Ich fahre einem katholischen Erzbischof nur sehr ungern in die Parade, auch wenn ich mit Kirche und dergleichen bekanntlich nicht viel am Hut habe. Von der katholischen Sozialethik halte ich jedoch eine Menge, und vom Kapitalismus verstehe ich auch ein bisschen was, daher kann ich diesen Beitrag von Reinhard Marx in der FTD nicht unkommentiert lassen: Wenn das alles ist, was die kirchliche Diskussion des Kapitalismus heutzutage zu leisten im Stande ist – dann Gute Nacht, Marie!
Doch zunächst mal eine Einführung, an der es nichts zu bekritteln gibt:
“Und es wird wohl immer deutlicher, dass es diesmal nicht um ein paar technische Fehler geht, die gemacht wurden, sondern um das Grundsätzliche. Manche sprechen von einer Systemkrise.”
Yep – Ich zum Beispiel.
“Auf dem Prüfstand steht das System sicher, denn die Auswirkungen der Fehler, die innerhalb dieses Systems gemacht worden sind und also möglich waren, sind so verheerend, dass die Frage berechtigt ist, ob nicht das System selbst zur Debatte gestellt werden muss.”
Was den Herrn Bischof zu dieser Schlußfolgerung treibt, erschließt sich mir hingegen nicht: Kein Mensch fordert die Abkehr von der Marktwirtschaft und den geschlossenen Übertritt zum Kommunismus. – Zumindest fordere ich das nicht, und keiner, den ich als seriös erachte. Was hingegen vehement gefordert werden muß, zumal Politik und Verbände hierzu noch absolut auf ihren Ohren zu sitzen scheinen, ist eine eindeutige Benennung der Schwachstellen dieses Systems, zum Zwecke ihrer Behebung.
“Es drohte in Vergessenheit zu geraten, dass der Markt “Regeln und Moral braucht”, wie es Bundespräsident Horst Köhler in seiner Berliner Rede formuliert hat.
Naja… es war eigentlich nicht anders zu erwarten, als dass jetzt auch noch von kirchlicher Seite die große Moralpredigt kommt, mittels derer dann vermeintlich alles besser wird: Die bösen Banker tun Buße, versinken in Demuth – und in spätestens 2 Jahren ist alles wieder beim Alten.
“Und genau darum geht es: Zur Marktwirtschaft als System der Wirtschaft gibt es keine Alternative”
Und dieses Statement halte ich für geradezu unglaublich aus dem Munde eines Kirchenmannes: Ich bin selbst überzeugt von der Marktwirtschaft, scheue mich deshalb auch nicht, sie klipp und klar als das zu benennen, was sie ist, nämlich Kapitalismus. Aber gleichzeitig würde ich mir nie erlauben, sie als “alternativlos” zu bezeichnen. Abhängig davon, welches Bild der Gesellschafft man für sich als verbindlich erachtet, wären eine ganze Reihe alternativer Reproduktionsformen denkbar, alle mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen. Die Marktwirtschaft ist also keineswegs ohne Alternative. Was bringt den Erzbischof dazu, auf den Spuren Friedrich Merz’ zu wandeln, und derart unreflektierten Unsinn von sich zu geben?
“Deshalb unterscheide ich auch bewusst begrifflich zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus. Beim ersten Begriff schaut man auf einen Markt mit seinen Akteuren und Rahmenbedingungen, beim zweiten ist klar: Alles dreht sich um das Kapital und eine möglichst hohe Kapitalrendite, eben um das Interesse im Sinne des Shareholder-Value. Dass diese Variante tatsächlich fast zum Mainstream des Denkens und Handelns geworden ist, geben viele Akteure mittlerweile unumwunden zu.”
Damit begeben Sie sich aber nicht auf Gottes Wege, mein lieber Herr Erzbischof, sondern auf den Holzweg: der Kapitalismus, ob Sie ihn nun Marktwirtschaft nennen oder wie auch immer sonst, war von anfang an kein auf den Endkonsum gerichtetes System, das darob gewissermaßen mit den Interessen der Konsumenten “harmonisch” im Einklang gewesen wäre, wie man das bei Adam Smith oder Ludwig von Mises ad nauseam zu lesen kriegt. Sondern er war stets – wie der Name schon sagt – ein auf die monetäre Akkumulation, vulgo “Rendite” gerichtetes System, daher auch in hohem Maße antagonistisch.
Was der Bischof hier meint, ist ganz was anderes: im Zuge der Liberalisierung der letzten Jahre bzw Jahrzehnte konnte der Kapitalismus seine wahre Natur deutlich ungehemmter ausleben, als das noch bis Mitte der 80er-Jahre der Fall gewesen ist. Das ist korrekt. Wir reden aber dennoch über ein- und dasselbe System, nur gewissermaßen in unterschiedlichem Gewande. Wer sich dieser Wahrheit nicht bewußt ist, der hat – so unwirsch das jetzt auch klingen mag – zu einer besseren Zukunft für die Menschheit nicht wirklich viel beizutragen. Erstaunlich, dass man dieses Urteil offenbar auch über keinen Geringeren als den Leiter der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz fällen muß.
“Es ist wohl wahr: Zum globalen Wettbewerb gibt es keine Alternative.”
Auch das ist eine mir absolut unverständliche Aussage aus dem Munde eines Kirchenmannes: der globale Wettbewerb, wie er aktuell abläuft, hat überwiegend nicht die “komparativen Kostenvorteile” als Hintergrund, von denen noch Ricardo so überzeugt war, sondern beruht auf der simplen Tatsache, dass chinesische Näherinnen zu absoluten Hungerlöhnen und bar jeglicher Sozialstandards entlohnt werden. Der Job der europäischen Näherinnen fällt damit einem reinen Lohndumping zum Opfer, und sobald die Importnachfrage nach chinesischen Textilien mangels Einkommen und Kaufkraft einbricht, der Job der chinesischen Näherinnen auch. Wesentlich effizienter und sozialpolitisch vernünftiger wäre es, wenn die chinesischen Näherinnen für ihren heimischen Markt produzieren, und die hiesigen Näherinnen für ihren.
Das mag zwar nicht der kapitalistischen Logik entsprechen, erklärt für mich deshalb aber noch lange nicht, warum sich der Bischof selbst zum Exegeten einer solchen Lehre proklamiert.
“Aber der Wettbewerb ist ein Zivilisationsprodukt. Er braucht eine Wettbewerbsordnung, also Regeln, die von Leitbildern und Wertmaßstäben her formuliert und politisch umgesetzt werden müssen.”
So what? – Es gibt kein universelles, weltweites “Leitbild” und entsprechende moralische “Wertmaßstäbe” auch nicht: Der Kommunalpolitiker in Tianjin will genauso Arbeitsplätze für die dortige Bevölkerung schaffen, wie der Bürgermeister von Castrop-Rauxel für die seinige: Beide mögen das nach ihren eigenen, untadeligen Wertvorstellungen und Leitbildern machen – es würde zu keinen anderen Effekten führen, als den bislang gesehenen.
“Ohne eine “Globalisierung der Solidarität” (Johannes Paul II.) ist aber eine marktwirtschaftliche Globalisierung nicht zu verantworten und langfristig unvernünftig.”
