Unsere gut geölte Medienmaschine läuft auf Hochtouren. Direkt nach der Tat stellt der Focus einen Liveticker zum Amoklauf in das Netz. Man hat den Eindruck als ob Deutschland seinen Super-Amokläufer sucht – und nicht den Mörder von zehn Jugendlichen. Hunderte Polizisten versetzen eine ansonsten verschlafene Kleinstadt in den Ausnahmezustand. Dutzende Journalisten berichten in reiner Hysterie über ein Ereignis, das die News des Tages sein wird. Da werden Gerüchte und noch ganz anderer Dreck der gierigen Öffentlichkeit zum Fraße vorgeworfen. Die ist wie berauscht – wenn auch vor Entsetzen.
Ich könnte kotzen.
Man braucht kein Prophet zu sein, um die Debatten der nächsten Tage zu prognostizieren. Jetzt werden sogenannte Amoklauf Experten Erklärungen anbieten, die nur ein Problem haben – rein gar nichts zu erklären. Man wird nach strengeren Waffengesetzen rufen. Man wird die Computerspiele als Jugendverderber beschreiben. Man wird für die Schulen Sozialpädagogen und Schulpsychologen verlangen – die dann aber nie eingestellt werden, weil der Staat bekanntlich kein Geld hat. Besonders wird man in der Biographie des jugendlichen Mörders nach Gründen für die Tatsache suchen, dass ein Siebzehnjähriger auf die grausige Idee kommen kann, zum Massenmörder zu werden. Da wird nach der Liebe der Mutter zu ihrem durchgeknallten Sohn gefragt werden – als ob Lieblosigkeit einen zum Massenmörder werden lässt. Den Eltern – und vor allem der Mutter, die sich jetzt die Augen ausheult – wird man ganz ohne Worte vorwerfen, diese Tat nicht verhindert zu haben. Den Jungen will man möglichst weit weg bekommen. Wir wollen ihn nicht als unseren Jungen betrachten. Die Debatten der nächsten Tage haben nämlich nur ein Ziel: Möglichst nichts aufzuklären, sondern alles in einer Mischung aus Betroffenheit, Entsetzen und schierem Unverständnis zu ertränken. Wir alten Männer und Frauen in unserer Gesellschaft, die jetzt wieder das Debatten-Kommando übernehmen, wollen nur eins verhindern: Dass diese Tat etwas mit uns und unser Leben zu tun haben könnte. Dass der Junge genauso unser Sohn ist wie der der biologischen Eltern. Dass wir ihm das Leben vorgelebt haben, dass er jetzt mit einem Fanal brutal beendet hat. Wir hatten nicht den Finger mit am Abzug, keine Sorge. Dieser Vorwurf wäre absurd. Aber wir wollen weiterhin gut schlafen können – auch wenn ein Jugendlicher gerade in einem Provinznest zum Groß-Killer geworden ist.
In Wirklichkeit sehen wir in ihm wie in einen Spiegel. Dort erkennen wir in der Fratze seines Großverbrechens unsere eigenen Verhältnisse, die hier in brutalster Weise zum Tanzen gebracht worden sind. Jugendliche erkennen unsere Verlogenheit besser als wir denken. Was reden wir nicht gerne über Werte – von den Zehn Geboten bis zu modernen Dingen wie Solidarität. Davon ist jeden Tag die Rede. Unsere Praxis ist eine andere. Es geht um Konkurrenz und Status, natürlich auch um Geld. Man muss schön sein und attraktiv. Jeder soll das Besondere sein. Pech halt für den, dem es an Status, Attraktivität und Geld mangelt. Der nichts besonderes ist, sondern bloß ein Mensch. Davon wollen wir alten Männer und Frauen – die Eltern unserer Kinder – aber nichts wissen. Vor allem, wenn man noch das Privileg hat darüber in der öffentlichen Debatte reden zu dürfen. Damit ist man ja schon etwas besonderes – und hat nicht die Probleme von Jugendlichen, die mit ihrer Identitätsbildung kämpfen müssen.
Natürlich erklären solche Verhältnisse nicht, warum dieser Siebzehnjährige ausgerechnet heute so ein monströses Verbrechen begangen hat. Das läßt sich auch nicht erklären. Er hat in freiem Willen diese Entscheidung getroffen – und man kann davon ausgehen, dass er sie gut überlegt haben wird. Niemand wird einfach so zum Massenmörder. Er wird seine Vorgeschichte haben wie das bei solchen Tätern üblich ist. Aber es wird nichts nützen, wenn wir jetzt wieder wie nach Erfurt oder Emsdetten in der Biografie der Täter nach den Ursachen suchen. Wir werden sie dort nicht finden. Wahrscheinlich wird es jetzt hektische Debatten darüber geben, ob es keine Vorwarnsysteme für solche jugendlichen Zeitbomben geben kann. Wie wir die Jugendlichen präventiv besser kontrollieren bevor sie zum Mörder werden können. Wie wir ihre Gedanken positiv beeinflussen – etwa durch die Kontrolle des Internets.
Es wird nichts nützen.
Vielmehr müssen wir endlich den Kopf aus den Sand nehmen – und diesen Jungen als unseren Spiegel akzeptieren. Er ist einer von uns. Wir haben ihn zudem gemacht, der er geworden ist – ein Massenmörder. Das ist eine schmerzhafte Erkenntnis. Aber dieser Jugendliche stellt mit seiner Tat Fragen, die sich an uns richten. Sie betreffen nicht nur die Lebenswelt dieses einen Massenmörders, sondern aller Heranwachsenden.
Es ist unsere Welt, in der er zum Mörder geworden ist.
Update
Eines sei doch noch erwähnt. Was wir brauchen ist jetzt eine Kritik der instrumentellen Vernunft. Ein Kriminalpsychologe namens Jens Hoffmann hat “mit seinem Team ein System entwickelt, das bisherige Täterprofile ablöst und dabei helfen soll, potentielle Gewalttäter früher zu erkennen.” Er meint jeden bisherigen Amoklauf frühzeitig erkannt zu haben. Allerdings nur wenn er denn vom potentielle Täter auch rechtzeitig die Antworten bekommen würde, die er für sein System braucht. Was macht er, wenn dieser bis zur Tat schweigt? Das macht nichts. Er hat einen Computer:
“Das vom Wissenschaftler Hoffmann entwickelte System zwinge, die richtigen Fragen zu stellen. “So kann man erkennen, ob es genügend Puzzlesteine für einen potentiellen Amoklauf gibt. Bei den Antworten selbst soll nicht interpretiert und analysiert werden – das übernimmt der Computer”, erklärt der Kriminalpsychologe.”
Es ist absurd. Dieser Kriminalpsychologe muss dem Kuriosiätenkabinett des Positivismus enstsprungen sein – wobei Positivisten ansonsten ernsthafte Menschen sind.
“Es stellt sich die Frage, warum dieses Erkennungssystem – trotz der offensichtlich recht hohen Erfolgsquote – noch nicht flächendeckend eingesetzt wird. Schließlich ist Deutschland nach den Vereinigten Staaten das Land mit den meisten Amokläufen in den vergangenen zehn Jahren.”
Ganz und gar nicht. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob dieses Land komplett den Verstand verloren hat, wenn solche Techniker damit beauftragt werden, unsere gesellschaftspolitischen Probleme zu lösen.















{ 171 Kommentare… Lesen Sie sie nachfolgend oder schreiben Sie einen }
Guter Kommentar. Bin beeindruckt.
Was immer in den nächsten Tagen in den Medien geschrieben wird, ein Zusammenhang zwischen dem Amoklauf dieses Jugendlichen und dem Kapitalismus wird nicht hergestellt werden. Zwar ist fast jede Woche aus den Medien ein- oder sogar mehrmals zu erfahren, dass Familie getötet wurde und der Auslöser die ökonomische Situation der Familie war. Aber auch hier wird kein Zusammenhang zum Kapitalismus gesehen. Bangster verzocken das Sparvermögen von Anlegern. Auch kein Grund Amok zu laufen. Und die existentielle Situation der Jugend? Völlig unverständlich auch der Hass von Schülern auf Schule und Lehrer.
Alles fehlgeleitete Einzelschicksale.
Exzellenter Kommentar. Bezüglich der medialen Realitätskonstruktion sei ergänzend Bolz angeführt:
Der Terror dient unserer Gesellschaft als funktionales Äquivalent für den Wahnsinn, an ihm versichern wir uns der eigenen Vernunft.
Schließe mich @Wolf uneingeschränkt an.
Ich würde den Amoklauf nicht pauschal unter “Kapitalismus” abhandeln wollen, sondern eher mit der wachsenden “Enthemmtheit” die sich in unsere westlichen Gesellschaften in den letzten 30 oder so Jahren eingeschlichen hat. Pathologisch sind diese ganzen Amokläufer vermutlich nicht anders einzuordnen, als durchgeknallte Investmentbanker, nur hinterläßt das Gebaren der letzteren keine unmittelbaren Todesopfer.
Das gesellschaftliche Establishment, das an und für sich ja durch das genau Gegenteil, nämlich die “Gehemmtheit” des Normenkonformismus getragen wird, ist in solchen Angelegenheiten deshalb auch immer ratlos und flüchtet sich in verbale Allgemeinplätze; genauso wie bei den Exzessen der Kreditkrise. In meinen Augen ist das durchaus verständlich, auch wenn ich die grundsätzliche Meinung von Lübberding teile: der junge Mann, der da in dieser Schule geschossen hat, war ein Kind seiner Zeit.
Ich weiß nur nicht, ob wir spontan mit dieser Erkenntnis groß was anfangen werden können.
Einige interessante und nachdenkliche Gedanken; trotzdem unpassend, die Sache als Aufhänger zu verwenden.
Es ist die Natur, die uns sterblich macht. Es ist unser Verstand, der das nicht wahrhaben will. WIR? sind nicht daran schuld, in dieser Welt zu leben.
Das hier ist eine Gesellschaft ohne Hoffnung. Wenn es keine anderen sinnvollen Optionen mehr gibt, ist Amok nur eine logische Folgerung; gerade wenn man noch jung ist.
Wenn man es von ganz weit draußen betrachtet, macht die Menschheit im Ganzen doch auch nichts anderes.
Hat der “vorletzte” Amokläufer nicht genau das getan, das System angeprangert, in seinem Blog und Youtube-Videos? Ich mein, da war doch was gewesen. Blog und Videos wurden ja relativ schnell gelöscht, und keiner hinterfragte seine Tat aufgrund seiner Aussagen. Die Killerspieler waren nun mal schuld. Das ist auch immer so schön einfach.
weissgarnix
Nicht abstrakt unter “Kapitalismus”, aber dein Vergleich mit den Investmentbankern führt weiter. Es geht um das, was die Kritische Theorie zu unseren Verhältnisse zu sagen hatte – in dem Fall von Marcuse bis Fromm. Enthemmtheit oder dieser radikale Nihilismus, der bei diesen Tätern zum Ausdruck kommt, entsteht eben nicht im Luftleeren Raum des gescheiterten Jugendlichen. Das hat eine Vorgeschichte, die nicht in der Biografie oder den Familienverhältnissen zu finden ist, sondern eine Aussage über unser propagiertes und das tatsächliche Wertesystem trifft. Solche Jugendliche haben eben noch nicht gelernt, mit solchen Widersprüchen umzugehen. Der Sozialisationsprozeß soll das erst leisten. Die spezifischen Biografien dieser Täter – etwa Isolierung – wirkt wie ein Zünder, der das Pulverfass zum Explodieren bringt. Aber unser Unvermögen bei Tim – so heißt er wohl – unsere Verantwortung zur Sprache zu bringen, ist ja bezeichnend. Wir wollen eben über uns nicht reden. Was diese ganzen sogenannten Experten jetzt machen werden, ist nichts anderes als Selbsttherapie – glaube es mir.
Mylli
Ich habe das keineswegs zum Anlass genommen, sondern mich schon intensiv mit den Fällen in Emsdetten und einem angeblich in Köln verhinderten Amoklauf beschäftigt. In letzterem Fall war ein Jugendlicher kurz nach einem “präventiven Gespräch” in Panik vor eine Strassenbahn gelaufen und gestorben. Diese Debatte führe ich schon länger, wenn auch nicht hier … .
Vielmehr müssen wir endlich den Kopf aus den Sand nehmen – und diesen Jungen als unseren Spiegel akzeptieren. Er ist einer von uns. Wir haben ihn zudem gemacht, der er geworden ist – ein Massenmörder.
Wer? Ich auch? Was habe ich damit zu tun?
Das Internet und die Computerspiele machen aus mir einen
Massenmörder? Da stehen uns ja schlimme Zeiten bevor.
Counterstrike wird nämlich von Millionen gespielt, aber nur
alle Jubeljahre rastet einmal jemand aus, und auffällig oft
nicht in den angeblich so gewaltbereiten Migrantenmilieus in
den Hauptschulen, sondern da, wohin Ministerpräsidenten ihre
Kinder in die Schule schicken, z.B. im St.-Afra-Gymnasium
in Meißen. Erinnert ihr Euch noch?
Das Dumme an diesen Geschichten ist ja, daß nichts von einem
Spiegel zu sehen ist, wohinein ich blicken könnte, denn die
Presse pflegt ja den genauen Hergang der Geschichte zu
verschweigen. Rudolf Steinhäuser zum Beispiel hat ja nicht
wild um sich geschossen, weil er zuviel Counterstrike gespielt
hat. So, wie ich die Geschichte kenne, hatte Rudolf Probleme
mit seinen Lehrern. Die wollten ihn vernichten, hat er
gemeint. Die haben ihn vom Gymnasium in die Sonderschule
versetzt. Dieser Umstand spielte damals in der öffentlichen
Diskussion aber überhaupt keine Rolle, denn die Konsequenz
aus einer derartigen Diskussion wäre wohl gewesen, die
Macht der Lehrer in Frage zu stellen; und unser geheiligtes
dreigliedriges Schulsystem wäre einem etwas ungünstigen
Lichte ausgesetzt gewesen. Das wollte natürlich kein
Zeitungsfritze und erst kein Politiker riskieren. Statt dessen
setzt man dem Kollegium des betreffenden Gymnasium
Denkmäler für ihre “Zivilcourage”, setzt Computerspiele auf
den Index, und führt höchstblödsinnige öffentliche
hochmoralische Diskussionen, über die “Enthemmtheit in
unserer westlichen Gesellschaft” (#5!) und über ähnliche
Dinge von derselben Art.
#5 (wgnx):
Pathologisch sind diese ganzen Amokläufer vermutlich
nicht anders einzuordnen, als durchgeknallte Investmentbanker, nur hinterläßt das Gebaren der letzteren keine unmittelbaren Todesopfer.
Jetzt enttäuschst Du mich aber. Das Zeitungsgeschrei über
die gewissenlosen, bösartigen Investmentbanker (“Bankster”)
ist genau so Dummbrot wie das aufgeregte Geschrei, wenn
wieder was in irgendeiner Schule passiert ist. Beide
Diskussion klären nicht, was in der Gesellschaft schief läuft.
Stattdessen verschleiern sie die Zusammenhänge vor dem
Pöbel.
@georgi
Du solltest genau lesen, mein Lieber, insbesondere dann, wenn Leute ihre Worte bekanntermaßen mit Bedacht wählen: ich schrieb von “Enthemmtheit” und nicht von “gewissenlosen, bösartigen Investmentbanker”. Der Unterschied ist ungefähr so, wie der zwischen Tag und Nacht.
Beide, der Amokläufer wie auch der Investmentbanker, gehorchen einer ultimativen, inneren Instanz; sie sind also keineswegs “gewissenlos” oder “böse”. Sondern diese Instanz sagt ihnen vielmehr: “Mach zu, du darfst!”.
Die spannende Frage lautet jetzt: was formt diese innere Instanz? – Und die Antwort darauf ist nicht so leicht, wie man es gerne hätte, und auch nicht so leicht, wie Marcuse, Adorno und die ganze Frankfurter Schule gerne gehabt hätten.
Solche Extremereignisse haben meiner Meinung nach wenig damit zu tun, ob was in der Gesellschaft schief läuft, sondern einfach damit, dass manche Menschen tiefste Verzweiflung über ihre eigene Ohnmacht spüren und sich einmal als Halbgott fühlen wollen.
Keine Wertesystem, ob weltlich, kirchlich, spirituell, esoterisch oder was auch immer, kann so eine Tat verhindern. Die Gesellschaft kann nur den potentiellen Schaden eingrenzen.
Atomsprengkörper gibt es weder auf Waffen- noch auf Krankenschein und das Herbeiführen von nuklearen Explosionen steht unter Strafe.
Weissgarnix
Was formt diese innere Instanz? Genau, das ist die Frage. Und die Antwort findet man eben durchaus in der Kritischen Theorie. Deren Antwort war keineswegs leicht – sie war aber vor allem für unser Bürgertum unangenehm … .
georgi
Steinhäuser hatte – wie Du sehr gut zeigst – Probleme nicht nur mit einzelnen Lehrern. Aber wer ist für ein Schulsystem und einen dahinter stehenden Bildungsbegriff verantwortlich, wenn nicht wir – die Erwachsenen?
Mylli
Alles richtig. Nur eines musst Du erklären. Warum gab es zu meiner Schulzeit in den 70er Jahren solche Amokläufe nicht – auch nicht in Österreich? Damals musste man nichts verhindern, weil sich niemand im Traum vorstellen konnte, dass das überhaupt passieren könnte.
Das ist erklärungsbedürftig.
Da ihr ja alle gestern den Artikel über die Qualia gelesen habt wisst ihr ja jetzt das all die Psychologen und Biologen mit ihren Kernspinns nur Bockmist erzählen…
f.l.
Vielleicht hat in den 70ern der kleine Jagabua mit der Schrotflinte vom Papa auf seine Lehrer geschossen, und es hat keinen im Nachbartal interessiert? Oder alle Konflikte sind brav mit Fäusten ausgetragen worden?
Ich habe keine Ahnung. Auch nicht, wie eine kritsche Theorie zu einer vernünftigen Gesellschaft mündiger Menschen führen kann, wenn letztere ihre natürlichen Grenzen erkennen.
Irgendwann/irgendwo hilft der Verstand nicht weiter, und das gilt es wohl – wie Nanuk sagte – zu ertragen.
Sisyphos
Hallo Herr Lübberding,
Hier ein Link für Sie:
http://www.kritische-psychologie.de/
Die Kritische Psychologie sieht weniger das Leiden das Individuums, sondern betrachtet den Gesamtzusammenhang Individuum/Gruppe
@ fl
zusammenhalt und gemeinschaftsgefühl existieren heute nimmer … amoklaufen ist nur die letzte eskalationsstufe … andere verprügeln mitschüler und stellen es auf youtube
druck der eltern, anforderungen der gesellschaft sogen für fehlende perspektiven oder für lebensentwürfe die nicht der eigene sind
würde da eine paralelle ziehen zu dem von mylli angesprochenen “wie geht man mit unsicherheit um” … im kalten krieg war das eben anderst wie heute mit der wirtschaftlichen unsicherheit
böse gesagt, das eine ist schnell und das andere langsam
ps.
mir tut die öffentliche diskussion leid … es wird wieder um “killerspiele” gehen … statt um schützenvereine, die dafür sorgen, das eltern 18 waffen zuhause haben (aber mitglieder in schützenvereinen gehen wählen und zwar alle die union)
Man verzeihe mir, dass ich nicht Adäquates zur Diskussion beitragen kann außer eines Links zum Thema “Reich und Schön”:
http://www.observer.com/2009/style/beautiful-banker-yields-interest-life-after-goldman-catwalk
Danke für den Artikel btw.
@ weissgarnix
Die Religion des kapitalistischen Westens ist der Glaube an Geld, Kapital und Markt, woraus jener perverse Umgang von Menschen mit Menschen resultiert, welcher als Verdinglichung bezeichnet wird: Die Menschen gehen mit sich und anderen Menschen wie mit Dingen um – und mit Dingen (Geld) so, als handele es sich um Subjekte.
Die im kapitalistischen Alltag verinnerlichte Psycho-Logik führt dazu, dass der andere Mensch primär als Objekt der eigenen Bedürfnisbefriedigung gesehen wird. Geht es um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, dann findet eine Identifikation mit dem anderen als betroffenes menschliches Wesen nicht statt. Das Motiv, einem Kunden eine Ware zu verkaufen ist ja nicht, die Bedürfnisse eines anderen Menschen zu befriedigen, sondern für sich selbst einen Gewinn zu machen. Das Verhältnis zum anderen Menschen ist völlig entpersönlicht. Der Verkäufer begegnet jedem Kunden freundlich, weil dieser Kunde ist. Der konkrete Mensch interessiert ihn nicht.
Dasselbe gilt natürlich für den Verkauf von Dienstleistungen. Dienstleistungen werden angeboten, weil man dafür Geld bekommt. Kein Schuhputzer putzt die Schuhe und keine Prostituierte bietet Liebesdienste an, wenn sie dafür kein Geld bekommen. Der einzige Unterschied besteht in der Regel darin, dass die Sex-Dienstleisterin Vorauskasse verlangt. Geld ist hier das Motiv, „Liebe“ zu machen, sonst gar nichts.
Auch LehrerInnen sind dienstleistende LohnarbeiterInnen. Sie unterliegen den gleichen Mechanismen von Entfremdung und Verdinglichung. Wie sollte es anders sein? Im Unterschied zu den normalen Dienstleistern wird in pädagogischen Kreisen jedoch gern eine Selbstidealisierung betrieben. So, als sei es die pädagogische Berufung, welche das Motiv zur Berufswahl gewesen sei und nicht die Halbtagstätigkeit, die Beamtenstellung und die 3 Monate Schulferien im Jahr.
Viele Schüler – und Eltern – nehmen die pädagogische Beziehung völlig anders als die Lehrer wahr. Und manche Schüler entwickeln einen regelrechten Hass, weil sie sich als Objekte von Schule und Lehrer erleben. Da aber auch sie den gleichen Verdinglichungsprozessen unterliegen, nehmen sie wiederum Lehrer nicht als – vom Zwang zur pädagogischen Arbeit unter schlechten Bedingungen – betroffene Menschen, sondern als zu zerstörende Hassobjekte wahr.
MITSCHERLICH sprach daher im Zusammenhand mit der Bewusstseins- und Identitätsbildung in kapitalistischen Gesellschaften von der „Krankheit der Gesellschaft“ und FROMM von der „Pathologie der Normalität“.
Soweit zum theoretischen Hintergrund.
MfG HAM
Leider liegen Sie mit Ihren in traurigen Ausführungen in allen Punkten richtig.
Entsetzen packt mich und das Kotzen kriege ich, wenn ich daraufhin das Gestammle von Frau Merkel und Herrn Köhler lesen muss.
Nun im gewissen Sinne kann ich aus meiner eigenen Biographie heraus solche Gewaltexzesse nachvollziehen.
Ich finde daran ehrlich gesagt nur wenig unverständlich, im Gegenteil es überrascht mich das so was nicht häufiger passiert.
“Glücklicherweise” gehen andere sozial Isolierte mit der Situation anders um.
Essstörungen, Depressionen, andere psychische Erkrankungen, Alkoholismus und Drogenmissbrauch, Selbstmorde oder allgemein ‘betäubendes’ Verhalten sind unter Kinern und Jugendlichen weit verbreitet und waren es auch schon vor 20 jahren, als ich noch zur Schule ging.
Mehrere Seiten der selben Medaille, nur das da der Haß auf sich selbst gerichtet wird anstatt auf andere.
Deutschland ist ein deprimiertes, überfordertes und vor Furcht gelähmtes Land in dem gerne und brutal ausgegrenzt wird. Die Ausgegrenzten gehen an der Mischung aus extremer Einsamkeit, eigener Hilflosigkeit und der Hilflosigkeit und Gleichgültigkeit der Umwelt halt nur auf höchst individuelle Art und Weise zu Grunde.
Insbesondere Jungen werden heutzutage weitestgehend marginalisiert und rein auf die “Funktionsrolle” als Arbeitskraft reduziert, die zu funktionieren, genug zu leisten und das Geld für die Famile ranzuschaffen hat wenn sie erwachsen ist. Typische Verhaltensweisen Heranwachsender werden als “auffällig” deklariert und zwangstherapiert und überhaupt ist ja das Prinzip Mann an sich Böse und nur das Prinzip Frau gut.
Ich möchte hier keine Misygynisten oder Misandriker Diskussion lostreten. Allerdings gibt es in unserer Gesellschaft genug sozial isolierte und gemobbte junge Männer, die sich noch nicht einmal auf ihre Identität zurückziehen können. Die an den widersprüchlichen Anforderungen an den Mann von heute schier verzweifeln und die weder eine Lobby noch Freunde und Kontakte haben und es werden mehr.
Alleine schon die typische beschreibung sagt viel. Er war still und zurückgezogen, eigentlich kannte ihn keiner und er erschien immer nett. Ein Mann ohne vordergründige Eigenschaften, der von der Masse ausgeblendet wurde bis er sich selbst gewaltsam wieder in den Mittelpunkt rückt.
Der eine säuft, der andere ritzt sich die Arme auf, ein dritter kifft bis zur Besinnungslosigkeit, wieder ein anderer landet nach dem zweiten gescheiterten Selbstmordversuch erstmal in der Geschlossenen und ein ganz kleiner Teil hasst die ganze Welt irgendwann so sehr, dass er sich wahllos und möglichst gewaltsam an ihr rächen will.
