Im Äther über Mitteldeutschland

von weissgarnix am 19. März 2009

Hierunter der Mitschnitt (6min) eines kurzen Gesprächs, das ich heute morgen mit der Nachrichtenredaktion von MDR-Figaro führte. Themen: Europa und die neue Billionen-Aktion der FED.

MDR-Figaro 19.03.2009

{ 12 Kommentare… Lesen Sie sie nachfolgend oder schreiben Sie einen }

1 ajku März 19, 2009 um 22:13

Vergesst die Initiale!

2 Louis März 20, 2009 um 00:02
3 staph.aureus März 20, 2009 um 00:27

nicht ganz taufrische Meldung des Oberkommandos der deutschen Wirtschaft:

“Allgemein:
Der Tag bedeutet einen großen Krisentag, kann im gesamt aber doch als Abwehrerfolg angesprochen werden. Das Entscheidende ist, daß sowohl die Briten als auch die Amerikaner die operativen Reserven eingesetzt oder bereits hinter die Front geführt haben.”

Durchhalten !
MDR aktuell: DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben appellierte an die Unternehmen: “Tut, was möglich ist”.

4 holgi März 20, 2009 um 02:19

Ich will auch nochmal! :D

5 Nanuk März 20, 2009 um 09:31

http://www.youtube.com/watch?v=x4SLfQIi7ZE

http://tinyurl.com/c23g5k

und jetzt wgnx???

Glaub nicht das das so schnell vorbei geht…

6 weissgarnix März 20, 2009 um 09:50

Kauft Euch Bücher über die 20er und 30er-Jahre: dort steht alles drinnen; man muß es nur lesen.

7 Ian März 20, 2009 um 10:50

Hallo,

welche Bücher wären denn da zu empfehlen?

Gruß

Ian

8 weissgarnix März 20, 2009 um 11:05

“The Coming of the New Deal” zum Beispiel, von Arthur M. Schlesinger. Oder Amity Shlaes “Forgotten Man” (Rezension im Blog unter “Quergelesen”). Oder die “Morgenthau Diaries”, die Tagebücher von Henry Morgenthau II, FDRs Finanzminister. Oder James P. Warburgs “The Money Muddle” aus 1934.

So unglaublich das klingen mag, aber: alles schon mal dagewesen!

9 Degnaphta März 20, 2009 um 12:44

Ist ja mal was Lustiges, sich einen Blog erzählen zu lassen :-)
Einige der von Dir, geschätzter Blogger, Stellungnahmen offenbaren eine für mich interessante Sicht Europas. Es wird von “Erreichtem” geredet, das nicht verloren gehen sollte. Doch ich frage mich, seit ich die Gefahren durch den Lissabon-Vetrag als solcher erkannt und verstanden habe, was ist denn dieses angeblich so erhaltenswerte “Erreichte”?
Der Euro? Dr Jahnke (www.jjahnke.net) kritisiert diesen überzeugend, da mir die Wechselkurse als Federkissen zwischen den Potentialunterschieden der Volkswirtschaften angemessen vorkommen.
Die aus Wechselkursschwankungen resulierenden Risiken, die dem grenzüberschreitenden Handel eine Kugel am Bein gewesen sein sollen, sind jetzt im Euro-Meer auf Alle verteilt, was gepaart mit der umfassenden von-unten-nach-oben-Verteilung die Hauptlast bei allen kleinen Leuten ablädt.
Zusätzlich fußten sicherlich viele Kursschwankungen auf Zockerei am Währungsmarkt. Diese Art des Zockens ist nun nicht mehr möglich, was möglicherweise ein Stückchen des “Erreichten” sein kann.
Doch ist dieses Stückchen wirklich ein echter Fortschritt für die Massen?
Das Schengen-Abkommen ist ja auch ganz nett, keine Frage. Für die Sicherheit der Nato-Jubelanten kann es blitzschnell ausgesetzt werden. Siehst du, geht doch.
Viel spannender wären doch Grenzen für das Geld. Dank moderner EDV-Anlagen wäre das auch recht leicht umzusetzen. Die Herkunft jedes Cent in den Abrechnungen einer Bank ist ja nachprüfbar. Hier jetzt virtuelle Zollhäuschen zu installieren, wäre technisch kein Problem.

Auch deine Einschätzung von Kohl läßt mich den Kopf schütteln. Ich sehe nichts, wofür das deutsche Volk ihm dankbar sein müßte. Die Privatisierungswelle geht auf seine Kappe. Die ganze DDR-Geschichte hat so vergeigt, wie es nur möglich war. Und das Händchenhalten mit seinem französischen Amtskollegen hat uns außer ein bischen Emotionen wegen medial mitgelebter Männerfreundschaft auch nix weiter gebracht, was man als echten Knüller hinstellen könnte.
Daß so eine staatsmännische Oberpfeife wie Kohl jetzt rückblickend als politische persönlichkeit, ja als Vorbild, herangezogen wird, verursacht mir ungläubiges Staunen.

10 weissgarnix März 20, 2009 um 13:04

@Degnaphta

Ich kann dir das in Ultrakürze beantworten: jedwede nationale Wirtschaftspolitik geht auf Kosten irgendeines anderen Landes. Ricardo lag falsch, Hilferding/Lenin/Luxemburg lagen richtig.

Wenn dem aber so ist, dann kann ich nationale Politik hinsichtlich ihrer Folgen nur international auflösen, ODER – wie früher – in Konfrontationen lösen, in letzter Instanz militärischen Konfrontationen.

Das ist meine super-einfache Sicht der Dinge, aus der sich alles andere ergibt.

