Dieser Junge hier schießt meiner Meinung nach meterweit am Ziel vorbei. Gilles Saint-Paul, ein Franzose – aber das lassen wir ihm als Ausrede nicht durchgehen. Er meint in seinem Beitrag auf Vox.eu:
“One might think that since economists did not forecast the crisis, they are useless. It would be equally ridiculous to say that doctors were useless since they did not forecast AIDS or mad cow disease.”
Das Argument zieht nicht und es ist zudem in höchstem Maße ärgerlich, weil es noch immer an dieser vermaledeiten “exogenen Schock”-Theorie festhält, wonach das ökonomische Leben eigentlich andauernd supie-dupie sein muß, außer wenn halt “von irgendwo” so ein böser, böser Schock über uns hereinbricht, die Conduits zum Fliegen bringt und die Bankbilanzen zum Implodieren.
Pustekuchen!
Seit Krugman in seiner NYT-Kolumne neulich den Mainstream-Ökonomen den Marsch geblasen hat, ihnen hochoffiziell vom Podest des Nobelpreisträgers aus zurief “Ihr Loser!” – da ist die Branche offenbar nur noch selbstreferentiell unterwegs. Hinterfotziger Krugman, wie kann er nur, die schönen Modelle verteufeln und die Mathematik gleich dazu – was für ein Schweinepriester! Die Mainstreamer verwechseln “Schönheit mit Wahrheit”, resummierte Krugman – nee, das war way too much für die Profession.
Der Punkt an der ganzen Prognostiziererei ist eigentlich total simpel: Wie jeder weiß, der sich schon mal mit Unternehmensplanung oder auch nur mit einfacheren Vorschauen für den Hausgebrauch beschäftigt hat, geht es dabei überhaupt nicht darum, die Zukunft korrekt zu “erraten”. Das wäre in der Tat völlig sinnlos, weil eine Prognose mit Sicherheit bereits in dem Moment falsch ist, in dem sie erstellt wird.
Der Grund, warum man Prognosen erstellt, liegt vielmehr genau in dem Wissen, dass die Zukunft nicht vorhersehbar ist – und insoferne in der Möglichkeit, alternative Zukunftsszenarien in der Simulation zu antizipieren und entsprechend Vorsorge zu treffen. Mit anderen Worten: in einer guten Prognose legt man den Grundstein für all die Maßnahmen, die man ergreifen wird, wenn sie nicht eintrifft.
Der Vorwurf, der an die Ökonomie geht, und dem sich die Ökonomie auch nicht entziehen kann, lautet deshalb auch nicht, dass sie die Krise nicht kommen hat sehen; sondern er lautet, dass sie eine Krise wie die aktuelle grundsätzlich so gut wie ausgeschlossen hat, der inneren Logik ihrer Modelle entsprechend. Aus der Sicht dieser Modelle hat uns die Kreditkrise ereilt wie der sprichwörtliche Komet – unerwartet und völlig unvorhersehbar. Entsprechend schlecht waren wir auf sie vorbereitet. Die Seuchen-Analogie von Gilles Saint-Paul sticht deshalb nicht: Die Medizin mag neue Pandemien nicht vorhersehen können – aber sie schließt sie eben auch nicht aus, sondern “rechnet damit”, und zwar ständig; entsprechend gut unsere Vorbereitung und unsere Schutzmaßnahmen.
Es wäre vielleicht an der Zeit, dass sich die Ökonomie tatsächlich an der Medizin ein Beispiel nimmt – sonst bleibt sie in der Tat nutzlos.















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der zuletzt genannte link zwischen medizin und ökonomie lässt sich hinsichtlich der allgemein sichtbaren desolaten verfassung der letzteren zunft auch durchaus mit anderen inhalten füllen, wie bspw. fragen nach der inneren verfassung bzw. struktur ihrer mitglieder. darum nochmals der hinweis auf einen älteren beitrag:
zum “institutionellen autismus” der wirtschaftswissenschaften aus sicht der postautistischen ökonomie
vielleicht sollte man ökonomische prognosen – und nicht nur die – auch mal unter dem aspekt betrachten, dass sie u.a. bestimmte sicherheitsbedürfnisse ihrer addressaten, aber auch ihrer ersteller, erfüllen. in der sicht liessen sie sich dann als ausdruck magischen denkens / fühlens interpretieren.