Es mag dem Herrn Bischof nicht bewußt sein, aber damit predigt er nichts anderes, als Karl Marx auch: Schafft das Privateigentum ab, und schon werden alle Menschen der Welt zu Brüdern! – Meine Meinung dazu: Marx I lag in diesem Punkt falsch, und Marx II auch. Auf die “Globalisierung der Solidarität” kann er bis in alle Ewigkeit warten.
“Ein wirklich nachhaltiger Impuls zu einem echten Lernprozess müsste von Europa und den Vereinigten Staaten ausgehen, die die Krise letztlich verursacht haben. In diesem Sinne birgt die schwere Krise vielleicht doch auch die Chance, am Anfang des 21.”
Wahr ist, dass die Neugestaltung eines zukunftsfähigen Systems alle großen Wirtschaftsnationen der Welt einschliessen muß, insbesondere auch China und Japan. Eine Chance dazu besteht aber erst, wenn man ideologiefrei die Schwächen der Marktwirtschaft benennt und sich an ihre Behebung heranwagt, statt permanent entweder nur von der vollständigen Überwindung des Kapitalismus einerseits, oder aber einer weitestgehenden Beibehaltung des Status quo andererseits zu reden. Von einer Persönlichkeit wie Reinhard Marx würde ich dazu im Geiste eines Nell-Breuning deutlich klarere Stellungnahmen erwarten, als ein derartiges Wischiwaschi.




















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“Globalisierung der Solidarität”
Also eine weltweite Sozialkasse (Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfälle u.ä.) ist m.E. noch nicht der Ausbruch des Marxismus.
“Wesentlich effizienter und sozialpolitisch vernünftiger wäre es, wenn die chinesischen Näherinnen für ihren heimischen Markt produzieren, und die hiesigen Näherinnen für ihren.”
Hmmm, wie geht das? 1000% Steuern auf alles, was per Schiff angelandet wird? Man kann kaum die Chinesen/etc. zwingen, europäische Löhne zu zahlen, um das Gefälle zu beheben…
@weissagarnix
Zum Glück kommt am Ende noch der Verweis auf Nell-Breuning. Sonst könnte man nach der Lektüre deines Kommentars auf die Idee kommen, die katholische Soziallehre wäre in wirtschaftsphilosophischen Dingen durchweg bar jeder Kompetenz.
Aber das ist zum Glück nicht der Fall. Vielmehr kam es während der Regierungszeit Schröders zu einer Spaltung der christlichen Sozialethiker. Die Einen lieferten Argumente für die “Agenda 2010″ und für das, was wir heute unter “Hartz4″ kennen, die Anderen konnten das in der geplanten Form mit den Sozialprinzipien Personalität, Solidarität und Subsidiarität nicht in Einklang bringen.
Ein trauriger Beleg aus dieser Zeit ist die Schrift “Das Soziale neu denken” aus dieser Zeit. Darin kommt die Solidarität völlig unter die Räder – sie wird gnadenlos umdefiniert.
Leider haben die Vertreter der Schule, die Reinhard Marx favorisiert, in den Medien deutlich mehr Einfluss bekommen.
Bei den Lehrstühlen ist das Kräfteverhältnis hingegen relativ ausgewogen. Karl Gabriel in Münster fällt mir sofort als positives Beispiel ein.
Wo wir schon bei dem alten Kerl sind, kann ich mir nicht helfen und ihn zitieren:
Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.
Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen.
Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden. An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.
Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterten Kommunikationen alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt, mit der sie den hartnäckigsten Fremdenhaß der Barbaren zur Kapitulation zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen, d. h. Bourgeois zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.
@alpenfoen
Von Oswald Nell-Breuning war ich immer schon ziemlich begeistert, seine Schriften stellen einen wichtigen Teil meines moralischen Kompasses dar. “Die Soziale Marktwirtschaft verdient das Prädikat “sozial” nur auf Kredit”, ist ein Statement von ihm, dass mir neuerdings wieder häufiger durch den Kopf geht.
Daher bin ich ja auch von MarxII und ähnlichen Kalibern so enttäuscht.
@keiner:
Nur so als Idee: man könnte z.B. die Mehrwertsteuer deutlich anheben, und die Sozialausgaben darüber finanzieren statt über unsere Löhne. Und schon würden die Chinesen das deutsche Sozialsystem mitfinanzieren…
Das ganze hat natürlich die Nebenwirkung, dass die sozial Schwachen, die jetzt kaum Lohnsteuer bzw Sozialabgaben zahlen, plötzlich zur Kasse gebeten würden. Aber auch das wäre lösbar, z.B. durch ein Bürgergeld.
Diesem Bischof würde es sehr gut anstehen, wenn er seine dümmliche Eitelkeit betreffs seines Familiennamens nicht derart selbst einsetzen würde.
Merkt er wirklich nicht, dass seine ökonomische Einsichten äußerst begrenzt sind und sein maßloser Vergleich mit dem Anderen ein Beweis seiner Inkompetenz darstellt.
Ein Nell-Breuning wäre entsetzt.
@TonyS, #4
Ein sehr schönes Zitat!
Nach genau dieser Prämisse, nämlich daß der Kapitalismus gezwungen sei, die Welt zu erneuern, zu durchdringen, zu kapitalisieren, daß dies also quasi eine Gesetzlichkeit sei, genau ob solcher Prämisse eben brachen die Neocons den aktuellen Krieg los, um dann doch im arabischen Treibsand stecken zu bleiben. Sie ersetzten Kapitalismus und Bourgeoisie nur durch die Synonyme (jedenfalls in der westlichen Welt) Freiheit und Demokraten.
Und völlig konsterniert schiebt man das jetzige Scheitern auf den Islam, den Islamfaschismus, den Unverstand arabischer Eingeborener…
Und verlorene Krieg sind nun mal teuer und führen allzu oft in finanzielle Staatskrisen.
Das hat man davon, wenn man Ideologie und Weltanschauung für Prophetie hält!
Wirklich schön herausgearbeitet durch dieses Zitat von Marx! Und eine schöne Illustration der Beweggründe größenwahnsinniger Kleinbürger im Weißen Haus, die ohne Not ein Imperium zugrunde richteten: Neokonservative und Kommunisten – ein und derselbe materialistische Schwachsinn.
Ich glaube der gute Herr Marx wird nicht ganz richtig verstanden.Seine Meinung ist wohl daß die Kasinospiele ,die letztlich die Ursache und das Problem der Krise sind,das er als den Kapitalismus bezeichnet nicht mit der Marktwirtschaft,die sich aus einem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage ergibt gleichzusetzen sind.Und da hat er sicher auch Recht.Vielleicht drückt er sich laienhaft aus.Er ist ja aber auch kein Volkswirtschaftler oder Politiker.Bei Religionen darf Moral natürlich nicht fehlen.Tatsächlich gibt es aber auch in der realen Wirtschaft viele Regeln ,die ein “moralisches ” Verhalten verlangen.Ob man das was sich in dem Spielkasino abspielt mit dem Begriff “Kapitalismus ” gleichsetzen kann halte ich auch für fraglich,denn mit Kapital hat das nichts mehr zu tun.Es ist eher Irrsinn..Es wird um Geld gespielt das gar nicht vorhanden ist(500 Billionen,das 10 fache Weltsozialprodukt !),die Spieler zahlen sich großzügig Boni für die Einsätze und der Verlierer läßt sich die Spielschulden vom Steuerzahler erstatten.Der SpielBankhalter (der große Zampano) kassiert 2% von jedem Einsatz.Aber natürlich reales Geld.Das fehlt uns dann und verursacht die Krise.
