In Menden ist etwas zu lernen!

von f.luebberding am 26. Mai 2009

Menden im Sauerland ist eine deutsche Mittelstadt. Mit etwa 60.000 Einwohnern findet man dort die typischen Stärken und Schwächen unserer Volkswirtschaft. Industriell geprägt von einem mittelständischen Global Player, sind in Menden schon heute die Auswirkungen des zukünftigen demografischen Wandels zu erkennen. Wie viele Mittelzentren leidet die Stadt unter dem Verfall seiner Funktion als regionales Dienstleistungszentrum. Leerstehende Immobilien in der Fußgängerzone prägen das Bild – und einer einfallslosen Kommunalpolitik fällt zu diesem Problem seit Jahren nichts Konstruktives ein. Stillstand lautet in Menden die Parole. Dazu kommt wohl die Kleinkariertheit lokaler Größen. Das wäre nun alles kein Thema für uns. Wen interessiert das schon – außer meiner Frau, einer gebürtigen Mendenerin? Aber die Sparkasse Menden ist ein leuchtendes Vorbild! An ihr kann man den Sinn von Regulierung deutlich machen – und die Vorzüge eines kleingliedrigen Bankensystems. Daher sollte sich etwa Josef Ackermann mit der Sparkasse Menden beschäftigen – und die Politik im fernen Berlin. In Menden ist etwas zu lernen!

Die Sparkasse Menden ist nämlich ein Beispiel für Inkompetenz in Verbindung mit krimineller Energie und schlichter Blödheit. Was war passiert? Die Sparkasse hat über einen externen Vermittler Kredite an Spätaussiedler vergeben. Die Kreditnehmer waren subprime, um es einmal so auszudrücken, dass es auch Josef Ackermann versteht. Sie konnten ihre Kredite nicht zurückzahlen – und die Sparkasse Menden hat Kreditmüll in Höhe von 30 Millionen Euro in der Bilanz stehen. Dazu kommen noch gescheiterte Gewerbefinanzierungen. Die Folge ist das Aufsichtsrelevante Schrumpfen des Eigenkapitals.  Anders formuliert:

Die Sparkasse ist Pleite und muss rekapitalisiert werden.

Entweder durch die Stadt Menden – oder die Fusion mit einer anderen Sparkasse. Warum übrigens die Stadt Menden aus Europarechtlichen Gründen diese Rekapitalisierung nicht vornehmen darf, ist kaum nachvollziehbar. Wichtig ist aber eine Erkenntnis: Die Folgen dieses Desasters sind begrenzt – im Kern trifft es die Dachorganisation der Sparkassen und die Stadt Menden.

Inkompetenz in Verbindung mit krimineller Energie und schlichter Blödheit führen also keineswegs immer zu systemischen Risiken auf den Weltfinanzmärkten – oder treiben gar ganze Volkswirtschaften an den Rand des Bankrotts. Der Grund ist einfach: Die Sparkasse hatte ihre Kreditrisiken nicht verbrieft und sie an Investoren – wie die West-LB – weitergereicht;  etwa mit Hilfe der cleveren Jungs der Deutschen Bank. Es gab auch keinen Anreiz, Inkompetenz in Verbindung mit krimineller Energie und schlichter Blödheit zur Funktionsbedingung unseres Finanzsystems zu machen. Dieser Fall aus Menden ist eigentlich eine Provinzposse, dummerweise war aber seine Logik zum Fundament des untergegangenen Finanzkapitalismus geworden. Menden war überall.

Daraus kann man mehrere Schlussfolgerungen ziehen:

1. Ein Finanzsystem muss so organisiert sein, dass die Folgen von Inkompetenz in Verbindung mit krimineller Energie und schlichter Blödheit begrenzt bleiben. Denn das wird es immer geben. Da muss man sich nichts vormachen. Übrigens keineswegs nur in Menden. Also müssen Risiken in den Bankbilanzen bleiben – und dürfen eben nicht verbrieft und verpackt werden.

2. Keine Bank darf allein wegen ihrer Größe zu einem systemischen Risiko werden, weil niemand vor Inkompetenz, krimineller Energie und Blödheit sicher sein kann. Da nutzt auch keine Bankenaufsicht. Sie kommt immer zu spät. Also gibt es für Großbanken als potentiell systemisches Risiko keine Existenzberechtigung.

3. Die rechtliche und politische Aufarbeitung ist auch nur unter dieser Voraussetzung möglich. In Menden ermittelt der Staatsanwalt gegen den externen Kreditvermittler und ehemalige Sparkassenangestellte. Es besteht der Verdacht des schweren Betruges. Gegen Investmentbanken wie die Deutsche Bank, die in den USA auf der gleichen Grundlage Anleihen für deutsche Investoren produzierten, wird bei uns nicht wegen des Verdachts des schweren Betruges ermittelt. Man kann also sagen, dass die Mendener Kreditvermittler nur einen Fehler gemacht haben – an der Wall Street nicht ihren Müll verbrieft zu haben.

Das sind drei gute Gründe, sich mit der Mendener Provinzposse zu beschäftigen. Sie ist lehrreich für die Zukunft unseres Finanzsystems. Lehrreicher auf jeden Fall als die Hauptversammlung der Deutschen Bank. Es sei denn, die Hauptversammlung beschließt heute die Auflösung der Bank in sozialverträgliche Einheiten.

Aber, so hört man, das sei nicht zu erwarten.

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1 Bernhard aus Frankfurt Mai 26, 2009 um 14:55

Hallo Frank,

rate mal, warum die Volksbank Frankfurt so ungehemmt wachsen konnte. Unter den Fusionspartnern dürften einige Leichen im Keller haben wie Deine Sparkasse.

Gibt es denn keine andere Sparkasse, die mit der in Menden fusioniert?

Gruß
Bernhard

2 Bernhard aus Frankfurt Mai 26, 2009 um 15:00

Es stellt sich die Frage einer neuen Finanz- und Wirtschaftsverfassung.

Und das mit der Bankengröße ist eine Scheindebatte. Aus kleinen werden irgendwann Große (der Faktor Zeit machts), so (Fusionspfad) oder so (Pleiten, Marktverdrängung).

Gruß

Bernhard

3 f.luebberding Mai 26, 2009 um 15:12

Bernhard

Das ist wohl in der Diskussion. Arnsberg-Sundern, Hagen, Iserlohn. Übrigens ist der Verweis auf Frankfurt interessant – auch wenn ich dazu konkret nichts sagen kann. Nur sind Schieflagen bei einzelnen Sparkassen bisher immer intern – und möglichst geräuschlos – beseitigt worden. Das ist in Menden jetzt anders – und hat vor allem damit zu tun, dass diese Affäre jetzt schon seit bald zwei Jahren in der Stadt diskutiert wird. Und es zeigt doch sehr gut, dass eine politische Debatte möglich ist, wenn die Strukturen stimmen.

Im Vergleich zum Soffin kann hier wohl durchaus von Transparenz die Rede sein. Das sollte man anerkennen.

P.S Ich habe zu dieser Sparkasse keine Beziehung.

4 Marcus Mai 26, 2009 um 15:16

“Also gibt es für Großbanken als potentiell systemisches Risiko keine Existenzberechtigung.”

Ratz-fatz. Respekt, Herr Lübberding! Ein einziges Argument reicht Ihnen für die Absage an die Existenzberechtigung von “Großbanken”. Nur – und diese Antwort bleiben Sie schuldig – wie groß ist “groß”? Wer legt das fest? Ich befürchte, derartige Ex ante-Festlegungen sind zum Scheitern verurteilt. Wie so manch anderes wirtschaftsplanerische Konzept…
Und als addendum noch die Frage, welche Heerscharen der künftigen ungefährlichen Winz-Banken Konsortialkredite im mehrstelligen Milliardenbereich stemmen sollen?

5 egghat Mai 26, 2009 um 15:23

Jaja, Blödheit wird es immer geben und den Rest auch. Buffet sagt mal: Ich kaufe nur Aktien von Firmen, die auch ein Idiot leiten kann. Denn früher oder später wird sie von einem Idioten geleitet werden.

Wenn die letzten Monate eines gezeigt haben: Der Kapitalismus ist darwinistisch. Auslesen durch Aussterben. Sobald Aussterben als Selektionskriterium wegfällt, degeneriert alles so Tolle am Kapitalismus in Nullkommanix komplett.

