Ein weiterer Krugi-Chart vom Feinsten

by weissgarnix on 16. Juli 2009

Eines muss man dem Krugman ja wirklich lassen: keiner stellt Makro-Zusammenhänge so anschaulich dar wie er. Aus seinem jüngsten Blogeintrag dieser Chart, der das ganze Drama um privates Sparen und staatliche Haushaltsdefizite verdeutlicht; und en passant auch eine Ahnung vermittelt, warum Frau Bundeskanzler mit ihrer Philosophie des “Und jetzt sparen wir alle wieder ganz kräftig” Gefahr läuft, wirtschaftspolitisches Harakiri zu begehen:


Was sehen wir in dieser Grafik? Bei jeder beliebigen Höhe des auf der Abszisse abgetragenen BIPs müssen sektorale Überschüsse und Defizite gleich hoch sein. Das ergibt sich zwingend aus dem Umstand, dass die Gesamtwirtschaft als Kreislauf funktioniert, und des einen Sektors Einkommen gleichzeitig des anderen Sektors Ausgaben sind (hier: privater und öffentlicher Sektor). Wenn also zB der Privatsektor einer Volkswirtschaft einen Nettoüberschuss von 100 erzielt, dann hat zwangsläufig der öffentliche Sektor (oder auch das Ausland, aber das wird hier nicht betrachtet) ein Defizit von 100. “Sektor” meint hier immer “alle”, also zB alle privaten Haushalte und Unternehmen in Summe. Wenn die in toto einen Überschuß der Einnahmen über die Ausgaben erzielen, dann muss dieser bei gegebener Höhe des BIP zwangsweise aus einem anderen Sektor kommen, das geht gar nicht anders. Klar soweit?

OK. Krugi hat jetzt zwei Linien in seinen Chart eingezeichnet, von links unten nach rechts oben die privaten Überschüsse, und von links oben nach rechts unten die Staatsdefizite. Das entspricht einer simplen Logik, die uns hier nicht weiter interessieren muss. Der springende Punkt ist aber: dort, wo sich die beiden Kurven schneiden, liegt das BIP. Erhöhen sich nun die privaten Überschüsse, etwa deshalb, weil die private Sparquote hoch- und die Investitionsnachfrage gleichzeitig zurückgeht, wie Krugman in Anlehnung an Goldman-Ökonom Jan Hazius ausführt, dann verschiebt sich die Kurve der privaten Überschüsse nach oben, und das BIP reduziert sich auf das Niveau des neuen Schnittpunkts weiter links, woraus sich der von Krugman eingezeichnte Rückgang “Great Recession” ergibt. Das, so meint er, entspricht in etwa der heutigen Situation.

Demgegenüber steht der Einbruch, den er als “Great Depression” bezeichnet, und für dessen Verständnis muss man sich die Kurve der staatlichen Defizite aus dem Chart schlicht wegdenken. Warum? Weil es in den 1930-Jahren so gut wie keine Staatsdefizite gab, deshalb. Um den gestiegenen privaten Überschuss, dem kein entsprechendes öffentliches Defizit gegenüberstand, wieder “abzubauen”, musste das BIP daher dramatisch schrumpfen.

Man kann sich anhand der Bewegung dieser beiden Kurven leicht ausmalen, was passiert, wenn nun der Staat auf die glorreiche Idee kommt, zusätzlich zu den Privaten selbst auch zu sparen; etwa weil er die “zukünftigen Generationen” nicht belasten möchte oder aus anderen noblen Motiven. Dann hätte das eine Linksverschiebung der Staatsdefizits-Kurve zur Folge, und einen neuen Schnittpunkt mit der Kurve der privaten Überschüsse ebenfalls weiter links. Oder anders gesagt: einen noch deutlich stärkeren Einbruch des BIPs, als oben von Krugman als “Great Recession” eingezeichnet.

Eigentlich liegen die Dinge also ganz einfach. Für Bundeskanzlerinnen mit Doktor in Physik sollte das leicht nachzuvollziehen sein.

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Feynsinn » Geld ist faul
18. Juli 2009 um 18:01
Geld ist faul, behauptet feynsinn. Arbeitslose sind faul, behauptet wie immer BILD
18. Juli 2009 um 20:50

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1 Volkswirt 16. Juli 2009 um 11:22

Vielleicht sollten Sie präzisieren, daß hier Strom- und keine Bestandsgrößen gemeint sind. M.a.W.: auch der Schuldenabbau der Privaten ist hier als Überschuß zu verstehen. Nur um Mißverständnissen vorzubeugen.
Gruß, Volkswirt

2 HAM 16. Juli 2009 um 11:23

Krugman ist Mitglied der G 30.

„Die Group of Thirty wurde 1978 von Geoffrey Bell auf Initiative der Rockefeller-Stiftung gegründet,[1] die auch die ersten Mittel für das Gremium bereitstellte. Der erste Vorsitzende wurde Johan Witteveen, der ehemalige Präsident des Internationalen Währungsfonds.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Group_of_Thirty

Was liegt näher als der Rückschluss, als dass Krugman DER Verkäufer der Politik von Obama im Interesse der Wall Street ist?

3 lemming 16. Juli 2009 um 11:43

@wgnx
Wenn die in toto einen Überschuß der Einnahmen über die Ausgaben erzielen, dann muss dieser bei gegebener Höhe des BIP zwangsweise aus einem anderen Sektor kommen, das geht gar nicht anders. Klar soweit?
Yep. Aber:
für dessen Verständnis muss man sich die Kurve der staatlichen Defizite aus dem Chart schlicht wegdenken. Warum? Weil es in den 1930-Jahren so gut wie keine Staatsdefizite gab
Und welcher Sektor hat sich dann statt des Staates verschuldet?

Irgendwie ist die ganze Konstruktion unlogisch:
Wie würde ich den Schnittpunkt dieser Geraden möglichst weit nach rechts kriegen?
Private sector surplus minimieren (“entsparen”), Gerade wandert nach unten, Public sector deficit maximieren, Schnittpunkt wandert nach unten rechts.
Haut nicht hin, oder?

4 weissgarnix 16. Juli 2009 um 11:59

@Volkswirt

Schon klar, aber wir wollen ja hier keine Seminararbeit schreiben. Keep it simple.

5 weissgarnix 16. Juli 2009 um 12:04

@lemming

Gemeint ist, dass sich das BIP in Ermangelung eines Defizit-Sektors entsprechend brutal reduzieren mußte. Wenn die Privaten partout sparen wollen, aber keiner bereit ist, sich im entsprechenden Ausmass zu verschulden (aka “investieren”), und auch kein Staat da ist, der mit der gesparten Kohle Defizite (= öffentlichen Konsum) finanziert, tja: dann bleibt dem BIP nur der Gang nach dem Süden.

6 georgi 16. Juli 2009 um 12:28

@wgnx:

Tut mir leid; bin zu doof; verstehe das alles nicht. Angela
Merkel, Oskar Lafontaine, Jens Seipersbusch und alle
anderen politisch aktiven Physikern geht es wohl genau so.

1.
Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang, bzw. sogar einen
linearen Zusammenhang zwischen privaten und
staatlichen Überschüssen und dem BIP? Schau mich mal
an! Ich bin 1.89cm groß und habe Schuhgröße 45. Aus diesen beiden Angaben kann man keinen funktionalen
Zusammenhang ableiten. Das geht erst, wenn mir mehrere
Wertepaare zur Verfügung stehen. Die kann ich als Punkte
in ein cartesisches Koordinatensystem eintragen und mit
geraden Linien verbinden.

2.
Es seien
S…staatliche Überschüsse,
P…private Überschüsse

(1) BIP = S + P (ist das so?)


Wenn also zB der Privatsektor einer Volkswirtschaft einen Nettoüberschuss von 100 erzielt, dann hat zwangsläufig der öffentliche Sektor (oder auch das Ausland, aber das wird hier nicht betrachtet) ein Defizit von 100

d.h.
(2) 0 = S + P

————————— (2) in (1) einsetzen:
BIP = 0

?????????????????

7 Volkswirt 16. Juli 2009 um 12:47

@ Weissgarnix
Nichts läge mir ferner als das…
Nur wird der normale Schuldenphobiker nicht kapieren, warum die Privaten Überschüsse erziehlen, wo sie doch so tief im Schuldensumpf stecken… !
Gruß, Volkswirt

8 HAM 16. Juli 2009 um 13:22

Was sagt BIP-Wachstum über die Qualität einer Volkswirtschaft aus?

Nothing.

Es ist nur ein Maß für Wirtschaftsaktivität.
Realökonomie, Kasiono oder Hamsterrad – alles BIP.

9 wiesengrund 16. Juli 2009 um 13:35

@georgi

der Zusammenhang zwischen BIP und den Finanzierungssalden der volkswirtschaftlichen Sektoren (Private, Staat) ist nicht empirisch abgeleitet, sondern ergibt sich deduktiv aus der Logik des Systems.

Das Problem deiner Gleichungen: Du vermischst Strom- und Bestandsgrößen. Das BIP ist eine Bestandsgröße, während die Finanzierungssalden Stromgrößen sind. Allein deshalb darfst du das nicht gleichsetzen. Man müsste also eher mit Wachstum verstanden als Veränderungsrate des BIP argumentieren. Aber auch hier darfst Du nicht direkt mit den Finanzierungssalden argumentieren, denn die zeigen die ja nur, was zwischen den Sektoren passiert.

Die Gleichung für das BIP in einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne Außenhandel lautet

BIP= C (Konsum) + I (Investitionen) + G (Staatsausgaben)

Wenn also C oder I oder G kleiner werden, sinkt auch das BIP.

Wenn Du in einer geschlossenen Volkswirtschaft die Finanzierungssalden aufaddierst, kommst Du definitionsgemäß immer auf die Null, denn es verschwindet ja nichts. Wachstum entsteht, wenn Transaktionen getätigt und finanziert werden. Wenn die Privaten das nicht mehr tun und keiner an ihrer Stelle tritt, dann herrscht Stillstand. Das ist der Punkt.

10 BB 16. Juli 2009 um 13:53

Klasse Gleichgewichtsmodell! Wenn ich auf dem Seil tanze, befinde ich mich solange im Gleichgewicht, wie ich nicht herunterfalle.

11 hacedeca 16. Juli 2009 um 14:00

Nur ist Amerika keine Volkswirtschaft, sondern in die Welt eingebunden!

Und die Krise speist sich von Anfang an aus 2 Quellen des Bösen, von denen keine bisher versiegt ist. Diese wären der Krieg und das Außenhandelsdefizit.

Um den Krieg weiter mit ausländischem Kapital zu finanzieren (ihn selbst finanzieren können und wollen die Amis nämlich nicht) muss der Dollar stark sein, da sonst ausländische Kapitalgeber vor amerikanischen Schuldverschreibungen zurückschrecken. Und der Krieg ist sehr teuer!

Um das Außenhandelsdefizit abzubauen, ja besser umzukehren, muss der Dollar dagegen schwach sein, um Importe nach Amerika zu benachteiligen und gleichermaßen amerikanische Exporte zu befördern.

Da der Krieg weiter läuft, finanziert werden muss, viel Geld kostet und noch immer nicht gewonnen wird, kann das Außenhandelsdefizit nicht abgebaut werden – die Ursachen der Krise bestehen also unvermindert fort, ja die Lage wird Tag für Tag schlimmer.

Wenn nun, wie Krugman meint, mehr Geld ausgegeben werden soll, werden wegen des übergroßen Angebotes an amerikanischen Schulden die Zinsen auf Schuldverschreibungen übermäßig steigen müssen – man wird Schwierigkeiten bekommen, mit dieser Zinslast den Krieg zu finanzieren (und mehr Amerikaner werden ihre prime!-Hypotheken nicht bedienen können) . Und steigende Zinsen bedeuten dann natürlich einen steigenden Dollar (erstmal). D.h., dass die Chancen sinken, dass Amerika sich eine leistungsfähige Industrie aufbaut und also jemals sein Außenhandelsdefizit wird abbauen und seine Schulden wird bezahlen können.

Krugmans Ideen werden die Krise also verschärfen, die benannten Quellen der Krise noch kräftiger sprudeln lassen!

Und es wird dann sehr böse enden!

Krugman ist also ein Brandstifter!

Amerika aber braucht, um aus der Bredouille zu kommen, keine Ökonomen, sondern einen Wüstenfuchs, oder besser noch einen Präsidenten der einen Schlußstrich zieht und die Truppen heim holt.

12 goodnight 16. Juli 2009 um 14:21

Yep… ist das hier die VWLer Version von Bullshit-Bingo ?

Nope? O.K. Um was gehts? Um:

“Wenn keiner konsumiert bzw. investiert, dann gibts kein Wachstum”?

….Yep…das ist der Wahnsinn, sowaaas von Neu, ich bin ganz geplättet….yep……..nope….whatever…endlich können wir mal über Bestand- und Stromgrößen reflextieren….

“Mathematics… mathematics is never going to lead you to higher truth and you know why? Because it’s boring!”
Charles (a beautiful mind)

13 georgi 16. Juli 2009 um 14:32

#9 (wiesengrund):

Tut mir leid; immer noch nichts begriffen; bringe die Größen
BIP, C, I, G nicht mit Krugis Achsenkreuz zusammen.
Was ist denn da abgetragen?

zu den Begriffen:
Angenommen, ich würde mir für 15 EUR vom Friseur die
Haare schneiden lassen. Dann würde ich 15 EUR ausgeben,
der Finanzierungssaldo also sich bei mir um 15 EUR
verringern. Beim Friseur würde sich der Finanzierungssaldo
um 15 EUR vergrößern. Die gesamtgesellschaftliche
Zunahme der Finanzierungssalden ergäbe 0. Das wären
die Stromgrößen. zu den Bestandsgrößen würden nur
die Einnahmen oder nur die Ausgaben addiert. In unserem
Falle würden 15 EUR unter C registriert. Richtig?

@goodnight
“Mathematics… mathematics is never going to lead you to higher truth and you know why? Because it’s boring!”

Das sehen Angela Merkel, Oskar Lafontaine und
Jens Seipensbusch sicher anders. Die Physik hätte
garantiert seit Kepler und Galilei ohne die Mathematik
nicht die bekannten Fortschritte gemacht. Im
Unterschied zu den Physikern haben VWL-Spezis keine
wirkliche Ahnung vom Gebrauch der Mathematik. Deshalb
sind deren Abhandlungen auch so nutzlos.

14 Lorenz Kleist 16. Juli 2009 um 14:33

@wiesengrund
Zwar kapiere ich gerade auch nicht, welche bedeutende Einsicht hier vermittelt wird, aber es werden zumindest nicht Strom- und Bestandsgrößen vermischt, da das BIP – da es pro Jahr definiert ist – auch eine Stromgröße ist. Das ergibt sich ja auch aus Deiner Gleichung

BIP= C (Konsum) + I (Investitionen) + G (Staatsausgaben)

deren rechte Seite aus der Summe dreier Stromgrößen besteht.

15 Lorenz Kleist 16. Juli 2009 um 14:51

Eine Bestandsgröße wäre z.B. das aus den Investitionen entstandene und nicht abgeschriebene produktive Kapital, sozusagen das Volksvermögen.

Vermögen (z.b. Kapital, Wertpapiere, Schulden) ist immer Bestandsgröße (und fliesst als solches nicht in die periodenbezogene Kreislaufrechung der VGR ein). Wenn man das Ausland mal weglässt, dann lässt sich, wie es ja auch die Klassiker mit der Identität S=I festhalten, volkswirtschaftlich nur sparen, indem das Vermögen durch (reale) Investitionen erhöht wird. Die Kunst ist dabei natürlich, die “richtigen” Investitionen zu tätigen. Welche das sind, hängt natürlich zum einen von der gesellschaftliche Bewertung der einzelnen Assets als auch – bei übereinstimmender Bewertung – von Zukunftsprognosen ab (peak oil, Bevölkerungsentwicklung, technischer Wandel …).

Da ein hohes BIP auch erreicht werden kann, indem man z.B. Produktivvermögen und Umwelt zerstört und dann wieder aufbaut, ist das BIP per se selbstredend noch kein geeigneter Wohlstandsindikator, da es ja ohne weiteres noch keine Rückschlüsse auf die Vermögenssituation zulässt.

16 goodnight 16. Juli 2009 um 14:55

@georgi

Yep…es ist eigentlich ganz einfach…wenn man the missing link einführt: die bank
Also, wenn der Staat sein ganzes Geld zu den Banken transferiert und daher jetzt sparen muss….und die privathaushalte wegen gegenwärtiger bzw. zukünftiger Arbeitslosigkeit auch sparen…und ihr Geld auf dem Konto horten…yep, wo ist dann all das Geld hin? Yep, bei den Banken.
Die Frage aller Fragen ist nun: Was machen die Banken mit dem Geld? Geben die das als Kredite an Unternehmen und führen so zu Investitionen? Yep, dann wäre die Welt wieder im Gleichgewicht, im Strom…oder wie wir Cityboys sagen: in the flow…und das Wachstum wird erschaffen…obwohl ja Wachstum auch kein Gleichgewicht…aber lassen wir diese blinden Flecke mal weg.
Whatever, das Problem ist, dass die Banken das Geld nicht weitergeben, also zurück in den Kreislauf….und nur so macht Krugmanns Mega-Grafik-Modell Sinn….wenigstens für mich..aber wahrscheinlich ist das alles viel komplizierter und so…aber ich bin ja auch nur BWLer… die zwei mathescheine …yep, da habe ich mich durchgemogelt…

“The main thing about money, Bud, is that it makes you do things you don’t want to do.”
Lou (wall strett)

17 Lorenz Kleist 16. Juli 2009 um 15:07

@georgi
Das BIP lässt sich berechnen
1) durch die Summe aller Ausgaben
2) duch die Summer aller Einkommen

die definitionsgemäss (Kreislauf!) gleich sind. Spaltet man die Gesamtausgaben und -einnahmen in den privaten Sektor und den öffentlichen Sektor auf, dann gilt:

Surplus (privat) = Einkommen (privat) – Ausgaben (privat)
Surplus (öffentlich) = Einkommen (öffentlich) – Ausgaben (öffentlich)

Surplus (privat) + Surplus (öffentlich) = Gesamteinkommen wie Gesamtausgaben = 0
oder
Surplus (privat) = – Surplus (öffentlich) (=Deficit (öffentlich))

Das sagt über die Höhe des BIP noch gar nichts aus. Darum schreibt weissgarnix ja auch
“Bei jeder beliebigen Höhe(!) des auf der Abszisse abgetragenen BIPs müssen sektorale Überschüsse und Defizite gleich hoch sein”

18 Lorenz Kleist 16. Juli 2009 um 15:09

Sorry, sollte heissen

Surplus (privat) + Surplus (öffentlich) = Gesamteinkommen -Gesamtausgaben = 0
(und nicht “wie”, weiss nicht wie das da hineingeraten ist :-( )

19 Logik-Ratio 16. Juli 2009 um 15:16

Was ich in dieser Diskussion immer vermisse – über welche Ausgaben und Investitionen reden wir? Ich meine REALWIRTSCHAFTLICH?!

Wenn der Staat das Geld nimmt um einen weiteren Krieg zu finanzieren – supper – zwar sind die Leute nicht arbeitslos (subjektiv) schaden dafür aber aktiv der Gesellschaft (objektiv).

Sicherlich ist die VWL eine Kreislaufwirtschaft – des einen Ausgaben sind immer des anderen Einnahmen. Eben genau das Unterscheided ja auch eine volskwirtschaftliche Betrachtung von einer betriebswirtschaftlichen.

Aber auf welchem technologischen Niveau wir uns bewegen wird mit keinem Satz erwähnt. Auch im Mittelalter, in der Steinzeit usw. usf. gabe es diesen “Kreislauf”.

Die Frage ist doch mit welchen Methoden und Priznipien wir wirtschaften. Und hier sind die “Wahrheiten” doch relativ einfach – wenn ein Mensch arbeitslos zu Hause sitzt und keine Arbeit findet nutzt er der Gesellschaft nicht – warum ihm keinen nützlichen Job geben, notfalls auf Staatspump?

Wenn die Betriebe massenweise Leute entlassen und ihre Kapazitäten nicht auslasten, wieso dann nicht die öffentliche Infrastruktur aufpeppeln und öffentlich investieren? (Was später dann wieder private Investitionen nach sich zieht?)

Warum nicht die Ausgaben für Bildung und Forschung erhöhen? (Welches im Idealfall den Fortschritt beschleunigt)

Aber neben sinnvollen Investitionen gibt es auch unsinnige Arten Gelder zu verwenden (und hier ist der Staat auch ganz hervorragend) – z.B. Kriege führen, es Bankstern in den Rachen zu werfen, damit diese ihr auspersonal halten können / günstig neue Immobilien erwerben können….. uvm.

Bei diesem fragwürdigen Schaubildern werden diese viel wichtigeren Themen nie diskutiert.

HAM hat da vollkommen Recht, was sagt uns das BIP überhaupt noch aus? Wie massiv wird es manipuiert, gibt es den technologischen Stand wieder, beschreibt es strukturelle Probleme oder Veränderungen anderer wichtiger Parameter, oder beschreibt es gar die Nachhaltigkeit der Entwicklung?

20 Victor 16. Juli 2009 um 15:17

Also schön , die Einkommen(durch Arbeitsplatzabbau, Kapazitätsreduktion) reduzieren sich sich solange, bis die Ersparnisse (wegen weniger Einkommen) den Investitionen entsprechen.
Aber ist denn der umgekehrte Weg, EZB druckt Geld und verteilt für 2 Jahre Konsumgutscheine eine Lösung des Problems?
Oder sollte nur dargestellt werden, dass die Regierung nicht leichtfertig ein einmal erreichtes Wohlstandsniveau verspielen sollte?

21 Logik-Ratio 16. Juli 2009 um 15:27

@georgi

Da kann ich Dir nur zustimmen. Die Mathematik sagt nur 2 + 2 = 4, Sie sagt Dir aber nicht, ob es in Wirklichkeit 2 Äpfel und 2 Birnen sind, die man gerade addiert hat…..

D.h. die meisten Modelle sind einfach nur Bullshit weil die Grundannahmen nicht stimmen. Die Ursache hierfür liegt eben in der Schwierigkeit Aussagen zu falsifizieren / verifizieren.

Zudem ist die VWL auch für die Politik höchst heikel – siehe z.B. die Auswirkungen der Thesen von Marx oder Keynes etc. Daher werden viele Lehrstühle auch mit Professoren besetzt, deren Meinung genehm ist – forschende Makroökonomen sind meistens die Angenehmsten, denken Sie doch selten in Zusammenhängen und rechnen tolle Ergebnisse aus, die praktisch vollkommen unbrauchbar sind.

@ goodnight

wieso sollten die Banken auch Kredite vergeben? Die Auftragslage ist mies, die meisten Haushalte sind überschuldet und ebenfalls die Firmen. Einzig Umschuldungen machen hier noch sinn, wenn die Banken eigene Kredite umschulden. Aber bereits falls das Unternehmen mehrere Kreditgeber hat, wird es schwierig.

Real betrachtet sind viele Firmen und Privathaushalte überschuldet. Entweder man entwertet die Währung um das Überschuldungsproblem zu lösen (mit den Problemen für die Kriegs- und Defizitfinanzierung) oder man stellt sich auf massenweise Insolvenzen ein. Ein ist doch sicher, um das System zu retten müssten wir wieder Höchststände erreichen und diese kontinuierlich und jahrelang überschreiten. Dafür bräuchten wir wieder “dumme Landesbanken” zur Finanzierung usw. usf.

No way.

22 goodnight 16. Juli 2009 um 15:28

Krugman schreibt doch:

“What we’re actually having is awful, but not that awful — and it’s all because of the rise in deficits. Deficits, in other words, saved the world.”

D.H.: Der Staat verschuldet sich….um zu invstieren….yep, und wo investiert er zunächst einmal? In die Banken. und das macht Frau Merkel auch….d.h. wir haben in Deutscheland schon sowas von public deficit spending gemacht, yep, da frage ich mich doch, was WGN jetzt der Dame noch vorwirft? Der Adressat sind die banken, nicht der Staat….

“Are you a businessman? Or are you a news man?”
Lowell (the insider)

23 Lorenz Kleist 16. Juli 2009 um 15:30

Ich habe etwas gebraucht, bis ich kapiert habe, dass die Public Deficit-Kurve im Diagramm fällt, da das Defizit geringer wird je höher die Steuereinnahmen aufgrund des gestiegenen BIP sind. Da man jetzt also bei den privaten die Surpluskurve aufgetragen hat und beim Staat die Defizitkurve (=-surplus), kann man nun beides zum Schnittpunkt bringen.

Verwirrend kommt noch hinzu, dass die Tatsache, dass der Schnittpunkt in der Ausgangsposition der public surplus-Kurve genau auf der x-Achse liegt, reiner Zufall ist (und einen ausgeglichenen Staatshaushalt bedeutet).

In den 1930ern kann man “sich die Kurve der staatlichen Defizite aus dem Chart schlicht wegdenken”, das sie so mikroskopisch nahe der x-Achse verlaufen ist (kleiner Staatssektor), dass ihr Schnittpunkt mit der private surplus-Kurve praktisch an derselben Stelle ist wie der Schnittpunkt der public surplus-Kurve mit der x-Achse.

24 goodnight 16. Juli 2009 um 15:37

@logio-ratio

“wieso sollten die Banken auch Kredite vergeben? Die Auftragslage ist mies, die meisten Haushalte sind überschuldet und ebenfalls die Firmen”

=>Nope…also, haben wir da etwa nachgefragt, nach Schufa und Schuldenstand und so, damals, als wir den Banken mehre 100 Mrd. Steuergelder in den Rachen geworfen haben? Nope, also, und die Bundesbürger und die deutschen Unternehmen sind für den Konsum bzw. Investition mindestens so systemrelevant wie die Banken….Wirtschaft funktioniert nur als Gleichgewichtsmodell bzw. als Abfolge von Zahlungen….sobald einer das unterbricht ist alles gone, d.h. es muss in the flow sein…und d.h. die Banken müssen für genügend flow sorgen…was immer an Risiko die auch eingehen….die haben unser Geld, nicht für ihre Boni, sondern damit das in den Kreislauf fließt. Punkt.

“Nowhere else have I seen such lions led by such lambs.”
Stephen (lions for lambs)

25 Logik-Ratio 16. Juli 2009 um 15:38

@goodnight

das war eig. keine Schuldenerhöhung sondern nur eine Umschuldung – von Banken auf den Staat/EZB.

Nur über die Gehäler der Bankster gelangt dieses Geld in den Umlauf, ansosnten wurde nur der Status quo gesichert, aber nicht neu investiert.

Die Abwrackprämie bzw. das Konjunkturprogramm sind andere Punkte, aber sie können nicht den Wegfall der meisten internationalen Kunden kompensieren. Trotzdem boomen die Autofirmen, wegen der Maßnahme – es ist also möglich die Wirtschaft durch staatstätigkeit zu stimulieren. Die Frage ist nur wie, wieviel und mit welchem Ziel?

26 lemming 16. Juli 2009 um 15:41

@LorenzKleist
Ich habe etwas gebraucht, bis ich kapiert habe, dass die Public Deficit-Kurve im Diagramm fällt, da das Defizit geringer wird je höher die Steuereinnahmen aufgrund des gestiegenen BIP sind.
Ich glaube, so ist das nicht gemeint: Die PD-Kurve “fällt” nicht, denn die ganze Grafik hat keine Zeitachse. Sie stellt nur private Ersparnis und öffentliches Defizit so in Zusammenhang, dass sich immer am Schnittpunkt das BIP ergibt, also je niedriger die privaten Ersparnisse und je höher das Deficit – desto größer das BIP (Schnittpunkt weiter rechts.), und eben umgekehrt. Kurz: wir müssen nur alles verballern, nix mehr sparen, der Staat sich verschulden bis zum getno, dann haben wir ein maximales BIP. Nur ist das wohl Quatsch, weil die Staatsdefizite sich zu großen Teilen gerade aus der privaten Ersparnis bilden (Bonds, Staatsanleihen), d.h. je höher die Staatsverschuldung, desto höher auch die private Ersparnis und damit wäre dann die schöne Logik blockiert.

27 Logik-Ratio 16. Juli 2009 um 15:45

@goodnight

ich möchte Dir doch gar nicht per se widersprechen, aber ich möchte aufzeigen wohin ein solches Verhalten seitens der Banken führen würde, zumindest m.E. nach.

Die Banken würden damit das Problem nur heruasschieben. Die Kredite an die Firmen und Privatpersonen (dt. Banken) würden sicherlich helfen den aktuellen Zustand noch einige Zeit aufrecht zu erhalten. Aber auch Kredite müssen zurückgezahlt werden und es werden Zinsen fällig.

Vielleicht steigt der inländische Konsum wieder an, und vielleicht entlassen die Unternehmen weniger Menschen, aber ohne die Exportnachfrage wird das ein Strohfeuer sein und dann brauchen die Banken wieder neues Geld und sollen wieder neue Kredite vergeben, nur dieses mal noch höher.

Oder sollen wir anfagen wie in den USA zu wirtschaften? Wir nehmen alle Kredite aus und gehen shoppen und verschwenden keinen Gedanken an ein Morgen?

Die Welt wirtschaftet global und damit Deutschland produzieren kann braucht es einen solventen Abnehmer. Das ist das Problem. Egal wo man hinschaut sieht man entweder involvente Käufer (mit Strukturproblemen) oder ebenfalls Arbeitslose Exportländer.

Die Banken können dieses Strukturproblem nicht lösen und schaffen auch keine Massenkaufkraft. Es sei denn Sie akzeptieren meine rein auf Pump finanzierte Wohnung als Sicherheit (und nur die) und geben mir jedes Jahr 20.000 € gratis weg. Steigerungen des Hauswertes. Dann haben wir Masseneinkommen und einen explodierenden Konsum. Aber dann kann mit die EZB auch gleich 20.000 € überweisen, denn diese werden Sie eh nie wieder sehen…….

28 Lorenz Kleist 16. Juli 2009 um 15:48

@ Logik-Ratio:
Du schreibst:
“Aber neben sinnvollen Investitionen gibt es auch unsinnige Arten Gelder zu verwenden (und hier ist der Staat auch ganz hervorragend) – z.B. Kriege führen, es Bankstern in den Rachen zu werfen, damit diese ihr auspersonal halten können / günstig neue Immobilien erwerben können….. uvm.”

Wenn der Staat den Banken Geld gibt und diese dies dann nicht zu investiven Zwecken ausleihen, sondern einfach für ihre laufenden Ausgaben verwenden (die dann höchstens indirekt über gegenüber dem Vergleichsfall höhere Konsumausgaben der Mitarbeiterzu höheren Invsetitionen führen könnten), dann erhöht sich einfach der privat surplus in der Höhe in der sich der sich auch das public deficit erhöht. Es wird also gar nicht investiert. Tatsächlich biete der Staat einfach nur Sparmöglichkeiten an (in Staatspapieren).

Dass dies weder eine langfristige Problemlösung (wenn es denn ein langfristiges Problem geben sollte) darstellt und auch von der Verteilungswirkung umstritten ist, da gebe ich dir völlig recht.

Besser wäre es, wie es Willem Buiter vorschlägt, dass Defizit der der Bankaktionäre (und -Mitarbeiter) zu erhöhen (Abschreibung der schlechten Kredite) und stattdessen den surplus von “ehrlichen Arbeitern” :-) durch Investitionen in Bildung, Gesundheit und neue Technologien/Infrastruktur zu erhöhen. Wieder stimme ich Dir zu. Dabei wird dann auch gleichzeitig das Volksvermögen erhöht.

Das politische Problem scheint mir, dass das Abschreiben von schlechten Krediten und damit auch von schlechten Guthaben, auch aufgrund des Dominoeffektes, sowohl politisch als auch ganz praktisch schwierig ist, ohne die gesellschaftliche und institutionelle Stabilität zu riskieren.

In einer system-dynamischen Betrachtung wären wir dann bei der Problematik der Pfadabhängigkeit und des “lock-in”, die in einer reinen Gleichgewichtsbetrachtung wie im Diagramm natürlich nicht ersichtlich ist. Die Zukunft des Systems (unserer Gesellschaft) könnte einen ganz anderen, evtl.unerfreulichen Weg einschlagen. Aber da kann nun jeder, gemäß der Chaostheorie, selbst zu beitragen, dass das nicht so geschieht. Der Mensch kann ja schliesslich aus freiem Willen handeln… oder etwa nicht?

29 Lorenz Kleist 16. Juli 2009 um 16:00

@lemming.
Neinnein, ich habe bei Krugman nachgelesen. Die Public Deficit-Kurve “fällt” als Funktion des BIP, also Public Deficit = f(BIP). Ich meinte keineswegs, dass sie eine Funktion der Zeit ist. Auch ist die Lage der Public deficit-Kurve, anders als Du schreibst, unabhängig von der Private Surplus-Kurve.

Wie gesagt, die Höhe des BIP ergibt sich allen aus dem Schnittpunkt der Linien, wie auch immer sie in Wirklichkeit aussehen (es sind wohl kaum Geraden).

Zum Schluss schreibst du:
“Nur ist das wohl Quatsch, weil die Staatsdefizite sich zu großen Teilen gerade aus der privaten Ersparnis bilden (Bonds, Staatsanleihen), d.h. je höher die Staatsverschuldung, desto höher auch die private Ersparnis und damit wäre dann die schöne Logik blockiert.”

Das ist ja gerade der Witz, der Staat ermöglicht die gewünschte Ersparnis der Privaten zu einem höheren BIP-Level, als dies ohne Staat möglich wäre. Aber da dies eine reine Gleichgewichtsbetrachtung ist, ist sie ziemlich abstrakt. Wie die Transmissionsmechanismen im Detail aussehen, ist mir im Moment nicht klar.

30 goodnight 16. Juli 2009 um 16:02

@Logik-ratio

“Die Banken würden damit das Problem nur heruasschieben.”

=>YEP! Natürlich würden die das. Hey, das ist Kapitalismus…das ist doch der Witz, es geht um den Flow, die Zahlung/NichtZahlung, um das spinning the wheel, um das “Weiter so”. Yep. Und was glaubst Du, was diese Keynesianer-Boys ala krugman und WGN mit ihren Modellen erreichen? Na? Ein Herausschieben des Problems….nur das der Staat…also wir…dafür zahlt…und ob wir als Deutscheland als Schuldner sicherer sind als der einzelne Unternehmer..whatever…die Abwrackprämie schiebt das Problem der Autodindustrie nur weiterhinaus..etc. Nope, das ändert nix. letztlich muss man die Sache im flow lassen, d.h. man kann nur wählen, wem man die Steuerung überläßt…. WGN will den Staat, andere den Markt.
Whatever, die Banken sollten uns nicht völlig behoppsen können…und das machen die gerade….und diese Keynesianer helfen lustig dabei mit, indem sie immer nur nach dem Staat rufen…yep, die sehen die große Chance des Staat, mal richtig Macht zu übernehmen…und vergessen dabei, das macht immer auch Verantwortung und damit Risiko ist.

“Eventually I would appreciate an escape plan. Nothing lasts forever.”
Robert (breach)

31 Logik-Ratio 16. Juli 2009 um 16:12

@Lorenz-Kleist

Deine Ausführungen sind sehr interessant. Vor allem die Punkte bezüglich Lock-in und Pfadabhängigkeit.

Kurz zusammengefasst: Wir müssen uns für die Rettung der Banken entscheiden, weil wir in der Vergangenheit bereits Entscheidungen getroffen haben, die uns auf diesen “Weg” verpflichten?

Ich gebe Dir in Bezug auf die Bankenrettung sogar recht – das System wäre schlagartig zusammengebrochen – auf einen Schlag wäre unsere komplette Art zu wirtschaften kollabiert und viele Betriebe, egal ob Wettbewerbsfähig oder nicht hätten ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen können, weil ihr Konten dicht gewesen wären….
Die Fehler die zu dieser Krise geführt haben liegen in der Vergangenheit und die Entscheidung zur Rettung ist dadurch bedingt.

ABER d.h. nicht, dass wir auch die Strukturen erhalten müssen bzw. einen Schritt weiter wird die Frage aufgeworfen ob die Strukturen überhaupt zu halten sind. Ich meine hier vor allem die FK Quote der Unternehmen.

Es gibt eig. 2 Möglichkeiten, entweder die Kredite auf ein vernünftiges Maß abzuschreiben, dann sind auch alle Sparguthaben nur noch einen Bruchteil wert, oder unsere Währung zu inflationieren, über Jahre sehr niedrige Zinsen festzusetzen um das Problem langfristig in den Griff zu bekommen.

D.h. aber auch das die Exzesse der Finanzbranche gestoppt werden müssen. Angefangen bei den Boni usw. usf.

Wir haben hier sehr wohl eine Wahl – wir könnten sogar die Bankster ins Gefängnis stecken, von schlimmeren abgesehen. Es ist vieles Möglich, nur hat jede Handlung auch eine Konsequenz und in diesem Fall ist es eine schlichte und einfache – wo sollen die ganzen Menschen produktive Arbeit finden? In welcher Branche?

Wenn wir die Herrschaft des Finanzsektors beenden bricht auch unser auf Arbeit und Vollbeschäftigung ausgelegtes Gesellschaftssystem zusammen. In der Landwirtschaft wurden seit 60 Jahren ca 90% der Arbeiter entlassen und wir haben immer noch genügend zu essen – es reicht sogar für den Tank. (Bei wachsender Bevölkerung)

Aber ohne Arbeit kein Einkommen, ohne Einkommen kein Konsum, ohne Konsum keine Arbeit….. Die Finanzbranche hingegen kann Arbeit genereieren, für Millionen von Menschen. Man braucht nur einen PC, einen Bildschirm ein wenig “Börsensoftware” und Billionen die getradet werden. Dann sieht das ganze nicht nach Hartz IV aus sondern nach “Harte Arbeit” für “Große Boni”.

Ob am Ende, irgendwo durch die Arbeit etwas verssert oder produziert wurde, ob sie vielleicht nicht sogar der gesellschaft geschadet hat……egal, die Massen haben ihre Illusion der Arbeit.

Das ist das Problem und auch hier kann der Staat nur die Symptome kaschieren und die Verschuldung des Geldsystem immer weiter in die höhe treiben, denn eines ist klar, die meisten Menschen haben keinen Wert mehr anzubieten, der einen Gegenwert zu ihrem Konsum darstellt, weil unsere Gesellschaft ihre Arbeitskraft nicht mehr braucht um alle zu versorgen.

32 undertaker 16. Juli 2009 um 16:12

Sorry, bin noch nicht dazu gekommen, die anderen Kommentare hier zu lesen. Trotzdem schon vorweg ganz kurz mein Senf zum Krugi Artikel:

“Deficits, in other words, saved the world.”

For the time being…, bin ich geneigt hinzuzufügen.
Die Staatsdefizitsnummer zieht ja nur deshalb, weil das Risiko des Staatsbankrotts von den Sparern deutlich geringer eingeschätzt wird als die Ausfallrisiken privater Investoren. Inwieweit die subjektiven Risiken den tatsächlichen entsprechen sei dahingestellt. Jedenfalls wird es nur aufgrund der steigenden Spreads bei den Risikoprämien in Krisenzeiten wohlfahrtstechnisch sinnvoll, die effektive Nachfrage zu stützen, indem private Verschuldung durch öffentliche ersetzt wird. Wenn der Output jedoch nicht in erhofftem Maße stabilisiert werden kann, damit die Steuereinnahmen sinken, aus dem der Staat seine Schulden bezahlen kann und letztlich auch seine Kreditwürdigkeit leidet, ja dann sind wir nicht mehr so weit vom endgültigen Game Over entfernt. Soll jetzt kein Plädoyer gegen steigende Staatsverschuldung sein. Das Thema sehe ich ähnlich wie Krugi: Die USA sollten sogar noch mehr tun, von Deutschland ganz zu schweigen. Es ist schlicht eine Beschreibung der Faktenlage und meiner Meinung nach wird das weltweite Währungssystem zu 75% in den nächsten 30 und unausweichlich innerhalb der nächsten 50 Jahre zusammenbrechen. Was nach historischen Standards übrigens nicht einmal ungewöhnlich wäre. Und mit dieser Meinung gilt man heutzutage schon lange nicht mehr als Spinner, sondern befindet sich in guter Gesellschaft mit einigen der besten Fondsmanager der Welt:

http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601109&sid=ajsCDAWaoANg

33 weissgarnix 16. Juli 2009 um 16:20

@Goodnight

>Whatever, die Banken sollten uns nicht völlig behoppsen können…und das machen die gerade….und diese Keynesianer helfen lustig dabei mit, indem sie immer nur nach dem Staat rufen…

Hat ja Luhmann auch sehr schön beschrieben in “Wirtschaft der Gesellschaft”: “Dies ist dann die Situation, in der die Wirtschaft, wenn sie mit sich selbst nicht mehr zurecht kommt, an die Politik appelliert. Denn ein Versuch, Selbstreferenz durch Selbstreferenz zu enttautologisieren, muß scheitern. Man hängt sich an eine externe Instanz, deren Eingreifen die Autopoiesis des Wirtschaftssystems nicht aufhebt, sondern garantiert.”

Luhmann war halt in Wahrheit auch ein verkappter Keynesianer – nur haben das seine Fans bis heute nicht gerafft.

34 Logik-Ratio 16. Juli 2009 um 16:22

@goodnight

Aber welche Bubble verkaufen wir der breiten Bevölkerung dieses mal als “Heilsbringer”?

Die privaten Immobilien – hatten wir schon.
Internetfirmen – hatten wir auch schon.
Web 2.0 ? Siehe die Probleme von allen Netzwerken an Gelder einzuspielen…

Gentechnik?

Wir brauchen eine einfache Storry, welche der normale Bürger glaubt und die ganzen Ökonomen nachplappern. So wie noch vor einigen Monaten. Allerdings muss das in einem unproduktiven, virtuellen Sektor geschehen.

Die Blase muss gewaltiger sein als die von 2001 und die von 2007 und es wird wahrscheinlich noch schneller gehen bis Sie platzt. Ist es da nicht fast schon einfacher ein Grundeinkommen einzuführen und vielleicht ein gewaltiges Konjunkturpaket auf den Weg zu bringen, z.B. Desertec, Autobahnen, Windkraft, Solar, Forschung, Bildung ka. ?

Außerdem wer vertraut heute noch seiner Bank? Oder Goldman & Co? Dazu noch die rasanten Fortschritte in den Schlüsselindustrien – d.h. immer weniger Arbeiter werden für die Autoproduktion benötigt und der Trend verschärft sich schlagartig, werden in der Krise doch vor allem Rationalisierungsmaßnahmen durchgeführt.

Wieviele McDoof / Starbucks und Co. Fillialen willst du noch eröffnen?

Ich glaube einfach, es gibt kein weiter so, nur ein umdenken.

35 lemming 16. Juli 2009 um 16:27

@lorenz #29
1Die Public Deficit-Kurve “fällt” als Funktion des BIP, also Public Deficit = f(BIP).
2die Höhe des BIP ergibt sich allein aus dem Schnittpunkt der Linien
Passt doch irgendwie nicht zusammen oder? Entweder ist die PD Kurve eine Funktion des BIP, oder das BIP ergibt sich als Funktion von PD Kurve und Ersparniskurve. Also entweder PD = f(BIP) oder BIP = f(PD,Ersp). ?
Naja, mal wieder was aus der akademischen Rätselkiste. Es ist wie immer, am Ende hat man vielleicht das Modell verstanden, aber sonst nix.

36 goodnight 16. Juli 2009 um 16:27

@wgn

“Man hängt sich an eine externe Instanz, deren Eingreifen die Autopoiesis des Wirtschaftssystems nicht aufhebt, sondern garantiert.”

=>Yep, aber immer nur in der Eigenlogik des Systems, d.h. der Staat hilft der Wirtschaft immer nur im SINNE der Wirtschaft, d.h. nach deren Regeln. Das sollten die Keynesianer mal begreifen…wenn sie dann wie Steinbrück und co jammern, warum die banker nicht “dankbar” sind und im Sinne der Politik funktionieren ;-)

Robert: “Pray for me.”
Eric: “I will. ”
(breach)

37 goodnight 16. Juli 2009 um 16:29

@logik-ratio

Yep, schau mal raus…die Wirtschaft läuft weiter….China…Indien…Singapore…

“nothing ever ends”
Dr. manhattan (watchmen)

38 lemming 16. Juli 2009 um 16:30

@wgnx
Dies ist dann die Situation, in der die Wirtschaft, wenn sie mit sich selbst nicht mehr zurecht kommt, an die Politik appelliert.
Ich kann mich an keine Situation erinnern, in der die Wirtschaft NICHT an die Politik appelliert hätte. Irgendwas will die immer, mal mehr, mal weniger, am Ende aber immer, wie jetzt: ALLES.

39 infogurke 16. Juli 2009 um 16:36

“Frau Bundeskanzler mit ihrer Philosophie des “Und jetzt sparen wir alle wieder ganz kräftig”

Meint Frau Bundeskanzler nicht vielleicht das Folgende:

Y – C – G = I und I = S (Ersparnis)

bzw. S = (Y – T – C) + (T – G)

T=Steuern – Transferzahlungen

d.h. weniger Konsum und weniger Budgetdefizit des Staates = mehr Investitionen. Mehr Investitionen fördern doch gerade das Wachstum in der Zukunft.

Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Ich hatte VWL auch nur als Nebenfach und hatten den Fokus auf Mikro…

40 Victor 16. Juli 2009 um 16:37

Wie hoch war eigentlich das Handelsbilanzdefizit der USA 1930?
Wer weiss wie alles gekommen wäre, wenn eine hohe Staatsverschuldung der USA zu 80% den Deutschen zu Gute gekommen wäre.

41 Logik-Ratio 16. Juli 2009 um 16:43

@ goodnight

Ich sehe ein vollkommen anderes Bild. Die Wirtschaftskreisläufe der letzten Jahre sind zusammengebrochen. Damit stehen alle Länder vor Problemen angefangen bei den USA, deren Realwirtschaft so richtig am A ist, über die Rohstoffexporteure, die unter den niedrigen Preisen leiden. Angefangen bei den Golfstaaten über Russland über Venezuela und Co.

China und Indien sind die beiden Bevölkerungsreichsten Länder dieser Erde und daher getragen von einem starken Binnenmarkt. Beide Länder haben noch eine Landwirtschaftsquote von 40 – 60% , d.h. weite Zweige dienen nur der Eigenversorgung.

Doch auch hier stehen die Exportindustrien vor gewaltigen Problemen. Vor allem in China stehen sehr viele Fabriken still und die Arbeiter protestieren. Zur Abwendung einer Krise startet China ein gewaltiges Investitionsprogramm in die eigene Infrastruktur und versucht die Rohstoffversorgung zu sichern. (Siehe Streit mit Australien).

Die Krise trifft die Länder einfach ander aufgrund ihrer Wirtschaftsstruktur und weil China richtig und schnell reagiert hat. (Und weil der Technologiegrad der VWL / Gesellschaft rückständig ist).

In den Industrieländer arbeiten aber nur noch 3% in der Landwirtschaft. Sagen wir 50% könnten morgen arbeitslos werden und keiner müsste verhungern oder es würde einen Mangel bei der Grundversorgung geben.

In China ist dies, wie in Indien, vollkommen anders.

Defakto gibt es noch 2 Hindernisse wieso nicht jeder von uns ein Porsche fahren kann – a ) Verteilung b) Rohstoffbarrieren. Technisch ist es möglich.

Selbst wenn Deutschland beschließt a) eine Mondmission alleine zu finanzieren, b) Desertec in 3 Jahren zu bauen und c) alle Autobahnen und Gebäude zu renovierne und energetisch zu dämmen – hätten wir wahrscheinlich keine Vollbeschäftigung, weil nicht die menschliche Arbeitskraft das Problem darstellt, sondenr die Produtkionskapazitäten der Maschinenbaufirmen und diese sind nur zu einem kleinen Teil von der Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter abhängig – der Rest erledigen Maschinen.

42 Lorenz Kleist 16. Juli 2009 um 16:47

@lemming:
“Also entweder PD = f(BIP) oder BIP = f(PD,Ersp). ?”

doch, das passt zusammen als lineares Gliechungssystem siehts so aus (PD:Public Deficit, PS: Private Surplus):

PD=f(BIP) = a-b*BIP (a>0,b>0)
PS=f(BIP) = c+d*BIP (c0)
PD=PS

==> a-b*BIP = c+d*BIP
BIP = (a-c)/(b+d) (>0)

FERTIG! (für den linearen Fall wie im Diagramm beschrieben)

43 Lorenz Kleist 16. Juli 2009 um 16:49

Hmm… schon wieder so ein komischer Fehler… Ich hatts eigentlich folgendermassen eingetippt.

PS=f(BIP) = c+d*BIP (c0)

44 Lorenz Kleist 16. Juli 2009 um 16:50

Okay. Ich weiss nicht was da passiert mit der Eingabemaske. Ich schreibs mal aus:
c kleiner Null, d größer Null

45 Watawah 16. Juli 2009 um 17:01

@ Lorenz Kleist

Da ‘linkt’ das ‘HTML’ – es setzt die größer/kleiner-als in seine ‘Sprache um…

Gucken Sie bitte z. B. hier:

http://www.html-seminar.de/html-grundlagen.htm
(Grundlagen HTML-Tag)

46 HAM 16. Juli 2009 um 17:03

@goodnight #30
„Hey, das ist Kapitalismus…das ist doch der Witz, es geht um den Flow, die Zahlung/NichtZahlung, um das spinning the wheel, um das “Weiter so”. Yep.“

Völlig richtig, es geht primär NUR um den Flow, um den Kapitalverwertungsprozess. Darum, dass aus dem in den Wirtschaftsprozess eingebrachten Geld mehr Geld wird, also um das berühmte G –> G´.

Gäbe es auf einem anderen Planeten intelligente Lebewesen und würden diese dem Treiben der Menschen in einer kapitalistischen Ökonomie zuschauen, so würden diese intelligente Lebewesen jene Menschen auf der Erde als Komplettidioten beurteilen.

Wie kann man an einem Wirtschaftssystem festhalten, bei dem die durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt ermöglichte Erhöhung der „volkswirtschaftlichen“ Produktivität zu einer zunehmenden Verarmung und Verelendung der Bevölkerungen führt?

Adam Smith ging davon aus, dass der Egoismus der einzelnen Wirtschaftssubjekte zu einer Steigerung des Wealth of Nations führen würde. Diese Zeiten sind längst vorbei. Hat der Kapitalismus das Stadium der „Marktsättigung“ hinsichtlich der Produktion gesellschaftlich reproduktiver Gebrauchwerte erreicht, dann kippt die Entwicklungslogik. Die Kapitalverwertungslogik führt dann zu einem Sinken des Wealth of Nations. Wie ein Krebsgeschwür wuchert das fiktive Kapital zu Lasten der Realökonomie.

Robert Kurz spricht vom „Autokannibalismus“ des Kapitalismus.

Ich finde die Metapher vom Krebs zutreffender. Der gesunde Volkskörper wird immer mehr vom von Zellen (= Kapitalisten und Sozialparasiten) zerfressen, denen es nur darum geht, den eigenen Stoffwechsel zu optimieren, und zwar ohne jegliche Rücksicht auf den Gesamtorganismus.

Hurrah, wir haben Wirtschaftskrebs!
Und wollen ihm damit begegnen, dass wir sein Wachstum fördern?

Forget Krugman! Er ist ein Ideologe des Wall-Street-Kapitalismus!

47 Michael 16. Juli 2009 um 17:09

@Victor
Den Zahlen nach war die “Große Depression” gegen das was gerade abläuft geradezu lächerlich. Die USA hatten 1/3 ihrer heutigen Bevölkerung. Die Verschuldung auch der Privaten, war gering. Die Anzahl der Börsenspieler beschränkte sich auf nicht mal 2 Millionen, überwiegend Ostküstenbewohner. Die Hebel der Derivate waren ein laues Lüftchen gegen unsere heutigen grundsoliden Banken. Damit will ich aber keinen Pessimismus verbreiten, sondern schlicht schreiben, daß es gründlich falsch ist, das damalige System mit dem heutigen zu vergleichen.

Wer ist Krugman ? In meinem Buch “Große Ökonomen und ihre Theorien” gibt es den nicht. Also eine Modeerscheinung ? Wenn Krugman&co. die Krise beenden wollen, brauchen sie nur das Geld, das sie in blödsinnigen Kriegen und Rüstungen verbrennen in den USA selbst anlegen – das schafft dann schon die gewünschte Inflation. Und wenn die Inflation zu haarig wird, kann man schlicht den Handel mit zahlreichen Finanzderivaten begrenzen oder verbieten. Beispiel: vergangenes Jahr die hochgejubelten Rohstoffpreise. Solche Volatilitäten sind viel schädlicher als die eine oder andere Schluderei.

Damit kann man Frau Kanzlerin auch nahelegen, die aus der jetzigen “Geldflut” für die Banken, Staatshilfen und Sozialkosten (!!!), nebenbei auch dadurch zu bekämpfen, daß die Derivate runtergefahren werden, einige sogar verboten werden. Denn nach dieser Disinflation deutet sich schon heute eine recht kräftige Inflation an, die wohl kaum mit Zinsanhebungen bekämpft werden kann.

Und nun geht es ab in die Ferien.

48 Logik-Ratio 16. Juli 2009 um 17:09

@HAM

Besser kann man es nicht sagen.

49 Logik-Ratio 16. Juli 2009 um 17:11

@michael

Es stimm die Welt war eine vollkommen andere. Zudem haben noch 40% der Bevölkerung in der Landwirtschaft gearbeitet und sich selbst versorgt.

50 Fabian Lindner 16. Juli 2009 um 17:23

@ Infogurke

I=S ist nur eine Identität, die ex post halten muss. Sie ist nur eine buchhalterische Definition. Sie sagt ÜBERHAUPT NICHT, dass erst viel gespart werden muss, um dann schön zu investieren. es kann auch ganau anders herum laufen.

Warum? Sparen funktioniert nur dann, wenn jemand anderes bereit ist, sich zu verschulden, etwa, um zu investieren. Wenn aber partout niemand investieren will, kann man auch nicht sparen. Und weil die Investitionen des einen die Einnahmen des anderen sind, fallen die ganzen Einnamen gleich mit.

Wie funktioniert das? Alle wollen am Anfang einer Periode aus ihrem Einkommen mehr sparen. Deswegen konsumieren sie weniger – das Einkommen anderer Leute in der Ökonomie sinkt, so dass die dazu gezwungen werden, entweder weniger zu konsumieren oder weniger zu sparen.

Wenn Investoren erwarten, dass niemand mehr ihre Güter konsumiert, die sie in der Zukunft mit heute gekauften Maschinen herstellen wollen, werden sie nicht bereit sein, sich zu verschulden und Geld auszugeben. Und wenn sich niemand verschulden will, kann man auch nicht sparen.

Wenn nicht konsumiert und nicht investiert wird, wird nichts gekauft, das Einkommen derjenigen, von denen gekauft wird, sinkt also. Das Sparen ist dann vielleicht in der Gesamtwirtschaft gar nicht gestiegen, sondern gleich geblieben, oder sogar gefallen – nicht weil die Leute ihre Sparabsicht aufgegeben haben, sondern weil das Einkommen, aus dem sie hätten sparen können, gefallen ist.

Das heißt, die Investitionen bestimmen hier das Sparen. Je weniger investiert wird, desto geringer ist das Einkommen, desto geringer muss das Sparen sein. I=S.

Weil das zu Depressionen, Arbeitslosigkeit usw. führt, muss sich irgend jemand finden, der sich dann doch verschuldet und von dem Geld die Waren kauft, die die Privaten vor lauter Sparwut nicht mehr kaufen wollen – der Staat. Wenn er es nicht macht, wird’s schwierig.

Grüße,

Fabian Lindner

51 Karl 16. Juli 2009 um 17:30

@ infogurke

Und weshalb gilt im Moment I=S? Wer macht denn im Moment I außer dem Staat? Bei uns etwa Daimler, Porsche, VW? Und was ist mit dem Intermediär in dem Spiel, den Banken? Gilt etwa grade S geht zu Bank und Bank macht mit S dann I um i dafür zu bekommen?

Nee, der Staat macht grade I und zwar in dem er Bonds gegen S verkauft. Frau Bundeskanzlerin hat da wohl ein paar Zwischenschritte vergessen. Wie übrigens auch ein Großteil der tollen Ökonomen in diesem Land.

52 georgi 16. Juli 2009 um 17:40

@50 (Fabian)

Wenn ich von Gewinnen meines Unternehmens oder Banken
von bei ihnen gesammelten Ersparnissen eine Maschine kaufe, um meine Produktion zu erweitern, dann ist das

Investitionen = Sparen

Den zusätzlichen Gewinnen entsprechen die Zinsen auf
meine Kapitalanlage.

Das ist i.a. der Normalfall in wirtschaftlich guten Zeiten.
Jetzt haben wir aber Wirtschaftskrise. Das ist eine Zeit,
in der die Leute, die Geld besitzen, nicht wissen, wie sie
ihr Geld anlegen sollen. Das wird dann in Schuhkartons
gepackt und unters Bett geschoben. Es gilt dann

Investitionen << Sparen

53 georgi 16. Juli 2009 um 17:58

Sparen funktioniert nur dann, wenn jemand anderes bereit ist, sich zu verschulden,

Warum? Wenn ich in meine eigene Firma investiere, dann
ist das auch Sparen. Es muß sich dann niemand verschulden.


Wenn aber partout niemand investieren will, kann man auch nicht sparen

Ob jemand investieren will, hängt ganz entscheidend von
der erwarteten Rendite, und dem Risiko ab. Da wir in
schlechten Zeiten leben, investiert natürlich niemand.
Deshalb wird das Geld in Schuhkartons gesteckt und unters
Bett geschoben.

#51 (Karl)
Der Staat macht gerade nicht I. Unter I verstehe ich Geld
anlegen zum Zwecke des Zinsenmachens. Mit den
Konjunkturprogrammen will so ein Staat erreichen, daß
Privatmenschen ihre Schuhkartons unterm Bett wieder
hervorziehen, um das ihnen enthaltene Geld zu
investieren.

54 lemming 16. Juli 2009 um 18:09

@flindner
Wenn er es nicht macht, wird’s schwierig.
Das macht er schon seit spätestens 1980. Seitdem steigen die Staatsschulden. Wir leben nämlich schon seit Jahrzehnten in keynesianischen Zeiten.
Und wir erleben jetzt, in der Eskalation dieser “Bailout-Logik”, dass der Staat keine Lösung bietet. Seine Investitionen würden nur dann nützlich sein, wenn er auch die Gewinne daraus vereinnahmen würde, also Staatkapitalist im unmittelbaren Sinne würde, mit der Wirtschaft also in direkte Konkurrenz treten. Da ist natürlich die Ordnungspolitik vor, denn das wäre tatsächlich nicht nur der sanfte Tod des Rentiers, sondern der Tod des Kapitalismus selbst.
So aber verlässt sich der Staat auf schwammige Makro-Effekte, die dann doch nie eintreten, jedenfalls nicht bis zu dem Maß des “Selbsttragens” der Finanzierung durch erhöhtes Steueraufkommen bzw. lässt erstmal andere Private kräftig abkassieren. Zum anderen erhöht er durch die Schuldenfinanzierung noch den Anlagedruck: die Zinsen, die er zahlt, aktuell Deutsche Land ca. 40Mrd/pa, wollen ja auch wieder angelegt sein, um ihr “Gstrich” zu machen.
So wird das auf Dauer auch nix mit dem JMK-Rezept. Es verlängert nur das Spiel, macht den Ausgang aber nicht anders, sondern nur dramatischer. Es gibt keinen nachhaltigen Kapitalismus, das ist ein Widerspruch in sich.

55 georgi 16. Juli 2009 um 18:35

#54 (lemming)

Habe ich nicht soeben dargestellt, daß Konjunkturprogramme kapitalismus-theoretisch
keine Investitionen darstellen. So, wie ich den
Meister (JMK) verstanden habe, ging es ihm ja darum, eine
Situation wie die heutige, in der niemand trotz vorhandener
Liquidität investiert, zu meistern. Könnte man nämlich eine
Rendite auf Investitionen erwarten, so müßte niemand ein
Konjunkturprogramm auflegen, weil es die Privaten von sich
aus selbst tun würden.

Wir leben nämlich schon seit Jahrzehnten in keynesianischen Zeiten
Ich dachte, die große Zeit JMKs läge zwischen 1940 und
1970. Dann kamen die Tietmeyer und Lambsdorffs an die
Theke, und haben JMK in Frage gestellt. Spätestens seit
1980 wird fleißig privatisiert, entstaaticht, dereguliert,
flexibilisiert und gespart.

56 Fabian Lindner 16. Juli 2009 um 18:37

@ Georgi

# 52. Stimmt, der Unternehmenssektor kann auch selbst sparen und seine Investitionen dann selbst berappen. Das war in den letzten Jahren so, weil die Profite der Unternehmen so sehr explodiert waren, dass sie auf Außenfinanzierung gar nicht angewiesen waren. Normal ist das eigentlich nicht. Normalerweise verschulden sich Unternehmen. Das war nur deswegen möglich, weil die Arbeitnehmer vom Kuchen kein Stück abbekommen haben, den sie mit dem Kapital zusammen gebacken haben.

Das Geld, dass die Haushalte dann aber sparen wollten, haben die Banken dann in spekulativen Anlagen im Ausland angelegt – weil Auländer bereit waren, sich zu verschulden.

Wenn ich mein Geld in den Schuhkarton packe, ist es aus dem Wirtschaftskreislauf draußen, ich gebe es dann nicht aus und damit fehlen einem anderen die Einnahmen. Mit weniger Einnahmen gibt der andere auch weniger aus, und auch mein Einkommen sinkt – dann habe ich sehr bald auch kein Geld mehr, das ich in den Karton packen kann. Das Einkommen der Vowi sinkt dann in dem Maße wie die Leute ihr Geld den Leuten vorenthalten, die sich vielleicht gerne verschulden würden – die Sparabsicht per Schuharkton besiegt sich selbst.

# 53

Auch das ist richtig, wenn ich mein Geld in die eigene Firma tue, ist das Sparen. Aber erst mal ist es Investieren. Nur wegen der Identität I=S ist es auch Sparen.

Auch ist es richtig, dass niemand investieren will, wenn die Absatzaussichten nicht gut sind. Aber wenn niemand investieren will, entstehen auch keine Einkommen – und aus nicht vorhandenem Einkommen kann man eben nicht sparen.

Zentral ist: Wenn Sparabsicht und Verschuldungsabsicht nicht zusammenpassen, dann drückt das das Einkommen.

57 Fabian Lindner 16. Juli 2009 um 18:41

bzw: Wenn ich kein Einkommen habe, kann ich auch nicht sparen.

58 Fabian Lindner 16. Juli 2009 um 18:44

@ Georgi

Eclair hat das auf dem Herdentrieb noch mal nett zusammengefasst:

http://blog.zeit.de/herdentrieb/2009/06/26/neues-aus-gaboristan_885#comment-52508

59 Miesespeter 16. Juli 2009 um 18:44

S=I?

:) Bullshit.

Das mag bei den macaronesischen Ureinwohnern eingeschraenkte Gueltigkeit gehabt haben.

Aber in einer Geldwirtschaft mit partiellem Reservesystem?

60 BB 16. Juli 2009 um 18:46

Diese Diagramme sind Kokain fürs (VWL-)Volk (Opium nehmen ja die Kommis). Genauso gut könnte man VWL’er mit Kubriks Zauberwürfel beschäftigen. Es geht darum, dass alle sich einen Knoten ins Hirn machen, um dann heimlich weiter zu zocken.

Ich mein, man schaue sich die Linke an. Die hat im Angesichts der Krise nichts anderes im Sinn, als über Konjunkturprogramme und sonstiges Krugi-Zeugs zu diskutieren. Im Grunde will sie das am Ende genau das, was die Neo-Cons brauchen, um weiter ihre Rüstungsprojekte zu finanzieren. Also absolut kompatibel zu Interessenlage der herrschenden Eliten.

Dabei kann es doch für die Zukunft nur um eines gehen: Banken zerschlagen, Banken zerschlagen und nochmal Banken zerschlagen. Ich sehe dazu keine Alternative.

Banken, die mehr als 3% Rendite erwirtschaften, sind gefährlich und müssen umstrukturiert werden.

61 lemming 16. Juli 2009 um 19:12

@georgi
Habe ich nicht soeben dargestellt, daß Konjunkturprogramme kapitalismus-theoretisch
keine Investitionen darstellen. So, wie ich den
Meister (JMK) verstanden habe, ging es ihm ja darum, eine
Situation wie die heutige, in der niemand trotz vorhandener
Liquidität investiert, zu meistern.

Naja, ich habe den Meister so verstanden: wenn keiner mehr investiert, weil keine Investitionen nach privatwirtschaftlichem Erwartungskalkül mehr ausreichend Profit versprechen, mit eingepreistem Risiko also die Liquiditätspräferenz nicht mehr aufwiegen, dann muss eben der Staat investieren, also den Ausfall der Investitionen auszugleichen versuchen. So schreibt er das auch. Er schreibt nicht, dass der Staat die Nachfrageausfälle substituieren sollte – obwohl er das, zB mit der Abwrackprämie, auch tut. Die Frage, um die es geht ist: kann das auf Dauer, d.h. über mehrere Konjunkturzyklen hinweg bei immer weiter steigender Staatsverschuldung, funktionieren?
Ich meine: nein.

Dann kamen die Tietmeyer und Lambsdorffs an die
Theke, und haben JMK in Frage gestellt. Spätestens seit
1980 wird fleißig privatisiert, entstaaticht, dereguliert,
flexibilisiert und gespart.

jaja. Worauf es ausser der Ideologie hier aber einzig ankommt: sind die Staatsausgaben und die Staatsverschuldung gesunken? Sind sie nicht. Die neoliberale Praxis bestand einerseits darin, dem Staat Einnahmen zu entziehen (Privatisierung, Deregulierung, Steuersenkung), ihm aber andererseits, keynesianisch, erhöhte Ausgaben aufzuerlegen, um Nachfrage und Investition hochzuhalten und um den Kreditoren des Staates bei fehlenden Investitionsgelegenheiten sichere Zinsen zu verschaffen.
Ich halte eigentlich nur zwei Verläufe für entscheidend:
- der Verlauf der Staatsverschuldung seit 1970
- die relative Entwicklung der Kapitaleinkünfte und Unternehmensgewinne verglichen mit den Einkommen aus Arbeit seit 1980. (findet sich alles schön bei http://www.jjahnke.net)

62 Joerg Buschbeck 16. Juli 2009 um 19:16

mensch ist dies alles kompliziert? Haben wir es etwa zu stark vereinfacht oder denkt mancher einfach zu kompliziert?

http://www.global-change-2009.com/blog/global-change-2009-teil-2-wie-funktioniert-eigentlich-die-wirtschaft/

63 georgi 16. Juli 2009 um 19:19

@Fabian:

Wir haben wahrscheinlich unterschiedliche Auffassungen über
den Terminus “Sparen”. Für mich ist das Geld im
Schuhkarton halt eine andere Art Sparen als investieren.

Das Geld, dass die Haushalte dann aber sparen wollten, haben die Banken dann in spekulativen Anlagen im Ausland angelegt – weil Auländer bereit waren, sich zu verschulden.

Das war aber nur im Zeitraum 2001…2007 möglich wegen
des Schulden-Perpetuum-mobile aus den CDO-Ländern.
Hätte es die Subbrain-Krise nicht gegeben, wäre ja schon
2001 mit dem Weltwirtschaftssystem Schluß gewesen.

In guten Zeiten, d.h. in den 60ern hat ein Arbeiter bei GM
soviel verdient, daß er sich, eine Hausfrau eine ganze
Menge Kinder ernähren konnte. Heutzutage reicht es
nicht einmal für ihn selbst. Deshalb und nicht aus
prinzipiellen Gründen muß es jemanden geben, dieser
GM-Arbeiter nämlich, der sich verschuldet, damit ein anderer
sparen kann.

64 georgi 16. Juli 2009 um 20:16

#62 (Buschbeck)

… schon wieder ein Zinskritiker!

Würdest Du bitte berücksichtigen, daß
1.
das Geld, das Du auf die Bank legst, im günstigen Falle als
Investition in die Realwirtschaft zurückkommt, und dort
Nachfrage, Investitionsgüternachfrage auslöst,
2.
die Zinsen und Zinseszinsen auf Spareinlagen im günstigen
Falle aus den Erträgen der Realwirtschaft stammen,
3.
Zinsen zusätzliche Kaufkraft darstellen, die konsumiert
oder neu investiert werden kann, und nicht der
Wirtschaft entzogen wird!

Im ungünstigen Falle jedoch liegt das Geld im Schuhkarton
unter dem Bett.

ad Abschaffung des Bargeldes: Das finde ich närrisch.
Stellen wir uns mal vor, es gäbe kein Bargeld mehr! Dann müßte meine Bank dann auch kein Bargeld mehr ausliefern,
wenn mein Kontostand im positiven Bereich liegt. Die
Bank ist dann vor Bank-Runs sicher. Da hat der Film
natürlich recht. Dann aber hätte keine Bank eine
Veranlassung, mir Kredite zu verweigern. Sie bräuchte
kein Eigenkapital mehr, denn Bankruns haben wir ja
abgeschafft. Die Bankkunden könnten sich in beliebiger
Weise Geld durch Kredit beschaffen, und müßten nicht mehr
dafür arbeiten. Da aber niemand mehr für Geld arbeiten
muß, arbeitet auch niemand für Geld, d.h. Du bekommst
für Dein Geld nichts mehr. Das nennt man dann
Hyperinflation.

65 Bankster 16. Juli 2009 um 20:18

#BB 60
Die zocken nicht heimlich weiter. Die wissen genau, dass ein crash in dieser Phase das gesamte Finanzsystem zerlegen kann. Das Problem ist weder in einem noch in 5 Jahren wirklich bewältigt. Es gab zu Anfang der Krise die Alternativen System nullen oder nicht, die Entscheidung hieß nein. Dann muss das alles auf die kleine Tippeltappeltour abgearbeitet werden.

Du machst mir richtig Angst mit den Zerschlagen von Banken.
http://www.k-blokk.net/emo/3D153.gif
Nur die savings and loans – Krise wie auch die zahlreichen Bankpleiten in dieser Krise zeigen, dass das nicht reicht.
http://bankimplode.com
Die Renditen sind definitiv überhaupt kein Kriterium, sie schwanken sowieso.

66 Hans~Gottlieb 16. Juli 2009 um 20:36

@weissgarnix (#4)

“Schon klar, aber wir wollen ja hier keine Seminararbeit schreiben. Keep it simple.”

… YESSSsss !!!

=> … keep it SIMPLE !

=> … AND … S T U P I D !!!

===> … Krugi’s Motto: “K.I.S.S. !” !!!

:-) x :-) x :-)

Retroliberale Grüsse ,
Hans~Gottlieb

67 BB 16. Juli 2009 um 20:49

@Bankster 66

>Die Renditen sind definitiv überhaupt kein Kriterium, sie schwanken sowieso.

Die sind doch genau das Problem! Gerade wegen der Schwankungen. Lieber kleine Renditen und die regelmäßig als das extreme Auf- und Ab, was jetzt passiert und passieren wird.

Ich meine mit Zerschlagung Aufspalten in verschiedene Geschäftszweige:

- in reine Geschäftsbanken, hatten wir schon mal und sind damals besser gefahren
- in Investement-Maklerfirmen, und zwar ohne Zugang zum billigen Zentralbankgeld. Wenn die sich zu normalen Zinskonditionen Geld leihen müssen von den Geschäftsbanken, sind nämlich nicht mehr diese Megadeals möglich, wo Morgan Stanly und andere alles aufkaufen und dann kapputtmachen, indem sie die Substanz aussaugen
- in Zockerbuden, die dann Casinosteuerpflichtig sind: Alles was an der Euwax oder bei Scoach gehandelt wird, fällt darunter. Damit der Bauer noch seine Ernte versichern kann, darf die Eurex weiter bestehen, aber alles was irgendwie nach Zertifikat riecht, wird dichtgemacht oder so hoch besteuert, dass es sich nicht mehr lohnt.

Dazu die politische Begleitmusik: Zentralbank-Zinsen dürfen niemals unter 3 Prozent sinken, damit jeder, der sich da Geld leiht, auch wirklich arbeiten muss, um die Zinsen zurück zuzahlen. Das jährliche Produktivitätswachsum liegt sowieso unabhängig von jeder Krise leicht darunter. Zusätzlich noch die hier vorgeschlagenen Maßnahmen:

http://blog.zeit.de/herdentrieb/2009/07/16/ahnungslose-okonomen_909

Bei minimal 3 Prozent Zinsen können nur noch temporäre kleine Blasen entstehen, aber keine Finanzkrisen, wie wir sie heute haben. Eben weil jeder, der Geld braucht auch richtig dafür arbeiten muss.

Das wäre mein Vorschlag. Hat jemand einen besseren?

68 horatio 16. Juli 2009 um 21:06

An dieser Diskussion kann man sehr schön die eigentliche phänomenologische Evidenz der Wirtschaftswissenschaften ablesen: Gut behauptet ist halb bewiesen. That’s all there is to it.

69 Karl 16. Juli 2009 um 21:13

@ georgi #64

Es gibt allerdings nicht nur Bargeld, sondern auch noch eine Mindestreserve bei der Zentral Bank. Also nicht wirklich die sofortige Hyperinfaltion…

70 Hans~Gottlieb 16. Juli 2009 um 21:32

@Karl { 16.07.09 at 17:30 }

“Und weshalb gilt im Moment I=S? Wer macht denn im Moment I außer dem Staat? Bei uns etwa Daimler, Porsche, VW? Und was ist mit dem Intermediär in dem Spiel, den Banken? Gilt etwa grade S geht zu Bank und Bank macht mit S dann I um i dafür zu bekommen? Nee, der Staat macht grade I und zwar in dem er Bonds gegen S verkauft. Frau Bundeskanzlerin hat da wohl ein paar Zwischenschritte vergessen.”

1) … I=S … gilt freilich nur, wenn das Tauschsystem, also das Geld-/Finanzsystem intakt ist !

2) … Greenspan und seine Bankster-Hintertanen haben es es aber bekanntlich im üblichen (1929, usw…) Verfahren des langjährigen Weltgeldbetruges restlos zerstört. (Motiv: entweder Dummheit+Gier oder … geopolitische Absicht! … 50:50 !)

3) … OHNE Tauschsystem … NIX (freie!) arbeitsteilige Tauschwirtschaft !!!

===> … 3) … ist die einfache Regel (“KISS!”), die die gesamte derzeitige Situation der grössten anzunehmenden Weltwirtschaftskrise erklärt. … habe ich alles schon im Herbst 2008 so hier beschrieben.

… es gab (/gibt noch!) zwei Möglichkeiten:

a) … schnellstmöglicher (!) RESET ! … also Neuanfang in Friede, Freiheit und Wohlstand. Die Verantwortlichen werden gerichtet – justice for all.

b) … DIKTATUR … (=Zwangswirtschaft als (untauglicher!) Ersatz des Tauschsystems) ! … also Unfreiheit, Faschismus, Krieg, Not und Elend – die Road to Serfdom (keine Sorge: DDR-Merkel weiss wie’s geht ;-) ) Die Verantwortlichen werden nicht gerichtet, sondern übernehmen das faschistische Oberkommando …

===> … i.a.R. entscheidet sich die verantwortliche Macht-”Elite”, bestehend aus Bankstern, ihren Politnutten, Mediennutten und Justiznutten, für die DIKTATUR !

( Die keynesianischen Vorschläge von Krugi und Weissgarnix ( z.B. feuchte Träume und Schäume von Fantastilliarden-Konjunkturprogrammen), gehören eindeutig zur Alternative b) !!! )

===> … wer sich nicht wehrt … lebt verkehrt !!! … im Herbst geht’s los … oder die Diktatur ist unabwendbar – die Geschichte wartet nicht ! … wer zu spät kommt, den bestraft das Leben !

” Wie übrigens auch ein Großteil der tollen Ökonomen in diesem Land.”

===> … ja ich gebe es zu die meisten sind Flaschen (z.B. Keynesianer) und Verbrecher (z.B. (Zentral-)Bankster, “Chefökonomen”, “Weise”, Aufsichtspersonal, ReGIERungsbeamte, usw).

===> … aber es gibt auch gute Profs !!!

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

71 sorte 16. Juli 2009 um 21:34

Dieser Soros hat doch schon im letzten Jahrtausend in Steueroasen ohne Mindestreservepflicht Geld geschöpft.
Das mit den hohen Zinsen der Geschäftsbanken nützt dann nichts.

72 BB 16. Juli 2009 um 21:38

Sowas wie Hochfrequenzhandel darf es eigentlich auf dieser Welt gar nicht geben (Goldman Sachs). Es gibt kein einziges ehrliches Geschäft, das nicht mit einer Verzögerung von mindestens einem halben Tag abgeschlossen werden kann.

73 Joerg Buschbeck 16. Juli 2009 um 21:40

@georgie

ich kritisere doch keinen Zins. Er ist der wichtigste Preis des Marktes. Er muß nur tasächlich den Marktausgleich I = S gewährleisten.

http://www.global-change-2009.com/blog/mr-dax-als-zinskritiker/2009/07/

Und I sollte halt nicht zwangsweise der Staat und nicht der Erbeerpflücker sein sondern solvente Schuldner mit guten Eigentumstiteln sein.

Und dazu muß man zumindest glaubhaft mit negativen Zinswerten drohen können. Das beendet dann auch so eine gewisse Keynssche Liqui-Klemme.

http://www.global-change-2009.com/blog/heureka-wir-haben-die-okonomische-weltformel-gefunden/2009/06/

74 BB 16. Juli 2009 um 21:41

@72. Na und? Wird das eben verboten. Notfalls einseitig! Einreiseverbot. Guthabenpfändung, … Denken wir doch einfach mal wieder gradlinig!

75 BB 16. Juli 2009 um 21:42

sorry, war an sorte 71 gerichtet.

76 Bankster 16. Juli 2009 um 22:07

@BB
Gegen Zinsen von 3 % spräche das Beispiel Schweiz. Wir machen etwas sehr Grundsätzliches falsch.

Wir äffen etwas nach, das seit Jahrzehnten bekanntermassen falsch ist. Verbunden mit solchen Leuchten wie Riester und Hartz, Agenda2010. Zum Beispiel, worum ging es bei der GM-Pleite ? Darum die Arbeitnehmer und Pensionäre von ihrer Altersversorgung zu “befreien”. JA, NUR darum ging es. Das kapitalmarktgedeckte “Sozial”-System der Angloamerikaner hat sich im Prinzip mit dieser Krise in Wohlgefallen aufgelöst.

Natürlich ist es richtig und gut das Casino überproportional zu besteuern, nur wenn, dann bitte weltweit. Trennbankensystem, das kann nicht verkehrt sein. Im Prinzip gibt es das hier aber auch, wenn man bei den jeweiligen Banken liegenden Spareinlagen bewertet. Die LB werden wohl oder übel die globalen Finanzmärkte weitgehend zu verlassen haben und Kreditbanken. Die Sparkassen bleiben Sparkassen. Danach bestehen hier und heute bei uns gute Grundlagen mit dem Debakel fertig zu werden. Nicht dass wir in der rekordverdächtigen Selbstkasteiung tabula rasa machen und die, die den Zauber veranstaltet haben, die sitzen wohl meist in englischsprachigen Regionen, sich an unserer “Klugheit” dumm und dämlich verdienen. Auch unsere Zockerias sollen ihre Daseinsberechtigung haben. Und die “Privatanleger” dürften in puncto Risiko gerade eine Belehrung für den Rest ihres irdischen Daseins erhalten haben.

Die Finanz”märkte” sind so global, wie kein anderer Handel. Nicht, dass das nur gut ist, wie wir gerade erleben. Nur werden jetzt die die Zeche zahlen, die vorher von der Politik schon mit allerlei Steuererhöhungen vor Wohlstandswachstum bewahrt wurden.

Zitat: “Eben weil jeder, der Geld braucht auch richtig dafür arbeiten muss.” Dem kann man nur ausdrücklich zustimmen.

77 BB 16. Juli 2009 um 22:43

@bangster 76

Das Beispiel mit der Schweiz versteh ich nicht. Warum spricht was dagegen?

Und natürlich. Solche Regeln müssen weltweit durchgesetzt werden.

Den Soros, den schicken wir dann auf die Kauri-Inseln. Da darf er Muschelgeld schöpfen. :-)

Ich halte übrigens sehr viel von Zinsen. Schon deswegen, weil man damit so genial Investitionen vergleichen kann!

78 Karl 16. Juli 2009 um 22:46

@ WI-ING

Also für den Rest würde ich dann das Auswandern auf den Mars vorschlagen. Hier ist nix mit Reset, weil man hat ja nun schon Gesellschaften und Systeme. Die kann man höchsten ändern (auch wenn goodnight das vielleicht anders sieht) aber ganz sicher nicht “nullen” und dann alles besser machen.

Im Übrigen staune ich ja immer wieder über diese retroliberale (bzw. laissez-faire) Ideologie, die meint der Mensch müsse sich nur ein bisschen ändern und dann wird alles golden. (Das verbindet dann Kommunisten und laissez-faire Überzeugten.) Aber, wenn es doch eine Konstante in den letzten 2000 Jahren (wahrscheinlich aber schon länger) gab, dann ist das doch das Wesen des Menschen. Deswegen sind ja Griechische Tragödien noch aktuell oder Geschichten aus dem Mittelalter, weil sich vielleicht die umgebenden Systeme ändern aber nicht die Funktionsweise von Menschen.

79 Karl 16. Juli 2009 um 22:47

Mist.

Also für den Rest würde ich dann das Auswandern auf den Mars vorschlagen.

Das ist falsch. Es muss Reset heißen…

80 Miesespeter 16. Juli 2009 um 23:26

@Karl

ich kann nur jedes Deiner Worte unterschreiben.

Allein der Reset, der kommt auch auf Erden, da braucht es kein Konjunkturprogramm Marsmission davor. Stattdessen kommt er als Naturgewalt, nicht als rational erwogene Restart-Alternative. (Nehmen wir hier die Perspektive einer sehr kleinen Gruppe Eingeweihter aus).

Jetzt aber freuen wir uns erst einmal alle, dass wir Deutschen wieder einmal als Vorbild gelten koennen. Waehrend die ganze Welt noch versucht, unser Wirtschaftswunder anno 1936 zu imitieren, stechen wir bereits in neue Dimensionen vor, und fuehren einfach Kurzarbeit fuer Kindermaedchen und Toilettenboys ein. Was sollte die Wirtschaftswissenschaft ohne uns anstellen?

81 Lehrling 16. Juli 2009 um 23:28

Tag Leute ich hab noch ein großes Verständnisproblem. Wieso kommt die Wirtschaft noch nicht aus dem Schlamassel, trotz der vielen Milliarden an die Banken(die es ja an Krediten weitergeben sollen).
Die vielen Milliarden durch die EZB als Liquidität, die vielen Milliarden durch den Staat an die Banken und trotzdem ist die Kreditvergabe schleppend. Wieso?
Sind die Banken trotz des vielen Geldes nicht in der lage Kredite zu geben und zwar günstige Kredite?
Wenn die Banken wirklich nicht in der Lage dazu sind, ist es dann Richtig, dass wir “unser” Geld dorthin schieben?
Wäre ein anderer Weg das Geld in den Kreislauf zu bringen nicht angebracht, wenn der Weg über die Banken nicht klappt?

Wieso bringen man das (unser) Geld nicht über den Staat in den Wirtschaftskreislauf?
Die EZB will 300 Milliarden reinpumpen? Dann muss der Anteil, den die Bundesbank einbring ,aufs Konto des Staates. Der kann dann das Geld ausgeben(Steurn senken, Investitionen). So wäre es doch im Kreislauf, oder?
Das mit den Zinsen auf dieses Geld ist auch so ein Problem. Wenn ich 1oo von der EZB bekomme soll ich z.Z. 101 zurückgeben? Wie soll das gehen? Soll man Geld fälschen? Nur die EZB darf doch Geldscheine drucken oder?

Gruß

Lehrling

82 bluedet 17. Juli 2009 um 00:11

Interessant wie ein bißchen Krugmann-Logik Diskussion auslöst.

Volkswirtschaft, mathematische Funktionen, veranschaulicht an einem geschlossenen System unter Außerachtlassung von Zeit und extremer Beweglichkeit des Geldes bzw. des Vermögens.

Tatsache scheint mir zu sein, dass derartige Funktionen früher mehr Gültigkeit hatten, weil die nationalen Märkte stärker abgeschottet waren und Finanzströme noch träger flossen. Doch heute?

Es werden Milliarden in Sekunden bewegt über Ländergrenzen hinweg. Die “globale Volkswirtschaft” ist noch nicht so recht erfunden. Was hätte sie auch für einen Sinn für Deutschland, welches sein Wachstum durch Ausnutzung anderer Volkswirtschaften aufrecht erhält. Deutschland ist bildlich gesprochen eine Art Schwamm mit Tentakeln in die Welt und saugt beständig Energie ab, um das Wohlstandsgefälle zu bewahren, was immer weniger gelingt.

Das Problem ist zwischenzeitlich aber, dass das Finanzwesen ein eigenständiges, zunehmend von den Volkswirtschaften sich loslösendes System ist, welches eine eigene globalisierte virtuelle Welt bildet, welches aber geeignet ist, die Volkswirtschaften aller Länder auszuhebeln, ins Schwanken und zum Einsturz zu bringen. Es hat sich eine Metaebene gebildet. Da kann Krugmann nichts daran ändern und nur hinterherhinkend partielle nationale und hinterherhinkende globale (mathematische) Beschreibungen liefern, die darüber hinwegtäuschen, dass nichts mehr berechenbar ist.

Es scheint nur noch zwei Alternativen zu geben:
Das Spiel weitertreiben, bis es kracht, oder das reinigende Gewitter geordnet herbeiführen. Die Wege die man beschreitet können gestaltet werden, wie man will – am Ende tuts weh. Die Frage ist höchsten noch wann. Das allerdings eine wichtiger Punkt. Jede Woche, jeder Monat, jedes Jahr lässt die Chance wachsen, dass meine Generation weniger von dem Kollaps abkriegt, beispielsweise weil ich vorher sterbe. Drum wird man das Spiel weitertreiben, bis der Bruch zwangsläufig kommt.
Mancher ist froh, dass dann vielleicht seine Regierungsperiode schon abgelaufen ist, er sein Haus schon bezahlt , er genügend Goldbarren im Keller hat oder schlicht dement im Altersheim ist und ihn Zusammenbrüche bzw. eine schleichende Verarmung nicht mehr jucken. Vielleicht gelingt es Deutschland ja noch für weitere Dekaden Zeit zu gewinn, auf Kosten anderer. Also es gilt allein: Zeit gewinnen auf Kosten anderer. Alle herrschenden Volkswirtschaften haben nur noch dieses Ziel, das Ergebnis ist schon festgelegt.

Oder doch nicht? Angeblich haben wir ein Ponzi-System aufgebaut. Hat doch bis vor kurzem toll funktioniert. Können wir nicht einfach irgendwie weiterhin so tun als wäre alles gut. Könnt doch weiterhin irgendwie klappen. Ponzi funktioniert doch. Die Banken könnten im Hintergrund doch die Gelder je nach Brandstelle geräuschlos irgendwie hin und her schieben, dass die Illusion aufrecht erhalten bleibt. Das lernen die doch gerade.
Lassen wir ihnen doch Zeit. Das wird schon wieder. Es geht doch nur darum die Illusion wieder zu festigen. Geld ist Illusion, basierend auf einem gesellschaftlichen Konsens. Der muss wieder hergestellt werden. Das geht es schon noch a biserl.

83 wilko0070 17. Juli 2009 um 00:15

Was bei all diesen makroökonomischen Kreislaufmodellen vergessen wird, dass sie auf Dauer nur funktionieren, wenn sich nach einem Kreislauf Investoren und Sparer (also Personen, und keine Beträge!) in annähernd gleicher Stärke gegenüberstehen. Die Realität zeigt aber, dass bei einem typischen Absatzverlauf der Realgüter entsprechend einer logistischen Kurve die Investoren beim Erreichen der Gewinnzone und der nachfolgenden oberen Schranke (= Marktsättigung) ihre Überschüsse dann lieber auf den exponentiellen Verlauf der Nominalgüterkurve setzen (also sparen) als in neue Güter zu investieren. Die Folge davon ist langfristig eine Überliquidität, da die Banken zwar “billige Kredite” an neue Investoren geben können, diese ihre neuen Produkte aber nur entsprechend einer logistischen Wachstumskurve absetzen können. Die Summe aller logistischen Realgüterkurven hat aber auf Dauer KEINE CHANCE gegen das exponentielle Wachstum der Nominalgüter. In der Folge hilft natürlich langfristig auch keine zusätzliche Realgüterproduktion durch den Staat; die keynesianische Politik Roosevelts von 1932-1945 führte erst nach dem 2. WK zur Beendigung der Weltwirtschaftskrise infolge der Neuinitialisierung von Realgüter- und Nominalgütersektor.
Das Perfide an der logistischen und exponentiellen Wachstumskurve ist, dass sich beide am Anfang ähneln (sich also scheinbar im Wachstumsgleichgewicht befinden), die logistische Kurve aber dann eine Marktsättigungsgrenze erreicht.

84 wilko0070 17. Juli 2009 um 00:37

@Lehrling:

“Die vielen Milliarden durch die EZB als Liquidität, die vielen Milliarden durch den Staat an die Banken und trotzdem ist die Kreditvergabe schleppend. Wieso?”

An wen sollen denn die Banken Kredite vergeben, wenn die Märkte mit Gütern übersättigt sind und die Volkswirtschaft sich in einer tiefen weltweiten Rezession befindet?

Bei einfachen Konsumentenkrediten an Verbraucher ist die Gefahr hoch, von dem verliehenen Geld nicht mehr viel wiederzusehen.