@ wgn
Wenn das alles mal so einfach wäre mit dem Markt.
“Der Job der europäischen Näherinnen fällt damit einem reinen Lohndumping zum Opfer, und sobald die Importnachfrage nach chinesischen Textilien mangels Einkommen und Kaufkraft einbricht, der Job der chinesischen Näherinnen auch. Wesentlich effizienter und sozialpolitisch vernünftiger wäre es, wenn die chinesischen Näherinnen für ihren heimischen Markt produzieren, und die hiesigen Näherinnen für ihren.”
Lohndumping ist die eine Sache, die Entscheidung für ein Produkt in der “freien Marktwirtschaft” die andere.
Als Konsument habe ich die Wahl: Kaufe ich mir zwei bis fünf paar Lohndumping-Socken für 1 Euro im entsprechenden Shop. “Super Schnäppchen”. Oder die Falke-Socken aus Schmallenberg in NRW zu deutschen Sozial- und Tarifstandards gefertigt? Kosten dann aber statt 20 – 50 Cents mindestens 10 Euro das Paar. Ja, Leute so was gibt’s noch.
Klar gibt`s Konsumenten die kaufen sich Falke-Socken. Das sind aber mehr “Lifestyle-Accessoires” weil Marke und so. Geschätzte 80 – 98 % der Konsumenten kaufen sich indes irgendwelche “günstigen” Socken. Sch… egal ob irgendeine Chinesin oder Südostasiatin 100 Stunden die Woche für ein paar Euros dafür knüppeln musste und mit fuffzich anderen Genossinnen in einem Schlafsaal auf dem Betriebsgelände logiert.
Da brauchen wir wohl so eine Art globalem ZK der “sozialen Marktwirtschaft” um aus dem Dilemma rauszukommen. Mit dem simplen Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage in der globalsierten Welt könnte es vermutlich schwierig werden.
@caesar4441
Nein, diese Unterscheidung ist eben nicht richtig. Und dass dem so ist, ist auch keineswegs neu, sondern wurde insbesondere durch einen anderen Super-Marxisten namens Tugan-Baranowski bereits vor 100 Jahren entdeckt: der Kapitalismus braucht weder Konsumgütermärkte noch überhaupt die Realwirtschaft, um zu existieren. Insoferne war er der große Antipode zu Rosa Luxemburg, die bekanntlich als erste die Konsumgütermärkte als potenzielle Spaßbremse ins Spiel brachte.
Ich sage es daher nochmal: der Kapitalismus ist, was er ist, gänzlich ungeachtet ob wir ihn jetzt “Marktwirtschaft” oder sonstwie nennen. Entscheidend für seine Metaphorse in den “Casino-Kapitalismus” waren weder Fragen von Verbrechen oder Moral, sondern einzig und alleine der Umstand, dass ihm der liberale, politische Zeitgeist seine Fesseln abgenommen hat.
Reinhard Marx liegt deshalb mit seiner Diagnose so falsch, wie einer nur liegen kann.
@Ratioso
Wir sollten das Pferd nicht vom Schwanz her aufzäumen: Wir haben die Textilproduktion nicht etwa deshalb nach China verlagert, weil die es dort vielleicht besser könnten (was übrigens nicht für alle Globalisierungssektoren gilt, Software nach Indien ist womöglich ein ganz anderes Thema), sondern schlicht, weil sie zu den Hungerlöhnen, die sie dort verdienen, billiger und damit für Anbieter auf dem hiesigen Markt profitabler waren.
Insoferne ist der “globale Wettbewerb” gar keiner, sondern wir betreiben schlicht einen globalen Lohndumping-Wettlauf. Globalisierung ist vor diesem Hintergrund kein Selbstzweck, wie die großen Köpfe des Genres, von Krugman bis Rodrik plötzlich auch alle rausfinden.
Die ursprüngliche Idee von Globalisierung war bekanntlich eine ganz andere, aber heute muß ich ganz ehrlich sagen, fallen mir kaum mehr Branchen ein, für die es außer Lohndumping einen nachvollziehbaren Grund gibt, warum sie in China produzieren müssen. Wie gesagt: generell gibt es solche Branchen natürlich, von nur an bestimmten Orten der Welt erhältlichen Waren (Früchte, Gewürze, Rohstoffe, etc) über die Mikroelektronik in Japan und Südostasien zu sicherlich einer Vielzahl von anderen vernünftigen Dingen quer über den Globus. Aber nur allzu oft ist das, was wir heute in der Regel unter “Globalisierung” verstehen, ökonomisch wie ökologisch, und energetisch sowieso, völlig gaga.
Wann ist die Krise beendet ? Wenn das Vertrauen wiederhergestellt ist. Und wer geniesst hohes Vertrauen ? Schlagen wir nach bei Readers Digest, dort stellte man die Frage:
In welche Berufsstände haben Sie sehr bzw. ziemlich hohes Vertrauen? Und das Volk antwortete:
Feuerwehrleute 95 %
Piloten 92 %
Apotheker 89 %
Krankenschwestern 86 %
Ärzte 85 %
Lehrer 77 %
Landwirte 73 %
Polizisten 60 %
Meteorologen 56 %
Priester/Pfarrer 53%
Richter 50 %
Taxifahrer 50%
Rechtsanwälte 45 %
Finanzberater 38 %
Journalisten 29 %
Autoverkäufer 17%
Politiker 7 %
Weil zur Zeit die Politiker die Autoverkäufer fragen, wie man die Krise beendet, fürchte ich, daß uns diese noch ein wenig erhalten bleibt. Und eine weinselige Idee, daß Bischof Marx II den Talleyrand macht, dessen krisenüberdauernde Karriere vom Bischof über Investmentbanker zum Politiker hübsch hier beschrieben ist
http://www.historicum.net/themen/franzoesische-revolution/biographien/art/Talleyrand_CM/html/artikel/614/ca/b65b1c1e4f/
hat zwar ihre Reize, speziell weil bei einer deutschen Großbank noch kein Nachfolger des heiligen Josef geweiht, äähmm, ernannt worden ist, aber mit 53 Prozent Vertrauensbasis würde das nicht klappen. Unicredito korreliert zwar zu credo in unum …, aber die Fusion katholisch-bayrischer Finanzjauche mit mailänder Finanzbarock basierte streng auf der Lex Amato, welche wikipedia-zitierend eine klare Trennung von Bankgeschäft und gemeinnützigem Auftrag vorgesehen hat.
(Es können nämlich nur protestantische Kanzlerinnen auf die Idee kommen, daß die Banken dem Gemeinwohl zu dienen haben.)
Nicht nur der Kapitalismus ist ein Kettenbrief: Apostolische Sukzession bezeichnet den Umstand, daß die Kontinuität der Urkirche zur heutigen Kirche bzw. zur heutigen eigenen Konfessionskirche dadurch gewährleistet wird, dass eine Kette von Handauflegungen ausgehend von den Aposteln über viele Bischöfe vergangener Tage bis hin zu den heutigen Bischöfen angenommen wird. Die Nachschuldnerfrage durch Handauflegen zu regeln, wäre die krisenadequate Variante des schwarzen Peters. Mal sehen, was der bei seiner Europareise an Aprilscherzen mitbringt.
