Staatsanleihen-Crash ahoi!

von weissgarnix am 25. März 2009

Keine guten Nachrichten, die der FT Alphaville-Blog da gerade berichtet: die heutige Auktion von englischen Staatsschuldverschreibungen konnte nicht zur Gänze abgesetzt werden, nur rund 93% des angebotenen Volumens fand bei 4 1/4% Zinsen auch Käufer; der Rest wollte nur bei höherer Verzinsung zeichnen. Das erste Mal seit fast 15 Jahren, das sowas passiert.

Für Pessimisten könnte das der erste Schritt zum lange erwarteten Staatsanleihen-Crash sein, und damit zu signifikant höheren Kapitalmarktzinsen: in der aktuellen Situation gleichbedeutend mit einer weiteren, dramatischen Verschlimmerung der Krise.

Zudem womöglich ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die avisierte Neuverschuldung der Staaten weltweit zwecks Finanzierung von Konjunkturpaketen und Rettungsschirmen doch nicht so einfach gestaltet, zumindest nicht mit Plain-Vanilla-Methoden.

Meines Erachtens werden Vorfälle wie dieser die Regierungen nur umso stärker dazu bewegen, zu “unkonventionellen” Maßnahmen zu greifen: Quantitative Easing à la USA scheint mir in der Eurozone nur noch eine Frage der Zeit, und falls man auf Ebene der Einzelstaaten seine Bonds nicht los wird, als “Europa” schafft man das allemal; und vielleicht tritt ja auch Großbitannien deshalb demnächst noch der Eurozone bei, wer weiss…

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1 ohne Nick März 25, 2009 um 13:45

Bei der Auktion von Staatsanleihen verstehe ich etwas nicht:

Der Staat geht bei diesen Auktionen davon aus dass er 100% absetzt um seinen Haushalt zu finanzieren?

Wenn jetzt aber nur, wie hier, 93% abgesetzt werden können? Woher kommen dann die restlichen 7%?

2 Nanuk März 25, 2009 um 14:01

“Woher kommen dann die restlichen 7%?”

Bei der nächsten Auktion wenn die Deppen wieder gallig auf Bonds sind werden die einfach oben drauf gepackt…

3 staph.aureus März 25, 2009 um 14:19

Wer will denn englische Staatsanleihen ? Viel beliebter sind doch die Silberkännchen der Queen. :-)

4 Nanuk März 25, 2009 um 14:21

Deflation ist…
Wenn man den Buckingham Palace für 1 EUR bei Ebay kaufen kann :)

5 Ich März 25, 2009 um 14:45

Wenn alle Einzelstaaten Probleme bekommen Bonds abzusetzen sollte auch der EuroBond nicht mehr helfen. Im Gegenteil, mit EuroBonds verliert die Eurozone ihre Glaubwürdigkeit der unbedingten Inflationsvermeidung.
Ob es attraktiver ist, in eine Weichwährung zu investieren, als das Risiko einer Schuldenrestrukturierung einzugehen, wage ich zu bezweifeln.

Der EuroBond macht nur dann Sinn, wenn zumindest einige Staaten noch glaubwürdige “fiscal spare capacity” haben. Außer ein paar kleineneren Ländern, bin ich mir da nicht so sicher.

6 McShorty März 25, 2009 um 15:09

Hallo Weissgarnix,

Du hast unterschlagen, dass es sich bei der Auktion nur um lächerliche 1.740 Mio GBP also nicht mal 2.000 Mios Eur handelte. Das macht die Sache eigentl. noch viel schlimmer, sind ja bei 60 Mios Tommies nicht mal 30 GBP pro Nase! Einfach nur erbärmlich. (hoffe ich habe richtig gerechnet)

nur rund 93% des angebotenen Volumens fand bei 4 1/4% Zinsen auch Käufer; der Rest wollte nur bei höherer Verzinsung zeichnen.
Das habe ich aus dem Bild anders verstanden. Es sind mMn überhaupt nur Gebote für 1.624 Mios also 93 % eingegangen. Höchstes Kursgebot war 96,15 niedrigstes 93 pro 100 GBP, Rendite lag also zw. 4,445 und 4,634 %, also doch recht weit von deinen anvisierten 4,25 %.
zugeteilt wurden sowieso nur 1.386 Mios GBP, also nicht mal 80 % der gewunschten Summe.

