich Polanyi:
“Wir haben guten Grund zu der Annahme, daß diesem ausgeklügelten Verhalten nicht ein echter Mangel an Interesse an der materiellen Seite der Transaktion zugrunde liegt, wir würden die Etiquette des Tausches eher als eine Entwicklung bezeichnen, die das Ausmaß dieses Interesses einschränken soll.”
@ wgn + Stephan
Sorry, bin spät dran. Muss tatsächlich manchmal noch arbeiten.
Mag sein, dass es Kredit eher gab als Märkte. Hättest du geschrieben: Das stimmt AUCH, statt: Das stimmt auch, hätte ich ja vielleicht zugestimmt, weil die Wahrheit wohl wie sooft in der Mitte liegt. Ich weiß aber nicht, wie belastbar Informationen sind, die so weit vor unserer Zeit entstanden sind. Aber ich nehme das mal so hin – mit einem unguten Gefühl.
Ich halte H/S ja auch nicht für Torfnasen, die nix verstanden haben – im Gegensatz zu Stephan, der da weniger zimperlich ist.
Was ich H/S vorwerfe ist ihre Methode. Ich zitiere dich einmal vom 17.04.2008:
“Stellen wir uns dafür vor, dass ein Investor zur Schaffung einer vermeintlich rentablen neuen Produktionskapazität vor allem Geld benötigt, welches er nicht zur Verfügung hat. Stattdessen nimmt er einen Bankkredit auf, wofür er aber „Sicherheiten” benötigt, sprich ausreichend unbelastetes Eigentum. Dieses haftende Eigentum wird aber nun in Krisen, soferne sie unseren Investor ereilen, entwertet.”
Das alles gibt es.
Ich stelle mir nun vor, dass es einen Investor gibt, der ausreichend EK hat, um das Projekt zu stemmen, den keine Krise ereilt und dessen Eigentum nicht entwertet wird.
Das alles gibt es auch.
Sorry, aber so kann man keine Theorie aufbauen. Die induktive Methode taugt dazu nicht. Man kann nicht einen Spezialfall beobachten und dann auf die Gesamtheit der Wirtschaft schließen und sagen, so funktioniert´s. (Erinnert mich ein wenig an diese “wie nehme ich 600 Eier aus einem Korb, wenn nur 500 drin sind” -Nummer.)
Alles, was er sagt, ist auf sein Beispiel bezogen richtig. Aber funktioniert so wirklich die Welt? In Teilbereichen sicher. Aber nur in Teilbereichen. Und in der Tat trifft seine Schilderung auf die derzeit ablaufende Krise in den USA zu. Aber wer tummelt sich in diesen Teilbereichen? Eher Leute, die eine moral hazard-Situation ausnutzen, zusammen mit ihren Opfern. Richtig ist, dass diese Teilbereiche derzeit eine Dimension erreicht haben, die den Blick auf das Wesentliche verstellen. Da kann man schon mal schnell den falschen Ansatz erwischen. Sein Verdienst ist eine korrekte Beschreibung.
Er erklärt nicht, warum es zur Krise kommt (oder ich habe es auf die Schnelle überlesen; dann bitte ich um Korrektur). Er postuliert einfach, dass eine Krise kommt, in der Eigentum entwertet wird. Er erklärt auch nicht exakt, warum Eigentum entwertet wird. Es gibt sicher auch Eigentum, das in der Krise nicht entwertet wird, nämlich das, was nicht als Scheinwert aufgeblasen wurde. Kann ich mit Blick auf meine Vermögensbilanz, die ich quartalsweise erstelle, bestätigen.
Die Kunst des Wirtschaftens besteht wohl darin, die von ihm zutreffend skizzierten Teilbereiche der Wirtschaft nicht zu betreten, sondern solide zu wirtschaften, sprich, für eine hohe EK-Quote zu sorgen. Dann passsiert auch nix. Auch in Krisen nicht.
Beware the bubbles!
@ holger
>“Beispiel: Austausch von Gastgeschenken. 5 Muscheln „gegen“ 3 Perlen ”
Davon redet keiner, das ist auf dem Markt überflüssig.>
Überflüssig?