Ich kenne genug dieser Leute, denen die Welt schon in ganz jungen Jahren das ‘Attribut’ Versager verpasst hat und die dann auch entsprechend behandelt wurden.
Es ist ein Wunder das soclhe Exzesse nur so selten passieren.
Hallo Herr Lübberding,
zu Ihrer Frage, dem Warum nicht in den 70ern ein Zitat aus ‘Zorn und Zeit’:
Nach dem Rückfall des Zorns auf die diffus-universelle Unluststufe hat er jede Sammelbarkeit, Verwandelbarkeit und Bildungsfähigkeit preisgegeben.
Von dem engen Zusammenhang zwischen Wertempfinden, rechtlicher Sensibilität und Empörungsfähigkeit, der Matrix demokratischer Irritationskultur, weiß er schlechthin nichts mehr.
Er scheint nun abgesunken auf eine subthymotische Ebene, von der aus es keinen Anlauf zur Geltendmachung eigenen Werts und eigener Ansprüche mehr gibt.
Grüße
Canucks
#11 (wgnx)
Deine Ausführungen handeln zuviel von Moral. Damit
unterhalten die Medien ihre Leser- bzw. Zuhörerschaft. Die
Medien ersparen sich damit, die Zusammenhänge richtig
darzustellen. Ich behaupte nämlich, daß man von den
Zusammenhängen nichts hören will, da man dazu die
geltende Wirtschaftsverfassung bzw, das Schulsystem
in Frage stellen müßte. Das wollen die Mächtigen nicht.
Deshalb ziehen es die Medienverantwortlichen vor, sich
über Managergehälter, Machenschaften von Bankstern
oder auch über Migrantengewalt, Hartz-IV-Schmarotzer,
über schulische Gewalt und anderes zu empören.
Wenn wir aber schon mal bei Moral sind, so muß ich sagen,
daß der Fall des “durchgeknallten” Investmentbankers sich
anders verhält als der des Amokläufers.
Der Investmentbanker verhält sich entsprechend Erfahrung
und Wissen in höchsten Maße rational, und ist sich seines
Handelns wegen keiner Schuld bewüßt. Dazu hat der
Investmentbanker auch ein Recht, denn er ist tatsächlich am
Malheur der Kreditkrise nicht schuldiger als jeder
Industriekapitän, Wirtschaftspolitiker oder jeder x-beliebige Anleger oder Spekulant.
Amoklauf hingegen ist wie palästinensischer Terror -
möglicherweise gerecht, aber vollkommen aussichtslos, und
darum vollkommen sinnlos, und nur durch “höhere Moral”
begründbar.
#13 (Frank)
Aber wer ist für ein Schulsystem und einen dahinter stehenden Bildungsbegriff verantwortlich, wenn nicht wir – die Erwachsenen?
Der Bildungsbegriff – ein sehr guter Ausgangspunkt für eine
zielführende Diskussion!
<>
Es ist Deine Welt – nicht unsere. Nicht meine.
Schreib nicht solchen Schwachsinn.
@mylli
“Auch nicht, wie eine kritsche Theorie zu einer vernünftigen Gesellschaft mündiger Menschen führen kann, wenn letztere ihre natürlichen Grenzen erkennen.”
Da hilft nur Metaphysik. Leckerchen für das Animal Metaphysicum ver rückt sein als Lebensmaxime und da wir alle nicht wollen das sowas passiert ein Liedchen für alle da draussen die mit solchen Gedanken spielen.
http://www.youtube.com/watch?v=qvHvU2hT7q0
Warum passiert es heute und nicht in den 70ern ?
Ein Grund könnte sein, dass man sich heute der medialen Aufmerksamkeit sicher sein kann.
X+Null ist das Thema im Fernsehen, live aus allen Richtungen, den ganzen Tag in zig-facher Wiederholung.
Ich kann mir als Täter sicher sein – ich werde bekannt für eine gewisse Ewigkeit.
Es soll Leute geben, den reicht diese Aufmerksamkeit. Wenn es den auch postum ist.
Vielleicht hat man sie vorher nie beachtet.
Diese Tat beweist ein weiteres Mal das ein Verhindern für unsere Gesellschaft mit aktuellen Denken unmöglich ist. Es gibt viel zu viele, frei umherspringende Variablen in diesem Spiel. Anstatt die Anzahl der Variablen zu verringern verstehen wir es jedoch besser sie bis an die Grenzen des Bewusstseins zu erweitern.
Es gilt schon als Besonderheit in einigen Familien, wenn ein Kind geistige Bildung wiederfährt und dadurch an den spannenden Prozessen im Leben teil haben kann. Dabei ist sowohl von den gut gebildeten, als auch minder gebildeten Kindern die Sprache. Die Tatsache das Bildung zugänglich gemacht wird sorgt nicht im gleichen Zuge für eine Wiederfahrung geistlicher Bildung. Eine solche Tat spielt sich fern ab von den nun aufkeimenden Thematiken (Gewalt, Isolation, Gesellschaftsdruck) ab. Um es in einfachen Sätzen zu beschreiben:
“Viele Menschen sind leer und nicht mehr im Besitz eigener Werte. Wertvorstellungen nehmen den Platz ein und verstoßen die mit eigenen Wertvorstellungen zwingend verknüpfte Verarbeitung von Moral, Liebe und “der Frage nach dem Ich”.
Die zwischenmenschlichen Beziehungen verkommen vielerorts zu einer einzigen Farce. Die Tür ist meist verschlossen.
Gruß,
Ashitaka
Vielleicht wäre hier der Vergleich mit einer Krebszelle angebracht, die sich selbst als krank erkennt und sich aus dem Organismus entfernt. Dass dabei noch andere “Zellen” eliminiert werden ist nur ein Nebeneffekt und sollte in der Diskussion keinen Vorrang haben, solange nicht die zugrundeliegende Motivation für die Selbstvernichtung geklärt ist. Zumindest haben Zellen, die sich selbst vernichten einen gewissen Grad an Selbstreflexion und Verantwortung für den Organismus erhalten.
Bei einem funktionierenden Organismus ist es wichtig, dass genetisch entartete Zellen sich selbst vernichten, da sonst Krebs entsteht, der den ganzen Organismus vereinnahmt und ihm durch sein exponentielles Wachstum schliesslich die letzte Kraft nimmt.
Das Problem sind also nicht die Zellen, die sich selbst vernichten, sondern jene, die es trotz schwerwiegender Defekte nicht machen und sich sogar weiter verbreiten. Das Abwehrsystem ist leider gegen körpereigene Krankheiten blind.
Unsere Ärzte kennen leider nur die Möglichkeit, mit Metall das Geschwulst zu entfernen oder mit Chemie alle wachsenden Zellen, entartet oder nicht, zu vernichten.
Für unsere Gesellschaft brauchen wir bessere Lösungen, bevor der Kollaps erreicht ist. Ich bin noch zuversichtlich, dass wir Lösungen finden werden, die kein Armageddon als zentralen Bestandteil haben.
@ Goldenes Kalb
?Ist heute ein zweiter Adolf verhindert worden?
Ich könnte mir auch bessere Nachrichten vorstellen. Jedoch schiene es mir so, daß die Medien auch an diesem Desaster mit ihrem ständigen Krisen- und Weltuntergangsgeheul und ihrer Panikmache eine fette Aktie an dieser menschlichen Tragödie haben.
Man bedenke, der Ölpreis ist um über 60 % gefallen. Der Spritpreis meinetwegen 30 %. Ergo müßte die Inflation bei – 2,6 % stehen, als Schwindel – Warenkorbinflation. Real steht sie bei + 1 %. Was da heißt, andere Waren müssen wohl 3,6 % teuerer, gemessen als “gefühlte” Inflation jedoch 11 % teurer geworden sein. Leute, mit dieser sogenannten “Krise” werden wir verarscht. Zu so einer Krise würde in diesem Fall das Kollabieren der Preise gehören, bis eine Reihe Unternehmen aus dem Markt verschwänden. Danach würden die neuen Monopolisten die Preise hochziehen.
ich habe anläßlich der letzten “großen” ähnlichen tat mal versucht, solche geschichten etwas anders zu betrachten – und das geht bereits beim begriff “amok” los:
ausweitung der kampfzone – fragen und anmerkungen zum amok neuen typs
vielleicht können sich da einige leser neue aspekte mitnehmen.
@michael
…Zu so einer Krise würde in diesem Fall das Kollabieren der Preise gehören, bis eine Reihe Unternehmen aus dem Markt verschwänden. Danach würden die neuen Monopolisten die Preise hochziehen….
da kommt schon noch – warte ab.
@Nigeht 22
Ich gehe mit deiner Analyse voellig konform, da ich ebenso aufgrund meiner Biographie diesen Amoklauf nachvollziehen kann.
Jeder der gesellschaftlich Isolierten geht anders mit der Situation um. Welche fluechten sich in Drogen, andere in die Selbstverstuemmelung und einige wenige analysieren ihre Situation und merken das sie ohne fremde Hilfe nicht aus ihrem Loch heraus kommen.
Doch die fremde Hilfe wird verweigert, aus Feigheit ebenso wie aus Faulheit. Das fuehrt zu dem Schluss, das nicht nur jene den Tod verdient haben die einen ins Loch gestoßen haben sondern auch jene ihr Recht auf Leben verwirkt haben die dies sehenden Auges zuließen.
Ist man mit seiner Erkenntnis soweit kommt noch etwas hinzu, naemlich Hass. Damit meine ich nicht diese kontrollierte Abneigung die man mit seinem Kopf erzeugen, sprich steuern kann sondern ein Gefuehl das etwas archaisches ist, ein Trieb. Diesen Trieb empfindet man als extrem intensiv, er ist in der Lage jedes rationelle Denken zu ueberbruecken, so er nur stark genug wird und ich vermute das er ab einem bestimmten Punkt nicht mehr kontrolliert werden kann.
Dieses Gefuehl hat sein Zentrum, seinen Entstehungspunkt, auch nicht im Kopf.
Es kommt aus dem Bauch. Es fuehlt sich zuerst an wie eine Art Sodbrennen das aber immer intensiver wird, so als ob sich der ganze Verdauungstrakt verkrampft. (Ist Aufgrund der Tatsache, das der Verdauungstrakt jener ist, der am meisten mit Nerven vollgestopft ist, auch nicht gerade verwunderlich)
Nach meinem eigenen Empfinden ist dieses Gefuehl die archiaische Form des Hasses bzw. der Enthemmung, da es in einer Form wirkt die einen ueber alle Maßen agressiv macht. Es senkt die Hemmschwelle der Gewaltanwendung und je laenger dieses Gefuehl anhaelt desto tiefer sinkt die Hemmschwelle, bis das menschliche Ich ueberwunden wird und der Trieb das Handeln regiert.
Wenn dann noch eine Waffe ins Spiel kommt mit der man Rache nehmen kann, mit der man jene bestrafen kann die einen das Leben zur Hoelle machen, dann ist es bis zum Amoklauf nur noch eine Frage von Stunden. Ist dann der erste Schuss gefallen ist die Hemmschwelle ueberwunden und der Trieb regiert bis zum bitteren Ende.
In meinem Falle und das gebe ich offen zu, hat damals nur eine Waffe gefehlt.
Spaeter hat sich dann Aufgrund geaenderter Lebensumstaende das Gefuehl wieder verfluechtigt, allerdings hat mir eine kleine Episode, ein paar Jahre spaeter gezeigt das nur ein kleiner Vorwand reicht um dieses Gefuehl wieder zum Vorschein zu bringen. Man kann es also innerlich vergraben, aber der Koerper weiss ganz genau wo es liegt und holt es ggf. auch wieder zum Vorschein. Wie gesagt, es ist nicht steuerbar.
Kurzum, dieses Gerede von fehlender Anerkennung ist zum Zeitpunkt der Tat voellig irrelevant. Da geht es nur noch darum dieses Hass Gefuehl zu leben, das man wohl nur kennt wenn man es selbst gespuert hat.
Na ja, soweit ist es bei mir ja dann aber doch nicht gekommen, so das ich nur meinen kleinen psychischen Schaden habe mit dem ich mich nun durchs Leben schlage.
SMG
xxHyFoxx
@mo
Die beiden Fälle sind höchstens beschränkt vergleichbar. Der ehemalige Schüler aus Erfurt wurde offenkundig auf das Übelste gemobbt, ohne, daß ich damit seine Tat relativieren will. Der Unterschied zwischen Amok und Massenmord besteht darin, daß ein Amokschütze wahllos schießen würde. Der ehemalige Schüler in Erfurt hat weder wahllos noch in geistiger Umnachtung gehandelt. Er hat gut vorbereitet, eiskalt Leute, die er für sein Schicksal verantwortlich machte gekillt. Vom heutigen Debakel wissen wir letztendlich zu wenig.
@mo und all die anderen mit psychologischen Deutungsversuchen
Wisst ihr was der Unterschied zwischen einem Verrücktem und einem Philosophen ist der Philosoph schreibt sein Gehirn auf und der Verrückte lebt es.Von daher bringt den Kindern schreiben bei…
@michael:
“Der Unterschied zwischen Amok und Massenmord besteht darin, daß ein Amokschütze wahllos schießen würde. ”
eben. nicht mitbekommen, dass ich im artikel ausdrücklich die bezeichnung “amok” für taten wie in erfurt, emsdetten oder auch littleton in frage stelle? das ergibt sich schon aus der eigentlichen amok-definition heraus.
zum heutigen “fall” lässt sich imo noch nicht viel sagen, aber es gibt zumindest äusserlich einige parallelen zu den anderen school-shootings.
Ich finde es lächerlich bei sowas irgendwie eine Verbindung zum Kapitalismus und Gewinnstreben oder zur Finanzkrise herzustellen.
Persönliche Gründe spielen bei sowas eine viel grössere Rolle, wie Konflikte im Elternhaus.
Die deutsche Gesellschaft ist vom sozialpopulistischen Neid und linkem Moralismus geprägt. Für die Menschenfeindlichkeit in Deutschland ist daher sicher nicht der Kapitalismus verantwortlich. Heuchelei ist bei weltfremden Wervorstellungen ausserdem die zwangsläufige Folge, siehe Religion.
Das deutsche Schulssytem ist ausserdem ein autoritäres Bildungsvollzugssystem, in dem die Stimmung durch deutschen Selbsthass (Antinationalismus), Pessimismus, weltfremden Idealismus und Radikalfeminismus beeinflusst wird.
Lübberding: danke!
Jeder soll das Besondere sein.
Diese Paradoxie ist DER Punkt. Der Täter hat es geschafft, dieses Soll zu erfüllen – allerdings zu dem Preis, jetzt ÜBERHAUPT NICHT MEHR zu sein. Aber diesen Preis würden wir alle zahlen, weil wir ihn ja eines Tages sowieso zahlen müssen – und dann dafür gar nichts mehr kriegen…
Ansonsten bringt dieser kurze Satz die Sache auf den Punkt, von der “USP” bis zum Wahrnehmungsschema der Medien, die sich hier mal wieder als widerliche Parasiten der Gewalt zu erkennen geben.
Und es ist, etwas tiefer gebohrt, die soziale und auch logische Absurdität des liberal-bürgerlichen Individuum-Konzepts. Man muss individuell sein, man muss gewinnen – “koste es was es wolle” – und wenn es Menschenleben sind, zur Not sogar das eigene….
@Nigeth #22
>>Alleine schon die typische beschreibung sagt viel. Er war still und zurückgezogen, eigentlich kannte ihn keiner und er erschien immer nett. Ein Mann ohne vordergründige Eigenschaften, der von der Masse ausgeblendet wurde bis er sich selbst gewaltsam wieder in den Mittelpunkt rückt.<<
Was ist von einer Gesellschaft zu erwarten,
in der auf des Siegerpodiums zweiten Platz der Verlierer steht?
Die Geburt der Biopolitik…
Eines ist mir nach all den Buchstaben und Zeichen die hier in virtuellen Raum rumschweben klar selbst wenn so etwas keinen Sinn ergibt so ist das Mystische am Menschen das er doch einen ausfindig macht.Du Wunderding Mensch…
@lemming
Das ist leider keine Paradoxie. Jeder Mensch ist Produkt seiner Umwelt. Und dieser tragische Fall zeigt einmal mehr, daß etwas gewaltig schief gelaufen ist. Offenkundig hatte der Junge mit einem beträchtlichen Widerspruch zwischen seinem Dasein im Elternhaus und der Praxis, die er im Alltag erlebte, zu knabbern. So wurden dann höchstwahrscheinlich nur Unschuldige Opfer seiner persönlichen Art von “Konfliktlösung”. Aber, wie schon geschrieben, zu diesem Fall ist neben Mitgefühl für alle Hinterbliebenen, Zurückhaltung geboten.
Dagegen läßt es sich im Fall Erfurt ziemlich klar sagen, es handelte sich um ein Mobbingopfer, das seine persönlichen Feinde quasi hingerichtet hat und so zum Massenmörder wurde.
„Kapitalismus“ ist nicht nur eine „Wirtschaftslogik“, sondern ein gesellschaftliche Logik. Dies als Einwand gegenüber den Ökonomisten.
„Kapitalismus“ betrifft die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgegehen. Man könnte sagen: Im Kapitalismus denken, fühlen und handeln die Menschen kapitalistisch.
Gegen meine strukturelle Argumentation mit Entfremdung und Verdinglichung kann man den empirischen Einwand bringen, dass es vor 30 Jahren diese Formen von enthemmter Gewalt nicht gab, obwohl wir damals in einer kapitalistischen Gesellschaft lebten.
So argumentiert weissgarnix 5*:
>>Ich würde den Amoklauf nicht pauschal unter “Kapitalismus” abhandeln wollen, sondern eher mit der wachsenden “Enthemmtheit” die sich in unsere westlichen Gesellschaften in den letzten 30 oder so Jahren eingeschlichen hat.<<
Allerdings ist „Enthemmtheit“ keine Erklärung. Wenn man enthemmtes Verhalten mit Enthemmtheit erklärt, dann liegt eine Tautologie vor, denn damit ist nicht erklärt, warum es dazu kommt.
Richtig ist allerdings, dass kulturelle Hemmingen weggefallen sind. Vor 40 Jahren wäre niemand in den Big Brother-Container gegangen; es war, undenkbar, dass Spielfilme im Fernsehen mit Werbung unterbrochen werden; im Kaufhaus musste man nichts für die Toilettenbenutzung bezahlen und in der Bank musste man nicht rechnen, vom Anlageberater betrogen zu werden.
Heute ist es umgekehrt. Man rechnet damit, überall betrogen zu werden. Nicht nur in der Bank, nicht nur beim Versicherungsvertreter, sondern überall, selbst beim Arzt.
Früher wurden auch soziale Berufe gut bezahlt. Das war einmal. Heute verdienen nur doch asozialen Berufe gut. Je asozialer, desto besser. Manager greifen tief in Kasse der Betriebe. Bestehlen sie Aktionäre und Kollegen? Nein, natürlich nicht im Sinne des kapitalistischen Rechtsverständnisses! Sie zahlen sich nur ein marktgerechtes Einkommen und marktgerechte Prämien aus. Die anderen Manager machen es auch. Und jedes jahr 10, 20, 30 oder mehr Prozent darauf. Dafür weden die Löhne der Arbeitskollegen gekürzt oder man entlässt sie. Das ist eben der Markt. Aber sieht das Management in den Mitarbeitern überhaupt “Kollegen”?
Die Entwicklungslogik der Kapitalismus führt in die Barbarei. Davor warnte schon Friedrich ENGELS. Grund dafür ist die Konkurrenz und die zunehmende Sättigung der Märkte. Lässt sich das Geschäft nicht ehrlich machen, dann eben unehrlich. Geht es nicht legal, dann eben illegal.
Dann muss man halt traditionelle soziokulturelle Hemmungen wegfallen lassen.
Als wir Anfang der 70-er Jahre den Film „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“ sahen, waren wir über das Verhalten der Menschen in der Wirtschaftskrise entsetzt. Heute ist dies längst schon wieder(!) Normalität.
Der Wegfall von Hemmungen, andere Menschen um ihr Vermögen zu bringen oder ihre psychische und körperliche Integrität zu verletzen, ist evident?
Hätte vor 20 Jahren ein Professor den Vorschlag gewagt, den Organhandel zu legalisieren mit dem Argument, dass ein Hartz IV-Empfänger durch den Verkauf einer Niere sein Einkommen verbessern könnte?
Hätte vor 40 Jahren ein Unternehmen mit „Geiz ist geil“ geworden?
Nein, den Leuten hätte sich der Magen umgedreht und sie hätten sich geschämt, in ein derartiges Geschäft zu gehen.
Erklärt dies das Verhalten eines jugendlichen Massenmörders?
Natürlich nicht in dem Sinne, dass hier eine direkte Kausalkette zwischen „Kapitalismus“ und Täterverhalten aufzeigt werden könnte.
Millionen Schüler hassen Schule und/oder Lehrer. Aber weniger als 1 von 1 Million wird zum Killer.
Millionen Haushalte sind überschuldet. Aber nur wenige Väter und noch weniger Mütter bringen ihre Familien bzw. ihre Kinder um.
Wie viele Schüler sich in der Phantasie ein Attentat gegen ihre Schule vorstellen, weiss ich nicht. Mordphantasien gegenüber verhassten Menschen sind keineswegs selten.
Aber es gibt eine Zusammenhang zwischen der Zunahme von Gewaltverhalten – sei es physische, psychische und/oder ökonomische Gewalt – in der Gesellschaft und der Wahrscheinlichkeit des Auftretens Mord oder Selbstmord in der Gesellschaft. Das zeigen eindeutig unterschiedliche sozialepidemiologische Studien.
Je instabiler die sozialen Strukturen sind, desto instabiler sind auch die individuellen Identitäten und Psychostrukturen. Desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Individuum durchknallen.
Und übrigens, was ist eigentlich mit den Piloten und ihren Auftraggebern, die im Gazastreifen Schulen bombardierten?
Haben sich die Massenmedien um deren Psyche und Kindheit jemals schon Gedanken gemacht?
@fl
wo wir schon beim erbrechen sind:
Sollte jemand die “tagesschau extra” von heute, dem 11.03.2009 um 18:00 Uhr, die Anmoderation und die nachfolgende Pressekonferenz der Polizei gesehen haben, und sich nicht sehr gewundert hat, bin ich gerne bereit, das nachzureichen…
Menschlichkeit stand da wohl eher hintenan. Für die Betroffenen tut mir das leid. Was da war, und was da noch kommt. “Wir können alles, außer Pressekonferenz”.
@Europäer No39
Selten so ein durchdestilliertes Konzentrat von (da fehlen mir einfach die Worte) gesehen, so viel Widerspruch und weißes Rauschen im cerebralen Kontext ist mir noch nicht vorgekommen. Könnte ich sowas im positiven Sinne, wäre vermutlich morgen “Alles gut”.
@Nanuk: Du siehst, schreiben und lesen können allein, hilft nicht…
@mylli: danke btw für den link…
@f.luebberding
Ich bin ehrlich gesagt etwas perplex, daß Du hier so einen Stuß schreiben kannst und trotzdem die Mehrzahl der Leser Beifall klatscht.
Wenn “man davon ausgehen kann , dass er sie [die Tat] gut überlegt haben wird”, dann ist ER ein Verbrecher. ER hat abgedrückt. ER hat die Verantwortung.
Was ist das für eine linke Nummer die gesamte Weltbevölkerung dafür in Geiselhaft zu nehmen?
Und das die Mutter (bzw. die Eltern) sich fragen lassen muß, warum sie es haben so weit kommen lassen das ist doch wohl klar. Einfluß und Verantwortung sind proportional. Als Elternteil habe ich Einfluß auf mein Kind, also habe ich auch Verantwortung. Jedenfalls um Längen mehr als Karl Müller in Buxtehude.
Wenn Du schreibst “Dass wir ihm das Leben vorgelebt haben, dass er jetzt mit einem Fanal brutal beendet hat”, sträubt sich da nicht Deine Feder? Wer bitte hat ihm vorgelebt, mit der Flinte die halbe Schule niederzumetzeln?
Das unsere Welt nicht perfekt ist – d’accord! Aber das wird immer so sein. Es kann z.B. immer nur einer Klassensprecher sein, auch wenn sich mehrere berufen fühlen. Und auch die schicke Katrin von nebenan wird sich möglicherweise für einen anderen entscheiden. Und der Mathelehrer wird einem ne schlechte Note verpassen, weil die Aufgabe nun mal schlicht falsch war. Mit sowas muß man fertig werden, und Millionen Jugendliche schaffen das offensichtlich – auch in unserer bösen Gesellschaft.
Meine Meinung ist die, das man dem Typen einfach ein paarmal zuwenig den Hintern versohlt hat, als noch was zu machen war. Man hätte damit 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens wäre klargestellt, daß man gefälligst die Pfoten von Pappis Waffenschrank zu lassen hat und zweitens wäre mal eine grundlegende Erfahrung vorhanden was Schmerz ist. Ein unvergleichbar milderer Schmerz zwar als der Treffer mit einer scharfen Waffe, den dann seine Klassenkameraden erfahren durften, aber immerhin.
Gruß, Gojko.
@Nanuk: Du siehst, schreiben und lesen können allein, hilft nicht…
Weist du was passiert währe wenn er seine Gedanken nicht aufgeschrieben hätte ich weiss es nicht?
