Die FAZ hat meinen Beitrag von letztem Donnerstag nun auch ins Netz gestellt, unter dem Titel: “Wohlstand für alle ist nicht nur eine Phrase“. Für diejenigen, die ihn in der Printausgabe nicht lesen konnten:
“Deutschland hat eine neue Religion: die Soziale Marktwirtschaft. Jetzt, wo der Neoliberalismus in Trümmern liegt und der Sozialismus als gesellschaftliche Alternative längst nicht mehr zur Verfügung steht, glauben wir wieder an die Soziale Marktwirtschaft. Ja, wir fühlen uns sogar regelrecht in ihr zu Hause – so wie wir uns früher einmal bei Gott zu Hause fühlten, zu dem wir regelmäßig beteten und den wir in unserer Not anriefen, dessen Wille uns aber immer verschlossen bleiben musste und uns daher entsprechend oft auf dem falschen Fuß erwischte.
Auch die Soziale Marktwirtschaft hat ihre Hohepriester gefunden: Bundeskanzlerin Merkel spricht praktisch von nichts anderem mehr, und Bundespräsident Köhler hat sie in seinen Reden gleichfalls wiederentdeckt. Die FDP liebt die Soziale Marktwirtschaft förmlich, proklamiert sich sogar zu deren „Hüterin“ und will sie vor steigendem Staatseinfluss sowie der politischen Linken schützen. Die Linke wiederum ist nicht weniger um sie besorgt, sieht sie aber just durch den programmatischen Liberalismus der FDP gefährdet. Wo man also hinschaut: keine Partei, ob links oder rechts, welche die Soziale Marktwirtschaft nicht wieder in ihrem Banner tragen würde und deren Spitzen sich nicht als die einzigen und wahren Kreuzritter des neuen Glaubens zu erkennen geben wollten.” [Weiterlesen->]















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Ich habe auf dieser Seite schon viel Sinnvolles gelesen. Aber bei diesem Artikel macht WEISSGARNIX seinem Namen wirklich große Ehre.
Die Zerstörer der sozialen Marktwirtschaft sind nicht die Wohlhabenden und Firmenbesitzer sondern die Parteien mit ihren Pöstchen schiebenden Politikern, die von Nichts Ahnung haben außer um die Ränke der Macht.
Auch die Gewerkschaften sind Schuld, da sie Lohnungleichgewichte zwischen dem einfachen Metzgereifachverkäufer, der gerade einmal den Mindestlohn schafft, und den hochherrschaftlichen Mitarbeitern der Großkonzerne mit ihren irren Stundenlöhnen.
Auf dem Rücken der sozialen Gleichheit werden Selbstständige und Angestellte vom Staat ausgepresst um ein Herr von angeblich staatsdienenden Beamten und Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes zu alimentieren.
Die Frage muss anders herum lauten:
Müssen nicht 10% der Bewohner 90% des Wohlstandes aufhäufen, da ansonsten der Staat alles Geld mit seinen konsumgeilen Leistungsempfängern gleich durchbringen würden? Und die Finanzierung durch die Banken? Dass ich nicht Lache! Die haben ja gezeigt, wie gut sie das System am Laufen halten können.
Weitsichtige Unternehmer wie Hipp, Würth und Andere sind die, die seit Jahrzehnten für unseren Wohlstand gesorgt haben. Nicht die Großkonzerne mit ihren Pseudobeamten.
Zählt man die Staatsquote inkl. Sozialabgaben und staatlichen Fernsehgebühren zusammen, so haben wir 75% bereits erreicht. Die Sovietunion brach bei 85% auseinander.
Sowas noch einmal in der Printausgabe der FAZ lesen zu dürfen! Dafür hast Du jetzt aber auch ordentlich Prügel bei den Kommentaren auf FAZ online gefangen. Trotzdem: bitte weiter so. Will die FAZ etwa neue Lesergruppen gewinnen?
wgn goes owe jessen!
wgn schreibt:
“Die Folgerungen aus der gegenwärtigen Krise lassen deshalb nur eine Alternative zu: Entweder wird der Kreditsektor zur Gänze verstaatlicht, oder das bisherige System der Großbanken wird gesprengt und durch eine Vielzahl kleinerer Institute ersetzt, die jedes für sich keine Systemrelevanz mehr entfalten und daher auch ohne Gefahr für das System pleitegehen können.”
und owe jessen am 14.10.08:
“Von daher gibt es eigentlich nur zwei Alternativen, um diese Situation, in der die Banken die Regierungen mit ihrem Bankrott zu Rettungsaktionen erpressen können, zu überwinden: Entweder die Banken werden in so kleine Einheiten aufgeteilt, dass sie im Rahmen ihres jeweiligen Währungsgebiets ohne Gefahr für die Systemstabilität bankrott gehen könne, oder man entwickelt ein globales Überwachungssystem, so dass die Banken in ihrer aktuellen Größe kein Risiko für das System darstellen.”
siehe hier: http://www.weissgarnix.de/?p=632#comment-8465
O.k., hier werden wohl jetzt viele zustimmende Äusserungen kommen. Ich nehme mich davon nicht aus.
Wie meist hapert es, wenn es um den Gegenentwurf geht. Das gewünschte Resultat lässt sich benennen – der Weg dahin nicht. Wir ahnen, dass man ein Land nach einem verlorenen Krieg gar nicht wieder aufbauen kann, ohne sich auf relativ egalitäre Strukturen einzulassen. Diese mittlerweile abgetragenen oder ausgehöhlten Institutionen und Mechanismen wiederherzustellen, erscheint jedoch als unlösbare Aufgabe.
Wir wünschen uns eine ihrer “Systemrelevanz” entkleidete Bankenlandschaft, verstricken uns aber insofern in einen Widerspruch, als wir die systemcharakterisierende Bedeutung des Geldes gerade zum fundamentalen Ansatzpunkt der ökonomischen Theorie erhoben haben. Da fehlt es noch an Konkretion.
Gegenüber den Verteidigern des neuen status quo sind wir argumentationsökonomisch im Nachteil, weil wir gleichzeitig eine Wertedebatte und eine Machbarkeitsdebatte führen müssen. Die Gegenseite beschränkt sich auf eine Umwertungsdiskussion – kräftesparend und damit zielführend. Mir scheint, dass wir immer gerade, wenn wir an einer der beiden Fronten Fortschritte machen, an der anderen zum Rückzug gezwungen werden.
Ich belasse es erstmal dabei und zitiere nur zwei FAZ-Leserkommentare, die es in sich haben. Der erste tut so, als hätte es nicht schon einmal weniger Verteilungsungleichheit gegeben, während der zweite uns einlädt zu fragen, ob der betreffende Leser nicht auch an die ägyptischen Pharaonen ob ihrer sozialpolitischen Leistungen vollmundige Ergebenheitsbekundungen adressiert hätte.
1)”Die Ungleichverteilung … ist … auch das Substrat der Einkommen des “kleines Mannes
2)”Mit etwas Bösartigkeit: jeder Ackermann finanziert einen ganzen Hartz-IV Strassenzug in Berlin!”
Ich bin dafür, wir machen hier wie immer nur die Metadiskussion zu dem schwachsinnigen Gefasel der üblichen FAZ-Kommentatoren (“Ergebnisgleicheit” und ähnliche Bemäntelungen von Raffgier).
Der 1. Mai war doch recht ruhig, da erwarte ich in einem Jahr deutlich mehr. Mal sehen, wer bis dahin alles zu HartzIV gehört, von der jetzigen Mittelschicht. Dann wird das schon, mit der Veränderung im System.
Was etwas Anlass zur Sorge gibt ist die Tatsache, dass sich im politischen System so gar keine vernünftige Alternative für den Neubeginn zu erkennen ist. Das kann in Deutschland böööööööse enden…
Es ist völlig wurscht was die FAZ schreibt, falls ihr es noch nicht begriffen habt. Alles wird weiter gehen und zwar abwärts für die Masse in Deutschland. Viel wird geschrieben. Viele wollen den Sozialstaat retten. Tatsächlich aber wird er abgespeckt, ausgehöhlt und globalen Sachzwängen geopfert. Die Politik hat längst nicht mehr die Kraft, sich dem entgegenzustellen. Sie hat auch nicht den Willen. Sie hat nur noch die Kraft mehr Steuergeschenke für die oberen 20 % der Einkommensbezieher zu verteilen und ansonsten wachsenden Ausgaben mit Abgaben- und Steuererhöhungen zu begegnen. Das sind die Realitäten seit mehr als einem Jahrzehnt und in verschärfter Form wird dies die Zukunft sein. Es ist nämlich keine kraftvolle Gegenbewegung erkennbar, die irgendetwas ändern würde.
@ Skeptiker
Und von wem werden die Politiker von morgens bis abends durchgeknetet um Gesetze in die “richtige Richtung” zu lancieren?
Welche “weitsichtigen Unternehmer” haben denn die Krise verhindert?
Warum fordern deren Lobbyvereinigungen eigentlich immer weniger Staat und gleichzeitig Subventionen bis der Arzt kommt?
Wurden denn nicht in einer Vielzahl, gerade von Familienunternehmen, auf den Finanzmärkten gezockt und teilweise mehr Gewinne wie Umsatz eingefahren?
Was sagst Du zu Merkle, Porsche, Schaeffler, was zu den Steuerbetrügern wie Würth oder Müller, der den Hals nicht voll kriegt?
Wie verkommen ist die Unternehmenskultur,die mittlerweile Ihre Mitarbeiter ausspioniert ( Telekom Lidl) Stasi Methoden!
Hat der Neo-oder Ordoliberalismus nicht viel größeren Schaden angerichtet, als die Krise? Wurden nicht alle Werte unserer Gesellschaft an die Wand gefahren? Was ist mit Siemens? Betrug im großen Stil. Wettbewerbsverzerrung bis ins Mark durch Korruption. Steuerhinterziehung von Mllionären? Sind das alles
Kavaliersdelikte?
Nein es sind systemimanente Verwerfungen eines fehlgeleiteten Kapitalismus der im Zusammenspiel zwischen Politik und Wirtschaft, also unserer “Eliten”, derart ausgeufert ist, dass das System irgendwann kolabieren musste.
Die Politik trifft die Schuld genau so wie die Eliten aus der Wirtschaft. Und die Verlusste werden jetzt von allen getragen
Das ist eine Sauerei.
@Der Skeptiker
,,Die Zerstörer der sozialen Marktwirtschaft sind nicht die Wohlhabenden und Firmenbesitzer sondern die Parteien mit ihren Pöstchen schiebenden Politikern, die von Nichts Ahnung haben außer um die Ränke der Macht.”
Uh, da werden die bezahlten Domestiken der Macht (der Vermögenden) mit den Mächtigen mächtig verwechselt. Diese haben die Domestiken im Sack, nicht umgekehrt. Und bitte, bitte nicht mehr so naiv sein Einkommen mit Vermögen zu verwechseln. Die unglaubliche Umverteilung von unten nach oben (nicht, bis der Arzt kommt, sondern bis die Gesellschaft mangels Kohärenz zerbricht) ging nicht an die besagten 1,6%, sondern an die Vermögenden. Ich kann nicht erkennen wie das ohne Vermögenssteuer (können vor Lachen… da sind die Steuerflüchtlinge und ihre Gehilfen vor) und ohne eine wirklich dramatische Erbschaftssteuer jemals wieder in vernünftige Bereiche kommen soll.
