Eine ziemlich bissige Tirade, die Crash-Kassandra Nouriel Roubini da einem Journalisten gegenüber vom Stapel läßt, der doch eigentlich nur wissen wollte, ob Roubini den Fall Madoff als charakteristisch für die aktuelle Epoche ansieht; ähnlich charakteristisch, wie Bernie Ebbers von Worldcom oder Enron für den fall-out des New Economy-Debakels. – Aber ein Roubini zahlt nicht mit Kleingeld, sondern liefert stattdessen einen kompletten Kassensturz des American Dreams (via FT Alphaville):
“Die Amerikaner lebten schon seit Jahrzehnten in einer Madoff- und Ponzi-Bubble-Wirtschaft, womöglich sogar noch länger. Madoff ist ein Spiegelbild der US Wirtschaft und ihrer überschuldeten Akteure: ein Kartenhaus, in welchem Schulden auf Schulden aufgetürmt waren, bei den Privathaushalten, den Finanzfirmen und den Unternehmen, fällt jetzt in sich zusammen. [...]
Eine Regierung, die Billionen von Dollars an Neuschulden begibt, um die aktuelle Krise zu bekämpfen und private Verluste zu sozialisieren, riskiert, eine Ponzi-Regierung zu werden, wenn sie nicht mittelfristig zu Haushaltsdisziplin und nachhaltiger Schuldenpolitik zurückkehrt.
Ein Land, das seit über 25 Jahren mehr ausgibt, als es einnimmt, somit eine endlose Reihe von Haushaltsdefiziten produziert und zum größten Nettoschuldner des Planeten geworden ist (mit Nettoauslandsschulden von über 3 Billionen Dollar bis Ende des Jahres), ist darüberhinaus eine Ponzi-Nation, die schlußendlich vielleicht sogar pleite gehen wird; wenn sie nicht – langsam aber sicher – mal anfängt, den Gürtel enger zu schnallen und nur kleine Leistungsbilanzdefizite oder gar -überschüsse zu produzieren. [...]
Madoff mag nun für den Rest seines Lebens ins Gefängnis gehen. Aber hinsichtlich der US Haushalte, wie auch der finanziellen und nicht-finanziellen Unternehmen, und der US Regierung sowieso, wird womöglich die ganze nächste Generation im Schuldenturm verbringen, dabei gezwungen, die Gürtel enger zu schnallen, um die Verluste zu kompensieren, die über ein Jahrzehnt der rücksichtslosen Kreditexzesse, des Überkonsums und der Leichtsinnigkeit hinterlassen haben.
Amerikaner, schauen wir gemeinsam in den Spiegel: wir alle sind Madoff und Ponzi!”















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Auch du, Vater im Geiste, bist Ponzi.
Die Zeitmaschine rattert wieder:
2009 haben die USA sehr hohe Schulden zum Ausland.
1923 hatte Deutschland sehr hohe Schulden zum Ausland.
Der Unterschied: Deutschland war in Fremdwährung verschuldet, die USA aber in eigener Währung.
Hjalmar Schacht´s zutreffendes Argument: nur mit Aussenhandelsüberschuß kann Deutschland die Schulden zahlen. Das würde dazu führen, daß deutsche Produkte im Ausland die dort produzierten Produkte verdrängen müssen und so die Wirtschaft dort schwächen werden. Schuldentilgung im Ausland würde dort nicht zu mehr Wohlstand führen, sondern zum Gegenteil. Der Fortgang der Geschichte ist bekannt.
Und wie sollen die USA ihre Schulden zahlen:
a) mit Umschuldung in neue Schulden: Entwertung des Dollar !
b) mit Aussenhandelsüberschuss ? Dann erhält der Schuldner statt einem papiernen Schuldbrief eine papierne Dollarnote. Wenn er diese in eigene Währung tauschen will: Entwertung des Dollar !
Das Ende eines Kettenbriefes findet sich beim Friseur.
c) noch in der frühen Neuzeit zahlten Fürsten ihre Schulden, indem sie ganze Dörfer verkauften. Ob China Hawaii will ?
Was ist ÜBER-Schuldung?
Wird es aus dem Verhältnis von Buchgeld zu Zentralbankgeld definiert?
> womöglich die ganze nächste Generation im Schuldenturm verbringen
Wer soll die nächste Generation da einsperren, wenn doch die gesamte Generation schon drin sitzt? Sind die Hochhäuser der Banken die Schuldentürme oder ist die freie westliche Welt der Schuldentrum?
Zugegeben die Amerikaner haben beim Ausland viele Schulden gemacht, aber wir Europäer haben auch das ominöse Überschuldungsproblem und Deutschland im Speziellen hat einen Exportüberschuss.
@Goldenes Kalb
Jetzt lass dem Roubini doch auch mal ein paar Metaphern und Analogien… muß man ja nicht alles gleich auf die Goldwaage legen, wenn sich einer da seinen Frust vom Leib schreibt.
“Überschuldung” bezieht er aber ziemlich sicher auf die Schulden als % des BIP.
Da stellt sich mir ein Problem. Vielleicht können mir die Fachleute helfen.
Gregory Mankiw hat im Mai 2006 einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er von Ökonomie-Praktikern und Ökonomie-Theoretikern spricht und davon, dass sich die Praktiker schon seit 20 oder 30 Jahren nicht mehr darum scheren, was die Theoretiker ihres Faches so an Feinheiten in ihren Modellen und Theorien entwickelt haben und ob man damit etwas nafangen könnte.
Nun haben wir ein fabelhaftes Debakel und kennen doch die Ursache nicht. Liegt es nun daran, dass die Praktiker sich von der Theorie abgewandt haben? Oder soll man sagen, schon auf dem Stand von vor 30 Jahren hatte die Ökonomik nichts zu sagen, womit man in der Wirtschaftspolitik etwas hätte anfangen können? Das würde bedeuten, dass die “Fortentwicklung” der dismal science in den vergangenen 30 Jahren völlig und restlos für die Katz war, frei nach Mark Twain “Als wir das Ziel und die Richtung aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Geschwindigkeit”.
Unsere Regierung hat einen Lenkungsrat bestellt, der aus lauter Ökonomen von der Sorte besteht, die gerade ein sensationelles Desaster wissenschftlich begleitet und gefördert haben?
Huuuuuuh – mich gruselt´s.
Schön in diesen Kontext passt m.E. diese Rede von 2001 … .
Wirtschaftslage in den USA
Dr. Kurt Richebächer, früher Chefökonom der Dresdner Bank, hielt die folgende Rede auf einem Seminar der EIR-Nachrichtenagentur am 5. November 2001 in Berlin. Wir haben den Text hier etwas gekürzt. Die ganze Rede wird in einem EIRNA-Bericht zusammen mit den anderen Beiträgen veröffentlicht werden.
Wahn und Wirklichkeit
Die tatsächliche Lage der amerikanischen Wirtschaft
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
– à propos Generationen. Ich bin groß geworden in einer Zeit, als die Volkswirte die Aufgabe hatten, nachzudenken. Sie müssen bedenken: Die alte Generation hatte wenig Statistik zur Verfügung, und schon das zwang zum Denken. Aber besonders unter amerikanischem Einfluß hat die Statistik so sehr um sich gegriffen, ist so überwältigend geworden, daß das Denken vollkommen aufgehört hat. Das intellektuelle Niveau in der ökonomischen Diskussion ist heute für mich das niedrigste seit 200 Jahren (vor etwas über 200 Jahren erschien Adam Smith mit seinem Wealth of Nations). Die Amerikaner haben schon in den 20er Jahren die Theorie aufgegeben. Es gibt nicht einen großen amerikanischen Nationalökonomen; es gibt jede Menge Nationalökonomen aus England, aus Schweden, aus Österreich — aber nicht einen aus Amerika. Nun zur Sache.
Nach herrschender Meinung hat die amerikanische Wirtschaft in den vergangenen Jahren eine große Renaissance erlebt, die Wunder der Produktivität und der Gewinne vollbracht hat. Ich habe die Sache immer im Auge behalten, und ich habe festgestellt, daß die Wunder im Grunde nur in der Statistik, aber überhaupt nicht in der Wirtschaft stattgefunden haben.
Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Die Gewinnentwicklung der letzten Jahre ist die mieseste der gesamten Nachkriegszeit. Jetzt werden Sie fragen: “Wie ist denn das möglich?” Das kann ich Ihnen sehr einfach sagen: Es gibt in dieser Sache zwei Zahlenreihen — “Reihe” ist schon übertrieben: es gibt eine Reihe, und das andere ist Stückwerk. Also: Das worauf jeder schaut, was Schlagzeilen macht, das sind die Berichte der Unternehmen. Und diese Berichte sind in einem Maße frisiert, daß sie keinerlei Beziehung zur Realität haben. Die Amerikaner sind heute an dem Punkte, wo die Unternehmen sogenannte Pro-forma-Gewinne mitteilen. Pro-forma-Gewinne sind errechnete Gewinne, bei denen jede beliebige Kostenart weggelassen wird, vor allen Dingen Zinskosten und Abschreibungen, die ausgegliedert werden nach dem Motto, diese Kosten spiegelten nicht die organische Entwicklung wider. Vodafone machte neulich Schlagzeilen: “Gewinnanstieg 40%.” Das war aber nur der “EBITDA-Gewinn”, das heißt Einnahmen ohne Zinsen, ohne Steuern, ohne Abschreibungen, ohne Amortisation. Außerdem müssen Sie eines bedenken: Warum führen die amerikanischen Unternehmen alle diese Akquisitionen und Mergers durch? Das Ziel besteht darin, Gewinne zu kaufen. Die wollen keine Synergien. Die wollen Gewinne kaufen, und diese werden dann dem eigenen Gewinn zugeschlagen. Das macht man zehn Mal im Jahr. Dann wird das extrapoliert, und Sie erhalten die wunderschönsten Gewinnkurven und bewundern die ungeheure Rentabilität der amerikanischen Wirtschaft. Mich stört, daß nicht ein Mensch aufsteht und sagt: “Das ist doch alles Quatsch.”
Denn es gibt eine andere Zahlenreihe. Und das ist die Zahlenreihe, an die ich mich als Volkswirt halte. Das ist die Zahlenreihe der amtlichen Statistik, der amtlichen Sozialprodukt- und Einkommensstatistik. Die kommt jeden Monat heraus und ist sehr ausführlich. Da können Sie, aufgeteilt nach 20 Branchen, in Details die Zahlen haben — und dies sind die Zahlen, nach denen ich mich richte. Tatsache ist folgende: Die amerikanischen Gewinne sind scharf angestiegen von 1990, der Rezession, bis 1994. Mehr als 50% dieses Gewinnanstiegs von insgesamt 66% kam von Zinssenkungen. Der Rest kam von fallenden Abschreibungen, die ihren Grund darin hatten, daß die amerikanische Wirtschaft Ende der 80er Jahre aufgehört hatte zu investieren. Und das übersetzte sich jetzt in sinkende Abschreibungen, sinkende Zinsen und explodierende Gewinne. Aber der Gewinnanstieg hörte bereits im Jahre 1994 auf. In den nächsten fünf Jahren bis 2000 stiegen die Gewinne nur noch um 22%. Wie gesagt, das sind die amtlichen Gewinnzahlen. Und danach hatten die Amerikaner in den vergangenen fünf, sechs Jahren für eine “Hochkonjunktur” die mieseste Gewinnentwicklung aller Zeiten. In den Jahren 1998/99 gab es eine leichte Besserung. Aber seit dem 3. Quartal vergangenen Jahres erleben wir den steilsten Gewinnsturz aller Zeiten — im übrigen auch bei den Gewinnen, welche die Unternehmen berichten. Denn diese Unternehmen haben in der Vergangenheit, aus ihren Akquisitionen, gewaltige Aktivposten in Form von “Goodwill” gebildet. Sie haben ja alle anderen Fabriken aufgekauft zu Überpreisen. Die mußten sie irgendwie in der Bilanz unterbringen, und das geschah, indem man sie auf die Aktivseite als einen immer größeren Posten “Goodwill” einsetzte. Und da nun die Gewinne einfach verschwinden, muß man den “Goodwill” abschreiben. Sie wissen, Nortel hat 49 Mrd. “Goodwill” abgeschrieben und andere Unternehmen 10 Mrd. Es sind unglaubliche Zahlen, sofern sie sich um die Wahrheit bemühen. Aber es gibt kaum jemanden, der sich um die Wahrheit bemüht.
Was ist mit dem Produktivitätswunder? Produktivitätswunder und Gewinnwunder sind ja in unseren Vorstellungen eng miteinander verkoppelt. Das eine Wunder fand so wenig statt wie das andere. Mir fiel als erstes auf: Es waren ja immer die Zahlen über den gewaltigen Investitionsboom. In den letzten Jahren lag die Investitionsquote der Amerikaner bei 35% der Wachstumsrate. Auf der anderen Seite gab es Null Ersparnisbildung, zusammenbrechende Ersparnisbildung. Für mich ist es logisch ein Unding, daß man zugleich einen Investitionsboom und zusammenbrechende Ersparnisse haben kann. Das ist nicht möglich, denn ich kann nur investieren, wenn ein anderer spart und mir dadurch die Ressourcen freigibt für meine Investition. Das war also von vorneherein ein totaler Unfug. Aber niemand nahm Anstoß daran, denn, wie gesagt, theoretisches Denken ist völlig abhanden gekommen. Als nächstes fielen mir die Computerinvestitionen auf. Es wird dauernd gesagt, gewaltige Computerinvestitionen bringen Produktivität. Ja, das tun sie auch. Aber wie? Ich verglich nominale Ausgaben für Computer und reale Ausgaben in den beiden Sozialproduktrechnungen. In der nominalen Statistik haben die Investitionsausgaben der amerikanischen Unternehmen für Computer in der Zeit von 1997 bis 2000 34 Mrd. Dollar betragen. Das ist gar nichts für eine Volkswirtschaft von 10000 Milliarden Dollar BIP. Aber in der Realrechnung des Sozialprodukts stehen keine 34, sondern 214 Mrd. Dollar. D.h. in der Realrechnung wurden aus einem für Computer ausgegebenem Dollar fast sieben Dollar. Wie ist das möglich?
Hedonischer Preisindex und andere Operationen
Die Amerikaner haben in den 80er Jahren beschlossen, bei der Berechnung der Investitionsrate mehr und mehr Qualitätsverbesserungen zu berücksichtigen, und das nennen sie den hedonischen Preisindex. Beim Computer war das nun schon seit Jahren im Gang, aber ab 1995 begann eine förmliche Explosion in den Computerleistungen. Ich bin da ein totaler Laie, aber es geht wohl um Memory (Speicherkapazität) und um Geschwindigkeit und alle diese Dinge. Das explodierte. Und mit der Computerleistung explodierte die Berechnung der Investitions- und Produktionszahlen für Computer: Sie versiebenfachte sich. Aus 34 Mrd. wurden in der Statistik 214 Mrd. Diese 214 Mrd. machten 20% des realen Sozialproduktwachstums aus. Das war also schon ein dicker Posten. Der zweite Schlag kam dann vor zwei, drei Jahren. Da beschlossen die amerikanischen Statistiker, daß Software-Ausgaben eigentlich nicht als Kosten, sondern als Investitionsausgaben zu betrachten seien. Das gab noch einmal 70 Mrd. in die Sozialproduktrechnung hinein. Sie müssen bedenken: Kosten gehen nicht ins Sozialprodukt. Ins Sozialprodukt gehen nur Endausgaben. Aber als Investitionsausgaben gehen sie nun ins Sozialprodukt, und insgesamt ergab sich dann aus hedonischem Preisindex plus Kapitalisierung der Software — auf dem Papier — ein Investitionsboom von 25% des Wachstums oder 1% des Sozialprodukts. Dann gab es eine dritte Operation. Im Jahre 1995 empfahl die Boskin-Kommission Verbesserungen der Berechnung der Inflationsraten unter stärkerer Berücksichtigung etwaiger Qualitätsverbesserungen. Da ging es sehr kompliziert zu. Insbesondere die Mieten wurden plötzlich ganz niedrig. Auf diese Weise kamen weitere 0,8% Sozialprodukt zustande.
