Im Radio war heute von einer Enttäuschung zu hören. Josef Ackermann ist enttäuscht. Er vermisst den Dank der deutschen Öffentlichkeit über das gute Abschneiden der Deutschen Bank mitten in der Krise. Das kann man durchaus so sehen – im Vergleich mit den meisten ihrer Konkurrenten liefert sie, aus welchen Gründen auch immer, gute Zahlen. Nur wie hätte ein Hermann Josef Abs reagiert? Nur zur Information: Abs war der langjährige Sprecher der Deutschen Bank in den Wiederaufbaujahren nach dem Krieg. Er war in den Nazijahren kein Widerstandskämpfer gewesen, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Allerdings hat er wohl auch nie diesen Anschein erweckt, das muss man ihm lassen. Heute wäre er sicherlich äußerst besorgt gewesen. Nicht über die Lage der Deutschen Bank, sondern der deutschen Volkswirtschaft. Ein Unternehmen, das mit der Deutschen Bank über Jahrzehnte eng verbunden gewesen ist, hätte ihm wahrscheinlich schlaflose Nächte bereitet. Nicht nur wegen des Gemeinwohls – die Deutsche Bank kontrollierte das Unternehmen. Das Schicksal von Daimler-Benz war auch das Schicksal der Deutschen Bank. Das ist heute anders.
Die Deutsche Bank kann wegen fürsorglicher Hilfe des Staates Milliardengewinne erzielen – und das in der größten Krise seit 1929. Ein Abs – oder auch ein Alfred Herrhausen – wären sicherlich über diese Leistung nicht nur erstaunt gewesen. Folgende Aussage wäre ihnen völlig absurd vorgekommen.
“Das Problem mit dem Quartalsergebnis der Deutschen Bank ist, dass es kaum seriöse Rückschlüsse auf den grundsätzlichen Gesundheitszustand des Instituts zulässt.”
Leider trifft sie aber zu. Wer den Unterschied zwischen dieser Krise und ihren Vorgängern kennenlernen will, findet ihn hier. Das ist die eigentliche Innovation in der Krisenregulierung – die Deutsche Bank braucht uns nicht mehr. Ob wir nun Konsumenten sind oder auch Unternehmen.
Aber kommen wir zum Dank des Vaterlandes – und zu Hermann Josef Abs. Wir lesen folgende Würdigung:
“Hermann J. Abs, Ehrenvorsitzender der Deutschen Bank AG, ist am 5. Februar 1994 im Alter von 92 Jahren gestorben. Er war einer der großen Bankiers unseres Jahrhunderts. 1937 ist Abs in den Vorstand der Deutschen Bank berufen worden. In den Nachkriegsjahren war es wesentlich seinen Bemühungen zu danken, daß die alliierte Gesetzgebung über die Auflösung der Großbanken wieder aufgehoben und damit die Funktionsfähigkeit des deutschen Kreditgewerbes gesichert werden konnte. Die Deutsche Bank entstand 1957 neu; für Abs war dies der Höhepunkt seines Wirkens. … . Die Leistungen von Abs gehen weit über die Deutsche Bank hinaus. Sein Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands ist bedeutend. Abs regte 1948 die Gründung der Kreditanstalt für Wiederaufbau an, um die Gelder der Marshallplan-Hilfe wirkungsvoll einzusetzen. Bis
1952 trug er hierfür entscheidende Verantwortung. Als Leiter der deutschen Delegation verhandelte Abs über die Regelung der deutschen Auslandsschulden. Das 1953 unterzeichnete Londoner Schuldenabkommen war für die Bundesrepublik finanziell tragbar und stellte ihre internationale Kreditwürdigkeit wieder her. Dies war ein wichtiger
Schritt zur nationalen Souveränität. Abs hat sich stets auch in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Sein Rat war gesucht. Ein präzises Gedächtnis, eine hochentwickelte Fähigkeit zur Beurteilung von Menschen und Ereignissen, seine Diskretion, aber auch sein Humor halfen ihm bei der Bewältigung seiner Aufgaben. … .”
Da steht nichts von der Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank als seine herausragende Leistung – obwohl die Bank unter Abs sehr viel Geld verdient hatte. Da steht nichts über die Leistung Abs mit den Gewinnen der Deutschen Bank etwas für Deutschland gemacht zu haben. Diese Hybris war ihm fremd. Da steht etwas über die Leistung Abs, sich um die Funktionsfähigkeit des deutschen Kreditgewerbes verdient gemacht zu haben. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Vor allem aber steht dort wie in Stein gemeißelt ein Satz, formuliert zur Mahnung der Nachgeborenen:
“Abs hat sich stets auch in den Dienst der Allgemeinheit gestellt.”
Das ist bei Josef Ackermann beim besten Willen nicht zu erkennen. Er identifiziert immer noch die Finanzmärkte mit dem Allgemeinwohl – und hat rein gar nichts begriffen. Josef Ackermann ist ganz banal – ein Interessent.
Er stellt die Allgemeinheit in den Dienst der Deutschen Bank.
Wer soll ihm dafür danken?
Die Würdigung des Hermann Josef Abs stammt aus dem Geschäftsbericht der Deutschen Bank für das Jahr 1993. Der hat übrigens noch einen weiteren Vorteil: Zweifel an Rückschlüsse über den Gesundheitszustandes des Institutes äußerte damals niemand.
So ändern sich die Zeiten.















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und wer stellt sich heute noch in den Dienst der Allgemehinheit? Politiker etwa? Merkel? Sschäuble?
Träumer….
ist doch alles MAFIA
@cbjheiojoe
“und wer stellt sich heute noch in den Dienst der Allgemeinheit ?”
Na dem Frank seine Lieblingspartei, natürlich ! Die SPD !!
- 300 DM Lohnsteuererklärungsverzichts-Bonus (Das mit dem Bonus haben sie sich von den Bankiers abgeguckt ! … die Sozis machen aber auch wirklich gar nichts selbst !)
- 0,44% Börsenumsatzsteuer
- Klopapierzuschlag für Hartz4-Empfänger (die mindestens 47 Jahre in die Sozialkassen eingezahlt haben)
===> DAS ist doch was !!! … büdde nicht undankbar sein ! … ohne die SPD würden wir jetzt in der Schaissse sitzen !!!
Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
Artikel 14
[Eigentum – Erbrecht – Enteignung]
(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle derAllgemeinheit dienen.
(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen.
Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtswegvor den ordentlichen Gerichten offen.
Vielleicht sollte Josef mal darüber nachdenken, woher die 9,1 Milliarden kamen, die als Backdoorbailout über die AIG bei seinem Laden landeten und dann vielleicht ein kleines Dankeschön an die amerikanischen Steuerzahler schicken. Wenn ihm das zu weit weg ist hilft ja auch vielleicht die Erinnerung an das Entgegenkommen beim Kauf der Postbank, als Joe sich eigentlich übernommen hatte und die Post helfen musste.
Vielleicht hat sich aber auch nur rumgesprochen, was von Bankbilanzen zu halten ist.
“ohne die SPD würden wir jetzt in der Schaissse sitzen !!!”
Du meinst selbstverständlich ohne das Klopapier
Ackermann will Deutsche Bank zum Weltmeister machen
„Ich weiß nicht, warum man in Deutschland im Fußball Weltmeister werden will, aber nicht will, dass eine deutsche Bank um den Weltmeistertitel mitspielt”, sagte er in einem Interview mit Reuters TV.“
http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE53R0BF20090428
Deutschbank, Deutschbank über alles!
Erzürnt euch doch bitte über Steinmeier, Steinbrück und Assmussen, damit ich endlich mitschimpfen kann. Auf den Ertragswinkel kommt es an Freunde, den Ertragswinkel.
Ich verstehe Hr. Ackermann nicht oder habe ich etwas verpaßt.
Ist etwa die Deutsche Bank Volkseigentum geworden oder überweist sie nun ihre Gewinne regelmäßig an den Staatshaushalt?
Herr Ackermann, wenn das soooo ist, dann rutsche ich auf Knien zu Ihnen um meinen persönlichen Dank zu überbringen – verzeihen Sie mir bitte meine Schlafmützigkeit.
!!!
http://www.youtube.com/watch?v=gChOifUJZMc
@f.luebberding
> Abs hat sich stets auch in den Dienst der Allgemeinheit gestellt.
Kann es sein, dass das Wirken des Hermann Josef Abs hier ein wenig verklärt wird nach der Melodie: Was gut ist für die Deutsche Bank ist auch gut für das Allgemeinwohl?
http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Josef_Abs
Ein Versuch
So man sich zu eigen macht, dass es in der kapitalistischen Wirtschaft darum geht ein möglichst großen Rad zu drehen.