Übrigens kann man auch an der Evolution ablesen, dass Systeme, mit nur wenigen Beteiligten nicht funktionieren. Zum Überleben einer Art braucht es (ich hab’s nicht genau im Kopf, ist ein ziemlich neues Forschungsergebnis) mehrere Hunderte, wenn nicht gar Tausende Exemplare. Ansonsten gibt’s genetische Defekte. Das kann man durchaus auf die Bankenlandschaft projezieren …

Und @Marcus:

Eine Mindesteigenkapitalanforderung ist auch ein “wirtschaftsplanerisches Konzept”. Sollen wir das auch abschaffen?

6 froZ Mai 26, 2009 um 15:26

Als Berliner muß ich jetzt aber mal Patentschutz für die Marke “Inkompetenz in Verbindung mit krimineller Energie und schlichter Blödheit” reklamieren:

http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Bankenskandal

7 Marcus Mai 26, 2009 um 15:32

@egghat:
Mir schwant bei “Größe” leider immer eine absolute Maßzahl (Bilanzsumme, etc.)
Die “Mindesteigenkapitalanforderung” ist ein sauberes ordnungspolitisches Konzept, weil es dynamisch die Selbstbeteilung (=Haftung) am eingegangenen Risiko aufrecht erhält. “Wirtschaftsplanerisch” meinte in meinem Kommentar eher den Ansatz, konkret “optimale” Mengen, Größen und Bedarfe festlegen zu können.

8 f.luebberding Mai 26, 2009 um 15:44

Marcus

Die Festlegung von groß ist natürlich eine politische Entscheidung. Also Rockefellers Standard Oil war groß – und wurde zerschlagen. Über die späteren “Sieben Schwestern” kann man natürlich diskutieren … .

Die Deutsche Bank ist ohne Zweifel zu groß, wenn das Kriterium möglicher Systemrelevanz eine Rolle spielen soll. Allein das ist hier die Frage. Die Alternative ist übrigens die de facto Verstaatlichung der Bankrisiken wie wir das jetzt erlebt haben. Ist das besser? Zum Argument mit den Milliardenkrediten. Es gibt ja durchaus unterschiedliche Formen der Unternehmensfinanzierung. Warum man dafür unbedingt große Banken braucht, ist mir ein Rätsel. Wenn aber diese Banken notwendig sein sollten, ist es ausgeschlossen das Risiko zu verstaatlichen (wie es jetzt passiert ist) und ansonsten eine privatrechtliche Hülse übrig zu lassen. Also entweder das Risiko wird privatwirtschaftlich getragen oder die Banken verstaatlicht. So einfach ist das. Wenn man also die Vorteile eines privatwirtschaftlichen Bankensystems nutzen will, muss man für dieses Problem eine Antwort haben.

Froz

Diese Berliner Bankenpleite war übrigens lehrreich – für das Problem des Filzes.

9 Zykliker Mai 26, 2009 um 15:54

“wie groß ist “groß”?” und “…..Konsortialkredite im mehrstelligen Milliardenbereich stemmen sollen?”

berechtigte Fragen, die in einer öffentlichen politischen Debatte diskutiert werden könnten, auch z.B. die Frage, wie die “Wieder-Fusion” zerschlagener Groß-Unternehmen zu verhindern sei.

Es muß bei der aufgelaufenen Legitimationskrise der bisherigen Organisationsform des Wirtschaftens erlaubt sein, solche Überlegungen anzustellen.

Eine Zielsetzung solcher “small is beautiful”-Vorschläge sollte sein – neben dem Vermeiden systemischer Risiken:

Konzentration wirtschaftlicher Macht ist nicht im Interesse der Allgemeinheit, weil sie zu einseitiger Einkommens- und Vermögenskonzentration führt. Die Schattenseite dessen sind nicht nur die Unterhaltskosten für die Verlierer der Konzentration, sondern auch der tendenzielle Stillstand durch Strukturen, die zu viele daran hindern, ihre eigentlich gern erbrachten Leistungen auch zu vermarkten.

Mit kleineren Einheiten ist der Wettbewerb als wichtigstes Werkzeug der Marktwirtschaft eher gewährleistet als in den jetzigen Marktstrukturen. Wettbewerb, der auf Dauer funktioniert (eine Utopie, ich weiß, aber man sollte aus der Entwicklung der letzten Jahrzehnte halt mal was lernen und immer wieder darauf hinarbeiten!), limitiert die Erträge,begrenzt, besser: bremst die Konzentration, die Ungleichheit von Einkommen und Vermögen und damit die “Kollateralschäden” an den Verlierern; und kann zu Leistungen anstacheln, die ohne nicht unbedingt zu erwarten sind.

Soweit von mir die Idealvorstellung; die Debatte wird sicher Unmengen “ja, aber….” hervorbringen, auch solche, die ernst zu nehmen sind, z.B. “globalisierte Welt!!”

Ich nehme auch Gegenentwürfe ernst, die den Kapitalismus gleich “mit dem Bade” ausschütten, fürchte aber, daß damit die politische Debatte nicht in Gang kommen kann: (man kann ja “den Sack schlagen, aber den Esel meinen; wenn denn nur erst die “Zeit reif dafür ist….”).

10 Ekkehard Bartz Mai 26, 2009 um 15:56

Toll!
Ich bin zur Zeit Mieter einer von drei Wohnungen in Arnsberg-Hüsten, die seinerzeit völlig überteuert an einen Spätaussiedler aus Russland mit “Hilfe” der Mendener Spasskasse als “Anlageobjekte” auf 100%-iger Kreditbasis verkauft wurden. Ich kenne also die damals “üblichen Verdächtigen”!

Ich habe mal nachgerechnet:
Wenn ich mal die Zinsen gedanklich weglasse, müsste der Mann bei meiner monatlichen Kaltmiete, die ich derzeit zahle, etwa 30 Jahre warten, bis meine Wohnung abbezahlt ist. Ein Alptraum! Tolle Anlage!
Eine Nachbarwohnung, die ebenfalls meinem Vermieter gehört, steht schon seit längerer Zeit leer und bringt somit kein Geld ein.

Die Folge:
Der Mann ist seit geraumer Zeit zahlungsunfähig, die Wohnungen stehen vor der Zwangsversteigerung und meine Miete kassiert zur Zeit die Spasskasse Menden.
Ende offen! Keiner weiss, wie es weitergeht!

Das Schlimmste daran ist:
Alle Wohnungen bei uns im Hause wurden durch die Spasskasse Menden finanziert. Einige davon sind bereits schon zwangsversteigert worden und haben einen neuen Eigentümer. Durch die mittlerweile ziemlich verworrenen Eigentumsverhältnisse wird es zum Beispiel unserer Hausverwaltung, die ihren Sitz in Dortmund hat, teilweise unmöglich gemacht, uns die Eigentümer der Nachbarwohnungen zu nennen – etwa bei Beschwerden gegen einen Nachbarn, wenn man sich mit dem nicht einigen kann.
So kann die Kehrseite der Medallie aussehen, wenn Bänkster sich verzocken!

MfG.

11 staph.aureus Mai 26, 2009 um 16:22

@Ekkehard Bartz: in der Krise liegt deine Chance.
Zwangsversteigerung der Wohnung: günstige Kaufgelegenheit, statt Miete zu zahlen.
Wer hat denn damals die Wohnung verkauft ? Da scheint jemand ein gutes Geschäft gemacht zu haben.

Ansonsten: weiter so !
Umsonst bloggen, statt Zeitung zu kaufen.
Amazon empfehlen,statt den örtlichen Buchhändler.
DSL-Leitungen subventionieren, statt das örtliche Kaufhaus.
Onlinebanking bei der staatlich beschirmten Diba, statt bei der Spasskasse vor Ort.

Dann klappt´s auch mit dem Wachstum des Immobilienleerstandes.

12 unwissender Mai 26, 2009 um 16:31
13 ó-ò Mai 26, 2009 um 16:45

Könnte man die größe privater Banken nicht mithilfe des Kartellamtes regeln?
(bei Entsprechender rechtlicher Ausstattung selbstverständlich)

14 Ekkehard Bartz Mai 26, 2009 um 16:58

@staph.aureus: Ich würde ja meine Wohnung gerne kaufen, aber der AlgII-Regelsatz gibt das leider nicht her! ;-)

Das Haus gehörte bis ca. 1998 der Stadt Arnsberg und diente als Asylantenheim, ist dann von einem Mendener Bauträger, der in die späteren kriminellen Machenschaften massgeblich verwickelt war, aufgekauft und notdürftig renoviert worden. Später wurden die einzelnen Wohnungen mit Hilfe einer weiteren Mendener Firma, die die spätausgesiedelten Kunden “besorgt” hatte, und der Mendener Spasskasse als Anlageobjekte auf Kreditbasis (also ohne Eigenkapital) völlig überteuert verkauft. Als der Schwindel aufflog, gab es die beteiligten Firmen nicht mehr und die Verantwortlichen waren entweder pleite, oder über alle Berge. Sprich: Geld raffen und weg!