@HAM
Nö.
“„Kapitalismus“ betrifft die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgegehen. Man könnte sagen: Im Kapitalismus denken, fühlen und handeln die Menschen kapitalistisch.”
Du mußt mal sehen, wie die Russen z.B. untereinander mit sich umgehen, dicht gefolgt von vielen Ostdeutschen. Du mußt mal diese ehemals “herrschende Arbeiterklasse” life unter sich erleben. Da tun sich Abgründe menschlicher Schäbigkeit auf. Die haben ja Sozialismus mit der Muttermilch aufgesogen. Dagegen geht es im “bösen kapitalistischen Westen” wirklich menschlich zu. Das System an sich ist nicht Schuld.
Es ist immer das Individuum und seine Umwelt. Die Widersprüche in seinem Leben. Und deshalb werden sich so schlimme Tragödien weder prognostizieren noch verhindern lassen. Daran ändert kein Waffengesetz und kein Überwachungsstaat was.
Wenn das Krisengeheul der Medien gedämpft würde, wäre das hilfreich. Und wenn die Menschen etwas weniger egoistisch wären, wäre das noch hilfreicher. Das Problem ist der von den Deutschen eigenlich auch nicht gewollte “american way of life”, der brutale Ellenbogenkapitalismus im Gewand der scheinheiligen Neuen Sozialen Marktwirtschaft versus Soziale Marktwirtschaft.
Zitat: “„Im Gegensatz zum Tier sagt dem Menschen kein Instinkt, was er muss, und im Gegensatz zum Menschen in früheren Zeiten sagt ihm keine Tradition mehr, was er soll – und nun scheint er nicht mehr recht zu wissen, was er eigentlich will. So kommt es denn, dass er entweder nur will, was die anderen tun – und da haben wir den Konformismus –, oder aber er tut nur, was die anderen wollen, von ihm wollen – und da haben wir den Totalitarismus.“ Zitat Ende (Viktor E. Frankl – Der Mensch vor der Frage vor dem Sinn)
Dass passt hier und heute gesellschaftlich mehr noch, als vor fünfzig Jahren.
Generell gibt es m. E. kaum Toleranz, Förderung und Akzeptanz individuellen Jugendlichen gegenüber. Leistungsdruck, lustlose Vermittlung von abfragbarem Wissen, Erfolgszwang und/oder das Gegenteil im Elternhaus erreichen oft ein Übriges, nämlich, dass junge Individualisten am Leben … und an der Gesellschaft verzweifeln. Hinzu kommt noch, dass die jungen Leute unter sich einen immensen Gruppendruck durch bestimmte Klamotten, “Soziale Netzwerke” und Ähnliches, aufbauen.
Manch junger Mensch, der keine Möglichkeit findet, sich positiv wegen seines Andersseins in Gemeinschaften auseinandersetzen zu dürfen, den die Gesellschaft – Gleichaltrige wie Erwachsene – wegen seines besonderen Wesens ignoriert und verspottet, wird, je nach Veranlagung, Gewalt gegen sich oder andere ausüben, weil seine Interessen, Bedürfnisse und Rechte gegenüber seiner sozialen Umgebung nicht verstanden und akzeptiert werden.
Und da schließt sich der Kreis: Es liegt an uns “Alten” den jetzigen Jugendlichen auch Sinnhaftes vorzuleben, was außerhalb von Besitztum und Job seine Berechtigung findet, und ihnen zu vermitteln, dass auch diese Art von (individuellem) Dasein sinnvoll sein kann und darf.
Aber ich fürchte, dazu ist es zu spät. Vielleicht schafft es die nächste Generation?
Warum gerade dieser Siebzehnjährige Schüler und Erwachsene erschoss, vermag ich nicht zu beurteilen. Vielleicht ein letzter Hilfeschrei und/oder explodierende Wut über Ablehnung und Ausgrenzung?
Die Medien werden schon einen passenden, kranken Lebenslauf zusammenzimmern, damit “wir” uns wieder mal aus der Verantwortung stehlen können.
Hallo.
Ich habe mir mal auf youtube so einen Abschiedsbrief durchgelesen. Weiss aber nicht ob der authentisch war.
Das tut aber nicht soviel zur Sachen. Da wurden Probleme aufgeführt die alltäglich sind und die jeder von uns hat.
Ich glaube eher die Medien und die Politik haben Angst zu sagen das es ein ganz normaler Junge war der ausgerasstet ist. Sowas wird es immer geben und gehört zum Leben dazu. So schlimm das auch für alle Beteiligten ist. Man kann meiner Ansicht also keine Präventivmassnahmen einleiten, da man dann halb Deutschland verhaften müsste. Zitat Pispers: Man kann dagegen nichts tun, man kann es nur ertragen.
Grüße
Und da schließt sich der Kreis: Es liegt an uns “Alten” den jetzigen Jugendlichen auch Sinnhaftes vorzuleben, was außerhalb von Besitztum und Job seine Berechtigung findet, und ihnen zu vermitteln, dass auch diese Art von (individuellem) Dasein sinnvoll sein kann und darf.
Ja, an uns Alten läge es, so etwas zu vermitteln, wenn wir denn solches zu vermitteln hätten. Haben wir aber nicht. Der einzige Unterschied zwischen uns und dem devianten Täter besteht aus Resignation und Mutlosigkeit, erreicht durch “Lebenserfahrung”, aka Frustration, Zynismus, Tabletten- Alkohol- und Work-Konsum. Die “Werte” von denen dann so gern abstrakt geredet wird, sucht ein jeder dann doch konkret auf seinen Konten.
@lemming
Mach mal ein paar Tage Urlaub in einer sonnigen Gegend.
Das gibt so viele neue interessante Sachen, jeden Tag, man schafft es garnicht, das alles zu entdecken…
@michael
Gute Idee! Hätte ich auch nötig. Andererseits habe ich immer Schwierigkeiten gehabt, meinen Kindern “Sinnhaftes vorzuleben”. Egal, ob vor, während oder nach einem Urlaub. Um ehrlich zu sein: das Sinnhafteste in meinem Leben waren und sind diese Kinder selber. Aber das ist jetzt keine hilfreiche Option zur Vermittlung von Sinn an eben diese…
Trotzdem Danke für den dezenten Hinweis auf übertriebenen “Depressionismus” meinerseits
Jetzt treten wieder unsere Betroffenheitswallfahrer in Aktion.
Man muß eigentlich nicht überall seinen Senf dazugeben.
Bei Amokläufern handelt es sich mit Sicherheit nicht um normale Menschen insofern ist es natürlich blanker Unsinn uns in den Spiegel zu sehen.Wir werden dort nicht die Hintergründe für die Taten finden.Das behaupten eigentlich nur die Betroffenheitswallfahrer ,die die Gesellschaft für alles verantwortlich machen wollen.
@Nanuk
da hast Du natürlich recht…
deswegen nur noch das hier:
http://www.youtube.com/watch?v=VzzN4hvHXho
Bei Amokläufern handelt es sich mit Sicherheit nicht um normale Menschen insofern ist es natürlich blanker Unsinn uns in den Spiegel zu sehen.
Und warum gucken dann alle hin? Warum glauben die Medien, darüber stundenlang senden zu müssen und zu können? Weil durch den Blick auf das Annormale sich das Normale bestätigen zu können meint, in den allgegenwärtigen Betroffenheits-Bekundungen von “Erschütterung und Abscheu”.
Es ist ein “invertierender Spiegel”, nicht der, vor dem sich der “normale Mensch” im Bad rasiert. Der “normale Mensch” sucht die Bestätigung seiner Normalität durch das Abnorme. Je größer das Bedürfnis, das hinter dieser Suche steht, desto größer die öffentliche Aufmerksamkeit.
Wir werden dort nicht die Hintergründe für die Taten finden.
Mir reichte es zunächst, die Hintergründe für das Faszinosum der Gewalt zu finden. Von Hollywood bis Erfurt. Der einzelne Täter und die einzelne Tat sind hier nur Anlass und Auslöser, nichts weiter.
Die “Betroffenheitswallfahrer” – das sind gerade die, die an ihrer Normalität so zweifeln, dass sie die Bestätigung durch das Verbrechen als Gegenpol brauchen. Vom wöchentlichen Tatort bis zum jährlichen Amok.
Mir persönlich tut sehr Weh zu hören, dass die Spiele daran Schuld sind, wie z.Bsp. soeben in einem bekannten TV-Sendung durch Sabber(l)User gesagt wurde. Und natürlich nennt man die bekannteste.. Erst war das nur CS und dann live ist das auch noch WoW geworden… Oh mein Gott!
@ Gojko
Bin doch etwas erleichtert, hier wenigstens noch einen Beitrag zu lesen, der mir nicht erschreckend abwegig erscheint. Immer wenn sich dieser Blog vom Wirtschaftlichen entfernt, wird es für mich absolut schwindelerregend und das sogar bei dem sonst so überzeugenden Herrn Lübberding.
Allerdings finde ich, wenn schon Prügel statt Supernanny, dann hätte sie nicht dem Jungen gebührt, sondern seinem Vater. Grundsätzlich sind Eltern für die Entwicklung ihrer Kinder verantwortlich und darauf sollte man sich endlich einmal wieder besinnen. Wer als Vater erstens eine monströse Waffensammlung zuhause anlegt und die dann noch nicht einmal vor dem Zugriff durch seine Kinder verwahrt, der sollte schon deshalb für diese Tat seines 17-jährigen Sohnes voll verantwortlich gemacht werden.
Und noch was: die Grunddisposition für die Verzweiflung der jugendlichen Amokläufer wird ebenfalls in den Familien gelegt und da würde man in diesem Fall sicher nicht lange nach den Ursachen suchen müssen. Leider werden solche unverantwortliche Eltern aber durch eine falsch verstandene Auffassung von Privatsphäre geschützt, während ihre Kinder ihnen eben dort ausgeliefert sind, bzw. waren.
Und natürlich…hat das alles auch irgendwo etwas mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und ‘uns’ zu tun – aber ob man die plötzlich auf einen gerichtete Beretta sinnvollerweise als Zeichen des eigenen Versagens ansehen sollte ? Obwohl – vielleicht hilft’s ja beim Ertragen des Kopfschusses.
“… Aber wenn ( der Lebensbereich) mittelbar, mechanisch, organisiert, unfrei, seelenlos ist, dann eben tritt der Zustand der Verlarvung, der Unsicherheit, der Sinnlosigkeit ein. Dann stehen wir mitten in der großen Krise, im “Wirrsal”. Mir Wirrsal bezeichnen wir die Beweggründe, Gewalten und Zusammenhänge insgesamt, die den klaren Willensgang und die reine Entfaltung der menschlichen Art hindern. Wirrsal ist auch Ungewissheit über den zu schreitenden Willensweg, sei es im Geist oder in der Tat, und die schlechte Ordnung (Sinnlosigkeit, Verödung) des Lebensweges als Folge der Ungewissheit.”
entnommen aus dem Vorwort zu:
Eugen Diesel:
Der Weg durch das Wirrsal
Das Erlebnis unserer Zeit
1926 / 1932
J.G. Cotta´sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin
Es gibt eine generell Entwicklung sich weniger in das Leben der anderen einzumischen, sich selbst weniger zu binden – siehe Mitgliedschaftsentwicklung in Vereinen, Kirchen, Parteien, Gewerkschaften…
aber auch die Talkshow. Frueher haette man den Dorftrottel irgendwann genommen und nach Hause geschleppt. Heute sagt man, geh doch ins Fernsehen.
Das ist ein Kollateralschaden. Ab und an mal ein Amoklauf ist da durchaus zu ertragen. Wir haben ja auch freie Fahrt fuer freie Buerger auf den Autobahnen. Was ist denn die Alternative? Zurueck in die 70er?
Respekt Herr Luebberding!
Ich merke erneut, daß Sie – im Gegensatz zu vielen hier – Ihrer Verantwortung für das Gemeinwesen nicht ausweichen.
Menschen mit positiven Denkstrukturen-/Mustern in der nach oben offenen Richterskala,
versuchen sich in Ursachenforschung bei Menschen,
die sich psychisch in den tiefsten destruktiven Abgründen bewegen….
Kein Wunder, daß dann wir Alle, oder der Kapitalismus oder wer oder was auch immer schuld ist …..
@Loki
Diese Tat in Winnenden ist schrecklich und unser – aufrichtiges -Mitgefühl gehört den Opfern und Hinterbliebenen!
Aber …..
wundern wir uns über solch eine Tat in einer von uns gewollten, liberalen Gesellschaft mit legaler und unzureichend gesicherter Waffensammlung des Vaters, einem kaum kontrollierbaren Internet, mit gesellschaftlichen Vorbildern die versagen und unserer überwiegenden Gleichgültigkeit und Verdrängen gegenüber Millionen von Menschen, welche jedes Jahr weltweit an Hunger, Krankheiten und Kriegen sterben.
Ich nicht – auch wenn es zynisch klingt!
Comfortably Numb
The Wall
Pink Floyd
1979
http://www.youtube.com/watch?v=YEZBtOXgfug&feature=related
Meinen Respekt verdienen jedoch diejenigen Eltern, die sich tagtäglich mit viel Kraft und Engagement in diesem Umfeld um ihre Kinder kümmern und sich gegen den enormen Einfluss an negativem stemmen!
@loki
Grundsätzlich sind Eltern für die Entwicklung ihrer Kinder verantwortlich und darauf sollte man sich endlich einmal wieder besinnen.
Zunächst abgesehen von sonstigem: Hast du Kinder? Kannst du für deren Entwicklung auch dann noch verantwortlich gemacht werden, wenn du diese nicht mehr beeinflussen kannst? Ist deine Verantwortungs-Fähigkeit nicht auch auf dem basiert, was du selber als Kind erfahren hast?
Das sonstige, um das es hier geht: Es geht nicht um den Einzelfall, nicht um “das” Kind, nicht um “seine” Eltern. Dutzende, ja, Hunderte von Toten woanders und unter “anderen Umständen”, sind hier gerade mal eine Kurzmeldung wert, nicht ein stundenlanges Mediengewitter. Das hat andere Gründe, und nur die sind interessant, nicht die familiären Zustände eines Waffenfetischisten und Mit-Beretta-ins-Bett-gehenden-Psychoten in Willennden plus vmtl. ähnlich geratendem Sohnemann.
Die sind an sich total nebensächlich, so lange die Medien nicht eine Hauptnebensache daraus machen.
“Menschen mit positiven Denkstrukturen-/Mustern in der nach oben offenen Richterskala,
versuchen sich in Ursachenforschung bei Menschen,
die sich psychisch in den tiefsten destruktiven Abgründen bewegen…. ”
Unterschätzen sie die Leute nicht.
Es gibt in unserem Lande genug Menschen, die schon mal exakt an diesem menschlichen tiefsten destruktiven Abgrund waren nur zum Glück nicht hineingestürzt sind.
Einige diskutieren auch in diesem Thread und wissen wovon sie reden.
Wie gesagt, es ist schlicht ein Wunder, dass sowas nicht öfter passiert.
Du triffst den Nagel auf den Kopf. Guter Artikel!
Ich glaube nicht, dass Computerspiele mitschuld sind. Als Kinder haben wir ja auch Cowboy gespielt, und die Nachbarskinder massenweise “umgelegt”. Danach gings dann zu den Falken und frönte der sozialistischen Idee am Lagerfeuer.
Kennzeichnend für die Amok-Hysterie unserer Gesellschaft ist, dass hundertfache Selbstmorde, das massenhafte Zudröhnen mit irgendwelchen Stoffen, der mordende latente Faschismus nirgends auftaucht.
Kids rasten aus, statt Politik zu machen. Bequem für die Politik.
Mein Respekt, ausgezeichneter Blogeintrag!
Gruß
@xxHyFoxx 35
..danke für die Mitteilung deiner Ansicht.
@WGN
“Ich weiß nur nicht, ob wir spontan mit dieser Erkenntnis groß was anfangen werden können.”
Könnten wir. Wann gibst du deinen Job auf und gehst einer wahrhaft sozial verträglichen, anständigen und ethisch akzeptablen Arbeit nach ? Das wäre dann ein Beispiel nebst Beitrag zur Problemlösung.
@georgi
“Wer? Ich auch? Was habe ich damit zu tun?”
Du lebst und existierst. So einfach ist das. Auch wer sich ( eigene Erfahrung ) willentlich an den Rand stellt bleibt Teil des Ganzen.
Und wer Teil des Ganzen ist trägt eben seien Teil der Verantwortung. Ob es Ihm in die Suppe passt oder er es versteht, ist dabei völlig wurst.. Oh und es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen dummen Gelabbere und tatsächlichen verantwortungsvollem Handeln. Wie man an dieser Diskussion sieht. Reden ist immer billig…
@Nigeht
“Deutschland ist ein deprimiertes, überfordertes und vor Furcht gelähmtes Land in dem gerne und brutal ausgegrenzt wird. ”
Welch neue Erkenntnis. Komischerweise ist es anderswo auch nicht anders. Und noch komischer wird es wenn sich alle darüber beklagen,, aber die Zahl derjenigen die sich so radikal wie möglich ausklicken winzig klein ist. Ah sorry der Sachzwang, ich vergaß. … ( um eine von 9999 feigen erbärmlichen und niederträchtigen Ausreden herauszugreifen… )
@gojko
“Meine Meinung ist die, das man dem Typen einfach ein paarmal zuwenig den Hintern versohlt hat, als noch was zu machen war. Man hätte damit 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens wäre klar gestellt, dass man gefälligst die Pfoten von Pappis Waffenschrank zu lassen hat und zweitens wäre mal eine grundlegende Erfahrung vorhanden was Schmerz ist.”
Punkt eins mag ich dir zustimmen, Disziplin und Grenzerfahrung gerade bei Jugendlichen kommen erheblich zu kurz. Diese ganze Emanzenpädagogik heutigentags ist Ausdruck einer nunmehr fast grenzenlosen Dekadenz. Hach und BITTTE noch ein bisschen “Genderforschung” . Krieg ich nen Brechreiz… Jungs dürfen sich nicht mehr prügeln. Schwachsinn… . Das keiner sehen will das es in der “Zivilisation” mittlerweile genauso dekadent zugeht im im alten Rom…
Der Rest ist geistesschwacher Schrott. Hätte ich was zu sagen würde ich dem asozialen Herrn Papa eine kleine Lektion erteilen.
Ein niedlicher Lungendurchschuss mit Hochgeschwindigkeitsmunition Kaliber 9 tut nicht so weh und ist heutigentags zu überleben. Und da dieser wahnsinnige Vater meinte das 16 Waffen OK sind, darf er das ganze dann auch gerne 16 mal haben.
Und für eine einzelne Patrone die er hat offen rumliegen…. Aber der Man ist nun sowieso für sein Leben gestraft, hinterher ist es zu spät und nun kann man nur noch Mitleid mit Ihm haben…
Das ganze Waffenproblem wäre so einfach zu lösen: Jeder der meint er müsste sowas als Sport oder überhaupt haben, muss sich zum Erwerb einmal anschießen lassen. Oberschenkeldurchschuss würde sich anbieten und verheilt in der Regel gut.
Das würde die Anzahl der Waffe in unausgebildeten Händen ( komme mir keiner mit Schützenverein oder Polizei/Standartmilitär das ist keine Ausbildung sondern ein Witz, ein schlechter ) auf das Mindestmaß reduzieren.
Wer nach so einer Erfahrung dann immer noch meint er brauche eine Waffe, bitte. Dem ist dann eh nicht zu helfen.
Otaku
Mein ‘Lieblings’zitat aus dem Artikel über den Experten und sein System(TM):
Im niederbayerischen Eggenfelden etwa zeigte sich vor wenigen Monaten, wie das System greifen und einen potentiellen Amokläufer erkennen kann. Ein 14-jähriger Achtklässler wurde in die Psychatrie eingewiesen, nachdem er einen Amoklauf angekündigt hatte. Solch eine Drohung sei immer ernst zu nehmen. “In 95 Prozent der Fälle stellt sich heraus, dass es harmlos war”, so Hoffmann: “Aber die brenzligen Fälle werden eben auch erkannt.”
Sehr guter Beitrag. In diese Richtung wird niemals diskutiert werden. Niemals.
Diesen Hoffmann mit seinem allwissenden Computer sollte man schnellstens ins Exil schicken und vergessen.
@Dink
Wie kommst Du darauf ? Das ist doch der mainstream zu diesem Thema. Sieht man doch auch hier ! Die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder wird tabuisiert. Nicht Vernachlässigung, nicht Gewalttätigkeit von Eltern, nicht der Vater als Vorbild, der ein Waffenlager hält, sind im Fokus, sondern ‘wir’.
Übrigens schon mal gefragt, warum Deutschland außerhalb der USA so außergewöhnlich von solchen Schüleramokläufen betroffen ist ?
s.o. ! Es ist die reinste Einladung…
@ Loki
Vielleicht weil es so viele Deutsche gibt?
Mir kommt eher vor, bei den Finnen gibt es einen Häufungspunkt
@Europäer { 11.03.09 at 19:12 }
Ich finde es lächerlich bei sowas irgendwie eine Verbindung zum Kapitalismus und Gewinnstreben oder zur Finanzkrise herzustellen.
Die deutsche Gesellschaft ist vom sozialpopulistischen Neid und linkem Moralismus geprägt.
DAS IST IN DER TAT: weltfremder Idealismus
danz nach dem Motto
“Eure Armut kotzt uns an!”
Jeder gegen jeden! Der soziale Kannibalismus hat Hochsaison. Marktteilnehmer sind darauf abgerichtet, sich eben nicht nur als Arbeits- und Markt-, sondern auch als Sozialkonkurrenten zu verhalten. Man bleibt nur übrig, wenn dem anderen möglichst wenig übrig bleibt. Das Leistungsprinzip oder besser die Ökonomie der Ausgrenzung reproduziert ausgrenzende Individuen.mehr hier
http://www.freitag.de/2004/04/04040301.php
ich möchte mit meinem Buch ” Die unanständige Gesellschaft ” antworten.
Möglicherweise werden die Potentiale des Hoffmannschen Computersystems unterschätzt.
Lässt man einmal die philanthropischen Sentimentalitäten beiseite, dann wird deutlich, dass das Geschehen in Winnenden auch als Problem einer fehlenden Passung zwischen individueller Persönlichkeit und sozialem Kontext angesehen werden kann.
So wie Rambo im militärischen Kontext exzellent funktionierte, aber im zivilen Kontext scheiterte, so wäre es denkbar, dass Tim K. – der Täter von Winnigen – in militärischen oder paramilitärischen Kontexten hervorragend einsatzfähig wäre.
Denn ein häufiges psychologisches Problem in der Ausbildung von Soldaten ist der Abbau von Tötungshemmungen.
Ein anderes – damit zusammenhängendes – Problem ist die zu geringe Stresstoleranz in militärischen Handlungskontexten.
So berichtete die WELT unter dem Titel: „Rekordhoch – immer mehr US-Soldaten begehen Selbstmord“, dass die Selbstmordrate unter US-Soldaten im vergangenen Jahr so hoch gelegen hat wie nie zuvor in der Geschichte der Armee. Angesichts der der alarmierenden Entwicklung soll der US-Generalstabschef ein neues internes Programm angekündigt haben, bei dem die Soldaten lernen, was sie tun können, wenn sie bei sich oder bei Kameraden Selbstmordtendenzen erkennen.
http://www.welt.de/politik/article3118813/Immer-mehr-US-Soldaten-begehen-Selbstmord.html
Bei heutigen militärischen Auslandseinsätzen ergibt sich aufgrund der asymmetrischen Kriegsführung der Feinde (Terroristen) zwangsläufig das Problem zunehmender Kollateralschäden, wobei immer mehr Zivilisten und hier auch zunehmend Kinder, wie neulich erst die „Operation Gegossenes Blei“ zeigte, in der Schadensstatistik auftauchen. Die psychologische Verarbeitung von Kollateralschäden ist bei einer zunehmenden Zahl von Soldaten defizitär, so dass hier sicherlich ein wesentlicher Grund für die zunehmende Zahl von militärisch und ökonomisch unerwünschten psychischen Störungen oder gar zu Suiziden kommt.
Jenseits einer sentimentalen Betrachtung sollte man sich vor Augen halten, dass es einen zunehmenden Bedarf an Persönlichkeitsstrukturen, wie von Tim K. repräsentiert, gibt.
Aufgabe der Psychologie in Forschung und Anwendung ist es empirische Methoden zu entwickeln, damit jene Probleme inadäquater Passung zwischen Persönlichkeitsstruktur und sozialen Kontext nicht auftreten, die – bei nüchterner wissenschaftlicher Betrachtung – als ursächlich für das Geschehen in Winnigen, aber auch in Emstetten und sicherlich auch in Erfurt angesehen werden müssen. Der Täter von Emstetten wies ausgesprochen ausgeprägte militärische Affinitäten auf, die aber von der Schule nicht erkannt, geschweige denn gefördert wurden. Gemeinsam finden sich bei allen drei Täterbiographien ausgeprägte Misserfolgserlebnisse, die in deutlichen Kontrast zur Perfektion ihrer Tatausführung stehen. In einem anderen Kontext hätten diese Personen durchaus im gesellschaftlich erwünschten Sinne erfolgreich sein können.