“Die Bilanz brennt, wir löschen” wird das Motto der endgültigen Krisenbändiger sein, wenn die Altneihauser Feierwehr in Frankfurt einrückt.
http://www.youtube.com/watch?v=HE-pUZ02fy4#t=4m45s
“Es kommen magere Zeiten”
Und Variante B mit einem Bankvorstand aus einem Piloten, einem Apotheker und einer Krankenschwester könnte auch fruchtbare Ergebnisse bringen.
Vergiss es. Bischöfe verstehen die Wirtschaft nicht. Nell-Breuning war auch kein Bischof, sondern Jesuit und Professor. Vielleicht gibt es auch heute noch Moraltheologen, die Wirtschaft verstehen. Aber sicher sind die nicht Bischof.
Krise – Bewältigung – Krise
“Die bürgerlichen Produktions- und Verkehrsverhältnisse, die bürgerlichen Eigentumsverhältnisse, die moderne bürgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er heraufbeschwor. Seit Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur die Geschichte der Empörung der modernen Produktivkräfte gegen die modernen Produktionsverhältnisse, gegen die Eigentumsverhältnisse, welche die Lebensbedingungen der Bourgeoisie und ihrer Herrschaft sind. Es genügt, die Handelskrisen zu nennen, welche in ihrer periodischen Wiederkehr immer drohender die Existenz der ganzen bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondernder bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet. In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen früheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre – die Epidemie der Überproduktion. Die Gesellschaft findet sich plötzlich in einen Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt; eine Hungersnot, ein allgemeiner Vernichtungskriegscheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben; die Industrie, der Handel scheinen vernichtet, und warum? Weil sie zuviel Zivilisation, zuviel Lebensmittel, zuviel Industrie, zuviel Handel besitzt. Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung stehen, dienen nicht mehr zur Beförderung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse; im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden, sie werden von ihnen gehemmt; und sobald sie dies Hemmnis überwinden, bringen sie die ganze bürgerliche Gesellschaft in Unordnung, gefährden sie die Existenz des bürgerlichen Eigentums. Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen. – Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; anderseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, daß sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.”
Marx Zwo tut genau dies, was sein Job verlangt, er spendet Trost und Hoffnung. Dabei kommt es auf wissenschaftliche Logik nicht an. Im Gegenteil.
Denn es liegt nicht im Interesse der Kirche, ihre Beitragszahler durch Konfrontation mit ökonomischer Rationalität zu frustrieren.
Wenn es den Gläubigen besser geht, wenn sie glauben, dass Marktwirtschaft und Kapitalismus unterschiedliche Dinge sind, warum sollte man ihnen den Balsam auf ihre verstörten Gemüter vorenthalten?
Zumal nach ihrem Glauben Gott die Geschicke der Welt lenkt?
Hohoho……
Gut positioniert, aber ich will trotzdem mal hieran erinnern:
http://dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=11581
Da ich ja nicht unter Klarnamen schreibe, kann darf ich also weiterhin behaupten:
http://dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=1063
Zu den ‘Politikern’ darf man auch junge FAZ-Kolumnisten hinzuzaehlen.
Zur oben dargestellten ‘Lohndumping-Theorie’ sei jedoch noch gefragt, inwieweit das heutige ‘Lohndumping’ chinesischer Arbeiter verwerflicher ist, als das ‘Lohndumping’ deutscher Arbeiter in den 50ern, japanischer Arbeiter in den 60ern, tuerkischer Arbeiter in den 70ern, irischer Angestellter in den 80ern uswusf?
Nicht, dass ich den europaeischen Naeherinnen nicht ein bisschen Protektionismus goennen will: aber ich mag es doch beim Namen nennen!
Was die angesprochene Systemkrise angeht: deren Symptome sind hier klarer dokumentiert:
http://market-ticker.denninger.net/archives/911-Three-Month-Wrap-Up-1Q-2009.html
Die Krise ist gepraegt durch finale Ueberschuldung, sowie spiegelbildlich ausufernde Vermoegenskonzentration und dadurch fehlende Kaufkraft, nicht durch den Verlust der Textilindustrie an asiatische Anbieter…..
Trotzdem ist natuerlich die Globalisierung das erste Opfer. Die Globalisierung ist mausetot, jetzt kommt die Lokalisierung zu ihrem exponentiell beschleunigendem Recht. Entsprechende Fundamente und Theorien werden schon im Verlauf der Entwicklung ins oeffentliche Bewusstsein dringen, ob diese folgerichtiger sind als die Theorien der Globalisierung zuvor, entbehrt jeglicher Relevanz. Es ist die politische plat du jour, und die muss beworben werden.
Bon appetit!
Ich möchte nur einmal bemerken, das die freie Wahl des Konsumenten für einige, durch die nicht freie Wahl ihres Einkommens, nicht frei ist !
In gehobenen Kreisen neigt man doch dazu, solches aus den Augen zu verlieren
staph.aureus: Gib mir den Piloten und die Krankenschwester, der Rest findet sich….
@Thorqemada
Müssen wir Konsumenten sein?
Kapitalismus benötigt im Grunde eine Massenhypnose, damit die Zaubersprüche ihre Wirkung behalten und Menschen zu Schweinen werden, die man sich im Stall halten und nach Bedarf verzehren kann.
http://www.youtube.com/watch?v=Jd0mB4qVh7Y
„Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden. Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, d.h., ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der Gesellschaft.“
Wie beschrieb es John Kenneth Galbraith so vortrefflich:
[..]Der Kapitalismus hatte ganz offenkundig versagt. Mit diesem Stigma war er nicht länger hoffähig.
Es folgte die entschlossene Suche nach einer unverfänglichen Alternativbezeichnung. In den USA versuchte man es mit „freies Unternehmertum“. Das kam jedoch nicht an. Freiheit, nämlich hinsichtlich unternehmerischer Entscheidungen, war nicht beruhigend. In Europa gab es die „Sozialdemokratie“ – Kapitalismus und Sozialismus in kameradschaftlicher Verbindung.
In den USA war (und ist) das Wort „Sozialismus“ für die meisten jedoch ein rotes Tuch. In den nächsten Jahren sprach man viel vom „New Deal“, der Neuen Politik.
Aber die war zu sehr an die Person Franklin D. Roosevelt und seine Adepten gebunden. So versuchte man es mit dem leidlich wissenschaftlichen Begriff „Markwirtschaft“. Es gab keinen Widerstand, keine merkliche Reaktion. Tatsächlich wäre es schwierig gewesen, einen noch nichtssagenderen Ausdruck zu finden – ein Grund dafür, dass die Wahl auf diesen Terminus fiel.[….]
Vielleciht hätte Marx II ein kurzen Blick ins kleine Büchlein
“Die Ökonomie des unschuldigen Betruges”
werfen sollen.
Er hätte merken können, lesen bildet!
Ich liebe es, wenn jemand behauptet, etwas nicht unkommtiert stehenlassen zu können… Wir sind eben alle Sklaven – von uns.
Kapitalismus und/(oder?) Marktwirtschaft?
http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2009/nr03/Sachbuch/17351.html
(Arrighis Interpretation des chinesischen Aufstiegs ist vielleicht ein bißchen abenteuerlich, aber ich habe das Buch noch nicht gelesen, nur ein paar Rezensionen.)