MfG.

15 f.luebberding Mai 26, 2009 um 17:06

Ekkehard Bartz

Schön, einmal einen Kommentator aus Arnsberg zu lesen. Da fühlt man sich doch gleich zu Hause.

Das Interessante an der Mendener Sparkasse ist übrigens die weitgehende Ignoranz gegenüber vorher lange bekannten Fällen. Also etwa bei der Immobilienbude Hypobank.

http://www.zeit.de/2002/14/Abrechnung_am_9_April?page=all

In Menden sind diese dubiosen Finanzierungen noch zu einem Zeitpunkt gelaufen als selbst im Tal der Ahnungslosen jeder skeptisch geworden wäre.

http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?titel=Bankraub+mit+anderen+Mitteln&id=55410954&top=SPIEGEL&suchbegriff=menden+sparkasse&quellen=&qcrubrik=artikel

Der damalige Sparkassenvorstand will das aber alles gar nicht gewusst haben. Es hat halt das Risikomanagement versagt … . Ansonsten sollte man eine Wohnung kaufen, wenn man dort wirklich wohnen bleiben will.

Staph.aureus

Ja, das ist das Problem der Mittelzentren. Die Untreue mancher ihrer Mitbürger. Sie beklagen zwar das unzureichende Angebot vor Ort, aber kommen auch nicht auf die Idee, dieses Angebot zu nutzen, selbst wenn es vorhanden ist. Das ist wie mit dem Fernsehen. Dort wird wortreich der Sendemüll beklagt, nur die interessante Arte Dokumentation über das Liebesleben von Investmentbankern unter besonderer Berücksichtigung der Gelhaltigkeit von des Bankers Haarpracht wird nicht gesehen … .

Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass solche Dokumentationen gar nicht laufen.

16 HAM Mai 26, 2009 um 17:11

Den angeführten konkreten Fall will ich ausklammern, da ich keine Details kenne.

Das Geschäftsmodell ist doch bekannt:

1. Überteuerte Immobilienpreise = hohe Profite für das Bauunternehmen

2. hohe Provisionen an Kreditvermittler, Makler etc.

3. kreative Wirtschaftlichkeitsberechnungen, um Käufer zu täuschen

4. 100%-Finanzierung der Bank/Sparkasse an Käufer mit unzureichender Bonität

5. Kick-back von 1.) und 2.) an die Leitung/Mitarbeiter des Kreditinstitutes

Übrigens:

Wie viele leichtgläubige Menschen hat man in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung durch Kreditvergabe verarmt?

Der Witz ist doch, dass für das o. g. Beispiel schon ein entsprechender gesetzlicher Schutz des Kreditnehmers ausreichen würde (z.B. Beweispflichtumkehr bei Beratungen, strenge Kreditvergabebedingungen etc.), um so etwas zu verhindern.

Die Schweiz z.B. hat viel strengere Kreditvergabevorschriften.

So ist die Kreditvergabe verboten, falls sie zu Überschuldung führt.

Dem Betrug mit Verbriefungen würde ein strenges Haftungs- und Strafrecht gegenüber dem Verkäufer und den beteiligten Ratingagenturen ein Ende setzen.

17 Michael Mai 26, 2009 um 18:30

Aus dem Leben der geplagten Bankiers

Ein kleiner Junge beobachtet einen Banker bei der Arbeit. Eine halbe Stunde, eine Stunde, eineinhalb Stunden vergehen. Dem Banker fällt des auf. Nach zwei Stunden geht er zu dem Jungen und fragt: “Na, willst Du auch einmal Bankkaufmann werden?”
“Nein, ich nicht…”antwortet der Junge,” aber mein Bruder, das faule Schwein.”

Der neue Azubi steht ratlos vor dem Reißwolf.
“Kann ich helfen ?”, fragt eine freundliche Kollegin.
“Ja, wie funktioniert das Ding hier ?”
- “Ganz einfach”, sagt sie, nimmt die dicke Mappe und steckt sie in die Maschine.
“Danke”, lächelt der Azubi erleichtert, “und wo kommen die Kopien raus?…”

Wie behandeln Banker ihre Kunden?
-Wie rohe Eier
Und wie behandelt man rohe Eier?
-Man haut sie in die Pfanne!

Ein Anleger kommt zur Bank und möchte für DM 1000 Schatzbriefe kaufen:
“Was passiert, wenn die Bank pleite macht?”
“Dann ist immer noch die Bundesbank da.”
“Und wenn die Bundesbank pleite macht?”
“Dann ist immer noch die Regierung da”
“Und wenn die Regierung pleite macht?
“Das müßte Ihnen doch ein Tausender wert sein.”

Wo endet der Aberglaube bei den Bankern schlagartig?
Beim dreizehnten Monatsgehalt!

Sparkassenkunde in Menden:
“Meinen Berater möchte ich sprechen.”
“Der ist leider nicht da.”
“Aber ich habe ihn doch durchs Fenster gesehen!”
“Kann sein. Aber er hat Sie zuerst gesehen

“Wo steckt eigentlich die Bilanzabteilung?”
“Auf der Rennbahn”
“Was? Während der Bürozeit?”
“Das ist die einzige Möglichkeit, die Bücher wieder in Ordnung zu bringen

Was hat die Arbeit bei einer Bank und der Mafia gemeinsam?
Es geht immer um viel Geld, es geht immer um fremdes Geld, man läuft immer im Anzug durch die Gegend, und wer mit den Behörden spricht, sollte sich auf Arbeit besser nicht mehr sehen lassen.

Zwei Bankdirektoren unterhalten sich.
Sagt der erste: “Wir sind so reich, das? wir die ganze Welt kaufen könnten.”
Daraufhin sagt der andere: “Aber wir wollen sie nicht verkaufen…”

Was ist für einen Banker wirklich ein schwarzer Freitag?
Wenn auf Leitung eins die Steuerfahndung, auf Leitung zwei die Börsenaufsicht und auf Leitung 3 der Scheidungsanwalt seiner Frau ist.

Der Besucher betritt die Sparkasse in Menden und sagt:
“Kann ich den Chef sprechen?”
“Leider nicht”, erwidert die Sekretärin. “Er mußte aufs Gericht.” – “Und wann wird er wiederkommen?”
- “Der Prokurist meint, so in ein bis zwei Jahren”

”Sie haben 10 Jahre bei der Sparkasse gearbeitet. Warum haben Sie nach so langer Zeit dort aufgehört?” “Man hat mich begnadigt.”

Hilmar Kopper ist in den Himmel aufgefahren und bekommt seine Wolke zugewiesen. Leider muß er feststellen, daß er diese mit Herrn Schneider teilen muß. Das ärgert ihn um so mehr, als er auf einer anderen Wolke seinen besten Freund Prof.Wenger mit der gesamten Baywatch-Crew sieht.
Auf seine Beschwerde beruhigt ihn der Engel:
“Bedenken Sie doch, das ist deren Strafe.”

18 hacedeca Mai 26, 2009 um 18:37

@13

“Könnte man die größe privater Banken nicht mithilfe des Kartellamtes regeln?”

Nur global! Und das ist ja der Punkt! Wir leben in der Globalisierung, wird ständig behauptet.

Auch Nokia z.B. ist ob seiner Größe ein “systemisches Risiko” für Finnland! Wenn die mal Bankerott machen…

VW ist ein systemisches Risiko für Norddeutschland, der Daimler für Baden-Württemberg, BMW und Audi… usw., usf.

Diese Diskussion um die Größe der Banken ist letztendlich nur ein schwacher Versuch, die Komplexität der modernen Wirtschaft künstlich zu reduzieren.

19 HAM Mai 26, 2009 um 18:53

@hacedeca #18
„Diese Diskussion um die Größe der Banken ist letztendlich nur ein schwacher Versuch, die Komplexität der modernen Wirtschaft künstlich zu reduzieren.“

Zustimmung!

Konzentration, Zentralisation und Globalisierung der Kapitale sind Ausdruck der Entwicklung des Systems der Arbeitsteilung auf Weltebene.

