Freuen wir uns, dass unsere Bundesregierung in Sachen Opel doch den richtigen Riecher gehabt zu haben scheint; dass sich die langen Nächte des Verhandlungspokers für alle Beteiligten gelohnt haben, dass zwischen Bochum und Kaiserslautern demnächst nur ein paar tausend Leute auf der Straße stehen und nicht ein paar zig-tausend. Jubel und Begeisterung, zu recht, wie ich finde, also laßt uns feiern. Und wenn wir damit durch sind, stellen wir uns die Frage:
Was zum Henker will Magna mit Opel?
Ich denke da jetzt schon eine Zeit lang darüber nach, und das einzige, was mir einfällt, bedeutet für Opel als Marke das mittelfristige K.O.
Vordergründig betrachtet, ist der move von Magna natürlich total retro: für den fusionierten Opel-Magna-Konzern bedeutet es eine Erhöhung der Fertigungstiefe, eine Verlängerung der Wertschöpfungskette, eine Struktur wie in der guten alten Zeit des Automobilbaus, in der man die Bremsklötze noch selbst hergestellt hat und für das Kupfer in den Drähten irgendwo in Südamerika eine Mine betrieb. In den letzten 30 oder so Jahren war das in der Branche eigentlich nicht dernier cri, nein, eigentlich ging es unter Slogans wie “Lean”, “Fokus auf Kernkompetenzen” und “Just in time” genau in die Gegenrichtung.
Für Magna als Teile- und Komponentenzulieferer mag es nun eine interessante Perspektive sein, sich mit der Opel-Übernahme in der Wertschöpfungskette quasi “nach vorne” zu entwickeln, d.h. man kann jetzt nicht nur Teile und Module sondern fix-fertige Automobile liefern. Nur: das konnte Magna auch schon vorher. Das einzige, was womöglich neu dazukommt, ist die universelle Systemkompetenz in Sachen “Auto”. Soll heissen: Magna kann nun so ein KFZ nicht nur im Auftrag bauen, sondern von A-Z designen, entwickeln, bauen und liefern. Es wäre also denkbar, dass sich der Konzern damit als kompletter Systemlieferant etabliert, der gewissermaßen ein fix-fertiges Typenkonzept inklusive anschließender Hardware-Lieferung an die Automobilhersteller vermarktet, die dann nur noch ihren Stern, ihren Propeller oder welches Logo auch immer draufschrauben, und das Teil nach ihren Vorstellungen vermarkten. Branchen, die schon seit Jahren nach diesem Muster funktionieren, gibt es zahlreiche – in der IT ist das zB gang und gäbe – und selbst in der KFZ-Industrie gibt es Segmente, in denen es bereits seit Jahren nicht anders läuft.
Was aber bedeutet das für “Opel” als Marke? Eine der goldenen Weisheiten im OEM-Business lautet: “Mach niemals deinem Kunden Konkurrenz”. Und da Magna nicht der einzige Automobilzulieferer der Welt ist, und ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass Stronach auf seine alten Tage tatsächlich daran denkt, einen vertikal voll integrierten Automobilkonzern auf die Beine zu stellen, kann das eigentlich nur bedeuten: Opel geht als Marke mittelfristig unter. Magna muß sich ja auch die anderen Automobilkonzerne weiterhin als Kunden erhalten, die werden aber ja nicht gerade scharf darauf sein, indirekt beim Konkurrenten Opel zu kaufen. Meine These daher: Magna kauft mit dem Deal in Wahrheit Design- und Entwicklungskompetenzen, vielleicht noch das eine oder andere Patent, und das war’s. Was es hingegen nicht braucht ist eine eigene Marke, mit eigenem Marketing, Vertrieb, Händlernetz und allem Pipapo. Das wird vermutlich mittelfristig den Weg alles Irdischen gehen. Falls sich die Automobilindustrie tatsächlich in diese Richtung entwickelt, dass die großen Marken sich nur noch auf Design-, Technologie- und Vermarktungskompetenzen beschränken, alles andere – sprich: die komplette Hardware – aus einem Stück von Lieferanten wie Magna kommt, dann hat Stronach mit dem Deal womöglich sein Lebenswerk gekrönt und Applaus von meiner Seite wäre ihm sicher.
Soweit zumindest meine – natürlich rein spekulative – Sicht. Andere Szenarien, in denen auch weiterhin neue, bunte Opels vom Band rollen und hernach durch blühende Landschaften fahren, wollen mir einfach nicht plausibel erscheinen.