Es kann Markt sein, muss aber nicht Markt sein.
Das ist alles.
Ich verstehe nicht, was Ihr Problem mit meiner Erläuterung sein soll bzw. was Ihr Kame-le/hübsche Frauen-Hinweis bedeutet.
Hat der Tausch „Kamele für hübsche Frauen“ für die Beteiligten eine Bedeutung im Sinn eines Wert- oder NutzenÄQUIVALENTS, dann ist es Tausch in der ökonomischen Bedeutung. Hat es das nicht, dann ist es das auch nicht.
Wenn ich 5 Muscheln übergebe als Ausdruck von „Ich bin bereit, Frieden zu schließen“ und die andere Seite 3 Perlen übergibt als Ausdruck von „Ich bin bereit, Frieden zu schließen“, dann sind das zwei Willenserklärungen, die kein Wert- oder Nutzenäquivalent beinhalten, OBWOHL sie Ausdruck eines gleichgerichteten Willens sind.
Stellen Sie sich vor, dass die 3 Perlen auch Ausdruck von „Ich bin nicht bereit, Frieden zu schließen“ sein könnten, dann verstehen Sie, was ich meine.
@ froZ
Es ist schon richtig, dass die „wahren“, oft versteckten Motive fürs Handeln nicht aus der Tauschhandlung selbst erklärt werden können. Deshalb glaube ich, dass man – spekulativ – jeder ISOLIERT betrachteten Handlung, die einen Tausch darstellt, u. a. auch ein WIRTSCHAFTLICHES Motiv zuorden, d. h. sie auf ein solches zurückführen kann.
So lässt sich z. B. feststellen: Wenn DURCH einen Tausch gegenseitige Friedensbereitschaft erklärt würde, dann KÖNNTE dem wohl AUCH ein wirtschaftlichen Interesse an Frieden zugrunde liegen. So befremdlich wie das auch anmutet, man müsste bei Annahme diese Motivs einen solchen Tausch als Marktgeschehen bezeichnen. Denn jeder will sich mit dem Tausch den wirtschaftlichen Nutzen von Frieden ertauschen.
Wenn jedoch die Zuordnung von Motiven willkürlich und spekulativ erfolgen kann, dann sind Motive kein Kriterium, um eine individuelle Tauschhandlung der ökonomischen Sphäre zu- oder nicht zuzuordnen.
Wenn dem so ist, dann lässt sich aber auch nicht ohne weiteres sagen: >…wir würden die Etiquette des Tausches eher als eine Entwicklung bezeichnen, die das Ausmaß dieses (ma-teriellen) Interesses einschränken soll.”
Etiquette als “Vertuschung” materiellen Interesses – das kann, muss aber nicht der Fall sein, weil hier wieder Motivation hinterlegt wird (“Ausmaß einschränken soll”).
Die “guten Gründe” die Polanyi angeblich hat, müssen nicht im individuellen Tausch und seinen angegebenen oder vermuteten Motiven, sondern in den Gebräuchen der betreffenden Gemeinschaft gesucht warden.
Wollen die, die vermeintlich für Frieden tauschen, mit ihren FOLGEHANDLUNGEN auch wirklich Frieden erreichen und verbinden sie mit Frieden vorrangig ökonomische Vorteile? Das wäre ein Betrachtungsweise, die sich meiner Meinung nach besser als Kriterium eignen würde.
Übrigens: Ist jedes materielle Interesse bereits ein ökonomisches?
@Frankie: Es gab nie eine goldgedeckte Währung? Früher *war* Gold die Währung.
@AlleRechner, die behaupten, dass man gar keine Golddeckung mache könnte: Hej, man das ist ne Gleichung mit Variablen auf beiden Seiten der Gleichung! Tausch eine Unze in 30.000 Dollar um und dann passt das schon!
Und wer jetzt meint, dass das Zinseszinsproblem sich damit nicht lösen kann: Korrekt! Gold wird keine Lösung werden, die man jetzt mal so eben einführt. Vorher wird der komplette Crash kommen müssen. Und nachher besteht dann die Möglichkeit, das besser zu machen. Vielleicht.