Insofern stellt sich die Frage, ob „Verkleinerungsüberlegeungen“ nicht eine Art „Maschinenstürmerei“ darstellen.

Im übrigen bin ich froh, dass der Kapitalismus „systemische Risiken“ produziert. Ansonsten könnte dieses menschenfeindliche System noch bis in alle Ewigkeit laufen.
:-D

20 spiritformoney Mai 26, 2009 um 18:55

Ja eine Geschichte aus der Provinz. Auch in Menden hatten sie (die Monopolyspieler) vernommen, dass es nur mehr um den eigenen schnellen Profit gehen soll. Die Zeit des wirtschaftens und des ermöglichen von sinnvoller Unternehmenstätigkeit – war einfach vorbei. Damit war kein Geld mehr zu verdienen. Oder nicht so viel wie die Anderen, die Vorbilder von DeuBa und Co…. sich erschafften.
Nur es ist daraus nichts zu lernen. Für wen denn. Und wer will denn lernen. Die kommende Welt kann nur (für Finanz-irgendwas) schlechter sein. Nein mit Kontrolle und Verantwortung, Regulierung und Schrumpfung – das macht doch keinen Spass mehr.
Die Großen zocken fröhlich weiter. Es gibt immer zu verdienen. Und ein heftiger kurzer Einbruch ermöglicht dann wieder über längere Zeit steigende Erträge. Von Quartal zu Quartal.
@HAM
Ja es wäre recht einfach solch betrügerische Aktivitäten zu verhindern. Es ist nicht gewollt. Bsp. Ratingagenturen die ja zu einem nicht geringen Teil die stattfindente (wird erst noch heftig) Finanzkrise verursachten, mit ihren Gefälligkeitsratings. Werden die reguliert oder ersetzt? Wer soll das wollen und durchsetzen?
In USA gibt es keine wirkliche Trennung von Finanzoligarchie und Regierung. Auch nicht seit Obama. Nur Scheingefechte für die Dummen. Diese Krise ist gewollt. Hat jemand vom Bilderbergertreffen letzte Woche in den Medien gelesen? Warum nicht?

21 martinsgarten Mai 26, 2009 um 18:59

@ marcus
wie groß ist “groß”?

das für mich ganz einfach – ZU groß ist man, wenn das Risiko das System auf die Bretter hauen kann.
wie z.B die DB – die für mich praktisch pleite ist.
ABER – psssst – Mund halten !

Beispiel gefällig – von gestern !

25.05.2009, 17:01 Uhr
Deutsche Bank wirbt für ihren ersten Pfandbrief
Die Deutsche Bank will in Kürze ihren ersten Pfandbrief auf den Markt bringen. Am Montag startete das führende deutsche Geldhaus eine einwöchige Werbetour bei Investoren in den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz.
Das Geldhaus hofft, sich durch den Pfandbrief billiger refinanzieren zu können.

…Insgesamt will die Bank in diesem Jahr zwei Mrd. Euro über Pfandbriefe einsammeln – immerhin ein Achtel ihres gesamten Refinanzierungsbedarf an den Kapitalmärkten. Laut Präsentation hat die Bank bereits acht Mrd. Euro über andere Papiere erhalten

2 Mrd sind ein Achtel – so, so.
Man braucht also 16 Mrd (mindestens ?)
Was ist los Joe, wird im Spielcasino die Kohle knapp
Kann es vielleicht sein Joe, das bei vorsichtiger kaufmännischer Bilanzierung das EK schon unter der Wasserlinie liegt ?
Der Pfandbrief wird aus meiner Sicht ein Junk-Bond.
Ich würde auch bei 10% Zins das Teil nicht anfassen.

…Die zu Grunde liegenden Hypotheken kommen zu fast 85 Prozent aus Deutschland…

Was für Hypotheken den Joe – worauf ?
Was gehört dir den ?
Was willst du den beleihen ?

22 f.luebberding Mai 26, 2009 um 19:06

ham

Exakt – und der Hinweis auf Ostdeutschland ist mehr als berechtigt. Nur lösten diese Abzockereien keine größeren Krisen aus – dafür brauchte man den Brandbeschleuniger im Anleihemarkt. Der Mendener Fall interessiert mich genau aus dem Grund – weil hier eben alles genauso war wie bei den Immo-Finanzierungen in den USA. Nur blieb das Risiko bei der Sparkasse hängen – und darauf kommt es eben an.

hacedeca

Natürlich gibt es die überragende Bedeutung einzelner Unternehmen – für Regionen und sogar Staaten. Wenn Nokia in Finnland baden geht, wird das aber außerhalb Finnlands kaum jemanden jucken. Wenn Porsche sich an seinen Optionen verschluckt, ist das schlecht für die Familien Porsche und Piech, für Herrn Oettingers Ländle und natürlich für Uwe Hück. Ansonsten halten sich die Auswirkungen durchaus in Grenzen. Mit Porsche würde schließlich die Autoindustrie nicht untergehen.

Im Bankensystem ist das aus uns allen bekannten Gründen anders. Das Argument mit der Globalisierung passt übrigens nicht. Das setzt nämlich voraus, dass diese Monsterbank Strukturen ala ehemalige Citi per se wettbewerbsfähiger sind als kleinteilige. Das wäre noch zu beweisen. Was immer vergessen wird: Ackermanns Umbau der Deuba zur Investmentbank geschah nur aus einem Grund. Er fürchtete bei einem dauerhaft niedrigen Aktienkurs der Bank eine feindliche Übernahme. Diesen Versuch hat es nie gegeben, trotz schlapper Aktien Performance. Globalisierung bedeutete eben nicht Effizienz, das war Propaganda, sondern das Heulen mit den Wölfen.

23 hacedeca Mai 26, 2009 um 19:08

OT, aber lustig:

Neben der Bankenverkleinerung ist ja die Erhöhung der Steuern für die Reichen DAS Lieblingsthema dieses Blogs, wenn er nach links ausschert. Dazu:

Der amerikanische Bundesstaat Maryland hat das versucht. Und die Millionäre hauen einfach ab. Geht in Amerika recht einfach:

“Christopher Summers, president of the Maryland Public Policy Institute, notes: “Marylanders with high incomes typically own second homes in tax friendlier states like Florida, Delaware, South Carolina and Virginia. So it’s easy for them to change their residency.”

“Instead of the state coffers gaining the extra $106 million the politicians predicted, millionaires paid $100 million less in taxes than they did last year — even at higher rates.”

“All of this means that the burden of paying for bloated government in Annapolis will fall on the middle class.”
http://www.liveleak.com/view?i=6aa_1243356179

Howard Hughes übrigens, zu seinen Zeiten der reichste Mann der Welt, zog alle paar Monate um. So hat er keinen ständigen Wohnsitz und mußte also *nirgendwo* direkte Einkommenssteuern zahlen. Jet Set halt…

Da muß die steinbrücksche Kavallerie aber ganz schön reiten, um da hinterher zu kommen.

24 weissgarnix Mai 26, 2009 um 19:16

Nur Kurz ein Literaturtipp zum Thema, aus meinem autodidaktischen Luhmann-Selbsterfahrungstrip:

Dirk Baecker, “Womit handeln Banken?” – nicht soooo leicht zu lesen, aber machbar, und passt auf Menden, Deutsche Bank und Co. wie die sprichwörtliche Faust auf’s Auge.

25 hacedeca Mai 26, 2009 um 19:18

@luebberding

“Im Bankensystem ist das aus uns allen bekannten Gründen anders.”

Der Beweis, dass Deutschland ohne die Deutsche Bank zusammenbrechen würde, fehlt mir aber. Selbiges gilt für die amerikanischen Banken! Ohne Lehman Brothers und Bear Stearns geht es doch auch – offensichtlich!

Nur weil Marx vergessen hat, über die Metaebene des Kapitalismus zu schreiben – das Finanzwesen, erstarrt doch jetzt die meinungspressende Öffentlichkeit (Jedenfalls ist das meine Theorie…).

Dabei bestehen Banken nur aus ein paar Computern in gemieteten Büroräumen. Was soll denn da so schwer abzuwickeln sein? Deutschland hat vor 20 Jahren einen gesamten Staat abgewickelt.

Apropos: Was ist eigentlich aus den ganzen Transparenz-Initiativen bzgl. der Banken geworden? Eben!

Auch die Sparkasse kann ja außerbilanzielle Vehikel sich aufbauen. Von der Größe hängt das nicht ab. Also: First Things First!