Interessant auch der Part aus dem obigen Link:
The unallocated part of the amount on offer at the auction is being held in official portfolios. It will not be sold for a period of at least two months, and in any event only in stable market conditions.
Wer kauft da mit welchem Geld die restl. ca. 20 %, zu welchem Kurs?
Kurze Frage noch, GILTs laufen (immer) über 10 Jahre?

Wer wissen will wie es für die BRDDR aussieht und weiter geht, kann meine 2 cents hier nachlesen (+Untertreads): http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=72568

Danke und Gruß McShorty

7 Goldenes Kalb März 25, 2009 um 15:12

@Ich
Wohin sollen die Investoren ihr Geld denn dann stecken? In die USA?

Es kommt nicht nur auf das absolute Vertrauen an, sondern immer auch auf das relative Vertrauen. Wenn man sich auf ein Gebiet konzentriert, dann stellt man fest, dass es ziemlich hässlich ist. Aber die anderen sind oft ebenfalls hässlich. Was zählt, ist dann ein detaillierter Vergleich – leider mit sehr viel Aufwand verbunden und für den Laien schwerlich nachvollziehbar.

8 Gaby März 25, 2009 um 15:28

@McShorty

Schön, dass Du schon da bist – und freundlicherweise auch Deine Beiträge aus dem Gelben rausgesucht hast. Die sind mir nämlich auch eingefallen. Dazu habe ich nämlich eine Frage auch an

@wgn

Wieso schreibst Du, dass die gep(l)atzte Auktion nun der erste leise Pfiff vor dem Platzen der Anleihenblase sein könnte, wenn doch beispielsweise schon früher auch schon Bundesanleihen-Auktionen (siehe McShortys Beiträge im Gelben) nun bei weitem nicht so gelaufen sind wie geplant?

Was macht die geplatzte Gilts-Auktion schlimmer als die geplatzte Bund-Auktion?

Danke (auch an Dich McShorty – übrigens sind einige Deiner exzellenten Aufarbeitungen der Auktionen nicht mehr als Grafik verfügbar, wenn man die Beiträge im Gelben aufruft)

Viele Grüße

Gaby

9 weissgarnix März 25, 2009 um 15:49

@Gaby

1) genau deswegen: weil es nach D nun auch in UK passiert

2) UK ist insoferne interessant, als dort die BoE bekanntlich Bonds im mittleren/langen Bereich aufkauft. Man hätte dort also eigentlich weniger “Druck” vermutet, als in Euroland, wo kein Quantitative Easing stattfindet. Mit anderen Worten: bei den Deutschen BUNDs bestand nur die Möglichkeit, sie zusätzlich zu den alten zu kaufen, oder es bleiben zu lassen. Bei den Gilts hingegen hättest du dich zu günstigen (höheren) Kursen deiner alten Papiere entledigen und neue zeichnen können.

Das deutet für mich recht klar darauf hin, dass der Markt von mittelfristig höheren Zinsen ausgeht.

10 EuroOptimist März 25, 2009 um 17:18

Sieht so aus, als ob Mervin King das geahnt hätte:
http://www.weissgarnix.de/?p=1859#comment-23054

11 Ich März 25, 2009 um 21:46

@Goldenes Kalb,

zum Teil in Sachwerte, um sich vor exzessiver Inflation zu schuetzen
zum anderen Teil in cash, falls man doch in Richtung formaler Bankrott geht anstatt in Richtung Inflationierung.

Im Moment wuerde ein eine EU oder Eurozonenanleihe wohl noch gehen, aber die meisten Laender haben ja auch keine Probleme nationale Bonds loszuwerden. Ich wuerde mein Geld auch ziemlich bedenkenlos in langfristige Bunds stecken.

