40 Millionen Jobs gefährdet!

von weissgarnix am 5. März 2009

Ich kann die Nachrichten zur Opel-Rettung („ja/nein/vielleicht doch/-zigtausende Jobs in Gefahr”) einfach nicht mehr aushalten; als wirtschaftlich Halbgebildeter  (sogar akademisch, was aber aktuell am allerwenigsten hilft) schmerzt mich der abgrundtiefe Nonsense, der es offenbar ohne größere Mühe auf die Titelseiten und in die Leitartikel schafft. In der FTD schießt die IG Metall den Vogel ab:

„Die Gewerkschaft schlägt Alarm: Eine Insolvenz des angeschlagenen Autobauers Opel würde nach Angaben der IG Metall europaweit rund 400.000 Arbeitsplätze gefährden. “Auto- und Zuliefererbranche wären gleichermaßen von einem Zusammenbruch betroffen”, sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild der “Berliner Zeitung”.

Dass besagter IG-Metallfunktionär ins Geschäft mit Hiobsbotschaften einsteigt, gibt dabei weder zu Verwunderung noch zu Kritik Anlass: genau das ist sein verdammter Job! – Und den macht er offenbar recht gut. Der Job der Jungs und Mädels in der FTD-Redaktion wäre es aber gewesen, dieses Zitat aus einem anderen Blatt als dem eigenen wenigstens nicht unkommentiert zu übernehmen; vermutlich muss man aber dieser Tage schon damit zufrieden sein, wenn derartige Ansagen wenigstens im Konjunktiv gebracht werden. 

Für alle sensationslüsternen und titelzeilegeilen Krisenfetischisten habe ich deshalb hier die ultimative Überschrift:

 „40 Millionen Jobs in Deutschland sind durch die Krise akut gefährdet!”


Und jetzt keine dummen Bemerkungen, bitte: diese Schlagzeile ist mindestens genauso berechtigt, wie die Nummer mit den angeblichen 400.000 Stellen, die bei einer Opel-Pleite über die Wupper gehen; da beisst die Maus aber noch nicht mal das allerfeinste Haar vom ausgefransten, vorderen Ende des berühmten Fadens ab!

Wenn Opel in die Insolvenz geht, dann passiert zunächst mal was? – Der Betrieb läuft mehr oder weniger weiter, bis der Insolvenzverwalter eine Vorstellung davon hat, was er mit dem Laden noch tolles anstellen kann; und selbst danach wird ein wie immer gearteter „Kern” als going-concern weiterbestehen; vielleicht heißt er dann nicht mehr „Opel”, womöglich ist er nicht mehr eigenständig, aber who gives a shit? – Die dahinterstehenden Jobs, auch die bei den Zulieferern, werden eines bestimmt nicht tun: nämlich über Nacht sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden.

In dem Ausmaß jedoch, in dem sie es vielleicht doch tun, sollte man der ganz und gar unschuldigen Wahrheit nicht die Tür vor der Nase zuschlagen, dass die betroffenen Jobs unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten von vornherein nicht mehr zu halten waren; sondern stattdessen auf nicht mehr als einer Fiktion beruhten, in welcher sich berechtigte Arbeitnehmerinteressen, unternehmerischer Überlebenswille und politischer Machbarkeitswahn verbündeten, um gemeinsam gegen die Überkapazitäten auf dem automobilen Weltmarkt anzutreten. – Was soll also das blödsinnige Gefasel von „bedrohten Jobs”, für die es dann im Grunde genommen längst schon keine Berechtigung mehr gäbe?

Mir ist daher auch die Vorgehensweise der Politik ein Rätsel, die „Konzepte, Konzepte, Konzepte” von den Opel-Oberen verlangt, wo die besten Manager der Welt sich absolut außerstande sehen würden, auch nur eine Prognose für die nächsten 12 Monate abzugeben. 

Diese ganze Geschichte um die Opel-Retterei wird damit zur absoluten Farce, ähnlich wie die unlängst gescheiterte Rettung der österreichischen AUA oder in Italien der Alitalia:

„Was im Markt nicht geht, ist tot!

Ist das wirklich so schwer zu kapieren?

Was glaubt die Politik eigentlich, wofür Strategie-Bücher für Manager geschrieben werden? – Für die intellektuelle Zerstreuung der gestressten Führungskraft? – Wer am Markt versagt, ist draußen. Ohne wenn und aber. Punkt. Aus. Basta. – Jetzt so zu tun, als hätte Opel keine Vorgeschichte, als hätte seine Misere auch nur irgendwie etwas mit der Finanzkrise zu tun, als gäbe es eine Hoffnung, dass wenn jetzt – ja: nur jetzt, kurzfristig, temporär, so lange bis irgendwie alles wieder besser wird, warum und wie genau wissen wir aber leider nicht - der Staat mal kurz einspringen könnte: das ist doch Beschiss! – Und es ist für jeden intellektuell halbwegs im grünen Bereich unterwegs befindlichen Menschen ein hochgradiges Ärgernis! Eine Zumutung!

Die bad news lauten daher unweigerlich wie folgt: falls sich die Marktwirtschaft als obsolete Fiktion herausstellen sollte, dann sind 40 Millionen marktwirtschaftliche Jobs in Deutschland in genau der gleichen Gefahr, in der sich die oben genannten 400.000 Jobs bei Opel samt Zulieferern befänden, falls sich deren wirtschaftliche Berechtigung als bloße Fiktion herausstellen sollte.

Weil das aber für den einen oder anderen vielleicht allzu deprimierend klingt, hier die good news gleich hinterher: ziemlich sicher wird es für eine wie immer geartete Marktwirtschaft auch weiterhin reichlich Bedarf geben, so wie es auch für eine wie immer geartete Opel samt Zulieferern weiterhin Bedarf geben wird. Die Politik könnte also in aller Ruhe einer geordneten Insolvenz zusehen, da und dort mit punktuellen Maßnahmen vielleicht ein wenig zur Hand gehen, und ansonsten den Dingen ihren Lauf lassen.

Aber wie dem auch sei: wenn wir uns mit derart simplen Wahrheiten nicht anfreunden wollen, dann ist die Marktwirtschaft definitiv nicht das richtige für uns. Dann sollten wir uns schleunigst hinsichtlich möglicher Alternativen schlau machen, links oder rechts oder in welcher Richtung auch immer, aber nicht weiterhin nur so tun als ob.

{ 52 Kommentare… Lesen Sie sie nachfolgend oder schreiben Sie einen }

1 Torsten März 5, 2009 um 15:00

Danke für die prägnanten Worte.