@staph.aureus
Aber wenn ( der Lebensbereich) mittelbar, mechanisch, organisiert, unfrei, seelenlos ist, dann eben tritt der Zustand der Verlarvung, der Unsicherheit, der Sinnlosigkeit ein.
Das liegt daran das wenn die These stimmt das der Selbstmord die Ultima Ratio ist Ratio tötet.Wenn man die Tat rational betrachtet war es nur ein Neuronen Sturm innerhalb einer bestimmten Frequenz.Aber wer könnte damit wirklich Leben?
Er hier
http://dept-info.labri.fr/~gavoille/img/spok.jpg
aber das Animal Metaphysicum nicht.
Die Frage ist können wir wieder zurück in eine Arationale Welt ich glaube nicht. “Der Geist als Widersacher der Seele” von Klages beschäftigt sich mit genau diesem Problem ich bin da noch ein wenig Radikaler ich sollte auch von Irrationalität und nicht Arationalität sprechen.Wenn wir diese Problem Ananlyse akzeptieren ist die Frage wer ist im stande die Welt wieder aufzuladen.Oder besser wie ist die Welt wieder aufzuladen das kein missbrauch stattfindet oder stattfinden kann…Diese Aufgabe zu lösen ist nahezu unmöglich so das ich immer die Ration wegwerfen und das denken sprengen möchte.Man reiche mir Mentales Dynamit
btw…
Wir sollten wieder mehr Rousseau lesen…
Alle
Viele interessante Kommentare – auch von denen, die nicht mit mir übereinstimmen. Besonders hinweisen will ich aber noch einmal auf nigeth oder xxHyFoxx 35. Diese Anmerkungen sollte wirklich jeder lesen – vor allem diese ganze Psychologen, die jetzt als Hundertschaft zu Erklärungsversuchen ansetzen.
Darüber hinaus sind mir zwei Dinge wichtig:
1. Es geht nicht um die Abwertung persönlicher Verantwortung – etwa des Täters oder auch der Eltern. Sie können tatsächlich nicht den Kapitalismus oder sonst wen für das Ereignis in seiner konkreten Form verantwortlich machen. Ob gojkos “Tracht Prügel” wirklich geholfen hätte, wage ich bei einem Täter zu bezweifeln, der kaltblütig Schülerinnen in ihren Stühlen mit Kopfschuss liquidiert. Die Tat an sich ist eben nicht zu erklären. Ich habe ganz bewusst von einer freien Willensentscheidung des Jungen gesprochen, zum Massenmörder zu werden. Er handelte autonom und mit Überlegung. Genau diese Autonomie wird ihm übrigens in der Debatte weitgehend durch den Hinweis auf einen pathologischen Fall abgesprochen. Eine der Verarbeitungsstrategien ist eben diese Form der Verantwortung, die dem Jungen per Motivforschung etc. abgesprochen wird. Wenn man ihm nämlich diese Autonomie zubilligte, müsste man sich erst mit Frage beschäftigen, warum er sich entschieden hat, zum Massenmörder zu werden – und die Umstände dieser Entscheidung in die Bewertung der Tat einfließen lassen. Erst dann wird er zu unserem Jungen, der in Umständen lebte, die nicht er, sondern wir als Erwachsene zu verantworten haben. Das geschieht nicht – sondern wie von mir prognostiziert die Debatte über Gewaltkommunikation, sexuelle Frustration oder sonst welche Umstände, für die wir bekanntlich nicht verantwortlich zu machen sind. Tatsächlich kann man einem siebzehnjährigen Jungen nicht helfen, wenn er bei den Mädels nicht landen kann. Nur ist die These, dass dieser Junge deshalb diese Mädchen per Kopfschuss tötet, etwas absurd.
2. Ham und andere haben hoch interessante Beiträge über die Frage geschrieben, wie denn der Mechanismus funktioniert, der die Werte einer kapitalistischen Gesellschaft – wie Konkurrenz – in soziales Handeln transformiert. Der Fehler, den die Kritiker dieser Position machen, besteht darin, dass sie einen extremen Einzelfall – wie dieses monströse Verbrechen – von den gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen dieses Wertesystems abschotten. Weil es ein Einzelfall ist, kann man es nicht als ein für unsere Gesellschaft in irgendeiner Weise repräsentatives – wenn auch extremes – Muster sozialen Handeln deuten. Vielmehr muss in der Biografie des Täters etwas zu finden sein, dass ihn zu einem spezifischen – eben nicht repräsentativen – Einzelfall macht.
Genau um diese Frage geht es:
Handelt es sich um ein singuläres Ereignis oder um einen – wenn auch extremen – repräsentativen Fall für unser derzeitiges Zusammenleben?
Der Täter unterscheidet sich von jedem anderen Jugendlichen vor allem durch eines: Die Tat. Ansonsten ist er wie jeder andere. Völlig normal. Er würde bis heute niemandem auffallen, wenn er nicht im Kampfanzug und schwer bewaffnet in die Realschule gegangen wäre. Er könnte mein Sohn sein, wenn er auch bei mir keine Baretta im Schlafzimmer finden würde. Jetzt erst versucht man die Differenz zu den anderen Jugendlichen zu finden – Ballerspiele, Isolierung etc. . Es muss Gründe geben, so nannte das gestern Hurrelmann. Also wird man welche finden. Denn wenn dieser Junge normal wäre, dann erst müsste man sich mit den Lebensumständen von ihm – und allen anderen Jugendlichen – beschäftigen. Um das zu vermeiden, benötigt man die Pathologisierung seiner Persönlichkeitsstruktur. Tatsächlich aber könnte man das auch anders machen: Man betrachtet ihn als einen normalen Jugendlichen, der in der gleichen Umwelt lebt wie alle anderen – und sucht nicht nach einer Persönlichkeitsstörung. Vielmehr stellt man sich anläßlich dieses extremen Verhaltens nur eine Frage:
Warum ist Tim zum radikalen Nihilisten und zum kaltblütigen Killer geworden? Warum hat er also diese spezifische Form sozialen Handelns gewählt – und warum können Millionen anderer Jugendliche mit den gleichen Umständen besser leben? Nur das macht die Umstände, in denen sie leben müssen, nicht besser, sondern thematisiert sie. Nur weil einer nicht zum kaltblütigen Mörder wird, muss es ihm bekanntlich nicht gut gehen. Aber das wollen wir den Jugendlichen unaufhörlich mitteilen: Euch geht es gut. Ihr habt keinen Grund zur Klage. Wir wissen, was gut für euch ist. Klappe halten. Und die meisten halten die Klappe. Nur werden dann unerklärlicherweise viele Mädchen magersüchtig – und in extremen Fällen Jungs zu Mördern an Schulen.
Aber diese Jungs haben mit uns nichts zu tun.
Gruss Frank
@Ham
Du hast in vielerlei Hinsicht recht.
Was du nicht thematisierst oder thematisieren willst : Wie pervers muss eine Gesellschaft sein die die von dir beschriebenen Probleme und Affinitäten aufweist ?
IMHO ist die gesamte Struktur schwerst pathologisch gestört und die dadurch bedingte und/oder entstehen Masse an Mitläufern die gesellschaftlich erwünscht funktionieren und somit erfolgreich angepasst sind ein erheblich grösseres Problem als der Einzeltäter.
Das von dir beschriebenen militärische Problem ist übrigens seit den 80er bekannt und weitestgehend “gelöst” zumindest in Bereich der Spezialverbände. Scharfschützen mit gezielten Liquidationaufgaben hinter feindlichen Linien zb. arbeiten immer zu zweit. Teilen der Verantwortung. Abwälzung. Verdrängung. Somit Erhalt der Einsatzfähigkeit ect. pp… .
Aber das es sowas gibt zeigt wiederum die Perversität der derzeitigen Seinsebene die manche belieben Realität zu nennen…
Otaku
@Tensegrity, #51
Guter Einwurf. Ich hatte schon längst mal vor, was über Viktor Frankl zu schreiben, zumal der meiner Meinung nach in die aktuelle Epoche paßt, wie kaum ein anderer (Jaspers & Co. ausgenommen).
Ich sehe das Problem nur ein wenig anders: in einer grundsätzlich konformistischen Gesellschaft – und die hatten wir früher deutlich stärker als heute – haben wir uns angewöhnt, zunehmend mit dem Non-Konformismus und der Provokation zu kokettieren. Das war früher den Künstlern vorbehalten, heute aber ist es zum Massenphänomen geworden, fängt an bei T-Shirts mit dem Aufdruck “Ich bin eine Schlampe”, zieht vorbei an besagten Investmentbankern, und endet bei Amokläufern und WTC-Fliegern.
Warum laufen die 17-jährigen in ihre Schulen und richten ein Blutbad an? – Weil er es konnte! – aus keinem anderen Grund. Verzweifelt waren die Schüler auch schon früher, gehänselt und gemobbt wurden sie, geschlagen, gedemütigt … und was haben sie in extremis gemacht? – Sich umgebracht.
Selbstmord ist in unseren Zeiten aber keine vernünftige Option mehr, wo man seinen Frust in einem Finale furioso ventilieren kann, gleichzeitig aber durch die Geilheit der Medien ein “Statement” setzen kann: ich, der kleine, von allen gedemütigte, ewige Verlierer: ich komme einmal, wenigstens ein einziges mal, ganz groß raus.
Ich will nicht schon wieder Sloterdijk recyclen, aber tatsächlich handeln lange Passagen im “Weltinnenraum” von nichts anderem als diesem Thema. Er spricht dort zwar primär über den Terrorismus, aber im Grunde kommt das aufs gleiche raus: wir tun es, weil wir es können. Und in dem wir es tun, werden wir für einen kurzen Augenblick zu den ganz großen Stars, die Augen der Weltöffentlichkeit auf uns gerichtet.
Zynisch formuliert: die Amokläufer von Winnenden, Emsdetten, usw sind die überdrehte Version von “Deutschland sucht den Superstar”. Pathologisch besteht zwischen ihnen und den Kandidaten, die sich für 10min Ruhm von Bohlen und Co dämlich anmachen lassen, vermutlich keinerlei Unterschied. Der besteht lediglich in der Bereitschaft, zum “Täter” (im Wortsinn, nicht als strafrechtlicher Begriff) zu werden. Der “innere Papst”, wie Sloterdijk es schrieb, erteilt seinen Sanctus. Bingo!
Ich sehe in der Tat darin nicht unbedingt einen Fehler des Kapitalismus, zumindest keinen direkten. Sondern eine Folge des allenorts propagierten Individualismus, der vollständigen Abkehr vom Gemeinschaftlichen, der Tatsache, dass “The Winner takes it all” nicht mehr lediglich akzeptiert, sondern sogar zur Maxime erhoben wird.
Die großen Figuren der Geschichte, sei es auf dem Gebiet der Politik, Wissenschaft oder der Kunst, waren zu allen Zeiten die restlos “Enthemmten”. In diesem Punkt besteht kein Unterschied zwischen Adolf Hitler oder Leonardo da Vinci, Stalin oder Mahatma Ghandi. In einer tendenziell geschlossenen, traditionellen und konformistischen Gesellschaft blieben solche Figuren aber immer überschaubar, zumindest im Rahmen der allgemeinen Konventionen. Sie mußten deshalb sogar Rekurs auf aus der Allgemeinheit entrückte Tätigkeitsfelder wie Politik oder Kunst nehmen, um ihrer Enthemmtheit Folge leisten zu können.
In dem Ausmaß nun, wie diese Konventionen zunehmend aufweichen, kehrt die Enthemmtheit in das Gewöhnliche der Gesellschaft zurück: in den Schulalltag, an den Arbeitsplatz, in den Straßenverkehr.
Ich kann daher abschließend wirklich nur zu Protokoll geben: mich wundern solche und ähnliche Taten wie gestern überhaupt nicht. Mich wundert nur, dass wir uns darüber wundern.
Weissgarnix
“Zynisch formuliert: die Amokläufer von Winnenden, Emsdetten, usw sind die überdrehte Version von “Deutschland sucht den Superstar”.
So hatte ich das bei einem Kollegen gestern auch formuliert. Nur was ich nicht verstehe: Warum auf einmal diese Reduzierung auf die Individualisierungsthese – auf Beck und Konsorten? Die Individualisierung ist ein Ausdruck für Vermarktlichung. Das kommt ja nicht aus dem ökonomischen Nichts – diese ganzen Thesen vom Selbstmarketing etc. . Das ist ja keine abstrakte Form sozialen Handelns, die sich ein Soziologe am Schreibtisch ausgedacht hat und die deshalb auf einmal zur Grundlage unserer Gesellschaft wird. Weil der alte Konformismus auf einmal als dumm erkannt wird und man jetzt die schöne neue Welt der Optionen – also des Entscheiden dürfens und – müssens – entdeckt hat?
Eben nicht. Es geht nicht um die Kritik am Kapitalismus als Herrschaftssystem, sondern um die Kritik an eine Gesellschaft, die soziale Kontexte zusehens nur noch als Markt zu denken weiss.
HAM, otaku
Interessanter Hinweis auf das Militär. Nur das Militär versuchte nicht den Soldaten zum Killer zu erziehen, sondern ihm tatsächlich eine doppelte Identität zu verschaffen. Also sein ziviles Funktionieren ohne Gewalt sicherzustellen. Er sollte die Tötungshemmung nur in der Ausnahmesituation des Krieges verlieren dürfen. Das ist ein hoch komplexer Prozeß – in jeder Armee.
Was aber jetzt interessant ist. Offenkundig produziert die Zivilgesellschaft den gleichen Sozialisationsmechanismus, der einen jungen Mann zum Killer werden läßt wie es ansonsten nur das Militär praktiziert und darf.
Das ist das Erschreckende an unseren Verhältnissen – und dass man deshalb heute davon reden muss, dass es keine absolute Sicherheit geben könne. Nur reden wir hier von der Schule – und nicht vom Krieg.
Gruss Frank
“des allenorts propagierten Individualismus”
Du bist aber nunmal allein auf dieser Welt daran wird auch gefühlte oder konstruierte Gemeinschaft nichts ändern.Es ist ein Faktum das das Aussen in deinem Gehirn Konstruiert wird.Was du willst ist das den Menschen ein Aussen aufgezwungen wird nichts anderes sind Konventionen.
Du willst eine Plastik Welt erschaffen nichts anderes tun die Medien jeden Tag was passiert wenn diese als solche erkannt wird Peng beschreibt den Vorgang wohl ziemlich genau.
Wir können nicht wieder zurück…
Wenn ich deinen Gedankengang weiter verfolge müsten wir nur neue Konventionen einführen damit der Amokläufer sich nen gelben Hut aufsetzen kann. Absurd…
“kehrt die Enthemmtheit in das Gewöhnliche der Gesellschaft zurück”
Ja früher war alles besser wenn man sieht das Kaiser Karl den Ehevollzug vor versammelter Mannschaft durchführen muste heute nennt sich das wohl Gruppensex soviel zum Thema enthemtheit in der heutigen Gesellschaft…
“Das ist das Erschreckende an unseren Verhältnissen – und dass man deshalb heute davon reden muss, dass es keine absolute Sicherheit geben könne.Nur reden wir hier von der Schule – und nicht vom Krieg.”
Es hat diese Sicherheit nie gegeben ihr seit Spieser…
Das meine ich doch damit das man die Welt nur mit Metaphysik ertragen kann wenn der Michel sich früher auf den Weg zur Schule durch den dunklen Wald machte hat man ein Gebet in den Himmel geschickt der Herrgott wirds schon richten… und wenn er es nicht getan hat hat man auf ihn geschimpft und 20 Ave Maria in den Weltinnenraum geflucht.Die Sekularisierung und die Rationalität hat euch genau das geraubt.Dafür müssen wir Ersatz finden!!!
@f.luebberding
>sondern um die Kritik an eine Gesellschaft, die soziale Kontexte zusehens nur noch als Markt zu denken weiss.
Und das genau sehe ich eben nicht so: die Amokläufer begriffen sich nicht als Teil eines “Marktes”, hatten darob Existenzängste oder was auch immer. Bin Laden hat keine Existenzängste, die Jungs, die die WTC-Flieger steuerten, dachten dabei garantiert nicht an den Markt. Sondern sie dachten fast ausschliesslich an sich, an sich selbst und ihre Tat.
Mit dem Kapitalismus als ökonomisches Reproduktionssystem hat das zunächst mal nichts zu tun. Mit dem Neoliberalismus als seine gesellschaftliche Implementierung schon eher. Nur lautet die Frage hier: wie ist die Kausalität? – Beförderte der Kapitalismus den Abbau von kollektivistischenTraditionen, Normen, Werten? Oder richtete sich eine immer stärker auf Individualität ausgerichtete Zivilgesellschaft den Kapitalismus so her, wie sie ihn gerne haben wollte?
Ich tendiere – ehrlich gesagt – zu zweiterem. Es war nicht das böse “Kapital”, das unsere Traditionen sprengte; es ist nicht das vermeintlich “viele” Geld, dass die dummen Frisörlehrlinge und KFZ-Mechaniker-Azubis in die Arme von Dieter Bohlen bei RTL treibt; es sind nicht primär ökonomische Zwänge, die die Geburtenraten des industriellen Westens in den Keller schicken: es ist vielmehr ein neuer Wertekanon, den man noch nicht mal mehr “gesellschaftlich” nennen kann, weil er durch und durch “individuell” ist. Der Neoliberalismus war bzw ist daher in meinen Augen auch keine wie immer geartete Spielart des Kapitalismus, sonder er ist primär eine gesellschaftliche Auffassung, eine Art “Projekt”, bei dem die Betonung des Individuellen eine ganz zentrale Bedeutung hat. Oder was glaubst Du, warum in den letzten Wochen immer und immer wieder der Begriff der “Freiheit” fiel?
Aus diesem Grund bin ich übrigens auch schon seit langem der Meinung, dass die Globalisierungsdebatte und diverse Erörterungen zu Banken, Bailouts und dergleichen bei Ökonomen völlig falsch angesiedelt ist: sie gehört in die Hände von Soziologen, Politologen und Philosophen.
Ansonsten werden wir immer nur an der Oberfläche kratzen.
Otto Schily ist AR in zwei Biometrie-Firmen.
Ist es denn ein Wunder, dass jetzt Chipkartenleser an Schuleingängen gefordert werden?
@weissgarnix
Meinst du den Attentäter als Individuum oder den Attentäter als Teil einer Gruppe?
Wir müssen herausfinden, für welchen “Stamm” der Attentäter in den Krieg gezogen ist. Die Beschränkung auf das Individuum ist kein Lösungsansatz, da sie die Antwort ausschliesst.
Der Amokläufer hätte sicher mit Freude sein Leben im Kampf geopfert, um seinem “Stamm” zu dienen. Jedoch hat er wohl seinen “Stamm” nie gefunden und die gesamte restliche Welt als Feind erkannt. Er ist sozusagen das letzte Mitglied eines untergegangenen Prinzips.
Das mit der Kausalität sehe ich ebenfalls anders. Wenn du einen Stein in den Händen hältst, loslässt und er fällt dir auf den Fuss. Liegt die Kausalität dann daran, dass du ihn losgelassen hast oder an der Schwerkraft?
Yep, ein kleiner Einwurf eines soziologisch Interessierten
Yep, natürlich war früher alles besser….yep, da hatten wir keine Amokläufer, sondern die RAF, die killten halt mit Programm….und yep, davor war mal so zwei Weltkriege, wo sich die Jugend austoben durfte…yep, erwarchsen werden ist immer grausam und schrecklich und so…und erzeugt Wut und Gewalt…war so, ist so und wird immer so sein….also: Das Neue ist nur die Vorgehensweise, weil man heute als linker Spinner (RAF) keine Anerkennung mehr bekommt, sondern als Amokläufer ala MAtrix und so. Und nein, man kann die Gesellschaft nicht ändern…man kann nur verhindern, das menschen an massenvernichtungswaffen kommen, d.h. Waffen generell verbieten…und nope, genau dies, das einzige Sinnvolle was man tun kann, genau das wird nicht getan, weil die Schützenvereine ja potentielle CDU-Wähler sind…yep, so zynisch sind die Erwachsenen…und dann weinen um ihre Kinder.
Yep, und auch das wird man nicht ändern können.
“There are over 550 million firearms in worldwide circulation. That’s one firearm for every twelve people on the planet. The only question is: How do we arm the other 11?”
Yuri (lord of war)
Meine Trauer ist bei den Opfern und ihren Angehörigen.
@nanuk:
Rousseau lesen, Rüben hacken, Müsli kauen, Grüne wählen ?
Wer nicht mitmacht: Rübe ab ? (1789 ff…)
Rousseau, oder auch Eugen Diesel, gefallen mir als Kontraindikatoren: in wirtschaftlichen Krisenjahren beklagen sie die Veränderung des Menschen, jammern begründet über technische Änderungen, obwohl sie davon profitieren, stellen das bisherige System in Frage und fordern abstrakt eine Wende zum Besseren in der Zukunft.
Und das Resultat: alles bleibt wie es ist, nach Regen kommt Sonnenschein. Daher werden wir auch nach der aktuellen Wirtschaftskrise, die durchaus schwerwiegende Folgen haben wird, wieder bessere Zeiten sehen. Ohne Systemwechsel.
Ist das nicht eine schöne, “friedliche Utopie” ?
Und mit Schrecken habe ich heute gelernt, daß ein Amoklauf kein Phänomen der Computerzeit ist (Wikipedia: Amok ).
Auswahl bekannter Amokläufe
* 4. September 1913, Vaihingen an der Enz, 17 Tote (siehe Ernst August Wagner)
* 18. Mai 1927, Bath, Michigan, 45 Tote (siehe Schulmassaker von Bath)
* 6. September 1949, Camden, New Jersey, 13 Tote (siehe Howard Unruh)
* 11. Juni 1964, Köln, 10 Tote (siehe Attentat von Volkhoven)
* 1. August 1966, Austin/Texas, 17 Tote (siehe Charles Whitman)
Und das Resultat: alles bleibt wie es ist, nach Regen kommt Sonnenschein. Daher werden wir auch nach der aktuellen Wirtschaftskrise, die durchaus schwerwiegende Folgen haben wird, wieder bessere Zeiten sehen. Ohne Systemwechsel.
Ist das nicht eine schöne, “friedliche Utopie” ?
Ja ignoranz kann wunderbare Utopien erschaffen da geb ich dir recht.Ändert aber nichts an den von mir ausgeführten Fakten.Ich nehme meine Weltgewissheit und Liebe zur Natur aber von jemand anderem…
“Die naturhafte Neigung ist der Anfang der Tugend.”
Thomas von Aquin
Aber beiss dich ruhig an Rousseau fest ich hoffe es schmeckt oder soll ich noch ein wenig Rübenkraut reichen?
Ernst August Wagner (* 22. September 1874 in Eglosheim; † 1938 in Winnenthal) war ein Lehrer, Dichter und Massenmörder.
Seltsamer Zufall: Winnenthal ist die Heilanstalt bei Winnenden.
@Goldenes Kalb
http://www.igpp.de/german/welcome.htm
Wir sollten mal dort nachfragen…
@Nanuk
Ich bin mir sicher, dass diese Verbindung von Verschwörungstheorieamateuren noch ausgiebig ausgelotet wird. Vielleicht ist der Amokläufer ja ein ausserehelicher Nachfahre von Ernst August Wagner? Nur mal so als Gedankenanstoss.
@ Lübberding
“…diese ganzen Psychologen, die jetzt als Hundertschaft zu Erklärungsversuchen ansetzen.”
Schade, Herr Lübberding. Warum plötzlich so wissenschaftsfeindlich ? Die Psychologie ist eine Wissenschaft, die auf vielen Gebieten mit naturwissenschaftlichen Methoden arbeitet und sie ‘setzt’ nicht ‘zu Erklärungsversuchen an’, sondern sie hat sie und zwar schon ziemlich lang !
Ein wichtiger Zweig der Psychologie erforscht seit mehr als hundert Jahren die Auswirkungen der Erfahrungen, die das Kind mit seinen nächsten Bezugspersonen macht, auf die Bildung seiner Persönlichkeit. Und die Ergebnisse sind hier sehr eindeutig: Gewalt, Vernachlässigung, Gefühllosigkeit, pauschale Unterdrückung natürlicher Bedürfnisse und des natürlichen Selbständigkeitsbestrebens des Kindes führen zu abnormen Entwicklungen der Persönlichkeit.
Solche Persönlichkeiten sind eben nicht wie Sie für mich völlig unverständlicherweise behaupten ‘völlig normal’.
In der Rechtsprechung führt das nun schon seit Jahrzehnten zu der schizophrenen Situation, dass man Menschen wider besseres Wissen aburteilt, obwohl klar ist, dass es eben die auch von Ihnen hier wieder postulierte Autonomie (‘Er handelte autonom…’) in der Persönlichkeitsentwicklung nicht gibt, sondern dass spätere Täter immer zunächst auch Opfer (im weiteren Sinn) ihrer Bezugspersonen waren. (Dazu gehört natürlich auch, dass Eltern ihren Kindern das aktiv oder passiv verweigern, was ihnen natürlicherweise zusteht, nämlich positive Zuwendung.) Der Ausweg aus dem Dilemma wäre gezielte, gesellschaftlich organisierte Prävention, nicht wegsperren, wenn es schon zu spät ist und halbherziges, nachträgliches Herumtherapieren. Das wäre -und das meine ich ernst- so etwas wie es die viel geschmähte ‘Supernanny’ vormacht. Nur eben als gesellschaftliche Institution. Kostet wieder Geld – deshalb wird man die Fiktion der Autonomie weiter aufrechterhalten wollen.