So es die persönliche Überzeugung ist, dass Diejenigen mit der besten Leistung an der Spitze der Entscheidungshierachie stehen.
So die vertragliche Verpflichtung in einer Aktiengesellschaft, nach derzeit gültiger Rechtlage, darin besteht den Profit eben dieser mit allen Mitteln zu steigern.
So der Spruch: Viel Feind viel Ehr eine Herausforderung zur eigenen Positionierung ist.
So der Krieg der Nationen auf (finanz) wirtschaftlicher Ebene ausgetragen wird.
So hat der Joe – einen guten Job gemacht.
Bisher und – leider scheinbar.
Schnell meine letzten Deutsch-Kenntnisse vorkrame…
Unterschied zwischen “anscheinend” und “scheinbar”…
Aha, danke @spiritformoney.
Es ist wirklich merkwürdig, wie einige der Meinung sein könnten, dass die Gewinne einiger nicht US-amerikanischer Banken unberechtigt sein könnten, da diese durch die Rettungspakete des US-Finanzministerium auf dem Rücken der ach so geschundenen US-Steuerzahler mitfinanziert würden. Diese tollen Steuerzahler haben woher den Kredit für Ihren Konsum bekommen? Wessen Sicherheiten wurden dafür eingesetzt? Wessen Ersparnisse sind ergo in den US-Konsum geflossen und haben die Gewinne der amerikanischen Banken gespeist? Waren es nicht so ca. 80% der Weltersparnisse?
Es ist nur recht und billig, dass Jahrzehnte des Verprassens der Weltersparnisse wenigstens in kleinsten Teilen ersetzt werden. Oder sind die, aus US-Sicht, ausländischen Banken von Abschreibungen basierend auf der Implosion der Häuserpreise in diesem Land verschont geblieben? Wohl kaum.
Ein Schweizer und Oberst der Schweizer Armee kämpft an der Spitze der Deutschen Bank um die Bankenweltmeisterschaft.
Ja, Victory-Josef, wir wollen das Zeichen sehen!
http://www.wdr.de/themen/wirtschaft/wirtschaftsbranche/mannesmann_abfindungen/prozess/_img/ackermann_dpa_400q.jpg
Schweizer Staatsbürger hin oder her, wichtig ist doch, daß er weiß, daß er ist und was das bedeuten sollte…
@ Christian # 14
“Es ist nur recht und billig, dass Jahrzehnte des Verprassens der Weltersparnisse wenigstens in kleinsten Teilen ersetzt werden.”
Wem wird was ersetzt – Ihnen, mir, dem Steuerzahler? Wem?
… weiß, daß er hier ist….
(wollte ich schreiben)
http://www.flickr.com/photos/spreeblick/46782896/
Ist das nicht Dank genug?
http://www.youtube.com/watch?v=rdD_su1X_1c
Öhm ist das dankeschön genug???
klasse @ Nanuk
@Watawah
Unsere Sicherheiten wurden für nicht Sicherheiten schaffende Kredite ausgegeben. Fließen nun wieder Mittel zurück, wird das Kapital der Bank, welche zugegeben alles vorher falsch gemacht hat, wieder aufgefrischt und die Kreditvergabe könnte wieder in sinnvollere Investitionen oder zum ähnlichen Verprassen ins jeweilige Inland fließen.
Es könnten natürlich auch die eventuellen Überschüsse an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Je nach Eignerstruktur der Bank könnte demnach dann doch wieder das Geld in US-amerikanischen Händen landen, nur über einen kleinen Umweg eben. Aber das wäre ein anderes Thema.
Es ist immer wieder das gleiche Thema.
Egal was “könnte”, “würde vielleicht”, “sollte”, es ändert nichts daran, daß so oder so nur wenige etwas davon haben, hatten und wieder bekommen, aber alle zahlen.
Wer fragt zur Zeit wirklich Kredite nach, die die von den Banken gewünschten Renditen garantieren.
Im Zweifelsfall “produziert” also wieder Kredit Kredit.
Wenn ich es richtig verstanden haben, haben wir das dann logisch folgende Ergebnis gerade zu verarbeiten.
http://www.youtube.com/watch?v=WHz4YXJcxdg&feature=related
BoA, der Ackermann, der sitzt fester denn je im Sattel. Z. B. die 5 Mrd. €, die man durch das IKB-Desaster der DB geschenkt hat. Also, ein Aktionär der DB in Deutschland, der ist gegenüber Ackermann zu Dank verpflichtet.
In den USA sieht es etwa anders aus (vielleicht hat Nanuk den Link noch nicht gepostet): BoA ist die Bank of America, war ein verstecktes Wortspiel zu Anfang meines Textes heute. Und dieser BoA hat man ein Video mit glasklarer Intention gewidmet: Link zum Video …
Jo ist ein cooler Typ, der Deutschen den Spiegel vorhält.
Dieses V-Zeichen im Gerichtssaal. Einen deutlicheren Kommentar, was er von der deutschen Rechtsordnung hält, konnte er nicht abgeben.
Und dieser Vergleich mit der Fußball-Weltmeisterschaft, das war ultralässig. Die Deutsche Bank mit der deutschen Nationalmannschaft gleichsetzen.
Jo wusste, dass die Deutschen diesen Intelligenztest nicht bestehen würden.
Die nehmen das ohne Widerspruch hin.
Ganz unschweizerisch treibt er es jedoch auf die Spitze. Er möchte von den Deutschen den Satz hören: „Danke, dass Sie das für Deutschland gemacht haben!“
Nein, sage ich da, Jo, Du bist der Größte und hast als Topbanker mit niemanden Verträge, aber das geht zu weit. Das ist, wie wenn Magath gegen Bayern München seinen Torwart herausnimmt und seinen Ersatztorwart in den Kasten stellt. Dass ist so, als wenn Du der Oma die Handtasche wegnimmst, und sie soll sich dafür noch bedanken.
Die Ankündigung von 25% Eigenkapitalrendite, das finde ich wiederum gut. Da zeigt er, dass ihm das ganze Gerede der Berliner Politiker am A**** vorbeigeht. Angela wird noch etwas verkniffener als sonst aussehen. Aber die kann noch nicht einmal Brutto und Netto richtig auseinanderhalten und so wird sie Jo wieder fragen, was sie tun soll.
Ja, Jo, Du bist der Größte, Du bist Deutschland!
* Satire *
http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/:Das-Kapital-1121-Mrd-Euro-und-nichts-dahinter/506760.html?eid=313559
http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/search?q=deutsche+bank
Tja von Rendite stand da nichts in der Wuerdigung.Auch weiss sie garnix davon,dass Abs im Aufsichtsrat der IG Farben sass,just als die Zyklon B an die KZs lieferten.Ich weiss nicht,ob dieser Mann und seine Wuerdigung als Maßstab taugen.Jedenfalls wenn einer die Allgemeinheit in den Dienst der Deutschen Bank gestellt hat dann doch wohl ein Mann der lt.OMGUS Bericht einer Bank vorstand,die vom Regime profitierte und aufsicht fuehrte ueber ein chemiegiganten der aus dem Holocaust ein Geschaetsmodell machte.Hier gehen die maßstaebe verloren.
“Also, ein Aktionär der DB in Deutschland, der ist gegenüber Ackermann zu Dank verpflichtet.”
Du sagst es, Bernhard!
Ich bin zwar leider zu früh ausgestiegen, aber insgesamt kamen bei meinen db-trades im letzten halben Jahr auch 50% zusammen.
Und darum ist es mir ein tiefempfundenes Bedürfnis unserem sehr geschätzten Dr. Ackermann an dieser Stelle die gebührende Anerkennung zu Teil werden zu lassen: “Herzlichen Dank, Joe! Du bist es! Ein wahrer Siegertyp! Was du für uns und unser Unternehmen geleistet hast, lässt sich mit Geld überhaupt nicht aufwiegen. Darum versuchen wir das auch erst gar nicht. Selbstverständlich ist uns allen klar, dass ein Jahresgehalt in der Größenordnung einer Klinsmann-Abfindung absolut unwürdig für einen DB-Chef ist. Doch gerade in der grenzenlosen Bescheidenheit angesichts atemberaubender Erfolge zeigt sich einmal mehr die wahre Größe eines Josef Ackermanns. Wohl kaum ein anderer hat das Motto der DB “Leistung aus Leidenschaft” so verinnerlicht wie du. Das Gehalt hat daher nur symbolischen Charakter. Ein Ackermann gibt getrieben von dieser Leidenschaft immer 100% und allein der Gedanke ihn durch schnöde monetäre Anreizgestaltung zusätzlich motivieren oder angemessen vergüten zu können, müsste schon als tiefe Kränkung empfunden werden. Das Schöne ist, dass unser Joe in der oft als gefühlskalt verschrienen, von Zahlen und Fakten beherrschten Finanzwelt den Blick für die wesentlichen Dinge im Leben bewahrt hat: Für die zwischenmenschlichen Beziehungen! Mit einem kleinen, unscheinbaren “Danke!” lässt sich noch sein Herz erfreuen. So ein wenig gesunde Eitelkeit darf dann doch erlaubt sein. Und ist ja nun auch wirklich nicht zu viel verlangt, oder? Darum sage ich es gerne noch einmal: Gut gemacht, Joe! Danke für alles! Mach weiter so und wir wissen ganz sicher, was wir an dir haben!
