Politische Insolvenz

by f.luebberding on 28. Mai 2009

In den vergangenen Tagen ist im Fall Opel immer von einer “geordneten Insolvenz” die Rede. Der Bundeswirtschaftsminister will diese Insolvenz aber nur als Druckmittel gegenüber dem bisherigen Eigentümer und potentiellen Investoren nutzen, so meinte er. Dafür findet diese Idee von der FAZ bis Hans Werner Sinn breite Zustimmung. Und professionelle Insolvenzverwalter weisen uns darauf hin, dass eine Insolvenz keineswegs das Ende von Opel bedeuten müsse. Es ist zum Haare raufen. Denn eine solche Insolvenz macht nur Sinn, wenn ein Unternehmen überschuldet ist. Man will damit vor allem die lästigen Gläubiger loswerden. Nur hat Opel gar keine Schulden!

Opel ist seit gestern nachmittag Schuldenfrei. In der Vergangenheit hing Opel in finanzieller Hinsicht völlig von GM ab. Das betraf auch die laufende Finanzierung des Unternehmens. Die Übernahme der GM Schulden macht auch keinen Sinn, wenn noch nicht einmal der Mutterkonzern daran denkt, seine Schulden zurückzuzahlen. Die Aufteilung der Schulden auf die einzelnen Konzerntöchter wäre auch kaum möglich gewesen. Die Insolvenz von GM ist nur aus einem Grund ein Problem: Opel hat zwar keine Schulden mehr, aber dann auch kein Geld. Es würde unter normalen Umständen mit sofortiger Wirkung zahlungsunfähig werden.

Welchen Sinn macht also eine “geordnete Insolvenz”?

Keinen. Opel ist nicht überschuldet, sondern braucht neue Kredite. Ein Insolvenzverfahren ähnelt gewöhnlich einer Pokerpartie. Die Gläubiger müssen sich entscheiden, ob die Verwertung des Unternehmens oder deren Weiterführung die bessere Alternative ist. In letzterem Fall sind die Banken bereit nach einem Forderungsverzicht der anderen Gläubiger die weitere Finanzierung sicherzustellen. Die Voraussetzung ist eine positive Zukunftsprognose.

Wir haben die groteske Situation, dass der Forderungsverzicht mit der kommenden Insolvenz von GM schon durchgesetzt ist. Die vier sogenannten Investoren sind aber keine. Sie wollen Opel nicht nur geschenkt haben: Sie erwarten sogar zusätzliches Geld als Mitgift für eine offensichtlich häßliche Braut. Mit Ausnahme des Staates kann und will niemand einen Cent in das Unternehmen investieren. Der Staat sucht keinen Investor, sondern lediglich einen Strohmann zur Kaschierung des schlechten ordnungspolitischen Gewissens. Er ist bereit hohe Summe zu bezahlen, um die Übernahme von Opel durch den Staat zu verhindern. Oder verhält er sich wie Siemens beim Verkauf seiner Handysparte? Dort wurde der sogenannte Investor Ben Q für die spätere Abwicklung der deutschen Standorte bezahlt.

Es gibt keine positive Zukunftsprognose für Opel. Das ist kein Opel spezifisches Problem. Die globale Autoindustrie ist ein Sanierungsfall – und die Staaten fürchten die sozialen und ökonomischen Folgen von Großpleiten. Deshalb verhindern sie die Konkurse der betreffenden Unternehmen – mit der bemerkenswerten Ausnahme der USA. Dort übernimmt der Staat GM. Chrysler ist schon in Abwicklung begriffen. Ordnungspolitische Überlegungen interessieren dort niemanden. In den USA macht Obama reinen Tisch – wenigstens in der Autoindustrie. Daher ist es auch unsinnig auf die US Regierung wegen ihrer angeblichen Obstruktionspolitik einzuschlagen. Warum s0llen die Amerikaner Opel vor der Insolvenz retten? Ganz im Gegenteil:  Aus der Insolvenzmasse der alten GM werden sie die besten Stücke für einen neuen Konzern herauslösen wollen. Und wer soll sie daran hindern, wenn Opel nächste Woche den Gang zum Amtsrichter antritt? Außerdem gibt die deutsche Regierung keine Garantien für die belgischen und englischen Standorte ab. Wen beeindruckt also die Insolvenzdrohung? Außerhalb Deutschlands niemanden. Guttenberg schoß sich mit seiner Drohung in das eigene Knie – und merkte es noch nicht einmal.