@dtischer
Es kann Markt sein, muss aber nicht Markt sein.
Ich würde sagen, es KANN NICHT Markt sein. Wenn dieser Begriff einen klaren Sinn behalten soll, dann muss man ihn als eine Institution definieren, in der nicht getauscht, sondern gekauft wird. D.h. Markt setzt Geld voraus, im Sinne (mindestens) eines allg. Tauschäquivalents, das können auch Kamele sein, sofern sie als Verrechnungseinheit fungieren.
@ D.Tischer
“Stellen Sie sich vor, dass die 3 Perlen auch Ausdruck von „Ich bin nicht bereit, Frieden zu schließen“ sein könnten, dann verstehen Sie, was ich meine.”
Voraussetzung dafür ist ja nun mal der Krieg. Ohne den bräuchte man ja auch keinen Frieden schließen.
“Ich verstehe nicht, was Ihr Problem mit meiner Erläuterung sein soll bzw. was Ihr Kame-le/hübsche Frauen-Hinweis bedeutet.”
Dafür bedarf es keinen Krieg, das ist Geschmackssache.
@ egghat #231
d´accord. Der Zins wenn er höher ist wie aus der Erde buddeln, steht er immer im Weg.
@ lemming
der Markt, setzt kein Tauschen vorraus. Ich kann dir auch was schenken. z.B. eine Motorsäge oder ein Leberwurst Brot mit Senf.
Hi WGN #75
Ergebener Meister, lass mich hier in demütiger Form noch ein wenig herumfrickeln:
Ja…auch Gold ist unkonsumierbar, und insofern irgendwie nutzlos.
Nein…denn Gold läßt sich weit weniger schnell aus der Kruste der Erdmutter schürfen, als dies mit anderen (nutzenbringenden) Gegenständen der Fall sein sollte. Daher sollte dieser besondere Umstand des Goldes zu eher deflationären Chrashs bei längern Zyklen führen.
Was sagt uns die historisch orientierte Realanalyse untergegangener System dazu?
Nixda…Pansen weiss wie der Hase läuft.
Wobei das außerordentlich Ominöse ist, dass von dem vielen Getreide der letzten 10000 Jahre (fast) nix mehr da ist. Selbiges gilt für die wunderbar klassischen Immobilien des Altertum. Seltsam, auf WAS (call it: Ersparnis/Eigentum/What ever) dann der ebenso ominöse Goldklumpen mit Kantenlänge 25 Metern referiert…Daher mal meine Richtigstellung, dass Geld/Gold in erster Linie Kaufkraft aufbewahren soll.
Ergiebiger Meister…Hinzuzufügen ist nur noch, dass in diesen Standards der exponentielle Faktor verschwand, wie auch die Feuerspieße verschwanden…Ohne “Ewiges” ist halt auch keine endlose Wachtumspyramide denkbar…(no Zinseszins im weitesten Sinne) [1]
Ja…wobei…Unser jetztiges “Fiat” ist in der “Beschaffung” deutlich kostengünstiger . Aus diesem Grunde (größere Elastizität der monetären Basis) neigen heutige VoWis eher zu Überwachstum.
[1]…hier würde ich gerne wieder in epischer Breite über die von mir benutzten Vokabeln: real vs. virtuell ventilieren, wenn ich denn mehr Zeit hätte…
gruss pansen
@ holger # 233
„Voraussetzung Krieg“, „Geschmacksache“ – sorry, ich verstehe wirklich nicht, wie Ihre Antworten zu irgendeiner Klärung beitragen können.
>der Markt, setzt kein Tauschen vorraus. Ich kann dir auch was schenken. z.B. eine Motorsäge oder ein Leberwurst Brot mit Senf>
Der erste Satz ist falsch – zum Markt gehört Tauschen. Das schließt nicht aus, dass unter BESONDEREN Bedingungen nicht getauscht wird.
Der zweite ist als Begründung für den ersten neben der Sache.
Denn er besagt lediglich, dass nicht jede dingliche Interaktion zwischen Menschen – Schenken z. B. – ein Tausch ist.
Mehr gibt er nicht her.
Denn er besagt nichts zur Beziehung von Tausch und Markt.
