Ich habe gerade H.Ch. Binswangers “Die Wachstumsspirale” zu Ende gelesen, und bin nur mäßig begeistert. Der ehrenwerte Herr Professor emeritus schreibt zwar einerseits recht forsch gegen den Mainstream an, bleibt ihm aber dann andererseits doch irgendwie recht merkwürdig verhaftet. Und an den Stellen, wo er sich den Implikationen seiner Thesen voll bewußt wird, flüchtet er sich dann in die üblichen Allgemeinplätze à la “Die Abwanderung von Wachstum in die Emerging Markets wird in den Industrieländern zu sozialen Spannungen führen” und dergleichen. Das Buch gleicht insgesamt einer Art “schaumgebremsten” Variante von Paul C. Martins “Der Kapitalismus – Ein System, das funktioniert”. Aber immerhin: In einem Punkt ist auch Binswanger absolut unmißverständlich, nämlich dass der Kapitalismus nur “Wachstum” oder “Einbruch” kennt, aber kein “stabiles Nullwachstum auf hohem Niveau”, von dem im Mainstream noch immer einige zu träumen scheinen.
Besonders interessant fand ich jedoch eine Fußnote, in welcher der Herr Professor aus der Dissertation seines wohl berühmtesten Schülers zitiert, eines gewissen “Josef Ackermann”. Der gab anno 1977 unter dem Titel “Der Einfluss des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen – eine theoretische Analyse” u.a. folgendes zum Besten:
“Da das Geld in Form von Sichteinlagen bei den Banken durch die Gewährung von Krediten der Banken entsteht, die Forderungen darstellen, und die Sichteinlagen Forderungen der Kreditnehmer und damit Schulden der Banken sind, heben sich bilanztechnisch Schulden und Forderungen gegenseitig auf. Der volkswirtschaftliche Vermögenszuwachs, der sich aus der Kreditgewährung der Banken ergibt, scheint daher Null zu sein. Dies entspricht aber nicht der Wirklichkeit der heutigen Geldordnung, da die Sichteinlagen der Kreditnehmer bzw. die Banknoten – wenn man das gesamte Bankensystem, also Banken und Zentralbanken zusammen, betrachtet – nicht mehr eingelöst werden können. [...] Aber die Schulden des Bankensystems als ganzes sind, weil sie nicht (mehr) eingelöst werden müssen, mit Null zu bewerten. Durch die Kreditgewährung entstehen daher neue Forderungen, aber keine neuen Schulden im Sinne der effektiven Vermögensbilanz. Somit steigt das volkswirtschaftliche Vermögen um die Menge der Kredite, die die Banken gewähren!”
Zunächst mal: Doktorand Ackermann bewies mit dieser Erkenntnis eine enorme Weitsicht, und natürlich ist ihm prinzipiell zuzustimmen.
Das klitzekleine Problem aber, das er – zumindest im obigen Passus – leider total ausgeklammert ist, dass die Schulden des kompletten Kreditsektors inkl. der Zentralbank zwar nicht rückzahlbar sein mögen, die der einzelnen Banken aber natürlich sehr wohl! Und natürlich unterliegen die einzelnen Banken diesbezüglich sehr wohl einer Bilanzierungs- bzw. Passivierungspflicht, was nichts anderes bedeutet, als dass sie pleite gehen, wenn diesen Schulden nicht mehr nachgekommen werden kann oder sie ihrer Höhe nach das Vermögen der Bank übersteigen.
Und das bringt uns zur aktuellen Bankenkrise und der Interessensvertretung des deutschen Kreditsektors in Berlin namens “Bundesregierung”. Denn Doktorand Ackermann weist natürlich mit der obigen Passage sehr wohl einen möglichen Weg, wie man Bankschulden und damit Bankenkrisen tatsächlich “aus der Welt” schaffen könnte: Indem man nämlich das 2-stufige Bankensystem unter dem Dach der Zentralbank konsolidiert, und alle Geschäftsbanken dann nur noch als rechtlich unselbständige Filialen der Zentralbank agieren. Warum eigentlich nicht? – Dann wäre Ackermanns obige Aussage tatsächlich in der Praxis verwirklicht, und wir hätten nie, nie wieder eine Bankenkrise. Das wäre doch mal ein Lösungsvorschlag “out of the box” fürs nächste Konsultationstreffen mit Angie und Peer, oder?
Nachtrag:
Auf eine Leseranfrage hin habe ich mir die komplette Fußnote (geht über zweieinhalb Seiten) nochmal durchgelesen und Schande über mich: Die oben zitierte Stelle stammt offenbar von Binswanger selbst denn wörtlich aus Ackermanns Dissertation. Das wörtliche Ackermann-Zitat, das scheint mir nunmehr recht klar, schließt exakt am Seitenende mit einem Hochkomma, welches ich bei der Erstlektüre offenbar übersehen habe. Daran anschließend beginnt wohl Binswanger mit seinen eigenen Schlußfolgerungen aus Ackermanns Dissertation, und ziemlich wahrscheinlich findet sich die obige Passage auch sinngemäß in dessen oeuvre, aber ob “wörtlich” kann ich leider nicht sagen.
Nich, dass es an der Gesamtaussage dieses Beitrags groß was ändern würde, aber: Ordnung muß sein!















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“Aber die Schulden des Bankensystems als ganzes sind, weil sie nicht (mehr) eingelöst werden müssen, mit Null zu bewerten.”
Argh, falscher Zirkelschluss:
A darf nicht sein. => A kann nicht sein. => A ist nicht.
Wenn solch ein simpler Fehler vorliegt, dann kann er sein Diplom abgeben. (Und die Herren Professoren, die das abgenommen haben kriegen ordentlich eins auf den Deckel)
@weissgarnix
Ist des Ackermanns Diplomarbeit wirklich ein Zirkelschluss, oder war das nur eine Kurzschlussreaktion meinerseits aufgrund des verkürzten Textes?
