Ver(w)irrte Piraten

by f.luebberding on 23. September 2009

Es gibt zur Zeit eine Debatte über die politische Orientierung der Piratenpartei. Etwa bei Jens Berger und F!MBR. In beiden blogs findet man die entsprechenden Beiträge zu pro und contra Piratenpartei. Nur zur Klarstellung: Dass der stellvertretende Bundesvorsitzende der Piratenpartei der Jungen Freiheit ein Interview gegeben hat, ist alles, nur kein Skandal. Ich würde ihr auch ein Interview geben. Im Gegensatz zu den Hauspostillen etwa des Freyschen DVU Imperiums. Das hat weniger mit der politischen Ausrichtung zu tun, sondern weil die Junge Freiheit im rechten Spektrum nach meinem Eindruck die intelligenteste Zeitung ist. Man sollte nicht politischen Streit mit Benimmregeln verwechseln. Die politischen Hygieniker waren mir schon immer zuwider. Das aber nur nebenbei. Nur ging es in dem Artikel von Albrecht von Lucke in der taz auch nicht um politische Hygiene, sondern um die Naivität eines Politikers, der keine Ahnung hat mit wem er redet – und das Albrecht nutzt, um ihm und seinen Politikerkollegen aus der Piratenpartei die Leviten zu lesen. Nun sind die Piraten blutige Amateure. Das kann auch nicht anders sein, wenn man seine ersten Schritte in die Politik macht. Interessanter ist die politikwissenschaftliche Frage welche Chance diese Parteigründung eigentlich hat.

In Deutschland hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg nur eine Parteigründung etablieren können – das waren die Grünen. Dafür gab es zwei Gründe: Zuerst repräsentierten sie ein sozialmoralisches Milieu, das letztlich aus der Studentenbewegung der späten 60er Jahre entstanden ist. So ist der Einfluss des Feminismus in dieser Phase nicht zu unterschätzen. Die Grünen waren ursprünglich ein Generationenprojekt gewesen. Das reicht bis zu den baby boomer Jahrgängen der 60er Jahre. Selbst Gegner wie Guido Westerwelle oder Christian Wulff blieben dem Sog dieser Generationserfahrung verbunden. Sie sind 68er, halt nur als ideologische Gegner von rechts. Kulturell sind sie von dieser Generation mitgeprägt worden. Darunter leiden sie bis heute. Die Parteigründung gelang als man ein verbindendes Thema gefunden hatte, das nach 1968 ursprünglich niemanden interessierte: Umwelt. Diese Generation konnte ein ursprünglich konservatives Thema etwa eines Herbert Gruhl oder – aus sozialdemokratischer Sicht – eines Erhard Eppler politisch als verbindendes Projekt nutzen. Vorher stand der politische Katzenjammer, der bis in die Niederungen der K-Gruppen oder gar der RAF geführt hatte. Die Grünen waren bei ihrer Gründung 1980 eine politisch heterogene Partei – das reichte von rechten Lebensschützern bis zu Kommunisten. Durchgesetzt haben sich die postmaterialistischen Milieus mit gehobenem Einkommen und einem Faible für den öffentlichen Dienst. Programmatisch konnte sie aber ein Jahrhundertthema besetzen – die Ökologie. In allen Umfragen wird ihnen hier bis heute von allen Parteien die größte Kompetenz zugewiesen.

Diese Verbindung von Milieu und Thema sorgte für das Überleben der Grünen, nichts anderes. Ein Joschka Fischer findet sich dann immer.

Die Piratenpartei ist zuerst einmal eine one issue Partei wie es sei immer wieder gibt. Die diversen Formationen in Hamburg waren Beispiele – von der Statt-Partei bis zu Schill. Frau Pauly in Bayern ist noch nicht einmal bis dahin gekommen. Sie verschwinden nach kurzer Zeit, wenn die etablierten Parteien das Thema aufnehmen und damit unschädlich machen. Dazu kommt die fehlende Professionalität und Parteiinterner Streit – um Posten und Positionen. Man ist sich bei einem Thema einig – und merkt erst spät die sonstigen Differenzen. Es gibt kein gemeinsames Weltbild und keine eingeschliffenene Modelle der Kompromissfindung. Es fehlt die in anderen Parteien vorhandene Konflikverarbeitungsfähigkeit. Ohne die können Parteien aber nicht existieren.

Das entscheidende Problem ist aber etwas anderes. Es sind die Wähler. Es fehlen den meisten Neugründungen die sie tragenden Milieus, wo diese Neugründung mit guten Gründen einen Alleinvertretungsanspruch formulieren kann. So werden die politischen Kinderkrankheiten zu den eigenen Kinderkrankheiten – die in der Partei ausgetragenen Konflikte zu den eigenen Konflikten. Man besitzt also eine gewisse Grundloyalität gegenüber den eigenen Leuten – und das trägt eine Neugründung über die schwierigen Flegeljahre hinweg.

Damit zu den Piraten. Der interessanteste Versuch einer Milieubildung durch die Identifizierung kultureller Codes und deren Verknüpfung mit sozioökonomischen Trends stammt von Frank Schirrmacher in der FAZ. Interessant deshalb, weil Intellektuelle in dieser Milieubildung eine entscheidende Rolle spielen. Bei den Grünen haben alle die gleichen Bücher gelesen – und wenn es nur Svende Merians Tod eines Märchenprinzen gewesen war. Intellektuelle sind unverzichtbar für die Selbstvergewisserung – und die Abgrenzung von anderen und konkurrierenden Milieus. Deshalb ist es auch völliger Unsinn, die Grünen als eine Abspaltung von der SPD zu betrachten. Der Arbeiter der 70er Jahre konnten mit diesen Milieus nun wirklich nichts anfangen.

Davon ist bei den Piraten nichts zu sehen. Von Milieus sollte man auch nicht reden, weil sie sich nicht am Rechner konstituieren. Zudem fehlen einfach die Intellektuellen, die aus dem Anliegen ein Weltbild formen. Wenigstens wäre es undenkbar gewesen, dass in den späten 70er Jahren ausgerechnet ein FAZ Herausgeber den Chefideologen der neuen Partei gegeben hätte. Allerdings haben die Piraten ein wichtiges Thema: Das interessiert zwar außerhalb des Netzes kaum jemanden, ist aber für einen Teil der Wählerschaft von herausgehobener Bedeutung. Es reichte zu einer durchaus beeindruckenden Politisierung ansonsten bisher unpolitischer Menschen. Das ist zuerst einmal Identitätsstiftend und daraus kann ein gewisses Loyalitätsgefühl entstehen – immerhin ein Anfang.

Wenn man aber den Piraten einen Tipp geben kann: Macht den Rechner zwischen durch einmal aus – und lest ein paar Bücher.

Auf Frank Schirrmacher würde ich mich nicht verlassen. Ansonsten wird euer Schiff bald untergehen.

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1 weissgarnix 23. September 2009 um 17:02

Sehe das nicht unähnlich, halte die Piratenpartei auch eher für eine Protestbewegung, die auf dem Weg zu einer “echten” Partei noch an vielen Hürden scheitern kann. Das “Milieu” sehe ich zwar durchaus, nur halt justament eines, das auf traditionelle Institutionen nichts gibt (wenn man den diversen Aussagen zur Apo-Power von Twitter- und Facebook-Communities Glauben schenkt).

Ich glaube zudem, dass es Schirrmacher weniger um die Piraten per se ging, sondern eher um die gesellschaftliche Entwicklung in einem größeren Kontext.

2 f.luebberding 23. September 2009 um 17:12

Weissgarnix

Ob es dieses Milieu via Twitter und facebook geben kann, ist tatsächlich die Frage – nur konsitutieren sie sich nicht über Medien, sondern über Selbstreflexion. Die Grünen entstanden nicht im Pflasterstrand, sondern in den Küchen der WGs. Ob Twitter etc diese Funktion übernehmen können, da habe ich meine Zweifel. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu alt.

Mit Schirrmacher hast Du natürlich recht. Aber wenn ich das richtig sehe, hat sich außer ihm innerhalb der Piratenpartei noch keiner in gleicher Weise darüber Gedanken gemacht – oder Intellektuelle, die der Partei nahestehen. Das habe ich damit gemeint – also Schirrmacher ist in der Hinsicht zum Chefnavigator der Piraten geworden … .

3 Peter 23. September 2009 um 17:16

Ich würde gerne noch anmerken, dass die Reduzierung der Piraten auf den Themenkomplex “Internet” nicht zutreffend ist (auch wenn das immerhin schon mal besser ist, als sie auf “Raubkopierer” zu reduzieren – das hatten wir ja auch schon mal). Aber zur Zeit machen sich die Piraten ja auch massiv für Bürgerrechte stark – gerade auch offline. Das sollte nicht unerwähnt bleiben.

Ansonsten Respekt für das, was bisher noch kein anderer Autor geschafft hat: Ein Artikel über die Piratenpartei ohne Segelschiff-Analogien, bravo.

4 weissgarnix 23. September 2009 um 17:18

>Die Grünen entstanden nicht im Pflasterstrand, sondern in den Küchen der WGs.

In Österreich entstanden sie in der Hainburger Au – da war ich zufällig selber dabei. Eine Sternstunde der österreichischen Demokratie, die Lehrer sahen es uns nach, dass wir in Scharen die Schule schwänzten, um dort zu demonstrieren.

Aber was ist daraus geworden?

5 lemming 23. September 2009 um 17:24

@FL
Von Milieus sollte man auch nicht reden, weil sie sich nicht am Rechner konstituieren.
In der Vor-Internetzeit logischerweise nicht. Ansonsten ist das Entstehen von Milieus weniger an bestimmte Medien (das bevorzugte Medium der SPD war ja mal das Gasthaus) gebunden, als an gemeinsame Lebens- und Arbeitserfahrung und die Möglichkeit, sich darüber auszutauschen.

Zudem fehlen einfach die Intellektuellen, die aus dem Anliegen ein Weltbild formen.
Oh je! Erstmal ist da aktuell wesentlich mehr intellektuelle Substanz als ich bei allen anderen Parteien feststellen kann, zum anderen ist der Intellektuelle als Leit- und Führungsfigur vermutlich überholt. So einer sieht heute aus wie Grass – ganz ganz alt…

6 Ahnungsloser 23. September 2009 um 17:30

@fl

Ich glaube das Milieu gibt es durchaus, es ist nur noch nicht so gut abgegrenzt wie etwa bei Grün. Die geistige Schöpfung hat mehr Fussvolk als mach einer annimmt, und sollte das sich repräsentiert sehen, ist einiges drin. Für diese Wahl sehe ich die Piraten aber noch nicht im BT, auch mit meiner Stimme ;)

Mann könnte auch sagen: Grün hat ein Thema politikfähig gemacht, in dem sie den Mittelweg zwischen Greenpeace und dem Verband der Deutschen Industrie suchten, den jeder mittragen kann. Den Piraten kann dasselbe gelingen.

7 f.luebberding 23. September 2009 um 17:31

Peter

“Aber zur Zeit machen sich die Piraten ja auch massiv für Bürgerrechte stark – gerade auch offline. Das sollte nicht unerwähnt bleiben.”

Das ist das klassische Thema des Liberalismus – also in unserem System von FDP und Grünen. Wenn also die Frage nach der Zukunft des Web tatsächlich zu einem relevanten issue wird – und zwar in Wahlkämpfen – werden die das Thema auch entsprechend auf die Agenda nehmen und in Koalitionsverhandlungen thematisieren. Zur Zeit nehmen die das noch nicht wahr – vielleicht weil das Führungspotential auch nicht mehr nah genug bei diesen Wählergruppen ist. Bezüglich des Ökologiethema war das in den 70er Jahren auch ein Problem der Union, SPD und FDP. Nur hätte das Thema an sich nicht genügt, um die Grünen zu etablieren. Die Piraten brauchen einfach mehr Leute, die aus dem Thema einen gesellschaftspolitischen Entwurf machen und kleinarbeiten – halt wie Schirrmacher.

Was die zum Thema Wirtschaftspolitik oder entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Burkina Faso zu sagen haben, ist völlig egal. In beiden Themenbereichen – von den meisten anderen ganz abgesehen – sind sie völlig inkompetent. Das ist aber für die Entwicklung als Partei nicht relevant. Sie müssen ihr Kernanliegen – sind das wirklich Bürgerrechte? – zu einem gesellschaftspolitischen Thema transformieren, mit dem sich ihre eigene Klientel identifizieren kann.

8 f.luebberding 23. September 2009 um 17:40

Weissgarnix

Die Grünen entstanden auch als Partei in Karlsruhe – das ist damit nicht gemeint. Das war das Ergebnis von hunderttausenden Gesprächen in Küchen – und Betten … . Warst Du da auch dabei … ?

Die Frage: Was ist aus sie geworden? Genau – natürlich ist das ursprüngliche Motiv abgeschliffen und der Enthusiasmus weg. Aber das ist überall so, frage einmal Deine Frau … . Aber genauso wie wir uns nicht trennen (von unseren Frauen), lernen auch Parteien mit der Realität zu leben und trotzdem nicht zu scheitern. Die Piraten sind halt noch frisch verliebt … .

Lemming

Da sieht man die Herkunft.

“In der Vor-Internetzeit logischerweise nicht. Ansonsten ist das Entstehen von Milieus weniger an bestimmte Medien (das bevorzugte Medium der SPD war ja mal das Gasthaus) gebunden, als an gemeinsame Lebens- und Arbeitserfahrung und die Möglichkeit, sich darüber auszutauschen.”

Genau das ist damit gemeint. Das Problem ist aber nicht die intellektuelle Potenz der Parteien von heute, sondern dass sie noch von der der toten Männer und Frauen leben können. Das können Neugründungen nicht, deshalb sind sie so schwierig.

9 weissgarnix 23. September 2009 um 17:44

@lübberding

>Das ist das klassische Thema des Liberalismus

Des politischen Liberalismus, wohlgemerkt. Und für den setzen sich auch die Grünen und die FDP ein.

Daneben gibt es aber bekanntlich auch noch den Marktliberalismus, für den setzt sich die FDP ein, aber nicht unbedingt die Grünen.

Insofern bleibt den Piraten die Wahl, sich entweder politisch-liberal und markt-antiliberal zu geben, und damit gegen die Grünen zu konkurrieren; oder sie geben sich politisch- und markt-liberal, und konkurrieren unmittelbar mit der FDP.

Dass sie eine eigene “Nische” besetzen können, sehe ich hingegen nicht. Welche sollte das sein?

10 Tubl 23. September 2009 um 17:46

Die Piraten haben grundsätzlich in gewisses Potential, da sie auch Leute aktivieren können die ansonsten unpolitisch sind. Das Reservoir der Nichtwähler ist riesig, vor allem derjenigen die sich Onlinewelt zuhause fühlen und u.a. von Schäubles Schnüffelattacken und Leyens Stoppschildaktion ganz und gar nicht begeistert sind. Leider bin ich auch der Meinung dass sie wohl sich mit solchen Aktionen wie diesem ominösen Interview verzetteln und letztendlich politisch vor der 5%-Hürde verhungern werden. Das liegt auch daran dass sie themenpolitisch zu schmal aufgestellt sind und sich das auch nicht ändern wird. Sie sind dazu auch viel zu heterogen in anderen Bereichen zusammengesetzt (viel mehr als die Grünen früher).
Mehr Möglichkeiten sehe ich dagegen als Protestbewegung für bürgerliche Freiheit und Datenschutz mit dementsprechenden Protestaktionen. Ob das durchschlagend sein kann in unserem politischen System bleibt dahingestellt, da uns ja direkte demokratische Instrumente, wie zum Beispiel in der Schweiz, fehlen.

11 Peter 23. September 2009 um 17:58

@fl

“Das ist das klassische Thema des Liberalismus – also in unserem System von FDP und Grünen.”

Das mag so im Prinzip zutreffen haben, doch wer kauft den beiden genannten Parteien noch ab, dass sie sich für Bürgerrechte einsetzen? Sobald sie in Regierungsverantwortung waren, haben beide in der letzten Zeit das Thema zwar durchaus bearbeitet – nur eigentlich nicht in der Form, die man mit Liberalismus in Verbindung bringen würde ;) Da gab es so viel, vom Lauschangriff über die Anti-Terror-Gesetze, Online-Durchsuchung und Telefonüberwachung in diversen Ländern und zuletzt das grüne Abstimmungsverhalten zur Internetzensur. Es gibt eine sehr beachtliche Lücke zwischen Theorie und Praxis. Das Thema ist also durchaus für die (glaubwürdige) Besetzung frei.

“Sie müssen ihr Kernanliegen – sind das wirklich Bürgerrechte? [...]”

Du möchtest damit doch nicht etwa andeuten, du hättest diesen schönen Artikel geschrieben ohne einen Blick in das Piraten-Wahlprogramm zu werfen? ;) Das steht da als Maxime ganz oben, gleich im ersten Kapitel, und wird zwischendrin wieder und wieder aufgegriffen – Forderungen wie “Keine Zensur” usw. beschränken sich ja nicht auf das Internet. Das kann man ja jetzt gerne für glaubwürdig halten oder nicht, aber dann muss man auch die Glaubwürdigkeit der gelben und grünen Positionen hinterfragen und das mal mit der jüngeren Vergangenheit abgleichen.

12 Daniel 23. September 2009 um 18:01

@weissgarnix / 9:
Die Lücke:
- Sozial (Abgrenzung zur FDP)
- ohne sozial radikal zu wirken (Abgrenzung zur Linken)
- Liberal
- ohne ökologische Verblendung (Abgrenzung zu den Grünen)
- Jung mit Ideen (Abgrenzung zur SPD/CDU)

Eine junge sozial-liberale Partei ohne ökologischen Touch.
Dass ist meine Hoffnung.

13 f.luebberding 23. September 2009 um 18:06
14 Alvar Hanso 23. September 2009 um 18:09

@FL
Klar, Bürgerrechte sind den BWL-Liberalen der FDP ihr Lieblingsthema, man hat ja schließlich schon erklärt das man die Verfassungklage gegen das Zugangserschwerungsgesetz (toller Euphemismus, hätte Orwell nicht besser machen können) in jedem Falle machen wird, weil denen die Grundrechte soooo wichtig sind.
Ne, warte, im Falle einer Regierungsbeteiligung wollte man darauf ja verzichten, weil man die Union so schon unter Kontrolle halten würde.
Das hat in Bayern schließlich prima funktioniert.

Ernsthaft.
Die etablierten Parteien nagen doch nicht an fehlenden Themengebieten die man beackert sondern an ihrer Unglaubwürdigkeit.
Die Stone-Sozies beschwören jetzt wieder seit Monaten die “soziale Gerechtigkeit”, man hat sogar mit Hubi “Yes, we can`t” Heil einen eigenen Internetbeauftragen.
Aber wen interessiert das bitteschön?
Wahlkampfaussagen und realpolitisches Handeln stehen sich diametral gegenüber.
Und das bei allen etablierten Parteien.

15 Limited 23. September 2009 um 18:20

In Deutschland hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg nur eine Parteigründung etablieren können – das waren die Grünen.

Das ist aber etwas zentralistisch gedacht. Zum einen gab es eine Vielzahl von kleineren Parteien, die auf Länderebene nach Kriegsende recht erfolgreich waren. Auch die NPD ist eine dieser Parteien.

Und auch in neuerer Zeit gab/gibt es mit den Freien Wählern, den Republikanern, der ödp und anderen etliche Parteien, die durchaus regionale Erfolge feieren konnten.

Der Piratenpartei fehlt diese regionale Verankerung und auch ein Milieu, auf das sie aufbauen könnten. Daran wird sie meines Erachtens auch scheitern, neben der weitgehenden inhaltlichen Profillosigkeit ausser bei Internetthemen.

16 f.luebberding 23. September 2009 um 18:22

Peter

Das Kernanliegen steht nicht in Parteiprogrammen. Die grünen Milieus waren nicht von der Ökologie geprägt, sondern im weiteren Sinn von Emanzipation. Wie gesagt – der Feminismus war viel wichtiger als die Ökologie. Frage einmal einen beliebigen Mann oder Frau zwischen 40 und 60 aus diesen Milieus nach ihren Beziehungsgesprächen. Das war auch die prägende Wirkung – man kann sicher sein, dass sich die Geschlechterverhältnisse bis weit in die Union hinein heute völlig anders darstellen als noch vor 30 oder 40 Jahren in konservativen Milieus. Ideologisch schwankte man in dieser Szene zwischen Selbstentfaltung und Selbstbestimmung. Darüber hatten wir hier schon einmal diskutiert. Die ganzen selbstbestimmten Betriebe, Landkommunen etc. waren ja Versuche, in diese Richtung etwas auszuprobieren. Dass vieles gescheitert war, ist nicht die Frage, aber es hat die eigenen Identität bis heute geprägt – und einen enormen Einfluss auf die Gesellschaft ausgeübt. Schumachers “Small is beautiful” war in der Beziehung entscheidend – er verband nämlich Emanzipation mit Ökologie.

Also da ist “Gegen Zensur” ein müder Witz – wenn die Piraten nichts anderes anzubieten haben, werden die schneller eingehen als die Osterglöckchen im kommenden Jahr. Es geht auch nicht um die fehlende Glaubwürdigkeit der anderen Parteien. Die gibt es. Wenn aber vor allem FDP und Grüne das für ein wichtiges Issue halten, werden die schneller sein als die Piraten überhaupt twittern können … . Parteien sind Machtopportunisten. Die Piraten brauchen nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, sie müssen im weitesten Sinn für ein Lebensgefühl stehen.

Darum geht es.

17 f.luebberding 23. September 2009 um 18:30

Limited

Die DKP ist auch regional verankert – in Bocholt und Marburg … . Es geht mir um die Bundesebene. Regional können sich natürlich Gruppierungen und Parteien dauerhaft verankern, unter anderem weil sie in diesen Regionen personell gut mit der Gesellschaft vernetzt sind.

18 HAM 23. September 2009 um 18:30

Einiges deckt sich im Artikel mit der Argumentation von J. Elsässer.
http://juergenelsaesser.wordpress.com/2009/09/21/zieht-die-sabel-piraten/

De Piratenpartei ist ein Angebot für jene, die wählen wollen, aber nicht wissen, wo sie ihr Kreuzchen machen sollen, weil sie mit der Politik der etablierten Parteien nicht einverstanden sind. Und da bieten sich die Piraten als „unpolitische Partei“ für den pseudo-politischen Wähler an. Letzterer darf sich dann als „Widerstandskämpfer“ fühlen. „Pirat“ assoziiert ja auch so etwas.

Diese Funktion – Sammelbecken für die unzufriedenen Spießer zu sein – haben lange die Zeit die Grünen eingenommen und nehmen sie zum Teil noch ein. Mit „Greenpeace“ gab es dann sogar einige medienträchtige Öko-Piraten-Aktionen.

19 f.luebberding 23. September 2009 um 18:32

Ham

Einges deckt sich mit den Argumenten von Jürgen Elsässer. Das passiert mir auch nicht jeden Tag. Ich hoffe, er wird das überleben.

Frank

20 Elbsandsteintiroler 23. September 2009 um 18:33

Da ist mir Alvar Hanso zuvor gekommen. Die FDP und die Grünen sind mitnichten Bürgerrechtsparteien, wie gerade wieder bei den Koalitionsverhandlungen in Sachsen vorgeführt. Das müssten Linke und Piraten viel stärker thematisieren. Die FDP hat einen Gerhard Baum, der wirklich grandios ist. Den würde ich wählen, bis der Kuli streikt. Aber der Rest? Herr Hirsch ist auch in Rente…

Wer aber die Piraten als Einthemenpartei abklassifiziert, verkennt die Universalität von Dingen wie Transparenz und Bürgerrechten. Die sind in der Lage Lawinen auszulösen und JEDES andere Themengebiet zu beeinflussen. Siehe der Blog von Isotopp (2 ausführliche Posts dazu).

Ansonsten stimme ich aber zu. Das Interview war nocht nicht mal ein Skandälchen.

Grüße @Euch 2

21 f.luebberding 23. September 2009 um 18:33

Alvar Hanso

“Die etablierten Parteien nagen doch nicht an fehlenden Themengebieten die man beackert sondern an ihrer Unglaubwürdigkeit.”

Das stimmt. Damit kann man auch kurzfristig Erfolg haben.