Der Ablauf der Ereignisse hat den Ökonomen ein wichtiges Argument für ihr Dasein und ihre Nützlichkeit genommen.
In vielen Diskussionen konnte man hören und lesen, natürlich sei die Ökonomie keine exakte Wissenschaft, aber die von ihr entwickelten Modelle und Theorien seien doch eine Annäherung an den hochkomplexen Sachverhalt “Wirtschaft” und deshalb allemal besser als die “unwissenschaftliche” Betrachtung desselben Feldes.
Diese Ansicht lässt sich mit Blick auf den Mainstream und die jüngste Geschichte nicht halten. Es scheint mindestens, dass auch die beste Kenntnis der Modelle und Theorien durchaus geeignet ist, blind zu machen für Erkenntnisse, die man vielleicht ohne die Irreführung der “Sachkenntnis” nicht ignoriert hätte.
Als blinder Laie konnte man schon einige Jahre immer nur mit Staunen in den Wirtschaftsteilen der grösseren Zeitungen lesen, dass die US-Wirtschaft nahezu komplett in die Verschuldung hineinläuft – gegenüber dem Ausland, im Inland mit dramatisch steigender Staatsverschuldung, im privaten Haushaltsbereich durch eine dramatisch ansteigende Schuldenlast unter anderem durch Konsumfinanzierung mit Hypotheken – und das dies alles “robustes” Wachstum sei.
Der Unverbildete hat sich bei dieser Nachrichten- und Meinungslage sicher nicht verstanden, eine Krise für die nächste Zeit zu prognostizieren, aber er hat sie doch beinahe erwartet, im Gegensatz zu den Experten
Kann sein, dass die herrschende Lehre nicht nur nicht hilft, sondern stattdessen ausgesprochen schadenträchtig ist.
Ohne die Ohnmacht der Ökonomen verteidigen zu wollen, sollten wir zugeben, dass die kritische Überspitzung der Weltfinanzsituation seit Greenspans “Irrational Exuberance”-Warnung im Jahr 1996 oft genug diskutiert wurde. Noch kurz vor dem Beginn der langerwarteten Krise debattierte man in der Finanzpresse, was sie wohl auslösen könnte. Viele glaubten damals, dass es die überhitzte Börse von Shanghai sein würde, aber an die zahlenmäßig relativ unbedeutenden Billighypotheken dachte niemand, auch Ökonomen wie Roubini und Shiller nicht, die sich heute rühmen, die Krise als einzige vorausgesagt zu haben.
Ökonomen = Ana(aa)lysten, tolle Zahlen, Supermodelle, aber ein überschuldeter Verbraucher, auf Konsum gedrillt, der feststellt, dass er blank ist, wird sparen. Er wird sparen, um seine Kreditkarten glatt zu stellen, er wird sparen, um seine Auto- und Häuserraten zu tilgen. Er wird sparen, um das bischen Eigentum, das er nach Schulden überhaupt hat, nicht zu verlieren. Und selbiger Konsument scheint langsam zu verstehen, wie seine Situation wirklich ist. Ob die Analis da tolle Modelle haben oder nicht, ist egal, da hat jemand vom Baum der Erkenntnis von Guz und Böse genascht und festgestellt, dass er ziemlich nackt vor einem Winter im Freien steht. Da wurde er von den Ökonomen allerdings hingetrieben. Wenn es ziemlich genau dieses Szenario 1992 nicht schon einmal gegeben hätte könnte ich die Analis ja in Schutz nehmen, aber so …. Sie sind überflüssig, wie bei uns die Wirtschaftsforschungsinstitute auch.
wgn,
nein so einfach ist die Sache nicht, auch wenn der Taleb das so schön ausbreitet. Ich bin zwar kein Ökonom, aber als ich im Zusammenhang mit Aareal (als Investor) so ungefähr das Verbriefungsgeschäft verstand, dito. die Geschäftsmodelle der Private Equity-Firmen, war mir schon klar, dass diese und andere kreativen Finanzmodelle irgendwann schief gehen mussten.
Das gleiche galt ja auch, als die sogenannten Wachstumsaktien propagiert wurden, wo irgendwann erkennbar war, dass der Aktienwert nicht mehr vom Geschäft, sondern der Nachfrage nach den Aktien getrieben war.