Was fast alle Ökonomen übersehen, ist, dass sich nicht “Angebot” und “Nachfrage” gegenüberstehen, sondern Menschen mit einer unterschiedlichen wirtschaftlichen Biographie und Macht. Und wenn Unternehmer beim Erreichen der Marktsättigung lieber auf das Anlegen ihrer Überschüsse (= exponentielles Wachstum)als auf Neuinvestitionen (= maximal logistisches Wachstum) setzen, ist irgendwann einmal viel Geld vorhanden, dass keine Abnehmer findet.

85 Bankster 17. Juli 2009 um 01:39

#BB 77
Wohl wahr. Die Schulden und Zinsen an sich sind ja der Antrieb des Systemes.

Die jüngsten Ansichten von Soros habe ich nicht verfolgt. Um 2003 publizierte er “Die Vorherrschaft der USA – eine Seifenblase”. Er ist also kein “Wendehals”. Ob wir Muscheln, Gold-, Silber- oder Kupferbarren, Mühlsteine oder Papierschnipsel als “Geld” definieren, ist letztlich unwichtig. Die solideste Währung wäre banales Gold, deshalb gab es sowas von “Aureus” bis “Zecchine”, später dann “Dukaten”, usw.. Das heutige Geld-System ist schlicht Betrug, ein gut gemachter.

Macht nix, solange die Leute daran glauben. Verlören sie diesen “Glauben”, weil Hartz IV Arbeitslose und Arbeitswillige mit auf den Abfallhaufen oder in die blanke Lohnsklaverei wirft, noch schlimmer, ein “Grundeinkommen”, das gleich noch die Rentner mit betrügt, dann wäre das Ende dieses Geldes in greifbarer Nähe.

Im Prinzip wird das System der “Volksparteien” heute nur noch am Leben erhalten, weil es genug Leute gibt, die hübsch, selbst nur gering oder sogar unverzinste Schulden tilgen müssen. Die Abwrackprämierten, die, die 2006 noch schnell der Mehrwersteuererhöhung zuvorgekommen sind, die, die noch die Eigenheimpauschale mitnehmen wollten. Welches Muster zeigt sich da ? Einfach nur banale Gier. Und diese jämmerlichen verschuldeten Kreaturen recken ihre dreckigen Griffel gegen die Bankster, die ihnen Kredite gewährten. Und jetzt wolln se mehr. Iss nich. Nur gegen Freundschaftszins. So waren und sind die Spielregeln unter “ehrwürdigen” Bankiers in der Geldgeschichte immer, von “Aureus” bis “Zecchine”, gewesen.

86 Hans~Gottlieb 17. Juli 2009 um 01:59

@wilko0070

Vorschlag:

=> … geh doch bitte mal heute abend in die Kneipe am Bahnhof … und verzähl der versammelten Kundschaft von Hilfsarbeitern und HIV’lern deinen Vortrag über die “Marktsättigung” :-)

87 goodnight 17. Juli 2009 um 04:38

@Lehrling:

“Die vielen Milliarden durch die EZB als Liquidität, die vielen Milliarden durch den Staat an die Banken und trotzdem ist die Kreditvergabe schleppend. Wieso?”

=>Yep, weil wir es mit zwei unterschiedlichen Funktionssystemen zu tun haben…und dieser feuchter Keynesianertraum der Steuerung über Systemgrenzen hinaus nicht funktioniert…weil wir Funktionssysteme haben…und keine hierarchische Gesellschaft….und WGN nix versteht, dass das ne difference that makes a difference ist….aber von vorne:
Wir haben da nen Staat, der will immer und immer wieder seine Macht ausdehnen und deshalb gibt den Banken ganz viel Geld seiner Steuerzahler, damit er die Kontrolle (also: macht) über sein Land nicht verliert (weil das Land ja Schaden erleiden könnte durch Bankenkrise).
Prämise seiner Überweisung an die Banken ist, dass diese jetzt das Geld in den Kreislauf zurückführen, weil der Staat ja denkt, die Banken würden wie der Staat jetzt primär an die Stabilisierung des Landes interessiert sein…Nope, dem ist aber nicht so. Denn Banker sind zwar oft auch Deutsche, aber in erster Regel sind es Banker…und ne Bank hat per definitionem die Aufgabe, aus Geld immer noch viel mehr Geld zu machen (vulgo: G’). Folglich wird so ein Banker, wenn man ihm so ne Mrd. hinlegt, was mit diesem Geld machen? Wird er es in die Menge werfen und “Rettet die nation” rufen….oder wird er überlegen, wo er damit 25%Rendite erzielen kann? Yep, letzteres, er wird weiterhin Gewinnmaximierung betreiben…weil ein Banker ist ein Banker ist ein Banker ….der kann und darf nicht anders denken.
Ergo geben die Politikern diesen Banken, die höchstverschuldet und maximal “Nicht-Kreditwürdig” sind, 100 Mrd. €…ohne Nachfrage…..diese Banker aber geben das Geld nicht an Mittelständler und Privathaushalte weiter, weil da villeicht nen Schufa-Eintrag oder nicht maximale Sicherheiten bestehen….und weil man das geld sicherer woanders anlegen kann.

Unterschiedliche Systeme…da machste nix….willkommen in the new world order …. wo nicht Rentiers sondern Keynesianer-Träume sterben ;-)

“You’re just seeking the truth. You’re a truth seeker. You can’t help it, that is just who you are.”
Stephen (state of play)

88 Logik-Ratio 17. Juli 2009 um 07:59

@alle

Ich denke wir landen am Ende immer wieder bei der gleichen Tatsache – exponenzielles Wachstum ist unmöglich.

D.h. konkret wir müssen nicht auf plumpes “Wachstum” setzen, sondern auf qualitatives Wachstum. Dafür sind die Denkmuster und Instrumente, wie das BIP Wachstum, nicht ausgelegt. Die VWL denkt noch in alten Kategorien, wie “Kinder kriegen se von aleene” d.h. Bevölkerungswachstum.

Wenn wir unsere Bedürfnisse als Menschen einmal abgleichen mit den Kennzahlen die viele Volkswirte messen, so wird meine Aussage offensichtlich: (Aggregiert bei einer konstanten Bevölkerung)

Wenn ich heute satt bin, dann kann ich über die Nachfrage nach Nahrungsmittel kein Wachstum generieren – höchstens qualitativ bzw. nominell durch inflation.

(ich kann nicht noch “satter” werden, sondern höchstens meine Nachfrage nach teureren Nahrungsmitteln erhöhen).

Wie sieht es aus, wenn ich mein Haus gebaut habe, und es abgeschrieben ist? Dann habe ich allenfalls einen Reperaturaufwand. Wie sieht es bei Urlaubsreisen aus? Beim Frisör, beim Masseur, beim Arzt…usw.

Nominelles Wachstum kann ich nur durch die Einführung neuer Produkte generieren, z.B. I-Pod, Internet, PC usw.

Es ist doch absehbar, dass in diesem Breich in den nächsten JAhren wahrscheinlich keine neuen Impulse gesetzt werden. Die PC und das Internet funktionieren und auch wenn der eig. PC 5-6 Jahre alt ist, kann man damit immer noch Problemlos surfen und mit Office arbeiten.

Durch neue Produktionsmethoden steigt auch die Qualität und Lebensdauer von Produkten – so haben wir in den letzten Jahren viele Küsten mit Wohnungen zugepflastert, Yachten gebaut und Limosinen verkauft. Alle Produkte haben eine lange Lebensdauer, die im Zeitablauf eher steigt als fällt. (Abgesehen von vielen Wellblechhütten die in den USA Häuser genannt werden.)

Worauf ich hinaus möchte – der quantitative Wachstumsbegriff ist in der modernen Welt deplaziert. Die VWL sollte endlich damit beginnen diese Kennzahl abzuschaffen, denn dann wird der Blick frei auf viele Probleme des Gesamtsystem, die durch den wilden Wachstumsglauben verdekt werden.

89 Martin 17. Juli 2009 um 08:11

@wgn,

Der Chart und die Erläuterungen sind eine Zumutung für einen Naturwissenschaftler. Vielleicht ist das der Grund für die Kommunikationsprobleme.

Ich kann der Begründung für eine ansteigende ‚private sector surplus’ Kurve ja noch einigermaßen folgen, muss aber feststellen, dass die Steigung erst mal beliebig gewählt ist.

Vor allem ist aber unverständlich, dass die Steigung des ‚public sector deficit (psd)’ in der Prinzipdarstellung nicht genau dem Negativen der pss Kurve ist.

Denn, wie behauptet soll ja im geschlossenen System bei einem jeweiligen BIP die Summe der beiden Kurven zu Null aufgehen. Womit auch der Schnittpunkt nicht das BIP wäre: Die erste Darstellung soll ja die Entwicklung über das steigende/fallende BIP zeigen.

Mit der Verschiebung der pss Kurve nach oben verlassen Krugmann aber alle systematischen Geister: Entweder ist das System geschlossen und balanciert, oder nicht. Zur Stützung behauptet er einfach, das pss sei an jeder Stelle des BIP stark gestiegen. Was erstens zu beweisen wäre (warum sind wir nicht einfach nach links = pss negativ gerutscht?), zweitens nimmt er an, dass sich die psd-Kurve nicht verschiebt. In einem balancierten System müsste sie aber der pss-Kurve folgen. Damit wäre die Darstellung aber eine Nullaussage.

Das Problem der Ökonomen ist, dass sie versuchen, systematisch verschiedene Zusammenhänge in pseudo-mathematische Darstellungen zu pressen.

90 KL 17. Juli 2009 um 08:22

@lemming 35
@Lorenz Kleist 42

Sehe hier auch ein Funktions-Schema, die nur dem Ökonomen etwas sagt – bei näherer Untersuchung sogar irreführt. Was die Ökonomen sich mittels solcher Skizzen zurufen, wissen sie hoffentlich aus anderen Quellen als solchen Bildern. Sie benutzen sie aber reichlich großzügig. Kein Naturwissenschaftler oder Ingenieur könnte damit etwas anfangen.

Bis zu den Gleichungen unter #42 war ich ungefähr auch gekommen, als ich ratlos feststellte, daß das, was hier von Krugman und @wgn als „Erhöhung des privaten Sparvolumens“ angeführt wird, etwas ganz und gar außerhalb dieses Funktionsschemas Erklärtes sein muß – denn es wird ja die alte Funktion PS=f(BIP) durch eine neue ersetzt: PS=f’(BIP). Mit offenbar gleichem Anstieg d, aber verändertem Parameter c:=c’. Nichts anderes kann die Verschiebung der gesamten Kurve nach oben aussagen.

Bloßes Sparen müßte jedoch, nach dem, was Krugman erklärt, einfach Veränderung des Werts auf einer gegebenen Funktionskurve PS sein. Das aber müßte eigentlich, nach Krugmans eigener Voraussetzung („because higher GDP means higher income and more savings“), auf gestiegenes BIP zurückgehen. Das soll nun aber gar nicht dargestellt sein …

Hier komme ich dann auch auf den Einwand von @lemming 35: es ist nicht klar, wie PS eine Funktion von BIP sein soll, wenn BIP zugleich eine Funktion von PS und PD sein soll – und ergänze: es sei denn, wir haben es mit einem System der Wechselwirkung zu tun. Dann sind aber in diesem schön-schlichten Schema zwei Aspekte recht lässig vermengt worden, ohne daß die wirklichen Abhängigkeiten noch erkennbar sind.

Es sieht nach einer lax verstümmelten Kurzfassung aus, die nur Ökonomen etwas mitteilen kann. Geschulten Interpreten von Funktionsdiagrammen leider nichts.

Als einzig plausibles Resultat aus dem, was ich aus Argument und Skizze erraten kann, ergibt sich die Aussage, daß, wenn PS steigt, auch PD steigen muß, wenn das BIP nicht sinken soll.
Das führt dann zu der atemberaubenden Vermutung, daß wir das BIP immer weiter steigern könnten, wenn wir PS und PD frei steigen ließen – den privaten Reichtum und die öffentlichen Schulden im Gleichtakt.

Grüße,
KL

91 KL 17. Juli 2009 um 08:23

@Martin 89

Unsere Kommentare hatten sich überschnitten.
Sehe erst jetzt, daß ich Wasser zum Bach gebracht habe …

Grüße,
KL

92 Andreas 17. Juli 2009 um 10:08

Zitat aus “Das Geldsysndrom” von Helmut Creutz, S. 98:

Rüdiger Pohl, einer der „Fünf Weisen“, hat das einmal, bezogen auf das Verhalten des Staates,
deutlich gemacht:
„Wohlgemerkt: Staatliche Kreditaufnahme ist kein Selbstzweck. Aber wenn — wie heute in der Bundesrepublik
— das Kapitalangebot aus privaten Ersparnissen steigt, gleichzeitig die Kapitalnachfrage… der Unternehmen
wegen der schwachen Investitionsneigung gering bleibt, dann muss der Staat das am Markt entstehende
Kapitalüberangebot aufnehmen, weil anderenfalls eine deflationäre Wirtschaftsentwicklung einsetzen würde.“
Diese Aussagen, die „Die Zeit“ am 11.12.1987 veröffentlichte, lässt auch die vielbeklagte
Staatsverschuldung in einem anderen Licht erscheinen.
Um nicht missverstanden zu werden: Selbstverständlich sollte der Staat nach Möglichkeit ganz auf
Kreditnachfrage verzichten, da dieser Finanzierungsweg — auch für die sozialste Maßnahme —
langfristig immer der unsozialste ist. Denn mit jedem Kredit werden die bereits Reichen auf Kosten
der anderen immer noch reicher. Aber wie das Zitat zeigt, kann der Staat in bestimmten Situationen,
die Folge unserer geldbezogenen Fehlstrukturen sind, zur Verschuldung geradezu gezwungen sein.
Denn das Risiko eines geldmangelbedingten Konjunktureinbruchs ist so groß, dass daneben eine
höhere Verschuldung nur als kleineres Übel erscheint.
Das Problem der Geldschulden ist also letztlich eines der zinsbedingt wachsenden Geldüberschüsse
und kann deshalb auch nur mit diesen verschwinden.

93 Lehrling 17. Juli 2009 um 10:10

Hab mal noch eine Frage, die mir hier vieleicht jemand beatworten kann. Ist vieleicht etwas off-topic, hat aber was mit der Kreditvergabe zu tun.
Habe mich durch ein paar Internetseiten gelesen und zwei Sachverhalte bezüglich der Vergabe von Krediten durch Banken gefunden.
1)In einem Schaubild der Bundesbank wird die Kreditvergabe der Banken folgendermaßen dargestellt:
Jemand A1. legt 100.000 in Bank A ein(Zeitraum größer gleich 1 Jahr, kein direkter abheben möglich). Bank A gibt an Kunden A.2 Kredit in Höhe von 100.000 abzüglich Eigenkapitalreserve an die Bundesbank(2% der Kreditsumme) als Sicherheit und abzüglich einer Kapitalreserve(20%-30%) die der Kunde eventuell bar abhebt. Kunde A.2 kauft damit(nach Abzug ca. 66.000 ) ein(bargeldlos; per Überweisung bezahlen) und das Geld wandert über das Geschäft an Bank B. Dort wird es weiter gegeben(66.000 –> 44.000) und so weiter. Also sinkt im Grunde die weiterverliehene Geldmenge.
2) In Videos und Schriften von Läuten die auf Freigeld, Umlaufsicherrungsgebühr und sowas plädieren wird folgendes erklärt:
Jemand legt 100.000 in Bank A ein. Bank A hat nun 100.000 und denkt sich, dass ein Kunde nur ca. 30% eines Kredites in bar in Anspruch(abheben) wird. Also kann man an 3 weitere Kunden Kredite in Höhe von 100.000 vergeben. Jeder kredit hat seine Eigenkapitalreserve(3×2%) und jeder hebt ca. 30%(31,333%) ab. Somit hat man das Geld nicht mehr im Tresor und es schafft.

Nun meine Frage: Welche Rechnung wird bei unserem Geldsystem verwendet? Vieleicht beide in einer Mischung?
Die Verhältnisse der Geldmengen sind ja im ersten Schritt bei Fall 1) 1: 2/3 und in Fall2) 1:3. Jeder Bänker würde doch Fall 2 vorziehen, oder?
Gibt es da gesetzliche auflagen? Hab da bisher nichts zu gefunden.

Ich hoff, dass ich noch vieles lernen kann.

Gruß

Lehrling

94 Lorenz Kleist 17. Juli 2009 um 10:15

@KL 90

Erstmal stimme ich völlig Dir zu für die ersten beiden Absätze. Ich bin im Übrigen auch kein besonders grosser Freund der üblichen VWL-Lehrbuch-Diagramme und das Krugman-Diagramm dieses Beitrages ist sehr simpel. Aber es macht schon Sinn. Lies es doch so:

PD und PS sind “Verhaltensgleichungen”. Sie geben an wie sich Privatsektor und Staat bezgl. ihres Sparens in Abhängigkeit des BIP verhalten (würden). Sie geben sozusagen für einen Zeitpunkt (!) eine Verhaltensgesetzmäßigkeit vor. Nur im GG sind die jeweiligen Dispositionen von Privaten und Staat vereinbar. Der GG-Punkt definiert also das einzig realisierbare BIP, das bei den gegebenen Verhaltensgleichungen möglich ist.

Nun gibt es einen “Schock”: “Hoppla, Bankenkrise.” Die Zukunft ist vielleicht doch nicht nur rosig und Preise können auch mal fallen, denken sich nun die Privaten und ändern instantan (!) ihre Verhaltensdisposition PS. Sie sparen, von einem Moment zum anderen, jetzt bei gleichem BIP mehr, so dass sich der GG-Punkt verändert.

Wie der Weg zum GG aussieht, kann man im Diagramm nicht erkennen.

Also, plötzliche Verhaltensänderungen und “externe Schocks”, damit hantieren Ökonomen ganz gerne und damit kann man natürlich alles mögliche erklären. Allerdings macht es hier einen gewissen Sinn, finde ich. Es verdeutlich einfach, was der plötzliche Vertrauensschwund im privaten Sektor für Konsequenzen haben kann.

Natürlich liegen hier in Wirklichkeit Rückkopplungen von priv.Verhalten, BIP, Staatsverhalten und Erwartungen vor. Verhalten/erwartungen zu modellieren ist allerdings echt schwierig. Jedenfalls behelfen sich die Öknomen oft mit solchen Verhaltensgleichungen und externen Schocks, solange eine systemdynamische Modellierung mit endogenen Erkärungen von Verhaltensänderungen nicht vorliegt.

95 BB 17. Juli 2009 um 10:28

@KL: Klasse!

> Als einzig plausibles Resultat aus dem, was ich aus Argument und Skizze erraten kann, ergibt sich die Aussage, daß, wenn PS steigt, auch PD steigen muß, wenn das BIP nicht sinken soll.
Das führt dann zu der atemberaubenden Vermutung, daß wir das BIP immer weiter steigern könnten, wenn wir PS und PD frei steigen ließen – den privaten Reichtum und die öffentlichen Schulden im Gleichtakt.

Genau das ist doch die Neocon-Version des Keynesianismus. Damit hast Du jetzt sauber belegt, dass der Krugmann exakt auf der gleichen Linie liegt.

96 Lorenz Kleist 17. Juli 2009 um 10:44

@BB:

Ich finde das Diagramm zeigt etwas, das zumidest einigen nicht klar war. Man sollte nicht mehr hineininterpretieren als nötig.

Natürlich ist es eine theoretische Option, das BIP beliebig zu steigern, wenn man das Verhalten aller Marktteilnehmer festlegen könnte. Am Ende bestünde das ganze BIP möglicherweise nur aus Zinseinkünften, aber was solls? Da wir ja das Verhalten aller Beteiligten einfach festlegen, werden die sich auch weiterhin vermehren und US treasuries kaufen, auch wenn sie schon seit Jahren nix mehr zu beissen hatten. Theoretisch lässt sich durch grenzenloses Asuweiten der Schulden der Knall bis in alle Ewigkeiten verschieben.

Die Schlussfolgerung, man bräuchte also nur PS und PD immer weiter ausdehnen um ein hohes BIP zu erreichen, ist richtig bis auf das “nur”. Ausserdem abstrahiert sie von der Qualität des BIP (nur Zinseinnahmen?) und von der Erodierung der reproduktiven Grundlagen der Gesellschaft. Will sagen: Das Diagramm sollte man nur in hinreichender Nähe zur Welt wie sie jetzt ist interpretieren, aber nicht zum Welterklärungsmodell machen und dann verdammen. Das Diagramm ist vom Ansatz her didaktisch gemeint. es soll einen (nur einen) Sachverhalt verdeutlichen.

97 Martin 17. Juli 2009 um 11:16

@ Lorenz Kleist

“PD und PS sind “Verhaltensgleichungen”. Sie geben an wie sich Privatsektor und Staat bezgl. ihres Sparens in Abhängigkeit des BIP verhalten (würden). Sie geben sozusagen für einen Zeitpunkt (!) eine Verhaltensgesetzmäßigkeit vor. ”

Das ist schon der Unsinn: Zu einem Zeitpunkt (z.B. Jahr) kann es nur einen sehr kleinen gültigen BIP-Bereich geben, was eher durch einen Punkt repräsentiert wäre. Lange Geraden sind nur irreführend. Damit kann man sich auch die Interpretation von Schnittpunkten u.a. schenken, vor allem, wenn man dann anfängt, Geraden zu verschieben.

Die Darstellungsform ist einfach ungeeigntet, Prosa ist da besser.

98 HAM 17. Juli 2009 um 11:16

@ alle

WGH schreibt:
„Eines muss man dem Krugman ja wirklich lassen: keiner stellt Makro-Zusammenhänge so anschaulich dar wie er.“

Diese Aussage ist richtig und falsch zugleich.

Richtig ist, dass anschaulich in Form einer Grafik ein kausaler Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Pss und Psd dargestellt wird.

Dabei handelt es sich hinsichtlich der behaupteten Kausalbeziehung um nichts weiter als eine Hypothese, obgleich die mathematische Darstellung suggeriert, dass es sich um ein allgemeingültiges Gesetz handelt.

Selbst wenn diese mathematisierte Darstellung – wie es erforderlich wäre, um wissenschaftlichen Minimalansprüchen zu genügen – mit empirische Fakten belegt wäre, würde sie keineswegs den behaupteten Kausalzusammenhang begründen.
Denn allein mittels Korrelationen lassen sich keine Kausalitäten begründen, wie jeder echte Wissenschaftler weiß.

Insofern stellt Krugman keine Makro-Zusammenhänge dar, sondern nur eine Behauptung über makroökonomische Kausalbeziehungen.

Das Thema hatten wir erst letztlich:

„Sloterdijk hat in dem verlinkten Interview gesagt, dass wir seit seit 200 Jahren eine Wirtschaftswissenschaft haben, die keine Wissenschaft ist.
Nur verkappte Theologie, die ihre Unwissenschaftlichkeit verbirgt hinter einem riesigen Aufwand von Mathematik.
Wirtschaftswissenschaft sei im letzten halben Jahrhundert zum Spielfeld für mathematisierende Spinner geworden.“
http://www.weissgarnix.de/2009/07/10/grandioser-deutschmann-in-der-faz/#comment-30179

So generalisierend, wie es Sloterdijk formuliert, ist es natürlich auch nicht richtig, weil es nach wie vor echte Wissenschaftler im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich gibt und somit auch Wirtschaftswissenschaft, welche nicht nur Pseudowissenschaft ist.

Da im Zentrum der kapitalistischen Ökonomie die Plusmacherei (G –> G´) steht, werden wirtschaftliche Prozesse vorrangig in Geld-Werten erfasst (vgl. BIP).
Geld-Werte erfassen jedoch lediglich den Tauschwert-Aspekt und sind völlig losgelöst vom Gebrauchswert-Aspekt.

Ob Pillen oder Nahrungsmittel produziert werden, macht keinen Unterschied auf der TW-Ebene. Nur: Mit Pillen sind natürlich ganz andere Profite möglich, als mit Nahrungsmitteln. Man schaue sich nur an, was 1 kg an chemischer Substanz auf dem Weltmarkt kostet und die verarbeitete Substanz in Tablettenform. Da ist schnell einmal ein Faktor 100, manchmal sogar 1000, drin. Folglich muss man das Volk zu Pillenfressern machen. Und wenn die Menschen keinerlei Krankheitssymptome haben, verkauft man ihnen Lifestyle-Präparate. Oder Impfungen, die keinerlei medizinischen Sinn machen (wie FSME). Wenn dies nicht ausreicht, produziert man künstliche Epidemien.

Dies nur als EIN Beispiel, wie man künstlich neue Märkte schafft. Denn immer geht es nur um das eine: G –> W –> G´. Und darum, dass das Plus möglich groß ist. Ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Völker und die Reproduktion der Gattung.

99 Frankie Bernankie 17. Juli 2009 um 11:42

@goodnight #87

Sehr gut beschrieben.

Deshalb fordert das “1. Liquidative Manifest”:

Entreisst den Bänkern die Herrschaft über die Liquidität, denn sie haben das Recht verwirkt, sie zu verwalten!

Die Liquidität ist wie Freiheit und Recht ein öffentliches Gut und Menschenrecht, aber die Bänker haben sich dieses Gut unter den Nagel gerissen!

Für die Errichtung der 4. Säule der Staatsgewalt!

Für die Errichtung der “Liquidative”!

100 Hans~Gottlieb 17. Juli 2009 um 11:44

@martin
@kl

“Sehe hier auch ein Funktions-Schema, die nur dem Ökonomen etwas sagt – bei näherer Untersuchung sogar irreführt. Was die Ökonomen sich mittels solcher Skizzen zurufen, wissen sie hoffentlich aus anderen Quellen als solchen Bildern. Sie benutzen sie aber reichlich großzügig. Kein Naturwissenschaftler oder Ingenieur könnte damit etwas anfangen.”

“Der Chart und die Erläuterungen sind eine Zumutung für einen Naturwissenschaftler. Vielleicht ist das der Grund für die Kommunikationsprobleme.”

==> … völlig richtig !! … ganz meine Worte !

==> … ihr macht aber auch einen schlimmen Fehler: ihr setzt KrugI und Krugi-Fan wgnX mit “Ökonomen” gleich … und das ist eben grundverkehrt ! … es handelt sich dabei um “Keynesianer” … und NICHT um Ökonomen ! … zumindest betreffend der Person Krugi (sowie auch 99% aller anderen Ami-Ökonomen insbesondere die mit Nobel-Preis!) handelt es sich noch dazu um “aufgebaute” Medien-Promis mit Desinformations-Auftrag im Sinne der Ostküsten-Bankster !!!

==> … und bezüglich des Keynesianismus, der ja seit dem WK II der absolute Mainstream an den meisten VWL-Lehrstühlen und den Apologeten der Praxis war … hat dann sogar auch der fachfremde Slottterdick mal recht: “Keynesianismus (“… letzte 50 Jahre … “) ist KEINE Wissenschaft, sondern pseudo-mathematische Spinnerei!”

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

101 georgi 17. Juli 2009 um 11:56

#100 (Laternenpfahl, Wi-Ing 030, …)

Grenznutzentheorie und die Theorie der Flohmärkte nach
Hayek, Mises, Friedman, Sinn usw. sind aber auch keine
Wissenschaftlich sondern Theologie. Auch die neueste
Reinkarnation des Halbgott hat noch nicht ansatzweise
eine Argumentation vorbringen können. Von ihm gibt es nur
Feinbilder: Keynesianer, Greenspan, Krugmann,
Weltgeldbetrüger etc.

102 BB 17. Juli 2009 um 11:58

Aber ist es nicht erschreckend, dass die Politik genau das macht, was man als einzige objektive Information aus dem Diagramm herauslesen kann?

Wenn ich von Neocon-Keynesianismus spreche ist damit nur das Brutalo-Extrem des Keynesianismus gemeint, z.B. dass man unbedingt einen (Irak-)Krieg braucht, damit bestimmte Typen, die vorher ihre Leute in der Regierung gelobbyed haben, endlich einen noch größeren Surplus anhäufen konnten, natürlich alles auf (Staats)-Defizit finanziert.

Aber was macht der Obama eigentlich anders? Ok, der will vielleicht keinen Krieg finanzieren. Aber er muss die Finanzkrise bekämpfen. Er macht Schulden, um Schulden zu bekämpfen, anstatt den Schnittpunkt von Surplus und Defizit auf der GDP-Linie dorthin nach links zu verlagern, wo sie hingehört, nämlich bereinigt um die Blasen. Denn das realwirtschaftliche “ehrliche” GDP liegt viel viel weiter links. Um das nach links zu verlagern, müsste er aber die Luft aus dem Finanzsystem nehmen, er muss die Banken kastrieren (alle weiteren Fragen können eigentlich nur noch sein: wie!)

Also von wegen:

> Ich finde das Diagramm zeigt etwas, das zumidest einigen nicht klar war. Man sollte nicht mehr hineininterpretieren als nötig.

Statt dessen: Das Diagramm entlarvt etwas, was der Krugmann gar nicht wahrhaben wollte. Mathematik ist eben unbestechlich.

Nichtsdestotrotz ist der Krugmann ein katastrophaler Didaktiker. Das ist ebenfalls offensichtlich.

103 BB 17. Juli 2009 um 12:21

@martin /89

Übrigens genau richtig, was Du da sagst. Wenn man schon behauptet, dass sich Surplus und Defizit immer aufheben (im Gleichgewicht befinden, haha), dann sollte man wenigstens in der Lage sein, die Linien im gleichen Winkel zu zeichnen.

(oder hat wgnx die Linien abgemalt?)

104 HAM 17. Juli 2009 um 12:40

@Lorenz Kleist
#94
„Jedenfalls behelfen sich die Ökonomen oft mit solchen Verhaltensgleichungen und externen Schocks, solange eine systemdynamische Modellierung mit endogenen Erklärungen von Verhaltensänderungen nicht vorliegt.“

#96
„Das Diagramm sollte man nur in hinreichender Nähe zur Welt wie sie jetzt ist interpretieren, aber nicht zum Welterklärungsmodell machen und dann verdammen. Das Diagramm ist vom Ansatz her didaktisch gemeint. es soll einen (nur einen) Sachverhalt verdeutlichen.“

Wissenschaft soll „erklären“.

Was bedeutet dies?
Nichts anderes als die Erforschung von Kausalbeziehungen mittels wissenschaftlicher Methoden.

In der Pseudo-Wissenschaft wird „Erklären“ mit „Deuten“ gleichgesetzt.
Es werden Kausalzusammenhänge aus Phänomen heraus gedeutet, so dass sich eine Pseudo-Logik ergibt: Es erscheint so, also ob eine Erklärung von Kausalzusammenhängen vorliegt, dabei werden diese lediglich hineininterpretiert.

Mit Didaktik haben diese Deutungen nichts zu tun. Ist es Didaktik, wenn man den Kindern den Kindern erzählt, dass der Klapperstorch die Babys bringt?

Krugman ist ein prominenter Vertreter der Literaturgattung der „Feuilleton-Ökonomie“, in welcher über die Zusammenhänge der Ökonomie spekuliert wird.

Natürlich verläuft das alles wie beim Brechtschen Kongress der Weißwäscher.
Über die wirklichen Zusammenhänge von Herrschaft und Ausbeutung erfährt der Leser nichts.
Soll er auch nicht. Ist eben Feuilleton und nicht Wissenschaft.

105 Lorenz Kleist 17. Juli 2009 um 12:51

@ BB 102/103, martin 89

a) es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Steigungen von PS und PD vom Betrag gleich sind. Es sind wie gesagt Verhaltensgleichungen bezüglich der sektoralen Ersparnis. Das Verhalten von Staat und Privaten ist weitgehend unabhängig voneinander und ganz verschieden. Die Kurven machen Sinn so wie sie da sind.

b) “oder hat wgnx die Linien abgemalt?)”
Warum liest Du nicht den Krugman-Artikel. Das würde die Diskussion vereinfachen und die Vermutung des “Abmalens” erübrigt sich auch.

c) “Mathematik ist unbestechlich” . Auf solche Formulierungen kann ich verzichten. Die Argumentation ist in sich schlüssig und widerspruchsfrei und lässt sich nicht “mathematisch” widerlegen. Ob man ihr etwas abgewinnen kann, oder man sie für irreführend betrachtet, ist davon erst einmal unabhängig. Die vorgetragene Kritik, insbesondere die auf “die Mathematik” und den “Naturwissenschaftler” verweisende, wendet sich m.E. gar nicht gegen Krugmans Aussage (Ohne Staatsverschuldung wäre der wirtschaftliche Einbruch schlimmer gewesen).

d) “Nichtsdestotrotz ist der Krugmann ein katastrophaler Didaktiker. Das ist ebenfalls offensichtlich.”
Mir nicht. Ist das wichtig?

106 HAM 17. Juli 2009 um 12:56

@Lorenz Kleist #105
„Die Argumentation ist in sich schlüssig und widerspruchsfrei und lässt sich nicht “mathematisch” widerlegen.“

Dass der Klapperstorch die Babys bringt …

„ist in sich schlüssig und widerspruchsfrei und lässt sich nicht “mathematisch” widerlegen.“

107 Logik-Ratio 17. Juli 2009 um 13:01

Und wir treffen uns wieder an einem Punkt – die VWL braucht andere Maßstäbe für Fortschritt und Entwicklung als das BIP oder Begriffe wie “Wachstum”.

Alleine schon die Geldwirtschaft verführt viele “Ökonomen” zu glauben Fortschritt und Wachstum wären identisch. Denn Geld als Aggregat aller Güter und universelles Tauschmittel kann alle anderen Güter kaufen. Daher die Schlussfolgerung – solange ich Geld habe, habe ich alle anderen Güter zu meiner Verfügung.

Ansonsten – Wi – Ing – ich kann Dir nur widersprechen. Keynes hat in vielen Punkten einfach nur recht. Nur darfst Du niemals Keynsianismus mit Keynes gleichsetzen. Denn die Anhänger von ihm haben vieles was er meinte a) nicht verstanden und b) nur die Vorteile herausgepikt.

Aber auch in diesem Blog wird hauptsächlich über Geld und Wachstum diskutiert und nicht wie man z.B. den Faktor Fortschritt als Politik manipuliern kann, oder ob es nicht sinnvollere Wohlstandsmaßstäbe gibt als Wachstum usw.

108 BB 17. Juli 2009 um 13:06

@Lorenz Kleist

Also was schreibt Krugman (Ok, mann mit einem n).

>In equilibrium the private surplus equals the government deficit (not strictly true for any one country if you add in international capital flows, but think of this as a picture for the world economy).

Da steht: “… not strictly true for any one contry …. but think of this as a picture for the world economy …”

Das lese ich so (oder bin isch bekloppt?): Ich soll es als Bild der Welt-Ökonomie betrachten … und da heben sich über alles gesehen Surplus und Defizit auf.

Und wenn das so ist, dann hat Krugman gefälligt die Linien im gleichen Winkel zu zeichnen!!!!!!!!!!!!! :-( :-( :-(

Alle anderen Einwendungen Deinerseits erübrigen sich damit.

109 Lorenz Kleist 17. Juli 2009 um 13:07

@ HAM 104

An Dir ist ja echt ein Wissenschaftstheoretiker verloren gegangen? :-)

Im Ernst
1) Was Wissenschaft ist, ist total umstritten. Die Diskussionen um eine “wissenschaftliche Methode” zur Wahrheitsfindung konnte zwar viel Interessantes hervorbringen, aber eben auch die Erkenntnis, dass es diese Methode nicht gibt. (siehe Feyerabend, Thomas Kuhn, Richard Rorty)

2) Was Wissenschaft soll … Wer will das bestimmen?

3) Es fällt mir auf, dass Du viele Werturteile(“Pseudowissenschaft”) und normative Setzungen (“Wissenschaft soll”) formulierst. Das bringt uns in der Sache nicht weiter und führt höchstens zur Lagerbildung, finde ich. Schade.

4) Kausalität: Ein höchst schwieriges Thema. Eigentlich lässt sich Kausalität rein technisch überhaupt nie nachweisen. Darum hat ja Bertrand Russel schon Anfang des 20.Jahrhunderts sein Diktum zum “Absterben des Kausalitätsbegriffs” formuliert. Da er z.B. in der Physik keinen Platz mehr habe und durch die Korrelation und funktionale Beziehungen ersetzt werde. In den letzten Jahren ist es wieder lebendiger geworden um den Begriff Kausalität. Das ist aber ein sehr weites Feld. Dass Wissenschaft Kausalbeziehungen erforscht, ist sicher nicht Konsens. Wo es doch gar keine konsensfähige Theorie der Kausalität gibt.

110 Victor 17. Juli 2009 um 13:12

Es gibt gute Gründe sein Geld in den Schuhkarton zu legen.
Die Deflation ist da.
Abwarten wenn man einen Kaufwunsch hat.
Er läßt sich mit 10 – 20% Profit zu jetzt in nächster Zukunft realisieren.

111 Lorenz Kleist 17. Juli 2009 um 13:16

@ BB 108:
Es ist doch nicht so schwer… Natürlich addieren sich Surplus und Defizite der Sektoren zu Null. Diese Tatsache steht aber erstmal in keinem Zusammenhang mit der Frage, wie sich die Wirtschaftsteilnehmer zu verhalten gedenken.

Die Gleichgewichtslösung ist nun genau der Punkt, in dem trotz unkoordinierten Verhaltensweise der Sektoren sich eben alles zu zu Null addiert. Und aus der Lösung ergibt sich das BIP.

“Alle anderen Einwendungen Deinerseits erübrigen sich damit.”

Keineswegs! Krugman hat recht. Du nicht. Sollte er als Nobelpreisträger auch, finde ich. Wäre peinlich, wenn er nicht wüsste, dass in der Realität die Gesamtforderungen und Schulden sich zu Null addieren. Den würd ich entlassen, Mann … :-) . Aber er weiss es, und seine Grafik macht weiter Sinn.

112 BB 17. Juli 2009 um 13:25

@Lorenz Kleist / 109

Ich bin immer wieder baff, wie sich manche Schemata fast Klisché-artig wiederholen.

Du tritts hier selbstbewusst wissend auf, argumentierst aber diffus. Klar dass Du Kuhn und Feyerabend zitierts und außerdem noch Krugman-Exeget sein willst. Ist halt Eleganter Unsinn (Sokal /Bricmongt).

Im Fall Krugman sogar uneleganter Unsinn.

Klar – mit dem Kuhn im Rucksack ist man als lupenreiner Skeptizist natürlich unangreifbar.

113 Hans~Gottlieb 17. Juli 2009 um 13:27

@georgi

“Grenznutzentheorie und die Theorie der Flohmärkte nach
Hayek, Mises, Friedman, Sinn usw. sind aber auch keine
Wissenschaftlich sondern Theologie.”

==> … argumentfreie Polemik !

(ich habe mich in #100 zwar ebenfalls in offensiver Weise geäussert und (diesesmal!) keine EIGENE … A-R-G-U-M-E-N-T-A-T-I-O-N … inkludiert. Allerdings habe ich mich explizit der … A-R-G-U-M-E-N-T-A-T-I-O-N … von @KL und @Martin und z.T. ausnahmsweise sogar dem fachfremden Slottterdick (!) angeschlossen und dadurch indirekt doch eine … A-R-G-U-M-E-N-T-A-T-I-O-N … beigefügt ! … du wirst bei mir niemals eine “argumentfreie Polemik” finden (ausgeschlossen sind Schnell-Antworten an meinen Freund wgnX wie #4. ) ! … DAS ist einer (von vielen!) entscheidenden Unterschieden zwischen dir und mir … )

” Auch die neueste Reinkarnation des Halbgott hat noch nicht ansatzweise eine Argumentation vorbringen können. ”

==> … doch, mein Junge, ich habe immer Argumentation in meinen Beiträgen.

“Von ihm gibt es nur Feinbilder: Keynesianer, Greenspan, Krugmann, Weltgeldbetrüger etc.”

==> … Schwachfug hoch dausend !!! … meine “Feindbilder” habe ich schon dutzendfach ausführlichst begründet ! … wenn du meine Begründungen nicht schnallst, ist das mitnichten MEIN Problem, sondern DEINES !

==> … dein implizierter Vorwurf, ich würde keine Lösungen anbieten, ist eine dummdreiste Lüge ! … wenn du beispielsweise in meinem Beitrag #70 keine argumentativ hergeleitete Lösung erkennen kannst, dann tust du mir aufrichtig leid. In diesem Fall empfehle ich dir zunächst einen “Lerne Lesen!”-Kurs für Analphabeten an der örtlichen VHS (Staatszuschuss beim A-Amt möglich !)

@georgi, Junge, ich weiss, du versuchst dich hier im Blog dadurch zu profilieren, dass du über nahezu jeden meiner Beiträge zumeist argumentfreien, polemischen Müll auskübelst. Sieh mal, ich habe mir hier durchaus im Laufe der letzten 20 Monate einen gewissen Ruf erarbeitet. Zustimmung von anderen liberalen, marktwirtschaftlich orientierten Blogteilnehmern (von denen vermutlich die meisten inzwischen das Weite gesucht haben, seitdem der Blog stark marxismuslastig abgekippt ist …) aber worauf ich besonders Wert lege: ich bekomme auch eine gewisse Anerkennung von Leuten, die den Sozialismus präferieren ! Diese Anerkennung habe ich bestimmt nicht dadurch bekommen, dass ich – wie du mir völlig haltlos unterstellt – meine Thesen nicht begründe ! … das Gegenteil ist der Fall. Ich habe alle meine Thesen ausführlichst begründet … und es haben sich auch schon Leute “von der Gegenseite” dafür bedankt, dass ich ihnen einiges an neuen Erkenntnissen beibringen konnte. Geschätzt wird laut der Fan-Post, die ich gelegentlich bekomme, insbesondere meine „Authentizität“, meine „Geradlinigkeit“, sowie die „logische Konsistenz“ meiner Argumentationen und meines Gesamt-Modells.

@georgi, bisher habe ich deine zwanghaften (Möchtegerne-)Retourkutschen auf meine Beiträge zumindest noch gelesen. Aber – es tut mir leid – WENN du mal ein paar Argumente beifügst, sind darin so viele Fehler enthalten, dass ich gar nicht weiss, wo ich beim Korrigieren anfangen soll. Ist auch nicht meine Aufgabe. Alle deine Anwürfe habe ich im Übrigen früher schon entkräftet. Nur mal so als Beispiel, Georgi: du verortest mich ständig bei Herrn Sinn oder der FDP. Damit beweist du eindrucksvoll, dass du überhaupt gar nicht schnallst, was ich schreibe ! Was also sollen deine Anwürfe ??? Was soll ich da machen, wenn du meine Worte gar nicht verstehst ??? Ich fange doch für @georgi nicht ständig wieder bei NULL an Für wen hältst du mich ? Nein, du bist bei mir endgültig auf Ignore-Status. !… ich lass mich doch von einem “@georgi” nicht verkaspern !

Zum Abschied will ich dir noch eine Literaturliste mit auf deinen langen, langen Weg der Erkenntnis geben:

“Ökonomie für Dummies”
“Wirtschaft – wie funktioniert denn das”
( bitte selber googeln)
… anschliessend irgendein AVWL-Standard-Lehrbuch (meinetwegen den Samuelson).

=> … das ist freilich erst das absolute Grundgerüst. Wenn du dir das angeeignet hast, dann kannst du dich wieder bei mir melden.

Abschiedsgrüsse,
~ HG ~

114 KL 17. Juli 2009 um 13:34

@BB 95
Danke für die Blumen – aber so kühn, etwas zu beweisen, wollte ich nicht sein. Ich versuchte nur eine erste Vermutung zu formulieren, wie man die mit diesem schlichten Schema dargestellten Verhältnisse begreifen könnte. Daß dabei eine kleine Provokation entstand, war mir recht. Aber es ist eben noch nicht mehr. Die Experten mögen übernehmen.

@HG 100
Ich bin nicht gebildet genug, um die Feinheiten des Neo-, Neu-, synthetischen etc. Keynesianismus differenzieren zu können. Der einfache und klare Gedanke von Keynes, daß der Wunsch, der Güterproduktion über negative Nachfrageschocks hinwegzuhelfen, durch massive Investitionen des Staates zu erfüllen ist, für die man temporär Staatsverschuldung in Kauf nimmt, leuchtet mir ein. Und mir leuchtet auch ein, daß man fein unterscheiden muß, wer sich hinter Keynes versteckt. Das Interview, in dem Claus Noé erklärt, unter Helmut Schmidt habe es interventionistische Übertreibung gegeben, indem einfach keynesianische Mittel zur Behandlung einer nicht-keynesianischen Situation mißbraucht wurden, hat mir ein Licht aufgesteckt (www.linksnet.de/de/artikel/20140). Mit solchen Unterscheidungen kommt man weiter, denke ich, nicht mit abwechselnden Rufen “Keynes hurra!” und “Keynes pfui!”. Was ich von dem Manne selbst verstanden habe, war vorzüglich, so daß ich davon ausgehe, daß, was ich nicht verstehe, auch vorzüglich ist. Für seine Nachfolger und Interpreten will ich ihn nicht verantwortlich machen. Aber das tun Sie sicher auch nicht.

