Schutt und Asche

von f.luebberding am 5. April 2009

Man mag zu den Ereignissen beim Nato Gipfel in Straßburg stehen wie man will. So ist durchaus ein zivilisatorischer Fortschritt zu beobachten. Im 19. Jahrhundert hätte ein Otto von Bismarck die diplomatische Demütigung Angela Merkels durch Silvio Berlusconi als Kriegsgrund genutzt – wenn er denn bezüglich Italien einen solchen hätte nutzen wollen, was allerdings zu bezweifeln wäre. Statt Emser Depesche Straßburger Telefonat. Heute ist von einem solchen Krieg zum Glück nicht mehr die Rede. Der Einmarsch preußischer Grenadiere in Norditalien fällt aus. Berlusconi geht dafür alleine, aber mit Telefon, über eine Brücke und fehlt auf einem Erinnerungsfoto. Nun wissen wir nicht, ob die Kollegen vom Handelsblatt mit der Emser Depesche etwas anfangen können. Auf jeden Fall sind ihnen die historischen Maßstäbe verloren gegangen.

Die Krawalle, ausgelöst von Natogegnern oder darf man die Autonomen fragen: Natofeinden (?), haben in Straßburg messbare Schäden hinterlassen. Es wurde ein Hotel schwer beschädigt und ein Zollhäuschen zerstört. Im Handelsblatt dagegen titelt die Redaktion:

Randalierer legen Straßburg in Schutt und Asche

Und nennt als Beleg lediglich eine “Spur der Verwüstung” in einem ärmeren Stadtteil. Nun sind Spuren der Verwüstung in einer Stadt etwas anderes als wenn man eine Stadt insgesamt verwüstet. Daher spricht niemand von einer Spur der Verwüstung nach den Luftangriffen auf Coventry, Dresden oder Tokyo im Zweiten Weltkrieg.

Selbst in einer Wirtschaftszeitung sollte der Unterschied zwischen einer Spur und einem Totalschaden bekannt sein. Diese Form der Berichterstattung ist maßlos – ohne erkennbaren Sinn.

So hinterläßt das Handelsblatt heute morgen eine Verwüstung – wenn auch nur eine publizistische. Aber es kann ja nicht überall solche Fortschritte geben wie im Fall des Straßburger Telefonats.

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1 Kaiserbubu April 5, 2009 um 14:17

“Diese Form der Berichterstattung ist maßlos – ohne erkennbaren Sinn.”

Da erlaube ich mir Dir zu widersprechen. Denn der Sinn dieser “Bildzeitungs-Headline” trifft das Herz des konservativen Wirtschaftsliberalen, der die Zielgruppe des “Handelsblatt” ist.

Nach all der “Schmach” und der Gewissheit doch keine “Master of the Universe” zu sein, sondern als elitäre Versager, die das Wirtschaftssystem an die Wand gefahren haben, in die Geschichte einzugehen, wird das schlichte Weltbild wieder gerade gerückt.

Denn “der Feind” kommt ja von Links, ist Sozialromatiker, Gutmensch und versteht nichts von Wirtschaft, geschweige denn kann er mit Geld umgehen. Und noch schlimmer, er will den Sozialismus, Banken enteignen, den Klassenkampf auf der Strasse und kommt als randalierender Chaot aus dem schwarzen Block. Chapeau!

Selbstverständlich ergibt diese “reißerische Headline” keinen Sinn und entlarft die Haltung de Redaktion um Chefredakteur Ziesemer, der sich für keine populistisch ideologische Tretmine gegen “den Feind” zu schade ist.

Aber der bürgerliche Lager mit seinen Steinzeitideologen hat ein “Betthupferl” für die Pflege der alten Vorurteile.

Und “Heckler und Koch” feiert trotz der Randale Umsatzsteigerungen und hält sich diskret im Hintergrund, trotz der Millionen Tote, die sie auf dem Kerbholz haben.
Aber da kommt ja auch Oettinger zum feiern…..

2 f.luebberding April 5, 2009 um 14:29

kaiserbubu

So kann man das auch sehen. Nur ist der Titel halt eine publizistische Verwüstung – oder vielleicht war ich nicht deutlich genug: Eine schlichte Falschmeldung. Niemand hat Straßburg in Schutt und Asche gelegt. Das war auch von Düsseldorf aus zu beurteilen.

Welches Interesse an solchen Falschmeldungen besteht (oder ob es nicht schlichte Dummheit ist) und ob es sich tatsächlich um eine Lüge handelt zwecks propagandistischer Übertreibung handelt, ist eine interessante Frage.