Dein Vorschlag geht jedoch noch nicht weit genug. Wenn die Banken ihre Bilanzen vereinigen müssen es folglich auch die Unternehmen tun, dann hätten wir auch die ekeligen Unternehmenspleiten beseitigt.
Weissgarnix ist noch im Oster-Modus, und Ackermann ist Bischof in Trier. Bischof Ulrich aus Schleswig: “Die, denen Ostern die Augen aufgegangen sind – sie sind andere geworden, sehen anders auf die Welt.“ Der Osterglaube sehe über den Horizont des Realismus hinaus. Ostern bedeute auch, sich selbst auf den Weg der Veränderung zu begeben – im Vertrauen auf Gottes Verheißung.
Alle Schuld ist von Dir genommen, wenn Du Deine Sünden bereust, Deinen Hochmut, Deine Gier, Deine Selbstbezogenheit.
Werde zum Neuen Sozialistischen Menschen, glaube an das Kombinat, an die Genossin Vorsitzende des Zentralkommitees der Zentralbank, usw usw…
Da war der Fehler: weissgarnix schreibt “Zentralbank” stattt “Zentralbanken”. Die Idee der Konsolidierung unter dem Dach der Zentralbank ist gut und zielführend, sie gibt Zeitgewinn. Ein Wegstück ist schon mit den zentralbanklichen Rettungsgeldern gemacht, aber:
Statt mehreren tausend Geschäftsbanken sind dann mehrere Dutzend Zentralbanken auf dem Markt. Sind die Zentralbanken politisch unabhängiger als die Geschäftsbanken ? VomNachfolger eines Herrn Balcerowicz sagt man in Polen anderes.
Ergebnis: aus den Super-Schulden-Blasen ensteht die MEGA-SCHULDEN-BLASE. Wenn die platzt, fallen nicht Konzerne,sondern Staaten.
Nur keine Sorge. Mit der Null-Prozent-Zins-Politk der FED verdienen sich derzeit die Privatbanken eine goldene Nase. Einzige Baustelle sind noch die maroden Bilanzen. Aber auch hier besteht kein Problem mehr: Die toxischen Papiere werden die Banken nach und nach bereinigen.
Mit der Schützenhilfe der Regierung wird kein großes Institut mehr pleite gehen. Der Fall von Lehman Brothers war den Regierungen rund um den Globus eine Lehre. Also nicht aufregen. Cool bleiben.
Hi wgn
Du schreibst:
“Indem man nämlich das 2-stufige Bankensystem unter dem Dach der Zentralbank konsolidiert, und alle Geschäftsbanken dann nur noch als rechtlich unselbständige Filialen der Zentralbank agieren. Warum eigentlich nicht? ”
Bekanntermassen sind wir damit -wieder- einen Schritt vor dessen, was ich seit längerem (auch im Gelben) forderte:
Nämlich die Einführung (temporär) eines 3 Kreise Modells in Finanzwesen.
Du magst Dich sicherlich daran erinnern, dass ich die Statuierung von ca. Geschäftsbanken unter staatlicher Aufsicht/Führung forderte, welche die Aufrechterhaltung des Interbankenhandels garantiert (Kreis 1).
Im Kreis 2 und 3 folgen dann die Teilsysteme für untergeordnete Bereiche (reiner Zahlungsverkehr, untouched of anything) und der Kreis für PH und KMU.
Mal schaun – auch das kommt.
Richtig und einmal mehr erkannt: Es geht darum
a) Zeit zu kaufen
b) die Todkranken von den Halbgesunden und Gesunden zu trennen.
Gruss
Jacques
#3
Wie verdienen sich die Banken denn momentan dumm und dappig? Goldman Sachs soll ja kräftige Gewinne aus dem Anleihenhandel erwirtschaftet haben – sind das wirkliche Gewinne, oder einfach nur “Luftbuchungen”?
Wie funktioniert das Geschäft einer Investmentbank, wenn weder M&A stattfinden, noch irgendwelche Zertifikate mit Kickbackgeschäften absatz finden, oder Kredite verpackt und veräußert werden können?
@ weissgarnix
Wir reden die ganze Zeit übder die Krise des Kapitalismus – könnte es nicht viel eher eine Krise des Finanzsektors sein?
Die produzierenden Unternehmen haben in den letzten Jahren genau das getan, was Sie tun sollten. Ihre Kosten gesenkt, Innovationen produziert usw. Noch nie waren Produktzyklen so kurz wie heute – die REALWirtschaft ist Hochgradig Innovativ.
Die gesamte Krise geht doch von der aktuellen Geldorndung aus bzw. von dem Problem, dass ein BEDARF noch keine NACHFRAGE bildet – dafür fehlt im Zweifel das Geld.
Und genau hier ist das Problem dieser Krise – würde die FED oder EZB, jedem US-Bürger oder Europäer, für ein Jahr, jeden Monat 1.000 € überweisen – wir hätten keine Krise – noch nicht einmal eine größere Inflation.
Nur verlässt sich die EZB bzw. FED auf die Geschäftsbanken um das Geld/Kredit unter das Volk zu bringen – das Problem ist hier nur – Kredite sollten irgendwann einmal getilgt werden. Zudem ist es eine Frage der Gerechtigkeit, wieso normale Banker zugriff auf Geldschöpfung und vergünstigte Refinanzierung haben sollten. Bzw. wieso über dieses System das Geld verteilt werden soll.
Sind Banker gute Planwirtschafter? Wann entscheiden Sie sich für eine Geschäftsidee und wann dagegen?
Hier noch der Link und die Skizze zum angesprochenen 3 Kreisemodell und den entsprechenden Hierarchien.
Wesentlich ist, dass die Schnittstellen zu den Kreisen “wohldefiniert” und keine aufschaukelnden/niederschaukelnden Interdepenzen aufweist.
http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=43648
“Noch nie waren Produktzyklen so kurz wie heute – die REALWirtschaft ist Hochgradig Innovativ.”