@Lorenz Kleist 96
Was das Diagramm tatsächlich zeigt, ist mir noch immer nicht recht klar.
Krugman behauptet, es zeige die Abhängigkeit PS=f1(BIP) und PD=f2(BIP). Das vorausgesetzt, ist aber die hinzugefügte Behauptung unbegreiflich, das BIP stelle sich genau da ein, wo PS und PD sich kreuzen, also der Staat genau so viel Schulden hat, wie der private Sektor Ersparnis. Bestimmt nun die Höhe des BIP PD und PD oder bestimmt das Niveau, auf dem PD und PS komplementär umfangsgleich sind, das BIP? Es läßt sich sicher erklären – aber vielleicht nicht mit dieser Grafik.

Im Ganzen kann ich aus ihr nur ablesen, daß eine Steigerung von PS bei *gleicher Abhängigkeit PD=f2(BIP) (=derselbe Graph für PD nach Änderung) nur dadurch zu erreichen ist, daß man eine *andere Abhängigkeit PS=f1′(BIP) (=neuer Graph für PS nach Änderung) einsetzt. Dabei ergibt sich eine Steigerung des Staatsdefizits PD und eine Senkung des BIP zugleich.
Gleichbleibendes BIP könnte man bei dieser Änderung auch erhalten – wenn man nämlich *auch eine neue Abhängigkeitsfunktion für PD setzt (=neuer Graph, weiter rechts). Dabei ergäbe sich natürlich ebenso das höhere PD.

Was die Grafik aber in re beschreibt, ist so lange unverständlich, wie nicht erklärt ist, was die ominösen Änderungen der funktionalen Abhängigkeiten in re beschreiben.

Grüße,
KL

115 HAM 17. Juli 2009 um 13:37

@Lorenz Kleist #109

Ach du lieber Himmel!

Da pocht einer auf logische Konsistenz als Wissenschaftskriterium und bringt selbst noch nicht einmal eine logisch konsistente Argumentation zusammen!

Was macht denn Krugman anderes, als eine Kausalbeziehung zu behaupten?
Zudem noch eine linear-kausale?

„Was Wissenschaft ist, ist total umstritten.“
„Was Wissenschaft soll … Wer will das bestimmen?“

Auf diese postmoderne Sch**ße lass ich mich nicht ein.

Da muss man schon einen kompletten Hirnriss haben, um zu behaupten, man könne Wissenschaft NICHT von Nicht-Wissenschaft unterscheiden, und zugleich(!) sich für einen Wissenschaftler zu halten, der für sich Wissenschaftlichkeit reklamiert, die man angeblich nicht von Nicht-Wissenschaftlichkeit unterscheiden kann.

„Das bringt uns in der Sache nicht weiter und führt höchstens zur Lagerbildung, finde ich. Schade.“

Gar nicht schade. Das macht jeder Bauer, nämlich die Spreu vom Weizen zu trennen.

„Eigentlich lässt sich Kausalität rein technisch überhaupt nie nachweisen.“

Ja, dann wünsche ich guten Flug. Mit Piloten und Technikern, bei denen der Kausalitätsbegriff abgestorben ist. Am besten noch Krugman & Co. mit ins Flugzeug nehmen!
:-D

116 Lorenz Kleist 17. Juli 2009 um 13:42

@ BB 112
1) Ich habe das Thema “Wissenschaftlichkeit” weder aufgebracht noch argumentiere ich mit dem Begriff in der Sache um die es hier geht. Ich wehre mich jedoch nachdrücklich, wenn jemand das Totschlagargument “unwissenschaftlich” verwendet, um eine Position zu kritisieren.

2) Ich habe keine Lust, hier persönliche Animositäten auszutragen. In der Sache argumentiere ich gerne weiter.

117 Lorenz Kleist 17. Juli 2009 um 14:00

@ KL 114:

Das Ganze ist eine gewöhnliche Gleichgewichtsbetrachtung. Das Gleichgewicht stellt sich in diesem Falle dort ein, wo die Pläne der Akteure in Einklang gebracht werden.

In der Realität muss immer gelten: PS (BIP) =PD (BIP).

D.h. alle Situationen BIP*, bei denen gilt PS(BIP*)!= PD (BIP*) sind nicht (!) realisierbar.

Letztendlich ergibt sich das BIP hier aus den Plänen (oder Verhaltensdispositionen) von privatem Sektor und Staat.

Da diese Pläne hier plausibel als Funktion des BIP formuliert sind, lässt sich das Ganze lösen. Die Lösung ist der GG-Punkt, wo sich die Linien schneiden. Alle anderen BIP-Werte können in der Realität nicht auftreten, solange sich das Verhalten (die Pläne/die Dispositionen) eines Sektors nicht entsprechend verändern.

Natürlich ist das ganze eine ceteris paribus-Betrachtung. D.h. es beleuchtet nur einen Aspekt des BIP. In Wirklichkeit ist das BIP, ebenso wie die Pläne der beiden Sektoren, von einer (unendlichen) Vielzahl von Faktoren abhängig. Aber ceteris-paribus Betrachtungen sind m.E. absolut legitim, um auf einen konkreten Zusammenhang (hier: veränderte Sparneigung der Privaten, Staatsdefizit und BIP) aufmerksam zu machen.

118 BB 17. Juli 2009 um 14:02

@Lorenz Kleist / 116

> Ich habe keine Lust, hier persönliche Animositäten auszutragen. In der Sache argumentiere ich gerne weiter.

Animositäten gegen Dich? Nö, hab ich nicht!

Ich finde es aber immer klasse, wenn sich jemand zur Verfügung stellt, an dem man so deutlich demonstrieren kann, was unsere “Elite”-Denker = “postmoderne Scharlatane” so an Konfusion in unserer Gesellschaft anrichten.

Da muss ich einfach zuschlagen. Ich kann nicht anders ;-)

119 Lorenz Kleist 17. Juli 2009 um 14:11

@BB:
“Ich finde es aber immer klasse, wenn sich jemand zur Verfügung stellt, an dem man so deutlich demonstrieren kann, was unsere “Elite”-Denker = “postmoderne Scharlatane” so an Konfusion in unserer Gesellschaft anrichten.

Da muss ich einfach zuschlagen. Ich kann nicht anders ”

Ab hier ist für mich Schluss! Meine Antwort auf Deine Aggressionen (“zuschlagen”, “Scharlatan”) denke ich mir höchstens noch.

120 BB 17. Juli 2009 um 14:17

@Lroenz Kleist / 119

Na gut, Du hast recht! Das zuschlagen nehme ich zurück. Tschuldigung. Ersetze das Wort durch “insistieren”.

Und mit Scharlatan habe ich nicht dich gemeint, sondern die Autoren Deiner Lektüre!

121 Hermann Keske 17. Juli 2009 um 14:21

Ein Traum – ein weltbekannter Ökonom will etwas mitteilen, wählt dafür fachspezifisch ein Marshall-Kreuz als grafisches Darstellungsmittel, zeichnet freihändig ein paar Linien hinein – und schon bricht das Chaos aus. In Windeseile bestätigen ein paar, die etwas von Mathematik und Funktionen verstehen, dass die Zeichnung keinen vernünftigen Inhalt hat oder jedenfalls keine verstehbare Mitteilung. Andere, vielleicht mit Marshall-Kreuzen häufiger umgehende Zeitgenossen fangen an zu interpretieren, dass es den Teufel graust.

Ich habe mich sehr amüsiert – wie kann man sich mit diesem Zeug noch beschäftigen? Wenn ich etwas mit Worten nicht vernünftig darstellen kann, warum wähle ich dann eine mathematische Grafik, die erst recht niemand versteht?

122 Lorenz Kleist 17. Juli 2009 um 14:37

@ BB 120

Akzeptiert. Danke für die versöhnliche Sätze. Dass man über die von mir erwähnten Autoren unterschiedlicher Meinung sein kann, ist mir bewusst. Damit habe ich kein Problem. Im Nachhinein gebe ich zu, dass die Ausweitung der Diskussion auf das Thema “Was ist Wissenschaft” hier zu weit führt.

123 HAM 17. Juli 2009 um 15:11

@Logik-Ratio #107
„Und wir treffen uns wieder an einem Punkt – die VWL braucht andere Maßstäbe für Fortschritt und Entwicklung als das BIP oder Begriffe wie “Wachstum”.“

Wachstum muss qualitativ differenziert werden. Das ist nur möglich in einer gebrauchswertorientierten Ökonomie.

Es kann zukünftig von Seiten des Staates nicht einfach darum gehen, „Flow“ aufrechtzuerhalten, sondern die Frage ist, in welchen Bereichen er durch seine Interventionen Wachstumsimpulse setzt.

Auch wenn die Begriffe „raffendes“ und „schaffendes Kapital“ historisch vorbelastet sind, drücken sie dennoch einen grundlegenden gesellschaftlichen Sachverhalt aus, nämlich die Differenz zwischen wirtschaftlichen Aktivitäten, die allein der Geldvermehrung dienen, aber keinerlei gesellschaftlich reproduktive Gebrauchwerte schaffen, und jenen, welche die Entwicklung der Produktivkräfte vorantreiben und aufgrund erhöhter Produktivität von gesellschaftlich reproduktiven Gebrauchwerten eine erweiterte gesellschaftliche Reproduktion ermöglichen.

Dazu bedarf es auch einer differenzierten Betrachtung der Rolle des Staates.

Ökonomen – wie z.B. Flassbeck & Co. – legen in ihren Konzepten einen „klassenneutralen“ Staat zugrunde, der im allgemeinen Interesse der Gesellschaft tätig ist. Das ist natürlich Illusion. Aber auch klassische marxistische Staatsvorstellungen, welche des Staat als „Gesamtkapitalisten“ ansehen, welcher das allgemeine Interesse der „Kapitalistenklasse“ vertritt (z.B. F. Engels), sind historisch antiquiert.

Denn in der modernen Gesellschaft setzten sich im Staat Interessen von bestimmten Kapitalfraktionen durch. Man könnte auch von „Banden“ sprechen, wie es W. Pohrt in „Brothers in Crime“ tut. Obamas Kabinett besteht ja fast ausschließlich aus Mitgliedern der „Wall-Street-Bande“.

Natürlich ist es in der gesellschaftlichen Realität keineswegs so, das „Finanzkapital“ und „Industriekapital“ klar getrennt werden können. Kapital geht dorthin, wo es den größten Profit erwartet. Aber der Staat kann die Richtung der Kapitalinvestitionen steuern. Was er in der Vergangenheit ja auch getan hat durch seine Deregulierungspolitik, mit denen er den Kasinokapitalismus befördert hat. Wobei der Hauptgrund für diese Ausrichtung des staatlichen Handelns die wirtschaftliche Stärke der finanzkapitalistischen Kapitalgruppen ist, die es ihnen ermöglichte, über Lobbyismus und Korruption ihre Interessen durchzusetzen.
Was zugleich bedeutet, dass die Dominanz der finanzkapitalistischen Kapitalgruppen wahrscheinlich erst durch einen Kollaps der Realökonomie beendet werden kann.

Was Keynes betrifft, so stellen sich für mich – als jemand der die Theorie von Keynes nicht intensiv studiert hat – folgende Fragen:

1. Differenziert Keynes in seinem Konzept staatlich induzierter Nachfrage nach Gebrauchswert-Aspekten? Nach meinem Kenntnistand nicht. Sondern es geht im schlichtweg um Aufrechterhaltung des Flows durch „deficit spending“.

2. Unklar ist zudem, ob Keynes in seiner Theoriebildung in Betracht zieht, dass die zyklisch oszillierende Wachstumskurve irgendwann zwangsläufig in eine definitive Sättigungscharakteristik übergehen muss?
Wenn ja, was weiß man über seine Vorstellungen über eine post-kapitalistische Ökonomie?

124 BB 17. Juli 2009 um 15:23

Also ich beziehe mich jetzt mal ausschließlich auf den Text von Krugman (weil die Grafik ist ja Banane).

Er behauptet also, dass im Gegensatz zur Depression (1930) wir heute nur deshalb eine Rezession haben, weil der Staat im Gegensatz zu damals viel größere Schulden macht (weil damals der öffentliche Sektor viel kleiner war). Ursache der Krise soll in beiden ein großer Anstieg der Differenz zwischen Privaten Ersparnissen und Privaten Investitionen bzw. was das gleiche ist, zwischen Privaten Einkommen und Privaten Ausgaben gewesen sein. Mit anderen Worten, er sieht die Ursache für beide Krisen in der Geldhortung der Privaten.

Und da kommen seiner Meinung nach die heutigen Möglichkeiten der Staatsverschuldung ins Spiel. Während 1930 der Staat dieses gehortete Geld nur in geringem Maße ausgeben konnte (als Schuldner der Privaten), sind heute die Staatsbudget so riesig, dass das gehortete Geld nicht wie damals (durch Inflation?) vernichtet wird, sondern sofort vom Staat wieder in den Wirtschaftskreislauf gebracht werden kann (deswegen auch keine Inflation?). Und genau deshalb hätten wir heute nur eine Rezession statt einer Depression.

Mag bis zu einem gewissen Punkt sogar stimmen. Hier sind sich ja viele einig darüber, dass der Staat mit Schuldenmachen die unmittelbaren Auswirkungen der Krise kaschiert. Aber ist das überhaupt gut!

Denn was richtet das gehortete Geld der Privaten (was ja unglaubliche Zinsen bringt) eigentlich in der Gesellschaft an?

Wo gibt es in dem Modell Krugman (er deutet ja sowas wie einen Selbstregulierungsmechanismus an) den Spin zurück zu vernünftigen Verhältnissen? Werden die privaten Geldhortungen (ich drück das mal so aus, weil: das Geld wird ja dem Wirtschaftskreislauf wieder zugefügt) wieder abgebaut und damit die Schulden des Staates zurückgezahlt?

Letzeres würde ich als Mindest-Voraussetzung für einen Selbstregulierungsmechanimus im positiven Sinne sehen. Und da erwarte ich mal ‘ne plausible Antwort von Krugman. Da wird wohl nicht reichen, einfach auf irgendwann einsetzendes Wirtschaftswachstum zu verweisen. Weil: Bei solchen Krisen nimmt die Konzentration der Einkommen nämlich jedesmal enorm zu. Wie heißt es, das Geld ist nicht weg, sondern es hat nur jemand anders.

Mir scheint, der Artikel soll ein weiteres Mal nur die Auffassung von Krugman rette, das richtige Rezept wären riesige Schulden des Staates. Das ist seine Hauptthese und es geht ihm nur darum, diese zu rechtfertigen, der eitle Fatzke.

Das Problem, dass mit solchen Krisen die Ungleichheit in der Gesellschaft jedesmal zunimmt, interessiert ihn gar nicht.

125 froZ 17. Juli 2009 um 15:35

@ Freunde der fröhlichen Wissenschaft

Noch schönere Graphiken und eine tolle Sprache (wenn auch off-topic):

http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%20der%20Linguistik/b/BEDEUTUNG%20Nachtr%C3%A4glichkeit%20der%20Bedeutung%20nach%20Lacan.htm

Man beachte auch die kurze Zusammenfassung am Ende. Das ist wirklich … so cool.

Noch ein ernsthafter Gedanke (aber ich will damit nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen). Bin ja nur ein kleines Licht, aber was “Wissenschaft” angeht, glaube ich mich an folgendes erinnern zu können:

Nicht nur ist Korrelation nicht gleich Kausalität, sondern auch Kausalität ist nicht das gleiche wie “Kausalbeziehung”. Erstere behauptet einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen zwei Variablen. Eine Änderung von A wäre so etwas wie eine materiale Ursache einer Änderung von B.

“Kausalbeziehung” meint aber einen Effekt von A auf B, der immer nur innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen gilt, also solange andere, verborgene Variablen nur in einem bestimmten vertrauten Intervall schwanken (verlassen sie das Intervall, gibt es eine Anomalie). Auch ist die Natur des Wirkunszusammenhanges zwischen A und B offen gelassen. Das Konzept “Kausalbeziehung” ist also offen für intervenierende Variablen zwischen A und B.

Insofern muß man gar kein Postmoderner sein, um zu einer Position ähnlich der von @Lorenz Kleist vertretenen zu gelangen, es reicht schon der moderat positivistische Mainstream der heutigen Sozialwissenschaften.

Man kann sich natürlich ewig damit aufhalten, die Sozialwissenschaften dafür zu kritisieren, daß sie nicht ähnlich valide Aussagen wie die Physik zustandebringen. Ist dies eine sinnvolle Beschäftigung? Wohl nicht.

Thomas Kuhn unter die Postmodernen zu rechnen, halte ich übrigens für unangebracht. Sämtliche Sozialwissenschaften sind nach Kuhn “vorparadigmatische Wissenschaften”, und die Anwendung des Paradigmenbegriffes in den Sozialwissenschaften erfolgt sicher nicht in der Bedeutung, die Kuhn ihm gegeben hat.

126 KL 17. Juli 2009 um 15:47

@Lorenz Kleist 117
Wie die Grafik ausdrücken könnte, was Sie mir erklären, kann ich leider nicht begreifen, bedaure. Danke für die Mühe.

@Hermann Keske 121
Herzlichen Dank.
Ich hatte das befürchtet, aber Klarheit tut doch immer wohl.

127 Fabian Lindner 17. Juli 2009 um 15:47

@ Keske

Inhalt des Graphen ohne Annahmen darüber, wie sich die Leute verhalten. Das alles sind nur Definitionsgleichungen aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die per Definition immer stimmen:

BIP von der Ausgabenseite (was die Leute alles von welchen Sektoren kaufen):

(1) BIP = Konsum + Investitionen + Staatsausgaben

BIP von der Verwendungsseite (was die Leute so mit dem Geld anstellen, dass sie durch den Verkauf verdient haben):

(2) BIP= Konsum + Sparen + Steuern zahlen

Wenn man beides gleich setzt (weil die Einnahmen des einen zwangläufig die Ausgaben des anderen sind), ergibt sich nach ein bisschen Umstellen die Finanzierungssalden zwischen den Sektoren:

(3) Sparen – Investieren = Staatsausgaben – Steuern

Auf der linken Seite steht der Saldo des Privatsektors, auf der rechten das Saldo des Staates.

Jetzt stricken wir folgende Geschichte zusammen (das ist der Fall der blauen Linie in Krugmans Graph in der Mitte): Wenn die Leute nicht investieren (weil sie Angst vor der Zukunft haben), gleichzeitig aber mehr sparen, muss laut (1) das BIP runter gehen – wenn Konsumenten und Staat gleich viel ausgeben. Schließlich ist das BIP per Definition nur die Summe der drei Größen.

Das ist mit (2) nur vereinbar, wenn die Steuereinnahmen herunter gehen (weil Konsum ja gleich bleibt, Sparen aber mehr wird). Wenn aber in (1) die Staatsausgaben gleich bleiben, nimmt der Staat ein Defizit auf – die rechte Seite von (3) – weil er mehr ausgibt als er an Steuern einnimmt. Nur wenn der Staat das macht, kann mehr gespart als investiert werden.

Das BIP ist trotzdem gesunken, blöd (zumindest wenn daran Arbeitsplätze hängen).

Jetzt nehmen wir mal an, der Staat hat riesige Angst vor dem Defizit (weil er die Schulden später ja bedienen muss) – das heißt, er möchte, dass die Staatsausgaben gleich den Steuereinnahmen sind, Gleichung (3) also gleich null ist.

Dann schränkt er beim Fallen der Investitionen in (1) und dem daraus resultierenden Fallen der Steuerausnahmen in (2) auch seine Ausgaben im gleichen Maß ein, wie die Steuern fallen.

Dann ist (3) gleich null – damit verschuldet sich der Staat nicht mehr und das Ersparte muss dem geringeren BIP entsprechend auch geringer sein (schlicht weil die Leute ein geringeres Einkommen haben). Das ist dann der Fall der “Großen Depression”, wie Krugman ihn eingezeichnet hat.

Grüße,

Fabian Lindner

128 Hans~Gottlieb 17. Juli 2009 um 15:57

@KL #114

“Ich bin nicht gebildet genug, um die Feinheiten des Neo-, Neu-, synthetischen etc. Keynesianismus differenzieren zu können. Der einfache und klare Gedanke von Keynes, daß der Wunsch, der Güterproduktion über negative Nachfrageschocks hinwegzuhelfen, durch massive Investitionen des Staates zu erfüllen ist, für die man temporär Staatsverschuldung in Kauf nimmt, leuchtet mir ein. ”

=> … siehst du, da haben wir schon deinen Denkfehler ! :-)

= > … du bist doch Naturwissenschaftler oder sogar ein Ing., oder ? … also, dann reiss dich mal zusammen !!

=> … wie LÖST ein Ing. ein Problem ?

===> … GENAU !!! ein ING. LÖST ein PROBLEM PRAGMATISCH ! … der erste SCHRITT ist immer und ohne Ausnahme eine GENAUE ANALYSE des PROBLEMS !!!

-> … wenn du einen “schockartigen Nachfrage-Ausfall” erkennst, reicht das NOCH NICHT aus !!!! … als ING MUSST du ganz GENAU hinschauen !!! … du musst herausfinden durch welchen FEHLER innerhalb des SYSTEMS der “Nachfrageausfall” entstanden ist !!!

… hier im multiple-choice-verfahren einige Alternativen:

a) Peopelz weigern sich spontan, weiterhin zu Abend zu essen (im VWL-Fachjargon: “Perpetuierte autonome Abendbrotverweigerung”, nach KEYNES / ECLAIR)

b) Weltwirtschaft wurde durch den Fleiss chinesischer, japanischer und deutscher Arbeiter in Schutt und Asche gearbeitet und kaputt-exportiert (Lübberding / wgnX / Krugi / Bernanke et. al.)

c) “Marktsättigung”. In den Flüssen fliessen Milch und Honig. Hebt man den Blick, sieht man am Himmel gebratene Enten in Greifhöhe vorbeifliegen. Der Kapitalismus hat also den Endsieg errungen … und die Knappheit exterminiert.

d) Kernschmelze des Weltfinanzsystems. Das zentrale Kommunikations- und Planungsmittel für ALLE Markttransaktionen hat seine Funktionen (weitgehend) verloren. Banken sind g.o., Schuldner sind g.o., Gläubiger suchen verzweifelt nach Rattenlöchern (oder wenigstens Gold & Silber), in denen sie ihre Guthaben über die unvermeidliche Währungsreform konservieren können. Die grossvolumige globale arbeitsteilige Tauschwirtschaft ist mangels (funktionstüchtigem) Tauschmittel nicht mehr möglich; sie implodiert um 50% bis 95% … in Richtung auf ein neues stabiles geldloses Marktgleichgewicht, nämlich die sogenannte “autarke Subsistenzwirtschaft”.

==> … KL, wenn der Ing. sich für eine – möglichst die richtige Fehlerquelle – entschieden hat, DANN kann er das Problem beseitigen !

==> … die meisten VWL’er aber sparen sich den Schritt der sorgfältigen Problemanalyse und ereifern sich wie miserable Quacksalber in Massnahmen, die nichts anderes sind, als das Behandeln von Symptomen. Etwa durch das Auftragen von weisser Salbe (“Konjukturpakete”, Bilanzpanscherei, Abwrackprämie, QE, usw…). Der krisenverursachende Fehler, die Krankheitsursache, bleibt aber weiterhin unbehandelt. Statt Rekonvaleszenz … tritt der Exitus ein. R.I.P.

=> … weitere Analogie: wenn die fachfremden Nicht-Ings behaupten ein PKW sei “kaputt” (“Nachfrageausfall”!), dann muss der Ing. schauen, ob das Auto einen Motorschaden hat, oder ob ein Reifen platt ist. Oder ob vielleicht nur der Tank leer ist … Ings sind ja net blöde ;-)

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

129 Karl 17. Juli 2009 um 16:08

@ WI-ING

Wo ist denn da jetzt irgendwas pragmatisch. Keynes hat da ja in der simpel Variante den Vorteil des schlichten Pragmatismus:

Nachfrage durch Private weg.
Staat übernimmt Nachfrage für begrenzte Zeit.
Private sanieren sich.
Nachfrage durch Private wieder da.
Staat hört auf Nachfrage zu übernehmen.

Scheint mir pragmatischer als von irgendwelchen Goldstandards zu träumen (der schon zwischen 1914 und 1932 nicht mehr funktioniert hat) oder irgendwelches Ordnungspolitisches Gefasel (wie das alle in diesem Land so herzlich gerne machen) vom Stapel zu lassen.

130 Admiral Benbow 17. Juli 2009 um 16:12

@ Frankie Bernanke #99

“Für die Errichtung der Liquidative!”

Witzig. Und wie willst das machen? Banken jetzt verstaatlichen oder was?

131 HAM 17. Juli 2009 um 16:38

@froZ #125

Aber wer versteht denn in der heutigen Wissenschaft unter „Kausalität“ nur „lineare Kausalität“ oder „Monokausalität“?

So lässt sich z.B. die Realität komplexer Systeme nicht auf eine lineare Kausalität reduzieren …

Damit ist aber nicht „Kausalität abgestorben“. Sondern es stellt sich die Frage nach der Gültigkeit der jeweiligen Kausalannahmen bzw. Kausalitätsmodelle.

Natürlich gibt es im Bereich der Wissenschaften keinen allgemeingültigen Konsens. Wie sollte der auch zustande kommen in einer antagonistischen Klassenesellschaft?

Im Bereich der Naturwissenschaften gibt es in weiten Bereichen einen wissenschaftlichen Konsens, andere Bereiche sind umstritten.

Ganz anders sieht es in dem Bereich der ideologischen Wissenschaften aus (Psychologie, Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Geschichtswissenschaft, Pädagogik etc.). Diese Wissenschaften sind zersetzt von Ideologie. Hier setzen sich Herrschafts- und Machtinteressen durch.

Und der Witz ist, dass gerade jene Bereiche, die grundsätzlich die Gültigkeit von Kausalzusammenhängen in Frage stellen, selbst sehr gern mit unbewiesenen Kausalannahmen operieren. Oder mit Tautologien.

Was die herrschende Wissenschaft angeht, so vertritt sie die Ideologie der Herrschenden. Denn welcher wissenschaftliche Lohnarbeiter kann es sich heute noch leisten, eine Position gegen die Interessen seines Arbeitgebers zu vertreten?

132 BB 17. Juli 2009 um 16:39

@froz / 125

> Link auf Lacan

Herrlich und gutes Beispiel dafür, wie weit man den Unsinn in unserer Gesellschaft treiben kann und dafür auch noch bewundert wird.

> Nicht nur ist Korrelation nicht gleich Kausalität, sondern auch Kausalität ist nicht das gleiche wie Kausalbeziehung. Erstere behauptet einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen zwei Variablen. Eine Änderung von A wäre so etwas wie eine materiale Ursache einer Änderung von B.

Niemand behauptet, dass Korrelation das Gleiche ist wie Kausalität! Auch wenn beides mit “K” anfängt!

> Das Konzept “Kausalbeziehung” ist also offen für intervenierende Variablen zwischen A und B.

Logo! Sieht das irgend jemand anders? Ich sehe keinen. Also warum über Selbstverständlichkeiten diskutieren?

> Insofern muß man gar kein Postmoderner sein, um zu einer Position ähnlich der von @Lorenz Kleist vertretenen zu gelangen, es reicht schon der moderat positivistische Mainstream der heutigen Sozialwissenschaften.

Positivismus ist eine Gegenposition zu einer Philosophie, die das Transzendente einschließt. Insofern ist Positivismus im erkenntnistheoretischen Sinne zu begrüssen. Ich glaube zwar auch, dass Teile der heutigen Sozialwissenschaften in dieser Tradition stehen (ich mag humanistische Positionen), aber bestimmt nicht alle und schon gar nicht die Postmodernen. Was @Lorenz Kleist in seiner Position vertreten hat ist “Relativismus” und kein “Positivismus”.

> Man kann sich natürlich ewig damit aufhalten, die Sozialwissenschaften dafür zu kritisieren, daß sie nicht ähnlich valide Aussagen wie die Physik zustandebringen. Ist dies eine sinnvolle Beschäftigung? Wohl nicht.

Natürlich ist das eine sinnvolle Beschäftigung. Kritik ist die Voraussetzung für echte Wissenschaft.

> Thomas Kuhn unter die Postmodernen zu rechnen, halte ich übrigens für unangebracht. Sämtliche Sozialwissenschaften sind nach Kuhn “vorparadigmatische Wissenschaften”, und die Anwendung des Paradigmenbegriffes in den Sozialwissenschaften erfolgt sicher nicht in der Bedeutung, die Kuhn ihm gegeben hat.

Gut! Die Theorie der Inkommensurabilität der Pradigmen von Kuhn ist umstritten! Warum? Weil eigentlich keiner genau weis, was Inkommensurabilität sein soll (weshalb sich Generationen von Doktoranden mit der Exegese von Kuhn befassen). Dabei hat er nur vergessen, zu erklären, was er genau damit meinte. Deshalb kann man heute Kuhn so oder anders sehen. Insofern eigentlich typisch für einen Postmodernen.

133 HAM 17. Juli 2009 um 16:52

P.S.

Noch etwas für die Empiristen:

Wenn die etablierte Wissenschaft heute zu einem Tummelplatz für Ideologen und Lügnern geworden ist, so beweist dies noch lange nicht, dass es keine wissenschaftliche Wahrheit gibt.

Sondern lediglich, dass die wissenschaftliche Wahrheit aus den etablierten Wissenschaften verschwunden ist.

134 unwissender 17. Juli 2009 um 16:56

@HG

“Sieh mal, ich habe mir hier durchaus im Laufe der letzten 20 Monate einen gewissen Ruf erarbeitet. Zustimmung von anderen liberalen, marktwirtschaftlich orientierten Blogteilnehmern (von denen vermutlich die meisten inzwischen das Weite gesucht haben, seitdem der Blog stark marxismuslastig abgekippt ist …)”

STOPPP !!!

Das ist nicht ganz richtig – es gibt noch einige “Überlebende!” ;-)

Jedoch gibt es in der Weite des www und jenseits des weisgarnix halt interessanteres. Man schaut aber ab und zu gerne mal vobei!

http://www.mack-weise.de/studien.html

135 Frankie Bernankie 17. Juli 2009 um 17:01

@Admiral Benbow #130

“Witzig. Und wie willst das machen? Banken jetzt verstaatlichen oder was?”

Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

136 Hans~Gottlieb 17. Juli 2009 um 17:20

@ KARL

„Wo ist denn da jetzt irgendwas pragmatisch. Keynes hat da ja in der simpel Variante den Vorteil des schlichten Pragmatismus:“

=> … OBACHT: … die Bedeutung des Wortes „pragmatisch“ ist nicht synonym zu „schlicht“ oder „idiotisch“ zu verwenden !

„Nachfrage durch Private weg.“

# meine Nachfrage is nicht weg

# „URSACHE des Nachfrageausfalls herausfinden!“ … drängt sich jedem vernunftbegabten als Lösungsweg auf !!! – > URSACHEN bekämpfen statt SYMPOTME behandeln !!! … steht alles in obigem Beitrag !!!

„Staat übernimmt Nachfrage für begrenzte Zeit.“

# wenn du meine Antwort an dich (#70) gelesen hättest, dann wüsstest du, dass ich das Szenario „Zentralplanwirtschaftliche Diktatur“ als eine von zwei Möglichkeiten angeführt habe. Ich schrieb auch, dass es sogar das WAHRSCHEINLICHERE ist aber NICHT das BESSERE ist !!!

# Staat übernimmt in der sozialistischen Diktatur NICHT nur die Nachfrage, sondern steuert auch das Angebot (Opel, Quelle, Wadan, Heideldruck, Commerzbank, DEPFA, Kurzarbeiter-Ali im Döner um die Ecke, …) !

# DDR-Merkel & Pinocchio-Münte wissen aber dummerweise weder, was ich konsumieren will, noch was ich produzieren kann ! … Im übrigen ist ihnen beides auch VÖLLIG SCHAySSEGAL !!! … wäre ja noch schöner, wenn die Politclowns ausgerechnet in der Diktatur plötzlich darauf Rücksicht nehmen sollten, was der Pöbel gerne möchte !!

# Was kommt wohl dabei raus, wenn die bestimmen, was ich zu konsumieren habe ??? Ich werde NIE einen OPEL oder einen TRABI fahren !!!

„Private sanieren sich.“

# … Oha ! … guck mal einer schau !! … genau so, wie 1929 bis 1949 ??

„Nachfrage durch Private wieder da.“

# Glückwünsche ! … meinen Segen habt ihr ! … wollt ihr Butter ? … oder wollt ihr Kanonen ?? … Wir wollen … MAOM !!!

„Staat hört auf Nachfrage zu übernehmen.“

# Hochanständig von DDR-Merkel & Pinocchio-Münte ! … hätte ich ihnen ehrlich gesagt gar nicht zugetraut, dass sie die sozialistische Diktatur schnell wieder durch eine marktwirtschaftliche Demokratie substituieren, wenn sich die ersten „green shots“ als früchte der Zentralplanwirtschaft ergeben … Aber nein, sie geben ihre Macht ab … und ziehen in eine Kleingarten-Kolonie.

# … hat der Staat dann eigentlich Schulden ? … oder sind die irgendwann zwischendrin zusammen mit den entsprechenden Guthaben auf der Gläubigerseite verdampft ? … habe ich was überlesen ??

== > @Karl, bitte folgende Wiki-Artikel lesen:

Geschichte der UDSSR, DDR, China, Kuba, Nordkorea, Nazionalsozialismus, Faschismus, Kommunismus, Zentralplanwirtschaft. Und immer auch schön den Unter-links folgen …

„Scheint mir pragmatischer als von irgendwelchen Goldstandards zu träumen (der schon zwischen 1914 und 1932 nicht mehr funktioniert hat)“

= > … Karl, warum lenkst du schon wieder ab mit „Goldstandard“ ?? … oben hast du es genauso gemacht: … du mokierst dich über die blöden Ökonomen, dass für jeden offensichtlich I=S z.Zt. nicht mehr funktioniert. Daraufhin erkläre dir warum I=S bei zerstörtem Tauschsystem nicht funktioniert / nicht funktionieren KANN. OHNE auf meine Erklärung irgendwie einzugehen, kommst du mir stattdessen mit dem nächsten Schlagwort „laissez faire“, das du irgendwo aufgeschnappt hast. Und das, obwohl ich hier wirklich schon oft genug erklärt habe, dass „Neoliberalismus“ so ziemlich genau das Gegenteil von dem ist, was du und die anderen fachfremden linken Kapitalismuskritiker unter „laissez faire“ verstehen. In Wahrheit bedeutet NL nämlich eine strikte restriktive Regulierung des Geldwesens und der Marktmacht von Grosskonzernen (insbesondere freilich von Banken) !

= > … Dieses beliebige Zick-Zack-Hopping durch die Schlagwort-„Ökonomie“ der fachfremden, ideologischen Kapitalismuskritiker führt stets direkt nach Nirgendwo … ! … gerade als fachfremder Anfänger sollte man sich an ein neues Themengebiet ETAPPENWEISE annähern !

=> … Karl, lies dir mal deinen Satz mit Goldstandard noch mal durch. Merkst du , wie du dich selbst ausgeschlaumeiert hast ? … der „Goldstandard“ hat in der Tat 1914 geendet ! … die meisten Fachfremden behaupten diesbezüglich übrigens die abstrusesten Daten (1929 – 1971). Jetzt überleg aber bitte mal, was 1914 noch so alles los war … auf der Welt … und insbesondere in Europa … Na ? kommst du drauf ?? … RICHTIG !!! … man munkelt, dass 1914 der erste Weltkrieg begonnen hat. Machen wir es kurz: nach meinem Kenntnisstand haben das Ende des Goldstandards und der WK I etwas miteinander zu tun. Der GS ist NICHT „gescheitert“, sondern er wurde beendet – genauer: MUSSTE beendet werden! – UM die „Finanzierung“ des Kriegs zu ermöglichen. Du kannst ja im DGF recherchieren, wer oder was „verantwortlich“ für den WK I war. Es gibt da ja leicht differierende Thesen. Aber dass der GS schuld am WK I war, dass behauptet m.W. niemand. Lies mal Stefan Zweig: Erinnerungen eines Europäers. Der lobt den GS über den Klee … und er war bekanntlich alles andere als ein Depp.

„oder irgendwelches Ordnungspolitisches Gefasel (wie das alle in diesem Land so herzlich gerne machen) vom Stapel zu lassen.“

= > … hätten die … lesser mortals … in den vergangenen zwei Dekaden auf uns „ordnungspolitische Dumm-Fasel-Heinis“ gehört, dann würden sie jetzt nicht bis zur Unterkante Oberlippe … in der Schaise sitzen !!!

Retroliberale grüsse,
~ HG ~

137 Delphin 17. Juli 2009 um 17:31

Hier entbrandet mal wieder eine Diskussion obs der Staat richten soll oder die Privaten. Ist das nicht eine Scheindiskussion? – Ich kanns jedenfalls kaum noch hören.
Sind wir denn nicht schon so weit, dass der Staat, wenn er die Privaten verstaatlicht, im Interessen der Privaten handelt und gerade nicht im Interesse seiner Bürger?
Wo ist dann da der Staat als Antagonist? Ich kann ihn jedenfalls nicht sehen. Weder in Europa noch in den USA.

138 lemming 17. Juli 2009 um 17:33

@#129
den Vorteil des schlichten Pragmatismus:
? Oder den Nachteil des schlichten Nonsense:

Nachfrage durch Private weg.
Die Ur-Frage aller Fragen: Wo ist sie geblieben?
Kein Abendbrot mehr? Enten fliegen jetzt gebraten? Währungskollaps?
Meine Antwort geht eher in Richtung falsche Verteilung, globale Disparitäten, Überakkumulation. Die Nachfrage stammte zuletzt aus Vermögenspreisinflation und Überschuldung – auch der privaten Konsumenten (subprime). Dieser Schuldturm ist jetzt eingestürzt, daher die Nachfrage eingebrochen.

Staat übernimmt Nachfrage für begrenzte Zeit.
Wenn die obige Annahme stimmt, dann führt die Übernahme der Nachfrage (nach welchen Gütern? Er darf ja keine privaten Investoren/Nachfrage verdrängen, also muss er in “Pyramiden” oder “Rüstung” investieren.) nur dazu, dass sich kein Gleichgewicht durch Kapitalvernichtung (De-Akkumulation) mehr herstellen kann, und damit wird die begrenzte Zeit zu einer unbegrenzten. D.h. der Staat tritt als Schuldner of last resort auf, er prolongiert also nur die Situation, führt aber nicht zu einer Lösung des Problems, sondern im Gegenteil zu dessen Verschärfung. Subventioniert er dagegen die Konsumtion, bewirkt er Inflation und/oder eine dauerhafte Abhängigkeit der Nachfrage von staatlicher Stützung, er tritt dann also nur als Ersatz-Schuldner auf der anderen Nachfrageseite auf, ersetzt also nur den privaten Schuldenturm durch einen staatlichen (“bail-out”).

Private sanieren sich.
Es sanieren sich zunächst nur die Privaten, deren Leistungen/Produkte der Staat nachfragt oder subventioniert oder deren Kapitale er vor der eigentlich erforderlichen Vernichtung rettet. Da die zugrundeliegende Ursache nicht behoben ist, bleiben die erwarteten Multiplikator-Effekte aus, d.h. die Wirtschaft kommt nicht wieder in Schwung, sondern verbleibt stagnierend, die Nachfrage wächst nicht, nur die Verschuldung.

Nachfrage durch Private wieder da.
eben nicht.

Staat hört auf Nachfrage zu übernehmen.
Dann wäre genau die vorherige Krisensituation wiederhergestellt.
Mit dem kleinen Unterschied, dass über die Staatsverschuldung und die Verteilungswirkung der darauf gezahlten Zinsen die Vermögen NOCH ungleicher verteilt sind, die Krise also noch weiter verschärft.

Gibt da noch mehr Punkte, aber die wären wohl zu “marxistisch”, darum lasse ich sie, des guten Rufs halber, lieber weg…

139 Delphin 17. Juli 2009 um 17:46

#131 HAM

‘Was die herrschende Wissenschaft angeht, so vertritt sie die Ideologie der Herrschenden. Denn welcher wissenschaftliche Lohnarbeiter kann es sich heute noch leisten, eine Position gegen die Interessen seines Arbeitgebers zu vertreten?’

Richtig! Die Wissenschaft wird missbraucht und lässt sich missbrauchen. Was wir als komplett als wissenschaftlichen Beweiss vorgesetzt bekommen ist oft genug manipuliert, geschönt, fehlerhaft und wird aber – wenn sich daraus konkrete Finanzielle Vorteile ergeben – von der jeweiligen Organisation mit Klauen, Zähnen und jeder Menge Juristen verteidigt. (Beispiele: Monsanto, Finanzindustrieprodukte).

Meint ihr jemand wäre 2005 der wissenschaftliche Nachweis gelungen dass CDO’s mit zu hohem Risiko behaftet sind und die AAA Ratings der Argenturen kompletter Bullshit sind? Warum wohl nicht?

140 Delphin 17. Juli 2009 um 17:48

schexxx Tippfehler !

141 HAM 17. Juli 2009 um 17:58

@Delphin #139

s. Schweinegrippe 2009

142 Peter Lehmann 17. Juli 2009 um 19:01

Die Geduld, mit der Lorenz Kleist, Fabian Lindner und ein, zwei andere hier auf arrogante Besserwisserei eingehen, finde ich schon äusserst bemerkenswert. Krugman schreibt also fast ein Jahrzehnt lang (neben seiner Tätigkeit als Professor und Lehrbuchautor) wöchentlich zwei Kolumnen in der NYT und jetzt noch ein Blog. Er hat mindestens ebensosehr wie jeder andere einschlägig engagierte “public intellectual” in den USA 1) zur Unterminierung der Glaubwürdigkeit der Irak-Kriegspropaganda, 2) zur Beendigung des Sozialabbaus in den USA (Einführung einer staatlichen Krankenversicherung), 3) zur Einführung verschärfter Umweltgesetzgebungen (CAFE-Standards, Waxman-Markey), 4) zum Kampf gegen die Zersetzung des US-Rechtsstaats durch Personen wie Cheney, Ashcroft und Gonzalez beigetragen.
Oh, dann kommt eine Rezession, und als Ökonom hat er ein fünftes Anliegen: deficit spending zur Vermeidung einer Depression. Da bringt er einen Graphen, der nichts über Ressourcenverbrauch oder Kriegspolitik aussagt. Resultat?
Die Ayatollahs unter den Kommentatoren hier folgern: Krugman ist ein Neocon! Noch besser: Diagramme sind Kokain! Das BIP brauchen wir zum Leben nicht! Natürlich gibt’s auch eine Nutzanwendung für Deutschland: Lafontaine und seine Linkspartei sind ebenfalls Neocons! Ach, und die Leute, die Weissgarnix so gern zitiert, die Minskys und Flassbecks – o.k., einige sind schon tot, andere keine Amis, sondern Deutsche: was könnten sie gemein haben? Sie sind Neocon-Vordenker (naja, wir wissen es nicht genau, doch wir wissen, dass sie VWLer sind – also müssen sie es sein, denn heute haben wir gelernt, dass das für alle VWLer gilt und sowieso und überhaupt…)
Offensichtlich handelt es sich hier um atavistische, magische Denkmuster. Politisch sind sie vielleicht häufig irgendwie pseudolinks, manchmal aber auch rechts verortet – so genau weiss man es bei denen nicht, die eigentlich alle ausser sich selbst als “neocon” abqualifizieren. Ich kann es nicht anders sagen: der deutsche Durchschnittspolitiker wird mir nach Lektüre solcher Absurditäten wieder richtig sympathisch. Im Vergleich zu manchem Blogkommentator nimmt der sich wohlerzogen und gemeinverständlich aus.
Und es ist dann auch kein Wunder, wenn aberwitzige Sachaussagen in den Raum gestellt werden, z. B.: “bei minimal 3 Prozent Zinsen können nur noch temporäre kleine Blasen entstehen, aber keine Finanzkrisen, wie wir sie heute haben. Eben weil jeder, der Geld braucht auch richtig dafür arbeiten muss.” Jetzt gucken wir mal empirisch, wie sich das von der römischen Finanzkrise im ersten Jahrhundert bis zu den 90ern des letzten Jahrhunderts verhielt… Oh, lieber doch nicht. Unser Weltbild könnte Schaden nehmen.