22 Elbsandsteintiroler 23. September 2009 um 18:35

@HAM “Sammelbecken für die unzufriedenen Spießer zu sein”

Und da hatte ich ne recht gute Meinung von dir. Dahin…^^

23 Limited 23. September 2009 um 18:38

Für diesen Themenbereich ist auch Joas einschlägig, mit seinen Forschungsarbeiten zu neuen sozialen Bewegungen.

Danach, nimmt man andere Parteigründungen als Beispiel, sind single-issue Fragen kein Starthindernis. Der Knackpunkt kommt dann bei der anstehenden thematischen Differenzierung und der Professionalisierung (hier gemeint als Etablierung einer Organisation mit festgelegten Mitgliedschaftsrollen u.a).

Den Scheidepunkt der Differenzierung und Professionalisierung dürfte die Piratenpartei meines Erachtens nicht überleben, rekrutiert sie sich doch zu einem großen Prozentsatz aus hochgradig individualisierten Personen.

24 Hias 23. September 2009 um 18:39

Zunächst mal, guter Artikel. Trifft in etwa meine Meinung über die Piraten.

Zu den Grünen: Ihr Hauptthemenfeld am Anfang war natürlich die Umwelt, aber man sollte vielleicht hinzufügen, dass sich ihre Anhänger aus einer ganzen Reihe der sog. “neuen sozialen Bewegungen” rekrutierten, also relativ schnell auch neue Themenfelder erschließen konnten wie bspw. Pazifismus oder der Kampf gegen die Atomraketen.

Und dann vielleicht mal was ganz pragmatisches. Gegründet wurden sie von Personen, die lange für ein politisches Thema gekämpft hatten, sprich die zum einen Kampagnenerfahrung gemacht haben, zum anderen wussten, dass der Kampf für ein politisches Thema ein enervierend langer und mühseliger Kampf ist.

Und um es kurz zu machen, bei den Piraten hat das alles momentan Eventcharakter und die Mobilisierungsfähigkeit wird wahrscheinlich nach der Bundestagswahl relativ schnell abnehmen.

25 f.luebberding 23. September 2009 um 18:40

Limited

“Danach, nimmt man andere Parteigründungen als Beispiel, sind single-issue Fragen kein Starthindernis. ”

Sie sind geradezu die Voraussetzung. Wie will man sonst alle unter einen Hut bekommen?

26 Limited 23. September 2009 um 18:56

@ f.luebberding

Die Einigkeit ist doch weitgehend eine Illusion, wie etwa die Geschichte der 68er gezeigt hat.

Man kann das damals präsente Aufbegehren als single-issue einordnen, würde aber der Vielzahl der zugrundeliegenden Strömungen nicht gerecht, die heute allesamt unter 68er kategorisiert werden.

Die Grünen haben es länger geschafft, diese Illusion aufrechtzuerhalten, bis die Organisation geschafft war.

Bei der Piratenpartei sehe ich eher schlechte Ausgangsbedingungen, zerbröckelt die einigende Idee doch bereits jetzt schon an einigen Ecken.

Was die Piratenpartei ansonsten zu Themen ausserhalb des Internetbereichs zu sagen hat, ist wenig ausser ein paar äußerst wolkigen Vorstellungen. Alleine die Frage, was eigentlich ein Bürgerrechtsthema ist und wie es gewichtet werden soll, würde unter Piratenparteigängern wohl eine Kakafonie unterschiedlichster Tonlage hervorbringen. Als Protestpool mag die Piratenpartei momentan zu gebrauchen sein, eine Rolle in Verantwortung wünsche ich mir für sie nicht.

Aber vielleicht irre ich mich ja auch und aus der Piratenpartei wird eines Tages eine „echte“ Partei, der man zutrauen kann Verantwortung zu tragen. Ein Parteivize, der nicht weiß, wie die JF einzuordnen ist, halte ich zudem für wenig vertrauensfördernd und ebensowenig der Umgang der Piratenpartei mit diesem Fall.

Eine offene und ehrliche Diskussion über die eigenen Ziele und Inhalte würde da eher den selbstzugesprochenen Tugenden entsprechen.

27 Peter 23. September 2009 um 19:00

@fl

“Das Kernanliegen steht nicht in Parteiprogrammen [...] Also da ist “Gegen Zensur” ein müder Witz”

Ah! Ich dachte Kernanliegen meint, naja, Anliegen im Sinne von Vorhaben und Programm, nicht der gewachsene Hintergrund der Partei. Mein Fehler. Wenn wir uns dann aber darauf einigen, dass Kernanliegen nicht im Wahlprogramm stehen, sollten wir auch einen Programmpunkt aus einem Unterkapitel nehmen und den als “müden Witz eines Kernanliegens” bezeichnen. Stattdessen müssten wir schauen, ob es da was gibt und wenn nicht, ob es noch entstehen bzw. sich herauskristallisieren könnte – die Truppe ist ja noch vergleichsweise jung.

“Wenn aber vor allem FDP und Grüne das für ein wichtiges Issue halten, werden die schneller sein als die Piraten überhaupt twittern können … . Parteien sind Machtopportunisten.”

Ja. Wenn! Und falls es dann mal soweit ist, muss so eine Kehrtwende gelingen. Dass das nicht zwingend der Fall sein muss, sieht man ja zum Beispiel an einer gewissen ehemals großen Volkspartei.

28 Logik-Ratio 23. September 2009 um 19:07

Ich denke die Diskussion gründet auf falschen Grundannahmen – die Etablierung der Gründen gründet sicherlich auf , wie in der guten Argumentation nachzuvollziehen ist, der Emanzipation.

Das war ein großer Aufhänger – Frauen dürfen Atomphysikerinnen werden, aber kein eigenes Bankkonto eröffnen. Das war ein Thema und ein Aufreger. Insgesamt setzte sich die junge Generation mit ihrer verkrusteten Großeltern, Elterngeneration außeinander.

Diesen Kontrast gibt es sicherlich heute nicht mehr in dieser extremen Art und Wiese. Die Differenzen der Generationen sind sicherlich nicht mehr so extrem wie damals – dafür ist der Aufwand der Vernetzung und die Notwendigkeit zu persönlichen Opfern für den Ausdruck des eigenen politischen Willens heute viel geringer als früher.

Die Hauptkonfliktlinien zwischen den Generationen beruhen in den Bürgerrechten und der offensichlichen Verlogenheit der Politik. Der Informationsfluss in den neuen Medien ermöglich eine einfache Information des normalen interessierten Bürgers, vorbei an den alten “Gatekeepern”. Viele Informationen versandeten früher auf dem Schreibtisch des Chefredakteurs, weil der Besitzer der Zeitung kein Intersse an der Veröffentlichung der Meinung hatte. Siehe hierzu z.B. die Berichte über das Berichtsverbot einiger Tageszeitungen.

Die Themen der Piratenpartei sind einfach: Transparenz, Freiheit und gegen verkrustete, illegale und verlogene Parteistrukturen, welche nur an den eigenen gut dotierten Ämtern und Posten interessiert sind.

Die neuen Medien schaffen Transparenz – prügelnde Polizisten in Berlin, geheime Papiere der Banken öffentlich im Netz usw.

Auf breiter Front haben die intellektuellen Autoren nun ein Forum unabhängig des eigenen Geldbeutels und der Bewertung eines Chefredakteurs. Die intellektuellen des neuen Zeitalters sind Menschen mit die Mitglieder des CCC, die schnell und kompetent Aufzeigen, dass zwar Phisingseiten weltweit innerhalb von Stunden unschädlich gemacht werden. (Bankenlobby). Aber vor Kindopornoinhalte nur ein Stopschild gehängt wird! ? !

Das Netz befördert gute Argumente, schafft überregionale Transparenz und entkoppelt Kommunikations von wirtschaftlicher Potenz. Nicht der Großgrundbesitzer kann die Meinung steuern, sondern der kreative User.

Ob die aktuellen Parteien dieses Thema aufgreifen können? Nur zum Teil, denn die eigenen Strukturen werden hierbei in Frage gestellt. Die Politik im Hinterzimmer gerät immer stärker unter Druck.

Die Piratenpartei könnte so zum Sammelbecken für alle werden, die mit dem aktuellen System unzufrieden sind, als Protestwähler. Sie könnte interessant werden für wirkliche Liberale, die sich wundern wieso die FDP Ärzte und Apotheker, entgegen der Ideologie, schützt, einfache Arbeitnehmer nicht (reine Klientelpartei ohne Ideologie). Jeder der sich von den Alten Säcken der Politik unverstanden fühlt, wenn diese wieder über Killerspiele reden, welcher nahezu jeder gerne spielt, der noch nicht scheintod ist.

Der Bruch der Generationen ist nicht mehr so radikal wie in den 70er Jahren, trotzdem ist er vorhanden. Die Gesellschaftlichen Probleme sind nicht mehr zu übersehen und genau hier haben junge, unverbrauchte Parteien chancen zu wachsen und sich zu etablieren. (Bie sie selbst eines Tages wieder von jüngeren Parteien in Frage gestellt werden.)

Das Dilemma eines solchen Vorgangs ist ja gerade das Unverständnis der älteren Generation.

29 alpenfoen 23. September 2009 um 19:08

@wgx

weissgarnix 23. September 2009 um 17:44
“Insofern bleibt den Piraten die Wahl, sich entweder politisch-liberal und markt-antiliberal zu geben, und damit gegen die Grünen zu konkurrieren; oder sie geben sich politisch- und markt-liberal, und konkurrieren unmittelbar mit der FDP.
Dass sie eine eigene “Nische” besetzen können, sehe ich hingegen nicht. Welche sollte das sein?”

Vielleicht der Freiheit ermöglichende Liberalismus bei Amartya Sen, bei dem es um die tatsächlichen Verwirklichungschancen geht?

Der ist sicher nicht deckungsgleich mit der gründen Liberalismus-Konzeption. Die kommt dafür zu sehr mit erhobenem Zeigefinger daher und verordnet viel zu gerne.

30 Dominic 23. September 2009 um 19:08

Ich sehe die Piraten gar nicht so sehr als Partei im klassischen Sinne, sondern eher als pragmatischen Problemlösungsansatz; eine Art psychosoziales Tool, um eine mittlerweile arg verbuggte Legislative zu fixen.

Ob es die Piratenpartei auf Dauer gibt oder nicht, spielt gar keine Rolle. Es geht nur darum, die aus Sicht der zukünftigen Informationsgesellschaft katastrophalen Weichenstellungen so nachdrücklich zu thematisieren, dass ihr Gefahrenpotential auch auch für jene deutlich sichtbar wird, die nicht mit digitaler Informationstechnik auf- oder schon dort hinein gewachsen sind.

Es ist aus Sicht des “exemplarischen Nerds” eher aus der Not geboren, aber man ist jetzt wirklich entschlossen, den Umgang mit diesem “sperrigen Offline-Tool” zu lernen und es zielführend einzusetzen – bis das Problem gelöst ist. ;)

31 Alvar Hanso 23. September 2009 um 19:22

Kurz ergänzend zur LINKEn:
Auch Kipping (z.B.) hat nichts gegen Zensur, sofern es nicht das eigene Lager betrifft.
Ich erinnere da an diesen glorreichen Vorschlag europaweit das zeigen von Hakenkreu zen zu verbieten.
Insofern sind Bürgerrechte bei unseren 6 BT-Parteien eher suboptimal aufgehoben und v.a. Verhandlungsmasse innerhalb machtpolitischer Auseinandersetzungen.

Ansonsten, siehe oben.
Aus politologischer Sicht haben die Piraten Null Chance etwas zu reißen, alle Themenfelder werden bereits mehr oder weniger stark von LINKE – FDP abgegrast.
Nur verhält es sich hier wie in der Ökonomie auch, das Problem aller Theorien ist die Praxis.
Und ebenjene Praxis spricht für die Piraten, da in meinem Augen die Zeit einfach reif für eine neue Partei im System ist, sein muss da ohne “Gefahr von aussen” unser politisches System selbstgefällig wird.
Der Trend hin zur Deutschen-Einheits-Plutokraten-Partei ist hier nun schon öfters angesprochen worden.
Und im Gegensatz zu z.B. den weitgehend konservativen FW von Pauli gibt es bei den Piraten evolutionäre Ansätze v.a. im Bereich Informationstechnik die eine relativ große Gruppe ansprechen und vorallem auch relativ einfach vermittelbar sind.

32 f.luebberding 23. September 2009 um 19:26

limited

Ich vermeide ja den Begriff “Neue Soziale Bewegungen”, weil der mir zu politisch-aktivistisch ist. Also es gab Dritte Welt Gruppen, Anti Nestle Gruppen, Antimilitarismus, KDVer, Männer und Frauen, Schwule und Lesben etc. Die einigte aber eben der eine Begriff – Emanzipation. Und man stritt sich darüber wie die Kesselflicker. Die Parteigründung stand am Ende, nicht am Anfang. Das Milieu umfasste auch mehr als die eigentliche Partei – manche haben sich aus orthodoxen Gründen für die SPD entschieden … . Wie gesagt, bei den Piraten muss es das auch geben – diese Einigkeit auf einen Begriff, der aber einen ganzen Kosmos umfasst.

Peter

“Stattdessen müssten wir schauen, ob es da was gibt und wenn nicht, ob es noch entstehen bzw. sich herauskristallisieren könnte – die Truppe ist ja noch vergleichsweise jung.”

Genau das ist mein Anliegen, wenn ich es auch bisweilen nicht richtig ausdrücken kann. Ich bin ja auch ein Mann … , hätte man früher gesagt.

Logik-ratio, Alpenfön

Du machst genau das, was ich meine: Selbstreflexion. Wenn ich auch nicht weiß, ob Du Dich den Piraten verbunden fühlst. Man kann ja den Eindruck haben … . Alpenfön fühlt sich ja auch Sen erinnert.

Dominic

Dann wären die Piraten eine klassische Lobbygruppe. So kann man die nämlich definieren als “psychosozialen tool um die Legislative zu fixen”.

33 tschill 23. September 2009 um 19:44

Geht es Schirrmacher nicht eher darum, dem (erklecklichen) konservativen Potential der Piraten eine Brücke zu bauen? Würde ich an seiner Stelle auch machen, denn letztlich kann es ihm egal sein, ob die Piraten schlußendlich links oder rechts von der FDP sitzen oder in CDU oder FDP aufgehen.

Im übrigen gefällt mir f.luebberdings Artikel nicht sonderlich. So kurz vor der Wahl wäre es hilfreicher gewesen, die Leerstellen der Piraten (Stichwort: vermeintliche Ideologiefreiheit und daraus resultierende Projektionsfläche für alles und jeden) zu thematisieren, anstatt in die Kristallkugel zu blicken, was mit ihnen zukünftig passieren wird. Meine Kristallkugel sagt übrigens, daß Die Piraten von Zentrifugalkräften zerrissen wird.

34 f.luebberding 23. September 2009 um 19:54

tschill

Die Ideologiekritik haben ja schon andere gemacht – von Albrecht von Lucke angefangen. Albrecht kann das eh besser als ich. Mich interessierte der Parteiensoziologische Aspekt. Dazu übrigens die Frage, ob ich mittlerweile schon zu alt bin, um Entwicklungen zu verstehen, die nicht aus meiner Lebenswelt kommen. Das beste analytische Instrumentarium nutzt ja nichts bei einer gewissen Borniertheit. Und man versteht andere Generationen nicht automatisch, wenn sich heute auch alle für ewig jung halten.

35 Andreas 23. September 2009 um 19:56

Gerade im Millieu sehe ich eine der stärksten Parallelen zu den Grünen. Wie du ja hier schreibst, haben sich die Grünen sozusagen nur ein Thema gesucht, dass ihre Bewegung tragen sollte.
Es bedarf eines Generationenkonflikt, damit eine neue politische Bewegung entsteht, und einige sehen diesen Konflikt nicht. Die Digital Natives und die Generation C64 (so der Name dieser Generationen) finden ihre Heimat in der Piratenpartei.
Natürlich ist die Empfehlung Bücher zu lesen nie verkehrt, aber unsere Generation und unser “Millieu” liest lieber Blogs.

Und so entdecke ich hier in diesem Blog, dasselbe Missverständnis, dass ich dauernd in dieser links/rechts-Debatte sehe: Eine eher linksorientierte Meinungselite glaubt, die Piratenpartei erziehen zu müssen. Und genau diese ehemalige Meinungselite ist die alte Generation, deren Politik die Piratenpartei für gescheitert und gestrig hält.

36 gelegentlich 23. September 2009 um 20:02

@lübberding:
interessante analyse. wertentwicklungen liegen in der vergangenheit, erinnert mich an die bankenkrise. wir sagen voraus, was wir erlebt haben. ist ein problem, wenn etwas so neu ist wie die piraten, das netz und die informationsgesellschaft.
frage: wenn ich Ihnen heute vor genau zwanzig Jahren in der Hauptstadt Bonn folgendes vorausgesagt hätte (die grünen als “unwahrscheinliches ereignis” gabs da ja schon längst): Heute in zwanzig Jahren wird die Bundeshauptstadt Berlin sein, deutsche Soldaten kämpfen in Afghanistan, eine DDR Physikerin, die jetzt gerade mit ihrem Trabi in die Sauna fährt, erledigt Helmut Kohl, übernimmt die CDU und wird Kanzlerin, die SED entscheidet höchstwahrscheinlich über die nächste Regierung,Joschka Fischer berät EON und BMW – wie hätten Sie das gefunden? Soviel zur kristallkugel. Das neue ist neu.

37 Limited 23. September 2009 um 20:11

Die Digital Natives und die Generation C64 (so der Name dieser Generationen) finden ihre Heimat in der Piratenpartei.

Eine derartige Vereinnahmung halte ich für etwas gewagt.

Als jemand, der mit c64, Datasette und Floppys so groß wie Pizzateller aufgewachsen ist, bekenne ich Sympathien für einige Ziele der Piratenpartei, nicht jedoch dort eine wie immer geartete Heimat zu sehen. Ähnlich geht es meinen Bekannten und Freunden mit ähnlichem Sozialisationshintergrund.

Tatsächlich kenne ich sogar einige Mitglieder der Piratenpartei, denen ich nicht zutrauen würde, dass sie die eigene IP in Erfahrung bringen könnten, die aber ganz angefixt von der Piratenpartei sind. Ist ja auch irgendwie hipp und neu und so.

Die Piratenparteianhänger sind m.E. in mehr als einer Hinsicht äußerst heterogen.

38 anderer Stephan 23. September 2009 um 20:42

Die Piratenpartei greift aber im weiteren Sinne ein sehr wichtiges Thema auf; das der Verschiebung von der legislativen Gewalt hin zur Exekutiven. Und dort hat man bei allen etablierten Parteien schon einen großen Konsens, dass diese Entwicklung richtig sei. Man denke nur an die Bastapolitik, die mehr oder weniger stichhaltigen Sachzwaenge, oder auch -bei den linken- der sehr hierarchische Parteiaufbau. Das Ganze hat in den letzten Jahren der großen Koalition eine gewisse Verschaerfung bekommen und hier ist durchaus eine Gegenbewegung angebracht. Ob sich diese Bewegung, die aus dem AKVorratsdatenspeicherung auch zu anderen Politikfeldern positionieren kann, wird man sehen. Allerdings kann ich hier schon gewisse Ansaetze erkenn, wenn man sich deren Positionen zu Gentechnik und Patentrecht anschaut.

Und dass diese Vermachtung des oeffentlichen lebens thematisiert werden muss, ist ja wohl unstrittig: Too big to fail, Wasserrechte, Co2-Zertifikate, Praeventionsstaat, Einschraenkung der Versammlungsrechte,bundeseigene Hedgefonds, die sich Soffin schimpfen, bertelsmanngestiftete Einigkeit usw. usf.

Ich sehe hier schon Potential, es gab und gibt diese Bewegung zur Plutokratie bzw. Monopolisierung und dieser Bewegung muss ein Korrektiv entgegengesetzt werden. Sieht man ja auch bei WGN und seinen Flirts mit dem Stamokap im Sinne eines Arbeitsdienstes, dass sich in der Gesellschaft ein gewisser Konsens oder Fatalismus herausgebildet hat, der sehr unschoene Entwicklungen zulaesst und zwar auch unter einer rot-rot-gruenen Regierung, wenn sie denn in 2013 realistisch ist.

39 sinthomat 23. September 2009 um 20:48

Die Grünen waren keine Ein-Themen-Partei, auch und gerade nicht bei ihrer eigentlichen Formierung Anfang der 80er. Neben dem Thema Umwelt war doch vor allem die Friedensbewegung wichtig, die Kritik am offen irrationalen Wettrüsten hat eine ganz wichtige Rolle gespielt.

Damit wären wir beim nächsten Punkt, dem gemeinsamen Gegner. Die gemeinsame Vergesellschaftung auf den Demos gegen Nato-Doppelbeschluß und erst Schmidt und dann Kohl. Genauso halte ich es für möglich, dass hier noch einiges passiert, wenn die etablierten Parteien die Internet-Themen nicht schnell und glaubwürdig aufnehmen. (Halte ich praktisch für ausgeschlossen.)

Kulturelle Klammern gibt’s auch. Douglas Adams dürfte jedem Piraten ein Begriff sein, Pratchett, vielleicht auch noch mehr, William Gibson und tausend Sachen, die ich nicht kenne, oder die mir nicht einfallen. Bestimmt auch viele Filme und “Internet-Meme” dabei. Die “Hacker-Kultur” bietet sich an. Es gibt im Atheismus bzw. Agnostizismus sowas wie eine wahrscheinliche geistige Klammer. Etc. Ob das reicht, ob das ausbaufähig ist, werden wir sehen. Gerade in Deutschland wird das nicht einfach, denke ich.

Aber die Inhalte sollte man auch nicht ganz vergessen. Die Piraten stehen zumindest für den Versuch, das unaufhaltsame Ende der Gutenberg-Galaxis, sagen wir, optimistisch und produktiv anzugehen. Welche Partei sollte dazu sonst in der Lage sein? Ich kann mir schon vorstellen, dass das Thema noch viel wichtiger wird. Die Piraten müssten wohl allerdings auch deutlich offensiver werden, als sie das zur Zeit sind.

40 f.luebberding 23. September 2009 um 21:32

Alle

Nur als Hinweis ein Bericht im Heute Journal vom 21. September:

http://www.youtube.com/watch?v=KxknFRcY7LA

Eine durchaus wohlwollende Betrachtung der Piraten. Nun aber folgender Artikel eines Piratenblogs zu dem Bericht. Es ist ein Beleg dafür, dass manche Piraten nicht wissen wovon sie reden.

http://twitgeridoo.wordpress.com/2009/09/22/gezielte-falschdarstellungen-in-den-medien/

Also ich will jetzt keinen neuen thread aufmachen. Das hat der Autor nun wirklich nicht verdient. Aber der gute Mann meint, er hätte jetzt “investigativen Journalismus im Web 2.0″ betrieben – weil Peter Lösche die Piraten als eine “Ein Punkt Partei” charakterisiert hat.

Nur zur Klarstellung: Lösche ist einer meiner Lehrer in Göttingen gewesen. Das hat aber nie bedeutet, dass ich mit ihm immer einer Meinung gewesen wäre. Ich war fast nie seiner Meinung, deshalb habe ich auch etwas von ihm gelernt … . Nun meint der Autor – ich kenne seinen Namen nicht – Lösche eine gewisse Nähe zum Lobbyismus unterstellen zu müssen. Er hat kein einziges Buch gelesen, das sagt er selbst, weiß noch nicht einmal wie man Lobbyismus überhaupt analysieren muss, hat aber die Frechheit in Lösche einen Verteidiger des Lobbyismus zu finden.

Also nur zur Klarstellung: Lösche hat in 15 Sekunden mehr analytischen Tiefsinn bewiesen als der Autor in diesem Piratenblog in seinem schlecht formulierten, aber dafür von jeglicher Sachkenntnis befreiten sogenannten “Offenen Brief”. Es ist keine “Gezielte Falschdarstellung”, sondern schlicht der derzeitige Sachstand, den Lösche in seinem kurzen Statement zum Ausdruck gebracht hat. Es ging in keiner Sekunde bei Lösche darum, die Piraten zu schädigen.