@ lemming # 232
>Wenn dieser Begriff (Markt, D.T.) einen klaren Sinn behalten soll, dann muss man ihn als eine Institution definieren, in der nicht getauscht, sondern gekauft wird. D.h. Markt setzt Geld voraus, im Sinne (mindestens) eines allg. Tauschäquivalents …>
Man kann den Markt als Institution begreifen oder von mir aus auch definieren als eine, die dem Kauf/Verkauf oder – was damit verbunden ist – dem Erwerb/der Veräußerung dient. Dabei ist es unerheblich, ob man Dinge gegen Dinge tauscht, z. B. Holz, das beim Hausbau übrig geblieben ist gegen Dachziegel, die für den Hausbau noch benötigt werden, oder ob man Holz bzw. Dachziegel gegen Geld tauscht. Ein allgemeiner Denominator, d. h. etwas, was ALLEN Tauschhandlungen gemeinsam ist, “Geld” oder Kamele z. B., erleichtert die Vergleichbarkeit von Tauschverhältnissen. Er ist aber nicht Voraussetzung für Markt.
@ D.Tischer
es wird leider immer vorausgesetzt, das eine Leistung auch eine Gegenleistung hervorruft.
Das ist im Markt nicht zwingend Notwendig.
„Voraussetzung Krieg“, „Geschmacksache“ – sorry, ich verstehe wirklich nicht, wie Ihre Antworten zu irgendeiner Klärung beitragen können.
nicht jede Muschel macht Frieden. Denn wo kein Krieg ist, braucht man auch keine Muscheln, um Frieden herzustellen.
Wenn wir uns darauf einigen, dass mit dem Markt der Handelsplatz gemeint ist, ja, da herrscht ständig Krieg.
“Der erste Satz ist falsch – zum Markt gehört Tauschen. Das schließt nicht aus, dass unter BESONDEREN Bedingungen nicht getauscht wird.”
Aha, und was sind die BESONDEREN Bedingungen? Also kann der Satz ja nicht falsch sein oder? Denn der Markt ist ja trotzdem noch da oder nicht?
Und wenn ich könnt wie ich dürfte, würde all das ganze Gold, incl. Währungen, Schnipselchen und Scheinchen, in einem aktiven Vulkan geschüttet werden. Und der Markt wird immer noch da sein. Ohne Kredit.
@dtischer
Dabei ist es unerheblich, ob man Dinge gegen Dinge tauscht…
Das wäre nach meinem Dafürhalten kein Markt, sondern eine Tauschbörse. Gibt’s natürlich auch. Auf einer solchen kann es aber keine Preise und daher auch keine Preisbildung/Preisschwankungen geben. Ein Markt ohne Marktpreise scheint mir aber kein sehr sinnvoller Begriff zu sein.
@lemming #237
„Das wäre nach meinem Dafürhalten kein Markt, sondern eine Tauschbörse. Gibt’s natürlich auch. Auf einer solchen kann es aber keine Preise und daher auch keine Preisbildung/Preisschwankungen geben. Ein Markt ohne Marktpreise scheint mir aber kein sehr sinnvoller Begriff zu sein.“
Markt ist m. E. institutionalisierte Zirkulationssphäre und setzt im Vergleich zur einer „Tauschbörse“, wo Menschen Gebrauchgüter gegen Gebrauchsgüter zum persönliche Ge- bzw. Verbrauch tauschen, Händler voraus, welche Güter tauschen, um damit Handel zu betreiben. Erst in diesem Moment kommt es zur TW-Abstraktion.
@ bazi # 229
Ich stimme weitgehend dem zu, was Sie zu H. sagen.
Habe mir das Philosophische Quartett vom 25.10. angehört und ein Bild von seiner Argumentationsweise gemacht.
H. war den drei Anderen haushoch überlegen.
Dies allerdings nur, weil diese Figuren, auch der hier von einigen hochverehrte Herr S. einfach nicht in der Lage waren, mit einem einfachen Gegenbeispiel die Allgemeingültigkeit der H.-These von den Bankkrediten als Voraussetzung für Investitionen zu erschüttern.