Das hat nicht damit zu tun, mit dem schlimmsten Fall zu rechnen, sondern damit, dass Bäume nicht in den Himmel wachsen, bzw. beschleunigtes Wachstum irgenwann nicht mehr weitergeht. Das ist grundlegendes systemisches Verständnis. Ein Ökonom, der das nicht kapiert, sollte am Schalter einer Kreissparkasse sitzen. Wer nur noch über Rechenmodellen sitzt und vergißt, mal aus dem Fenster zu schauen, dem geht schnell der Sinn für Realität verloren.
Ich bin sicher, dass genügend Leute verstanden was da läuft, nur haben die ihren Reibach gemacht solange es ging und haben sich über die Professoren gefreut, die geholfen haben, das Ende lange hinauszuzögern.
@Martin
Wenn Geld = Schulden und massenhaft Kredite aufgenommen wurden, “Geldmengenwachstum” bei Zentralbankgeld = vielfaches davon beim Giralgeld, die Ökonomen über “dunkle Materie” fabulierten, dann haben es ALLE, die wußten, wie Geld funktioniert, wissen müssen. M3 – Wachstum in den USA ab März 2007 nicht mehr veröffentlicht, warum wohl, weil es bedeutungslos ist ? Nö, weil es etwas über Schulden aussagt, eher. Alle wußten es, die FED wußte auch, daß da was heißlaufen muß.
Es gibt keine Ausrede, die haben die Konsumenten regelrecht in die Überschuldungsfalle getrieben. Mit Schlagwörtern wie “Inflation”, “billige Preise”, “billige Kredite = Schulden”, “Steuerersparnis” e.t.c.. Das waren 2001 “Nullzinskredite auf Autos” und daneben lief der Immobilienrummel bis 2006, als es vernehmlich grummelte. Dann kamen die “Auslandskäufe”… Und genau diese Schuldentreiberei werfe ich den Mafioso von Wirtschaft, Ökonomen, Banken und Parteien, die genau wissen, dass das was sie behaupten niemals stimmen kann, vor. Sie zocken regelrecht auf eine “Anschubfinanzierung”, die nach dem Stand der Dinge als solche viel zu gering war und die außerdem unter globalen Rahmenbedingungen mit extremen Handelsungleichgewichten auch nicht funktionieren kann.
Sie sind nicht gewillt, zur Kenntnis zu nehmen, dass es nicht angeht, dass Deutschland in 10 Jahren 1,4 Billionen Euro Überschuß einfuhr und dafür unglaublichen Sozialabbau betrieb und von den Überschüssen nicht mal Steuern zu sehen bekam. Das war der SPD Finanzminister entzaubert.
@One might think that since economists did not forecast the crisis
da mußman etwas differenzieren:
für das Fußvolk ist das selbstverständlich richtig – so wie Politiker, bankiers und Manager immer etwas nicht verstehen oder nicht wissen oder keien Ahnung davon haben
für die Hoch finanz: selbstverständlich wußten die Entscheidungsträger davon – wie die um die Welt vagabundierenden Milliarden gewinnmaximierend eingesetzt wurden. Etwas wertloses Computergeld wurde verbrannt, dafür gibt es wieder echte, anerkannte Ansprüche in Form von Zinzen an genau die Banken, die die Rettungsmilliarden für “Regierung” organisiert haben.
So zieht sich Münchhausen am eigenen Zopf aus dem Sumpf.
Dazu möchte ich Theodore Roosevelt zitieren:
In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, daß es auf diese Weise geplant war
und einen Herrn Rothschild aus dem Jahre 1863:
Die Wenigen, die dieses System verstehen, werden entweder so interessiert an seinem Gewinn und so abhängig von seinen Vorteilen sein, daß es von dieser Klasse keinen Widerstand geben wird. Der größte Teil wird verständnislos die Last ohne Klage, und vielleicht sogar ohne Verdacht, daß das System ihren Interessen zuwiderläuft, tragen!
Sie haben es vorausgesehen!
mfg zdago
Sicher, daß es eine gute Idee wäre, wenn sich die Ökonomie an der Medizin ein Vorbild nähme? Es spricht einiges dafür, daß SIV bei der Entwicklung von Impfstoffen in Afrika auf Menschen übertragen wurde. Mad cow disease führte wiederum durch Prionenübertragung in der Kette Schaf-Kuh-Mensch dank zu geringer Sterilisierungstemperatur des Futters zu menschlichen Creutzfeld-Jakob-Erkrankungen. Also nichts, was man nicht hätte antizipieren können.