Ergänzend hierzu: http://cdu-politik.de/2009/03/04/opel-ist-am-ende-basta/

2 Nanuk März 5, 2009 um 15:22
3 Joe Average März 5, 2009 um 15:23

“Opel-Pleite gefährdet mindestens 800 Fantastrilliarden Jobs alleine in Deutschland!!!11″
Wer bietet mehr?

4 Nanuk März 5, 2009 um 15:37

Akzeptanz ist ein schwieriger Prozess nicht war WGNX

5 Alvar Hanso März 5, 2009 um 15:48

“Dass besagter IG-Metallfunktionär ins Geschäft mit Hiobsbotschaften einsteigt, gibt dabei weder zu Verwunderung noch zu Kritik Anlass: genau das ist sein verdammter Job”

Wo kommen wir eigentlich hin wenn jeder Depp meint er könnte und MÜSSTE mit Lügen und Halbwahrweiten die Öffentlichkeit manipulieren nur weil es sein Job ist, er dafür Geld bekommt…

Ne, halt, warte.
Das ist ja bereits geschehen, verdammt.

Moral hazard at its best.

6 Terekest März 5, 2009 um 16:34

alvar: interessant ist, dass ich seit Beginn der Krise im Denken der “wichtigen” Leute nichts getan hat.

Und was die Politik angeht: zum Teil wissen sie es einfach nicht besser, eigentlich geben sie ja auch selbst bereits zu, keine Ahnung zu haben. Und zum anderen haben sie natürlich die Wahlen im Auge. Das wird noch ein sehr interessantes und vor allem auch lustiges Jahr.

In GB denkt der ehemalige RBS-Banker Goodwin ja offensichtlich schon drüber nach, das Land zu verlassen:

http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/unternehmen …y/24200200

Da wird sich noch ein richtiger Tourismus entwickeln :-)

7 samarpan März 5, 2009 um 16:40

nachher heißt es: Für die Banken und ihre Manager hat der Staat unbegrenzt Geld, aber für die kleinen Leute bei Opel keinen müden Euro übrig. Ich schätze, davor hat die Politik Angst.
Stimme aber absolut mit Dir überein, dass Opel nicht gerettet gehört. Saab z.B. wurde ja auch nicht gerettet.

8 Nanuk März 5, 2009 um 16:42

@Terekest
Wir werden noch viel zu lachen bekommen… :)

9 Michael März 5, 2009 um 16:47

Es geht einfach um Lohndrückung, was nix nutzt, weil der Laden mit oder ohne zerschlagen wird, wenn er in bekannter Schieflage steckt. Denn nach geläufiger Theorie sinken nicht die Preise, sondern überzählige Anbieter fliegen aus dem Markt. :-x

10 f.luebberding März 5, 2009 um 17:00

Weissgarnix

Der Marktmechanismus war bei Betrieben dieser Größenordnung schon immer Fiktion. In Deutschland hat die Neuordnung ganzer Industrien schon immer durch die Kooperation von Unternehmen, Banken, Politik und Gewerkschaften stattgefunden. Etwa bei der Restrukturierung der Stahlindustrie. Nur als Beispiel ein Text von Josef Esser zur Stahlkrise im Saarland – aus dem Jahr 1978:

“Dieses hier nur grob zusammengefaßte Restrukturierungskonzept ist von einem politischen Regulierungskartell, bestehend aus dem ARBED-Konzern, den staatlichen Instanzen und der IG Metall durchgesetzt worden und läuft in seinem Resultat auf eine Form von indirekter Verstaatlichung hinaus. Diese unserer Ansicht nach neue
Form von Staatsinterventionismus in der Bundesrepublik soll im folgenden näher beschrieben werden: Im politischen Regulierungskartell haben sich Staat, Unternehmer
und IG Metall informell organisiert, um in arbeitsteiliger Weise, mit unterschiedlichen Aufgaben und teils stillschweigender, teils offener Abstimmung des Verhaltens das als notwendig angesehene Sanierungskonzept durchzuführen. Übereinstimmung besteht darin, daß die Krise nicht allein nach der privatwirtschaftlichen Rationalität der Gewinnmaximierung gelöst, sondern gleichzeitig die Interessen der betroffenen Arbeitnehmer berücksichtigt werden sollen; d. h. wir haben es mit einer sozialstaatskonformen Krisenbewältigung auf kapitalistischer Grundlage zu tun. Die Gegenstände der Krisenregulierung sind:
1. Die Vereinheitlichung der Kapitalbasis; d. h. Zusammenfassung der bisher an der Saar zersplitterten Eigentümerstrukturen.
2. Die Restrukturierung der Produktionsbasis; d. h. Durchführung eines betriebswirtschaftlich/
technischen Unternehmensplans zur Rationalisierung und Modernisierung der Saarhütten. Aufgestellt wird der Plan vom Unternehmen ARBED, der Bund als Geldgeber nimmt nur eine inhaltliche und formale Kontrolle der „Tragfähigkeit”
des Konzeptes vor.
3. Durchführung und legitimatorische Absicherung der notwendigen Entlassungen bzw. Stillegung von Arbeitsplätzen. Hier liegt die Haupttätigkeit der IG Metall. Sie setzt eine zeitliche Streckung der Vernichtung von Arbeitsplätzen und Vermeidung
direkter Entlassungen zugunsten von Frühverrentung durch; sie beteiligt sich an der sozialen Auswahl der zu Entlassenden auf politisch am wenigsten konfliktfähige Gruppen (alte und junge Arbeitnehmer, Gastarbeiter). Sie kann schließlich mittels
hoher Sozialpläne und günstiger Verrentungsbedingungen die finanzielle Lage der von Entlassung Betroffenen stabilisieren helfen.
Funktionieren kann dieses Regulierungskartell nur, wenn sich die Beteiligten aufeinander verlassen können, jeder die ihm zugewiesene Rolle einhält, alle zum aufeinander abgestimmten Einsatz ihrer Organisationsmittel bereit sind und nichtintegrierbare Forderungen der „Basis” ferngehalten werden können. Dazu ist Voraussetzung, daß alle Beteiligten ihren Vorteil an der Mitwirkung höher einschätzen als eventuell auftretende Nachteile. … . Wir bezeichnen
das Ergebnis dieser Krisenregulierung deshalb als indirekte Verstaatlichung, da der Staat, dem an einer konfliktfreien und sozialstaatlichen Lösung gelegen ist, dem Unternehmen ARBED eine politische und materielle Mitwirkungsbereitschaft anzeigt,
die die Handlungsalternativen für das Unternehmen verändert. Da ARBED diese Strategie akzeptiert, ist ein Ergebnis von vornherein ausgeschlossen, das allein auf die privatwirtschaftliche Rationalität der Gewinnmaximierung abstellt, ohne daß ARBED jedoch seine aktive Führungsrolle bei der Sanierung verliert. Ähnliches gilt für die IG Metall. Auch sie schränkt ihre möglichen Handlungsalternativen zugunsten
der politisch vermittelten Krisenregulierung ein, akzeptiert damit aber ebenfalls die Führungsrolle der ARBED.”