Zu Kohl hatte ich mal eine ganz ähnliche Einschätzung wie du, habe die aber in den letzten Jahren geändert: hinsichtlich der Deutschen Einheit zählt in meinen Augen bder Instinkt für das Machbare mehr als alles andere – nota bene: aus der ex ante Perspektive. Im Nachhinein schlau sein ist keine große Leistung. Historische Entwicklungen gab’s nie schmerzfrei und zum Nulltarif, und schon gar nicht über Nacht: dass Kohl und Co- obwohl sie es besser wissen mußten – in der Euphorie der damaligen Tage auch ziemlich viel optimistischen Nonsense verkündet und im Detail einiges verbockt haben (die ganze Treuhandgeschichte zB) ist richtig, aber nach meiner aktuellen Einschätzung ein lässlicher Fehler.

11 mylli März 20, 2009 um 13:09

@ weissgarnix #10

Wirtschafts/Steuerpolitk als Tragik der Allmende?

Brauchen wir einen Weltstaat, oder wenigstens ein einheitliches Weltfinanz/Weltsozialsystem?

Dann können wir ja gleich ein weltweites bedingungsloses Grundeinkommen (in Form von unveräußerlichen Weltaktien) einführen.

12 Degnaphta März 20, 2009 um 15:26

@ wgn

Ich kann dir das in Ultrakürze beantworten: jedwede nationale Wirtschaftspolitik geht auf Kosten irgendeines anderen Landes. Ricardo lag falsch, Hilferding/Lenin/Luxemburg lagen richtig.

Das muß ich wohl einfach mal so hinnehmen.
Was Ricardo & Co meinen oder eben auch nicht, enzieht sich meiner Kenntnis. Bin diesbezüglich nicht sonderlich bibelfest.
Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, daß es nicht auch eine internationale Interaktion ohne einen Verlierer geben kann. Der Mensch kann doch unmöglich als kannibalistisches Modell designed sein?

…aus der ex ante Perspektive. Im Nachhinein schlau sein ist keine große Leistung.

Potzdonner! Da trifft mich die doppelte Schmähung. Wurde ich im Zeitraum des Geschehens bereits als nörglerischer Besserwisser oder auch ahnungsloser Nixversteher abgeschmettert in meiner Kritik an der Vorgehensweise, bin ich jetzt der Depp, weil “nachher ist ja jeder schlauer” … klar, bin ich jetzt noch schlauer, immerhin habe ich aus dem Verlauf des Desasters ja eine fette Bestätigung der Korrektheit meiner Einschätzung erfahren. Das macht natürlich schlau. Und von meiner Sorte gibt es einen Haufen mehr. Unkenrufe inklusive detailierter Beschreibung der negativen Folgen gab es von Anbeginn der Ära Kohl. Schnapp dir mal ein paar alte Titanics aus den 80ern (“Das Boot ist voll!”), wo du jedenfalls humoristisch abgefedert den Beginn des Sozialabbaus nachvollziehen kannst.
Bei jeder Änderung internationaler Finanzmarktregeln gab es mehrere genaue Beschreibungen, was die neuen Geldströme ungünstigenfalls anzurichten in der Lage sind.
Und speziell die deutsche Einheit ist von scheinbar absichtlichen Destruktionselementen durchzogen. Das sollte wohl so in die Hose gehen. Anders kann ich mir eine gegen jede Vernunft ausgerichtete umfassende Vorgehensweise nicht erklären.
Allerdings tragen die Medien als FUD-Schleudern einen sehr großen Anteil am damaligen Geschehen. Gerade die Desinformation hat erstaunliche Blüten getrieben.

Da die Erfahrungen der letzten Dekaden deutlich Belegen, daß die große internationale Zusammenarbeit an keiner Stelle richtig funktioniert, sollte doch die Lösung erstmal in überschaubareren Organisationseinheiten angegangen und/oder vorbereitet werden.
Alles, was die Globalisierung bisher an Ergebnissen abgeliefert hat, sind bestimmte Nachteile wie Produktionsmnomadentum und marodierende Investoren. Die Versorgungslage aller Beteiligter hat sich eher verschlechtert als verbessert. Die Kriege sind eher mehr denn weniger geworden. Umweltprobleme bleiben weiterhin nicht finanzierbar. Wer überhaupt ‘die Guten’ und ‘die Bösen’ sind, wird immer verschwommener.
Also ich sehe da nur negative Bilanzergebnisse mit keinerlei “erhaltenswertem Erreichten”.
Und der ganze Schrunz ist mit Schmackes gegen die Wand gefahren worden. OK, also neu, aber von vorne.
Wenn nun die EZB auch ne Billion aus der Druckerpresse lutschte, ohne daß sich etliche Regeln ändern oder ganz abgeschafft werden, da wird diese Knete absehbarerweise wieder nur im Blasenbereich des menschlichen Wirtschaftens herumschwappen. Ein wenig mag dabei in realwirtschaftliche Bereiche tröpfeln, aber doch keineswegs so, daß dort wirkliche Befruchtung zu spüren ist. Dazu sind die Renditedimensionen schlichtweg zu gering.
Das mit dem ewigen Gürtel enger Schnallen stößt auch an natürliche Grenzen – wen wunderts, ist doch bereits 1962 der Erhardsche Lösungsansatz für die damalige gefühlte Krise das Maßhalten und zurückhaltende Lohnabschlüsse gewesen (gestern im TV gesehen)
Also weder der Askesewettbewerb (natürlich performed by excluded persons) noch das virtuelle um den Globus jagende Füllhorn stehen als Option zur Verfügung. Neue Optionen müssen her.

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