@ WGN
kurzer einwurf:
zum begriff des systems …
gibt es nur ein kapitalistisches/marktwirtschaftliches system oder gibt es verschiedene?
ich bin der ansicht es gibt verschiedene und je nach rahmenbedingungen ändern sich die ergebnisse die das system produziert … änder ich eine rahmenbedingung habe ich ein anderes system vor mir, da eine andere kopplung zwischen den größen vorliegt …
daher kann marx 2 ein neues system aus meiner sicht fordern, ohne damit gleich für kommunismus zu plädieren
grüße
inti
Der Witz ist doch, dass die chinesische Ökonomie kein Kapitalismus ist. Es ist auch keine „mixed economy“, wenn darunter eine Marktwirtschaft mit staatswirtschaftlichen Sektoren verstanden wird. Sondern es ist eine Staatswirtschaft mit markwirtschaftlichen Elementen. Nicht die Kapitalisten mit ihren ökonomischen, politischen und kulturellen Funktionseliten herrschen dort, sondern es herrscht die KPCh.
„Das politische System der Volksrepublik China ist ein autoritäres, sozialistisches Einparteiensystem. Die Führung der Volksrepublik China liegt bei der Kommunistischen Partei (KPCh). Das sozialistische Wirtschafts- und Staatssystem ist in der Verfassung der Volksrepublik China festgeschrieben.“ (WIKIPEDIA)
Und deshalb gibt es dort auch keine Ideologen, die einen „liberalen, politischen Zeitgeist“ produzieren können.
@HAM
Ich kann nicht beurteilen, wie es in China mit realen Verfügungsrechten über Produktionsmittel und Cash-flow aussieht. Allerdings wird man da gewiß nicht von irgendwelchen Verfassungsartikeln auf die soziale Wirklichkeit schließen können.
Man schaue zum Vergleich nur mal in Art. 14 Abs. 2 des deutschen Grundgesetzes.
@ froZ
Aber dass die KPCh und damit das “Primat der Politik” in China herrscht, darüber gibt es doch Konsens. Oder?
Nope.
Hat sich mal einer der Blogger und Leser mal die Mühe gemacht, und darüber nachgedacht, wat das ist, diese Arbeitsteilung? Nope, natürlich nicht.
) Wir halten fest: Arbeitsteilung ist in einer modernen Gesellschaft conditio sine qua non, um Entscheidungen zu treffen und damit das operieren der gesellschaft aufrechtzuerhalten.
Also: Der Mensch muss Entscheidungen treffen, also handeln. Und in einer Welt der Komplexität und Zeit und so, yep, da wird das halt mal etwas komplizierter, d.h. er muss eine Richtung wählen…und diese weiterverfolgen, will er ein Ziel erreichen. (Zugleich erhöht natürlich diese Entscheidung, d.h. die Spezialsierung wiederum die Komplexität…aber das ist jetzt ein anderes Thema
Yep, und jetzt stellen wir uns mal vor, der Chef eines Atomkraftwerks würde plötzlich nicht mehr nur über Atome reflektieren, sondern auch über Moral und Umweltschutz und medizin und so…und schwups, schaltet er sein Atomkraftwerk aus…und schwups wird es in Wanne-Eikel dunkel. Wäre blöd… irgendwie…. und man kann das natürlich jetzt durchspielen, den Wahnsinn der Rückkehr zur Nicht-Spezialisierung, z.B. der Chirug, der mitten in der Herztransplation über Religion reflektiert…und zur Entscheidung kommt: Lassen wir doch einfach Gott entscheiden….
Yep, schöne neue Welt. und warum ich schreibe ich das alles? Yep, weil das ist die Welt, die ihr Genies hier immer wieder propagiert: Die Rückkehr der Nicht-Arbeitsteilung. Yep, ihr wollt die Bundeskanzlerin, die Expertin für Moral, Gerechtigkeit, Recht, Umweltschutz, Wirtschaft, Pharmatechnologie ist…yep, einfach den Übermensch. Yep, und wie soll die eine Entscheidung treffen? Wie soll die als einzelner Mensch zwischen Umwelt und Welt, zwischen Markt und Staat, zwischen Krieg und Frieden entscheiden? Wie soll das gehen?
Und Herr Strobl: Was fragen sie einen Glaubensexperten bezüglich der Wirtschaftskrise? Was erwarten Sie da? Ist das die letzte Hierarchiestufe, nachdem Du den Glauben an den Markt und den Staat verloren hast? Sind wir jetzt soweit? Rufen wir nach Gott? Zurück zur Scholastik….Gott oh Gott….Leute….das ist doch nicht mehr satisfaktionsfähig….Nope, Leute, ich sage ja: Sich mal mit den Grundlagen beschäftigen, also mal verstehen, was Gesellschaft ist, was Arbeitsteilung etc. und verstehen, dass da kein Retter kommt, dass die Moderne so ist wie sie ist, und das Spezialiserung natürlich verlangt, dass man voneinander abhängig ist. Und es keine Moral über der Moderne gibt, die entscheiden kann, ob und wieweil Wirtschaft und Wettberwerb und Globaliserung jetzt falsch oder richtig ist. und es auch keine Übermenschen gibt, die mal eben ein neues Weltwirtschaftsystem erschaffen kann. Nicht immer nur lesen und schreiben sondern einfach mal nachdenken. Und wenn dann vielleicht watchemn schauen oder lesen, das ist nen Comic, keine Luhmann-Buch, aber dort weird genau dieses unseres Problem behandelt…..das Aufkommen der Superhelden als Folge der 29er Krise, das Rufen der Menschen nach einem Heiland, so wie es hier zu hören ist. Und die Konsequenten, was passieren würde, wenn man in einer modernen Welt die Superhelden laufen lässt….einfach mal was lesen. (P.S. Watchmen wurde von der New York Times als einziges Comix zu den besten 100 Büchern aller Zeiten gewählt…zurecht..) Danke!
Edward: “Our days are numbered. Till then it’s like you always say, we’re society’s only protection.”
Dan: “From what?”
Edward: “You kidding me? From themselves.”
Watchmen
@goodnight
Wenn sich Dinge nicht verändern lassen warum schreibst du dann dein Handeln ist Sinnlos lass es doch einfach geschehen.
Dein Antrieb so habe ich das Gefühl ist doch gerade die Angst vor Veränderung und bei einem bin ich mir zu 100% Sicher die Welt ist jede Sekunde jeden Atemzug den ich tätige eine andere.
Ausserdem hast du in deinem Watchmen spruch die berühmte Menschliche Natur ausgepackt.Die tollste ausrede für Grausamkeiten jeglicher Art und ich währe bei amerikanischen Comics verdammt vorsichtig die stinken nach Propaganda und Zeitgeist und das schon seit dem 2 Weltkrieg.
Eine rühmliche Ausnahme ist DMZ von Brian Wood…
Da kannst du auch Wunderbar beobachten wohin deine Arbeitsteilung führt.