Wenn man noch bedenkt dass eine neue Dienstleisterschicht von Rauchkerzenwerfern (Medien genannt) die Selbsterkenntnis der Gesellschaft, das Kennenlernen des Status quo, jeden Tag mit einem endlosen Wort- und Sprechbrei verhindert scheint das noch unwahrscheinlicher.
Zum Glück ist es spannender als diese erfundenen Krimis sich das täglich anzusehen. So unterhält es ohne froh zu machen.
@Kaiserbubu,
*Welche “weitsichtigen Unternehmer” haben denn die Krise verhindert?*
Die Krise wurde in Amerika verursacht. Die Uebertragung auf Deutschland erfolgte weitestgehend durch Banken unter staatlicher Kontrolle und 2 oder 3 private Institute, die aber gerade nicht von Unternehmern, sondern von angestellten Managern geleitet wurden. Weitsichtige Unternehmer hatten schlicht keine Moeglichkeit die Krise zu verhindern.
*Warum fordern deren Lobbyvereinigungen eigentlich immer weniger Staat und gleichzeitig Subventionen bis der Arzt kommt?*
Lobbyvereinigungen vorzuwerfen, dass sie Subventionen fordern ist hahnebuechen. Es ist Aufgabe der Politiker eine konsistente Politik zu machen. Lobbyvereinigungen haben ueberhaupt nicht den Anspruch eine konsistente Haltung zu haben. Einzelne Unternehmer haben durchaus konsistente Ansichten formuliert.
*Wurden denn nicht in einer Vielzahl, gerade von Familienunternehmen, auf den Finanzmärkten gezockt und teilweise mehr Gewinne wie Umsatz eingefahren?*
Nein, das ist faktisch falsch. Nur eine sehr geringe Anzahl von Familienunternehmen hat in den Finanzmärkten zu Spekulationszwecken mitgemischt.
*Was sagst Du zu Merkle, Porsche, Schaeffler, was zu den Steuerbetrügern wie Würth oder Müller, der den Hals nicht voll kriegt?*
Merkle hatte sich in der Vergangenheit durchaus unruehmlich verhalten. In der konkreten Krise gibt es aber wenig, was man ihm vorwerfen muss. Porsche und Schaeffler haben eine unternehmerische Entscheidung getroffen, die im Falle von Porsche vermutlich sogar die richtige und langfristig beste fuer das Unternehmen war, bei Schaeffler vermutlich ein Griff ins Klo. Aber generell, was soll daran jetzt kritikwuerdig sein?
Bei Würth lag wohl keine Absicht vor die Gesetze zu brechen, sondern das Rechnungswesen hat einen Fehler begangen. Die Ursache sind viel zu komplexe Steuergesetze und Prüfungsregeln in Deutschland. Mehr Liberalismus ist in diesem Fall eindeutig die Lösung.
*Hat der Neo-oder Ordoliberalismus nicht viel größeren Schaden angerichtet, als die Krise?*
Die Krise ja Teil der Entwicklung, die es in der Tat im Kommunismus so nicht geben würde. Der Liberalismus hat aber mehr Wohlstand gebracht als alle anderen bekannten Wirtschaftsformen.
*Wurden nicht alle Werte unserer Gesellschaft an die Wand gefahren? Was ist mit Siemens? Betrug im großen Stil. *
Früher konnte man Bestechung im Ausland sogar von der Steuer absetzen. Nur weil sich heutzutage Leute an Korruption stören, heißt das nicht, dass es früher keine gab. Auch sonstiger Klüngel ist beileibe nicht neu. Hat aber auch nichts mit der aktuellen Krise zu tun, die in Deutschland vor allem auf die Unfähigkeit der Bänker und den Glaube, dass alles was aus London oder New York kommt toll ist, zurückzuführen ist.
@Jörg:
“Wie meist hapert es, wenn es um den Gegenentwurf geht. Das gewünschte Resultat lässt sich benennen – der Weg dahin nicht.”
Ich denke, es gibt eine Reihe sehr konkreter Dinge, die sich angehen lassen würden:
- Abschaffung der Accountingregeln, die das Desaster unterstützt haben (Einstellen von Goodwill in die Bilanz Bilanzierung insbes. der Verbindlichkeiten nach Mark-to-Market Verfahren)
- Wiedereinführung der Besteuerung bei Beteiligungsverkäufen
- Erweiterung der Strafrechtes bei bestimmten Handlungen, die wirtschaftlich unerwünscht sind.
- Eigentümer-Trennung von (systemisch wichtigen) Geschäftsbanken und Investmentbanken. Wer mit Investmentbanken Geschäfte macht, muss sich der Risiken der Gegenseite im klaren sein, Menschen, die ihr Gehaltskonto führen, sollten sich darüber keine Gedanken machen müssen.
- Steuerliche Entlastung der Mittelschichten und höhere Belastung der Großverdiener, da die Mittelschicht mangels frei verfügbaren Einkommen nicht im ausreichenden Maße Dienstleistungen nachfragen kann. Diese Nachfrage ist aber für das Ausbilden eines ausgeglichenen Zahlungsbilanzsaldo unvermeidlich.
- Ditto für die Mindestlöhne. Das ist keine Frage der Gerechtigkeit, sondern ist ökonomisch zielführend, um Inlandsnachfrage zu erzeugen.
- Einführung Vermögenssteuer auf Geld- und Wertpapiervermögen als Sollkonsumsteuer. Explizit nicht auf in Vermögen in langlebigen Konsumgütern (Häuser, Autos, Yachten).
- Einführung einer Erbschaftsteuer, die ihren Namen auch verdient.
- Querbeet Verbesserung der Verbraucherschutzes: Wenn ich als Verbraucher immer häufiger Kleingedrucktes lesen muss, steigen meine Transaktions- und kontrollkosten meiner Geschäfte erheblich. Eine Standardisierung meiner rechtlichen Vertragsbedingungen im BGB vereinfacht die Geschäftsbeziehungen erheblich.
- Eine Gesundheitsreform, die ihren Namen auch verdient, und das System nicht um eine weitere Bürokratiestufe erweitert.
Soziale Marktwirtschaft ist nett,
aber Finanzdiktaur macht fett!
@ keiner # 5
>>Der 1. Mai war doch recht ruhig, da erwarte ich in einem Jahr deutlich mehr. Mal sehen, wer bis dahin alles zu HartzIV gehört, von der jetzigen Mittelschicht. Dann wird das schon, mit der Veränderung im System.<<
Davon ist nicht auszugehen.
Die noch ‘leistungstragende’ ‘Mittelschicht’ bzw. jene, die sich dafür halten, werden im Falle des Verlustes ihres Status Gruppen wie Ausländer, Faulenzer, Sozialschmarotzer in 3. Generation, in jedem Fall Sschwächere als sie selbst sind, zum Angriffsziel haben.
Darauf wette ich einen alten Busfahrschein.
Einigkeit wird es nicht geben, sie wurde jahrelang bewußt aufgelöst.
Eine bemerkenswert gute Analyse und sie ist auch konstruktiv.
Wenn man tatsächlich eine Soziale Marktwirtschaft im Sinne von “Wohlstand für alle” will, dann würde ich empfehlen sich die Tatsache bewusst zu machen, dass Ludwig Erhardt ein überzeugter Neoliberaler war oder besser ein Verfechter der “freien Marktwirtschaft”. Und er hatte damals Erfolg damit!
Warum war der Neoliberalismus als wirtschaftspolitisches Konzept bzw. das “Konzept der Freiheit” damals so erfolgreich und warum hat dieses Konzept heute keine Aussichten auf Erfolg – schon deswegen nicht, weil es in die Krise geführt hat? Das ist hier doch eigentlich die Kernfrage.
Die Antwort findet man vielleicht, wenn man die Marktsituation in der Nachkriegszeit mit der gegenwärtigen vergleicht. Nach dem Krieg war alles zerstört, es fehlte an allem und alle mussten neu anfangen. Das heißt, es gab gute Startbedingungen für jeden, der unternehmerisch tätig sein wollte. Die Märkte entstanden neu. Heute haben wir indes überwiegend gesättigte Märkte, eine hohe Marktkonzentration, wobei viele Märkte von nur einer geringen Zahl von sehr großen Unternehmen dominiert werden.
Ich denke, dieser einfache und zugegebenermaßen sehr oberflächliche Vergleich macht deutlich, dass es die Marktgegebenheiten sind, die für die Wahl der “Medizin” entscheidend sind. Zur Zeit von Ludwig Erhard war es das “Freilassen” der Wirtschaft. Die Aufgabe ist heute jedoch eine andere: Wie können die vielen, scheinbar verkrusteten Märkte, die längst das Reifestadium überschritten haben, wieder belebt werden, so dass sich dort eine echte innovative Dynamik entfaltet, die neue Wachstumschancen, die Entstehung neuer Märkte und neuer Beschäftigungsmöglichkeiten ermöglicht?
Keynesianische Konjunkturprogramme dienen dazu einen stotternden Wirtschaftsmotor wieder in Gang zu bringen. Doch der Wirtschaftsmotor stottert gegenwärtig nicht, weil er zu wenig Treibstoff erhält, sondern weil er Funktionsstörungen aufweist, die eher auf einen kapitalen Motorschaden hindeuten könnten.
Übersetzt bedeutet dies, dass möglicherweise die Marktstruktur gegenwärtig ein ganz wesentlicher Grund für auftretende Funktionsmängel ist. Man denke beispielsweise an den Kreditmarkt, den die Notenbanken bisher nicht in Gang zu bringen vermochten – nichts scheint zu wirken.
Insofern ist es auch unwahrscheinlich, dass Konjunkturprogramme etwa den Automobilmarkt wieder derart in Schwung bringen können, dass die bisherigen Umsatzvolumina wieder erreicht werden. Das wird nicht funktionieren. Wahrscheinlicher ist, dass die Umsätze auf vielen globalen Märkten dauerhaft und in nicht geringem Umfang einbrechen.
Deswegen erscheint es angebracht, weniger Energie in den Erhalt von Konzernen und die bestehenden Strukturen globaler Märkte zu investieren und sich stattdessen stärker auf die Stärkung und Förderung der scheinbar vergessenen zweiten tragenden Säule der Wirtschaft zu besinnen: dynamische KMU. Nur so besteht eine realistische Chance, aufzufangen, was bei den Konzernen und auf den globalen Märkten wegbricht. Und darum geht es doch: um die Stabilisierung der Wirtschaft.
Das wird jedoch dieses Mal, wie gesagt, nicht mit einer liberalen Politik a la Ludwig Erhardt zu erreichen sein. Dieses Mal ist es etwas komplizierter.
Volker Pispers zu: Demokratie
http://www.youtube.com/watch?v=yC94FPx0Wio&NR=1
@keiner #5
@keiner #5
Ich bin dafür, wir machen hier wie immer nur die Metadiskussion zu dem schwachsinnigen Gefasel der üblichen FAZ-Kommentatoren (”Ergebnisgleicheit” und ähnliche Bemäntelungen von Raffgier).