Sobald die Bärenmarktrally vorbei ist und sich wieder ein günstiger Einstiegszeitpunkt findet, bin ich bestimmt auch wieder mit dabei…”
Wenn ich schon dabei bin, möchte ich desweiteren wgn danken, der sich einmal mehr als ausgezeichneter Kontraindikator in Investmentfragen bewährt hat. Ich war etwas verunsichert, als er im Radio von der DB als der deutschen Come-Back-Story für 2009 geschwärmt hat. Aber als er dann hier im Blog den Verkauf seiner Aktien bekannt gab, war für mich der letzte Zweifel ausgeräumt.
Fürs nächste Jahr siehst du den $ gegenüber dem € aufwerten, richtig?
“Deutsche Öffentlichkeit” heisst für Ackermann offenbar Aktienbesitzer der deutschen Bank. Alle anderen zählen für ihn gar nicht mehr als Menschen. Jetzt hat er sich wenigstens mal erklärt.
Das erinnert mich an den Bankberater, der zu mir sagte, dass die Sparer die Krise verursacht hätten, weil sie einfach ihr Geld abgehoben haben.
Leben wir eigentlich in einem Irrenhaus?
Nichts ist schöner, als so richtig vom Leder zu mobben, wenn eine Person öffentlich ‘zum Abschuss’ freigegeben ist. Jeder darf sich dann mal einen Orden anheften.
Frage 1: Ist eine ‘gesunde’ Deutsche Bank für Deutschland wichtig?
Frage 2: Zahlt die Deutsche Bank Steuern?
Frage 3: Hält die Deutsche Bank ihre Mitarbeiter?
usw.
Wenn Ackermann die Deutsche Bank stabilisiert und erfolgreich durch die weltweite Finanzkrise steuert, dann gratuliere ich ihm gerne zu seinem Erfolg. Im Gegensatz zu den von Politikern aller Parteien kontrollierten Landesbanken, KfW und IKB, und eben diesen Politikern. Struck muss wohl gespürt haben, dass Ackermann mit auch seine Parteikollegen ziemlich schlecht aussehen lässt.
Abs hat in einer anderen Zeit gelebt und argumentiert. Es gibt objektivere Kriterien, um Ackermann zu bewerten.
Ist es richtig, wenn in Deutschland erwartet wird, dass ein Deutsch-Banker ein Patriot sein soll?
Dass man – trotz Kapitalismus – erwartet, dass ein Arzt im Konfliktfall sein finanzielles Eigeninteresse zurückstellt und zum Wohle des Patienten auf eigene finanzielle Vorteile verzichtet, nun gut, dass kann man vielleicht noch verstehen, obwohl es natürlich systemfremd und damit realitätsfremd ist.
Obwohl – diese Anmerkung sei mir an dieser Stelle gestattet – ich überhaupt nicht verstehen kann, wie die Freunde des Kapitalismus an das Gesundheitswesen die Erwartung stellen, dass es primär zum Wohle der Patienten funktioniert, statt eine Geldvermehrungsmaschine zu sein.
Wenn Kapitalismus – liebe Freunde des Kapitalismus – dann richtig! Und dann bitte keine Sentimentalitäten! Und nicht mit dem Hippokratischen Eid kommen, der aus vorkapitalistischen Zeiten stammt! Dann haben Arztpraxen, Medizinische Versorgungszentren, ambulante Pflegedienste, Krankenhäuser, Pflegeheime etc. das zu sein, was sie zu sein haben, nämlich Investments, die nach dem Primat des Prinzips G –> G´ funktionieren.
Also bitte keine systemfremden Erwartungen!
Ein richtiger Banker – liebe Freunde des Kapitalismus – der muss sich von allen Sentimentalitäten freimachen. Der ist die Personifikation der Plusmacherei.
Loyalität gegenüber dem Kunden? Sicherlich, wenn dem Plus dient. Aber doch nicht aus naiver Sentimentalität! Dem Kunden muss verkauft werden, was Gewinn bringt. Aber Lehman-Zertifikate an alte Omas? Nun gut, das macht niemandem Spaß, aber dafür sind wir Profis. So ist der Markt. Man verkauft die Produkte, die auf dem Markt sind, und zwar die, welche am meisten Gewinn bringen. So läuft das Geschäft. Und zwar überall.
Loyalität gegenüber den Mitarbeitern? Unbedingt. Wir sind eine große Familie. Das ist unsere Corporate Identity. Allerdings müssen wir uns auch hier den Realitäten stellen, die der Markt vorgibt.. Da muss man schweren Herzens und mit schlaflosen Nächten schon ´mal Tausende von Mitarbeitern entlassen, wenn die Eigenkapitalrendite unter 25% liegt. So sind die Marktgesetze.
Shareholder-Value? Unbedingt. Eigentum verpflichtet! Das ist unser oberste Ziel, im Interesse der Anteilseigner zu wirtschaften! Sicherlich, da gibt es Ups and Downs. Von 120 auf 15. Aber das tut dem guten Ruf eines Bankers keinen Abbruch. Im Gegenteil, große Gewinne kann man an der Börse doch nur machen, wenn es große Kursschwankungen gibt. Ein lebendiger Markt ist eben volatil.
Aber wo bleibt das Wohl der Anteilseigner, wenn man an die riesigen Gehälter und Boni denkt? Da wurden und werden doch Boni und Prämien in Millionenhöhe an Manager gezahlt, wenn sie Verluste gemacht oder sogar die ganze Bank ruiniert haben? Wo ist da die Loyalität gegenüber dem Anteilseigner?
Nun ja, im Prinzip ist jeder Mensch zunächst einmal eine Ich-AG, für die er sorgen muss. Davon müssen wir ausgehen. Und wenn alle so denken, dann vermittelt sich dies über den Markt zum Wohle aller. Das hat schon Adam Smith gesagt.
Wie sieht es mit der Loyalität des Bankers gegenüber der eigenen Nation aus? Unbedingt. Banker sein, ist Patriot sein. Das ist doch selbstverständlich! Und der hat dann auch Anspruch auf den Dank des … Des Vaterlandes? Ja, allerdings im übertragenen Sinne. Im Zeitalter der Globalisierung stammt doch der Banker nicht unbedingt aus dem Land, wo der Sitz der Bank ist. Und die Anteilseigner sind auch nicht unbedingt mehrheitlich aus diesem Land. Aber im symbolischen Sinne ist das so. Überhaupt, die Menschen sollten sich mehr mit ihren Privatbanken identifizieren. Der Erfolg der Bank ist doch auch ihr Erfolg. Da sollten sie schon einmal „Danke!“ sagen.
Frage 1: Nein
Frage 2: Nein
Frage 3:Nein
http://www.youtube.com/watch?v=VAkiI0WdU94
Mal ein anderer Aspekt:
Ich finde es äußerst bedenklich und nachgerade symptomatisch für die aktuelle Orientierungslosigkeit der kritischen Öffentlichkeit, wenn man selbst einen alten Nazi – pardon Parteigänger der NSDAP – ach ne…., Patrioten des 3. Reiches zur Lichtgestalt des deutschen Volkes verklärt. Wer hat denn an der Finanzierung des WK II, der NSDAP, der Wehrmacht unterstützt? Der Führer mit dem Verkauf seiner Briefmarken?
Und warum soll dieser Artikel eine Kritik an Ackermann darstellen? So wie Abs sich an den Idealen seiner Zeit orientiert hat (3. Reich & Adenauer) so orientiert sich Ackermann an den Idealen, die Ihm vorgegeben werden. Und das sind nicht nur dies bösen Politiker.
Was kommt als nächstes? Starfighter – FJStrauß als Heilsbringer? Helmut Schmidt? und in 15 Jahren Gerhard Schröder??
Also bitte: Den Mist nochmals überdenken, oder gleich an den Spiegel senden. In diesem Dictus könnte er dort vollumfänglich abgedruckt werden.
Mensch, bin ich sauer!
@Hal9002
“orientiert sich Ackermann an den Idealen, die Ihm vorgegeben werden. ”
Du verdrehst da ein bischen die Machtverhältnisse mein lieber…
Mach das Ackermännchen nicht kleiner als es ist.Der sitzt immerhin mit der Kanzlerin am Mittagstisch… und wer da wem sagt was zu machen ist lasse ich jetzt mal unausgesprochen.