Welchen Sinn macht also eine “geordnete Insolvenz” von Opel?

Sie gibt es nicht. Insolvenz bedeutet die Abwicklung des Konzerns zugunsten einer Marktbereinigung. Aus den Resten der europäischen GM Beteiligungen würden sich die Konkurrenten bedienen – inclusive des neuen staatlichen GM Konzerns. Der Rest wird geschlossen. Die Folgen für den Arbeitsmarkt und die von Opel abhängigen Zulieferer wären nicht kalkulierbar. Eine Region wie das Ruhrgebiet würde zum ökonomischen Notstandsgebiet. Man kann also davon ausgehen, dass die Abwicklung von Opel – und Arcandor etc. – einen Strukturbruch in der deutschen Volkswirtschaft zur Folge haben wird.

Das Dumme ist nur: Dieser läßt sich nicht vermeiden.

Der Bundesregierung ist ein Ultimatum zu setzen: Sie soll bis morgen um 14.00 Uhr den Unsinn lassen, die Rettung von Opel ausgerechnet von den USA abhängig zu machen. Die US Regierung hat kein Interesse an dieser Rettung. Wer will das den Amerikanern vorwerfen? Wenn Berlin Opel weiterführen will, muss es den Konzern selber übernehmen – sprich verstaatlichen. Das hätte aber Folgen: Damit würde die Politik de facto die Verantwortung für die gesamte deutsche Autoindustrie übernehmen. Dann braucht sie aber ein eigenes Restrukturierungskonzept – ohne die Verantwortung dafür an Pseudoinvestoren abgeben zu können. Sie müsste zugleich eine Antwort auf die europäischen Konsequenzen formulieren. Wenn die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD Bundestagsfraktion, Ute Berg, heute Mittag im DLF verkündet, es seien ja keine deutschen Werksschließungen geplant, ist das an Blödheit kaum zu überbieten. Oder wird sie mit diesem Hinweis etwa Verbündete bei der Restrukturierung der europäischen Autoindustrie finden?

Wenn die Bundesregierung zu einer solchen Politik nicht in der Lage sein sollte (die USA sind es offenkundig), muss sie die unausweichlichen Folgen akzeptieren – das Reißen der Kette am schwächsten Glied namens Opel. Aber deshalb müsste sie keineswegs wortreich in Tatenlosigkeit verharren. Die Regierung muss offensiv den Strukturbruch verarbeiten, wenn sie ihn nicht verhindern kann. Also die betroffenen Arbeitnehmer und ihre Familien nicht einseitig die Krisenkosten bezahlen zu lassen. Dazu nur ein Hinweis: Mit Hartz IV und Steuersenkungen für Millionäre wird das nicht gelingen.

Die Politik der Bundesregierung ist mit zwei Worten zu beschreiben – unausgegorener Mist. Sie sucht nach marktwirtschaftlichen Lösungen, wo der Markt doch nur ein Lösung kennt: Konkurs. Sie verweigert aber zugleich eine aktive Rolle des Staates. Nämlich die Autoindustrie selber zu restrukturieren, wenn sie mit der Lösung des Marktes nicht einverstanden ist.  Dafür brauchte man aber Planungsk0mpetenz. Aber die ist in einer Bundesregierung nicht zu finden, deren Motto die Deklarierung eigener Unfähigkeit ist. Sie betont schließlich jeden Tag, dass der Staat nicht der bessere Unternehmer wäre.

Den Eindruck kann man ohne Zweifel haben.

Kann auch die Politik in Insolvenz gehen? Der Bundeswirtschaftsminister sollte einmal darüber nachdenken bevor er sich beim nächsten Mal in das Knie schießt.

Er steht nämlich kurz davor.

{ 5 trackbacks }

kopfzeiler.org » Blog Archive » Opel: Wie kommt das Aus?
28. Mai 2009 um 19:07
Neues von Opel - Wurstsalat
29. Mai 2009 um 07:45
F.A.Z.-Community
29. Mai 2009 um 13:10
chefarztfraulicher:beobachter » Pot-committed*im Opel-Ordnungs-Isolvenz-Poker
30. Mai 2009 um 14:39
Partnernetzwerk – News 31.05.09 (Pfingstausgabe) « Der AmSeL-Gedanke Plus = Gemeinschaft
1. Juni 2009 um 00:39

{ 23 comments… read them below or add one }

1 Thomas 28. Mai 2009 um 15:26

Zitat: “Die Folgen für den Arbeitsmarkt und die von Opel abhängigen Zulieferer wären nicht kalkulierbar.”