Genau, die anläßlich des faz-Beitrages zustande gekommene Sammlung seinsbestimmten Bewußtseins und INSM-Klischees ist vom feinsten. Selten findet man das so typisch und kondensiert an einer Stelle.
Dann also hier die Metakommentare_
Die Krisen fingen nämlich in den 70er Jahren an
stimmt
, verursacht durch die Oberkeynsianer.
Stimmt nicht. Die Keynesianer wollten mit keynesianischen Maßnahmen die Krise mildern oder überwinden. Verursacht haben sie sie nicht.
Auch die jetzige Krise ist ja durch einen Umverteilungswahnsinn verursacht. Hätte Bill Clinton nicht jenes unsägliche Gesetz erlassen, …
Umverteilungswahn ist natürlich Blödsinn. Es ging auch hier darum, keynesianisch eine “Nachfragelücke” zu schliessen.
Die soziale Marktwirtschaft L. Erhard’s wurde auch nicht in den 80er Jahren verraten, sondern Ende der 60er und vor allem in den 70er Jahren, mit horrenden Arbeitslosenraten und Inflationsraten. Damals haben ja auch noch einige Keynsianer gemeint, man könne die Arbeitslosigkeit mit einer Geldausweitung, d.h. einer höheren Inflationsrate bekämpfen.
Das spricht für sich selber: erst sollen die Keynesianer die Arbeitslosen- und Inflationsraten verursacht haben, dann sollen sie sie mit ihren Maßnahmen bekämpft haben. Ein Sündenbock ist halt für alles gut: als Ursache wie auch als Wirkung.
Wer hat denn immer billiger kaufen wollen? Die Deutschen! Der deutsche Mittelstand…
Wer ist für günstige Produkte über die Grenze gefahren? Die Deutschen! Der deutsche Mittelstand…
Klassischer Fall von Projektion: Es ist das Kapital gewesen, das “über die Grenze gefahren ist”, um günstiger zu produzieren um diese günstigeren Produkte natürlich nicht dort, sondern diesseits der Grenze profitmaximierend abzusetzen.
Nannte sich “Globalisierung”…
Die Marktwirtschaft ist die Wirtschaftsordnung, die sich durch einen Evolutionsprozess (und insofern natürlich) herausgebildet hat.
Wunderschönes Beispiel für die Naturalisierung gesellschaftlicher Verhältnisse. Was für ein “Evolutionsprozess” soll das denn bitte gewesen sein? So historisch fällt mir eigentlich nur eine Phase ein, wo der Kapitalismus wirklich gesamtgesellschaftlich wohlstandsmehrend gewirkt hat. Das war die Zeit der “Automobilmachung”, so von 1950-1970. Vorher war da mehr Elend als Glanz und nachher ebenso.
die EU braucht intern eine Steuerangleichung und einen Schutzwall durch Zölle um diesen Niedergang der Europäischen Arbeitsplätze/ Lebensstandarts zu stoppen.
Das ist die Abwehr-Reaktion, die sich vermutlich auch durchsetzen wird. Eine Verbesserung des Lebensstandards ist davon allerdings überhaupt nicht zu erwarten… eher anderes, deutlich Schlimmeres…
Meine Eltern sind nicht jedes Jahr in den Urlaub geflogen, dafür wurde ein Haus abbezahlt, das ich erben soll. Jetzt kommen die Neiderkinder, die ständig den neuesten Game-Boy haben wollten und heute HartzIV beziehen und meinen es sei sozial ungerecht, dass ich ein Haus erben werde, sie nicht.
Selber schuld! Ihr hattet Euren Spaß dafür in Eurer Jugend im Ballermann, auf Teneriffa oder der DomRep.
Ungerecht? Nein GERECHT!
Ganz niedlich, da dieser Profiteur der Vorgängergeneration nicht mal den leisesten Verweis darauf liefert, was er denn SELBER zu seinem privilegierten Erbenstatus beigetragen hat.
jeder Ackermann finanziert einen ganzen Hartz-IV Strassenzug in Berlin!
Der Klassiker. Aber: wer finanziert eigentlich Ackermann?
Zu einer sorgfältigen Unterscheidung verschiedener Gerechtigkeitsbegriffe siehe z.B. John Rawls: “Eine Theorie der Gerechtigkeit” und “Politischer Liberalismus”
Wieder der Klassiker, diesmal mit Literaturhinweis. Vielleicht hätte TStrobl noch deutlicher darauf hinweisen müssen, dass eine extreme Ungleichheit nicht vor allem ungerecht ist, sondern vor allem auch unwirtschaftlich…
Die sozialiste Marktwirtschaft dürfte immer noch die sein: Vollbeschäftigung.
Sozial ist, was Arbeit schafft. Nur dumm, dass nicht mal die Keynesianer mehr Vollbeschäftigung schaffen können. Und die Innovation auch nicht, die macht es nur noch schlimmer, weil sie eben immer mehr Effizienz schafft, d.h. immer mehr Output mit immer weniger Input – also immer mehr Angebot und immer weniger Nachfrage.
Diese Krise ist das Ergebnis von STAATSINTERVENTIONEN in den Markt.
Dann die Geschichte der Vermögenskonzentration. Das mag auch an sich so stimmen. Aber: am Beginn eines jeden Vermögens steht SPAREN.
Klar doch. Entweder, weil der Staat nicht genug interveniert (reguliert) hat, oder weil er zuviel interveniert hat. Denn der Markt ist ja naturgegeben, der KANN also gar nicht schuld sein. Und dass Vermögen aus sparen entsteht, glaubt nicht mal mehr meine Großmutter. Vermögen entsteht aus Investition, d.h. zunächst mal aus Kreditbeschaffung.
schön sehr hübsch, das Ganze… zur Krönung noch dieser:
Es streitet absolut niemand ab, dass freie Märkte zu Blasen neigen. In einem vollkommen freien Markt sind das aber kleine Blasen.
Genau. Es sind Blasen, es sind aber keine Blasen.
Auf diesem logischen Höhepunkt endet der Geist, der INSM heisst….
was ist das für ein murks?
soll man in D wirklich noch weiter die Steuern erhöhen? Das ist wohl ein Witz oder? mir sind amerikanische Verhältnisse lieber, als das was zur Zeit in Deutschland abgeht. Warum soll ich mit meinen Steuern einen – entschuldigung – Taugenichts bezahlen?
Der Staat sollte nur den gesetzlichen Rahmen und ein gerechtes Rechtssystem stellen aber doch keine Vollversorgung für seine “Bürger”. Dieses Denken wird Europa ruinieren.
Darüber hinaus sollten wir über Begrenzung großer Vermögen nachdenken. Jeder soll das Recht haben, wenn we arbeitsam ist, 1 Million, oder von mir aus 10 Milionen zu verdienen und zu besitzen, damit es auch für die Villa, komfortables Leben und die Ausbildung der Kinder reicht. Aber Vermögen, was nur zur Machtausübung dient, sollte staatlich begrenzt werden.
Weg mit Meudalismus!
Nope.
Kurz und schmerzvoll
STEUERUNG, das ist das Thema.
Wie steuere ich Menschen, Märkte, eine Organisation, eine Gesellschaft…. :
Letztlich gibt es nur Steuerung über Hierarchie (Einzelne oder Gruppen) oder über Markt/Demokratie.
Also: WGN findet den aktuellen Kapitalismus blöde…wie viele andere auch. Also will er ihn ändern. Yep. Was machen wir dann bzw. WGN? Blöd, wir leben nicht in einer Diktatur und er ist auch nicht der Chef. Also, wat haben wir dann? Yep, wir haben bei der Politik die Demokratie und bei der Wirtschaft den Markt.
D.h. WGN muss sich in der Politik Mehrheiten suchen um seinen Ideen durchzusetzen….und in der Wirtschaft muss er…hm…einfach genügend Nachfrager finden. Wird er Mehrheiten für seine Ideen finden? Nope, weil ansonsten wären da schon lange Mehrheiten für eine “gerechtere Welt”…ist aber nicht. Die Mehrheit will die Welt so wie sie ist. Das nennt sich DEMOKRATIE. Und wer es nicht glaubt, der sollte sich mal fragen ob er an die Demokratie glaubt.
Egal, die Ideen von WGN sind ja garnicht falsch, die Ursachenforschung hingegen..äh…bemerkenswert, weil:
Gabs schon mal SYSTEME die OHNE Krise in Erscheinung traten, also politisch, wirtschaftlich etc. Also, was ist dann so schlimm daran, das der Kapitalismus immer und immer wieder in Krisen gerät? DeutscheLand hatte zwei “Reiche” und eine Republik innerhalb von 70 Jahren….und alle drei sind wirklich DOWN gegangen mit Millionen von Toten. Und von anderen Ländern und deren Republiken und alles andere ganz zu schweigen… Und TROTZDEM haben wir wieder eine REPUBLIK…und keiner schreit: Die Republik führt immer in die Krise, lasst sie uns abschaffen.
Whatever, das Problem ist die hohe Belastung des Faktors Arbeit und seine Folgen. Yep, nur leider muss man das gegenfinanzieren….und nope, da reicht mal eben keine Erhöhung der Erbschafts- und Reichensteuer etc. Nope, da müsse man mal radikaler Geld umverteilen, von alt nach jung. Böse, aber darauf wird es hinauslaufen, denke ich, aber ich bin nur ein Mensch und kein Markt und alle Menschen würden bei der Wahl zwischen mir und dem markt sich für den markt entscheiden….und das ist gut so. Der markt wird entscheiden wie die Zukunft aussieht. Denn, der einzige, der diesen Weg bestreiten kann, yep, das ist der Markt. Denn der markt hält keine große Reden von Revolution und Umverteilung und ist dann ganz still, wenn er zur Tat schreiten soll….und es nicht schafft, mami und papi die Rente zu kürzen. Nope, der Markt ist indifferent was menschliches Leid betrifft. Yep, und deshalb haben wir ihn: Er ist zu allen ungerecht…und daher als einziger gerecht
“Whatcha got ain’t nothin new. This country’s hard on people, you can’t stop what’s coming, it ain’t all waiting on you. That’s vanity.”
Ellies (no countryfor old men)
Georg Schramm: Aufschwung
http://www.youtube.com/watch?v=B_9tdyxbQkA&feature=related
ich schlage vor, künftig überweisen alle Deutschen ihr gesamtes Einkommen zuerst direkt an den Staat. Und der rationiert dann jeden Monat das Geld, so wie die Herren Beamten meinen man würde es brauchen.
So mal als Denkansatz.
@goodnight
“Die Mehrheit will die Welt so wie sie ist. Das nennt sich DEMOKRATIE. ”
Das ist ein GANZ schlechter Scherz, die Mehrheit ist nie gefragt worden, weder die in Deutschland, noch die in Europa, vom Rest der Welt ganz zu schweigen…
@goodnight
Nope, der Markt ist indifferent was menschliches Leid betrifft. Yep, und deshalb haben wir ihn: Er ist zu allen ungerecht…und daher als einziger gerecht
Der Markt ist nichts als deine quasi theologische Phantasie davon, wie die Welt wohl funktionieren könnte, in der du lebst. Weisst du nicht sonst immer, dass alles nur “Kommunikation” und “Konstruktion” ist? Wenn das für irgendetwas zutrifft, dann, yep, eben für “den Markt”.
