Im HRE Untersuchungsausschuss sagt gerade der Bundesfinanzminister aus. Nun muss man das noch im Einzelnen würdigen. Aber Steinbrück soll folgendes erklärt haben:
“Kurz nach der Lehman-Pleite, berichtet Steinbrück, habe er vor dem Bundestag gesprochen. Er habe damals “wie ich zugebe unterkühlt” angedeutet, dass die Finanzkrise Auswirkungen auf die deutsche Realwirtschaft haben könnte. Einige Abgeordnete nicken, als Steinbrück “unterkühlt” sagt. Steinbrück bemerkt das: “Sie sind da in einer Situation, in der sie die Leute nicht auf die Bäume reden können.” Kurz danach habe der Bankenflächenbrand Europa erreicht. Die Kreditmärkte seien von einer “Panik von historischem Ausmaß” erfasst worden. Der Interbankenhandel sei “faktisch zum Erliegen” gekommen. Steinbrück redet, als würde er einen Krimi vorlesen, in dem er eine Hauptrolle hat.”
Dazu nur einige Anmerkungen.
Steinbrück redet offenbar von einer anderen Krise als ich sie in Erinnerung habe.
1. Es gab keinen Zusammenbruch des Interbankenmarktes, wenn man unter Interbankenmarkt den Geldmarkt versteht. Der ist nämlich schon am 9. August 2007 zusammengebrochen und wurde seitdem durch die Zentralbanken ersetzt. Im September 2008 gab es einen bank run aus dem Schattenbankensystem auf das reguläre Bankensystem. Beide funktionierten als kommunizierende Röhre mit den üblichen Selbstverstärkungseffekten. Alle Investoren horteten Liquidität. Sie zogen ihre Einlagen ab, am Ende mit desaströsen Konsequenzen für das reguläre Bankensystem. Das wäre in Konkurs gegangen, wenn man diesen run der Banker auf sich selbst nicht gestoppt hätte.
Nur damit das endlich einmal auch Steinbrück begreift:
Hier ging es nicht um die Spareinlagen der Oma, die am Geldautomaten 100 € Scheine abgehoben hat (das kam später), sondern um die Misstrauenserklärung des Finanzmarktes gegen sich selbst.
Es waren Großinvestoren etwa aus Pensions- oder Hedgefonds unterwegs, die sich untereinander nicht mehr trauten. Die Banken selbst machten bei diesem bank run mit, weil sie sich jetzt am Geldmarkt nicht mehr nur keine Kredite gaben, sondern das System durch ihr Rette sich wer kann zu zerstören drohten. Wenn Ackermann angesichts des drohenden Scheiterns der HRE Rettung sinngemäß sagte, er gehe jetzt los und bereite seine Bank auf das kommende Desaster vor, ist das kein Gerede gewesen. Nur hatte er mit Sicherheit schon entsprechende Massnahmen eingeleitet, sich also am bank run selber beteiligt. Während der HRE Rettung soll es bei einigen Beteiligten durchaus ein Erstaunen darüber gegeben haben, dass sich die Forderungen der DB an der HRE plötzlich in gewissen Grenzen zu halten schienen.
Dieser bank run war einer der Banker auf sich selbst. Die von Steinbrück zitierten Bilder über Northern Rock wirkten dagegen schon 2007 archaisch, erinnerten mehr an Capras Das Leben ist schön mit James Steward in der Rolle des Kleinstadt-Bankers. Das ist Banker Romantik.
2. Die Begründung mit der Pleite von Lehman. Es ging nicht um Lehman – über diese “de facto bankrotte Bank” habe ich mich schon Monate vorher lustig gemacht. Es drohte im September der Zusammenbruch von AIG – also dem wichtigsten Akteur im Markt für Kreditversicherungen. Wenn AIG bankrott gegangen wäre, hätten alle großen Akteure im Markt ihre bilanziellen Sicherheiten für den Kreditmüll verloren. Sie hätten abschreiben müssen mit der Folge der Insolvenz. Das Kartenhaus wäre endgültig zusammengebrochen. Mit der Pleite von Lehman gab es Zeitgleich die Rettung von AIG. Darauf kam es an. Was bedeutet also die Steinbrücksche “Panik an den Kreditmärkten”? Dort wussten alle (außer vielleicht Asmussen, Weidmann und Müller), dass ihre sogenannten Kredite nur noch formal werthaltig waren (es waren in Wirklichkeit auf Kredite basierende Wertpapiere wie Anleihen und die darauf beruhenden Derivate wie Kreditversicherungen). Die Panik an den Kreditmärkten war nichts anderes als die Panik vor den Folgen des eigenen Handelns – nämlich dem Offenbarungseid bezüglich der faktischen Wertlosigkeit dessen, was auf sogenannten Kreditmärkten gehandelt worden war.