Ein Interview mit dem Anthropologen Svante Pääbö (federführend bei der Entzifferung des Neanderthaler-Genoms), das ich gestern las, bringt mich nun dazu, mir die Frage zu stellen, wie man Leute, die so fröhlich daherphilosophieren, dennoch dazu bringt, sich ernsthaft in eine Diskussion einzubringen. Pääbo schilderte seine Debatten mit einem islamischen graduate student. Wie kann einer die DNA des Neanderthalers erforschen – also: seinen Beitrag zur Aufhellung der erstmals von Darwin postulierten biologischen Evolutionsgeschichte leisten -, gleichzeitig aber dem Glauben an Kreation und intelligentes Design treu bleiben? Der graduate student löste das Dilemma für sich, indem er wissenschaftliche Aufklärung im Gegensatz zu Kant als Ausgang aus fremdverschuldeter Unmündigkeit auffasste: Gott täuscht uns die Evolution vor! Er erlegt uns die Pflicht auf, seine Potemkinschen Dörfer zu studieren!
Wie wär’s also, liebe enragierte Mitkommentatoren, wenn ihr euch an dem Moslem ein Beispiel nehmt? Auch ihr steckt in der Matrix! Sich an Krugi abzuarbeiten, könnte Vorteile haben. Vielleicht springt dabei ein Wechsel aufs nächste Level raus – so ein kleiner Erkenntnis- und Einsichts-, womöglich gar ein Verbesserungsschub. Im letzten Leben gibt’s dann keine Fragen mehr, sondern nur noch Antworten – keine Gleichungen, sondern nur noch Lösungen. Ist doch genial, wenn man die Evolution gleichzeitig beweisen und besiegen kann. Da ihr den Kapitalismus genauso ernst nehmt wie der erwähnte Forscher die Tricks Allahs, empfiehlt sich eine ähnliche Vorgehensweise. So würdet ihr die eigenen und fremde Nerven (z.B. die der Mitleser) gleichermassen schonen.

Und nun noch zu den ebenfalls genervten Naturwissenschaftlern und Ingenieuren. Da kann ich nicht zustimmen. In meinem Kopf gibt es eine Plancksche Quantenwelt und eine Einsteinsche Relativitätswelt. Ich springe von der einen zur andern – genauso, wie Krugman es macht, wenn er mal über Ressourcenverbrauch, Opportunitätskosten und Internalisierung, ein andermal über Zyklen, Sektoren und Defizite schreibt.
Und was sagt eigentlich der Ingenieur, wenn der Physiker Planckwelt und Einsteinwelt versöhnen will und zu dem Behuf auf die “Metaebene” der Stringtheorie springt? Jetzt hat der Ingenieur überhaupt keine Funktion mehr, denn in der Stringtheorie gibt es keine Vorhersagen und keine Experimente. Es gibt aber die These, dass die Zahl der Elementarteilchen in unserem Universum unfassbar viel niedriger als die Gesamtzahl aller Universen ist – die wir nur leider nicht per Radioastronomie oder so erfassen können.
Also, Naturwissenschaftler und Ingenieure: Krugman präsentiert, was einer (Merton, glaube, ich) eine “Theorie mittlerer Reichweite” nannte – nicht ein ingenieursmässiges Rezept (kurze Reichweite) und auch keine “theory of everything”. Ihr könnt nicht einfach mit euren “tertium non datur”-Prinzipien kommen, an die ihr euch selbst gar nicht haltet, wenn ihr hier ‘ne “fuzzy”-Steuerung und da ein Weltmodell bastelt.
(Anm.: Bin selbst Software-Entwickler.)

“Denn allein mittels Korrelationen lassen sich keine Kausalitäten begründen, wie jeder echte Wissenschaftler weiß.”
Grossartig! Abgesehen von der Verkürzung der Naturwissenschaften auf engineering gibt’s natürlich das Folgeproblem, dass jede Sozialwissenschaft – inkl. Ökonomie – also keine Wissenschaft ist. Aber Wissenschaft ist dann eh nicht mehr das Thema, sondern Echtheit. Und Echtheit kann natürlich nur der beurteilen, der darauf zuerst Anspruch erhoben hat. So werden wir Zeugen der Konstruktion einer Schwarz-Weiss-Welt, bevölkert von Trägern “falschen” und “richtigen Bewusstseins”. Zum Schluss stellen wir uns dann noch die Umsetzung in die soziale Praxis vor.
Es gibt ein Zitat von Max Planck des Inhalts, dass alte Theorien nicht überwunden werden, sondern vielmehr ihre Vertreter aussterben. Wie verhält es sich mit abstrusen Ideologien? Hier kam eine zur Sprache, die ich mit den K-Gruppen für abgelegt und vergessen gehalten hätte. Bertrand Russell, der hier erwähnt wurde, hatte im übrigen kein Problem, sein politisches Engagement mit ethischen Entscheidungen zu begründen. Er sass während des ersten Weltkriegs in England im Gefängnis. Während des zweiten Weltkriegs steckte ihn ein US-Gericht in den Knast – Nobelpreis hin oder her. Als alter Mann kämpfte er noch gegen den Vietnamkrieg.
Russell gehörte aber eben nicht dem Typus des “wissenschaftlichen Sozialisten” an, der sich bloss in der Rolle des Vollstreckers des imaginären Willens einer vergotteten Geschichte sieht. (Und dieser Typus wiederum, um dies nicht unerwähnt zu lassen, hat sein Gegenstück in den Repräsentanten dessen, was wir vielleicht als gleichfalls mit Anführungsstrichen zu markierenden “wissenschaftlichen Konservatismus” bezeichnen sollten: der Sozialeugenik á la Thilo Sarrazin, die an die Stelle der Geschichte einfach die Evolution setzt, ansonsten jedoch ihre Macht- und Herrschaftsausübung mit derselben Sorte von Erleuchtungsprivileg rechtfertigt.)

@hacedeca: Im Koreakrieg hatten die USA kein Handelsdefizit, sehr wohl aber im Gefolge der Weltwirtschaftskrise, nachdem sie mit dem Smoot-Hawley Act drastisch höhere Importzölle einführten und das Ausland zu gleichartigen Reaktionen zwangen (bei damals extrem niedrigen Militärausgaben). Ferner stieg das Defizit seit den 70ern weitgehend unabhängig von den Kriegsen- und degagements der USA an, jedoch parallel zur Zunahme des globalen Handels und der Finanztransaktionen. Tatsächlich stellten sowohl Korea- als auch Vietnamkrieg “speed bumps” im Globalisierungstrend seit 1945 dar. Dieses Argument könnte man auch für die aktuelle Phase heranziehen. Es bleibt natürlich für solche Leute unverständlich, die sich nicht vorstellen können, dass Obama im schlimmsten Fall eine Aussenpolitik á la Nixon betreibt, sondern die USA quasi eines unbehebbaren militaristischen Gendefekts bezichtigen. Ist ja irgendwie für Deutsche auch richtig naheliegend, einen solchen Verdacht zu hegen…

@Keske: Klar ist, was Krugman sagen will, hier schon oft deutlich und nachvollziehbar formuliert worden. Einzelnen hat es wohl eingeleuchtet, aber so ca. einem Drittel der Kommentatoren eben nicht. Und wenn einfache Sprache nichts nützt, kann man auf die Idee kommen, die “visuellen Typen”, die behaupten, ohne Diagramme nichts zu raffen, anzusprechen. Allerdings ist mir keine graphische Notation für “ceteris paribus” bekannt.
Überdies ist es spannend, dass der Neokeynesianer Krugman immer öfter postkeynesianisches Territorium exploriert – jedenfalls spannender, als hier einem rhetorischen Knallerbsen-Feuerwerk zuzuschauen.

143 lemming 17. Juli 2009 um 19:20

@Peter Lehmann
Das war jetzt aber eine besonders hübsch knallende Erbse!
Danke.

144 hacedeca 17. Juli 2009 um 19:38

@Peter Lehmann, #142

Was meint, was Du da schreibst? Ich verstehe kein Wort, frage aber nach, weil es sich ja explicit an mich richtet.

Dem hier:”Ferner stieg das Defizit seit den 70ern weitgehend unabhängig von den Kriegsen- und degagements der USA an, jedoch parallel zur Zunahme des globalen Handels und der Finanztransaktionen.” kann ich nur entnehmen, dass die USA ein Verlierer der Globalisierung wären.

Das stimmt natürlich nicht, solange man ihren Dollar als sicherste Wertaufbewahrungsmöglichkeit und ultimatives Zahlungsmittel akzeptiert!

Und der Status des Dollars steht und fällt mit der Stellung der USA als Hegemon der westlichen Welt. Und ein Hegemon der Kriege verliert, wird zweifelhaft – deshalb ja auch das Ende von Bretton Woods synchron zum Verlieren des Vietnam-Krieges.

Meinst Du so etwas?

[Ansonsten glaube ich nicht, dass Geschichte sich wiederholt, wohl aber, dass sieglose Feldzüge immer zu finanziellen Schwierigkeiten führen und Außenhandelsdefizite auf lange Sicht auch.

Die USA haben den aktuellen Feldzug mit dem Drucken von Geld finanzieren wollen - die Immobilienkrise und anschließend Finanz- und demnächst Wirtschaftskrise ist davon nur eine Folge.

Auch wenn die Idee von George Bush wirklich revolutionär war: Im Kriege die Steuern senken - noch nicht mal war bonds verkaufen. Darauf ist vor ihm noch nie ein Kriegsherr gekommen. - Wollt Ihr die totale Steuersenkung? :-) ]

145 HAM 17. Juli 2009 um 19:40

@Knallerbse #142
„“Denn allein mittels Korrelationen lassen sich keine Kausalitäten begründen, wie jeder echte Wissenschaftler weiß.”
Grossartig! Abgesehen von der Verkürzung der Naturwissenschaften auf engineering gibt’s natürlich das Folgeproblem, dass jede Sozialwissenschaft – inkl. Ökonomie – also keine Wissenschaft ist. Aber Wissenschaft ist dann eh nicht mehr das Thema, sondern Echtheit. Und Echtheit kann natürlich nur der beurteilen, der darauf zuerst Anspruch erhoben hat. So werden wir Zeugen der Konstruktion einer Schwarz-Weiss-Welt, bevölkert von Trägern “falschen” und “richtigen Bewusstseins”. Zum Schluss stellen wir uns dann noch die Umsetzung in die soziale Praxis vor.“

Man merkt, dass Sie keine Ahnung von Sozialwissenschaften besitzen.
Sammeln Sie weiter schön Fakten, geben Sie diese in Ihr Statistik-Programm ein und verkaufen Sie die berechneten Korrelationen als eine Zusammenhangserklärung der Prozesse auf dieser Welt!

Und erfinden Sie eine schöne Geschichte, wie ein angeblich so regierungskritischer Krugman in die „Group of Thirty“ kommt.

146 bismodo 17. Juli 2009 um 20:12

# 142, Peter Lehmann

Erst bekam ich bei dem Salat immer grössere Augen, am Ende kam ich kaum zum Weiterlesen, so hat’s mich geschüttelt vor Lachen. Kabarettreif. Danke für das Zwerchfelltraining

147 BB 17. Juli 2009 um 20:24

@Peter Lehmann

Jetzt hast Du so einen langen Artikel geschrieben. Und was steht drin? Nix!

Du beginnst mit Solidaritätsbekundungen für Leute, die hier durch diffuse Argumentation aufgefallen sind. Die richtige Antwort hat 126 / KL gegeben. Du fährst fort mit einem Appeal to Authority, der große Krugman, ist ja Professor und hat vor allem die richtige Politische Einstellung, war gegen den Irak-Krieg, für Umweltschutz, … . Erlauben! Wie darf man den überhaupt anpinkeln zu wagen!

Dann kommen irgendwelche abwertenden Charakterisierungen der Positionen Deiner Gegner (BB=Ayatolla, wen meinst Du noch?), die Du es nicht für nötig hälst, sie beim Nicknamen zu nennen, schließlich sind Du und Deinesgleichen hier ja die einzig wahren Krugman-Versteher.

Ey, dann kommt endlich mal was, was es wert wäre zu diskutieren, endlich ein Zitat von mir, auf dem man aufsetzen könnte:

>>>> Und es ist dann auch kein Wunder, wenn aberwitzige Sachaussagen in den Raum gestellt werden, z. B.: “bei minimal 3 Prozent Zinsen können nur noch temporäre kleine Blasen entstehen, aber keine Finanzkrisen, wie wir sie heute haben. Eben weil jeder, der Geld braucht auch richtig dafür arbeiten muss.”

Aber was kommt dann? Null Argumente. Ein diffuser Verweis auf irgendwelche römischen Finanzkrisen bis heute?

Sollen wir jetzt raten, was Du uns/mir damit sagen willst? Muss ich jetzt alle Postings von Dir der letzten 3 Jahre lesen, bevor ich mit Dir intellektuell auf einer Ebene diskutieren darf?

Und weiter geht’s mit deinen Sotissen, die ab jetzt wirklich langweilen, irgendwas Wirres mit Neandertaler, Kreationisten, Metattheorie, Stringtheorie, MaxPlanck-Welt, bla, bla. Nochmal die Verteidigung des großen Krugman, der in seinem Text (da müsste ja wenigstens was Interessantes drinstehen, wenn wir schon alle nur nicht das Diagramm verstanden haben) nichts anderes macht, als einen banalen Zusammenhang wiederzugeben und es dabei versäumt, den wirklichen Ursachen der Finanzkrise auch nur Nahe zukommen (HAM ist da viel weiter als du, wenn ich persönlich auch eine andere Perspektive als die marxistische suche) oder geschweige denn, dass Krugman seine These irgendwie ausreichend einzuschränken (ceteris paribus, Du verstehst?), außer ein bisschen: man muss von einem Land auf alle Länder abstrahieren (und dann auch noch die Winkel falsch zeichnet, bestimmt nicht mal schnell suspektaus der Hand, denn die sind mit dem Computer gezeichnet).

Sorry, aber wenn Du Dich mit mir anlegen willst (offensichtlich, da Du mich zitierst und mich indirekt Ayatolla nennst), dann muss Du schon mit etwas mehr Substanz rüberkommen, als das, was Du da gerade vorgebracht hast.

Für mich sind solche Statements allerdings insofern aufschlussreich, als Sie absolut meine (Vor-?)Urteile bestätigen. Unseriöse Anleihen an Mathematik und Naturwissenschaften, an Disziplinen also, die episthemisch nicht verstanden wurden. Null Ahnung von Modellbildung und wie man damit seriös arbeitet und wie man damit seriös argumentiern darf.

Du hälst Dich für einen Linken und bist von daher schon auf der richtigen Seite? Es sind genau solche Theorien, wie Du sie vertritts, die der Linken in den letzten Jahrzehnten die Kraft genommen haben.

Da Du Dir übrigens unsicher über meine politische Einstellung zu sein scheinst: Ich halte mich selbst für einen sozialliberalen Linken, aber nicht in dem Sinne, wie der olle Clement sozialliberal definieren würde (der wollte ja mal eine Sozialliberale Partei gründen). Aber Wissenschaftsmoden sind mir suspekt, egal ob von links oder rechts.

148 BB 17. Juli 2009 um 20:40

Übrigens habe ich auch nichts gegen Keynes. Für Aussagen irgendwo um einen stabilen Arbeitspunkt herum sicherlich brauchbar.

149 Hans~Gottlieb 17. Juli 2009 um 20:57

@Peter Lehmann, #142

=> … DUUU bist ja wohl ein Intulektueler !!! … dass rieche ich sofort !!

= > … sieh zu dass du Land gewinnst ! … such dir ‘nen anderen Blog ! … WIR waren zuerst hier .. und lassen uns unseren Spielplatz nicht von dahergelaufenen “hochbegabten” Strebern und Besserwissern wegnehmen !! … wir haben schon einen von deiner Sorte hier, der reicht uns vollauf ! … da er der Blog-Betreiber ist, konnten wir ihn noch nicht rausschmeissen …

==> .. hier gilt Faustrecht ! … und für ganz harte Fälle habe ich auch noch ‘ne rostige Eisenstange im Rucksack …

150 Hans~Gottlieb 17. Juli 2009 um 21:16

@Peter

… war natürlich nur SPass ;-)

=> … aber alles was zu Herrn Grugmän zu sagen ist steht hier:

http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=74897

=> … Grugmän ist WIRKLICH eine totale Flasche. Sorry. Da sind wir uns ausnahmsweise alle einig!

( Was unseren WgnX angeht, der hat er einen pathologischen “Name-Dropping”-Tick … hofft halt, wenn er den berühmten Nobelpreis-Träger zitiert, würde auch auf ihn ein wenig Ruhm und vor allem Medienpräsenz abfallen … )

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

151 ignatius 17. Juli 2009 um 21:23

@Logik-Ratio

Oder sollen wir anfagen wie in den USA zu wirtschaften? Wir nehmen alle Kredite aus und gehen shoppen und verschwenden keinen Gedanken an ein Morgen?

Das lustige dabei: Wenn wirklich alle so handeln würden, dann gäbes einen gewaltigen Wirtschaftsboom, die Einkommen aller würden steigen und alle würden profitieren. Das Problem kriegst Du, wenn manche – und das gilt für Staaten wie für Privatpersonen – dabei nicht mitmachen und beginnen Schuldscheine auf Dauer und systematisch zu horten.

152 Hans~Gottlieb 17. Juli 2009 um 21:40

@bismodo

… watt’ is’ denn nun mit der Revolution vom Franzmann ?? … kommen die dies Jahr noch in die Pötte ?

… ein paar Campinggas-Kartuschen vor die Kamera-Teams halten und den wilden Mann markieren … gut damit schafft man’s in die 1- Minuten-MAZ bei der McTagesschau, aber reissen tut man damit definitiv nix !! … nein, es zählte erst, wenn’s wirklich mal KawooOoouum gemacht hätte und die Drehmaschinen intolerable Toleranzen aufwiesen.

… die Deutschen können nicht anfangen (und dürfen auch gar nicht!). Kennst ja unsere besudelte Gechichte … ;-( … Da käme es schnell zu inner-europäischen Missverständnissen … und das will ja niemand. Im Gegenteil, ein starkes, einiges aber selbstbestimmtes Europa, mit untrennbar zusammenstehenden Nationalstaaten, dass wäre doch mal eine Vision für die nächsten Dekaden, oder ? … man braucht alternative Visionen, wenn man mit dem Bestehenden nicht einverstanden ist …

… wie konnte es überhaupt passieren, dass Sarko Präsident wurde ?? … wir erinnern uns noch an die aufmüpfigen Franzosen, die den Irak-Krieg geschwänzt haben und die EU-Diktatur-”Verfassung” verhindert haben … und zur Strafe nicht mehr ihren Wein und ihren Käse nach Übersee verschiffen durften. … und dann plötzlich Sarko ?? … wie passt das ?

… und überhaupt stimmt es, dass Sarko ein CIA oder Mossad-Mann is’ ??

Grüsse,
~HG~

153 ignatius 17. Juli 2009 um 21:53

@Victor

Es gibt gute Gründe sein Geld in den Schuhkarton zu legen. Die Deflation ist da. Abwarten wenn man einen Kaufwunsch hat.

Ja, so kann Du eine Volkswirtschaft am effektivesten abwracken:

Das ist in etwa so, wie eine Gruppe Jäger, bei denen jeder lieber hungert als auf die Jagd zu gehen, weil er auf das Fleisch seiner verhungerten Kameraden wartet.

Er läßt sich mit 10 – 20% Profit zu jetzt in nächster Zukunft realisieren.

Bei einem solchen negative-sum game wird es kaum Gewinner geben aber jede Menge Verlierer.

154 Victor 17. Juli 2009 um 22:27

@Bismodo

Ist die Zeit schon gekommen, den Banken wieder zu vertrauen. Und Bankanleihen zu kaufen?
Ich warte bis der renminbi Leitwährung geworden ist.
Was ist besser als 200 Millionen die sich verschulden?
Genau!

155 Martin 17. Juli 2009 um 22:34

@Peter Lehmann

wo Dein Kopf herumspringt ist eigentlich egal, es geht hier erst mal um verständliche Kommunikation. Bevor Du Einstein bemühst, solltest Du einfach lesen, was Krugmann schreibt, und das nachzuvollziehen. Du kannst gerne Deine Interpretation nachliefern. Wenn Krugmann nicht in der Lage ist, seine geistigen Sprünge zu kommunizieren, dann kann wgn kaum erwarten, dass sie von Frau Merkel nachvollzogen werden können.

Ich muss allerdings bemerken, dass Krugmanns Graphik an die Anfangszeiten der Regelungstechnik erinnert, als das mathematische Gerüst noch fehlte. Da hat man Regelkreise dann auch so alchemistisch erklärt.

Was Deine Tirade angeht: Ich habe bei der Einstellung auch von Informatikern immer darauf geachtet, dass sie in der Lage waren, schnell auf den Punkt zu kommen.

156 lemming 17. Juli 2009 um 22:36

@HG#150
Das Ende vom thread ist auch nicht schlecht:
Die Verdrängung (die eben auch in schiefen VWL-Theorien zum Ausdruck kommt) gehört zum System und macht dessen Funktionieren (und das Funktionieren innerhalb dieses Systems) erst möglich, meine ich.
Vielleicht war es ja das, was Marx mit “notwendig falschem Bewußtsein” meinte.

http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=75128

157 bismodo 17. Juli 2009 um 22:37

Hi HG,
“stimmt es, dass Sarko ein CIA oder Mossad-Mann is’ ??”

Stimmt nicht, ist ne krude Geschichte, die in F keinen mehr hinterm Ofen hervorlockt, auch wenn es vielen bestens gepasst hätte. Ist von A bis Z konstruiert, voller Details, die leicht nachzuprüfen und im Nullkommanix widerlegt waren.

“wie konnte es überhaupt passieren, dass Sarko Präsident wurde ?? ”

Das ist ne alte Geschichte in F. Die Wähler von Sarko sind die gleichen Spezies, die sich schon Hitler zu Füssen geschmissen haben oder den Deutschen 1870/71: ne bestimmte Sorte von Leuten, die Ordnung und Vaterland zu ner Mischung aus Feigheit, Kollaborationsbereitschaft und Angst vor dem Stärkeren zusammenkriegen (Chabrol in seinen Gähnfilmen ist nie müde geworden, sie vorzuführen…und zu akzeptieren). Gibts seit der Grossen Revolution, einerseits ne grosse Klappe, andererseits bereitwillige Fussabtreter (die lieber Bismarck zu Hilfe rufen, wenn’s brenzlig wird (Pariser Kommune) oder wenn sie sich’s einbilden: Le Pen ist so ein Exemplar: solange die franz. Armee in Algerien das Sagen hatte, massakrierte er die Bevölkerung – und ist bis heute stolz drauf. Weil die aber am Ende gesiegt haben, hat er jetzt die ewige Angst, dass die nur nach F kommen, um sich zu rächen. Was anderes kann er sich nicht vorstellen, zu mehr reicht’s einfach nicht. Das bestimmt dann auch das ‘politische Programm’: Rache für die Demütigung (Versailler Vertrag nach 1871, Rassismus nach 1962, der aber in Wirklichkeit ein Anti-Nordafrikanismus ist: die Tunesier, Algerier und Marokkaner kann so einer nicht voneinander unterscheiden, folglich gehts gegen die alle in einem Aufwasch), Chirac war auch so eine Type: grosse Klappe ohne politisches Programm und ohne pol. Überzeugung. Sarko ist die Mischung aus beiden: ne Art Schröder für Franzosen: sich aufspielen, seine Person im Zentrum (und sonst nix), ansonsten Ranschmeissen an erst Bush, jetzt Obama. Wenn die Merkelin mal ernsthaft njet sagt, kuscht er auch ganz schnell.)

Das ist ne ziemlich grosse Gruppe in F: fest den Tellerrand im Blick, arrogant und unterwürfig = die beiden Seiten derselben Medaille, feige bis zum Gehtnichtmehr, persönlich und politisch. Daher die Affinität zum starken Staat.

“watt’ is’ denn nun mit der Revolution vom Franzmann ?? … kommen die dies Jahr noch in die Pötte ?”

Da fürchte ich, das dauert wohl noch ein paar Jahrzehnte. Die Rituale, die bei uns so bewundert werden, sind Strohfeuer, und als solche auch gemeint (und verstanden). So ne Art erhobene Faust: seht nur, vor 200 Jahren habt ihr ja gesehen, wozu wir fähig sind. Nur: es ist wirklich nur ein allgemein akzeptiertes Ritual. Wenn es alle respektieren, geht jeder danach wieder schön nach hause und hat was zu erzählen. Und da die Feiglinge am Ruder es nicht drauf ankommen lassen, ist jeder sehr zufrieden…bis zum nächsten Mal.

Der einzige, der von diesem Schema abgewichen ist, war de Gaulle 1968. Da ist das dann auch in was Ernsteres umgeschlagen. Hat für ihn aber mit dem Rücktritt geendet.

Alles in allem: das (eindeutig vorhandene) Potential kommt eigentlich nie zum Tragen, weil dieses eingespielte Hin und Her wie ein Ballett abläuft, jeder das weiss und lieber mit 30.000 Euro nach hause geht und danach in depressivem Gemecker herumsuhlt. Sieht nur für Deutsche und von Ferne radikal oder lebendig aus!

Nicht die Wut ist interessant für einen Franzmann (von Format), sondern der Widerstand. Erst da entwickelt er politisches Gespür und Erfindungsgeist. Seht ich aber nicht, zur Zeit, nirgends

158 Hans~Gottlieb 17. Juli 2009 um 22:54

@lemming

@moneymind’s Elaborate … darfst du nicht für voll nehmen. Wenn du’s versuchst kommst du ruck-zuck in Teufels Küche. Ist glaube ich auch so’ne Art Intulektueler ;-)

159 lemming 17. Juli 2009 um 23:10

Yep. Intulektuele erkennt man ja immer daran, dass immer die anderen das “falsche Bewusstsein” haben sollen ;-)

160 Hans~Gottlieb 17. Juli 2009 um 23:14

@bismodo

… was die campinggas-kartuschen angeht: ja war auch mein Eindruck. Alles Ritual. Aber gut, diesmal wird’s letztlich mit den letzten 60 Jahren nicht vergleichbar sein.

… was Sarko angeht, bin ich irgendwie immer noch nicht ganz überzeugt. Schliesslich macht der alles mit, was Barry-Boy von ihm will. Volle NATo-Mitgliedschaft, Stützpunkt in Abu Dabi und so.

… was ist deine “europäische perspektive” ?

161 lemming 17. Juli 2009 um 23:36

@ignatius
Das lustige dabei: Wenn wirklich alle so handeln würden, dann gäbes einen gewaltigen Wirtschaftsboom, die Einkommen aller würden steigen und alle würden profitieren. Das Problem kriegst Du, wenn manche – und das gilt für Staaten wie für Privatpersonen – dabei nicht mitmachen und beginnen Schuldscheine auf Dauer und systematisch zu horten.
Klappt nicht. Die Spielverderber sind nämlich genau die, die das Spiel erfunden haben und nach deren Regeln es veranstaltet wird: G->G’
Also nicht Staaten oder Privatpersonen oder XY – einfacher: Kapitalisten.
Deine Idee wäre also nur die Konsumseite des berühmten Kettenbriefs. Hatten wir schon, die Folgen werden gerade mitsamt unsereiner aus dem warmen Bad gekippt.

162 bismodo 17. Juli 2009 um 23:42

@ HG # 160

“Schliesslich macht der alles mit, was Barry-Boy von ihm will. Volle NATo-Mitgliedschaft, Stützpunkt in Abu Dabi und so.”

Wo ist der Unterschied zu meiner Charakteristik? Sarko sitzt Obama doch schon im Dünndarm…in grosser Gesellschaft

“europäische perspektive”

oh Mann, sicherlich nicht mit Supersarko oder der FDJ-Sekretärin… und ohne Obama. Wie du sagst: “diesmal wird’s letztlich mit den letzten 60 Jahren nicht vergleichbar sein.” Die Personen Sarko, Merkel und die ganze Mischpoke wirds wegfegen auf Nimmerwiedersehn. Ich glaub auch, dass das nicht mehr so sehr weit weg ist.
Aber was (und wer) kommt dann? Ich glaub, da wird sich das alles beschleunigen in unglaublicher Weise, und da kommt es eben auch ganz schön drauf an, wie sich die Leute einschätzen und was sie sich trauen. Die Leute, meine ich, die sich jetzt noch am Nasenring führen lassen. Und ob sie über ihre Wut hinauskommen…

Ich selbst rechne damit, dass die EU wie ein Kartenhaus zusammenkracht und sich die Perspektive auf ein anderes Europa öffnet mit jedem Land nach seiner eigenen Facon. Wird zumindest spannend. Und chaotisch. Und nicht sehr nett ablaufen

163 unwissender 17. Juli 2009 um 23:47

Sagt mal, warum beschäftigt Ihr Euch hier eigentlich so mit Sarko?

D A S ….. ist unser Problem ! :-(

http://www.youtube.com/watch?v=xrgd8B5fhNw

164 bismodo 17. Juli 2009 um 23:51

Nachtrag: auf globaler Ebene ist Europa sowieso schon jetzt nur noch ne austrocknende Nebenstelle. Haben wir nur noch nicht geschnallt. Und genau das halte ich für ne Chance, so im Sinn: sollen die doch machen auf ihrer Spielwiese, wen interessiert’s schon. Die eigentliche Musik spielt zwischen USA und Asien, mit Hang zu Asien

165 bismodo 18. Juli 2009 um 00:06

# 163
“Sagt mal, warum beschäftigt Ihr Euch hier eigentlich so mit Sarko?”

Weil die Deutschen immer so sehnsüchtig und ehrfürchtig auf F gucken, so in der Art: Möönnsch, die trauen sich aber was! Dahinter steckt mMn der Wusch, von daher käme DER Auslöser. Und wenn HG sich fragt, wie das zusammengeht mit einem Sarko, den sie geWÄHLT haben, ist das ziemlich konsequent

166 Hans~Gottlieb 18. Juli 2009 um 00:09

@lemming

ja, “Bewusstsein” ist genau das richtige Wort bezüglich moneymind. ich habe mich ein paarmal durch seine Bleiwüsten gequält …

Er fing an mit … “Debitismus ist die Erleuchtung, alle Ökonomen sind restlos verblödete Theologen” … also das übliche, wie alle Debitisten anfangen. Kennen wir ja von wgnX. Irgendwann hat sich dann herausgestellt, dass für moneymind der Zins eine religiöses Opfer/Abgabe ist. Das hat er von dem Bremer Soziologen Heinsohn. Soziologen meinen schon immer, die Wirtschaft besser erklären zu können, als die verblödeten Ökonomen. Kennen wir ja auch von Ulrich Beck. Bremen ist sowieso ‘ne Scheiss-Uni für Wirtschaft, weiss jeder. Dottore PCM aber vertritt ja die Auffassung, dass der Zins als Steuer in die Welt geboren wurde. Da fingen die Schwulitäten an. Mittlerweile macht sich moneym. über alle lustig, die “schon seit Jahrzehnten den Weltuntergang vor Augen haben” und als defätistische Miesepeter durch’s Leben dümpeln …. Keine appetitliche Gechichte das ganze … Aber ich schaue mir das ganze ja nur von aussen an :-)

Also was moneymind angeht, der hatte mir zunächst echt Angst gemacht mit seiner Intulektualität. Ewig lange Bleiwüsten über den Debitismus. Also über den Kapitalismus als Kettenbrief. Also letztlich über Wirtschaft. Gespickt mit Namen von Philosophen, Physikern, Soziologen, Marx, usw… Gelesen habe ich von den ganzen Intulektuelen-VIP’s noch keinen einzigen ! … von manchen kannte ich nichtmal den Namen. Ich kam mir klein, schmächtig, lächerlich und unwürdig vor. Das kann ich euch sagen. Aber irgendwann ist mir aufgefallen, dass moneymind letztlich genau das gleiche macht wie alle Debitisten: über Wirtschaft fabulieren, OHNE dass auch nur ein einziges Mal tatsächlich auch WIRTSCHAFT darin vorkommt ! Seitdem ich das gemerkt habe fühle ich mich wieder gross und übermenschlich, halbgöttlich !!!

Moneys bevorzugte Gesprächspartnerin im DGF ist bloodymary – auch eine erleuchtete Debitistin, die zwar Fachfremde ist, aber alle Ökonomen für restlos verlödete Theologen hält. Kennen wir ja von wgnX. Wenn die beiden über die Essenz aller Dinge fabulieren, das is’ ganz grosses Kino. Da kann man selbst als vermeintlicher ~ halbgott ~ nur andächtig lauschen ! … über die ganze Szenarie sieht man auch dann und wann den Weltgeist huschen …

167 unwissender 18. Juli 2009 um 00:10

@bismodo

D A S ….. hier ist noch ein wirkliches Problem! :-(

http://www.youtube.com/watch?v=SGD2q2vewzQ

168 bismodo 18. Juli 2009 um 00:21

Hallo, unwissender

Sorry, beide Videos zeigen Probleme, aber das sind nicht die, auf die es ankommt. Das erste kaut ein taktisches Argument vor für Leute, die auf die gerade von anderen besetzten Sessel zustreben. Nicht MEIN Problem!
Das zweite Video: ein grosses Gefängnis bauen sie da. Ja und? Seit wann KLAPPEN deren Pläne? Zumal jetzt. wo sie mitten im Abrutsch sind?

169 Hans~Gottlieb 18. Juli 2009 um 00:30

@unwissender

Merkel hatte mit der Stasi nix am Hut. Hat sie uns doch hoch und heilig geschworen. Die haben angefragt, aber Angie hat sich dumm gestellt und erklärt, dass sie nix geheimhalten könnte – gerissenes Luder ;-)

Was mich interessieren würde, ob sie bei der CIA die gleiche Story erzählt hat, als die angefragt hat … :-(

170 Hans~Gottlieb 18. Juli 2009 um 00:33

@bismodo

“”auf globaler Ebene ist Europa sowieso schon jetzt nur noch ne austrocknende Nebenstelle. Haben wir nur noch nicht geschnallt. ”

==> … nixda !… wir Europäer sind die einzig verbliebene Supermacht ! Die Herren der Welt !

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_Bruttoinlandsprodukt

… wenn wir nur endlich unsere Ketten ablegen würden …

Gute Nacht

171 bismodo 18. Juli 2009 um 00:35

Ausserdem wird die – sags aber nicht weiter, ist noch geheim – von Herrn Ratzinger bald heilig gesprochen. Recht geschieht ihr

172 bismodo 18. Juli 2009 um 00:38

Siehste, HG, das ist genau die Chance, die ich meine.

173 unwissender 18. Juli 2009 um 00:49
174 unwissender 18. Juli 2009 um 01:02

@georgi

….. noch ein Buchtipp!

http://www.mises.de/public_home/article/73

175 Michael 18. Juli 2009 um 01:06

@unwissender
Nein, kein Problem. Konsens ist Schwarz-Gelb. Ansonsten wie gehabt, Schwarz-”Rot”. Stärktste Partei werden die Nichtwähler.

Und hier ging es eigentlich um ein Diagramm von Krugman. Das soll zeigen , dass der Staat für die ausgefallenen “Konsumenten” als Schuldner einzuspringen hätte.

Bedeutet, Krugman ist ein Anhänger von “Konjunkturprogrammen”. Das ist im Prinzip rausgeschmissenes Geld, da die Volkswirtschaften heute kein nur ansatzweise geschlossenes System mehr darstellen. Konjunkturprogramme wären nur zusammen mit Protektionismus sinnvoll. Wenn wir den nicht wollen, müssen wir Unternehmen, die es nicht geschafft haben, über die Wupper gehen lassen. Leider.

Daneben haben auch Staatsschulden den Nachteil verzinst zu sein, bei steigenden Zinsen erfordern sie zwingend höhere Steuern oder noch mehr Schulden. Siehe Japan, die Zinsen hätten angehoben werden müssen, um dem Treiben der Finanzjongleure ein Ende zu bereiten. Stichwort Dollar/Yen carry-trade, auf dem Buckel der Japaner wurden Abermilliarden “verdient”.

176 ignatius 18. Juli 2009 um 01:30

@lemming #161

Klappt nicht. Die Spielverderber sind nämlich genau die, die das Spiel erfunden haben [...] – einfacher: Kapitalisten.

Die Betonung hier lag auf alle. Das war und ist nicht der Fall und der Grund ist, wie Du völlig richtig bemerkst, dass einzelne player eben nicht mitmachen sondern systematisch akkumulieren (d.h. nicht um auf eine konkretes zukünftige Investitions- oder Konsumgut anzusparen sondern als Selbstzweck.).

Theoretisch reicht ein einziger Euro auf einem Fixzinskonto das nie mehr angetastet wird (der berühme Josephspfennig), um die Party (oder jedenfalls die Bank die den Zins garantiert hat) früher oder später platzen zu lassen.

Deine Idee wäre also nur die Konsumseite des berühmten Kettenbriefs.

Die “Idee” – oder vielmehr die Utopie – wäre es eben, die Kette zu einem Ring zu schließen denn dann könnte die Sache tatsächlich – zum allgemeinen Nutzen – immer weiter laufen. Leider ist sowas inhärent instabil und wäre nur möglich, wenn die die viel haben und viel einnehmen auch entsprechend viel konsumieren.

Die Sparquote müßte mit dem Einkommen nicht nur sinken, sondern insb. bei großen schon akkumulierten Sachvermögen sogar negativ werden, d.h. die Betreffenden müßten nicht nur darauf verzichten, systematisch Schuldtitel anzuhäufen, sondern auch hin und wieder selber Kredite für ihre – gerne auch extravaganten – Konsumwünsche (noch jmd. ohne Zeppelin?) aufnehmen. Letztendlich könnte das nur dann funktionieren, wenn sich die Reichen von den Armen nicht dadurch unterscheiden, dass erstere im Mittel netto-Gläubiger und letztere im Mittel netto-Schuldner sind, sondern nur dadurch, dass sie dank eines höheren Einkommens mehr Zeug haben, die protzigeren Autos fahren und härter Party machen – also Paris Hilton statt Max Weber.

177 Victor 18. Juli 2009 um 09:19

@Ham

Die allgemeine Ökonomenschelte hilft ja wohl nicht weiter.

Beispiel aus einem anderen Block:

http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/

Wer kann besser erklären Krugman oder Straubhaar, warum trotz bester Angebotsbedingungen für Unternehmen, niedrigster Mindestlohn, Sozialhilfe max. 2 Jahre danach werden Arbeitslose in den Steinbruch geschickt, und mehr rechtes in Gesetze umgesetztes Gedankengut, die Zahl der Arbeitslosen in Michigan von Höchststand zu Höchststand klettert.
Nur mit solchen Fragen kriegst du die Straubhaars, Eekhoffs,usw. von den Universitäten entfernt.

178 Eclair 18. Juli 2009 um 09:43

“Theoretisch reicht ein einziger Euro auf einem Fixzinskonto das nie mehr angetastet wird (der berühme Josephspfennig), um die Party (oder jedenfalls die Bank die den Zins garantiert hat) früher oder später platzen zu lassen.”

Na, Laternenpfosten, kann es eine bessere Steilvorlage geben, um die Welt mal wieder mit der Erkenntnis von den Numismatikern zu beglücken?

179 bismodo 18. Juli 2009 um 10:24
180 BB 18. Juli 2009 um 12:40

@Michael /175

>>>> Daneben haben auch Staatsschulden den Nachteil verzinst zu sein, bei steigenden Zinsen erfordern sie zwingend höhere Steuern oder noch mehr Schulden. Siehe Japan, die Zinsen hätten angehoben werden müssen, um dem Treiben der Finanzjongleure ein Ende zu bereiten. Stichwort Dollar/Yen carry-trade, auf dem Buckel der Japaner wurden Abermilliarden “verdient”.

Genau! Dazu hat der Flassbeck ja was schön
Verständliches geschrieben:

http://www.flassbeck.de/pdf/2007/28.2.07/Carry%20Trade.pdf

Nur ganz unten, da fängt mein vom Alltagswissen geprägtes Bauchgefühl wieder an zu grummeln, weil: Japaner hätten all ihre Ersparnisse auflösen müssen nach der “wahren ökonomischen Lehre”, um die Niedrigzinspolitik der Zentralbank zu unterlaufen? Gut, dass sagt der Flassbeck ja selber, dass das bei sinkenden Löhnen unwahrscheinlich ist. Aber:

>>> Die (Amerikaner) müssten offenbar mehr sparen und weniger investieren, also eine veritable Rezession in
Gang setzen, um ihre Notenbank von der Hochzinsstrategie abzubringen

Auch gut, das tun sie jetzt tatsächlich wohl. Aber muss die Notenbank die Zinsen unbedingt wieder auf Null bringen, wie es die Japaner ja falsch gemacht haben?

Da kommt leider beim Flassbeck wieder der Schimmelreiter durch, der durch Gegensteuern und Löcher stopfen den Damm-Durchbruch verhindern will.

Der Flassbeck ist übrigens einer, der hat mal im Fernsehen (deshalb leider, leider kein Link) genau meine These vertreten:

Die Zinsen sollten sich an der Produktivitätsentwicklung orientieren, denn die beträgt seit 130 Jahren (quasi seit Berechnung möglich ist) etwa 2-3% im Jahr konstant.

Das hat der so gesagt und ich dachte, hey, das ist mein Ökonom! Das war genau der Ansatz, den ich mir mit meinen Küchenkenntnissen VWL (die schwerer wiegen als Krugman-Exegese) zurechtgelegt hatte.

Leider hat er dann später – übrigens auch wieder im Fernsehen – etwas von “EZB möge Zinsen weiter senken” erzählt, wo die doch schon wieder unter 3 Prozent lagen, so dass ich mir gesagt haben, jetzt widerspricht er sich aber.

Aber den Flassbeck, den sollte man öfter mal zitieren, ist meine bescheidene Meinung. Der ist zumindest auf der richtigen Spur!

181 BB 18. Juli 2009 um 12:53

Und von dem Herrn Lehmann, da hört man auch gar nix mehr. Da wirft man ihm so schön den Federhandschuh hin (147), und was kommt mal wieder? Nix! Vielleicht liegt’s ja nur am Wochende und er liest gerade Philosophie des Abendlandes von Bertrant Russel, den er nicht richtig verstanden hat. Hey Lehmann, bist Du schon über die Scholastik hinaus? Ok, ich mach jetzt auch erst mal richtig Wochenende. Aber vielleicht kommt ja nächste Woche noch was?

182 Harry Haller 18. Juli 2009 um 14:07

@logik-ratio #34
“Außerdem wer vertraut heute noch seiner Bank? Oder Goldman & Co? Dazu noch die rasanten Fortschritte in den Schlüsselindustrien – d.h. immer weniger Arbeiter werden für die Autoproduktion benötigt und der Trend verschärft sich schlagartig, werden in der Krise doch vor allem Rationalisierungsmaßnahmen durchgeführt.”

Genau das Gegenteil ist der Fall. In der Krise werden Unternehmen gerade nicht in in die Automatisierung investieren:
mehr Arbeitslose>fallende Löhne; weniger Absatz. Genau dann werden Unternehmen nicht in kapitalintensive Roboter inverstieren.
http://www.heise.de/tr/Ruhende-Roboter–/blog/artikel/142096

gruß

183 lk 18. Juli 2009 um 16:17

@ BB 181
Na Cowboy, gerade keiner da, den Du abknallen kannst für Dein Ego? :-)

184 Harry Haller 18. Juli 2009 um 16:25

Was haben hier so viele gg. den Beitrag von P.Lehmann? Gerade der Hinweis auf den begrenzten Horizont (bzw. “ingenieursmässiges Rezept (kurze Reichweite)”) eines Ingenieurs fand ich amüsant.
Ich stimme einigem nicht zu und anderes ist nicht sehr höflich ausgedrückt, aber da ist er wohl nicht der einzige hier.

185 lk 18. Juli 2009 um 16:43

@Harry Haller
Pssst … Vorsicht …. So was darfst Du hier nur flüstern. Wenn Du Dich so plump aus der Deckung begibst, wird scharf geschossen. Und Du erfährst, so Du überlebst, dass dies Strafe sei dafür, von nichts eine Ahnung zu haben.

186 BB 18. Juli 2009 um 16:58

Hey @lk 183
Auf meiner Tastatur gibt’s zwei Sorten von Kerben: eine für Hirsche und die andere für Hasen!
:-)

187 Falk Kuebler 18. Juli 2009 um 18:47

Diesen Thread muss man sich wirklich bookmarken. Wenn man jemals – Gott bewahre – auf die Idee kommen sollte, dass Volkswirtschaft eine ernstgemeinte und “volkswirtschaftlich” produktive Disziplin ist, dann muss man schnell noch einmal hier reingucken und greift sofort ernüchtert zum Alcotest-Röhrchen ;-)

188 Michael 18. Juli 2009 um 20:22

@BB
Ja, aber es kam auf die Zinsdifferenz an. Prinzipiell ist es das Verhältnis “unterbewerteter” asiatischer zu “überbewerteten” westeuropäischen Währungen, die zur Zeit die fragwürdig niedrigen Zinsen erzwingen. Der Preis des heutigen Geldes sind nun mal die Zinsen. Ungeachtet dessen scheint es in der Wirtschaftstheorie nicht akzeptabel zu sein, daß relativ hohe Zinsen förderlich für die Binnenkonjunktur sein könnten. Damit unterbände ich nämlich die exzessive Kreditvegabe an Auslandsinvestitionen. Diese “Auslands(-finanzmarkt-)investitionen”, bei gleichzeitiger Kreditverweigerung an den deutschen Mittelstand (2002/03/04 —> Pleitewellen !!!) verbunden mit dem Glauben an die immerwährende Abwertung des Dollars hat letztens die Kreditbanken zerlegt. Denn die würden schon Kredite vergeben, nur leider sind sie bankrott. Es sind leere Hüllen.