Zunehmende Arbeitsteilung ist ein Kennzeichen moderner Gesellschaften. Eine Folge davon ist, dass – in einer “kostenoptimierten” Ökonomie – mehrheitlich Menschen entstehen, welche nur noch über ein teilarbeiterisches Bewusstsein und über teilarbeiterische Kompetenzen verfügen. Das ist ein Massentrend und hat selbst die „Kopfarbeit“ weitgehend erfasst. So ist z.B. der „Bachelor“ eine typische „Kopfarbeiter-Qualifikation“, die nur zu repetitiver Teilarbeit befähigt.
Gäbe es nur diese „Teilarbeiter“, so wäre die Menschheit verloren. Denn wie soll zum Beispiel ein Betrieb ohne den ordnenden („synthetischen“) Geist von „Gesamtarbeitern“ (Ingenieuren etc.) aufgebaut werden?
Gerade die modernen Gesellschaften benötigen zu einer gelingenden Reproduktion den synthetischen Geist der gesellschaftlichen Gesamtarbeiter.
“Der” moderne Theoretiker hierzu:
Alfred Sohn-Rethel: „Geistige und körperliche Arbeit – zur Theorie der gesellschaftlichen Synthesis
…und Dilbert
http://www.dilbert.com/most_popular/
http://www.dilbert.com/strips/
@goodnight
Bedeutet Spezialisierung etwa, dass man den Blick fürs Ganze verlieren muss?
Wenn durch Spezialisierung aller Beteiligten ein unsteuerbares Wesen entsteht, dass niemandem mehr gehorcht, ist es dann unsere Pflicht oder gar unser Schicksal, uns diesem Wesen hinzugeben und uns darin aufzulösen?
“Gerade die modernen Gesellschaften benötigen zu einer gelingenden Reproduktion den synthetischen Geist der gesellschaftlichen Gesamtarbeiter.”
Nicht wenn man glaubt das die Industrialisierung ein Fehler war.
“Die Wahrheit kann warten: denn sie hat ein langes Leben vor sich.”
Arthur Schopenhauer
Fangt ihr jetzt an den HAL zu geben…
http://www.youtube.com/watch?v=ecWYNC2RxHs
lustig lustig…
@ Nanuk
“Nicht wenn man glaubt das die Industrialisierung ein Fehler war.”
Entwicklung der Produktivkräfte oder Not und „alte Scheiße“
„Diese “Entfremdung”, um den Philosophen verständlich zu bleiben, kann natürlich nur unter zwei praktischen Voraussetzungen aufgehoben werden. Damit sie eine “unerträgliche” Macht werde, d.h. eine Macht, gegen die man revolutioniert, dazu gehört, daß sie die Masse der Menschheit als durchaus “Eigentumslos” erzeugt hat und zugleich im Widerspruch zu einer vorhandnen Welt des Reichtums und der Bildung, was beides eine große Steigerung der Produktivkraft, einen hohen Grad ihrer Entwicklung voraussetzt – und andrerseits ist diese Entwicklung der Produktivkräfte (womit zugleich schon die in weltgeschichtlichem, statt der in lokalem Dasein der Menschen vorhandne empirische Existenz gegeben ist) auch deswegen eine absolut notwendige praktische Voraussetzung, weil ohne sie nur der Mangel verallgemeinert, also mit der Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder beginnen und die ganze alte Scheiße sich herstellen müßte, weil ferner nur mit dieser universellen Entwicklung der Produktivkräfte ein universeller Verkehr der Menschen gesetzt ist, daher einerseits das Phänomen der “Eigentumslosen” Masse in Allen Völkern gleichzeitig erzeugt (allgemeine Konkurrenz), jedes derselben von den Umwälzungen der andern abhängig macht, und endlich weltgeschichtliche, empirisch universelle Individuen an die Stelle der lokalen gesetzt hat.“ (K.M. Dt. Ideologie)
Weniger Menschen genug für alle. Its so easy…
Wir müssen erstmal begreifen das unser Problem die Übervölkerung ist…
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/8/8a/World-pop-hist-de-2.png/551px-World-pop-hist-de-2.png
Das ist das wirkliche Problem!
„Ich erinnere mich an die feurige Rede eines neugebackenen Nazi, der seine Zuhörer davon überzeugen wollte, daß Kriege nötig sind, um die Arbeitslosigkeit zu beseitigen.
Die Antwort, einfach und klar, erhielt er in reinstem Kölsch: “Dann häng dich doch op. Dann is doch als ein winniger do.” (Dann häng dich doch auf, dann ist doch bereits einer weniger da.)“
http://www.nadeshda.org/foren/cl.medien.inprekorr/p41s59a20.html
Treffer versenkt!
Und vorher doch noch mal drüber nachdenken, was eine Hochkultur zusammenhält und wie es zum Zusammenbruch von Hochkulturen kommt.
“Dann häng dich doch op. Dann is doch als ein winniger do.”
Bekomm keine Kinder oder nur 1 oder 2 dann löst sich das Problem von Selbst dann Funktioniert auch der Kapitalismuss irgendwan nimmer weil die Neuschuldner fehlen…
Du siehst was hier teilweise noch als Heilige Kuh gefeiert wird ist so oder so bald vorbei von daher
“Die Wahrheit kann warten: denn sie hat ein langes Leben vor sich.”
Arthur Schopenhauer
Ich bin da total entspannt…
@HAM
Herrscht mit der KP in China auch das Primat der Politik?
Ich bin wirklich kein China-Kenner und kann dazu keine fundierte Beurteilung abgeben. Was heißt das deskriptiv überhaupt: Primat der Politik? Sollte die Frage so stehen, ob etwa in den 80-er Jahren die Herrschaft der KPdSU in der Sowjetunion bedeutet hat, daß die Wirtschaft vom Politbüro als einem kollektiven Akteur top-down gesteuert wurde, so würde ich dies klar verneinen. Man muß zwischen formalen und informellen Regelmechanismen trennen: Die späte Sowjetunion war stark geprägt von informellen institutionellen Arrangements, gerade im Bereich der Wirtschaft. Das formale Regelwerk war zunehmend nur noch eine tote äußere Hülle. Die sowjetische Ordnung stellte in ihrer Spätphase sozusagen schon das Puppenstadium des späteren Jelzinschen Günstlingskapitalismus dar. In China ist die Entwicklung anders verlaufen, aber ich würde nicht dafür garantieren wollen, daß die KP als Organisation dort heute noch ein handlungsfähiger kollektiver Akteur ist, der wirklich steuert.
Nachtrag:
Die Sache hat mich ja interessiert und ich habe mal nachgeschaut, was ich so finde. Um die aktuelle Politische Ökonomie Chinas besser zu verstehen, wäre vermutlich die Lektüre dieses Buches weiterführend:
http://www.cambridge.org/us/catalogue/catalogue.asp?isbn=9780521106474
Man kann ja den ganzen Literaturhinweisen, auf die man hier und in ähnlichen Foren gestoßen wird, gar nicht allen folgen. Aber falls jemand China vertiefen möchte…
Chinesische Näherinnen und chinesische Politik
Wenn chinesische Näherinnen sehr billig sind, liegt das nur zum Teil an ihren niedrigen Löhnen, zu einem großen Teil auch an den Wechselkursen (ich habe jetzt keine aktuellen Zahlen, schon gar nicht für Näherinnen, doch die Relationen sind in der Größenordnung von 1:5, wenn man in Kaufkraftparitäten rechnet, 1:20 aber in internationaler Währung).