Der so gelobte Krugmann redet doch auch nur aus einer Insidersicht, also als Teil einer Propagandaschickeria, die sich den Anschein (ökonomischer) Wissenschaft gibt. In Wahrheit heißt es auch hier: Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing.
Was wirklich Sache ist, davon auch bei ihm kein Wort. Ob aus Dummheit oder Lüge, wen interessiert es.
Wir haben gerade das Problem, dass der Kapitalismus nicht funktioniert, undzwar aus Unfähigkeit (siehe die Verkörperung in George W. B.) und Arroganz (siehe besonders USA). Wenn es denn weiter schief geht, kommen die ganz großen Krisen.
Na kommt, Jungs & Mädels!
Mehr als Martin und Michael dazu gesagt haben (danke! klar&kurz!), ist dazu wirklich nicht zu sagen.
Ausser dass man diesen sog. “Nobelpreis für Wirtschaft” mal abschaffen sollte, solche Papierpodeste sind nur noch lächerlich, egal was da einer der so nobilitierten “Preisträger” den anderen vor die Füße wirft.
Für diese Fachökonomen gilt dasselbe wie für die Fachluhmannianer: Sie verwechseln Theorie mit Wirklichkeit, also wer hier Ross und wer Reiter ist. Punkt.
Tosender Applaus für obigen Artikel!!
>Die Medizin mag neue Pandemien nicht vorhersehen können – >aber sie schließt sie eben auch nicht aus, sondern “rechnet >damit”, und zwar ständig; entsprechend gut unsere Vorbereitung >und unsere >Schutzmaßnahmen.
Selten einen besseren Vergleich gelesen…
Auch wenn ich viele Sache prinzipiell anders sehe, iat es doch immer wieder ein Genuß die messerscharfe Präzision der Analysen von Euch Beiden zu lesen!
War mir jetzt einfach mal ein Bedürfnis als langer, stiller Mitleser Danke für diesen Blog zu sagen!
Glück Auf!
Das Argument dort ganz oben liegt auf der Linie des guten alten Verzeihnisses: “Wenn der Führer das gewusst hätte …”. Dann wäre nämlich dies oder das oder Stalingrad oder Auschwitz nicht passiert. Dabei legen es gewisse Ökonomen wie auch gewisse Nazis genau darauf an. Hinterher natürlich nicht mehr – das ist klar.
“sondern er lautet, dass sie eine Krise wie die aktuelle grundsätzlich so gut wie ausgeschlossen hat, der inneren Logik ihrer Modelle entsprechend”
Gut formuliert. Das ist auch meiner Meinung nach der Kern der berechtigten Kritik. Es kommt dabei weniger darauf an, ob das Modell stimmt oder nicht. Das ist nicht die Frage, denn das Modell stimmt nie. Sondern es kommt darauf, dass Ökonomen die Differenz zwischen Modell und Wirklichkeit verstehen. Zu begreifen, dass Statistik ,oder ein ökonomisches Modell, die Komplexität der unbekannten Wirklichkeit reduziert, um sie überhaupt wahrnehmen zu können und dass in dieser Reduktion Informationen verloren gehen, die entscheidend sind, dass Statistik/ökonomisches Modell also eine Approximation von Wirklichkeit ist, niemals aber die ganze Wahrheit sein kann. Es geht um die Wahrnehmung der Differenz. Oder, um in Martins Bild zu bleiben, es ist nicht damit getan, aus dem Fenster zu sehen – das machen Ökonomen ständig – sondern zu begreifen, dass das, was sie beim Blick durchs Fenster sehen, nur bedingt etwas mit dem Modell oder der Statistik zu tun hat, die vor ihnen auf dem Schreibtisch liegt. Wer das begriffen hat, wird demütig. Vor der Wirklichkeit und Ihrer nicht zu ermessenden Komplexität. Und es geht darum zu begreifen, dass Entscheidungen, die am Schreibtisch getroffen getroffen werden, Auswirkungen auf die Realität haben, die real sind. Dass hinter sinkenden Reallöhnen Menschen stehen, die mit diesen Reallöhnen ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, dass hinter der Immobilienblase Menschen stehen, die jetzt obdachlos sind und dass Privatisierung des Gesundheitssystems bedeutet, dass einige Menschen sterben müssen.