http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1978/1978-12-a-772.pdf

Also ist die Stahlkrise – und ähnliches gilt auch für andere Sektoren wie etwas das ziemlich lautlose Verschwinden der deutschen Textilindustrie als fordistischesn massenproduktionsmodell – schon immer als eine Form der indirekten Verstaatlichung erfolgt. Das Problem ist jetzt, dass unserer handelnden Akteure heute diesen Krisenregulierungsmechanismus nicht mehr kennen – sondern nur noch sinnlose Marktrhetorik im Angebot haben. Zum anderen war damals ein plausibles Konzept erkennbar. Esser beschreibt 1978 die Stahlindustrie von heute:

“Die zweite Strategie ist mit den Schlagworten Rationalisierung, Modernisierung und Spezialisierung zu umschreiben und sieht eine umfassende Reorganisation der Produktionsstruktur der europäischen Stahlindustrie vor. Neben das Stillegen
veralteter personalintensiver Anlagen und deren Ablösung durch kapitalintensive Großstahlwerke in japanischer Größenordnung soll eine weitere Spezialisierung
auf höherwertige Qualitäts- und Edelstahle und der Abbau des Massenstahlgeschäfts treten. Ergänzt wird dieser Prozeß durch die Abkehr vom Konzept der reinen Stahlerzeugung und einer stärkeren Orientierung auf die Stahlweiterverarbeitung
(vertikale Integration). Dies alles erfordert wegen der hohen Kapitalkosten eine weitere Konzentration auf wenige leistungsstarke Einheiten. ”

Der Vorteil der Deutschen war übrigens, dass sie sich nie an dem Subventionswettlauf für die Stahlindustrie beteiligt hatten – wie Österreicher, Briten, Franzosen und Italiener. Es gab keinen Strukturkonservativismus. Vielmehr versuchte man die Neuordnung der Industrien bei Absicherung der sozialen Kosten durchzusetzen. Etwa hier durch die angesprochene Frühverrentung oder auch später bei Blüm die Verlängerung des ALG. Zu dem bemühte sich der Staat durch regionale Strukturpolitik den am meisten betroffenen Regionen eine entsprechende Kompensation anzubieten. Der Sozialstaat war also die unverzichtbare Voraussetzung, um Strukturveränderungen durchsetzen zu können. In Frankreich kämpften dagegen die Lothringer Stahlarbeiter um die staatlichen Subventionen, weil die Franosen diesen Krisenregulierungsmechanismus nicht hinbekamen. Hier ist der Satz von Esser “wenn sich die Beteiligten aufeinander verlassen können” entscheidend.

An einem solchen Krisenregulierungsmechanismus fehlt es zur Zeit, weil die Politik mit ihrer Vermarktlichungsstrategie genau diesen eingespielten Mechanismus zerstört hat. Und die meisten heutigen Akteure davon schlicht keine Ahnung mehr haben. Die erste Voraussetzung für eine Akzeptanz etwa der von Dir bei Opel vorgeschlagenen Politk, wäre die Verlängerung des ALG 1 – also die Kompensation der Restrukturierungskoten. Der Verzicht auf die Lösung der Krise “allein nach der privatwirtschaftlichen Rationalität der Gewinnmaximierung” wäre eine weitere Voraussetzung.

Wie gesagt: Der Markt nützt hier gar nichts. Wenn man etwas zur Zeit den Markt überläßt, sammeln wir morgen Kräuter im Wald …. . Die Bemerkungen von Axel Schild sind also mehr als berechtigt. Dier IG Metall will von der Politik ein Konzept über die Zukunft der Branche – es geht eben nicht nur um Opel. Ob diese Persönlichkeiten im Lenkungsausschuss oder PWC dazu etwas Konstruktives beitragen können, wage ich dann doch zu bezweifeln. Der Staat muss schlicht seine Rolle wiederfinden bzw. neu definieren. Ob das mit diesem Personal möglich ist, wage ich dann doch zu bezweifeln. Aber man gibt die Hoffnung ja nicht auf … .

11 Nanuk März 5, 2009 um 17:05

“An einem solchen Krisenregulierungsmechanismus fehlt es zur Zeit, weil die Politik mit ihrer Vermarktlichungsstrategie genau diesen eingespielten Mechanismus zerstört hat.”

Das Vertrauen ist dahin genau das ist das Problem.

12 Nanuk März 5, 2009 um 17:07

Die Wunde hat aber schon Schröder geschlagen als er den Sozialvertrag einseitig aufkündigte.

13 Michael März 5, 2009 um 17:15

Und was passiert, wenn die halbe Arbeiterschaft frühverrentet wird ? Die Rente sinkt, die Belastung für das Sozialsystem steigt. Die Steuern für die Nichtrentner steigen. Abseits von all dem Ökonomenschwachsinn dieser Tage ein sehr deutliches Wort: Globalisierung kann nur mit einer globalen Währung funktionieren. Und diese globale Währung ist nun mal der Dollar. Bei all dem Gejammere kriegt man ja das Ko**en. Wer keine globale Währung will, sollte lieber über Protektionismus nachdenken. Wir haben unsere halbe Industrie an die Asiaten abgeben müssen, weil die ihre Wechselkurse künstlich gegen den Dollar schwach gehalten haben. Stichwort “Währungsreserven”. Ganz zu schweigen vom Teuro. Irgendwann ist aber Schluß mit dem Hokuspokus des “starken” Teuro, er ist eine Müllwährung und das bleibt er auch. Und wenn er abwertet, wird die “Konjunktur” logischerweise nicht so schlecht sein, wie allerorten befürchtet. Aber dann sind die Asiaten, wie derzeit, toast.

14 mipo März 5, 2009 um 17:30

Die Überkapazitäten müssen weg! Und es trifft immer die Schwächsten. Das ist gut so, damit die stärkeren stark bleiben können.

Die günstigste Lösung, in den sauren Apfel beißen und die freigesetzten Leute und Kapazitäten anders nutzen.
Auch wenn es kurzfristig teuer erscheint.

Und es bedarf auch der Solidarität der Stärkeren für die Schwachen und diese müssen aufgefangen werden, damit sie sich wieder ins System einbringen können

Nicht nur die Erwartungen und Denke der Politiker oder Finanzleute ist der Veränderung würdig, auch die Denke eines jeden Bürgers, der glaubt, dass Leben könne Sicherheit bieten.