Deshalb waren Investoren selbst nach der AIG Rettung nicht beruhigt, sondern zogen aus dem System weiter Liquidität ab. Nun ist Geld ohne Geldumlauf nutzlos – und aus dem Finanzmarkt selbst heraus gab es keine Möglichkeit diesen drohenden Zusammenbruch des Geldumlaufs zu verhindern. Der Grund war keine abstrakte Panik – wie es uns das wieder der Finanzminister plus Gefolge erzählen will – oder die Pleite dieser zweitklassigen Investmentbude namens Lehman-Brothers.
Es war die Insolvenz des Bankensystems wegen bilanzieller Überschuldung. Es gab zu wenig Werthaltiges in den Assets.
Die Banken brauchten vom Staat die Ersetzung des verschwundenen Kapitals – auf welchem Wege auch immer. Wir waren bekanntlich für Verstaatlichung. Ackermann auch – aber nur bei anderen Banken. Der Staat musste die Transaktionen im Bankensystem garantieren, weil die Banken schlicht bankrott und damit handlungsunfähig waren. Bei der HRE Rettung ging es nicht um die systemische Bedeutung dieser Drecksbank – das ist lächerlich.
Es ging um die Bereitschaft des Staates zum Schuldner der letzte Hand zu werden. Also um die Bereitschaft des Staates mit seiner Substanz die Substanzlosigkeit des Bankensystems zu ersetzen.
Der Staat ist in diesem Fall die Leistungsfähigkeit seiner Bürger und seiner Volkswirtschaft. Ohne die HRE Rettung hätten wir keinen Soffin gehabt – er wäre politisch nicht mehr legitimierbar gewesen.
Wir brauchen einen Helmut Schmidt, so formulierte ich es am 30. September vergangenen Jahres. Die Rettung der HRE war unabdingbar – vor allem weil es Anzeichen für einen klassischen bank run gegeben hatte wie wir heute wissen.
Das heutige Problem heißt nicht HRE und die Kosten dieser Übernahme. Es ist die politische Folgenlosigkeit der damaligen Ereignisse. Also wie es etwa Lucas Zeise formulieren würde:
Den Finanzsektor so zu verkleinern, damit er uns in Zukunft nicht wieder mit seiner faktischen Handlungsunfähigkeit in den Abgrund ziehen kann.
Damit zurück zum Wahlkampf. Dort geht es bekanntlich um andere Themen.















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Yep.
Meinst du mit Zeise auch dieses schöne Papier?
http://www.linksnet.de/files/pdf/zeise.pdf
Mich wundert ja ein wenig wo die Liquidität hin ist.
Gut die Banken bunkern einiges, um Risiken abzufedern. Andere sind eher in Staatsanleihen oder Rohstoffe gegangen.
Dennoch müsste eigentlich immens Liquidität da sein, so wie viele Anleger (auch institutionelle) ihre Anlagen aufgelöst haben.
Die alte Frage: Wo ist das Geld?
lemming
Das habe ich heute morgen bei Müller/Lieb zwar gesehen, aber noch nicht gelesen. Werde ich nachholen. Nur argumentiert Zeise schon lange in diese Richtung. Etwa in seiner letzten FTD Kolumne.
Es gab bei dieser Krise Gewinner und Verlierer. Der Staat ( wir alle)
haben den Verlierern den Arsch gerettet.
Die Verlierer waren aber nicht der “kleine Mann/ Frau” von der
Strasse, sondern Versicherer, Banken und stinkreiche und etwas
weniger stinkreiche Anleger! Suggeriert hat man den Leuten aber
genau das. Nämlich das dem Normalbürger sein Erspartes gerettet
wird. Wenn man dem Markt seinen Lauf gelassen hätte, dann hätte
es natürlich AUCH den “kleinen Mann” getroffen, nämlich über
den Umweg ÜBER die Versicherungen und Banken.