Also eine Enpfehlung an die Piraten: Euer Niveau ist wirklich steigerungsfähig. Und wer meint analytische Kompetenz durch Google ersetzen zu können, ist ein Idiot. Dieser Briefeschreiber hat die Defizite ungewollt und sehr anschaulich auf den Punkt gebracht. Auch ein Verdienst … . Lösche wird angesichts solcher selbsternannter “innovativer journalistischer Leistungen im Web 2.0″ ganz sicher keinen Anwalt bemühen. Der Autor hätte allerdings auf dem Niveau in keinem Einführungskurs in die Parteienforschung einen Schein bekommen, noch nicht einmal für seine Anwesenheit. Obwohl Lösche ansonsten wirklich sehr viel Verständnis für seine Studenten hatte – auch wenn sie keine Sozialdemokraten waren. Das nur zur Klarstellung.

Aber es gibt Grenzen.

P. S Dass Lösche Sozialdemokrat ist, kann gerne jetzt gegen ihn – oder mich – verwendet werden. Nun denn, wir werden es überleben.

41 sinthomat 23. September 2009 um 21:48

Lieber f.luebberding, Du machst einen Fehler, wenn Du denkst, dass die Tatsache, dass es bei den Piraten viele Idioten gibt, vielleicht sogar in Führungspositionen, irgendwas über ihre Zukunft aussagt. Das hat die Grünen ja auch nicht aufgehalten.

42 f.luebberding 23. September 2009 um 21:54

Sinthomat

Den Fehler hoffe ich zu vermeiden (man wir mich auch daran erinnern, wenn ich ihn machen sollte), aber bisweilen muss man Klartext reden. Meine erzkonservativen Lehrer am Gymnasium hatten nie etwas gegen meine Meinung, sie verlangten nur sie richtig zu begründen.

Das erwarte ich auch von den Piraten. Ich lasse auch Steinmeier oder Steinbrück keinen Unsinn durchgehen, aber ich erwarte von den Piraten mehr als bloßen bullshit … .

Aber sie können ja noch lernen.

43 Nono 23. September 2009 um 21:55

@Lübberding: Das ist doch absurd. Ich bin kein Pirat und kein Piratenwähler. Aber das gleiche findet man doch auch von CDU-,SPD-,FDP,-GRÜnen-Linkenwählern überal im Netz und sogar noch viel blödereres. Da rufen die Generalsekretäre ja schon an, wenn Merkel 2 sek länger zu sehen ist als Steinmeier. Ganz schwach. Wenn man der Meinung ist, daß es noch keine Empirie gibt, was diese Partei angeht, soll man jetzt auch nicht so etwas hanebüchenes kosntruieren.Auch das mit den “Lest Bücher” finde ich extrem schwach und unwürdig. So haben die CDU Bonzen über die Grünen geredet, nur dass es da nicht ums Bücherlesen ging sondern um “Geht arbeiten” (oder sonst nach drüben). Könnte es am Ende sein, daß diese Partei ein Faktor wird in einer Welt, in der niemand mehr Bücher liest und alle nur googlen? Das macht sie nicht dumm, sondern anders.

44 Coki 23. September 2009 um 22:00

Meiner Beobachtung nach haben die Priaten-Partei nur eine wirkliche Chance, alle Wähler ab 35 und Jünger mit den passenden Themen abgrassen und gut ist.
Dieses sind die Wählergruppen, die in Deutschland nix zu sagen haben und bzgl der Lebenszukunft als auch generell der Perspektiven dunkelschwarz sehen.

Alle andere Parteien (mit gewisse Abschwächungen bei den Grünen) konzentrieren sich in den Themen, die für die Masse der Wähler relevant sind und gut ist.

Für die PP ist im Moment ein Loch da, was schnell und zügig genutzt werden muss. Wenn es ihnen gelingt, dann meinen Respekt.

Aber ob es klappt (und dann reicht)?

Gruss,

Coki

45 Frank Powers 23. September 2009 um 22:03

@all

Drüben bei JPoX gibt es ein Videointerview mit Dirk Hillbrecht, zugegebenermaßen der ehemalige Vorsitzende der PP, in dem er u.a. (Frage 5) zum Vorwurf der One-Issue-Partei Stellung nimmt:
http://jpox.eu/component/streams/view,content/cid,232/

@FL

Danke für den ausgeglichenen Post ohne jede Seefahrer-Assoziation. Thumbs up!

46 Tarantoga 23. September 2009 um 22:03

@f.luebberding: Twitgeridoo ist 23 Jahre alt.

Mir fehlt bei den Piraten auch noch intellektuelle Substanz. Das Lob von Schirrmacher passt nicht ganz. Allerdings muss man auch zugestehen, dass es die Piraten schwer genug haben ihre Themen halbwegs so zu verpacken, dass die alten Offliner sie überhaupt verstehen oder erst recht diskussionswürdig finden. Wenn man das Internet intellektuell ernst nimmt, dann landet man viel näher bei Barlow als der herrschenden Meinung. Aber dafür ist die Gesellschaft wohl noch nicht bereit.

47 sinthomat 23. September 2009 um 22:05

f.luebberding,

Ich lasse auch Steinmeier oder Steinbrück keinen Unsinn durchgehen, aber ich erwarte von den Piraten mehr als bloßen bullshit …

Da sind wir ja einer Meinung, aber ich habe schon den Eindruck, dass wir da geduldig sein und viel seltsames ertragen müssen. Immerhin ist die Gefahr, dass sie im Bundestag stricken, relativ gering.

Die Frage ist und bleibt, neben den berechtigten Fragen, die Du oben aufgeworfen hast, ob, wie und wann sie sich auf der klassischen Skala verorten. Wenn sie erfolgreich sind, wird genau das geschehen, und es wird Links sein, oder sie schaffen es nicht. (Nicht zuviel erwarten. In etwa so links wie die Grünen.) Das ist meine Prognose. Dass sie jetzt gegen diese Skala rebellieren, dass es jetzt Hirnlosigkeit gibt, das sind für mich alles keine Argumente. Die Frage ist: Entwickeln sie eigene Inhalte und Positionen?

48 Tarantoga 23. September 2009 um 22:07

Womit ich Twitgeridoo überhaupt nicht abqualifizieren will! Ich fordere nur das Vorrecht der Jugend, den Mangel an Weisheit durch Leidenschaft zu kompensieren.

49 f.luebberding 23. September 2009 um 22:08

Nono

Es geht nicht darum, ob man Unsinn von anderen Parteien im Netz findet. Damit setzen wir uns nicht auseinander, weil wir in den Parteiführungen schon genug Unsinn finden … . Ich komme auch nicht auf die Idee, mich mit den Überlegungen der Piratenpartei zu Afghanistan auseinanderzusetzen, das ist wirklich nicht meine Baustelle … . Lest Bücher, bedeutet nichts anderes als Denken lernen. Nämlich längere Texte zu verstehen und einordnen zu können. Das lernt man nicht in Wikipedia oder durch Googeln. Natürlich gab es CDU und andere Bonzen, die Unsinn erzählten. Aber es gab auch CDU (und andere) Leute, die nicht einfach den Unsinn von jungen Leuten widerspruchslos hinnahmen und diese zur Debatte zwangen.

Und wie gesagt: Intellektuelle Defizite dieses Ausmasses lasse ich nicht durchgehen, egal von wem sie kommen. Dummerweise gibt es hier im blog immer welche, die mir die auch nachweisen … . Ja, so ist das nun einmal.

50 GP 23. September 2009 um 22:14

Ich denke, eine solche Partei ist vor allem dazu da, ein Thema in den Vordergrund zu rücken und es den anderen Parteien dadurch aufzuzwingen. Mein Problem mit den Vielthemenparteien ist ja eben, daß sie viele Auffassungen vertreten, von denen ich einige gut und andere bescheuert finde. Ich finde z.B. den Schutz der Umwelt gut, aber ich würde mit den Grünen automatisch den aus meiner Sicht völlig idiotischen gender mainstream mitwählen. Vergleichbar ist das mit den anderen 4 Großen. Deshalb bin ich über eine Partei, bei der ich mich mit ganzem Herzen festlegen kann, sehr glücklich. Wenn wir jetzt noch das Schweizer Konsensmodell einführen, kommen wir diesmal vielleicht auch mit dem sich anbahnenden Vielparteiensystem klar.

(PS: Ich finde Frauen trotzdem wichtig und gut und genauso viel wert wie Männer. Nicht daß frau mich kratzt und beißt! :-) )

51 f.luebberding 23. September 2009 um 22:14

Tarantoga

“Womit ich Twitgeridoo überhaupt nicht abqualifizieren will! Ich fordere nur das Vorrecht der Jugend, den Mangel an Weisheit durch Leidenschaft zu kompensieren.”

Kein Problem. Nur muss man ihm nicht gerade deshalb widersprechen und notfalls auch hart kritisieren? Ich verurteile ihn nicht persönlich, das ist wirklich nicht meine Sache (du weisst das, glaube ich), ich nehme ihn ernst. Gerade deshalb muss er sich das anhören. Dieses verständnisvolle “Er ist doch noch jung”, ist wirklich nicht meine Sache. Das konnte ich noch nie ausstehen. Er ist nicht fünf wie mein Lütter.

52 sinthomat 23. September 2009 um 22:16

Ich denke schon, dass das ein Stückweit auch eine Kulturfrage ist. Gelesen wird, aber es gibt noch keine Narration. Dass die anderen Parteien im Netz professioneller sind, ist auch nicht wirklich ein Argument. Ein Stück weit gehört das gefühlte Anderssein ja auch zur Ästhetik politischer Bewegungen, da wird auch experimentiert, so erklär’ ich mir das.

Ein lesenswerter Pirat – aber Techie durch und durch – ist, finde ich, Koehntopp. Ist aber ein subjektives Urteil. Dass da (noch) nicht viel Politik drin ist, ist klar, aber dumm ist der keinesfalls. Um mal ein Gegenbeispiel zu nennen.

53 sinthomat 23. September 2009 um 22:18
54 GP 23. September 2009 um 22:19

@f.lübberding: Das mit dem Intellekt darf man nicht überbewerten. Die meisten Leute sind nunmal ziemlich dumm. (Natürlich gibt es unter den Lesern hier keinen einzigen!!!) Ich reiß es hier nur mal kurz an, aber ich meine es ganz ernst. Nicht die Belesenheit ist das einzig Gute im Menschen, sondern der gute Wille.

55 Nono 23. September 2009 um 22:19

Bleibt mir unverständlich. Als alter Ideologiekritiker müssten Sie doch wissen, dass Texte lesen und verstehen nicht notwendig mit kognitiven Fähigkeiten zu tun hat sondern strategisch sein kann. Wer mit dem Hammer philosophiert, dem wird die Welt zum Nagel und dann kommt halt so eine “Recherche” zustanden. Das gleiche findet man genauso hin und wieder auf den Nachdenkseiten, Verschwörungstheorien inklusive (Bertelsmann regiert Deutschland). Und also bleibt rätselhaft, wieso Sie die Leseschwäche eines Piraten, der offenbar nicht für die Partei redet, als Paradebeispiel zitieren. Oder eigentlich nicht: denn so was wie der Link ist der erste Hinweis, dass das eine Partei wird, die die gleichen Ideologiestrukturen entwickelt wie alle anderen.

56 sinthomat 23. September 2009 um 22:24

Entschuldigung für den Spam, aber noch interessanter als der Piraten-Tag ist der Politik-Tag dort. Jetzte hab’ ich aber fertig.

57 Tarantoga 23. September 2009 um 22:25

@f.lübberding: Ja das weiß ich. Genau genommen werfen Sie die Meinungsäußerung eines 23 jährigen Mitglieds der ganzen Partei vor. Und das gefällt mir nicht. Die Angriffsfläche der Piraten in diesem Wahlkampf besteht vor allem darin, dass unter ihrer Flagge nicht nur weichgespülte, von der Pressestelle abgenickte Sprechblasen abgesondert werden. Genau das macht aber den Reiz der Partei aus. Man kann sich nicht über die Sprechblasenpolitik der Etablierten echauffieren und gleichzeitig an jeder Kante einer authentischen Bewegung aufschreien. Die etablierten Parteien sondern die Sprechblasen nicht ab, weil sie das für gute Sprache halten, sie haben nur bereits gelernt, dass man nur so vermeiden kann, alles im Mund herumgedreht zu bekommen. Mir ist da eine Partei mit Fehlern lieber, Authentizität ist in einer relativen Welt einer der wichtigsten Werte.

58 Jens Tramann 23. September 2009 um 22:54

Beim “Wahlometer”, der u. a. auf ZDF.de oder Spiegel-Online.de angeboten wird, hatte ich komischerweise mit der “Piratenpartei” die höchste Übereinstimmung in den vertretenen Positionen. Aber wenn ich mir dann die Personen, die hinter der Piratenpartei stehen, genauer anschaue, so würde ich die nie und nimmer wählen wollen. Für mich sind das mehr minder “Netzphilosophen”, die denken, das Internet sei das allein selig machende “Allheilmittel” für die Lösung so ziemlich sämtlicher Probleme, die uns in der Demokratie bedrücken können. Diese Position halte ich jedoch für unhaltbar, wenn nicht sogar für lächerlich. Kurzum: Die Piratenpartei stellt ein schönes Forum für postmodern desorientierte Pseudo-Interlektuelle dar, die überhaupt keine Lösung für die Probleme unserer Zeit bieten, dies aber dennoch behaupten, anbieten zu können. Ich gebe denen daher langfristig keine Erfolgschancen. Aber ich mag da in meiner Einschätzung auch falsch liegen.

59 gelegentlich 23. September 2009 um 22:59

Jetzt mal ideologiefrei: mir scheint diese Mischung: eine Netzpartei in the making, der hochambivalente und wahnsinnig geschickte um nicht zu sagen strategisch geniale Schirrmacher-Artikel, der niemand so sehr ärgern dürfte wie die FDP, die Lösche-Schule der alten Republik via Lübberding absolut faszinierend. Und jetzt überlegt mal, wo wir das alles diskutieren, ohne uns zu kennen (außer den Gastgebern). Hier entsteht was Neuees. Trotz aller romantischen, gegen-kulturellen Assoziationen, die die Piraten auslösen, wo es um die kulturellen Rohstoffe geht, ist im Konzept der digitalen Piraterie selbst nichts emanzipatorischen, oppositonelles oder emanzipatorisches. Selbst “Aktionen” , die eine Kernmotivation der Partei ausmachen, wie beispielsweise das illegale Kopieren sind primär überhaupt nicht konfliktorientiert gemeint – sie werden in einem sehr viel “höheren” Spiel von Moralität und Legitimität “gefangen”. Das erklärt, den sonderbaren Ton dieser Partei. Es stimmt auch nicht, dass sie “lesen” müßten. Die theoretischen Grundlagen gibt es seit der britischen BBC Diskussion in den dreißiger Jahren, als einerseits Übertragungskanäle monopolisiert und andererseit der nicht-bezahlende Zuhörer als “Pirate” gekennzeichnet wurde.(In der Debatte um Piraterie wird man die interessantesten Hinweise in brutal libertinären theoretischen Rahmen wie Robert Nozick’s Anarchy, State, and Utopia (1974) finden.) Damals ist eine große Debatte der Anti-Patente entstanden, es gab sogar den Vorwurf durch die Monopolisierung der Bandbreiten bedrohe die BBC die Wissenschaften, weil Wissenschaftler sich nicht über Radionetzwerke austauschen konnten. Einer der das begierig aufgriff was kein anderer als Polanyi. Polanyis Verständnis von Wissenschaft als Tradition eine stillschweigenden Wissens griff tatsächlich manifest auf die anti-patent Debatte rund um die Piraten zurück – und Polanyi selbst formulierte eine interessanten Aufruf zur Abschaffaung geistigen Eigentums. (vergleichbar der heutigen Debatte um Patente auf Leben). Es ist völlig vergessen, das Plant und Polanyi eine Debatte um die BBC führten, die in ihren Augen eine freie Informationsökonomie behinderte.
Das alles kehrt jetzt zurück, nur dass jetzt das Netz eine unvorstellbarer ökonomischer Marktplatz geworden ist. Was fehlte war die Anerkennung der “Piraten”-theoreme als politische Kraft. Und genau an dieser Linie stehen Schirrmacher,Lübberding und diese Debatte. Believe me: you get much more than you see. Prognose: die Piraten sind Vorbote einer Spaltung, die viel grösser ist als gedacht.

60 Limited 23. September 2009 um 23:09

Oh, mal wieder ein spannendes Thema über die SPD mit Internetbezug. Witzig, ich bin allerdings davon überzeugt, dass es in den anderen Wahlkampfzentralen nicht wesentlich anders zugeht.

Allenthalben veraltete Parteihomepages und entleerte und verödete Parteiforen. Da besteht in der Tat großer Nachholbedarf. Und ich fürchte, dies ist mehr als eine Generationenfrage:

No we can’t – http://www.freitag.de/wochenthema/0939-wahlkampf-spd-wahlkampfzentrale-insider

61 Kussi 23. September 2009 um 23:11

“Macht den Rechner zwischen durch einmal aus – und lest ein paar Bücher.

Das wäre m.E. nur der erste Schritt – Politik muss “live und in Farbe” gelebt werden – auf der Strasse, im Parlament, etc. Der Untergang der Piraten-”Partei” ist daher schon besiegelt, weil es vorm Rechner recht leicht ist zu polemisieren, etc. Im Sinne der Macht funktionsfähige Agitation und Argumentation lernt man nur “draußen” unter dem Tatbestand der Unsicherheit; Macht ohne Risiko funktioniert nicht. Eine für die Demokratie funktionsfähige Partei bedient sich (aber) immer nondemokratischer Elemente – den erforderlichen “Ideologiebruch” (zum vor Interessenpluralität strotzenden Internet) werden die jungen Mitglieder der Piraten gar nicht denken, geschweige leben können. Politik wird gemacht.

Ich empfehle dazu einmal den “Parteitag” der Piraten abzurufen unter Youtube!

62 Strangelove 23. September 2009 um 23:13

Mir sind all Eure Analysen viel zu wissenschaftlich. Da ich dieses mal wirklich nicht wußte, wenn ich wählen soll, habe ich ganz entgegen meiner sonstigen Interessen die Politikberichterstattung etwas sorgfältiger verfolgt und eine Menge Wahlprogramme gewälzt. Leider habe ich von Die Linke bis FDP Aspekte entdecken müssen, die die jeweilige Partei für mich unwählbar machen.

Also was tun? Wahlverweigerung? Oder eine kleine Partei wählen, die sich zu Wirtschafts/Aussen/Sozialpolitik gar nicht erst äußert, aber dafür mit einem kleinen kompakten Programm antritt, dass ich voll unterschreiben kann?

Habe mich für letzteres entschieden.

63 Nono 23. September 2009 um 23:14

@gelegentlich: Hochinteressant! Das mit Polanyi was mir neu.

64 Montauk 23. September 2009 um 23:26

@gelegentlich:
Habe das gerade gelesen. Mache gerade TV Film über Piraten. Polanyi? Plank? Interessiert mich sehr.

65 pacifist 23. September 2009 um 23:44

Mal mit etwas Realismus betrachtet erklärt sich Schirrmachers Aussage zu den Piraten doch recht einfach:

1.) Primär ist es das strategische Lob für eine (insgesamt recht diffuses Protestpotential einsammelnde) Gruppierung, welche das schwarz-gelbe Lager kaum Stimmen kosten wird (maximal nachrangig die FDP und die ist zudem nur sekundär Schirrmachers Heimat). Soll heißen, ein Wahlsieg von Schwarz-Gelb wird durch 1-3% für die Piraten lediglich zusätzlich abgesichert.

2.) Durch die Bewertung Seipenbuschs als Intellektueller wird im Subtext natürlich ganz nebenbei Schirrmachers eigener Anspruch ein solcher zu sein formuliert. (Egal wie absurd dies ist.) Und wer streichelt nicht gerne sein eigenes Ego…

3.) Intuitiv scheint Schirrmacher immerhin zu erkennen, dass (falls zukünftig nötig) die Anschlussfähigkeit der Piraten (auch dank vermeintlicher “Ideologiefreiheit”) ans bürgerliche Lager durchaus gegeben ist (zur Not wird beispielsweise temporär eine virtuelle gemeinsame Front gegen die “amerikanischen Auswüchse bzw. globalen Bevormundungen” aufgemacht, das fällt einem deutschen Konservativen – unter Verwendung des ureigenen Revanchismus-Reflexes – sicherlich nicht schwer) und daher im Fall der Fälle weniger Ausgrenzung angesagt ist, als bei den Grünen, die erst mal gründlich domestiziert werden mussten, bis diese sich auch als Steigbügelhalter andienen durften.

Eigentlich sind das schon zuviel der Worte für ein “Medienereignis” aus der FAZ…

66 Nono 23. September 2009 um 23:47

@pacifist: na ja, das ist nicht sehr zielführend. Auch das mit Seipenbusch. Also ich weiß nicht, das ist doch recht platt.

67 hen 23. September 2009 um 23:50

@pacifist:”temporär eine virtuelle gemeinsame Front gegen die “amerikanischen Auswüchse bzw. globalen Bevormundungen” aufgemacht” Hä? Was ist denn das für ein Gelaber?

68 iDog 23. September 2009 um 23:52

diese rasante zunahme der aufmerksamkeit fuer die partei je naeher der wahltermin rueckt gerade in den grossen printmedien und deren online portalen sowie der etablierten blog-sphaere, die zwar durch die bank sich um ein kommunes wegdiskutieren und verdraengen oder besser abdraengen des phaenomens bemueht, von schlichtem absprechen jeder relevanz bis hin zum linkischen nebeneinander stellen mit artikeln ueber die npd, sorgt unter dem strich fuer mehr wahlkampfwerbung fuer die partei als diese ganzen befuerchter und vermuter zum thema sich jemals wuerden eingestehen wollen. any promotion is good promotion. fast jeder waehler kennt die piratenpartei, davon ist auszugehen, waehrend es eine ganze reihe der ueber 20 zur wahl stehenden nicht bis dahin geschafft hat. die piratenpartei ist in diesem inhaltsleeren wahlkampf geradezu ein gefundenes fressen fuer die medien – echter content wohlmoeglich (?) -, die in form von negativprofilen meinen den etablierten aus der herausforderung zu helfen, ansonsten aber nicht viel berichtenswertes haben finden koennen – wo auch? gerade die frage danach wie ernst man die piraten denn nun nehmen muss verdeutlicht wie ernst man sie bereits nimmt. wir erleben den albtraum der regierenden generation in der befuerchtung eine ganze oder zumindest halbe generation in der politik koenne uebrsprungen werden bevor diese nachhaltig korrumpiert werden konnte. der inhaltliche einfluss der aelteren generation auf die piraten tendiert gegen null und das selbstverstaendniss der piratengeneration ist ihnen ein raetsel und wird es bleiben. wir befinden uns in einer sehr populistischen arera der politik. die piratenpartei ist pop pur. das kann im besten fall durchaus eine kompetenz sein , die keine andere partei zu bieten hat. die anderen wirken dagegen dann doch eher wie angsteinpeitscher oder gar wie kasperletheater pur. mut als tugend und aufbruch in der politik wird allein von den piraten besetzt nimmt man ein paar tendenzen bei den linken aus . alle anderen stagnieren ratlos und in multiplen, gegenseitigen abhaengigkeiten , weitlaeufigen verpflichtungsnetzen vor sich hin, bringen allenfalls ihr ding hinter der kullisse noch ein stueckchen weiter. das einzige echte handicap der piraten ist die demograpfische situation – noch.

69 gelegentlich 24. September 2009 um 00:01

@pacifist: ja, das waren wirklich etwas zuviel worte
@montauk:Johns, A. (2006) ‘Intellectual Property and the Nature of Science’

70 pacifist 24. September 2009 um 00:16

@hen #67
>Hä? Was ist denn das für ein Gelaber?
Wenn du es schaffst, das etwas freundlicher zu formulieren, erkläre ich dir das gerne…

71 tschill 24. September 2009 um 00:39

iDog + Tarantoga sind symptomatisch für die Piraten. Politik als Selbstbejubelung der Gruppenidentität, Politik als Popkonzert. Ich war dabei. Das schweißt zusammen und bedarf keines Hinterfragens weiterer Gemeinsamkeiten und Differenzen. Am besten gefällt mir immer an der Selbstdarstellung der Piraten, daß sie bei allen anderen Inhaltsleere bemängeln, aber selbst permanent mit Nullaussagen wie “mut als tugend und aufbruch in der politik”, “etwas gutes tun” oder “Authentizität ist in einer relativen Welt” sich ihrer Zusammengehörigkeit versichern.