26 Michael Mai 26, 2009 um 20:28

Die Rezession

Es war einmal ein Mann in Amerika, der wohnte an einer Überlandstraße und verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Hot-Dogs am Straßenrand.

Seine Ohren waren nicht so gut, darum hörte er nie Radio. Seine Augen waren nicht so gut, darum las er nie Zeitung. Gut aber waren seine Hot-Dogs, die er verkaufte und er stellte Schilder an die Straße, um dies der Welt mitzuteilen. Auch stand er selbst an der Straße und rief: “Ein Hot-Dog gefällig?” Und immer mehr Leute kauften bei ihm.

Er erhöhte seine Bestellung für Würstchen und Brötchen. Er kaufte sich einen größeren Ofen, um mit dem Geschäft Schritt zu halten. Schließlich brauchte er einen Helfer und holte seinen Sohn vom College zurück. Und folgendes geschah:

Der Sohn sagte: “Vater, hast Du denn nicht im Radio gehört? Hast Du denn nicht in der Zeitung gelesen? Wir haben eine riesige Rezession! In Europa ist die Lage schlimm. Bei uns in Amerika ist sie noch schlimmer. Alles geht vor die Hunde.” Worauf sich der Vater sagte: “Mein Sohn war auf dem College. Er liest Zeitung und hört Radio. Er wird es ja wohl wissen.”

Daraufhin reduzierte er seine Bestellungen für Würstchen und Brötchen, nahm seine Reklameschilder herein und sparte sich die Mühe, sich selbst an die Straße zu stellen und seine Hot-Dogs anzupreisen. Und praktisch über Nacht brach sein Geschäft zusammen.

“Du hast recht mein Junge”, sagte der Vater zum Sohn, “wir befinden uns wirklich in einer gewaltigen Rezession.”

(Aus der New York Times, 1992)

27 Zykliker Mai 26, 2009 um 21:03

“Im übrigen bin ich froh, dass der Kapitalismus „systemische Risiken“ produziert. Ansonsten könnte dieses menschenfeindliche System noch bis in alle Ewigkeit laufen.”

Schade, daß die Klugen keinen Zugang zur Gestaltungsmacht haben, und die Mächtigen nur mittelmäßig klug sind, weshalb sie ja dann, wenn sie versuchen, klugen Rat in die Tat umzusetzen, nicht das erreichen, was geraten war.

Der Klugmensch als Anti-Mephisto: “Ich bin der Geist, der stets das Gute will, und doch ……..”?

So bleibt dem Klugen nur, auf die Katastrophe zu warten wie der Gläubige auf den Jüngsten Tag (“sehet, ich hatte doch recht, ihr Ungläubigen, und für die Verheißung des Paradieses waren die Opfer nicht zu groß?”) und dem mittelmäßigen bleibt das Weiterwursteln.

Und so lebten sie verbittert und in ihrem Recht bis ….

28 Robert Mai 26, 2009 um 21:11

Warum wird die Größendebatte (fast) auf Banken beschränkt? “Wer finanziert dann Volkswagen” und wer stemmt “Konsortialkredite im mehrstelligen Milliardenbereich”?

Das heißt mit anderen Worten: diese Mega-Finanzierungen sind ungeprüft nützlich und notwendig, ihr Ausbleiben eine Katastrophe?

Beispiel Auto: begünstigt der Einfluß der Konzerne neue Konzepte oder verlangsamt er diese?

Beispiel Lebensmittel: viele Produkte der Lebensmittelindustrie darf man ohne Risiko einer Verleumdungsklage als Gift bezeichnen. Wer braucht Lebensmittelkonzerne, die Ungenießbares herstellen und nebenbei sämtliche Märkte unter Kontrolle haben?

Beispiel Krankenkassen: “warum braucht man 300 gesetzliche Krankenkassen” liest man häufig. Warum nicht? Drei wären besser? Warum nicht 10.000? Wo ist der Beweis, dass das besser oder schlechter läuft?

Globalisierung ist kein Gegenargument. Das Internet ist ein sehr gutes Beispiel, dass kleinteilige Systeme sehr gut global funktionieren können.

Wie würde “Internet” aussehen, wenn ein paar Konzerne Idee, Entwicklung, Betrieb und Vermarktung unter Kontrolle hätte, womöglich von Beginn an? Wie BTX?

29 Lesefuchs Mai 26, 2009 um 21:14

Irgendjemand schrieb was von “Globalisierung und internationaler Arbeitsteilung”.
Nun bin ich kein Ökonom, nur wirtschaftlich und politisch sehr interessiert.
Arbeitsteilung ist für mich, dass der das und der das macht, weil der das und der das besser kann.
Aus meiner Sicht erfolgte der Ruf nach “Globalisierung und internationaler Arbeitsteilung” erst nachdem die Renditen im Inland nicht mehr ausreichten, da die Realwirtschaft nur 2-3% erwirtschaftet hatte.
Wenn es denn mal “internationale ArbeitsTEILUNG” wäre.
Was liest man auf Spielzeug, Schuhen, Bekleidung…..
Made in China
Made in Indonesia
Made in India
usw…….
Arbeit wird dorthin geschoben wo sie billig ist. Gewinne werden dorthin verschoben wo die Steuern niedrig sind und Verluste werden dorthin geschoben wo die Steuern hoch sind!
DIESE “Globalisierung und internationale Arbeitsteilung”dient nur einem Zweck – Mehr Geld für immer weniger Menschen!
Die Arbeiter weltweit “dürfen” in Konkurenz treten und sich gegenseitig kaputtwirtschaften.
Wirkliche “Globalisierung und internationale Arbeitsteilung” wird es erst geben, wenn weltweit die Löhne, die Steuern und Kosten gleich sind. Aber braucht man dann noch die “Globalisierung und internationale Arbeitsteilung”?
Wohl kaum !

30 froZ Mai 26, 2009 um 21:56

@ F. Lübberding #15

Der erste Link zur “Zeit” gibt einem wenigstens ein bißchen den Glauben an das europäische Recht zurück. Irgendeine positive Erkenntnis muß es ja geben am Ende des Tages.

Ansonsten sollten Haustürgeschäfte sowieso verfemt sein. Wenn ich solche Gestalten bei mir vor der Tür erblicke, gebe ich ihnen für gewöhnlich noch einen symbolischen A…tritt mit auf den Weg. Es sei denn, sie sind weiblich und besonders charmant, dann bleibt es bei einer höflichen Ablehnung.

Warum Rußlanddeutsche besonders anfällig für so etwas sind, ist auch klar. In den Zeiten der deflationären Barter-Ökonomie der späten 90-er Jahre fand ein großer Teil der Markt-Transaktionen dort auf der Ebene persönlicher Netzwerke statt (nicht zuletzt blühte auch der Strukturvertrieb in jener Zeit auf). Das war eine Art Anpassungsreaktion an eine wirtschaftliche Extremsituation, die dann in der sprachlich und rechtlich fremden und unverständlichen neuen Heimat wieder auflebte.

31 Nanuk Mai 26, 2009 um 22:46

@Marcus
“Und als addendum noch die Frage, welche Heerscharen der künftigen ungefährlichen Winz-Banken Konsortialkredite im mehrstelligen Milliardenbereich stemmen sollen?”

Die Frage ist welcher grenzdebile Volltrottel vergiebt überhaupt Kredite mehrstelligem Milliardenbereich? Wenn man für irgend etwas einen Kredit in dieser höhe benötigt ist man entweder Pleite oder ein Betrüger…

32 froZ Mai 26, 2009 um 23:07

@ Nanuk

Na, wenn ich mich recht erinnere, willst Du doch auch den Rußlandhandel ausweiten und Maschinen gegen Erdgas tauschen. Dafür wird es wohl Investitionen in Pipelines oder – die vermutlich zukunftsträchtigere Variante – Flüssiggasterminals geben müssen: große und teure Projekte, die sich erst nach langer Zeit amortisieren: also klassische Beispiele für Konsortialkredite.

Wobei ich Frank Lübberdings Meinung im Prinzip teile: Privatwirtschaftliche Unternehmen müssen grundsätzlich insolvent werden können. Was anerkanntermaßen nicht insolvent sein darf, das darf dann eben auch nicht privatwirtschaftlich sein.

33 ~ hAlBgOtT ~ Mai 26, 2009 um 23:20

@wgnXXX

“Keine Faxen, ich meine das Ernst: die Urschuld besteht im 1) selbstversorgerischen Clan genauso wie in der 2) Feudal- als auch der 3) Marktwirtschaft. Frage: wie könnte sie dann den Übergang von 1) nach 2) oder 3) erklären?”

http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=103028

=> … aber HALLLOOOO ??? !!