Ich bin ein Vertreter und Anhänger der These das man diesen
ganzen Dreckshaufen einfach sich selbst hätte überlassen müssen!
Dadurch wäre das ganze Elend wenigstens SICHTBAR geworden
und zwar auch für den letzten Blöden..!
Die “kleinen” Leute die ihre Kohle einfach nur zwecks Sparen und
Anlegen diesen Hasadeuren anvertraut hatten, denen hätte der
Staat mit dem gleichen Geld das er jetzt diesen Haien in den
stinkenden Rachen geworfen hat DIREKT helfen können!
Alles andere hätte man über Volksbanken und Sparkassen weiter
laufen lassen können. Wo wäre das Problem gewesen?
Das sich Steinbrück und Asmussen und alle anderen an diesem
Coup Beteiligten jetzt als Märchenonkel geben sagt über den
Charakter dieser Kerle alles aus. Entweder hat man wirklich nix
geahnt/gewusst, dann müssten diese Leute wegen erwiesener
Unfähigkeit sofort entlassen werden, oder sie haben es gewusst,
aber nicht gehandelt!
Was man dann mit diesen Herrschaften machen sollte, dass sage
ich hier lieber nicht. Das darf sich jeder in stiller Stunde nach
seinem persönlichem Gusto selbst ausdenken…
Im Moment sagen uns diese Leute…
“..das Hochhaus ist umgefallen, dashalb ist die Flut gekommen!”
Dümmer geht es nimmer! Und sie scheinen wirklich damit
durchzukommen. Das ist der eigentliche Skandal an dieser ganzen
Sache. Sie kommen damit durch und verdienen schon wieder an
dem ganzen Elend. Auf dem Rücken von uns allen! Alle Spekulanten und Zocker die an den entfesselten Spieltischen
wieder die Einsätze hochdrehen. Ein für diesen Typus Mensch ein
quasi orgiastischer Zustand! Die Rendite muß wieder auf 25% plus
X. Die Boni fließen in Strömen und diese “Leistungsträger”
werden erst so richtig nach der Wahl,wenn Schwarz/Gelb oder
Schwarz/ SPD ( sozialunverträgliche Partei Deutschlands) ihr
Unwesen noch wilder und befreit von allen Zwängen wieder richtig
anwerfen können. Und die die wir alle am 27.09. wählen sollen
stehen Spalier und klatschen Beifall..Wahnsinn.
Ich kann nur allen raten ihr bisschen (oder etwas mehr..)
Erspartes von diesem Casino fernzuhalten. Denn das nächste Mal
wird der Staat ( wir alle) nicht mehr stillhalten, da bin ich sicher.
Denn die Schulden die heute schon existieren wird nie jemand
wirklich jemals zurückzahlen können! Niemals…und die die im
Moment neu produziert werden? Die sind der Sargnagel auf die
Reste unserer “Demokratie”. Unsere Politiker begreifen nicht das
sie schon dabei sind sich selbst wegzurationalisieren!
Und diese auf der ganzen Linie Gescheiterten werden uns weiter
“regieren”. Na herzlichen Glückwunsch..
PS: Hat eigentlich jemand was von Wahlkampf früherer Ausprägung, als es um wirkliche Sachthemen ging, irgendetwas
mitbekommen? Nicht? Richtig, solch einen Wahlkampf gibt es
nämlich nicht! Warum wohl…?
“Es gab bei dieser Krise Gewinner und Verlierer. Der Staat ( wir alle)
haben den Verlierern den Arsch gerettet. ”
JETZT sind die kleinen Leute die Verlierer.
“Das sich Steinbrück und Asmussen und alle anderen an diesem
Coup Beteiligten jetzt als Märchenonkel geben sagt über den
Charakter dieser Kerle alles aus. Entweder hat man wirklich nix
geahnt/gewusst, dann müssten diese Leute wegen erwiesener
Unfähigkeit sofort entlassen werden, oder sie haben es gewusst,
aber nicht gehandelt!”
Sie sagen es selbst, im ersten Satz: das waren von Anfang an BETEILIGTE. Die sitzen schon immer im Boot der Hochfinanz und haben auch vor, dort weiter, – selbst wohl versorgt von allen Seiten (einschließlich dummem Volk), – sitzen zu bleiben.