Das Gegenbeispiel, das Sie sich vorstellen – Investor mit ausreichend EK – gibt es natürlich.
>Er (H.) erklärt nicht, warum es zur Krise kommt (oder ich habe es auf die Schnelle überlesen; dann bitte ich um Korrektur). Er postuliert einfach, dass eine Krise kommt, in der Eigentum entwertet wird.>
H. erklärt speziell mit Verweis auf Greenspan, dass es durch die Notenbankpolitik zur Krise gekommen sei, d. h. durch deren Versorgung der Banken mit Geld zu Niedrigzinsen, welches diese wiederum mit Gewinn verliehen haben. Speziell durch das dadurch geschaffene Überangebot von Immobilien in USA sei der Immobilienbestand derart entwertet worden, dass keine hinreichende Kreditvergabe auf Immobilien (für welche Zwecke auch immer) mehr möglich war. So seine These in der Sendung, der er einen generalisierenden Charakter verlieh.
Er geht nicht weiter, erwägt nicht einmal als möglich folgende tiefer gehende These: Das billige Notenbankgeld war notwendig, um durch Kostenwettbewerb bedingt die Ausweitung von Produktionskapazitäten zu ermöglichen (Skaleneffekte) und Konsumentenkredite für den erhöhten Absatz zu gewährleisten, ohne die es zu möglicherweise nicht beherrschbarer Massenarbeitslosigkeit kommen würde. Nach Untersuchungen von Nomura, glaube ich, ist die Kreditmenge der 20 wichtigsten Industriestaaten in den letzten 25 Jahren mehr gestiegen als deren BSP. Also schon lange vor der gegenwärtigen Krise.
Ich habe darauf im Zusammenhang mit der Relevanz von Marx für heute an anderer Stelle im Blog verwiesen. Vielleicht ist das untergegangen. Mich würden Meinungen dazu, wie auch zu anderen Ausführungen, u. a. der Verelendungstheorie von Marx interessieren.
http://www.weissgarnix.de/2009/10/18/marx-und-die-krise-oder-fallt-die-profitrate-wirklich/#comment-42446 (letzter Beitrag)
@ holger # 236
>es wird leider immer vorausgesetzt, das eine Leistung auch eine Gegenleistung hervorruft.
Das ist im Markt nicht zwingend Notwendig.>
Beim Tausch ist die Leistung „Geben und Nehmen“, d. h. jeder der Tauschenden gibt etwas und nimmt dafür etwas. Da Marktgeschehen mit Tausch verbunden ist, ist Leistung und Gegenleistung im Markt zwingend notwendig.
>Wenn wir uns darauf einigen, dass mit dem Markt der Handelsplatz gemeint ist, ja, da herrscht ständig Krieg.>
Mein Beispiel mit Krieg und Frieden hat nichts mit Markt zu tun – es war ja das GEGENBEISPIEL für Markt, d. h. Tausch, ohne dass man von Markt sprechen kann.
Wieso herrscht im Markt ständig Krieg?
Ständig und in den allermeisten Fällen nutzen Menschen Märkte friedlich und freiwillig.
>Aha, und was sind die BESONDEREN Bedingungen? Also kann der Satz ja nicht falsch sein oder? Denn der Markt ist ja trotzdem noch da oder nicht?>
Besondere Bedingungen sind z. B. Angebotspreise und Nachfragepreise, die so weit auseinander liegen (bei jeder Menge), dass es keinen Tausch gibt. Die Menschen wollen tauschen, können es aber nicht. Trotzdem ist der Markt auch in diesen eher seltene Fällen da als Tausch-Institution.
@ lemming # 237
Ob Sie es Markt oder Tauschbörse nennen: Natürlich kann es Preisbildung, Preise und Preisschwankungen geben. Beispielsweise Angebot von Holz gegen Dachziegel: Jemand will sein Holz loswerden, mehrere andere bieten dafür unterschiedliche Mengen von Dachziegeln an (je nach dem, was ihnen das Holz in Menge Dachziegel wert ist). Erfolgt der Zuschlag (Tausch), bei dem auch die Art der Ziegel eine Rolle spielen kann, wird ein Preis gebildet: Soviel Holz ist so viele Dachziegel wert. Der Preis für die getauschte Menge Holz ist die Menge an Dachziegeln, die dafür gegeben wurden und andersherum genauso. Wenn sich das Spiel eine Stunde später mit einem anderen Verhältnis Holz zu Dachziegel wiederholt, hat es eine Preisschwankung gegeben. Dass diese in diesem Fall nicht mittels Geld erfolgt, spielt keine Rolle. Das, was Sie fordern, findet statt.