Sehr viel Geld würde es auch kosten, unsere Schulen, wenn die Familien sich schon wirtschaftlichen Zwängen beugen (müssen) und ihre primäre Aufgabe nicht mehr wahrnehmen (können), wirklich kindgemäß einzurichten, also mit kleinen, überschaubare Lerngruppen, mehreren Betreuern und Lehrern pro Fach und Klasse, in überschaubaren, nicht anonymen Einheiten, die als Umwelt gestaltet sind, in der Kinder sich, wenn nicht zuhause, so doch wohlfühlen. (Das gibt es übrigens im Ansatz schon: für behinderte Kinder.)
In solchen Schulen bestünde eine Chance, auch ‘unauffällige’ Schüler mit echten Persönlichkeitsstörungen zu erkennen und angemessen auf sie zu reagieren. Die personell und materiell erbärmlich ausgestattete Schule dieser Spar-und Verschwendungs-Republik ist dazu nicht ernsthaft in der Lage.
@Goldenes Kalb
71 Jahre her ne Primzahl ist mir gerade aufgefallen…
@nanuk: “Die naturhafte Neigung ist der Anfang der Tugend.”
Thomas von Aquin
Da sind wir doch wieder ganz nah bei Benedikt, wie schon vor einigen Wochen. Die bürgerlich-revolutionäre Säkularisierung war ja nicht so ganz erfolgreich.
“Da sind wir doch wieder ganz nah bei Benedikt, wie schon vor einigen Wochen. Die bürgerlich-revolutionäre Säkularisierung war ja nicht so ganz erfolgreich.”
Ich sagte doch die ganze Zeit Menschen können ohne Metaphysik nicht leben die Ratio findet keine Antworten auf die letzten Fragen.Sie frist die Seele auf…
Und woran glaubte der schwäbische Christ Adolf M. ?
Kann ich nicht sagen ich kenne ihn nicht…
Sehr zu empfehlen ist die ARD-Dokumentation “Amok in der Schule” (auf youtube zu sehen) von Thomas Schadt, die zwei Jahre nach dem Schulmassaker von Erfurt entstanden ist. In dem Film kommen Mitschüler von Steinhäuser zu Wort. Dort gab es damals eine Schülerinitiative “Schrei nach Veränderung” (allein schon der Name!). Von den meisten, selbst von den guten Schülern, wurde die Schule als sinnlose Hetzerei durch die Stoffmengen empfunden. Das kommt dabei heraus, wenn man die Bildungspolitik den Unternehmensberatern überläßt. Man kann nicht alles mit einer rein quantitativen Denkweise angehen. Die Schüler haben kaum noch Zeit, den Stoff zu geistig zu verarbeiten bzw. für außerschulische Aktivitäten und Hobbys. M.E. ist der einzige Zweck des G8-Gymnasiums, Kosten zu sparen. Man packt halt den Stoff von 9 in 8 Jahre bei entsprechender Verdichtung. Das gleiche an der Universität, die Stoffmenge eines vierjährigen Studiums wird auf drei Jahre eingedampft.
Das ist dumpfe Paukerei statt Bildung. Auch ich wundere mich, daß an den Schulen nicht noch mehr passiert. Offensichtlich verschließen die meisten waffenbesitzenden Eltern ihre Waffen doch in kindersicheren Tresoren…
Metaphysik ist kein Selbstzweck, wenn sie in die falsche Richtung geht, z.B. wenn im Glauben eines schwäbischen Milliardärs das goldene Kalb im Mittelpunkt steht, oder wenn es eine Metaphysik ist, in der ein “Führer” oder der “Sieg des Proletariats” gefeiert wird.
Metaphysik der Achtziger: Westernhagen macht es sich einfach.
Ich glaube an die …, denn die zahlt aus in bar
http://www.youtube.com/watch?v=XXrZCijqEA8
@ Weissgarnix # 85
Individualität und Prosozialität stehen nicht zwangsläufig im Gegensatz zueinander. Dies behaupten zwar alle totalitären Systeme und insbesondere der konformistische Sozialismus.
Als entwicklungsoffenes Wesen steht der Mensch vor der Altnernative, sich zu einer prosozialen oder antisozialen Persönlichkeit zu entwickeln.
Je nach gesellschaftlicher Umwelt gibt es Zeiten, in denen es der leichtere und erfolgreichere Weg ist, sich prosozial oder antisozial zu entwickeln.
In den 50-er und 60-er Jahren wurde Albert SCHWEIZER in Deutschland als Vorbild propagiert: Als eine christliche Persönlichkeit, welche Nächstenliebe praktiziert. SCHWEITZERS Lebensweg war bis zu seinem Lebensende durch ausgesprochen individuelle und non-konformistische Entscheidungen geprägt. Er war ein Mensch, der gegen den Strom schwamm.
Der Konformitätsdruck hinsichtlich des äußeren Verhaltens war in den 50-er und 60-er Jahren zweifellos größer als heute. Zugleich war die Akzeptanz geistiger Individualität in Deutschland niemals größer als zu diesen Zeiten. Eigenständiges Denken wurde an den Gymnasien nicht nur toleriert, sondern wurde gefordert und gefördert.
Man muss nur nachlesen, was damals an Universitäten gelehrt und in den Massenmedien geäußert werden konnte!
Der heute zur Schau gestellte Non-Konformismus hat mit echter Individualität nichts zu tun. Was ist an Tätowierungen, an grell gefärbten Haaren, an T-Shirts mit provokanten Aufdrucken individuell? Irgendein Rockstar, Rapper, Modefuzzi etc. fängt damit an, und die Massen machen es wie die Affen nach.
Das bürgerliche Individuum strebte nach Individualität: Der Forscher, der Entdecker, der Abenteurer, der Entdecker, der Schriftsteller, der Künstler, der Unternehmer, der Revolutionär etc. Sie alle wollten ihre Persönlichkeit entfalten und Großartiges leisten.
Jene banalen Gestalten, welche in “Deutschland sucht den Superstar” auftreten, sind an dieser Art Individualität gar nicht interessiert. Sie wollen nicht gegen den Strom schwimmen, sondern sich dem “Massengeschmack” anpassen. Sie haben nur ein Ziel, nämlich sich erfolgreich zu vermarkten = zur Ware zu machen.
Weissgarnix schreibt:
„Warum laufen die 17-jährigen in ihre Schulen und richten ein Blutbad an? – Weil er es konnte! – aus keinem anderen Grund. Verzweifelt waren die Schüler auch schon früher, gehänselt und gemobbt wurden sie, geschlagen, gedemütigt … und was haben sie in extremis gemacht? – Sich umgebracht.“
Mit der Tatgelegenheit („Weil er es konnte!“) lässt sich diese Tat allerdings nicht erklären. Denn niemals war es in der Nachkriegsgeschichte so leicht, an scharfe Waffen heranzukommen, wie in den 60-er Jahren. Langwaffen waren ab 18 Jahren frei erwerblich. So gab es sog. Buntline-Revolver mit über 60 cm Lauflänge, die frei verkäuflich waren und wo jeder mit einer Eisensäge daraus eine Kurzwaffe machen konnte. Es gab Schreckschussrevolver, die nichts anderes waren als ein scharfer Revolver mit einem kleinen Stahlstift im Lauf, der leicht herausgefeilt werden konnte. Und auch Schusswaffen aus Militärbeständen waren leicht zu bekommen. Das war kein Problem. Es gab Schüler, die darüber verfügten.
Mir ist ein Fall bekannt, wo unter der Schulbank – so dass es Mitschüler sehen konnten – mit einer scharfen Waffe auf Lehrer gezielt wurde. Aber natürlich war die Waffe ungeladen.
Mir ist aus den 60-er Jahren auch kein Fall bekannt, dass ein Schüler einen Mord oder einen Mordversuch an einem Lehrer begangen hätte.
Die Tatgelegenheit kann eine derartige Tat nicht erklären.
http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=35389603
Loki
Gute Antwort. Nur ich bin gar nicht wissenschaftsfeindlich … . Man kann mit mir durchaus über die von Ihnen genannten Persönlichkeitsstörungen und deren Ursachen reden. Etwa das Scheitern der Beziehung zwischen Eltern und Kind – man muss ja nicht gleich so pauschalen Unsinn wie heute dieser Münchener Kindertherapeut W. in der Bild Zeitung erzählen, der einfach seinen therapeutischen Instrumentenkasten auf Tim anwendet – ohne allerdings irgendwas von ihm zu wissen.
In medias res – Nanuk wird es freuen – gehen wir natürlich beim Thema “Autonomie”. Nun gab es vor Jahrzehnten eine Kritische Psychologie, die im Tradionsstrang der Kritischen Theorie postulierte, dass es Autonomie im Kapitalismus nicht geben könne. Wir sind danach alle beschädigte Persönlichkeiten – worüber man bei mir durchaus reden kann … . Einer der entscheidenden Kritikpunkte an der “bürgerlichen Psychologie” war ihre Orientierung an der Funktionsfähigkeit des Individuums im Rahmen kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Der Vorwurf an die Wissenschaft lautete “affirmativ” zu sein – also etwa das berechtigte Unbehagen des Patienten an der Leistungsethik unserer Wirtschaftsordnung nicht als berechtigte Kritik an den Verhältnissen zu verstehen, sondern als Krankheit zu pathologisieren. Wir kennen das auch aus den Debatten über die Rolle der Psychologie im Faschismsu. So weit, so kurz … .
Nun bin ich im Gegensatz dazu immer der Überzeugung gewesen, dass auch im Rahmen dieses Systems autonomes Handeln durchaus möglich ist, selbst wenn man seine Funktionslogik kritisiert. Das mag eine Fiktion sein, aber die bürgerliche Rechtsordnung braucht diese Fiktion, weil sie ohne diese Annahmen schlicht nicht überleben könnte. Daher teile ich zwar einige Ihrer Annahmen, aber eben nicht die Schlussfolgerungen. Natürlich ist ein 17jähriger wie Tim nur begrenzt in der Lage, seine Lebensbedingungen und seine Sozialisationsdefizite zu verstehen (dazu später mehr). Aber wieso kommen wir deshalb gleich zur Schlussfolgerung, dass er gestern nicht in vollem Bewusstsein der Konsequenzen und mit freiem Willen (unter der Einschränkung der Frage, ob es diesen überhaupt gibt) eine Entscheidung getroffen hat – nämlich zum Massenmörder zu werden. Dafür gibt es keinen Grund – es sei denn die – zugegeben bürgerliche Fiktion – der “Autonomie” abzuschaffen. Das gilt dann aber auch für Psychologen … . Aus der Tatsache, dass er eine desaströse Fehlentscheidung getroffen hat, machen wir jetzt aber eine Krankheit, weil natürlich niemand in unserer Gesellschaft so eine Fehlentscheidung treffen kann – es sei denn, so die Logik, er ist krank. Denn wenn man ihn nicht als krank diagnostizierte, kommen wir zur Frage, warum er solche desaströsen Fehlentscheidungen treffen konnte – müssen also über die Umstände reden. Genau das soll aber vermieden werden.
Wie gesagt: Ich bin dafür, den Jungen ernstzunehmen bevor ich ihn zur eigenen Beruhigung als “krank” beschreibe. Ansonsten kann ich – außer die an Rousseausche Erziehungsdiktatur bisweilen erinnernde Terminologie – vielem zustimmen. Nur kommen wir trotzdem um eine Frage nicht herum: Sollen diese “Supernanny” Strukturen tatsächlich nur die Aufgabe haben, die Potentiale des deutschen Humankapitals “Kind” der Verwertungslogik einer im Wettbewerb stehenden Hochleistungsökonomie zu unterwerfen? Ihr als Psychologen müsst euch diese Frage übrigens auch stellen.
Sie betrifft unser Menschenbild.
Gruss Frank
Hatte vielleicht Tim K. zufällig illegale, gefälschte Tabletten zugesendet bekommen, und war stoned von Amphetaminen ? Autopsie abwarten.
Heisse Geschichte aus Winnenden:
http://www.bkz-online.de/modules/news/article.php?storyid=410560&storytopic=9
Weissnochweniger
Genau hier liegt das Problem. Pisa etc. hat man nur in dieser Beziehung wahrgenommen. Es galt die Wettbewerbsfähigkeit unseres Bildungssystems zu verbessern. Bildung wurde nur noch als Produktionsfaktor vulgarisiert – und führte zur Paukschule.
HAM, goodnight
Volle Zustimmung. Am Einfachsten war es in der Nachkriegszeit an Waffen zu kommen. Bis in die 70er Jahre hinein hatten doch wohl viele Soldaten ihre alte Zimmerflak aus dem Krieg im Schreibtisch liegen. Nur sollte man bei der Beschreibung der Nachkriegsverhältnisse die Anmerkungen von goodnight nicht vergessen – Gewalt fand durchaus andere Ausdrucksformen – etwa als politische Gewalt. Von Joschkas Steinen bis zur RAF. Nur ist im Vergleich zur Randale am Bauzaun in Brokdorf die heutige Form des individuellen Terrors ohne explizite Botschaft wesentlich katastrophaler.
Gruss Frank
Oder waren legale Drogen beteiligt ? Ebenfalls Autopsie abwarten.
“Der Amokläufer war nach Rechs Worten seit 2008 wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung.”
“There are so many murder/suicides linked to Prozac and other SSRI drugs that the public would be absolutely shocked to learn the true details of how many people have been killed by these drugs.”
http://www.naturalnews.com/003201.html
Herr Lübberding, erst einmal vielen Dank für ihren Artikel.
Wenn ich lese, was die Damen und Herren Journalisten von sich geben, packt mich das reine Grausen. Verlautbarungsjournalismus, bei dem man auf das eigene Hirn verzichtet. Recherche? „Kenn wa nich und wolln wa nich“. Hauptsache die Gier nach Blut kann befriedigt werden. Ich schäme mich für meine ehemaligen Berufskollegen.
Es ist ja so einfach, alles einem irren Jugendlichen in die Schuhe zu schieben. Ein Einzelfall, der uns nichts angeht. Weitermachen wie bisher und Winnenden bleibt das beschauliche Örtchen in einer heilen Welt, das durch den Zufall von einer Katastrophe getroffen wurde.
Aber ganz so ist es nicht. Gut, noch ist die Arbeitslosenrate in der Region relativ niedrig und der Lebensstandard relativ hoch. Allerdings gilt das Remstal als eine Hochburg des Rechtsradikalismus in Baden-Württemberg. Ausländerfeindliche Übergriffe kommen immer wieder vor. Auf der anderen Seite gibt es in Stuttgart einen Staatsanwalt, der gerichtlich gegen Jugendliche vorgeht, die durchgestrichene Hakenkreuze an ihren Jacken tragen. Soviel zur heilen Gesellschaft.
2002 drang in einem Nachbarort ein Schüler der Realschule bewaffnet in das Gebäude ein und nahm mehrere Geiseln. Glücklicherweise konnte damals ein Blutbad verhindert werden. Vor etwa drei Jahren, das Datum ist mir entfallen, stürmte ein SEK ein Haus in Leutenbach, weil dort eine islamistische Zelle vermutet wurde. Unter den Verdächtigen waren einige Jugendliche.
Zu den Verhältnissen, in denen Tim K. aufwuchs: Sein Vater ist Geschäftsführer eines Unternehmens mit ca 150 Mitarbeitern und gilt im Ort als sehr honorige Person. Tims jüngere Schwester besucht das Gymnasium, das übrigens direkt neben der Realschule liegt.
Diese Fakten hätte jeder Redakteur, der etwas von Recherche versteht, nach wenigen Minuten haben können. Denn diese Informationen findet man auch im Netz.
So weit so schlecht, aber schludrige Arbeiter gibt es immer. Was mich jedoch nach wie vor auf die Palme bringt ist das Verhalten einiger Journalisten.
Wie viele andere betroffene Schüler ließ mein Sohn gestern Abend seiner Wut und seiner Trauer in einem Internetforum für Jugendliche freien Lauf. Zu diesem Zeitpunkt kursierten die wildesten Gerüchte, denn nach wie vor war noch nicht klar, ob Freunde oder Bekannte unter den Opfern waren. Bald gesellten sich ein paar Journalisten dazu und fragten, was die Jugendlichen über diese Tat dächten, ob sie für die Todesstrafe wären oder an Rache dächten. Übelste Witwenschüttlerei. Die Antworten wurden heute teilweise veröffentlicht und zwar nicht nur von der Zeitung mit den großen Buchstaben. Welchen Wert haben die Aussagen von völlig panischen Jugendlichen, welchen Informationsgehalt? Keinen. Sie dienen lediglich einer niedrigen Sensationsgier und der Auflage.
Bevor jemand fragt: Natürlich haben wir den ganzen Nachmittag miteinander geredet. Aber irgendwann ist die Vernunft am Ende und der homo animalis verlangt sein Recht – und solange dieser sich nur im Internet austobt soll es mir egal sein.
Ich neige bei meiner Analyse der Versagertheorie zu, denn Tim wird von seinen Lehrern als eher leistungsschwach beschrieben. Ob er vor der mittleren Reife das Gymnasium besuchte, konnte ich noch nicht recherchieren. Die Vermutung liegt für mich nahe, dass der Junge nicht den Erwartungen seines Vaters entsprach, der sich einen Nachfolger für seine Firma wünschte. Und dieses wird der Junge sicher zu spüren bekommen haben.
…zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, …oder die FDA:
http://www.fda.gov/cder/drug/advisory/mdd.htm
” Patients should not discontinue use of any of these drugs without first consulting with their physicians, and, for certain of these drugs, it is important that they not be abruptly discontinued (see labeling for individual drugs)”
WARNUNG IN DEN USA VOR SUIZIDALITÄT BEI KINDERN UNTER SSRI UND VERWANDTEN NEUEN ANTIDEPRESSIVA
Der Verdacht auf erhöhtes Risiko der Selbstgefährdung unter selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmern (SSRI) besteht seit der breiten Vermarktung von Fluoxetin (FLUCTIN u.a.) und wird zunehmend durch Daten aus Studien und Fallberichten gestützt (a-t 2003; 34: 63-4 und a-t 2003; 34: 70). Wegen vermehrter Suizidgedanken und -versuche wurde in den vergangenen Monaten zunächst in Großbritannien und den USA vor Gebrauch von Paroxetin (SEROXAT u.a.) und Venlafaxin (TREVILOR) bei Kindern und Jugendlichen gewarnt (1, 2, 3). In plazebokontrollierten Studien mit Paroxetin bei Kindern mit der Diagnose “Depression” verdreifacht sich das Risiko der Suizidalität. In Studien mit Venlafaxin betrifft dies unter der langwirksamen Zubereitung 2% der Kinder, während unter Plazebo kein Kind betroffen ist. Keins der beiden Antidepressiva wirkt bei Kindern mit depressiver Erkrankung besser als Plazebo.
Die Überwindung der Tötungshemmung des Soldaten wird über das Zerbrechen der vorhandenen und dem Aufbau einer neuen Persönlichkeit geleistet. Das ist Sinn und Zweck von Drill, Demütigung und Gewalt in der Ausbildung. Dazu sehe man sich nochmals den ersten Teil von Full Metall Jacket an. Damit die überwundene Tötungshemmung nicht in eine enthemmte, also eine in normaler gesellschaftlicher Interaktion auslösbare Destruktionsorgie fällt, bedarf es eines externen Überbaus: eine starke Autorität, die nicht in Frage gestellt wird, das unbedingte Befehls- und Gehorsamsprinzip, die Honorierung eines an sich verwerflichen Handelns als ehrenhafter Dienst für die Gemeinschaft. Und es bedarf wirksamer Triggermechanismen, die Mordlust, wo sie erwünscht ist, zu aktivieren. Soviel zum Funktionieren des Soldaten.
Der Jugendliche Mehrfachmörder (unter Massenmord verstehe ich etwas anderes) erlebt das Zerbrechen seiner Persönlichkeit täglich durch Zwänge, Demütigung und Gewalt (in welchem Mischungsverhältnis auch immer). Sein Ausweg liegt ebenfalls in der Erschaffung einer Art soldatischen/einzelkämpferischen Persönlichkeit (das ist keine geringe Leistung), nur gelingt die Arbeit gleichzeitig die kontrollierenden Instanzen auszubilden und zu internalisieren, nicht ganz (in einem speziellen Punkt aber sehr wohl: die meisten Täter richten sich zum Schluss selbst – sie wissen sehr wohl um das Unrecht ihrer Tat). Es kann ja auch nicht seine Aufgabe sein. Wie wir bei der Soldatenausbildung gesehen haben, wird dieser Teil ja arbeitsteilig erledigt, weil gerade das Ziel – die Erschaffung des Kämpfers – im Konflikt mit den Instanzen steht, die die destruktiven Kräfte beim Soldaten lenken und triggern sollen. Der Trigger selbst, ist dieses Stadium erst erreicht, ist zweitrangig oder allenfalls ein Hinweis auf die Stelle an der die ursprüngliche Persönlichkeit zerbrach.
Der Mechanismus der Enstehung des Typus ist keineswegs rätselhaft oder neu. Die sich gleichenden Handlungsabläufe, der Tatort “Schule”, die turnusmässige Wiederkehr, die mediale Aufmerksamkeit, die folgenden Debatten, die traumatisierte Öffentlichkeit, lassen den Schluss zu, dass wir an einem Ritual teilnehmen. Die Gesellschaft offenbart sich als eine ausschliessende, die ihre Schuld externalisiert und einem “Täter” aufbürdet. Insofern Frank, bist du schon einen Schritt vorangekommen, wenn du sagst: er ist in unserer Welt zum Mörder geworden.
Die Chronologie auf Spon gestern reichte übrigens bis in die 60er Jahre. Der Täter damals war bezeichnenderweise ein ehemaliger Wehrmachtssoldat: Walter Seifert.
http://www.arznei-telegramm.de/html/2005_01/0501001_01.html
“Nach Dokumenten, die jetzt dem British Medical Journal (BMJ) anonym zugesandt wurden, soll auch die Firma Lilly Negativdaten zu Fluoxetin (FLUCTIN u.a.) zurückgehalten haben, die ihr bereits seit den 80er Jahren bekannt waren.1,2 Dabei geht es um bedenkliche antriebssteigernde Eigenschaften und einen möglichen Zusammenhang des Antidepressivums mit Suizidalität und Gewalttätigkeit.
Nach diesen Unterlagen, die sich auf klinische Studien mit 14.198 Patienten beziehen, berichten 38% der Fluoxetin-Anwender über neu aufgetretene aktivierende Symptome wie Angst, Agitation, Nervosität und Schlaflosigkeit im Vergleich zu 19% unter Plazebo. Würden alle aktivierenden Symptome sowie hypomanische und manische Zustände berücksichtigt, dürfte die Zahl vermutlich noch höher liegen.1 Nach weiteren Daten der Dokumente liegt das Risiko für Suizidversuche (3,7%), absichtliche Selbstverletzung (0,8%), psychotische Depressionen (2,3%) und Feindseligkeit (1,6%) unter Fluoxetin mehrfach höher als unter anderen häufig verordneten vorwiegend tri- und tetrazyklischen Antidepressiva.2
Lilly stellt die Echtheit der Unterlagen nicht infrage. Diese enthielten jedoch keine neuen wissenschaftlichen Informationen. Lilly habe der FDA systematisch Informationen über “Aktivierung” und alle anderen Störwirkungen unter Fluoxetin zukommen lassen.3 Ein Gutachter in mehreren Gerichtsverfahren zu Gewalttaten unter Fluoxetin beanstandet jedoch, dass die Firma durch Fehlkodierungen, beispielsweise “no drug effect” statt “suicide”, der FDA “bewusst” Risikodaten vorenthalten haben soll.4 Geheimhaltungsklauseln bei außergerichtlichen Vergleichen von Prozessen, in denen Schäden durch Fluoxetin verhandelt wurden, behindern den Informationsfluss zusätzlich.4 “
Die ganze Diskussion darüber offenbart wiedermal die typische Vollkaskomentalität.
Ja , dass Leben ist lebensgefährlich.Es wird immer Verrückte und Depressive geben, es wird immer LKW´s geben die irgendwo irgendwann in einen Schulbus rasen, Züge die entgleisen,Leute die Amok laufen,Leute die Menschen aus Lust verspeisen, Leute die anderen Atomwaffen auf den Kopf werfen und Leute die dich um 50 Billionen USD betrügen.Es gibt keine Euro Normgarantie auf unser Klima und keine dass der Yellowstone Vulkan nicht heute abend ausbricht oder dass im Chenneye Mountain Complex irgendjemand den 3.Weltkrieg startet.
Dass war schon immer so und wird immer so bleiben.Menschen waren, sind und bleiben aggressiv.Vor 20.000 Jahren gabe es Gründe dafür und in 20.000 Jahren wird es auch irgendwelche Gründe dafür geben.Medikamente,Drogen, Stress, keine Freundin, schlechten Sex weiß der Henker…
Ich seh sie schon kommen die Antiwaffenspinner oder Antikillerspielefanatiker.
Was unseren Kids , insbesondere den deutschen Jungs fehlt ist Frustationstoleranz und gesunde Aggressivität.
