Ein weiterer Beitrag aus der beliebten Reihe ”Die mangelnde Moral ist Schuld an der Krise” kommt heute von unserem vielfliegenden Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg; allerdings nur für das anglophone Publikum, denn sein Artikel erscheint ausschließlich in der englischen FT und meiner Kenntnis nach (noch) nicht in deren deutschem Ableger. Kann aber sein, dass die FTD die Guttenbergschen Sentenzen morgen auf Deutsch bringt. Hier jedenfalls schon mal das Essentielle aus seinem Beitrag mit dem Titel “Eine neue Ära des verantwortungsvollen Kapitalismus“ in aller Kürze:
“Wir haben bereits den konzeptionellen Ansatz, um intelligente Regeln aufzustellen, an die sich alle Marktakteure halten müssen, und die Transparenz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen schaffen.”
Im Ernst? – Na, dann wäre es doch vielleicht mal eine gute Idee, diesen “konzeptionellen Ansatz” der vor Neugierde platzenden Weltöffentlichkeit vorzustellen, oder?
“Wir müssen wieder eine Kultur der Stabilität und der Verantwortlichkeit im Geschäftsleben herstellen.”
Gähn! – Kann mal bitte jemand eine andere Schallplatte auflegen? – Die hier leiert fürchterlich, es ist schon fast nicht mehr auszuhalten. Alles was es dazu sonst noch zu sagen gibt, bitte hier nachlesen: Die Elite rettet sich selbst
“Unsere Sozialsysteme müssen Marktteilnehmer vor den Konsequenzen von Marktverwerfungen schützen – aber nicht auf Kosten der Flexibilität.”
Das ist meine Übersetzung des englischen Originals “Our social systems should shield market participants from the consequences of market upheaval – but not at the expense of market flexibility.” – Bin mal gespannt, wie der Satz in einem allfälligen FTD-Artikel ins Deutsche übersetzt wird. Denn aktuell schützen unsere Sozialsysteme natürlich vor mehr, als bloßen “Marktverwerfungen”.
In meinen Augen outet sich Guttenberg mit diesem Statement als typischer Liberaler Marshallianischer Prägung, intellektuell ungefähr auf dem Stand von 1923: Arbeitslosigkeit wäre demnach entweder nur “freiwillig” oder eben durch eine “Marktverwerfung” bedingt.
Wird spannend werden, zu sehen, wie Guttenberg in der deutschen Fassung den Spagat zwischen dieser Ansicht und der jüngst so häufig und gerne beschworenen “Sozialen Marktwirtschaft” hinkriegen will. Aber andererseits: jemand, der sich nicht zu schade ist, mit dem Wortverbrechen “ultissima” durch die Talkshows zu tingeln, der sollte auch diese Aufgabe mit Bravour meistern können.
Im weiteren Verlauf seines Artikels meint Guttenberg, jeder – Politiker, Investoren, Banker und Wähler – müsse die Ursachen der Krise genauestens verstehen, um sich über kurzfristiges Krisenmanagement und langfristige strukturelle Entscheidungen ein zutreffendes Bild machen zu können. Aber natürlich ist er dabei der erste, der Sand in die Augen streut: eine Politik des leichten Geldes, fehlende Regularien, falsche Anreize im Immobilien- und Finanzsektor sowie ein Versagen der Ratingagenturen und der Banken- und Finanzmarktaufsicht wären schuld. Und dann gäbe es da noch einige Stimmen, die sagen würden, die “atemlose Jagd nach Gewinnen” wäre schuld, die “Euphorie in einer neuen, risikolosen Welt”.
Ach, gibt es solche Stimmen tatsächlich, ja?
Und deshalb ist es wichtig, schreibt Karl-Theodor, dass man klare und strenge Regeln aufstellt, die eine Neuauflage der Krise angesichts dieser “inhärenten menschlichen Neigungen” verhindern.
Und ich muß zugeben: darin gebe ich ihm zu 100% recht; auch wenn ich genau weiß, dass der Herr Wirtschaftsminister der CSU darunter was völlig anderes versteht als meinereins. Und nur ein paar Sätze weiter, bemüht er sich denn auch, diese Einschätzung zu bestätigen:
“Es ist jetzt umso wichtiger, die richtige Balance zwischen An-die-Regeln-halten und nötiger Flexibilität zu finden.”