Lange nicht mehr soooo gelacht. Welche wirklich bahnbrechende Innovation (ausser PC) hat es in den letzten 20 Jahren gegeben, die die Menschheit wirklich voran bringen? Die Menschheitheit braucht keinen Plasmabildschirm, keine Spielekonsole und auch keine 3.5 Tonner aka SUVs. Es bräuchte Innovationsschübe im Hausbau, bei der Energiegewinnung und in der persönlichen Bewegung (heute als Automobil bezeichnet).
Vielleicht noch ein paar echte Innovationen in der Medizin, die echte Therapien sind (und nicht nur Symptome mehr schlecht als recht korrigieren oder schönen) und dabei der Gesellschaft KOSTEN ERSPAREN (für Pflege oder Einschränkungen in der Lebensführung/Arbeitskraft).
Das wären echte Ziele für Innovationen.
@Jaques
Wenn die Notenbank Kredite ohne Sicherheit gibt, ist es durchaus ein interessanter Schachzug. Doch was ist die Garantie des Staates anderes als eine Sicherheit?
@keiner
Ich gebe Dir recht – die Mainstreamwirtschaft hat enige Innovationen behindert/verhindert.
ABER wir haben eine technische Revolution im Infomartionswesen erlebt – Datenverkehr, via Email, Video usw. ist heute innerhalb weniger Millisekunden weltweit möglich. Oder unsere Diskussion, vorbei an den großen Medienkonzernen und Verlagshäusern, wäre noch vor Jahren wesentlich schwieriger gewesen.
Auch im Hausbau und der Haustechnik gab es sehr viele Fortschritte bzw. nahezu Revolutionen. Z.B. gibt es neue Heizungs-Pumpen, die nur noch 1/10 des Stroms verbrauchen wie normale Pumpen, die Solarzellenherstellung ist rationalisiert worden und erlebt eine schnelle Kostendegression.
Der Bateriebau erlebt durch die Unterhaltungselektronik und das Mobiltelefon eine schnelle Entwicklung…usw.usf.
Es wurden in den vergangenen Jahren sehr viele wichtige Entwicklungen getätigt. Nicht unbedingt von der Mainstream-Ökonomie (die sich auf das MArketing von schlechten, gesundheitsschädlichen) Produkten beschränkte. Oder strukturell nicht in der Lage ist wirklich langfristig zu planen – z.b. angesichts von Peak-Oil oder einer Möglichen Ressourcenverknappung oder Erderwärmung.
Oder Siehe EWS-Schönau als Alternative zu den großen Stromkonzernen……
Es gibt und gab in den letzten Jahren massive Fehlentwicklungen – allerdings auch einige sinnvolle Gesetze und Entwicklungen. Ich hoffe, dass die Krise eine Chance ist. Das die Krise neuem Denken zum Durchbruch verhilft – ökologisch und Ressourcenschonendes Wirtschaften zum Beispiel.
Zum Gesundheitssystem – keine Frage hier sollte man über eine Systemreform reden – technische Innovationen gab es allerdings auch hier. Nicht so viele, wie es hätten sein können. Die wahren Problem gründen in einer absolut falschen Anreizstruktur. Z.B. die massive Übernutzung von Antibiotika (aktuelle Zahlen sprechen von +50% Fehlverschreibungen), mangelnde Hygiene, schlechtes Qualitätsmanagent, falsche Kostenerstattungsstruktur, mangelnde Transparenz, falsche Ärzteausbildung und Entlohnung……..
@keiner
Eine “game changing innovation” ala PC (oder ganz allgemein halbleiterbasierte Computer) braucht’s nicht alle Jahre. Da ist, selbst im Rahmen der heutigen Möglichkeiten, noch ungehobenes Potential für viele Generationen. Von der Erfindung der Dampfmaschine bis zu flächendeckenden Schinennetzen oder vom Otto Motor bis zu flächendeckenden Staus hat’s ja auch ein Weilchen gedauert …
“Es bräuchte Innovationsschübe im Hausbau, bei der Energiegewinnung und in der persönlichen Bewegung”
Da hat sich die letzten 20 Jahre enorm viel getan: Es wird heute (zumindest hier in at) so gut wie kein Einfamilienhaus mehr ohne Wärmepumpe / Solaranlage und/oder vernünftiger Wärmedämmung gebaut. Wind und Photovoltaik sind – in günstigen Lagen – schon jetzt mit traditionellen Energieträgern konkurrenzfähig. Bei den Autos, wo es zugegebenermaßen am schleppensten voran geht, gibt’s immerhin Hybrid- und 3-Liter-Autos als Serienmodelle und die Zeit der SUVs scheint endgültig vorbei.
Innovationen brauchen nunmal ihre Zeit. Auch wenn “theoretisch” alles gelöst ist, gibt’s da immer noch tausende technische Hürden und Optimierungen bis Du ein ausgereiftes, massentaugliches Produkt hast.
Und das ist immer noch das kleinere Problem, denn dann brauchts auch noch die Bereitschaft bei Industrie und Konsumenten sich auf was neues einzulassen – und sowas passiert i.a. nicht durch Meinungs- sondern durch Personalwechsel, und der dauert nunmal ein bis zwei Generationen.
Logik-Ratio/ignatius
Ich reden nicht von solchen Trippelschritten sondern von echten, bahnbrechenden Innovationen.
Unsere Eltern konnten eine Telefon noch 20-30 Jahre nutzen, denn die Innovation war die KOMMUNIKATION, da musst nicht jedes Jahr ein neues Gimmick ala touchscreen oder Fotokamera nachgeschoben werden. Je sinnloser die Produkte desto kürzer der Zeitraum zwischen 2 Modellen, das gilt auch für die Autoindustrie. Ich sag nur: Gekühltes Handschuhfach, Lampen, die um die Eckle leuchten und solcher Schrott.
Kein 3 Liter-Auto, das doch wieder Benzin verbraucht. Kein Haus aus Backstein und Beton, das ein bischen Isolation und einen Kollektor drangeklatscht bekommt. Völlig neue Energiequellen und vor allem EnergieSPEICHER. Warum heizen wir im Winter und kühlen im Sommer? Kälte/Wärme speichern würde völlig ausreichen. Warum betreiben wir einen Kühlschrank, der selbst im Winter, wenn es kalt ist, mit elektrischer Energie gekühlt werden muss, während der Raum, in dem er steht erwärmt wird?