Dass sich Deutschland nur kurzfristig finanzieren kann, ist dabei halb so wild. Es gibt halt gerade eine grosse Unsicherheit bezueglich der zukuenftigen erwarteten Inflation. Die Investoren wollen dem Bund halt kein Geschenk machen und langfristige Kredite geben, wenn wir vielleicht in 5 Jahren 3-5% Inflation haben.
Unsicherheit ueber die zukuenftige Inflation macht laengerfristige Verschuldung immer teurer. Wenn es aber gar nicht zu einem massiven Infaltionsschub kommt, kann sich Deutschland ad infinitum kurzfristig guenstig refinanzieren. Und in der Tat glaube ich nicht, dass hier in naechster Zeit ein allzu krasser Inflationsschub droht.

@ wgn,
QE so wie es die Bank of England betreibt klappt nicht unbedingt. Der Investor kann sich ja auch bei der BoE seiner alten Bestaende entledigen und KEINE neuen kaufen. Das QE ist ja eine neue Information, die der Kaeufer nicht hatte, als er die alten Gilts gekauft hat. Du glaubst doch an Stagfaltion, ich fuer UK auch. Aber bei hohen Infaltionserwartungen, macht es doch jetzt keinen Sinn, in langfristige Anleihen zu investieren. In kurzfristige durchaus, weil man nicht genau weiss, wann das Pendel umschwingt von der Deflation in die Inflation.

Also ich sehe wirklich noch keinen Beweis, dass die Staaten ernsthafte Schwierigkeiten haben sich zu finanzieren.
Sollte es wirklich soweit kommen, koennte man uebrigens immer noch die Idee der Zwangsanleihe fuer Vermoegende wieder ausgraben. Hielte ich unter diesen Umstaenden dann fuer ein legitimes Mittel.

12 Zecke März 25, 2009 um 23:53

@Weissgarnix

“Zudem womöglich ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die avisierte Neuverschuldung der Staaten weltweit zwecks Finanzierung von Konjunkturpaketen und Rettungsschirmen doch nicht so einfach gestaltet, zumindest nicht mit Plain-Vanilla-Methoden.”

UK ist mein heißer Tip für den ersten Währungscrash einer relevanten Volkswirtschaft.

Nicht mal unbedingt direkt wegen der Staatsschulden, obwohl die seit 2002 von 30% des BIP auf aktuell etwa 50% des BIP rasant gestiegen sind, allein in 2008 um 10% des BIP.

Das Problem in GB ist

1. die negative Leistungsbilanz, die mit Devisen finanziert werden will

2. ist in GB viel Auslandskapital akkumuliert. Wenn die ausländischen Investoren anfangen das abzuziehen dann geht in GB das Licht aus.

Auf den Währungscrash muss nicht unbedingt der Staatsbankrott folgen, aber als Folge wäre er dann ziemlich wahrscheinlich.
Für die USA sehe ich dieses Risiko vorerst nicht.

13 Zecke März 25, 2009 um 23:57

Nachtrag:

“Das deutet für mich recht klar darauf hin, dass der Markt von mittelfristig höheren Zinsen ausgeht.”

Glaube nicht, dass das ein primäres Leitmotiv ist. Denke es geht um Währungsrisiken. Warum die BoE allerdings zulässt, dass eine Auktion floppt, erschließt sich mir nicht. Möglichkeiten das zu vermieden hätte sie ja gehabt.

14 weissgarnix März 26, 2009 um 00:30

@Zecke

Mußt du nicht glauben, ist aber meinen Infos nach ziemlich sicher so. Den Großanlegern in UK Gilts ist das Währungsrisiko völlig egal, das sind nämlich heimische Pensionsfonds und Lebensversicherungen. Was aber derzeit in diesen Kreisen sehr wohl diskutiert wird sind a) asset allocation (aus Bonds in Aktien) und b) Zinskurvenüberlegungen.

15 weissgarnix März 26, 2009 um 00:35

@Ich

>Aber bei hohen Infaltionserwartungen, macht es doch jetzt keinen Sinn, in langfristige Anleihen zu investieren.

Das kommt so ziemlich aufs Gleiche raus, auch in diesem Fall würden die Anleger höhere Zinsen verlangen.