Wenn Sie jetzt diese drei Dinge zusammenrechnen, dann kommen Sie zu dem Ergebnis, daß im Grunde der ganze Investitionsboom überhaupt nicht stattgefunden hat, außer in diesen statistischen Veränderungen.
Ich persönlich habe vor allen Dingen auch den hedonischen Preisindex abgelehnt. — Die Idee scheint ja plausibel zu sein: Mehr Leistung muß berücksichtigt werden. Allerdings sind diese hedonischen Dollars, die immerhin eine gute Portion des Wachstums ausmachten, Dollars, die kein Mensch ausgibt, kein Mensch einnimmt und keiner sieht. Es sind Dollars ohne jede Spur von wirtschaftlicher Wirkung. Und deswegen habe ich diese Behandlung immer als groben Unfug betrachtet. Aber es führte zu diesen phantastischen Zahlen, nicht nur beim Sozialprodukt, sondern auch bei der Produktivität. Denn jede statistische Berechnung, die das Sozialprodukt erhöht, geht mit gleicher Menge von Dollars in die Produktivität hinein. Und so hatten sie plötzlich nicht nur ein Wachstumswunder, sondern auch das berühmte Produktivitätswunder.
Noch ein anderer Punkt: Die Amerikaner bauen keine Fabriken mehr. Der Investitionsboom fand nur auf dem beschriebenen Wege in Computern statt. Das hat nun aber zu einer gewaltigen Veränderung in der ganzen Investitionsstruktur geführt. Es wird immer weniger kurzfristig investiert, und langfristig überhaupt nicht mehr. Das erhöht zwar am Anfang das Sozialprodukt über Bruttoinvestitionen, aber dann kommen die Abschreibungen, und die schießen immer schneller in die Höhe, je länger dieser Prozeß dauert. Wir sind jetzt an dem Punkt, wo die Abschreibungen in Amerika die Investitionen überholt haben. Amerika hat heute negative Nettoinvestitionen, und das gesamte Sozialprodukt, ohne Abschreibungen, ist längst im Minus. Das amerikanische Sozialprodukt ist in den letzten drei Jahren um 14% gestiegen, aber die Abschreibungen sind um 34% gestiegen. Das heißt, Amerika ist hauptsächlich damit beschäftigt, seine Abschreibungen zu verdienen. Das bringt in der Statistik auch noch Wachstum, obwohl es eigentlich nur darauf hinausläuft, alte Maschinen zu ersetzen.
Produktivitätswunder hat nie stattgefunden
Was nun die Gewinne betrifft, so muß man bedenken, daß natürlich der hedonische Preisindex keinen einzigen Dollar in die Kasse bringt. Da kommt kein Gewinn zustande. Die Kapitalisierung der Software dagegen ging voll und ganz in die Gewinne. Denn plötzlich werden Kosten weggenommen und als Investitionsausgaben aktiviert. Das hat die Gewinne erhöht. Bemerkenswert ist, daß die Gewinnentwicklung trotz dieser Verschönerung einfach katastrophal ist. Insofern stellt sich die Frage: Wieso verlaufen die Gewinne so schlecht? Eine einfache Antwort ist: Das Produktivitätswunder hat nie stattgefunden. Es hat eben nur in der Statistik stattgefunden, aber nicht in der Wirtschaft. Es gab statistischen Zuwachs, aber keinen echten Produktivitätszuwachs für die Unternehmen. Prosperität kommt nicht von Produktivitätswundern, sondern sie kommt vom Sparen und vom Investieren. Die industrielle Prosperität hatte ihren Grund darin, daß man riesige Fabriken bauen mußte, um diese Maschinen herzustellen. Bedenken Sie, was man investieren mußte, um die Elektrizität herzustellen. D.h. die Prosperität kommt vom Investieren, und nicht ohne weiteres von der Produktivität. Wenn ich zusätzlich Produktivität erhalte, dann ist das prima. Aber die Prosperität kommt von der Kapitalbildung, die stattfindet: vom Bau der Fabriken und dem Bau der Maschinen. Es ist die Tätigkeit, die Einkommen entstehen läßt. Die Prosperität kommt von der Einkommensbildung und nicht automatisch von der Produktivität. Die Kapitalausgaben sind somit der Kernpunkt bei all diesen Dingen. Und die sind eben in Amerika minimal, wenn sie diesen statistischen Hokuspokus wegnehmen. Der andere Punkt ist der, daß in meinen Augen diese berühmte Shareholder-Value-Kultur die schlimmste Mißkultur darstellt, die es je im wirtschaftlichen Denken gegeben hat. Akquisitionen und Mergers sind schließlich kein Ersatz für Kapitalbildung und Investitionen. Diese Unternehmen haben en masse diese Akquisitionen betrieben, um nicht zu investieren. Ich sage immer: “Restrukturing” und “Downsizing” und all diese schönen Worte sind bloß Synonyme für “Nichtinvestieren”. Und aus diesem Grunde fehlt es in den USA an Kapitalbildung. In einem Lande, wo nicht gespart wird, kann es ja auch gar keine Kapitalbildung geben, höchstens auf dem Papier.
Und daher bin ich der Meinung, daß diese Technik, die so gerühmt wird für ihre Produktivität, gar keine Profite generiert. Wenn Sie heute die Nasdaq-Unternehmen nehmen und all die Abschreibungen berücksichtigen, dann haben diese Unternehmen seit 1995 keinen Pfennig verdient. Sie sind alle in den roten Zahlen. Das waren Scheingewinne in der Vergangenheit, die sie großenteils aus dem Aktienmarkt geholt haben. Sie haben ihre Gewinne im Aktienmarkt gemacht, haben dann andere Unternehmen gekauft, und die Gewinne wurden aufeinandergetürmt. Das waren alles Papiergewinne, Scheingewinne, keine Gewinne aus Produktion und Produktivität. Es war alles Betrug. Und insofern sehe ich das Problem in der Technik. Die Amerikaner haben geglaubt, das muß doch eine wunderbare Technik sein, für die man so wenig tun muß. Da kann man 50% mehr produzieren, von heute auf morgen, und dann sind wir alle reiche Leute. Wir haben geglaubt, daß diese Technologie besonders gut sein muß, weil sie so wenig kostet. Aber das ist der Grund, warum sie auch keinen Gewinn bringt. Gewinne können nur über Ausgaben entstehen. Ich sage immer: Die Hauptgewinnquelle sind kapitalisierte Ausgaben. Und wenn ich keine kapitalisierten Ausgaben habe, kann ich keine Gewinne machen. Und diese Quelle fließt nicht bei dieser neuen Technik. Sie fließt auch nicht von dieser neuen Shareholder-Value-Kultur, die ja andere Transaktionen vorzieht. Ich lese immer wieder, was die amerikanische Notenbank alles unternimmt: neun Zinssenkungen, demnächst die zehnte Zinssenkung. Und dann sage ich: Aber liebe Leute, allmählich ist es doch Zeit, einmal darüber nachzudenken, warum diese Zinssenkungen überhaupt keine Wirkung haben — abgesehen davon, daß sie im Moment den Aktienmarkt hochtreiben. Nebenbei gesagt, die Aktien werden immer teurer, da die Gewinne nämlich noch viel schneller als die Aktienkurse gefallen sind. Im Transportsektor zahlen sie das 800fache für die Gewinne, vielfach sind ja gar keine Gewinne mehr da, und bei Utilities (Versorgungsunternehmen für Wasser, Strom etc.) bezahlen sie das 60fache. Bei Dow-Jones-Firmen zahlen sie das 35fache, und das bezieht sich wohlgemerkt auf die frisierten Gewinne. Die Gewinne sagen mir, wohin die Wirtschaft geht, nicht der dämliche Index von der Michigan University über die Stimmung der Konsumenten. Nicht der Konsument, wie die Amerikaner glauben, sondern die Gewinne und die Investitionen der Unternehmen sind entscheidend. Der Konsum kommt dann von selber.