HG früher bekannt als W-Ing-030
Deine Kritik ist mehr als berechtigt. Die SPD hat sich bis jetzt reichlich Handlungsspielräume offen gelassen … . Keine Frage. Man wird sehen, ob sie den nutzt. Mein Einfluss darauf ist aber eher bescheiden. Das kannst Du mir jetzt wirklich einmal glauben.
Cbje….
Gute Frage: Wer stellt sich heute noch in den Dienst des Gemeinwohls?
Genau deshalb mein Beispiel mit Abs. Abs hat in der NS Zeit mitgemacht. Abs war als Sprecher der Deutschen Bank auch ein Interessenvertreter. Aber er hat sich in der Nachkriegszeit Verdienste erworben – das ist, glaube ich, relativ unumstritten. Die deutschen Auslandsschulden galten als ein kaum zu lösendes Problem. Da war er – man widerspreche mir, wenn es jemand besser weiß – auch nicht als Interessent unterwegs, sondern tatsächlich im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland. Sein Prestige stammt aus dieser Zeit – und nicht aus seiner Rolle bei der Deutschen Bank. Die “lex abs” – also die Begrenzung der Aufsichtsratsmandate – kam bekanntlich später.
Wer vertritt das Gemeinwohl? Ich übrigens nicht – und a priori auch kein anderer. Ich habe lediglich eine Meinung darüber, was diesem Land nutzen würde. Die muss man bekanntlich nicht teilen. Aber wenn man – wie Josef Ackermann – Dank erwartet, muss eines klar sein: Man kann eine Meinung haben, aber man darf nicht als Interessenvertreter auftreten. Das ist er ohne Zweifel. Das Problem, dass viele bei Merkel, Steinbrück und den anderen Politikern haben, ist dass sie als solche Interessenvertreter wahrgenommen werden. Der Begriff Mafia drückt das ja aus. Nun gibt es – etwa von Lucas Zeise häufig formuliert – die absolut berechtigte Kritik an der Regierung, dass sie die Interessen des Bankensystems mit denen der Volkswirtschaft verwechslen. Siehe die bad bank Debatten etc. Merkel und Steinbrück also zu sehr auf die Ratschläge der Deutschen Bank hören. Dottore formuliert das ja auch bzgl. der Rolle von Geithner in den USA.
Sie also die falsche Politik machen. Nun kann man über die richtige Politik streiten. Niemand muss unsere Meinung teilen.
Aber wenn Merkel, Steinbrück etc. von den Banken “gekauft” wären, wäre das natürlich sinnlos. Man braucht nicht mehr zu streiten, so die Logik, wenn alle Akteure gleichgerichtete Interessen vertreten. Es also nicht mehr darum geht, im Konfliktfall unterschiedliche Interessen etwa in Form des Kompromisses auszutarieren. Interessen sind übrigens völlig legitim – auch die der Deutschen Bank.
Nun soll Frau Merkel mit Josef Ackermann eine Art freundschaftliches Verhältnis haben, so konnte man schon lesen. Sie richtete ihm etwas im Kanzleramt eine Geburtstagsfeier aus. Das Privileg bekommt nicht jeder. Auch Jörg Asmussens Nähe zur Finanzbranche ist ja bekannt. Steinbrück, das muss man ihm nun lassen, pflegt dagegen wohl bisweilen rustikalere Methoden des persönlichen Umgangs. Die Erfahrung hat wohl nicht nur Ackermann, sondern haben auch sogenannte Parteifreunde gemacht.
Die Freundschaft hört aber immer an einem Punkt auf: Wenn eigene Interessen auf dem Spiel stehen. Für Politiker ist das der Machterhalt. Den Politikern – selbst wenn sie korrupt wären, was ich persönlich nicht annehme – nutzt ihre Nähe zu ihren “Freunden” aus der Finanzindustrie gar nichts, wenn sie am Ende dafür die Quittung bekommen – also die Mehrheit der Bürger den Schaden dieser Nähe als größer ansieht als den Nutzen. Dann droht der Machtverlust – und man kann nun wirklich nicht sagen, dass die Parteien in der Bundesregierung zur Zeit mit der Gelassenheit potentieller Wahlsieger agieren. Das wäre dann doch zuviel der Ehre.
Wenn aber der Machtverlust droht, kennen Politiker keine Freunde mehr. Der Machtopportunismus ist gnadenlos – bei allen. Das ist ja das Interessante an der Demokratie. Die Logik der Wahlen verhindert, dass gleichgerichtete Interessen automatisch die Oberhand gewinnen können. Wenn also Ackermanns Konzept “Mit unserer Rettung sind alle gerettet” niemanden mehr überzeugt, außer die Mitarbeiter der Deutschen Bank, wird die Politik aus Eigeninteresse heraus entsprechend handeln.
In der Situation werden Meinungen und Einschätzungen über die zukünftige Entwicklung wichtig – etwa hier und auch anderswo. Und die Entwicklung droht äußerst prekär zu werden wie wir wissen. Deshalb lohnen sich Debatten etwa um bad banks etc. Man hat ja durchaus gesehen wie schnell sich die Politik anpassen kann – etwa im Herbst vergangenen Jahres beim Thema Konjunkturprogramme.
Also selbst wenn der Mafia Vorwurf stimmte – was ich für falsch halte – braucht man die Flinte keineswegs ins Korn zu werfen … und sollte sich im übrigen daran erinnern, dass die Loyalität auch unter Mafiosi begrenzt ist … .
Dipfele
Ich hatte diesen Artikel auch verlinkt, damit kein falscher Eindruck erzeugt wird. Nur in der Würdigung der Deutschen Bank über Abs spielen dessen Verdienste um die Bank nur die zweite Rolle – wichtiger ist seine Rolle etwa beim Londoner Schuldenmoratorium. Und da war er eben kein Interessenvertreter der Deutschen Bank.
Historiker
Den Omgus Bericht über die Deutsche Bank kenne ich auch. Nur musste eben Abs genau aus dem Grund mächtig rudern, um das Vertrauen der Amerikaner gewinnen zu können. Die brauchten zwar ihre Verbündeten im aufziehenden Kalten Krieg, machten sich über ihre Pappenheimer aber keine Illusionen. Abs ist für mich durchaus repräsentativ für das deutsche Bürgertum, wo das Verhalten etwa eines Bertold Beitz im Krieg die seltene Ausnahme blieb. Einerseits also der tiefe moralische Fall in der Nazi-Zeit, andererseits die Rolle in der neu gegründeten Bundesrepublik, wo man es eben anders machen wollte. Das kann man, denke ich, einem Abs nicht absprechen.
Ackermann will gar nichts anders machen. Das ist das Problem.
Stimmt denn eigentlich die Anekdote über Abs, dass er jedes Mal, wenn er gefragt wurde, wie sich denn sein Name schreibe, geantwortet hat:
A wie Abs
B wie Abs
S wie Abs
Fand ich immer ziemlich souverän.
Hal 9002
Keine Sorge, der Artikel wird sicherlich nicht im Spiegel abgedruckt werden … . Wäre aber auch kein Problem … . Nur es gibt im Kommentar ein gutes Argument:
“So wie Abs sich an den Idealen seiner Zeit orientiert hat (3. Reich & Adenauer) so orientiert sich Ackermann an den Idealen, die Ihm vorgegeben werden.”
Genau. Nur dass es zwischen den Idealen der Nazi-Zeit und denen der neuen Bundesrepublik Unterschiede gibt. Das haben auch die Kritiker der westdeutschen Restauration nie bestritten. Sehr zum Leidwesen der alten Nazis der 50er Jahre. Abs hat sich also angepasst oder auch dazu gelernt. Das wird am Ende nur der letzte Richter wissen … . Aber auf die Veränderung kommt es – und nicht unbedingt auf die Motivation. Leute wie Adenauer und Schumacher – beide bekanntlich keine Nazis – wussten das übrigens immer.
Um bei Ackermann zu bleiben. Er kann seine Rolle in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr rückgängig machen. Er war maßgeblich für die Umorientierung der deutschen Politik zugunsten der expandierenden Finanzmärkte. Aber niemand hindert ihn daran, das heute anders zu sehen. Nur sein Starrsinn und Realitätsverlust.
Und das ist der kritische Witz, wenn man die Rolle von Abs mit der von Ackermann vergleicht.
Martin
“Wenn Ackermann die Deutsche Bank stabilisiert und erfolgreich durch die weltweite Finanzkrise steuert, dann gratuliere ich ihm gerne zu seinem Erfolg.”