Und von einem “Beweis”, dass irgendwas nicht ginge, habe ich ja oben schon mal überhaupt nicht geschrieben. Es könnte aber sein, dass der Markt zu den Konditionen, von denen die Regierung ausgeht, schlicht nicht so viel wie erwartet aufnimmt. Dann wird sie sich wohl oder übel was anderes überlegen müssen.

16 lemming März 26, 2009 um 01:13

Ich habe so ein komisches Gefühl, dass diese Krise erst dann richtig zum Ausbruch kommen wird, wenn alle glauben, sie sei im Griff.
Und dann wird sich nicht mehr die Frage der “Systemrelevanz” stellen, sondern die nach der Relevanz des Systems…

17 hc_f März 26, 2009 um 14:26

@Quantitaitve Easing und Nachziehhen von Kontinentaleuropa:
Wenn nicht 100% der angebotenen Bonds gezeichnet wurden, ist das doch im Zusammenhang mit de QE zu verstehen, oder?

Warum aber sollte deswegen Kontinentaleuropa nachziehen müssen? Das im Verhältnis gemäßigte Vorgehen im Euroraum sollte doch eher als ein Vorteil für den Absatz von Bonds wirken?

Wieso sollte der Anleihen-Crash auf Festlandeuropa übergreifen?
Im Gegenteil, sollten nicht die wegfallenden Investitionsmöglichkeiten in GB den Euroraum stärken?

18 weissgarnix März 26, 2009 um 14:39

@hc_f

Nein, ich glaube, dass wenn es erst mal ein westliches Industrieland trifft, kurz danach alle betroffen sind. Auch und vor allem Deutschland, dem meines Erachtens ein ähnliches Schicksal bevorstehen wird, wie Japan. Merkel hat daher nur 2 Optionen: a) sie kann einen auf Brüning machen, und ihre aktuelle Position beibehalten. Oder b) sie verbündet sich mit den übrigen Inflationisten in Europa, und startet durch à la Obama. Einen solchen Kurs könnte sie womöglich überhaupt nur im Verbund mit den Europäern einschlagen, weil dann hätte sie eine entsprechende Ausrede/Erklärung. Würde sie jetzt voll auf einen Inflationskurs einschwenken, wäre das doch der totale Gesichtsverlust.

Die Amis sind nicht alles nur komplett Geistesgestörte – Ihr werdet sehen, vieles von dem, was die aktuell durchziehen, steht auch demnächst bei uns auf der Tagesordnung. Für den Geithner-Plan kann sich die CDU/CSU ja angeblich schon sehr erwärmen, und am QE kommt die EZB vermutlich auch nicht herum.

19 ppp März 26, 2009 um 14:55

Man wird sich vor allem bis zur Wahl erstmal mit Pseudomaßnahmen wie der Abwrackprämie durchwurschteln…
Überhaupt, selbst wenn Merkel umsatteln sollte, sie hat dann immer noch Steinbrück an der Backe – der wird bestimmt keinem Kurswechsel zustimmen, so ideologisch eingemauert, wie der ist.

Würde bei schwarz-gelb die FDP einer Inflationierung zustimmen?

Freilich, wenn der Sachdruck zu groß ist, ist vieles möglich.

20 Pelikan März 26, 2009 um 15:14

Soll ich meine Eigentumswohnung(zu 90 % kreditfinanziert) verkaufen oder vermieten in der derzeitigen Situation ?

21 Thomas März 26, 2009 um 15:47

@Pelikan:
Das ist vollkommen egal. Es gab Währungsreformen, da wurden gleichzeitig Grundbesitzer enteignet. Es gab Währungsreformen da wurden gleichzeitig Immobillienbesitzer mit einer 20%igen Strafsteuer auf ihren Immobillienbesitz versehen. Und es gab (nicht in Deutschland im letzten Jahrhundert) auch schon Währungsreformen, da wurde das Gold eingesammelt.

Egal was Sie tun, wenn es richtig hart kommt sind Sie ihr Vermögen los.