Warum nur, warum, steigen bei diesem Satz düstere Ahnungen in mir auf? – Was meint er wohl mit Flexibilität in diesem Zusammenhang?
Jedoch, kurz danach gleich noch ein Satz, wo ich ihm erneut 100%ig zustimme:
“Boom-und-Bust-Zyklen sind inhärenter Bestandteil der Marktwirtschaft und können nicht ganz vermieden werden.”
Das klingt ja schon fast keynesianisch! – Frage an den Herrn Wirtschaftsminister: wenn dem seiner Meinung nach so ist, was macht ihn dann nach wie vor so sicher, dass sein liberales Weltbild das richtige ist? In der liberalistischen Sicht der Marktwirtschaft gibt es keine Boom-Bust-Sequenzen, wie denn auch, wenn der Markt immer alles so phantastisch regelt?
Der Rest des Artikels ist das übliche “Wir brauchen neue Regeln”-Credo, dass wir schon von Merkel und Köhler ad nauseam vernommen haben.
Hier sei nur sein aufmunternder Schlußsatz nochmals wiedergegeben:
“Eine schlüssige Erklärung der Wirtschaftspolitik, überzeugende Langfrist-Lösungen und gleiche wirtschaftliche Chancen für die Bürger sind Voraussetzung für eine gute Zukunft der Marktwirtschaft sowohl in der kontinentaleuropäischen wie auch der angelsächsischen Variante.”
Worauf ich geneigt bin zu rufen: “Na, dann fangt doch endlich mal damit an!”




















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http://www.youtube.com/watch?v=GHWvMhct0Ts
der war echt gut
Naja, wenigstens hat er sich mal nicht auf Ludwig Erhard berufen – reicht ja dass unsere Kanzlern damit die Weltpolitik zukleistert.
Bis repetita non placent!
Irgendwie ist zu Guttenberg und Konsorten nichts weiteres mehr zu sagen. Außer vielleicht: “Oh Gott, schon wieder Wahlen… .”
SMG
xxHyFoxx
http://www.youtube.com/watch?v=jdSIZbih77w
… es wird wieder fuerchterlich werden. Zu Wahlzeiten muessen Demokraten noch mehr reden als sonst schon. Sie reden und reden und reden… und zu normalen Zeiten kann man ihnen dadurch entkommen in dem man keine Zeitung mehr liest, den Fernseher entsorgt und das Radio totschlaegt. Doch zu Wahlzeiten wird das ganze Elend noch schlimmer.
Die Politiker sprechen einen beim einkaufen an und wollen verkaufen, dich fuer dumm verkaufen. Sie lauern an Infostaenden und in Bueschen auf einen um mit einem zu reden. Also eigentlich halten sie nur einen Monolog und wenn man weg laeuft folgen sie einem. Sie haengen sich an Straßenlaternen auf, grinsen einen frech an und wollen dein Vertrauen. Sie kleben Aufkleber und werden ihren Schmutz, genannt Wahlflyer in deinen Briefkasten. Muell kommt in die Muelltonne, doch die Poltiker werfen einem ihren Muell in den Briefkasten.
Sie schalten ihre Laberspots in Kinos, auf Veranstaltungen und dann ist da noch ihre fuenfte Kolonne, die einen ueber die vor moralschmalz triefende Aussage: “Wer nicht waehlt waehlt rechts.” zur Wahlurne treiben wollen.
Leute ihr wollt dreieinhalb Jahre von mir nur das ich brav folge und euch durchregieren lasse. Macht doch euren Wahlkrampf bitte ohne mich. Geht zu euren Parteitagen und suelzt die Leute da zu, die wollen das, die kommen deswegen dahin. Aber lasst doch bitte den unbescholtenen Menschen in Ruhe.
Geht, geht mit Gott, aber geht!
So im Vorlauf für den großen Gipfel scheint Propaganda-Großkampftag zu sein. Auch Alistair Darlingbeglückt uns mit einem Wort zur Krise, diesmal im Handelsblatt: http://www.handelsblatt.com/politik/gastbeitraege/der-ausweg-aus-der-finanzkrise;2214699
Zur Psychologie politischer (Selbst)Vermarktung habe ich gerade einige Ausführungen unter HAM # 46 „Superhorst unsanft gelandet“
http://www.weissgarnix.de/?p=1864
gemacht.