Vielleicht stellt sich jemand Bernd Ziesemer?

Gruss Frank

3 hacedeca April 5, 2009 um 14:42

Nur stellt sich die Frage, wie denn die NATO, wenn sie schon nicht in Straßburg “Law and Order ” gegen die Krawall-Guerilla verteidigen kann, dies in Afghanistan gegen die Taliban, echte hardcore fighter, tun will!

Schockiert und also maßlos übertreibend darf man also schon auf diesen NATO-Kongreß reagieren. Es wurde doch klar, was die NATO, was demokratisches Militär, nicht leisten kann: Einem entschlossenen Gegner den Willen aufzwingen.

So bleibt der NATO also nur die Hoffnung, daß den Taliban das Kämpfen langweilig wird und sie fürderhin daheim bleiben.

Ansonsten hat sie keine Chance, als eben Afghanistan in den Bürgerkrieg zu stürzen, indem man Usbeken und Tadshiken als sogenannte “afghanische Armee” gegen die vornehmlich pashtunischen Taliban hetzt.

Diese Strategie des induzierten Bürgerkriegs mag die Kampfeslust der Afghanen dämpfen, ausbluten. Sie hat sich (nicht über die Konstruktion von Ethnien, sondern von politischen und religiösen Spaltungen) ja immer wieder in Mittelamerika und jüngst im Irak bewährt.

Aber: Ob der Migration sind heute ALLE Konflikte global! Ein regionales Ordo ab Chao stürzt die ganze Welt ins Chaos! Nicht nur wegen der sittlichen Verrohung derjenigen, die solches unternehmen, sondern ganz konkret durch Migration.

Schon das Argument, daß die Bundeswehr z.B. in Kunduz und Masar i Sharif gegen den Terrorismus kämpfe, überzeugt kaum: Mohammed Atta, der Todespilot vom World Trade Center, kam aus Hamburg-Harburg, nicht aus dem Norden Afghanistans!

4 Kaiserbubu April 5, 2009 um 14:55

Hallo Frank

Bernd Ziesemer hatte in den Hochzeiten des”Großrad-drehens” einen eigenen Blog. Da habe ich ihm wegen seiner “stockkonservativen Selbstgefälligkeit” öfters mal auf den “Zahn” gefühlt. Aber er ist halt ein “arroganter Machtmichl”, der alles unkommentiert abtropfen lässt, wenn es nicht seiner Haltung entspricht.
Ich hätte ihn zu gerne gefragt, “welche Experten” er jetzt in den Staatsdienst holen wolle? Denn er ist ja der Innbegriff für Kritik an zu viel Staat, “weil dort nur unfähige Beamten” sitzen.
Geradezu grotesk, dass die gerade seinen Freunden “den Arsch” retten.
Kurz vor Obamas Wahl hat er noch mal auf die “Erfolge”(!) von Bush und seiner Irak Politik hingewiesen.
Das war dann offensichtlich auch für ein paar Konservative zu viel, denn seit dem hat er sich nicht mehr “rausgetraut”!

Nebenbei bemerkt Ihr beide macht einen wirklich excelenten Blog. Mein Respekt.

Liebe Grüße
Kaiserbubu

5 weissgarnix April 5, 2009 um 16:31

Ich habe gerade die Lektüre von Robert Misiks “Politik der Paranoia” beendet, eine Abrechnung mit den Neokonservativen.

Das Buch passt perfekt auf obige Begebenheit: ehemals linke Chefredakteure, die zur neokonservativen Rechten konvertiert sind, weil sie es nicht mehr mitertragen konnte, was “liberale” Lebensformen an sozialen und politischen Erscheinungen, inklusive autonomen Protestbewegungen, so hervorbringen können; gewissermaßen also “Angst vor den eigenen Überzeugungen” bekamen.

Eine maßlos übertriebene Sicherheits- und Gefahrenparanoia wie in obiger Schlagzeile zum Audruck kommend, paßt da genau ins Bild.

6 f.luebberding April 5, 2009 um 16:42

Hacedeca

“So bleibt der NATO also nur die Hoffnung, daß den Taliban das Kämpfen langweilig wird und sie fürderhin daheim bleiben.”