Macht das wirklich Ackermann? oder nicht doch der Staat mit den hier in den Kommentaren und auch von mir zitierten Massnahmen? Tatsächlich können wir uns den Umfall der Deutschen Bank schlicht nicht leisten – und deshalb wird man alles tun, um das zu verhindern. Von den “Kleinigkeiten” angefangen, dass die mehrheitlich staatliche Deutsche Post bei der DB einsteigt bis zum Verzicht auf die Überprüfung der Rolle der DB beim Kollaps etwa der IKB.
“Abs hat in einer anderen Zeit gelebt und argumentiert. Es gibt objektivere Kriterien, um Ackermann zu bewerten.”
Unter objektiv versteht Ackermann seine Renditeerwartungen – völlig unabhängig vom Zustand der Realwirtschaft … . Also die Rückkehr zu anderen Zeiten scheint mir durchaus eine plausible Perspektive zu sein.
ham
Wie immer ein guter Kommentar. Nur:
“Also bitte keine systemfremden Erwartungen!”
Also ich habe schon den Eindruck, dass sich das System ziemlich schnell verändert. Also unser staatlich aufgepäppeltes Finanzsystem hat mit Marktwirtschaft kaum noch was zu tun.
Dr. Bär
Die Anekdote kenne ich nicht, bin aber auch kein Abs Experte. Vielleicht können uns ja die Kollegen der Deutschen Bank weiterhelfen … .
Frank,
hat sich da einer bei Dir bedient?
„Der große Unterschied: Hermann Josef Abs, der berühmte Mann der Deutschen Bank, hatte verstanden, was Josef Ackermann erst noch lernen muss.“
http://www.sueddeutsche.de/finanzen/234/466813/text/
@ Luebberding
wenn auf eine Überprüfung der Rolle der DB bei der ‘Pleite’ der IKB verzichtet wird, dann ist der dahinterliegende Grund Spekulation. Meine Spekulation ist die, dass SPD und CDU ihre Rolle dabei nicht in der Presse breitgetreten sehen wollen.
Was die Renditeerwartungen unabhängig vom Allgemeinzustand der Wirtschaft angeht: Wieviel soll es denn sein, bitteschön? Wie wäre es mit einer Empfehlung an alle Betriebe, ja nicht zu optimistisch zu sein.
Wenn Ackermann unter den gesetzlich konformen Randbedingungen eine hohe Rendite erwirtschaftet, hat er seine primäre Zielsetzung erfüllt. Selbst, wenn dies nur deshalb möglich ist, weil die AIG mit amerikanischen Steuergeldern am Leben erhalten wird. Unsere Rentner verlassen sich ja auch darauf, dass der Steuerzahler einspringt, wenn unsere Sozialpolitiker die Rentenformel versaubeutelt haben, und den Bäcker, der vom Rentner lebt, den machen wir dann dafür nicht auch gleich verantwortlich.
“Wenn Ackermann unter den gesetzlich konformen Randbedingungen eine hohe Rendite erwirtschaftet, hat er seine primäre Zielsetzung erfüllt.”
Joa dafür braucht man aber auch nicht den Dank der deutschen Öffentlichkeit.Das macht ne Putzfrau auch jeden Tag ihre primäre Zielsetzung erfüllen…
Ham
Leider nicht … , denn Ulrich Schäfer verstrickt sich in heillose Widersprüche. Also vom WI-ING bekommen ich dann immer Schelte. Schäfer baut nämlich den Popanz auf, dass Ackermann der großartige Unternehmer sei, der doch dem Land nutze, aber er halt seiner gesellschaftspoltiischen Aufgabe nicht gewachsen sei. Ihm fehlt offensichtlich bei Ackermann die Tünche auf den Kpaitalismus. Das Problem bei Ackermann ist laut Schäfer nicht Ackermann selbst, sondern sind die Erwartungen der Deutschen:
“Die Deutschen also würden am liebsten unterscheiden in gute Ackermänner und schlechte Ackermänner.”
Das ist nun der komplette Nonsense. Es gibt nur einen Ackermann, der, wie es das Kapital in der FTD so schön ausdrückt, mit der “impliziten Staatsgarantie” gut leben kann, aber so tut als würde es sie gar nicht geben. Dass Schäfer gleichzeitig Ackermann mit dem untergegangenen Finanzkapitalismus identifiziert, aber daraus offenkundig keine Rückschlüsse bzgl. seiner derzeitigen Rolle (“gute Ackermann”) ziehen kann, ist für mich eine Art Schäfersches Mysterium.
Das passiert aber wohl, wenn man keine Ahnung vom Kapitalismus hat … . Im Gegensatz zu Dir bekanntlich.
Martin
Nanuk hat ja schon geantwortet. Nur eine Frage: Ackermann redet doch den ganzen Tag vom Markt und den Renditeerwartungen, die er sogar – höre und staune! – ohne das Eingehen großer Risiken erfüllen könne. Also Ackermann selbst sagt, dass in dem heutigen staatlich gepamperten Finanzmarkt hohe Renditen für Banken möglich sind – während gleichzeitig die Realwirtschaft mehr oder minder vor die Hunde geht.
Also ehrlich – auf so eine Idee muss man als Marktwirtschaftler erst einmal kommen. Die Absurdität unseres degenerierten Finanzsystems wird in den Worten Ackermanns deutlich. Hohe Rendite – niedrige Risiken. Das sind wirklich tolle Anreizsysteme … . Also im Arbeitsmarkt hieße dann die Logik hohe Gehälter für null Leistung. Nur als Anreiz für die weitere Debatte.
@Alle
Ihr könnt es drehen und wenden wie Ihr wollt, Freunde, Ackermann ist ein smarter Bursche und ein exzellenter Banker. Er zieht das durch, was ihm die Gesellschaft ermöglicht und streckenweise sogar aufträgt, mit einer gehörigen Portion Eigennutz, gar keine Frage, aber so, wie die Dinge nun einmal liegen, kann man ihm das nicht vorwerfen.
Unsere aktuelle Gesellschaftsphilosophie lautet: in unserem Meer schwimmen Haie und kleine Fische, und es ist zum Wohl aller, wenn jeder einzelne, der da so schwimmt, voll auf seinen Vorteil bedacht ist. – Selbst mein 7-jähriger Sohn könnte die Frage ohne Zögern beantworten, wer wohl nach einiger Zeit alleine in diesem Meer schwimmen wird. Interessanterweise lassen wir es aber zu, dass unsere Spitzen in Medien, Politik und Wirtschaft ohne Unterlass den Nonsense vom “allgemeinen Wohlstand” absondern dürfen, und nicht nur das, die bürgerliche Mehrheit applaudiert auch noch dazu.
@ Frank #42
“Also ich habe schon den Eindruck, dass sich das System ziemlich schnell verändert. Also unser staatlich aufgepäppeltes Finanzsystem hat mit Marktwirtschaft kaum noch was zu tun.”
Zustimmung!
Mit (sozialer) Marktwirtschaft hat es kaum noch etwas zu tun, mit Kapitalismus allerdings schon.
In diesem Kontext wäre m. E. sehr interessant, sich mit dem chinesischen System zu befassen, über das ich allerdings zu wenig weiß, um mehr als Vermutungshypothesen zu bilden.
Meine Hypothese ist, dass es sich im Gegensatz zu der Rede vom „chinesischen Kapitalismus“ nach wie vor um eine sozialistische bzw. nicht-kapitalistische Parteidiktatur mit marktwirtschaftlichen Strukturen handelt.
Vielleicht kannst Du oder wgn dies ´mal thematisieren.
Tja WGNX Freitag ist der 1 Mai.
Schade das ich dafür zu alt bin…
http://farm4.static.flickr.com/3634/3484457664_c52887893b.jpg
@Ham
Ich kultiviere seit einiger Zeit für persönliche Zwecke den Begriff “Neofeudalismus”, mit dem ich genau solche Strukturen meine, wie in China oder wie sie sich anfangen, bei uns abzuzeichnen: Staat ist Souverän, Konzernbosse und staatlich gesponserte Familienunternehmen sind Lehensleute, Arbeiter und Angestellte sind Leibeigene. Etwas schwarz-weiss, zugegeben, aber für Erklärungszwecke ziemlich gut geeignet.
@Nanuk und andere
Stichwort 1. Mai: An Eurer Stelle würde ich mir am Freitag die FAZ kaufen und dort unbedingt das Feuilleton lesen – Ihr werdet es nicht bereuen, das verspreche ich Euch!
Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal losziehen würde, um ein gutes Wort für Ackermann einzulegen, aber jetzt ist es so weit:
Der Mann macht seinen Job bestimmt nicht schlechter als all die namenlosen Pappnasen, die sich in den Vorständen der Landesbanken mit dem Geld des Steuerzahlers plan- und ideenlos Ramschpapiere ins Nest gelegt haben, um dann ihren tollen Wert zu bebrüten. Warum regt sich niemand über solche erbärmlichen Figuren auf, sondern immer nur feste drauf auf den durchaus arroganten Ackermann? Ich kann einen arroganten Ackermann, der es bisher immerhin noch geschafft hat, ohne das Geld des deutschen Steuerzahlers auszukommen und die Bank so lala über diese Runde zu bringen, wesentlich besser leben als mit einem Dutzend Penner, die mit Ackermann im Kasino waren, verloren haben und nur deshalb niemanden aufregen, weil sie so mickrig sind.
WGNX
Habe neulich mal ein Büchlein über die Währungsreform 1948 in die Hand genommen.
Ob Abs hier nicht etwas zu gut wegkommt?
Eigentlich gibt es deutliche Parallelen zu heute:
Die Großbanken hatten den Krieg finanziert, damit sich schöne Gewinne versprochen, nur dass die Forderungen gegen den Staat schließlich ausfielen (wie heute die “toxischen” Papiere).
Eigentlich hätte man erwarten können, dass die Alliierten die Banken damit opferten. Aber weit gefehlt: Sie erblühten neu auf, indem ihnen zum Ausgleich der weggefallenen Aktiva auch Passiva gestrichen wurden (Haircut-gleich…). Die Banken gingen wie der Phoenix aus der Asche wieder hervor.
Übrigens hat dabei auch ein gewisser Herr Blessing eine nicht unwesentliche Rolle gespielt, die Fehlspekulation Kriegsinvestment auf die Allgemeinheit abzuwelzen.
Alter Wein in neuen Schläuchen….
@nanuk
“Joa dafür braucht man aber auch nicht den Dank der deutschen Öffentlichkeit.Das macht ne Putzfrau auch jeden Tag ihre primäre Zielsetzung erfüllen…
Eine Putzfrau, die seit Jahren beschimpft wird, und selbstbewusst eine gute Arbeit abliefert, darf selbstverständlich auch mal fragen, wo denn der Dank bleibt.
@weissgarnix
” China: Staat ist Souverän, Konzernbosse und staatlich gesponserte Familienunternehmen sind Lehensleute, Arbeiter und Angestellte sind Leibeigene.”
Klitzekleine Korrektur: nicht Staat ist Souverän, sondern die Partei.
Witzig auch, wie wenig das Militär zu melden hat, gemessen an den Machtmitteln, über die es verfügt. Aber das war schon in der Soffjetunion so, und auch bei den Hitler.
Aber das ist das Typische am Militär der Neuzeit: ohne Befehl ist es hilflos. Diese Domestizierung der Waffenträger ist wahrscheinlich eine der grössten Kulturleistungen überhaupt.
Zitat aus der FTD:
“Ackermann versteht das nicht. Immerhin: “Zwei oder drei Minuten nach Bekanntgabe meiner Vertragsverlängerung habe ich zahlreiche SMS von prominenten Politikern bekommen, was mich sehr gefreut hat”, erzählt er am Dienstag. Doch Josef Ackermann weiß auch, was er seinem Publikum schuldig ist. “Es wird sicherlich viele freuen, dass ich bleibe”, sagt er noch. “Dann haben sie wenigstens jemanden, den sie angreifen können.”
(Nur illustrativ zu Michaels Bemerkung bzgl. Steinbrück u. Co.)
Ich habe eine Bitte an weissgarnix. Könntest Du mal folgendes Missverständnis aus #14 ausräumen: “Wessen Ersparnisse sind ergo in den US-Konsum geflossen und haben die Gewinne der amerikanischen Banken gespeist? Waren es nicht so ca. 80% der Weltersparnisse?”
Ich versuch´s schon mal. Das Geld, mit dem der kreditfinanzierte Konsum bezahlt wird, schöpft die Bank des US-Konsumenten (also wohl kaum die DeuBa). Insbesondere wird es nicht auf irgendeine mysteriöse Weise aus China (oder wo immer die importierten Konsumgüter herkommen) abgezogen. Der Exporteur ist nämlich vollkommen frei in der Entscheidung, ob er
a) überhaupt exportiert bzw. die ihm angebotene Währung als Zahlungsmittel akzeptiert und nicht vielmehr auf Zahlung in Edelmetallen, Naturalien, der eigenen Währung oder Spenden an Drittländer mit hungernder Bevölkerung besteht, und
b) die von ihm eingenommenen Zahlungsmittel in Anleihen, Konsum- oder Industriegüter oder Firmenkäufe im Land des Handelspartners investiert oder diese Zahlungsmittel seinerseits als Spende weiterverschenkt, zum aktuell erzielbaren Preis umtauscht oder verbrennt.
Die USA haben nicht 80% der Weltersparnisse verprasst. Man könnte nachschauen, ob sie sich einen Anteil der irakischen Ölproduktion angeeignet haben. Denn dort waren Zwang und militärische Gewalt im Spiel und entsprechende Planungen zweifellos vorhanden. Ansonsten aber gehört das Gerede über eine Ausbeutung durch Dollar-Hegemonie genau zu derselben Sorte Gewäsch wie das, was die opportunistische Mehrheit unserer Politiker über Ackermann je nach aktueller Wetterlage vom Stapel lässt – nur eben auf das Verhältnis von Ökonomien zueinander bezogen. Oligarchen – um mal einen Ausdruck zu zitieren, den Fed-Banker Hoenig gerade auf die Wall Street angewendet hat – Oligarchen also werden gemacht. Von jungfräulicher Selbstselektion kann hier keine Rede sein.
@Lübberding:
Jedes Verdienst, das sich Abs erworben haben mag, verschwindet hinter der ihm vorauslaufenden Schuld. Dies zum einen. Zum anderen hat Abs in einem Paradigma funktioniert, während Ackermann dies in einem anderen tut. Das ist schon alles. Abs hat erfolgreich Verhandlungen mit den Gläubigern Deutschlands geführt. Im Unterschied zu Ackermann ölte Abs aber auch die Rädchen einer Mordmaschine.
@Martin
Siehste da ist jetzt der Unterschied zwischen Putzfrau und Ackermann die Putzfrau nimmt ihre Kohle das reicht voll und ganz damit ist die zufrieden wenn es genug ist und unser Ackermännchen ist so ein Schwächling das er auch noch nach der Bestätigung eines ganzes Volkes ruft nur weil er seine Arbeit macht.
Da kann es ja mit der inneren zufriedenheit über seine arbeit nicht weit her sein wenn ich meinen Angestellten auf die Schulter Klopfe und sage das habt ihr aber gut gemacht dann fliegt mir was an den Schädel weil das selbstverständlich ist…
Die sind Selbstbewust genug zu wissen das sie gute arbeit liefern…
Aus meiner Sicht geht es gar nicht um die Person von J.A.. Sondern die Frage ist die Beziehung zwischen eigennützigem Verhalten und Gemeinwohl.
Die Geschichte mit dem V-Zeichen oder die Aussage, dass er die 25 Prozent Eigenkapitalrendite im ersten Quartal 2009 nicht nur für sein Finanzinstitut, sondern für ganz Deutschland erwirtschaftet oder sein Vorschlag, wie der der Beifall aussehen könnte: «Danke, dass Sie das für Deutschland gemacht haben», dies alle kann man für gut oder schlecht, für cool, ultralässig, intelligent oder hirnverbrannt halten.
Adressat des Beispiel-Danksatzes waren sowieso nur die Hofberichterstatter aus den Medien.
Er hat Selbstmarketing betrieben und auf seine Erfolge hingewiesen. Dass er das Vermögen der DB-Aktionäre weitgehend verzockt hat und die Aktie derzeit nur noch ein Drittel von wert ist, was sie vor 1,5 Jahren war, wird ignoriert. In den Medien erscheint er als erfolgreicher Top-Banker.
Sicher, es gibt immer einige Zocker, die gewinnen. Aber die Mehrzahl der Anleger verliert. Das ist nicht viel anders als bei den Sportwetten. So funktionieren Wettsysteme.
Reden wir kurz von den Verlierern. Beispielsweise von denen, derer Lebensversicherung oder Privatrente geringer geworden ist. Was ist mit deren „systemerhaltender Kaufkraft“ geworden? Aha, der Staat gibt denen später Kaufkraft. Und zugleich senkt er – wie angekündigt – die Staatsverschuldung. Na bitte, geht doch alles. Zumindest in Köpfen mit Hirnriss.
Natürlich leben die Börsenzocker von der Illusion, dass nie „Game over“ ist. Das ist ein ähnliches Phänomen wie bei den Spielsüchtigen. Die verspielen auch zehntausende von Euros an Spielautomaten und glauben an das Happy End.
Sicher, der Vergleich hinkt. Er ist ja auch nur psychologisch gemeint.