@13 stefan
Damit benennst du einen sehr entscheidenden Aspekt der Situation. Und ich stimme dir zu.
Wir haben nicht nur gesättigte Märkte sondern auch eine Überschuldung und dadurch enorme Zinsbelastung. Ja ich weis – die Zinsen sind ja auch Einkommen und werden sicherlich (zu einem wohl eher geringen Anteil) investiert oder konsumiert.
Wenn allerdings die Schuldner und Gläubiger zu wenig Schnittmenge haben – wirds mit quantitativem Wachstum schwierig.
Insofern nützen eine engere Regulierung und die Zurücknahme von Verarmungsprogrammen wie Hartz 4 nur marginal.
Das System des Zinsfinanzkapitalismus ist darauf angewiesen in regelmäßigen Abständen einen Reset durchzuführen. Dabei werden die Geldvermögen und – ansprüche (und nur die) und die nicht besicherten Schulden (und nur die) gelöscht. Der Rest, also die realen Werten (Materie) gehören dann – na wem?
@Nixda:
Ich stimme dir zu – in allen Punkten. Wenn ich mir dann noch die Frage stelle, ob mit der Abarbeitung dieser Liste der durch die Finanzkrise entstandene Schaden repariert resp. eine Wiederholung vermeidbar wird, würde ich noch einen weiteren Punkt hinzufügen wollen.
Und zwar: ich habe an ein und demselben Tag einige Unterlagen vom letzten Kongress der US-Verbriefungsindustrie (der vor einigen Wochen stattfand) wie auch eine Kolumne von Krugman gelesen. Krugman nämlich möchte genau dieser Industrie an den Kragen, was ihm Widerspruch auch unter liberalen Bloggern eingetragen hat. Diese Konferenz hat aber – den mir vorliegenden Materialien nach zu urteilen – gezeigt, dass es in der Branche strukturbedingt keinen hinreichenden Lernfortschritt gibt – und vielleicht auch nicht geben kann. Wer vom Taschenspielertrick der Risikoentsorgung lebt, wird das Feld wohl nicht freiwillig räumen. Da aber de facto davon auszugehen ist, dass mit dem Aushebeln des mark-to-market accounting wieder hold-to-maturity angesagt ist, kann die Unterbindung der Verbriefung auch als Entsprechung zur Einräumung des buchhalterischen Privilegs verstanden werden, eben nicht börsenaktuelle Werte ausweisen zu müssen.
Man kann in der public choice-Literatur nachlesen, was passieren wird, wenn wir intransparente Regulierungen bekommen. Die Orgie der Korruption, die uns dann bevorstünde, würde das bereits Erlebte noch in die Zukunft verlängern. Regulierung ist kein quantitatives, sondern ein qualitatives Problem. Deshalb ist sie ohne Transparenz nicht erfolgversprechend. Und zur Transparenz gehören Konsistenz und Einfachheit. Die Forderung nach Verzicht auf das Instrument der Verbriefung erfüllt diese Kriterien. Dann braucht es keine überkomplexen, manipulierbaren Risikoformeln, bei denen jeder Koeffizient und jede Variable zur Verhandlungsmasse wird.
Die Verbriefung beruht auf dem Gedanken, dass man in der Finanzindustrie a priori nicht das volle unternehmerische Risiko tragen muss. Das ist hanebüchen. Gütermärkte würden so nicht funktionieren. Wir können dafür sorgen, dass Finanzmärkte diesbzgl. wieder “normalisiert” werden.
Fredmund Malik spricht davon, dass wir statt shareholder shareturner haben. Man könnte auch sagen: shareflipper (so, wie der Häuserkrise das “house flipping” vorausging). Mit einer informationstechnologischen Metapher gesprochen: die regelsetzende Elite ist ins BIOS unserer VWL gegangen und hat ihre Komponenten bis zum Anschlag overclocked. Ein RAM-Riegel ist uns bereits abgeraucht; die CPU arbeitet schon eine Weile weit ausserhalb der Spezifikationen des Herstellers. Was wir jetzt brauchen, ist Undervolting: energieeffiziente Spannungsversorgung, die nicht mit finanzieller Abwärme für eine Senkung der Heizkosten im Serverraum sorgt, sondern
die Lebensdauer der Komponenten optimiert.
Dem Ziel des Artikels (Wiederbelebung der Sozialen Marktwirtschaft / Orientierung an der plakativen Forderung “Wohlstand für alle”) stimme ich zu; der Weg dorthin erscheint mir noch ein wenig nebulös:
Die Exportabhängigkeit macht uns zwar derzeit besonders verwundbar, aber als primäre Fehlentwicklung kann ich sie trotzdem nicht erkennen; daß gleichwohl die Binnennachfrage zu stärken ist, ist zwar richtig, meiner Ansicht nach aber aus einem wichtigen Grund, der zwar angerissen wird (Einkommens-/Vermögensverteilung) trotzdem zu kurz kommt (in der FAZ wohl zu kurz kommen muß).
Warum ist die “obszöne Konzentration von Einkommen und Vermögen” negativ zu bewerten? Aus moralischen Gründen? Ja, das auch, aber das beeindruckt doch so gut wie niemand.
Nein, diese Konzentration würgt die Realwirtschaft ab! Sie zerstört Beschäftigung, Arbeitseinkommen, weil die Vermögenden ihr Einkommen nicht ausgeben, sondern aus der Realwirtschaft in die Welt der Finanzen transferieren; dort wird dann fröhlich spekuliert, “bis der Arzt kommt”, denn dort winkten auch vermeintlich höhere Renditen als in der Realwirtschaft mit seinen fest vergebenen claims.
Wer die Marktwirtschaft retten will, muß vor allem ihr wichtigstes Werkzeug reanimieren: den Wettbewerb.
Es ist doch nur verständlich, daß jeder, der “es geschafft” hat, die eigenen Pfründe gern auf Dauer sichern möchte, also den Wettbewerb auf seinem Markt am liebsten abschaffen möchte. Das gilt es zu verhindern, dafür hat Erhard Kartellgesetze geschaffen; diese strikt anzuwenden hat ihm genug Feindschaft eingebracht, daß seine Kanzlerschaft ein “Glückloses Intermezzo” blieb.
Ohne wirklichen Wettbewerb keine Anstrengung, keine Leistungsfähigkeit, keine Marktwirtschaft; dieser Begriff wäre dann nur noch Etikettenschwindel, man müßte dann von Günstlings- oder Vetternwirtschaft reden, Oligarchie…. Endstation “Bananenrepublik”.
Dies ist kein einmaliger Kraftakt, sondern bedarf ständiger Aufsicht aufgrund dieses Paradoxons: der Wettbewerb muß vor seinen eigenen segensreichen Erfolgen geschützt werden: Jeder Wettbewerbssieger ist ein potenzieller Monopolist! Wer also den Staat auf seine Rolle als Nachtwächter reduzieren will, um die Marktwirtschaft zu schützen, ist ein Heuchler!
Dem Vorschlag, die Großbanken zu zerschlagen, ist uneingeschränkt zuzustimmen; ich gehe noch weiter: nach US-Vorbild einer längst ideologisch bedingt untergegangenen Anti-Trust-Politik sollten alle Konzerne ab einer bestimmten Größe in kleinere Einheiten zerschlagen werden.
Einziges Ziel dieser Maßnahmen: Wiederherstellung des Wettbewerbs, Atomisierung jeder Art von wirtschaftlicher Macht, dies zum Nutzen der Verbraucher (monopolartige Preise verhindern) und von mehr Beschäftigung.
Alles, was von interessierter Seite – z.B. K.Horn – über Marktwirtschaft gefaselt wird, sind interessengesteuerte Nebelkerzen. Wie stets in der Geschichte, wenn die Zustände anfangen, unhaltbar zu werden, ist die Oberschicht zu dumm (zu dekadent?) einen Interessenausgleich mit dem Rest der Welt überhaupt nur zu erwägen, und die Folgen sind dann leider immer unnötig ………
Nochmal zur Klarstellung: es geht nicht um Umverteilung, es geht nicht um Geschenke für Leistungsunwillige, es geht um faire Zugangsmöglichkeiten für möglichst viele zu den Märkten, auf denen sie ihre Leistungen anbieten können. Es geht darum, die korrupte Behinderung (von der nur die etablierte Oberschicht profitiert) dieses Zugangs zu unterbinden.
Daß es dazu kommen kann, bedarf es natürlich auch eines Bildungssystems, das statt verblödeter Konsumenten ehrgeizige und leistungswillige Menschen zu formen willens ist. Haben die willfährigen strukturkonservativen Politiker dies (z.B. mit der Einführung des “Unterschichten-Fernsehens”) eher gefördert oder womöglich sogar absichtlich behindert?
Yep, habe ich noch vergessen…..also, die Idee mit den Banken. Yep, doll, jetzt entscheidet WGN oder wir oder whatever mal eben, wie groß so ne Bank denn sein soll. Yep, dazu haben wir ja auch das ausreichende Wissen, na klar, also wir hier, die wir nicht mal genau wissen was Kapitalismus ist, woher die Krise kommt noch wie ein Markt funktioniert. Yep, aber wir wollen mal entscheiden, wie das so weitergehen soll, im Markt und so. Yep, Zauberlehrlinge….lasst Euch mal was sagen:
Der Markt hat entschieden welche Bank wie groß sein darf.
Yep, hat er getan. In den letzten 12 Monaten!
Yep, viele groooße Banken sind laut Markt nämlich jetzt ganz ganz klein, also eigentlich garnicht mehr da.
Yep, und jetzt schaut mal, was dann passierte: Yep, da kamen so ein paar Experten und meinten, sie könnten entscheiden, wie große eine Bank sein dürfte. Yep, nannten sich Politiker und bezahlen gerade mit unseren Steuergeldern das Überleben der Dino-Banken.
ERGO: Der Markt hat schon lange entschieden im Sinne von Herrn WGN. Yep. Und die Politik, d.h. Menschen mit ihrem Wissen und iher Rationalität haben dagegen entschieden.
Yep, und wen soll man jetzt abschaffen oder reformieren?
Den Markt oder den Mensch?
Kaffee: “I want the truth!”
Col. Jessep: ” You can’t handle the truth!”
(a few good men)
@goodnight
Wie steuere ich Menschen, Märkte, eine Organisation, eine Gesellschaft…. :
Letztlich gibt es nur Steuerung über Hierarchie (Einzelne oder Gruppen) oder über Markt/Demokratie.
Am besten steuert sich der Mensch in dem man ihm die passende Überzeugung verpasst. Ihn also möglichst von frühen Jahren an dressiert und manipuliert. Auf einer emotionalen Ebene funktioniert dies mit Belohnung und Strafe.
Wie man nun sehen konnte funktonierten nicht wenige der Akteure nach eben diesem Prinzip.