Die andere erstaunliche Sache: Alle Rezessionen der Vergangenheit hatten ein und dieselbe Ursache. Steigende Inflationsraten zwangen die Notenbank, die Bremse zu ziehen, und es kam zu drastischen Kreditrestriktionen. Scharf rückläufige Kredite führten zum Abschwung. Das ist die Ursache einer jeden wirtschaftlichen Rezession der Nachkriegszeit in Amerika und in Europa gewesen. In Amerika hat aber überhaupt keine Verlangsamung der Kreditexpansion stattgefunden. In den Boom-Jahren lag die Kreditexpansion des privaten Sektors in Amerika, also der Unternehmen und der Konsumenten, bei über einer Billion Dollar pro Jahr. Bis 1997 waren die Kredite um etwa 700 Mrd. Dollar gewachsen. Seit 1998 wachsen sie pro Jahr um über 1000 Mrd. Dollar. Aber diese tausend Mrd. Dollar bringen gar nichts mehr. Das Komische ist: Sie haben ein scharf rückläufiges Wirtschaftswachstum, sie haben zusammenbrechende Gewinne, sie haben zusammenbrechende Investitionen, aber sie haben eine Geld- und Kreditexpansion, die alle Rekorde schlägt. Die breite Geldmenge wächst um 13,5% — Kreditwachstum von 1000 Mrd. Dollar im privaten Sektor — im finanziellen Sektor ist auch noch eine gewaltige Kreditausweitung im Gange. Wir haben die tollste Kreditausweitung aller Zeiten, und dennoch bricht die Wirtschaft einfach zusammen. Es wäre nun an der Zeit, einmal darüber nachzudenken, wie es denn überhaupt zu dieser scharfen Konjunkturabschwächung kommen konnte, während die Kredite und die Geldmengen in unvermindertem Tempo weitergeflossen sind. Wie ist das möglich? Ich will Ihnen sagen, warum: durch den Zusammenbruch der Gewinne. Das ist die einzige plausible Erklärung. In Amerika fehlt kein bißchen Geldmenge, kein bißchen Kredit. Früher, also in den normalen Zeiten, kam auf einen Dollar Wachstum des Sozialprodukts 1,6 Dollar Kreditausweitung. Wir waren schon in den Jahren 1998/99 bei vier, fünf Dollar Kreditausweitung pro Dollar zusätzlichem Sozialprodukt. Heute sind wir bei Milliarden Dollar für nichts. Für mich lautet die ganze Frage daher nicht: “Wie können wir die Kredite ankurbeln?” Ja, wohin wollen sie denn noch mit den Krediten? Wir sind heute bei tausend Milliarden. Wollen sie morgen auf 1500 Milliarden gehen? Der Punkt ist: Die Kredite gehen nicht in die Wirtschaft. Und sie gehen nicht vom Unternehmen in die Wirtschaft, weil die Unternehmen nichts mehr verdienen. Deswegen sehe ich keine Besserung in dieser Beziehung. Der einzige, der bis jetzt noch immer mehr gepumpt hat und die Konjunktur noch einigermaßen hochgehalten hat, war der Konsument. Und die Amerikaner sind ganz stolz darauf, daß der Konsument sein Haus immer mehr bis zum Schornstein verschuldet. In Amerika ruft man seine Bank an und sagt: Der Wert meines Hauses ist wieder um 10% gestiegen, ich möchte meine Hypothek um 10% erhöhen. Drei Tage später haben Sie 30000 Dollar auf dem Konto. So einfach geht das. Abertausende von Amerikanern haben das in den letzten Wochen und Monaten gemacht. Und darauf sind die Amerikaner auch noch stolz.
Wo ist die Prosperität, wenn sie darin besteht, daß die Konsumenten ihre Ausgaben nur steigern können, indem sie ihre Haus beleihen? Das ist doch Schwachsinn. Ökonomisch ist das unglaublich. Wenn Sie sich die Statistik ansehen, dann stellen Sie fest, daß der amerikanische Konsument seit 20 bis 30 Jahren eine rapide steigende Verschuldung auf sein Haus besitzt. Ich habe noch die Generation der Amerikaner gekannt, die stolz darauf waren, wenn die Hypothek abbezahlt war. Heute sind sie stolz darauf, wenn sie sie erhöhen können. Und das steigt und steigt und steigt. Für mich ist das nun beim besten Willen kein Zeichen von Wohlstand. Es ist das Gegenteil. Greenspan ist im Kongreß gefragt worden: “Sagen Sie mal, ist das nicht problematisch, steigende Häuserpreise, steigende Hypotheken?” Und da sagt Greenspan: “Och, solange die Häuserpreise weitersteigen, steigt ja auch die Equity, das Eigenkapital.” Der fand gar nichts dabei. Man muß sich das vorstellen: Die Häuserpreise erlauben steigenden Konsumkredit, und das wiederum soll die Konjunktur retten.
Heute morgen war von Lösungen die Rede. Ich gehöre zu denjenigen, die sagen: “Die Leute, die uns das eingebrockt haben, sind nicht in der Lage, uns da wieder herauszubringen.” Und nebenbei gesagt: Es ist viel schwieriger, als wir glauben. Um nur ein Beispiel zu nennen: Sehen Sie sich Japan an. Da wird immer gesagt, die Japaner weigerten sich, zu restrukturieren. Das Problem Japans besteht darin: Die haben sich in den Bubble-Jahren ihre Investitionsdynamik zerstört. Endgültig zerstört. Aber auf der anderen Seite: Die Konsumenten sparen. Bei Nullzins muß ich ja noch mehr sparen als vorher, um meinen Lebensabend zu sichern. Im Grunde krankt Japan daran, daß es seine Investitionsdynamik nicht mehr in den Griff bekommt. Aber es hat Konsumenten, die noch sparen. Und wir haben sie in gemilderter Form ebenfalls. Wir haben immer noch Sparer, aber immer weniger Investitionen. Die Amerikaner und die Angelsachsen im allgemeinen sind in dieser Beziehung der krasse Gegensatz. Die sparen überhaupt nicht, investieren auch nicht, aber sie haben Kreditsysteme, die bis zum Exzeß darauf eingerichtet sind, Konsumkredit zu finanzieren. Die amerikanischen Banken schicken jedes Jahr in Milliardensummen Kreditkarten aus. Jeder Amerikaner bekommt jedes Jahr mindestens 50 Kreditkarten. Und jede Kreditkarte hat eine Kreditlinie. Die Besonderheit Amerikas besteht also darin, daß es ein Kreditsystem hat, das voll und ganz auf Konsumkredit ausgerichtet ist. Und die Scheinprosperität der Amerikaner besteht darin, daß sie immer weniger sparen, immer weniger investieren, immer mehr konsumieren. Die alten Ökonomen nannten diesen Prozeß Kapitalkonsum. Und das führt zwangsläufig zum wirtschaftlichen Niedergang. Aber die Amerikaner haben soviel dämliche Europäer und Japaner und andere Asiaten, die ihnen das Geld immer jeden Tag von neuem schicken. Insofern geht das weiter. Wenn Sie genau hinsehen, stellen Sie fest: Der Anstieg des Lebensstandards in den USA hat seinen alleinigen Grund in den Auslandskrediten. Das ist die einzige Möglichkeit, den Lebensstandard zu erhöhen. Denn der Durchschnittslohn des Amerikaners geht seit 1973 beständig zurück, und der Reallohn des Amerikaners liegt heute mindestens 25% unter dem Standard von 1973.
Quelle: Neue Solidarität Jg.28 Nr.46 21.11.2001
Wo ein Schuldner ist, ist auch ein Gläubiger.
Statt sich den Gläubigern auszuliefern, sollte Staat die vermögenden Mitspieler mit sehr hohen Steuern belegen.
Damit erspart sich der Staat die belastende Kreditaufnahme und die Aufwendungen für die damit verbundenen Zinsen.