Der inhaltliche Einfluß der älteren Generation auf die Piraten tendiert im übrigen nicht gegen null, sondern diese Mittelschichtskinder sind exzellente Beispiele für das, was Kohl mit seiner geistig-moralischen Wende angestrebt hat. Hat geklappt, Helmut.

72 farcry 24. September 2009 um 01:56

(“In Deutschland hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg nur eine Parteigründung etablieren können – das waren die Grünen.”
was ist denn eigentlich mit der “Linken”?….)
ich schrote seit zwei wochen kreuz und quer durch alle möglichen und unmöglichen blogs und foren im netz, und bezüglich der piraten ist mir aufgefallen, das bei deren anhängern anscheinend die politische grundrichtung keine rolle (mehr) spielt – von hardcore-anarchos über coole nerds wie fefe und bürgerliche normalos bis zu …hm… leicht bräunlichen verschwörungsfanatikern (“infokrieg”) ist da alles vertreten. finde ich bemerkenswert. dieses konglomerat sollte keineswegs unterschätzt werden, zumal sich darin eine ganze menge hi-tech-krieger versammeln, die auch anders können, wenn sie wollen… alleine der ccc. bei “alles schall und rauch” fand ich schon anleitungen zum erstellen eines alternativen untergrundnetzes für alle fälle.

73 eigensinn83 24. September 2009 um 02:59

Mangel an Intellektuellen bei den Piraten? Es ist mMn nicht gerade wichtig, dass diese Intellektuellen sofort Mitglied der Bewegung sind. Ich bin überzeugt, dass sich in der Peripherie fast unmittelbar der Vorrat an intellektueller Strukturierung vorfinden wird, nach dem hier gefleht(?) wird.

Das mit dem Bücherlesen ist kein schlechter Tip, ein Werk zum Einstieg, das ich nur wärmstens empfehlen kann ist:
Kenrick, D. T., Neuberg, S. L., & Cialdini, R. B. (2002) Social Psychology: Unraveling the Mystery (2nd Ed.). Boston: Allyn & Bacon

Aber vielleicht ist das dann doch etwas zu “meatware” … ;-)

Weltbilder kommen nicht über Nacht. Wenn die Piraten es schaffen, die 5%-Hürde zu knacken, kann das aber durchaus holtertipolter passieren – wir sollten gespannt sein.

74 Enno 24. September 2009 um 03:20

Interessant, wie manche Leute über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung haben. Informeller Leitspruch der Piraten ist: Öfter mal die Klappe halten. ;) Warum ich das so harsch sage: Vielleicht sollten sich Autor und Diskutanten mal an einen Piratenstammtisch ihrer Wahl begeben. Dort werden sie feststellen, dass sich dort sehr wohl ein Millieu und eine Generation trifft. Klar zerfasert es an den Rändern, aber es gibt sehr viel verbindendenes in der kleinen Alltagskultur. Es gibt durchaus Literatur, die die Piraten gemeinsam haben. Es kennt sie außerhalb der Partei nur kaum einer. Und selbst wenn es nicht die gleichen Bücher sind, die alle gelesen haben, sind es immer noch die gleichen Spiele, die alle gespielt haben. Eines ist klar: Mir erscheinen die Piraten in der Innensicht wesentlich homogener als die Grünen. (Ein Mitglied)

75 undertaker 24. September 2009 um 05:38

“Wenn man aber den Piraten einen Tipp geben kann: Macht den Rechner zwischen durch einmal aus – und lest ein paar Bücher.”

Lustig. War gerade dabei an meinem Rechner “The Open Society And Its Enemies” von Popper zu lesen, als ich hier für eine kurze Verschnaufpause reinschaute. Ich kann morgen auch gerne einmal rumfragen, welche Bücher die einzelnen Piraten aus Bonn die letzte Woche so gelesen haben und dir dann eine Liste schicken;-)

Wenn ich dir einen Tipp geben darf: Geh doch vielleicht einfach zuerst zu einem Piratenstammtisch und mach dir ein Bild von den Leuten – wobei das selbstverständlich nicht unbedingt repräsentativ für die Struktur in der Partei sein muss -, bevor du dich dem Thema annimmst. Für die Aufmerksamkeit in diesem von mir sehr geschätzten Blog noch vor der Wahl bin ich natürlich trotzdem dankbar. Aber angesichts der Tatsache, dass sich überwiegend Menschen mit gehobenem Bildungsabschluss für die Piraten engagieren – “eine Klientel, um die sich die anderen Parteien reißen würden”, so wurde es neulich in der ZEIT formuliert -, den Leuten allen Ernstes zu sagen, sie müssten Denken lernen bzw. längere Texte einzuordnen und zu verstehen, zeugt von einer solchen Hybris, dass mir kaum passende Worte einfallen.

Und als Beispiel führst du dann irgendeinen Piratenblog an. Das ist in etwa so, als würdest du mit Stammtischäußerungen aus Untertupfingen den geistigen Zustand der CSU beschreiben wollen. Sollten wir stattdessen nicht eher Interviews der Parteivorsitzenden Jens Seipenbusch, der laut Schirrmacher immerhin ein Intellektueller von Format ist, heranziehen?

In einem Punkt ist besonders deutlich zu erkennen, dass du überhaupt nicht verstanden hast, worum sich die Bewegung dreht. Du willst Intellektuelle, die ein Weltbild formen, sehen. Eine ideologische Positionierung der Partei. Doch genau darin wollen sich ja die Piraten von den anderen Parteien unterscheiden. Es geht darum, sachlich und ideologiefrei die besten Lösungen für Probleme zu finden. Das Ziel ist Politik für die Menschen in diesem Land zu machen und dazu bindet man sie am besten von Anfang an in die Entscheidungsprozesse ein. Man braucht eine Infrastruktur, die es Menschen mit Fachkompetenz ermöglicht, sich relativ schnell und unkompliziert in einen offenen und transparenten Meinungsfindungsprozess einzubringen. Das Wiki-Projekt ist ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung.

Auch das Themenspektrum unterschätzt du gewaltig. Die notwendige Reform des Patent- und Urheberrechtes, wo die Forderungen der Piraten übrigens sehr nah bei denen von Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz liegen, ist kein Thema, welches in den nächsten Jahren verschwinden wird. Dieses Kernthema strahlt auch in die Bildungs- und Wirtschaftspolitik hinein, so dass sich entsprechende Positionen mit der Zeit quasi von selbst ergeben.
Außerdem ist zu befürchten, dass die FDP umfällt oder die große Koalition fortgesetzt wird und Bürgerrechtsfragen danach eher noch wichtiger werden. Ich jedenfalls bin mir sicher, dass das Phänomen Piratenpartei nicht verschwinden wird. Im Gegenteil: In Schweden und GB, wo nächstes Jahr Parlamentswahlen stattfinden. sowie in vielen anderen Ländern mit neugegründeten Piratenparteien wird man am Sonntag die Bundestagswahl mit gespannt verfolgen. Das Ergebnis könnte Signalwirkung auf ganz Europa haben und eine weitere Euphoriewelle lostreten. Dabei geht es um eine Vision für die zukünftige Gestaltung der Wissensgesellschaft, was ich persönlich wesentlich interessanter finde als ob Frau Merkel auf einem Esel oder einem Wallach ins Kanzleramt einreitet…

76 Limited 24. September 2009 um 09:40

Hm, bei aller Hoffnung, die einige hier an die Piratenpartei hegen, könnte man vermuten für die kommende Bundestagswahl sei ein großer Wahlerfolg der Piratenpartei möglich.

Die Umfragen sehen zwar einen Achtungserfolg, aber von der 5% wird die Piratenpartei (die ihre Anhänger von PI-news bis zu Fefe findet) weit entfernt bleiben.

Gut, Umfragen können sich täuschen, aber was machen die Piraten, wenn sie auf absehbare Zeit irrelevant bleiben?

Der Enthusiasmus der Piratenpartei wirkt durchaus erfrischend, ich hoffe nur, dass der Katzenjammer bei einigen nach diesem Sonntag nicht zu groß sein wird.

77 absurdistan 24. September 2009 um 09:47

Dass die Piraten eine Ein-Themen-Partei sein sollen, ist ein ebenso gerne wie häufig wiederholter Blödsinn. Andere Vorredner haben darauf schon hingewiesen.

Was ich bei den Piraten spannend finde ist, dass sie – ausgehend von ihrem Urspungsthema: staatlicher Eingriff ins Internet – gerade dabei sind, ein umfassendes Bürgerrechtsverständnis zu entwicklen. Das wirkt unglaublich modern, weil es eben aus den Begrifflichkeiten und Gedankenwelten des Netzes konstruiert und deswegen gerade bei jüngeren Menschen hoch anschlussfähig ist. Sowohl das liberale als das das grüne Bürgerrechtsverständnis wirkt in seinen postulierten Formen geradezu veraltet. Durch den Diskurs der Piraten kann es gelingen, ehedem apolitische Menschen für Politik zu interessieren und diesem hoch wichtigen Thema mehr Gewicht zu verschaffen.

Wer sich übrigens dafür interessiert, wie führende Vertreter der deutschen Piraten gerade so ticke, hier der Link zu einem Interview (in Englisch) mit dem ehemaligen Bundesvorsitzenden Hillbrecht:

http://jpox.eu/component/streams/view,content/cid,232/

78 MANFRED 24. September 2009 um 09:50

Sie kommen auf 1-2 Prozent. Aber die bleiben präsenter als andere, weil das Netz präsent bleibt.

79 tschill 24. September 2009 um 10:12

Auf das Stichwort von undertaker habe ich noch gewartet. Sachlich und ideologiefrei wird an Themen gearbeitet. Wenn man dann die Piraten zum Beispiel auf die strukturelle Benachteiligung von Frauen anspricht, erklären sie das Gespräch sofort für beendet, das wäre zu ideologisch, bei ihnen am Piratenstammtisch dürften eh alle gleichermaßen reden. Mal wieder Die Gewehre der Frau Carrar lesen, meine Herren.

absurdistan, das gefällt mir auch an den Piraten – die Ausweitung der Bürgerrechtsdiskussion und der Anschluß einer bis dato apolitischen (oder vielleicht: politisch unartikulierten) jungen Generation. Wobei man sich keinen Illusionen hingeben sollte, es ist noch nicht festgelegt, woran die Piraten Anschluß finden werden.

80 Bianca Márquez 24. September 2009 um 10:18

Ich könnte mir vorstellen, dass die – eher von Älteren gebildeten – FREIEN WÄHLER und die – eher von Jüngeren getragenen – Piraten zueinander finden. Beiden ist z. B. das Thema Bürgerrechte ein zentrales Anliegen. Die FW definieren das über mehr Volksabstimmungen und Wachsamkeit gegenüber der Großindustrie, die Piraten über Freiheit im Netz. Das ist ein Thema, das verbunden werden kann. Dazu kommt, dass sowohl FREIE WÄHLER wie Piraten eine starke basisdemokratische Linie fahren. Es ist also durchaus denkbar, dass die FW als traditionsreiche und behäbigere Bürgerbewegung der politischen Mitte und die Piraten als frischer Wirbelwind der jungen Generation miteinander Synergien>strong< entwickeln. Voraussetzung ist, dass man sich gegenseitig so hinnimmt, wie man ist. Dann könnte es klappen – bis hin zur Geburt einer neuen Volkspartei mit Potential auf 20 Prozent! Denn hier entstehen Themenfelder, die eine neue Schnittmenge aus FDP und Grünen bilden, aber eben auch aus CDU/CSU, SPD und sogar Linken. Vom radikalen rechten Feld erwarte ich keine Gefahr, weil sich Faschismus und individuelle Freiheitsrechte nun wirklich nicht miteinander vertragen.

81 weissgarnix 24. September 2009 um 10:21

@undertaker

>Du willst Intellektuelle, die ein Weltbild formen, sehen. Eine ideologische Positionierung der Partei. Doch genau darin wollen sich ja die Piraten von den anderen Parteien unterscheiden. Es geht darum, sachlich und ideologiefrei die besten Lösungen für Probleme zu finden.

Jede Behauptung der “Ideologiefreiheit” ist selbst nichts anderes als Ideologie. Bei mir gehen immer sämtliche rote Lichter an, wenn ich das Wort nur höre.

Darüberhinaus – und ich betone: das appliziere ich überhaupt nicht auf die “Piraten” per se (die dahingehend zu beurteilen ist noch viel zu früh), sondern auf alle derartigen Bewegungen der letzten Jahre und Jahrzehnte – hat noch jede proto-faschistische Bewegung ähnliches von sich gegeben: “pragmatisch” und “ideologiefrei” wolle man sich um die Sachfragen kümmern, die die etablierten Parteien aus irgendwelchen Gründen angeblich “liegenlassen” – was zumeist gleichbedeutend ist mit: “nicht in unserem Sinne beantwortet haben”.

Haider startete in Österreich exakt so, und von Mussolini gibt es reihenweise Zitate, die oben herausgestellten Sätzen nicht unähnlich sind.

Die Piraten definieren sich, nach deiner Darstellung, und die deckt sich in der Tat auch mit meiner Auffassung, als Bewegung, die auf einen reinen Elitenwechsel aus ist, ohne dahinterstehendes politisches Programm (Ideologie, wie du sagst), ohne ihre eigene Skizze einer Seinstranszendenz. Wie sieht die Welt aus, die die Piraten wollen? Was bedeutet sie für alle, denen der Datenschutz im Internet scheißegal ist (übrigens: das Gros der facebook und Twitter-User), was genau heißt “Stärkung der Bürgerrechte” in einem sozialtechnischen Kontext? Was bedeutet es für die alleinerziehende Mutter, was für die muslimische Großfamilie in Berlin-Kreuzberg?

Die professionellen Semantiker müßten sich zudem mal dazu äußern, was für eine schräge Situation das ist, wo wir einerseits die Piraten vor der Küste Afrikas militärisch jagen, und sie andererseits in den deutschen Bundestag wählen wollen. Ich persönlich, als blutiger Amateur auf diesem Gebiet, diagnostiziere eine kolossale kognitive Spaltung bzw das zunehmende Hervortreten des inneren Widerspruchs des politischen Liberalismus. Der Name “Piraten” ist indes gut gewählt, hinter ihm versammelt sich dieser merkwürdige Topos, dem vermutlich auch diese ganze “Captain Jack Sparrow”-Romantik zurechenbar ist.

Auf jeden Fall interessant, aber wie gesagt: ich bin skeptisch.

82 sinthomat 24. September 2009 um 10:55

wgx, die Behauptung der Ideologiefreiheit ist wichtig für jede entstehende Hegemoniale Position, und jede Ideologie hat einen ideologiefreien Kern. Kannst Du bei Zizek nachlesen. ;)

Aber das ist das, was ich mit “Position” meinte. Haben die Piraten einen Signifikanten, der sowohl erlaubt, eine Utopie zu formulieren, als auch diese Utopie in einen spezifischen Inhalt, ein spezifisches Bild umzuwandeln, welches es ermöglicht, die alltäglichen Erfahrungen lesbar zu machen. Deine Frage, wie die Welt aussieht, die die Piraten wollen, ist somit meiner Meinung nach der Kern.

Und da gäbe es einiges, was sie zum Thema machen könnten. Ob sie das in Deutschland allerdings hinkriegen, da fehlt mir momentan der Glaube.

83 Limited 24. September 2009 um 10:56

Hier finden sich vermutlich einige Anhänger und Mitglieder der Piratenpartei.

Von dieser Seite aus kommt die Behauptung, dass die Piratenpartei nicht auf ein one issue festgelegt ist. Das sehen hier einige Kommentatoren wiederum anders.

Etwas verwirrend. Nach einer Sichtung des Wahlprogramms und anderer Publikationen der Piratenpartei bin ich da noch ratloser als zuvor.

Es gibt zwar eine zaghafte Ausdehung des Themenfokus, etwa auf den Bildungsbereich, vieles bleibt aber äußerst nebulös für mich.

Ich könnte da die Themenfelder Kriminalitätsbekämpfung nennen, Gesundheitspolitik, Steuerfragen, Auslandseinsätze, gesellschaftliche Spaltung u.a.m. nennen. Das sind Themen, die wohl nicht nur mich interessieren.

Also mal zwei konkrete Fragen: Wie halten die Piraten es mit der Atomenergie? Ja/Nein, kontrollierter Ab/Ausbau? Und wie mit dem Afghanistaneinsatz? Raus dort, dort bleiben?

Von nahezu jeder anderen politischen Partei könnte ich Antworten erwarten, die natürlich auch bei meinem Wahlverhalten Einfluss bekommen. Warum nicht von der Piratenpartei? Die gibt es ja immerhin auch schon seit 3 Jahren.

84 tschill 24. September 2009 um 11:03

Ach ja, eins noch, liebe Piratinnen und Piraten. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, daß ihr schon im Establishment angekommen seid. Am 28. September geht das EU Telekom-Paket in den dritten Vermittlungsausschuß. Im Gegensatz zu den USA, die demnächst gesetzlich die Netzneutraliät garantieren werden, ist der Lobbyismus in Europa erfolgversprechender. So sieht es derzeit danach aus, daß im EU-Raum die Netzneutralität abgeschafft und das Three Strikes Modell nach französischem Vorbild eingeführt wird. Und was hört man von den Piraten dazu? Stille im Wald. Man ist schließlich mit sich selbst beschäftigt. Genau die Nabelschau passiert, die man den etablierten Parteien sonst vorwirft. Armselig, das.

Im Gegenzug ein ganz fetter Dank an markus von netzpolitik.org, der sich scheint’s als einziger im deutschsprachigen Raum darum kümmert.

85 tschill 24. September 2009 um 11:06

Limited, nach etlichen Diskussionen mit Piraten – beides zu ideologisch. Mußt Du Dich nach dem eventuellen Einzug in den Bundestag überraschen lassen, wie man sich in diesen Punkten entscheidet. Hört sich seltsam an, ist aber Konsens.

86 Finaleweisheit 24. September 2009 um 11:09

Ich denke es ist falsch, die Piratenpartei zu stark aufs Internet zu reduzieren. Das mag zutreffen bei Gedanken zum Copyright und “geistigem Eigentum”.
Aber welche andere Partei tritt heute noch an um die Demokratie und unser Grundgesetz zu verteidigen. Die “innere Sicherheit” steht derzeit weit über den Rechten des Einzelnen und keine der etablierten Parteien scheint das w i r k l i c h zu interessieren. Genau wie damals das Kernprogramm der Grünen die Umwelt war, ist es heute an der Zeit das jemand aktiv unsere Perönlichkeitsrechte, Privatsphäre und Staatsform verteidigt. Und auch wenn die undemokratischen Auswüchse der derzeitigen Politik sich hauptsächlich im Internet manifestieren, so ist die Piratenpartei trotzdem keine reine Internetpartei weil sie diese Auswüchse verhindern will.

87 Kussi 24. September 2009 um 11:24

@undertaker:
“Du willst Intellektuelle, die ein Weltbild formen, sehen. Eine ideologische Positionierung der Partei. Doch genau darin wollen sich ja die Piraten von den anderen Parteien unterscheiden.”

Parteien werden nur dann gewählt, wenn sie den (einfachen) Menschen ein Weltbild liefern! Parteien sind heutzutage der letzte Vorhang vor der Wahrheit – ein (unwürdiger) Nachfolger der mittelalterlichen Religion – wenn man so will. Ohne Ideologie (verstanden als Gegner der Wahrheit) wird sich keine Strömung, kein Denken, keine Partei im Menschen etablieren – das Volk will dumm/unwissend/whatever bleiben, “mein junger Jedi”. Deswegen scheitert diese Partei an ihren eigenen (menschlichen) Mitgliedern.

88 Twitgeridoo 24. September 2009 um 11:34

“Zudem fehlen einfach die Intellektuellen, die aus dem Anliegen ein Weltbild formen. ”

Pah, so ein Humbug..
Die Piraten haben zur Zeit einen riesen Mitgliederzulauf.
Der Großteil der Piraten ist intelektuell, d.h. besser gebildet als der Durchschnittsbürger.

Also, meine Meinung:
Dieser Artikel ist Quark mir Soße

89 Kussi 24. September 2009 um 11:37

Nachtrag #87:
Macht sucht das Polare, intellektuelle Differenzierung steht dem entgegen. Daher würden Intellektuelle, die in Gradverschiedenheiten denken und handeln, an der (politischen)Macht zerbrechen – so einfach ist das. Ein Intellektueller ist einfach kein Machtmensch. In diesem Blog hat mal jemand einen Link über die Demokratie (als abzulehnende Staatsform) im alten Griechenland gepostet… lies das mal nach, wenn Du magst, untertaker.

Unterstellst Du, dass wgnx keine Ahnung von den Piraten hätte, lehne ich mich mal hinaus und unterstelle, Du hast keine Ahnung von Real-Politik. Mal ein gutes Beispiel: Es gibt hier einen wirklich intellektuellen Mitstreiter, der mal etwas anpacken wollte, das, was hier besprochen wird, in die Live-Sphäre heben. Nach ein/zwei Monaten Abstinenz postet er nun wieder hier – nun mit noch schärferem Ton (ohne Handeln)…

90 Kussi 24. September 2009 um 12:05

@Twitgeridoo:
“Die Piraten haben zur Zeit einen riesen Mitgliederzulauf.”

Es kommt darauf an, dass die Partei gewählt wird; es sei denn, dass es der Partei nur ums Trockenschwimmen gehen soll.

91 sinthomat 24. September 2009 um 12:17

Die “Live-Sphäre”? Was soll das sein?

Und was ist dann das hier? Die “Death-Zone”?

92 Kussi 24. September 2009 um 12:48

@sinthomat:
“f” für “v”, danke.
Ganz einfach: Ich glaube einfach nicht, dass wir uns mit Medwedew oder Putin online

Neulich erzählte mir ein Politiker: “Seiner Meinung nach kann jeder Politiker sein, aber jeder kann nicht Politik machen.”