Aus genau diesem Grund fände ich, trotzdem eine Reihe Unternehmen untergängen, für Deutschland im Median Zinsen um 4,5 % als angemessen. Und durch die Gemeinschaftswährung Euro haben wir ein Problem, denn den Südländern würde ich mit solchen Zinsen die Wirtschaft ruinieren. So toll der Euro auch sein soll, aus meiner Sicht ist er genau das nicht. Unsere Ersparnisse werden in Ländern angelegt, die man nicht als zuverlässige Schuldenzahler kennt.

Die Regierung wird wohl enorm triftige Gründe dafür haben, daß sie die IKB die 11 Mrd. Euro Steuergeld gefressen hat, an eine Heuschrecke verschenkte, die sofort alle Verfahren abwürgte. Die selbe Nummer mit der HRE. Wenn sie sowas in Steueroasen betreiben, hat eben NICHT der deutsche Steuerzahler die Zeche zu zahlen, sondern a) Zwangsverwaltung der Konstrukte, ggf. Banken und b) Anklage mit Forderung nach Höchststrafmaß für die Tatverdächtigen.

Ich wäre der letzte, der was gegen Investmentbanken hätte, aber ein Rahmen muß schon sein. Genug geärgert. Schönes Wochenende.

189 HAM 18. Juli 2009 um 20:46

@Victor #177
„Die allgemeine Ökonomenschelte hilft ja wohl nicht weiter.“

Völlig richtig. Machen wir ja auch nicht. Selbst Sloterdijk in seiner allgemeinen Kritik differenziert.

Die Frage ist, inwieweit Äußerungen von Wirtschaftswissenschaftlern von politischen und wirtschaftlichen Interessen bestimmt werden?

Krugman wurde und wird von vielen falsch eingeschätzt. In der Vergangenheit galt er als Linksliberaler.
Tatsächlich ist er Teil der Obama-Wallstret-Connection, also Ideologe und Mitorganisator der Bankster-Ökonomie (vgl. Group of Thirty).

Der moderne Wirtschaftsfaschismus kleidet sich in liberale und linke Ideologien ein.
Busch hingegen war ein Vertreter des offen reaktionären und zynischen Sozialdarwinismus.
Der heutige Sozialdarwinismus gibt sich sozialliberal, er argumentiert mit Menschenrechten, ist antirassistisch, antinationalistisch etc., während er neofeudale Herrschaftssysteme und neokoloniale Ausbeutung etabliert. Das Ganze geschieht im Imperium weitgehend latent, vermittelt über Finanzoperationen und Finanzkonstrukte, über Regierungsverträge (vgl. EU-Vertrag) etc.

Was ist die sog. Bankenrettung in Deutschland anderes als ein Aufkaufen von US-amerikanischen, wertlosen Assests durch den deutschen Staat?
Findet hier nicht ein verborgener Transfer von deutschem Volkseigentum in Richtung Wall Street statt? Handels es sich hier nicht um „Neo-Kolonialismus“?
Und wurde durch Obama und seine Administration der imperiale Anspruch von USA und NATO nicht bekräftigt?

Insofern stellt sich bei Krugmann die Frage, welche Strategie er verfolgt?
Wichtig ist hier zunächst, die Argumentation mit dem BIP-Wachstum kritisch zu hinterfragen?
Was bringt BIP-Wachstum für die Bevölkerungen, wenn Ökonomie nicht qualitativ gesteuert wird?
Was soll die Förderung von BIP-Wachstum, wenn das Kasino nicht geschlossen wird, die Hedgefonds, Derivate, Leerverkäufe etc. nicht verboten werden?
Etc.

Insofern kann man als ein Resümee der Diskussion in diesem Thread festhalten:
Vorsicht Krugman!

190 HAM 18. Juli 2009 um 21:08

@Harry Haller #184
„Gerade der Hinweis auf den begrenzten Horizont (bzw. “ingenieursmässiges Rezept (kurze Reichweite)”) eines Ingenieurs fand ich amüsant.“

Na ja, typisch deutscher Bildungsdünkel: Goethe gegen die Ingenieure.

Ohne diese Ingenieure, liebe Schöngeister, wärt Ihr alle noch im Mittelalter.
Würdet zu den über 90% der Bevölkerung gehören, die als Leibeigene ihr bäuerliches Dasein fristeten und nicht lesen und schreiben konnten.

191 BB 18. Juli 2009 um 22:06

@Michael Auch schönes Wochenende!

@HAM >>>>>> “Krugman wurde und wird von vielen falsch eingeschätzt. In der Vergangenheit galt er als Linksliberaler.
Tatsächlich ist er Teil der Obama-Wallstret-Connection, also Ideologe und Mitorganisator der Bankster-Ökonomie (vgl. Group of Thirty).”

Aha! Deshalb macht Krugman jetzt so lahme Vorschläge, wie z.B. “Boni reduzieren” und schimpft dazu ein bisschen auf die Banker. Das können die Banker ja ziemlich leicht umgehen, wie man schon gesehen hat, sie erhöhen einfach das Grundgehalt! Siehe mein Kommentar dazu in diesem interessanten Blogbeitrag:

http://blog.zeitenwende.ch/hansruedi-ramsauer/hat-wall-street-den-bogen-ueberspannt/

Hach, es gibt also tatsächlich Leute hier im Forum, von denen man viel lernen kann :-)

Aber trotzdem allerseits: schönes Wochenende und ich brauch jetzt echt ‘ne kleine Online-Entziehungskur (soll heißen, war klasse hier).

192 froZ 19. Juli 2009 um 00:11

@ BB

“…er liest gerade Bertrant Russel, den er nicht richtig verstanden hat”

Es sollte besser heißen:

“…Bertrand Russell, den er nicht richtig geschrieben hat”

Ansonsten fröhliches Chillout.

@ Falk Kuebler

“Diesen Thread muss man sich wirklich bookmarken.”

Ja, in der Tat. Das ist Realsatire “vom Feinsten”. Repräsentativ für VWL oder so dürfte es aber wohl doch eher nicht sein…

193 froZ 19. Juli 2009 um 00:33

@ Peter Lehmann

Herrlicher Kommentar. Habe mich köstlich amüsiert. Du hast hier nur das Problem, daß Deine Ironie nicht verstanden wird, weil sie mit dem Florett daherkommt und nicht mit dem Baseballschläger. Hier herrscht ein teutonischer Geist.

“Wenn die europäische Einigung funktioniert, dann bekommen wir deutsche Organisation, italienische Küche und englischen Humor. Wenn sie nicht funktioniert, dann bekommen wir italienische Organisation, englische Küche und deutschen Humor.” (nicht aus eigener Feder, aber Quelle vergessen)

In diesem Sinne: Enjoy your meal, folks!

194 weissgarnix 19. Juli 2009 um 00:35

Ich sehe, Ihr kommt auch ohne mich zurecht.

195 froZ 19. Juli 2009 um 00:44

@ wgnx

So, Du meinst, es bedarf nur der Infrastruktur, nicht aber der geistigen Führung? – Also wenn man diese Einstellung auf die Finanzbranche übertrüge, dann wären Fondsverwalter doch vollkommen überflüssig…

196 wilko0070 19. Juli 2009 um 01:01

Was Krugman (und andere Keynesianer) nicht begriffen haben, ist, dass eine keynesianische Defizitpolitik z. B. durch Infrastrukturmaßnahmen die Krise nur verlängert, das Kernproblem (ein Riesenüberschuss mit meist illusionärem Geld auf der einen Seite, aber fehlende Anlagemöglichkeiten in der Realwirtschaft auf der anderen Seite) auf Dauer nicht löst. Beispiele einer solchen kenesianischen Politik sind die USA 1932-1945 und Japan 1991-heute!). Als Lösung aus diesem Dilemma (hervorgerufen durch das unterschiedliche Wachstumsverhalten von Real- und Nominalgütersektor) gibt es eigentlich nur 2 Wege: der “harte” Weg über einen großen Krieg und einer anschließenden Währungsreform (nicht unbedingt empfehlenswert) oder der “weiche” Weg, den Deutschland 1923/1924 ging: eine Hyperinflation provozieren und anschließend eine Währungsreform durchführen (damals von Reichsmark auf Rentenmark). Welchen Weg die USA geht, wird sich zeigen. Warum veröffentlicht die FED seit 2006 eigentlich nicht mehr die Geldmenge M3? :=)

197 ignatius 19. Juli 2009 um 03:34

@wilko0070

Das hab ich mich schon im Herdentrieb gefragt: Warum muss es denn eigentlich immer die Brechstange (d.h. Währungsreform via Krieg oder Hyperinflation) sein? Gut, die Rentiers werden sich nicht freiwillig einschläfern lassen, aber ein paar Prozent p.a. Steuer auf “Nominalvermögen” (also Geld und Titel auf Geld) sollten doch vollkommen ausreichen um den Karren wieder flott zu machen – da muss man doch nicht gleich das ganze System trashen. Klar ist sowas nur schwer durchzusetzten v.a. was die notwendigen flankierenden Maßnahmen zur Unterbindung von Kapitalflucht (Kapitalkontrollen, Steuerstafverfolgung, etc.) betrifft. Aber wenn die Alternativen Krieg oder Hyperinflation lauten, dann sollte man darüber doch zumindest einmal diskutieren – wenn’s nicht klappt kann ich ja immer noch die Notenpresse anwerfen …

198 Systemfrager 19. Juli 2009 um 09:05

@wilko0070 (198) – Vorsicht BITTE!

Stellen wir uns vor, ein Mensch bekommt schreckliches Fieber und fällt ins Bett. Er schwitzt, schreit vor Schmerzen und beginnt zu haluzinieren. Er bettelt den Arzt an, unverzüglich zu kommen. Der verschreibt ihm verschiedene Medikamenten, sagt ihm was er tun soll und was er auf keinen Fall tun darf. Nach zwei Wochen ist er weitgehend gesund. Und was macht der Kranke jetzt?

Er teilt dem Arzt mit, er würde ihm nichts zahlen. Er würde ihn sogar verklagen. Der Arzt hätte mit ihm gar nichts machen dürfen. Dann wäre er noch schneller gesund geworden. (Er sei doch ein Mensch, der von Natur her gesund sei.) Eigentlich sei dieser Arzt nur ein Ganove, der trotz besseren Wissens etwas getan hätte, nur um ihm zu schaden und selber davon zu profitieren.

UND JETZT ÜBERTRAGEN WIR DIESE KURZE GESCHICHTE AUF DIE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT:

Der Kranke sind die typischen Neoliberalen und der Arzt sind die Keynesianer. Mehr über die Neoliberalen:

Der Neoliberalismus | für Eilige
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/steuerung.php?tbch=ba&schp=neolib

199 Harry Haller 19. Juli 2009 um 10:31

@HAM
“Na ja, typisch deutscher Bildungsdünkel: Goethe gegen die Ingenieure.”
Da hast Du mich mißverstanden. Das Kokettieren mit mathematischer Unkenntnis finde ich z.B. falsch. Wer sich mit Faust brüstet, sollte auch wissen was Leibniz’ Infinitesimalrechnung ist.

200 froZ 19. Juli 2009 um 12:56

Nochmal zu der Graphik. Sieht auf den ersten Blick ja wirklich etwas verwirrend aus. Was ist die abhängige, was die unabhängige Variable? Oder stellt es eine Wechselwirkung dar, und wenn ja, müßte man das nicht dynamisieren mit einer Zeitachse oder mehreren Graphiken jeweils für die Zeitpunkte t1, t2 etc.?

Aber wenn man Krugmans Ausführungen dazu liest, dann gewinnt man doch Einsichten.

“Here I show the private sector surplus and the public sector deficit both as functions of GDP.”

O.K., das mit den Variablen scheint zunächst mal klar zu sein.

“…what we’ ve had is a sharp increase in the desired private surplus at any given level of GDP due to a combination of higher personal saving and reduced investment demand…”

Aha, die Veränderung, die eingetreten ist, besteht nicht in höherem privaten Überschuß an sich, sondern in einer veränderten Präferenz der Akteure, wodurch bei gegebenem BIP die Sparquote steigt und die Investitionsnachfrage sinkt, PS also steigt.

Diese Veränderung ist nicht durch in der Graphik selbst dargestellte Größen erklärbar; Krugman schreibt:

“…the initial shock – the surge in desired private surplus”

Dadurch aber sinkt das BIP, und hier wird es wirklich etwas unübersichtlich. Ebenso noch waren PS und PD “functions of GDP”, jetzt ist es umgekehrt. Offenbar meint Krugman eine Wechselwirkung, aber dann hätte er wohl doch zwei Graphiken machen sollen, einmal für den Zeitpunkt t1 und für den Zeitpunkt t2. Oder besser gleich 4 Graphiken, nämlich das ganze jeweils einmal für die “Great Depression” (ohne PD), und einmal für die “Great Recession” (mit PD). Dann wäre das Ganze wohl nachvollziehbarer gewesen. Einer der Kommentatoren in Krugmans Blog schreibt das ja auch so ähnlich: die Graphik sei “too abstract”. Ich würde sagen: Da er das alles partout in einem Diagramm darstellen wollte, wird es überkomplex und mißverständlich.

Das kann man kritisieren. Und man muß auch nicht die daraus abgeleiteten Forderungen teilen. Ich bin kein Insider der Debatte, aber meines Wissens wird das amerikanische Deficit Spending am Ende des “New Deal” von Wirtschaftshistorikern heute recht kontrovers beurteilt.

Aber was hier dazu so an Rechthaberei, Aufplusterei und Getöse veranstaltet worden ist, das ist wirklich erstaunlich.

Im besonderen sollte es doch klar sein, daß Krugman in dem Diagramm allgemeine Zusammenhänge darstellen wollte, weshalb man sich die ganzen Spitzfindigkeiten bzgl. der Nichtlinearität von Zusammenhängen und der Winkel hätte sparen können.

In der Sache frage ich mich auch, was Deficit Spending bewirken soll, wenn in Zeiten starker international arbeitsteiliger Spezialisierung eine Konsumstimulierung im Inland doch nicht strukturell den Nachfrageausfall im Ausland kompensieren kann. Da wirken die aus der Graphik abgeleiteten Erwägungen dann etwas mechanistisch. Wenn überhaupt, dann wären wohl öffentliche Investitionen in die Infrastruktur sinnvoll, nicht aber solche Sachen wie Steuersenkungen, Konsumschecks etc.

201 georgi 19. Juli 2009 um 13:33

froZ:
wenn in Zeiten starker international arbeitsteiliger Spezialisierung eine Konsumstimulierung im Inland doch nicht strukturell den Nachfrageausfall im Ausland kompensieren kann.

Ich glaube, daß es langfristig ja wohl darum gehen muß,
wieder eine Industrie aufzubauen, die für
den Binnenmarkt wirtschaftet. Früher hat man ja die
Binnenwirtschaft mit Hilfe von Agenda 2010 zu Gunsten der
Exportwirtschaft geschlachtet. Wenn man mit der
Export-Dumping-Politik nicht mehr weiter kommt, muß man
den Prozeß wieder umkehren. Das wird wohl nicht ohne
die Wiederherstellung von Sozialstandards und
Protektionismus funktionieren.

202 unwissender 19. Juli 2009 um 13:39

Jenseits der – heutigen – Lehre von BWL und VWL !

http://de.wikipedia.org/wiki/Humboldtsches_Bildungsideal

203 froZ 19. Juli 2009 um 13:59

Ach so, noch was…

@ Ha~Go

Bei Deinen Kommentaren besteht in diesem Thread auch noch nicht das angestrebte Gleichgewicht zwischen Beleidigungen und Sachargumenten. Deshalb mal eine Frage, da Du ja den dicken Wälzer über Währungspolitik gelesen hast und hier immer den “Reset” propagierst:

Wie soll der Reset vonstatten gehen?

Ich meine nicht rein technisch. (Zu der Umstellung von Forderungen hat ja, glaube ich, @inti mal was geschrieben, was auf den ersten Blick recht plausibel wirkte). – Nein, wie soll es politisch-administrativ geschehen, und auf welcher Ebene?

Auf der Ebene der Eurozone? Dann müßte das wohl eine Angelegenheit der EZB sein. Aber die EZB kann ja zwar Geldpolitik machen, sie hat aber keinen Staat im Hintergrund, der hoheitliche Rechte bezüglich der Währung ausüben könnte. Und die europäischen politischen Institutionen mit ihren Schwierigkeiten der Konsensfindung… na ja. Die ganze Sache würde doch anderthalb Jahre lang in der Öffentlichkeit zerredet und von einflußreichen Akteuren konterkariert, ehe es da ein Ergebnis gäbe.

Soll Deutschland im Alleingang aus der Eurozone austreten? Das wäre wohl ein politischer GAU, es würde als ein schroffes Bekenntnis zu einem deutschen Sonderweg angesehen, das uns in die völlige Isolation führen müßte, mit gar nicht abzusehenden politischen Langzeitschäden. Offenbar stellst Du Dir das ja auch nicht so vor, wenn Du von der EU als größter Wirtschaftsmacht sprichst.

Also dann als dritte Variante: Kerneuropa, verkörpert durch Detschland, Frankreich, Benelux, Österreich geht voran und ersetzt sozusagen in einem monetären Staatsstreich innerhalb der EU den €uro durch den N€uro? Die anderen Staaten werden dann später teilweise in die neue Stabilitätszone hineingesogen? Muß man sich das so vorstellen? Aber da frage ich mich dann wieder, wie das technisch zu bewerkstelligen wäre. Die neue Struktur müßte ja auch gemeinsame Institutionen ausprägen, etwa eine gemeinsame Zentralbank.

Also, wie geht der “Reset”? Wenn du Lust hast, schreib doch zur Abwechslung auch mal wieder einen analytischen Kommentar. Sonst komme ich als Sterblicher nämlich noch zu der Schlußfolgerung, so ein bißchen schuldenfinanzierter Stamokap sei doch besser, da man dann beim finalen Crash praktischerweise schon ein paar Jahre tot ist (wenn man Glück hat).

204 HAM 19. Juli 2009 um 17:15

@Harry Haller #201
“Da hast Du mich mißverstanden. Das Kokettieren mit mathematischer Unkenntnis finde ich z.B. falsch. Wer sich mit Faust brüstet, sollte auch wissen was Leibniz’ Infinitesimalrechnung ist.“

Sorry, da habe ich Dich missverstanden.
Aber es geht nicht nur um Mathematik, sondern auch um das Verständnis des Zusammenhanges von wirtschaftlicher und technologischer Entwicklung.

Und hier geht es nicht nur Produktionstechnologien, sondern auch und besonders um Technologien der sozialen Organisation, also von Arbeitsorganisation bis hin zu weltgesellschaftlicher Organisation (–> Sozialtechnologien).

Dazu finde ich die Beiträge von Stefan Meretz sehr instruktiv:

„Die doppelte algorithmische Revolution des Kapitalismus – oder: Von der Anarchie des Marktes zur selbstgeplanten Wirtschaft“
http://www.kritische-informatik.de/algorevl.htm

und „Produktivkraftentwicklung und Subjektivität. Vom eindimensionalen Menschen zur unbeschränkt entfalteten Individualität“.

Ich würde mich freuen, wenn es zu einem dieser Texte eine Rückmeldung gäbe.

Eine Diskussion über Wirtschaftsentwicklung, die sich vorrangig am BIP-Wachstum orientiert und damit auf der Geld- bzw. Tauschwert-Ebene verbleibt, ist immer nur ökonomistischer Reduktionismus.

Was heute unter „Ökonomisierung“ diskutiert wird, ist doch nur Primitiv-Ökonomie, welche auf die Maximierung von G´ aus ist. Buchhalter- und Bankster-Ökonomie

205 HAM 19. Juli 2009 um 18:02

@georgi #203
„Früher hat man ja die Binnenwirtschaft mit Hilfe von Agenda 2010 zu Gunsten der Exportwirtschaft geschlachtet.“

Primär zu Gunsten des Finanzkapitals.

Damals hat man auch öffentliches Eigentum privatisiert.
Heute werden private Schulden sozialisiert.
Oder – je nach Perspektive – Eigentum der Bevölkerung nach Wall Street transferiert.

Deutschland wurde vom „Protektorat“ des US-Imperiums zur dessen „Kolonie“ gemacht.

206 georgi 19. Juli 2009 um 18:23

#207 (HAM)

Primär zu Gunsten des Finanzkapitals.
…eher sekundär zu Gunsten der Finanzkapitals.

Agenda2010 + Exportorientierung + Kreditsause haben die
Unternehmensgewinne explodieren lassen. Außerdem
wurde in D auf private Altersvorsorge umgestellt. So kam es
dann, daß sehr viel Liquidität nach Investitionsmöglichkeiten
suchte. Das hat dann die Finanzsphäre aufgeblasen.

207 Watawah 19. Juli 2009 um 18:35

Nein @ georgi

Ich meine, hier wird Ursache mit Wirkung, Ziel, Weg und Ergebnis durcheinander ‘gewürfelt’.

Es ging um die Verlagerung zugunsten Finanzkapital. Hätte es dafür andere, noch einfacher zu vermittelnde, Wege gegeben, hätte man sicher diese genutzt.

Sagen wir ’sekundär’, klingt das nach einem Versehen, einem nicht zu erwartenden Phänomen.

Da wir uns aber in einer hohen Stufe des Kapitalismus befinden, in der die ‘gewöhnlichen’ Märkte gesättigt sind, muß ‘umgeschichtet’ werden, dass eben über Finanzmarktaktivitäten Renditen in entsprechender Höhe erzielt werden können.

208 HAM 19. Juli 2009 um 19:08

@georgi #208
„Primär zu Gunsten des Finanzkapitals.
…eher sekundär zu Gunsten der Finanzkapitals.“

Förderung profitabler Kapitalverwertung zu Lasten der lohnarbeitenden Bevölkerung.

Könne wir uns darauf einigen?
:-D

209 georgi 19. Juli 2009 um 19:42

#210 (HAM): Förderung profitabler Kapitalverwertung
zu Lasten der lohnarbeitenden Bevölkerung.

Förderung partikulärer Interessen einiger Teile der Wirtschaft
(Goldman Sachs, Springer, Bertelsmann, …) auf Kosten der
übrigen Teile auf Grundlage von verdeckter Lobbyarbeit und
Korruption, personeller Verflechtung in Staat & Wirtschaft etc.

Das geht natürlich zu Lasten der lohnarbeitenden und nicht mehr für Lohn arbeitenden Bevölkerung.

210 Hans~Gottlieb 19. Juli 2009 um 20:55

@Karl:

Dieser neue Liberalismus [„NEOLIBERALISMUS“!], fordert Rüstow, müsse sich vom LAISSEZ-FAIRE des 19. Jahrhunderts UNTERSCHEIDEN. Der Neoliberalismus erfordere “einen starken Staat, einen starken Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört.” Stattdessen drückte die Wall Street der Welt ihre Regeln auf. Und in Europa wurden sie gedankenlos nachgeplappert.“ .

http://www.sueddeutsche.de/finanzen/822/312735/text/

[WARNING: Ich habe den Artikel nur wegen dieses Zitats verlinkt. Mit dem Rest des Artikels kann man sich getrost den Arcsh abwischen. Der fachfremde, (partei-)ideologisch verstrahlte Journalist „U.Schäfer“ hat insbesondere auf keinem Auge geblickt, dass die tatsächlichen Neoliberalen den „Starken Staat“ als starken (Schieds-)RICHTER / WÄCHTER und starken im Bedarfsfall freilich auch „Regelverschärfer“ im demokratischen Auftrag des Volkes) gemeint haben und NICHT als starken „PRODUZENTEN“ (Staatsanteil 50% !)

Retroliberale Grüsse,

~ HG ~

211 Hans~Gottlieb 19. Juli 2009 um 21:29

@wgnX:

… schau mal (# 200), mit was für endstationären Gestalten du dich als offen bekennender “Keynesianer” auf eine Stufe stellst … :-) . :-) . :-)

@alle kritischen Selbstdenker:

… wer den organisierten System-Lügnern von Rot, Grün, Schwarz und Gelb, genauso wie den organisierten System-Lügnern in ihren schwachSINNigen Wirtschafts-Instituten (und nebenbei natürlich auch den endstationären Drogenfraggles) bezüglich des Begriffes “Neoliberalismus” nicht mehr auf den Leim gehen will, kann hier mal lesen:

http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=72776

= > Lustig: … Vergleicht mal die Wiki-Auszüge von Anfang des Jahres mit dem heutigen Wiki-Artikel: Die räudigen Faschisten von den Keynesianer-Lehrstühlen haben die zitierten Passagen inzwischen einfach rauszensiert. ;-) … ja, ja … so sind sie halt, diese Leute …

= > … so, und wer nun meint: … ja, ja , ~ Halbgott ~, …eigentlich hast du ja recht. Wie immer. Die haben alle gar nicht begriffen, was der „Neoliberalismus“ eigentlich wirklich bedeutet. ABER … wenn der Begriff schon von so vielen ahnungslos-verblödeten Sheeples völlig FALSCH verwendet wird, DANN können wir ihn doch einfach ALLE falsch verwenden … und drauf schaisen, was der Begriff in Wahrheit bedeutet, oder ??

= > … der sollte das lesen:

„Über die Umdeutung der Begrifflichkeiten – von der Herrschaft über die Sprache zur Herrschaft über den Menschen“

http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=72932

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

212 Hans~Gottlieb 19. Juli 2009 um 21:46

Übrigens, manchmal, zugegeben ganz selten und immer seltener … findet sich in der gleichgeschalteten Drecks-Presse immer noch vereinzelt ein lesenswerter Artikel.

### „Kapitalismus in der Krise
Das große Missverständnis

Wie der Begriff Neoliberalismus zum Schimpfwort wurde – und warum seine Anhänger von Anfang an den Staat nicht abschaffen, sondern ihn sogar stärken wollten.“

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/181/448913/text/3/print.html

### Das Imperium schlägt sich selbst
Politiker schießen auf den Neoliberalismus – und treffen die Ökonomie

http://www.zeit.de/2003/01/Arguement?page=all

… und für die ganz Harten und Unersättlichen unter den erwachenden sheeples … gibt’s hier noch ein ganz fiese Portion „MANCHESTER-Liberalismus“ als Nachschlag.

### Gerecht ist nur die Freiheit

In Manchester stritten Liberale gegen Feudalismus und Armut. Seit 150 Jahren werden sie verleumdet.

http://www.zeit.de/2003/41/Manchesterliberalismus?page=all

213 Victor 19. Juli 2009 um 22:01

Der Chef der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen ist Mitglied der Mont Pelerin Gesellschaft.
2003 schrieb dieser den eindrucksvollen Artikel: Freiheit statt Sozialhilfe.
Marc Beise ist sein Adlatus.
Jeder Versuch einer Diskussion mit diesen Leuten ist sinnlos.

214 Hans~Gottlieb 19. Juli 2009 um 22:27

@froZ { 19.07.09 at 13:59 }

= > … erfreulich, frOz, du bist einer, der bemüht ist mitzudenken !!!

„Bei Deinen Kommentaren besteht in diesem Thread auch noch nicht das angestrebte Gleichgewicht zwischen Beleidigungen und Sachargumenten.“

= > … Blödsinn ! … alles voller Sachargumente oben !

= > … FroZ du fragst:

„Wie soll der Reset vonstatten gehen?“
„wie soll es politisch-administrativ geschehen, und auf welcher Ebene?“
„Auf der Ebene der Eurozone?“
„Soll Deutschland im Alleingang aus der Eurozone austreten?“
„monetären Staatsstreich ersetzt den €uro durch den N€uro?“
„Also, wie geht der “Reset”?

= > …. Applaus, Applaus, Applaus !!! …… dafür bekommst du von mir ein „2+“ und zur weiteren Motivation noch 2 Fleissbienchen !!! … FrOz, dass sind GENAU die Fragen, die man stellen MUSS !… es sind genau die Fragen, mit denen ich mich seit etwa einem Jahr beschäftige !!! … natürlich habe ich auch schon Antworten. Aber mal ehrlich warum soll ICH IMMER ALLES ALLEIN machen ????? … einige von euch Sterblichen können doch AUCH denken ? …

= > … wie habe ich es damals so schön formuliert, als die Sterblichen mich noch @Goethe genannt haben ?

„(Halb-)Gott gibt die Nüsse. Aber er beisst sie nicht (immer) auf !“

= > … ich habe doch die beiden Alternativen schon im Herbst letzten Jahres genau beschrieben. RESET oder SKLAVEREI ! … was habt ihr seitdem gemacht ? … anstatt sofort damit zu beginnen, über die Umsetzung des Resets nachzudenken, habt ihr Dummschwall-Heinis wie Krugi zugehört ! Sagt später nicht, ich hätte euch nicht gewarnt !

= > … natürlich ist der RESET ein Sprung in eine Feuerwand, vor dem man sich intuitiv fürchtet ! … noch ist die Feuerwand nur 2 Meter breit. Aber sie wird jeden Tag breiter und frisst sich jeden Tag näher an euch heran …

= > … Also, FroZ, wenn du Lust hast, schreib doch zur Abwechslung mal einen ausführlichen analytischen Kommentar, mit ANTWORTEN (bzw. alternativen Szenarien) zu genau diesen Fragen !!! „Sonst komme ich als Sterblicher nämlich noch zu der Schlußfolgerung, so ein bißchen schuldenfinanzierter Stamokap sei doch besser, da man dann beim finalen Crash praktischerweise schon ein paar Jahre tot ist (wenn man Glück hat).“

= > … romantische Vorstellungen von der sozialistischen Diktatur ? … bitte die Geschichte des Sozialismus studieren. Nazional-Sozialismus, Sozial-Sozialismus, usw. … hat der Sozialismus auch nur ein einziges Mal funktioniert ? … wie waren die Lebensbedingungen ? … wie waren die zur Machterhaltung notwendigen Kollateralschäden in der Zivilbevölkerung ?

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

PS: … „N€URO“ (NEU) und „NewEssDollar“ (NUSD) … sind genau die Begriffe, die ich mir für die „Soziale Währungsreform“ ( (cr) by ~ Halbgott ~) erfunden habe ! … habe ich die hier schon mal geschrieben ? … oder bist du selbst drauf gekommen ??

215 Hans~Gottlieb 19. Juli 2009 um 23:00

@Victor { 19.07.09 at 22:01 }

“Der Chef der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen ist Mitglied der Mont Pelerin Gesellschaft.2003 schrieb dieser den eindrucksvollen Artikel: Freiheit statt Sozialhilfe.
Marc Beise ist sein Adlatus.Jeder Versuch einer Diskussion mit diesen Leuten ist sinnlos.”

=> … mag alles sein, V.

=> … die genannten Artikel habe ich gelesen. Der Inhalt ist o.k. !!

=> … ich wiederhole es noch einmal. Zum 132132313 Mal wahrscheinlich:

“Neoliberalismus” … bedeutet IMMER und OHNE AUSNAHME, dass der demokratisch legitimierte STAAT die ultimative Macht hat ! … und diese im Normalfall zur Überwachung und Regulierung … im Falle einer Fehlentwicklung , die durch MANGELNDE ÜBerwachung/Regulierung eintritt … aber auch zum bedingungslosen INTERVENIEREN … auch NUTZT !!

=> … V., ist völlig Schnuppe ob einer in irgendeiner Pellegrin- Gesellschaft ist oder nicht. … Wenn einer behauptet ein NEOLIBERALER zu sein, oder wenn die fachfremden Kapitalismuskritiker einem UNTERSTELLEN ein “NEOLIBERALER” zu sein, dann gibt es ein ganz einfaches Mittel heruaszufinden, ob er auch wirklich ein NEOLIBERALER … IST:

- Frage ihn, ob er bedingungslos für die strikte, resriktive Regulierung der Geld/Kreditschöpfung ist, oder nicht.

- Frage ihn, ob er bedingungslos für die Zerschlagung von marktbeherrschenden Monopolen und Kartellen und damit auch von “Systembedrohenden Banken” … ist, oder nicht.

- Frage ihn, ob er bedingungslos für das langjährige Wegsperren von Trojaner-Lobbyisten in Bundesministerien und den korrupten Politikern, die dieses zugelassen haben, ist , oder nicht.

==> … wenn er eine dieser Fragen verneint, oder auch nur mit dem bedingungslosen, lautstarken “JA!!!” zögert, ist es KEIN NEOLIBERALER, sondern ein mafiös-faschistoider Plutokrat !!!

So ist das ! … probiere es in der nächsten Politainement-Talkshow mit Herrn SINN oder Herrn Straubhaar aus !!! … DANN und NUR DANN, weisst du woran du bist !!!

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

PS:

Ein NEOLIBERALER kann in der jetztigen Situation nur für die sofortige, entschädigungslose Verstaatlichung, Abwicklung und Zerschlagung aller Zombie-Banken und die anschliessende sofortige Errichtung eines NEUEN funktionstüchtigen Finanzsystem sein ! … habe ich schon vor einem dreiviertel Jahr gefordert …

216 wilko0070 19. Juli 2009 um 23:04

@ignatus
“Gut, die Rentiers werden sich nicht freiwillig einschläfern lassen, aber ein paar Prozent p.a. Steuer auf “Nominalvermögen” (also Geld und Titel auf Geld) sollten doch vollkommen ausreichen um den Karren wieder flott zu machen”

Das Problem ist, dass sich nicht einfach “Angebot” und “Nachfrage” gegenüberstehen, sondern Wirtschaftssubjekte mit Anlage- bzw. Kreditbedürfnis. Wenn sich nun Geld in den Händen weniger exponentiell vermehrt (angelegt wird), helfen auch keine paar Prozent Steuer auf Nominalvermögen nicht mehr. Beispielsweise erreichte die Einkommensteuer in den USA unter Roosevelt einen Höchstsatz von 91%, gegen die Krise hat dies langfristig auch nicht geholfen.

217 Hans~Gottlieb 19. Juli 2009 um 23:04

Schöne Analogie ist mir jetzt zu später Stunde noch eingefallen:

– Das KIND ist in den tiefen Brunnen gefallen !!

- man KANN ES NICHT wieder herausholen !!

- man MUSS eine Handgranate in den Brunnen schmeissen, um ihm das elende Kreppieren zu ersparen !

- dann muss man sofort ein NEUES Kind machen !!! … und alles wird gut !

( das Kind ist mit dem Weltfinanzsystem gleich zu setzen …)

218 wilko0070 19. Juli 2009 um 23:23

@ignatus:
Wie in den USA eine fiktive Geldblase aufgebaut wurde, lässt sich anhand einer Grafik in Ottes “Der Crash kommt” (S. 143) ablesen. Während die Geldmenge M1 (umlaufende Banknoten, Schecks und Kontoguthaben) als Anteil am BSP seit 1980 nahezu konstant blieb (10%), ist M3 (M1 + Spareinlagen, Termingelder, Einlagen in Geldmarktfonds) seidem von rund 40% um 145% auf rund 85% 2005 gestiegen und beträgt ein Vielfaches der jemals gedruckten Dollarnoten! Das bedeutet, dass die Sparanlagen der Bankkunden großteils auf “fiktivem Geld” basieren (das sich exponentiell vermehrt), dem die Banken aber keine adäquate Deckung aus Investitionsgeschäften gegenüberstellen können. Aus gutem Grund veröffentlicht nun die FED seit 2006 nicht mehr die Geldmenge M3!

219 unwissender 19. Juli 2009 um 23:38
220 Hans~Gottlieb 19. Juli 2009 um 23:53

+++ MEGA-LUSTIG +++

… habe gerade in einem Ordner einen alten Artikel über Paule-Krugman-Superstar aus dem Jahr 1999 gefunden !!!

… unbedingt anschauen !!!!

http://www.file-upload.net/download-1774580/Bloedel-Krugi.PDF.html


=== > … Keynesianer-Krugi war schon vor 10 Jahren die Paris Hilton der Makroökonomie !!!

Zitat: „Einige gravierende Probleme, doziert Krugman, liessen sich eben doch über eine expansivere Geldpolitik lösen: Ein paar Telefonate, das würde reichen.“

(Herzlichen Dank, Krugi ! … das war genau das, was wir gebraucht haben ! … Herr lass Hirn vom Himmel und schlag Krugi damit tot!)

+++ MEGA-LUSTIG +++

221 lemming 20. Juli 2009 um 00:38

@HG
restriktive Regulierung der Kreditschöpfung ist, oder nicht.
Kreditschöpfung lässt sich nicht regulieren. Ein Kredit ist nichts anderes als ein Zahlungsversprechen. Und versprechen kann jeder – er muss nur einen finden, der ihm glaubt. (“Vertrauen ist der Anfang von allem…”) Was ist ein simpler Handel mit Aktien, der zukünftige Erträge “einpreist” anderes als Kreditschöpfung? Von den ganzen Derivaten und Verbriefungen zu schweigen.

die Zerschlagung von marktbeherrschenden Monopolen und Kartellen
Wer legt das denn fest, was “Marktbeherrschung” ist? Wenn viele Konkurrenten von wenigen Investoren gesteuert werden: Ist das dann Marktbeherrschung oder nicht? Und gilt das nur national oder auch für “internationale Champions”?

Trojaner-Lobbyisten in Bundesministerien und den korrupten Politikern
Zu glauben, man könne dauerhaft einen Staat, dessen Einnahmen, also Handlungsfähigkeit, von eben dieser Wirtschaft abhängen, zu einem Kontrolleur und Richter derselben machen, ist schlicht naiv.
Damit fällt dann auch die Möglichkeit der Monopolzerschlagung. Der Staat mag Monopole – sie sind ihm sozusagen verwandt.

Das Problem ist nicht das Geld – es ist das Kapital.
Das Problem ist nicht das Monopol – es ist die Akkumulation
Das Problem ist nicht die Korruption – es ist die Abhängigkeit des Staates von der Wirtschaft.

Ich wüsste nicht, wozu es gut sein soll, denselben Mist nochmal neu zu starten. Es käme am Ende doch derselbe Mist wieder raus.

222 Hans~Gottlieb 20. Juli 2009 um 01:27

@edicius #223

… hast du denn jetzt endlich mal die Rote Bibel gelesen ?

223 HAM 20. Juli 2009 um 03:19

ILLUSION DES LIBERALISMUS

Ziel des Liberalismus war die Befreiung der Individuen aus feudaler Herrschaft und Abhängigkeit, daher auch sein Name.

Tatsächlich hat der Liberalismus im Sinne einer „Gesellschaft freier Individuen“ bislang noch nie auf Dauer funktioniert.
Immer wieder entstanden autoritäre, neofeudale Systeme. Meist formal demokratisch, aber tatsächlich beherrscht von Oligarchien, nicht selten durch Verbrechersyndikate.
Regelmäßig gehen liberale Gesellschaften über in zeitweilige offene diktatorische Herrschaft, sei es in Form von Notstands- oder Kriegsregierungen, sei es in Form faschistischer oder faschistoider Diktaturen.

Dem Hinweis der Retroliberalen auf das bisherige historische Scheitern des Sozialismus taugt nicht als Argument für das liberale Gesellschaftskonzept, weil eben dieser Liberalismus ebenso regelmäßig historisch gescheitert ist.

Allerdings gab es vorindustrielle, sozialistische Gesellschaften, die auf Dauer funktionierten.

Der Liberalismus legt als Menschenbild das egoistische Individuum zu Grunde.
Jedoch kann eine Gesellschaft aus egoistischen Individuen, welche primär ihren privaten Vorteil verfolgen, auf Dauer nicht funktionieren.

Deshalb gibt es von liberaler Seite neben der Forderung, der Staat solle sich möglich aus dem Wirtschaftsprozess heraushalten und dessen Regulation den Marktmechanismen überlassen, immer zugleich den Ruf nach einem starken Staat, welcher das egoistischen Treiben der Individuen in Bahnen des Gemeinwohls lenken soll und dem gemeinschaftsschädlichen Verhalten Grenzen setzen soll.

Dazu muss der Liberalismus einen zweiten Menschentyp erfinden, nämlich jenen, der nicht-egoistisch Staatsaufgaben erfüllen soll. Der seine Funktionen im Staatsapparat nicht dazu nutzen soll, sich egoistisch seine Taschen und Konten zu füllen.

Wo aber sollen solche Menschen herkommen in einer Gesellschaft, in deren Zentrum das egoistische Individuum und die Maximierung von Privateigentum steht?

Diesen Widerspruch kann der Liberalismus nicht lösen. Und daher produzieren Liberale in ihrer gesellschaftlichen Praxis regelmäßig das Gegenteil von dem, was sie als Ideal propagieren: Statt einer demokratischen Gesellschaft freier Individuum kommt regelmäßig ein Neo-Feudalismus in Form einer neuen Oligarchie heraus. Und so wird die Freiheit der Individuen wird immer geringer und der Terror der Ökonomie immer größer.

224 Systemfrager 20. Juli 2009 um 08:11

@ HAM 225

Hervorragend beschrieben! Das ist aber die moralische und die empirische Ebene. Zu der empirischen Ebene sollte man noch hinzufügen, dass Kommunismus und Faschismus nur Versuche der liberalen Gesellschaften waren, den totalen Scheitern des Liberalismus überhaupt – physikalisch oder biologisch – zu überleben. Mehr dazu:
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/aa/10a/aa10a.php?df_name=aaDF20&tbch=aa&schp=nach30j&ordner=10a

Wir müssen aber über das Moralische hinaus. Wir müssen zeigen, dass der Liberalismus bzw. der Neoliberalismus nur eine akademische Idiotie ist. Die neoliberale Angebotstheorie ist keine Wissenschaft, mit der Realität hat sie nichts zu tun. (Das steht im Zentrum meines Interesses in „www.systemfrage21.de“.) Der Neoliberalismus ist nur eine platte Ideologie der Oligarchie und Plutokratie. Mit Freiheit hat sie – wie du es sagst – gar nichts zu tun; im Gegenteil: Die neoliberale Freiheit ist eine totale Versklavung.

Übrigens: Was die Neoliberalen zu sagen haben, präsentiert uns in den vorigen Kommentaren überzeugend auch Hans~Gottlieb. Dieser Schwätzer kann nicht einen einzigen schlüssigen Satz mit einem Sinn hinkriegen. Und weil ihn keiner versteht, meint er bestimmt, es liege an der Tiefe seiner Logik. Er ist jedoch nicht einmal oberflächlich – von der Logik ganz zu schweigen. Sein Beispiel mit der Bombe (@ 219) zeigt hervorragend, wie die Neoliberalen alle Probleme lösen wollen. Es sind Narren, die offensichtlich unsere Zivilisation vernichten werden – wenn wir sie nicht stoppen.

225 Systemfrager 20. Juli 2009 um 09:07

@ HAM

… habe ich mir gerade alles oben von Dir noch einmal angeschaut. Einfach einen Vorschlag zu machen – würde ich meinen – darf man normalerweise: Wäre ein direkter (man fängt mit Email an und sieht weiter) Kontakt möglich? Ich bin per „systemfrage21.de“ erreichbar.

226 wilko0070 20. Juli 2009 um 09:10

@HAM 225
“Tatsächlich hat der Liberalismus im Sinne einer „Gesellschaft freier Individuen“ bislang noch nie auf Dauer funktioniert.
Immer wieder entstanden autoritäre, neofeudale Systeme.”

Da stimme ich dir zu, nur hast du ein wichtiges (demographisches) Element vergessen: den Lebenslauf von Unternehmen, Wirtschaftsdynastien oder ganzen Wirtschaftseinheiten wie beispielsweise Staaten. Bismarck hat dies intuitiv schon richtig erkannt: “Die erste Generation verdient das Geld, die zweite verwaltet das Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt vollends.”
Diese kleine PDF-Datei versucht Erklärungen für dieses Verhalten zu finden: http://www.squam.de/uploads/media/Erfolg_ueber_Generationen.pdf
In der Realtität zeigt sich, dass es kaum Wirtschaftsdynastien gibt, die über den 4 Generationen hinausgehen, z. B. ist Julius Meinl IV. definitiv der letzte Vertreter der Meinl-Kaffee-Dynastie. Oder schau’ dir aktuell einmal an, was aus der Schickedanz-Dynastie (Quelle) in der 2. Generation geworden ist: http://www.welt.de/wirtschaft/article4147746/Quelle-Erbin-Schickedanz-fuerchtet-den-Ruin.html
Diese Generationen-Dynamik sorgt dafür, dass sich der Kapitalismus langfristig hält. Und hier irrte auch Marx: Kapitalismus ist eben NICHT einfach Kapital, dass ständig akkumuliert wird, sondern er besteht aus WIRTSCHAFTSEINHEITEN, die Kapital akkumulieren und weitervererben und sich entsprechend der obigen Generationen-Dynamik verhalten.

227 wilko0070 20. Juli 2009 um 10:34

@HAM 225:
“Statt einer demokratischen Gesellschaft freier Individuum kommt regelmäßig ein Neo-Feudalismus in Form einer neuen Oligarchie heraus. ”

Nur was ist dran so schlimm? Ich schreibe zurzeit eine Dissertation über die Demographie des europäischen Hochadels (nicht weil ich Monarchist bin, sondern weil es für den betrachteten Zeitrum 1600-1900 keine besseren demographischen Daten als Adelsgenealogien gibt) und bin immer wieder überrascht, wie parlamentarisch umgekehrt der Feudalismus (entgegen der öffentlichen Meinung) teilweise arbeitete. Siehe z. B. Gerhard Oestreich, Zur parlamentarischen Arbeitsweise der deutschen Reichstage unter Karl V (1519-1556), in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25, 1972, S. 217-243.