Das Argument mit den Zulieferern wird immer gerne genommen, aber so ganz finde ich es nicht überzeugend:

Wenn Opel tatsächlich den Betrieb einstellt, werden dadurch in Europa nicht weniger Autos verkauft. Sie werden nur von anderen Firmen hergestellt (und davon natürlich dann ein größerer Teil als bisher im Ausland). Aber jeder Hersteller braucht in ähnlichem Ausmaß Zulieferteile. Ob die an Opel geliefert werden, oder an die Konkurrenz, welchen Unterschied macht das unterm Strich?

Deshalb verstehe ich auch das mit dem “Strukturbruch” nicht so ganz: Ein Teil der Opel-Fabrikation wird wohl in der einen oder anderen Form überleben. Die zu erwartenden Opel-bezogenen Job-Verluste sind daher wohl “nur” zwischen 10.000 und 15.000 anzusiedeln, verteilt auf mehrere Standorte.

Bei Arcandor stehen volkswirtschaftlich noch viel weniger Jobs auf der Kippe, denn die Umsätze, die Arcandor im Moment macht, wandern halt in irgendeiner Form zur Konkurrenz, und bleiben (im Gegensatz zu Opel) fast vollständig in Deutschland erhalten.

Allerdings schreibt Du nach Opel und Arcandor noch ein “etc.”, und damit hast Du dann wahrscheinlich im Endeffekt doch Recht, denn da werden sicher noch eine ganze Reihe anderer Unternehmen folgen…

2 It's Magic 28. Mai 2009 um 16:19

Herr Lübberding,

vielleicht verstehen Sie die Symbolik nicht, weil im Westfälischen
Pfingsten auch nur so ein Feiertag ist, wo man Montag nicht zur
Arbeit braucht, aber versuchen Sie doch mal die folgende
Wortkette auf sich wirken zu lassen:

Pfingsten – Auferstehung – BK Merkel

Glauben Sie denn echt, sie würde den Erfolg dem BMWI, BMF oder gar Herrn Koch überlassen ?

Außerdem: “einen” Plan hat sie ja schon – im September.

Schönen Gruß

3 soldatenkoenig 28. Mai 2009 um 16:28

Ein extrem problematisches Thema ist auch das Treuhandmodell. Die Amerikaner lehnen dies ab, weil dies für sie zu rechtlichen Problemen führen kann. So einfach ist es es nämlich nicht, kurz vor Ultimo einen u.U. werthaltigen Bereich aus der Konkursmasse herauszulösen. Hierbei ist ausserdem zu berücksichtigen, dass amerikanische Pensionsfondsals Aktionäre stark bei GM engagiert sind. Es trifft also nicht nur Milliardäre sondern viele Rentner/Beschäftigte. Dies kann die Obama-Administration auch nicht so ohne weiteres wegwischen.

4 !ll! 28. Mai 2009 um 17:17

Die Marktbereinigung in der Autoindustrie ist überfällig. Leider nicht nur da. Die Landesbanken und ihre Anhängsel, sowie viele Unternehmen sind einfach nicht in der Lage die Übersättigung des Marktes durch KOstensenkungen zu kompensieren. Eine derart große umstrukturierung würde wohl etwas länger dauern als bis zur Bundestagswahl.
Ich habe das Gefühl die Weltwirtschaft wartet nur ab, bis wir diese Kasper wiedergewählt haben und steuert dann auf einen “echten” Tiefpunkt zu. Wenn die zwangsläufig notwendige Reinigungskriese nicht kommt, haben wir Jahrelang – wenn nicht Jahrzehnte – daran zu knabbern.
Zu hoffen bleibt nur, dass die Regierungen sich nicht auf den Schuldenabbau durch Geldentwertung – spricht Inflation – verständigen.

5 Michael 28. Mai 2009 um 17:34

Richtig ! Wo ist das Problem ? Die Opelhändler übernehmen 20 %, die betroffenen Länder 80 %. Die Bude wird an die Börse gebracht, die Länder haben ihre Anteile in den nächsten 10 Jahren auf 20 % zu reduzieren. Die Opels sind doch nur für VW / Ford lästige Konkurrenz, deshalb sondern die Meinungsmacher soviel Schwachsinn ab. Natürlich ist nicht einzusehen, dass “Investoren” den Laden und zusätzlich Geld geschenkt kriegen. Bei den Summen, die die sich vorstellen ist jede andere Lösung attraktiver. Eine Insolvenz muß nicht sein, wenn GM keine Forderungen hat. Wir müssen absolut nicht so haushalten, wie irgendwelche Eichels, Steinbrücks und Brünings. Nur so kriegt man jeden Staat ruiniert. Volltrottel, wollen VW-Arbeitsplätze in Osteuropa retten. Nix ist.