Jean Ziegler sagte sinngemäß: Wenn in einer Welt, in der es ohne Probleme möglich wäre, die existenziellen materiellen Bedürfnisse der gesamten Menschheit zu bedienen, Menschen Hungers sterben, so ist das Mord. Die Ökonomen haben auch nicht verstanden, die positive Ökonomie in eine normative zu transformieren.
Krugman ist einfach sympathisch, da gibts nichts.
Aber man sollte sich schon vor Augen halten, für welche Erkenntnisse er seinen Nobelpreis verliehen bekam:
a) daß vor allem reiche Länder untereinander Handel treiben. Daß also mehr Welthandel zwischen Deutschland und Frankreich stattfindet als zwischen Deutschland und Äthiopien, weil die mehr anzubieten und nachzufragen haben. Aha.
b) daß Unternehmen Vorteile erlangen könnten, indem sie sich in der Nähe von anderen ansiedelten. Auch so eine Erkenntnis, die so alt ist wie der Marktplatz. Genaugenommen 8.000 Jahre alt, seit es Jericho gibt, die älteste Stadt der Welt.
Aber durch die späte Würdigung mit dem Nobelpreis wissen die Produzenten und Gewerbetreibenden aller Zeitalter und Länder dieser Erde, daß sie es richtig gemacht haben.
Krugman ist schon auch Teil des selbstreferetiellen Elfenbeinturms.
Ich hab ja nichts gegen Wirtschaftswissenschaften, das hat schon seinen Platz , wie Archäologie, Assyrologie und Soziologie auch.
Mich ärgert nur, dass sie in der politischen Diskussion eine so starke Rolle gespielt hat, und zwar vor allem als Trojanisches Pferd für die Ineressen der Geldhaber und ihre Vulgär-Ökonomistik.
Die Prognosen dienen doch nicht dazu, zukünftige Krisen zu verhindern, sondern die Öffentlichkeit einzuschläfern. Das funktioniert wie bei Taschendieben: Ein paar Leute lenken dich ab und einer zieht dir die Börse aus der Tasche.
Warum sollte das Finanzkapital daran interessiert sein, zukünftige Krisen zu verhindern, wenn man sich dabei so herrlich bereichern kann? Die Jungs sind doch nicht blöd. Die spielen die Staaten gegeneinander aus und steuern fröhlich in die nächste Krise. Ob die Nationalstaaten am Ende pleite sind, interessiert die nicht die Bohne.
Was ich viel schlimmer finde, als die falschen Prognosen sind die falschen Kennziffern, mit denen wir permanent gemonitort und gesteuert werden.
Die wichtigste Kennziffer scheint ja wohl der DAX-Kurs zu sein. Der kriegt jeden Tag sogar eine Sondersendung vor der Tagesschau. Dabei handelt es sich dort nur um 30 Konzerne, die für unsere Wirtschaft eigentlich völlig unwichtig sind. Sie versteuern ihren Gewinn im Ausland. Die Kurse sind hochgradig spekulativ und geben in keinster Weise den wahren Wert der Unternehmen wieder. Der DAX steigt, wenn jede Menge Mitarbeiter entlassen werden und in der Gesamtwirtschaft viele kleine Unternehmen pleite gehen. Nur 16% der Deutschen besitzen Aktien. Also warum wird der DAX eigentlich so herausgestellt in jedem Nachrichten-Medium ob Fernsehen oder Online? Auffällig ist auch die merkwürdige Korrelation der DAX-Entwicklung mit jeweils optimistischen und pessimistischen Konjunktur-Prognosen.
Die zweit-wichtigste Kennziffer scheint nach Häufigkeit und Regelmäßigkeit der Verlautbarungen das Wirtschaftswachstum zu sein. Interessant ist, dass noch vor einigen Jahren von den Arbeitgebern (!) und den Wirtschaftswissenschaftlern ein Wachstum von 3% als Voraussetzung für den Abbau von Arbeitslosigkeit angesehen wurde. Neuerdings scheinen sie sich mit einer Wachstumsrate von 1,5% zufrieden zu geben und bejubeln solche Mini-Zuwächse als grandiose Konjunktur-Aufschwünge, die wir nur Reformen à la Harz IV und Agenda 20/10 zu verdanken hätten. Bei dieser Kennzahl wird also manipuliert bei der Interpretation.