Das so eingezogene und ersparte Geld kann er dann denen geben, die es tatsächlich wieder ausgeben statt es dem Staat zu leihen…..
@J. Kramer
Was sagt das im Umkehrschluss darüber aus, wer das Sagen im Staat hat?
Selbstverschuldte Unmündigkeit und die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber. Wenn wir dem Volk nicht bald wieder etwas Vernunft einschädeln, dann geht die letzte Reise für einen grossen Teil der Bevölkerung ins Lager. Heute werden die Weichen gestellt und es bedarf roher Gewalt, wenn der Wagen einmal ins rollen gekommen ist. Seid wachsam!
Kein Problem. Das gesamte Geldsystem ist ein Ponzi-Schema. Die Gläubiger haben bisweilen Angst, daß sie für ihr “Geld” nichts kriegen. Es heißt ja auch:”Den Letzten beißen die Hunde.” Wenn das eintritt, nennt man das, so ich es richtig verstand, “haircut”. Der kann schleichend über Inflation, Steuererhöhung oder Wechselkursabwertung kommen oder gleich mit “Maschine”, Abwertung. Wer also schön “Geld”, also Schuldscheine, also “Währungsreserven”, gesammelt hat, das sind überwiegend die “Exportweltmeister” hat ein Problem. Der Schuldner, die USA, viel weniger. Das gab es desöfteren, mal Abschaffung der Goldeinlösepflicht (1971), mal freies Floaten der Wechselkurse (1973) und ein paar Jahre später eine 20 %-ige Abwertung. Nur daß ihnen im Falle eines haircuts niemand mehr ihre Schuldscheine abkauft. So weit, so schlecht. Letzten Endes sind die Bilanzüberschüsse Fehlbewertungen der Preise einerseits, z.B. durch Dumpinglöhne und Sozialdumping, und somit fehlbewerteter Wechselkurse. In der Tat, das lief seit Jahrzehnten glänzend. Und so haben die Asiaten unter dem Namen “Globalisierung” die halbe westliche Realwirtschaft ruiniert.
Und nun bitte einen typisch amerikanischen Militärschnitt für die Dumper, die ihre Bürger schinden, der Welt, damit sie lernen, daß man mit dem Geld verborgen nur in die Sch…e fassen kann.
“Amerikaner, schauen wir gemeinsam in den Spiegel: wir alle sind Madoff und Ponzi!”
Diese Aussage ist natürlich auch Unsinn! Denn die Amerikaner haben ja bereits in den letzten, langen Jahren *teuer* bezahlt! Ihre Fabriken stehen jetzt in Asien. Selbst so bekannte amerikanische Produkte, wie irgendwelche “Kult-Handys”, werden in Asien gefertigt. Sie haben zudem ihr gesamtes know how mit den Fabriken exportiert.
Wie es aussieht, will-muß Amerika sogar noch seine Autoindustrie in weiten Teilen aufgeben…
Mitlerweile werden gerade im Fertigungsbereich den Amerikanern haufenweise selbst einfachste Grundlagenpatente fehlen.
Auch Roubini bleibt in der Virtualität der Finanzen gefangen. Mehr Materialismus täte not!
@wowbagger #6
Ich bin begeistert, ich häng mir diese Rede übers Bett.
Viel Wahres dran.
Z.B. der Absatz über die Software, die man dann einfach zum Investitionsgut gemacht hat, anstelle das als Kosten zu betrachten – sehr hellsichtig erkannt hat er das, der Richebächer.
Als jemand , der selbst beruflich viel mit SAP-Implementierungen zu tun hat, habe ich es nie verstanden, dass so ne Applikation nach erfolgter Implementierung bilanziell aktiviert werden konnte: genausogut könnte man den Geschäftsprozess aktivieren, der damit abgewickelt wird.
Lauter so Tricks, die man da gemacht hat – aber nicht nur in Amiland!
Sind einfach zuviele Betriebswirte, Diplom-Kaufleute, Controller und andere Zahlencruncher unterwegs.
Madoff wurde Mitglied einer neuen “Gemeinde”. Nummer 617087514 in MCC, NY, wer den Neumeister des Ponzis fragen will. Man hofft doch, daß ihm die bewährte “US-waterboarding-Kur” zugestanden wird, um seine Hintermänner und die Nutznießer aufs Schafott zu bringen. Denn ein Taschenrechner reicht, um zu beweisen, daß er nich allein aus Habgier, wohl aber in betrügerischer Absicht gehandelt hat. Immerhin, ein jüdischer Robin Hood, er nahm es den Reichen und gab es wohltätigen Stiftungen. Allerdings fehlen auch dann noch beträchtliche Summen. Zahlte er die als Steuern an Israel ? Eine Frage, Meister Madoff, wo ist das Geld, das nicht zur Refinanzierung des Ponzi, einem Luxusdasein und der Förderung diverser Stiftungen verbrannt wurde ? 65 Mrd. $ “Eigenkapital”, das wäre auch für eine große Bank eine solide Basis.
@frankie
Als jemand , der selbst beruflich viel mit SAP-Implementierungen zu tun hat, habe ich es nie verstanden, dass so ne Applikation nach erfolgter Implementierung bilanziell aktiviert werden konnte: genausogut könnte man den Geschäftsprozess aktivieren, der damit abgewickelt wird.
Das bringt den Nutzen von SAP-Implementierungen indirekt auf den Punkt. Sie verursachen, noch über den Preis der “Investition” hinaus mehr Kosten als Nutzen, so schaffen sie nicht zuletzt einen berüchtigten Kostenfaktor, kurz “TCO” genannt, von dem dann SAP-Berater meist recht fürstlich leben. SAP ist das Versprechen, das Geschäft könnte genauso geführt werden, wie man es sich am grünen Vorstandstisch so vorstellt.
Normalerweise kann Software durchaus eine Investition sein,
: wenn sie Kosten senkt und Effizienz steigert, dann tut sie nichts anderes als jede andere Investition.
@ hacedeca # 10
Dass die Amerikaner jetzt alle ihre Fabriken in Asien stehen haben, macht ja nix. Dann steigert man eben das Bruttoinlandsprodukt durch Dienstleistungen – ich wasche Dein Auto, Du wäscht mein Auto, und so erzeugen wir gemeinsam Wohlstand.
Oder wir steigern das BIP durch Finanzdienstleistungen. Ich kaufe Deine Aktien, Du kaufst meine, und die Bank rechnet Gebühren ab, und schon steigt unser Wohlstand.
Sehr gut ist auch die Wohlstandsmehrung durch Anwälte. Wir lassen uns scheiden, teilen unser Vermögen in zwei Hälften, eine für uns, eine für die Anwälte, und schon hat unsere Nation ihren Wohlstand vermehrt, wie man am gestiegenen BIP ablesen kann.
Noch besser wird es in der Wissensgesellschaft, der nächsten Stufe die BIP-Steigerung. Aber bis dahin wird wohl das BIP nicht mehr ganz so wichtig genommen werden.
Die 3-Ns
negativer Haushalt,
negative Außenhandelsbilanzen,
negative Sparquote
Fragwürdigkeiten in der Fiskalpolitik, dem Intl. Handel, und dem Konsum in den USA sind keine Neuheiten. Bereits eines der drei Ns führt zu einem ökonomischen Ungleichgewicht, was sich dann wieder einzupendeln versucht.
Je größer man einen Luftbalon aufbläst desto lauter macht es Wumms.
Was ist eigentlich mit der Ponzi-Nummer welche die Citi, BoA und DeuBa u.a. in den letzten Tagen/Wochen hingelegt haben?
Es werden ja lustig “Gewinne” vermeldet. Ich sehe aber keine Hinweise wodurch diese erwirtschaftet wurden. Der Start ins Jahr 2009 soll ja richtig klasse gewesen sein. Schon klappt´s wieder mit der Nachbarin, bzw. an den Börsen.
Ob die wohl die Staatshilfen als Gewinn verbucht haben oder haben die einfach ihre Aktiva schöngerechnet?
Ich freue mich schon auf den 1. Quartalsbericht 2009 Anfang April. Da werden die Hosen runtergelassen – oder nicht?