93 lebowski 24. September 2009 um 12:51

Was das Interview mit der “Jungen Freiheit” angeht: Telepolis spricht in diesem Zusammenhang von linkem McCarthyismus.
Es gibt Politiker aus dem linken Milieu, die bereit sind, Grundfreiheiten für ihren sogenannten “Kampf gegen Rechts” zu opfern. (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31165/1.html)

94 iDog 24. September 2009 um 13:31

@ tschill : new pop im populismus

ich denke sie haben mich hier gruendlich missverstanden – moeglicherweise ja auch die piraten – und beteiligen sich ganz bewust, hat man den eindruck , genau an dem von mir beschrieben phaenomen. mit anderen worten, und um weissgarnix zuzustimmen, ideologiefrei geht hier nix.

nun ist es nicht teilnehmern eines wahlkampfs vorzuwerfen, dass nicht alle denkbaren, aktuellen und wohlmoegliche sogar heraufbechworenen probleme oder problematisierungen einer gesellschaft auch teil einer ideologie bzw ideologisch programatischer basis sind. hier erst finden wir allenfalls den sinn des begriffs ideologiefreiheit. ein positives verstaendnis dessen liegt in der impliziten annahme, dass wege und ansaetze auch anders ausfallen oder stattfinden koennen als ideologisch festgeschrieben oder wenn nicht vorher ideologisch betoniert. Gerade die ideologischen grabenkriege der etablieret – was geht das die piraten an – hier wird zb ( von ihnen?) die frage nach atom dem ausstieg eroertert. warum . der atomausstieg ist beschlossen politik von gestern.

wir befinden uns in einer ganz offensichtlich veraenderung fordernden zeit, gerade weil die bekannten ideologisierungen keine loesungen mehr darstellen so sehr man sich auch bemueht. hieraus entsteht ja der reitz der piraten – sie stellen sich der verantwortung eines weges , der nicht ueberschaubar ist, von vorn herein als abgesichert dargestellt wird aber nie sein kann und sind in sofern eben zumindest nicht konservativ. das sie den konservativen in ihrer offenheit ein dorn im auge sind ist logisch.

ihre schubladisierung meiner aussagen ins symptomische liegt in sofern daneben, als dass ich hier nur beobachtungen wiedergebe und keine parteiergreifung. meine kinder waehlen die piratenpartei natuerlich. in sofern greift auch ihr hueftenschuss, die popkonzert, dabeisein metapher ins leere. sie wollen nicht sehen, dass die andere parteien laengst auch schon am liebsten wie pop funktionieren wueden. das wuerde deren ideologischen ansatz der eher undemokratisch hierarchiebetonenden machtausuebung stark beguenstigen. stellen sie sich mal den neoliberalismus als popkonzept vor – der traum aller neoloiberalen wuerde wahr – allein der aufhaenger, der alle in begeisterung und extase versetzen sollte, bewirkte das gegenteil.

einer basisdemokratisch orientierten partei allerdings kann man das “popkonzert” gerade nicht vorwerfen, sonderen ihr nur die popularitaet im wahrsten sinne des wortes bescheinigen, die anderen abgeht in ihrer selbstverstaendlichkeit eines “an uns kommt niemnad vorbei” mafiatums. Bei den piraten , von der basis ausgehend ist der ansatz ja gerade der anspruch auf zukuenftige mitgestaltung der gesellschaft auf demokratischer grundlage, die man sich erst noch erkaempfen wird muessen. Hier wird meines E. also erkannt, das demokratiesierung ein prozess ist, der lange nicht abgeschlossen ist. hier wird aktzeptiert, dass es ursachen der verhinderung und bremsen in diesem prozess weiterer demokratisierung gibt, auf die man reagieren kann.

pop ist in sofern keine gruppenidentitaet, sondern die faehigkeit diese zu erzeugen, das phaenomen, das nach initialem input absichtsvoll oder nicht, designt oder nicht zum selbstlaeufer wird. die etabliereten, die kein verstaendniss entgegenbringen, ringen den jungen nur ein muedes gaehen ab koennen.

zudem vergessen sie natuerlich in ihrer kritik nur zu geren, dass gerade die aktuelle restriktive politik zugunsten eines illusionaeren sicherheitsstaates und unter konsolidierung tradierter machtinteressen erst die piratenpolitik provoziert hat. sie ist also in einer anfangsphase wie dieser nicht als idiologische fassbares programm erkennbar, weil ihr dasein schon programm ist – hier haben wir wieder den pop – , welches sich aus der opposition als solcher erklaert. dies allerdings ist natuerlich nur aus der oppositionellen blickrichtung auch erkennbar. womit den konservertiv denkenden jedes verstaendniss verschlossen bleiben muss, man also wurst wiederwurst ” selber inhaltsleer” konstatiert und damit direkt auf sich selber zurueckweisst.

der pop ist tricky dicky , wissen sie, der kann mit leere auf leere aufmerksam machen und sich gleichzeitig dafuer feiern. das schaffen die etablierten mit ihren meinungsschwangeren realitaetsanspruechen nicht , um deren weitere ungestoerte monopolisierung es ja gerade geht. ohne den vorrauseilenden versicherungsservice eines herrn scheuble oder besagter kinderporno katastrophe gaebe es die piraten nicht in dieser form und staerke. so wie man hineinruft so schallt es heraus.

zu schluss noch ein wort zu dem, was sie als inhaltsleere zu entlaven meinten. der mut ist die einzige waffe derer, welche sich fuer eine veraenderung einzusetzen bereit sind. kurt vonnegut sagte treffend in seinem letzten werk ( sinngemaeß) : ‘warum soll sich die welt nicht zum guten wenden. die guten braeuchten sich auch nur wie die mafia organisiern’.

die waffe der etablierten pseudodemokraten allerdings ist heute auf einen kleinesten gemeinsamen nenner zusammgeschrumpft und das ist die instrumentalisierte angst. angst ist sehr teuer – das hat fast jeder begriffen – sie kostet nicht nur vermoegen, sondern uns vor allem die “freiheit”, was man auch immer darunter verstehen mag. der mut ist die einzige erfolgversprechende waffe gegen die angst und dabei sehr menschlich. man sollte ihn aber tunlichst nicht mit gewissenloser enthemmtheit verwechseln, denn er ist keine bedrohung , sonderen stellt sich dieser bedrohung.

95 Limited 24. September 2009 um 13:50

iDog

Deine Ausführungen stimmen mich bedenklich. Ich lese da ein ausgesprochenes Freund/Feinddenken heraus.

Sind den alle diejenigen, die die Themenübersicht der Piratenpartei dürftig finden dumm oder ignorant? So kommt das bei mir an. Und ähnliches finde ich bei anderen extremen Gruppen. Das läßt mich schaudern.

hieraus entsteht ja der reitz der piraten – sie stellen sich der verantwortung eines weges , der nicht ueberschaubar ist, von vorn herein als abgesichert dargestellt wird aber nie sein kann und sind in sofern eben zumindest nicht konservativ.

Das erinnert mich an eine Diskussion mit einem Vertreter der MLPD vor einiger Zeit. Dieser behauptete, auf die Nachfrage zwecks konstruktiver Pollitikvorstellungen der MLPD, zunächst müsse man die Masse von den Denkeinschränkungen befreien und die herrschenden Strukturen zerschlagen.

Alles andere würde sich dann schon irgendwie ergeben.

Das kann man so sinnvoll finden. Ich tue das nicht.

96 tschill 24. September 2009 um 14:33

Lemming, dann kommen Sie erst mal auf eine Seite, die mit Piratenfans geflutet wird. Sie glauben nicht, was man da alles zu hören bekommt, wenn man Kritik äußert. Erst recht verdutzt sind sie, wenn man dann seine grundsätzliche Sympathie für die Ziele der Piraten bekundet. Kann ja nicht sein, entweder man ist für oder gegen sie.

iDog, ich muß gar nichts entlarven, das erledigt dankenswerterweise die Piratenbasis für mich.

pop ist in sofern keine gruppenidentitaet, sondern die faehigkeit diese zu erzeugen, das phaenomen, das nach initialem input absichtsvoll oder nicht, designt oder nicht zum selbstlaeufer wird.
Genau das ist der Punkt, der mir die Piraten bei aller Sympathie wieder so unsympathisch macht. Das Feiern der eigenen Leerstellen, die dann mit irgendetwas gefüllt werden können. Ob das am Ende Migranten- oder Ackermannbashing sein wird, ob man sich zu Entwicklungshilfe oder Militärinvasion bekennt, interessiert nicht. Da richtet man sich nach der Gruppenmeinung. Wie solche Entscheidungsfindung im Internet dynamisiert wird, sieht man schön an den Mobqualitäten, die Aktionen wie die um Trainer Baade, das Internetmanifest etc. hervorrufen. Da wird einfach alles niedergebrüllt, was nicht mit “Yeaahh” schreit*. Lesen Sie mal wieder Cannettis Krauts änd Paua. Vielleicht kommt Ihnen das ein oder andere bekannt vor.

Traurig im übrigen ihre Aussage, daß die Demokratisierung noch lange nicht abgeschlossen sei. Als ob dieser Prozeß (dank der Piraten?) jemals zum Abschluß kommen könnte. Wie meinte MC Goethe (TM) doch gleich: “Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.” In diesem Sinne.

*Nichts gegen den Merkel-Flashmob. Der fungiert als Spiegel.

97 inti 24. September 2009 um 14:56

@ all

also das millieu der piraten existiert, sie drücken ein lebensgefühl aus das viele jüngere menschen haben … ich selbst zähle mich dazu … ich warte seit jahren darauf, dass sich politisch was tut … und es ist was inbewegung in deutschland, nicht erst seit der gründung der piraten …

ich verweise auf die fdp die sich fast erfolgreich national-liberal positioniert hätte …

es gibt viele junge menschen die sich für politik interessieren, die wollen mitmachen und mitgestalten … einfluss haben darauf wie ihr leben in den nächsten 60 jahren in diesem land verlaufen wird

und wo kann man den einfluss bekommen? nicht bei den alten parteien … dort gibt es als brotkrumen ein paar quotensitze für die jungen … seis jetzt ju, jusos, junge grüne, junge linke oder julis

wir sehen in den kompromissen der etablierten nicht unbedingt lösungen von problemen, sondern die wahrung von “position” die ideologisch bedingt in der partei vertreten werden müssen …

bsp. nehmen wir die unionsfraktion … wann streiten die mal? warum bekommt man davon nichts mit? kann mir jemand anderes 300 “unabhängige” menschen zeigen die so einheitliche positionen vertreten? also ich kenne keine … daher muss das schmu sein, was dort abläuft

meine erfahrung von politischen veranstaltungen:
die jusos und linken machen radau und benehmen sich nicht, würde man so auf ihren veranstaltungen auftreten wäre aber was los …

http://www.youtube.com/watch?v=BIRNqI5saQ0
^^ aber gemeinsam gegen merkel brüllen, damit normale interessenten nichts mehr verstehen …

und die andere seite sind kuscher ohne eigene meinung, wann haben JU oder julis jemals was durchgesetzt?

politikverdrossenheit erklärt sich dadurch, dass man keinen einfluss hat … warum dann energie aufwenden? vollkommen rationale entscheidung den aufwand in dem bereich zu reduzieren

sprich, das milieu gibt es, es gilt nur für die piraten es auch zu aktivieren … und ich würde auf 2+x% wetten ;)

ps. samstag geh ich zu meinem ersten piraten-stammtisch … dann mehr informationen …

98 undertaker 24. September 2009 um 15:40

@limited:

Die Mitgliederzahl der Piraten hat sich allein in den letzten 3 Monaten mehr als versechsfacht. Unter diesen Umständen sind Beschlüsse vergangener Parteitage wenig aussagekräftig und es wäre unehrlich jetzt bei innerparteilich umstrittenen Themen Positionen zu beziehen, wenn klar ist, dass der nächste Bundesparteitag höchstwahrscheinlich zu ganz anderen Ergebnissen kommt.

Zu deinen konkreten Fragen existieren aber durchaus Antworten der Piraten:

“Eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke senkt den Anreiz erneuerbare Energiequellen weiterzuentwickeln. Die Laufzeiten der Atomkraftwerke sind bereits darauf abgestimmt die Abwägung passend zu treffen. Eine Verlängerung erscheint uns deshalb zu diesem Zeitpunkt wenig sinnvoll. (Aussagenhierarchie: Mehrheitsaussage des zweiten Bundesparteitags 2008)”

Ich bin sehr sicher, dass sich an dieser Position nichts ändern wird.

“Wir stehen dem Einsatz sehr kritisch gegenüber und empfinden die Lage in Afghanistan als sehr problematisch. Dennoch besteht keine Einigkeit darüber, ob ein sofortiger Abzug die richtige Lösung des Problems ist. (Aussagenhierarchie: Mehrheitsaussage der Bundestagskandidaten) ”

Dieses Thema ist auch in anderen Parteien höchst umstritten. Nur werden dort die Abgeordneten unter Fraktionszwang auf Linie gebracht. Eine Gewissensentscheidung bei einem so wichtigen Thema wie Krieg oder Frieden treffen zu lassen, ist sicherlich nicht die schlechteste Lösung…

99 Limited 24. September 2009 um 16:07

@ Undertaker

Mit Verlaub:

Eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke senkt den Anreiz erneuerbare Energiequellen weiterzuentwickeln. Die Laufzeiten der Atomkraftwerke sind bereits darauf abgestimmt die Abwägung passend zu treffen. Eine Verlängerung erscheint uns zu diesem Zeitpunkt wenig sinnvoll. (Aussagenhierarchie: Mehrheitsaussage des zweiten Bundesparteitags 2008)

Wir stehen dem Einsatz sehr kritisch gegenüber und empfinden die Lage in Afghanistan als sehr problematisch. Dennoch besteht keine Einigkeit darüber, ob ein sofortiger Abzug die richtige Lösung des Problems ist. (Aussagenhierarchie: Mehrheitsaussage der Bundestagskandidaten)

diese Aussagen wirken auf mich wie Nullaussagen. Verquastete Formulierungen, um nicht Stellung beziehen zu müssen im üblichen Politikerdeutsch. Man müsste nur einzelne Begriffe austauschen und könnte den Sound von Steinmeier oder Merkel zu jedem beliebigen Thema im Ohr haben.

Ich warte erst einmal ab, wohin sich die Piratenpartei entwickelt.

Ich wünsche aber viel Glück und Erfolg auf dem Weg.

100 iDog 24. September 2009 um 16:14

@ limited und tschill :: freund/feind

ihre bedenken in ehren – es ist immer gut sich einen gedanken mehr zu machen, als einen zu wenig. ihre polemik hier, lieber limited, gehe ich lieber nicht nach. ich denke sie beziehen sich in ihrem zitat nicht wahllos auf diese einigermaßen distanzierte ausage in meiem kommentar, anstatt den kern anzugreifen.

freund/ feinddenken allerdings liegt mir fern. ich betrachte hier lediglich die realpolitische demokratie und ihre moeglichkeiten und intentionen. dass sie beide nicht meine meinung teilen, diese bereits als extremismus abtuen wollen , wenn ich meinen blick auf das durchaus vaste entwicklingpotential der demokratie lenke, das allerdings von den etablierten parteien nur im illusionaeren und also propagandistischen bereich eher miss- als gebraucht wird, anstatt an deren verwirklichung sich zu erproben, liegt sicher an ihrer ideologischen preferenz, von der ich mich frage, wie die dem eigenen freund/ feind denken gegenueber steht. bitte korregierem sie mich – ich halte sie demnach fuer eher konservativ. konservative spielen gerne die objektivitaet aus ohne zu ahnen, dass dieser joker schon lange aus den spielregeln entfernt wurde. ich bemerke bei ihne allerdings eher eine gewisse herablassung bezueglich meiner kommentare. wie erklaert sich diese vorurteilbehaftete “trauer” ihrerseits?

die demokratie ist eine junge pflanze in der geschichte des kapitalismus bzw. der geldwirtschaft. sie koennen sicher erkennen, dass zb die sogennanten europaeischen demoktratien sich vorwiegend durch zunehmende privatisierung seit ueber 30 jahren faktischen in einer phase der restauration hierarchischer machtverhaeltnisse befinden, welche nach abschaffung von monarchie und feudalismus als ueberwunden galten. dies sehe ich rein historisch. die demokratie befindet sich in einem rueckbau. die neoloiberalen schielen etwas zwiespaeltig zum chinesich totalitaeren kapitalismus hinueber. unvermutet und aus dem nichts kommen da demokratisierende bestrebungen nicht gerade, wuerde ich sagen.

ich finde, wenn etwas in frage zu stellen ist in der nachhistorischen globalen gesellschaft , dann ist es ein elitaerer fuehrungsanspruch aus propriaetaeren rechten und der daraus resultierenden einseitigen vermoegensakkumulation. das sage ich als urheberrechtsinhaber ganz deutlich.

es geht bei dieser fragestellung aber natuerlich nicht um die zerstoerung einer geslellschftlichen struktur , die sie mir hier nolens volens unterstellen, welche aber nebenbei sowieso immer nur durch zu grosse soziale ungerechtigkeit oder aehnliche katastrophen ohne entsprechende millitaerische deckung ausgeloesst wurden und wahrscheinlich auch nur dann werden, sondern es geht in einem sich wandelnden selbstverstaendnis der punktuellen gleichheit aller “teilnehmer” am wirtschaftssystem darum den wohlstandsraum , der schon enstehen konnte, nicht durch einseitige exploitation vor die hunde gehen zu lassen. es geht darum ihn von innen heraus zu erweitern und ihn global verfuegbar zu machen. dies aber wird in einer undemokratisch von oben hierarchisch gelenkten politik als angebotsoekonomie einiger weniger akkumuatoren nicht moeglich sein.

der herrschaftsanspruch als solcher steht also in zukunft zur diaposition und wird meiner meinung nach seine demokratische ausloeschung in der vakanz einer gegenseitigen positiven hemmung , aber auch aktzeptanz finden , um gewissenloses ausbeuten , benachteiligung oder einfaches uebergehen anderer aktiver teilnehmer im system zu beenden.

sie sehen deutlich, dass mir die piraten in dieser ansicht auch nicht gerade sehr viel naeher stehen als ihnen , wobei sie in sofern en detail ja ihre ansicht noch nicht dargelegt haben. die piratenpartei beinhalten aber als eine von wenigen, zumindest ein potential zur demokratisierung von wissen und eigentum.

in sofern ist, was sie freund/feinddenken nennen, nichts anderes als die abwaegung nicht ausgesprochenen gegenern und meinen praeferenzen zuwiederhandelnden auch noch die vage chance einzuraeumen , sie koennten ja eventuell auch noch den dreh zur demokratie hinkriegen.

daran, es tut mir leid, kann mann hoechtens glauben. meine erfahrung der letzten 35 jahre aber zeigt in eine andere richtung – mit wirklichkeit oder moeglicher wirklichkeit der etablierten parteipolitik hat das wenig zu tun.

was die kreation des internets durch die menschen unsere kultur als leittechnologie einer “postfossilen” gesellschaft angeht, so wohnt ihr nicht nur zur globalen verwirklichung eine demokratischen wohlstandsraums , sondern auch als “weltbild” selbst ein sinn inne, der von den konservativen negierern des netzwerks schwerlich auf lange sicht gerechtfertigt werden kann. die nun vorpreschenden versuche der privatisierung auch dieser technologie kommen sehr spaet und werden sich schon aus technischen gesichtspunkten nicht mehr durchfuehren lassen ohne gewaltanwendung. wir sind zeugen erster indirekter gewalt diesbezueglich geworden.

traot aller konservativitaet des lebens selbest gibt es gluecklicherweise auch menschen die sich wehren und einen anderen weg sehen. das feindbild , das sie mir hier aufquatschen wollen, wird von der etablierten politik wie oben weitlich beschrieben selber ins spiel gebracht, richtet sich aber in sofern natuerlicherweise im reflektiven wiederstand gegen sie selbst.

einen schoenen tag noch und danke fuers wohlwollende durchlesen.
iDog

101 Kussi 24. September 2009 um 16:14

@inti #97:
“kann mir jemand anderes 300 “unabhängige” menschen zeigen die so einheitliche positionen vertreten? also ich kenne keine … daher muss das schmu sein, was dort abläuft”

Und deshalb zersetzt sich die Piratenpartei ganz von selbst: angekommen im (insbesondere politischen) Leben muss man eben Kompromisse eingehen, nach außen ganzheitlich auftreten, obwohl man selbst eine andere Meinung hat. Das INET als zentraler Aufhänger der Piraten gauckelt eine Pluralität im realen Leben vor, die es so nicht gibt. Bspw. wird Deine Meinung hier gepostet, egal welchen Inhalts sie ist. Das ist aber nicht alles: Es existiert dennoch eine (Meinungs- und Veröffentlichungs-)Grenze, die beim Tippen und Lesen nicht sichtbar ist. Du bezahlst also theoretisch für eine Uneinsichtigkeit mit der Löschung des Posts. Und auf diesen denkbaren (risikobehafteten) Umstand kommt es mir an.

Die durchaus jungen Mitglieder der Partei haben ihre Sporen noch nicht verdient – sie haben nämlich die Infrastruktur, der sie sich bedienen, nicht “bezahlt” – gemeint in vielerlei Hinsicht. Alles soll (persönlich) risikolos zugehen – ohne Verantwortung. Wer diese Grundeinstellung der Piraten nicht versteht, kapiert auch nicht die Wurzel ihres Untergangs. Sollte einmal ein Pirat sein Geld im Inet damit verdienen, was der Parteilinie entgegensteht, dann und genau erst dann schlägt die Stunde der Bewährung des Piraten und damit der ganzen Partei. Alles nachzulesen vor einigen Jahrhunderten bei Goethe: Faust.

102 Kussi 24. September 2009 um 16:23

@Piraten:
Zur Grundauffassung der Piraten, das Inet soll “frei” sein und bleiben sowie nicht “kommerzialisiert” werden, etc. pp.:

Sofern das Internet keiner (weiteren) marktlichen Verwertung zugeführt wird, zieht der Kapitalismus den Stecker.</b)

103 Andreas Kreuz 24. September 2009 um 16:26

Danke @Kussi #101

Du hast mir die Antwort auf den Beitrag von inti #97 schon abgenommen.

104 iDog 24. September 2009 um 16:41

@ Kussi

sie uebersehen , dass Fausts zeitalter seit ungefaehr WK 2 oder oder aufgabe der letzten kolonien abgelaufen war. gerne wird er noch von der konservativen gesellschaft in tradierter weise bemnueht. die hat aber eben auch den wechsel ins “global age” noch nicht wahrnehmen oder wahrhaben wollen und treaumt weiter den traum einer sich historisierenden welt von guten und boesen. siehe dazu Sloterdijk ( weltinnenraum des kapitals).

dass der kapitalismus den stecke rzieht ist ja wohl als dummer jungen witz gemeint – das internet ist heute der hebel des kapitalismus wie einst die dampfmaschine.

105 Kussi 24. September 2009 um 17:00

@iDog:
“das internet ist heute der hebel des kapitalismus wie einst die dampfmaschine.”

Nein, das Internet weist eben eher den Charakter eines Mediums auf. Und das ist ein gewaltiger Unterschied. Wo immer der Kapitalismus zum Sprung der marktlichen Verwertung ansetzt, legt die OPENxxx-Gemeinde die Latte höher. Das funzt natürlich nur solange, wie irgendwelche Schüler im Kinderzimmer eine Free-Software programmieren. Aber ich bin mir sicher, dass sich Symantec über die freie Konkurrenz im Internet freut…

Eine Frage bleibt: Warum gab es denn eigentlich diesen wiki-Spendenaufruf und mit welchem, d.h. wie verdientem, Geld wurde das denn bezahlt, iDog?

Aber das Sie mich nicht falsch verstehen, ich wünsche der Piraten-Partei alles Gute; dass sich die Jugend überhaupt für was interessiert – und sei es nur die Politik – das ist grandios, wenn man mal vom kulturellen Standpunkt der “global-age-community” ausgeht…

106 Andreas Kreuz 24. September 2009 um 17:08

@iDog #104

Dann sollten Sie sich mal zu Gemüte führen,
wie sensibel – um nicht zu sagen anfällig – die heutige Kommunikationstechnik ist.

Akku, Sender, Empfänger, Relaisstation, Server, Computer, Knotenpunkt, Klingeldraht,
Steckdose, Sicherung,
Geografie, Wetter,
Anbieter, Kontrolleur… Hab’ ich etwas vergessen?

Und ohne Strom geht gar nichts.

Deshalb ist es auch sehr schade, dass hier (im Internet) mehr oder weniger anonyme Geistesblitze(r) wie diese

http://fkks.eu/forum/viewtopic.php?p=51&sid=f983f5f7072afe0d1f70dc00b14ddb67

u. a., die gerade weggefiltert wurden :-(

ohne wirkliche (reale) Verbindung trotz weitreichenden Konsens fast ungehört verhallen…

Den Herrschenden kann’s nur Recht sein.

Und bei Ausfall der Stromversorgung oder anderen (technischen) Problemen – oder wenn der Meeresspiegel meterweise steigt ;-) – oder der rasende Wolfgang den Stecker zieht -
- ist Schicht im Schacht.

Dann wird wieder Fernschach per Postkarte gespielt.

107 point of no return 24. September 2009 um 17:10

ui ui ui

“Die durchaus jungen Mitglieder der Partei haben ihre Sporen noch nicht verdient – sie haben nämlich die Infrastruktur, der sie sich bedienen, nicht “bezahlt” – gemeint in vielerlei Hinsicht. Alles soll (persönlich) risikolos zugehen – ohne Verantwortung.”

kussi ist also an dem Tag, als er aus dem Leib der gebenedeiten Mutter fuhr, mit einer komplett abbezahlten Infrastruktur des Lebens ausgestattet gewesen…

da klingeln aber bei mir die intimen bergkuhglöckchen-piercings…

108 tschill 24. September 2009 um 17:20

Lustiger Reflex, iDog. Wie schon weiter oben beschrieben auch der typische. Man heult nicht mit Ihnen, also muß man ein Konservativer samt Affirmation des ganzen Primats der Ökonomie und der Selbstreplizierung von sozialer Schichtung sein. (Ok, der echte Pirat hätte jetzt Linksextremer gesagt. Man kann nicht alles haben.)
Nu also Butter bei die Fische – dank Briefwahl ist meine Stimme eh in Sack und Tüten: Erststimme Ströbele, Zweitstimme Die Piraten. Wenn die Lage der Piraten ein wenig anders gewesen wäre, hätte ich Die Linke gewählt. Au wacka, was denn nun?

