Ich mag es, wenn Medien nicht umständlich um den heißen Brei herumreden, sondern dem Leser knallhart und geradeaus die News an den Kopf ballern. Kein verschämtes Gehüstel, keine umständliche Suche nach schöngeistigen Formulierungen, keine politisch korrekte Serpentinen-Semantik. Einfach “the real deal”, ungefiltert und genau zwischen die Augen:
“Die Produktivität der US Arbeitnehmer verzeichnete im 2. Quartal den stärksten Anstieg seit 6 Jahren, weil die Arbeitgeber aus ihren verbliebenen Beschäftigten noch mehr herausquetschten, um ihre Gewinne zu stabilisieren.” (Quelle: Bloomberg.com)
Yes – that’s Capitalism!
So – und nur so – macht es richtig Spass.
PS: Offenbar fanden auch einige Bloomberg-Leser in USA die ursprüngliche Formulierung etwas schräg, denn wo vorher im verlinkten Artikel “as employers squeezed more out of their remaining workforce to bolster profits” stand, steht jetzt: “The productivity of U.S. workers grew in the second quarter at the fastest pace in almost six years as employers slashed payrolls to bolster profits.”
Die US Arbeitnehmer wurden somit laut Bloomberg nicht mehr “ausgequetscht”, sondern nur noch “gefeuert”, was in Zeiten wie diesen ja schon ein bemerkenswerter Fortschritt ist.




















{ 77 comments… read them below or add one }
Das ist – mit Verlaub – Quatsch. Der Produktivitätsanstieg hat mit dem Ausquetschen von Beschäftigten allenfalls am Rande zu tun ( z.B. wenn von manchen Managern bewusst Arbeitsplatzangst geschürt wird, um den Krankenstand im Betrieb zu senken).
Dominant ist aber ein ganz anderer Effekt: Im konjunkturellen Abschwung scheiden die vergleichsweise unproduktiven Grenzanbieter massenhaft aus dem Markt aus, so dass die Arbeitsproduktivität des geschrumpften Unternehmenssektors statistisch bedingt steigen muss.
@daffke
Dominant ist aber ein ganz anderer Effekt: Im konjunkturellen Abschwung scheiden die vergleichsweise unproduktiven Grenzanbieter massenhaft aus dem Markt aus, so dass die Arbeitsproduktivität des geschrumpften Unternehmenssektors statistisch bedingt steigen muss.
So formuliert man das in Serpentinen-Semantik. Meinen tut es aber exakt dasselbe!
@Daniel Daffke
Ob das stimmt oder nicht, sei dahingestellt. Mir ging es hier um die Form, nicht den Inhalt.
Soviel Ehrlichkeit gilt bei uns als verfassungsfeindlich.
@1
>>>>> Grenzproduktivität
Beides ist richtig.
Ob Betriebe von der Konkurrenz geschluckt werden und etwa dann bei der Deutschen Bank die Kunden von der Oppenheimer mit verwaltet werden, ohne dass zusätzliche Leute eingestellt werden oder ob beim Discounter wegen der Deflation und dem daraus resultierenden Preiskampf aus jeder Schicht mit 5 Leuten einer rausfliegt, und danach die Arbeit von den anderen mit übernommen wird (in dem Fall dann genau 20 Prozent Produktivitätssteigerung). Natürlich sind auch Krankenstände etc. relevant.
Und diese Makroökonomen reden tatsächlich euphemistisch von “Grenzproduktivitäten”, es ist nicht zu fassen. Da geht es geht um ganz andere Größenordnungen und nicht um irgendwelche Ableitungen.
Zitat markt-daten.de “Zunächst steht die Entwicklung der Arbeitsproduktivität per 2. Quartal 2009 an. Diese Größe ist ein abgeleitete Größe vom US-BIP. Da wir die US-Erfassungsmethoden des BIP sehr kritisch begleiten, ergibt sich eine identische Verfahrensweise mit der US-Arbeitsproduktivität (Hintergrund siehe „Endlich Klartext“). Analysten favorisieren eine Zunahme der Arbeitsproduktivität um +5,3% nach zuvor +1,6%. Wir werden die später zu veröffentlichenden Daten zur Kenntnis nehmen.”
Alles klar, ihr Schlawiner von Kapitalismuskennern …
@Daniel Daffke
“Der Produktivitätsanstieg hat mit dem Ausquetschen von Beschäftigten allenfalls am Rande zu tun ”
Knurr.
Schon mal im Produktionsprozess unterwegs gewesen? So als abhängig Beschäftigter, mal über ein paar Jahre, und dabei die Augen aufgemacht?
15% Produktivitätssteigerung per anno war die Vorgabe, die ich z.B. bei einem deutschen Handyhersteller hautnah begleiten durfte. Ich denke das ist nicht aussergewöhnlich in der Industrie. 15% jährlich bekommst Du nicht, weil immer neue, bessere Maschinen zur Verfügung stünden oder so was. Da werden laufend die Geschäftsprozesse verändert, optimiert und beschleunigt.
Das muss nicht schlimm sein, aber in der Tat landet es beim Mitarbeiter als laufende Arbeitsverdichtung, mit immer höheren Kommunikationsanforderungen, da wird auch nicht mehr “geführt”, sondern lediglich Ziele formuliert, für deren Erreichung der Mitarbeiter alleine verantwortlich ist, wenn er sie nicht erreicht droht Sanktion.
Die Verantwortung für die betriebliche Ressourcenallokation (Zeitdisposition, Schaffung von Kommunikationsstrukturen, Verpflichtung nicht weisungsgebundener Kollegen ) wird zunehmend dem Arbeitnehmer aufgehalst, auf dass er sich Tag/Nacht/Wochenende den Kopf der Firma zerbrechen möge.
So wird “ausgequetscht”, und nicht indem die Arbeiter jetzt 15 Stunden in den Silberminen schuften müssen, wie Du Dir das vielleicht vorstellst.
Ich möchte betonen: nicht alle haben ein Problem mit dieser Arbeitsverdichtung , es gibt immer genügend , die halten alles aus, und machen das auch gerne. Aber viele haben halt ein Problem damit , und die fühlen schon eher ausgequetscht.
An dieser Stelle Dank an wgnx für den Hinweis auf Deutschmanns Darlegung des “tendenziellen Falls der Profitrate”, die vom Kapitalisten nicht akzeptiert wird. Es ist die makromässige Beschreibung dessen , was den Menschen im Mikrobereich so belastet.
@daffke Numero uno
ungenügend, setzen Schööööööler
soviel Blödsinn habe ich noch nicht mal im REFA Studium gelesen.
@Frankie Bernankie
“Das muss nicht schlimm sein, aber in der Tat landet es beim Mitarbeiter als laufende Arbeitsverdichtung, mit immer höheren Kommunikationsanforderungen, da wird auch nicht mehr “geführt”, sondern lediglich Ziele formuliert, für deren Erreichung der Mitarbeiter alleine verantwortlich ist, wenn er sie nicht erreicht droht Sanktion.”
http://www.youtube.com/watch?v=W8vWww5g5-0
Auch noch ein Beispiel:
Es gibt da so eine Unternehmensberatung, die heißt KAIZEN (japanisch für Kontinuierliche Verbesserung). Die versprechen ihren Kunden, wenn sie einmal durch deren Montagen gegangen sind, 15% Produktivitätssteigerungen.
Der Trick von denen ist, dass die einfach aus jedem Montageband 1 bis 2 Leute herausnehmen und die Arbeit auf die anderen verteilen. Idealziel ist der One-Piece-Flow, d.h. alle Puffer und Staustellen werden eliminiert und jeder hat genau das gleiche Zeitquantum für seinen neu definierten Arbeitsschritt.
Wenn man also in einer Monatagehalle aus jedem Band bestehend aus 5-15 Leuten jeweils 1 bis 2 Leute herausnimmt, dann kommt man auf genau diese 15% Produktivitätssteigerung.
Nach einer solchen Reorganisation trennt sich bei der Belegschaft die Spreu vom Weizen. Die nicht mehr mithalten können, beginnen mit dem Krankfeiern, bis sie gar nicht mehr erst zur Arbeit kommen.
Das machen die Firmen zwar nicht jedes Jahr sondern vielleicht im 3-5 Jahres-Rythmus, aber dazwischen schlafen sie nicht und automatisieren Teile ihrer Montagelinien.
Ohne Krise kommt auf diese Art- und Weise jedes Jahr mindestens 2-3% Produktivitätssteigerung zusammen und das macht eine Verdoppelung alle 30 Jahre.
Und die Markoökonomen versuchen immer noch, mittels Differentialrechnung Gleichgewichtspunkte zu berechnen in einem System, in welchem die Produktivitätsentwicklung und die Veränderung der Vermögensverteilung die Dynamik des Systems nach der Zinseszinsformel, also exponentiell, verändert.
Meine These: Die Propagandafilter des System verhindern nicht nur in den Medien (Noam Chomsky), sondern auch in den Wirtschaftswissenschaften, dass darüber gesprochen bzw. geforscht werden darf. Nur keine Kompetenz in solchen Fragen heranzüchten. Umso länger können gewissen Leute immer so weiter machen (und manch linker Keynesianer fällt darauf rein und spielt das Spiel mit).