@Ratioso
DeuBa mußte nicht gerettet werden, und die Bilanzen der Banken werden nach menschlichem Ermessen Heerscharen von Bären rennen lassen. Ich freu mich schon, die Jungs haben genug gefuttert. Sie haben beim timing der ausstehenden Kredite nicht aufgepaßt.
Ich vermute, die Citi rechnet einfach schon eine bevorstehende Änderung der Mark to Market Regeln ein…
Spekulationen darauf befeuern momentan die US-Börse.
Tja Madoff… der war doch einfach nur der Meinung, dass das Spekulieren viel zu riskant ist.
Hätte der alles in Bankaktien investiert, wär jetzt auch alles weg, aber er nicht im Knast.
@Ratioso
Ja, ich habe das starke Gefühl, ich muß mir mal wieder so ein Teil etwas genauer ansehen…
Einige Zusammenhänge zu den angesprochenen Themen:
Während die Verschuldung der Haushalte, des Finanzsektors und des Staates der USA in den letzten Jahren vor der Krise gewaltig angestiegen sind, hat der nicht-finanzielle Unternehmenssektor, der klassisch für Verschuldung zuständig wäre, seine Schulden abgebaut (übrigens auch in anderen Industrieländern; vgl. IMF World Economic Outlook 2006, Kap. 4). Warum? Wegen der Konkurrenz der Exportweltmeister. Erweiterungsinvestitionen in den USA lohnten sich nicht. Eher investierte man im Ausland. Die Folge war, dass trotz Steuersenkung und wachsender Staatsverschuldung die Konjunktur nach dem Platzen der Internet-Blase und dem 11. 9. nicht recht in Gang kommen wollte. Die Zentralbank hielt folglich die Zinsen sehr niedrig, ja senkte sie sogar 2003 nochmal etwas, da es zu einem unerwarteten Anstieg der Arbeitslosigkeit gekommen war und ernst zu nehmende Warnungen vor Deflationsgefahren diskutiert wurden – etwa auch vom IWF. Das bot den Finanzmärkten relativ viel Spiel zur Kreditausweitung.
In den 90er Jahren war es der US-Wirtschaft verhältnismäßig gut gegangen. Das lag daran, dass die alten Exportweltmeister mit sich selbst beschäftigt waren (Japan mit den Folgen der geplatzten Blase; Deutschland mit den Folgen der Wiedervereinigung), der Ölpreis auf Tiefstniveau verharrte und die neuen Technologien um Computer und Internet der Wirtschaft Drive gaben. Nach der Jahrtausendwende sah es ganz anders aus. Japan und Deutschland suchten sich mit Lohnkostenzurückhaltung aus ihrer Stagnation herauszuexportieren und waren voll zurück auf dem Weltmarkt, China und einige andere südostasiatische Länder kamen mit durch ihre Wechselkurspolitik besonders aggressiver Exportausweitung hinzu und der Ölpreis explodierte. Unter normalen Bedingungen hätte dies zu einer ordinären Wirtschaftskrise in den USA führen müssen, zu kräftiger Abwertung des Dollar, Verteuerung von Krediten und Begrenzung der Verschuldung.
Doch alle Welt wollte die großen Überschüsse an Ersparnissen über die heimischen Investitionen – den „global saving glut“ (Bernanke) – in den USA anlegen, trotz eher niedriger Verzinsung und eines hohen Währungsrisikos (und, wie wir heute wissen, auch Verlustrisikos). So konnte die Verschuldung in den USA immer weiter aufgebläht werden, begünstigt auch durch die niedrigen Zinsen und die mangelnde Regulierung des Finanzsektors. Dies setzte sich auch fort, als die Fed ab 2004 die Zinsen wieder kräftig anhob. Jetzt erst setzte die völlig blindwütige Vergabe von Subprime-Krediten an jeden ein, der eine Unterschrift auf ein Papier setzen konnte. Im Grunde war der Immobilienboom schon im Abflauen begriffen, als er durch einen exzessiven Übergang in völlig unseriöse Kreditvergabe in den letzten Jahren noch verlängert wurde.
Die eine Geschichte ist der aus dem Ruder laufende Finanzsektor der USA. Die andere Geschichte aber sind die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte. Die Frage, die sich im Zusammenhang damit stellt, ist, warum die Ersparnisse in den Überschussländern nicht in höherem Maße für Konsum und Investitionen in diesen Ländern verwendet wurden, warum so viel Geld in die USA floss, obwohl die Anlage dort im Grunde nicht sehr attraktiv war, warum der Rest der Weltwirtschaft in so hohem Maße in ihrem Wachstum von den USA und einigen anderen Schuldnerländern abhängig war?
Komisch, dass dieser Nouriel Roubini gleichzeitig zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise noch höhere Ausgabenprogramme von der US-Administration fordert und in einem Atemzug zugleich einen Abbau der Budget- und Außenhandelsdefizite der USA anmahnt.
Beides gleichzeitig geht aber gar nicht und im Übrigen hat die USA durch ihre verfehlte Wirtschaftspolitik der letzten 25 Jahre (seit Reaganomics) ihre heimische Industriebasis so weitgehend “zerstört”, dass die USA – egal wie sich der US-Dollar entwickeln sollte – niemals wieder ein Leistungsbilanzüberschuss erzielen wird, es denn, die US-Wirtschaft bricht völlig zusammen.
Kurzum es gibt nur eine “Lösung” für die wirtschaftlichen Probleme der USA:
Abbau der Staats- und Außenverschuldung bei gleichzeitigem Anstieg der Sparraten und dies alles unter Inkaufnahme einer sehr schweren Wirtschaftskrise (Depression). Dieser Prozess ist unvermeidlich, weil nur hierdurch die vorhergehenden Exzesse (“ponzi schemes”), die zu den wirtschaftlichen Problemen überhaupt erst geführt haben, abgebaut werden können. Und dieses notwendige “deleveraging” hat gerade erst begonnen und wird noch eine erhebliche Zeit andauern. Vor 2012 wird das wahrscheinlich nichts mit der wirtschaftlichen Erhohlung in den USA.
@ Rudolf
Zu deiner Frage bzgl der Anlage in den USA gibt es sicher mehrere Antworten:
a.) Die Leute, die viel Geld haben, können sich zumeist ihren Luxus aus dem Einkommen bestreiten. Jeder Gewinn wird sicher neu angelegt und da sind die USA auch heute noch die Anlageadresse Nr. 1.
b.) Gerade im “westlichen” Kulturkreis fliesst enorm viel Geld direkt oder indirekt als Alterssicherung auf den Finanzmarkt.
Und bei aller Liebe. Die USA ist mit ihren grossen Land mit all seiner politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, finanziellen und militärischen Macht immer ein Sicherheitshafen seit langer Zeit gewesen (und ich bezweifel das sich aktuell daran was geändert hat). Nur so ein Land wie die USA hatte überhaupt die Möglichkeit solche Kapitalströme aufzunehmen.
Gruss,
Coki
@Jens
Imho politisch nicht umsetzbar.
Die werden das einzige richtige tun. Dollar entwerten lassen und gut ist.
Das ist politsch umsetzbar und vorallem von keinem in irgendeinerweise beeinflussbar, denn noch ist die USA die Supermacht.
Was danach kommt? Keine Ahnung. Es gibt sicher genug Szenario bis hin zu einer neuen Weltwährung.
Gruss,
Coki
@Rudolf
..Die Frage,….warum so viel Geld in die USA floss;…?
Antwort Nr. 1:
Nun mit vorgehaltener Waffe bringt man viele Menschen
zu den unglaublichsten Handlungen.
Antwort Nr. 2:
Noch besser als mit Gewalt geht es mit der Gier;
Einzelne Persönlichkeiten kümmern sich einen Dreck
um die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen, solange
Sie selber soviel Geld und Macht bekommen wie sie wollen.
Sonst noch Fragen?
Ansonsten 100% Zustimmung
Tarzun
Die Beiträge des inzwischen verstorbenen Dr. Kurt Richebächer finden sich auf den Goldseiten
http://www.goldseiten.de/content/kolumnen/autoren.php?uid=35
Ponzi, Lug und Trug, Preisabsprachen – auch hierzulande, regelmäßig.