Da die finanzkräftigsten Marktteilnehmer (im Medienbereich) die höchste Informationsdichte mit ihren Welterklärungsmodellen erreichen, denkt sich mancher: Was alle wissen und immer schon so war muss wohl so sein – schau ich mal zu wo ich bleibe.
Lieber andere scheuchen als selbst gescheucht werden – gelle?
In der Wunderwelt von Weissgarnix werden die Unternehmer ihre Investitionen aufrechterhalten, da sie wissen dass mehrwertsteuerfinanzierte Sozialbeiträge mehr Nachfrage nach ihren Produkten (Nach welchen??????) bedeuten. Dabei hat sich das Einkommen(über alle) ihrer Arbeitnehmer nicht verändert.
Warum Steuern? Warum nicht alle Einkommen sozialversicherungspflichtig machen? Es kann nicht das Arbeitslosenproblem lösen. So ehrlich muss man doch sein!
@keiner
“Das ist ein GANZ schlechter Scherz, die Mehrheit ist nie gefragt worden, weder die in Deutschland, noch die in Europa, vom Rest der Welt ganz zu schweigen…”
=>Nope, schon mal über STERUERUNG nachgedacht…als NACHGEDACHT? Nope? ….yep….weil dann würdest Du erahnen, was es bedeutet eine gesellschaft von ca. 82 mio. menschen zu steuern. Yep, wie soll man das denn machen? Mal alle persönlich befragen? Jedes mal, oder ab und zu oder ganz selten? Yep, also wann? Weil auch über das muss man wieder entscheiden und dann steht wieder die frage im Raum: Wer entscheidet, wann wir entscheiden. Also, wer soll es sein? Die Reichen; die Klugen, die Schönen, die Intelligenten? Yep…die Intelligentesten…yep, und wer sind die? VWLER? PHysiker? Germanisten? Nach IQ oder nach Bildungsabschluss? Yep, Fragen über fragen….yep, so kompliziert ist das. Yep, ist aus Sicht eines einzelnen menschen ganz blöde, diese Strukturen und so, hat der Kafka ja schon beschrieben, yep, aber ist halt so. Punkt.
Und deshalb können wir uns doch langsam das ganze infantile Geblubber von “ich will eine andere bessere schöne Welt haben” ersparren, weil “ich” ist nicht “ich”, denn ich will eine andere schönere bessere Welt als Du. Und WGN noch ne ganz andere…und HG fragen wir mal lieber nicht…und da sind noch andere 82 Mio. in Deutsche land und draußen noch mal 6 Mrd….und alle wollen eine andere schöne bessere Welt.
Alles Einzelkinder hier….Plage
” None of you understand. I’m not locked up in here with you. You’re locked up in here with me.”
Rorschach (watchmen)
@goodnight
Yep, und jetzt schaut mal, was dann passierte: Yep, da kamen so ein paar Experten und meinten, sie könnten entscheiden, wie große eine Bank sein dürfte. Yep, nannten sich Politiker und bezahlen gerade mit unseren Steuergeldern das Überleben der Dino-Banken.
Und wer hat ihnen das, mit drastischen Konsequenzen, eingeflüstert?
Es gibt nur den Markt den die Menschen machen.
Goodnight, das war zwar eine LANGE Antwort, hatte aber nichts mit meiner Bemerkung zu tun
DU postulierst, die Mehrheit will, dass unser System (wirtschaftlich/politisch) so ist, wie es ist. Dann löst du den Begriff der Mehrheit auf, in dem du alle Menschen auseinzelst und das Vorhandensein JEGLICHER Mehrheit größer als 1 (Individum) abstreitest. Das passt nicht zusammen…
@goodnight #28
wie sieht deiner meinung nach diese “STEUERUNG” aus?
“business as usual” oder staat würfelt die spielregeln.
oder: wieso gibt es diese reguierung noch nicht?
” Weil auch über das muss man wieder entscheiden und dann steht wieder die frage im Raum: Wer entscheidet, wann wir entscheiden. Also, wer soll es sein? Die Reichen; die Klugen, die Schönen, die Intelligenten? Yep…die Intelligentesten…yep, und wer sind die? VWLER? PHysiker? Germanisten? Nach IQ oder nach Bildungsabschluss? Yep, Fragen über fragen….”
ja, fragen über fragen. “der markt” gibt offensichtlich leine antworten.
“Wohlstand für alle ist mehr als eine Phrase”
Wenn jemand 250.000,- EUR hat, ist der dann arm ?
Oder hat er Wohlstand ?
Auch auf die Gefahr hin zu provozieren, folgendes Beispiel:
Es soll ja junge Leute geben, die sagen: “Ich werde Hartz 4″.
Manche sprechen von vererbter Sozialhilfe-Tradition.
weissgarnix schreibt, daß die Hälfte der deutschen Bevölkerung kein Vermögen besitzt. Das stimmt, und es stimmt nicht, wenn man die sozialrechtlichen Leistungsansprüche bilanzieren würde. Einige Körperschaften des öffentlichen Rechtes beginnen mit der Bilanzierung der Pensionsanwartschaften. Rundfunkanstalten und Krankenkassen werden hohe Rückstellungen einstellen müssen, wenn Pensionen als bereitzustellendes Vermögen in ihre Bilanzen aufgenommen werden muß.
Ein Hartz-4-Empfänger hat Anspruch auf ca. 350 EUR Regelsatz, für Miete und Heizung können 250 EUR angenommen werden, die gesetzliche Krankenversicherung hat einen Wert von vielleicht 235 EUR im Monat.
Summe: EUR 835,- monatlich.
Wenig Geld.
Aber bei einem 20 Jahre altem Mann enstpricht das einem verrenteten Geldbetrag von EUR 250.000,-.
Nein, sogar einem höheren Wert, weil der Regelsatz gelegentlich zum Inflationsausgleich angehoben wird.
Vielleicht haben wir in Deutschland ja doch schon Wohlstand für alle, im Unterschied zu manchen Ländern des Südens…
http://www.irrq.com/de/leibrentenrechner.php
Leibrente für: Beispielname…
Geburtstag: 5.5.1989
Geschlecht: männlich
Zahlungs- oder Übertragungstermin: 1.5.2009
Beginn der Rentenzahlung: 1.6.2009
Zeit zwischen Zahlung und Rentenbeginn: 0,08 Jahre
Höhe der Einmalzahlung: 250000,00 €
Angenommes Zinsniveau: 3,50 %
Verrentungskapital zu Beginn: 250717,72 €
Alter bei Vertragsbeginn (Zahldatum): 19,99 Jahre
Statistische Lebenserwartung: 77,49 Jahre
Alter zu Rentenbeginn: 20,07 Jahre
Statistische Zahldauer: 57,42 Jahre
Rente ohne Kapitalverzehr: 719,79 €
Lebenslange Rente mit Kapitalverzehr:
835,73 €
@lemming
Yep, der Markt ist ein Konstrukt…und er funktioniert, weil die Mehrheit an das Konstrukt glaubt. Yep, hier reden zwar alle immer über Revolution und so, aber morgen früh gehen sie zur Arbeit, zahlen mit Geld, verlgleichen Preise etc. Jeden Tag.
So funktioniert übrigens auch Demokratie: Alle wählen oder wählen nicht, aber keiner steigt aus. Und Hierarchie operiert ebenso….yep, Menschen neigen dazu, ihre Handlungen zu negieren, jeden tag.
Susan: “I don’t know many people.”
C. F. Kane: “I know too many people. I guess we’re both lonely. ”
(citizen kane)
Die MarktLOGIK ist ein Konstrukt.
@HAM
achne! erzähl’s goodnight…
Begreift endlich: Es kann keine soziale Marktwirtschaft im Rahmen eines kapitalistischen Systems geben. Die Logik, dieses Systems widerspricht sogar dem Paragrafen No. 1 der Verfassung der BRD.
Der Kapitalismus geh0rt abgeschafft.
@keiner: “… die Mehrheit ist nie gefragt worden, weder die in Deutschland, noch die in Europa, vom Rest der Welt ganz zu schweigen…”
Da liegst Du falsch, denke ich. Die Mehrheit wird, zumindestens in den Demokratien jeden Tag gefragt. Sie brauchen nur mehrheitlich auf die Straße zu gehen – meinst Du nicht, daß dann flugs Bewegung in die Politik kommen würde? Mit der Methode war sogar Honni sehr schnell weg.
Fakt ist aber, sie tuns nicht. Also nehmen sie die Situation billigend in Kauf, oder finden die Alternative noch schlechter. Aber sie habens in der Hand.
Deshalb hat goodnight recht: “Die Mehrheit will die Welt so wie sie ist. Das nennt sich DEMOKRATIE. ”
Gruß, Gojko.
Weissgarnix, nix für ungut, aber seit du Halbgott hier rausgeschmissen hast, hast du irgendwie die Erdung verloren und bist vollkommen ins keynesianische Wunderland abgehoben…
@goodnight
Yep, der Markt ist ein Konstrukt…und er funktioniert, weil die Mehrheit an das Konstrukt glaubt.
Yep!
Ich glaube nicht mehr dran. Sonst noch jemand?
Vermutlich. Und vermutlich morgen noch mehr und übermorgen noch mehr, wenn’s nämlich nicht darum geht, was an Konstrukten geglaubt wird, sondern was dann die Verlustrechnung ergibt.
Dann brauchen wir ein neues Konstrukt. Wird schon einer liefern, denn wo Nachfrage, da kommt das Angebot – das, immerhin, haben wir ja vom “Markt” gelernt.
Schaun mer mal…
(F. Beckenbauer)
@goodnight: “Yep, nannten sich Politiker und bezahlen gerade mit unseren Steuergeldern das Überleben der Dino-Banken.”
Die Bundesregierung hätte eine Garantie auf die Einlagen der Bevölkerung von sagen wir mal 50.000 EUR aussprechen , eine “Good-Bank” gründen (damit die Wirtschaft Kredite bekommt) und den Rest dem Markt überlassen sollen.
DAS wäre ein Streßtest – nicht das, was gerade in den USA läuft.
Gruß, Gojko.
@staph.aureus
Wenn DU erst mal die Kapitalrückstellungen für alle Toten Deutschen bildest.
WOW.
@ goodnight
wer entscheidet über die Größe der Banken:
der Markt, so einfach ist das. Keine der großen Bankhäuser wäre ohne Staatshilfe noch so groß. Commerz und Dresdner Ban, Post und DB? No way. Sparkassen & Genossenschaft: That’s it.
Wie bekommt man den Willen von 82 Mio. Menschen unter einen Hut?
==> Gar nicht ==> Sezession.
@politclown
War der halbgott nicht letztens hier im Blog unterwegs?
Ansonsten – Zustimmung!
Und nicht nur die Erdung – auch den Unterhaltungswert!
@staph.aureus:
Die Zahlen begreif ich wohl, allein – was willst du damit sagen?
In der Deflation wird der Hartzer reicher, in der Inflation geht er vor die Hunde.
War die Frage nicht, wie der Hartzer ins Wirtschaftsleben zu integrieren wäre?