@ BB
Kaizen gibt es schon seit 1989 und vorher. Das Heiligtum der Industrie. Just in time. Ich habe den berühmten Japaner (unternehmensberater persönlich kennen gelernt)
Asiatische Mentalität kann man nicht überstülpen
“…weil die Arbeitgeber aus ihren verbliebenen Beschäftigten noch mehr herausquetschten, um ihre Gewinne zu stabilisieren.”
Sicher, da geht noch viel mehr. Einfach die Löhne immer weiter drücken! Mal sehen, wann man das gute alte System der “Schlafgänger” wieder entdeckt.
Achtung: offenbar fanden die ursprgl. Formulierung auch einige Amis schräg, weil jetzt steht dort plötzlich:
“The productivity of U.S. workers grew in the second quarter at the fastest pace in almost six years as employers slashed payrolls to bolster profits. “
@WGNX 13
Honi soit qui mal y pense…
@alle:
Und warum sind die Börse heute auf diese Meldung so abgeschmiert? Letzte Woche gab es genügend schlechte Daten, trotzdem sind die Kurse gestiegen. Heute kamen eigentlich nur positive Daten von der US-Produktivität und den Lagerbeständen rein und es ging 2,5% beim DAX runter. Haben wir Gegenteilmonat oder sowas?
Ich lasse Bloomberg meistens im Hintergrund laufen wenn ich mit Aktien handele. Was da so alles über den Äther kommt, das ist schon erstaunlich. Das mit der Produktivität ist mir auch sofort ins Auge gefallen. Aber ich vermute mal die haben diese Meldung nur gebracht, weil nix besseres da war.
Über 20 Jahre habe ich mich mit Kaizen und Produktivität befasst, und das nicht in einer Stabsfunktion. Nicht nur mir, sondern auch den Mitarbeitern am Produkt hat es Spass gemacht. Und 10% pro Jahr war eine realistische Zielsetzung, weil erstens viel unnützes Zeug gemacht wird und zweitens die Entwickler bei jedem neuen Produkt der Produktion Prozesse über den Zaun werfen, die eine Menge ‘Luft’ zur Verbesserung bieten.
Und keine Werker waren so bei der Sache wie die Deutschen.
@ undertaker
das ist der Finale Pokertisch, Texas hold´e m. Der small Blind ist ausgespielt worden, demnächst geht es um den Big Blind.
I call
@Frankie Bernankie und BB
ja, ich bin schon ewig lange im Betrieb.
Ich habe mich oben nicht allgemein über Themen wie Arbeitsverdichtung, REFA oder fiese Antreiber geäußert (dass es solche gibt, bezweifele ich nicht), sondern über den scharfen Produktivitätsanstieg in einer Konjunkturkrise. Den gibt´s in jeder Konjunkturkrise und in jedem Land. Der kommt, da beißt keine Maus ´nen Faden von ab, ganz überwiegend deshalb zustande weil in der Krise Unternehmen mit einer besonders niedrigen Arbeitsproduktivität pleite gehen (nicht Unternehmen mit einer hohen Arbeitsproduktivität).
Niedrige Arbeitsproduktivität, um gleich einem anderen möglichen Missverständnis vorzubeugen, ist zumindest im industriellen Sektor praktisch nie den Beschäftigten anzulasten, sondern liegt häufig z.B. am veralteteten Maschinenpark.
@ Daniel D.
so, da haben wir mal angenommen, einen ganz neuen Maschinenpark. Opel z.B. wird durch Roboter gebaut. Und das ist schon zu 50% realität. Die Belegschaft wird abgebaut, “umstrukturiert” was machen diese nicht metallischen Lebewesen, die sich Menschen nennen?
Man, übergeben könnte ich mich. Na wart es erst mal ab wenn es Dich trifft.
Aha, und Zeitungen mit den Schreibern sollen auch effizienter werden.
Na, da freuen wir uns aber.
@holger
Du bist also gegen moderne Maschinen? Aber einen Computer benutzt Du trotzdem?
>>Du bist also gegen moderne Maschinen? Aber einen Computer benutzt Du trotzdem?<<
An einer Vielzahl von Arbeitsplätzen würde eine Schreibmaschine nach wie vor ausreichen.
Sieht nur nicht so chic aus…
@Holger / 11
>>>>> Asiatische Mentalität kann man nicht überstülpen
Ach, Kaizen ist nur der Name dahinter, um sich zu verkaufen. Das Prinzip an sich hat nix japanisches: Einfach einen Mann von 10 raus aus dem Band und schon hat man 10 Prozent Produktivitätssteigerung.
@Fred 17
>>>>>>>> Über 20 Jahre habe ich mich mit Kaizen und Produktivität befasst, und das nicht in einer Stabsfunktion. Nicht nur mir, sondern auch den Mitarbeitern am Produkt hat es Spass gemacht. Und 10% pro Jahr war eine realistische Zielsetzung, weil erstens viel unnützes Zeug gemacht wird
Das ist ja nicht falsch!
Ich hab die Kaizen mal in Aktion erlebt, während wir die Motivation im gleichen Bereich mit anderen Maßnahmen wieder auf Touren bringen sollten. Das ging natürlich schief. Die Unternehmen haben ja manchmal fünf verschiedene Berater gleichzeitig im Laden und interessieren sich kein bisschen dafür, ob das zusammenpasst.
Aber zum einen sind doch die Größenordnungen ziemlich interessant, in denen gedacht wird. Am Ende kommt halt über alles 2-3% raus und das ist volkswirtschaftlich exponentielles Wachstum. Das haben die Grenznutzen-Makro-Heinis gar nicht in ihrem Formelwerk.
Und außerdem, den einen macht es Spaß, weil ihre Kennzahlen so hübsch nach oben tanzen. Die anderen müssen zum Arzt, weil sie das Tempo nicht mehr mithalten können. Sollte man bei der ganzen Sache mit bedenken.
Ansonsten: Nix gegen Fortschritt! Da wäre ich der letzte. Die Frage ist doch, wer ihn sich den unter den Nagel reist. Und damit wäre man dann bei der anderen Exponentialfunktion im System, den Konzentrationsprozessen (was die Makro-Heinis ebenfalls nicht in ihrem Formelwerk haben).
@ Daniel D.
nein, überhaupt nicht, ich bin Mensch und daher in der Eigenschaft faul zu sein, habe genug selber entwickelt und gebaut. Leider passt die Industrie und Roboter Entwicklung nicht zum Thema “Was macht der Mensch dann?” Geld wird mit menschlicher “Arbeit” gleich gesetzt. Egal ob Sinnvoll oder Sinnlos. Schwachsinn pur ist die Arbeit vor X Jahren mit der heutigen vergleichen zu wollen.
@ BB #22
yep
holger #13
Ich hab mal aushilfsweise zum Geld verdienen 6 Wochen bei BMW am Fliessband gearbeitet. Einmal hat mir dann mal der verantwortliche Meister gesagt dass ich mich nicht gar so reinhängen brauche, weil die Produktionsstrasse in näherer Zukunft eh auf Roboter umgestellt werden wird. Na ja, mir war es total egal, aber für andere mag das nicht grad motivationsfördernd sein.
Ich glaub irgendwann brauchen wir die ‘Maschinensteuer’
Ach, das Andreaskreuz ich vergas, davor sollte man halten wenn ein Zug über die Schienen fahren will.
@ Tubl
ja, das hat man vergessen. Jede Maschine müsste die gleichen Lohnnebenkosten abführen wie das “Humankapital” auch.
Anstatt dessen, gibt es die AfA Tabelle, da kann man solche Maschinen steuerlich abschreiben. Idiotie, aber nun gut.
@Daniel Daffke
War es nicht so, dass ein paar Bankiers ein paar Billiönchen (1e+12) verbrannt haben und sich aufgrund ihrer mickrigen Eigenkapitalsituation nun zaghaft mit Krediten umgehen ? Deshalb mehr “Effektivität” in der Wirtschaft ?
Diese Verluste lassen sich in keiner Form “erwirtschaften”. Es waren die Rentenersparnisse einer ganzen Generation, die da theoretisch in Rauch aufgegangen sind, falls du das noch nicht geschnallt hast.
das ganze ist das gegenstück zum niedrigen wachstum der produktivität in deutschland während 1-2 mio arbeitsplätze im boom aufgebaut wurden … marginale arbeitskräfte die rein und raus gespühlt werden in den wellen des arbeitsmarktes
@holger
Leider passt die Industrie und Roboter Entwicklung nicht zum Thema…
Doch die passt genau hier hin Menschen können nunmal nicht mit Maschinen Konkurrieren das ist unmöglich… das geht schon Physikalisch garnicht weil Menschen einen zu kleinen Energie durchsatz haben…
@Frankie Bernankie / 7
>>>>>>>>> An dieser Stelle Dank an wgnx für den Hinweis auf Deutschmanns Darlegung des “tendenziellen Falls der Profitrate”, die vom Kapitalisten nicht akzeptiert wird. Es ist die makromässige Beschreibung dessen , was den Menschen im Mikrobereich so belastet.
Ich persönlich finde die These von Deutschmann auch sehr plausibel. Aber der Mann ist Soziologe und hat sich die VWL-Zusammenhänge qualitativ sicherlich auf sehr originelle zusammengereimt. Er hat also eine Hypothese aufgestellt.