228 Nanuk 20. Juli 2009 um 10:37

@wilko0070
Es ist aber völlig egal was in 4 Generationen passiert die Menschen wollen heute leben. Mit der Begründung hätte man Hitler einfach weiter machen lassen sollen sein Sohn wirds schon “richten”.Kapitalismuss ist eben nicht nur ein Wirtschaftsmodell sondern ein Gesellschaftsmodel…

229 wilko0070 20. Juli 2009 um 11:17

@ignatus:
Die gleiche Entwicklung wie in der heutigen USA zeichnete sich in Japan durch das Hineinschlittern in eine Rezession schon Ende der 1980er ab. Japan reagierte darauf mit einer vorbildlichen keynesianischen Politik, durch staatliche Kreditaufnahmen zur Durchführung zvon Infrastrukturmaßnahmen etc. . Die staatliche Schuldenquote stieg darauf dramatisch an und erreicht mittlerweile den Wert von 180% des BSP (zum Vergleich: D: 64%; Maastricht-Kriterium: 60%). Und was hat sich volkswirtschaftlich getan? Japan rutschte von der Rezession weiter ab in die Depression.
Der Keneysianer Krugman kann das alles natürlich nicht glauben und vermutet hinter diesen Vorgängen einfach eine “Liquiditätsfalle” http://web.mit.edu/krugman/www/bpea_jp.pdf, d. h., es befindet sich lediglich zuwenig Geld in der Volkswirtschaft und die Zentralbank braucht einfach nur den Geldhahn aufdrehen, damit sich das Problem von selbst erledigt.

230 raetselloeser 20. Juli 2009 um 11:21

Im Grunde genommen läuft für die internationalen Finanzfamilien – die eigentlichen Besitzer
und grauen Eminenzen hinter den internationalen Großkonzernen – alles nach Plan: Innerhalb
der nächsten 10 bis 15 Jahre wird sich die gesamte Wirtschaftswelt auf unserem Globus
radikal verändern:

- Die 20 Schlüsselbranchen [3] werden sich etwa 1.000 internationale Konsortien
- untereinander aufteilen. Der Rest der Großindustrie verfällt, bzw. geht in Konkurs und
- wird häppchenweise aufgeteilt;
-
- die Regierungen der einzelnen Länder (inkl. der USA) werden – offensichtlicher als bisher
- zu quasi externen Funktionsträgern (vulgo: machtlosen Marionetten) der Konzerne. Sie
- fungieren als Erfüllungsgehilfen im Sinne der internationalen Großkonzerne, des globalen
- Kapitals;
-
- nach dem endgültigen faktischen Bankrott nahezu aller Staaten – bereits heute übertrifft
- die internationale Verschuldung das Welt-Bruttosozialprodukt um ein Vielfaches, und
- rund 99 % aller weltweiten Finanzströme pro Tag und Jahr stellen fiktive Handelsabläufe
- dar, hinter denen weder eine volkswirtschaftliche Leistung, noch eine reale Wertschöpfung
- stehen – werden sich die Notenbankchefs der großen Länder [inkl. der EZB auf Geheiß
- und mit Erlaubnis des internationalen Großkapitals und der dahinterstehenden rund
- 1 ½ Dutzend Familien, die sich bezeichnenderweise als "Illuminati", (d. h. "die Erleuchteten")
- nennen] auf ein Weltwährungs- und Wirtschaftssystem einigen. Dies wird dann
- de facto das Ende autarker Staaten sein. Die vor knapp 120 Jahren reaktivierte Idee der
- griechischen ‘Demokratie’ hat dann ihr Ziel erreicht und ausgedient [4].
-
- Die bislang beim Aufbau eines derartigen (dann von den Mega-Finanzfamilien geführten)
- Weltstaates höchst dienstbaren Organisationen – Regierungen, Parteien, Gewerkschaften,
- Kammern, sonstige Suborganisationen und – insbesondere – die Religionen werden dann
- allenfalls als Quasi-Vereine weiter existieren dürfen. Da sie aber damit ihrer bisher so
- eisern verteidigten originären Funktionalität entkleidet sein werden, wird sich ihre
- Mitgliederzahl rasch reduzieren. Die meisten werden innerhalb eines Jahrzehnts in den
- Orkus der Vergessenheit abdriften. Gerade die in der Fußnote erwähnten
- Schlüsselbereiche des künftigen ‘Weltkonzerns’ werden eine bipolarisierte Welt errichten -
- zum einen rund 1.000 Riesenunternehmen (mit zig-tausend Tochtergesellschaften, die als
- Zulieferbetriebe und Distributionsorganisationen dienen), zum anderen einige wenige
- mittelständische Unternehmungen, die in Nischen Platz finden, die für die Mega-Konzerne
- relativ uninteressant oder gar bedeutungslos sind. Solange diese klein- und mittelständischen
- Unternehmungen (KMUs) kreativ und finanziell unabhängig geführt werden, können und
- werden sie überleben. Das Gros der heutigen mittelgroßen Unternehmen wird nicht
- reüssieren. Die Masse der dann etwa 8 Milliarden Menschen wird in völliger Abhängigkeit
- und unter absoluter Kontrolle gehalten.
2004
http://karl-heinz-heubaum.homepage.t-online.de/22wh-zuk.htm

231 Hans~Gottlieb 20. Juli 2009 um 11:25

@Systemfrager-Spassvogel

Du schreibst:

“Der Neoliberalismus ist nur eine platte Ideologie der Oligarchie und Plutokratie. Mit Freiheit hat sie – wie du es sagst – gar nichts zu tun; im Gegenteil: Die neoliberale Freiheit ist eine totale Versklavung.”

=> … nun, jeder der schon mal ein Buch über Wirtschaft gelesen hat und mindestens über drei funktionstüchtige Gehirnzellen verfügt, weiss, dass genau das Gegenteil deiner Aussage die Wahrheit ist.

=> … für dich wiederhole ich nochmal das obige Zitat aus 212:

„ Dieser neue Liberalismus [„NEOLIBERALISMUS“!], fordert Rüstow, müsse sich vom LAISSEZ-FAIRE des 19. Jahrhunderts UNTERSCHEIDEN. Der Neoliberalismus erfordere “einen starken Staat, einen starken Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört.” Stattdessen drückte die Wall Street der Welt ihre Regeln auf. Und in Europa wurden sie gedankenlos nachgeplappert.“ .

=> … wenn du intulektuel im Stande wärest, die Aussage dieser zwei einfachen Sätze zu erfassen, dann würdest du verstehen, dass der Neoliberalismus genau darauf abzielt, dass KEINE OLIGARCHIE UND KEINE PLUTOKRATIE entsteht, weil der STARKE STAAT die AKTIV verhindert !!!

=> … aber mir ist klar, dass bei einem fachfremden (partei-)ideologischen Schwätzer und Narren wie dir eh schon lange Hopfen und Malz verloren ist. Vermutlich hast du dir schon in deinen jungen Jahren das Hirn mit übermässigem Drogenkonsum zerstört; ist freilich nur ne Spekulation aufgrund deiner phänomenalen Webseite. Ich hoffe zu ziehst einige andere ahnungslose Spinner von hier ab und hin zu deiner Seite. Dann wäre hier vielleicht wieder eine sachliche Auseinandersetzung möglich.

@wgnx: … solche Knalltüten sind der Tod eines jeden guten Blogs.

232 Systemfrager 20. Juli 2009 um 11:33

@ wilko0070

Könntest du mir verraten, bei wem ist Japan verschuldet? Würdest du mir sagen, NEIN, Japan hat große $-Reserven, dann stellt sich die Frage völlig anders?

Haben wir da (Staatsschulden) wieder einmal mit einer neoliberalen Idiotie zu tun? Oder eher: Betrug?

233 Systemfrager 20. Juli 2009 um 11:47

@ Hans~Gottlieb

„ … solche Knalltüten sind der Tod eines jeden guten Blogs.“

Wie gesagt. Die Freiheit, so wie sie der Neoliberale versteht. Verjagen! Bestrafen! Sperren!

Hans~Gottlieb. Sei mir aber nicht böse. Ich werde mit dir nicht diskutieren. Mit jenen, die sich bei den Reichen und der Wirtschaft geistig prostituieren – die alten Griechen haben solche Hausierer als Sophisten bezeichnet -, diskutiere ich prinzipiell nicht. Also: Auf NIE-Weidersehen. Übrigens, ich bin nicht wie du, so dass ich dir nie verbieten würde zu sprechen. Wer kann dich besser kompromittieren, als du selbst.

234 xxHyFoxx 20. Juli 2009 um 11:49

Werter HG,

Sie reitest mit Ihrer Aussage zum Neoliberalismus ein totes Pferd.

Ihre Aussage, mag die Ursprungsidee die hinter dem Neoliberalismus stand zutreffend wiedergeben, die aeußere Realitaet hat sich aber anders entwickelt und wurde uns unter dem Schlagwort Neoliberalismus verkauft.

Der Begriff Neoliberalismus ist somit verbrannt. Sie koennen die Ursprungsidee dahinter nicht unter dem Begriff Neoliberalismus vertreten.
Das werden Sie auch nicht aendern koennen, egal wie Sie sich nun hier auffuehren oder mit anderen Nutzern umgehen.

Finde Sie sich damit ab, suchen Sie sich fuer die Urpsrungsidee einen neuen Namen und dann vertrete Sie diese.

Persoenlich muss ich gestehen das die Ursprungsidee auf die Sie hier verweisen sich zwar nett anhoert, aber als Theorie an der Praxis scheitern wird. Wie so vieles andere Theorien vorher auch. Die idealtypische Welt des… .

Hochachtungsvoll

xxHyFoxx

235 lemming 20. Juli 2009 um 11:59

@HG
Der Neoliberalismus erfordere “einen starken Staat, einen starken Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört.”
“Oberhalb der Wirtschaft” ist im Kapitalismus aber nix, nothing, Nirvana. Denn, wie der Vulgärliberale weiss: “ohne Moos nix los”…
Ein Staat “oberhalb” der Wirtschaft konnte nur so lange existieren, wie innerhalb der Gesellschaft Klassenkonflikte moderiert werden mussten.
Spätestens mit dem Verschwinden der “Systemalternative” hat sich das erledigt und der “starke Staat” ohne ihn starkmachende gesellschaftliche Kraft hat sich samt seiner neoliberalten Verehrer praktisch als die Schimäre erwiesen, die er theoretisch schon immer war. Nur kapieren die Neoretronitroliberalen das nicht, sondern suchen sich abstruse Sündenböcke wie FED, “Bankster”, “Politnutten” etc.

236 Nanuk 20. Juli 2009 um 12:31

@Systemfrager
Japan ist bei sich selbst verschuldet ja sogar netto Gläubiger…

237 Nanuk 20. Juli 2009 um 12:37
238 BB 20. Juli 2009 um 12:44

@HG / 213

Huch, dann müsste ich mich ja tatsächlich auch selbst als Neoliberaler bezeichnen (die Links sind interessant und was da drin steht kann ich voll unterstreichen). Wobei mit Einschränkung nur den zweiten Link: “Über die Umdeutung der Begrifflichkeiten – von der Herrschaft über die Sprache zur Herrschaft über den Menschen”

Das Problem ist doch, dass das “Volk”, welches mit “Neoliberal” eine bestimmte Gruppe von Leuten mit einer bestimmten Menge an Aussagen meint, heute vielleicht das Wort im eigentlich Sinne versteht. Die Liberalen, das sind Eucken, etc. also die Guten. Und die Neo-Liberalen (also die Nach-Liberalen? näh”! die Neu-Liberalen? auch näh! die irgendwie modifizierten Liberalen (das triffts!), das sind also die irgendwie modifizierten Liberalen”, also diejenigen, die heute Militärdikaturen in Honduras unterstützen. Das Problem ist natürlich dieses blöde Präfix “Neo” genauso wie “Post” in Postmoderne, das schnell veraltet und dann zu klassifikatorischen Gehirnverknotungen führt.

Das Problem ist nämlich, würde man jetzt versuchen, dass wieder zurechtzurücken im Sinne derjenigen, die die definitorische Gewalt damals für den Begriff hatten, dann wäre das natürlich ein gefundenes Fressen für die konservative Lügenpresse, die so etwas als Sieg (wir haben es schon immer gewusst) für sich verbuchen würde, auf definitorische Feinheiten und Nuoncen verzichten würde zugunsten der Möglichkeiten, so etwas propagandistisch auszuschlachten .

Auch wenn ich alles, was in dem ersten Link gesagt wird, unterstreichen kann, so muss es meiner Meinung ergänzt werden um etwas, was …

@HAM /225 (Illusion des Liberalismus)

… so formuliert:

>>>>>> Wo aber sollen solche Menschen herkommen in einer Gesellschaft, in deren Zentrum das egoistische Individuum und die Maximierung von Privateigentum steht? Diesen Widerspruch kann der Liberalismus nicht lösen. Und daher produzieren Liberale in ihrer gesellschaftlichen Praxis regelmäßig das Gegenteil von dem, was sie als Ideal propagieren:

Nun hat HAM da oben (206) auf diesen Text hier verlinkt: Die doppelte algorithmische Revolution des Kapitalismus

http://www.kritische-informatik.de/algorevl.htm

Mal abgesehen, dass mich an diesem Text die Begründungen mit Fraktalen, Selbstorganisation, etc. stört, weil das ziemlich postmodern ist, denn diese Begriffe sind von ihren inneren Gesetzen her noch nicht verstanden (in den Naturwissenschaften gibt es Ansätze dazu, die Sozialwissenschaften machen davon in einer Art und Weise Gebrauch (nämlich von den Ergebnissen der Naturwissenschaftlern, der Luhmann mit seinen Eigenwerten übrigens auch), die unseriös ist) …, also mal abgesehen davon fand ich folgende Aussage in dem Text interessant:

>>>>>>>>>>>> Da im Kapitalismus der Profit erst im Nachhinein realisiert wird, kommt es immer wieder zu Überproduktionskrisen und letztlich der Vernichtung von Gebrauchswerten. Auch eine die Ressourcen schonende Produktionsweise liegt nicht im Interesse des einzelnen Kapitals. Es orientiert sich kurzfristig am kaufkräftigen Bedarf. Eine selbstgeplante Wirtschaft produziert nur die Dinge, die auch wirklich gebraucht werden.

Genau das nämlich kann man schön an der aktuellen DESERTEC-Diskussion sehen. Da wollen also Großkonzerne eine Mega-Technologie (und der postmoderne Teil von Greenpeace fällt darauf rein) und wollen dafür 400 Mrd ausgeben. Ob sie das selbst aufbringen wollen oder ob sie den Großteil der Kohle vom Staat haben wollen ist noch nicht klar. Aber abgesehen davon …

Jetzt kommen nämlich wir Wirtschaftsingenieure (in meinem Fall sogar nur “Aufbau-”, also nur (nur!) 2 Semester VWL (ich danke dem Schöpfer für diese Gnade, nicht mehr Semester studiert zu haben), also die mit dem vollen Durchblick, weil sie nämlich was von Investitionsrechnung und damit von Zinsrechnung verstehen! Und damit bereite ich diesem Unfug DESERTEC zumindest gedanklich ein gnadenloses Ende:

Ich mache (investiere) eine Energiesanierung für alle 1,5 Mio Sozialwohnungen, die wir in unserem Lande haben. Ziel ist es, mehr als 100 Euro bei den Nebenkosten zu sparen (sowas ist leicht möglich: Wärmeisolierung, Blockheizkraftwerk (brauch ich keinen Strom mehr selbst zu kaufen), Wasserzähler überall einbauen, geregelte Klimaanlage, etc.)

Das kann ich alles von den 100 Euro Einsparungen im Monat finanzieren:

Man nehme einen einfachen Zinsrechner:

http://www.baufinanzierungsrechner.eu/zinsrechner.php

Und rechne: 100 Euro monatlich angelegt auf 30 Jahre macht ein Endkapital von 75.000 Euro. Was heißt das für 1,5 Mio Wohnungen? ======>>>> 112 Mrd. Euro.

Damit kann ich (auch abgezinst) locker all die erforderlichen Investitionen bezahlen, will sagen per Kredit finanzieren, die ich oben aufgezählt habe (Blockheizkraftwerke, Sonnenkollectoren auf den Dächern, etc.)

Wir haben aber nicht nur Sozialwohnungen. Rechne ich alle Wohnungen, die hierzulande eine Energiesanierung brauchen, käme ich auf ein Vielfaches dessen der 400 Mrd., die das DESERTEC-Projekt kosten würde, vielleicht 800 Mrd.? 1000 Mrd.?

Gestern kam im Fernsehen der Architekt Albert Speer, der in China energie-effiziente Stadtteile baut, der sagt dort: “Wir sanieren in Deutschland 1% aller Wohnungen jährlich. Das ist zu wenig. Da sind wir erst in 100 Jahren damit fertig und das ist zu spät.”

Worauf sollte also der Staat nach Ansicht des Wirtschaftsingenieurs setzen? Auf das DESERTEC-Projekt das 400 Mrd. kostet oder auf die Energiesanierung aller Mietwohnungen welche 1000 Mrd. Einsparung bringt und den Staat vielleicht unterm Strich gar nichts kostet, weil es sich selbst finanziert?

Ich zitiere nochmal die Quelle von HAM:

>>>>>> “Auch eine die Ressourcen schonende Produktionsweise liegt nicht im Interesse des einzelnen Kapitals. ”

Genau! Denn das Kapital will DESERTEC, da kann man nämlich mehr (!) Strom mit verkaufen. Energiesanierung bedeutet im Endeffekt, dass man gar keinen Strom mehr (Blockheizkraftwerke) verkaufen kann, also der Markt für Strom kleiner wird.

Übrigens sollten sich mit Investitionsrechnung und deren subversiven Möglichkeiten auch mal all die Negativ-Zinsträumer hier im Forum – die mit dem rostenden Geld – befassen. Mit einer ordentlichen Zinsrechnung lösen sich die tollsten Luftschlösser ins Nirwana auf.

Was will ich damit sagen? Der Zins wird in allen ökonomischen Mainstream-Theorien missbraucht für Geldpolitik. Er ist aber ein unglaublich leistungsfähiges Instrument für die Bewertung. Dafür muss er aber was kosten ()!!!!!! Mindestens 3 Prozent (weil die Untergrenze meiner bescheiden Meinung nach durch das Produktivitätswachstum begrenzt werden sollte). Michael/189 schlägt oben 4,5% vor.

Soweit noch d’accord mit dem Liberalismus. Der sagt jetzt, hey, jeder wird dann schon selbst seine eigene Investitionsrechnung aufstellen und der Staat sorgt dafür (im besten neoliberalen Sinne), dass es dabei fair zugeht.

Aber wie kommt im Liberalismus jetzt eine Priorisierung zustande? Also wollen wir “Nichtproduktion” (Energiesanierung = weniger Markt für Strom) von Strom oder wollen wir “Mehrproduktion” (DESERTEC = mehr Markt für Strom). Für die Politik ist das eine Frage der Prioritäten (sollen Münchener-Rück (Bayern, klar, die mal wieder) doch ihr Projekt alleine finanzieren).

Das würde mich jetzt mal interessieren, die Frage, wie jetzt wer diese Weichenstellung herstellen würde: Sozialtechniken im Sinne von HAM oder staatliche Rahmensetzung plus freie Entscheidung des Individuums im Sinne von HG.

239 Systemfrager 20. Juli 2009 um 12:45

@ Nanuk (238)

Dann kommen wir der Sache viel näher. Japan wird seine Schulden nur an zwei Stellen zurückzahlen können/müssen:

1) Notenbank
2) Ihre Reichen

> 1) Dass die Notenbank irgendwann dieses Geld brauchen würde, lässt sich bezweifeln. Dann können die Japaner ruhig schlafen.

> 2) Dass die Reichen ihr, durch Lohnsenkungen und Sozialraub gehortetes Geld einfach so zurückerstatten werden, lässt sich nicht so einfach annehmen. Dann haben die Japaner – in der Tat – ein “klitzekleines” Problem. Das nennt man Schuldensklaverei oder Schuldenknechschaft. Konkreter: Meine Kinder und Enkel werden nur für die Kinder und Enkel der heutigen Reichen schuften, weil ihre Väter und Großväter so geschickte Räuber und Kriminelle waren – weil sie uns so zugerichtet haben.

240 Nanuk 20. Juli 2009 um 12:58

Nochmal @Systemfrager
996044 Milliarden Währungsreserven
geschätze 9000 Milliarden Staatsschulden
macht ein plus von 987044 Milliarden
und Japan ist pleite?

Du wirst sehen sobald es wieder rappelt an den Märkten wird die ganze Welt wieder in den Yen flüchten.

1. Grund die Japanische Volkswirtschaft ist die modernste der Welt

2. Grund man muss seine Gläubiger bedienen Jahrelanger Carrytrade haben da so einiges an Schulden bei Japanischen Banken angehäuft.

241 Nanuk 20. Juli 2009 um 13:04

@Systemfrager
“Meine Kinder und Enkel werden nur für die Kinder und Enkel der heutigen Reichen schuften, weil ihre Väter und Großväter so geschickte Räuber und Kriminelle waren – weil sie uns so zugerichtet haben.”

Nicht ganz die Japaner bekommen ja auch was dafür nämlich die modernste Infrastruktur der Welt und bei Zinsen von 1% von Knechtschaft zu sprechen naja…

242 Systemfrager 20. Juli 2009 um 13:06

@ Nanuk

” … und Japan ist pleite?”

Ich glaube nicht, dass du gerade mir diese Frage stellst. ;-)

243 Nanuk 20. Juli 2009 um 13:09

Falls das hier immer noch keiner Kapiert hat nur ein doppeltes Defizit ist ein schlechtes Defizit.Die Japaner brauchen für ihre Konjunktur Programme nicht mal neue Schulden zu machen sie nehmen einfach ihre Devisen Reserven..

244 Nanuk 20. Juli 2009 um 13:16

Man kann das auf eine einfache Formel bringen
“Inflation good for the rich deflation good for the poor.”

245 lemming 20. Juli 2009 um 13:17

@Nanuk
Fragt sich nur, was die dann noch wert sind…

246 hacedeca 20. Juli 2009 um 13:19

@Systemfrager, #241

Wie kommst Du darauf, dass nur “die Reichen” Gläubiger der Staatsverschuldung sind?

Das sind auch Leute mit einer Rentenversicherung, einer Lebensversicherung, name it.

Und gerade in Bezug auf Japan von “den Reichen” zu reden, geht eh am Thema vorbei. Gerade Japan ist das Land mit der gleichmäßigsten Vermögensverteilung der ganzen Welt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Verm%C3%B6gensverteilung

Halbgott hat schon recht, was Dich angeht. Der Keynesianismus zieht immer solche Leute an, die da etwas wittern Also mal für Dich: Dies hier ist ein keynesianischer Blog. Keynes schrieb, damit es nicht zur Systemfrage kommt. Denk mal darüber nach!

247 Nanuk 20. Juli 2009 um 13:24

@lemming
Genau das ist das eigendliche Problem und daran hat sich nichts aber auch garnichts geändert also ist die “Krise” auch nicht vorbei… So ein bischen Angeln befreit den Schädel.
Mehr als das oben gesagte braucht man auch garnicht alles andere ist nur bla bla bla blub…

248 Michael 20. Juli 2009 um 13:29

Einige sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Andere blicken nicht über den Tellerrand. Trotz meist eher jugendlichem Alter vermittelt das den Eindruck seniler Totalkonfusion. Ich geb euch den roten Faden zurück.

Das heutige Wirtschaftssystem ist die Konsequenz des nach 1971 geschaffenen Geldsystemes. Motor der Entwicklung war und ist ein Wechselkurs- Zinsdifferenzgeschäft. Dreh- und Angelpunkt sind die Zentralbanken, die ganz offenkundig nicht hinreichend unabhängig von der Politik und den Geschäftsbanken sind. “Bankster”, “Politnutten”, es gibt keine Formulierungen, die die beklagenswerten Fehler besser widerspiegeln.

@Lemming
Hüpf doch endlich von der Klippe. Du bist doch einfach nur geistig verwirrt. Nimm zur Kenntnis wir sind keine “Weltbürger”, die “Globalisierung” löst sich gerade in Wohlgefallen auf. Schon Europa funktioniert nur mit den deutschen Handelsbilanzüberschüssen. Siehe Jan. bis Apr.09, Deutschland 36 Mrd. Euro Überschuß, Europa 3,6 Mrd. Überschuß. Europa ohne Deutschland, 32,4 Mrd. Euro Defizit. So läuft das seit Jahren. Als Spiegelbild dazu die sozialen Entwicklungen in Deutschland. Das geht nicht so weiter.

249 Harry Haller 20. Juli 2009 um 13:31

@Wi-Ing
Ich war zuerst da! Mir gehört das Wort! Meins! Meins! Meins!

Neoliberalismus.

Die Welt dreht sich und mit ihr die Geschichte und die Bedeutung und Wertung von Worten:
z.B. Demokratie, national, Polizei….

Gruß

250 HAM 20. Juli 2009 um 13:32

@Systemfrager #226
„Zu der empirischen Ebene sollte man noch hinzufügen, dass Kommunismus und Faschismus nur Versuche der liberalen Gesellschaften waren, den totalen Scheitern des Liberalismus überhaupt – physikalisch oder biologisch – zu überleben.“

Der Liberalismus kann das Problem der gesellschaftlichen Synthese nicht lösen.

Aber sein historischer Verdienst ist, dass er das „bürgerliche Individuum“ in die Welt gesetzt hat. Die Befreiung der Individuen aus feudaler Herrschaft und Abhängigkeit hat die kreativen Produktivkräfte auf Seiten der Individuen freigesetzt.
Erst dies ermöglichte den gewaltigen wissenschaftlichen und technischen Fortschritt seit dem Mittelalter.

Das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem des Liberalismus ist der Kapitalismus.
Das kapitalistische System funktioniert nur, wenn es akkumuliert. Deshalb sind die Individuen gezwungen, entweder den „Flow“ aufrechtzuerhalten oder ein neues, „nachkapitalistisches“ System zu konzipieren.

Im Kapitalismus werden die Menschen zu Objekten des Kapitalverwertungsprozesses, der immer mehr zu einer Terrorökonomie wird. Natürlich werden auch die Kapitalisten zu Objekten der Ökonomie, aber solange sie im System ihr privates Eigentum und ihre Macht vergrößern, leben sie im Wahn, Subjekte des Systems zu sein. Wenn der Wahn kollabiert, dann springen sie aus dem Fenster, werfen sich vor den Zug etc. – weil dann ihr wahnhaftes Ego platzt wie ein Luftballon.

Die ursprüngliche Zielsetzung des Liberalismus, nämlich die Befreiung der Individuen aus Herrschaft und Abhängigkeit, sehe ich heute am ehesten aufgehoben bei den „Libertären“ (= „Anarchisten“), zumal sie die Idee der individuellen Freiheit mit jener der Brüderlichkeit verbinden.

Hingegen befinden sich die Liberalen nach wie vor in einem sozialdarwinistischen Paradigma, wobei seit über 100 Jahren die Sozialliberalen versuchen, den Kapitalismus zu zähmen.
Was allerdings auf Dauer nicht gelingen kann. Denn der Sozialliberalismus beseitigt nicht die Systemwidersprüche, sondern verschiebt sie. So wie ein Neurotiker seine Probleme nicht löst, sondern verdrängt. Mit der Folge, das es irgendwann zu Systemkrisen kommt, die dann NUR mittels eines totalitären Staates bewältigt werden können.

Diese totalitären Systeme sind die zwangsläufige Folge des Scheitern des Liberalismus, einschließlich des Sozialliberalismus. Zwangläufig deshalb, weil im Zustand der Systemkrise die gesellschaftliche Reproduktion anders nicht aufrechterhalten werden kann.

Wenn man diese Systemlogik verstanden hat, dann ist klar, dass die Phase wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Reorganisation durch einen totalitären Staat nicht aufgehalten werden kann, sondern allenfalls der Verlauf gemildert werden kann.

Aber auch der totalitäre Staat stößt auf neue Widersprüche, weil er die Freiheit der Individuen unterdrückt.

So ist auch ein Sozialismus ohne Freiheit für die Individuen nicht entwicklungsfähig, weil er zwangsläufig erstarrt (vgl. z.B. Rosa Luxemburgs Kritik an der Russischen Revolution).

Für mich liegt der entscheidende Schritt für eine Lösung der Frage, wie sich individuelle Freiheit mit der Notwendigkeit der Reproduktion der Gattung, sinnvoll in Beziehung setzen lassen, in der Reduzierung der Lohnarbeit verbunden mit existentieller Sicherung der Individuen.

Also Roboterisierung und Automatisierung (= Reduzierung der Reproduktionsarbeit) verbunden mit bedingungslosen Grundeinkommen (= Existenzsicherung). Und alles im Rahmen einer Mischwirtschaft („marktwirtschaftlicher Sozialismus“).

Das würde den Menschen die Existenzängste nehmen und die Zwänge minimieren.
Das wäre ein entscheidender Schritt heraus aus der Logik des Sozialdarwinismus, hin zu einer freiheitlichen und brüderlichen/schwesterlichen Gesellschaft.

251 Nanuk 20. Juli 2009 um 13:47

“Also Roboterisierung und Automatisierung”

genau das tötet ja den Kapitalismuss das ist doch der Witz an der Geschichte :) wenn Waren Waren produzieren ist Feierabend mit angebots Ökonomie das ist die kommunistische Wirtschaftspolitik auf den Kopf gestellt.

http://www.youtube.com/watch?v=pdyp3kIkuL4

252 Andreas Kreuz 20. Juli 2009 um 13:48

Vielleicht sollte erst mal diese Frage beantwortet werden:

Wem gehört die Welt?

s.a. hier: http://www.zeit.de/2009/30/L-Commons?page=1

253 BB 20. Juli 2009 um 13:55

@HAM / 252

Ein Grundeinkommen wäre für mich durchaus diskussionswürdig (wenn ich auch noch keine abschließende Meinung dazu habe),

Aber was verstehst Du unter einer Mischwirtschaft (“markwirtschaftlicher Sozialismus”). Was ist da Markt und was ist Sozialismus?

254 Nanuk 20. Juli 2009 um 14:05

http://www.youtube.com/watch?v=HMQ8-B9Fp-c

nur das hier niemand annimmt ich sein ein Spinner

255 Hans~Gottlieb 20. Juli 2009 um 14:22

@Steppenwolf { 20.07.09 at 13:31 }

“Ich war zuerst da! Mir gehört das Wort! Meins! Meins! Meins!
Neoliberalismus.”

=> … nur so macht Sprache sinn: sie muss möglichst eindeutig sein. Sonst sind Missverständnisse die logische, ja zwangsläufige Folge. Dieser Thread ist das beste Beispiel.

=> … Widerlich, dass selbst Leute wie wgnX und Lübberding, die ja angeblich mal ein Buch über Wirtschaft gelesen haben, vorsätzliche Desinformation bzgl. des Begriffes “Neoliberalismus” betreiben. Man fragt sich, was wohl dahinter steckt …

“Die Welt dreht sich und mit ihr die Geschichte und die Bedeutung und Wertung von Worten:
z.B. Demokratie, national, Polizei….”

= > … yep. … DAS … ist euer Problem !

=> … Solange die … lesser mortals … sich von den Satanisten unter ihnen, weiterhin “SCHWARZ” als “WEISS” verkaufen lassen und ein “X” für ein “U” vormachen lassen …

=> … solange werden sie sich auch weiterhin erbärmlichst, wie das Geschnetz, … am Boden in ihren eigenen Exkrementen suhlen.

=== > … It’s your choice, stupids !

“Gruß”

Zurückgegrüsst !

256 HAM 20. Juli 2009 um 14:34

@BB #255
„Aber was verstehst Du unter einer Mischwirtschaft (”markwirtschaftlicher Sozialismus”). Was ist da Markt und was ist Sozialismus?“

„Sozialismus“ repräsentiert das Allgemeininteresse. Zunächst die Sicherstellung der Reproduktion der Menschen und damit der Gattung.
Das ist der Unterschied zwischen einem sozialistischen Staat, welcher die Interessen der Gesamtgesellschaft vertritt, und einem liberalen Staat, dessen Hautaufgabe die Sicherstellung der Kapitalakkumulation ist.

Unter der Voraussetzung, dass es sich um einen freiheitlichen Staat handelt, wird er die Rahmenbedingungen dafür setzten, dass ein freiheitliches Zusammenleben der Individuen möglich ist.

Markt bedeutet die Möglichkeit zu einer kompetitiven Gesellschaft:
Konkurrenz um die besten Ideen, Produkte etc.

Das Gegenteil einer kompetitiven Gesellschaft sind mono- und oligopolisierte Gesellschaften mit
- Meinungs- und Informationsoligopolen
- Wissens- und Wissenschaftsoligopolen
- Produktionsoligopolen
- Energieoligopolen
- Machtoligopolen
- Kreditvergabeoligopolen
etc.

Der freiheitliche Staat muss vor allem verhindern, dass sich Geldreichtum in den Händen weniger konzentriert.
Er muss die Geldschöpfung- und Kreditvergabe verstaatlichen.
Rohstoffe, Energien, Wasserversorgung etc. verstaatlichen.
Mittels entsprechendem Erbrecht Chancengleichheit herstellen.
Etc.

Dann können die Individuen wieder als weitgehend freie Wirtschaftssubjekte tätig werden: als Unternehmer, Dienstleister, Erfinder, Journalisten, Schriftsteller, Künstler etc.

Kreativ können Menschen nur sein, wenn sie weitgehend frei von Ängsten und Zwängen sind. Genau dies muss der Staat garantieren.

(Und damit wäre ein derartiger Staat das Gegenteil von jenem Staatstyp des „realen Sozialismus“ mit seiner bürokratischen Zentralwirtschaft, seiner Indoktrination, seiner Fremdbestimmung, seinen Zwängen …)

257 lemming 20. Juli 2009 um 14:37

@Michael
Eine Analyse, die bei “Nutten” und “Gangstern” als den Urhebern allen Ungemachs landet, ist ungefähr so tiefschürfend wie eine, die die Wurzel allen Übels beim Schlechten findet oder eine, die den Kapitalismus aus einem Wechselkurssystem erklären will.

Aus dieser intellektuellen Degeneration ergeben sich dann mit schöner Regelmäßigkeit all die einschlägigen VTs, zB “gute doitsche Arbeit” vs. “böse ami Zinsbetrüger”, “Volltrottel” vs. “Halbgötter” und was dergleichen Schismen und Idiotismen mehr sind. Hoffnungslos, aber nicht ernst.

258 Hans~Gottlieb 20. Juli 2009 um 14:52

Hier noch mal was zum drüber nachdenken:

CLEVERE … BANKSTER … (und freilich ihre Politnutten) … HASSEN (!) … den NEOLIBERALISMUS !!!

… Genauso übrigens, wie grenzdebile Schwätzer-Linke, die noch nie ein Buch über Wirtschaft gelesen haben …

===> … na ? … merkt ihr was ?????

Beweis:

a) John D. Rockefeller: “COMPETITION … is sin!”

b) systemfrager21: “NEOLIBERALISM [also COMPETITION!] … is sin!”

==> … wie ihr seht, sind zwei Gestalten aus “diametral gegensätzlichen Lagern“ … EIN und DERSELBEN MEINUNG !!!

==> … der Unterschied ist nur: einer ist intelligent. Der andere nicht !

What a difference a brain makes …

259 bismodo 20. Juli 2009 um 15:01

@ lemming # 259

Wie kommt es aber, dass sich HG und Ernst Lohoff nicht auf die Füsse treten, sondern bestens zusammenpassen?
(zB http://www.krisis.org/1995/die-harte-landung-des-dollar )

Dieselbe Frage an HAM !

260 HAM 20. Juli 2009 um 15:19

@bismodo #261

Einigkeit in der Diagnose einer Krankheit bedeutet nicht automatisch Konsens hinsichtlich der zu wählenden Therapie.

261 wilko0070 20. Juli 2009 um 15:24

@Nanuk:
“996044 Milliarden Währungsreserven
geschätze 9000 Milliarden Staatsschulden
macht ein plus von 987044 Milliarden
und Japan ist pleite?”

Richtig, Japan hatte als drittgrößte Exportnation immense Dollarreserven angehäuft. Was diese demnächst Wert sind, kannst du aus dieser aktuellen Meldung entnehmen:
http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_364368

Dazu kommt dann die immense Schuldenquote, die Dank eines Zinssatzes nahe Null (noch) bedient werden kann. Sollte der Zinssatz z. B. auf 5% steigen, hat Japan ein ernsthaftes Problem…

262 Hans~Gottlieb 20. Juli 2009 um 15:33

@edicius

ihr Marxisten denkt immer, ihr seid mit eurer “Dialektik” die Gralshüter der Logik. Ich stelle immer wieder fest, das Gegenteil ist richtig. Logik ist überhaupt nicht eure Stärke …

Für einen Ing. ist Logik ein unverzichtbares Werkzeug …

### Bitte in Wirtschaftssystem und Politisches System unterscheiden. Ja, ja … nicht gleich plärren ! … ich weiss, ich weiss … beides überlagert sich, natürlich.

### Was das Wirtschaftssystem angeht ist für mich eindeutig die Marktwirtschaft der Zentralplanwirtschaft überlegen. Logisch zweifelsfrei und empirisch eindrucksvoll belegt.

### Was das Politische System angeht, halte ich die DEMOKRATIE weiterhin für das wünschenswertere System. Die Sozialisten, egal ob Nationalsozialisten oder Kommunisten, sind historisch bewiesen alles dreckige Faschisten.

### Was an der Marktwirtschaft an Schwachstellen zu finden war, steht alles in den Lehrbüchern. Die Schwachstellen sind spätestens mit dem Neoliberalismus-Ansatz theoretisch gelöst. Die PRAKTISCHE Umsetzung ist KEIN Fehler des WIRTSCHAFTSSYSTEMS (schon gar nicht des Neoliberalismus), sondern des POLITISCHEN SYSTEMS – der realexistierenden DEMOKRATIE.

### Die Demokratie hat dabei versagt, die Kreditgeld-Schöpfung restriktiv zu regulieren. Sie hat dabei versagt, die Marktmacht einzelner Unternehmen zu zerschlagen (Ergebnis:
“Systemwichtige” Zombie-Banken der Bankster). Es handelt sich NICHT um MARKTVERSAGEBN, sondern um STAATSVERSAGEN, also DEMOKRATIEVERSAGEN.

====== > … here we are now !!!

Fassen wir zusammen:

Zentralplanwirtschaft … GECSHEITERT
Sozialismus/Faschismus … GECSHEITERT !!!

Marktwirtschaft … ausgeprägte Wohlstandsphasen. Zusammenbruch erfolgte bisher NUR, bei STAATSVERSAGEN, nämlich bei gescheiterter Regulierung des Kreditgeld-Systems !!!

Ergebnis der Fehleranalyse:
-> STAATSVERSAGEN/DEMOKRATIEVERSAGEN !!!

====> … wo muss der Ingenieur jetzt wohl weiter tüfteln ??

=> .. RICHTIG: WIR müssen die DEMOKRATIE verbessern !!! … es gab ja bisher nur zwei drei Anläufe !! … da ist noch reichlich Optimierungspotenzial vorhanden !

… Brilliante Vorschläge habe ich hier bereits vor 10 Monaten geposted !!!

… Aber ihr ewig Gestrigen schwärmt lieber vom sozialistischen Faschismus !!!

… mir schwant, “free-lunch”-miesespeter hat doch recht:

es hat wohl wirklich keinen Sinn. Die Sterblichen sind nicht in der Lage aufrecht zu gehen.

263 Nanuk 20. Juli 2009 um 15:35

@wilko0070
“Was diese demnächst Wert sind, kannst du aus dieser aktuellen Meldung entnehmen”

Meinst du die Japaner sind doof?
Ausserdem waren das zwei könnt ein einem Satz also ne Menge Bullshit für einen…
Ausserdem vergessen alle immer das wenn die Dollarflucht beginnen sollte die Japaner auf moderner Infrastruktur sitzen die Amis aber nur Panzer und Atomraketen haben… damit kann man aber nicht Produzieren sondern nur zerstören… da muss man schon Heinson heissen damit man so einen durch militarisierten Zustand als Stabil bezeichnet…

264 bismodo 20. Juli 2009 um 15:42

@ HAM # 262

War das ne Antwort? Ernsthaft?

Lohoff : “Versagt hat nicht die neue iranische Opposition von 2009, das emanzipative Lager hat es weltweit seit den 1970er Jahren versäumt, den Kampf für Freiheit und gegen die krisenkapitalistischen Verwerfungen theoretisch wie praktisch zusammenzuführen. Die iranische Opposition – und das ist ihre Tragik – zahlt aber einen besonders hohen Preis für dieses allgemeine Versagen.”
(aus: http://www.krisis.org/2009/die-etwas-andere-normalisierung )

Ich lese ‘VERSÄUMT’, ‘allgemeines VERSAGEN’…

Und das Problem des Staates ist ja auch nicht so wegzuwischen, wie es in der Diskussion in diesem thread geschieht. Denunzierungen helfen da gar nix, vor allem nicht weiter. Bei Lohoff lese ich auch: ‘EMANZIPATIVES LAGER’ …

…also ran an die ARBEIT, “theoretisch wie PRAKTISCH zusammenzuführen”

265 Nanuk 20. Juli 2009 um 15:55

@wilko0070
Weil ich auch diese einwände leid bin das noch jeder westliche Industrie Staat mit Kernkraftwerken ist in der Lage innerhalb weniger Wochen Atomraketen zu bauen…
Das ist schon längst kein High Tech Produkt mehr..

266 bismodo 20. Juli 2009 um 15:57
267 Hans~Gottlieb 20. Juli 2009 um 15:59

@edicius

“Eine Analyse, die bei “Nutten” und “Gangstern” als den Urhebern allen Ungemachs landet, ist ungefähr so tiefschürfend wie eine, die die Wurzel allen Übels beim Schlechten findet oder eine, die den Kapitalismus aus einem Wechselkurssystem erklären will.”

=> … das ist doch eine dumm-dreiste Lüge !!

=> … ich habe bereits vor 10 Monaten erläutert, dass:

### … umfangreiche Feldversuche meinerseits in allen Gesellschaftsschichten ergeben haben, dass “homo hominem lupus est” … eine unzulässige und unzutreffende Verallgemeinerung ist !

### … in Wahrheit ist eine ABSOLUTE MEHRHEIT der Sterblichen mit ausreichend Gerechtigkeitssinn, Fairness, Friedfertigkeit und Sozialverhalten ausgestattet (*).

### … die in der “realexistierenden” (Schein-)Demokratie vorhandenen Schwachstellen führen aber zu einer “ADVERSE SELECTION” ! … eine parteisystem-immanente NEGATIV-AUSWAHL … führt dazu, dass stets die grössten Arcshlöcher aus der Gesamtauswahl nach oben gespült werden. HIER muss man ansetzen !!!

==> … so sieht’s aus !

—–

(*) (Mein Denkfehler scheint eher darin zu liegen, dass ich auch einer signifikanten Mehrheit der Sterblichen einen IQ grösser ihrer Schuhgrösse unterstellt habe … :-( !!!)

268 lemming 20. Juli 2009 um 16:13

@bismodo

Lohoff meint mit dem “emanzipativen Lager” nicht das Lager der Halbgötter. Ein Satz wie “Krise des warenproduzierenden Weltsystems” käme einem Halbgott niemals über die Lippen. Historische Abläufe im Währungssystem von/nach Bretton Woods können sie trotzdem einigermaßen übereinstimmend beurteilen.

@HG
imma ditselbe:
Zusammenbruch erfolgte bisher NUR, bei STAATSVERSAGEN, nämlich bei gescheiterter Regulierung des Kreditgeld-Systems !!!
Diese Leier ist der neoliberale infinite loop. Wahrscheinlich hatte der Staat damals auch schuld an der Tulpenzwiebel-Blase.
In Bezug auf die aktuelle Krise heisst es immer, Alan G. und die FED hätten die Zinsen zu niedrig gehalten, darum sei Kredit zu billig gewesen und darum sei die ganze Spekulation in Gang gekommen.
Ausserdem hätten Fannie&Freddie natürlich niemals so viele subprime Kredite vergeben dürfen etc. Das scheint mir angesichts der immensen (fiktiven) Geldbeträge, die in der Finanzblase unterwegs sind, und die nie eine ZB gesehen oder geschaffen hat, völlig abwegig.
Die Spekulation, die Hebelungen, die unfassbaren Schneeballsysteme, die hat kein Staat und keine ZB geschaffen. Das war das Kapital selbst, weil es keine realen Investitionsmöglichkeiten mehr fand, hat es einfach inzestuös in sich selber investiert, (“Finanzprodukte”), und damit einen gigantischen Kettenbrief gestartet. Ob der Ausgangszins der ZB da bei 1% oder bei 3% lag, ist angesichts der phantasmagorischen Renditen, die dabei in der ersten Phase anfielen, vollkommen unerheblich.
Also: dieses Staatsversagen hätte ich doch gern etwas präziser, so auf Lohoff-Niveau, erläutert und nicht einfach behauptet.