Übrigends sind Antibiotika (neben z.B. Hormonen) eine der wenigen Gruppen von Arzneimitteln, die wirklich in den einer Krankheit zu Grunde liegenden Prozeß eingreifen. Warum es kaum sonstige, wirkliche Fortschritte gab steht auf einem anderen Blatt. Aber die Genfuzzies machen ja jetzt alles besser (wenn sie nicht gerade Menschen mit Antikörpern zu Elefanten aufblasen, siehe UK vor einem Jahr).
@ignatius
Stimme Dir vollkommen zu. Denke die aktuellen Probleme beruhen eher auf strukturellen Problemen der Großindustrie. An perfekten Lösungen – wie z.B. einem wartungsfreien, von den eigenen Solarzellen betankten, Elektroauto ohne Verschleißteile und einer Lebenserwartung von 30 Jahre, verdient man eben nicht mehr das große Geld.
Wie heißt das berühmte Zitat, dass frei zitiert folgendes sagt: “Der Fortschritt in der Wissenschaft beruht nicht auf dem Erkennen der eigenen Fehler, sondern auf dem Wechsel der Personen” und ” Bis sich eine umstrittene Lehrmeinung durchgesetzt hat, braucht es bis die, die entgegengesetze Meinung vertretenden Professoren und ihre Schüler ausgestorben sind.”
Von wegen “objektive” Wissenschaft. Es geht auch hier – wie könnte es anders sein – um die Befriedigung des eigenen Egos.
Nur einmal in die Runde geworfen – welche Fortschritte hätten wir erlbebt, wenn nicht viele der jungen (Egozentrischen) Topleute Banker geworden wären, sondern anständige Wissenschaftler? Wenn die staatlichen Gelder nicht in Banken versenkt werden, oder bei der Verteidigung am Hindukutsch, sondern in der Forschung?
Ich sage nur: “500 € Studiengebühren zur Bezahlung der Heizkosten der Professorenbüros (die alle über die zu hohe Lehrbelastung klagen)” vs ” 2500 € Abwrackprämie für funktionierende Altautos”
“Aber die Schulden des Bankensystems als ganzes sind, weil sie nicht (mehr) eingelöst werden müssen, mit Null zu bewerten.”
Ich habe ja bei der ersten Lektüre von Heinsohn / Steiger deren Kritik an den anderen ökonomischen Schulen noch für teilweise überzogen und wortklauberisch gehalten. Ich war der naiven Ansicht, dass so scheinbar banale Erkenntnisse, wie dass Kredite besichert und Währungen gedeckt sein müssen um ihre ökonomische Funktion zu erfüllen, ohnehin unstrittige Selbstverständlichkeiten wären. Oder dass Geld nur deshalb und nur solange etwas wert ist, als bei jeder Banknote und jedem Guthaben sichergestellt ist, dass sich jemand im gleichen Ausmaß und gegen Stellung eines Pfandes verschuldet hat, das er nur dann wieder auslösen kann, wenn er der den Kredit samt Zinsen zurückzahlt.
Tja, so kann man sich täuschen …
Nun kann das System ja durchaus eine gewisse Menge “Falschgeld” verkraften – die eine Billion die gerade vom IMF gedruckt wird (wohl als SDRs – weiß da wer näheres dazu?) – wird nicht gleich alle Weltwährungen zum Einsturz bringen und als einmalige Notfallmaßnahme ist das zumindest diskussionswürdig. Aber es sollte den Beteiligten doch klar sein, was sie da tun. Denn in dem Moment, wo auch der Normalbürger beginnt, die Schulden der Banken – also seine Guthaben – mit Null zu bewerten, zahlen wir wieder mit Kohlebriketts und Zigaretten.
@keiner
Diese von Dir ersehnten “echten, bahnbrechenden Innovationen” gab und gibt es nur auf dem Papier und allenfalls noch im Labor. In der Realwirtschaft bleiben sie Fiktion: Bis sich eine neue Technik durchsetzt, d.h. mehr als 50% Marktanteil hat, dauert es – von Entdeckung bis Umsetzung – mindestens 20 bis 30 Jahre und oft erheblich länger. In der Waffentechnik und in der Medizin gehts manchmal etwas schneller, aber unter 10 Jahren spielt sich auch dort nichts ab – nichteinmal in Kriegszeiten (siehe z.B. Radar oder Kernspaltung, die alle auf Vorkriegsentdeckungen beruhen).
“Kein 3 Liter-Auto, das doch wieder Benzin verbraucht.”
Nun, vor 20 Jahren waren 9 Liter auf 100km ein völlig akzeptabler Verbrauch. Mit einem 3l Auto ist Dein Ziel eines 0l Autos immerhin zu 67% erreicht. Relativ dazu wären dann die restlichen 33% ein “Trippelschritt” – zumal Du dann ja irgendeine ander Energiequelle brauchst die’s auch nicht zum Nulltarif geben wird. Außerdem bist Du mit 3l auf einem Niveau, bei dem weiter Verbesserungen wohl weniger im Verbrauch als bei einer energieeffizienteren Produktion zu holen wären.
@Logik-Ratio #13
” An perfekten Lösungen – wie z.B. einem wartungsfreien, von den eigenen Solarzellen betankten, Elektroauto ohne Verschleißteile und einer Lebenserwartung von 30 Jahre, verdient man eben nicht mehr das große Geld.”
Meine Meinung: man verdient nicht nur kein Geld, das will auch keiner, sonst gäbe es das schon lange. Wer will schon 30 Jahre mit dem selben Spielzeug spielen?
Ne, ne, die Basisinnovationen , die hier so vermisst werden, musst Du schon wo anders suchen.
Eine Innovation wird dann zur revolutionären Basisinnovation , wenn sie echte Produktivitätsengpässe auflöst und Produktivitätsreserven hebt.