Jetzt müsste einer von den VWL-Makro-Heinis kommen und daraus ein Modell machen und als nächsten Schritt diese Modell mit Hilfe volkswirtschaftlicher Daten parametrisieren bzw. eichen.
Und genau daran fehlt es im Gegensatz zu diesen vielen Gleichgewichtsmodellen, die unseren Geist verwirren sollen. Warum nur? Ich glaube nämlich, dass man die These von Deutschmann durchaus belegen kann, auch quantitativ.
Aber genau das passiert nicht! Meine Vermutung: dass hier die Filter der Propaganda nach Chomsky auch in den Wirtschaftswissenschaften ihr Unwesen treiben.
Denn wenn erstmal davon ein Modell erstellt wurde, müsste das ja auch in den Lehrbüchern der VWL abgedruckt werden und könnte Stundenten und Eliten zu unerwünschten Schlussfolgerungen verleiten. Und genau deshalb gibt es dieses Modell eben nicht und soll es auch nie geben!
(Das soll aber hier kein Wissenschaftsrelativismus im Sinne von Konstruktivisten à la Luhmann werden, denn dann gäbe es kein Entrinnen mehr
)
@BB
Ich will nicht leugnen, dass es auch zur Arbeitsverdichtung kam, aber im wesentlichen ging es immer darum die Mitarbeiter mitzunehmen. Durch monetäre und vor allem nicht monetäre Anreize (Job Enrichment, Mitsprache bei Arbeitsumfeld und Prozessen, etc.) ist aus so manchen Werker, der sich frustriert seine 7 Stunden abgerissen hat, engagierte Mitarbeiter die mit Feuer und Flamme bei der Sache waren. Und was die Krankheitsrate betrifft: Die ist fast immer besser geworden im Laufe der Zeit.
In D hat das allerdings alles nichts geholfen.
@ holger # 23
Das passt schon, war wohl ja der eigentliche Sinn und Zweck der Übung, dem Menschen die Arbeit zu erleichtern und das Leben zu versüßen. Dafür hat er ja sein Gehirn über Jahrtausende angestrengt…
Nur das mit dem ‘Wirtschaftssystem’ wie wir es jetzt organisieren, das passt halt nicht dazu.
Die aus dem Fortschritt entstandenden und entstehenden Vorteile kommen eben nicht denen die da arbeiten zu, die haben daraus nicht mehr Freizeit.
Ok, mancher hat dann nur noch Freizeit, allerdings ohne das Geld, was die Maschine für ihn erwirtschaftet.
Da sollte jede Logik eigentlich streiken… so lange sie das aber nicht tut, es eigentlich ‘alle’ völlig normal finden – C’est la vie, wird’s wohl noch lange so weitergehen.
Es geht also wohl doch nicht um Arbeitserleichterung, sondern um finanziellen Gewinn.
Oje, warum hat sich der Mensch dann in grauer Vorzeit ‘Hilfsmittel’ gebaut, da gab’s noch gar kein Geld – waren die blöd!
Warum nehmt ihr das aus dem Zusammenhang?
“Leider passt die Industrie und Roboter Entwicklung nicht zum Thema “Was macht der Mensch dann?” Geld wird mit menschlicher “Arbeit” gleich gesetzt.”
Ihr verdient euer “Geld” womit? In dem ihr mit dem Arsch wackelt! und wenn ein Roboter das Euch abnimmt?
@Wat
“Oje, warum hat sich der Mensch dann in grauer Vorzeit ‘Hilfsmittel’ gebaut, da gab’s noch gar kein Geld – waren die blöd!”
Siehste back to the roots heute gibt es auch kein Geld sondern…
(Job Enrichment, Mitsprache bei Arbeitsumfeld und Prozessen, etc)
Das Geld nehm ich dann aber psssst nicht weiter sagen…
Übersetzt heist das du kannst dir den Roboter aussuchen der deinen Kollegen ersetzt cool oder…
“tendenzieller Fall der Profitrate” deute ich gegenwärtig so, dass die Profitrate aus Produktion und Warenabsatz immer weiter gefallen ist (globaler Preiswettbewerb, Lohnverfall, immer komplexere, teurere Produktionsverfahren, die gar keine Wahl mehr lassen, ob man produziert oder nicht. Denn wenn man nicht produziert, verliert man einfach NOCH mehr Geld und Marktanteile).
Da mussten die Kapitaleigentümer und -verwalter (Banker etc.) sich was anderes einfallen lassen, letztere besonders, denn die hatten reichlich “Überschussbeteiligungen” (also Profite) versprochen. Die geniale Idee: wir kompensieren das Fallen der realen Profitrate durch das Steigen einer nominalen Profitrate. Wir erwirtschaften also die versprochenen Profite à la Ponzi. Wohin das führt, war natürlich bekannt, aber hey, wir sind keine Pussies, wir wussten schon immer, dass nur den Letzten die Hunde beissen und wir sind immer ganz vorne… Und so kam es dann auch. Nur: dieser Letzte, das sind wohl wir…
Nanuk,
das schreibest Du
“Doch die passt genau hier hin Menschen können nunmal nicht mit Maschinen Konkurrieren das ist unmöglich… das geht schon Physikalisch garnicht weil Menschen einen zu kleinen Energie durchsatz haben…”
soviel Blödsinn kann man nichtmal anal befördern.
Vielleicht stimmt bei Dir die Energieausbeute nicht, aber, wie viel kcal stopfst Du Dir am Tag rein, wie viel braucht der Kopf und körperliche Arbeit? und wie viel schickst Du davon zur Kläranlage (täglich)?
@ Daniel Daffke #18
‘Niedrige Arbeitsproduktivität, um gleich einem anderen möglichen Missverständnis vorzubeugen, ist zumindest im industriellen Sektor praktisch nie den Beschäftigten anzulasten, sondern liegt häufig z.B. am veralteteten Maschinenpark.’
gibt da ne interessante Untersuchung von Gregory Clark zwischen britischer und indischer Baumwollindustrie im 19/20.Jh, gleiche Maschinen(britische), gleiche Manager (Briten und andere Internationale) und trotzdem war die Prokopfarbeitsproduktivität der Inder erbärmlich und der Abstand wuchs sogar im Laufe der Zeit…und das Beste ist das die indischen Arbeiter ausserhalb ihrer Heimat, also bspw in GB oder US auch die höhere Produktivität erreichten…
@ holger
bitte nicht sauer sein. (wg. aus dem Zusammenhang reißen)
Es geht doch um Produktivitätssteigerung, Ausbeutung – jedenfalls ist das für mich inhaltlich der Ausgangspunkt von Wgn in diesem Thread. Da ist doch dann nichts aus dem Zusammenhang genommen. Ein persönlicher Angriff meinerseits ist es so und so nicht, bestimmt nicht.
Ich finde es nur so schwachsinnig, dass auf Produktivität geschworen wird, aber Ziel immer nur (noch) ‘Knete’ ist, das eigentliche Ziel des technischen Fortschritts aber doch allen Menschen ‘dienen’ sollte – auch und gerade denen, die dann ‘überflüssig’ werden.
Doch ‘nur’, dass sich da jemand oder welche das Ergebnis dieses Prozesses aneignen können, ist doch das eigentlich ‘Abartige’, was noch dazu als ‘völlig normal’ und ‘war schon immer so’ akzeptiert wird.
Btw. Ich hab’ schon immer in ‘Faulheit investiert’, ich mach’ nicht den identischen Quark morgen oder nächste Woche noch einmal, wenn vorher schon absehbar ist, dass ich das bis zum Erbrechen wiederholen muss, da ist mir bisher immer was eingefallen. Aber das ist eben nur in dem mir gegebenen Rahmen möglich. Ich bin mir sicher, wenn der größer wäre, auch für die Anderen, das wäre nicht die ‘Hängematte’, das würde ‘nen echten Schub geben.
Ja, ja @ Nanuk – das ist das Problem – und ich sag’s aber weiter… ätsch.
Keine Sorge, wer immer ‘Herrchen’ brauchte, der kommt nicht auf die Idee, das Geld mit Dir teilen zu wollen.
Aber wehe sie kommen mal auf den Geschmack mit der Mitsprache.
Du als Anarcho-Syndikalist dürftest damit dann aber auch nicht das große Problem haben, wenigstens bei Dir scheint ja da einiges wenigstens in der ‘Birne und im Herzen’ schon mal klar zu sein.
Die Energie wird aber nicht vollkommen zu Produktion verwendet…
du must zb so Lebenswichtige dinge wie deine Libido erhalten oder dein Imunsystem und dein Gehirn wirst du auch nicht nur fürs Arbeiten verwenden da bin ich mir 100% sicher…
Du hast doch nicht mehr Energiedurchsatz als zb
http://www.rob-an-tec.com/KUKA%20Roboter%20Animat.gif
der Kollege hier träum weiter…
Jetzt gehe ich ins Bett
Britische Sklavenschiffe, waren immer unterschiedlich schnell. Pullt ihr Schweine Pullt.
Hier noch einige “Feinheiten” zu dem neuesten US-Arbeitsmarktdaten!
http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/08/ausfuhrlicher-us-arbeitsmarktbericht.html
@Nanuk
Übrigens danke für den Link zu dem Planeten-Video auf youtube.