Im übrigen – die Aneignung des virtuellen Raumes durch privatwirtschaftliche Interessen ist längst im Gange. Auch das ist schon mal oben (84) ausgeführt worden von mir – auf EU-Ebene läuft gerade das Verfahren, die Netzneutralität auszuhebeln. Wo ist denn da die Kampagne der Piraten? Man ist viel zu sehr mit der eigenen Etablierung im politischen System beschäftigt, als daß man noch Zeit hätte, sich den Sachthemen in seiner “Kernkompetenz” zu widmen. Ganz ideologiefrei ist man Teil der herrschenden Ideologie geworden. Bravouröse Leistung. Ohne Internet hätte man das nicht in dieser Rasanz hinbekommen.

109 iDog 24. September 2009 um 18:08

… ja ist mir bekannt – in frankreich ist das gesetzt der “3 strikes” ueberigens nicht durchgekommen … da haben sie sich meines wissens nach getaeuscht

der letzte telekom korb ist allerdings schon im september 2008 verabschiedet worden … da hatten anscheinend alle andere probleme – pirat oder nicht – gewissenhaft dokumentiert und agiert wird das eh nur bei http://www.laquadrature.net/wiki/Telecoms_Package_Vote_Sept24_Mobilization_de
das zieht aber nicht nur an den piraten komplett vorbei … sondern wird in aller stille durchgewunken von den etablierten ohne jegliche oeffentliche transparenz oder debatte. diese dinger weren auf bildzeitungsniveau ueber kinderpornographie bis zur gesellschaftlichen rechtfertigung hochgepeitcht…..

ansonsten bitte ich sie mir mal zu sagen wo ich hier mit den piraten heule – sie sind teil meiner wahrnehmung der politischen realtaet und ich beurteile sie darin auf die beschriebene weise.

wenn sie die piraten waehlen , trotz all dieser offen fragen ihrerseits sollten sie vielleicht der partei beitreten und behilflich zu sein diese fragen zu klaeren.

110 iDog 24. September 2009 um 18:12

… und wie wird dann die boerse betrieben und der ganze schwanz -auch per postkarte ?

111 Andreas Kreuz 24. September 2009 um 18:16

>>… und wie wird dann die boerse betrieben und der ganze schwanz -auch per postkarte ?<<

Wissen Sie, was für Leitungen entlang jeder Bahnlinie liegen und seit wann und warum?

112 tschill 24. September 2009 um 18:25

iDog 109
ad 1) Sie irren sich, was Frankreich angeht: http://tinyurl.com/lnyxu4

ad 2) Es ist noch nicht zu spät, etwas gegen das Telekom-Paket zu tun:
http://tinyurl.com/yarxa6a
http://tinyurl.com/yeutbrg

ad 3) Ich lebe nicht in Deutschland, deshalb die Briefwahl. Abgesehen davon – wer ins Parlament begibt, kommt darin um. Was man benötigt ist eine starke außerparlamentarische Opposition, die die Parteien unter Druck setzt. Parlamentarischen Kräften bröckelt die Basis wegen der Zugeständnisse, die als Verrat empfunden werden, weg.

113 tschill 24. September 2009 um 18:28

DAMN! ” – wer sich ins Parlament begibt”

wgnx, kommt eventuell eine Editierfunktion? Spreeblick und lawblog können doch bestimmt das Tool ausleihen.

114 undertaker 24. September 2009 um 18:34

@weissgarnix:

Wenn ich von Ideologie spreche, gebrauche ich das Wort mit der negativen Konnotation, die im politischen Diskurs üblich ist und nicht als Synomym für Weltanschauung. Mein Punkt war allerdings auch, dass die Piraten keine gemeinsame Weltanschauung brauchen, wie von Frank gefordert, was für dich gleichbedeutend mit ideologiefrei zu sein scheint, da du den Begriff wertneutral auffasst. Ist völlig in Ordnung, ich wollte nur sichergehen, dass wir uns nicht missverstehen.
Dann lass mich kurz erläutern, warum ich trotz fehlender gemeinsamer Weltanschauung bei den Piraten ein gutes Fundament für politisches Arbeiten sehe. Der politische Entscheidungsprozess besteht im Wesentlichen aus zwei Phasen:
Man muss ein Werturteil treffen, um ein Ziel zu definieren und dann darüber diskutieren mit welchen konkreten Maßnahmen dieses Ziel am besten erreicht werden kann.
Eine ideologische Diskussion wäre in diesem Zusammenhang beispielsweise Sachargumente für eine Bankenverstaatlichung vom Tisch zu wischen, indem eine solche als Instrument des Sozialismus verteufelt werden, statt zu begründen, warum die Maßnahme nicht mit den eigenen Zielen im Einklang steht.

Mein Widerspruch zu Lübberding resultiert nun daraus, dass zwar innerparteilich ein mehrheitsfähiger Wertekonsens bestehen muss, um ein Werturteil treffen zu können, aber eine gemeinsame Weltanschauung keine notwendige Bedingung für diesen Wertekonsens darstellt. Auch wenn umgekehrt aus einer gemeinsamen Weltanschauung unmittelbar der Wertekonsens folgt und sie daher durchaus hilfreich sein kann, ist sie eben nicht zwingend notwendig. Christen, Buddhisten, Moslems und Atheisten haben beispielsweise völlig unterschiedliche Weltanschauungen und können sich trotzdem auf gemeinsame Werte verständigen und Politik machen.

Bei den Piraten muss aus einem ganz einfachen Grund kein neuer Wertekonsens entwickelt werden: Unsere Gesellschaft hat diesen bereits gefunden, indem sie sich zum Grundgesetz bekennt, das sich das Deutsche Volk im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen gegeben hat. Die Piraten wollen dieses Grundgesetz und den Geist, von dem es beseelt ist, bewahren und wehren sich gegen jegliche Aushöhlungsversuche.
Die etablierten Parteien sollten sich wirklich Gedanken machen, wenn so viele Menschen ihnen nicht einmal mehr das Bekenntnis zur Verfassung abnehmen. Dass noch nie so viele Gesetze vom Bundesverfassungsgericht kassiert wurden, wie in der letzten Legislaturperiode spricht für sich. Am Mangel an fachkundigen Juristen im Bundestag kann dies wohl kaum liegen…

115 iDog 24. September 2009 um 18:38

@ tschill
OK – war ja erst “gestern” – wusste ich noch nicht – beim ersten durchgang ist es nicht bestaetigt worden – ein grund mehr fuer die pirtaten

116 iDog 24. September 2009 um 18:43

@ tschill

ad3 – schoen und gut . stimme zu , wenn alle auf eimal nein sagen macht das viel krach – aber sonst ist auch nicht viel – siehe patzifistische azeusserung zu irak 2 = groesste demo aller zeiten – da hustet sich die geschaeftsleitung einen drauf und schreibt in den massen medien es waren drei man da …

117 undertaker 24. September 2009 um 18:46

@Kussi:

“In diesem Blog hat mal jemand einen Link über die Demokratie (als abzulehnende Staatsform) im alten Griechenland gepostet… lies das mal nach, wenn Du magst, untertaker.”

Muss ich nicht. Da stehen bei Popper in “The Open Society And Its Enemies” 200 Seiten drüber drin.

http://www.archive.org/details/opensocietyandit033120mbp

118 iDog 24. September 2009 um 18:48

@ kreuz

lassen sie mich raten:
damit , wenn die unser netzt ausmachen , wir auch deren netz durchknipsen koennen ?

119 tschill 24. September 2009 um 18:53

iDog 116

Das kommt vom autoritären Charakter der Deutschen. Wie sagte das Arbeitsgericht gestern in seiner Urteilsbegründung zu den Flashmobs so schön: “Solange die Arbeitgeberseite Verteidigungsmöglichkeiten gegen gewerkschaftliche Arbeitskampfmittel habe, seien diese zulässig.” Die Bahnsteigkarte der Revolutionäre.
Würden die Piraten mal eine Woche die zentralen Knotenpunkte der großen Internetanbieter lahmlegen, sähe die Sache schon anders aus. Aber Generalstreik ist ja iihbähbäh in good ol’ Germany.

Andreas Kreuz – ich weiß nicht, was das für Kabel sind und wozu man die braucht.

120 Andreas Kreuz 24. September 2009 um 18:56

@iDog
#118

Machen Sie sich ruhig lustig darüber.

Die Bassgitarre hört man immer erst,
wenn sie nicht mehr spielt.

121 Alvar Hanso 24. September 2009 um 19:07

Also früher war ja jede Bimmelbahn noch mit Telegraphenmasten dekorativ flankiert, aber heute?

Nochmal zu den Piraten:
Wie schon ausgeführt, ihre bloße Präsenz am Rande der 5% Hürde zwingt den etablierten Parteien, die ja elende Machtopportunisten sind, schon eine Politikänderung im Sinne der Piraten auf.
Schäuble kann ja gerne weiter versuchen das GG zu löchern, das Ergebnis wird der Einzug der Piraten in den Reichstag sein.
Die Piraten sind also gewissermaßen die ‘Tirpitz’ der deutschen Bürgerrechtsbewegung, alleine deren Anwesenheit hält den Gegner in Schach.

122 Andreas Kreuz 24. September 2009 um 19:11

@tschill #119

>>Andreas Kreuz – ich weiß nicht, was das für Kabel sind und wozu man die braucht.<<

Es war nur ein dezenter Hinweis darauf, dass die wirklich wichtigen Kommunikationswege andere sind.

123 iDog 24. September 2009 um 19:18

@ Kruez

nun – ich mache mich keines falls ubermaeßig lustig . und sehe wie sie eine gaefahr fuer das net aufzeiehn. diese wird sich aber nicht durch eien allgemeines abstellen praktizieren lasen . natuerlich stehen die 13 rootserver der welt , ueber die alles laeuft unter US konntrolle , und natuerlich werden wie kurz vor 9/11 praktiziert schon mal die unterseeischen kabel zu ganzen erdteilen aus “versehen” alle gleichzeitig gekappt. aber die weltwirtcghaft ist dann doch ein wenig mehr auf das net angwiesen, als dass man es einfach ganz abschalten koennte. mr. rockefeller jr. wuenschte sich zwar kuerzlich erst oeffentlich , wie mitlerweile allseits bekannt , dass es das internet besser nie gegeben haette … er wuenscht sich sicher auch, dass es seins waere … aber die privatisierung und kommerzialisierung in einer form, dass nur noch der die breitseite empfangen kann, der richtig viel bezahlt ist wahrscheinlicher , wenn es hier schon darum geht den Téufel an die wand zu malen.

aber widersetzen muss man sich doch diesen tendenzen ganz gewiss … 130 000 unterchgrifften ahben zwar kuerzlich nichts direkt bewirken koennen abert eine oeffentlichkeit geschaffen , welche vorher nie vorhanden war. eigentor nenen ich sowas aus sicht der netzzumacher.

124 tschill 24. September 2009 um 19:25

Alvar Hanso, sicher, daß die Tirpitz ein gutes Bild für die Piraten ist? Ein Nazi-Kriegsschiff, das alliierte Schiffe aufbringen und Norwegen abschirmen sollte? Ein Schiff, das durch alliierten Beschuß letztendlich versenkt wurde? Ich hoffe doch, daß die Metaphernmaschine passendere Bilder für Die Piraten ausspuckt.

125 iDog 24. September 2009 um 19:30

@ tschill

ich weiss nicht ob sie wie ich in frankreich leben – hier gibts den generalstreik – aber er bewegt auch nicht viel – ok – letzete nwinter haben die schueler und studenten die sogenannte bildungsreform aufgehalten – das war ein teilerfolg – auch ich hab schon auf der autobahn gestanden und den verkehrt blokiert bis nix mehr ging.

in deutschland ist da keinerlei tradition vohanden – keine verfassungsverankerung , keine volksentscheide …. eben keine gelebte demokratie

und eu weit droht uns der lissabon vertrag – auch gerade erst ohne widerstand aus der bevoelkerung im deutschen parlament durchgewunken worden – in frankreich hat man nach dem “nein” einfach die gesetze geanedert und das “nein” wurde uminterpretiert und wertlos , die iren werden sollange zur stimmabgabe getrieben , bei gleichzeitigem druck auch aus der BRD bis sie zustimmen – hofffentlich tun is es nicht am 02 oktober – und wenn das alles aber doch auf dem weg ist , gibt es ein instrumentarium wo widerstand und apo von unten nicht nur mit wasserwerfern weggefegt werden kann – sie haben den vertrag ja sicher gelesen.

126 Alvar Hanso 24. September 2009 um 19:38

@tschill
Also ich hatte da zuerst den ‘Spiegel’ als “Sturmgeschütz der Demokratie” im Hinterstübchen und war dem folgend dann Richtung maritimes Gerät, es geht ja um Seeräuber, geschippert.
Wobei, wenn ich darüber nachdenke was das Nachrichtenmagazin aus Hamburg heute für ein rostiges Wrack ist…

127 Mario 24. September 2009 um 20:22

>Wie gesagt, bei den Piraten muss es das auch geben – diese
>Einigkeit auf einen Begriff, der aber einen ganzen Kosmos umfasst.

Die Diskussion gehört nicht hier hin, aber “Partizipation” wäre vielleicht ein nicht ganz unpassender Begriff. Daraus speisen sich imho nämlich die Forderungen nach

* einem freien Netz und umfassenden Bürgerrechten als Grundlage sich frei informieren, austauschen und “sich zu gemeinsamen Zwecken und Zielen zusammen[zu]schließen und diese gemeinsam an[zu]streben” (http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigungsfreiheit) zu können
* direkter Demokratie/”Liquid Democracy” und einem transparenten Staat als Voraussetzung dafür
* Open Access
* offene Infrastrukturen
* freier Zugang zu Information und Bildung
* Änderungen bzgl. Immaterialgüterrechte

Lest euch das Wahlprogramm http://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2009/Wahlprogramm mal unter diesem Gesichtspunkt durch.

Ich denke, in dieser Form findet sich das im Moment nicht in der deutschen Parteienlandschaft. So umfassend und vor allem als zentrale Idee sehe ich das bei keiner anderen Partei, zumindest nicht glaubwürdig vertreten.

>Wenn man aber den Piraten einen Tipp geben kann: Macht den
>Rechner zwischen durch einmal aus – und lest ein paar Bücher.

Schlag was gutes vor :-) Mein bisheriger Längen-Rekord ist “Die Geschichte meines Lebens” von Casanova- eine kommentierte Fassung, also ca. 1 Regalmeter. Kann ich nur empfehlen.

128 sinthomat 24. September 2009 um 20:53

>Wie gesagt, bei den Piraten muss es das auch geben – diese
>Einigkeit auf einen Begriff, der aber einen ganzen Kosmos umfasst.

Die Diskussion gehört nicht hier hin, aber “Partizipation” wäre vielleicht ein nicht ganz unpassender Begriff.

Wieso gehört diese Diskussion nicht hierhin? In Eurem Wiki konnte ich mich schließlich auch anmelden, und hätte Euch was “in’s Programm” schreiben können. ;) (Vielleicht versuche ich das sogar mal, ohne Vandalismus-Motivation, sei dazugesagt.)

Die Möglichkeiten des Netzes zur Partizipation statt zur Kontrolle zu nutzen, ist doch schonmal ein guter Anfang. Ansonsten sind wir gerade bei der Zizek-Lektüre, ich empfehle das, was ich auch weissgarnix empfohlen habe, “Ein Plädoyer für die Intoleranz” . Danach kommt Marx, ich empfehle die Grundrisse. Und bitte um Verzeihung, falls ich alte Hüte anpreise.

129 Kussi 24. September 2009 um 21:57

@iDog:
“das internet ist heute der hebel des kapitalismus wie einst die dampfmaschine.”

Ich habe nun längere Zeit darüber nachgedacht und komme zum Ergebnis, dass dies so im Jahre 2000 abgeschlossen war. Das Inet oder die Dinge rund ums Inet binden einfach kein Kapital (mehr) und dies ist im Unterschied zur Dampfmaschine der wesentliche Punkt. Die Firmen der New Economy sind entweder weg vom Markt oder Piepmätze… Amazon wie auch Ebay handeln ja nur mit Objekten, mehr ist das nicht. Diese New XXX-Firmen binden ganz einfach den Faktor Arbeit nicht mehr – ganz im Gegenteil! Das Problem des Inets bzw. der arbeitswilligen Bevölkerung liegt darin, dass das Inet – wo ich auch hinschaue und hindenke – alles effizienter macht. Brauchte man früher einen Postboten für das Fernschach, habe ich heute Thunderbird. Brauchte ich früher eine Zeitung, lese ich sie heute “online”… diese Kette ist schier endlos.

Und vielleicht suchte sich ab 2000/2001 das zu investierende Kapital eben den Weg zu sich selbst, statt in die Realsphäre (“der Dampfmaschine”). Wenn dem so sei (wie ich vermute), dann ‘Gute Nacht’ oder wir brauchen dringend eine neue Diskussion um Investitionsmöglichkeiten allovertheworld. So gesehen könnte eine Kommerzialisierung des Netzes auch Deinen Arsc* retten.

130 Limited 24. September 2009 um 22:26

Ich fürchte, die Piratenparteiler haben gerade Probleme.

Offenbar wollen einige die Piratenpartei nicht, wenn diese Artikel in der JF publizieren läßt.

http://de.indymedia.org/2009/09/261765.shtml

Auch ein Form des Plädoyers für Intoleranz. Was bleiben könnte wäre eine Abkehr der linkslastigen Anhänger der Piratenpartei von dieser. Was dann noch bleibt ist die rechte Zuneigung für die Piratenpartei.

Ich bin jetzt nicht in der Piratenpartei. Aber mir wäre da bei so eindeutigen Gesten von rechts und links etwas unwohl. Und da hilft es wenig zu sagen man sehe sich vorne.

131 unwissender 24. September 2009 um 22:49
132 Mario 24. September 2009 um 22:59

Die Möglichkeiten des Netzes zur Partizipation statt zur Kontrolle zu nutzen, ist doch schonmal ein guter Anfang.

Es ging mir mehr um die Idee, die “einen ganzen Kosmos umfasst”. Für viele Piraten ist kollaboratives Arbeiten im Netz Alltag: Artikel für die WikiPedia erstellen, an freier Software mitarbeiten, Musik/Videos erstellen, remixen und ins Netz stellen zum weiteren Remixen… diese Idee, dieses Lebensgefühl ins RL zu übertragen meinte ich eigentlich mit dem Begriff “Partizipation”.
Selbstverständlich wird das Netz dabei eine zentrale Rolle spielen, und sei es nur zur Vernetzung und Kommunikation. Aber der Begriff geht doch darüber hinaus:

“Die Infrastrukturen sind nicht nur die Basis für die Marktwirtschaft, sondern für das generelle Miteinander der Menschen. Durch dieses zentrale Element des Zusammenlebens entscheidet sich, wer aktiv an der Wirtschaft und dem kulturellem Leben teilhaben kann. Aus diesem Grund muss für alles, was Infrastrukturen betrifft, Gemeinnützigkeit und Transparenz als Auflage vorgeschrieben sein.” Wahlprogramm der PP

Strassen sind offline, das ist kein Netz-Thema ;-)

Es geht on- wie offline um eine Förderung von Kollaboration, also dem gemeinschaftlichen Aufbau von sozialem und kulturellem Kapital, und der Teilhabe daran, auch politischer Teilhabe durch “Liquid Democracy” o.ä. Ich denke, daß Partei- und Wahlprogramm stark von diesen beiden Ideen beinflußt sind… auch wenn das (noch?) nicht als Partei-Ideologie so formuliert wurde.

Ansonsten sind wir gerade bei der Zizek-Lektüre, ich empfehle das, was ich auch weissgarnix empfohlen habe, “Ein Plädoyer für die Intoleranz” .

Kenn ich nicht, was sagt denn die WikiPedia? Ach: “Bekannt geworden ist er insbesondere durch seine einflussreiche Übertragung und Weiterentwicklung der Psychoanalyse Jacques Lacans in das Feld der Populärkultur und der Gesellschaftskritik.” Lacan wiederum kenne ich. Aus Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften missbrauchen von Alan Sokal. Übrigens sehr zu empfehlen das Buch.

Danach kommt Marx, ich empfehle die Grundrisse.

Marx wollte ich eigentlich immer mal lesen. Aber im Moment: mit Vollzeitstelle und Teilzeitstudium… Mitte Oktober bis Januar hab ich ein bischen mehr Zeit, vielleicht kann ich dann endlich noch mal ein bischen mehr lesen.
Popper ist ja hier in den Kommentaren auch schon genannt worden, das wäre eigentlich auch noch eine gute Idee.

133 Frankie Bernankie 24. September 2009 um 23:26

@Mario #131

“Für viele Piraten ist kollaboratives Arbeiten im Netz Alltag: Artikel für die WikiPedia erstellen,”

Aha, denen verdanken wir also dieses schlampige Falschfährtenlexikon…

134 Mario 24. September 2009 um 23:44

@Limited #129
“Offenbar wollen einige die Piratenpartei nicht, wenn diese Artikel in der JF publizieren läßt.”

Die Rechten wollen uns nicht wegen dem, was Popp gesagt hat. Die Linken wollen uns nicht wegen der Zeitung, der er es gesagt hat. Zum allerersten mal im meinem Leben sind mir die Rechten sympathischer :-)

Ach ja: Popp hat der JF ein Interview gegeben, wir haben da nichts publizieren “lassen”.

“Was bleiben könnte wäre eine Abkehr der linkslastigen Anhänger der Piratenpartei von dieser. Was dann noch bleibt ist die rechte Zuneigung für die Piratenpartei.”

Die ist gar nicht so groß- Popp hat in besagtem Interview nämlich eine Zusammenarbeit mit rechten Parteien ausgeschlossen, das ist den meisten sauer aufgestoßen.

“Ich bin jetzt nicht in der Piratenpartei. Aber mir wäre da bei so eindeutigen Gesten von rechts und links etwas unwohl.”

Ich hoffe, daß sowohl die linken als auch die rechten Spinner sich angeekelt von uns abwenden und genug vernünftige Leute übrig bleiben :-) Wenn nicht, war’s zumindest ein netter Versuch was zu ändern. So ist das eben: Mal verlierst du, mal gewinnen die anderen.

135 teo 25. September 2009 um 00:04

Bei dieser Debatte hier könnte man glatt den Eindruck gewinnen, in Deutschland gäbe es eine Demokratie.

Ein Partei mehr oder weniger im Bundestag: wie relevant ist das für die Herrschaftsverhältnisse in Deutschland? Eine Partei mehr oder weniger in der Duma, was würde das an den Herrschaftsverhältnissen in Russland ändern?

In beiden Fällen: rein gar nichts.

In Deutschland ist die Oligarchie lediglich etwas hübscher verpackt als in Russland. Die Verpackung nennt sich “Grundgesetz”. Und Papier ist unendlich geduldig.

Wer eine Partei gründet und ins “Parlament” einziehen will, um “das Grundgesetz zu verteidigen” oder etwas an den Verhältnissen zu ändern, der schubst auch schlafende Hühner von der Stange.

Schade um die vergeudete Lebenszeit.

136 tschill 25. September 2009 um 00:11

Alles was zum Thema Andreas Popps dämliches Interview in der Postille Junge Freiheit zu sagen ist, wurde auf F!XMBR und Spreeblick gesagt. Eine Neuauflage hier ist nicht sinnvoll.

Im übrigen wünschte ich, daß die hier im Thread vertretenen Piraten die Basis der Partei darstellen würden. Zumindest im Internet ist dies leider nicht der Fall.

137 Reinhard 25. September 2009 um 01:45

“Im übrigen wünschte ich, daß die hier im Thread vertretenen Piraten die Basis der Partei darstellen würden. Zumindest im Internet ist dies leider nicht der Fall.”

