Eigentlich bin ich erkältet – und kann kaum zwei Sätze formulieren. Aber manchmal ist der Ärger größer als der Gesundheitszustand Ärger erlaubt. Denn die Bundesregierung plant die Einsetzung eines ökonomischen Revolutionstribunals. Dieses Gremium hat die Aufgabe, die einen Unternehmen auf das Schafott und die anderen unter den Staatsschirm zu schicken. Nun müsste man annehmen, dass das eine Aufgabe der Politik ist, wenn sie schon in rabiater Weise in den Marktprozeß eingreift. Sie alleine ist zu solchem Handeln legitimiert – niemand sonst. Man kann auch darüber diskutieren, ob so ein Rettungsfonds sinnvoll ist oder nicht. Es ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn die Politik fachlichen Rat einholt. Am besten aus verschiedenen Quellen, damit sie wichtige Entscheidungen in einem Abwägungsprozeß aus Pro und Contra treffen kann. Was aber nicht geht, ist diese für viele Unternehmen und Arbeitnehmer existentiellen Entscheidungen Politikfernen Akteuren zu überlassen. Sehen wir uns die Details an.
Als Berater soll die bei der Sachsen-LB nicht durch besondere Kompetenz aufgefallene Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoppers dienen. Diesen selbsternannten Voraus-Denkern war die schlichte Tatsache nicht aufgefallen, dass der Hebel bei der Sachsen-LB in keinem Verhältnis zum vorhandenen Eigenkapital gewesen ist. Bis heute ist mir zu diesem desaströsen Versagen der Voraus-Denker kein Schuldeingeständnis bekannt. Hauptsache, die Provisionen stimmen. Warum ausgerechnet jetzt die Unternehmensberatungen als Politikberater engagiert werden, ist grundsätzlich nicht nachvollziehbar. Deren simplen Restrukturierungsmodelle sind einer der tieferen Ursachen dieser Katastrophe gewesen. Aber sehen wir weiter – das Manager Magazin hat die Liste.
“Die Besetzung des parallel agierenden Lenkungsrats gibt auch aus anderen Gründen Anlass zu Kritik. Die acht Mitglieder sind weder ein Querschnitt der deutschen Wirtschaft, noch ist ihr Hintergrund besonders bunt. So wird der Bereich Wissenschaft allein durch Martin Hellwig vertreten, Direktor am Bonner Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, und auch die Gewerkschaften haben mit Hubertus Schmoldt nur einen Vertreter im Rat.
Dagegen macht sich der Bund der Deutschen Industrie (BDI) im Lenkungsrat sehr breit. Sowohl Hubertus Erlen als auch Jürgen Heraeus haben dort schon Leitungspositionen bekleidet. Mit Michael Rogowski steht ihnen gar ein ehemaliger BDI-Präsident zur Seite.
Nicht nur verbandspolitisch erscheint das Gremium gefärbt. Martin Hellwig, als ehemaliges Mitglied im Kronberger Kreis, gilt als dezidiert wirtschaftsliberaler Wissenschaftler. Zwar sind von vier Parteimitgliedern je zwei dem schwarz-gelben und dem roten Lager zuzuordnen. Zumindest aber die BDI-Männer dürften inhaltlich eher Union oder FDP nahestehen. SPD-Mann Nummer eins, Alfred Tacke, ist alles andere als ein Linker in seiner Partei und dürfte vielen Genossen als jener Wirtschaftsstaatssekretär im Gedächtnis geblieben sein, der nach seinem Ausscheiden aus der Politik zum Energieversorger Steag wechselte. SPD-Mitglied Nummer zwei, Hubertus Schmoldt, sitzt mit der IG BCE einer jener Gewerkschaften vor, die als besonders konziliant im Umgang mit den Arbeitgebern gelten.”
Der Artikel im Manager-Magazin ist informativ und zieht die richtigen Schlussfolgerungen. Das Gremium hat eine “marktradikale Schlagseite” – zudem ist dort niemand zu finden, der die gesamtwirtschaftlichen Folgen der beschlossenen Konjunkturprogramme beurteilen könnte. Die scheinen, dafür gibt es wenigstens Hinweise, nicht so zu funktionieren wie es notwendig wäre. Davon wird aber unter anderem abhängen wie viele Unternehmen am Ende Hilfe beanspruchen müssen. Warum sitzt Michael Rogowski in diesem Gremium? Seine Anwesenheit im IKB Aufsichtsrat begründete er mit der Erkenntnis, von Banken keine Ahnung gehabt zu haben. Also sei er für das Desaster nicht verantwortlich gewesen. Das ist offenbar die Voraussetzung für eine Berufung durch die Bundesregierung. Der größte Witz ist allerdings die Ernennung des ex Steag-Angestellten Alfred Tacke. Tacke ist einer der effektivsten Lobbyisten in Deutschland, so darf man sagen. Wie sonst war es zu erklären, dass Herr Tacke erst eine Ministererlaubnis erteilte, um dann kurze Zeit später bei dem Unternehmen anzufangen, das von dieser Erlaubnis profitierte? Ihn hat diese Kritik übrigens nie gestört. Seine derzeitige Arbeitslosigkeit liest sich vor diesem Hintergrund wie eine Drohung … .