Ich hab das heute Abend mal unseren Kindern gezeigt. Die Kleinen waren begeistert.
Da sag doch mal einer, bei weissgarnix wird nur was für Erwachsene geboten!
Da sprach mal einer auf dem Marktplatz von einer Abgabe auf die Wertschöpfung,
Gregor hieß der , glaub’ ich…
@fred / 31
Ach, dann hast Du ja sowas ähnliches gemacht wie ich
.
Also das Missverständnis ist wohl der Name der Kaizen-Unternehmensberatung. Die heißen Kaizen, machen allerdings nichts anderes, als Leute aus einer Monate-Linie heraus zu nehmen und die verbleibende Arbeit um zuverteilen. Das kann man vielleicht als Job-Enlargement bezeichnen, aber wohl nicht als Job-Enrichment.
Der Begriff Kaizen heißt ja nix anderes als “Kontinuierliche Verbessserung” und darunter kann man vieles fassen, auch z.B. Qualitätszirkelarbeit o.ä. Und das sind sicher Konzepte, die für die Mitarbeiterentwicklung eingesetzt werden und die auch von Gewerkschaften gern gesehen werden.
Also ich meinte jetzt die Unternehmensberatung, nicht das Konzept, unter dessen Name diese Truppe agiert!
Mit der Produktivität ist das so eine Sache. Objektiv ist es natürlich besser für die Bilanz, wenn eine Firma bei Auftragsmangel die Belegschaft reduziert. Bei uns praktiziert man stattdessen Kurzarbeit, was uns zwar die Illusion gibt, keine Arbeitslosigkeit zu haben, doch unsere Produktivität ist dadurch restlos im Eimer. Wie sich das auf unsere Konkurrenzfähigkeit im Exportmarkt auswirkt, dürfte sich bald zeigen.
Weiss hier noch jemand, was – lange vor Kaizen – HdA bedeutete? Genau: “Humanisierung der Arbeitswelt”. Seit ich davon gelesen habe weiss ich, dass die aktuelle Wirtschaftsverfassung die Arbeit als im Prinzip, tendenziell oder wie auch immer als “inhuman” ansieht. Das ist nicht falsch, eigentlich sind wir doch geborene Schlaraffenlandeinwohner, begründet auch indirekt, warum das einzige Wesen, das man an ein Fliessband stellen sollte, ein Roboter ist.
Das Dumme ist nur: ein Roboter verdient nix, schafft also auch durch seine “Arbeit” keine Nachfrage. Echtes Problem das!
http://de.truveo.com/Jorge-Furtado-Die-Blumeninsel-1989/id/1779385943#
mal bischen Praxis abseits der Theorie, trozdem ist diese Punktlandung schmerzkaft wenn man bedenkt das sich im grunde nichts geändert hat.
@lemming / 36
Also die Beschreibung gefällt mir schon ganz gut. Aber für ein Modell, dass man sich dann als subversive Grafik in die VWL-Lehrbücher reindrucken könnte, müsste noch etwas mehr deskriptive Arbeit in Richtung höherer Formalisierung reingesteckt werden.
Aber vielleicht geht es ja auch einfacher. Ich denke da an sowas wie das Moor’sche Gesetz der VWL: http://de.wikipedia.org/wiki/Mooresches_Gesetz
irgendwie so: “Die Zahl der Rentiers hierzulande verdoppelt sich alle 7 Jahre” Ob 7 oder 3 Jahre, das müsste man noch genau quantifzieren. Das wäre dann der Auftrag an die Makro-Heinis. Aber sowas würde sich gut machen in VWL-Büchern. Ich glaube, die Studenten würden ihren Prof’s ganz andere Fragen stellen.
Kann die FAZ nicht mal diesbezüglich ‘ne Expertise in Auftrag geben? Kein Interesse? Ne, die erzählen ihren Kunden lieber die Mähr von den Reichen, die mit ihrer Einkommensteuer unseren Staat finanzieren.
Oder als Forschungsauftrag an Wgnx. Bestimmt einfacher, als die Synthese von Keynes und Luhmann
@ 48
Warum das Fahrrad zweimal ‘erfinden’?
http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_des_tendenziellen_Falls_der_Profitrate
http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_p/profitrate.html
@ ergo sum
ja, was die Kurzarbeit bringt, frage ich mich auch. Werden nicht damit alle demotiviert?
Moin,
1985 hatte mein Lehrbetrieb, Zulieferer Automobil Hydraulik, ca. 500 “Beschäftigte”. Chef war noch richtiger Boss.
1989 musste die Bude aus “komischen” Gründen verscherbelt werden. Abbau der Belegschaft um 30%. Arbeitsplatz Neubewertung (Entlohnung wurde gesenkt.) Manager kamen aus den USA. (Sucker and suffer well) Blieben zwei Jahre machten nur Scheixxe und gingen nach US zurück
2004 Beschäftigte bei 250 angelangt; Produktion verdoppelt; Besitzer: Amis Börsennotiert
2009 Beschäftigte bei 180 angelangt, Produktion steht öfters. Das Aus droht spätestens im Dezember. Momentan Kurzarbeit.
Mich persönlich betrifft es nicht, da ich 89 den Laden freiwillig verlassen habe.
Das Dörfchen mit ca. 30.000 EW ist seit 89 ein Entleerungsgebiet. Abzug der BW, Abzug der Polizeischule, Outsourcing von Unternehmen, Richtung der neu besetzten Ostgebiete. Letztes aber nicht letztes Opfer, eine Traditionsfabrik (Schmiergelwerk) 1889 gegründet ca. 2005 von einem Hedge übernommen, jetzt das aus. Ca. 250 Familien betroffen.
Guter Freund von mir Abteilungsleiter Roboter-”Wartung” Daimler Achswerk. Momentan in Kurzarbeit. Ist nur am fluchen. Hat jetzt aber mehr Zeit zum Nachdenken.
@holger
Das ist das Peter prinzip da bist du machtlos gegen…
http://www.youtube.com/watch?v=hQS8KbD8Uoc
Die Patriarchen verschwinden überall weil die Söhne oder Töchter entweder nicht in der Lage oder nicht willens sind den Betrieb weiter zu führen darum habe ich ich mich mehrmals hier dafür ausgesprochen das die Belegschaft selbst in solchen fällen den Betrieb übernehmen soll…
Aber dafür müssen die Belegschaften leider kämpfen und zwar so wie die Franzosen das machen sonst wird das nichts weil der Politische druck und die Aufmerksamkeit nicht gross genug wird.
.
Wann war denn der letzte Arbeitskampf der den Namen auch verdient frag dich das mal?Konsens ist was für Bullshitquatscher ohne Reibungsverluste geht es nicht…
Aber das müssen die Gewerkschaften schon selbst intern Regeln wie sie vorgehen das kann ich nicht auch noch übernehmen
Ist nicht mein Problem wenn eure Betriebsräte lieber mit Managern in Bordellen rumlungern anstatt ihnen die Hölle heiss zu machen…
@WAT/49
>>>>> Warum das Fahrrad zweimal ‘erfinden’? -Wikipedia / tendenzialler Fall der Profitrate
http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_des_tendenziellen_Falls_der_Profitrate
Also in der Darstellung fällt mir schon auf, dass dort immer nur allgemeine Zusammenhänge dargestellt sind, die nicht an einem einzigen Beispiel “an der Realität geeicht” sind (Abstrakte Formel, Tabelle in der ein Lohn von 1 unterstellt wird).
An einer Stelle steht, dass Marx die bürgerlichen Varianten des Gesetzes kritisiert:
>>>>>> “Adam Smith, David Ricardo und John Stewart Mill entwickelten schon vor Marx die Vorstellung, dass zumindest unter bestimmten Gegebenheiten die Profitrate allmählich sinken müsste. Doch Marx wies ihre theoretische Ableitungen als falsch, nicht allgemeingültig, zu oberflächlich oder unzureichend zurück. Bei Smith kritisierte er etwa, dass dieser den Profitratenfall unmittelbar auf die Konkurrenz unter den Unternehmen zurückführt.”
Die Begründung von ihm kann ich jetzt nicht nachvollziehen. Müsste ich mich erst tief einarbeiten. Aber meiner Meinung und aufgrund der Anschauung vor Ort würde ich eine der Ursachen für den Fall der Profitrate tatsächlich vor allem im Wettbewerb sehen.
Und der Deutschmann hat meiner Meinung nach den Zusammenhang der sinkenden Profitraten (aufgrund von Wettbewerb) zu den Finanzblasen schon etwas deutlicher herausgearbeitet. Da spricht Marx nur allgemein von Krisen, Stagnation und letztendlich dem Untergang des Kapitalismus.
Beispiel von Holgar / 51
Ich kann da zu dem Beispiel von Holgar / 51 auch noch ein weiteres hinzufügen.
In den 90er Jahren hatten wir mal ein Projekt bei einem traditionsreichen Maschinenbauer mit über 100 jähriger Geschichte. Die Ergebnisse des Projekts waren, dass Qualifikationsengpässe in der Fertigung aufgezeigt wurden. Diese Ergebnisse wurden vom Geschäftsführer so verwendet, dass er die Qualifikationsengpässe beseitigte (ganz im Sinne der Humanisierung durch Höherqualifizierung) und anschließend die Manschaft halbierte. Auch wenn dies natürlich Zweifel in der Belegschaft an den Humanisierungszielen auslöste (die eine Hälfte hatte jetzt anspruchsvolle Arbeitsplätze, die anderen wurden entlassen), blieb meiner Ansicht nach dem Geschäftsführer gar nichts anderes übrig, weil schlicht und einfach die Aufträge fehlten.