Markt und Solidarität bedingen einander, wirken Sie nicht zusammen, entsteht eine instabile Gesellschaft.

Meine Meinung ist zu Opel: Konkurs akzeptieren und alle Kraft in neue Lösungen investieren.

15 J.W.Booth März 5, 2009 um 17:39

“„Was im Markt nicht geht, ist tot!“

Ist das wirklich so schwer zu kapieren?

Nö garnicht ,also wann machen wir die Dresdner, Commerzbank,HRE,West LB , Bayern LB dicht ?

Wobei ich jetzt schon weiß wie die Gegenargumentation lauter
Banken systemrelevant bla bla sind nur kurze Markstörungen bla bla Banken eigentlich solide bla bla…

Wir reden hier über zehntausende Arbeitsplätze die auf jeden Fall verschwinden werden.Wer kauft in der Depression Autos ?
Eben , niemand.

Mit der Opel Schließung haben wir dann 25000 Menschen mehr die keine Lohnsteuer zahlen, Sozialhilfe kosten und weniger konsumieren.

Aber dass ist ja wohl auch Zweck der Sache.

PS: Ach was seh ich da beim Dax, reichlich Beute für die Bullenhaie

“In GB denkt der ehemalige RBS-Banker Goodwin ja offensichtlich schon drüber nach, das Land zu verlassen:”

der MI5 versendet auch Liebesgrüße in die Karibik…

schon merkwürdig über diese frechen Parasiten , diesen Abschaum ließt man bei wgn überhauptnix…

ordnungspolitisch empört ist man nur wenn es die kleinen zerreisst..

“Globalisierung kann nur mit einer globalen Währung funktionieren. ”

Falls du es noch nicht gemerkt hast, die Globalisierung wird jetzt rückabgewickelt.Der USD hat fertig , aber du kannst ja ruhig weiter darauf setzen dass wir es hier mit einer 08/15 Krise zu tun haben, wie die Leute 1930/31.

16 KurtKiesel März 5, 2009 um 18:17

@ Lübberding # 10

Danke, Herr Lübberding für diesen hochinteressanten Kommentar, wie auch für Ihren letzten, sehr wichtigen Beitrag. Stimme Ihnen in der Sache weitgehend zu.

Nichts desto trotz macht es natürlich keinen Sinn, erwiesene Überkapazitäten aufrecht zu erhalten; es ist daher schon kurios, wie die IG Metall nach staatlicher “Beschäftigungstherapie” verlangt. Es kann also nicht um eine “Rettung” von Opel gehen, sondern um eine sozialverträgliche “Umstrukturierung”.

Zu Ihrem Vergleich mit der Stahlkrise sei angemerkt, dass Esser offensichtlich auf ein schlüssiges Konzept für die Umstrukturierung der Branche Bezug nehmen konnte (Stillegung veralteter Anlagen, Ablösung kapitalintensiver Großanlagen etc.). Nur, wo ist eine vergleichbare Strategie für die Automobilindustrie?

Gruß
KK

17 Michael März 5, 2009 um 18:17

@mipo
Aber Hallo ? Es gibt schon 9 Millionen ALG I + ALG II + Sozialgeld + Kurzarbeit, die überflüssigen Angestellten im öffentlichen Dienst und Gewerkschaften sowie allerlei staatsfinanzierten Stiftungen und Religionen auf allen Ebenen nicht mit eingerechnet. Die geben wir mal mit minimal 3 Millionen Pappnasen dazu. Dann die Industriebereiche, die quasi nur von öffentlichen Aufträgen leben. Das gibt nochmal überschlägig 5 Millionen Nasen. Wir sind bereits bei 17 Millionen, die einen anderen oder überhaupt Job außerhalb des Gemeinwesens bräuchten. Und nun träum mal weiter.

18 Dozoern März 5, 2009 um 18:19

Was im Markt nicht geht ist tot!

Ein schöner Satz – und wie alle schönen Sätze so eindeutig und (vorgeblich) voraussetzungslos dahin gesprochen. Welcher Markt ist das? Der mit der unsichtbaren Hand wo theoretisch Angebot und Nachfrage in aller Unschuld und rein ohne Störungen zusammentreffen, um zum Wohle aller das größte Glück der größten Zahl zu produzieren? Oder der von Galbraith, Braybrooke/Lindblohm, Albers etc., in dem praktisch eine Vielzahl von Verzerrungen herrschen?

Jedoch, der Satz ist eben nicht voraussetzungslos. Er setzt in diesem speziellen Fall voraus, dass der Markt nach marktwirtschaftlichen Regeln funktioniert und, dass alle Marktteilnehmer sich frei, d.h. ihrer Absicht gemäß, in ihm bewegen können. Nun will ich hier gar nicht die Vielzahl staatlicher Eingriffe in den Automobilmarkt aufzählen, sondern einen anderen Punkt hervorheben, nämlich die Tatsache, dass OPEL als Tochter des amerikanischen Konzerns GM (und genauso die anderen europäischen Töchter) sich am Markt nicht frei bewegen konnte. Konkreter gesagt: Sowohl die Kosten-Erlösstruktur als auch das Modellangebot waren stark von GM bestimmt. Das heisst, ob OPEL mit anderer Struktur und anderem Programm erfolgreicher gewesen wäre, wissen wir schlicht nicht. Insbesondere wissen wir nicht, wie die verdeckten und offenen Gewinnabführungen das bisherige Ergebnis beeinflusst haben. Immerhin konnten von der Wertschöpfung bisher bis zu 400 Tsd. Arbeitnehmer incl. Zulieferer leben.

Also: Ob das nicht am Markt doch geht, wissen wir nicht!

Es gibt jedoch eine begründete Vermutung: Wer bisher mit einem Klotz wie GM am Bein noch laufen konnte, dem sollte man das Leben nicht vorzeitig absprechen. Und was mich anko… ist die Tatsache, dass alle Apologeten des ach so freien Marktes (auch wenn sie wie unser Wirtschaftsminister weder theoretisch noch praktisch über hinreichende Beurteilunsmaßstäbe verfügen), sich sofort auf OPEL stürzen, um daran kostenlos ihr Mütchen zu kühlen.

Also: OPEL muss über staatliche Bürgschaften Zeit bekommen, um sich aus GM herauszulösen, sich zu restrukturieren und zu zeigen, was es kann. Dass die „bösen“ Konkurrenten ihre Überkapazitäten natürlich am liebsten durch den schnellen Tod eines lästigen Konkurrenten erledigen würden, ist auch klar.