Der einzige Sinn dieser Betrachtung aus der Rentier-Perspektive scheint mir der zu sein, ihn nicht als Bestandteil, sondern als externen Nutzniesser des Produktionsprozesses aufzufassen.
Weil es ja so toll kommt, ihm nach 10 oder 20 Jahren – wenn die Demographie das Land so richtig mit dem Arbeitsfieber ansteckt – mitzuteilen, dass er nun aber doch wieder gebraucht wird.
Oder sollen wir irgendwie zu dem Glauben bewegt werden, dass wir sozusagen auch alle gleichzeitig Hartzer sein könnten, weil die Wirtschaft, wenn sie schon soviel Einkommen hervorbringen kann, wie sie derzeit generiert, bestimmt keine Schwierigkeiten hätte, die viel niedrigeren Ansprüche eines Volks von Transferbeziehern zu decken?
@ Jörg
Ich glaube, staph.aureus will damit andeuten, daß ein H4ler genauso gestellt ist wie einer, der sich 250.000 EUR zusammengespart hat.
Gruß, Gojko.
@unwissender: Was wo? Hab in der letzten Zeit nicht mehr so aufmerksam verfolgt, was hier in den Kommentaren ging, da ich ja dachte dass HG vollkommen rausgefiltert wurde…. Ansonsten Link her!!!
http://www.weissgarnix.de/?p=2113
Ab Posting 13 !
@gojko:
Ich glaube, ich habe heute einen schlechten Tag. Warum habe ich nicht gleich “angedeutet”, dass dem Hartzer etwas ausgezahlt wird, ohne dass er dafür eine produktive Gegenleistung erbringt?
Der H4er ist in der Tat genauso gestellt wie jemand, der
a) 250 TE gespart hat,
b) 250 TE geerbt hat,
c) 250 TE im Lotto gewonnen hat,
d) ein Leben lang Einkommen in entsprechender Höhe vom Partner bezieht.
Was lehrt mich die Verfügbarkeit dieser verschiedenen Vergleichsmöglichkeiten über den H4er? Dass er dem Sparer das Lebensglück versauert? Oder dass der Sparer einen tollen Deal macht, wenn er dem H4er nach 10 Jahren einen Teil seines Ersparten als Lohn abtritt, weil die Arbeitskraft des H4ers jetzt so gut abgehangen ist und sogar eine solche über alle Zweifel erhabene Fassreife erlangt hat, dass die Qualität von ihm erbrachter Dienstleistungen oder hergestellter Produkte vielleicht nicht mal mit Gold aufzuwiegen wäre?
@unwissender: Danke, you made my day!
@ goodnight
Märkte und Hierarchien… sind doch kein antagonistisches Gegensatzpaar, sondern einfach nur verschiedene Organisationsrahmen zur Durchführung von Transaktionen, die sich gegenseitig bedingen und ersetzen.
Wenn ein Unternehmen mit einem Freelancer jeweils projektbezogen immer einen neuen Kontrakt aushandelt, dann ist das eine Marktbeziehung. Wenn es dieselbe Person plötzlich einstellt, wodurch diese weisungsgebunden, aber auch rechtlich abgesichert ist, dann wird daraus eine hierarchische Beziehung.
Wenn Unternehmen A beim unabhängigen Zulieferer B einkauft, dann ist das eine Marktbeziehung, selbst bei langfristigen Lieferkontrakten. Wenn aber Unternehmen A den Zulieferer B selbst (d. h. die ganze Firma) kauft, dann wird daraus eine hierarchische Beziehung. – (Natürlich auch umgekehrt möglich.)
Jedes Unternehmen ist nach außen hin ein Marktsubjekt, funktioniert nach innen aber im wesentlichen hierarchisch. Wenn letzteres nicht mehr gegeben ist, hört das Unternehmen auf, ein Wirtschaftssubjekt und ein kollektiver Akteur zu sein, dann wird es zu einem losen Konglomerat aus ständig neu auszuhandelnden Binnen-Vertragsbeziehungen. Es gibt ja in manchen Dienstleistungsbranchen in der Tat Firmen, die bis zu einem gewissen Grad so funktionieren, z.B. die, von der ich meine Aufträge kriege. Unsere Wirtschaftsordnung als Ganzes könnte auf dieser Basis aber wohl kaum Bestand haben.
@ gojko #37
„Fakt ist aber, sie tuns nicht. Also nehmen sie die Situation billigend in Kauf, oder finden die Alternative noch schlechter. Aber sie habens in der Hand.
Deshalb hat goodnight recht: “Die Mehrheit will die Welt so wie sie ist. Das nennt sich DEMOKRATIE. ”“
Ich meine, hier handelt es sich um eine unzulässige Schlussfolgerung.
Beispiel:
Ich habe Lust zum Schwimmen und gehe ins Schwimmbad.
Das Schwimmbecken ist voll und alle Leute schwimmen im Kreis rechts herum im Schwimmbecken.
Rechts herum macht mir nicht so viel Spaß, ich schwimme lieber kreuz und quer. Und wenn ich im Kreis schwimmen muss, dann mag ich eigentlich nur linksherum.
Was kann ich tun?
Ich habe nur 2 Alternativen:
a) nicht schwimmen
b) rechts herum schwimmen
Weil ich schwimmen will, schwimme ich rechts herum im Kreis.
WILL ich so schwimmen, wie ich schwimme?
Nope, ganz im Gegenteil.
In der modernen Gesellschaft ist das Individuum gezwungen, am Wirtschaftsprozess teilzunehmen, um zu überleben. Er kann weder als Sammler oder Jäger existieren, noch sich eine Subsistenzökonomie aufbauen. Deshalb muss das Individuum mitmachen, egal ob es dies will oder nicht.
Und deshalb ist der Rückschluss vom Mitmachen aufs Wollen nicht zulässig. („Die Mehrheit will die Welt so wie sie ist.“)
@ staph. aureus, Gojko
Da stößt die rein monetäre Betrachtungsweise aber an ihre Grenzen.
Mal ganz von den Zumutungen der Hartz-IV-Bürokratie abgesehen:
Wer über 250.000 Euro verfügt, der hat damit in der Regel doch den Zugang zu anderen Milieus, sozialen Netzwerken etc. (“soziales Kapital”), welche ihm vermutlich auch andere Einkünfte jenseits der Kapitalverzinsung ermöglichen – zumindest ist die Wahrscheinlichkeit dafür wohl deutlich größer als bei dem sozial marginalisierten Hartzer. Zudem kann der 250.000-Euro-Mann sich nach eigenem Gusto in verschiedenen Bereichen ausprobieren und z.B. als Selbständiger auch längere Durststrecken durchstehen, er muß nicht jeden Schei..job annehmen. Und er kann natürlich die 250.000 Euro auch spekulativ mit deutlich höherem Renditeziel anlegen: Wenn’s klappt, hat er ausgesorgt, wenn nicht, kann er immer noch das Schicksal des Hartzers teilen.
Also, falls sich jemand von staph. und Gojko überzeugen lassen hat, daß 250.000 Euro eigentlich unnütz sind, da sie letztlich nur ein Leben auf ALG-II-Niveau ermöglichen: Her mit dem Geld! Ich habe bessere Verwendung dafür!
“Jenseits der politischen Propaganda führt die Soziale Marktwirtschaft ein recht bescheidenes Dasein. ”
Da geht es der Marktwirtschaft so wie der Religion. Der Gläubige ist tief überzeugt davon, daß Wasser in Wein verwandelt worden ist. Und die tiefgläubigen Prediger der Marktwirtschaft Vers.2009 erzählen dem staunenden Volk, daß zwanzigjährige H4ler 250.000 EUR geschenkt bekommen können ( im Unterschied zum Haushalt einer Rundfunkanstalt muss es im Bundeshaushalt nicht bilanziert werden).
Warum kamen Alfred Müller-Armack oder Ludwig Erhard nicht auf die Idee, die abstrakte Formel “Wohlstand für alle” mit dem konkreten Versprechen einer Viertelmillion für Zwanzigjährige zu verbinden ? Weil sie Wohlstand nicht mit Besitzstand gleichsetzten. Weil sie “ein bescheidenes Dasein” nicht abschätzig einstuften. Die Alternative des unbescheidenen Nichtmehr-Daseins im grössenwahnsinnigen Angriffskrieg hatten beide miterlebt.
“Die Politik trägt eine Verantwortung für die Gesellschaft, und dieser muss sie nachkommen.” Genau das macht unsere Bundesregierung, dazu gehören die ständigen Nachbesserungen=Fehlerbeseitigungen an den liberalisierenden Reformen in Arbeitspolitik, Gesundheitswesen, Verbriefungen. Wo Lehrlinge arbeiten, passieren Fehler.
“Die Faktenlage beweist eindeutig, dass der bisherige Kurs zu nichts anderem geführt hat als zu Verteilungsungerechtigkeit und finanzieller Instabilität.” Verteilungsungerechtigkeit gab es immer, gibt es, und wird es immer geben. Eltern wohlbekannt: Gummibärchen ´gerecht´verteilen: rot, grün, gelb… Wer bekommt wieviel wovon ?
weissgarnix stellt falsche Regeln auf. Einen Außenhandelsüberschuss halte ich für unproblematisch. Ein beständiger Fremdwährungsüberschuss (!) erzeugt volkswirtschaftliche Verwerfungen. Der Euro wirkte glättend, ausgleichend im Binnenraum der EU.
“Markteintrittsbarrieren aller Art müssen abgeschafft werden”
Wie bitte ? Drei Absätze zuvor argumentierte wgnx mit den schädlichen “Konsequenzen einer Liberalisierungswelle” von Kohl und Schröder. Wortreich, aber widersprüchlich, werter weissgarnix !
“strengere fiskalische Linie gegenüber den europäischen Partnerländern” scheint nicht politischer Wille zu sein. Wir werden in Deutschland die Tonnagesteuer behalten, die Kanalinseln werden steuerfreie Kapitaleinkünfte behalten, und Osteuropa wird flat-tax-Modelle behalten. Und den nächsten Schritt einer europäischen Einigung wird unsere Generation nicht erleben, eine europaweit einheitliche Steuer (federal tax), die von einer EU-Finanzbehörde erhoben wird.
“herrschten in Deutschland untragbare Zustände” . Das muß ich verpasst haben. Millionen Deutsche Urlauber drängelten sich im letzten Sommer in die Flugzeuge zur Ausreise, und wieder zurück zur Einreise. Was für ein Unterschied zum Sommer 1989 in der DDR, da reichte ein One-Way-Ticket, um in einer Viel-Klassengesellschaft glücklich zu werden. Zweiklassengesellschaft gab es in der DDR: Parteimitglied, oder nicht. Studium, oder nicht.
Und ob die Folgerungen der Krise nur eine Alternative für die Banken zulassen, nämlich komplette Verstaatlichung oder Aufteilung in kleine Institute, darf heftig bezweifelt werden. Zum einen waren gerade staatliche (Landes-)Banken übertrieben risikofreudig, und eine kleine Sachsen-LB verursachte heftigen Schaden, im Unterschied zur grossen HELABA. Weder Staatsbesitz, noch Größe sind ausschlaggebend. IT´S THE RISK, STUPID !