Mobbt dich jemand ? Dann brech ihm doch den Kiefer aber nicht gleich mit der 9 Para drauf schießen,Hatt dir die dralle Blonde gerade einen Korb gegeben, na ja vielleich sie ja gerad ihre Tage probiers nächste Woche nochmal…
einfaches Vater Sohn Gespräch wäre bei den meisten schon ausreichend…Dass Leben ist halt kein Ponyhof verdammt…
“Die Überwindung der Tötungshemmung des Soldaten wird über das Zerbrechen der vorhandenen und dem Aufbau einer neuen Persönlichkeit geleistet.”
Quatsch , dass einzige was abgefeilt wird ist der dünne Hauch von Zivilisation auf dem Cave Men.Auch du funktionierst so.
Wobei dass bei der modernen Technik heute nicht mehr notwendig ist außer vielleicht bei Infantrie.
Krieg, Jagd, Kampfsport, dass Fahren einer CBR und dass Essen von rohem Fleisch ist natürlich heutzutage in unserer Warmduschergesellschaft verpönt, deswegen macht es ja auch solch einen Spaß.
@f.luebberding
Wir sind da garnicht so weit auseinander wir müssen unsere Gesellschaft so bauen das niemand als Lösung den Amoklauf in betracht zieht und mit Taboo und Verkränklichen wird das nicht funtionieren. Ich habe auch das dumpfe Gefühl das die Tabuisierung von Physischer Gewalt zu einer zuname von Psychischer führt.
Wie ich schon an anderer stelle sagt die Hölle der Kinder in den oberen Schichten sieht nur anders aus fühlt sich aber genau so an.
“Krieg, Jagd, Kampfsport, dass Fahren einer CBR und dass Essen von rohem Fleisch ist natürlich heutzutage in unserer Warmduschergesellschaft verpönt, deswegen macht es ja auch solch einen Spaß.”
Aber recht haste.
uga uga cavemaaaaaaaaaannnnnn
@logog
Du schaust zu viele alte Filme, offenbar und verwechselst diese mit der Realität.
Seit den 80er Jahre sind die Waffensysteme selbst bei der Infanterie, erst recht bei zb. Fernspähern, Fallschirmjägern, KSK u.ä. so hoch komplex das man mit dem von dir beschriebenen Blödsinn nur noch Kanonenfutter produzieren würde.
Es funktioniert gerade andersrum über diese Technik.
Beispiel: Im einem Nachtsichtgerät sieht ein zu eliminierendes Ziel “flach” aus es fehlt die Tiefe. Von anderem abgesehen. Das hat 2 Effekte: Erstens muss man ziemlich lange üben um mit so einem Ding auf der Birne was zu treffen , von fliegen oder springen ganz zu schweigen, ( von den Kopfschmerzen die längerer Gebrauch verursacht abgesehen ) und zweitens wird das Ziel eben dadurch abstrakt und somit “entmenschlicht”. Dazu kommt der verwendete Sprachgebrauch der alles auf eine sachliche Ebene hebt. ( neutralisiert statt getötet zb. )
Moderne Soldaten müssen so viel Technik blind beherrschen und so viele Entscheidungen so schnell treffen das Full Metal Jacket Typen spätestens beim ersten Orientierungslauf aussortiert und dann in die Küche kommandiert werden.. .
Rambo ist schon lange lange nicht mehr…
Das nur am Rande…
Otaku
staph.aureus
Wenn diese These stimmt, ändert das tatsächlich die Sichtweise auf Tims Amoklauf. Es ändert allerdings nichts an den hier sonst diskutierten Problemen, denke ich.
logog
Den Hinweis mit dem Mehrfachmörder nehme ich zur Kenntnis. Das Argument ist überzeugend. Werde meinen Sprachgebrauch in Zukunft ändern, weil der Begriff “Massenmord” tatsächlich eine andere Bedeutung hat.
Auch die These mit dem Ritual, dem wir unterworfen sind, finde ich bemerkenswert. Nur welche Rolle spielt der Amokläufer? Ist er der Schamane, der für uns dieses Ritual inszeniert? Die Inszenierung des Gruppenzusammenhalts ist das Ziel des Rituals nach der Tat. Wohl wahr. Man will die bösen Geister vertreiben … .
Thelonious
Vielen Dank für die Hinweise – gerade auf das Verhalten der Kolegen vor Ort. Ich habe das weiter gegeben. Nur eines ist schon noch zu klären: Der Hinweis auf frühere Ereignisse. Welchen Zusammenhang haben die aber mit dem Amoklauf von Tim? Die rechtsradikalen Aktivitäten wären ja nur dann relevant – und ich hatte bei Rüdiger Soldt in der FAZ darüber schon gelesen – wenn Tim in einem Zusammenhang mit diesen Gruppen stehen würde. Das scheint ja nicht der Fall zu sein. Das Gleiche gilt für die Stürmung des islamischen Zentrums oder der Fall in einer benachbarten Realschule. Gibt es bei Ihnen einen spezifischen Umgang mit Jugendlichen oder eine “kulturelle” Athmossphäre, die solche Taten begünstigt? Das wäre ja die interessante Frage. Was aber schon richtig ist (Tipp von meiner Mutter) – diese heile Welt des Herrn MP Oettinger ist wohl nie so heile gewesen wie wohl nicht nur er es gerne sehen würde.
Ansonsten zum familiären Hintergrund. Ich habe bisher überhaupt nicht zu Tim recherchiert – im Gegensatz damals zu Emsdetten oder Köln -, weil dieser biografische Hintergrund für mich aus den geannten Gründen nicht zentral ist. Gleichwohl aber ist es schon interessant, dass – im Gegensatz zu Emsdetten – der Name des Täters sehr schnell bekannt geworden ist. Den Hinweis auf die Schwester habe ich übrigens bisher tatsächlich noch nicht gelesen – aber ist das Schlamperei oder nicht doch Rücksichtnahme, wenigstens bei einigen Kollegen?
Das Verhalten der Kollegen in diesem Internet Forum ist tatsächlich eine Sauerei.
“Die Vermutung liegt für mich nahe, dass der Junge nicht den Erwartungen seines Vaters entsprach, der sich einen Nachfolger für seine Firma wünschte. Und dieses wird der Junge sicher zu spüren bekommen haben.”
Er spricht ja auch von den “nicht entdeckten Potentialen” in seiner Persönlichkeit. Für mich ist es schon kennzeichnend, dass er als Selbstzuschreibung diesen Bildungsökonomen Müll benutzt. Das lässt schon tief blicken. Nur der Hinweis von booth, dass auch andere Söhne diesen Erwartungen nicht entsprechen können, ist schon berechtigt. Nur was ist der Unterschied zu früher? Damals entwickelte man eher ein eigenes Wertesystem – gerade in Opposition zum Vater. Nach dem Motto, “der kann mich mal”. Heute teilt man das Wertesystem des Vaters – Potentiale entwicklen – und muss sich dann natürlich als Versager fühlen, wenn man diesem Standard nicht entspricht.
Unsere Jugendlichen sind zumeist unpolitisch, das ist offensichtlich das Problem.
Gruss Frank
@f.luebberding + weissgarnix # 89
Hier wird die entscheidende Frage thematisiert, nämlich
a) ob der Kapitalismus sich aufgrund seiner Eigengesetzlichkeit zur Barbarei entwickelt (MARX, ENGELS, LUXEMBURG etc.) bzw. aus ureigenstem Prinzip zur Verbrecherherrschaft tendiert, wie es HORKHEIMER formuliert haben soll,
oder
b) ob es möglich ist, den Kapitalismus rechts- und sozialstaatlich zu zähmen (z.B. traditionelle Sozialdemokratie)?
Im Zentrum der ersten Position steht Erkenntnis, dass die durch den Kapitalismus entfachte Entwicklung der Produktivkräfte zwangsläufig früher oder später zur Überproduktion infolge von Marktsättigung führt. Um dies zu kompensieren entsteht dann eine Werbeindustrie, die künstlich Bedürfnisse schafft, eine Obsolenzproduktion, die künstlichen Verschleiß einbaut, um den Warenumschlag zu beschleunigen, unsinnige Waren und Dienstleistungen werden angeboten etc. Die Menschen werden zu Konsumidioten manipuliert, es entsteht eine riesige Vergeudungsindustrie. Die Produktivität des Kapitalismus schlägt um in Destruktivität. Es entsteht eine Drogenökonomie. Die Pharmaindustrie versucht ihre Chemieprodukte an Gesunde loszuwerden (s. z.B. Lifestyle-Präparate). Kriege werden nicht mehr geführt, um zu gewinnen, sondern um altes Kriegsmaterial loszuwerden und neue Nachfrage für die Rüstungsindustrie zu schaffen. Etc. Etc.
All dies ergibt sich aus der Logik betriebswirtschaftlicher Kapitalverwertung. Der betriebswirtschaftlich organisierte Kapitalismus benötigt immer neues Wachstum. Es ist beim Kapitalismus so wie beim Radfahren: Stillstand bedeutet Umfallen.
In der marxistisch orientierten Theorietradition wird der Neoliberalismus als die Antwort auf Kapitalverwertungsprobleme gesehen.
In der zweiten Position wird die Ansicht vertreten, dass der Kapitalismus über den Staat politisch im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft gesteuert werden könne. Der Neoliberalismus ist nach dieser Position die Folge politischer Entscheidungen, welche aber grundsätzlich auch anders möglich gewesen wäre. Man begründet die derzeitige Entwicklung mit dem Versagen von Eliten (z.B. „dumm und korrupt“).
Aus meiner Sicht ist die zweite Position illusionär, weil sie Ökonomie und Politik voneinander trennt, so als handele es sich um zwei eigenständige gesellschaftliche Bereiche und nicht um ein politökonomisches System, wo das Handeln der Politiker – genauso wie bei anderen Dienstleistungsberufen – den Marktgesetzen unterliegt, nämlich dass Dienstleistungen durch die zahlungsfähige Nachfrage bestimmt werden und dass die Handlungslogik der Dienstleistenden vom Erfolg oder Misserfolg ihrer Selbstvermarktung gesteuert werden. Das Handeln der Eliten sehe ich daher nicht als Versagen, sondern als der Logik einer erfolgreiche Selbstvermarktung folgend an. Sie tun das, was andere auch tun, nämlich sich so zu verhalten, dass sie reich und mächtig werden. Ist dies dumm? Nein, natürlich nicht dumm, sondern als gesamtgesellschaftlich verhängnisvoll, weil destruktiv. Dieses Verhalten füllt die Konten von Einzelnen, aber zerstört das freiheitliche und soziale Gemeinwesen.
Friedrich ENGELS und Rosa LUXEMBURG formulierten als Alternative: „Sozialismus oder Barbarei“. Im Prozess der Barbarisierung der Gesellschaft befinden wir uns längst.
Zugleich ist der „Sozialismus“ heute keine Alternative mehr, weil er sich historisch diskreditiert hat. Nicht nur, weil der reale Sozialismus zusammengebrochen ist, sondern weil dieser Sozialismus nirgendwo ein Entwicklungsstadium erreicht hat, wo er eine historisch fortschrittlichere Alternative zu den bürgerlich verfassten Gesellschaften des Westens dargestellt hat. Dies ist auch von der Neuen Linken zu Zeiten der 68-er Bewegung klar geäußert worden. Insofern ist der gesamte Arbeiter-Marxismus ein Fall fürs Museum.
Allerdings meine ich, dass wir ein neues Gesellschaftsmodell benötigen, dass eine Wirtschaftssteuerung im gesamtgesellschaftlichen Interesse ermöglicht. Da dann die Gesellschaftssteuerung nicht mehr durch die abstrakte Logik der Kapitalverwertung erfolgt, würde es sich nicht mehr um Kapitalismus handeln.
@staph.aureus:
Hier findet sich eine lange Liste von Gewalttaten im Zusammenhang mit der Einnahme von Antidepressiva:
http://www.ssristories.com/index.php
Statt Zuwendung gibt man schon Jugendlichen lieber Tabletten, die zwar manchmal eine Dämpfung der Symptome bringen, aber nicht die Lösung des Problems.
Das soll also der Weisheit letzter Schluss sein:
Menschen bringen immer wieder individuelle/kollektive/gesellschaftliche Amokläufe hervor.
Gründe: Neid, Gier, Geltungssucht, Machtansprüche, etc….
Heilung seit jeher ausgeschlossen. (Es sei denn, Nanuk`s metaphysisches Programm zieht endlich)
Zum Glück gibt`s noch hohe Bäume, unter die man sich setzen kann, wenn die Sonne scheint. Und wenn dann einer kommt, der mit seinem Hund spazieren geht, und der auch noch Hunger hat, bekommt er die Hälfte vom Brot. Und man redet ein wenig…
Sonst hab ich dann nicht mehr so viele Fragen…
Ach, den Knochen? hmm, den soll der Hund bekommen, wenn er ihn will…
@Weissnochweniger
Problematisch sind nicht pauschal alle Antidepressiva, sondern es gibt Hinweise darauf, dass einzelne Antidepressiva,die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), besonders problematisch sind. Warum das so ist, ist zur Zeit unklar. Möglicherweise liegen patientenindividuelle Besonderheiten im Metabolismus zugrunde (CYP).
@ wgn, # 85
Zitat: “Warum laufen die 17-jährigen in ihre Schulen und richten ein Blutbad an? – Weil er es konnte! – aus keinem anderen Grund. Verzweifelt waren die Schüler auch schon früher, gehänselt und gemobbt wurden sie, geschlagen, gedemütigt … und was haben sie in extremis gemacht? – Sich umgebracht.” Zitat Ende
……………………………
Wir leben nun mal in der “schönen neuen Welt” der Superlative. Wen kratzt heute noch, wenn sich ein Jugendlicher vor den Zug wirft, vergiftet, zu Tode fixt oder, wie vor Kurzem geschehen, sich mit Benzin übergießt und anzündet? – Eine kleine Schlagzeile in der regionalen Zeitung, wenn überhaupt, das wars. Wer durch seinen Tod Aufmerksamkeit erregen oder (ein letztes Mal) Macht demonstrieren will, muss andere Wege gehen.
Früher, in den 50-er und 60-er, bis in die 70-er Jahre, als Familien, Verwandte, Bekannte, Dorfgemeinschaften, ja ganze Stadtteile noch festgefügte soziale und kirchliche Gemeinschaften bildeten, wo jeder jeden kannte, reichte der simple, vollendete Suizid eines Jugendlichen durchaus, um ein spektakuläres Ausrufezeichen zu setzen. Davon sprach man noch Jahre später! Dem Selbstmörder und seiner Familie war die moralische und religiöse Verurteilung von Kirche und Gemeinschaft sicher, meist wurde sogar ein christliches Begräbnis in geweihter Erde verweigert.
Da genügte es, sich mit Papas Schrotflinte zu erschießen, einen gut sichtbaren Baum am Straßenrand zum Aufhängen zu wählen, oder noch wirkungsvoller, vom Kirchdach zu springen.
Nein, mich wundert die gestrige Tat auch nicht … wahrscheinlich werden ähnliche Ereignisse folgen und irgendwann auch eine Steigerung erfahren. Dann trifft es vielleicht eine Kindergartengruppe, oder ein anderes geplantes, heute kaum vorstellbares Szenario, führt Land weit zu Ruhm und Aufmerksamkeit.
Das ändert aber nichts an meiner Meinung, dass solche Taten letztendlich aus Verzweiflung am Leben geschehen.
Der Amokläufer – nunja, spielt die Rolle des Amokläufers. Er ist der Dämon, der erstens den Zusammenhalt der Gruppe gefährdet (Einzelgänger), zweitens die Auswahl der “unschuldigen Opfer” besorgt – dabei ist er nur bedingt frei in der scheinbar wahllosen Auswahl: es müssen schon junge Menschen darunter sein – und drittens die Tat auch vollzieht. Bedrohung, Auswahl der Opfer und Vollstreckung sind die schuldbehafteten Teile des Rituals, die die Gesellschaft externalisieren muss, deshalb müssen auch die “Motive des Täters” letztendlich immer rätselhaft und unerklärlich bleiben.
Die “unschuldigen Opfer” sind hier wirklich Opfer im Sinne eines religiösen Rituals, mit denen die “Überlebenden” sich identifizieren und im folgenden Trauerritual ihr Weiterleben rechtfertigen und den Bund der Gemeinschaft erneuern.
Den inszenierenden Schamanen gibt es so nicht (es sei denn, man erklärte den Teil unserer Kulturtechniken dazu, die des “Opfers” bedürfen und es in Bildern und Taten ständig reproduzieren), die Gemeinschaft der Gläubigen kennt die Gesetzmäßigkeit des Ablaufs und folgt den Regeln, es sind schliesslich ihre. Es treten höchstens die Hohepriester im Fernsehn auf und sind “mit Gedanken und im Herzen bei den Angehörigen”.
Meine These ist tatsächlich, dass die Zeiten ritueller Menschenopferung nicht vergangen sind.
“Menschen bringen immer wieder individuelle/kollektive/gesellschaftliche Amokläufe hervor.
Gründe: Neid, Gier, Geltungssucht, Machtansprüche, etc….
Heilung seit jeher ausgeschlossen.
”
Genau, was ist daran so schlimm oder schwierig ? Dass du nicht Gott bist oder dass die Menschen hin und wieder Böses tun ?
@point of no return
Genau so sieht es aus unser Menschenbild ist ein Konstrukt ohne das unsere Gesellschaft aber nicht Funktionieren würde.
Es ist weder Fiktion noch Realität.
Der Blogeintrag ist bisher der erste und einzige sinnvolle Kommentar, den ich bisher zum Thema gehört habe!
@ Lübberding
“Sollen diese “Supernanny” Strukturen tatsächlich nur die Aufgabe haben, die Potentiale des deutschen Humankapitals “Kind” der Verwertungslogik einer im Wettbewerb stehenden Hochleistungsökonomie zu unterwerfen?”
Das tut aber jetzt richtig weh ! Aus welcher Schublade haben Sie denn diesen Hammer geholt ?
Die humanistische Psychologie im Dienste der Verwertungslogik ? … menschenwürdige Schulen, Schutz von Kindern vor unverantwortlichen Eltern-’Eigentümern’, deren professionelle Anleitung, um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können, gesellschaftlich organisierte Prävention von schwerwiegenden seelischen Fehlentwicklungen : nur Zubereitung des Humankapitals ‘Kind’ ?
Lehnen Sie auch die Medizin aus diesen Gründen ab ?
Ich verfolge diesen Blog und besonders auch Ihre Beiträge mit großem Interesse, weil ich vor einiger Zeit über meinen krassen Mangel an wirtschaftlicher Bildung erschrocken bin. Genauso geht es mir jetzt aber, wenn ich lese, wievielen hier elementare psychologische Erkenntnisse offensichtlich völlig fremd sind.
Da muss man sich dann auf astral-kosmologisch-apokalyptische Gedankenumlaufbahnen flüchten.
Dazu fällt mir jetzt gerade noch ein: Psychologie und Ökonomie werden aus unserem schulischen Bildungskanon gleichermaßen konsequent herausgehalten. Zufall ?
@Loki
Wie beantwortest du denn das Qualia Problem?
Kurzlektüretipp (nachgereicht):
http://www.mediaculture-online.de/Autoren-A-Z.253+M5d7805854c5.0.html
Ankündigung des Amoklaufes ein Fake?!?
Kaum ins Volk gesendet und schon dementiert, das Internet beschleunigt den Ablauf der Dinge offensichtlich erheblich. Morgen gibt es hoffentlich die Korrektur.
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts10844.html
Mir scheint, dass die alte Generation mit dem Internet nicht mehr klar kommt und ihr klar wird, dass die Kontrolle über den Gang der Dinge entgleitet. Da sind solche Dämonisierungen zu erwarten.
“Auch die These mit dem Ritual, dem wir unterworfen sind, finde ich bemerkenswert. Nur welche Rolle spielt der Amokläufer? Ist er der Schamane, der für uns dieses Ritual inszeniert? Die Inszenierung des Gruppenzusammenhalts ist das Ziel des Rituals nach der Tat. Wohl wahr. Man will die bösen Geister vertreiben … .”
Das Ritual ist in Teilen gut für die Wirtschaft, Sektor Nachrichtenindustrie, und in anderen ein kleiner Boost für das Gemeinschaftsgefühl. Gemeinsam Angst spüren, gemeinsam Ratlosigkeit empfinden, gemeinsam von Durchblickern zu einem Punkt des Verständnisses kommen, der als gemeinsam akzeptiert empfunden wird.
Die Analyse des Blogautors, derzufolge eine echte Ursachenforschung geradezu vermieden wird, ist ein fester Bestandteil des Rituals.
Auch ich sehe die Verdinglichung aller menschlicher Belange als einen eingebauten Automatismus unseres modernen Lebens, durch den das Wertempfinden des Menschen nachhaltig gestört ist. Der scheinbar unentrinnbare Zwang, daß irgendwie Alles ein umsatzerzeugendes Produkt zu sein hat, hat dem Menschen praktisch die eine Hälfte des Lebens entwertet. Alle nichtmonetären Werte haben keine offen erkennbare Existenzberechtigung mehr. Das sind nicht nur Tugenden wie Treue, Vertrauen oder Arglosigkeit betroffen sondern auch die ‘brotlosen Künste’. Damit wird ein möglicherweise talentierter Mensch zur nutzlosen Last, weil seine Talente sich leider nur auf monetär nicht verwertbaren Qualitäten beruhen.
Mir erscheint es vollkommen natürlich und selbstverständlich, daß unsere jungen Leute reihenweise durchdrehen. Auch wenn ein Vorfall wie dieser den Aspekt des Aufmerksamkeit erregens ganz klar dominiert, sehe ich es ebenso wie @nigeth #22 neben Eßstörungen, Selbstverletzung und überbordender Verrohung stehen, was meines Erachtens allesamt Symptom für das stetige Entgleisen des mit dem Fluch des Wachstums- und Profitzwanges belegten Konsumlebens darstellt.
Die Verantwortung von Eltern ist sicherlich ein heikles Thema bei der Betrachtung. In diesem speziellen Falle bietet sich scheinbar der waffennärrische Vater als primärer Sündenbock an. Möglicherweise stellt man auch fest, daß die Mutter der familieneigenen Firma mehr Zeit zugemessen hat als ihrem Sprößling. Aber auch sie wäre damit nur dem Strom der Zeit gefolgt, der sie zur Demonstration ihrer emanzipierten Fraulichkeit in die Erwerbstätigkeit treibt.
Egal, was die Recherche hervorbringen wird, dürfte ein ‘plausibler Grund’ gefunden werden, der im Zusammenspiel mit äußeren Faktoren, wie zB Killerspiele und Attentäterforen, ein erleichtertes Aufatmen beim geschockten Zuschauer auslöst. “Ach so, die haben da persönlich versagt, und gegen die bösen Spiele/das böse Internet machen unsere flexiblen und pragmatischen politiker schon was.”
Dann wird die nächste Leidensgeschichte die emotionale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das kann eine Naturkatastrophe sein oder eine Tragödie zwischen Menschen – Hauptsache es wird richtig krass … ansonsten wird es krass gemacht. Immerhin muß der mediale Sektor aus wirtschaftlichen Zwängen heraus die Nachfrage nach ‘Informationen’ möglichst effizient bedienen.
Es gibt Statistiken über die Zeitspanne, die Eltern täglich mit ihrem Nachwuchs verbingen. Wie der aktuelle Stand diesbezüglich ist, weiß ich gar nicht genau, aber sind es bei meiner letzten Kenntnisnahme solcher Daten nur noch in Minuten gemessene Zeiträume gewesen, deren Aufsummierung man gerade für eine gemeinsamen Ausflug am Wochenende reichte. Sollte das weiter gesunken sein, daß langts nur noch für einen Ausflug alle zwei Wochen.
Wie sich unter solchen Randbedingungen überhaupt noch ein funktionierendes Eltern-Kind-Verhältnis entstehen und wirken soll, bleibt mir völlig unverständlich.
Ebenso die Vorbildfunktion, die Eltern nunb einmal ausüben. Was geben wir für Vorbilder ab? Nimmt irgendwer seine Kinder mit zur Arbeit? Könnte das überhaupt breitgefächert durchgeführt werden? Immerhin würden Eltern und Kinder so das Zeitphänomen günstig verändern, doch dürften die meisten Sicherheitsbestimmungen eine unüberwindliche Hürde darstellen.
Doch was lebt so ein malochender Vater oder eine vollzeitbeschäftigte Mutter nun konkret vor? Ständige Opferbereitschaft für den Job. Dennoch bleiben etliche Wünsche offen. Sowohl materielle als auch nichtmonetäre Sehnsüchte können nicht so befriedigt werden, als daß beim beobachtenden Nachwuchs so richtige Vorfreude auf das Erwachsenwerden aufkommen kann. Die Aussichten scheinen nur noch schlechter zu werden. Der einzige Ausweg soll in der Meisterung des Lebensabschnitts Schule liegen. Wer hier unter den besten 10% liegt, steht im Ruf, sich die Möglichkeiten aussuchen zu können, wobei dieser Möglichkeitenkatalog auch die kommerziell interessantesten Optionen enthält. Wer hingegen nicht zu diesen Leistungsträgern unter den Jahrgangskollegen zählt, aber trotzdem über etwas gesunden Menschenverstand verfügt, sieht seine Chancenlosigkeit an allen Ecken lauern.