22 weissgarnix März 26, 2009 um 16:44

@Pelikan

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass sich die Regierungen anno 2009 an privatgenutze Immobilien rantrauen. Zumal dieses ganze Geeiere da kürzlich von wegen Erbschaftssteuerbefreiung von Omas Häuschen für mich ein ziemlich starkes Indiz ist.

Ich kann Ihnen nicht sagen, was Sie machen sollen, aber meine Überlegung ginge in folgende Richtung: falls wirklich inflationiert wird, dann lohnt es sich, ein wenig verschuldet zu sein. Aus Risikoüberlegungen (i.e. es droht nach wie vor ein deflationärer Kollaps) aber nur in dem Ausmaß, wie notfalls durch kurzfristiges Verfügbarmachen anderen Vermögens (Gold, Cash) beigebracht werden kann, um den Schuldendienst auch bei Ausfall des laufenden Einkommens zu erfüllen. Dann sind sie gegen die reale Zunahme des Schuldendrucks in einer Deflation geschützt, nehmen aber gleichzeitig einen Teil des potenziellen Inflationsgewinns mit.

Eine “Netto-Kredit”-Position, die lediglich aus laufendem Einkommen gedeckt werden kann, würde ich hingegen aktuell nicht im großen Stil haben wollen. Wäre mir persönlich zu riskant.

23 Gaby März 26, 2009 um 19:47

@wgn

Moin nochmal,

sag mal, auch wenn Du die Diskussion bestimmt schon von der Überschrift her nicht mehr sehen kannst – aber letztlich ist es ja DIE Frage der Fragen, die sehr viele hier beschäftigt. Also Infla/Defla.

Ich lese aus Deiner Antwort an Pelikan raus, dass auch Du Dir noch nicht so ganz sicher bist, wie es nun weiter geht. Ich sag mal, wie sich das für so eine ausgewiesene Nicht-Fachfrau anhört – und dann frage ich Dich nach Deiner Meinung.

Also: Angefangen hat es wirklch nach dem klassischen Kettenbrief-gerissen-Schema. Die Dominosteine fielen, die Löcher (an denen die Welt Geld vermutete und nun entdeckte, da ist gar keines) wurden immer größer – Deflationsszenario.

Dann haben sich die Großen dieser Welt auf die Hubschrauber-Lösung besonnen, die Amis schneller, die Engländer dann auch, Japan wohl auch, Europa humpelt noch und hat noch Wehen, aber das wird schon noch.

Auch einen Lender-of-the-nun-aber-wirklich-very-last-resort hat man gefunden (der Globale Nunu, wie Du ihn mal genannt hast, also der IWF). Das wäre dann ja der Cocktail, den wir bräuchten, um dann doch noch eine Runde weiterspielen zu dürfen.

Nur: Irgendwie kommt es mir derzeit noch so vor, als wären die Helikopter zu spät gestartet. Sprich: Sehe ich das richtig (Achtung, jetzt kommt meine Frage!), dass wir hier quasi einen Wettlauf gegen die Zeit sehen? Überall kracht es deflationsmäßig, überall fehlt Geld (oder Kredite oder wie Ihr das auch immer nennt, Ihr Experten, Du weisst schon, wie ich das meine). Die Schleusen sind zwar geöffnet, aber derzeit brechen noch (so empfinde ich das) immer mehr Löcher auf, als Wasser nachfliesst, um sie zu fluten.

Das kann sich ja möglicherweise schon bald änder, wer weiss – wenn beispielsweise der Geithner-Plan doch funzt oder was auch immer.

Und Achtung, noch eine Frage: Woran meinst Du, könnte man es festmachen, dass die Entwicklung in die eine oder andere Richtung geht? Sind die von Dir beschriebenen geplatzten Staatsanleihen-Auktionen so ein Signal? Was für Anhaltspunkte siehst Du noch?

Ist der kommende G20-Gipfel wirklich so ein Knackpunkt, wie der GEAB das sieht?

Fragen über Fragen – jetzt bist Du dran.