Immerhin wäre das eine Strategie und auf die ist noch keiner gekommen … . Auch wohl die einzig Erfolgversprechende. In Afghanistan hat es nach unseren Begriffen noch nie einen Staat gegeben. Das Konzept des nation-building konnte nur scheitern – und war auch bei den Russen gescheitert. Der Witz ist eigentlich, dass die NATO bisher – bloß halt Spiegelbildlich – das Gleiche versucht wie es die Russen versucht haben. Das will man sich jetzt erst eingestehen, wenn auch nur ganz langsam. Afghanistan ist nur dann zu befrieden, wenn das Interesse der Fügelmächte an dem Land nachlässt und man diesen Pufferstaat neutralisiert. Das war schon im 19. Jahrhundert so als es zum Zankapfel zwischen Briten und Russen wurde. Den Amerikanern würde es heute reichen, wenn die Paschtunen die Araber und andere Heilige Krieger in Zukunft rauswerfen würden – dann könnten die dort auch die Gesetze beschließen, die sie wollen und uns nicht wirklich gefallen … . Afghanistan, so mein Eindruck, funktioniert dann als Staat prima, wenn dieser Staat zwar formal existiert, aber im Kern nichts zu sagen hat. Ein echter Föderalismus halt … . Das Problem in Afghanistan ist aber heute nicht mehr Afghanistan, sondern Pakistan. Das wissen die Taliban genauso wie die Amerikaner. Das ist so als wenn es keinen Vietnamkrieg gegeben hätte, sondern einen Kambodscha-Krieg und die USA hätten dann wegen eines Pol-Pot-Pfades nach Vietnam eskaliert … .

Völlig idiotisch – denn erst durch unsere Unfähigkeit haben wir Pakistan destabilisiert. Insoweit waren wir genauso clever wie Kissinger als er den Prinz Sihanouk abservierte. Nur kann man halt Pakistan nicht seinem Schicksal überlassen, wenigstens solange nicht wie es auf ein paar Atombomben sitzt. Ansonsten hätte man sich schon längst informell mit den einzelnen Akteuren in Afghanistan geeinigt, da bin ich mir sicher. Also hat man jetzt Pakistan am Hals – und muss halt versuchen, den Herren in Geheimdienst und Militär “fürderhin den Geschmack an “Heilige Kriege” abzugewöhnen. Denn zwar waren Saudis, Ägypter oder Libanesen die Attentäter des 11.09, nur saß das logistische Zentrum in Afghanistan – unter den Augen einiger Pakistani, die durchaus mitbekommen haben werden, was da ablief. Da konnte dann der gute Musharraf den klassischen Ausputzer spielen: Ich unterstütze die USA, bekomme Militär- und Wirtschaftshilfe und dafür verzichten wir einmal darauf, das Theater hinter den Kulissen zu thematisieren. Ja, so ist das … .

Die Lösung ist also ein neues Glechgewicht zwischen allen relevanten Aktueren – von den Taliban über irgendwelche Drogenbarone und Opiumbauern bis zu den Rechtsanwälten in Islamabad … . Aber es gibt ja Hoffnung: Wenn das einer hinbekommen kann, ist das Richard Holbrooke. Der hat ja auch Dayton hinbekommen.

In Deutschland können wir bis dahin ja weiterhin über Schulen, politische Lösungen und die Frage aller Frage, die nach Krieg und Frieden, räsonnieren … . Wir sollten nur den Abzugstermin nicht verpassen. Aber für diesen Fahrplan ist ja nicht eine privatisierte Bahn AG mit Mehdorn zuständig … . Also besteht noch Hoffnung … .

7 Nanuk April 5, 2009 um 16:47

Zur aktuellen Lage in Afganistan.
Man kann von Scholl Latour und seiner etwas überheblichen Art halten was man will aber er hat recht behalten…
http://www.phoenix.de/235522.htm

8 f.luebberding April 5, 2009 um 17:49

Nanuk

Nur warum ist Scholl-Latour verwirrt? Er müsste es besser wissen. Die Ausweitung auf Kambodscha war der Versuch einer Exit Strategie – und nicht einer Sieg-Strategie. Die Amerikaner wollten Ho Tschi Minh unter Druck setzen und auf diese Weise zum Kompromiss zwingen. Sie warfen Sihanouk vor, nichts gegen die Nordvietnamesen zu machen – also setzten sie in Kambodscha eine Marionette ein. Der Denkfehler war, dass sie glaubten von dieser Eskalation profitieren zu können. In Wirklichkeit war es ihr letzter Sargnagel, weil die Nordvietnamesen Pol Pot unterstützten, der vorher überhaupt keine Rolle gespielt hatte. Die USA und die Südvietnamesen in Saigon verloren die Eskalation des Krieges. Obama eskaliert jetzt ebenfalls. Die Frage ist also, wem nutzt das? Setzt er damit die radikalen Kräfte in Pakistan und Afghanistan unter Druck und isoliert sie? Oder geschieht das Gegenteil wie in Vietnam/Kambodscha?