6 Alvar Hanso 28. Mai 2009 um 17:51

@!ll!
“Die Marktbereinigung in der Autoindustrie ist überfällig. Leider nicht nur da. Die Landesbanken und ihre Anhängsel, sowie viele Unternehmen sind einfach nicht in der Lage die Übersättigung des Marktes durch KOstensenkungen zu kompensieren”

Das Problem ist nur, um an unserem Wirtschaftsmodell festhalten zu können, also die Sache mit Wohlstand und Arbeitsplätze für alle und das ganze Gedöns, können wir uns eine echte Marktbereinigung gar nicht gesellschaftlich leisten.
“Uns” geht die kapitalistisch verwertbare Arbeit aus.
Das ist das Dilemma in dem wir stecken.
HAM und einige andere haben das umfänglich beschrieben…

7 Watawah 28. Mai 2009 um 18:02

@ Alvar Hanso # 6

Wohlstand für alle reicht doch – ich weiß, ich renne da bei einigen offene Türen ein.

Da ich wohl auch eine von den genannten “anderen” bin, finde ich, sollten wir aufpassen, daß nicht nur aus dem “Arbeitsplätze für alle” weiter auf “Wohlstand für alle” rückzuschließen wäre…

Das ist ja mitnichten so. Es ist nur in diesem Wirtschaftsmodell so.

“Wohlstand für alle” ginge bei unserer Produktivität gerade auch ohne marktwirtschaftlich verwertbare “Arbeitsplätze für alle” – und ich werde da gern zum Papagei, meinetwegen bis auch der Letzte die Logik erkennt. ;-)

8 Nanuk 28. Mai 2009 um 18:04

“Eine Region wie das Ruhrgebiet würde zum ökonomischen Notstandsgebiet.”

Hier ist schon seit 30 Jahren Notstand… :) die Opel Mitarbeiter können ja zu Nokia gehen…

http://www.youtube.com/watch?v=3tMwRiqKGpM

9 Watawah 28. Mai 2009 um 18:05

oder in den Osten gehen, gilt nicht mal als Notstandsgebiet…

10 Nanuk 28. Mai 2009 um 18:11

@Watawah

Im wilden Osten da ist es nicht anders als tief im Westen glaubs mir aber das hat so einen wunderbar morbiden Scharm… Ich glaube der würde mir wirklich fehlen.

11 Andreas Kreuz 28. Mai 2009 um 18:11

Nun lasst doch mal das Gezeter.

Wer arbeiten will, findet auch Arbeit. ;-)

12 Watawah 28. Mai 2009 um 18:17

LOL Andreas Kreuz

stimmt, die Sprüche laufen hier seit Jahren, man muß nur flexible, mobil und risikobereit sein… :-P

Macht nix – die Risikobereitschaft wird nun (leider auch dort) mit Nachdruck geübt.

@ Nanuk

Im Westen hattest Du aber wenigstens im Umkreis von 100 km eine kleine Chance – hier ist seit fast 20 Jahren fast nur “Opels”, aber nach der Abwicklung.

13 weissgarnix 28. Mai 2009 um 18:21

@Lübberding

Das stimmt so nicht ganz. Das Insolvenzrecht ist kein Konzernrecht, insoferne geht es um einzelne rechtliche Einheiten, und die haben sehr wohl Schulden – bei Mitarbeitern, Lieferanten, Sozialversicherungsanstalten, Steuerbehörden.

Falls die deutschen Opel-Units also zahlungsunfähig werden, müssen sie Insolvenz anmelden. Und ihr Schicksal ist dann – abhängig davon, welche weiteren Opel-Einheiten auch noch Insolvenz anmelden – entweder ein absolutes Standalone-Schicksal oder das eines rechtlichen Verbundes bzw tatsächlichen Konzerns. Letzteres aber nur, falls auch die Verwaltungsholdings Insolvenz anmelden, und die Verfahren zusammengelegt werden (was sehr wahrscheinlich wäre).