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Da braucht man nicht spekulieren sondern nur den gesunden Menschenverstand einschalten.
Genausowenig wie Chrysler, GM und Ford nach der Insolvenz wieder aufperrt wird es Opel tun.Wer kauft in einer Depression Autos ? Acandormitarbeiter ? lol An Gutenbergs Stelle würd ich ganz schnell den Posten verlassen, dass wird ein ganz ganz heißer Sommer.Fiat dürfte diesen Sommer selbst nicht überleben und Magna als Autozulieferer auch net.
@ JWB
Ja, genau, eine Depression führt dazu, dass wir uns alle in Höhlen oder unsere Betten verkriechen und dort nichtstuend auf den Tod warten.
@ weissgarnix
cooler Titel wiedereinmal. Respekt!
Magna ist möglicherweise der Schwamm,
der den häßlichen Opel-Klecks aufsaugt.
An anderer Stelle wird er dann ausgedrückt…
…wenn niemand so genau hin sieht.
“Fiat dürfte diesen Sommer selbst nicht überleben und Magna als Autozulieferer auch net.”
Da währ ich mir nicht so sicher Fiat hat “Göttlichen Beistand” der Vatikan hat die Sanierung bezahlt… Ausserdem haben die Italiener begriffen das Design beim Auto alles ist.Da werden sich die Deutschen Autobauer noch umschauen wenn die Generation Ipod anfängt Geld auszugeben… und die High Tech Kisten mit super Fahrwerk keiner haben will weil sie seit Jahren gleich aussehen…
An Gutenbergs Stelle würd ich ganz schnell den Posten verlassen, dass wird ein ganz ganz heißer Sommer.Fiat dürfte diesen Sommer selbst nicht überleben und Magna als Autozulieferer auch net.
nicht ausgeschlossen, das, mr. j. w. booth.
findet sich dann überhaupt noch wer, der diesen posten haben will und doch bei verstand ist?
Was zum Henker will Magna mit Opel?
Gute Frage. Leider ist zuvor noch eine andere Frage zu beantworten: Wer ist Magna?
Oder, noch konkreter: Wer steht hinter Magna?
Die Russen heisst es. Wer aber steht hinter den russischen Konsortialpartnern?
Die andere Frage mit dem Namen ist gleich beantwortet:
Der Name Opel bleibt solange bestehen, wie es dafür Geld vom Bund gibt, bis Oktober diesen Jahres.
@mylli
Keine Angst, Du kannst weiterhin in und nicht unter Deinem Bett schlafen und die Höhle bleibt weiterhin den Bären vorbehalten.
Was JWB meint, kannst Du hier detailliert nachlesen!
http://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise
“Was zum Henker will Magna mit Opel?”
“Wer aber steht hinter den russischen Konsortialpartnern?”
http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/480693/index.do
Vertikale Integration mag einer etablierten westlichen Konzernlogik nicht mehr entsprechen. In Rußland war und ist es wegen der verbreiteten Rechtsunsicherheit oft nicht so recht möglich, markt-vertragliche Rechtsansprüche auch tatsächlich durchzusetzen, weshalb die russischen Wirtschaftskapitäne in den letzten beiden Jahrzehnten eine ganz andere und positive Haltung zu vertikaler Integration entwickelt und gleichsam verinnerlicht haben.
Außerdem werden “deutsche” Marken wie Opel in Rußland gern gekauft, da steckt noch so ein Mythos in den entsprechenden Markennamen, welcher hierzulande schon verflogen ist. Nachdem es jetzt hohe Einfuhrzölle für nicht in Rußland gefertigte PKW gibt, ist es natürlich sehr attraktiv, eine Marke wie Opel in Rußland selbst herzustellen. Insofern würde ich mal vermuten, daß der Markenname zumindest in Rußland erhalten bleibt.