Erzielt ein Land aufgrund seiner großen Kostenvorteile Exporterfolge, ist zu erwarten, dass Kapital zuströmt und kräftige Investitionen stattfinden. Vom Ausland zufließendes Kapital würde tendenziell zu Aufwertung führen. Ein starker Anstieg der Investitionen, der auch zu entsprechenden Importen von Investitionsgütern führt, würde in die Gegenrichtung wirken. Doch auf die Dauer sollten sich aufgrund der Kostenvorteile Leistungsbilanzüberschüsse einstellen, die zu einer Währungsaufwertung führen; und aufgrund einer Verknappung des Arbeitsangebots (auch aufgrund der stimulierenden Effekte der Handelserfolge für den Binnenmarkt) bei schnell steigender Produktivität sollten die Löhne kräftig steigen.
In China gab es nun mehrere Hemmnisse für eine solche Entwicklung. Die gewaltige versteckte Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung im rückständigen Teil des Landes (Landwirtschaft, Staatsbetriebe), die sich etwa im Strom der Wanderarbeiter in die Städte ausdrückte, drückte auf die Löhne und ließ diese nicht in Relation zur Produktivität steigen. Hinzu kam die hohe Sparneigung von Haushalten wie Unternehmen (bei Haushalten auch durch einen radikalen Abbau der sozialen Sicherungssysteme bedingt), die die Binnennachfrage weit langsamer wachsen ließ als die Produktionskapazität der Wirtschaft. Die Strategie, auf den weit effizienteren Wachstumsmotor Außenhandel zu setzen, lag daher nahe. Die chinesische Regierung tat viel, um diesen Motor zu nutzen. Sie sorgte dafür, dass Auslandsinvestitionen vor allem als Direktinvestitionen erfolgten (diese lassen sich nicht schnell bei jedem Stimmungsumschwung wieder abziehen) und beschränkte reine Finanzinvestitionen. Sie schrieb vor, dass Investitionen in Form von Joint Ventures erfolgten, so dass ein optimaler Technologietransfer gewährleistet war. Sie förderte Exporte in vielfältiger Weise. Und sie fixierte die Währung gegenüber dem Dollar, was einerseits angesichts der heftigen Währungsschwankungen, denen viele Schwellenländer zu ihrem großen wirtschaftlichen Nachteil ausgesetzt waren, eine Art wirtschaftlicher Sicherheitspolitik darstellte, doch ab einem bestimmten Punkt zunehmend problematisch wurde. Die Rahmenbedingungen – wie auch der Finanzsektor – der chinesischen Wirtschaft waren stark vom Staat gesteuert, während der Markt die Züge des übelsten Manchester-Kapitalismus annahm (wir vermuten mal, dass hier die Interessen der Parteifunktionäre und der neuen Kapitalisten – oft ihre Verwandten – Hand in Hand gingen).
Nachdem China zunehmend in der Lage war, auch industrielle Produktionsmittel selbst herzustellen, wuchsen die Handelsüberschüsse nach 2000 gewaltig an. Dies hätte zu einer Aufwertung der Währung führen müssen, doch die Chinesen verteidigten die Dollarbindung trotz politischem Druck der USA mit allen Mitteln. Dies ging nur ohne starken Anstieg der Inflation ab, weil die verdienten Dollars von der Zentralbank „sterilisiert“ wurden (etwa durch hohe Mindestreserven für die Banken). Die Devisen, die die Zentralbank aus dem Kreislauf zog, wurden dann nicht sehr sinnvoll in US-Schatzbriefe und ähnliches angelegt.
Diese staatlich gelenkte Währungspolitik hatte einen erheblichen Anteil an der heutigen Krise. Als der Dollar 2002 abwertete, hätte dies zu einem Rückgang des amerikanischen Handelsbilanzdefizits führen müssen und damit auch zu einer Begrenzung der Verschuldung. Doch gegenüber China (und einige andere südostasiatische Länder mit Dollarbindung) wirkte diese Marktanpassung nicht, da China zu hohen Kosten die Dollarbindung seiner Währung verteidigte. Sie wirkte natürlich auch nicht gegen den extremen Anstieg des Ölpreises zu dieser Zeit.
Wenn nix mehr geht China geht immer…
Es ist aber auch eine wunderbare Projektionsfläche.Was man mit China alles verkaufen kann wenn es China nicht gäbe man müste es erfinden.
@Rudolf
Die Schuld den Chinesen zuschieben zu wollen halte ich für gefährlich. Die USA hätten jederzeit wirksam gegen die chinesische Wirtschaftspolitik vorgehen können. Schliesslich waren sie es, die die internationalen Regeln diktierten. Wir müssen uns vielmehr fragen, warum dies nicht geschehen ist. Es wäre ein leichtes gewesen, internationale Standards bezüglich den Arbeitsbedingungen vorzuschreiben, die das Lohnniveau entsprechend angehoben hätten und diese auch teilweise durchzusetzen. Doch dies ist nicht geschehen.
Vielleicht ist es wirklich so, dass die amerikanischen Konzerne süchtig sind nach dem Gewinn, der durch eine Auslagerung in die Billiglohnländer entstand und sich nur darum kümmern, diesen Gewinn weiterhin zu steigern.
Ein Problem mit vielen Denkweisen ist, dass sie nicht das Wechselspiel verschiedener Entwicklungen ins Auge fassen. Mir ging es nicht darum, China an allem für schuldig zu erklären – natürlich brauchte es für die Extreme, die die Verschuldung erreichte, auch die über die aus dem Ruder laufenden Finanzmärkte erst möglich gemachte Verschuldungsbereitschaft der Amerikaner, die wiederum die Höhe der chinesischen Exportüberschüsse erst möglich gemacht hat. Aber eine Sicht, die nur die Amerikaner und die Finanzmärkte im Blick hat, erfasst eben nur einen Teil des Gesamtbildes und verkennt, dass die gesamte Dynamik der Entwicklung eben nur aus diesem Gesamtbild verständlich wird (ich empfehle, einschlägige Studien des IWF oder das Jahresgutachten des Sachverständigenrats zu lesen, die zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen und entsprechendes Zahlenmaterial liefern).
Die Amerikaner hatten und haben nur sehr begrenzten Einfluss auf die chinesische Politik. Sie verhandelten lange vergeblich über Aufwertungsschritte, bis die Chinesen schließlich ein wenig nachgaben und ein wenig Aufwertung zuließen. Die Entwicklung der extremen chinesischen Leistungsbilanzüberschüsse (von zuletzt vor der Krise über 10% des BIP!) vollzog sich binnen weniger Jahre, wie auch der Aufbau der Subprime-Blase in den USA. Da die amerikanische Wirtschaft ja durchaus erfreuliches Wachstum zeigte, dominiere in den USA die Sicht der radikalen Martkapologeten, die mit zum Teil absurden ökonomischen Theorien die Probleme wegerklärten. Eine sehr empfehlenswerte Darstellung der ganzen Entwicklung hat Martin Wolf: Fixing Global Finance noch kurz vor dem vollen Ausbruch der Krise geliefert.
Übrigens waren es in erster Linie die Chinesen selber, die ihre Exportindustrie aufbauten; Auslandsinvestitionen spielten zwar eine wichtige Rolle für den Technologietransfer, doch für die Investitionen insgesamt blieben sie untergeordnet.