Dieser Ausschuß war doch nur eine Aufführung für’s Volk – die Spiele zum künftig härter werdenden Brot.
Ich frage mich inzwischen verstärkt, weshalb und für wen ich als dummer, kleiner Bürger eigentlich 35 Jahre engagiert arbeiten ging. Für Otto Normalverbraucher jedenfalls lohnt sich Leistung in diesem Lande schon lange nicht mehr. Auch keine wie immer geartete (Weiter-)Bildung. Kein Wunder, daß die gut ausgebildete Jugend der BRD schleunigst den Rücken kehrt …
Ach ja, bei dieser Gelegenheit – ein herzliches Dankeschön an Herrn Strobl und Herrn Lübberding für diesen informativen, aufklärenden blog! Den ich seit Monaten rege mitlese, auch wenn er mich oft genug sehr, sehr wütend macht.
Hallo Hr. Luebberding,
besten Dank für die Erinnerung wann das ganze Schlammassel eigentlich anfing und wer den Bank run anzettelte. Das Big Money nämlich, stand zumin. im brit. Telegraph. und (wohl) auch in Süddeutscher. Links gabs mal im DGF, wenn Sie die gleich mit reinreichen, gibts auch Bienchen für den Artikel.
Bei der HRE Rettung ging es nicht um die systemische Bedeutung dieser Drecksbank – das ist lächerlich.
Nun, dieser Satz ist richtig – wenn man den Staat nicht für systemisch hält (was wohl einige tun). Ansonsten ist er Müll, das sollten Sie wissen. Drecks HRE + Drecks Depfa finanzieren nämlich was? Richtig, Pfandbriefe und Kommunalobl. für den Staat (L+K). Bei einer Pleite hätte die so schnell keiner ersetzt, die BRDR wäre recht schnell Geschichte gewesen. Nicht mein Erguss, kann man im DGF, speziell unter Dottore, gut nachlesen.
Das heutige Problem heißt nicht HRE und die Kosten dieser Übernahme. Es ist die politische Folgenlosigkeit der damaligen Ereignisse.
OK, ist bisschen warm heute, das entschuldigt. Aber wenn die Kosten für Sie nicht das Prob sind, gebe ich Ihnen gerne meine Kontonummer. Zusammen mit der Drecks HSH darf meine kl. Family 5-sttellig blechen, das Geld wäre woanders besser aufgehoben. In die Ausbildung der Kids z.B.
Politisch folgenlos? – würde sagen wir marschieren stramm auf StaFMoKap zu. Wer das lustig findet – naja. Aber ich denke Sie meinen wohl eher die juristischen, aber da können wir wohl noch lange drauf warten. Noch sind die Leute satt, haben ein Dach überm Kopf, ein Auto, fahren in Urlaub. Mal sehen wann das für die krit. Masse nicht mehr der Fall sein wird?
Gruß McShorty
Nenn es doch nicht “Insolvenz des Bankensystems”. Da fehlt der österreichische Schmäh. Ein Kaffee ist ja auch nicht ein Kaffee, sondern eine Mélange. Bei den Banken sehen wir eine Déléverage, im Untersuchungsausschuß eine Volksver-age.
Und Salzburger Nockerl sind, von Experten gebacken, wahre Kunstwerke mit goldener Hülle, voll heisser Luft, mit wenig Substanz aus Ei-Glibber. In Wirklichkeit so schmierig wie die Grundlage mancher Bilanz.
Aber wohin mit den Eiern, wenn niemand mehr Nockerln mag ?
Hi Mc Shorty, wie wäre es mit Primokap ? Staatsmonopol- oder vielmehr -monumentalkapitalismus ist doch falsch. *grins* – guck Dir den Lenkungsausschuß an, wie wird da entschieden. Der Staat blechtnur , das ist dann aber schon alles. Sonst ist das Ganze im Kern eine private Veranstaltung. Wie schrieb Blogphilosoph Weissgarnix einst: “Die Elite rettet sich selbst”.
–> aLSO NIX stamokap. Sondern: Primokap !!!!