Obama will raus aus Afghanistan. Nur nicht zu jedem Preis. Ob er den Preis noch bestimmen kann, werden wir sehen. Auf jeden Fall haben die USA jetzt eine durchaus nachvollziehbare Strategie. Im Gegensatz zu Kissinger verwechseln sie auch nicht das Europa Bismarcks mit Zentralasien von heute. Kissinger wollte damals militärische Fakten schaffen – und dann einen politischen Kompromiss aus einer Position der Stärke erreichen.

Den Fehler wird Obama hoffentlich nicht machen.

Ansonsten ist Weiskirchen naiv und Hacke verwirrt. Also eine interessante Diskussion … .

9 hacedeca April 5, 2009 um 18:28

@weissgarnix, #5

“ehemals linke Chefredakteure, die zur neokonservativen Rechten konvertiert sind, weil sie es nicht mehr mitertragen konnte, was “liberale” Lebensformen an sozialen und politischen Erscheinungen, inklusive autonomen Protestbewegungen, so hervorbringen können”

Eher sind die Neocons ein Phänomen der Postmoderne: Wenn man als Linker nix erreichen kann, gibt man sich eben konservativ und versucht so, seine Agenda durchzusetzen.

Und vormals linke, dann neokonservative Journalisten? Stehen eh unter dem Oktroi des Marktes.

Aber es ist hauptsächlich diese postmoderne Werterelativität. Man erlebt es ja auch im wirtschaftlichen Bereich: Wo gestern noch der Neoliberalismus triumphierte, werden heute dermaßen massiv staatliche Programme aufgelegt, daß man beim Mitzählen der verbratenen Billionen kaum noch hinterherkommt. Und es scheint sich niemand zu wundern! Diese Diskrepanz zwischen gestriger Ideologie und heutiger Realität irritiert niemanden.

Aber die hauptsächlichen Akteure sind doch identisch! Aber sie gestern etwa geschwindelt mit ihrer Marktgläubigkeit? Und heute, da schwindeln sie nicht?

10 Thomas April 5, 2009 um 18:42

Anscheinend liest man beim Handelsblatt Euren Blog. Oder man hat selbst gemerkt, daß man ein bisschen zu aggressiv getextet hat. Jedenfalls heißt die Schlagzeile jetzt nur noch:

“Randalierer stören friedliche Proteste gegen Nato”

(http://www.handelsblatt.com/politik/international/randalierer-stoeren-friedliche-proteste-gegen-nato;2227405

11 Kaiserbubu April 5, 2009 um 18:50

@ weissgarnix”5

Danke für den Tip mit dem Buch. Das klingt sehr spannend. Werde ich mir besorgen.

Ich bin im übrigen über Deine Beiträge in der FAZ auf Dich und Euren Blog aufmerksam geworden.
Ich war erstaunt, dass Schirrmacher so weit geht. Nicht unclever.

Felix Austria

Kaiserbubu

12 xxHyFoxx April 5, 2009 um 19:32

@hacedeca

“daß man beim Mitzählen der verbratenen Billionen kaum noch hinterherkommt. Und es scheint sich niemand zu wundern! Diese Diskrepanz zwischen gestriger Ideologie und heutiger Realität irritiert niemanden.”

Erinnert mich irgendwie an 1984 von Orwell.

Wir sind mit Ozeanien im Krieg, wir waren schon immer mit Ozeanien im Krieg…

13 xxHyFoxx April 5, 2009 um 19:34

Oder war es doch Eurasien? Ozeanien war ja das Land in dem der Roman spielte. D:

14 f.luebberding April 5, 2009 um 21:16

Thomas

Wir lesen ja auch das Handelsblatt.

15 alpenfoen April 5, 2009 um 21:51

@xxHyFoxx (Orwell…)

Kluger Einwurf!

Ich sehe es auch so, dass sich bei den deutschen Funktionseliten so etwas wie ideologische Beliebigkeit durchgesetzt hat. Aber nicht im Sinne einer Äquidistanz, sondern als schnöde Instrumentalisierung sozialethischer Philosophie.

Es braucht mir doch keiner zu erzählen, die Mehrheit der “Eliten” hätte die grundlegenden Annahmen neoliberaler Theorie tatsächlich überzeugend gefunden.