Opel wird geplündert (Technologie, Patente), sichert den Absatz von Autoteilen in der Krise, wird mit Schulden überzogen und dann dem Staat erneut zur Entscheidung vorgelegt – aber bis dahin sind die Wahlen ja dann vorbei…
@mylli
Na ja, hier gehts dann weiter – wobei dieses Wiki-Thema bei weitem noch nicht beendet werden kann!
http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007
Die Sberbank ist übrigens auch im Arsch, bietet sich ja geradezu an, das morsche Portfolio mit einem lecker Kredit, der durch beste Staatsbürgschaft gesichert ist, aufzuhübschen…
Sorry für den mittlerweile Dritten, aber es geht halt gerade nur tropfenweise:
Magna Int. produziert u.a. für Daimler, BMW, Chrysler (in Insolvenz) und Saab (GM und auch pleite). Denen steht das Wasser auch in den Augen und über Oleg Deripaska und sein Schuldenimperium gab es genügend in der Presse.
Und jetzt kommt Opel mit der tollen Staatsbürgschaft…
Was will Magna mit Opel? Zugang zu Staatsgeldern – so wie Fiat auch.
Ob Opel als Marke überlebt? Unwichtig.
@ Zecke
Sberbank kann gar nicht im Arsch sein, die sind immer noch zu über 50% in Staatshand und sowas von “systemisch wichtig”…
Auf einen Sberbank-Bankrott ist schon nach 1998 spekuliert worden, damals vielleicht auch mit dem Ziel, die russischen Aktienkurse zu drücken und die “zitterigen” Zocker aus dem Markt zu treiben…
http://www.emfis.de/global/global/nachrichten/beitrag/id/Sberbank_meldet_29_Mrd_USD_Gewinn_fuer_2008_ID79222.html
Ein guter Beitrag, wenn es auch wahrlich nichts zu applausen gibt.
Ich halte die dramaturgische Skizze von Posting #11 für naheliegend.
… und Franz Müntefering versucht derweil unaufrichtiges Nebengetöse zu erzeugen, weil er bei der Causa Opel nicht mitmauscheln durfte – wo doch Super-Wahljahr ist!
Deutschland feiert.
ZITAT AUS WIRTSCHAFTSBLATT
Magna-Partner Sberbank bricht der Gewinn weg
Die Risikovorsorgen um 1000 Prozent erhöht, der Gewinn um 98,25 Prozent eingebrochen: So steht die russische Sberbank nach vier Monaten da.
GRUSS georg
Mich würde mal interessieren, wie die Sache der Management-Kontrolle geregelt werden soll: Magna mit 20 % hat zunächst mal relativ wenig zu sagen. Magna+Sberbank mit 55 % schon deutlich mehr, aber die Details können je nach exakter Regelung im Gesellschaftervertrag sehr unterschiedlich aussehen.
@Georg
Da praktisch alle russischen Banken mehr oder weniger pleite sind, ist das nicht wirklich überraschend…
Zitat Zecke: “Was will Magna mit Opel? Zugang zu Staatsgeldern – so wie Fiat auch.”
Wobei Fiat das Staatsgeld selbst bekommen hätte (Merger von Fiat und Opel war ja das Zielmodell), während es bei Magna in eine Gesellschaft fließt, an der Magna nur 20 % hält.
@ Georg
Ja, die haben Rücklagen gebildet, um evtl. Verluste aus notleidenden Krediten ausgleichen zu können. Daß es da im Herbst einigen Bereinigungsbedarf geben könnte, ist nicht neu:
http://de.rian.ru/business/20090421/121234960.html
Wenn Sberbank wirklich in Schwierigkeiten kommen sollte (wovon ich ebensowenig ausgehe wie offenbar die Mehrheit der Marktteilnehmer), dann dürfte der russische Staat mit seinen Devisenreserven in einem Ausmaß einspringen, gegen das sich eine deutsche Kreditbürgschaft sehr bescheiden ausnimmt.
Es mag ja eine Reihe von Motiven für den Deal gegeben haben, aber die Stabilisierung der Sberbank durch einen verbürgten Kredit gehört wohl eher nicht dazu, da bin ich mir ziemlich sicher.
Zu den Hauptmotiven sicherlich nicht, ist aber netter Beifang.
Mir ist nicht ganz klar, warum ein garantierter Kredit an Opel die Sberbank stabilisieren würde:
Kommt doch aufs Gleiche raus, als wenn Sberbank mit dem Geld statt dessen deutsche Staatsanleihen kauft (wenn man mal davon ausgeht, daß die Konditionen für den Kredit das Risiko widerspiegeln, und das ist angesichts der Garantie ja das Risiko von deutschen Staatsanleihen).
Was ist daran stabilisierend? (Mal abgesehen davon, daß man das Geld nicht anderweitig in den Sand setzen kann, wenn es in den Kredit geflossen ist.)