@goodnight
Luhmanns “Soziale Systeme” und – weil ich ein vorsichtiger Mensch bin – Berghaus’ “Luhmann leicht gemacht” (hatte bei einer ersten Sichtung im Internet durchaus ein “ich nix verstehen”-Erlebnis) sind eingetroffen. Werde ich in den nächsten 4-6 Wochen mal durcharbeiten, um hernach meine wenig professionelle Meinung zu den Ansichten des Meisters kundzutun.
Falls ich dann auch nur noch “Yep” und “Nope” schreibe, bist jedenfalls du schuld…
Yep.
Dann werde ich mich selber nochmals durch das Werk arbeiten… Luhmann zu lesen…und zwar in Echtzeit, d.h. ohne jeden Satz mehrmals zu wiederholen zu müsssen , um zu verstehen, ist eine der größeren Herausforderungen die das Leben an einen stellt. “Soziale Systeme” ist Luhmanns Hauptwerk neben der “Gesellschaft der Gesellschaft”, wobei letzteres als der Abschluß seines lebenswerks, ersteres als das zenit seiner geistigen Schaffenskraft anzusehen ist. Dementsprechend schreibt er sich in “Soziale Systeme” selber, d.h. er nimmt weniger Rücksicht auf den Leser, d.h. die Umwelt.
Hierzu der Begleittext vom Suhrkamp-verlag:
“Das Buch versucht, eine bisher in der Soziologie kaum erreichte begriffliche Komplexität und Interdependenz mit den Mitteln der normalen Sprache darzustellen”
….yep, diese seltsame Unterscheidung zu “normaler Sprache” macht Sinn….die meisten Menschen legen das Buch nach Seite 9 des Vorworts weg. Gerade hier muss man durch, d.h. hier entscheidet sich, ob man den Level an Sprache und Wissen als Herausforderung sieht, oder ob man in seinem eigenen Weltbild verharren will. Denn Luhmann verliert sich nicht im Sloterdijk Blub, sondern entwickelt aus all den Begriffen eine einheitliche Theorie. Das ist die difference that makes….Selbst wenn man die Information nicht verstehen will, oder kann, so ist es immer noch faszinierend einem “Genie” beim Denken zuzusehen, allein dafür lohnt sich die Lektüre.
Oder wie es mein Feldwebel bei den Grünkappen immer so schön sagte:
Solange man noch sagen kann “Bitte, ich kann nicht mehr”….solange kann man noch.
“My quest has taken me through the physical, the metaphysical, the delusional and back… ”
Nash (a beautiful mind)
Passend zum Thema Comics…
http://www.threepanelsoul.com/comics/098.png
@wgnx
Falls ich dann auch nur noch “Yep” und “Nope” schreibe, bist jedenfalls du schuld…
Nö, dann bist du nur ein weiteres Opfer der Luhmannschen “einheitlichen Theorie” des Entweder-Oder: System oder Umwelt, Identität oder Differenz, Zahlen oder Nicht-Zahlen, Yep oder Nope.
Du siehst, wie schwer goodnight an den Folgen seiner veräußerlichten Verinnerlichung luhmannschen Systemguts zu tragen hat.
Auch wenn sich Luhmann vor allem an die Klientel “Überflieger” (jemand nannte sie woanders mal passend “Hochleistungsreduktionisten”) wendet, die viel Zeit für den Erwerb von Begrifflichkeiten mit Distinktionswert investieren können, und du möglicherweise zur Zielgruppe gehörst – - – sei gewarnt!
Das Leben ist zu kurz für das Studium selbstreferentieller Artefakte.
Wenn’s schon Luhmann sein muss, dann lies’ doch erstmal “Legitimation durch Verfahren” – da redet er mal ausnahmsweise von etwas, wovon er etwas versteht, die Lektüre bringt also nicht nur Erkenntnisse darüber, wie die Luhmannsche Systemmaschine sich die Welt zurechtsäbelt, mittels “Komplexitätsreduktion”, sondern auch noch einen gewissen Mehrwert über die Funktionsweise von Legitimationsprozessen in Verwaltungen. Da die nun strukturell und machtpolitisch den Verhältnissen in – sagen wir mal, Pensionsfonds – nicht so unähnlich sind, hat man da was von.
Fette Nummer! Der ist gut
@ goodnight
Welche Verzweifelung dich dazu treiben mag, jegliche Selbstbestimmung aus dem menschlichen Alltag zu verbannen, kann gerne im Dunkeln bleiben. Doch kann der Arzt selbstverständlich seine Künste in Frage stellen, um sie daraufhin zu verwerfen oder eben auch nicht.
Auch ein Amtmann könnte sich entscheiden, ob er zum hartz4-Kapo umfunktioniert werden will oder eben nicht.
Bei ‘Verweigerungen’ in kleiner Zahl ‘heilt’ sich das System selber (Der Nächste darf den Job machen).
Wird der Nachschub knapp, weil tatsächlich keiner mehr mitmachen will, ändert sich das System.
Ich erkenne zwar Berge an Zwangsläufigkeiten, die uns unser aktuelles System beschert, aber ich sehe ebenso Handlungsspielräumme, die ein Mildern/Abschwächen/Umgehen der Zwänge möglich machen. Du scheinst da sehr tief in der pessimistischen Ecke versunken zu sein.
@ wgn
Marktwirtschaft und Kapitalismus verwendest du synonym, was nicht jedermanns Sache ist.
Kapitalismus zu entschärfen, bedürfte einer Manipulation am Zinsprinzip, um der scheinbar unentrinnbaren Kapitalakkumulation etwas entgegen zu setzen.
Marktwirtschaft ist doch ‘nur’ das Spiel der Kräfte Angebot und Nachfrage, somit meines Erachtens nicht an Akkumulationen gekettet. Oder sitze ich da einer Fehleinschätzung auf? Verstehe ich den begriff Marktwirtschaft falsch?
über Marktwirtschaft soll sich der Wert eines Handelsgutes sozusagen von selbst ermitteln, heißt es aus den Riegen der Marktwirtschaftler. Dabei würde gleichzeitig die bestmögliche Resourcenallokation stattfinden. Das mit den Resourcen ist eine Mähr, gäbe es ansonsten nicht hungernde Negerbabys. Ist die Wertermittlung auch nur eine urbane Legende?
@wgn:
Hab gerade den Beitrag in der FAZ gelesen und musste mit erschrecken feststellen, dass sie Marx als Deterministen bezeichnen und jetzt lese ich gerade das hier.
Zitat: “Es mag dem Herrn Bischof nicht bewußt sein, aber damit predigt er nichts anderes, als Karl Marx auch: Schafft das Privateigentum ab, und schon werden alle Menschen der Welt zu Brüdern!”
Marx hat sich vom “Friede-Freude-Eierkuchen” Kommunismus ganz klar abgegrenzt.
Bitte mal Poppers open society zur Seite legen und das Kapital nochmal auspacken und ein ordentliches Buch zum deutschen Idealismus besorgen und nach grobem verständnis von Hegel dann Marx nochmal lesen. Ich denke zwar das sie die Ökonomischen Aspekte von Marx verstanden haben, aber wenn ich sowas lese muss ich annehmen, dass sie die philosophischen nicht verstanden haben (so wie Popper, der hat Hegel nämlich nicht kapiert, daher auch Marx nicht).
Marx und utopischer Sozialismus…. pfff