19 gojko März 5, 2009 um 18:24

Ich würde auch vermuten, daß der USD “fertig hat”.

Nur, trotz Nullzins-Politik, “quantitative easing” und satter Schuldenaufnahme sieht die Realität anders aus. Der Dollar ist stark momentan. Aber wieso?
Kann das jemand hier schlüssig erklären? Danke schonmal..

Gruß, Gojko.

20 DieErklärung März 5, 2009 um 18:30

Krise, Krise, Krise! Ich krieg auch gleich eine.

@Nanuk: Sozialvertrag gekündigt? Die Agenda 2010 z.B. war das mutigste, was in den vergangenen zehn Jahren in diesem Land politisch versucht wurde. Und sie war richtig.

21 Klaus März 5, 2009 um 18:46

Vielleicht haben die Politiker auch bloß ein schlechtes Gewissen, weil mit der Steinkohle ein wichtiger Bereich der Jobsubventionen bald verlorengeht. Opel kann doch das ganze doch perfekt ersetzen. Tadaaaa! Wir haben wieder etwas zum subventionieren -.-

22 Alvar Hanso März 5, 2009 um 18:56

“Und sie war richtig.”

Genau, und die Ursache der Finanzkrise war die “miese” Bezahlung der Aufsichtsräte und sonstigen Controller…
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,611369,00.html

“Die Agenda 2010 z.B. war das mutigste, was in den vergangenen zehn Jahren…”

Sicherlich.
Aber nicht ganz so mutig wie Hitlers Vabanquespiel sich die Bodenschätze der UdSSR anzueignen, als Spieleinsatz sich und sein Volk einsetzte und alles verlor…

23 Nanuk März 5, 2009 um 19:13

@Erklärbär und der rest
Du bist dir bewust das der Einlagenzinsatz der EZB jetzt bei 0,5% ist wenn das System jetzt nicht anspring was es nicht getan hat meiner bescheidenen Meinung nach hat die Zentralbank ihr letztes Pullver verschossen. Ende aus Feierabend aber das zu Akzeptieren fällt schwer ich weiss und dann schreibt sowas auch noch einer mit ner Rechtschreibschwäche und last euch nicht von Schein Debatten wie Opel ablenken gegen die Probleme die auf die jetzt 1-30 Jährigen zukommen ist Opel ein Witz.

Ich werde meine Kommentare einstellen ich glaube das ich fürs erste genug gesagt habe und hoffe das ich zum Nachdenken anregen konnte und nie vergessen immer Mensch bleiben!!!
Good night and good luck…

24 Hermann Keske März 5, 2009 um 19:16

@ gojko # 19

Was möchten Sie haben, eine ökonomisch-wissenschaftliche oder eine ganz praktische AntwortSoll´s Praxis sein, ?

Soll´s Wissenschaft sein, dann ist Ihre Frage unvollständig. Dann muss man nämlich noch wissen, welches Ergebnis Sie gerade brauchen, damit man bei der Analyse die richtigen Annahmen und ceteris-paribus-Voraussetzungen festlegen kann. Die Ökonomie stellt uns bekanntlich einen bunten Werkzeugkasten für verschiedene Analysen zur Verfügung – da muss man vorher wissen, was gebraucht wird.

Soll´s Praxis sein? Da müsste man die Käufer fragen, warum sie Dollars kaufen. Ich vermute, da gibt es ein Bündel verschiedener Antworten. Vielleicht lösen Amerikaner Auslandsguthaben auf, weil die UBS ihre Daten an das FBI mitteilen will oder weil sie den Euro auch nicht für besser halten oder weil sie zu Hause die Versteigerung ihrer Hütte eiligst verhindern müssen oder weil ihr Pensionsfonds geschrieben hat, entweder schiessen Sie nach oder wir machen den Laden dicht und zahlen nur noch Boni aus, oder vielleicht zocken gerade zwei aus der Krisengewinnlerkaste? Der eine weiss vom Anderen, dass der gewaltig in Dollars short gegangen ist und denkt, diesmla macht er ih fertig und hält den Dollar hoch?

Vielleicht alles zusammen?

Es kann aber auch sein, dass die Rationalität gerade einen Anpassungsprozess durchmacht – will sagen, der helle Wahnsinn ist ausgebrochen.

25 fnord März 5, 2009 um 19:17

Angesichts der Entwicklungen des letzten halben Jahres war die “Agenda 2010” so ungefähr das lächerlichste seit der Gründung der Bundesrepublik.

@Michael
öffentlichen=überflüssig, oder wie? Geht’s noch? Selten so einen Bullshit gelesen.

26 McShorty März 5, 2009 um 19:41

Hallo Weissgarnix,

endlich mal wieder ein praktischer Beitrag, sogar mit real emotions! Fehlen nur noch ein paar fetzige Smilies.
Ja diese ellendigen Lügen gehen einem echt auf den Keks, von wg. GM würde Opel auslutschen + so.

Wenn Du hier 2 prakt. Beiträge Lichtjahre vor den MSM geschrieben hast, dann waren es die zu HRE und Opel. Letztere haben eigentlich nur ein Problem:
Die verkaufen schlicht zu wenige Autos mit zu geringer Marge!

Kann die Politik daran was ändern? Klar – indem die Politiker ihre Geldvermögen von zinsbringenden Staatsanleihen in Opelautos tauschen. Einen zus. Stimulus würde es geben, wenn die mit ihren Diäten alle 2 Monate noch einen Opel dazu kaufen. Wenn die oberen Beamten (+ die fetten Gewerk.bonzen) dazu mitverpflichtet werden, ist Opel gerettet!
Wirtschaft kann so einfach sein – wenn der Politik wirklich was an Opel und deren Arbeitsplätzen liegt, soll sie doch mal voran gehen. Mit eigener Knete! Alles andere ist doch nur hohles Geschwätz und klaut uns die Zeit.

Danke für deinen Beitrag und Gruß, McShorty

27 Michael März 5, 2009 um 20:23

@fnord
ich schrieb überflüssigen…, nicht, daß alle überflüssig wären. Die sind mit 3 Mill. geschätzt. Bei 10 Mill. Bund/Länder/Gemeinden/Parteien/Organisationen kann man mühelos die Finanzierung von Parteien und Organisationen streichen und die Krankenhäuser privatisieren. Vorher müßte man allerdings alle KV außerhalb der Privaten zu einer zusammenfassen, um den Verwaltungsaufwand von 50% der Beiträge auf 10% der Beiträge (2008 186 Mrd. €) zusammenzustauchen.

28 gojko März 5, 2009 um 20:27

@Herrmann Keske

Alles nicht wirklich überzeugend, aber auf jeden Fall: Danke für den Versuch einer Erklärung.