Sberbank gibt den Kredit an Opel mit dem der Elendsbetrieb sein Überleben finanziert, maximal in Höhe in der Staatsbürgschaft. Dafür bezahlt Opel Zinsen. Und falls das Projekt scheitert gewährleistet der Bund die Rückzahlung. Die Beteiligung selbst wird die Sberbank aus der Portokasse bezahlen.
Mich würde ja brennend interessieren, was die dem “Kompetenzteam” Merkel, Guttenberg, Koch, Steinbrück erzählt haben,was sie alles mit Opel so vorhaben. Ich meine, eine richtig gute Geschichte kann auch
4-5 Mrd. wert sein, aber wenn ich sie bezahlen soll, und darauf läuft es am Ende raus, hätt ich halt auch gern drüber gelacht.
Ja, ich fänd’s auch angemessen, daß “unser” (=des Steuerzahlers) Management uns ausführlicher über die Details ihrer Deals informiert.
Na ich habe die Logik so verstanden, daß in erster Linie Deripaskas Firmenimperium stabilisiert werden soll, indem man seinem Nishnij Novgoroder Automobilwerk wieder zu einem Cash-flow verhilft. Dadurch würden dann auch Deripaskas Verbindlichkeiten gegenüber der Sberbank wieder in größerem Umfang bedient werden können. Aber wenn es eine Rettungsaktion ist, dann eine für Deripaska, nicht für die Sberbank. Deren Chef German Gref mußte ja wohl auch eher zum Jagen getragen werden. Siehe dazu ganz aktuell:
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/magna118.html
Frank Lübberding hat das schon richtig beschrieben:
Pseudo-Investoren!
Die gehen nicht selbst ins Risiko, jedenfalls nicht satt, da hängt sich keiner mehr aus dem Fenster bei der Marktsituation. Oleg füttert GAZ und bekommt die Technologie, Magna den Absatz und die Bank einen risikolosen Zinsgewinn.
Die Regierung soll das “zukunftsfähige Konzept” mal rausrücken, ist aber wahrscheinlich “Staatsgeheimnis”. Also ab damit in den Untersuchungsausschuss. Aber bitte: Wer wollte das wagen, es sind Wahlen, alle sind glücklich, wenn jetzt Meckerer kommen, was sollen die erben? Nur Ärger!
@froZ
Das mit dem Cash-Flow finde ich interessant. Wie denkst Du wird das laufen?
@ Zecke
Kurz vor Aufbruch lese ich noch Deine Frage. Ja, genau vermag ich das nicht zu sagen. Generell sind die russischen Oligarchen ja recht erfinderisch darin, innerhalb ihrer verschachtelten Imperien Überschüsse und Verluste so hin und her zu schieben, wie sie es gerade benötigen. Im konkreten Fall wird aber der Herr Putin schon Druck machen, daß Deripaska auch seine Kredite bedient, er pflegt da ja auch schon mal mit dem “Doktor” zu drohen.
Was die GAZ-Werke angeht: Mit billigen Rohstoffen und vergleichsweise billigen Löhnen wird eine Art technologisch fortgeschrittener russischer Volkswagen unter der Marke “Opel” gefertigt, gleichzeitig schränkt die Regierung auch die Einfuhr von Gebrauchtwagen durch höhere Importzölle massiv ein. Ich denke, beim Motorisierungsgrad der Bevölkerung ist in Rußland noch einiger Spielraum nach oben (wenn auch nicht unbedingt in den Ballungsräumen im europäischen Teil des Landes). – Das wäre natürlich nichts, was innerhalb weniger Monate wirkt.
Und wie stellt sich das Ganze dar,
wenn GM am Montag Gläubigerschutz beantragt?
P. S.
Zu der Cash-Flow-Frage bzgl. Deripaska/GAZ werde ich wohl entweder heute spätnachts oder spätestens morgen abend in diesem Thread doch noch was schreiben; das ist vielleicht eine längere Betrachtung über einige Spezifika der russischen Wirtschaft wert, zu der ich gerade keine Zeit habe.
Wenn alle Wackelkandidaten pleite gegangen wären, dann gute Nacht. Zum Glück hat der Staat eingegriffen. Die Amis haben schnell erkannt, dass nach der Pleite von Lehman Brothers keine Großbank mehr ausfallen darf.