Wenn aber Opel einmal in der Insolvenz ist, dann hat niemand mehr was zu melden, die Amis nicht, GM nicht und Steinbrück, Merkel und Guttenberg auch nicht. Sondern dann schaltet und waltet nur noch der Insolvenzverwalter bzw die Gläubigerversammlung. Umsomehr, wenn GM auch in den USA pleite geht, von Eigentümerseite also keine wie immer geartete Lösung der deutschen Insolvenzen zu erwarten ist. Der Insolvenzverwalter entscheidet dann – wie du schon sagtest – nach der Fortführungsprognose. Gibt es die (was für den Gesamtverbund unwahrscheinlich ist) dann Hurra! Gibt es sie nicht, dann wird der Verbund in seine Teile zerlegt und bestmöglich verhökert.

Mein Take ist der, dass ausnahmslos ALLE am besten mit einer Insolvenz fahren würden, weil sie a) die potenzielle Fortführungslösung am schnellsten ans Licht bringt und auch am saubersten umsetzbar macht b) die amerikanischen Interessen absolut unberücksichtigt läßt und c) dem Steuerzahler nicht mehr an Kosten aufbürdet, als er ohnehin zu tragen hätte (i.e. über Arbeitslosenunterstützung).

Ich würde den Laden daher gestern als heute pleite gehen lassen.

14 Andreas Kreuz 28. Mai 2009 um 18:30

@wgn #13

>>Ich würde den Laden daher gestern als heute pleite gehen lassen.<<

Du willst ja auch nicht wieder-gewählt werden… ;-)

15 J.Kramer 28. Mai 2009 um 19:18

Die OPEL GmbH mag ja schuldenfrei sein, trotzdem bleibt GM Gesellschafter und Eigentümer dieser GmbH. Und GM wird Merkel und Co. was husten, wenn die an Patente und sonstiges werthaltige Vermögen ranwollen ohne fett Cash zu löhnen.

Merkel und Oberförster Vonundzu werden Geld locker machen, dass ganz gewiss in den USA “versickert”. :-)

16 J.Kramer 28. Mai 2009 um 19:20

Übrigens einen Gewinner der Krise gibt`s: Rechtsanwälte

17 Prüfer 28. Mai 2009 um 21:31

@thomas:
Du schreibst weiter oben:
“Wenn Opel tatsächlich den Betrieb einstellt, werden dadurch in Europa nicht weniger Autos verkauft. Sie werden nur von anderen Firmen hergestellt” Weiter unten schreibt “!!”: “Die Marktbereinigung ist überfällig.”
Genau da liegt das Problem: Die deutsche Autoindustrie hat in der Vergangenheit entschieden zuviele Autos produziert. Dadurch sind sie ja unter anderem in diese Absatzkrise reingerutscht.
Geht OPEL morgen pleite/in Insolvenz/verschwindet vom Markt, dann interessiert das die anderen Marken nur insoweit, daß sie die OPEL-Kunden aufsaugen. Aber wenn die Autoindustrie ihre Lektion gelernt hat (was ich nach Lage der Dinge ganz schwer bezweifle), dann produziert sie künftig weniger Autos wie bisher. Uner diesem Aspekt interessiert es kein Aas, ob OPEL morgen noch am Markt ist. Und eigentlich müßte derBundesthe genauso denken, wenn er nur einen Hauch von der Autobranche versteht. Wie WGN geschreiben hat: Pleite gehen lassen.
Da aber im Herbst Wahlen sind, kann der arme Kerl gar nicht anders… Er muß noch ein paar Monate warten bis zum Exitus.

18 ketzerisch 28. Mai 2009 um 22:31

@wgn #13

Das sehe ich auch so. Natürlich hat Opel Verbindlichkeiten. Pensionsverpflichtungen beispielsweise, Steuern, Lieferanten und die Mitarbeiter wollen sicher auch noch Löhne haben. Hätten die Assets aber keine Verpflichtungen, dann würden sie sogar in diesen Zeiten normale Bankkredite bekommen. Aber es sieht so aus, als ob sie auch die Assets nicht sicher haben. Jedenfalls hält sich die US-Regierung wohl den Rückgriff auf die Patente und Lizenzen offen. Das kann daher nicht als Kreditsicherheit herhalten.

Insolvenz ist die beste Option.

19 ebi 29. Mai 2009 um 01:58

Sind die Deutschen Politiker wirklich so dumm, oder glauben sie ihr Wahlvolk für so dumm verkaufen zu können?

Es wird im Augenblick Hase & Igel gespielt, ohne dass es der Deutsche Hase bemerkt:

Warum überträgt GM Patente & Rechte an die europäische Tocher? Weil sie das Know-How verschenken wollen? Wohl kaum.