Gruß, Gojko.

29 Paul Pretzel März 5, 2009 um 21:08

“Was glaubt die Politik eigentlich, wofür Strategie-Bücher für Manager geschrieben werden? – Für die intellektuelle Zerstreuung der gestressten Führungskraft? – Wer am Markt versagt, ist draußen. Ohne wenn und aber. Punkt. Aus. Basta.”

Das weiss die Politik für ihren Bereich längst:
Wer nicht gewählt wird, ist draussen. Der kann sehen, wo er bleibt denn ein richtiger Politiker hat und kann ausser Politik nichts anderes.

Vielleicht erklärt das, warum Politiker rationalen Argumenten nicht immer zugänglich sind. Its the votes, stupid.

30 Terekest März 5, 2009 um 21:49

Nanuk, bleib bei mir !! :-)

31 egghat März 5, 2009 um 21:52

Mist! Das sollte meine Zahl des Tages werden. 21:48 und ich muss neu suchen …

Und noch etwas zu einem Kommentar von f.luebberding:

“Der Vorteil der Deutschen war übrigens, dass sie sich nie an dem Subventionswettlauf für die Stahlindustrie beteiligt hatten – wie Österreicher, Briten, Franzosen und Italiener.”

Das stimmt aber nicht. Stahl wurde lange EU-weit dick subventioniert. Erst als die Subventionen abgebaut wurden, wurde die europäische Stahlindustrie zur weltweit konkurrenzfähigsten. Das Ruhrgebiet leidet aber immer noch. Eine Stadt wie Oberhausen mit 250.000 Einwohnern hat in 20 Jahren 50.000 Arbeitsplätze verloren. Das fängt keine Region der Welt ab.

Was das alles bedeutet? Keine Ahnung. Waren nur Fakten.

32 fnord März 5, 2009 um 22:45

@Michael
…private KV, ich lach mich tot, da arbeite ich – boooaah eh, da läst sich in der Tat ‘ne Menge einsparen, …

33 weissgarnix März 5, 2009 um 23:17

@egghat

>Mist! Das sollte meine Zahl des Tages werden. 21:48 und ich muss neu suchen …

Sorry.

34 caesar4441 März 5, 2009 um 23:19

Ob Opel gerettet werden kann oder nicht ist nicht wirklich zu beurteilen.Immerhin war BMW pleite und ohne den Einsatz des Großaktionärs Quant sang und klanglos verschwunden.Ganz sicher werden Politiker Opel nicht retten können ,da sie außer Unfug noch nie etwas zustande gebracht haben.Kein Wunder da sie ja auch außer von Steuererhöhungen von nichts Ahnung haben.
Daß es bei GM nicht mit rechten Dingen zugeht ,geht aus dem Verlust von 31 Mrd /2008 hervor.Da sind immerhin 116.000$ pro Mitarbeiter.Wenn die Leute zuhause geblieben wären bei vollen Gehalt wäre der Verlust geringer.Vermutlich hat auch GM an den Finanzwetten teilgenommen.

35 Unwissender März 5, 2009 um 23:40

@goyko

Ergänzend zu H. Keskes Erklärungen zur $-Stärke sollten wir die Chinesen mit Ihren $-”Stützungs-Anlagen” – Hillary war ja gerade zum “Bitte-Bitte-Machen” in Peking – nicht vergessen.

Und warum reden wir hier von einer Dollarstärke – 2007/2008 kannten die “Devisenexperten” des Mainstream die Bezeichnung garnicht. Ist es nicht auch die Entwicklung in Europa, die das wahre Gesicht des EUROS aufzeigt.

Beide Währungen werden gemeinsam abwerten – und zwar gegen die monetären Edelmetalle Aur und Arg. :-(

36 Michael März 6, 2009 um 00:33

@Unwissender
Dann schnall Dich mal an:

http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=88358

8-)

37 lemming März 6, 2009 um 01:30

@michael

jou! bin angeschnallt, sos dass ich kaum noch luft kriege, aber das schnalle ich noch angeschnallt: $ € et cetera: Tulpenzwiebeln.
Es geht nicht um Geld und Gold – es geht um Macht über Produktion und Verteilung. Sehr klassisch.

38 Europäer März 6, 2009 um 01:56

Ich sehe mich eher als Wirtschaftsliberalen, bin aber nicht ganz gegen etwas Staatskapitalismus, ein Pragmatiker.
- Kleine Hochtechnologiefirmen die wenig Kosten und bei denen die Gefahr besteht das sie ganz dicht machen sollte der Staat vielleicht übernehmen.
- In so einer besonderen Krise fände ich es aus Sicht der Steuerzahler nicht dumm, wenn der Staat breit gestreut in Firmen einsteigen würde die auch nach der Krise sicher noch attraktiv sein werden, bevor die sich andere schnappen. Das Problem dabei wäre nur herauszufinden welche das sind.
- Arbeitsplätze die durch den Aufbau von Überkapazitäten geschaffen wurden, sollte man nicht retten. Der Staat sollte generell nicht versuchen Arbeitsplätze zu retten, sowas macht man echt nicht.

39 Ich, the real one März 6, 2009 um 03:30

Ein Problem ist immer, dass eine de facto Staatsübernahme zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen führt. Vielleicht sollte man auf EU Ebene eine solche Investitionsbehörde schaffen, dann gibt es weniger Probleme mit Klagen über Protektionismus. Die Chinesen mit ihren Exportsubventionen dürften sich ja über so was kaum beschweren und die Amis mit ihren gewaltigen Subventionen für die Autoindustrie erst recht nicht.

40 Ulf Hamster März 6, 2009 um 10:55

Weissgarnix:
„Was im Markt nicht geht, ist tot!“
Ist das wirklich so schwer zu kapieren?

Ich finde:
Das bisher beste Kommentar des Jahres.

41 f.luebberding März 6, 2009 um 11:31

Egghat

Es hat in der EU Subventionen durch die Nationalstaaten gegeben. Man versuchte auch eine europäischen Lösung für die Stahlindustrie voranzubringen – etwa durch Kontingentierungen. Aber in Deutschland gab es diese Subventionen in der Form eben nicht. Die deutsche Stahlindustrie war vielmehr darüber erbost, dass die Bundesregierung zwar die Subventionen im Rest Europas für falsch hielt, sich aber in Brüssel nicht durchsetzen konnte – und deshalb genau diese Subventionen als Ausgleich verlangte. Dort wo die Stahlindustrie Geld bekam, ist für die Nutzung deutscher Steinkohle – das hat aber rein gar nicht mit der hier diskutierten Subventionsproblematik zu tun. Die Steinkohlesubvention war übrigens eine politische Entscheidung zum Erhalt einer nationalen Energieversorgung – und deshalb wollte man vor allem nach der ersten Ölkrise unbedingt den deutschen Bergbau erhalten.