Ach so: Primokap ist der Privatmonopolkapitalismus. Erbitte zutreffenden Sprachgebrauch, sonst folgt der Manipulationsvorwurf stande pede. Also wirklich… *kulleraugen*
btw.: Das Urheberrecht für Primokap liegt bei mir.
In Frankfurt sind es übrigens jetzt 36 Grad Celsius.
Gruß aus Hessisch-Absurdistan,
Bernhard
“Aber wohin mit den Eiern, wenn niemand mehr Nockerln mag ?”
Angie und Steini kommen auch in deine Stadt, drum gib ihnen was sie verdienen. Ist zwar Schade um die schoenen Eier, aber wenn der Inhalt verfault ist kann man damit sowieo nur noch den Verdienst vergelten.
Hui und noch ein Ei, Tomaten nehm ich auch, ich bin so frei…
Mc Shorty
Nur – ist ja ein bisschen warm … – zwei Dinge. Die Sache mit den Pfandbriefen:
“Bei einer Pleite hätte die so schnell keiner ersetzt, die BRDR wäre recht schnell Geschichte gewesen.”
Bei einer Pleite der HRE wäre es nicht mehr nur um die Pfandbriefe gegangen …. . Dazu unten mehr. Selbstredend war die HRE via Depfa ein großer Player. Nur wenn es wirklich nur um diese Pfandbriefe gegangen wäre, hätte der Staat mit einer neuen Deutschen Pfandbriefanstalt deren Refinanzierung sicherstellen können. Das ist nun für echte Finanzmarktwirtschaftler wie Ackermann nicht wirklich sexy … . Außerdem wäre man dann tatsächlich auf den Kram sitzen geblieben, der von der Substanz her nicht ganz so wichtig gewesen wäre. Also die unbesicherten Anleihen der HRE selbst. Also sollte der Staat die HRE ganz retten – und nicht nur deren für den Staat wichtige Substanz. Das macht er jetzt auch – über die Garantien an die HRE direkt. Nur das alles war ein Nebenkriegsschauplatz – mit dem sich jetzt allerdings der U-Ausschuss beschäftigt. So lautet auch der Auftrag übrigens. DerPfandbriefmarkt war ein abgeleitetes Problem. Als der austrocknete, war bekanntlich noch keine deutsche Kommune zahlungsunfähig geworden war. Es war ein Ausdruck dafür, dass schlicht gar nichts mehr ging – außer Staatsanleihen.
Der Kern der Sache war etwas anderes – und der ist eben nicht Gegenstand des Untersuchungsauftrages. Da geht es nur um die HRE – und deshalb die aktuelle Verwirrung um deren Systemrelevanz … .
Zwischen der Lehman Pleite und dem 6. Oktober ging es – ob in den USA, GB, F oder D – um die diversen Bankenrettungspakete. Weniger um die HRE als systemrelevante Bank … . Das wäre auch das Thema gewesen, wenn Paulson und Bernanke Lehman nicht in die Pleite hätten gehen lassen. Gerade in den USA ist darum erbittert gekämpft worden – bis zum Kniefall des Paulson vor Pelosi:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,580715,00.html
Steinbrück kann ja nicht erklären, warum man Lehman hat Pleite gehen lassen. Die trauten sich nicht neben der AIG auch noch einen Zweiten per Verstaatlichung zu retten – und es gab keinen mehr wie noch bei Bear Sterns, dem man die Bude aufs Auge drücken konnte. Bekanntlich hatten die hatten schon im Umfeld der Lehman Pleite der BoA Merrill untergeschoben. Noch mehr konnten die dem renitenten Kongress nicht vermitteln. In den USA war Lehman das schwächste Glied der Kette. Wenn Mitte September die Pläne zur Rekonstruktion des Bankensystems fertig gewesen wären, hätten die natürlich Lehman nicht in den Abgrund sausen lassen müssen. Dummerweise war das zu dem Zeitpunkt aber noch nicht klar. Das geschah erst Mitte Oktober mit dem legendären date von Paulson mit big money.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30339/1.html
Am 15. September wäre nur noch die Verstaatlichung von Lehman wie bei der AIG möglich gewesen – und das hätte die politische Debatte über den Umgang mit dem Zusammenbruch des Bankensystems verändert. Da bin ich mir ziemlich sicher – und Paulson hatte daran nun nicht wirklich Interesse … . Ich war damals etwas zu optimistisch, was die Durchsetzung meiner Position angeht. Ich dachte bisweilen, die Messe wäre gelesen, sie hatte gerade erst angefangen … . So kann man sich irren.