Ach, diese Diskussion hier findet nicht im Internet statt? Zudem darf man nicht vergessen, dass es Dummbratzen überall gibt. Man erinnere sich vielleicht, wie überkandidelte “Fanboys” anderer Parteien in Blogkommentaren Amok gelaufen sind, weil dort Dinge standen, mit denen ihr einfach gestrickter Verstand nicht klar gekommen ist. Warum sollte das bei der PP anders sein?

Sturgeons Law: 90% von allem ist Mist! :)

138 iDog 25. September 2009 um 03:16

@ kussi

, “kein kapital” stimmt zwar auch nicht ganz , aber ich verstehe was sie meinen – die technologie industrie selbst ist natuerlich nicht zu unterschaetzen. heute sitzen chips in allem drin und bald ist jeder kuhlschrank am netzt, wie man so sagt – bei autos ist es fast soweit.

aber alles das meine ich gar nicht mit hebel. ich glaube das war schon klar. das net ist ein werkzeug – laesst sich in sofern nicht auf medium pur reduzieren. der gesamte warenverkehr, handel, absatz, just in time , management, rechnugswesen, produktionssteuerung, marketing, design, zahlungsverkehr, kreditwesen, und und und – bis zur nachfrage lauft alles auf rechneren in / am net – alles was schafft sitz am rechenr und am net. das net ist keine ersatzwaehrung mehr – die nummer klappte eben nicht, da haben sie recht , aber ansonsten unentbehrlich wie nix sonst. ich kann mir nicht vorstellen zumindest nicht realistisch was da anders gehen sollte. jede doofe kasse hangt heute einfach am net und bucht sich mein geld ab bei tante emma im zeitungladen.

139 Andreas Kreuz 25. September 2009 um 05:58

>>der gesamte warenverkehr, handel, absatz, just in time , management, rechnugswesen, produktionssteuerung, marketing, design, zahlungsverkehr, kreditwesen, und und und – bis zur nachfrage lauft alles auf rechneren in / am net – alles was schafft sitz am rechenr und am net.<<

Nichts ist so, wie es scheint.

140 Kussi 25. September 2009 um 07:53

@iDog:
“laesst sich in sofern nicht auf medium pur reduzieren”
> ich sprach ja auch von eher, denn von pur

Im Grunde haben Sie nichts geschrieben, was die Menschen von der Strasse bringt. Kommerzialisierung wird unter den Piraten mit einer negativen Konnotation belegt – darauf kommt es mir an. Was wir – auch die Piraten – aber brauchen, ist eine zukünftige Produktionssphäre (sei es dann auch eine virtuelle), ansonsten fragen Sie sich mal, wie wir in D die 7,5 HartzVIler von der Str. bringen sollen und demnächst die ca. 1 Mio., die aus der tatsächlichen Prod.-sphäre der Autos und des Maschinenbaus entlassen werden sollen. Ihre Beispiele zeigen nur die Effizienz des net für die bestehenden Unternehmen… warum diese aber Arbeitsplätzchen aufbauen sollten, ja das wird mir aus iher Argumentation nicht klar. Na mal gucken, ob die in Island oder in Osteuropa in den nächsten Jahren das net als Hebel entdecken werden…

“jede doofe kasse hangt heute einfach am net und bucht sich mein geld ab bei tante emma im zeitungladen.”
> ja da haben Sie nun ein sehr schlechtes Beispiel gewählt, weil nämlich die Banken ein eigenes Abrechnungsnetz außerhalb des net unterhalten (Quelle: meine Arbeit ;-) ). Komisch wa, dass ausgerechnet die Banken zur (auch internen) Abrechnung ein anderes…

141 Kussi 25. September 2009 um 08:09

@iDog:
“ich kann mir nicht vorstellen zumindest nicht realistisch was da anders gehen sollte.” & “..Kapitalismus zieht den Stecker.”

Mein Satz zielt ja nicht darauf, dass das net “abgeschaltet” wird; ich ziele auf die Verbindung net und Kapital und damit auf eine wesentliche Rechtfertigungsgrundlage für die Existenz der Piratenpartei. Stellen Sie sich mal vor, welch’ Betätigungsfeld diese Partei hätte, wenn das Inet kommerzialisiert würde, das wäre ja gleich den Sozialisten des 19. Jh./20. Jh. Ja aber dahin denken die jugendlichen nicht, wahrscheinlich mangels Buchbesprechungen in ihren Arbeits-Kreisen.

@ Andreas Kreuz #103
…wobei mich Deine Meinung/andere Facetten auch interessiert hätten!

142 Systemfrager 25. September 2009 um 08:17

@ wgnx

Und erst jetzt fällt mir es auf. Wo ist bitteschön oben die Figur für die Piraten. Peinlich, peinlich, … 

143 sinthomat 25. September 2009 um 08:51

@Mario, nun, weder ist Partizipation ein Lebensgefühl, noch das, was Du als darüber hinaus gehendes “Lebensgefühl”, welches vom Netz – in das RL? Du beliebst zu scherzen? Oder redet ihr echt so über eine vom Netz zu unterscheidende Gesellschaft? – übertragen werden müsste, bezeichnest. So werdet ihr nicht verstanden, was die Kritik, die sich massenweise in diesem Thread artikuliert, bestätigt. Mir scheint, da ist noch ein wenig Begriffsarbeit nötig, schon alleine aus Gründen der Selbstverständigung.

Soziales und kulturelles Kapital aufzubauen, könnte wohl nicht schaden, gerade auch in diesem Zusammenhang, ist aber als Parteiprogramm ein wenig selbstbezüglich.

Marx wollte ich eigentlich immer mal lesen. Aber im Moment: mit Vollzeitstelle und Teilzeitstudium… Mitte Oktober bis Januar hab ich ein bischen mehr Zeit, vielleicht kann ich dann endlich noch mal ein bischen mehr lesen.

Wenn ich es mir recht überlege, ist das ganz gut so. Jemand, der aufgrund von Sokal kein Zizek lesen will, da kann nichts vernüftiges bei rauskommen, wenn der Marx liest. Im besten Fall Zeitverschwendung, im schlechtesten halt sowas wie Pol Pot.

Aber trotzdem vielen Dank für das Gespräch, ich kann jetzt viel besser nachvollziehen, warum hier soviele nicht gut auf die Piraten zu sprechen sind. Ich bin nicht nachtragend, aber ich glaube, ich unterhalte mich dann doch lieber mit den schrägen Vögeln, die schon vor diesem Beitrag von f.luebberding hier waren.

144 Mario 25. September 2009 um 09:50

@sinthomat #143
“Mir scheint, da ist noch ein wenig Begriffsarbeit nötig, schon alleine aus Gründen der Selbstverständigung.”

Da geb ich dir recht.

“Jemand, der aufgrund von Sokal kein Zizek lesen will, da kann nichts vernüftiges bei rauskommen, wenn der Marx liest.”

Ich hab nirgends gesagt, daß ich Zizek nicht lesen will. Ich habe gesagt, daß ich im Moment keine Zeit habe.

“Ich bin nicht nachtragend, aber ich glaube, ich unterhalte mich dann doch lieber mit den schrägen Vögeln, die schon vor diesem Beitrag von f.luebberding hier waren.”

Wenn ich es mir recht überlege, ist das ganz gut so. Jemand, der schon bei der bloßen Erwähnung des Namens “Sokal” so ablehnend wird, da kann nichts vernüftiges bei rauskommen.

145 sinthomat 25. September 2009 um 10:17

Muss ein tolles Lebensgefühl sein, wenn man weder Schreiben noch Lesen kann. Man hat immer Recht, weil man ja gar keinen Begriff von Vernunft hat.

Ist aber absolut überflüssig, das auf das “RL” übertragen zu wollen, denn da habt ihr dieses Lebensgefühl ja her. Viel Spaß noch mit Eurem “politischen Projekt”.

146 Jürgen 25. September 2009 um 11:29
147 weissgarnix 25. September 2009 um 11:33

@Systemfrager

Wieso – die ist da doch. Sie ist nur nicht zu sehen…

148 HAM 25. September 2009 um 11:36

Finanz-Piraten wählen Piraten

DGAP-Media: Dresdner Bank: 44,6% der Mitarbeiter wählen die PIRATEN
http://kurse.focus.de/news/DGAP-Media-Dresdner-Bank-446-der_id_news_119862074.html
:-D

149 Systemfrager 25. September 2009 um 11:39

@ wgnx

Wenn man sich es genauer anschaut, stimmt! Ich hätte eigentlich selber darauf kommen müssen! Peinlich, peinlich, … :-(

150 f.luebberding 25. September 2009 um 12:11

Alle

Übrigens eine sehr gute Debatte wie man mir bestätigt hatte. Dieses Kompliment will ich nur einmal weitergeben, meine Beiträge gehören natürlich nicht dazu. Dass die Dresdner Bank Mitarbeiter die Piraten wählen, hat etwas mit ihrem eigenen Schicksal zu tun … . Sie waren ja selber gekapert worden. Übrigens lohnt es sich durchaus morgen abend die Wahlsendung von Raabs TV Total zu sehen. Vor vier Jahren schnitt die SPD überraschend gut in der Umfrage ab. Das ist natürlich nicht repräsentativ, aber das Abstimmungsergebnis könnte durchaus einen Eindruck auf das sonntägliche Wahlergebnis geben. Vor allem auch Rückschlüsse auf das Ergebnis der Piraten – wenn sie denn in die Abstimmung miteinbezogen werden. Deren Ergebnis ist nämlich für mich absolut nicht einschätzbar – was aber nicht bedeutet, dass ich ihnen den Einzug in den Bundestag zutraue. Aber respektabel könnte es trotzdem werden. Natürlich werden alle Parteien versuchen zu ihren Gunsten vorher zu mobilisieren. Wie gesagt – dass diese Abstimmung vor vier Jahren einen Trend anzeigte, muss morgen nicht wieder passieren. Aber die Quote der Sendung und die Beteiligung an der Abstimmung lassen vielleicht durchaus Rückschlüsse auf die Mobilisierungsfähigkeit zu.

Wie gesagt: Schwarz gelb kann nur bei einer niedrigen Wahlbeteiligung gewinnen. Also mein Tipp an potentielle Unions- und FDP Wähler. Hört nicht auf Wolfgnag Clement! Der hat keine Ahnung von Wahlen – hat auch nie eine gewonnen … . Bleibt zu Hause und macht euch einen schönen Tag. Geht nicht wählen.

Dann werdet ihr ab 18.00 Uhr eine schöne Überraschung präsentiert bekommen. Denn wie oben logisch geschlossen – nur bei einer niedrigen Wahlbeteiligung wird Guido Westerwelle Außenminister … .

151 R.H. 25. September 2009 um 15:42

Zwei Anmerkungen zur These, den Piraten fehlten Intellektuelle:

1. Intellektuelle sind nicht wichtig. Es gab zum Beispiel in der Geschichte der Menschheit noch nie einen konservativen Intellektuellen. Ja, ich habe mir die alle angeschaut. Ja, die sind alle doof.

2. Für den, der es braucht, hier habe ich gleich drei Intellektuelle: Richard Stallman, Lawrence Lessig, George Orwell. Und wer die nicht kennt und dann noch zu doof zum googlen ist, der braucht sich auch nicht bei den Piraten melden.

152 Jeff Kelly 25. September 2009 um 15:52

Ich finde die Schlüsse die sie FL aus den bisherigen Aktivitäten ziehen etwas dürftig, denn.

1. Gibt es diese sinnstiftenden Diskussionen bereits länger, sie finden allerdings auch in den neuen Kommunikationsmedien statt.

2. Hatten die Grünen fast 15 Jahre Zeit, um aus den Ideen, die in den aus den Schlafzimmern und Küchen geboren und sikutiert worden waren, eine Identität, eine Partei und ein WWerteverständnis zu formen bis sie im Parlament “angekommen” waren.

Außerdem finde ich, dass sie die Entstehungsgeschichte der Grünen zu sehr romantisieren. gerade in der Anfangsphase war dort auch jede Menge “fringe” dabei und es sind auch immer wieder Teile des radikalen Randes abgebrochen und haben sich in anderen Organisationen kosnbtituiert.

Der Weg der Grünen zu einem gemeinsamen Werteverständnis, einer gemeinsamen Moral und die Oszillation der Positionen über die Ränder zur Mitte war ein langwieriger Prozess, dessen Abschluss erst darüber entschied ob die Grünen eine Partei werden konnten oder nicht.

Da steht die Piratenpartei noch am Anfang.

@wgx: Ich denke sie haben ein etwas anderes Verständnis vom Begriff “ideologiefrei” als die Mehrheit der jungen Leute.

Junge Menschen frustriert am deutschen Politikbetrieb denke ich drei Dinge.

1. Mangelnde Möglichkeit der Partizipation, der Mitgestaltung und das Gefühl nicht gehört zu werden. (Der Engländer spricht von “disenfrenchised”), dieses Gefühl teilen sie mit breiten Teilen der Bevölkerung.

2. Ideologie als Verteidigungskonstrukt. “Mit denen koalieren wir nicht, die sind links.”. “Wir verstaatlichen keine Banken, das wäre Kommunismus” etc. pp.

Die meisten Menschen die ich kenne sehnen sich verzweifelt nach einem gewissen Pragmatismus, der Lösungen erst einmal unabhängig auf ihre sinnhaftigkeit hin bewertet, bevor eine Idee nur alleine durch den Blick mit der ideologischen Scheuklappe abgebügelt wird.

3. Die fehlende Transparenz der Entscheidungsfindung und der Konsenzzwang der etablierten Parteien.

Auf jemanden der tagtäglich im Netz diskutiert, Meinungen austauscht, kontrovers und leidenschaftlich von Wirtschaft über Gesellschaft alle möglichen Themen verfolgt wirkt das stumme glattgebügelte “Abweichler werden erschossen” Ding der etablierten Parteien sehr befremdlich.

Man gewinnt oft den Eindruck, dass die Parteispitze eine Meinung hat und wer auch immer dagegen ist soll doch gefälligst das Maul halten. Gott bewahre er könnte auch noch in den Medien kundtun, dass für ihn eine Anweisung von Merkel, Steinmeier oder Co. eben kein Evangelium ist.

Mich persönlich wundert immer wie viel Kontroverse und Streit selbst die etablierten Parteien noch vor 20 Jahren ausgehalten haben.

Ein Streitgespräch wie zwischen Strauß und Kohl oder Wehner vs. der Rest würde heute monatelang den Blätterwald rauschen lassen.

153 Jeff Kelly 25. September 2009 um 15:57

Ich denke daraus erwächst auch das Mißtrauen der alten Parteikader gegenüber dem Internet.

Sie halten das Rumoren, das Subversive, das Laute, das Kontroverse, die viel “freiere” Meinungsäußerung im Netz nicht aus, weil sie es im politischen Alltag schlicht nicht gewohnt sind, das ein gewisser Pegel an Widerspruch, an Kritik und ein weites Spektrum an Meinungen vorhanden ist und auch vertreten wird.

Wann hat das letzte mal ein Mitglied der CDU der Kanzlerin so wiedersprochen, dass es in der Öffentlichkeit aufgetaucht wäre?

154 Robin 25. September 2009 um 16:24

#151
Stallman? Oh mein Gott!
Bevor ich den als intellektuelle Leitfigur akzeptiere, ziehe ich lieber meinen Mitgliedsantrag bei den Piraten zurück und werde Patentlobbyist beim BITKOM.

155 Kussi 25. September 2009 um 16:45

@ Jeff Kelly #152/#153:

Mal ein Beispiel aus dem sog. “RL”: Da beschwerte sich ein Jugendlicher in einer Fragestunde mit Merkel, dass er keinen Job hätte. Merkel fragte, was er denn für eine Ausbildung hätte. Antwort: keine.
Machts Klick?

156 R.H. 25. September 2009 um 17:22

#154
Ach Gottchen, du musst Stallman ja nicht 100% nachmachen. Dann nimm halt Lessig. Niemand hat die Absicht, einen Free-Software-Song-Clip zu verlinken.

157 Alvar Hanso 25. September 2009 um 18:00

Nun, die Gemeinsamkeit zw. Dampfmaschine und Net ist die extreme Effizienzsteigerung (Wohlstandsgewinn) die beide ermöglichen, also die Möglichkeit jedemenge Arbeitskräfte wegrationalisieren zu können.

Das Net ermöglicht auf der einen Seite mehr Freiheit, auf der anderen Seite treibt es den Kapitalismus immer weiter in die Krise, weil es nicht nur unzureichend neue Verwertungsmöglichkeiten schafft, sondern alte auch zerstört.
D.h. mittel- oder langfristig wird man um das System erhalten zu können, ebenjene Freiheiten abschaffen müssen, also Open-Source oder Ehrenamt mit Schwarzarbeit gleichsetzen und sanktionieren müssen.
Und dann ist die Piratenparteiprogrammatik nicht nur virtuell von Interesse sondern auch ganz real.

Die m.E. entscheidende Frage der Zukunft, wollen wir Freiheit oder wollen wir Hamsterräder, ist also bei den Piraten von existenzieller Bedeutung und ist in Teilen schon pro Freiheit beantwortet worden, auch wenn vielleicht einige Parteimitglieder das noch nicht erkannt haben.
D.E.P.P. verweigern sich ja noch beharrlich dieser Frage…

158 Jeff Kelly 25. September 2009 um 18:33

@Kussi 155:

“Machts Klick?”

Ja ich habe begriffen, dass sie nichts zur Diskussion beitragen wollen.

Anekdotenhafte Einzelberichte eignen sich in jedem Fall nicht um eine These zu untermauern, mal ganz abgesehen davon, dass dazu erst einmal eine solche notwendig wäre.

Ansonsten fällt mir auf das sie anscheinend zu den Sozialromantikern zu gehören scheinen. Wenn ein junger Mann, der keine Ausbildung genossen hat, für sie heute schon dazu geeignet scheint eine wie auch immer geartete These zu untermauern (wahrscheinlich früher war alles besser), muss das ja bedeuten das ihrer Ansicht nach früher alle jungen Leute eine Ausbildung gemacht haben und die Ausbildungslosigkeit heutiger Jugendlicher kein gesellschaftlicher sondern ein privater Missstand ist.

oder auf Deutsch: wer noch nicht mal eine Ausbildung hat hat gefälligst sein Maul zu halten und darf als schlechtes Beispiel dafür dienen, das die Welt vor die Hunde geht. Ich sehe sie schon ganz verzweifelt “Sic transit gloria mundi” rufen, damit wären sie in der guten Gesellschaft von hochrangigen Philosophen wie Aristoteles und Socrates, die gleiches schon vor 2500 Jahren beklagt haben.

Jetzt mal unter uns, zu allen Zeiten gab es und auch heute gibt es eine große Anzahl von ungelernten Arbeitskräften überall auf der Welt. In Ländern wie China und Indien ist das Konzept des ungelernten Arbeiters sogar so erfolgreich, dass sich die großen deutschen Industriemagnaten in ihrer Existenz bedroht sehen und den Staat um Hilfe bitten.

Das deutsche Wirtschaftswunder gründet sich auf die Arbeitskraft von Legionen von ungelernten Arbeitern, die in deutschen Fabriken Fernseher zusammengebaut, Porzellan bemalt, an Maschinen geschraubt, Federn sortiert und alle möglichen und unmöglichen Handarbeiten ausgeführt haben.

Der Unterschied?

Vor 20 Jahren hat so ein ungelernter Beruf noch dazu gereicht um eine Familie zu ernähren, heute leben solche Leute von HartzIV weil sie gar keine Arbeit mehr finden oder sie werden indirekt über Kombilohne vom Staat subventioniert und haben unter dem Strich auch nicht mehr.

Vor 20 Jahren konnte man über einen solchen ungelernten Job noch in einer Firma aufsteigen, ja vielleicht sogar in eine Position mit Verantwortung rutschen. (Alte Leute reden dann immer sentimental das “jemand etwas von der Pike auf gelernt hat) Heute werden solche Leute wie Bücher oder andere tote Ware durch Zeitarbeitsfirmen zum Schleuderpreis vermietet und wer zu sehr aufmuckt landet dann doch wieder auf dem Sozialamt.

Selbst wer diese Privilegien nicht genossen hat, der hatte doch zumindest einen Job und genug Geld um auszukommen heute muss man ja schon trotz Ausbildung froh sein, wenn man noch zum Straßenkehren eingestellt wird.

159 Jeff Kelly 25. September 2009 um 18:36

oder anders gesagt: Wer systemische Probleme mit dem Hinweis auf die “Verantwortung des Einzelnen” ignoriert, der darf sich nicht wundern wenn ihm irgendwann mal das Auto angezündet wird.

160 Frankie Bernankie 25. September 2009 um 20:17

Banker wählen Piraten:

http://pressetext.de/news/090925010/dresdner-bank-44-6-der-mitarbeiter-waehl

44 % der Dresdner Bank Mitarbeiter wählen die Piratenpartei. Überraschend ?
Nicht wirklich, dabei handelt es sich um ganz grosse Räubersolidarität, schliesslich haben sich die Bänker historisch aus den Piraten entwickelt.

161 iDog 25. September 2009 um 20:45

@ frankie Barnankie
selbst wenn nur ein witzchen war
….las kuerzlich bei heinsohn, die banken haben sich aus den tempeln entwickelt – ich denke also die versicherungen und die piraten hatten da mehr miteinander oder auch gegeneinander zu tun -

162 kybernetes 26. September 2009 um 00:44

@Weissgarnix

Als Pirat (bin also “befangen”) und regelm. Leser Deines Blogs stimme ich Dir zu einigen Aussagen im Artikel zu.

Aber beim Punkt “One Issue Party” musste ich doch kräftig schlucken. Ich habe mir jetzt alle Kommentare durchgelesen, aber ich habe immer noch nicht herausgefunden, wie Du zu dieser Aussage kommst, die PP habe nur One Issue. Und dann würde mich interessieren, welches dieses One Issue wäre. Vielleicht können wir das ja gemeinsam klären? In .de hat die PP ihre Themen von 3 auf 7 erweitert (IMHO schon zu viele), in Österreich konzentriert sie sich auf 3 plus Internetzensur (ante portas). Es kann natürlich sein, dass das Thema “Freiheit” als Metaziel kommuniziert wurde – es sollte aber klar sein, dass das selbst für Piraten etwas zu abstrakt wäre.

Falls Du den “One Issue” Vorwurf nur aus dem Beitrag Deines ehem. Lehrers hast, frage ich mich, warum es ausgerechnet bei der Piratenpartei so schwer fällt, sich “bei der Quelle” zu informieren. Du wirst kaum wo anders einen so freien Zugang zu Parteiinfos erhalten. Zu den klassischen Kernthemen gehören Urheberrecht, Patentrecht und Privatsphäre. Falls das zu wenig oder zu speziell erscheint, dann bitte ich den Leser sich doch darüber zu informieren, auf welche Grundlagen sich der Wohlstand der heutigen Gesellschaften stützt. Boden und Arbeit sind es schon lange nicht mehr, Kapital nun auch nicht mehr ;-) – und Weissgarnix müsst es eigentlich wissen, das mit dem Wissen…

http://piratenblog.net/nur-drei-kernthemen/

Und derjenige möge mir doch bitte einen Experten zeigen, der sich in Urheberrecht und Patentrecht und Rechtsgebieten, welche die Privatsphäre betreffen auskennt. Eher findet man einen brauchbaren Mietrechtler. So viel zum Umfang der Themen. Ach ja, die Tragweite der Themen – bis Hindustan haben sie es immerhin geschafft: http://wiki.piratenpartei.at/Zeitung/01-2009/07_PP_im_Darwinjahr

Der zweite Punkt, der mir merkwürdig vorkommt, ist der Vorwurf, Piraten würden keine Bücher lesen und es gäbe keine Intellektuellen. Ich habe seit Star Wars nicht mehr so viele Nerds auf einem Haufen gesehen! Und die lesen keine Bücher???

Wenn sich Deine Interpretation von Intellekt auf die Äußerungen eines Habermas um 3 Uhr morgens erstreckt, dann haben sie wirklich keine Intellektuellen. Aber ich gebe Dir eine Literaturempfehlung – sogar auf Papier erhältlich: John Brockman: Die dritte Kultur.