Die Freunde des Kapitalismus ignorieren die Reproduktionsprobleme des Gesamtsystems. Sie betreiben Raubbau – und irgendwann ist die Reproduktionsgrundlage zerstört. Nur dass es sich hier nicht um ein Ökosystem, sondern um ein gesellschaftliches System handelt.
Die Freunde des Kapitalismus halten sich selbst für hochintelligent und den Rest der Menschheit für doof. Erinnert mich an eine Lenin-Biographie, die ich vor Jahrzehnten gelesen habe. Nach der soll Lenin gesagt haben, dass 90% der Menschheit und 70% der Bolschewiken dumm sein. Und deshalb muss die Arbeiterklasse von der Partei der Arbeiterklasse geführt werden. Weil die Arbeiterklasse nur ein tradeunionistisches Bewusstsein herbringen könne.
Ja, liebe Freunde des Kapitalismus, was heißt dies konkret: Lohnarbeiterbewusstsein?
Nichts anderes, als dass sie wissen, dass die Gegenseite ihre Arbeitskraft möglichst billig einkaufen will und sie versuchen müssen, diese möglichst teuer zu verkaufen. Und wenn diese nicht klappt, weil sie gegen die Marktmacht der Arbeitgeber nichts ausrichten können und nur einen Billiglohn erhalten? Was dann?
Dann machen sie das, was die Menschen heute tun. Sie kündigen innerlich, reduzieren die Arbeitsleistung und Arbeitsqualität und machen gerade das Allernötigste. Wer kann, macht noch Nebenjob und versucht, in seinem Hauptjob Arbeitskraft zu sparen.
Ja, liebe Freund des Kapitalismus, glaubt ihr wirklich, dass so ein System sich auf Dauer reproduzieren kann?
Jemand muss doch hirnverbrannt sein, wenn er von schlechtbezahlten Gesundheitsdienstleistern engagierte Leistungen und eine hohe Qualität der Arbeit erwartet.
Das kann man jetzt auf alle Berufe ausweiten, die entscheidenden Anteil an der Reproduktion haben, deren Arbeitsleistung und –qualität sich jedoch jeder sog. Qualitätssicherung entzieht, wie Lehrer, Sozialarbeiter, Polizisten, Hochschullehrer etc. Da funktioniert Qualitätsmanagement nicht, wenn die nicht mitspielen.
Zu den Hochschullehrern noch eine Anmerkung. Die sollen sich angeblich in einem System befinden, welches nach richtig – falsch bzw. wahr – unwahr codiert ist.
Denkste! Sie haben den radikalen Konstruktivismus eingeführt und diese Codes abgeschafft. Anything goes! Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners!
Wahrheits- und Erkenntnissuche, das interessiert doch keinen finanzoptimierenden Professor mehr. Die Nebenjobs bringen die Kohle. Beim Versicherungsmarketing, bei den Pharmastudien, bei der Auftragsforschung, bei den Gutachten etc. Da ist nichts mehr mit „Wahrheit“. Da geht es um Werbung etc.
Wen interessiert Grundlagenforschung, für die es keine Kohle gibt?
Lehre? Dafür gibt es keine Kohle. An allen Hochschulen gibt es eine professorale Massenflucht aus der Lehre. Lehre minimieren, Einkommen optimieren – und nicht umgekehrt!
Im anderen Thread gab es schon die Warnung: Bloß keinen Unfall, bloß keine schwere Krankheit.
Ja sicher, liebe Freunde des Kapitalismus, da meint ihr vielleicht, dass dies gar kein Problem sei. Da gibt es die Privatkliniken. Ganz neue Gebäude, ganz toll eingerichtet, ganz schicke Leute. Aber ist die Medizin dort besser?
Warum machen die eigentlich Privatkliniken auf? Die Antwort ist einfach: Weil es ihnen vor allem um die Kohle geht.
Egal, wo ihr hingeht. Die Logik des Kapitalismus ist schon da. Die globalisierte Welt ist zugleich die totalvergesellschaftete.
Das System zerstört seine Reproduktionsgrundlagen. Bald ist „Game over“.
Weissgarnix erzählt gerade im FAZ-Blog die Geschichte etwas anders. Aber das Resultat ist das selbe.
@Eurooptimist, @Martin
Eine super-hohe Eigenkapital-Rendite kann man erzielen,
a) in dem man ein Super-Business macht, supergut drauf ist , ein Super-Ackermann ist, und die Kunden das auch noch mitmachen , dem Unternehmen zu 25 % EK-Rendite zu verhelfen, weil sie gar nicht anders können, weil die Produkte so gut sind und soviel Nutzen bringen.
b) oder in dem man die Eigenkapitalquote senkt.
Und hier scheint mir der Hase im Pfeffer zu liegen. Ich bin kein Bankenfachmann, habe aber ( auch durch erhellende Beiträge in diesem blog) gelernt, daß Banken eben anders ticken als die Realwirtschaft, und dass es viel einfacher ist , das EK abzusenken im speziellen Bank-Business Umfeld, und daß die Deutsche sich da ganz besónders hervorgetan hat:
http://blog.zeitenwende.ch/wissenschaft/grossbanken-auf-duennem-eis/
Also clever ist Ackermann ohne Zweifel. Das habe ich auch durchaus zum Ausdruck gebracht – dass die DB nämlich besser abgeschnitten hat als ihre Konkurrenten.
Eurooptimist
Genießen die Landesbanker noch irgendeine Autorität – sprich Kompetenzvermutung? Natürlich nicht. Alleine aus dem Grund thematisiert sie in dem Zusammenhang niemand mehr. Es lohnt sich nicht.
Bei Ackermann geht es um seine politische Rolle – und da besteht kein Zweifel: Er war bei der Ausgestaltung des deutschen Bankenrettungsschirms einer der wichtigen Akteure. Im Verbriefungsmarkt war er bis 2007 – im Gegensatz zu allen anderen deutschen Banken – nicht in der Position des Käufers, sondern als Investmentbank des Verkäufers. Das darf man nicht übersehen. Also hat die DB natürlich zwangsläufig den Braten eher gerochen als die ohne Zweifel desaströsen Landesbanken. Ob das Cleverness oder nicht doch schlichter Informationsvorsprung gewesen ist, lässt sich im Einzelfall nicht klären.
Wer substantielle Veränderungen im Bankensystem für notwendig hält, kommt daher um Josef Ackermann und seine politische Rolle nicht herum – und nicht um den Banker, der sich gerne im Gewand des Finanz-Technokraten zeigt. Was ihm manche dann auch gerne glauben:
http://debatte.welt.de/kommentare/126553/josef+ackermann+hat+grosses+geleistet?page=1
Donnerkeil
Abs war nach 1945 kein barmherziger Samariter. Keine Frage. Natürlich wollte er die Verstaatlichung von Banken – wie etwa in Frankreich nach der Befreiung 1944 – verhindern. Die Währungsreform 1948 war bei uns ja auch schon ein Thema … .
Jörg
Abs ist eine deutsche Karriere im 20. Jahrhundert – mit den Bruch 1945. Er hat in zwei Paradigmen funktioniert – das ist der Punkt. Die Frage lautet also heute, ob wir nach dieser Krise in einem anderen Paradigma leben werden als vor der Krise. Und welche Rolle ein Josef Ackermann darin spielt … .
@ weissgarnix # 51
„Ich kultiviere seit einiger Zeit für persönliche Zwecke den Begriff “Neofeudalismus”, mit dem ich genau solche Strukturen meine, wie in China oder wie sie sich anfangen, bei uns abzuzeichnen“
Diese Strukturen gibt es m. E. schon länger. Ich erinnere mich, dass bereits in den Diskussionen der 70-er Jahre dieser Begriff aufkam, um Strukturen in den Parteien, Gewerkschaften, im sog. militärisch-industriellen Komplex, in Großunternehmen etc. zu beschreiben.
In den 80-er Jahren hat man sich dann in der Öffentlichkeit von bürgerlich-demokratischer Terminologie verabschiedet. Aus Parteivorsitzenden wurden dann in den Medien „Parteichefs“, genauso in Gewerkschaften, Vereinen etc.. Nicht mehr die Partei-, Gewerkschafts-, Vereinsmitglieder waren der Souverän, sondern der „Chef“. Und selbst an den Hochschulen wurden Dekane, Uni-Präsidenten etc. in der Alltagskommunikation als „Chef“ bezeichnet.
Später kam die Rede vom „Leader“ und „Leadership“ auf. Die deutschen Bezeichnungen „Führer“ und „Führung“ vermiet man.
Das „System Kohl“ war so ein typisches neofeudales System. The Winner takes it all – und verteilt dann: Posten, Gelder etc. In anderen Parteien gab es dies natürlich auch. z.B.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,618360,00.html
Die soziale Organisationsstruktur („Neofeudalismus“) besagt allerdings noch nichts über die Ausrichtung der Systeme.