Die HRE war mit ihrem schwachsinnigen Refinanzierungsmodell (aus lang mach kurz mach gar nichts mehr) in Deutschland das schwächste Glied in der Kette. Steinbrück hat ja Recht, wenn er sagt welche Folgen das gehabt hätte, wenn man die HRE in den Orkus schickt. Damit wäre das Vertrauen der armen Investoren in die Kompetenz des Staates, ihnen aus der Patsche zu helfen, wirklich erschüttert worden. Aber nicht weil die HRE so wahnsinnig bedeutend gewesen wäre …. .
Nur der Satz mit den Kosten. Die hätten wir so oder so gehabt. Daran ist nichts zu ändern, nur an deren Verteilung zwischen den einzelnen Staatsbürgern … . Das war damit gemeint – und nicht das der Spass nichts koste …. .
Über Bienchen freue ich mich natürlich … .
Bei der FTD gibt’s das Protokoll zum HRE-Bailout im September 2008:
http://www.ftd.de/download/pdf/hre-proto.pdf
@Mc Shorty
“Bei einer Pleite hätte die so schnell keiner ersetzt, die BRDR wäre recht schnell Geschichte gewesen.”
Das weist darauf hin, dass Du ein wohltemperiertes Bierchen zum Feierabend brauchst. Natürlich ist es kein wirkliches Problem die HRE dem Konkursrichter zu überlassen. So wie es auch kein Problem ist, eben dies mit all den anderen Schmuddelfinanzinstituten zu tun. Die wirklichen, nicht heißluftbasierten Papiere bleiben doch in der Insolvenz erhalten. Und die braucht auch niemand anders kaufen. Ich verkaufe meine Anleihen auch nicht jede Woche, lasse sie sogar bis zur Endfälligkeit liegen, obwohl ich weiß, daß der Staat Bundesrepublik Deutschland in diesem Land der größte Bankrotteur ist. Das Problem ist die “Rettung” von wirklich wertlosem Müll gegen etliche Milliarden Euro Zentralbankgeld. Die Schluderbanken könnten sich im Bankrottverfahren auf “werthaltig” zurechtschrumpfen und fusionieren, danach wieder auf den Markt kommen. Dem haben diese Luschen von “Politikern” und “Beamten” auf Kosten der Realwirtschaft und der Steuerzahler abgeholfen. Jetzt und nur durch die “Rettung” zahlt der Steuerzahler und die Realwirtschaft die Zeche der Versagerbanken. Die danken ihnen mit “Freundschaftszinsen”.
Fakt ist doch eines, wir haben es heute, 2 Jahre nach Beginn des Debakels immer noch mit Zombie-Banken zu tun. Das bleibt logischerweise auch noch lange so. So schnell können die “Regierungen” die Steuern garnicht erhöhen, wie die Banken das Geld verbrennen. Was längst bewiesen ist. Siehe die Billionen, die schon verdampft wurden. Keine Sorge, in ein paar Wochen geht die Peepshow bei “Des Kaisers neue Kleider” weiter.
@Michael
“Peepshow des Kaisers neue Kleider”
bist du nicht der, der mal so “stinksauer” auf mich war? Jedenfalls: wenn das so weiter geht, werden wir jedenfalls hier noch Freunde
Was mich bei den Politikern immer so nervt: Das Vermischen von komplett wahren mit komplett falschen Aussagen. “Die HRE Pleite war nicht absehbar. Die HRE-Rettung war ohne Alternative.” Der erste Satz ist eine glatte Lüge. Der zweite Satz komplett richtig. Dummerweise muss man die Sätze scheinbar nur schnell genug hintereinander sagen, um nur noch Fragen zum 2. Satz zu bekommen …
Der ganze HRE Ausschuss läuft so. Eine einzige riesige Ablenkungsaktion. Wenn du weiterreichende Folgen sehen willst, kannste vergessen. Die schaffen es ja nicht einmal, Licht in eine Teilaffäre zu bringen …
@lemming
Da wäre ich mir nicht so sicher. Ich bin, ziemlich kapitalistisch in meiner Denke. Kein Räuber und Wegelagerer, aber auch nicht sehr sozial. Ich unterscheide Bankster als positiv von Versagerbanken. Letztere würde ich befleißigen zu Bankstern zu werden, auch wenn sie dazu durch ein Insolvenzverfahren müßten.