Nur als Hinweis dieser Artikel aus der Zeit von 1981, der ganz gut die damaligen Debatten zusammenfasst.

http://www.zeit.de/1981/16/Suendigen-tun-sie-alle?page=all

Aber diese These von der Subvention der deutschen Stahlindustrie geistert seit Jahrzehnten durch die Landschaft – ähnlich wie die angebliche Rettung von Holzmann durch Staatssubventionen, obwohl bei Holzmann am Ende überhaupt kein Geld geflossen war.

Nanuk

“Die Wunde hat aber schon Schröder geschlagen als er den Sozialvertrag einseitig aufkündigte.”

Genau das war passiert, weil man meinte, das Vermarktlichung das Credo des 21. Jahrhunderts sein würde. Das Problem der SPD ist ihr Unvermögen, den derzeitigen Paradigmenwechsel intellektuell aufzuarbeiten – und auch eigene Fehler einzugestehen. Zudem ist die SPD in einem totalen ideologischen Vakuum. Das Thema werde ich aber sicherlich noch einmal aufgreifen.

Kurt Kiesel

“Nur, wo ist eine vergleichbare Strategie für die Automobilindustrie?”

Deshalb habe ich den von mir hoch geschätzten Esser ja auch zitiert. Nur heute ist die Situation ja aus zwei Gründen anders:

1. Wir hatten 1973 ff keinen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verarbeiten. Diese Frage überlagert natürlich alle Sektorspezifischen Überlegungen.

2. Wir hatten damals eben noch kein Staatsverständnis, der sich lediglich als Wurmfortsatz der Ökonomie begriffen hat. Es gab eher das Problem – wie in der italienischen Stahlindustrie – dass der Staat bisweilen in desaströser Weise versuchte, den Strukturwandel zu verhindern. Der Paradigmenwechsel nach 1973 hatte ja auch mit diesem Verständnis von Staatsversagen zu tun. Nur muss jetzt der Staat eben nicht nur die abstrakten Rahmenbedingungen festlegen, sondern wird – ob er es will oder nicht – aktiv in weiten Teilen der Wirtschaft das Kommando übernehmen. Das Marktgequake der FDP hilt dabei nicht wirklich weiter. Bevor ich also überhaupt ein Zukunftskonzept für die Autoindustrie entwicklen kann, muss der Staat diesen Rollenwechsel akzeptieren.

42 suann März 6, 2009 um 12:10

also gut – der markt hat immer recht. da nachweislich aber nichts exponentiell wachsen kann, haben wir ein problem. natuerlich koennen wir statt ein auto zwei fahren ( besser gesagt parken ) natuerlich koennen wir unsere wohnungen tapezieren mit fernsehern ( die programme werden nicht besser dadurch) also haben wir ein problem. wir in usa haben ja in den letzten jahrzehnten versucht, zu beweisen, dass wachstum unendlich ist. mal abgesehen von den theoretischen erklaerungen, ging das leider voellig schief. welche konsequenzen ziehen wir daraus? keine ahnung!!! denn alle therorien haben den entscheidenden nachteil, dass sie halt nur eine zeit funktionieren. und dann mausetot sind. ich befuerchte und freue mich, dass wir in einer zeit leben, die eine umwaelzung bringen wird, von der wir noch unseren urenkel ( na gut, also enkeln) erzaehlen werden. andereseits, und da schlaegt mein amerikanischen herz durch, nichts ist spannnender als veraenderung.
zum schluss nur eine frage. in den diversen deutschen medien wird mit einer inbrunst auf unsere ( finanzbranche) eingeschlagen. nur zur erinnerung. die moeglichkeiten zum grossen geldverdienen wurden uns von den politikern gegeben! in griechenland, lettland, island, frankreich usw. gehen die menschen audf die strasse und verjagen, zum teil, ihre politiker. in deutschland wird theoretisiert, argumentiert und gejammert. dann jagt doch eure politiker raus. im september 09 sind wahlen. ich befuerchte aber, dass, bei studium der diversen umfragen, genau die gewaehlt werden, die ganz fleissig die ideen einer sozialen markwirtschaft ( was immer das sein mag) kaputt gemacht haben. da sind wir in den usa schon weiter. wir kopieren ganz einfach die eurpaeer – werden dann weltmakrktfueher in solar, gesetzlicher krankenversicherung, niedriegere steuern fuer die mittelschicht usw.
in diesem sinne have a nice weekend
suann

43 Bankenaufsicht März 6, 2009 um 13:22

Weissgarnix:
„Was im Markt nicht geht, ist tot!“
Ist das wirklich so schwer zu kapieren?

Das Dilemma der Globalisierung.

Die Globalisierung kostet uns bald unsere kompletten Produktionsarbeitsplätze. Mit welchen Ertägen können wir dann aber unsere benötigten Produkte kaufen ,wenn wir selber keine Güter mehr als Gegenleistung anzubieten haben?

Was passiert mit uns, wenn die ganze Produktion in Billiglohnländer verschoben wurde. Wer kann in der angestrebte Dienstleistungsgesellschaft denn dann noch konsumieren und
wer bezahlt für die enstehenden Arbeitslosen ?

Welche Vorteile hat uns die Finazierung von Billiglohnländer im Ostländer durch westliche Banken gebracht, als das wir jetzt für das verschenkte Geld(Kredite), das dort für die Infrastruktur ausgegeben wurde, auch noch aufkommen sollen?
Als Gegenleistung bekamen wir lediglich Reallohnkürzungen und Produktionsverlagerungen, danke Globalisierung.

Erkläre mir mal doch einer von euch die Vorteile der Globalisierung für unsere Arbeiterklasse oder für die Arbeiterklasse der Billiglohnländer.

44 baba März 6, 2009 um 13:53

@goiko zur Dollarstärke

Auszugsweise zitiert : Dr Paul C Martin (in BILD)

Banken im Euro-Raum sind stark im Dollar verschuldet, z.B. die deutschen mit 300 und die holländischen mit 150 Milliarden Dollar. Dieses Geld steht demnächst zur Rückzahlungen an. Klartext: Die Schuldner-Banken müssen sich Dollars beschaffen, um zurückzahlen zu können. Aber nicht nur das könnte den Dollarkurs weiter in die Höhe treiben. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel müssen Banken weltweit mehr als 2000 Milliarden Dollar auftreiben, die alsbald fällig sind. Sollten die entsprechenden Kredite nicht verlängert werden, müssen sich die Schuldner die Dollar am Devisenmarkt kaufen, was nach Ansicht des Währungsexperten Simon Derrick (Bank of New York Mellon) den Kurs des Dollar „ganz klar ein gutes Stück weiter in die Höhe treiben könnte“. Damit geriete auch der Euro weiter unter Druck.