Dieser Lenkungsausschuss ist ein Schreckenskabinett.
Die Bundesregierung verwechselt korporatistische Entscheidungsstrukturen, die etwa in der Stahlkrise der 70er und 80er Jahre durchaus funktioniert haben, mit der Auslagerung ihrer Kernkompetenz:
Das Treffen politischer Entscheidungen.
Sie hält sich entweder für inkompent, um für das deutsche Volk existentielle Fragen selber zu entscheiden. Dann soll die Bundesregierung abtreten. Es ist eine Frechheit ausgerechnet dieses Gremium mit Akteuren zu besetzen, die ohne Ausnahme die desaströs gescheiterte Markt-Ideologie vertreten haben – und darüber hinaus ein ganz gewöhnliches materielles Interesse an dieser Politik hatten. Das sollte man in diesem Kontext nicht vergessen. Oder hat die Bundesregierung die Hoffnung, durch Einsetzung dieses Schreckenskabinetts harte Entscheidungen den Anschein des Sachzwanges geben zu können?
Wo lebt ihr in Berlin? Hat euch noch niemand gesagt, dass diesen Leuten niemand mehr vertrauen wird – und vor allem keiner seine Zukunft anvertrauen würde? Ihr also am Ende immer verantwortlich gemacht werden wird?
Den Leuten sind die sogenannten Sachzwänge mittlerweile Sch … egal.
Es ist eine Hoffnung, dass es noch guten Journalismus gibt (wie hier im Manager-Magazin) – und in der SPD Widerstand gegen diese Obszönität.
Update
Das Bundeswirtschaftsministerium hat heute morgen die Berufung des Lenkungsrates Unternehmensfinanzierung offiziell bestätigt. In Wirklichkeit werden diesem Lenkungsrat die vorstrukturierten Erkenntnisse der Unternehmensberatung als Entscheidungsgrundlage diesen. Keiner dieser Akteure ist unabhängig. Alle haben neben ihrem staatlichen Auftrag ein eigenes ökonomisches Interesse. Etwa der in der Energiebranche gut vernetzte Alfred Tacke. Die Unternehmensberatungen bekommen aus ihrer Beratungstätigkeit einen Informationsvorsprung, den sie sicherlich in der Zukunft nutzen werden. Was ist die Alternative? Das Bundeswirtschaftsministerium beauftragt nicht Unternehmensberatungen oder konsultiert sogenannte Experten, wo die Interessenlage widersprüchlich ist. Vielmehr könnte das Ministerium junge Volks- und Betriebswirte einstellen, die die Bilanzen der betreffenden Unternehmen prüfen und zugleich der Politik Entscheidungsempfehlungen geben. Die Motivation dieser jungen Leute wäre ohne Zweifel hoch – und gleichzeitig wäre ihre Loyalität gegenüber dem Staat als Auftraggeber unbestritten. Es ist schon bezeichnend, dass auf diese Lösung im Wirtschaftsministerium niemand gekommen ist. Den Verfall administrativer Kompetenz kann man nicht besser zum Ausdruck bringen.















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Ich habe sofort eine Mail an Bundesregierung.de gesendet, welche Sauereie sie noch gedenken zu veranstalten mit Geld welches ihnen nicht gehört!!!
Bitte macht alle mit !!!!
Schreibt, Schreibt, Schreibt an diese Leute !!!!
Das kann nicht sein was da jetzt stattfindet !!!
Findet Euch hier ein:
http://www.28maerz.de
Gemeinsam sind wir stark !!!
Nun sagen Sie schon, Herr Lübberding, dass es sich um einen Scherz handelt – Sie wollen uns nur noch schnell einen Schrecken einjagen.
Wenn das stimmt, und wenn die SPD dabei mitmacht, dann . . . ich weiss nichts mehr, mich würgt es im Hals.
@Fuchsi, deine mail ist sicher schon im Spamfilter verreckt. Da werden naemlich mails mit Kritik sofort heraus gefiltert. Die Schreiben der Claquere sind aber immer gern gesehen.
Trags mit Fassung, wenn wir Glueck haben ist der ganze Spaß ohnehin bald vorbei, da das Pferd bereits tot ist. Wenn wir Pech haben kommt am Ende der Messias der vom Sachverstaendigenrat bereits herbei gesehnt wird. Vom Charakter ist der dann so aehnlich wie der abgebrochene Gartenzwerg mit der Rotzbremse unter der Nase.
Aber hinterher will es dann ja wieder keiner von den hohen Herren gewesen sein.
SMG
xxHyFoxx
Ja, das paßt auch in das Gesamtbild. Gute Besserung.