Sonst hätten wir eine brutale Weltwirtschaftskrise bekommen. Das System wäre kollabiert. Es ist vernünftig Staatsknete zur Verfügung zu stellen – so schwer es auch fällt. Hätten AIG, Bear Stearns, Morgan, Stanley, Goldman Sachs, Bank or America, Merrill Lynch keine Staatsmilliarden erhalten, dann will ich nicht wissen, was passiert wäre.
Das gleich in Deutschland. Wir dürfen nicht alle Wackelkandidaten fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.
@Weissgarnix
Die FAZ stellt übrigens die selbe Frage wie Du und kommt nach einigen Betrachtungen über Vor- und Nachteile einer vertikalen Integration im Besonderen und den russischen Automarkt im Allgemeinen zu folgendem Resümee:
In den harten Nachtverhandlungen für die Opel-Rettung ist ein Satz gefallen, der entlarvenden Charakter hat. Er gibt eine Antwort auf die Frage, wer eigentlich das Risiko der Opel-Rettung trägt. Der Finanzinvestor Ripplewood wurde gefragt, warum er trotz geringer Erfahrungen mit dem Autobau an Opel Interesse habe. Der ehrliche Satz: „Wir haben uns die asymmetrische Risikoverteilung angesehen und dann entschieden, auf diese Wette können wir eingehen.“
Die Risiken trägt der Staat
Die nüchterne Übersetzung lautet: Käufer wittern Chancen, weil die Risiken der Staat trägt. Magna und die Russen bringen so gut wie kein Eigenkapital ein, ärgerte sich dementsprechend Guttenberg.
http://www.faz.net/s/RubCE844206AD5543959580E21EDC440854/Doc~EC8D8E29004BE4702A395B2BD9EE10E71~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Wenn also im Falle einer Insolvenz von Opel “unkalkulierbare Risiken” für die deutsche VoWi und den Staat bestanden haben, so bestehen jetzt “unkalkulierbare Risiken” + 4-5 Mrd. Bürgschaften. Und das alles ohne faktische Einflussmöglichkeiten. Die liegen in den USA und Russland. Im Gegenzug gibt es wahrscheinlich noch von der EU eine auf die Mütze, weil einseitig deutsche Standorte (vorläufig) gesichert wurden. Was für ein Fiasko.
@Andreas Kreuz
Ich meine keine Auswirkungen. GM bleibt Miteigentümer. Wie auch immer die Beteiligungsstruktur nach einer Insolvenz von GM aussieht, die neuen Eigentümer (Staat USA, Gewerkschaft, Gläubiger) sind über GM auch an Opel beteiligt.
“Wir dürfen nicht alle Wackelkandidaten fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.”
Fauler Apfel, nicht heiße Kartoffel. Guten Appetit.
@ TS # 32
„Wenn alle Wackelkandidaten pleite gegangen wären, dann gute Nacht[…]Sonst hätten wir eine brutale Weltwirtschaftskrise bekommen. Es ist vernünftig Staatsknete zur Verfügung zu stellen[…]Wir dürfen nicht alle Wackelkandidaten fallen lassen“
Was haben wir jetzt, ein laues Lüftchen?
Was ist daran vernünftig, Staatsknete zur Verfügung zu stellen, also im Endeffekt auch MEIN Geld?
Was bitte schön habe ICH davon wenn es den Eigentümern, den Kapitaleignern von Sachs, Linch, Bear Stearns etc. gut geht?
Warum dürfen wir nicht einfach alle Wackelkanditaten fallen lassen – Es wird in guten Zeiten „Risiko“ belohnt und wenn es riskant ist bzw. das Wasser bis zum Hals steht, dann bin ich dran? Wieso?
Was hatte ich vorher davon – was habe ich in Zukunft davon?
Meinetwegen auch, was haben wir in Zukunft davon – mit wir meine ich allerdings die meisten Menschen die hier leben.
@TS #32
>>Sonst hätten wir eine brutale Weltwirtschaftskrise bekommen.<<
Ist sie denn schon ausgestanden?
Oder kommt da noch mehr?
http://www.leap2020.eu/GEAB-N-35-is-available!-Global-systemic-crisis-June-2009-When-the-world-steps-out-of-a-sixty-year-old-referential_a3248.html
Es gibt nur eine Schlussfolgerung – Die zwei grossen Besatzungsmaechte haben neue Raparationszahlungen festgelegt . Die deutschen Volkszertreter haben gekuscht.