Nach R. Löwenthal (1963) muss in unterentwickelten Gesellschaften der Staat die fehlende gesellschaftliche Entwicklungsdynamik:
„ In einer Gesellschaft, die aus sich heraus nicht die selbsttätige Entwicklungsdynamik des Westens hervorgebracht hat und die bis zu diesem Bewußtseinsakt der Intelligenz die Einwirkung des Westens hat passiv über sich ergehen lassen, gibt es nur einen Weg, die dynamischen Aspirationen der bewussten Minderheit zu erfüllen – den Weg der politischen Aktion. Die nationalistische Intelligenz stellt sich die Aufgabe, mit Hilfe eines neu zu schaffenden ‘politischen Überbaus’ den undynamischen ‘gesellschaftlichen Unterbau’ nachzuziehen“
KCH will China entwickeln und besitzt daher keine Alternative zu dieser Organisationsstruktur.
Die Entscheidungen der KCH folgen dem Primat des Gemeinwohsl. Da geht es doch nicht darum, dass Einzelne zum Nachteil des Gesamtsystems sich bereichern. Sondern es geht um eine von der Partei „kontrollierte Bereicherung“ im Interesse der Gesamtentwicklung Chinas.
Völlig anders verlaufen die Entscheidungen im Kapitalismus. Haben die Regierungen Bush, Blair, Berlusconi etc. ihre Entscheidungen auf Basis einer Gemeinwohlorientierung?
@frankie bernankie,
Mit welchen Tricks Ackermann seine Eigenkapitalrendite wieder auf 25% gebracht hat, kann wgn sicher fachmännisch vermuten oder wissen. Die heutigen Möglichkeiten sind wahrscheinlich unbegrenzt, ich frage mich sogar, ob Ackermann nicht mit hohen Summen auf den Börsenuntergang der DB spekulieren und die DB dann nach unten kommentieren kann. So könnte er doch die Ergebnisse des Investmentbanking deutllich verbessern.
@Frankie Bernankie # 56
„Witzig auch, wie wenig das Militär zu melden hat, gemessen an den Machtmitteln, über die es verfügt. Aber das war schon in der Soffjetunion so, und auch bei den Hitler.“
Aber war die Wirtschaftspolitik der CCCP nicht wesentlich von militärischen Interessen bestimmt?
Deshalb kam die Entwicklung des Massenkonsums doch auch kurz.
@weissgarnix:
“aber so, wie die Dinge nun einmal liegen, kann man ihm das nicht vorwerfen.”
Man kann ihm nicht alles vorwerfen, was ihm vorgeworfen wird, aber man muss ihm klar und deutlich entgegnen, dass er sich aufgrund der Faktenlage – an seinen eigenen moralischen Massstäben gemessen – bereits heute schämen müsste.
Und wenn man dann tatsächlich in der öffentlichen Auseinandersetzung mal wieder die Oberhand gewinnt, sollte man natürlich tunlichst wissen, was man mit dem eroberten Quantum Definitionshoheit, wie gering es auch immer sein mag, anzustellen gedenkt.
Ich habe zu jenen gehört, die Schröder nicht für Brioni, Cohiba und Walz kritisiert haben, sondern für konkrete politische Akte. Beim Joe liegt die Sache fast umgekehrt (fast deshalb, weil es zur IKB und einzelnen Geschäften mit Kommunen ja noch ungeklärte Fragen gibt). Dass er jedoch ideologischen Qualm verbreitet,
für seine Bilanzfrisur längst schon Färbemittel und Gel aus staatlicher Produktion einsetzt und seine Anzüge nur deshalb noch vorzeigbar sind, weil die liebe Angela mit ihrem sozialdemokratischen Hilfspersonal die Knitterfalten rausbügelt – wer will das eigentlich noch ernsthaft bestreiten?
alle
Eine etwas seltsame Geschichte:
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/:Josef-Ackermann-Machtkampf-Deutschen-Bank/662434.html
@HAM #59
Ich kenne noch ein paar Lehrer und Profs “alter Schule”. Ob das was ändert, ist eine andere Frage.
Apropos 1. Mai: Ein 20 Jahre alter Text zur Einstimmung:
http://www.uni-muenster.de/PeaCon/kapzeit/z-texte/Negt%20-%20Krise%20der%20Arbeitsgesellschaft.htm
Mindestens ebenso lesenswert wie das, was wgn in der Freitag-Ausgabe der FAZ verspricht – behaupte ich mal tentativ.
@f.luebberding
Die Konservativen sägen an den Sitzen der Neoliberalen…
@Dipfele # 67
„Ich kenne noch ein paar Lehrer und Profs “alter Schule”. Ob das was ändert, ist eine andere Frage.“
Auf jeden Fall. Solange es noch Funken gibt, ist das Feuer nicht erloschen!:-)
Nur als Hinweis auf die Debatte über die Höhe der Eigenkapitalrendite bei Banken. Jenseits aller bilanziellen Kunstgriffe und der Problematik historischer Vergleiche, gibt dieser Chart des SVR aus dem Jahr 2004 doch Auskunft.
http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/download/ziffer/z351_389j04.pdf
Nur damit niemand meint, 25 % wären erstens gar nicht viel und zweitens der historische Normalfall. In Wirklichkeit war diese benchmark dem angelsächsischen Vorbild geschuldet.
Nanuk
Das ist, denke ich, seit Amtsantritt Ackermanns vorbei. Damals gab es bei einigen alten Herren im Aufsichtsrat noch Widerstand gegen den Crashkurs von Ackermann. Das ist heute vorbei.
@wgn
“…Neofeudalismus”, mit dem ich genau solche Strukturen meine, wie in China oder wie sie sich anfangen, bei uns abzuzeichnen“
Schön formuliert, geht in die richtige Richtung, nur mit einem klitzekleinen Unterschied:
Der Staat im westlichen Selbstverständnis – im Fall China & Russland mag das noch anders sein – ist kein Souverän, sondern die Marionette des eigentlichen Souveräns: der “wirtschaftlichen Machthaber”; dies ist/sind keine Einzelpersonen oder formelle Organisationen, sondern die “Materielle Oberschicht im engeren Sinn”
Wir tagträumen permanent die Illusion, die Politiker hätten eine irgendwie geartetet “Macht”, die auch noch vom “Volke ausgeht.”
Aufwachen, Verfassungsillusion und -Realität sind meilenweit verschieden; wer das Machtprinzip der Wirtschaft als relevant akzeptiert hat, dem wird schlagartig vieles klar! Dass dieser “Wirtschaftsfeudalismus” geradewegs in die “Bananenrepublik” führt, kann dann niemand mehr wirklich überraschen.
Via Nachdenkseiten zu Ackermanns Deutscher Bank
http://www.gazette.de/Archiv2/Gazette21/Anatol.pdf
Auf ein fröhlches Jagen und Wetten!
Ob bei der Beratung der Kunden die dort gemachten Erkenntnisse auch berücksichtigt wurden? Oder bei der IKB?
otti
Interessant. Genau den Artikel habe ich auch gerade gelesen. Nur war das schon zu Beginn des Jahres 2008 bekannt, dass die DB offenkundig gegen ihre eigenen Produkte im Hypothekenmarkt gewettet hat. Was sie aber nicht vorhergesehen hatte, waren die makroökonomischen Folgen – und die Ansteckung der anderen Kreditmärkte.
NEOFEUDALISMUS
Nach Überdenken der Sache komme ich zu dem Schluss, dass trotz gewisser struktureller Ähnlichkeit in der sozialen Organisation der Begriff Neofeudalismus in Bezug auf China auf die falsche Fährte führt.
Typisch für den Feudalismus ist, dass Herrschaft und Macht über vererbbares Eigentum vermittelt ist.
Und das trifft m. E. eher auf die britische Krone und den Rockefeller-Clan zu, als für die Führung der KPChina.
Und deshalb funktioniert das chinesische System auch ganz anders.
@ Zykliker #71
„Wir tagträumen permanent die Illusion, die Politiker hätten eine irgendwie geartetet “Macht”“
Aus meiner Sicht ist das keine Illusion, denn sie sitzen an den Schalthebeln der „Maschine“ Staat.
Ein anderes Mal zu beidem mehr.
MfG
HAM
Ja dafür sollt Ihr ihm dankbar sein: Er hat noch keine Staatsknete beansprucht.Aber was nicht ist kann leider noch sehr leicht kommen.Bei 2 Billionen Kasinoeinsatz mit 30 Mrd Eigenkapital geht das ganz schnell.Wäre AIG hopps gegangen wäre die Dt.Bank schon dran.Von 11,8 Mrd die der US Steuerzahler via AIG geblecht hat sind gerade mal 1,8 Mrd Gewinn übriggeblieben.Der Rest wurde schon verbraten.