Die Eisenbahn löste ein Transportproblem auf, das die Basisinnovation Dampfmaschine nach 40 Jahren erzeugt hatte ( mit seiner grossen Produktivität bei der Kohleförderung konnten viele Güter erzeugt werden, aber irgendwann waren die Transportkapazitäten am Ende, es gab Krise, mit der Eisenbahn gings weiter); analog wurden in der Gegenwart die PCs immer schneller, das war lange Zeit super, heute ersaufen wir in emails und “junk communication”, die unsere Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit verschleisst, mithin unsere Produktivität mindert.
Die Menschen werden immer gesünder, aber auch immer nervöser, Misstrauen nimmt zu (wo doch Vertrauen der einfachste Weg ist , Komplexität zu reduzieren) , Unsicherheitsempfinden und Drogenkonsum auch . Wieviel Geld das alles kostet, die ganzen Ärzte , Medikamente, Betreuer, Polizisten, Gefängnisse !
In diesen ungelösten Bereichen schlummern Produktivitätsreserven, deren Hebung uns weiterbringen könnte. Technologisch gäbs sicher auch was, aber da fehlt mir jetzt die Phantasie.
In St. Gallen ist man doch einsichtig …
Seite geht leider nicht mehr (Anfang Feb. 2009): http://www.sonntagonline.ch/pages/index.cfm?dom=151&rub=100212
HSG-Professoren gestehen: Wir haben uns geirrt
Erstmals legt eine Schweizer Universität eine
Publikation vor, in der sie Lehren aus der
Finanzkrise zieht. Darin streuen sich
Top-Professoren Asche aufs Haupt und sprechen
von «fast kindlichem Glauben an die Kräfte des
Marktes».
VON PATRIK MÜLLER
1995 wurde das neoliberale Weissbuch «Mut zum
Aufbruch» veröffentlicht – unter massgeblicher
Mitarbeit prominenter Professoren der Universität
St. Gallen (HSG). Das Weissbuch widerspiegelte die
Mainstream-Meinung, die an der Elite-Universität bis
vor kurzem vorherrschte: Privatisierungen,
Liberalisierungen, Staats- und Sozialabbau hiess das
Rezept für mehr Wohlstand in der Schweiz.
…………….
Ich bin zu dumm, das zu verstehen.
Ich hab den Auszug oben zerlegt und diese Kaskade von Aussagen erhalten:
1. Geld in Form von Sichteinlagen entsteht durch die Gewährung von Krediten.
2. Die Gewährung von Krediten stellt Forderungen dar.
3. Sichteinlagen sind Forderungen der Kreditnehmer
4. Sichteinlagen sind Schulden der Banken
5. Schulden und Forderungen heben sich bilanztechnisch gegenseitig auf.
6. Der Vermögenszuwachs aus der Kreditgewährung der Banken ist Null.
7. Die Sichteinlagen der Kreditnehmer können nicht mehr eingelöst werden.
8. Die Schulden des Bankensystems müssen nicht eingelöst werden.
9. Die Schulden des Bankensystems sind Null.
10. Durch die Kreditgewährung entstehen neue Forderungen
11. Durch die Kreditgewährung entstehen keine neuen Schulden.
12. Das volkswirtschaftliche Vermögen steigt um die Menge der Kredite, die die Banken gewähren.
Die Zusammenhänge erschließen sich mir nicht:
Pkt. 5: in welcher Bilanz? Wer bilanziert?
Pkt. 6 und Pkt. 12 stehen in Widerspruch zueinander.
@weissgarnix:
“Warum eigentlich nicht? – Dann wäre Ackermanns obige Aussage tatsächlich in der Praxis verwirklicht, und wir hätten nie, nie wieder eine Bankenkrise.”
Weil die Banken dann noch weniger Anreiz hätten sorgfältiges Screening zu betreiben. Wenn die Zentralbank für die Verluste geradesteht, haben wir dann zwar keine Bankenkrisen mehr, dafür aber umso schneller eine Währungskrise. Tolle Aussichten…
Hallo wgn
Ja – ein einstufiges Banksystem -aus der Not gebohren -das wäre die Lösung einiger Probleme! Speziell wenn dadurch ein monopolfreier Markt für den Preis des Geldes ensteht!
)
Dann ist auch der Zwang zum Schuldenwachstum weg!
Deshalb haben wir auch extra einen Film dazu gemacht! http://www.global-change-2009.de
Die Geschäftsbanken sollten dann selbständige Vermittler von:
1. Zentralbankkredit(“Geldkredit” mit frei aushandelbarem Provisionsaufschlag für die GB) Dabei gelten höchste von der Monetative vorgebene Anforderungen an die Besicherung und den Eigenkapitalanteil!
und
2.Kapital(privatwirtschaftliche Kontrakte als Forderungen auf ZB-Geld) sein.
Die GB müssen die Kredite mit eigenem Eigenkapital unterlegen und sind dann auch wieder voll insolvenzfähig.
GB Insolvenz ist wie wenn heute der Versicherungsvertreter wechselt!
Herzliche Grüße Jörg Buschbeck
@undertaker
Nein, das Argument zieht nicht: Ich könnte auch einen Zentralbank-Geschäftsbanken-Verbund ohne weiteres so organisieren, dass Sorgfaltsüberlegungen und restriktive Kreditvergabe nach wie vor zum Tragen kommen. Das ist eine reine Frage der Gestaltung der Anreiz- und Haftungsstrukturen.
Im Ernst: Angesichts dessen, wie aktuell seitens der Politik mit den Banken verfahren wird, fällt mir kein vernünftiges Argument mehr für ein 2-stufiges Bankensystem ein. Zumal in einer globalisierten Wirtschaft, in der, wie du richtig schreibst, die Währungsparitäten automatisch für ein Korrektiv sorgen würden. Außer natürlich, wenn alle Welt gleichzeitig inflationiert. Wie aktuell zum Beispiel?
Das einzige Argument, das dagegen spricht, ist die Geldwertstabilität für Sparer. Aber die stellt selbst Ackermann in seiner oben zitierten Dissertation in Abrede.