Es gab damals Überlegungen in Richtung “alternative Geschäftsmodelle”. Diese wurden dem Geschäftsführer ausgeredet. Er ließ sich diesbezüglich meiner Meinung nach von der Konkurrenz beraten. Also dieser Machinenbau ist ja eine einzig große Familie und gegen die Paten dort kann man keine neuen Geschäftsmodelle aufbauen
Interessant auch, dass damals der “produktivste” Mann im Betrieb der Buchhalter war. Der Betrieb erwirtschaftete 5% der Rendite. Die üppigen Kapitalanlagen des Unternehmens zusätzlich 10% (Ja, so war das
), so dass insgesamt eine Rendite von 15% erwirtschaftet wurde. (Solche Kapitalrücklagen werden ja heute von den Heuschrecken als erstes ausgeschlachtet.)
Damit verbunden die permanente Angst des angestellten Geschäftsführers, dass einer der Gesellschafter sein Kapital abziehen würden, um sich davon eine Villa zu bauen oder weil es irgendwo mehr als 15% Rendite gibt.
Irgendwann sind die Gesellschafter dann wohl tatsächlich zu dem Schluss gekommen, dass ihr Kapital woanders besser aufgehoben ist. Heute gibt es das Unternehmen nicht mehr am Markt. Natürlich kann man heute immer noch solch schöne Maschinen kaufen aber diese werden von nur noch wenigen Platzhirschen in dem betreffenden Markt hergestellt.
Die Grundfrage ist doch jetzt: Wo arbeitet das Geld der Gesellschafter heute? Steckt es in einer Immobilie, die ihren Wert virtuell gesteigert hat? Oder haben sie es in die übrig gebliebenen Unternehmen investiert, damit dort noch effizientere Prozesse und tollere Produkte entwickelt werden können? Kann man aber mit Investition in Unternehmen wesentlich mehr verdienen als 5%? Gut, wenn man jetzt 8% rauskitzeln könnte, woher zum Teufel kommen dann die restlichen 7-10%, um die 15% Rendite in dem aufgelösten Unternehmen zu toppen?
Für solche Fragen hätte ich von den Makro-Heinis gerne mal konkrete Modelle, die mit quantitativen (!) Erhebungen untermauert sind.
Ich weiß nicht, ob das mit Marx funktionieren würde? Sonst hätte es doch schon längst jemand gemacht? Oder?
@ergosum: “Bei uns praktiziert man stattdessen Kurzarbeit, was uns zwar die Illusion gibt, keine Arbeitslosigkeit zu haben, doch unsere Produktivität ist dadurch restlos im Eimer.”
Die Kurzarbeit ist ja subventioniert. Im übrigen scheint eine Verkürzung der Arbeitszeit meist mit einer Erhöhung der Produktivität verbunden zu sein (die natürlich nicht proportional zur Arbeitszeitverkürzung ist). In einer “Zukunftserwartungskrise” sieht das natürlich anders aus.
@BB: “Meine These: Die Propagandafilter des System verhindern nicht nur in den Medien (Noam Chomsky), sondern auch in den Wirtschaftswissenschaften, dass darüber gesprochen bzw. geforscht werden darf. Nur keine Kompetenz in solchen Fragen heranzüchten. Umso länger können gewissen Leute immer so weiter machen (und manch linker Keynesianer fällt darauf rein und spielt das Spiel mit).”
Mich irritiert immer die Überschätzung des Systemcharakters des Systems. Also, der Reihe nach:
a) Du forderst ein formales Modell für einen empirischen Sachverhalt. Nun, vielleicht kommt man damit in die Lehrbücher – Marx ist ja auch drin. Eigentlich müsste es aber reichen, wenn die Empirie korrekt dargestellt wird. Wirtschaftsgeschichte z. B. führt aber ein Schattendasein. Wo sie es nicht tut, wird sie gern in die Terminologie der herrschenden Modelle getunkt, bis die Fakten ihr Relief verlieren.
b) Ich würde es im Zweifelsfall eher so sehen, dass es rechte und linke Keynesianer gibt. Kann man natürlich drüber streiten. Martin Feldstein in den USA scheint jedoch so etwas wie ein rechter Keynesianer zu sein. Er ist definitiv ein Konservativer, sagt aber untypischerweise, dass tax cuts nichts bringen. Statt dessen unterstützt er Ausgabenprogramme. Am liebsten sind ihm Militärausgaben, weil diese am allerschnellsten Arbeitsplätze schüfen. Das ist ein Argument, dass du bei Krugman nicht finden wirst – und sicherlich eines, an dem sich heute rechts und links scheiden.
c) Die propagandistischen Fähigkeiten der Vertreter des Systems werden überschätzt. Hier ergibt sich eine Paradoxie in der Standardargumentation vieler Linker. Je erfolgreicher sie die These vorbringen, dass nur Manipulation das System zusammenhalte, desto resignativer reagiert das Publikum. Denn wenn Manipulation so problemlos funktioniert, wie sie es angeblich tut, kann man natürlich nichts machen. Dann muss wohl alles so bleiben, wie es ist – gerade deshalb, weil es nicht gut ist.
Nimm mal Chomskys Buchtitel “Manufacturing Consent”: eine griffige, polemische Formel. Ich hätte sie ebenso gebracht, wenn ich drauf gekommen wäre. Trotzdem stimmt da etwas nicht: Manipulation ist mit Sicherheit kein Prozess, der nach den hier beschriebenen Regeln von Kaizen etc. einer ständigen linearen Optimierung unterworfen ist. Und wenn einer – wie Obama – seine Politkarriere als Linksaussen unter den 100 Senatoren der USA mit Kritik am Irakkrieg beginnt, dann dafür erst zum Kandidaten und in der Folge zum Präsidenten gewählt wird, den Krieg aber nur im Irak sukzessive beendet, in Afghanistan jedoch ausweitet, passiert, was jetzt geschehen ist: innerhalb weniger Monate bricht die Zustimmungsquote für den afghanisch-pakistanischen Sekundärkrieg zusammen. Hier jetzt wieder Konsens zu fabrizieren, setzt Bush-Methoden voraus (die schon ein Nixon nicht angewendet hat).
Es ist eben nicht wahr, dass mit einer Selbsteinordnung als Linker schon gesichert ist, dass man Lösungsbeiträge bringt. Nehmen wir diesen und ein paar andere Threads und listen ihre impliziten Themen und die angeführten Handlungsrezepte auf:
a) Maschinensteuer
b) Arbeitszeitverkürzung
c) Umverteilung der Steuerbelastung
d) “bedingungsloses Grundeinkommen”
Was davon ist nun “links”, was davon sinnvoll? Für die 35-Stunden-Woche hat sich hier auch Michael ausgesprochen, den ich für konservativ halte. Es ist aber – genauso wie eine stärkere Belastung der Besserverdiener – die richtige Antwort. Trotzdem höre ich in Gesprächen immer wieder den Maschinensteuer-Blödsinn. Und hinter dem BGE steht mit dem Milliardär Dr. Werner jemand, der, wenn er wollte, seine Zeit und sein Geld ausschliesslich seinem Lieblingsthema widmen könnte. Immerhin ist es in dem Fall mal ein Konservativer, der mit kontraproduktiven Ideen in die Diskussion eingreift.
Jedenfalls ist es doch nicht so, dass wir in der Nach-Knappheits-Ära lebten. Der inflationsneutrale Umverteilungsspielraum ist immer noch kleiner als der Wunschzettel a)-d). Und keine “Modelldiskussion” kann die Entscheidung über Prioritäten ersetzen – es sei denn, mit dem “Modell” sei eine Vorstellung davon gemeint, was eine Gesellschaft als Gesellschaft erhält und ihre Fortentwicklung erlaubt.
@ Nanuk / 52
Belegschaft übernimmt Betrieb. Ja, so oder so ähnlich habe ich auch mal gedacht. Ist leider in ca. 90% der Fälle nicht möglich.
Ich rede jetzt nicht von kleineren Mittelständlern, da ist das durchaus eine Möglichkeit. Überhang besteht, schau mal bei der HWK (Homepage) rein, wie viele Betriebe, aus Altersgründen ohne Nachwuchs, Nachfolger suchen.
Eines kannst du mir glauben, die besten Geschäfte werden beim Dinner gemacht, und dazu taugt die Belegschaft in den wenigsten Fällen.
soll bitte nicht abwertend aufgefasst werden
@ BB
bitte, mein Vorname ist nicht Elfe 12, sonder ganz schlicht und einfach “holger”, das ist der Ochse der das Pilum immer mit nach Hause bringt.
@ Peter Lehmann
Was würdest Du davon halten, wenn ein Guthaben auf dem Konto keine Zinsen abwerfen würde? Es liegt da rum, aber bringt nichts automatisch.
@holger
“Eines kannst du mir glauben, die besten Geschäfte werden beim Dinner gemacht, und dazu taugt die Belegschaft in den wenigsten Fällen.”