Noch jemand mit iPhone hier? Etwas zur besseren Darstellung des Blogs auf dem iPhone wäre traumhaft…
Ansonsten: Weiter so! Klasse Blog!
@guttenberg
…denn das was sie mit allen mitteln verhindern wollen, werden sie bekommen in einem masse das von tag zu tag wächst…
Nein – dies ist nicht meine Sicht der Dinge. Es ist jedoch bezüglich der Ursachen der Krise (Schulden) zumindest ein Hinweis.
Gruß, sfm
Der Ausweg
von Alistair Darling
Wir befinden uns zurzeit in der schwierigsten Generation. Die internationale Gemeinschaft muss den Abschwung auf eine nachhaltige Zukunft nehmen. Internationale Zusammenarbeit bei der Sanierung und bei der Regulierung der Schlüssel ankurbeln und Banken wieder bekräftigen.
Nur durch Zusammenarbeit können wir bereit sein diese eine grünere, gerechtere und wohlhabendere Zusammenarbeit bei allem, was wir zur Stützung in Europa arbeiten zusammen an fiskalischen Stimuli, Kreditgarantiesystemen und der Rekapitalisierung kooperieren.
Daher ist der auch so wichtig.
Wir müssen auch die Finanzregulierung, wo es nötig ist trockenlegen. Wir müssen Risiken und Aufsichtskollegien besser managen. Banken sollen in guten Jahren sich übernehmen, damit sie, wenn es zu einem Abschwung kommt, die Kreditvergabe fortsetzen.
Wir müssen unser Engagement bekräftigen. Eine Öffnung von Millionen von Menschen brauchen wir nicht zulasten der Beschäftigung oder des Wachstums sanieren.
Alistair Darling ist Finanzminister Großbritanniens.
Karl-Theodor ist natürlich -wie allen anderen Politiker auch – dem System verpflichtet.Er kann also gar nichts anderes von sich geben,sonst ist er weg vom Fenster.
Diese sogenannte Krise war natürlich weder nicht vorauszusehen noch ungeplant.Die Krise ist Teil des Vorgangs bei dem weltweit viele Billionen Dollar Steuergelder abgeschöpft und in dunkle Kanäle geleitet werden.Ich nenne es den großen Zampano ,nennt es wie Ihr wollt von mir aus auch das dunkle Imperium.Fakt ist jedoch das Geld wird abgeschöpft es löst sich nicht in Luft auf.
Die Subprimekrise ist dabei nur ein Ablenkungsmanöver.Das wäre auch im ungüstigen Fall max. 1,5 Billionen.Tatsächlich sicher sehr viel weniger ,wenn man die Schuldner selbst gestützt hätte.
Die Subprime wurde aber als vorgeschobener Sündenbock gebraucht,um dahinter 20 oder mehr Billionen einzusacken.
Diese 20 Billionen müssen nun von der Bevölkerung aufgebracht werden.Das wird sicher zu einem erheblichen Teil über eine fette Inflation neben gewaltigen Steuererhöhungen erreicht werden,bei der auch z.B. die Ersparnisse ,Rücklagen für das Alter etc. der arbeitenden Bevölkerung entwertet werden.
Das hat sicher unser Bundeshorst mit dem Satz gemeint ,daß wir A L L E über unsere Verhältnisse gelebt haben.Wir haben nämlich Altpapier für unsere Alterssicherung angesammelt und erwarten ,daß dieses einen realen Wert hätte.
Kalle hat nichts zu sagen – aber das macht er doch gut! Also keine Kritik mehr, biddä!
@Nanuk
Da hat sich hier im blog doch letztens einer über Deine Videos beschwert?
Mach weiter so – denn die Themen hier sind leider zu ernst, um nicht etwas Humor zu benötigen!
http://www.youtube.com/watch?v=djvsj1mPjD0&feature=PlayList&p=7FF749F2BA492611&index=0&playnext=1
Eben. Was soll die Kritik? Der Mann ist doch kein Oekonom. Ich verstehe nicht, wie man Guttenberg, der mal eben aus der Provinz auf die Weltbuehne gezogen wurde, nun erwarten kann, dass er dolle Loesungen anbietet.