@wihoka
Ackermann sagt folgendes: rein bilanziell betrachtet, steht jeder Kreditvergabe (= Forderung der Banken) immer eine Geldemission in Form von Sichteinlagen (=Schuld derBanken) gegenüber, d.h. “netto” gibt es keinen Vermögenszuwachs.
Aber: wenn man alle Banken UND die Zentralbank zusammen betrachtet, dann sind die konsolidierten Schulden dieses Sektors (= Banknoten und Zentralbankguthaben) nicht mehr “rückzahlbar” bzw gegen nichts anderes als wiederum Banknoten “einlösbar”.
Das war früher bekanntlich anders, da verbrieften Banknoten eine gewisse Menge Gold, die Zentralbank mußte entsprechend “Reserven” vorhalten, weil ihre Banknoten (= Schuldscheine) potenziell eingelöst werden konnten.
Anders gesagt: Sichteinlagen des Publikums an den Bankensektor (inkl Zentralbank) lauten ultimativ immer nur auf Banknoten, die die Zentralbank in beliebiger Menge emittieren kann. Sie sind daher de facto tatsächlich nicht “rückzahlbar”.
“Ich könnte auch einen Zentralbank-Geschäftsbanken-Verbund ohne weiteres so organisieren, dass Sorgfaltsüberlegungen und restriktive Kreditvergabe nach wie vor zum Tragen kommen. Das ist eine reine Frage der Gestaltung der Anreiz- und Haftungsstrukturen.”
Da bleibe ich äußerst skeptisch. Vorschlag zur Güte: Du kannst dich ja zuerst einmal an die Anreizstrukturen für unsere demokratisch gewählten Politiker heranwagen. Wenn du welche findest, die sie davon abhalten mein Steuergeld für Kohlesubventionen, Imageprojekte alla Transrapid, Subventionen für China und Ostergeschenke für HRE-Aktionäre zu verpulvern, darfst du auch gerne deinen Zentralbanken-Geschäftsbanken-Verbund ausprobieren.
“Ackermann sagt folgendes: rein bilanziell betrachtet, steht jeder Kreditvergabe (= Forderung der Banken) immer eine Geldemission in Form von Sichteinlagen (=Schuld derBanken) gegenüber, d.h. “netto” gibt es keinen Vermögenszuwachs.”
Die Bilanzsicht führt hier imo aufs falsche Gleis. Lassen wir den Zins fürs Erste Weg. Die Kreditvergabe ist trotzdem nicht neutral, weil sie die effektive reale Kaufkraft der Kreditnehmer erhöht. Die anderen Marktteilnehmer verfügen nicht über vollständige Information und die Preise passen sich schon gar nicht sofort an. Eine scheinbar neutrale Buchung hat somit erhebliche realwirtschaftliche Verzerrungen zur Folge. Genau um die geht es. Du hast zwar Recht, dass die Sichteinlagen nicht in dem Sinne rückzahlbar sind, dass die Banken sie gegen reale Güter eintauschen müssten. Aber ich kann damit jederzeit am Markt reale Güter erwerben. Letzlich bleibt zwar immer ein Verkäufer auf dem Bargeld sitzen, aber der relative Wert des Geldes in Bezug auf andere reale Güter ändert sich ständig und damit auch die reale ausstehende Schuld des gesamten Bankensektors.
Die Krux an der Sache ist nun, dass sich eigentlich auch der relative Wert von Sichteinlagen zu Bargeld Im Prinip ständig ändern müsste. Wenn Kreditnehmer der Banken nämlich nicht durch Verkauf realer Güter die erforderlichen Zahlungsströme zu ihren Gunsten erzwingen können und insolvent gehen, würden nämlich sonst einfach die Verbindlichkeiten der Banken immer größer werden als ihre Forderungen. Geht man davon aus, dass die Einleger nicht völlig bescheuert sind und irgendwann spitz kriegen, dass was nicht stimmen kann, wenn sie zwar Forderungen auf zig Milliarden Euro Banknoten haben, aber nur einige Millionen im Tresor lagern und aus dieser Überlegung heraus früher oder später einen Bank Run und eine Schuldendeflationsspirale auslösen, wäre der Kollaps vorprogrammiert.
In unserem System garantiert aber die Zentralbank bzw. der Staat im Fall der Fälle die Rückzahlung der Einlagen in Form von Bargeld. Sodass beides beim Güterkauf den gleichen Wert hat. Nichtsdestotrotz besteht ein wesentlicher Unterschied: Sowohl Bargeld als auch Sichteinlagen resultieren dem Wesen nach aus Krediten. Diese Kredite haben allerdings völlig unterschiedliche Ausfallrisiken und müssen dementsprechend verschiedene Verzinsungen aufweisen. Über die Steuerung des Zinses auf Bargeld versucht die Zentralbank nun die anderen Zinsen und Preise, die zu einem guten Teil lediglich auf bloßen Erwartungen beruhen, in Einklang mit den real vorhandenen Produktionsmöglichkeiten zu bringen.
Nur wie gesagt sind die Verzerrungen, die diese Steuerung in der Realwirtschaft hervorruft, die Trennung zwischen realem und kreditinduziertem Wachstum sowie die langfristigen Konsequenzen nur sehr schwer einzuschätzen.
Hier muss ich leider sagen, dass das Mainstreamparadigma wichtige Determinanten gerade auf der Finanzebene vernachlässigt und häufig zu verheerenden Schlussfolgerungen führt.
Als ersten Schritt in die richtige Richtung kann ich nur immer wieder Stiglitz und Greenwald “Towards a New Paradigm in Monetary Economics” und Minsky empfehlen.
Stiglitz Werk hebt sich schon deshalb vom Rest der Kritiker ab, weil hier jemand schreibt, der wirklich einen Überblick über die gesamte state-of-the-art Literatur hat, über exzellente mathematische Fähigkeiten verfügt, 2001 den Nobelpreis gewann, und die Deregulierung der Finanzmärkte bereits seit 10 Jahren scharf kritisiert hat.