Politische Philosophie ist längst zum Steinbruch für alle Akteure geworden, die irgend etwas durchdrücken wollen.
Wie überholt (oder widerlegt) derart instrumentalisierte Theoriestränge im wissenschaftlichen Diskurs sind interessiert dabei niemanden.

Warum auch? Die wahren Experten auf diesem Gebiet sitzen auf ihren Lehrstühlen und geben sich mit solchen Niederungen nicht ab. In Deutschland kommt die (verbeamtete!) Professorenelite einfach ihrer Verantwortung nicht nach!

Oder liegt es etwa am Desinteresse sämtlicher Medien?

16 Ich, the real one April 6, 2009 um 02:54

Für jeden, der sich für Afghanistan interessiert ein “must read” aud democracynow.org, mit Noam Chomsky.
http://www.democracynow.org/2009/4/3/noam

Ausschnitt:
“Well, interesting ways. When President Obama was elected, Afghan President Karzai sent him a message, which, as far as I know, was unanswered, in which he pleaded with President Obama to stop killing Afghans. He also addressed a UN delegation and told them he wanted a timetable for the removal of foreign forces. Well, his popularity quickly plummeted [Meine Anmerkung: Er meint hier die Popularität im Westen]. He used to be very much praised for his nice clothes and great demeanor and very much admired by the media and commentators. Now he’s sunk very low. He’s suddenly corrupt and so on.”

17 froZ April 6, 2009 um 11:29

Beim Handelsblatt mag auch noch ein besonderes Ressentiment eine Rolle spielen, aber im Grunde fügt sich die kritisierte Überschrift doch nur ein in die verbreitete semantische Verwahrlosung in deutschen Medien. Unternehmen und Sportvereine haben plötzlich eine “Philosophie” statt einer Strategie. Der “Super-GAU” geistert durch die Kommentare. Amtsträger, die einen mutmaßlich dauerhaften Imageverlust erlitten haben, gelten als “beschädigt”. Ein Journal mit Qualitätsanspruch überschreibt einen Demographie-Beitrag mit “Raum ohne Volk”. Usw. usf. … Kein Wunder, daß da dann die Analphabeten in Sachen kultureller Codes gelegentlich nicht von irgendwelchen Holocaust-Metaphern lassen können. Der mediale Umgang mit solchen Äußerungen folgt dann wieder eigenen begrifflichen Riten: “unerträglich” und so.

Leider konnten nicht alle Publizisten in den Genuß des Unterrichtes bei weissgarnix’ Lateinlehrer kommen.

18 Klaus April 6, 2009 um 12:38

froZ wg. “semantische Verwahrlosung”:

Nicht zu vergessen, dass momentan jeder Pups ein “spannender” wenn nicht “total spannender” Pups ist.

19 Nanuk April 6, 2009 um 12:49

http://www.dailymotion.com/user/feeld/video/x8vw7c_manif-des-crs-caillassent-des-anti_news

Schaut euch mal die vermummten Steinewerfer an die die Ordnungsmacht bewerfen.Die gehören alle eingesperrt…

20 f.luebberding April 6, 2009 um 13:21

Ich …

Karsai ist nur relevant, wenn er eine eigenes politisches Gewicht entwickeln kann – also ohne die Abhängigkeit von den USA . Notfalls bekommt er halt eine Villa in Südfrankreich … .

Was zum Thema ganz interessant ist, ist ein Artikel von Münkler in der Süddeutschen von heute.

http://www.sueddeutsche.de/politik/578/464180/text/#top

Er spricht das mit seiner “Stabilisierungsthese” nicht ganz so deutlich aus, aber beschreibt gut die Handlungsbedingungen. Auch sein Hinweis auf die Ähnlichkeit zwischen der russischen und der westlichen Modernisierungsstrategie ist durchaus bemerkenswert. Sein Fehler – und den hat er schon im Irak gemacht – ist seine Überbewertung sozioökonomischer Faktoren und seine Suche nach handlungsfähigen Eliten. Aber lesenswert.

21 Nanuk April 6, 2009 um 13:35

http://farm1.static.flickr.com/132/353466683_b32f39724c.jpg

Das wars dann auch zu Afganistan mehr muss man dazu garnicht sagen…

22 Avantgarde April 6, 2009 um 18:06

“Es wurde … ein Zollhäuschen zerstört.”

Oh. Neoliberale Terroristen?

23 f.luebberding April 7, 2009 um 07:45

Avantgarde

Ja, und wie immer bei Neoliberalen, sie kamen zu spät. Das Zollhäuschen war außer Dienst gestellt.

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