@egghat
Mach doch keine Witze. Natürlich gab es die Alternative die HRE für bankrott zu erklären und im Insolvenzverfahren zu sanieren. Lübbering weist auf die Lehman hin. Das war allerdings ein prime dealer der FED. Nichts zweit- oder Drittklassiges. Als Zweitklassiges werden die wieder auferstehen, vielleicht auch nicht, egal. Das sind 10 Nummern mehr als die bad bank einer von vorn herein zweitklassigen Hypovereinsbank. Die hätte man sehr wohl filetieren können. Bei Banken geht es generell um Geld. Und zwar um MEHR Geld. Was die Amis mit einer FED-Bank machen können, sollten wir mit so einer Schluderbude, wie der HRE lange hinkriegen.
Völlig O.T. : Kann mir Dummy mal jemand das Bild im Header des Blogs erklären, diese Häuser und so…. was hat das mit dem Wiwi/Vowi Thema des Blogs zu tun?
Danke!
egghat #14
“Die HRE Pleite war nicht absehbar. Die HRE-Rettung war ohne Alternative.” Der erste Satz ist eine glatte Lüge. Der zweite Satz komplett richtig”
Das sehe ich komplett anders! Zumindest ist es eine unbewiesene
Behauptung! Diese Bankenrettung war ohne Alternative? Mal
davon abgesehen das selten etwas “ohne Alternative” ist, halte
ich in diesem Fall, auch wenn man sich die Höhe der Gelder
anschaut, diese Aussage zumindest für sehr gewagt! Denn nicht
umsonst wurde bis heute erfolgreich vertuscht wer eigentlich
die wirklich Betroffenen gewesen sind, die hier unbedingt
gerettet werden “mussten”? Ich wette von uns hier war es keiner.
Man braucht nicht viel Fantasie um zu verstehen warum man hier
die ” Berliner Mauer des Schweigens” vor diese “alternativlose”
Rettung gezogen hat. Das Märchen MUSS WAHR GEMACHT
WERDEN! Man muss es nur oft genug wiederholen, dann ist es
irgendwann die ” Wahrheit” und die Menschen glauben es…
http://www.zeit.de/2009/35/Kapitalismus-und-Demokratie?page=2
http://www.youtube.com/watch?v=9RYXBG3LOgE
Heute in der FAZ!
http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~ED40752EDEA0046DCA2739ED439BDF3BA~ATpl~Ecommon~Sspezial.html
Mann sind die naiv – auch der Autor!
Ich habe gerade mit der Lektüre des Buches ” Meinungsmache” vom
Nachdenkseiten Herausgeber Albrecht Müller angefangen. Ist gut
geschrieben und ich denke das sich darin genau die Dinge wiederfinden
werden die sich hier vor aller Augen und Ohren ( vor allem unserer
“freien” Presse!) abgespielt hat. Für mich war dieser “Untersuchungsausschuß”
ein lächerliches Schauspiel um der Öffentlichkeit ” demokratisches
Funktionieren” der Institutionen vorzuspielen. Wer heute noch
auf so etwas reinfällt dem ist schlicht nicht mehr zu helfen..
@Kritiker des Bösen
Empörend…
http://www.youtube.com/watch?v=-OHa07jmv6o
@Nanuk #19
Danke für den geliehenen musikalischen Kommentar, er erspart mir eine eigene Antwort. Obwohl, bei Joffe lohnt es sich eigentlich nicht, ein spukender ZEIT-Geist.
@egghat, #14: guck mal auf alle Fälle Recht behalten – Dialektische Rabulistik. Soll auch hilfreich bei Vertragsverhandlungen sein…
Die Jungs haben ihre rabulistischen Hausaufgaben gemacht.
Gruß
Bernhard
@Michael
@Kritiker des Bösen
Natürlich hätte die Regierung die HRE wie eine heiße Kartoffel fallen lassen können. Aber die Folgen wären brisant gewesen. Das System stand am Abgrund. Eine Panik und ein Run on the Banks war greifbar nah … ich will nicht wissen, was heute los wäre, wenn das eingetreten wäre
Erstmal danke für den Beitrag, der war sehr informiert.