— Reparationszahlungen —
Magna kauft 25% – 35% kauf die russische Sberbank – 35% behält GM – 10% Mitarbeiter & Händler — das ist der Deal. Wieso überall die Rede davon ist das der kleinse Investor den Laden kauft ist mir ein Rätsel – insbesondere da ein russischer Staatsbetrieb einsteigt.
Normalerweise habe ich Schlagezeilen wie “Putin kauf Opel” oder “Die Russen erobern Rüsselsheim” erwartet – das man solche Schlagzeilen nicht sieht und alle Medien brav von Magna reden und nur im 3, 4 Absatz ohne weitere Erleuterung die Beteiligung der Sberbank erwähnen scheint politische Gründe zu haben.
Ich tippe ja darauf das sie die konservative Regierung nicht ihre russlandphoben Stammwähler vergrätzen will und deshalb die russische Beteiligung runterspielt – Sind unsere Medien wirklich so gelenkt oder entwickle ich mich zum Verschwörungstheoretiker? *grübel*
“…und Applaus von meiner Seite wäre ihm sicher….”
Österreich hat jetzt auch einen Autobauer, das ist es doch , was Dich freut , wgnx, oder?
Den Piefkes eins ausgewischt.
Elender Tribalismus.
I werd narrisch!!!
“In den harten Nachtverhandlungen für die Opel-Rettung ist ein Satz gefallen, der entlarvenden Charakter hat. Er gibt eine Antwort auf die Frage, wer eigentlich das Risiko der Opel-Rettung trägt. Der Finanzinvestor Ripplewood wurde gefragt, warum er trotz geringer Erfahrungen mit dem Autobau an Opel Interesse habe. Der ehrliche Satz: ‘Wir haben uns die asymmetrische Risikoverteilung angesehen und dann entschieden, auf diese Wette können wir eingehen.’”
Quelle: http://www.faz.net/s/RubCE844206AD5543959580E21EDC440854/Doc~EC8D8E29004BE4702A395B2BD9EE10E71~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Ah – es hat scheinbar nur etwas gedauert:
Wladimir Putin, der Mann hinter Opel – Ohne Premier Putin läuft nichts in Rüsselsheim!
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/911/470460/text/
@knt #39
>>Ich tippe ja darauf das sie die konservative Regierung nicht ihre russlandphoben Stammwähler vergrätzen will und deshalb die russische Beteiligung runterspielt – Sind unsere Medien wirklich so gelenkt oder entwickle ich mich zum Verschwörungstheoretiker? *grübel*<<
Unwissende am Tropf – wie soll das Lenken da schwierig sein?
GM ist pleite (übermorgen)
gestern wurde Opel “abgespalten”
Was, wenn die Aktionäre von GM das als Konkursbetrug sehen und dagegen klagen ?
Die Überreste von etwas, dass sich Opel nennt (ohne Immobilien usw. usw.) werden an Putin und einen dicken Förderer von Jörg Haider verschenkt und ein noch dickerer Packen Staatsknete hinterher geworfen.
Wenn Dieter Hildebrandt 1987 im Scheibenwischer vorhergesagt hätte, daß eine FDJ-Sekretärin aus der Uckermark 2009 die Commerz+Dresdner Bank verstaatlicht und Opel an Russland und Jörg Haides Freunde verschenkt – er währe in die Klappsmühle gekommen.
Man kann gar nicht so schlimm denken wie die Zukunft daherkommt
((
Mir ist beim Lesen der FAZ mal wieder ein neues Licht aufgegangen, dass meine Perpektive doch stark verschoben hat. Interessant finde ich vor allem die Stichpunkt-Beschreibung des operativen Geschäftsfeldes von Magna im letzten Abschnitt.
http://www.faz.net/s/RubCE844206AD5543959580E21EDC440854/Doc~E2556475A094E418888F3F2312B82D731~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Was fällt uns bei den folgenden Stichworten auf:
“spezialisierte sich auf Allrad-Fahrzeuge”
“X3 in Graz ”
“Mercedes-M-Klasse”
“Chrysler 300C und des Jeep Commander”
?
Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob Opel gerettet werden sollte oder nicht eher Magna ein Problem hat.
@ebi
…endlich hat es einer gemerkt
Die X3-Produktion wurde von BMW schon 2008 zurückgeholt, die M-Klasse durch den ML ersetzt, Chrysler ist pleite und Saab auch (da war auch was).