Bei den Leistungsträgern stellt sich spätestens nach dem Lebensabschnitt Schule heraus, daß nicht nur tolle Noten sondern auch ein finanziell einigermaßen gut aufgestellter Background und bitte auch noch etwas (viel hilft hier viel) Vitamin B vonnöten sind. Die gleichaltrigen glücklichen Gewinner bei der Lehrstellenlotterie stehen jetzt vor der bangen Frage “Werde ich übernommen? Wie geht es weiter? Geht es weiter?” und keiner weiß mehr, wer nun was ‘richtig’ gemacht hat.
Daß wir nicht noch mehr solcher Blutbadereignisse haben, erstaunt mich eigentlich auch immer wieder.
John Brunners Morgenwelt enthält die Mokker, die allerdings wesentlich häufiger und nicht nur auf Schulen beschränkt ‘den Alltag’ bereichern. Brunner dachte sich diese Mokker als Symptom für eine kranke Gesellschaft in den 70ern aus. Morgenwelt spielt ca 2010. Diese Art Kollateralschäden einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung waren bereits lange vorhergesagt.
Siegfried Kracauer schrieb, dass der Zustand einer Gesellschaft nicht im Gesamtbild derselben zu erkennen sei, sondern an kleinen punktuellen Ereignissen, Formen der Architektur, Ritualen.
Mir fehlen die Siegried Kracauers.
Interessante Beiträge die viel über den jeweiligen Verfasser und seine Erklärungsversuche für seine Wirklichkeit aussagen.
Wie wirkt sich wohl Ritalin aus?
Warum nehmen Wissenschaftler, Manager etc. dieses und andere Medikamente ein um “leistungsfähiger” ergo gefühls- und gewissensloser zu werden?
Wisst ihr wie Kokain wirkt? Welche konzentrierte Klarheit entsteht – und welch späteres Jammertal?
zum Thema:
gojko = Vereinfacher // weissgarnix = nix kleine araberlein // HAM = sehr gute beiträge // staph.aureus = sehe ich auch als relevant, hier näheres dazu // logog = ja // J.W. Booth = bei dir wohl schon
hier noch von: http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2009/03/es-sind-die-medikamente-und-nicht-die.html
Eigentlich wollte ich über diese traurige, aber auch perverse Geschichte nichts schreiben, nur, offensichtlich beschäftigt es viele von euch und deshalb gebe ich meine Meinung dazu.
Die Medien überschlagen sich mit Meldungen über den Amoklauf von Winnenden und suchen überall die Schuld, nur nicht dort wo sie wirklich liegt. Es werden selbstverständlich sofort weitere Waffenbeschränkungen verlangt, dann ist der Vater schuld, weil er die Pistole nicht versteckt hat, dann sind Killerspiel der Auslöser und die müssen verboten werden. Als Massnahme müssen die Schulkinder alle ein Chip implantiert bekommen, an den Schuleingängen müssen strenge Sicherheitskontrollen stattfinden, die Chat-Räume im Internet müssen von der Polizei überwacht werden usw. Was für ein Irrsinn.
Dabei ist nicht die Waffe an der Tötung schuld, sondern der welche den Abzug gezogen hat. Niemand fragt unter welchen Einfluss der 17 jährige stand und ob nicht seine Krankheit ihn zur Tat getrieben hat.
Die Medien berichten, Tim Kretschmer „ging ruhig in drei Klassenzimmer und eröffnete das Feuer ohne ein Wort zu sagen“. Nach der Schiesserei in der Schule ging Tim ins psychiatrische Zentrum von Winnenden und erschoss einen Angestellten. Was ist die Verbindung zu dieser Person? Er war nachweislich wegen Depression in psychiatrischer Behandlung. Er zeigte keinerlei Emotionen, ein völlig unnatürliches Verhalten, wie wenn er ein ferngesteuerter gefühlloser Roboter war, unter fremden Einfluss. Dafür gibt es nur eine Erklärung, die Psychopharmaka haben sein Wesen verändert.
Die psychischen Probleme waren aktenkundig: Bei seiner Musterung für die Bundeswehr legte er Hinweise auf eine Erkrankung vor, die eine psychiatrische Behandlung erforderlich machten.
Durch die hysterische Berichterstattung der Medien, sind die Masse der Menschen sofort zum Schluss gekommen, es sind die pösen pösen Waffen, dabei ist es die psychiatrische Behandlung durch Medikamente welche die Schiessereien in Deutschland, Amerika, Finnland oder sonst wo auslösen. Diese Giftpillen verändern drastisch die Funktion des Gehirns und verursachen eine völlige Distanz zur Realität, wie wenn die Personen durch eine virtuelle Welt laufen … in einer Trance.
Und tatsächlich, so haben die Jugendlichen welche die Schiesserei an der Colombine Schule durchführten ihr Erlebnis beschrieben. Auch der koreanischen Studenten, der im vergangenen Jahr an der Virginia Tech University in Blacksburg 32 Menschen tötete, war eine zeitlang in psychiatrischer Behandlung.
Tim Kretschmer stand unter Psychopharmaka welche seine Realitätswahrnehmung total verzerrte. Die Pharmaindustrie will diese Ursache selbstverständlich leugnen und alle Berichte über einen Zusammenhang unterdrücken, das Psychopillen die Amokläufe an den Schulen auslösen.
Die Medikamente verursachen meistens genau den Zustand den sie angeblich beheben sollen. Antidepressiva können zum Beispiel Depressionen bewirken, sowie Selbstmordgedanken und gewalttätiges Verhalten. Ausserdem verursachen sie Gewichtszunahme, Fettleibigkeit, Diabetes und diese Veränderungen können zu noch mehr Depression führen, die dann noch mehr „Behandlung“ durch Medikamente nach sich ziehen. Ein riesen Betrug.
Die Pharmakonzerne verkaufen ihre Produkte nur um Profit zu machen, während sie das Leben von Millionen vernichten. Sie haben kein Interesse an der Gesundheit der Menschen, das wäre schlecht fürs Geschäft. Ihre Absicht ist es Dauerpatienten zu haben, die nur behandelt werden, am besten mit sehr teurer Medizin, aber dadurch sicher nie gesund werden. Es ist diese verbrecherische Industrie mit ihren wesensveränderten Drogen welche für den Tod durch die Amokläufe verantwortlich sind.
Selbstverständlich berichten die Massenmedien nichts darüber, sagen nicht es gibt eine Verbindung zwischen Psychopharmaka und dem Durchdrehen mit Schusswaffen. Warum wohl? Weil die Medien, aber auch die Politiker durch die Pharmaindustrie finanziert werden. Das ist eine riesen Lobby mit unglaublichen Einfluss. Dafür muss dann ein anderer Schuldiger herhalten, der sich nicht wehren kann und sowieso der generell Verdächtige ist, die Schusswaffe oder Computerspiele.
Einer Pistole die Schuld für ein Mord zu geben ist genau so absurd, wie wenn man eine Badehose für das Ertrinken eines Schwimmers verantwortlich macht. Schuld ist doch nicht die Waffe, sondern der Täter der auf die Opfer gezielt und abgedrückt hat, und dann wer die Person so im Geist beeinflusst hat, dass er zu dieser Tat getrieben wurde. Man muss schon die wirkliche Ursache nennen, nämlich unsere kranke und perverse Gesellschaft, welche labile Menschen so schädigt, dass sie von den Ärzten mit Psychopharmaka vollgepumpt werden, um dann eiskalte Killer aus ihnen zu machen.
Unsere Gesellschaft ist pervers und produziert sehr viele seelisch kranke Menschen, speziell bei sensiblen Personen. Aber das ist gewollt. Den ganzen Tag werden wir nur mit dem Streben nach Materialismus, Konsum, Befriedigung von Bedürfnissen und des Egos konfrontiert. Es wird uns über die Medien eingebläut, Gier ist gut, Egoismus ist gut, Rache, Hass und Gewalt sind gut, der stärkere Gewinnt, der schwache ist ein Looser. Wir sollen einer Karriere nachgehen und nach oben streben, nach immer mehr, egal über wie viele Leichen wir gehen müssen, der Zweck heiligt die Mittel, alles ist erlaubt, lügen, betrügen, stehlen ist alles in Ordnung, nur der Erfolg zählt, „the Winner takes ist all“. Das wird uns vorgelebt, das sind die Beispiel die wir anhimmeln sollen.
Viele verkraften aber diese falsche Lebensweise nicht und werden seelisch krank. Diese teuflischen Ziele werden uns nur vor die Nase gehalten um uns als Menschen zu zerstören und uns zu Sklaven zu machen. Die Mehrheit der Bevölkerung glauben dieser Lebenslüge, ja finden sie sogar gut und verteidigen sie. Und wenn dann einer durchdreht, wie jetzt im Fall von Winnenden, dann wird nicht der wirklichen Ursache nachgegangen, das absolut krankmachende System in dem wir leben und die Mächte die es steuern, nein, sondern irgend ein Sündenbock muss herhalten und es wird nach Massnahmen gerufen, welche die eignen Freiheiten einschränken.
Die Amokläufe, aber auch die vielen Selbstmorde, sind ein Zeichen, mit unserer Gesellschaft und Lebensweise stimmt gewaltig etwas nicht. Sie macht uns seelisch und geistig krank. Dagegen müssen wir etwas unternehmen. Nicht durch Chemiebomben die den Geist verändern und Zombies aus uns machen, nicht durch noch mehr Verbote und Freiheitseinschränkungen, sondern durch eine Rückkehr zu einem natürlichen Leben in Harmonie, Nächstenliebe und Menschlichkeit.
@ spiritformoney
Die Waffe ist zwar nicht der Auslöser, aber eine notwendige Bedingung. Daher ist privater Waffenbesitz abzulehen. Ansonsten können wir auch Atomwaffen freigeben, denn Atomwaffen töten keine Menschen, sondern nur die, die sie abfeuern.
Was bringt es, Pharmakonzerne ob ihres Verhaltens zu kritisieren? Sie repräsentieren nur unsere ökonomische Realität. Genauso wie mein Mechaniker oder mein Friseur an G-W-G’ interessiert ist, sind es auch die Pharmariesen. WIR? wollen es so.
WIR? regen uns auch über sinnlose Wahlplakate, die unsere Straßen unkenntlich machen, und leere Versprechen der Politiker auf und wählen die, die einen Teuerungsausgleich versprechen.
WIR? haben uns dazu entschieden, am Planet der Affen zu leben. Trotz allem ist dieser Planet zu schön, oder wir sind zu feige, um uns jetzt von ihm zu verabschieden.
Nun denn, die letzte Antwort werden wir nicht finden.
Das gilt es zu ertragen, Nanuk?
don alfonso hat es nicht verstanden.
Er fragt als arroganter, besserplatzierter Bildungsbürger: “Warum brechen höhere Töchter nicht die Triosonaten von Telemann ab, legen die Instrumente beiseite und erstechen ihre Mitschülerinnen?” Ob alfonso dabei die musikalische SS-Frau Marianne Mandl vergessen hat, die Kommandantin des Mädchenorchesters von Auschwitz ?
Er fragt: ” … warum sind Menschen, die den modernen Unterhaltungsangeboten mit extensiver Gewalt entsagen, andauernd nicht unter denen zu finden, die Massenmorde begehen?”
Dabei unterschlägt er, daß Drogen heute zu den modernen Unterhaltungsangeboten zählen. ES SIND DIE DROGEN, STUPID !
http://www.schwarzkopf-schwarzkopf.de/images/antibiotics2516a_600.jpg
Es ist nicht die Musikalität entscheidend. Sagt der Name Charles Manson noch etwas, der mit dem BeachBoy Dennis Wilson so schön Gitarre spielte ? Und was machte Manson noch:”Er versuchte neue Mitglieder mit Drogen und Gruppensex anzulocken, seine Mädchen hielt er mit Drogen, besonders LSD, gefügig”.
In alfonso´s rebellmarkt habe ich mal eine virtuelle Hausdurchsuchung gemacht:
Stichwort KOKS: 128 Fundstellen
Stichwort KOKAIN: 28 Fundstellen
Stichwort COCAIN: nur 1 Treffer
wie steht es weiter oben: “Interessante Beiträge die viel über den jeweiligen Verfasser und seine Erklärungsversuche für seine Wirklichkeit aussagen.”
Beim don stinkt es, nicht nur nach Hirschwurst.
@staph.aureus
Ach komm Don ist auch nur einer der vielen, die sich Ihre eigene Welt zurechtzimmern, unliebsame Meinungen und Wahrheiten zensieren, sich für Geld für nichts zu schade sind und auf einer miesen Ebene sg. “Networking” betreiben was ich als leistungslose angepasste Schleimerei ersten Grades bezeichne.
Gepaart mit einem Grundlosen Standesdünkel ist er eine inhaltsleere Hülle die zu bemitleiden ist, die er allerdings in hübschen Papier zu verpacken weis. Einmal im Leben nur auf sich alleine gestellt, würde er sang-und Klanglos untergehen.
Ein typischer Vertreter seines Standes dem ich wünsche einmal 1 Monat ohne seine gewohnte Umgebung in Kalkutta zu verbringen. Da würde er dann erfahren das Bildung/Bücher/Teekannen nix wert sind und schnell das zeitliche segnen. Bzw. vielleicht verstehen das selbiges ein Privileg ist das man gefälligst zum Gemeinwohl einzusetzen hat.
Wie auch immer er teilt diese Erbärmlichkeit mit dem grössten Teil der westlichen Menschheit, kein Grund also seine verblendete Dummheit und auf Sand gebaute Arroganz in die sich die bayrischen Stammessitten der primitiven , tiefen Provinz mischen, groß herauszuheben.
Kurz: Nur ein weiterer Dekadenter. Was solls…. .
Schade allerdings das sich andere von Ihm einspannen lassen wie man so hört… will ja niemand anschauen… räusper…
Have fun
Otaku
“Dafür gibt es nur eine Erklärung”
Den Zahn Freund und Kupferstecher muss ich dir leider ganz schnell ziehen. Es gibt NIE für irgendwas nur eine Erklärung.
Die unendlichen Kausalitätsketten wirklich zu durchschauen, zu erfassen und zu verstehen ist nur ganz ganz wenigen Wesen vergönnt.
Und dies ist ganz sicher NICHT auf der Ebenen möglich die man allgemein so “rational” nennt…
Have fun
Otaku
@mylli
Das gilt es zu ertragen, Nanuk?
Nicht so ganz also Menschen können nicht wollen was sie wollen also was du willst kommt von irgendwoher woher weiss niemand Freud zimmert sich nen Trieb zusammen die Buddisten nennen es Weltgeist ich als Katholik nenne es Gott oder Teufel.Atheisten nennen es wenn sie die Evolution richtig verstanden haben zufall.
Du kannst nur nicht wollen was du willst also nein sagen du willst ein Auto aber du kannst dich kontrolieren und sagen nein ich kaufe es mir nicht das lasse ich mir auch von niemanden nehmen wenn das jemand versuchen sollte werde ich zum Amokläufer
Die Erziehung muss also dafür sorge tragen das wir uns Kontrolieren können da wir sonst zu Barbaren werden man muss den Menschen in den zustand versetzen zu verstehen welche Folgen seine Handlungen haben.Werbung um in dem bereich zu bleiben tut nichts anderes als die Folgen einer Handlung schönzureden.
Ob das wirklich geschied ist sehr zweifelhaft denn bei den Schulplänen und dem was Kinder heute alles lernen müssen kann so etwas wie Lebenshilfe und ich meine Hilfe nicht Dogmatik nur zu kurz kommen.
Ich verbrachte meine Kindheit auf einer streng Katholischen Schule
da war es gang und gebe alles nach Ethischen Gesichtspunkten zu beleuchten natürlich Dogmatisch was heute wohl sehr anstössig wirken würde da solch Steinzeitmethoden die mir nicht geschadet haben aus der Mode sind.
Darum sage ich immer da für viele Menschen die alte Metaphysik nicht mehr gilt da sie Sekularisiert sind müssen wir sie entweder neu entdecken oder eine neue muss her.
Weil Moral ist keine Mathematik das ist Wittgensteins verdienst.
Moral ist Unlogisch… Metaphysik ist somit immer noch keine Wissenschaft und die Wahrheit über das Leben steckt nicht in Zahlen…
http://www.youtube.com/watch?v=Yu_UFHrC02k
Das nur als kurzer ausschnitt wenn du fragen hast frag…
und das Wittgenstein recht hatte was Sprache angeht musten die Medien gerade am eigenem Leibe erfahren nicht wahr Bernd…
http://www.youtube.com/watch?v=ILlvG78ZldQ
“Die Schüler haben kaum noch Zeit, den Stoff zu geistig zu verarbeiten bzw. für außerschulische Aktivitäten und Hobbys. M.E. ist der einzige Zweck des G8-Gymnasiums, Kosten zu sparen. Man packt halt den Stoff von 9 in 8 Jahre bei entsprechender Verdichtung. Das gleiche an der Universität, die Stoffmenge eines vierjährigen Studiums wird auf drei Jahre eingedampft.”
Das ist auch genau der Grund! Das G8 wurde nur deshalb eingeführt damit die Schüler früher mit dem arbeiten/studieren beginnen können, aus demselben Grund wird ja auch an der Studiendauer herumgewerkelt und längere Studienzeiten bestraft (Studiengebühren).
Unser Bildungssystem ist auf eine möglichst optimale Nutzung des Menschenmaterials für die wirtschaftliche Verwendung ausgerichtet.
Dieses Bildungssystem arbeitet dem narzistischen Alltagscharakter in die Hände. Manche mit hohem Startkapital erleben Schönes und Grandioses für ihr gepeinigtes Selbstwertgefühl, andere erleben Zurückweisung und brauchen Kompensation. Schießübungen oder Pilot werden, wie Bankmanager oder Politiker. Wenn jedoch ein gekränktes Selbstwertgefühl keine Zuwendung hat, ist es geschehen.
@Loki
Welche Wissenschaftliche wunder Methode hat er denn angewendet um Objektiv ein Subjektives erleben zu beschreiben…
Hat er die Jugendlichen gefragt.Menschen können lügen…
Oder hat er wie ich es gesehen habe bei einem Amerikanischen Wissenschaftler mit Tabasco die Agressivitäts Messung vorgenommen.Ihr macht euch lächerlich und merkt es nicht mal…
Ein Kernspinn sagt nur aus in welchem bereich des Gehirns Aktivität ist über das Subjektive erleben sagt er garnichts aus.Da muss man immer Fragen stellen wie ich bereits sagte Menschen können lügen und einen Lügendetektor hat noch keiner erfunden auch wenn die Medien in einschlägigen Talkshows uns das Sugerieren wollen.
Mich erinnern solche Diskusionen eher an diesen Schildbürger streich…
http://www.youtube.com/watch?v=6-ypQmqK9fo
Neulich habe ich von einem sog. “Glücksforscher” im Fernsehen gehört, dass wir heute 40 Prozent weniger lachen als noch vor vierzig Jahren.
@samarpan
Er hat nur festgestellt das seine Methode weniger Menschen zum lachen bringt
Da kann uns nur noch Hirschhausen helfen!
http://www.youtube.com/watch?v=6K-FhlkgA7I&feature=related
@Unwissender
Ja er kann ja jetzt nach Winnenden fahren und den Menschen erzählen sie sollen ne Tafel Schokolade essen und ein bischen vögeln dann wird das schon wieder…
Noch immer geht mir der Tatablauf durch den Kopf.
Da geht dieser Jugendliche in die Schule und erschießt 3 Lehrerinnen, 8 Schülerinnen und 1 behinderten Schüler. Tim Kretschmer wählt seine Opfer willkürlich aus. Sie haben ihm nichts getan. Die meisten kannte er gar nicht persönlich. Differenziert hat er nur nach dem Geschlecht: Er hat gezielt Mädchen erschossen.
Robert Steinhäuser in Erfurt hingegen erschoss Lehrpersonal, weil er sich an ihnen rächen wollte.
Das ist ein wesentliches Strukturmoment dieser Tat: Die willkürliche Auswahl der Opfer ohne jeglichen persönlichen Bezug zum konkreten Menschen. Ein anderes Strukturmoment ist die Unschuld und Wehrlosigkeit der Opfer.
Jetzt kann man die Frage stellen, wo in unserem soziokulturellem Kontext unschuldige und wehrlose Menschen willkürlich getötet werden? Die erste Assoziation ist die Tötung der Zivilbevölkerung im Krieg und der Ausrottungsmord. Bei letzterem fällt mir spontan der Massenmord an den Indianern, den Armeniern, Juden und der Völkermord in Ruanda ein. Im Krieg wurde die größte Zahl an zivilen Opfern durch nur eine einzige Aktion durch den Atomwaffenabwurf in Hiroshima erzielt: Zwischen 90.000 und 200.000 Menschen waren sofort tot.
Auffällig ist, dass die Thematisierung und Bewertung dieser Tötungen und Ermordungen je nach Täter in der Öffentlichkeit und in privaten Gesprächen sehr unterschiedlich ist.
Weiter frage ich – um die tiefenstrukturelle Dimension der Täter-Opfer-Beziehung zu erfassen -, wo es ähnliche soziale Strukturen gibt, wo unschuldige und wehrlose Menschen zwar nicht getötet, aber massiv geschädigt werden und die Auswahl durch den Täter mitleidlos und beliebig erfolgt?
Und da wird deutlich, dass es sich um ein heute ganz normales Muster des Umganges von Menschen mit Menschen handelt. Es ist zur Normalität geworden, Menschen in profitablen Unternehmen zu entlassen, um den Gewinn noch etwas zu steigern. Es ist normal, Menschen risikobehaftete Wertpapiere, unrentable Versicherungen etc. zu verkaufen, ohne Rücksicht darauf, ob die Person zu Schaden kommt und darunter leidet. Und die Auswahl der Opfer ist völlig beliebig und das Schicksal des konkreten Menschen völlig gleichgültig.
Der Umgang der Menschen ist hier so, wie im Krimi der Umgang des Killers mit seinem Opfer bei einem Auftragsmord, wenn er sagt: „Es ist nur geschäftlich, nichts Persönliches!“
Mitmenschliche Gefühle stören den Geschäftsverkehr. So werden Menschen im Kapitalismus sozialisiert: Herzlos, mitleidlos und feige.
Kein Mitleid und das Bedürfnis zu helfen kommt hoch, wenn die Gaffer bei einem Autounfall herumstehen und sogar die Helfer behindern. Und selbst wenn sie ein Handy dabei haben, rufen sie nicht nach Hilfe, weil sie lieber Gaffen wollen.
So runtergekommen sind nicht alle Menschen, aber viele Menschen in diesem System. Zu Zombies geworden ohne menschliches Mitgefühl und Mitleid.
Meinen Beitrag HAM # 80 habe ich als Satire geschrieben. Das ist offensichtlich bei einigen gar nicht angekommen. Ich habe bewusst die Sprache der technizistischen Psychologie gewählt.
Zudem war der Beitrag auch fachlich falsch. Denn ein Mensch mit einer Persönlichkeit wie Tim K. ist als Soldat weitgehend unbrauchbar, weil bei Kampfhandlungen nicht einsetzbar ist. Dazu ist er viel zu feige. Er kann ja nur wehrlose Menschen erschießen. Wäre es anders gewesen, dann hätte er sich gegen seine Umwelt zur Wehr gesetzt und wäre nicht der immer freundliche und stille Junge gewesen.
Natürlich ist er so geworden, weil er nicht die nötige Beziehungs- und Erziehungsumwelt hatte, um eine Ich-Stärke zu entwickeln. Kindliche Fehlentwicklungen sind nicht primär dem Kind zuzuschreiben, sondern basieren auf einer inadäquaten Umwelt. Das ist eine alte pädagogische Erkenntnis.
Damit will ich keineswegs einer vorschnellen Schuldzuweisung an die Eltern Vorschub leisten. Sondern hier handelt es sich um ein gesellschaftliches Phänomen. (vgl. z.B. POSTMAN: Das Verschwinden der Kindheit).
Ich vermute, dass Tim sich innerlich tot fühlte. Hätte er irgendwelche positiven Gefühle seinen Eltern gegenüber besessen, dann hätte er ihnen das nicht antun können. Mir fällt dazu ein Buch ein: GRONEMEYER: Ohne Seele, ohne Liebe, ohne Haß. Vom Ende des Individuums und vom Anfang des Retortenmenschen.
Wie geht die Gesellschaft mit dem Geschehen in Winnenden um?
Ist man bereit, nach den nötigen Veränderungen zu fragen, damit unschuldige Kinder nicht eine derartige Entwicklung nehmen? Ist man bereit, das emotionale Elend wahrzunehmen, in dem sich Kinder wie Tim befinden?
Einige sind nachdenklich, wie die Beiträge hier und anderswo zeigen.
Aber insgesamt wird das Geschehen mit einem Ritual bewältigt:
Mit Halbmast und Betroffenheitsbekundungen von höchsten politischen Repräsentanten.
Das war es dann. Und weiter so …
“Es ist normal, Menschen risikobehaftete Wertpapiere, unrentable Versicherungen etc. zu verkaufen, ohne Rücksicht darauf, ob die Person zu Schaden kommt und darunter leidet.”
Es ist nicht normal es ist Rational.Es ist Logisch so zu handeln.