=> … wgnX, versuchst du es jetzt auf deine alten Tage, DOCH noch mal mit … LOGIK …. ??

=> … LOGIK … is’ ‘ne echt cooole Sache !! … die funzt !! … mit LOGIK … wären solche peinlich-dadaistischen Verschwörungstheorien wie der “Debitismus” … nie passiert :-) ))

=> … wäre ja erfreulich, wenn mein 1,5 jähriger *ehrenamtlicher* Nachhilfe-Unterricht hier doch nicht völlig in der Wüste versickert wäre …

Retroliberale Grüsse,
~ hAlBgOtT ~

PS:

… ich habe dich eigentlich genug gelehrt, dass du deinen debitistischen Lehrmeister mittlerweile SELBST in Gänze widerlegen können müsstest …

… aber seid büdde so nett und nennt die “Urschuld” wieder “Bedürfnisse” oder “Knappheit” !!!

===> … euer debitistisches Leugnen der Knappheit und das behelfsmässige, schwer havarierte Umschwurbeln von “Bedürfnissen/Knappheit” in “Urschuld” ist genauso zielführend, wie die Nominalreform der kackdämlichen Schröder-Sozis, die aus dem “Arbeitsamt” eine “Agentur für Arbeit” gemacht hat …

34 Alvar Hanso Mai 27, 2009 um 02:09

@ marcus
“wie groß ist “groß”?”

Spätestens dann wenn das Unternehmen anfängt Lobbyisten nach Berlin zu schicken und sich mit Dingen beschäftigt für die es – in einer arbeitsteiligen Gesellschaft – nicht zuständig ist.

Ernsthaft:
Ordnungspolitisch gäbe es da doch zahlreiche Möglichkeiten, wenn ich nicht mit der ordungspolitischen Panzerfaust direkt Konzerne zerschlagen will, kann ich immernoch mittels Fiskal- oder Arbeitsmarktpolitik Big Business so unattraktiv machen das die Unternehmenseigentümer freiwillig auf derartiges “mit den Wölfen heulen” oder schlicht Schwanzvergleiche des Managments – das ist ja sicher nicht unwesentlich, siehe die Kfz-Industrie-Fusionen oder die Glaspaläste der Banken, verzichten und sich auf ihre eigentlichen Aufgaben begrenzen.

Und wenn man gerade dabei ist, kann man sich auch mal den Aufwendungen für Werbung bzw. Manipulation widmen…kann ja nicht sein das es für Unternehmen interessanter ist in PR und Marketing zu investieren als in ihre eigentlichen Produkte.

Auch damit könnte Big Business unattraktiver gemacht werden, indem z.B. der Werbeetat nur einen bestimmten Prozentsatz der Bilanzsumme erhalten darf, welcher mit zunehmender Bilanzsumme geringer wird.
Muss der Staat nur aufpassen das Kunst & Kultur nicht hinten runter fallen…

35 egghat Mai 27, 2009 um 09:49

@Marcus (#7)

Eigenkapitalanforderungen sollen die Pleite verhindern. Was wenn das nicht greift? Fusion (dann haben wir in 30 Jahren wieder nur große Banken)? Staatsrettung (dann haben wir wieder Moral Hazard)? Gemeinschaftliches Rettungssystem (funktioniert nur bei vielen kleinen

Maximalgrößen verhindern die (dominoartigen) Auswirkungen einer Pleite.

Ich bin der Meinung, dass Wettbewerb nur funktioniert, wenn der schlechte Teilnehmer ausscheidet. Wie will man das erreichen, ohne eine Maximalgröße von Banken vorzuschreiben?

36 EuroOptimist Mai 27, 2009 um 10:19

@ Bernhard aus Frankfurt #2, egghat #5
“Und das mit der Bankengröße ist eine Scheindebatte. Aus kleinen werden irgendwann Große…”
“Übrigens kann man auch an der Evolution ablesen, dass Systeme, mit nur wenigen Beteiligten nicht funktionieren.”
Das sind die interessanten Punkte, denn die kleinen werden größer und weniger. Wenn man das naiv betrachtet, bleibt am Schluss immer nur eine Bank übrig, die Alpträume verursacht. Naiv ist daran die Vorstellung, dass der Prozess ohne tiefe Brüche und Neuerungen und vor allem ohne Neugründungen abläuft.
Wäre es unter diesem Blickwinkel nicht sinnvoller gewesen, wenn der Staat die schlimmsten Mistbanken (mir fallen da so die Namen IKB und HRE und einige Landesbanken ein) hätte pleite gehen lassen und seine Mittel eher für Neugründungen oder mindestens für Neueinlagen seiner Bürger ausgegeben hätte?
Wie wäre es gewesen, wenn der Staat seinen Bürgern zur Krisenbekämpfung folgendes Angebot gemacht hätte:
- jeder Bürger bekommt das Geld gutgeschrieben, das sonst für Bankenrettungen verschwendet worden wäre
- er kann es aber nicht sofort ausgeben, sondern kann nur eine Bank auswählen, der er es als Einlage (Anleihe oder Eigenkapital?) zur Verfügung stellt.
- die Einlage wird dann in 5 Jahrestranchen frei, so dass er sie einer anderen Bank zu denselben Bedingungen leihen oder eben ausgeben kann.

37 Zecke Mai 27, 2009 um 11:17

“Wie wäre es gewesen, wenn der Staat seinen Bürgern zur Krisenbekämpfung folgendes Angebot gemacht hätte:”

Milchmädchenrechnung. Da besteht faktisch kein Unterschied zur derzeitigen Verfahrensweise.

Die EINZIG vernünftige Lösung bietet das Good Bank Konzept, auch wenn ich mich hier ständig wiederhole. Statt Bankenrettung Kapitalisierung der Good Banks in der Hand des Staates.

Zusätzliche Gelder, wie von Weissgarnix vorgeschlagen, nur für die Stützung der Sozialsysteme. Und nicht für Opel, Continental, Karstadt… und den Kiosk von Hans Maier.

Es gibt KEINE Systemrelevanz. Das ist eine Erfindung, Märchen, Lüge…je nachdem wie drastisch man es ausdrücken möchte. Wir brauchen die Realisierung von Verlusten. Es muss doch wenigstens eine kleine Möglichkeit für die Banken geben, Verluste zu machen.

Im Kapitalismus sind alle Unternehmen zu Gewinnen VERPFLICHTET, sonst scheiden sie aus, das schließt das RECHT auf Verluste ein. Als Konkurrent von Opel, Commerzbank, usw würde ich auf dieses RECHT, das Verluste realisiert werden, bestehen.

Damit erübrigt sich auch die Frage nach der “Größe”. Und wenn es Millionen kleiner Banken gäbe, wie diese Sparkasse, die alle das gleiche Geschäftsmodell verfolgen, weil alle im Wettbewerb stehen, safety margins reduzieren, Beleihungsgrenzen über dem aktuellen Pfandwert ansetzen, EK hebeln mit Faktor 50 …dann haben wir halt statt 20 großen Pleitebanken 20 Millionen kleine Pleitebanken, also viel administrativer Aufwand bei der Gründung von 20 Millionen kleinen Good Banks.

Jede Wette: Wenn wir 20 Millionen kleiner Pleitebanken hätten, würden alle Konsoldierung fordern.

Der einzig wirksame Mechanismus kommt “von oben”: Eigenkapitalanforderungen, Kontrolle des Geldmengenwachstums, Regulierung des Handels. und:

Das RECHT, Bank-rott zu gehen!

38 Zecke Mai 27, 2009 um 11:23

“Eigenkapitalanforderungen sollen die Pleite verhindern. Was wenn das nicht greift?”

Dann vergleich doch mal die Struktur des Bankenwesens heute mit den BuBa-Zeiten. Angeblich sollen ja die restriktiven Strukturen Wachstum hemmen, also im Sinne von die Banken würden gerne noch weitere Kredite ausschenken, haben auch kreditwürdige Kreditnehmer, aber die EK-Vorschriften oder Mindestreserve oder was auch immer hindert sie daran und die Banken werden wohl am besten selbst wissen, wie viel Risiko sie eingehen.

Sollte man ja von Autofahrern auch vermuten, trotzdem gibt es Tempolimits und, oh Wunder, weniger Unfälle. Komisch.

39 Robert Mai 27, 2009 um 12:23

Natürlich gibt es Systemrelevanz. Systemrelevant ist, wer seine privaten Interessen in Berlin, Brüssel und anderswo durchdrücken kann.