Magna baut dann irgendwann Opel und Opel in Deutschland wird abgewickelt …. mit tatkräftiger Unterstützung des deutschen Steuerzahlers …
… endlich hat’s jemand ausgesprochen!
Noch besser wäre die deutsche Politik würde abgewickelt. Was hier für Geld rausgehauen wird…! Für nichts und wieder nichts.
Aber jedes Volk hat die Regierung, die es verdient!
Was lassen sich wieder alle einlullen und wählen dann wieder brav SPD, CDU oder FDP!
Selber schuld, wenn die meisten nach der Wahl selber kein Geld mehr haben, es auszugeben.
Danke!
@ebi:
Die Informationen in der FAZ sind teilweise falsch:
Die Mercedes-Benz M-Klasse wird in Tuscaloosa/Alabama gebaut, schon immer.
Von Magna in Graz wird vielmehr die Mercedes-Benz G-Klasse gebaut, ebenfalls ein Geländewagen, und zwar schon seit 1979 und mindestens noch bis 2013.
Deine Einschätzung, dass Magna nicht so toll dasteht, kann natürlich zutreffen. Das Problem haben momentan alle Unternehmen, die mit der Automobilindustrie zu tun haben.
Ich muss sagen, mir ist nicht so ganz klar, welche Vorteile die jetzige Lösung haben soll gegenüber einer mehrheitlichen Verstaatlichung. (Minderheitsbeteiligungen hätte man direkt auf die Opel-Händler und die Mitarbeiter übertragen können.)
Man hätte dann Opel peu a peu an das zukünftige Umfeld anpassen (=schrumpfen) und den einen oder anderen interessanten Partner mit ins Boot holen können (warum nicht Solarworld?), und wenn irgendwann das Umfeld wieder besser ist, hätte man Opel halt an die Börse gebracht.
In den Medien und von der Politik wurde und wird das ja so vermittelt, als sei Opel eine hässliche Braut mit leerem Portmonee, die froh sein müsse, überhaupt irgendeinen Investor zu finden. Ist ja nicht der Fall. Die Entwicklungsabteilung macht sehr gute Sachen und hat durchaus auch im Bereich alternative Antriebe ein paar heiße Eisen im Feuer, auch wurden und werden erfolgreiche Fahrzeuge produziert (Zafira, Corsa, Astra).
Ich kann mir natürlich denken, dass VW, Daimler und BMW gegen einen solchen Bail-Out opponiert haben.
Nichtsdestotrotz, ich versteh’s nicht. So wie es jetzt aussieht, hat man wirklich den Eindruck, dass Opel zum Selbstbedienungsladen für Amerikaner, Russen und Österreicher wird. Wenn mir jemand die Beweggründe der Bundesregierung bei dieser Entscheidung erklären könnte, wäre ich dankbar.
@taurus#48:
Die M-Klasse wurde auch mal anteilig in Graz gebaut.
siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Mercedes-Benz_W163
Es geht aber nicht um einzelne Modelle/Aufträge, sondern um die strategische Ausrichutung auf das besondern rückläufige SUV-Premium-Segment. Die betrifft auch den Aston Martin Rapide oder den Boxster/Cayman ab 2012. Von dieser Seite her dürfte Magna unter extremen Druck stehen.
Wollte doch noch was über die russische Kunst des Cash-Flow-Generierens schreiben; bin zwar auch jetzt eher kurz angebunden, aber ein paar Gedanken:
Zwei Charakteristika des postsowjetischen Wirtschaftsraumes wären zu erwähnen: 1.) Das einzelne Unternehmen ist meist in noch geringerem Maße als hierzulande ein eigenständiger Wirtschaftsakteur, sondern nur ein Baustein in einem “sistemnyj biznes”, eine formale Hülle zur Optimierung von Zahlungsströmen in diesem “biznes”. 2.) Unternehmenskontrolle erfolgt im oft nicht über formale Eigentumstitel, sondern auf informellem Weg, bei Bedarf auch gegen die Interessen der Eigentümermehrheit. Es gibt verschiedene Mittel und Wege, das Management eines Unternehmen unter Kontrolle zu bringen, über Marktmacht, administrative Kanäle, rechtliche Tricks und Nutzung des eigenen Einflusses auf die Judikative. In manchen Unternehmen agieren Manager als offensichtliche Interessenvertreter externer Parteien, ohne daß es den Eigentümern über einen langen Zeitraum gelingt, sie loszuwerden. Ein Weg ist auch Unternehmenskontrolle über provozierte Insolvenz.