Kapitalistischer Wettbewerb?
Von wegen!
Beschissen wird, wo es geht.
Ich beobachte und lese diesen Blog schon seit längerem und die Ausführungen und Beobachtungen der qualifizierten Teilnehmer und des sachkundigen Verfassers finde ich wirklich gelungen. Diese erweitern ohne jede Frage meinen Horizont auf die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge, es bleiben allerdings noch einige Fragen offen. Ausgestattet mit nicht so viel Sachverstand erlaube ich mir trotzdem einen Kommentar, beruhend auf meiner Beobachtungsgabe:
1. Ich denke, dass die sog. Wissenschaften (BWL und VWL) mit Ihrem Latein am Ende sind bzw. sich selbst neu definieren werden müssen bzw. sich mit zunehmender Fortdauer der Krise selbst ad absurdum führen werden. Der den Theorien zugrunde liegende “Planungs- und Kontrollwahn” und der Zwang zum “Mitmachen bzw. Mitmischen” hat (bei den meisten Großunternehmen) den Blick versperrt auf die Basis des originären “Wirtschaftens” , Tugenden wie die klassische HGB Bilanzierung, das Verhalten eines vernünftigen und vertrauensvollen Kaufmanns etc. sind ersetzt worden durch egoistisches, exponentielles und kurzfristiges Gewinnstreben ohne Rücksicht auf Verluste. Vielleicht sollten die durch die Lehre aufgestellten Theorien einmal unter Berücksichtigung der Realität überprüft werden, wir haben nunmal in der heutigen Welt keine in sich geschlossenen Systeme und der Mensch in seinem Verhalten ist nun einmal nicht vollständig transparent und planbar.
2.) Die im Hintergrund treibenden Kräfte (d.h. die Menschen mit Ihren Motivationen und Emotionen) sind m.E. auch ein Teil des Problems bzw. einer Illusion erlegen, die nunmehr wie ein Kartenhaus in sich zusammenbricht. Man kann nicht nur auf sich selbst schauen (Egoismus in Reinkultur), weil eben alles miteinander verbunden ist, wofür die jetzige Krise ja den Besten Beweis liefern dürfte. Der Mensch ist so selbstverliebt und voller Hochmut, dass er denkt er können alles steuern, planen, kontrollieren, er hätte halt alles im Griff. Das Gegenteil jedoch zeigt sich und ist die Realität. Es sind die niederen menschlichen Triebe Gier, Neid, Macht etc. die m.E. das Problem sind, vielleicht läge die Lösung in einem verständnisvolleren, menschlichen Umgang um- und miteinander.
So würde sich vielleicht auch die Chance für eine neue nachhaltige Entwicklung ergeben.
Gruß
Jan
@Jan
ad 1) Auch die Lehren der Wirtschaftswissenschaften stellen zum Glück alles andere als ein geschlossenes System dar, obwohl mitunter versucht wurde, einen solchen Eindruck zu erwecken. Es gibt durchaus sehr interessante Zweige, die geeignete Denkansätze entwickelt haben, um die aktuelle Krise analysieren und begreifen zu können. Diese Krise wird nun für die Wirtschaftswissenschaften zu einen geradezu evolutionären Moment. Vieles, was bislang dominierte, gerät jetzt unter gewaltigen Selektionsdruck. Nun ja, sicher wird auch die kritische Selektion dann wieder weit über ihr Ziel hinausschießen und nach einiger Zeit gilt es dann zu erkennen, dass keinesfalls alles Schrott war, was man ganz schnell meinte abschreiben zu können.
ad 2) gerade die Motivationen und Emotionen geraten zunehmend auch (wieder) in den Blick der Ökonomen. Dazu ein ganz aktueller Buchtipp: G. A. Akerlof/R. J. Shiller: Animal Spirits. How Human Psychology Drives the Economy, and Why It Matters for Global Capitalism.
Ein Papier von Akerlof zur wirtschaftstheoretischen Grundlagendebatte findet sich auch im Web:
http://www.aeaweb.org/annual_mtg_papers/2007/0106_1640_0101.pdf
Rudolf
@Jens Tramann:
Kurzum es gibt nur eine “Lösung” für die wirtschaftlichen Probleme der USA:
Abbau der Staats- und Außenverschuldung bei gleichzeitigem Anstieg der Sparraten und dies alles unter Inkaufnahme einer sehr schweren Wirtschaftskrise (Depression).
@coki:
…
Die werden das einzige richtige tun. Dollar entwerten lassen und gut ist.
Das ist politsch umsetzbar und vor allem von keinem in irgendeinerweise beeinflussbar, denn noch ist die USA die Supermacht. Was danach kommt? Keine Ahnung. Es gibt sicher genug Szenario bis hin zu einer neuen Weltwährung.
Ich bin kein Volkswirt, aber mir scheint auch die Gedankenrichtung von coki naheliegend (allerdings ohne den Gloom&Doom-Anhang der neuen Weltwährung). Denn warum sollte man eine Währungsreform oder artverwandte Dinge mit hohen Verwerfungsrisiken machen müssen?
Unter dem Strich scheint mir eine Art Weg-Inflationierung doch eine ganz vernünftige Lösung (unter all den Alternativen).
Ich habe mal gelesen, dass die Verschuldung der USA 10 Billionen (europ. Billionen) USD beträgt, Schnaps rauf, Schnaps runter, egal. Nehmen wir mal an, dass die Hälfte davon in längerlaufenden Treasuries besteht. Deren Kurs liegt derzeit bei ca. 125. Ich kenne zwar die Formel nicht (kennt die jemand?), aber über den Daumen rate ich mal, dass spätestens bei 10% Inflation der Kurs – und damit die Verschuldung – auf einen Kurs unter 60 sinkt.
Mir geht es nicht um die genauen Zahlen, sondern nur ums Prinzip, und mit ein bisschen Inflation kriegt man sich in diesem Beispiel schon um mehrere Billionen USD entschuldet (garnicht gerechnet automatisch dazukommende Währungseffekte). Das Vorgehen ist immerhin leichter als 5 Jahre lang 10% das BIP zu sparen. Dass das den Schuldnern nicht so viel Spass macht, ist eine andere Sache, aber sicher nicht “kriegsentscheidend” und auch nicht kriegsverursachend. Dass sich Aktienvermögen um die Hälfte reduziert hat, hat den meisten ja sicher auch keinen Spass gemacht. Aber so ist das nun mal. Shit happens (wie Herr Wen Jiabao dazu vielleicht sagen würde
Nun gibt es ja gelehrte Volkswirte, die sagen, dass man auch mit Gewalt keine Inflation hinkriegt. Zum Beispiel, weil neu gedrucktes Geld erstmal zur Schuldentilgung verwendet wird und deshalb nicht in einen inflationstreibenden Kreislauf fliesst. Naja, das kann ich als Laie sicher nicht beurteilen, aber mit der künstlerischen Freiheit der Unkenntnis sage ich mal: wo ein Wille (gepaart mit Intelligenz&Macht) ist, da findet sich sicher auch ein Weg. Dann muss man vielleicht halt so viel und lange drucken, bis alle Schulden getilgt sind, und spätestens dann sollte man doch wohl ein kleines bisschen Inflation hinkriegen…
Vielleicht wollen die Europäer das erstmal nicht. Aber erstens dürften es die Südeuropäer doch klammheimlich auch wollen, und zweitens würden auch die Nordeuropäer wohl nach einiger Zeit darauf einschwenken müssen, um nicht qua Währungskurs-Verwerfung ihre Exportwirtschaft völlig aus dem Feld geworfen zu sehen. Wenn ja sogar die Schweizer schon dran sind …
Mir war Gold intuitiv immer suspekt. Weil mir der Kurs irgendwie völlig willkürlich scheint. Man kann IMHO nicht mal den Anschein einer “Fair-Value”-Ermittlung machen, nicht mal als Groborientierung. Trotzdem habe ich vor dem Hintergrund der obigen Annahmen jetzt mal zähneknirschend Gold gekauft. Ausserdem habe ich angefangen, massiv in US-Longbonds short zu gehen. Das ist kurzfristig sicher nicht ungefährlich, aber wenn man es vorsichtig macht, hat es vermutlich ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis als Aktien-Bottompicking.