@ HAM # 238
Es kommt beim Markt-Tausch nicht darauf an, ob Menschen etwas zum persönlichen Gebrauch oder zum Weitertauschen erwerben oder veräußern.
Wenn Sie einen Händler eingeschaltet wissen wollen, dann haben sie lediglich einen Markttausch mehr.
Es geht bei all dem auch nicht um Tauschwert-Abstraktion. Das kann Marx anders haben wollen aus SEINEN theoretischen Gründen, ist jedoch nicht maßgebend für das, was geschieht.
Auf Märkten wird einfach in bestimmten, sich meistens auch ändernden Verhältnissen getauscht. Was auch immer für/gegen was auch immer. Dafür braucht es keine Abstraktion.
Ich hatte bereits vor Wochen versucht, das im Zusammenhang mit Bemerkungen zur Marxschen Diskussion des Tauschproblems bei Aristoteles zu erklären.
@dtischer
Jemand will sein Holz loswerden, mehrere andere bieten dafür unterschiedliche Mengen von Dachziegeln an
Das ist ja genau der Punkt, der die Tauschbörse vom Markt unterscheidet: Holz oder Ziegel können auf einem Markt veräußert werden, ohne dass der Abnehmer dafür ein vom Anbieter benötigtes Gut anbietet, sondern lediglich Geld. Das ist ja die Leistung, die der Markt der Tauschbörse voraus hat, diese Entkoppelung vom Gebrauchswert-Tausch zugunsten eines eigenen, mEn markt-definierenden, allgemeinen Tauschwert-Maßstabs.
Es bilden sich darum in Tauschbörsen auch keine Preise, weil Gebrauchswerte in einem Verhältnis getauscht werden, das jeweils von den individuellen Angebot/Nachfrage Konstellationen abhängt, es gibt nur im individuellen Tauschakt einen (theoretischen) Preis, der aber für weitere Tauschakte ohne Bedeutung ist. Diese Bedeutung macht den Marktpreis aus und durch sie ermöglicht er Transaktionen auf Tauschwertbasis, die ohne diese Basis gar nicht zustande kommen könnten.
@lemming #241
Richtig.
Beispiele aus der DDR-Geschichte gibt es zu Hauf.
Tomatenketchup gegen Lada-Steuerkette, Fliesen gegen Badewanne.
Aus dem Ruder lief das ganze bei DM gegen Zylinderkopfdichtung vom Wartburg.
@ D.Tischer
Da Marktgeschehen mit Tausch verbunden ist, ist Leistung und Gegenleistung im Markt zwingend notwendig.
Dann machen wir mal einen kurzen Sprung in das Hier und Jetzt. Wir sehen das gerade an den Finanzmarktplätzen, oder an den Spekulanten an der Börse. Es ist ein Tauschmarkt der Absurdität. Weder Bedarf es einer Leistung noch einer Gegenleistung, um immer mehr Geld in das System zu pumpen. Es ist eine Zahlenschieberei, des virtuellen Reichtums.
Wieso herrscht im Markt ständig Krieg? Ständig und in den allermeisten Fällen nutzen Menschen Märkte friedlich und freiwillig.
Ein Preiskrieg und ein Verdrängungskrieg. Der Endverbraucher, ist doch nur das sichtbare, welches man beobachten kann. Das was davor ist, sehen die meisten ja nicht. Kriege, müssen nicht Zwangsläufig mit Waffen geführt werden. Geiz ist Geil, Geiz ist Krieg.
Besondere Bedingungen sind z. B. Angebotspreise und Nachfragepreise, die so weit auseinander liegen (bei jeder Menge), dass es keinen Tausch gibt. Die Menschen wollen tauschen, können es aber nicht.