Im Ergebnis gibt es völlig intransparente Unternehmenskonglomerate, die zum Teil über Eigentumstitel miteinander verbunden sind, zum Teil aber auch nur über solche informellen Kontrollmechanismen wie Direktoren-Netzwerke, die an einem Oligarchen oder einer Gruppe hängen. Das Praktische daran ist: In einem solchen System kann auf manipulativem Wege immer an der benötigten Stelle ein Cash-Flow entstehen, der unter transparenten Marktbeziehungen nicht möglich wäre. Z. B. lassen sich Preise zwischen Zulieferern und Abnehmern ziemlich willkürlich gestalten, völlig unabhängig von den realen Kosten. (Ende der 90-er ist für solche Schemata mal der Begriff der “virtuellen Ökonomie” geprägt worden.) Hauptsache, es ist genügend Liquidität im System, das ist die Voraussetzung. Entscheidend sind in einem solchen “sistemnyj biznes” nur Zahlungsströme als Flußgrößen, nicht solche Sachen wie Kapitalstock.
Wenn man diese Logik auf Deripaskas Imperium anwendet, so wäre es ggf. nicht so wichtig, ob GAZ wirklich profitabel wirtschaften kann. Hauptsache, die Zahlungsströme innerhalb von Deripaskas Firmenimperium geraten nicht ins Stocken, dann wird man auf irgendeinem Wege schon in den Büchern einen Überschuß bei GAZ erzeugen können, aus dem auch Kredite bedient werden können. Andere Wirtschaftseinheiten und deren Eigentümer sowie sonstigen Stakeholder werden bei diesem Spiel u. U. gleichsam “ausgesaugt”, aber das geschieht versteckt.
So könnte – spekulativ betrachtet – ein Deal zwischen Putin und Deripaska aussehen: Putin gibt die Liquidität, Deripaska verpflichtet sich dagegen, den Cash-Flow da entstehen zu lassen, wo er zum Teil als Kredittilgung an die Sberbank zurückfließt. Die Hereinnahme von Opel kann im Erfolgsfalle dann vielleicht tatsächlich auch noch positive Effekte in Sachen Technologie und Marketing bewirken.
Klingt komisch? Ja, ich weiß. Habt Ihr den Roman “Catch 22″ von Joseph Heller gelesen und erinnert Ihr Euch an das dort beschriebene Firmenimperium von Milo Minderbinder? Ungefähr so muß man sich das vielleicht vorstellen. Ich glaube übrigens, daß es zunehmend bereits auch bei uns so läuft, nur noch nicht mit diesem Ausmaß an Rechtsbruch und Willkür. Wie sagte der Satiriker Wladimir Kaminer: Letzlich geschieht in Rußland auch nichts anderes als im Westen, es ist alles nur eine Spur offener und zynischer.
Der angekündigte längere Kommentar zu russischen Geschäftsmodellen hängt jetzt in der Kontroll-Warteschleife, dürfte dann wohl bald freigeschaltet werden, da ich mir keiner Schuld bewußt bin.
Stimme taurus#48 zu:
Anstatt daß man Pseudo-Investoren die Upside gibt, ohne daß sie beim Scheitern nennenswert zur Kasse gebeten werden (weil ja fast alles vom Staat garantiert wird), hätte man wirklich auch teil-verstaatlichen können. Ein toller Technologietransfer ist von Magna und Sberbank schließlich nicht gerade zu erwarten, und die Russland-Exportaussichten sind auch eher vage.
weitere Magna-Links, gerade auf Telepolis gefunden:
http://tinyurl.com/lozfjj
und
http://tinyurl.com/lnrp8c
Bei der sizilianischen Mafia wüßte man ja woran man ist – und sie ist eine ehrenwerte Gesellschaft …
Inwieweit hat denn Roland Berger, seineszeichen sonderbevollmächtiger Koordinierungsspezialspezialist der Kanzlerin für Opel, bei dem Deal eine Rolle gespielt?
Hat der, nachdem die FIAT-Nummer nicht mehr zu retten war, vielleicht einfach seinen Buddy Gerd Schröder angerufen ob er nicht ein paar schön-zwielichtige, russische Oligarchen kennt die ein paar Milliarden € Staatsknete gebrauchen können!?
@froZ
Danke übrigens für die Literatur-Tipps (Ost-Wirtschaft, anderer Thread).
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