Es gibt keine “Schreinerei-Müller-Arena”, und die entsprechenden Strategen werden nicht zur Bewirtung in die “Gemüsehandel Frieda Maier-Loge” eingeladen.

Wie durch ein Wunder gibt es nur noch Konzernfilialen. Das wird dann naturgesetzlich mit “dem Lauf der Zeit” und der “Globalisierung” begründet.

Genauso das Argument mit der Pipeline-Finanzierung. Diese Pipeline muss her und sie muss natürlich privatwirtschaftlich finanziert werden. Punkt. Geht nicht anders. Weil “wir” das Gas wollen. Wer ist wir?

Logisch, wir alle, wir wollen unbedingt den einzigen denkbaren Energieträger vom einzig denkbaren Quasi-Monopolisten. Über (ohnehin undenkbare) Alternativen wollen wir nicht nachdenken, weil sich die teure Pipeline sonst nicht amortisiert, dann würde die Finanzierung platzen und wir müssten wieder die Bank retten. Wollen wir doch nicht.

Es ist auch so anstregend im Kopf, über dezentrale Energieversorgung nachzudenken, es gibt ja schließlich “Studien” dass so etwas gar nicht funktionieren kann.

Wann tritt eigentlich der Zeitpunkt ein, ab dem man als Konzernmitarbeiter das Kaufen von Studien für eine normale und sinnvolle Tätigkeit hält?

40 froZ Mai 27, 2009 um 13:09

@ Robert

“Weil ‘wir’ das Gas wollen. Wer ist wir?”

Also ich will das Gas schon. Und auch den Strom. Ich finde es sogar richtig klasse, das mit dem Gas und dem Strom. Früher habe ich auch einmal ein Jahr in der Ukraine gelebt, da gab es immer mal wieder Ausfälle in der Gas- und Stromversorgung – und ich kann Dir sagen, das ist großer Mist. Da wurde sogar in der lutherischen Kirche für den Strom gebetet, was mich sehr beindruckt, allerdings nicht zu einem ständigen Kirchgänger gemacht hat.

Die Frage dezentrale vs. zentrale Energieversorgung hat ja wohl schon damals bei der Konkurrenz zwischen Edisons Gleichstromgeneratoren und Westinghouse’ Wechselstromgeneratoren eine Rolle gespielt, und aus guten Gründen hat sich letztlich die Variante mit der zentralen Wechselstromversorgung durchgesetzt, obwohl in Sachen Lobbyismus und PR damals Edison die Nase vorn hatte. Heute mag sich das technologisch etwas anders darstellen, aber selbst wenn wir irgendwann einmal den Großteil des Verbrauchs aus erneuerbaren Quellen decken können, so werden wir doch für die nächsten 20-30 Jahre auf fossile Energieträger angewiesen bleiben. Und man kann es wenden wie man es will: Rußland ist in dieser Hinsicht ein vergleichsweise stabiler und zuverlässiger Lieferant, auch in politischer Hinsicht (wenn man sich mal anschaut, in welchen anderen Weltregionen vergleichbare Reserven konzentriert sind).

Bei der Ostseepipeline ist es ja so, daß sie z. g. T. von Gazprom selbst finanziert wird. Natürlich ist man dann insofern an die Pipeline gebunden, als da viele im wahrsten Sinne des Wortes “sunk costs” anfallen und es eine Weile braucht, bis sich das Projekt rechnet. Aber das gilt in besonderem Maße auch für den Lieferanten! Der Bau der Ostseepipeline ist die beste Garantie dafür, daß sich Gazprom in den kommenden Jahren nicht zunehmend zu asiatischen Nachfragern hin umorientiert.

Darüber hinaus sollte man natürlich einseitige Abhängigkeiten zu verhindern versuchen, und das geht beim Gas sicher am besten durch Investitionen in die Flüssiggastechnologie. Aber das läßt sich auch nicht nach dem Prinzip “small is beautiful” machen.

41 Zykliker Mai 27, 2009 um 13:14

“Wann tritt eigentlich der Zeitpunkt ein, ab dem man als Konzernmitarbeiter das Kaufen von Studien für eine normale und sinnvolle Tätigkeit hält?”

ist längst geschehen, die glühensten Untertanen sind die, deren Abhängigkeit am größten ist, weil:

sie ihren bisherigen Werdegang als sozialen Aufstieg zu verteidigen haben, und/oder weil:

ein eingeschränktes Weltbild keine Alternative zum real existierenden Feudalismus zuläßt.

Die Existenzberechtigung für Großprojekte würde ich aber nicht per se ausschließen, diese können sinnvoll/notwendig sein; über ihre Trägerschaft und Finanzierung ist natürlich nachzudenken:

Wo ist das Problem, wenn so ein Bankenkonsortium 100 statt 10 Mitglieder hat, über eine Clearingstelle sollte das darstellbar sein, solange wir nicht wieder nur über “Reitende Boten” kommunizieren.

Natürlich ist das Prinzip der dezentralen Energieversorgung eine logische Konsequenz aus einer möglichen Aufspaltung der Quasimonopole; trotzdem wird man noch lange nicht ohne Großkraftwerke auskommen mit der Notwendigkeit einer entsprechenden Infrastruktur. Ob diese dann privatwirtschaftlich oder hoheitlich betrieben werden, überlasse ich den besseren Argumenten, die die entsprechende Debatte ergeben.

Lobbyismus, also Korruption ist ein sehr deutlicher Hinweis auf “unangemessene Größe.” Wer sein Gehirnschmalz nicht in die Befriedigung von Kundenbedarf investiert, sondern in politischen Einfluß, um sich für sein Backschisch andere Vorteile zu ergaunern, gehört auf ein Größenmaß reduziert, in dem er um seine Kunden wieder kämpfen muß.

42 inti Mai 27, 2009 um 13:52

;-) halbgott anbete … er ist wieder da

@lübberdings

volle zustimmung, und endlich hört man mal wo vernünftige begründungen dafür :-) die meisten die das wort “systematisch” in den mund nehmen wissen nicht wie das “system” funktioniert

und wie du schön zeigtest … übernahmen verbieten im bankensektor wäre eine erste tolle idee für unsere regierung … aber nein, lieber erstmal paar MRD auspacken damit die riesen noch weiter wachsen

grüße
inti

43 egghat Mai 27, 2009 um 14:24

@Eurooptimist:

Ich kann Zecke (38) nur zustimmen. Das Good Bank Konzept von Wilem Buiter (wurde auch hier durchgekaut) ist das Beste, was mir untergekommen ist. Oder Verstaatlichung wie in Schweden. Geld an die Bürger auszuschütten nützt nichts. Das gibt keine neuen Kredite.

44 egghat Mai 27, 2009 um 14:35

@Zecke #38 und #39:

Es gab auch in BuBa Zeiten Bankenpleite, die mit Staatshilfe aufgefangen werden mussten. Trotz damals 8% hartem EK-Anforderungen (damals gab es noch Mindestreserve bei der Buba …). Wenn ich Pleite*N* schreibe, verallgemeinere ich etwas auf andere Länder, die ebenfalls strenge EK-Anforderungen UND trotzdem große Bankpleiten mit entsprechenden staatlichen Rettungsaktionen hatten.

Das *allein* reicht nicht. Das denke ich übrigens auch: Wenn es falsch rübergekommen sein sollte: Allein die maximale Bilanzsumme rettet es natürlich auch nicht. Ich bin für beides gleichzeitig.

Ich kann mir auch noch was anderes vorstellen: ein *gemeinsames* Eigenkapital. Nur als Skizze: 8% Eigenkapital, 6% in der eigenen Bilanz, 2% in einem gemeinsamen Rettungsfonds. Keine Bankenbilanz darf größer werden als das gesamte Geld im Rettungsfonds. Nur als Idee.

45 EuroOptimist Mai 27, 2009 um 15:01

@ egghat
“Keine Bankenbilanz darf größer werden als das gesamte Geld im Rettungsfonds.”
Lauter gute Ideen, aber was passiert mit guten Ideen in guten Zeiten?
Die Lobbyisten schreien Zeter und Mordio über den Wettbewerbsnachteil, den Banken gegenüber Banken aus Ländern ohne diese Regulierungen angeblich haben. Die Stichworte gellen mir in den Ohren: Vollkaskomentalität, Risikoscheu, bürokratische Hemmnisse, Innovationsfeindlichkeit, Hinterwäldlertum. Ich fürchte, gute Regulierungen werden immer in dem Moment gekippt werden, wo sie am sinnvollsten sind:-)

46 Nanuk Mai 27, 2009 um 15:27

“Flüssiggasterminals geben müssen: große und teure Projekte, die sich erst nach langer Zeit amortisieren: also klassische Beispiele für Konsortialkredite.”