Dann sind genau jetzt diese besonderen Bedingungen. Die einen können nicht (Verschuldung ausgeschöpft, kein ausreichendes Einkommen) die anderen wollen nicht (Sparer).
Wir haben den Finanzmarkt, den Staatsmarkt, den Handelsmarkt, den Endverbrauchermarkt und ganz nebenbei den Schwarzmarkt.
Trotzdem ist der Markt auch in diesen eher seltene Fällen da als Tausch-Institution.
Der Markt ist die Grundvoraussetzung, dass die “seltenen” Fälle, in Zyklen auftreten. Der Markt funktioniert auch ohne Kredit. Über all da wo mehrere Menschen, aufeinander treffen oder sogar verschieden Gruppen oder Völker, ist automatisch Markt.
Wie der sich gestaltet, oder was für Auswirkungen entstehen können, ist vollkommen unwichtig. “Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt”.
@ Dietmar Tischer
Danke für diesen Hinweis:
—”H. erklärt speziell mit Verweis auf Greenspan, dass es durch die Notenbankpolitik zur Krise gekommen sei, d. h. durch deren Versorgung der Banken mit Geld zu Niedrigzinsen, welches diese wiederum mit Gewinn verliehen haben.”
Das muss die Stelle gewesen sein, an der ich bei Zuhören kurz abgelenkt wurde. Diese Anmerkung hebt meine Symphatie für H. In den vergangenen tausend Jahren drehten sich die Geschäftszyklen auch ohne die Hilfe der Zentralbanker und der Wirtschaftswissenschaftler. Erst seit diese Genies sich für den Fall interessieren, gibt es die wirklich schwerwiegenden Probleme.
Greenspan hat nach Ausbruch der Krise wenigstens zugegeben, dass er nicht vertanden hat, wie die Welt funktioniert. Bei Bernanke wartet man darauf noch. Er hat nur vor der Krise einmal geäußert, dass wir heutzutage soviel über die Wirtschaft wüßten, dass wir große Krisen für alle Zeiten ausschließen könnten. Ein Brüller! Und so jemand ist noch im Amt. Unfassbar. Wo leben wir eigentlich?
H. hat natürlich recht mit dem Hinweis auf Greenspan. Ein Analyst hat das mal so kommentiert: “Das Wachstum basierte auf dem Ausgeben von Schulden, und nicht auf einem echten Anstieg der Kaufkraft. Die Schulden taten so, als wären sie echtes Geld. Es sah aus, wie etwas Echtes, aber das war es nicht. Es stimuliert die Wirtschaft genauso wie Falschgeld. Es löst Produktion und Konsum aus, aber von der falschen Art.”
Ich bin immer wieder erleichtert, wenn ich von jemandem etwas lesen darf, der noch weiß, was echtes Geld ist – und was die Auswirkungen von Falschgeld sind. Ich denke, ich liege nicht falsch mit der Behauptung, dass heute deutlich über 90% der WiWis nicht mehr wissen, was Geld ist. Warum darf ich eigentlich nicht mein eigenes Geld drucken? Wenn die Zentralbanken wirklich Gutes tun, kann ich doch dabei helfen, dieses Gute zu vermehren.
H. hat ja auch den Wirtschaftsweisen (oder besser: Wissenswaisen)Bofinger erwähnt, der eingestanden hat, dass alle mainstram-Theorien auf den Müll gehören, weil sie den Finanzsektor außen vor ließen. Recht hat er. Hätte er ´Finanzsektor´durch ´Geld´ ersetzt, wäre es sogar noch treffender gewesen. Wäre er zurückgetreten, hätte er jetzt sogar meinen Respekt.
Eine Anmerkung zu dieser Tausch/Markt-Diskussion: Ich kann nicht nachvollziehen, warum man hier trennen will. Geld ist indirektes Tauschmittel. Es erleichtert den Tausch. Nichts weiter. Märkte werden dadurch effizienter.