45 Michael März 6, 2009 um 14:49

@lemming
Zustimmung, es geht um Macht, aber um Macht über das Geld. Die Neoliberalen sind nach, wie vor, voll auf Kurs. Für €uropäer nicht so erfreulich, für deutsche Machtmenschen schon eher. Nicht schön aber für abhängig Beschäftigte in Deutschland. Mal abwarten, ob es den € zerlegt oder nicht. Ich denke nicht und in dem Fall werden einige dieser Nieten in Nadelstreifen ein Disaster der Superlative erleben. Es bleibt spannend. 8-)

46 Michael März 6, 2009 um 15:02

@suann
Der Bedarf an Autos ist doch vorhanden. Meinetwegen in Osteuropa. Die osteuropäischen Währungen wurden hochgezockt, die dortigen Bürger haben auf Teufel komm raus westeuropäische Waren gekauft und ihre Binnenindustrie geopfert. Ganz genauso ist doch die DDR unter den Hammer gekommen. Mit der Einführung der harten DM sind sämtliche Märkte weggebrochen.

Und jetzt werten die Ostwährungen ab und damit werden “billige” Kredite richtig teuer. Käufer gäbe es genug, aber keine Käufer, die in “harter” Währung bezahlen könnten. Und die Wirtschaftswundertaten der “Agenda 2010″ haben den Binnenmarkt zusammenbrechen lassen, er läuft auf dem Niveau des Notwendigen. Alles letztendlich kein Problem, wenn die damit verbundenen Sozialkosten nicht wären. Also besteht eine Lösung darin, die Sozialkosten denen überzuhelfen, die sie verursacht haben. Die Kosten in Form erheblicher Steuererhöhungen für “Besserverdiener” und “Reiche” zu “privatisieren”.

Die Lösung ist sehr einfach, warten wir ab, und beobachten. 8-)

47 Michael März 6, 2009 um 15:13

@Bankenaufsicht
Richtig, die Nummer hat nicht nur nix gebracht, sondern der Masse geschadet. Nun genießen wir einfach mal, wie sich der “Reichtum” derer, die sich dumm und dämlich verdient haben in der kommenden Inflation (die sparen ja in Anleihen und Bargeld ?) in das was es ist, in heiße Luft auflöst. 8-)

48 Germanasty März 6, 2009 um 15:34

Bedarf an Autos in Osteuropa?

Der größte Markt dort war Russland. Dort ist der Absatz im Februar (yoy) um 80% zurück gegangen.

49 Alvar Hanso März 6, 2009 um 16:10

@suann
“zum schluss nur eine frage. in den diversen deutschen medien wird mit einer inbrunst auf unsere ( finanzbranche) eingeschlagen. nur zur erinnerung. die moeglichkeiten zum grossen geldverdienen wurden uns von den politikern gegeben!”

Nur warum haben die Politiker das denn gemacht – wurden diese “Wünsche” durch Volksbefragungen ermittelt oder waren das Gefälligkeiten für Personen die Marktmacht besaßen?

50 Frankie Bernankie März 7, 2009 um 00:37

@weissgarnix

“„Was im Markt nicht geht, ist tot!“

Ja, ganz starker Satz, find ich ich gut, sollte man sich einmeisseln lassen in Stein, den Stein verbuddeln und dann wieder ausgraben, wenn die Märkte ihren gegenwärtigen dadaistischen Status wieder verlassen haben.

Was sagt uns der Markt, der harte Hund, der alle sterben lässt, die ihm nicht genügen? Er vermeldet:

“Der Hersteller teilte mit, dass im Februar so viele Autos verkauft wurden, wie zuletzt vor fünf Jahren in einem Monat.
Opel teilte in Rüsselsheim mit, dass das Unternehmen im Februar 40.000 Verkäufen verzeichnet habe.”

Kann es sein, dass Opel nicht ein Problem am Markt hat, sondern dass sein Besitzer GM so schwach auf der Brust ist, dass er eventuell einfach den Betrieb einstellt?

@Europäer

“In so einer besonderen Krise fände ich es aus Sicht der Steuerzahler nicht dumm, wenn der Staat breit gestreut in Firmen einsteigen würde die auch nach der Krise sicher noch attraktiv sein werden, bevor die sich andere schnappen. Das Problem dabei wäre nur herauszufinden welche das sind.
- Arbeitsplätze die durch den Aufbau von Überkapazitäten geschaffen wurden, sollte man nicht retten. ”

Bravo. Super Aussage.
Politisch korrektes Gesäusel, damit ist alles und nichts gefordert.
Da ist die Politik, der Staat, der Steuerzahler schon einen Schritt weiter, denn der wurde konkret aufgefordert, doch den 26.000 Mitarbeitern in dieser Krise zu helfen; Opel ist am Markr erfolgreich, das müsste doch Grund genug sein, oder was?

Und was tun wir jetzt, ihr Grossdenker?

51 Wolfgang März 9, 2009 um 09:17

@J.W.Booth { 05.03.09 at 17:39 }

Zitat: ” Mit der Opel Schließung haben wir dann 25000 Menschen mehr die keine Lohnsteuer zahlen, Sozialhilfe kosten und weniger konsumieren.”

Nach Prof. Hans-werner (Un-)Sinn ist das doch gut, die Leute müssen geopfert werden, denn “Konsum ist schädlich für das wirtschaftliche Wachstum und unnötig für die Konjunktur.” Daraus folgt, dass eine Gesellschaft die wenig konsumiert ihre Produktionskapazitäten schneller aufbaut. Und am Ende töpfelt auch noch ein bisschen Wohlstand auf die Menschen herab.
http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/05stp/_stp?item_link=stp082.htm

Wir müssen nun zusehen wie dies wahnwitzige, irre Lehrmeinung die Weltwirtschaft in den Abgrund reißt und der kleine Mann/Frau darf/muss den Schaden jetzt reparieren.

52 Dipfele März 9, 2009 um 18:50

@f.lübberding
Korporatistische Krisenregulierung jenseits der reinen Vermarktlichungsstrategie ist äußerst voraussetzungsreich. In der Stahlkrise ist sie i.S.d. “Logik der Arbeit” vs. “Profitlogik” bestenfalls ansatzweise gelungen.
Siehe dazu von Jupp Esser den Artikel Sozialisierung als beschäftigungspolitisches
Instrument?

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