Die dritt-häufigst präsentierte Kennzahl ist die Arbeitslosenquote. Hier wird nicht nur durch die Interpretation manipuliert, sondern sogar die Statistik gefälscht. Wie viel muss man zur Zeit draufschlagen auf die offiziell verkündeten Zahlen, um die wahre Arbeitslosenzahl zu haben? 1 Mio. oder 1,5 Mio? Wenn man dann die Krisen der letzten Jahre vergleicht, wird deutlich, dass die Arbeitslosigkeit nach einer Krise immer höher war also bei der vorhergehenden, was durch die gefälschte Statistik verschleiert wird.
Eine vierte Kennziffer wird der Öffentlichkeit gar nicht erst präsentiert. Und das ist das Produktiviätswachstum. Und das verschweigen derselben ist bezeichnend. Würde man nämlich in den Mainstream-Medien in die Diskussion des Produktivitätswachstums einsteigen, würden alle neoliberalen Theorien und Legenden wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Die Lüge vom Generationen-Konflikt, die Legende, dass eine immer älter werdende Bevölkerung nicht mehr finanziert werden kann, die Forderung der Rente mit 67, die Forderungen nach Erhöhung der Arbeitszeit, etc. etc. Alles das ist nicht mehr vermittelbar, wenn man die Bevölkerung mit der Tatsache konfrontiert, dass bei einem Produktivitätswachstum von 2,5% eine Halbierung des Arbeitsaufwandes für unseren Lebensstandard seit 1979 stattgefunden hat und eine weitere Halbierung des Arbeitsaufwandes für unseren Lebensstandard bis 2039 stattfindet. Damit sich Schlussfolgerungen daraus erst gar nicht in den Köpfen der Bevölkerung festsetzen, wird diese Kennziffer einfach verschwiegen.
Man könnte zu dem Schluss kommen, dass die Diskussion um die Prognosefähigkeiten unserer Ökonomen nur eine Schein-Diskussion sind, um die Bevölkerung von einem größeren Versagen abzulenken. Genauso, wie an erster Stelle zur Zeit nur eine Diskussion um Banker-Boni geführt wird, um eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit des Investmentbanking in der heute praktizierten Art zu vermeiden, wird eine Diskussion um die Prognosefähigkeit der Ökonomen geführt um zu verdunkeln, dass sie uns jeden Tag mit völligen Nonsense-Kennziffern desinformieren. Dabei sind alle Mittel recht: Falschinterpretation, Fälschung der Statistik und Verschweigen.
Wenn man auf das Versagen der Ökonomen hinweist, sollte man demnach nicht nur ihre mangelnde Prognosekompetenz kritisieren, sondern in erster Linie die mangelhafte Validität ihrer Messgrößen. Denn die hat viel katastrophalere Folgen für die Entwicklung unserer Gesellschaft und die Bewertung von politischen Maßnahmen, als nur die Fähigkeit, Krisen vorauszusehen.
Wie nachhaltig oder haltig sind denn solche Prognosen? Genau so lange wie der Wetterbericht!
Diese Leute, egal wer auch immer, dazu zähle ich auch, die ganzen Ökonomischen Theoretiker, machen ja nichts anderes, uns erklären zu wollen, dass das Zineszins System auf Ewigkeiten funktionieren sollte.
Was passiert denn Momentan? Die Geldmengen, wissen nicht mehr wo sie hinsollen. Dem Geld steht keine Wertigkeit mehr gegenüber. Mich würde es auch nicht wundern, wenn der DAX ende des Jahres auf 8.000 klettert. Und der DOW ebenfalls Kapriolen schlägt. Genauso wird es auch die Rohstoffmärkte treffen.
Ich weiß ja nicht, was man doch für eine Leuchte sein muss, den Nobelpreis zu bekommen.
Aber ich habe das Gefühl, dass diese Leute nichts anderes tun müssen, sich selbst zu belügen. Egal ob da ein Krugman steht oder nicht. Er hat die Interessen, zu vertreten, nicht sich selbst, und auch nicht seine Empfindung.
Die wissen doch gar nicht mehr ein noch aus. Was sollen die auch sagen, “Leut euer Geld ist schön und gut, aber in der Wirklichkeit nichts Wert?”
Wer kann so einen Schritt erwarten? Wer kann von Alan und Ben erwarten, dass diese sich hinstellen und sagen: “Menschen! wir haben Euch alle beschissen!”