GM läßt im Augenblick eine eigenständige europäische Tocher entstehnen, damit ein eigenständiger Schuldner mit GM als Gläubiger entsteht. Die Abhängigkeit, voher eine kaum nachzuvollziehende Verflechtung überkreuz, soll eine direkt (Einbahn-)Straße werden.

Opel wird in nächster Zukunft iliiquide sein. Von da an gibt es zwei Szenarien:

1. Der Bund springt ein und finanziert sowohl das operative Geschäft wie die Verbindlichkeiten, Überbrückungsgelder/-kredite etc. Mit diesen Geldern würden also auch die Verbindlichkeiten gegenüber der Mutter GM bedient werden: Deutsche Steuergelder würden also direkt nach Amerika fließen. Wird im Augenblick zwar noch bestritten, wäre in diesem Szenario aber unausweichlich. Opel würde also weiterexistieren, aber Mrd.-Kosten (für den Steuerzahler) verursachen, und ein Teil der Gelder würde in Amerika versickern. GM bekäme direkt Gelder aus Europa. Würde also indirekt für das ehemalige europäische Tochterunternehmen einen Verkaufserlös erzielen, und es nicht verschenken.

Oder:

2. Opel geht insolvent. Die Gläuberinteressen würden dann zuerst aus der Insolvenzmasse bedient werden, und das ist natürlich vor allem wer? Richtig, GM! Der Igel ist schon längst da!
Dann hätten die Amerikaner leichtes Spiel und freie Auswahl: Meiner Meinung nach, würden sie sich dann alle Patente & Rechte -und was sie sonst noch gebrauchen können- “für einen Appel und ein Ei” wieder holen – und den Rest “hol’ der Steuerzahler, eh, Teufel…ach, auch egal”.

Opel wäre Geschichte, für uns blieben dann die Standorte, die nichts mehr zu produzieren hätten und 25,000+ Arbeitslose mehr.

So oder so, es wird ein Fiasko.

20 Nanuk 29. Mai 2009 um 07:19

@ebi
Wenn Magna nicht ganz doof ist fusionieren die mit GM… da haben die Opelaner einen Investor gefunden und die Mutter schnap ihn vor der Nase weg… Opel geht in die Insolvenz und GM ist gerettet…

21 Thomas 29. Mai 2009 um 07:25

@wgx #13

Stimme völlig zu.

Zitat: “Wenn aber Opel einmal in der Insolvenz ist, dann hat niemand mehr was zu melden, die Amis nicht, GM nicht und Steinbrück, Merkel und Guttenberg auch nicht”

Da der Staat ja wahrscheinlich einknicken und in letzter Sekunde den gewünschten Brückenkredit bereitstellen wird, wird er damit bei einem späteren Scheitern der Investorsuche wohl zum größten Insolvenzgläubiger (mal abgesehen von den Pensionsrückstellungen). Und voila: Steinbrück, Merkel und Guttenberg kriegen via “Debtor in Possession” dann plötzlich das alleinige Sagen im VEB Opel…

22 soldatenkoenig 29. Mai 2009 um 08:39

Fiat steigt aus – hat wahrscheinlich festgestellt, dass der Kadaver zu viel Leichengift enthaelt.

23 südlicht 29. Mai 2009 um 10:20

Die Offerte von Fiat war meines Erachtens von Beginn an eine Totgeburt.

Aus meiner Sicht wäre die Insolvenz von Opel zumindest eine Option, und ich kann nicht nachvollziehen, wie man diesen Weg von vorneherein ausschließen kann (wie dies unser werter Herr Steinmeier tut).

Was mich allerdings bedenklich stimmt, ist die Tatsache, dass Opel schon vor Monaten die Kanzlei Wellensiek beauftragt hat.

Hier hätte ich mir eigentlich vorgestellt, dass DIE BUNDESREGIERUNG diese Kanzlei beauftragt, und nicht Opel/GM.

Insofern hatte GM genügend Zeit, die Weichen für eine aus deren Sicht “erfolgreiche” Insolvenz zu stellen.

Deshalb teile ich die Meinung von ebi#20: “Richtig, GM! Der Igel ist schon längst da!”

Der Dilletantismus der Regierung, mit dem die Bankenrettung vollzogen wurde, setzt sich bei der Rettung von Unternehmen aus dem Wirtschaftssektor fort. Grauenvoll….

Leave a Comment

You can use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>