Ne das ist ein Klassischer fall von Staat bezahlt und tut so als ob es Privatwirtschaftlich währe…Oder glaubst du ernsthaft die Privatwirtschaft würde in eine Pipeline investieren die nehmen LKW und lassen dich das doppelte fürs Gas zahlen…

47 Nanuk Mai 27, 2009 um 15:29

Also manchmal muss ich über die Naivität staunen so was macht doch keiner ohne staatliche Sicherheiten…

48 egghat Mai 27, 2009 um 17:13

@Eurooptimist:

Wenn es jemals eine Zeit gab, in der solche Regulierungen durchsetzbar waren, dann ist es JETZT.

Ende des Optimismus. Unsere Politiker sind schlicht zu blöd, um beurteilen zu können, was sinnvoll ist …

49 froZ Mai 27, 2009 um 17:40

@ Nanuk

Sicher gibt es bei solchen Projekten meist auch staatliche Kreditbürgschaften. Und gewiß sind keine großen Privatbanken nötig, um so etwas finanziell zu stemmen. Nur wenn man den Bankensektor in kleine Einheiten zerschlägt, wird man nebenher dann eben eine staatliche Finanzstruktur haben müssen, die solche Vorhaben kreditieren kann. Auf die Frage, wie die aussehen soll, muß man dann eine Antwort geben. Die Landesbanken in ihrer jetzigen Form sind ja offenbar auch pfui. Also alles bei der KfW ansiedeln? Oder bei der Europäischen Investitionsbank? Wäre ja denkbar. Damit wäre dann natürlich jedes große Infrastrukturprojekt explizit ein politisches Projekt. (Ich vermute, auch um die politischen Zielsetzungen derartiger Vorhaben nicht allzu sehr in den Vordergrund treten zu lassen, wird gern das Finanzierungsmodell über Privatbanken und staatliche Kreditbürgschaften gewählt.)

Mich brauchst Du nicht extra davon zu überzeugen, daß eine Zerschlagung der großen Finanzkonzerne sinnvoll ist. Alles was ich sagen will, ist, daß nicht alle Funktionen des derzeitigen Finanzsektors umstandslos auf 20000 Kleinsparkassen übertragen werden können.

50 Nanuk Mai 27, 2009 um 20:32

“Ich vermute, auch um die politischen Zielsetzungen derartiger Vorhaben nicht allzu sehr in den Vordergrund treten zu lassen, wird gern das Finanzierungsmodell über Privatbanken und staatliche Kreditbürgschaften gewählt”

Solche dinger sind immer ein Politikum… für mich führt eine Beteiligung von Banken bei so etwas nur zu Günstlingswirtschaft und organisierter Verantwortungslosigkeit.

51 Nanuk Mai 27, 2009 um 20:34

und alles was ich sagen will das solche deals überflüssig sind… und genau die Auswüchse die es zu beenden gilt…

52 Zecke Mai 27, 2009 um 21:19

@egghat

Kenne ich mich zu wenig aus, um da was belastbares dazu zu sagen, vielleicht weiß da Weissgarnix mehr. Wenn ich Basel II richtig verstanden habe stören mich daran hauptsächlich zwei Dinge bzgl der Risikogewichtung:

Ein Ziel von Basel II war es, Kredite gemäß ihrer Ausfallwahrscheinlichkeit mit EK zu hinterlegen. Grundsätzlich scheint das eine sinnvolle Praxis, da Pauschalquoten Kreditrisiken unberücksichtigt lassen und Banken dazu verleitet werden, relativ risikoärmere Assets abzustossen, bzw. Kredite überhaupt nicht zu vergeben, weil sie im Verhältnis zu Risiko und Ertrag zu viel EK benötigen.

1.) Wenn externe Ratingagenturen jedoch die Bonität von Kreditnehmern bestimmen kann da einfach viel gemauschelt werden, wie in der aktuellen Krise zu sehen: Ratings werden gekauft!

2.) Interne Risikogewichtung kann natürlich auch nach hinten los gehen, insbesondere wenn die Ausfallraten lange Zeit sinken (wie in den letzten Jahren der Fall) und Banken diese Ausfallquoten für alle Ewigkeit unterstellen.

Alle haben natürlich ein Interesse an niedriger Risikogewichtung, die Banken ohnehin und die Ratingagenturen bekommen mehr Aufträge wenn sie öfters AAA vergeben.

Jetzt sollten Banken eigentlich auch ein Interesse an realistischer Risikogewichtung haben. Die wird bestimmt auch gemacht – aber eben intern. Und noch besser ist natürlich, wenn man dann den wirklichen Schrott weiter verkaufen kann. Da muss also auch der Handel mit Krediten kontrolliert und reguliert werden i.S.v. transparenteren Produkte und erweiterter Haftung.

Insgesamt denke ich könnte man ruhig etwas mehr pauschalisieren, auch auf die Gefahr hin, dass unnötig viel EK gebunden wird, mit einheitlichen Risikogewichtungen für bestimmte exakt festgelegte Klassen von Krediten.

Noch was zur Mindestreserve: EK-Anforderungen sind nur die eine Seite. Sicherstellung der Liquidität ist die andere. Das geht über Mindestreservesätze. Dann müssten die Notenbanken nicht bei plötzlichen Mittelabflüssen kopflos Assets ankaufen und ich halte die gängige Praxis, den Banken die Entscheidung über freiwillige Überschussreserven zu lassen, für unhaltbar. Außerdem bekommt die Notenbank über Mindestreserve einen Fuß in die Geldmenge der wesentlich strikter wirkt als Zinspolitik. Kredite werden in einem festen und leicht steuerbaren Hebel an Einlagen gebunden.

Warum wurde eigentlich Geldpolitik über die Regulierung der Geldmenge zu Gunsten der Zinspolitik aufgegeben?

Mit Zinspolitik ist die Notenbank immer in einem Dilemma: Wachstum oder Preisstabilität. Und mit einer Notenbank, die bei den Zinsen nur den Weg nach unten kennt, ist auch klar, dass das zwangsläufig zum Hochtreiben der Assets führt. Mit jedem Zinsschritt nach unten wird die Blase weiter genährt. Jetzt sind wir bei quasi Null – mitten im Desaster.

53 egghat Mai 29, 2009 um 16:23

@Zecke:

a) Warum die Mindestreservepflichten abgeschafft wurden, kann ich auch nicht nachvollziehen. Das wurde wahrscheinlich im Rhamen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit abgeschafft. Wäre ein Thema für Weissgarnix.

b) Die Beschreibung von basel II könnte von mir sein. Sehe ich fast genauso (im Prinzip eine gute Idee, die aber nach hinten losgehen kann). Einen Aspekt würde ich noch ergänzen: Basel 2 ist extrem prozyklisch. Wenn die Wirtschaft in die Krise kommt, braucht sie Kredite. Wenn die Wirtschaft aber in die Krise kommt, sinken die Ratings der Firmen. Daher müssen die Kredite mit mehr Eigenkapital hinterlegt werden. Daher steht in der Krise weniger Geld zur Verfügung, weil die Banken durch die Zahlungsausfälle eh schon Eigenkapital verlieren und zusätzlich noch durch die sinkenden Ratings mehr Eigenkapital brauchen. Die Menge Geld, die eine Bank verleihen kann, sinkt also direkt von zwei Seiten her. Bei Asset Backed Securities steigt der Anteil Eigenkapital von fast nix (etwa 2% bei AAA) auf fast komplette Deckung bei einem Rating von B. Wird ein Papier von AAA auf B herabgestuft, muss die Bank auf einmal das 60(!)fache Eigenkapital hinterlegen. Fragt sich jetzt noch jemand, warum die Banken das Zeug *unbedingt* aus den Bilanzen haben wollten?

Nach den Problemen mit den (externen und damit immer dem Manipulationsverdacht ausgesetzten) Ratings kommt noch diese Prozyklik dazu. Daher sehe ich keine andere, als einfach FIX 8% hartes Eigenkapital (und nicht dieses Pseudo-EK über Wandelanleihen, etc) zu fordern. Die Krise hat gerade gezeigt, dass dieser Puffer von 8% so groß auch nicht ist …

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