Die damit im Zusammenhang stehende Ansicht, die Piraten hätten keine einigende Ideologie, kann ich meiner Erfahrung nach zumindest etwas abschwächen. Man findet in der PP Österreich, die mittlerweile immerhin 320 Mitglieder hat, überraschend viele, die gleiche oder ähnliche Bücher gelesen haben. Die vorherrschende Literatur ist natürlich jene von Orwell und Huxley. Und Science Fiction Klassiker, deren dystopische Visionen sich leider zu erfüllen scheinen – während ihre technologischen Szenarien manchmal sogar lächerlich altertümlich sind (z.B. Neuromancer).

Bücher bzw. Ansichten von Michael Polanyi, Karl Popper, Noam Chomsky, Peter Senge, Peter Drucker, Marshall McLuhan… sind in der PP wohlbekannt und werden vor den Herausforderungen des 21.Jhdts. diskutiert – das Potential für eine Ideologie würde ich hier schon sehen. Aber ich gebe Dir vor allem in einem Punkt recht: Die Partei ist ungestüm, chaotisch, das Durchschnittsalter sehr jung – andererseits, ich hätte noch nie bei einer anderen Partei eine derartige Offenheit und Belesenheit gesehen.

Frag doch bitte mal den nächsten Plakatkleber der SPÖ nach der Parteiideologie – aber weich schnell aus, wenn sein rechter Arm in die Höhe schnellt! Und dann wird Dir der Blog-Post des 23 jährigen Piraten vielleicht in anderem Licht erscheinen.

Zum Schluss noch eins: Das Motto “lieber den Mund halten als Blödsinn reden” sollte man nicht nur vor dem Hintergrund der Angst vor Fehltritten aus Unerfahrenheit sehen. Was bisherige politische Ideologien – und da betone ich ganz besonders die Grünen – an Flurschäden durch wohlgemeinte (durch Ideologie gerechtfertigte) Aktionen angerichtet haben, ist einer Welt der heutigen Komplexität nicht mehr tragbar. Das Verständnis für Komplexität und Linguistik halte ich in einer solchen Umwelt für eine wichtige Kompetenz, die ich bisher nur bei der Piratenpartei gefunden habe. Wieder ein Literaturtip ad hoc: Dietrich Dörner: Die Logik des Misslingens.

163 sinthomat 26. September 2009 um 11:13

Von einer Kompetenz für Komplexität und Linguistik kann ich bei der Piratenpartei nichts erkennen, im Gegenteil.

Die Piratenpartei wird früher oder später an einen Punkt kommen, wo sie sich entscheiden muss: Wird sie eine FDP mit anders gewichteten Schwerpunkten, als dieser monströse Westerwelle-Wahlverein, der sie heute ist, versucht sie also die bürgerrechtliche liberale Position hochzuhalten, bei gleichzeitiger, nur weniger extremer Verfolgung eines liberalen Wirtschaftsverständnisses? Oder wird sie eine Partei, die über die augenblicklichen partikularen Programmpunkte hinaus versucht, eine gesellschaftliche Utopie vom Leben mit dem Netz zu entwickeln, die die emanzipatorischen Potenziale neuer Technologien herausarbeitet und für die gesamte Gesellschaft nutzbar machen will? Die dritte Alternative wäre das Festhalten an einem unpolitischen Selbstverständniss und das Verkommen zu einer Art technologischen Statt-Partei, was in meinen Augen eine reale Möglichkeit ist, aber mittelfristig nicht funktionieren dürfte.

Den “dritten Weg”, der als Option in dem Posting vor mir durchscheint, haben die Sozialdemokraten schon versucht, wofür sie jetzt die Quittung kriegen. Diese technokratische Option funktioniert halt nur, solange es einen breiten Grundkonsens über die Gesellschaft gibt, aber auch der Grundkonsens muss immer neu verhandelt und neu vermittelt werden. Wenn die Piraten eine Zukunft haben wollen, müssen sie sich da einbringen. Spannende und entwicklungsfähige Themen gibt es in ihrem Feld ja genug, von daher würde ich es ihnen auch nicht verzeihen, wenn sie sich da mittelfristig drücken.

164 f.luebberding 26. September 2009 um 12:04

kybernetes

Ich hatte in den beiden letzten Tagen wenig Zeit, habe deshalb wenig geschrieben. Aber nur zu dem Thema one issue Partei. Die Antwort hast Du ja durchaus gegeben:

“Zu den klassischen Kernthemen gehören Urheberrecht, Patentrecht und Privatsphäre.”

Das stand übrigens an der Wiege des europäischen Liberalismus. Es betrifft ja das was wir gerade einen thread weiter diskutieren – Gesellschaft versus Gemeinschaft. Vertragsrecht etc. Mit one issue Partei ist ja zuerst einmal nur die Focussierung auf ein Thema gemeint – und genau das ist die Frage nach der Regulierung des Internets. Zensurfragen, online Überwachung etc. Das hat ja auch die Politisierung der Nerds ausgelöst. Das Interessante jetzt ist aber – unter anderem in der Debatte hier – ob sich daraus weitergehende gesellschaftspolitische Fragen stellen, wo die Piraten zum Trendsetter werden könnten und am Ende einen signifikanten Teil der Wählerschaft zu binden vermögen. Sie also den sozialen und gesellschaftlichen Wandel antizipieren. Historisch betrachtet gab es im deutschen Liberalismus die Spaltung in Nationalliberale und Linksliberale. Wobei sich die Sozialisten ja immer auch als Erben des Linksliberalismus begriffen haben. Deshalb ist diese Ausrichtung zwischen links und rechts, also letztlich die Freiheitsfrage, keineswegs obsolet. Sie strukturiert bis heute unser Parteiensystem – für allem was die Rolle des Staates betrifft.

Ein Thema ist immer der Auslöser für Parteigründungen – bis heute. Von der Familienpartei bis zu den diversen Rentnerparteien versuchen immer wieder Leute Interessen in einer Partei zu bündeln. Sie scheitern aber daran, weil Interessen alleine nicht für die politische Verortung von Wählern entscheidend sind. Ich arbeite für einen Musikverband – wir gründen aber keine Musikpartei … . Deshalb mein Hinweis auf die Milieus. Die brauchen eine verbindende Ideologie – also Weltsicht – das ist der Kitt, der bei allen Unterschieden den Laden zusammenhält – und trotzdem zu Konflikten, Abspaltungen etc. führen wird.

Nur habe ich hier nicht über die Rentnerpartei oder ähnliche Gruppierungen geschrieben, sondern über die Piraten. Warum wohl? Und mein Hinweis auf den 23 jährigen. Dazu hatte ich ja schon was gesagt – udn er ist von meinem Beitrag ja nicht wirklich überzeugt wie ich hier gelesen habe … . Aber er scheint mir durchaus eine gewisse Stimmung zum Ausdruck gebracht zu haben. Von repräsentativ will ich jetzt nicht reden … .

Wie schon gestern formuliert: Die Debatte ist hier sehr gut – im Pro und Contra. Das meinte ich ja auch mit Selbstreflexion.

Gruss Frank

165 weissgarnix 26. September 2009 um 12:24

@kybernetes

Der böse Lübberding hat diesen Beitrag geschrieben – der war’s! Nicht ich! Ich distanziere mich ausdrücklich davon. Habermas um 3 Uhr morgens? No way! Setzt die Segel, Piraten, yoho! So und jetzt entschuldigt mich bitte, Johnny Depp kommt gleich im Fernsehen…

166 f.luebberding 26. September 2009 um 12:39

Weissgarnix

Und der beschäftigt sich jetzt gleich mit musikalischer Früherziehung. Für unsere Piraten habe ich heute abend einen Konzerthinweis. Als Einstimmung für morgen. Auf dem Programm:

„OF SAILORS AND WHALES”
Eine Seereise ÜBER und UNTER Wasser!
Gastsolist: Guido Wendt (Gesang und Erzähler)

MUSIK UND MEE(HR):
- Of Sailors and Whales
(eine sinfonische Vertonung mit Erzähler über die Geschichte von Kapt´n Ahab und Moby Dick)
- Fluch der Karibik
- Das Boot
- Traumschiff
- Sailing
- Beyond the sea
- Water Melon Man
- Anker gelichtet

Zu finden hier:

http://www.vmb-nrw.de/go/terminevmb/veranstaltungen-detail/980-jahreskonzert.html

167 kybernetes 26. September 2009 um 14:10

Hallo Frank

ich habe gestern Deine Beiträge mit jenen von Weissgarnix durcheinandergebracht. Fiel mir zu spät auf, sorry.

Ich bin bei Deiner Ausführung über das links/rechts Spektrum ganz bei Dir. Aber: Merkt man “da draußen” noch etwas davon? Ich muss in einem Punkt sogar unserem Reibebaum Ursula von der Leyen zustimmen: Die Piraten sind in gewisser Hinsicht sehr konservativ. Nämlich was Errungenschaften der Aufklärung anbelangt. Und das Urheberrecht gehört dazu, das soll bewahrt werden, in seinem ursprünglichen Sinn. Daher muss es reformiert werden, da durch Vertragskonstrukte dieser Sinn verloren ging.

Ich muss leider noch einmal lästig sein beim “One Issue”.

Ein Thema war nicht der Auslöser der Gründung der Piratenparteien. Die Basis bilden, vor allem in Deutschland, viele Vereine, die sich mit Technologie und Gesellschaft auseinandersetzen. Wie der Chaos Computer Club oder EFF Europe. Oder das Metalab und Quintessenz in Österreich. Aus diesem “Dunstkreis” gab es schon seit jahrzehnten Ansätze, Parteien zu gründen.

Warum?

Weil innovative Techniker oft die gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Konsequenzen ihres Schaffens hautnah spüren. Nehmen wir Gutenberg. Politisch bedeutungsvolle Zeitgenossen forderten seine öffentliche Hinrichtung für das “Satanswerk” Buchpresse. Er konnte die Kirche davon überzeugen, dass es für sie gewinnbringend ist, die Bibel zu drucken und den Rest kennen wir.

Was dann der Auslöser war, der auf diesen, von den Vereinen meliorierten, Boden fiel, war die explosionsartige Verwendung von Euphemismen (“Kollateralschaden”) und Dysphemismen (“Raubkopierer”) in der Politik, vor allem der Ära Bush. Informatikern, die äußerst bedacht auf korrekte Sprache sind, ging dabei das “geimpfte” auf, wie wir in Wien sagen. “Geimpft”= es wurde dir dein Leben lang beigebracht / eine ethische Grundhaltung.

Und genau gleichzeitig gab es da in Schweden eine unbeugsame Gruppe an Filesharern, die mit den USA Katz und Maus spielten, die Gruppe um Pirate Bay. Das Halali auf Filesharer war somit eröffnet – auf höchter (US-)politischer Ebene, ebenso wie von Verwertungsgesellschaften und Hinterbänklern. Existenzen wurden ruiniert, Familien zerrissen, die Meute der Abmahnanwälte kam hervorgekrochen, keine Methode zu ungerecht, kein Begriff war dreckig genug, um ihn einem Filesharer nicht an den Kopf zu werfen. Die geforderten Strafen für Filesharer vor Gericht sprengten jeglichen Ansatz von Verhältnismäßigkeit. Und es geht immer noch so weiter: http://piraten.in/piratebay

Personell entstanden die Piraten somit weniger der Filesharing-Szene als der Vereins-Szene. Nachdem man sich nicht “Räuberpartei” (von Raubkopierer) oder “Kinderpornopartei” (aufgrund der Anti-Zensurhaltung) nennen konnte, wurde es eben “Piratenpartei” – Der Begriff des Piraten ist eher ambivalent, wie schon seine geschichtliche Entstehung vom griechischen Freiheitskämpfer zum römischen Seeräuber zeigt. Damit konnte man was anfangen. Und Slogans wie “Benutzen sie ihren Änderhaken!” sind ja wirklich genial.

Die Personen in der Partei sind also weniger “digital natives” wie es natürlich auf beiden Seiten gerne kommuniziert wird, als Vereinsmitglieder in Menschenrechtsvereinen, Informatik-Vereinen und anderen Interessengruppen, die von der Politik bedroht sind. Und Du würdest Dich wundern, dass wir Mitglieder haben die nicht einmal einen eigenen Internetanschluss besitzen oder aus welchen Berufsgruppen sie kommen. KFZ-Mechaniker, Hotelfachangestellte, Pensionisten, Musiker, Facharbeiter, Dachdecker… habe ich bereits kennengelernt und tragen zur wichtigen Heterogenität einer offenen Partei bei.

Spaltungen und Mitgliederverluste haben die Piraten natürlich auch schon hinter sich. In Frankreich gab es Anfang des Jahres 4 Piratenparteien, eine davon wurde von einem Medienkonzern ins Leben gerufen, um Mitglieder von der Bewegung fernzuhalten. Bei der Parlamentswahl in Frankreich letzten Sonntag (20.9.) erreichten sie dennoch 2,06%, was von den Medien natürlich unbeachtet blieb. In Österreich gab es ebenfalls Abspaltungen und Austritte, aus diversen Gründen. Diese Lektionen sind bekannt.

Die verbindende Ideologie ist zwar (noch) nicht so klar kommuniziert, aber man muss sich doch fragen, warum es die zuvor angesprochenen Vereine tw. schon seit Jahrzehnten gibt.
Es wurde in Experteninterviews oft gesagt, dass es den etablierten Parteien ja leicht fallen müsste, den Piraten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Indem sie einfach nicht so sehr den Überwachungsstaat hinausposaunen oder auf ihre Anliegen eingehen.

Merkwürdigerweise gibt es aber solche Forderungen auch schon seit langem von den Vereinen – der Big Brother Award wird sogar seit Jahren im Fernsehen übertragen! Dennoch: Die Vereine gibt es immer noch.

Und ich bin mir daher in einem Punkt sicher: Dass die Politik eher aus der Wirtschaftskrise lernt, als dass sie ihre totalitären Bestrebungen aufgibt. Jahrtausende aufgezeichneter Menschheitsgeschichte zeigen, dass der Kampf um Freiheit immer geführt werden muss – das ist weniger eine Ideologie, als eine Notwendigkeit. Es wäre natürlich gut, wenn es eine Ideologie gibt, die diese Notwendigkeit weniger zwangsläufig macht.

beste Grüsse aus Wien
kybernetes

168 Philippe 26. September 2009 um 15:53
169 ~ haaalbgooottt ~ 26. September 2009 um 16:40

Hallo Frank @Lübberding !

Du hast mich vor ein paar Tagen gefragt, „wie viele Jünger ich denn bereits um mich versammelt habe“, oder so ähnlich und ob ich schon eine Partei gegründet habe.

Vielleicht erinnerst du dich, dass ich vor einem Jahr mal von den „Die Blauen“ geschrieben habe. Das war durchaus nicht völliger Jux.

Allerdings habe ich schon damals beschrieben, dass mein Ansatz zum einen echtes Titanen-Werk wäre, ein, nein, DER entscheidende Durchbruch der Menschenrasse: die Auferstehung des Sklaven-Menschen, der sich gleich dem Geschnetz auf dem Boden in seinem eigenen Safte hilf- und ziellos krümmt und windet, zum aufrecht stehenden und gehenden Halbgott-Menschen, zum „homo spiritus erectus“, sozusagen. Nietzsches Vision vom Halbgott-Mensch den Odem des Lebens zu spenden – Titanen-Werk.

Zum anderen habe ich auch damals schon die beiden unabdingbaren Voraussetzungen postuliert, damit mein Demokratie-Konzept funktioniert: nämlich ein Mindestmaß an Geist und Moral bei einer absoluten Mehrheit der Sterblichen!

Erfüllt sehe ich bei den lesser mortals auf dem rein ficktiefen Planet der Affen bis dato aber nur das zweite, das Moral-Kriterium, leider. Die „Adverse Selection“, die in den kontemporären realexistierenden Scheindemokratien systemimmanent verankert wurde, führt unter Zuhilfenahme durchschaubarer(*) technischer Machtsicherungsinstrumente (welche aber trotz „Heimvorteils“ der Macht-Mafia vernichtend zerschlagen werden könnten!) zu einer bzgl. des Moral-Kriteriums im normativen Sinne auf den Kopf gestellten Macht-Pyramide. Auf Deutsch: ausgerechnet der moralische Abschaum und Bodensatz, das Konzentrat der Negativ-Auslese, dominiert über die breite Masse derjenigen, die moralisch zumindest halbwegs anständig qualifiziert sind. „The Worst Get on Top“ (google).

Woran liegt’s ?

Es ist Kriterium No. 1, welches die Sterblichen immer noch, selbst nach den vielen Mio. Jahren des „trial & error“, die seit dem Landgang der ersten Kaulquappen aus der Ursuppe vergangen sind, immer noch reissen !

Selbst hier im Blog von WgnX & Lübberding, wo sich ja die intulektuele Creme de la Creme des Planeten versammelt hat, wird nur über erbärmliche Kindereien wie Mindestlohn, BGE, KESt, Dosenpfand, Homoehe, Krugman, Keynes, Marx, Minsky, Slotterdick, Polejanie, ABS, MfG, CDS und LBS fabuliert, anstatt sich mal, zumindest versuchsweise, dem geistig aufrechten Gang anzunähern.

@Frank, solange Leute wie du sich nicht gegen den Faschismus entscheiden, solange Leute wie du nicht ihr Parteibuch als Toilettenpapier angemessenermaßen gebrauchen und in diesem beschissenen und wahrhaftigen Zustand in Berlin-Kreuzberg in Briefkästen die mit „Michelle“ beschriftet sind einwerfen, solange ist jede Hilfestellung meinerseits für den Arsch.

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

(*)
http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=123831
http://www.weissgarnix.de/2009/09/06/wer-hat-anderes-erwartet/#comment-35036

170 ~ haaalbgooottt ~ 26. September 2009 um 17:41

@Frank

Weil morgen ja Wahltag ist, gibt’s für dich heute gleich noch einen Nachschlag. Mit der rostigen Eisenstange, versteht sich ;-)

Anlässlich deiner Frage an mich, wie viele Jünger ich denn um mich versammelt hätte, habe ich mal überschlagsmässig die Akzeptanz der Schildbürger-Partei-Deutschlands berechnet. Das Ergebnis wird dir womöglich nicht gefallen:

=> !!! 97% der Wahlberechtigten sind SPD-Hasser !!!

… Glaubst du net’ ??

= > … eat this:

http://www3.pic-upload.de/26.09.09/5fvfwcx6dopf.jpg

- Nehmen wir an, von 100 Wahlberechtigten gehen 70 wählen (Wahlbeteiligung).

- Nehmen wir weiter an, dass die SPD trotz einer vollen Dekade des materiellen und moralischen Hochverrates an der Arbeiterklasse bei gleichzeitiger bacchantischer Mästung der int. Finanzmafia, doch noch mal 19,8% der Stimmen erreichen kann. Das wären dann 14 Stimmen von 70 Wählenden von 100 Wahlberechtigten.

- Aber jetzt kommt’s ! Nehmen wir weiter an, dass von diesen 14 „gedankenlosen“ Irrwichteln 80% tatsächlich “Kleineres-Übel”-Wähler sind, also ausgeplünderte, mit dem Rücken zur Wand stehende Verzweifelte, die im Grunde aus den aller leidvollsten Erfahrungen der letzten Dekade, eigentlich genau wissen, dass die SPD ihnen höchstwahrscheinlich weiter nur schaden wird, aber die in ihrer Not darauf spekulieren, dass es ihnen unter Schwarz-Gelb vielleicht noch einen Tick dreckiger gehen würde, als unter einem Regime mit Sozen-Beteiligung, dann sind von den 14 SPD-Stimmen 11 “Kleineres-Übel”-Wähler und nur 3 – in Worten: drei! – echte SPD-Wähler !

- Wer sind diese drei Prozent der Gesellschaft, die morgen SPD wählen ? Nun, das ist eine einfache Frage ! … diese drei Prozent der Gesellschaft, das sind, neben ewig gestrigen JUSOS und deren Sippschaft, diejenigen, die von der SPD in den letzten 10 Jahren als einzige profitiert haben: die Bankster, die Politclowns und die alimentierten Medien-Lügner.

Was aber den Rückhalt der Sozen in der Gesamtbevölkerung angeht, sollte jeder von denen im Kopf behalten:

=> !!! 97% der Wahlberechtigten sind SPD-Hasser !!!

In diesem Sinne: Tu quoque, Lübberding! … wähle auch DU … „Die Piraten“ !!!

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

171 ~ haaalbgooottt ~ 26. September 2009 um 17:59

@frank,

…2-ter Nachschlag ! … denn aller guten Dinge sind drei !

Warum sind 97% der Menschen SPD-Hasser ??

=> … wegen dieser glorreichen Hochleistungsbilanz von zehn Jahren Sozen-Schreckensherrschaft:

http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=125864

(Ist natürlich nur eine kleine Auswahl der politischen Verbrechen der letzten Dekade !)

=> … wählt morgen Piraten !

=> … und wehrt euch gegen den NWO-Faschismus !!

retroliberale Grüsse,
~ HG ~

172 Mario 26. September 2009 um 21:32

“Es gibt zur Zeit eine Debatte über die politische Orientierung der Piratenpartei. ”

Im Wiki gibt’s eine Kategorie Benutzer hat politischen Kompass. Da sind im Moment 73 Benutzer aufgeführt- vorausgesetzt, das sind auch alles Parteimitglieder, also knapp 10%. Wer (viel) Zeit und Lust hat, kann die Kompasse ja mal auswerten. Die ausführliche Analyse dann bitte hier verlinken, da würde ich gerne mal rein sehen.

Nicht vergessen, morgen ist Vote like a Pirate Day!

173 sinthomat 26. September 2009 um 21:48

kybernetes, Deine schöne Geschichte von den Technikfreakvereinen, die nichts mit der Pirate Bay zu tun haben, hängt ganz schön schief. Der Begriff “Piratenpartei” ist ja nicht hier erfunden worden, sondern in Schweden. Wenn man sich hier also auch so nennt, schließt man daran deutlich erkennbar an.

Überhaupt scheint mir die schwedische Piratenpartei durchaus eine Vision zu haben, im Gegensatz zu dem drolligen und unentschlossenen Theater hierzulande und hier im Thread. So verstehe ich zumindest: ”Promoting global legislation to facilitate the emerging information society”

Um nicht mißverstanden zu werden: Das finde ich gut. Davon will ich noch viel mehr sehen.

Falkvinge ist zwar wohl umstritten, aber z.B. in seinem Google-Tech-Talk, den ich mir schon vor längere Zeit mal gegeben hatte, hatte der deutlich mehr Zug zum Tor, als die Piraten hier. (Wobei er sich auch dort, soweit ich mich erinner, zur one-topic-party bekannt hat. Was es da für eine Diskussion drum gibt, verstehe ich eh’ nicht so richtig. Es geht weniger um die Programmpunkte und Spezialisierung, sondern worauf man hinaus will und wie universell man das Thema auslegt.)

174 Mario 26. September 2009 um 22:05

“Da sind im Moment 73 Benutzer aufgeführt- vorausgesetzt, das sind auch alles Parteimitglieder, also knapp 10%.”

Knapp 1% meinte ich latürnich :-/

175 kybernetes 27. September 2009 um 11:03

@sinthomat

mir ging es darum, darzustellen aus welchem gesellschaftlichen Umfeld die PP in .de ihr Wissen und ihre personellen Ressourcen bezieht (was nicht heisst, dass die Vereine offiziell das auch so sehen).

Der Name, Programm usw. wurde natürlich aus Schweden übernommen. Dazu gibt es auch das Piratenmanifest. Die Namensentstehung ist aber nicht einfach so aus TPB abgeleitet und war selbstverständlich Gegenstand von Diskussionen. Im Grunde geht es darum, Piraterie in unserem Sinne positiv darzustellen und dem “Haudrauf” der Politik entgegenzusetzen. Mit einem Begriff wie “Raub” würde das nicht gehen und es wäre auch nicht korrekt.

Literaturtipp (frei downloadbar):
http://thepiratesdilemma.com/about-the-book/excerpt

Buchvorstellung als kurzweiliges Video:
http://www.youtube.com/watch?v=zsDbgmckxJA

Grüße, kybernetes

176 sinthomat 27. September 2009 um 14:21

Danke für die Links.

Ich wollte natürlich nicht PP und TPB “kurzschließen”, sondern darauf hinaus, dass da einerseits durchaus eine größere Nähe besteht, andererseits die PP durchaus keine “unpolitische” Geburt hatte (Falkvinge).

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