Eigentlich alle über die HRE bisher.. inkl der Analyse des Quartalsbereicht letztes Jahr !
Super Arbeit!
Im Spon haben wir ja einen ähnlichen Tread über die HRE, und da wurde dann auch über das Sepzielle Bodenrecht in Amerika diskutiert, und wie sich das auf die Banken wie die HRE, und auch generell für uns Steuerzahler auswirken würde:
http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=7417&page=71
Auszug
[Quote=Spon]
Die Gründungsväter der USA haben das europäische Grund und Bodenrecht schlichtweg in den Mülleimer geworfen, es bestand aus ihrer Sicht kein Platzmangel, und die ablehnung des feudalistischen Gutsherrenrechts auf Vererbbaren Boden war ihnen sowieso ein Greuel.
Also galt und gilt!! mehr oder weniger in den USA ein “Bodennutzungsrecht” – was eingeleitet wird durch abstecken eines Claims (kennt jeder noch aus den Western).
Dieses Land kann man solange behalten, wie man es bewirtschaftet oder bewohnt! Läßt man es längere Zeit liegen, verfällt es, und kann – mit allem was darauf liegt von jedem beliebigen anderen in Besitz genommen werden.
Das ist einerseits interessant für Leute die glauben in den USA jetzt billig Haus und Land erwerben zu können, und es irgendwann einmal “vererben” zu können .. das mit dem Vererben ist schlichtweg nicht – worüber dann leider oft bei der Vermittlung nicht gesprochen wird.
Und .. “nicht bewohnt” ist die zweite tickende Bombe. Was jetzt in den dt. Bad Banks an CDO’s .. oder Immobiliendeviraten gebunkert wird, verliert – je nach Bundesstaat so zwischen 1 bis 5 Jahren seinen Wert vollkommen, solange niemand dort wohnt, und das sieht bei einer Mehrzahl dieser Immobilien eben nicht danach aus – da gibt es schlichtweg ganze Geisterstädte inzwischen.
Da H. Steinmeier und Co. aber den Banken dafür “Anleihen” – also gutes Steuerzahlergeld gibt, wird man in den nächsten Jahren den lustigen Effekt haben das man für Immoblien hier noch Geld bezahlt, die längst keinem, oder anderen Besitzern gehören.
Das ist knapp zwar nicht detailliert und perfekt, aber im Wesentlichen korrekt die aktuelle Lage der Müllpapiere, und daraus ergibt sich eben auch ihr grossteils zukünftiger Wert – nämlich gleich NULL.
[/Quote]
Da stellen sich dann schon Fragen.
Das Recht ist sehr speziell, und wenn man dann bedenkt, dass die wiederum in die vehikel hin und her verbrieft wurden..
Die verbrennen kein Geld mehr !
Das Geld ist weg, aktuell fehlen den Bankstern die Zinsen z.B. 500 € im Monat und dann und wann werden Kredite auch nicht zurück bezahlt. Dann fehlen 100.000 € auf einmal.
Daneben kommt das halt alles in die Lügenbilanz, die 500 müssen erklärt werden, bei den 100.000 kann man noch tricksen. Deswegen tauchen da immer wieder neue Mrd. auf, da wird nix neu “verbrannt”. Es wird auch nicht verbrannt, sondern u.a. in der USA verkonsumiert.
HRE ?!
Pfandbrief Geschäft an die KfW o.ä. auslagern.
HRE Vorstand in der fraglichen Nacht wegen Untreue/Verdunklungsgefahr/Fluchtgefahr usw. einlochen, Vermögen beschlagnahmen. Gibt es da nicht passende Gesetze über Terroristen ? Die Mistbutze abwickeln.
Allianz DeuBa usw. wäre mit Mrd an Cash mit dabei gewesen (nämlich deren Forderungen, gab es neulich im TV – Summe 50 Mrd.), die hätten die HRE abwickeln können. Normale Sparer wäre entschädigt worden.
Steinbrück hätte sich hinstellen können: Keine Geschädigten, die Täter sitzen in Haft.
Jetzt sitzten die Täter vor Gericht und erklagen noch Lohn.
Eine Bananenrepublik, in der einer der Hauptbeteiligten noch im Kanzleramt feiern darf *kotz*.