Egal welche Prognosen über den Ticker laufen, sie sind Quatsch. Sie sollen nur die Bevölkerung im Schlaf halten. Alles wird gut. Natürlich wird alles wieder gut. Genau dann, wenn diese Individuen begreifen, dass sie doch besser Hühnerknochen durch die Gegend werfen möchte oder schamanische Formeln murmeln.
Sie wissen, dass sie Müll verzapfen, und sie wissen auch, dass sie eines Tages dafür zahlen müssen. Auch den MSM wird es so ergehen. Warum schreiben denn auf einmal so viele, Artikel, die sonst nur unter vorgehaltener Hand kursierten? Sie haben Schiss, da schaut der Zapfen hinten richtig schon aus der Hose. Sie wollen sich raus schreiben aus der Misere, sie bekommen Druck. Und diesem Druck werden sie nicht gewachsen sein. Gerade gewisse Medien brauchen sich nicht dann auch brüsten damit: “Wir haben es doch aufgezeigt.” Einen Dreck haben diese getan. Es regnet die Erde wird nass. Spitze und Hurra.
Jeder, der mehr oder weniger % Rechung kann, kann ein Prophet sein, wenn er denn Willens dazu ist. Glaskugeln bedarf es da nicht. Ich unterstelle jedem, der in dem Milieu Geldwesen tätig ist, das was noch kommen wird, genau zu sehen. Es geht nämlich nicht anders.
So Kugel man unter dem Begriff “Hyperbel” in das Unermessliche steigend.
Wer weiß, wen die nächste Lawine alles so begraben wird. Ich weiß nur eines, die ganzen Ökonomen, Wirtschaftsweisen etc. pp. stehen sich selber im Weg.
Lösung in Sichtweite? NEIN! Licht am Ende des Tunnels? Fehlanzeige!
REST IN PEACE
Die ganze offizielle Ökonomenzunft kommt mir mittlerweile vor wie die Ptolemäer mit ihren 27 Kugelschalen um die Beobachtung der Planeten zu erklären. Sie erklären den Preis durch den Preis und beobachten nur die Zirkulation.
Der galileische Ansatz ist die Arbeitswertlehre, die den Preis durch den Wert erklärt.
Insofern ist jedes Ernstnehmen dieser akdemischen Lehren nur das Eintauchen in Halluzinationen und keine Wissenschaft. Die Physik befasst sich ja auch nicht mit Religion.
@blu_frisbee #18
Und was ist dann der Wert eines Billy-Regals
Chicago spinnt!
Hier eine nette Zusammenfassung von Brad DeLong:
John Cochrane: “[That spending can spur the economy] is not part of what anybody has taught graduate students since the 1960s. They are fairy tales that have been proved false. It is very comforting in times of stress to go back to the fairy tales we heard as children but it doesn’t make them less false…” Robert Lucas: “Christina Romer–here’s what I think happened. It’s her first day on the job and somebody says, you’ve got to come up with a solution to this–in defense of this fiscal stimulus, which no one told her what it was going to be…. [I]t’s a very naked rationalization for policies that were already, you know, decided on for other reasons…” Edward Prescott: “I don’t know why Obama said all economists agree on [the need for a stimulus bill]. They don’t. If you go down to the third-tier schools, yes, but they’re not the people advancing the science…” Eugene Fama of the University of Chicago: “Sorry, but I’m not familiar with [Hyman] Minsky’s work…” Luigi Zingales: “Keynesianism has conquered the hearts and minds of politicians and ordinary people alike because it provides a theoretical justification for irresponsible behaviour…. They tell politicians, who are addicted to spending our money, that government expenditures are good…. In medicine, such behaviour would get you expelled from the medical profession; in economics, it gives you a job in Washington…” Michele Boldrin: “It is a fantasy that the economic profession at large finds the “stimulus” and the “bank bailout” plans sensible and adequate…. Outside the administration, the convinced supporters of the plans are a small minority among academic economists working in those fields. Both plans contradict four decades of research and are designed to please special interest groups…”
Hmmm … 2 Nobelpreisträger und die üblichen Verdächtigen aus der Makro-Elite. Meine Diagnose: In den letzten Jahren ist es zu einer leichten Marx’schen Entfremdung zwischen den Ökonomen und ihren Modellen gekommen.
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