Schluss mit dem Unsinn. Die soziale Marktwirtschaft ist ja ganz ok, aber nicht der Weiheit letzter Schluß. Der amerikanische Kapitalismus ist das bessere System. Praktisch aus dem Nichts haben die Einwanderer die reichste Nation der Welt errichtet. Natürlich gibt es in den USA Armut und Probleme. Es ist aber alles in allem das bessere System. Warum besetzen die Amis die Wachstumsmärkte von morgen? Sie haben die größten Softwarefirmen, die besten Internetkonzerne, die erfolgreichste Filmindustrie, die führenden Pharmaindustrie etc. Es liegt sicherlich nicht am Klima. Es liegt am System.
Dass alle politischen ernst zu nehmenden Parteien in Deutschland mehr “soziale Marktwirtschaft” fordern, aber jede Partei damit etwas anderes meint, ist an sich kein Widerspruch. Dies liegt insbesondere darin begründet, dass es sich hierbei lediglich um einen Begriff handelt, mit denen – entgegen landläufiger Meinung – keine konkrete Inhalte verbunden sind.
Kurzum: Die Forderung nach mehr “soziale Marktwirtschaft” ist eigentlich inhaltsleer, solange zumindest, wie damit keine konkreten Reformvorhaben verbunden sind. Ansonsten bleibt es eine Diskussion um reine Begrifflichkeiten.
Und darin liegt denn auch die eigentliche Krux in der derzeitigen – nur allzu berechtigten – Diskussion um die Wiederbelegung der “sozialen Marktwirtschaft”. Denn es lassen sich zumindest derzeit für mich keine konkreten Reformvorhaben erkennen, die auf ein Mehr an sozialer Marktwirtschaft hindeuten könnten. Die Weigerung der derzeitigen Regierenden, sich an eine echte Steuerreform heranzuwagen, die die Mehrzahl der SteuerzahlerInnen wirklich entlastet, ist dabei ein beredtes Zeugnis. Denen geht es bislang nur um die Bewahrung des Status Quo oder sogar – kaum zu glauben aber wahr – um die Wiederherstellung der Ausgangssituation vor der Finanzkrise. Wer in diesem Tun ein Mehr an sozialer Marktwirtschaft erkennen will, soll dies gerne tun. Ich glaube daran jedenfalls nicht.
WOHLSTAND FÜR ALLE IST MEHR ALS EINE PHRASE
Da wird ein 20-Jähriger, arbeitsfähig und arbeitswillig, mit einem fiktivem Kapitaleigner verglichen, der 250.000 € aufwenden müsste, um lebenslang eine Leibrente in Höhe der Sozialfürsorge zu erhalten.
Und da ist die Inphallation noch gar nicht eingerecht, die böse Inphallation.
Wird der 20jährige Hart IVler mit einem gleichaltrigen Leibrentenbezieher verglichen, dann wird deutlich, dass man einen Hart IVler auch als Vermögensbesitzer betrachten kann.
Doch da gibt es noch andere Vermögensbesitzer, die in einer ganz anderen Liga spielen. Strafgefangene beispielsweise.
Aufwand 90 €/Tag, macht 2.700 €/Monat.
Das gebe ich jetzt in staph.aureus´ Leibrentenrechner ein.
Leibrente für: Beispielname…
Geburtstag: 5.5.1989
Geschlecht: männlich
Zahlungs- oder Übertragungstermin: 1.5.2009
Beginn der Rentenzahlung: 1.6.2009
Zeit zwischen Zahlung und Rentenbeginn: 0,08 Jahre
Höhe der Einmalzahlung: 810000,00 €
Angenommes Zinsniveau: 3,50 %
Verrentungskapital zu Beginn: 812325,43 €
Alter bei Vertragsbeginn (Zahldatum): 19,99 Jahre
Statistische Lebenserwartung: 77,49 Jahre
Alter zu Rentenbeginn: 20,07 Jahre
Statistische Zahldauer: 57,42 Jahre
Rente ohne Kapitalverzehr: 2332,10 €
Lebenslange Rente mit Kapitalverzehr: 2707,75 €
Mann, ist das der Hammer!
Ein Reproduktionsaufwand für einen Knasti, welcher einer Leibrente auf Basis einer Einmalzahlung von 810.000 € beruht!
Mann, wie sind wir wohlhabend!
WOHLSTAND FÜR ALLE IST MEHR ALS EINE PHRASE
“Mann, wie sind wir wohlhabend!”
Sag ich doch.
Zwei Knastis geben in 2009 einem Schliesser Arbeit,
ein Personalschlüssel wie auf einem Kreuzfahrtschiff.
Ob der Strafvollzug bei Ludwig Erhard auch so sozial war ? (Im Klingelpütz in Köln waren 200 Beamte für 800 Gefangene zuständig)
Geht aber auch günstiger. In Marion County, USA für 27 EUR/Tag.
Und wenn man mehr einbuchtet, gibt´s Mengenrabatt.
Und wenn man alle einbuchtet, muss man nur eine Mauer bauen.
http://www.ocala.com/article/20070626/REPORTER/206280310
Marion County officials recently did a cost comparison and investigated whether privatizing the jail would be less expensive. In a letter to commission chairman Stan McClain, Sheriff’s Maj. Paul Laxton said costs would hike from $25.2 million to $38.3 million if they privatized. He based his calculations on the rate CCA charges Citrus County. An inmate currently costs Marion County $35.96 per day.
@T-S-M “Der amerikanische Kapitalismus ist das bessere System. ”
Bist Du Dir da sicher ? Kannst Du das bitte ein wenig begründen ?
FAZ-Kommentar von ´Hans-Werner Bender´:
“Was ist mit Rentenansprüchen, Pensionsansprüchen, Betriebsrenten usw.? Wieso werden derartige Vermögen unterschlagen? Dass diese dafür eingezahlten Beträge (einschließlich Verzinsung), anders als andere Vermögen, dem Einzelnen nicht frei zur Verfügung stehen, das ist ja von Sozialpolitikern so gewollt (Beispiel Adenauer, Ludwig Erhard war übrigens gegen das Umlageverfahren). Sind andere Sozialleistungen, beispielsweise Gesundheitsleistungen, Pflegeleistungen usw., Bildungswesen, Infrastruktur usw. nicht auch Vermögen, und zwar sehr große? Von wem wird/wurde das finanziert? Überwiegend von der Minderheit der Steuerzahler, aber alle Bürger profitieren davon. Wenn vom Wohlstand die Rede ist, dann gehören diese und weitere Punkte auch dazu.
Nur, dann stimmt die simple Behauptung (20% halten 80% des Vermögens) nicht mehr.
http://www.lernzeit.de/sendung.phtml?PHPSESSID=669cdce8f1bf0b1999ec4e6b254466e1&detail=870009
“Der Streit um Hartz IV und die Frage, ob diese Form der Arbeitslosenunterstützung nun gerecht sei oder nicht, schwelt nach wie vor. Besonders bei den zwei so genannten Volksparteien. Und es wird so getan, als würden Wohl und Wehe des deutschen Sozialstaates davon abhängen. Doch wer das glaubt, irrt gewaltig.
Hartz IV ist eine Kleinigkeit gegen das, was zwangsläufig schon sehr bald bevorsteht: Eine viel grundlegendere Debatte über den künftigen Wohlfahrtsstaat. Denn spätestens mit dem nächsten Konjunkturabschwung wird die eigentliche Frage wieder akut: Wer soll auf Dauer die vier bis fünf Millionen Arbeitslosen im Lande bezahlen – und: wer kommt in Zukunft für die Menschen auf, die in Rente gehen? Wenn man von “Rente” dann überhaupt noch sprechen kann.
bereits gesendete Folgen
12. März 2007
7.45 – 8 Uhr, Morgenecho – Serie in 6 Teilen, WDR 5
Folge 1: “Ich werde Hartz IV” – Hauptschüler und ihre Zukunft
13. März 2007
7.45 – 8 Uhr, Morgenecho – Serie in 6 Teilen, WDR 5
Folge 2: Beruhigungspille Wirtschaftsaufschwung
14. März 2007
7.45 – 8 Uhr, Morgenecho – Serie in 6 Teilen, WDR 5
Folge 3: Deutschland – ein Renten-Märchen
15. März 2007
7.45 – 8 Uhr, Morgenecho – Serie in 6 Teilen, WDR 5
Folge 4: Bevölkerungsrückgang – oder: alles wird gut?
16. März 2007
7.45 – 8 Uhr, Morgenecho – Serie in 6 Teilen, WDR 5
Folge 5: Ausweg Schwarzarbeit
17. März 2007
7.45 – 8 Uhr, Morgenecho – Serie in 6 Teilen, WDR 5
Folge 6: Der neue Wohlfahrtsstaat: Bürgergeld als Wachstumsmotor
Jenseits aller Reformideen gibt es eine, die wirklich grundlegendes verändern würde. Die des Bürgergeldes: Jeder bekäme vom Staat eine Summe, die sich am Existenzminimum orientieren würde. Jeder.
Ob mit oder ohne Arbeitsplatz. Und das ganze Leben lang. Im Gegenzug würden alle bisherigen staatlichen Leistungen gestrichen. Schwarzarbeit wäre plötzlich legal. Und mit einem Schlag gäbe es keine Arbeitslosen mehr. Weil sie in einem solchen System nicht vorkämen. Niemand müsste arbeiten, aber jeder könnte. Revolutionär! Aber auch realistisch?”
Anmerkung: So schräg falsch (“Schwarzarbeit wäre legal”) wird im WDR zum Bürgergeld argumentiert, denn gerade das Bürgergeld-System lebt von Steuern auf alle Einkommensarten.
@HAM (Schwimmbadbeispiel)
Demokratie ist der Wille der Mehrheit – wenn also alle rechts herum schwimmen, dann setzt die Mehrheit damit die Norm. In einer freien Gesellschaft hast Du dann die Wahl mitzuschwimmen oder die Leute zu überzeugen, daß kreuz und quer lustiger ist.
Was man kritisieren kann ist, daß meiner Einschätzung nach viele gar nicht bereit sind darüber nachzudenken, ob “links rum” vielleicht besser wäre. Die wollen einfach nur in Ruhe DSDS zuende sehen.
Gruß, Gojko.
@Joerg:
“Was lehrt mich die Verfügbarkeit dieser verschiedenen Vergleichsmöglichkeiten über den H4er? Dass er dem Sparer das Lebensglück versauert?”
In erster Linie daß unsere Gesellschaft so unsozial und unsolidarisch nicht sein kann. Für die 250k muß man ein ganzes Arbeitsleben sparen.
Gruß, Gojko.
@T-S-M:
So richtig glauben die Amis aber auch nicht mehr dran, daß sie im alleinigen Besitz der allumfassenden Wahrheit sind. In der New York Times liest man gar nicht so selten sowas hier:
–
Every time I travel to Europe on business, I come home thinking, “Let me get this straight. The Europeans work shorter hours, take longer vacations, have a higher GDP, a higher standard of living, better transit systems, better cell phones, better education, better infrastructure, much better health care, and more social mobility. Precisely what do we get here in the US from working all those long hours for our corporate masters?”