@bazi
Die Unterscheidung zwischen echtem Geld und Falschgeld erinnert mich an die Unterscheidung zwischen aufrichtiger und unaufrichtiger Kommunikation und den Appell, immer schön bei der Wahrheit zu bleiben. Wir leben aber nun mal in einer Welt, in der es Unaufrichtigkeit gibt, und wenn es genau nimmt, wird man feststellen, dass es kein allgemeines, unzweifelhaftes Kriterium dafür gibt, wann jemand in der Kommunikation aufrichtig und wann jemand unaufrichtig war (oft können wir sogar unsere eigenen Motive nicht ganz durchschauen). Ebenso halte ich es für zwar verständlich, ‘sound’ money zu fordern, aber es ist ebenso utopisch wie die Foderung nach allgemeiner Aufrichtigkeit, und es lässt sich kein allgemeines Kriterium denken, nachdem zu entscheiden wäre, ob hinter den durch Geld symbolisierten Eigentumstiteln genügend ‘real assets’ stehen oder nicht. Es müsste eigentlich so sein, dass Geld allein ein indirektes Tauschmittel ist, dass den Tausch erleichtert, genauso wie die Worte allein ein indirektes Verständigungsmittel sein sollten, dass die Koordination des Verhaltens erleichtert. Es ist aber nicht so. Und eine realistische Theorie, sei es der sprachlichen Kommunikation, sei es der Wirtschaft, sollte dies m.E. berücksichtigen.
@ bazi
“Eine Anmerkung zu dieser Tausch/Markt-Diskussion: Ich kann nicht nachvollziehen, warum man hier trennen will. Geld ist indirektes Tauschmittel. Es erleichtert den Tausch. Nichts weiter. Märkte werden dadurch effizienter.”
Das “dumme” Geld, welches aus dem Off illuminiert wird, um den Schein im Glanze zu erwecken, das es doch “schlau sein könnte. Hat mit einem ordentlichen, kaufmännischen Markt nichts, aber auch gar nichts am Hut. Und doch lässt man es zu, dass dieses “dumme” Geld, den Markt manipuliert.
Effizienter werden die Märkte dadurch nicht. Es ist ein Verdrängungswettbwerb, wo das “dumme” Kapital, alle gewachsenen kaufmännische Strukturen zerstören kann. Das “dumme” Kapital, kann in der Quantität einkaufen gehen, wie es möchte und das auch noch mit den Staatsgarantien, “dummes” Geld zu fördern. Hedge Fonds, Chartritter, Traden bis die Tränen fließen. Maximum Hebel hie und da.
Kein Markt wird effizienter daraus. Die Effizienz liegt heute darin, “Humankapital” zu entsorgen.
@ holger
einverstanden.
Wenn ich von Geld rede, meine ich immer echtes Geld. Unser heutiges Schuldgeld lebt ja nur davon, dass man es vom echten Geld nicht mehr unterscheiden kann. Eigentlich wäre die Zeit reif dafür, dass diese Illusion entzaubert wird. Stattdessen prügelt man lieber auf ein paar bonigeile Manager ein und meint, damit den Schuldigen zu treffen.
@ Morph
—”Wir leben aber nun mal in einer Welt, in der es Unaufrichtigkeit gibt, und wenn es genau nimmt, wird man feststellen, dass es kein allgemeines, unzweifelhaftes Kriterium dafür gibt, wann jemand in der Kommunikation aufrichtig und wann jemand unaufrichtig war.”
Mag sein. Das war allerdings beim Geld vor nicht einmal 40 jahren noch anders. Bei der Kommunikation war es schon immer so. Auch in der Kommunikation gibt es die Begriffe ´Wahrheit´ und ´Täuschung´, so wie es beim Geld ´Waren-´und ´Schuldgeld´gibt. In der Kommunikation hat jeder die Wahl. Er kann seinen Gegenüber täuschen oder er kann die Wahrheit sagen. Beim heutigen Geld hat man diese Wahl nicht mehr. Sie ist uns abgenommen worden – qua ordre de mufti. Wir sind nicht mehr in der Lage, den Unterschied zu erkennen. Das macht die ganze Angelegenheit so perfide. Wir werden getäuscht und täuschen andere, ob wir es wollen oder nicht. Wozu das führt, sehen wir gerade.
Das ist der Unterschied.
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