Viele Grüße

Gaby

24 Zecke März 27, 2009 um 11:17

@Weissgarnix

Jaaa, wenn Du natürlich „enge Kontakte“ zu „mit der Sache vertrauten Kreisen“ hast, dann will die Zecke mal nichts gesagt haben…
…oder vielleicht doch:

Stichwort „Zinskurve“:
Entweder der Staat bestimmt die Menge der auszugebenden Staatsanleihen und muss den Zins nehmen den der Markt verlangt ODER der Staat bestimmt den Zins und muss sich mit der Menge begnügen die der Markt bereit ist abzunehmen (i.d.R ersteres).
Frage: Wie nennt sich dasjenige unkonventionelle geldpolitische Mittel mit dem Staat und Notenbank beides bestimmen können?

Stichwort „LV und Pensionsfonds“:
Denen ist tatsächlich völlig egal was mit der Währung passiert, deren Kunden müssen ja die Folgen tragen. „ÜBERLEGEN“ tun sie allerdings nicht. Die folgen einfach blind den Trends die sich herausbilden, weshalb man Fonds in volatilen Aktienmärkten auch so gut abmelken kann, setzten aber keine und gewährleisten so die „Spekulantenrente“. Wenn die jetzt tatsächlich wieder überlegen in den Aktienmarkt einzusteigen…

Mal ein paar Fakten:

In 2007 hatte GB das zweithöchste Handelsdefizit der Welt, vermutlich ist es aber 2008 hinter Spanien zurückgefallen. GB ist nach den USA der zweitgrößte Empfänger von foreign direct investments. Das GDP betrug in 2008 etwa 1,4 Billionen GBP.

Für den schnellen Blick:

http://www.economywatch.com/world_economy/united-kingdom/uk-economic-indicators.html

Detaillierte Zahlen aus dem Pink Book von 2007 (Netto in Mrd. GBP):

Handel Gütern und Waren: – 89
Handel Dienstleistungen: + 42 davon +30 aus Finanzdienstleistungen
Leistungsbilanz: -52
Zahlungsbilanz: + 42
Errors/Omissions: +10

Bemerkenswert noch, dass sich das Einkommen aus Investment gegen über den Hochs aus um 60 % reduziert hat. Und das bereits 2007. Was mit dem Exportüberschuss an Finanzdienstleistungen passieren wird kann sich jeder selber denken.

Über die vergangenen 10 Jahre haben sich in GB netto etwa 300 Mrd. GBP an Kapital bzw. Kreditforderungen akkumuliert, die von Ausländern gehalten werden.

Die Staatsschuld beträgt aktuell 50% des GDP (runde 700 Mrd. GBP) davon 35% gehalten von Ausländern.

Passend dazu vom 07.03.2009:

A silent $1 trillion “Run on Britain” by foreign investors was revealed yesterday in the latest statistical releases from the Bank of England. The external liabilities of banks operating in the UK – that is monies held in the UK on behalf of foreign investors – fell by $1 trillion (£700bn) between the spring and the end of 2008, representing a huge loss of funds and of confidence in the City of London.

Some $597.5bn was lost to the banks in the last quarter of last year alone, after a modest positive inflow in the summer, but a massive $682.5bn haemorrhaged in the second quarter of 2008 – a record. About 15 per cent of the monies held by foreigners in the UK were withdrawn over the period, leaving about $6 trillion. This is by far the largest withdrawal of foreign funds from the UK in recent decades – about 10 times what might flow out during a “normal” quarter.

The slide in sterling – it has shed a quarter of its value since mid-2007 – has been both cause and effect of the run on London, seemingly becoming a self-fulfilling phenomenon. The danger is that the heavy depreciation of the pound could become a rout if confidence completely evaporates.

Paranoia that the UK could follow Iceland into effective national insolvency and jibes about “Reykjavik on Thames” will find an unwelcome substantiation in these statistics – which also show that stricken British banks are having to repatriate similar sums back to Britain. This is scant consolation for the authorities, however, as it means the UK and sterling are, like some emerging markets and currencies, suffering from a flight of capital. By contrast some financial centres and currencies – notably the US dollar and the Swiss franc – are enjoying a boost as “safe havens” in a troubled world.

http://www.independent.co.uk/news/business/news/run-on-uk-sees-foreign-investors-pull-1-trillion-out-of-the-city-1639413.html

Aber bitte Weissgarnix, Du bist ja der „Finanzexperte“.