269 goodnight 20. Juli 2009 um 16:15

@HG

” Marktwirtschaft … ausgeprägte Wohlstandsphasen. Zusammenbruch erfolgte bisher NUR, bei STAATSVERSAGEN, nämlich bei gescheiterter Regulierung des Kreditgeld-Systems !!!
Ergebnis der Fehleranalyse:
-> STAATSVERSAGEN/DEMOKRATIEVERSAGEN !!!

=>Yep, endlich ein konstruktiver Gedanke…endlich etwas Wissenschaft…DANKE! … da sage noch einer, Du wärst kein Neoliberaler…yep, stimmt, Du bist Systemtheoretiker…Wunder geschehen…yep, dass du verstehst, dass man weder Markt noch Staat sondern Markt und Staat denken muss….wahnsinn …und kein einziges Wort mehr wegen greenspan….unbelievable.. ;-)

“Kill off all my demons, Roy, and my angels might die, too.”
Jessie (transsiberian)

270 bismodo 20. Juli 2009 um 16:33

@ lemming # 270
“Ein Satz wie “Krise des warenproduzierenden Weltsystems” käme einem Halbgott niemals über die Lippen.”

Nicht projizieren, einfach HG fragen !

271 HAM 20. Juli 2009 um 16:34

Wodurch entstehen „Politnutten“, „Mediennutten“, Wissenschaftsstricher“ etc.?

Durch entsprechende zahlungsfähige Nachfrage.

Diese gesellschaftlichen Zustände resultieren nicht aus „Staatsversagen“, sondern aus „Marktmacht“.

272 BB 20. Juli 2009 um 16:40

@HAM / 258

>>>>>> “Der freiheitliche Staat muss vor allem verhindern, dass sich Geldreichtum in den Händen weniger konzentriert.
Er muss die Geldschöpfung- und Kreditvergabe verstaatlichen.
Rohstoffe, Energien, Wasserversorgung etc. verstaatlichen.
Mittels entsprechendem Erbrecht Chancengleichheit herstellen.
Etc.”

>>>>>> Markt bedeutet die Möglichkeit zu einer kompetitiven Gesellschaft:
Konkurrenz um die besten Ideen, Produkte etc.

>>>>>>> Das Gegenteil einer kompetitiven Gesellschaft sind mono- und oligopolisierte Gesellschaften

Ich hab jetzt mal die Teile deiner Argumentation herausgesucht, die mir persönlich am konkretesten waren (und lass die Definition sozialistisch, liberaler Staat etc. mal beiseite).

Also bei den letzten beiden Punkten könnte meiner Meinung nach sogar der hier zustimmen …

http://www.faz.net/s/Rub48D1CBFB8D984684AF5F46CE28AC585D/Doc~E475399FE9D9C40C59608F81FF232B808~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

Bei dem ersten Punkt würden sich ihm wahrscheinlich die Haare sträuben (Verstaatlichung, restriktives Erbrecht, …)

Übrigens hab ich auch den Stowasser (Anarchie) in meinem Bücherregel ;-) .

Man kann das natürlich alles fordern. Aber man kann die Leute auch nur dort abholen, wo sie sich gerade befinden. Und wenn man sich z.B. auf 2 von 3 Zielen grob geeinigt hat, dann ergeben sich auf dem Weg dorthin unerwartete Lösungen, die keiner von beiden Seiten erwartet hätte.

Solche Forderungen wie System-Reset (nicht von Dir!) sollte man meiner Meinung nach schon deshalb nicht verfolgen, weil sie unrealistisch sind. Und wenn man als Alternative den Untergang prophezeit oder das langjährigige Dahin-Siechen (dessen Ende man dann hofft nicht mehr zu überleben), ist ja auch nicht zielführend. Aber wie gesagt, diese Auffassungen sind ja nicht von Dir ;.)

Konkret zu Forderungen wie: “Geldschöpfung- und Kreditvergabe verstaatlichen.”

Also Banken verstaatlichen? Ich glaube, darüber denkt die Bundesregierung gerade nach :-)

Rohstoffe, Energien, Wasserversorgung etc. verstaatlichen?

Also meine Meinung: Nicht gerade verstaatlichen, aber wie wäre es mit Genossenschaften? Das käme doch auch Deinem seriös-anarchischen Bedürfnissen entgegen (meinen übrigens auch)

Genossenschaften! Überhaupt! Warum macht die SPD das nicht zum Programm (statt Privatisierungen z.B. im Wohnungsbau zu fördern)? Genossenschaften in folgenden Bereichen (ich stricke jetzt mal das nächste SPD-Wahlprogramm für in 4 Jahren):
- Stadtwerke (Strom / Gas / Wasser) als Genossenschaften
- Wohnungs-(bau-)genossenschaften
- Agrargenossenschaften
- Produktionsgenossenschaften
- Softwareentwicklungsgenossenschaften
- Genossenschaftsbanken (hey, alternative zur Verstaatlichung) und sind dieselben, die es nicht schon gibt, ziemlich resistent gegen die Krise?
- und, und, und

Also keine Renditeorientierung, sondern Gemeinwohlorientierung! Stadtwerke bauen Schwimmbäder, Energiekonzerne denken daran nicht mal im Traum

(Aber die Gegenseite, die hat sich auch schon was Neues ausgedacht: Stiftungen! Aber, eine Wirtschaft/Gesellschaft, die aus Stiftungen besteht, wäre schlimmer als Faschismus!)

(Hey, und ich als Wi-Ing mache euch für alle diese Genossenschaften eine schöne Investitionsrechnung ;-) )

273 hacedeca 20. Juli 2009 um 16:41

@Ham, #273

“Wodurch entstehen „Politnutten“, „Mediennutten“, Wissenschaftsstricher“ etc.?”…”Diese gesellschaftlichen Zustände resultieren nicht aus „Staatsversagen“, sondern aus „Marktmacht“.”

Nicht in Preußen! Case closed! HG hat weiterhin recht.

274 Hans~Gottlieb 20. Juli 2009 um 16:42

@lemming

“Diese Leier ist der neoliberale infinite loop. Wahrscheinlich hatte der Staat damals auch schuld an der Tulpenzwiebel-Blase.”

==> … nur weil es mir gerade in’s Auge springt:

### … ja, es ist vollkommen richtig ! … AUCH bei der Tulpenzwiebel-Blase gabe es eine völlig unregulierte Kreditgeld-Expansion (so’ne Art Optionsscheine auf Zwiebeln) !!!

### … frag nach bei wgnX ! … wenigstens das hat der nämlich gewusst. Anders als dieser Sebastian Dullien, 30-jähriger Fachhochschulprofessor an der FH-Berlin, der nach längerem Aufenthalt in den USA immer keynesianische Agitprop in der Transatlantiker-Presse schreibt (SPIEGEL, FTD, usw)

### … mach dich also erst sachkundig, bevor du polemisierst !

grüsse !

275 goodnight 20. Juli 2009 um 16:59

Yep, nochmals, der Witz des Gedankens des HG ist ja, dass nicht die Menschen oder die Systeme das Problem sind, sondern das “Handeln”…um mal in de ontologischen Sprache zu verbleiben.
Luhmann sagt: Jeder Versuch eines Funktionssystems (hier: Politik) ein anderes Funktionsystem (hier: Wirtschaft) zu steuern, muss scheitern.
HG sagt: Der Staat ist mit dem Versuch gescheitert, den Markt über die FED zu steuern. HG hinterfragt nicht den Markt, auch nicht den Staat, ja auch nicht die Demokratie. Yep, er hinterfragt nur die Regulierung des marktes durch den Staat, also nur eine bestimmte Handlung bzw. die Handlung an sich. Nur leider redet er dann vom verändern der Demokratie anstatt sich wie jeder anständige Neoliberale gegen das Regulieren ansich auszusprechen.

Don: “Talk to me, Gal. I’m here for you. I’m a good listener.”
Gal: “What can I say, Don? I’ve said it all. ”
Don: “Shut up.”
(sexy beast)

276 Hans~Gottlieb 20. Juli 2009 um 17:07

howdy, @goodnight !

=> … yep, yep, yep ! … du hast sicherlich recht, mit dem was du schreibst.

= > … aber jetzt mach dich mal nützlich und verrate mir was der Ölpreis heuer macht.

=> … legt der junge, aufstrebende Parvenü das monatlich Spekulations-Taschengeld, das er von Madame bekommt, long oder short an ??

277 lemming 20. Juli 2009 um 17:27

@HG
### … ja, es ist vollkommen richtig ! … AUCH bei der Tulpenzwiebel-Blase gabe es eine völlig unregulierte Kreditgeld-Expansion (so’ne Art Optionsscheine auf Zwiebeln) !!!
Es gab Optionsschein-Handel. Bei diesen handelte es sich aber mitnichten um staatliche Emissionen.
Das Ende vom Lied sah dagegen so aus:

Von der Obrigkeit wurde ein Eingreifen gefordert, um das Vertrauen in die Wirtschaft wiederherzustellen. Aber die Staatsgewalt sah sich nicht in der Lage einzugreifen. Schließlich wurde öffentlich kundgetan, daß alle Abschlüsse, die am höchsten Punkt der Tollheit im November 1636 getätigt wurden, null und nichtig seien. Wer danach gekauft habe, müsse sich gegen eine Strafsumme von 10 % des Kaufpreises von seinen Zahlungsverpflichtungen freikaufen. Das stellte weder Verkäufer noch Käufer zufrieden. Monatelang tagte der Provinzrat von Den Haag, ohne zu einer abschließenden Lösung zu finden. Eine Klage in Amsterdam führte dazu,
daß die Richter einstimmig das Durchführen eines Prozesses
ablehnten. Es handele sich nämlich um Spielschulden, so ihre
Auffassung, und das seien keine rechtlich verfolgbaren Ansprüche. So wurde jedem erklärt: Aus nichts anderem als Spielsucht
waren die Verpflichtungen aus dieser unglaublichen Manie entstanden.

http://www.immoexpert.net/dat/GE-Spezial_Nr._12.pdf

278 froZ 20. Juli 2009 um 17:30

Na, das geht ja hier ab wie Schmidts Katze…

@ H~G

Bei gleich zwei Fleißbienchen will ich mich gern der Herausforderung stellen, einen analytischen Kommentar über die Möglichkeiten eines “Reset” zu schreiben, auch ohne vorher die “rote Bibel” gelesen zu haben. Komme jetzt aber nicht dazu, vielleicht heute spätabends oder morgen.

279 Victor 20. Juli 2009 um 17:33

@Goodnight

Ich wusste gar nicht, dass die Ursache der Krise schon erforscht wurden.
Was ich nicht verstehe, wie kommt es überhaupt zu den Rückkopplungseffekten auf den Realgütermärkten?
Ich dachte immer, ganz einfach gedacht, wenn viele viel Geld in den Händen haben, gibt es auch viel Nachfrage auf den Gütermärkten.
Überhaupt Freiheit!
Sollte die EZB die FREIHEIT haben Geld an ALLE zu verteilen?
Verwirrend?
Einmal ist Freiheit gut, dann wieder schlecht.
Als wenn die Realität immer passend zu einer schlechten Theorie verbogen werden muss.

280 HAM 20. Juli 2009 um 17:38

@BB #274
„und lass die Definition sozialistisch, liberaler Staat etc. mal beiseite“

Das ist auch in meinem Sinne.
Die alten Begriffe sind mit falschen Vorstellungen und/oder affektiv negativ besetzt.

viel besser ist:
gemeinwohlorientiert
gebrauchswertorientiert
etc.

„Also meine Meinung: Nicht gerade verstaatlichen, aber wie wäre es mit Genossenschaften? Das käme doch auch Deinem seriös-anarchischen Bedürfnissen entgegen (meinen übrigens auch).“

Ja, sicher. Es geht auch um Dezentralisierung vom Wirtschaft, Re-Kommunalisierung etc.

@hacedeca #275

Korruption – wie Wirtschaftskriminalität – lässt sich niemals erfolgreich nur mit dem Strafgesetz bekämpfen. Wo ein hoher Gewinn lockt, gehen die Individuen auch hohe Risiken ein. Zum Beispiel Rauschgifthandel: Findet sogar in Staaten statt, wo die Todesstrafe angedroht und vollstreckt wird.

Folglich muss man bei der „Marktmacht“, also bei der zahlungsfähigen Nachfrage, ansetzen. Ohne Milliardäre gibt es keine Milliardärspresse. Etc.

Ohne Begrenzung der Wirtschaftsmacht von Individuen, also des verfügbaren Privateigentums, kann keine Demokratie funktionieren und kein Staat im Interesse des Gemeinwohls tätig sein.

Übrigens macht es wenig Sinn, von „Staatsversagen“ zu sprechen. Denn versagen können nur Individuen., niemals eine „Realabstraktion“ wie der Staat.

Aber diese Individuen, welche sich korrumpieren lassen, sehen sich überhaupt nicht als „Versager“ an, sondern als erfolgreiche „Selbstvermarkter“, d.h. als erfolgreiche Teilnehmer am herrschenden Marktgeschehen.
Sie holen das Maximum an Gewinn aus ihrer Tätigkeit heraus, so wie es Manager, Medienstars, Fußballer etc. auch tun.

Will man eine andere Gesellschaft, dann muss man das Einkommen und das Privateigentum von Individuen limitieren.

281 goodnight 20. Juli 2009 um 18:00

@HG

Yep….der ölpreis steigt…aber das wirst Du wohl nie verstehen…die Welt boomt wieder….mitten in Deinem Doom…

“I never said I was a golden god… or did I? ”
Russel (almost famous)

282 Peter Lehmann 20. Juli 2009 um 18:06

“Das würde mich jetzt mal interessieren, die Frage, wie jetzt wer diese Weichenstellung [Energiesanierung oder Mehrproduktion] würde: Sozialtechniken im Sinne von HAM oder staatliche Rahmensetzung plus freie Entscheidung des Individuums im Sinne von HG.”

Du hast doch ausführlich dargelegt, dass dies die Rolle des Zinses sein soll. Nun, in Japan haben wir den niedrigsten Zins, dennoch aber eine strikt an (langfristigen!) Ertragserwartungen orientierte Wirtschaft. 3% oder 4,5% liegen deutlich über dem langfristigen Wachstumstrend, sind also mit Boom-Bust verknüpft. Warum muss es überhaupt so sein, dass die Kalkulation der Ertragserwartungen eines Vergleichswerts in Form eines in der Zinseszinsrechnung sehr fühlbar werdenden Zinsniveaus bedarf? Erwartungsrechnungen schaffen schliesslich im Zweifelsfall auch ohne zusätzliche Kapitalkostenkomponente Vergleichbarkeit. Opportunitätskostenannahmen für längere Investitionszeiträume auf der Basis “risikoloser Gewinne” beweisen dagegen im Regelfall nur die Unkenntnis historischer Statistiken.

Die entscheidende “Sozialtechnik” oder “Rahmensetzung”, der es nun bedarf, ist ein leistungsfähiges Rechts- und politisches System, das die “Internalisierung” der tatsächlichen Kosten erzwingt. Im Energiebeispiel würde dies für den Kostenvergleich von Nuklearenergie mit anderen Energieformen bedeuten, dass der Staat den Energieproduzenten nicht de facto fast das gesamte Versicherungsrisiko abnimmt. Dass sich zwischen Energiesanierung und Mehrproduktion eine Alternative stellt, ist extrem zweifelhaft, weil einerseits die fossilen Brennstoffe zur Neige gehen und zum Klimawandel beitragen, Sanierung andererseits gewiss kein Elektroauto auf der Strasse und keine Züge in Bewegung hält.
Warum sollte Desertec also Zwangsnachfrage voraussetzen?
Vor der gegenwärtigen Disinflation sind wir gerade an Grenzen des inflationsfreien Wachstums des vorhandenen Produktionsapparats gestossen. Desertec sieht at face value eher nach einem Lösungsangebot – einer Alternative zu Kasinoinvestitionen – als nach einem Problem aus. Unter realistischen Annahmen substituiert es Energie, die uns in Zukunft entweder gar nicht mehr oder nur zu sehr hohen Preisen oder unter Inkaufnahme ökologischer Katastrophen zur Verfügung steht.
(Und wenn der Strom wirklich nicht gebraucht, das Projekt aber wundersamerweise nicht in irgendeiner Phase abgebrochen würde, könnten wir immer noch davon profitieren, indem wir es den Afrikanern schenken und im Gegenzug fortan keine Entwicklungshilfe mehr zahlen. Von der Ersparnis könnten wir uns dann in 10000 Jahren die ganze Milchstrasse kaufen :-)

Dass Desertec in der Welt von HAM oder HG gar nicht erst angedacht würde, mag natürlich sein.

@Nanuk:
“Inflation good for the rich deflation good for the poor.”
Hab ich bestimmt auch schon mal gesagt. Sagt überhaupt jeder mit klarem Kopf. Die Reichen greifen ihre Ersparnisse an, die Armen werden mindestens einen Teil ihrer Schulden los.

283 Chat Atkins 20. Juli 2009 um 18:18

Wo steht eigentlich der deutsche Kommentar-Rekord …?

284 Michael 20. Juli 2009 um 18:43

@Linke, Rote, Anarchisten die ihr zahlreich diesen Blog versaut habt

Natürlich ist das heutige System genauso “reformierbar” wie der Sozialismus. Überhaupt nicht. Wie die SPD mit ihrer Agenda2010 lupenrein bewies. Auf Eurostat nachzusehen. Die Schröder-Reformen sind ein Debakel, das ihresgleichen erst noch finden müssen. Aber es besteht Grund zur Hoffnung, “leistungsloses Grundeinkommen”, Rentner, Arbeitssuchende kriegen soviel oder sowenig wie Parasiten ?

Ein “marktwirtschaftlicher Sozialismus” ist in Jugoslawien gescheitert. Genossenschaften haben schon reihenweise Debakel erlebt, letztens in Österreich. Der Sozialismus ist nicht ohne Grund untergegangen und der Grund war nicht, dass er totgerüstet wurde.

Eine Aktiengesellschaft ist vom Grundprinzip eine “Genossenschaft”, nur, wenn sie patzt, darf der Staat sie eben NICHT auf Kosten der Steuerzahler retten. Privateigentum muß auch Privatverantwortung heißen. An der Stelle gibt es zur Zeit einen krassen Fehler. Das bedeutet, Banken dürfen auch NICHT gerettet werden.

Das System, das heißt, die “Reichen” werden immer reicher, die “Armen” werden immer ärmer, in der Endkonsequenz Oligarchie und nicht Kapitalismus. Gemeinhin nennt man so eine “Oligarchie” Bananenrepublik. Dazu gehört, tut mir leid das so schreiben zu müssen, auch das Rußland der heutigen Tage.

Brasilien, Indien und China als Beispiele zu sehen, nun gut, die Narren gehen wohl niemals aus. Nicht umsonst hat sich die Bevölkerung der USA in den vergangenen 60 Jahren verdreifacht, 300 % Wachstum (meist anorganisch durch Zuzug) heißt jährlich 5 %, bedeutet, da muß irgendetwas besser (gewesen) sein, als woanders.

Deshalb war ein Reset zum Ausbruch der Finanzkrise eine völlig ernst gemeinte Alternative zum Neuanfang. Auf “Traditionen”, wie eine SPD ist nun wirklich gesch…. .

Für die Verwirrten:
Kapitalismus = Privateigentum an Produktionsmitteln, das kann auch eine Aktiengesellschaft sein
Sozialismus = Enteignung und “gesellschaftliches” Eigentum an Produktionsmitteln

285 Michael 20. Juli 2009 um 18:50

@goodnight
Vergiß es, Halbgott, in 10 Tagen DAX voll short. So Du shortest. Muß man aber nicht. Man kann auch am Rand warten, bis sich genug Bären zum Freßfest versammelt haben. … ;-)

286 goodnight 20. Juli 2009 um 19:10

@Michael

Nope…der Dax hat doch gerade erst die 5000er geknackt…und alle Fundamentals deuten auf eine Erholung hin …yep, ich habe so vor nem halben jahr hier mal geschrieben, dass wir diesmal eine so breite und dolle Erholung erleben werden wie never before….yep, dies ist a new world order…wenn es an etwas gerade NICHT mangelt, dann an Geld…es ist nur in den Händen anderer…das ist der einzige Witz…

“Where there’s a will – and there is a f…ing will – there’s a way – and there is a f…ing way…”
Teddy (sexy beast)

287 Nanuk 20. Juli 2009 um 19:12

@Peter Lehmann
Desertec
Ist der verzweifelte versuch von Dinosauriern nicht auszusterben wenn sie Fläche zur Energie Gewinnung haben möchten bitte sehr sie können ja mein Dach mieten.Die ein oder andere Wiese hätte ich da auch noch im Angebot…
Das ist Blendwerk nichts anderes Energieversorger sind eine austerbende Spezies genau wie Telekoms die Leben doch auch nur weil die Frequenzen versteigert wurden… Da sind wir doch schon längst im StaMoKap und nachdem ich den Bericht über die Armutsindustrie gesehen habe bin ich mir sicher das StaMoKap das Zukunftsmodell ist.

Ich zeige hier nur Alternativen auf ich weiss zu 100% das es so nie kommen wird weil die Politik korrupt die Eliten geistesgestört und die Bevölkerung nur Valium in der Birne hat.

288 Nanuk 20. Juli 2009 um 19:13

Aber bis zur Bundestags Wahl bleib ich noch bei euch dann werd ich schweigen…

289 Systemfrager 20. Juli 2009 um 19:23

@ Michael

Ich weiß, dies übersteigt weit deine Wahrnehmung der Realität und deine analytischen Fähigkeiten. Nimm einen Kuli und schreib auf: Deinen Kapitalismus hat letztes Mal Keynes gerettet ;-)

Ich bin aber besorgt, was geschieht mit dem Abendland, bei so vielen neoliberalen Narren und moralischen Ungeheuer.

Ach so – das Abendland bzw. der Kapitalismus hat bisher alles überlebt? Ja, ja! Nur damals war es so, dass der Rest der Welt „auf den Bäumen lebte“. Jetzt sieht die Welt völlig anders aus. Ja, richitg, unsere Verdienste! Das ändert aber ncihts an der Tatsache, dass man uns für die Entwicklung der modernen Technologien nicht mehr braucht.

Aber was erzähle ich da den neoliberalen Narren, wie die Welt außerhalb ihrer Think-Tanks aussieht. Entschuldigung!

290 Michael 20. Juli 2009 um 19:33

@goodnight
Natürlich erleben wir eine satte Erholung. Leider sind die Fundamentals noch etwas “besser als erwartet”, das ist zu wenig. Besser als erwartet heißt keineswegs gut. Es würde mich wundern, wenn wir nicht noch mal die Bären an die Backe kriegen würden. 5000 ist natürlich nicht das, was mir für den DAX in den nächsten Jahren vorschwebt, auch wenn der sich zwischenzeitlich locker halbieren könnte. Wissen wir, wohin die Karawane der Irren den Laden treibt ?

Die Zahlenwerke der Aktien, die ich halte, und auch im Falle eines crashes halten werde, sind schlecht. Entsprechend ist die cash – Reserve für die Bärenjagd unverhältnismäßig hoch. Es gibt immer Aktien, die zu Unrecht niedergeknüppelt we(-u-)rden. Und mittelfristig ist die Börse eine höchst gerechte Veranstaltung. Auch wenn ich manchmal nicht Recht kriege, in dem Punkt fehlt mir jeder Pessimismus.

291 Michael 20. Juli 2009 um 19:39

@Systemfrager
Wenn Du es genau wissen willst, ich habe zumindest schon mal den Sozialismus überlebt. Noch mal Sozialismus lasse ich mir nicht gefallen, wenn Deine Seite auch gut gemacht ist, lies mal Marx, Engels, Lenin, vergleiche das mit der Praxis des vergangenen Sozialismus.

Wie die genannten Theoretiker bestätigen würden: “Die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit”. Diese Praxis ist unsere heutige Gesellschaft.

292 hacedeca 20. Juli 2009 um 19:45

@HAM, #282

“Will man eine andere Gesellschaft, dann muss man das Einkommen und das Privateigentum von Individuen limitieren.”

Du hast ja schon mitbekommen, dass ich mich schwer tue, Dich politisch sauber einzuordnen. Also: Wer setzt das Limit? Der Staat? Und wenn ein Individuum auch außerhalb des Staates Geschäfte macht? Verbieten? Eine Mauer bauen?

Die Alternative wäre der Weltstaat. Nur wäre der nicht nur ein politisches Monopol (und wehe der Weltstaat hat seinen Palpatine – Star Wars), er wäre auch eine kulturelle und politökonomische Monokultur. Staaten vergehen, das ist eine alte Weisheit – ein Vergehen des Weltstaates aber wäre für die Menschheit eine Katastrophe.

Willst Du einen Weltstaat, der die Macht hat, festzulegen, wieviel ein Deutscher besitzen darf?

Mal abgesehen davon regelt der Kapitalismus das Problem des Geldes in den falschen Händen schon recht nachdrücklich: Tochter Schickedanz und Witwe Schaeffler lernen dies gerade.

293 goodnight 20. Juli 2009 um 19:52

@Michael

“Wissen wir, wohin die Karawane der Irren den Laden treibt ?”

=>Yep, in the flow…wohin sonst. Wir haben da draußen ganz ganz viel Geld, das in einer drohenden Inflation nur Wert hält bzw. gewinnt, wenn es investiert wird …. ergo besteht eine riesige Nachfrage nach Finanzmarktprodukten.

“Die Zahlenwerke der Aktien, die ich halte, und auch im Falle eines crashes halten werde, sind schlecht.”

=>Nope, ganz großer Fehler: man hält heute nix mehr, Eigentum und Besitz sind old school….man muss immer im Flow sein, d.h. borgen, leihen, leasen etc….

“Und mittelfristig ist die Börse eine höchst gerechte Veranstaltung.”

=>Nope, das ist so typisch deutsch…alles muss immer Gerecht sein…nope, die Börse ist nicht gerecht, sondern völlig ungerecht, weil der Winner takes it all…und genau deshalb ist sie eine challenge, und deshalb machen wir da mit, weil wir alles haben wollen…und nicht nen monatliches Durchschnittseinkommen bis zur Rente wie der Nachbar.

“Don’t let yourself get attached to anything you are not willing to walk out on in 30 seconds flat if you feel the heat around the corner.”
Neil (heat)

294 Systemfrager 20. Juli 2009 um 19:59

@ Michael

“Die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit.”

Das haben die von dir erwähnten nicht gesagt. Das wird auch ein Neolbierale nie sagen. Weil beides, der Marxismus und der Neoliberalismus, keine Wissenschaften, sondern akademische Idiotien sind.

295 Peter Lehmann 20. Juli 2009 um 20:17

@Halbgott:
“Mein Denkfehler scheint eher darin zu liegen, dass ich auch einer signifikanten Mehrheit der Sterblichen einen IQ grösser ihrer Schuhgrösse unterstellt habe”

Siehst Du, Halbgott, es ist nun mal so, dass der IQ bei den Sterblichen zwar eine Bestandsgrösse, aber eben doch im Fluss ist. Und weil deine sterblichen Korrespondenzpartner vor 120 oder 140 Jahren mit heutigen Tests nur 70 Punkte geschafft hätten, bei glücklicher Entwicklung in den nächsten paar hundert Jahren jedoch eine weitere “Inflationierung” der Intelligenz absehbar ist, klärt sich jetzt auch die Herkunft deines Schuhgrössenvergleichs. Offenkundig hast du aufgrund deines Mortalitätsdefizits keine Möglichkeit, von der regelmässigen Rekalibrierung des Durchschnitts-IQ auf 100 zu profitieren. Wir können aus also aus dem von dir als himmlischem Langzeitbeobachter unseres Treibens akkumulierten Lebensalterüberschuss nur folgern, dass deine Schuhgrösse für dich ob ihrer asymptotischen Fatalität mittlerweile zur Obsession geworden ist.
Ja, Halbgott, Du hast keine Chance, wenn Du es nicht auf eine Wiedergeburt ankommen lässt. Konzentrier dich einfach auf die tröstliche Seite deines Dilemmas: Es gibt auch ein Leben nach der Bewusstseinserweiterung!

296 Michael 20. Juli 2009 um 20:33

@goodnight
Ja doch, aber das Geld geht nur an die Banken, die damit längst verbranntes Geld ersetzen müssen. Ich brauche NEUES Geld für die “Massen”. Da fehlt der Treibstoff. Wie sollen die denn optimistisch oder euphorisch werden können ? Ich brauche x-Milliarden, die dazukommen, nicht vom Staat, sondern aus der realen Wirtschaft. Aber was soll es, weit auseinander lagen und liegen wir nicht. In diesem Fall brauchen wir nur 3 – 4 Wochen abwarten. Dann liegt der “Erfolg” garantiert klar auf der Hand. Ich selbst warte garantiert länger. Mit Deiner Diskussion typisch deutsch hast Du natürlich recht. Das ist eine Denkweise, die anderswo z.B. in den Staaten aus sehr gutem Grund unüblich ist, aber sie hat auch was für sich. Und ich will die Menschen weder hier noch jenseits des Tümpels “verbessern”.
@Systemfrager
So entwischt Du mir nicht. “Die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit.” Das hat einer meiner Erwähnten sogar mit Sicherheit genau gesagt. Ich habe Murxismus – Leninismus mit “sehr gut” bewältigt. Aber ich exhumiere den Knülch jetzt nicht mehr. Murxismus – Leninismus zählte in den Staaten des “Real Existierenden” sehr wohl als “Geisteswissenschaft”, wie heute meinetwegen Sozialwissenschaften. Neoliberale Auffassungen sind etwas vollkommen anderes, die findet man parteiübergreifend.

297 Systemfrager 20. Juli 2009 um 21:00

@ Michael

“So entwischt Du mir nicht. “Die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit.” Das hat einer meiner Erwähnten sogar mit Sicherheit genau gesagt. Ich habe Murxismus – Leninismus mit “sehr gut” bewältigt.”

Ich weiß, jetzt weiß du nicht ganz genau wo, und auch Zeit hast du gerade nicht, mir es zu “beweisen”, … ist schon klar. ;-)

“Neoliberale Auffassungen sind etwas vollkommen anderes, die findet man parteiübergreifend.”

Da liegst du genau so “richitg” wie vorhin. ;-)

Mensch – warum diskutierst du dort, wo du dich nicht auskennst. Vielleicht bist du ein guter Maler, Bankangestellter oder PR-Fachmann, … Weiß ich nicht.

298 HAM 20. Juli 2009 um 21:01

@hacedeca #294

Zur Idee einer freiheitlichen Gesellschaft gehören sowohl Chancengleichheit wie auch die Möglichkeit politischer Mitgestaltung. Wie soll dies möglich sein, wenn wenige Milliardäre vermittels ihrer Wirtschaftsmacht über die Informationsmacht verfügen?

Insofern meine These: Will man eine freiheitliche Gesellschaft, dann muss man das Einkommen und das Privateigentum von Individuen limitieren.

Allerdings reden wir hier über die Utopie einer freiheitlichen Gesellschaft.

Auf der Tagesordnung des Empire steht hingegen Staatskapitalismus. Im Rahmen des Empire entsteht ein transnationaler Weltstaat, nicht formell, aber funktionell.

Wer oder was sollte ihn aufhalten?

299 Michael 20. Juli 2009 um 21:09

@Systemfrager
Viel schlimmer, Naturwissenschaftler. 8-)

300 BB 20. Juli 2009 um 21:15

@Michael/286! Das hätte ich jetzt nicht von Dir gedacht :

>>>>>>>>Linke, Rote, Anarchisten die ihr zahlreich diesen Blog versaut habt

Da hast Du so eine schöne Begründung dafür geliefert warum der Zinssatz 4,5% betragen sollte und nicht gegen Null gehen sollte (175 / 189). Gut, ich hätte misstrauisch werden können, weil Deine Argumentation irgendwie gegen den Euro und auf Abschottung gerichtet war. Aber die Wirkungszusammenhänge? Tadellos! Und nun das!

@Lehmann /297

ha, ha, jetzt muss ich Dir absolut Recht geben! Also ich möchte da noch eine Gemeinheit drauf setzen (wgnx, nicht böse sein, ich find das alles hier ganz klasse)

Es ist ja kein Zufall, dass die FAZ als Blogger einen amüsant schreibenden Popliteraten und Immobilien-Rentier, einen zockenden Keynesianer und eine gnadenlos subjektiv schreibende Journalistin engagiert hat. Die FAZ hat eben bei allem immer noch ihre Zielgruppe im Blickfeld. Zocker, Krugman und Luhmann passen da ziemlich gut zusammen. Kokain für’s Volk halt ;-)

(Der Begriff: “gnadenlos subjektiv” stammt übrigens von Don Alphonso. Ich würde das ja übersetzen mit “gnadenlos banal”. Der Spaten in der Hand des Politikers …. nun ja)

Jetzt kommt wieder ein Lob: Viele Zocker betreiben die besten Wirtschaftsblogs :-)

@Lehmann / 284

Der Kommentar ist wirklich eine Antwort wert, der ist aber so komprimiert, da brauch ich noch was für die Antwort (komme gerade vom Joggen).

301 Michael 20. Juli 2009 um 21:58

@BB
Welche Alternativen würdest Du sehen ? Glaubst Du allen Ernstes, dass wir mit Lohn-, Wechselkurs- und Sozialdumping konkurrieren sollten ? Damit kämpfen die USA und Europa. Ich wäre nicht gewillt einen beträchtlichen Teil unserer Bevölkerung dieser Schweinerei vor dem Herren zu opfern. Im Gegensatz zu einer SPD und den Grünen, die, ich verwies auf Eurostat, ganz klar das größte Debakel in der sozialen Entwicklung seit 1974 zu verantworten haben. Das wird bei Eurostat ganz eindeutig anhand von interaktiven Karten nach Jahren dargestellt. Natürlich bleibe ich trotzdem ein Anhänger höherer Zinsen und schrieb einen Median von 4,5%. Weil nach meiner Auffassung die Realwirtschaft die Finanzwirtschaft zu dominieren hat. Ergänzend dazu deutliche Steuersenkungen. Natürlich wirst Du erleben, wie mit Zinsanhebungen die Aktienkurse steigen werden. Dazu braucht man doch kein Hellseher sein.

In der Tat ist es so, dass Linke, Rote und Anarchisten diesen Blog quasi versaut haben. Das ist doch beispiellos geistiger Dünnschiß, was da Lemminge, HAM`s, erstmals ein Systemfrager und sonstwer von den Neulingen seit dem Gaza-Desaster hier absondern. Du bist seit ein paar Tagen dabei, Wahlkämpfer eben. Wir waren nie politikverdrossen, aber das Primat war hier früher die Wirtschaft. Und das sollte sie auch wieder werden, wie der Titel dieses Threads zeigt. Dabei ging es um die Auffassung eines Krugman. Ich hielte es für ein Gerücht, dass der was von Sozialismus in irgendeiner Form hielte.

302 BB 20. Juli 2009 um 22:47

@Michael

Ich werde die SPD diesmal bestimmt nicht wählen. von daher mache ich auch keinen Wahlkampf für die SPD. Ich finde aber, dass Linke, Rote, Anarchisten hier in diesem Blog sehr wohl eine Berechtigung haben. Erstens hält sich wgnx ja selber für einen, soweit ich das verstanden haben :-) , zweitens gilt Krugman als Linker (was ich ihm persönlich nicht abnehme, weil wie HAM es so schön formuliert hat, er ein Ostküsten-Bankster der Obama-Fraktion ist, und findest Du nicht, dass Du da HAM zustimmen könntest ;-) ? Drittens sind alle Fragen über Geld auch Fragen über Gerechtigkeit, etc.

Und Deine Theorie mit den Zinsen werde ich mal versuchen, irgendwie in die Antwort für Lehmann zu verpacken (wenn ich darf und Du mich vielleicht unterstützt, denn Du bist, glaube ich, da mehr drin als ich, zumindest was die Wirkung auf Währungen etc. betrifft), vielleicht ergeben sich auch Aspekte, ob Abschottung richtig oder falsch ist. Weis ich nämlich auch noch nicht so genau. Bin ich zu müde heute. Also gutes Nächtle allerseits bis spätestens morgen mittag, denke ich (vielleicht auch abends).

303 snozin 20. Juli 2009 um 22:53

Hallo Michaöl, was kostet der Liter? Eingedenk dessen, dass man eine Atemschutzmaske braucht,

304 HAM 20. Juli 2009 um 23:06

@Michael #303
„In der Tat ist es so, dass Linke, Rote und Anarchisten diesen Blog quasi versaut haben. Das ist doch beispiellos geistiger Dünnschiß …“

Typische Fäkalsprache von Faschisten. Jenseits von bürgerlicher Streitkultur.
Die zivilisatorische Eisdecke wird brüchig in Deutschland …

305 Michael 20. Juli 2009 um 23:35

@BB
Alle haben ihre Berechtigung. Die Mehrheit sind die Nichtwähler, obwohl der Mittelstand rechs stehen sollte, alle abhängig Beschäftigten könnten nur mit Links ihre Lage verbessern. Für “Liberal” oder “Grün” wäre kein Platz, die sind schlicht Dummenfang. Mit Krugman läge HAM kaum falsch. Der vertritt eben amerikanische Wirtschafts- noch mehr Finanzinteressen. Ich erinnere mich aber nicht im Einzelnen. Nur muß man unterscheiden, deutsches Sozialsystem oder amerikanische Spielart. Ich bin ein Anhänger einer wirklichen sozialen Marktwirtschaft. Kein Weltverbesserer. Aber auch kein Henkersknecht, ich sage und meine soziale, nicht neue soziale, Marktwirtschaft. Aber das soziale bliebe auf in Deutschland Steuern zahlende Personen beschränkt. Nach dem Motto: “Frage nicht, was der Staat für Dich tun kann, sondern frage, was Du für deinen Staat tun kannst.” Abschottung an sich schwebt mir nicht vor. Wohl aber Unterbindung von allerlei Dumpings bis hin zur Abschottung, das beträfe nicht etwa die USA oder “Resteuropa”, wohl aber asiatische Länder.

306 unwissender 21. Juli 2009 um 00:02
307 hacedeca 21. Juli 2009 um 00:22

@HAM, #306

“Die zivilisatorische Eisdecke wird brüchig in Deutschland …”

Komisch, ich dachte immer, so Leute wie Du kündigen die Barbarei an. Ihr wollt doch immer enteignen, wegnehmen. Wenn Leute wie Ihr auftauchen, wird es doch immer Zeit, sich an Keynes zu erinnern, um Marx und Mao zu verhindern.

Und komme mir jetzt bitte nicht mit: Mao und Stalin waren keine Sozialisten! Wie Dir aufgefallen sein wird, halten hier einige die Neoliberalen und Greenspans ebenso nicht für Kapitalisten – das dürfte für Dich ja auch keine Rolle spielen.

Und Fäkalsprache ist in Deutschland Standard. Wenn etwas schlecht ist, dann ist es ein menschliches Ausscheidungsprodukt. Was soll man da von den Engländern halten, die sagen statt dessen immer “f#(k”…

308 unwissender 21. Juli 2009 um 00:30

Und noch was an die “Mathematiker” hier zum Thema Japan – Staatsverschuldung und Währungsreserven. Rechnet es nochmal nach! ;-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt

http://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%A4hrungsreserve

309 lemming 21. Juli 2009 um 02:15

Träumt ruhig weiter, vom guten Übervater Staat und den pöhsen Nutten und Gängstern, von der Re-Nationalisierung der Wirtschaft (“Sozialstaat nur für Deutsche”) oder von mir aus auch vom “ewigen flow” des Kapitalismus. Ich meine: träumt RUHIG und spart euch das billige Krakehle gegen Leute, die Fragen stellen, zu denen euch nur eure antiquarischen Versatzstücke einfallen.

310 HAM 21. Juli 2009 um 02:22

@hacedeca #309
„Wenn Leute wie Ihr auftauchen, wird es doch immer Zeit, sich an Keynes zu erinnern, um Marx und Mao zu verhindern.“

Wie realitätsblind muss man sein, um heute zu glauben, dass dem Mittelstand eine Gefahr von „links“ drohe?

Verursachten die Linken die Wirtschaftskrise? Vergeuden die Linken Milliarden und Billionen, um irgendwelche Schrottpapiere durch den Staat aufkaufen zu lassen?

Sicher, dem deutschen Mittelstand wird man in naher Zukunft Einkommen und Vermögen wegnehmen, einen Teil des Mittelstandes sogar enteignen, so dass er in den Armuts- und Elendsschichten der Bevölkerung landet.

Die Linken haben damit allerdings nichts zu tun. Das besorgen die von Dir und Deinesgleichen so angehimmelten Milliardäre.

Keynes? Interessiert sich Wall Street oder London City für Keynes?

Die Finanzoligarchie schert sich einen Teufel um Keynes.

Keynes konnte sich bereits bei Bretton Woods nicht gegen die finanzpolitischen Weltmachtpläne der USA durchsetzen.

Himmel weiterhin Deine Milliardäre an und bete, dass Du in ein paar Jahren nicht bei Hartz IV landest!

311 hacedeca 21. Juli 2009 um 06:06

@Ham, # 312

Wie, Milliardäre? Die meisten Bankster sind doch eher nur Multimillionäre! Selbst die Chefs der Banken verdienen doch nur im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Gut, die haben ihr Geld dann cash, sind aber auch nicht reicher, als Eigentümer größerer mittelständischer Unternehmen. Selbst Blankfein, der Chef von Goldman Sachs, der mächtigsten Bank der Welt, soll nur so um die 300 Millionen schwer sein.

Mal abgesehen davon – das war nicht mein Punkt. Der war, dass Du #306 die Faschismuskeule ausgepackt hast, selbst aber hier echte hardcore Positionen vertrittst. Du bist aber ein Guter, weil Du die Reichen als Klasse begreifst und nicht in vornehmlich einer Ethnie lokalisierst? Verstehe!

Es ist nur so, dass mit Idealisten wie Dir im 20. Jahrhundert immer der Ärger anfing. Das wirst Du bestreiten, warum auch nicht, aber wer wie Du anderen Leuten im Zweifel mit Gewalt ihr Vermögen wegnehmen will, muss hier nicht noch moralisieren.

Es waren Leute wie Du, die hier einen meiner Meinung nach unmöglichen Sozialismuskram penetrant hereingetragen haben und schon eine wirtschaftlich-fachliche Kompetenz beanspruchten. Zu Unrecht, wenn man wie Du auf Nachfragen #300 dann so regiert:”Allerdings reden wir hier über die Utopie einer freiheitlichen Gesellschaft.”

Und nun noch den moral high ground? Etwas Bescheidenheit täte da ganz gut – jedenfalls meiner Meinung nach.

Hier konnte man früher viel auch in den Kommentaren lernen. Das hier war ein echter Qualitätsblog – jetzt wird moralisiert… Schade!

312 Systemfrager 21. Juli 2009 um 07:03

@ hacedeca

„Es ist nur so, dass mit Idealisten wie Dir im 20. Jahrhundert immer der Ärger anfing. Das wirst Du bestreiten, warum auch nicht, …“

Ja, er wird das bestreiten, weil es nicht war ist. Es ist eien Standardlüge der Kapitalsiten. Die Katastrophen des 19-20 Jahrhundert haben begonnne, weil die neoliberale Marktwirtschaft kollabiert hat. Dann haben die Menschen/Gesellschaften, aus purer Verzweiflung, nach „komischen“ Lösungen gegriffen.

Der Kapitalismus hat die industrielle Zivilisation geschaffen, er hat menschlich immer versagt. Er hat schließlich Egoisten geschaffen, die – unter andrem – nicht einmal mehr ein Herz für Kinder haben. Eine solche degenerierte Zivilisation, die du anhimmelst, hat keine Zukunft. Sie stirbt biologisch aus.

Und noch einmal. Dein Kapitalismus (Laissez-Faire) ist keine Wissenschaft, sondern eine akademische Idiotie, die nur deshalb „funktioniert“, weil sie die Ideologie der Plutokratie und Oligarchie ist.

313 hacedeca 21. Juli 2009 um 08:12

@Systemfrager, # 314

“Er [der Kapitalismus] hat schließlich Egoisten geschaffen, die – unter andrem – nicht einmal mehr ein Herz für Kinder haben. Eine solche degenerierte Zivilisation, die du anhimmelst, hat keine Zukunft. Sie stirbt biologisch aus.”

Ich dachte immer, dass reaktionäre Kapitalisten die Frau an den Herd verbannen wollen und in die Kindererziehung und dass die Emanzipation von Frauen eher eine so linke Sache wäre und also auch besonders die Abtreibung. Aber man lernt ja nie aus… Danke für Deinen gehaltvollen und aufklärenden Beitrag!

Man hätte ja auch ahnen können, dass in Amerika republikanische pro life Aktivisten und in Deutschland insbesondere die CSU wahre Vertreter des daueremanzipatorischen Sozialismus sind…

Auch Dein Geniestreich, hier in einem keynesianischen Blog von Zitat:”Dein Kapitalismus (Laissez-Faire)” zu sprechen, zeugt von der hohen bereichernden Wirkung die Deinesgleichen Anwesenheit hier hat.

Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst!

314 Nanuk 21. Juli 2009 um 09:16