@ Nanuk
“Qualiaproblem”
Empfehle dazu: D. Dörner, Bauplan für eine Seele
und allgemein Evolutionspsychologie statt Philosophie, Thema: evolutionärer Sinn der Entwicklung von Empfindungen und des Bewusstseins davon.
und halte mich ansonsten jetzt hier raus. Die munter-makabren Spekulationen sind für mich völlig uninteressant. Ich schwalle ja auch nicht einfach über ökonomische Zusammenhänge hier rum, sondern verschone diesen Blog tunlichst mit dem, was mir gerade so durch den Kopf geht. Stattdessen lese ich hier normalerweise nur mit und jede Menge Bücher gemäß des gestürzten Halbgotts Empfehlung. Bin aber weiter froh -abgesehen von diesem Thread- dass es den Blog gibt.
@ Nanuk
So rational, wie Schutzgelderpressung oder alten Omas die Handtasche zu rauben.
Aus der subjektiven Perspektive des Betrügers, des Erpressers und Räubers ist das alles rational. Kriminelle Rationalität eben bzw. Logik des Kriminellen.
Aber vernünftig ist dies natürlich nicht.
@ Nanuk #155
Nach welcher Ratio, welcher Logik?
Was nützt Nutzenoptimierung einem endlichen Wesen?
@ HAM
Welche Natur ist vernünftig?
@mylli
Nach welcher Ratio, welcher Logik?
Was nützt Nutzenoptimierung einem endlichen Wesen?
Deine Frage enthält bereits die Antwort: was nutzt Nutzen. Nicht gemerkt?
Welche Natur ist vernünftig?
Dito. Wenn die Natur selber schon vernünftig wäre, bräuchten wir keine Vernunft.
“Was nützt Nutzenoptimierung einem endlichen Wesen?”
Da hat sie dich gebissen die Rationalität
ich glaube jetzt hab ihr mich verstanden. Wenn das Brett zu dick war tut es mir leid…
@ lemming
Und was ist jetzt Vernunft. Immerhin brauchen wir sie ja, oder?
@ Nanuk
Jetzt gehe ich mir ein bisschen Metaphysik basteln, vielleicht nützt sie mir ja irgendwie.
Bis dann,
Euer durch das Sein treibender mylli
@ HAM
das narzistische Selbst hatte keine festen liebevolle Objektbeziehungen erfahren. Keine Möglichkeit zur Identifitierung. Deswegen die willkürliche Auswahl der Ofer,
ohne inneren Bezug! Es ging nur um etwas Grandioses zu tun, das zuvor von anderen vernichtete Selbstwertgefühl musste aufgerichtet werden. Vieleicht ist auch eine Identifizierung mit dem Vaterbild nicht gelungen, und es konnte kein starkes Gewissen gebaut werden.
ham,
das ist so doch nicht wahr.
vor vierzig jahren – also im märz 1969 – fühlten sich die guten bürger mehr als verunsichert. da war der bundeskanzler erhardt gegangen worden, weil er der krise nicht herr wurde, fünf % arbeitslose, fünf jahre zuvor waren es noch 0,5%.
Wsa noch zu sagen ist:
Vor 40 Jahren wäre niemand in den Big Brother-Container gegangen
- Das gab es so nicht, weil das Fernsehen damals noch eine ziemlich staatstragende Geschichte war. Sexualität war damals ohnehin bäbä und hatte im Fernsehen nichts verloren. Die Quote und der Kommerz kam in der Ära Kohl. Der Saumagenfriedhof war denen zu Diensten, die meinten, dass sich mit Volksverdummung Geld verdienen lässt, viel Geld, und auch Herr Dr. Kohl und seine Partei sollten etwas davon abbekommen. Damals gruselte sich der Bürger in Gedanken an das Treiben in den Kommunen, freis Liebe, jeder mit jedem und die Haustiere sichd womöglich auch noch mit dabei. Tatsächlich ist Big Brother die fernsehtaugliche Weiterentwicklung des Konzepts WG, einschliesslich der Personaldiskussion mit Seelenstriptease.
es war, undenkbar, dass Spielfilme im Fernsehen mit Werbung unterbrochen werden
- Das gab es schon in den US of A, wie auch die vielen, vielen Programme. In der Bundesrepublik gab es zu der Zeit ARD, ZDF und dann noch in Bayern das Bayrische Fernsehen mit dem Telekolleg. Weiter war da nichts, ausser im grenznahen Bereich, Das wurde damals vor allem aus den Rundfunkgebühren finanziert, weiter gab es die Funkmesswagen der Bundespost, die diese Rundfunkgebühren durchsetzten. Farbfernsehen kam erst unter Willy Brandt.
im Kaufhaus musste man nichts für die Toilettenbenutzung bezahlen
- es wird damals, so wie heute, im Preis einkalkuliert gewesen sein. Übrigens gab es damals noch keine Discounter, Sebstbedienung war der neueste Schrei. Auf Flächen und einem Angebot, das heute für jeden Tankstellenshop zu klein wäre.
in der Bank musste man nicht rechnen, vom Anlageberater betrogen zu werden
- weil der gewöhnliche Arbeitnehmer damals kein Bankkonto hatte. Den Lohn gab es jede Woche bar in einer kleinen Tüte, die man deshalb Lohntüte nannte. Das Netto auf einem Streifen Papier, dem Lohnstreifen, von Hand geschrieben. Bessere Angestellte und Beamte hatten ein Girokonto, meistens bei der Sparkasse. Ein Geschäftsmann, der ein Konto bei der Deutschen Bank hatte, war stolz darauf, er wusste, wie alle anderen, die nahmen nicht jeden. So wie man damals, wenn man ohne Krawatte eine Daimler-Niederlassung betrat, stracks aus dem Tempel gewiesen wurde, für solche Leute gab es schliesslich Volkswagen, und wer Opel fuhr, nahm auch Trinkgeld. Als Formen der Geldanlage gab es das Sparbuch “mit der gesetzlichen Kündigungsfrist” und für den, dem das nicht genügte, gab es noch Bundesanleihe und ähnliche Rentenpapiere von Gebietskörperschaften. Für die Kunden der Sorte Gier frisst Hirn gab es anderes, Investments der Firma IOS, auf den Aussendienst dieser Firma lassen sich all die windigen Geldvermehrer in diesem Lande zurückverfolgen.
Heute ist es umgekehrt. Man rechnet damit, überall betrogen zu werden. Nicht nur in der Bank, nicht nur beim Versicherungsvertreter, sondern überall, selbst beim Arzt.
- die Folgen der Aufklärung und der Schaffung des mündigen Bürgers. Noch zur Zeit der grossen Koalition unter Kiesinger / Brandt genossen die Autoritäten Glauben. Die waren auch nicht besser als heute, nur der schnoddrige Spiegel-Stil hatte sich noch nicht durchgesetzt. Übrigens ging man zu der Zeit auch sonntags in die Kirche, glaubte auch dem Herrn Pfarrer und wenn ein Mädchen ein lediges Kind hatte, galt sie als Hure.
Früher wurden auch soziale Berufe gut bezahlt. Das war einmal.
Von wegen. Soziale Berufe, das waren die Fürsorgerin, eine verkniffene Tante, die keinen Mann abbekommen hatte und die sich deswegen an ihrer Kundschaft abreagieren musste .
Es wurde damals in Fürsorgeheimen, in den kirchlichen beider Konfessionen wie auch denen der freien Wohlfahrtspflege, fleissig geprügelt. Aber nicht nur dort, auch im Eltenhaus, in der Schule und noch in der Ausbildung, die damals Lehre hiess, wurde körperlich gezüchtigt.
Ansonsten, es gab da nicht soviel soziale Berufe. In den katholischen Krankenhäusern waren Ordensschwestern tätig, die im wesentlichen für Kost und Logis arbeiteten, Es gab da auch noch Krankensäle mit bis zu zehn Betten, Toilette auf dem Flur.
Soziale Berufe waren damals Frauenberufe, die auch deshalb schlecht bezahlt waren, weil sie als Durchgangsstation zur Ehe und zur Erfüllung des Kinderwunschs angesehen wurden.
Die eigentliche Besserstellung des öffentlichen Dienstes, das war 1974, als der dicke Kluncker und seine Müllmänner eine Lohnerhöhung von 10% erstreikten.
@Helmut Hoppe
Im Augenblick kann ich für mich nur sagen, dass ich zu wenig über Kims Biographie, seinen sozialen Kontext, den Krankheitsverlauf, seine Medikation etc. weiß, um hier mehr als nur spekulative Hypothesen bilden zu können. Auffällig ist, dass Mädchen seine primären Opfer sind. Wir wissen nichts oder so gut wie nichts über Persönlichkeit und Bindung zu Vater und Mutter, nichts über die Familiendynamik, nichts über die Beziehung zu den Großeltern, Peergroup, Beziehungen zu Mädchen etc.
Narzisstische Persönlichkeit ist sicherlich wahrscheinlich, diese Persönlichkeitsstrukur ist in der heutigen Gesellschaft ubiquitär. ZIEHE sprach von „narzisstischen Sozialisationstyp“, LASH vom „Zeitalter des Narzissmus“.
Zudem findet sich nicht selten in ökonomisch bessergestellten Familien das Phänomen einer „Wohlstandsverwahrlosung“.
Dies alles bestärkt die Annahme, dass es sich möglicherweise um einen für die heutige Gesellschaft weitgehend „normalen“ Jungen handelte, dessen Tat nicht aus einer besonderen Biographie erklärt werden kann. Da sind unglücklicherweise ein paar Faktoren zusammengekommen, die dazu geführt haben, dass die aufgrund schwachen Ichs und schwachen Überichs sowie zu schwacher psychosozialer Bindungen die Sicherungen durchgeknallt sind. Mag sein, dass auch Psychodrogen eine Rolle gespielt haben.
>>Pathologisch sind diese ganzen Amokläufer vermutlich nicht >>anders einzuordnen, als durchgeknallte Investmentbanker, nur >>hinterläßt das Gebaren der letzteren keine unmittelbaren >>Todesopfer.
Die Handlungen der Investmentbanker hinterließen und hinterlassen mit Sicherheit Todesopfer. Tatsächlich sind sie Massenmörder.
#163 ist ein guter Schnappschuß auf die Zeiten.
Dem möchte ich hinzufügen, daß ja damals Arbeitsverträge von verheirateten Frauen auch vom Ehemann zu unterzeichnen waren, um volle Rechtsgültigkeit erlangen zu können.
Eine der verbreitetsten nachschulischen Aktivitäten der weiblichen Welt, jedenfalls hier auf dem Platten Lande, war das “in Stellung gehen”, was dann eine Zeit als Magd auf einem fremden Hof bedeutete. Dort wurde dann sozusagen der Job, Haushaltführung und Nachwuchspflege erlernt. Idealerweise ging es aus diesem Lebensabschnitt in die eigene Ehe.
Der letztjährige Abijahrgang hier um die Ecke hat eine Umfrage über das “Danach” erstellt. Von knapp vierzig Abiturientinnen machen elf ein Jahr Au pair im Ausland überwiegend Amerikanesien. Welch seltsame Sitten in modernen Zeiten.
@ Paul Pretzel
wenn der Eindruck entstanden ist, dass ich die Zeit der 60-er Jahre verkläre, so war dies keineswegs meine Intention, sondern ich wollte einige Punkte nennen, welche den Prozess des sozio-ökonomischen und sozio-kulturellen Niederganges illustrieren.
Kanzler Erhard war übrigens schon 1966 durch Kiesinger abgelöst worden, auf den 1969 Brandt als Kanzler folgte.
Die Zahlen zur Arbeitslosenquote in %:
1966 – 0,7
1967 – 2,1
1968 – 1,5
1969 – 0,9
1970 – 0,7
1971 – 0,8
1972 – 1,1
1973 – 1,2
1974 – 2,6
1975 – 4,7
Erinnern kann ich mich, dass im Jahr 1967 bei Teilen der Bevölkerung wegen der stark gestiegenen Arbeitslosigkeit Ängste aufkamen. Aber dies dauerte nur kurz. Vom „Terror der Ökonomie“, wie V. FORRESTER die neoliberale Entwicklung treffend kennzeichnet, konnte damals nicht die Rede sein.
Die gravierendste Veränderung in den Familien im Vergleich zu damals ist – insbesondere in den Mittelschichten – die Erhöhung des Volumens der Erwerbsarbeit pro Familie. Das Problem – dies sei hier betont – ist nicht die Berufstätigkeit der Frau. Denn die Berufstätigkeit der Frau ließe sich problemlos mit einer Teilzeitarbeit beider Ehepartner realisieren, doch die heutige familiäre Erwerbsrealität ist nicht „Job-Sharing“, sondern „Job-Verdoppelung“.
Damals reichte ein mittleres Einkommen eines einzelverdienenden Vaters für eine Familie mit Kindern. Als Angehöriger des gehobenen Dienstes konnte ein Sozialarbeiter, der damals wie heute zwar besoldungsstufenmäßig ähnlich eingestuft wird, mit nur einem Einkommen eine Familie gut(!) ernähren.
Zweifelsohne gab es durch die Liberalisierung in den 70-er Jahren positive Entwicklungen. Das ist insbesondere die Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frauen. Das war ja auch eine echte Liberalisierung, die mehr Freiheit für die Individuen brachte. Im Gegensatz zum Neo-Liberalismus.
Anders als heute wurden damals keineswegs alle „sozialen Berufe“ von Frauen dominiert.. Sicher, es gab mehr Krankenschwestern als –pfleger und bei den ErzieherInnen und den HeilpädagogInnen waren Frauen weit in der Überzahl. Aber sind Lehrer und Ärzte keine sozialen Berufe? Nur wenige Männer wollen heute den Lehrerberuf ergreifen und beim Medizinstudium sind seit Jahren die Frauen weit überrepräsentiert. Und der Hauptgrund ist, wie allgemein bekannt, die schlechte Einkommens- und Arbeitssituation.
Wer sich im Schulsystem, im Hochschulbereich und im Gesundheitswesen auskennt, für den ist evident, wie in den letzten Jahrzehnten diese zentralen Bereich der Bildung und der Gesundheitsversorgung runtergekommen sind.
Und der Hauptgrund für diese Phänomene ist ein ständiger wirtschaftlicher und sozio-kultureller Niedergang.
Super Artikel. Danke!
Mit geschichtlichem Blick wurde eine von außen verabreichte “innere Instanz” für “gut” befunden und akzeptiert. Ein Hintergrund-Rauschen sorgte für eine irgendgeartete Zielorientierung. Seit den 1990er Jahren wurde aber diese Illusion Stück um Stück durchlöchert. Ein indischer Heiliger ‘dazu’: “Es gibt nichts zu erreichen.” Im Leben dieses Satzes gibt es nun aber einen Unterschied: der Inder bereitet sich auf diesen “Sinn” ein ganzes Leben vor. Ein Jugendlicher scheitert schon auf der 1. Stufe und beendet die eigene Auseinandersetzung.
Was ist falsch? Was wurde gebrochen? M.E. steht die Wissenschaft, das Forschen selbst auf dem Prüfstand. Ich hole (knapp) weit aus. Der Mensch war immer unfähig, ohne eine innerst geglaubte Rechtfertigung sein oder besser das “Leben” zu begreifen. Mit Bruch des Mittelalters stellte sich die Wissenschaft ja auch die Frage, “Gibt es noch mehr?”. [Einschub: In diesem Hinblick gleicht im Übrigen der 'Massenmörder' T. der Raumsonde "vger" aus dem ersten Star-Trek-Film.] Nach dem Systemzusammenbruch West/Ost wurde stand kein “außen” zu Verfügung. War es früher also Gott, war es dann der Soz. oder Kapital. Alles Erscheinungen, die der Spiegel der Rechtfertigung des eigenen Daseins reflektierte. Und nun, in 2009? Es erscheint eine “Leere”. Ein neues “außen” muss erst geschaffen, geglaubt und akzeptiert werden. Das Innere ist also noch nicht da. Und daher das Töten.
Daher ist es mit dem Leben und Tod eigentlich ganz einfach: “Was außen ist, ist auch innen. Was innen nicht ist, ist nirgendwo.” von einem Himalaya-Bewohner. Und das hat der Amokläufer nicht verstehen können mit seien 17 Jahren. Und aufgrund unserer ausgeprägten deutschen Kritikkultur konnten seine Eltern kaum Grundzusammenhänge vermitteln.
@HAM
Was wirklich erstaunlich und traurig zugleich ist, ist der Umstand, dass Friedrich Engels über den Kapitalismus die Frage stellte, was er denn grundsätzlich voraussetzt: Misstrauen. Denn geht der Käufer zum Verkäufer, weis er ja nie, ob er nicht zuviel bezahlt. Etc. pp. Und dies ist schon ein Weilchen her.
Mensch, hätte Engels mal das Ebay-Bewertungssystem kennenlernen dürfen!!!
Lustig ist doch eigentlich folgendes: Wir diskutieren alle wie die “Ex-Post”-Römer.
HAM,
danke für die Hinweise.
Aber ich bin noch immer nicht restlos davon überzeugt, dass Ende der sechziger, auf Arbeitnehmerseite zumindest, klotzig verdient wurde.
Ich möchte nicht vom Thema ablenken, halt, das könnte vielleicht doch mittelbar passen:
Der ganze Lebensstandard war deutlich niedriger. Damit waren auch die Erwartungen und Wünsche deutlich niedriger, was auch etwas Druck nahm.
“Der ganze Lebensstandard war deutlich niedriger. Damit waren auch die Erwartungen und Wünsche deutlich niedriger, was auch etwas Druck nahm.”
Die Konsumartikel waren im Gegensatz zu heute auf Dauerhaftigkeit ausgelegt. Eine Hose sollte länger halten als ein Jahr. Ein Sofa wurde für mindestens eine halbe menschliche Lebensdauer geplant und nicht für drei Jahre und einen Umzug und dann fällt es auseinander. Es wurde auch nicht auf Kredit gekauft sondern angespart, was einen ganz anderen Umgang mit Vorfreude, Geduld und Erwartungshaltung verursacht. Natürlich sind vorsichtig und bescheiden handelnde Konsumenten nicht gerade das, was man als guten Wachstumsmotor bezeichnen kann. Mit Keditkarte Schrott zu kaufen, den man alsbald durchs Nachfolgemodell ersetzen muß, läßt den Rubel deutlich schneller rollen.
Diese Betrachtung mit den Medikamenten ist ebenso wie die Ursachenfestlegung beim Elternhaus oder der Schule sicherlich ein diskussionswürdiger Aspekt, doch bleibt immer die Summe der wirkenden Einflüsse als Bindeglied zwischen uns allen, der Gesellschaft, die wir vom Blogautor mit in die Verantwortung gezogen werden, und dem Vorfall sowie seiner medialen Aufbereitung und Aufarbeitung. Wie man’s auch dreht und wendet, wir hängen damit drin
degnaphta,
wenn es denn sein muss, ich meinte etwas anderes:
der von HAM bemühte Sozialberufler mit mittlerem Einkommen wohnte zu der Zeit zur Miete. Auf 65 qm mit vier Personen, Ofenheizung, gebadet wurde einmal die Woche, Samstag. Jeder mit frischem Wasser in die Wanne, das war schon Luxus.
Waschmaschine gabs nicht. Man hatte einen Waschkessel, mit dem die Wäsche eingeweicht und dann erhitzt wurde. Die Wäsche wurde über der Badewanne ausgewrungen, zum Trocknen aufgehängt und dann gebügelt.
Oder anders, das mit jeden Morgen Duschen und dann was frisches anziehen war damals so nicht. Was für ein Jubel, als dann so in den siebzigern das Deo-Spray aufkam, es gab sogar ein Spray für dei Wäsche.
Klar wurde auf Kredit gekauft. Das mit der Kreditkarte war nicht, und Verbrauchkredit auch nicht, wer hatte denn damals ein Bankkonto. Das kam später, alsd von der Lohntüte auf bargeldlose Zahlung auf das Lohnkonto umgestellt wurde.
Für Liedriane und die, die drauf angewiesen waren, gab es andere, die auf Raten verkauften. Mit der damals zulässigen Vereinbarung, dass die Ratenkaufsache zurückzugeben ist und alle erbrachten Raten verfallen sind, wenn der Ratenkäufer mit einer Rate in Rückstand gerät. War damals nicht lustig, arm zu sein.
Nur kurz, weil es dort oben um mich geht: Ich habe “otaku” bei mir rausgeschmissen, als höchst unfreundlich verlangte, dass der Kommentar von jemand anderes gelöscht werden sollte, der sich mit seiner Vorgeschichte im Handel mit Computern beschäftigte, die ich persönlich als reichlich übel bezeichnen würde. Das hatte nichts mit Schleimerei oder ähnlichem zu tun, ich mag es nur nicht, wenn solche Leute mit so einer Vorgeschichte Forderungen stellen, was in meinem Blog steht.
“…mir persönlich ist dieser Don Alphonso manchmal auch etwas zu dreist, sein Mangel an Decorum ist ein klarer Charakterfehler, und seine Unfähigkeit, sich zu verstellen und mitunter den Mund zu halten, ist gerade für eine komplett erfundene Kunstfigur schon ziemlich daneben…”
Kunstfigur, oder : ?
Die Schizophrenie ist die am häufigsten auftretende Psychose im Zusammenhang mit Suchtmittelkonsum… (v.a. Cannabis, Ecstasy, Kokain und Halluzinogene) …
http://www.pille-palle.net/Pille-Palle/psychose.php
@ Paul Pretzel
Keineswegs wollte ich darauf hinaus, daß es damals alles traumhaft toll abging.
Die Lohntüte war Manchem eine unwiderstehliche Versuchung, sodaß im ungünstigen Fall kaum etwas, jedenfalls zuwenig, davon mit nach Hause kam. Wer da nicht vorsichtig war, hatte bittere Konsequenzen zu tragen. Doch wurde das eher als Anlaß genommen, hier Abhilfe zu schaffen und die betroffenen Familien ‘zu schützen. Aus solchen Beweggründen betrieb man ja auch Sozialpolitik.
Doch war in der Zeit das Gemeinschaftsgefühl noch von anderer Qualität. Die Vorstellung, daß persönliches Pech bereits ausreicht, und daß das halt Jedem passieren kann, war Vielen ein einleuchtender Grund, Sicherungssysteme zu installieren.
Jetzt werden diese Sicherungssysteme Stück für Stück abgebaut und durch die Aufforderung ersetzt, ein Jeder hätte sich selber darum zu kümmern.
Und das, obwohl bekannt ist, daß die Mittel der Mehrheit dazu gar nicht ausreichen. Weder die materiellen noch die immateriellen Mittel sind entsprechend vorhanden. Wozu also die Hinwendung zu einem Volk aus Einzelkämpfern?
Die heutigen Abiturienten bekommen im Zentralabitur Büchners Woyceck vorgesetzt. Die gängige Interpretation durch diese ethikbefreiten Moralkrüppel läuft darauf hinaus, daß der blöde Woyceck halt Pech gehabt hat…da müsse man halt gegen Geld Experimente an sich durchführen lassen…wenn es denn keine Alternativen gäbe…das Leben sei schließlich kein Ponyhof.
Ob Büchner es so gemeint hat, wage ich zu bezweifeln. Doch die Untersuchungen, die sich dem Phänomen des Probandentums beschäftigen, bringen erstaunliche Erkenntnisse hervor. Letztens im TV lief eine Reportage über Amiland, wo es einen meßbaren Anstieg dieser Branche gibt. In D sieht es wohl nicht anders aus.
Wenn unsere Wirtschaftsordnung getrieben von Wachstums- und Profitzwang uns dazu bringt, daß wir uns gegenseitig in derartige Nöte treiben, dann sollte man sich schleunigst nach Alternativen umsehen.
Der Löwenanteil der politischen Entscheidungen und Entwicklungen seit dem Wirtschaftswunder ist rückblickend genau so schädlich gewesen, wie es von Kritikern und Analysten jeweils begleitend als Warnung beschrieben wurde … teilweise mit sogar noch übleren Konsequenzen als vorhergesehen.
Bei anderer Verteilung wären wir immer noch in sowas wie einem Wirtschaftswunder. Abgesehen von Naturkatastrophen könnten wir fast jedes materielle Problem lösen. Warum dieses Potential nur dafür verwenden, daß die Leute sich inbrünstig hassen und sich gegenseitig das Schwarze unter den Fingernägeln nicht mehr gönnen?
Antidepressiva: Suizidalität junge Erwachsene
Aktualisiert: 10.03.2009Erstellt: 18.02.2008
Im Stufenplanverfahren zu Antidepressiva ordnet das BfArM Änderungen in den Produktinformationen an. In den Abschnitten „Warnhinweise“ und „Nebenwirkungen“ werden Hinweise gegeben zum Risiko für das Auftreten von suizidalem Verhalten und Suiziden bei jungen Erwachsenen. Die Anordnung richtet sich an pharmazeutische Unternehmer, die entsprechende Angaben bisher noch nicht in ihre Produktinformationen aufgenommen haben.
* pdf-Bild Bescheid vom 10.03.2009 (Größe: 107.72 KB)
* pdf-Bild Anhörung vom 15.02.2008 (Größe: 94.22 KB)
* pdf-Bild Antidepressants and suicidal thoughts and behaviour (Größe: 486.03 KB)
* Hinweise für pharmazeutische Unternehmer
http://www.bfarm.de/cln_030/nn_1160684/SharedDocs/Publikationen/DE/Pharmakovigilanz/stufenplverf/antidepress__formulare/antidepressiva__bescheid,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/antidepressiva_bescheid.pdf
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