Irgendwelche Warnhinweise anybody?
@Falk Kuebler
WARNHINWEIS:
was die schweiz und china macht kann man machen …
aber das können nicht alle gleichzeitig machen …
das ist beggy the neighboor par excellence
es geht einfach nicht, einer muss aufwerten, wenn alle anderen abwerten
und wohin man mit abwerten führt sieht man ja:
man ist gläubiger und auf den guten willen des schuldners angewiesen irgendwann man zu bezahlen … sinnlos … man arbeitet und verschenkt die leistung dann ans ausland …
@inti
WARNHINWEIS:
was die schweiz und china macht kann man machen …
aber das können nicht alle gleichzeitig machen …
das ist beggy the neighboor par excellence. es geht einfach nicht, einer muss aufwerten, wenn alle anderen abwerten
Abwertung war nicht mein Punkt, das können in der Tat nicht alle machen. Bzw. es können alle die dafür normalerweise verwendeten Instrumente verwenden, die dann aber halt nicht zur Abwertung führen, weil alle sie gleichermassen verwenden.
Und das war mein Punkt: inflationieren können alle!
Manche müssen vielleicht, wie die Amis, manche müssen dann vielleicht widerwillig aus handelspolitischen Gründen mitziehen, wie die Deutschen, aber im Effekt können es alle tun.
Und die Schulden sind dann weg! Die Vermögen im wesentlichen allerdings auch
@Falk Kuebler
ok, das hatte ich dann falsch verstanden …
das vermögen ist doch egal … es kommt auf die realen größen an …
das auto fährt immernoch
die waschmaschiene läuft immernoch … usw
problem: reputation der währung im ausland =0 … sprich die araber werden ihr öl nur noch verkaufen wenn sie keine grünen scheine sondern reale dinge dafür sehen werden …
für deutschland machbar
ala mafia wäre ne möglichkeit … schutzgeld eben *g*
für die usa nicht … was können die anbieten?
“schutz vor dem iran”
der punkt aber wäre:
deutschland braucht das garnicht, da wir wie die theorie es fordert exporteur sind … für ein kapitalreiches land gehört sich das
grüße
inti
at wowbagger
Ich habe es mir mal durchgelesen und versucht über Theorien des Herdentriebs eine Vorstellung zu bekommen wie schlimm dieses Creative VGR wohl sein mag. Also wenn Richebächer’s Einwände tatsächlich nicht über Marktteilnehmer antizipiert wurde, dann könnte der US$ kippen.
Ich habe es mir mal durchgelesen und versucht über Theorien des Herdentriebs eine Vorstellung zu bekommen wie schlimm dieses Creative VGR wohl sein mag. Also wenn Richebächer’s Einwände tatsächlich nicht über Marktteilnehmer antizipiert wurde, dann könnte der US$ kippen.
Richebächer finde ich in der Tat hochinteressant. Werde mir übers Wochenende mal seine Veröffentlichungen ansehen, soweit möglich.
Aber zur Frage “US$”: Soros sagt, der sei nicht deshalb so hochbewertet, weil ihn die Leute so toll und seriös finden, sondern er sagt, das liege daran, dass er knapp und in der Folge teuer geworden ist, weil die meisten Schulden in USD nominiert sind und für das Zurückzahlen deshalb überall Dollars gebraucht werden.
Nun, das würde ja bedeuten, dass “irgendwann”…
Aber das hilft einem fürs konkrete Handeln ja auch nicht, denn “irgendwann”, ja irgendwann sind wir schliesslich auch alle tot (wie angeblich schon der hier so vielfach hochgelobte John Maynard herausgefunden hatte
)
@ Falk Kuebler
“Mir war Gold intuitiv immer suspekt. Weil mir der Kurs irgendwie völlig willkürlich scheint. Man kann IMHO nicht mal den Anschein einer “Fair-Value”-Ermittlung machen, nicht mal als Groborientierung. Trotzdem habe ich vor dem Hintergrund der obigen Annahmen jetzt mal zähneknirschend Gold gekauft.”
Irgendwelche Warnhinweise anybody?
Ja!
Zum Thema Goldpreis willkürlich, suspekt und Groborientierung, hmmm …?
Da frag mal Aktionäre, Zertifikate-Inhaber, Kunden Isländischer Banken oder von Lehman Brothers, Buchhalter zum Bilanzwert – market to phantasie – von Level 3-Assets, usw. …!?
Kauf Dir ruhig auch Silber Uz- auf Dein Gold wird Dir im “Ernstfall” keiner rausgeben können. Aber so schlimm komt es ja nicht – sagt zumindest die vereinigte ökonomische Elite – also diejenigen, welche statistisch zu ca. 80% falsch liegen und Krisen nicht kommen sehen!
Ansonsten sind beide Edelmetalle eine wunderbare Diversivikation im Portfilio – der weissgarnix mag sie auch – wenn alles gut geht und wir “nur” schöne hohe Inflationsraten sehen, hoffentlich!
“Ausserdem habe ich angefangen, massiv in US-Longbonds short zu gehen. Das ist kurzfristig sicher nicht ungefährlich, aber wenn man es vorsichtig macht, hat es vermutlich ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis als Aktien-Bottompicking.”
Irgendwelche Warnhinweise anybody?
Ja!
Shorten geht dann so lange, bis der Emmitent das Zeitliche segnet. ABER! Es gibt ja noch Staatsbanken, die Scheine rausgeben!
Alles Gute!
2Trotzdem habe ich vor dem Hintergrund der obigen Annahmen jetzt mal zähneknirschend Gold gekauft”
Wie man sieht funktioniert bei dir die Gehirnwäsche ausgezeichnet.
“Kauf Dir ruhig auch Silber Uz- auf Dein Gold wird Dir im “Ernstfall” keiner rausgeben können. ”
Auf Gold konnte dir in den letzen 4000 Jahren immer einer rausgeben ne…aber schön vorm Gold warnen … ist ja soooo spekulativ und höchst gefährlich…buh und jetzt schön zum Papi Bondhändler rennen…
Hallo Falk Kuebler,
stimmt an die US$-Schulden habe ich garnicht gedacht. Die USA hat das schlau gemacht sich in die Spitze des IMF und der WorldBank zu installieren: 1) erst Emerging Coutries Schulden aufschwatzen und irgendwas von Wohlstand murmeln, 2) warten bis die Projekte in die Hose gehen, 3) dann den Debt-for-Equity Swap durchführen wobei ganz rein zufällig ein US-Investor den Zuschlag erhält. So kann man auch BSP-Wachstum aus dem Nichts zaubern. Und das Beste ist, dass die anderen naiv doofen Industrieländer das auch noch bezahlen. Kein Wunder, dass die USA ihre Einkommenstransfermaschine IMF jetzt als Retter der Welt gegenüber der G20 positionieren wollen. Warum schenkt der Rest der Welt denn nicht gleich alle seine Fabriken, Ackerflächen, Menschen, etc den USA. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht. Die USA sind eben ganz schön großkotzig, dafür dass sie sich garnicht aus selbst aus dem Mist in ihrem eigenen Stahl rausziehen können.
Wer noch etwas zum Lachen braucht:
http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,613412,00.html
“Ackermann will wieder 25 Prozent Rendite … Ausreichend Gewinne seien wichtig, um in schwierigen Zeiten zahlungsfähig zu sein, betonte er.”
“Als richtig bezeichnete er es, dass der deutsche Staat zur Stabilisierung der Banken mit Milliardensummen aushilft. Es bestehe allerdings die Gefahr, dass das Pendel zwischen Markt und Staat nun zu weit in Richtung Staat gehe.”
“Es ist wichtig, dass der Staat die Grenzen erkennt”, unterstrich Ackermann.
Mir fehlen leider die passenden Worte, um das zu kommentieren…
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