“Der Mann ist doch kein Oekonom. Ich verstehe nicht, wie man Guttenberg, der mal eben aus der Provinz auf die Weltbuehne gezogen wurde, nun erwarten kann, dass er dolle Loesungen anbietet.”
Und wenn er Ökonom wäre, hätte er vermutlich auch keine. Oder sind irgendwelche deutschen Ökonomen bisher mit dollen Lösungen aufgefallen…?
Nun ja, wenn ich bedenke, was die “Chefvolkswirte” der größten Banken an Analysen und Prognosen abgeliefert haben …
@#12
“Die Krise ist Teil des Vorgangs bei dem weltweit viele Billionen Dollar Steuergelder abgeschöpft und in dunkle Kanäle geleitet werden.Ich nenne es den großen Zampano ,nennt es wie Ihr wollt von mir aus auch das dunkle Imperium.Fakt ist jedoch das Geld wird abgeschöpft es löst sich nicht in Luft auf.”
Zampano = Zentralbank
Das ganze Geld was Heli-Ben jetzt nachdrucken muss ist schlicht vom System gefressen worden, wo sollen denn sonst derartige Summen (20 Bio) “verschwinden”.
Dafür gibt es noch zu wenige Multi-Milliadäre.
@ich #15
” Der Mann ist doch kein Oekonom.”
Gerade das hätte ja zu Hoffnungen Anlass gegeben.
Und ich meine das jetzt nicht im Sinne des üblichen Ökonomen -bashings. Der Mann ist Politiker und soll politisch handeln, das ist seine Aufgabe.
Es laufen so viele kluge Ökonomen rum , die sich alle nicht einig sind, und man hat nicht den Eindruck , daß ihr Ökonomenwissen ausreicht , um einen Königsweg aus der Krise zu weisen. Also was sollte es bringen wenn da der Wirtschaftsminister auch noch ein Ökonom wäre?
Dann hätte er eine vorgefasste Meinung, und würde beratungsrestistent mögliche Optionen garnicht ins Auge fassen.
Dies war übrigens der Grund, warum es im britischen Empire lange Zeit verpönt war , daß ein Minister “vom Fach” war. Dabei handelt es sich nämlich um einen Politiker , und der soll politisch denken und entscheiden, und nicht ökonomisch, juristisch oder polizeilich! Für die Sachfragen gibts dann Experten, am besten einige mit verschiedenen Ansichten.
Guttenberg will aber offensichtlich als Ökonom ernstgenommen werden und nicht als Politiker, und sein Gerede erinnert an belangloses Kolumnistengewäsch von Wirtschaftsjournalisten, wie man sie z.B. in der anbiederischen Kapitalistenversteher-Redaktion der SZ findet.
@ Frankie Bernankie #15
Wie soll man eine Frage „politisch“ entscheiden, wenn man sich auf fachlicher Ebene noch gar nicht über die Kausalzusammenhänge einig ist?
@HAM #15
” Wie soll man eine Frage „politisch“ entscheiden, wenn man sich auf fachlicher Ebene noch gar nicht über die Kausalzusammenhänge einig ist?”
Warum fragst Du mich das ? Bin ich Politiker ? Hab ich mir das Minister-Sein ausgesucht? Nein.
Aber der Guttenberg schon. Dann soll er auch entscheiden , wenns Entscheidungsbedarf gibt. Aber er sollte halt in erster Linie politisch dabei denken, das ist meine Meinung.
Dass das nicht leicht ist , weiss ich auch, aber leicht ist schwer was.
Entscheiden unter sicheren Bedingungen kann jeder.
Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass das, was der von und zu von sich gibt, auf seinem eigenen Misthaufen gewachsen ist? Jeder Minister hat sein Ministerium und seine Redenschreiber. Das ist ja auch der Grund, warum es egal ist, wer auf dem Ministerposten sitzt…
Muss man nicht zwischen Politiker und Politiker-Darsteller unterscheiden?
Ich habe den Eindruck, die meisten der sog. Politiker sind doch nur noch Politiker-Darsteller, und zwar oben wie unten.
Insofern wäre es nur konsequent, auch hier Leute wie Reagan oder Schwarzenegger auf die Ämter zu setzen.
Das wäre auf jeden Fall ein ästhetischer Gewinn.