25 Zecke März 27, 2009 um 17:47

Die Times von heute zur geplatzten Auktion:

“The figures revealed that Britain relied heavily on foreign buyers of gilts , as well as purchases by its own banks, to absorb a surge in new issues of gilts last year to a record high of £92.2 billion, from just £34.1 billion in 2007.

Last year, foreign investors took up nearly half of new issues of UK government debt, buying a net total of £20.4 billion in gilts, as well as a further £10.9 billion in shorter-term Treasury bills.

Gilt issuance is set to climb still higher, to about £150 billion or more in the 2009-10 financial year just beginning.

“Overseas demand for gilts may now be weakening, and they were net sellers in January,” Michael Saunders, of Citigroup, noted.

He said that should this trend persist, and should pensions funds and other institutions also remain wary of the gilts market, this would leave the Treasury heavily dependent on further gilt-buying by banks, as well as on purchases by the Bank of England under its “quantitative easing” programme.

The official figures gave no explanation for the sell-off in gilts by British institutions, but Mr Saunders suggested that an explanation might lie in a drying-up of cash inflows to pension and life funds, triggered by tumbling dividend payments by UK and overseas companies hit by worsening economic conditions. Inflows of capital into pensions and life funds swung from £50.6 billion in 2007 to net outflows of £13.8 billion last year.

http://business.timesonline.co.uk/tol/business/economics/article5983316.ece

Totz der (Netto-)Mittelabflüsse bei Pensionsfonds und LV in Höhe von 14 Mrd.Gbp konnte letztes Jahr nochmal die Rekordmenge von 90 Mrd. Gbp abgesetzt werden. 20 Mrd. Gbp davon kauften ausländische Investoren und insgesamt zeichneten ausländische Investoren fast die Hälfte der neu ausgegebenen Staatsanleihen, präferierten jedoch kürzere Laufzeiten.

Seit Januar sind ausländische Investoren Nettoverkäufer und das angesichts 150 Mrd. erwarteter neuer Anteilsscheine. Also werden die BoE mit Quantitative Easing und die Banken über Bande mit Qalitative Easing einspringen müssen.

@Weissgarnix
“Meines Erachtens werden Vorfälle wie dieser die Regierungen nur umso stärker dazu bewegen, zu “unkonventionellen” Maßnahmen zu greifen”

Ja!

“Für Pessimisten könnte das der erste Schritt zum lange erwarteten Staatsanleihen-Crash sein, und damit zu signifikant höheren Kapitalmarktzinsen”

Nein!

“und vielleicht tritt ja auch Großbitannien deshalb demnächst noch der Eurozone bei, wer weiss”

Never!

Erst wollten die Briten nicht, jetzt will niemand die Briten.

@Gaby

Für UK: Asset-price deflation, consumer-price inflation.

FT vom 24.03.2009

“Fears Britain might enter a deflationary spiral receded on Tuesday after inflation rose in defiance of expectations last month.

As the sharp fall in the value of the pound fed through in the form of higher prices for shoppers, the consumer price index increased from 3 per cent in January to 3.2 per cent in the year to February,

The data appear embarrassing for the Bank. It has cut interest rates to the lowest level in its 315-year history and begun an unprecedented programme to create money and to buy assets.

But Mr King said the rise in inflation reflected retailers’ decisions to pass on the fall in sterling to consumers .”

Da UK Nettoimporteur von ist wird der Fall des Sterling auf die Konsumenten überwälzt. Und das ist erst der Anfang.

26 Christian März 27, 2009 um 18:29

Jepp und zwar für alle bekannten Dauernettoimporteure von Güter und Waren. Was zu einer satten depressiven Inflation in diese Ländern führen wird, nebenbei die effektivste Art und Weise jede Wertebasis zu zerstören. In einer Deflation lacht wenigstens bares, in einer Inflation Sachmittel. In diesem Szenario werden aber beide als Wertemaßstab angegriffen.

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