Dann bringt es der Belegschaft bei wie man Geschäfte macht… Konventionen kann jeder lernen… das ist Stumpfes an Regeln halten das bring ich sogar nem Affen bei…
@Lehmann
>>>>>> Und keine “Modelldiskussion” kann die Entscheidung über Prioritäten ersetzen – es sei denn, mit dem “Modell” sei eine Vorstellung davon gemeint, was eine Gesellschaft als Gesellschaft erhält und ihre Fortentwicklung erlaubt.
Mag sein, dass das etwas widersprüchlich wirkt, weil ich ja vorher Modelle (scheinbar) erst mal in die Tonne getreten habe. Aber es gibt da einen Unterschied:
Modelle machen dann Sinn, wenn man sie belegen kann und zwar mit empirischen Daten. Und ich bin zweitens dagegen, dass Makro-Ökonomen mit Gleichgewichtsmodellen arbeiten, wo sie doch exponentielle Dynamiken im System haben.
Wenn man diese beiden Kriterien anlegt, kann man schon viele Modelle aussortieren. Jetzt bitte nicht so verstehen, dass ich von den aussortierten gar nichts halte. Vor allem zur Bescheibung von Zusammenhängen kann man sich ihrer von Fall zu Fall bedienen. Aber um konkrete Maßnahmen daraus ableiten zu können (ob Konjunkturprogramm oder die Forderung nach einem neuen Gesellschaftsmodell) müssen dann noch jede Menge “rationale” Gründe hinzukommen, um zu überzeugen.
>>>>>> Die propagandistischen Fähigkeiten der Vertreter des Systems werden überschätzt. Hier ergibt sich eine Paradoxie in der Standardargumentation vieler Linker. Je erfolgreicher sie die These vorbringen, dass nur Manipulation das System zusammenhalte, desto resignativer reagiert das Publikum.
Chomsky weist den Vorwurf der Verschwörungstheorie ja selbst entschieden zurück. In erster Linie geht sein Propaganda-Modell auf eine Institutionen-Analyse zurück, wie er selbst sagt (z.B. Medien-Konzentration in der Hand weniger Konzerne). Die Folge der Filter im System ist, dass Fragestellungen immer nur in allgemein tolerierten Grenzen diskutiert werden. Der Kern einer Botschaft, einer Nachricht oder eines Forschungsthemas ist immer nur “ihre Relevanz für die Kontrolle der Abweichung vom Konsens” (sag ich jetzt mal so mit eigenen Worten aus dem Gedächnis). Dieses Verhalten stellt sich automatisch ein, etwa durch die Personaleinstellungspolitik der Konzerne, welche die Medien besitzen und von daher bestimmen können,welcher Journalist eingestellt wird (Institutionenanalyse). Am Ende moderieren dann die Freundinnen der Vorstände von DAX-Konzernen die Polit-Talkshows (Maybrit Illner).
Ich persönlich halte deswegen viel von der “Aufklärung” als machtvolles Instrument, weil es die Köpfe der Leute verändert. Das hat dann nichts mit Gegen-Manipulation zu tun, solange es echte Aufklärung ist, der “kritische Denker” sich also äußert.
Um es mal so zu sagen: Mit einem rationales Argument konfrontiert müssen zwangsläufig sogar die angepasstetsten von Springer und Bertelsmann eingestellten Journalisten mit den verzopftesten bürgerlichen Vorstellungen ihre Meinung ändern.
Voraussetzung ist natürlich, dass sich die “Aufklärer” zunächst einmal selbst außerhalb der Perspektive des Mainstream-Konsens stellen und sich von dort aus um eine exakte rationale Begründung und das heißt auch empirische Fundierung ihrer Argumente bemühen.
Zu versuchen, den Mainstream-Konsens mit den vom Konsens zugelassenen Methoden und Denkmustern zu wiederlegen (z.B. indem man Gleichgewichtsmodelle diskutiert anstatt exponentielle Systeme zu betrachten) führt letztendlich nur zu mehr Produktion von Mainstream-Konsens, etwa wenn linke Ökonomen sich auf die Forderung von riesigen Konjunkturprogrammen beschränken, aber vergessen, der Regulierung von Banken rechtzeitig in dem Spiel oberste Priorität einzuräumen (Krugman).
@holger
Sorry, aber irgendwie hatte ich wohl Hägar im Ohr und dann gibt’s die Copy/Paste Katastrophe
@ Nanuk 56
Ist in jeder Bude schon vorhanden.
wie heißt dieser Mensch? Betriebsratsvorsitzender oder so?
Diese Kungeleien, die dort zwischen Geschäftsführung und der “Vertretung” der Belegschaft stattfinden, …
Was hat der AN Vertreter bei Porsche dicke Worthülsen von sich gegeben. Lag (wahr)scheinlich an der Frisur. Um dann sich in den Porsche zu setzen. Ist auch nicht wild.
Und wenn ein Affe nichts Lernen will? Was dann? Morgens wird angestempelt, in der Mittagspause die 4 Lettern sich reingezogen, und paar Stunden später fällt der Hammer. Basta aus.
Der Weg zum Tellerand ist für viele Lichtjahre entfernt und verbaut. Da kannst Du ein Seminar nach dem zweiten geben.
Freiwillig, ohne was zu ver(dienen), lernt keiner was.
Ich? Buch? was ist das? Lesen hääääh? Chef hat gesagt, brauch ich nicht. Chef hat wohl recht. Er ist ja schließlich Chef.
@Lehmann
Nachtrag: Es gibt natürlich Wissenschaftler, die sich “quantitativ” mit der Analyse exponentieller Entwicklungen beschäftigen, z.B. den Hauke Fürstenwerth “Geld arbeitet nicht”. Das Buch ist voll von quantitativen Begründungen.
Aber interessant: Der Mann ist Physiker! Also einer, der sich von der Perspektive her tatsächlich mal außerhalb des Mainstream-Konsens stellt. Er muss sein tolles Buch aber dann leider im Shaker-Verlag veröffentlichen und nicht im Springer-Verlag. Und ich kann mich nicht entsinnen, in den Feuilletons unserer Medien mal über ihn etwas gelesen zu haben. In den Nachdenkseiten – natürlich!
Wie gesagt anders wird es nicht gehen also beschwert euch und vor allem du dich nicht.Nicht mein Problem wenn die Sklaven Sklaven bleiben wollen…
@ Nanuk 61
solltest Du mich meinen, dann wäre es schon erstmal eine Höflichkeit, einen Adressaten zu benennen, dafür hat jeder einen Namen auf diesem Planeten bekommen. Das ist erstens.
Zweitens: Sklaven merken erst dann, dass sie Sklaven sind, wenn es ihnen persönlich dreckig geht. Und ab dann, fängt im “Normalfall” das überlegen an. Erst wird geschimpft wie ein Rohrspatz, und dann wird sich überlegt, wie soll es weiter gehen.
Das was ich beschreibe, sind meine Eindrücke und Fakten. Nicht mehr und nicht weniger. Und da kannst Du Dir den Mund fusselig reden und schreiben. Kein z.B. A11 oder A12 oder A13 besoldeter wird Dir zuhören. Weil er es nicht muss, und auch nicht will.
LG
holger
@holger
Siehst du ich mache das hier nur zum spass ich weiss genau das das nicht passieren wird… ich will nur nicht das nacher jemand zu mir sagen kann der hat es gewusst aber nix gesagt… ausserdem kann ich so besser Morgens in den Spiegel schaun.
@holger und nanuk
ich teile beide eurer Einschätzungen, auch wenn das auf den ersten Blick wohl unvereinbar sein mag.
Kurzfristig stimme ich leider Holger zu – ich bin ein sehr gerechtigkeitsliebender Mensch und habe um mein Studium zu finanzieren in der Produktion gearbeitet und im Marketing, der Buchhaltung etc. – habe also einen ganz guten Eindruck wie es an der Basis aussieht und interessiere mich auch für die “Probleme” meiner Kollegen.
Ich habe schnell aufgehört eine differenzierte Sichtweise zu diskutieren – möchte man sich nicht unbeliebt machen rezitiert man am Besten einfache “Wahrheiten” – ich nenne Sie Bildparolen.
Das Hauptinteresse vieler alter Angestellter ist ihr nächstes Urlaubsziel, die Frage wann Sie die neue Heimkinoanlage anschaffen oder wann Sie den nächsten Urlaub erhalten. Natürlich gibt es hier, vor allem bei den Jüngeren und besser Ausgebildeten auch ausnahmen, aber vielen ist es schlicht egal, solange die Kohle stimmt – und das ist noch! bei vielen der Fall.
Andere, die sich engagieren Wollen und Können! (die vielen Zusammenhänge sind für viele verwirrend und sie konzentrieren sich lieber auf die einfachen Dinge ihres Lebens, wie z.B. die Familie.) tun dies oder geben bei ihren Kollegen frustriert auf.
Erst äußerer Druck erzeugt ein langsames Umdenken – aber ohne massive Einschnitte im eigenen Leben möchten die Betroffenen so weiterleben wie bisher – mit einem 8h Stunden Job mit freiem WE und ohne sich den Kopf über grundsätzliche Entscheidungen zu zerbrechen.
Vor kurzem war ich – als Gefallen für eine Bekannte – bei einem Seminar der ADVB (allgemeinen deutschen Vermögensberatung ) – ich habe selten so eine Anzahl komischer Leute gesehen, die aber von ihrem Handeln vollkommen überzeugt waren.