Solche fundierte Kritik sollten selbst die hartgesottensten Mainstreamer nicht mehr als Esoterik abtun können…
hacedeca { 23.01.09 at 17:24 }
@weissgarnix,# 18
“Nope. Sie “erzeugen” Kredit, das machen Banken. Sie “verleihen” auch keinesfalls irgendwas, das der ZB gehören würde.”
Die ZB gehört dem Staate, also den Bürgern. Die Bürger letztendlich stehen für all die Kredite gerade, welche die Banken von ihren Schuldnern nicht einbringen können. So schaut’s aus! Immer!
Die letztendlichen Gläubiger sind die Steuerzahler. Deshalb bestimmen sie über eine ZB, die nach festen Regeln die Geldmenge kontrolliert, das Ausmaß der Kredite, welche Banken vergeben. Sie gewähren den Banken dabei einen gewissen Freiraum. Die Banken erzeugen also nach Gutdünken keinen Kredit. Über das Ausmaß der Krediterzeugung befindet die ZB über die Geldmengensteuerung mittels Zinssätzen, Kriterien für Sicherheiten der Banken etc. – also der Staat – also die Bürger!
Die Grundlage des Finanzwesens, des Kapitalismus, ist sozialisiert (jedenfalls in Europa). Die Banken sind nur vom Staate lizensierte Kreditagenturen mit einer limitierten Selbständigkeit!
Was würde sich dann bei einer Verstaatlichung ändern? Mit gutem Grunde hat man die ZB institutionell selbständig gestellt, unabhängig. Um eben den Politikern, denen gute Bürger nicht trauen, es unmöglich zu machen, in den freien Markt einzugreifen. Das könnten sie aber trotz unabhängiger ZB bei einer Verstaatlichung der Banken.
Ackermann: “Durch die Kreditgewährung entstehen daher neue Forderungen, aber keine neuen Schulden im Sinne der effektiven Vermögensbilanz. Somit steigt das volkswirtschaftliche Vermögen um die Menge der Kredite, die die Banken gewähren!”
Diesen Satz finde ich interessant! Hoffentlich nicht, weil ich nicht verstehe…
Im Debitismus ist viel die Rede von der Urschuld. Hier bei Ackermann findet man ja quasi eine Urforderung. Eine Forderung die aber mit einiger Berechtigung einlösbar ist, nämlich eine sichere Forderung auf die Zukunft.
Die Erde ist nämlich kein geschlossenes System. Sie wird quasi durch eine ständige Energiezufuhr, eine Wertzufuhr also, gesegnet. Die Sonne scheint und ihr Plus an Energie, welches sie über das Jahr abstrahlen wird, ist heute über Futures schon marktgängig. Nicht zufällig handeln die traditionellen Futures-Märkte also mit landwirtschaftlichen Produkten, die eine Folge der Energiezufuhr durch die Sonne sind.
Dieser solare energetische Zuschuß zum System Erde wird von vielen Kritikern der kostenpflichtigen Vorab- und Fremdfinanzierung, des Zinses also, vergessen.
@undertaker
Natürlich haben die zusätzlichen Kredite Auswirkungen auf Kaufkraft und Preisniveau; das wußte auch Ackermann, hob er in der oben zitierten Dissertation auch explizit hervor.
Ansonsten: Ist dein Eindruck, dass Stiglitz, Minsky oder Tobin den Mainstream auch nur im Enterntesten interessieren würden? – Meiner nicht, ganz ehrlich gesagt.
Die Verbindlichkeiten der Banken sind das Vermögen der Bürger.
Da sich kein Politiker an das Vermögen der Bürger rantraut (Eigentumsideologie), ist das System zum Scheitern verurteilt.
Dann musst du mir den Satz aber nochmal erklären:
“Ackermann sagt folgendes: rein bilanziell betrachtet, steht jeder Kreditvergabe (= Forderung der Banken) immer eine Geldemission in Form von Sichteinlagen (=Schuld derBanken) gegenüber, d.h. “netto” gibt es keinen Vermögenszuwachs.”
Wenn Investitionen und geleistete Arbeitsstunden aufgrund der erhöhten Nachfrage durch die Kreditvergabe steigen, erhöht das doch erst einmal sehr wohl das reale Vermögen.
Und wenn wir den Zins wieder ins Spiel bringen, müssen wir die Bankbilanz differenzierter betrachten. Die Bank gibt dann nicht einfach 100€ aus, die postwendend wieder als Verbindlichkeiten in Form von Depositen in der Bilanz auftauchen, sondern erhebt noch 5% Zinsen, hält also Forderungen im Wert von 105€ für 100€ eingegangene Verbindlichkeiten, wenn wir davon ausgehen, dass auf Depositen keine Zinsen gezahlt werden, wie das auch lange Zeit üblich war. Wo kommt also der Fehlbetrag her und wo geht er hin? Vom Gewinn gehen erst mal Kosten für bankseitig geliehnes Geld von der Zentralbank und ausgegebene Anleihen ab. Was dann noch übrig bleibt wird als Dividenden an die Anteilseigner ausgeschüttet. Damit die volkswirtschaftliche Gesamtbilanz ausgeglichen ist, muss der Kreditnehmer zusätzliche zu den geliehenen 100€ nun noch Leistungen erbringen, die den Aktionären etc. 5€ wert ist.
Der Knackpunkt ist nun, warum lassen die Einleger ihr Geld auf der Bank versauern statt es zinsbringend anzulegen?
Sie spekulieren im Wesentlichen auf das Scheitern des Schuldners! Nur wenn es zu Zahlungsausfällen kommt, in Zuge derer die Nachfrage und die Preise sinken, machen sie real Gewinn. Der Nachfrageeinbruch darf aber auch nicht so schlimm sein, dass der negative Einkommenseffekt den positiven Vermögeneffekt überwiegt…
Das letzte fehlende Puzzleteil ist nun, dass die Fähigkeit des Kreditnehmers seine Schulden zu tilgen, entscheidend vom Verhalten der Einleger abhängt. Könnte diese sich koordinieren, wäre es unter Verteilungsaspekten für sie möglicherweise optimal ihren Konsum kollektiv zurückzufahren oder die Bank durch plötzlichen Abzug der Einlagen zur Liquidierung ihrer Forderungen zu zwingen.
