Bevor ich’s vergesse, hier ein schneller Hinweis auf eine Reihe von exzellenten, neuen Videoclips auf der Website des Economist. Zu allen möglichen Themen, einfach, kompakt und für jedermann verständlich – selbst die sogenannten “Ökonomie-Experten”, die jetzt, mitten in der Krise, Lohnkürzungen fordern, sollten mit diesen Clips problemlos zurecht kommen.
Naja, vielleicht auch nicht.
Jedenfalls: als kurzen Teaser mal die nachfolgenden beiden Clips zu den “imbalances” im Welthandel, erläutert anhand der US und der chinesischen Wirtschaft:















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Die “Ökonomie-Experten” kommen mit nix zu recht. Heute steht im Spiegel ein engagiertes Plädoyer für das Kürzen der Sozialausgaben und das erhöhen der Abgaben. Ich hab’ mich beim Lesen ein bißchen gefragt welche Drogen die Jungs da eigentlich nehmen und wann sie zum letzten Mal an der frischen Luft waren …
Der gesunde Menschenverstand ist völlig verloren gegangen. Und die Deutungshoheit für die Vorgänge in “Wirtschaft” gleich mit, da ja sowieso keiner weiß was kommt, schwadroniert einfach jeder drauf los.
Mein nächstes Buch:
“Was uns blüht, wenn die Bäckereien von Private Equity Firmen übernommen werden”….
@keiner
“Was uns blüht, wenn die Bäckereien von Private Equity Firmen übernommen werden”….
Wild wächst die Blume meines Zorns
und jeder sieht den Dorn
der in den Himmel sticht
daß Blut aus meiner Sonne tropft
es wächst die Blume meiner Bitternis
aus diesem Gras
das meine Füße wäscht
mein Brot
o Herr
die eitle Blume
die im Rad der Nacht erstickt
die Blume meines Weizens Herr
die Blume meiner Seele
Gott verachte mich
ich bin von dieser Blume krank
die rot im Hirn mir blüht
über mein Leid.
Thomas Bernhard
@Nanuk
Von “Bäckerei” war die Rede, nicht von “Gärtnerei”…
…die Blume meines Weizens Herr…
…er hat schon recht. Aber Thomas Bernhard hier! Frech das!
Aber iwo – Thomas Bernhard ist hier total richtig.
Ah, wird ab jetzt endlich jeder erschossen, der hier an der falschen Stelle lacht?
@”Blume meines Zorns”, “Gärtnerei”:
Nennen wir es das Paradox der welken Pflanze. Im Verlauf des Evolutionsprozesses hat sich die Meinung, dass Wirtschaft nur Psychologie sei, bis in die südamerikanische Flora herumgesprochen. Den Fressattacken von Käfern und anderen Insekten widersetzen sich einige der dortigen Arten, indem sie von vornherein jenes höchst unappetitliche Äussere zur Schau stellen, das sie normalerweise erst nach Abzug der feindlichen animalischen Heere charakterisiert.
Vom Wähler, Bürger, Kunden und Konsumenten ist ganz klar mehr Mut zur Hässlichkeit gefordert. Es gilt, die Einsicht Dirk Baeckers zu beherzigen, der Kapitalismus habe die Sorge an die Stelle der Schönheit gesetzt. Vielleicht hat Baecker ja “Popular Mechanics” gelesen. Dort können wir derzeit lernen, dass ein Segment des US-real estate-Markts von der Katastrophenstimmung gänzlich unberührt ist – nein, was sag ich da – richtig muss es heissen: vom ideologischen Klima der econolypse profitiert, als gäbe es kein Morgen – jedenfalls keines ausserhalb des Bombenschutzkellers.
Zitat: “Since 1991, Hardened Structures has catered to the extreme protection needs of the unbelievably wealthy. A recent bunker installation in the Adirondacks, built to house 100 occupants, cost its owner $90 million. But Camden remains low-key, even when his company is constructing multimillion-dollar, 10,000-square-foot survival compounds, which real estate investment groups are selling as doomsday condos.”
Die aktuelle Definition eines “good real estate deal” liefert “Popular Mechanics” auch gleich mit:
“After the Cold War ended, the United States disarmed its vast arsenal of Atlas and Titan missile silos and shut down its secure radio bunkers. Canny survivalists with an eye for a good real estate deal saw an opportunity. “Back in the ’90s, you could just snap one of those up,” Camden says. “For $250,000, you got the silo plus 10 acres of land.” Made to withstand the worst attack the Kremlin could hurl in this direction, the typical decommissioned silos and communication stations make for a relatively easily retrofitted underground refuge. The hole is already dug, and the superstructure is already built. All one needs to do is drop “a couple hundred thousand, depending on your needs,” according to Camden, for upgrades to electrical systems, ventilation and filtration equipment…”
Da “Popular Mechanics” sich an ein technisch interessiertes Publikum wendet, das praktischen Nutzanwendungen naturwissenschaftlicher Logik gegenüber aufgeschlossen ist, kommen im Artikel auch eher esoterische Themen zur Sprache. Deduktives Räsonnement und Problemlösungsbemühungen etwa sind ja Erscheinungsformen menschlicher geistiger Tätigkeit, denen unter Krisenbedingungen nicht mehr das für ein gedeihliches menschliches Zusammenleben erforderliche Mass an Aufmerksamkeit geschenkt wird: “But when something nuclear happens, and it’s inevitable, it’s better than the alternative,” he adds. “Sheltering is only essential for the first couple of days, and most people can hunker down for two or three days until the worst is past.”… McCarthy says the CAT25 is selling like hot cakes in California, and adds that unnameable government entities are snapping them up as well. “The government is buying up all the shelters,”… “I would say about 80 percent of our customers are either lawyers or physicians,” Packer says. “These aren’t survivalists running around in the woods. They’re conservative bunches of people with their eyes open to threats. They understand deductive reasoning, and they’re in the business of solving problems.”
(Übrigens kann ich aus eigener US-Erfahrung berichten, dass man in solchen Kreisen auch kein Problem mit der künstlichen Verknappung des gesellschaftlich akzeptierten Vokabulars und anderen, im Zeitalter der political correctness den freien Fluss der Ideen behindernden semantischen Engpassstellen hat: wenn man auf das N-Wort verzichten muss, bleibt immer noch die Möglichkeit des Rückgriffs auf die eigene sprachschöpferische Kreativität. Die derzeitige Unverfügbarkeit des tradierten Sprachschatzes und seiner klassischen Epitheta lässt sich verschmerzen, wenn sich für den Namen des Präsidenten so attraktive, innovative Synonyme wie Osama, Obambi oder Brocko anbieten.)
Kleiner Programmhinweis für Bäcker, Gärtner und PE:
http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2005/07/31.jhtml
….und sowas brauchen wir für die (Investment)Bankbranche. Die Tüpen gehören alle pasteurisiert, bevor man sie auf die Menschheit loslässt.
@Peter Lehmann
“Sheltering is only essential for the first couple of days, and most people can hunker down for two or three days until the worst is past”
Mein Führer ich kann wieder gehen…
http://www.youtube.com/watch?v=cHcunREYzNY
(Kein Witz, früher hat man den Zugang zu gesellschaftlich wichtigen Berufsgruppen durch Ausbildungsordnungen und Berufsvereinigungen reglementiert. Warum darf eigentlich jeder, der moralisch weit genug verkommen ist, auf dieser Welt Investmentbanker werden?)
Weil das DIE charakterliche Zugangsberechtigung zu gesellschaftlich relevanten Positionen ist.
Siehe Politnutten.