Aus persönlichen Erfahrungen in einem Verein habe ich auch in diesem Umfeld einige Schlüsse ziehen können – man kann Menschen nicht zwingen richtige Entscheidungen zu treffen, auch wenn man ihnen helfen möchte.
Der Schlüssel für all diese Probleme liegt in der Erziehung und Bildung der Menschen. Wenn Sie erst einmal desinteressiert und selbstzerstörerisch sind, kann nur ein externer Schock ein Umdenken bezwingen – d.h. ich sehe keine Chance eine größere Krise präventiv abzuwenden – erst die tatsächliche und unmittelbare Konfrontation führt zu einem Überdenken der eigenen Position, Haltung und Einstellung.
Langfristig muss es eine Mitarbeiterbeteiligung geben. Der Weg zu einem stabileren und gerechteren Wirtschaftssystem führt über privates Engagement für die Gemeinschaft. Auch die eigene Verantwortung darf nicht am Werksausgang enden. Das ist ein Stück weit gewählte freiwillige Unmündigkeit.
Das ist zumindest meine Meinung und ich würde mich über Anregungen sehr freuen.
@Logik-Ratio
“man kann Menschen nicht zwingen richtige Entscheidungen zu treffen, auch wenn man ihnen helfen möchte. ”
Genau so ist es! Das führt Automatisch in die Barbarei…
Nun, ja wenn die nächste Krise dann alle endlich zum Umdenken zwingt, sollte man wenigsten ein gutes Handbuch parat haben
@ Nanuk
Ist der Umkehrschluss dann besser, zuzuschauen bis Sie ins Unglück rennen?
In Ihrer Argumentation klingt meist eigentlich ihre menschenfreundliche Einstellung durch. Das Dilemma ist nicht unerheblich im Bezug auf unsere gesamte Gesellschaft.
@BB:
Dass wir am gleichen Strang ziehen, ist ja klar.
Mal ein Beispiel für Modell-Irrsinn: ein Neoklassiker hat behauptet, wenn es in Babylonien keine Niedrigzinspolitik gegeben hätte, wäre die Frühgeschichte im Zeitraffer abgelaufen. Wie kommt der auf Niedrigzins? Der Zins betrug 33%, aber alle drei Jahre gab es Schuldenerlass. Niedrigzins – alles klar?
Aus der Jahrtausend- und Jahrhundertperspektive ist der tendenzielle Fall der Profitrate absolut offensichtlich. Die Kehrseite des Phänomens ist die Verlängerung der Planungszeiträume und Amortisationshorizonte. Das gilt schon für den Übergang vom Jagen und Fischen zu Ackerbau und Viehzucht. Und diese “Berücksichtigung der Zukunft” – z. B., aber nicht ausschliesslich in Form der Internalisierung bisher als Externalitäten betrachteter ökologischer Kosten – ist doch aus der Gemeinwohl- oder “Gattungsperspektive” der Dreh- und Angelpunkt. Wenn nun eine “industrielle Reservearmee” aufgebaut wird, zeigen sich daran die Widersprüche von Neoklassik und Neoliberalismus. Dann wird nämlich plötzlich mit zwei inkompatiblen, ideologischen Quasi-Naturgesetzen hantiert. Das eine besagt, dass der Markt schon eine eingebaute Arbeitszeitverkürzungsmechanik habe – etwa in demselben Sinn, in dem sich die technische Produktqualität konkurrenzbedingt verbessert – ; das andere hingegen begründet, warum genau diese Arbeitszeitverkürzung des Teufels ist. Dieses letztere läuft unter dem Namen “lump of labor-fallacy”, will uns also sagen, es sei ein Irrtum, Arbeit als umverteilbaren Klumpen zu behandeln, weil Arbeit im Grunde unendlich vermehrbar sei und die Kürzung der für sie aufgewendeten Zeit automatisch einen Einkommensverzicht bedeute.
Ich würde sagen, die “linke” – oder, im Interesse der politischen Koalitionsfähigkeit neutraler formuliert: die “humane” – Perspektive bestünde darin, Arbeitsvermehrung unter Sinnvorbehalt zu stellen. Es ist eben nicht alles “sozial, was Arbeit schafft”.
@Holger:
Wie ist das gemeint? Die faktische Niedrigverzinsung des Durchschnitts aller Anlagen haben wir schon lange. Nun würde ich vorschlagen, es Hedgefonds zu verbieten, ein Anlageminimum von 1 Million zu fordern. Was ist das für ein Markt, der so segmentiert ist, dass in profitable Projekte tendenziell nur gegen grosses Eintrittsgeld investiert werden kann, während Schrottprojekte fröhlich dem Kleinanleger angedreht werden? (Das Ergebnis wäre natürlich ein noch höherer Korrelationsgrad aller Anlagemärkte. Nun, was antworten wir da? That’s finance, baby! Ich bin doch kein Dogmatiker, der behauptet, eine sofortige und permanent durchgehaltene Nullzinspolitik sei ein gesellschaftliches Allheilmittel. Wissenschaftlich müsste man sich für eine ganz präzise Aussage erstmal über eine Reihe statistischer Konventionen einigen, so z.B. die Messung der Preissteigerungsrate. Im Hundertjahresvergleich wird aber schnell klar, dass eine sehr niedrige Verzinsung in der Tat der Normalfall ist. Die von BB ursprünglich genannten 4% sind anhand vorhandener Daten als nicht leistbar zu erkennen. Und die heutzutage kursierende Behauptung, eine Fed-Niedrigzinspolitik seit Mitte der 90er sei Ursache des Übels, ist schlicht Nonsens. 5,5% sind nicht mal im Traum ein “Niedrigzins”. Das wird halt von den Volcker-Bewunderern in die Welt gesetzt, die sich an zweistellige Zinsen erinnern. Nur haben damals die Gewerkschaften auch zweistellige Lohnforderungen aufgestellt und teils durchgesetzt. Das war ein reines “Wettrüsten” . Es wäre auch weitergelaufen, wenn es keine Entspannung an der Ölpreisfront gegeben und Volcker nicht ausländische Kreditausfälle der US-Banken”monetisiert” hätte.)
@hacedeca:
Ich bin doch nicht blöd. Natürlich habe ich an ein wiederaufgebautes Detroit gedacht – nicht an die Trümmerlandschaft, die dort seit dem konzertierten deutsch-japanischen Autobombenangriff zu besichtigen ist.
@Krugman:
Da muss ich schon nochmal nachhaken. Es gibt sehr viele Schattierungen innerhalb des Spektrums “kritischer Stimmen zu Finanzkrise”. Punkt 1 ist, dass Krugman schon lange vor der Krise eine Umkehrung der Umverteilungsrichtung in der Fiskalpolitik gefordert hat. Punkt 2: Ja, ich wäre weiter gegangen als Krugman. Um mal einen Vergleich zu bringen: Lafontaine hatte sicherlich Einfluss darauf, dass die Linke als einzige Partei dem Finanzmarktstabilisierungsgesetz nicht zugestimmt hat. Sie hat es aber auch nicht abgelehnt, sondern sich nur enthalten. Das entspricht in etwa Krugmans Tendenz. Es war in meinen Augen ein Fehler, der aber dem Überrumpelungseffekt geschuldet ist. Punkt 3: Es stehen nun körbeweise Konzepte und Pseudokonzepte im Raum. Und Krugman geht tatsächlich viel weiter als die allermeisten Vorschläge, die auf dem Tisch liegen, indem er das Verbriefungswesen angreift. Nur schwanken seine Standpunkte wohl auch. Er meint ja gerade das Konjunkturtal erkannt zu haben. Das hätte ich gern etwas genauer. Es handelt sich schliesslich um eine Zwischenerholung, bevor das 800-Mrd.-Loch von Citigroup u. dgl. mehr auf den Tisch kommt.
Jedenfalls gibt es deutliche Abstufungen. Soros will die Banken verstaatlichen und später von Hedgefonds übernehmen lassen. Nun, er ist selbst in der Hedgefonds-Branche unterwegs. Krugmans Kritik an der Verbriefungspraxis dagegen ist nicht nur zutreffend, sondern zielt auf einen Punkt, der zentraler ist als die Eigenkapitalvorschriften für Banken.
@Allgemein:
Ich bin rabenschwarzer Pessimist, solange das Finanzsystem weiter gesundgelogen wird. Die US-Hypothekenvergabe läuft weiter nach dem Prinzip: auf dem letzten Deck suchen wir nach einem Bullauge, wo wir noch schaufeln können. Auf den anderen Decks werden dagegen längst die Schwimmwesten angelegt. Wahrscheinlich sind da wirklich Volkstribune und keine Nobelpreisträger gefragt – es gibt da womöglich ein temperamentales Artikulationsproblem. Oder Krugman sollte mal nachschlagen, wie drastisch sich Einstein über Menachem Begin geäussert hat. Und soviel besser als reale sind die virtuellen Terroristen an der Verschleierungsfront auch nicht.
@peter
Teile Deine Einschätzug – ein Umdenken wird erst beim unabwendbaren Zusammenbruch des Systems geschehen. Aber da die Burschen die Zentralbanken in ihrem Griff haben, werden wir darauf noch lange warten müssen.