Im Goldstandard kann man nicht viel gegen eine solche spekulative Attacke tun. Im Fiat-Money-System schafft die Zentralbank einfach vorübergehend Geld aus dem Nichts, mit dem die Forderungen beglichen werden können.
Lange Rede kurzer Sinn: Kreditvergabe geht mit Verteilungskämpfen einher. Die reale Produktion und das Wohlstandsniveau sind nicht unabhängig von der Verteilung!
Zum Thema Ökonomie und Verteilung gerade ein köstlicher Artikel von DeLong:
http://delong.typepad.com/sdj/2009/04/three-possible-financial-narratives-for-the-obama-administration.html
Und zwei Graphen, um die Verteilungskämpfe ganz konkret zu veranschaulichen:
http://krugman.blogs.nytimes.com/2009/04/07/the-financial-factor/
http://www.markt-daten.de/research/maerkte/margin-debts-aktuell.htm
“It’s class warfare, my class is winning, but they shouldn’t be.” – Warren Buffett, 2005
Axo, noch zur Frage, ob ich glaube, Stiglitz und Co würden den Mainstream interessieren.
Wer ist denn der Mainstream?
Krugman hat letztes Jahr statt Fama den Nobelpreis gewonnen, du schreibst inzwischen für die FAZ. Die behavioral economics-Leute rütteln gewaltig am homo oeconomicus. Siehe z.b. in Deutschland Leibniz-Preis Gewinner Prof. Armin Falk.
Der Mainstream gegen den wir hier wettern besteht doch fast ausschließlich nur noch aus altgedienten Geldpolitikern und Makroökonomen, die gerade vor dem Scherbenhaufen des alten Paradigmas stehen und die öffentliche Debatte mangels Argumenten meiden. Natürlich sitzen diese Leute noch in vielen wichtigen Schlüsselpositionen, aber die nachrückende Generation verfolgt zunehmend alternative Ansätze.
Da ist mächtig was in Bewegung geraten!
Oops, der Link zu DeLong war falsch. Bitte, korrigieren:
http://delong.typepad.com/sdj/2009/04/hoisted-from-the-archives-a-non-socratic-dialogue-on-social-welfare-functions.html
@hacedera #25
>>Dieser solare energetische Zuschuß zum System Erde wird von vielen Kritikern der kostenpflichtigen Vorab- und Fremdfinanzierung, des Zinses also, vergessen.<<
Und Brote, Autos, Bücher, Straßen und Telefone
entstehen auch.
Durch bloße Sonneneinstrahlung – oder was?
@Andreas Kreuz
“Und Brote, Autos, Bücher, Straßen und Telefone
entstehen auch.
Durch bloße Sonneneinstrahlung – oder was?”
Den primären Sektor der Wirtschaft nennt man auch den Sektor der Urproduktion. Und diese Urproduktion war für unsere fernsten bekannten Vorfahren, die Jäger und Sammler, noch eine reine Entnahme aus der Natur. Wirtschaft war damals das reine Verbrauchen der Ergebnisse der Sonneneinstrahlung.
Nicht umsonst gilt den bedeutendsten Religionen die Sonne als Verkörperung der Gottheit, als Lebensspender.
Gott spendet dieses Leben unentgeltlich, diese gigantische und doch kostenlose Energiezufuhr. Daß wir etwas dafür schulden würden, eine Ur-Schuld also bestünde, kann man so nicht sagen.
Und wenn man von dieser Urschuld weiter geht, bis hin zum “Kettenbrief Kapitalismus”, wird man für gewöhnlich finden, daß diese göttliche Urproduktion regelmäßig vernachlässigt wird.
[Die Steuervorauszahlung bedingt eben keine Schuldenspirale, sondern einen Markt für Futures.]
Auch bei Deinen Beispielen Brot (Getreide aus Photosynthese), Autos (aus kosmisch entstandenem Eisen), Bücher (Papier aus Holz aus Photosynthese) verdeckt die fortgeschrittene Produktionsweise nur scheinbar den Ursprung, nämlich die Kräfte des Alls.
Und, um den Kreis zu schließen, die Krisenhaftigkeit wird dann doch eher durch Fehlplanung, durch nicht einlösbare Futures bedingt, denn durch eine strukturellen Mangel. Und die Krisenanfälligkeit steigt mit dem Fortschritt, mit der ansteigenden Komplexität des Produktionsprozesses, welche mehr Möglichkeiten für Fehler schafft – und nicht ob der Exponentialität des Zinses. (Natürlich gilt dies nur innerhalb des naturgegebenen Rahmens!)
[Womit zumindest ich wieder bei meinem Lieblingsthema von der Entfremdung des Investors von seinem Investment als Hauptursache moderner Finanzkrisen gelandet wäre. Die brillanteste Erklärung der aktuellen findet man hier:
http://www.youtube.com/watch?v=z-oIMJMGd1Q
Viel besser als als Krugmans und Roubinis zusammen!
]
#Logik-Ratio
Deine kritische Anmerkung bezüglich der Investmentbanken – da geb ich dir recht. Die haben in der Tat weniger Geschäft, keine M&A, keine IPOs, nix und gar nix. Die drehen Däumchen und machen ein wenig Eigenhandel.
Da aber ein paar Konkurrenten verschwunden sind oder zerschlagen wurden (Lehman Brothers, Bear Stearns, Merrill Lynch…), könnte das im Aufschwung helfen.
Grober Denkfehler:
“…In einem Punkt ist auch Binswanger absolut unmißverständlich, nämlich dass der Kapitalismus nur “Wachstum” oder “Einbruch” kennt, aber kein “stabiles Nullwachstum auf hohem Niveau”,…”
Dies trifft allen Falls nur auf unser derzeitiges Finanzsystem zu (wo der Zinseszins dieses zwingend erfordert) – nicht aber auf den Kapitalismus per se!
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