Then I remember! Our aristocracy has more money, our middle class has less chance of getting ahead… and…we’re fatter!
—
Gruß, Gojko.
Wenn es nach mir geht müßten Kapitalerträge sozialvesicherungspflichtig werden. Dann wären wir bei einem Hartz IV ler schon bei 500000 Euro.
“In erster Linie daß unsere Gesellschaft so unsozial und unsolidarisch nicht sein kann. Für die 250k muß man ein ganzes Arbeitsleben sparen”
Ja, nach den Normen einer nicht so weit zurückliegenden Vergangenheit ist unsere Gesellschaft nicht so unsozial und unsolidarisch. Aus der Perspektive der Notwendigkeiten der Zukunft betrachtet, ist ihr Prinzip der beschleunigten Ausgliederung von Arbeitskräften allerdings sogar unökonomisch. Von daher können wir ableiten, wie das Standing des Begriffs des Sozialen in Zukunft sein wird.
Allerdings unterscheide ich mich von vielen hier auch darin, dass ich das bedingungslose Grundeinkommen oder Bürgergeld für ein gewaltiges Misssverständnis halte.
Und die Kapitalisierungsrechnungen, die hier auf den Tisch kommen, sind Kalkulationsirrtümer im Hayekschen Sinn. Die würden mit diesen Alimentierungsmodellen ratifiziert.
@gojko #61
Selbstreferentielle Systeme funktionieren wie eine Endlosschleife. Aber die kapitalistische Ökonomie ist keine einfache Kreislaufwirtschaft, sondern stellt eine erweiterte Reproduktion dar. Sie ist eine Wachstumsökonomie, die nur funktioniert, wenn der Kapitalakkumulationsprozess aufrechterhalten wird, ansonsten gerät sie in eine Kapitalverwertungskrise. Und wenn sie nicht neue Möglichkeiten der Kapitalverwertung erfindet, dann müsste sie Kapital entwerten, um wieder Akkumulationsmöglichkeiten zu schaffen. Tut sie es nicht, gerät zwangsläufig die sog. Realwirtschaft in die Krise.
Stefan L. Eichner (# 13) hat bereits darauf hingewiesen, dass die „Soziale Marktwirtschaft“ von Ludwig Ehrhard seinerzeit ganz andere Umweltbedingungen vorfand. Insofern kann der Bezug auf Ehrhard nur eine Metapher sein, gewissermaßen eine Verpackung für eine ganz andere Politik, nämlich für eine Krisenpolitik.
Da gehe ich noch einmal auf das Schwimmbadbeispiel zurück. Nehmen wir an, es gehen mehr Leute ins Schwimmbecken als herausgehen. Im Schwimmbecken findet „Wachstum“ von Menschen bei begrenzter Umwelt statt, und es entsteht Chaos.
Was dann?
Ja, dann kommt der Bademeister mit seiner Trillerpfeife und gibt neue Regeln vor. Ganz autoritär.
So läuft das auch in einer kapitalistischen Krise. So wie Krisenphasen zum Kapitalismus gehören, so gehören auch diktatorische Phasen zum Kapitalismus. Zunächst meist als „softe Diktatur“. Wenn dies nicht ausreicht: als totalitäre Diktatur. In der Regel wird die formale Struktur einer Demokratie beibehalten. Die Leute können bei Wahlen ihre Kreuzchen machen, die Politik damit beeinflussen können sie nicht.
Hatten wir alles schon einmal. Und nicht nur in Deutschland.
Die Frage ist nur, ob dies alles wieder in eine kapitalistische Ökonomie einmündet oder ob es zu einer historischen Weiterentwicklung in Form einer „nach-kapitalistischen“ Ökonomie kommt.
Einen schönen Tag!
HAM
Eigentlich käme es darauf an, sich hier keinen verqueren Begriff des Sozialen aufdrängen zu lassen (oder ihn gar noch selbst in die Debatte zu bringen). Im Prinzip geht es da nämlich um die Vorstellung von Almosen. Und die können “grosszügig” oder “kümmerlich” sein – wenn erstmal in eine solche Richtung umgedacht worden ist, bedarf es erst eines grundlegenden gesellschaftlichen Wertewandels, bevor wieder zur Vorstellung des sozialen Ausgleichs und der Integration zurückgekehrt wird.
In den USA hat die lange Welle der Desolidarisierung ihren Beginn im Jahr 1965 gehabt. Ich hoffe, dass sie jetzt zu Ende gekommen ist. Sicher wissen werden wir das erst in einigen Jahren. Bei uns handelt es sich eigentlich erst seit einer Dekade um den dominanten Trend (denn die intellektuelle Vorbereitungsphase und die ersten praktischen Experimente darf man nicht mitrechnen, wenn man zu einer historischen Einschätzung statt einer anekdotischen Darstellung gelangen will).
Darum geht es: bauen wir unsere Gesellschaft weiter nach dem Entwurf des Prof. Pohl und anderer Vertreter seiner Denkrichtung um oder nicht? Wollen auch wir wirklich mal ein halbes Jahrhundert lang “The Big Sort” durchexerzieren?
Ist ein finaler Erfolg der Apologeten einer neuen Ständegesellschaft schon vorgezeichnet?
Sie haben in der INSM einen zentralen Think Tank, der die Grundversorgung mit talking points sicherstellt und keine Befürchtungen eines Übermasses an intellektueller Diversität aufkommen lässt. Ich hoffe nicht, dass dies einen Indikator ihrer Durchsetzungskraft darstellt. Das Internet haben sie bisher nicht erobert. Vielleicht stossen sie an Grenzen der Instrumentalisierbarkeit.
Hallo Herr Strobl ,
auch auf den NachDenkSeiten unter Punkt 8
wurde Ihr Faz Artikel kommentiert siehe:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=3923#more-3923
Beste Grüße
Margareth Gorges
Ich muss zugeben, von Deinem kapitalistischen Manifest doch recht geschockt gewesen zu sein. So sehr ich Deine Analyse teile, so fern bin ich doch Deinem politischen Programm.
Am schockierendsten war für mich Deine Tendenz zur Deglobalisierung, nach Deiner Lektüre vom Weltinnenraum hatte ich solche Linksromantik einfach nicht mehr erwartet. Deutschland sich auf den Binnenmarkt besinnen zu lassen und hier als Kernpunkt die Reform in Handwerksgefilden zu nennen, ist schon starker Tobak. Du hast als kühler Rechner doch hoffentlich mal überschlagen, in welchem Maße das deutsche BIP als Grundlage des Sozialen in diesem Lande davon betroffen wäre, oder? Aber diese Differenz würdest Du ja dann durch Umverteilung kompensieren…
So ein quatsch,dabei geht es nicht um Deglobalisierung sondern um eine ausgeglichene Leistungsbilanz was nicht im geringsten bedeuten würde das Deutschland nichts mehr exportieren darf.Das ist eine rein pragmatische Überlegung und gehört in keine links oder rechts Schublade.Da es in der globalen Gesamtwirtschaft keine Überschüsse und kein Defizite gibt, muss der deutsche Exportüberschuss von anderen Ländern auf „Pump“ finanziert werden und wenn diese sich dazu entschließen ihre Defizite abzubauen wie es aktuell der Fall ist dann hat sich in Zukunft die Exportweltmeisterei eh von alleine erledigt.
Das bedeutet das Deutschland nur solange Leistungsbilanzüberschüsse aufbauen kann wie andere Staaten es zulassen,also ist die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands abhängig von der Wirtschaftspolitik anderer Staaten und oben drauf kommt noch die ewige Unsicherheit durch die Wechselkurse.
Dein Artikel trifft es wirklich auf den Punkt genau.
Bin voll und ganz deiner Meinung!
Ergänzend kann mann/frau nur sagen “Mr. Strobel for President”
Meine Stimme hättest du jedenfalls.
@MariaBitterlich – wo siehst du bitte Linksromantik? Etwa in einer Gesellschaft die selbst nicht mehr weiss wo “RECHTS und LINKS” ist und deshalb die Mitte sucht die es defacto nicht mehr gibt.!
@Quotex – sehe ich gnau so! Denn eins ist sicher, die Golbalisierung rückabzuwickeln würde den 3.Weltkrieg bedeuten. Und das ist nicht besser als G.O
Im Allgemeinen möcht ich noch hinzufügen das ein Wandel bzw. Umdenken zwingend erforderlich ist aber wie schon ein Kommentator vor mir meinte ” Lieber DSDS zu ende GUCKEN” und das ist auch ein wensentlichens Problem in userer wie auch immer gearteten Kultur.
Liberal ist schon muss aber auch so verstanden und umgesetzt werden. Liberal bedeutet Chancengleichheit für alle und nicht nur für dei eigenen Taschen!
Beispiel Meisterzwang- Verstöst schon mal gegen das Grundgesetz!
Wird seit Jahren durch die CDU und FDP blockiert.
Es reicht das was wir an Leitmotos haben.
“Einigkeit und Recht und Freiheit” das ganze in eine Direktedemokratie verpackt und wir hätten Mr. Strobel´s Zukunftvision schon gestern unter Zustimmung der Bürger erreicht.!
@staph.aureus
Ich hab das doch schon begründet. Der amerikanische Kapitalismus ist das bessere System, weil die USA am fortschrittlichsten ist. Sie haben die erfolgreichsten Wissenschaftler und machen bahnbrechende Entdeckungen. Sie dominieren nahezu alle neuen Entwicklungen. Ob bei Software, Pharmazie oder was auch immer. Dass der Kommunismus nicht funktioniert, das wissen wir doch mittlerweile. Die USA ist die reichste Nation der Welt. Sie entstand aus dem Nichts. Freilich gibt es hier auch Armut und Nöte. Das System als asozial zu bezeichnen, ist falsch. Es ist die spendenfreudigste Nation. Kein Volk stiftet mehr.
@ gojko
Klar, dass die Kollegen von der Times die Vorteile in Europa hervorheben.
Glaubst Du, es wäre am besten die Vorteile beider Systeme zu mixen? Ob das funktioniert, da hab ich meine Zweifel. Obgleich Obama in diese Richtung derzeit zielt. Mit grüner Technologie, Frieden, Krankenkassensystem, Steuerreform etc.
Ich frag mich immer wieder, warum die Amis so fortschrittlich sind? Warum sind sie führend auf so vielen Gebieten? Es ist kein Paradies, keine Frage. Aber es scheint mir alles in allem das bessere Grundgerüst zu sein.
Sie haben die erfolgreichsten Wissenschaftler und machen bahnbrechende Entdeckungen. Sie dominieren nahezu alle neuen Entwicklungen.
Yep, die tollsten Entdeckungen haben sie übrigens im Finanzwesen gemacht. Das war groß. Sie sind halt immer vorne dran, dynamisch, erfolgreich, innovativ. Da muss man sich nur mal ihre Handelsbilanz angucken, da sieht man, was so ein Entdeckergeist zustandebringt.
@lemming
Warum seid ihr alle so negativ eingestellt? Kein System ist perfekt. Überall treten Probleme auf. Richtig, auf die USA und die Welt rollt eine Rieseninflationswelle zu.
Es gab aber keine Alternativen zum Schuldenmachen.
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