Es ist eben die Strategie die verdeckte strukturelle Arbeitslosigkeit bedingt durch den Fortschritt und der weltweite wirtschaftliche Kooperation mit dieser Scheinindustrie zu verdecken.
Irgendwie muss Geld aus leistungslosem Einkommen zur Stabilisierung der Kaufzkraft in das System geschleust werden. Es geschieht über Hartz IV ganz unten und über die Finanzbranche ganz oben.
Schade ist nur, dass wir nicht nur Arbeitszeit praktisch vernichten, sondern auch wichtige Investitionen in unsere Zukunft nicht stattfinden. So kann eine Umstellung von einer kurzfristigen auf eine nachhaltige Wirtschaft auch bei negativer Verzinsung lohnenswert sein.
Aber was ändert sich denn bei einer regulierten Finanzwirtschaft? Die Wirtschaftskrise jedenfalls nicht, denn deren Ursache liegt nicht in der Finanzkrise begründet, sondern im technischen Fortschritt – oder lapidar – Überkapazitäten. So könnte man jedem dt. ein Auto zu 18 schenken – nur gäbe es dann 2 Engpässe: auf den Straßen und beim Öl.
Daher werden die Altautos ja auch verschrottet, hauptsache die Produktion wird ausgelastet.
Doch was machen dann 30% der Leute wenn die anderen 70% ausreichen um alle Bedürfnisse ausreichend zu befriedigen und nicht jeder in der Forschung und Entwicklung arbeiten kann und will? (Hier gibt es einfach keine Marktsättigung oder “Überproduktion”)
Ist die Dienstleistungsindustrie die Lösung? Soll jeder jedem Haare schneiden, Fußnägel lakieren und im Handyshop Klingeltöne verkaufen?
@Lehmann
>>> Dass wir am gleichen Strang ziehen, ist ja klar. … Es ist eben nicht alles “sozial, was Arbeit schafft”.
Absolut d’accord! Hallo, es geschehen noch Zeichen und Wunder!
, nicht jetzt, hab keine Zeit mehr)
(Nur über den Zins, da müssen wir nochmal drüber reden
Übrigens, schon gehört? Die CDU will auf den Mond! Als Antwort auf das Steinmeier-Konzept, dass der von den Grünen geklaut hat.
Aber das macht sie natürlich tatsächlich interessant! Ich bin ja auch so für Weltraumhotels und so mit Bahnhof “Peenemünde”. “Unendliche Weiten” und am Ende arbeiten alle nicht mehr für Geld, sondern nur noch für die Vervollkommnung der Gesellschaft und ihre eigene Vervollkommnung (Star Trek “Die erste Begegnung”).
Aber ob die CDU das meinte? Nee, ich wähl die doch besser nicht. Bei der bauen dann am Ende 1-Euro-Jobber Mond-Rohstoffe im Auftrag des WRK, des Welt-Rohstoff-Konzerns ab.
@ Peter Luhmann
es geht mir nicht darum, wer wie wann womit, irgendeinen Niedrigzins entworfen und für seine zwecke Missbraucht hat. Es geht mir auch nicht um die ganzen vielen Theoristen, die gaaanz viel Zeit hatten, Bücher zu schreiben, deren Nutzwert nahe Null tendiert.
es geht mir um das Jetzt und Heute. Nebenbei, um die Frage, ob Vermögen, Guthabenzinsen erzielen kann und soll. Rechne Dir aus, wenn jeder US Bürger ca. 300 M, nur im Monat 50 USD sparen würde. Das wären pro Monat rechne rechne: 15 B
mal 12 = 180 B die verzinst mit 6% (wenig ohne Leverage und Wettprodukten) dann nur Zinsen per Anno 10,8 B
Wo kommen die her? Die 10,8 Billionen? Aus Bens Hubschrauber?
Und anders herum genau so. Sie sind ganz einfach da. Und irgendwann, werden diese Mistkröten einfach zu Viele.
Es gibt Menschen die werden reich, weil sie Ideen haben, und Produkte auf den Markt bringen. O.k. Aber dann gibt es virtuelle Reiche, die nix außer Wetten auf das Jahr 3080 abschließen können.
Und diese Schere zwischen virtuellen Bit Dollars, und wirklichem Geld, klafft auseinander. Und sobald die virtuelle Kohle den Weg in die Produktionsstraßen findet, gut Nacht Märian.
Soviel Kohle, Erdöl, Erdgas und Strom gibt es nicht in dem Überfluss, um diesen Moneten, ein Produkt oder Dienstleistungsgesicht aufzustempeln.
LG Holger
@BB
“Übrigens, schon gehört? Die CDU will auf den Mond! Als Antwort auf das Steinmeier-Konzept, dass der von den Grünen geklaut hat.”
Da sieht man das die meisten CDU Parteibonzen hinter besagtem Erdtrabanten leben… was will man da da ist nix aber wirklich garnichts was sich zu entdecken lohnt nada nothing… der Mond ist ein staubiger alter Felsen…
Entschuldigung Vergessen,
mit B meine ich die US “Milliarde”= Billion oder 10 hoch 9.
Damit kommen selbst gewisse MSM Medien nicht mehr klar. Sind einfach zu viele Nullen im Spiel.
@ BB # 53
Sorry, erst jetzt Zeit zum reagieren…
Dass das mit dem ‘erst tief einarbeiten’ etwas abgekürzt werden könnte, habe ich in # 49 noch einen zweiten Link angegeben, mal hineingeguckt? Ich fand das eine gute Ausarbeitung.
‘Nur’ Wikipedia ist da dann wohl doch etwas ‘dünn’ – das brachte ich als Link um den ‘wissenschaftlichen Diskurs’ aufzuzeigen.
Der zweite Link war die, für die eigene Meinungsbildung, verantwortbare ‘Kurzvariante’.
Vermutung – es offenbart zu viel?
@Wat /74
gib mir noch’n Excel-Sheet dabei
Das Problem des Modells scheint mir folgender Punkt zu sein, ohne dass ich das jetzt im einzelnen begründen könnte:
2.10. Gegen den Fall der Profitrate wirkende Faktoren
Über das Endergebnis des Modell, wie Marx es schlussfolgert, kann man gerne einer Meinung sein. Es wird dann die Frage sein, ob wir eine Utopie oder eine Dystopie am Ende haben werden:
Utopie: “Star Trek – Die erste Begegnung” Im 23 JH arbeiten wir nicht mehr für Geld, sonder für die Vervollkommnung der Gesellschaft und unsere eigene” oder
Dystopie: “Mars und Mondrohstoffe werden vom RWK (Rohstoffweltkonzern) mit versklavten 1-Euro-Jobbern ausgebeutet”
Wir haben es also mit einem plausiblen aber sehr einfachen Modell für das Sinken der Profitrate zu tun, einer Unmenge von nicht modellierten Einflussfaktoren, die ganz grob umrissen sind, und Schlussfolgerungen, die je nachdem, ob man Pessimist oder Optimist ist, zu einer Utopie oder Dystopie führen.
Auch wenn ich gerne noch weiter mit dem Modell rumspielen würde (ausbauen, z.B. würde mich der Aspekt “Wettbewerb” als Einflussfaktor konkret im Modell dort sehr interessieren), finde ich, dass man zur Lösung der aktuellen Probleme damit sehr wenig anfangen kann.
Statt dessen hätte ich lieber konkrete Untersuchungen – einschließlich öffentlicher Diskussionen, z.B. zu den Folgen von Konzentrationsprozessen in der Wirtschaft, ob bei Banken oder Chip-Produzenten:
http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E81A414534B5F486DB5C51C27672055C0~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Bei Banken war ja mal die Diskussion, ob man die nicht zerschlagen müsste, damit eine Bank nicht systemrelevant werden kann. Was ist jetzt eigentlich aus dieser Diskussion geworden?
Ich höre, die DB schluckt die Oppenheimer? Wird dadurch noch systemrelevanter? Wie sieht die Strategie der Bundesregierung aus, möchte sie immer noch den deutschen Bankensektor international aufstellen, also konzentrieren? Ist das die offizielle Politik? Oder will sie die Macht der Deutschen Bank beschneiden? Fragt ein Peter Frey Frau Merkel beim nächsten Interview kritisch (!) danach?
Gibt es ein quantitatives Modell für die weltweite Konzentration im Bankensektor? Kann man diese Konzentrationsprozesse verallgemeinern? Wie sieht ein Endzustand dann konkret aus inklusive gesellschaftliche und politische Auswirkungen?
Das alles würde ich gerne mit oberster Priorität von den Wirtschaftwissenschaften und den Mainstream-Medien behandelt diskutiert haben.
@Logik-Ratio
“Ist der Umkehrschluss dann besser, zuzuschauen bis Sie ins Unglück rennen?”
Du kannst rufen wie ich an anderer stelle gesagt habe aber wenn sie es so wollen dann lass sie… Wenn deine Gesellschaft zu mördern wird verlasse sie…
@ weissgarnix:
Könntest Du nicht mal einen kleinen Artikel verfassen, der mit der Illusion des “0,3 % Wachstums” aufräumt? Diese Ziffer beruht doch lediglich auf der Tatsache, dass wegen der Krise weniger IMportiert wurde und hat mit Wachstum überhaupt nicht das Geringste zu tun.