Die Idee kommt von McKinsey.
Die beraten auch die Kirche und die Caritas.
Diese Wirtschaftskrise ist auch eine grosse Strukturkrise.
Die Überkapazitäten müssen abgebaut werden.
In Deutschland sollen Kapazitäten erhalten werden, auf Kosten unserer Wettbewerber in den Nachbarländern.
Also das Geld ist zum Fenster rausgeschmissen.
http://farm4.static.flickr.com/3567/3328442833_b0483009f3.jpg
Diese Leute besitzen nunmal den halben Planeten, und die NWO will’s halt wissen.
Und wir sehen, wie unverschämt, dreist und voller Arroganz dieses Pack marschiert.
Es wird nicht mehr lange dauern, dann ist Schluss mit dieser Bande – haltet Euch von Großstädten fern.
Dawes-Kommission 2.0
@nanuk: ROFL !! Wenn das der alfonso sieht, möchte er doch Kinder haben.
… und sie werden dann noch aussuchen wer die hilfbedürftigen, innovativen voll mit patenten geladenen KAUFEN darf.
Wer heute noch nicht verstanden hat, dass die EINZIGE Funktion von Unternehmensberatungskonzernen diejenige ist immer wieder eine Fusion oder deren Rückgänigmachung, eine Diversifikation oder die Konzentration auf die Kernkompetenz zu veranstalten – ist entweder minderbemittelt oder korrupt leider zumeist beides .
Doch halt – es gibt noch eine Funktion, machmal die wichtigste! Über(Ab)nehmen der Verantwortung bzw. Schuld und darauf aufbauend Kanalisierung der KONSEQUENZEN auf einen sichtbaren Feind. Nur nicht in Frage stellen der Grundsätze die doch so lange (für die Ausbeuter) funktionierten.
@Fuchsi
Bin in FFM dabei und aktiviere noch einige Andere….
Ich habe
nicht den leisesten Hauch eines Schimmers worüber du dich aufregst ? ( zweitrangig auch weil du ähnlich handelst, nicht wahr.. )
Das ganze ist doch nur praktisch: Die Ratten versammeln sich freiwillig auf demselben Schiff, ohne mitzubekommen das es schon am absaufen ist und sämtliche Fluttore nur noch Makulatur.
Sehr praktisch das Ganze, im Sinne von Effizient, und insofern auch sehr konsequent von den Herrschaften, den man kann Sie schlussendlich alle an einem Platz erwischen, was ganz schnell schon irgendwer besorgen wird.
Wir sind wie irgendeiner irgendwo anmerkte gerade mal im ersten Jahr, der Spaß fängt gerade erst an…
Have fun
Otaku
Also Ihre Hoffnung auf guten Journalismus wird bestimmt nicht enttäuscht werden. Je schlechter die Dinge laufen, desto mehr werden die Opportunisten schon einen auf kritisch machen, Herr Schwennicke zeigt schon mal wie es geht:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,611329,00.html
@luebberding
Erstmal besten Dank für die Kommentierung des MM-Artikels – ich hab ihn auch gelesen – und gute Besserung.
Aber mal Hand aufs Herz, haben wir etwas anderes erwartet als das nun geschehene? Schau Dir den aktuellen Personalwechsel bei der UBS in Zürich an! Die armen Schweizer. Warum soll es uns da besser ergehen.
Na dann, gute Nacht – auch du – D .
http://www.moneyandmarkets.com/gold-guns-and-spam-3-29970
Die Teilnehmerliste erinnert mich doch sehr an das Gebastel der Treuhand. Deren Ergebnis kennen wir wohl.
Die Politik hat es wohl immer noch nicht begriffen, daß es so wie immer diesmal nicht weitergeht.
Herr Luebberding, Sie haben doch letztens von Vernunft gesprochen, welche in diesen Zeiten doch wohl letztendlich triumphieren sollte. Können Sie dies angesichts solcher Ereignisse wirklich noch aufrecht erhalten??
Gute Besserung!
Herrlich! Nur hier kann man anonym sagen: Es k…tz mich nur noch an, wie das Funktionärswesen läuft!
Aber als ich heute irgendwo las, dass u.U. eine Treuhand 2.0 einzusetzen, sah ich mich bereits wieder Business-Pläne gegen Geld schmieden. Es werden herrliche Zeiten sein!!!
Und damit ertappte ich mich wieder dabei, dass ich ja mitten drin bin/war!
Egal. Weissgarnix und Lübberding sind ja auch kritisch und leben davon, gerade wegen der Krise.
Aber BITTE: Macht doch endlich publik, dass uns Merkel die Derivate promoted hat!!!! Irgendwie muss man doch das Pack mal zur Verantwortung ziehen. Oder kommt dann das Gesocks der FDP?
Die Zeiten der Stände waren warscheinlich ähnlich….
In Zeiten ausgeprägtester Geld-POLITIK, systemischer Banken und billionenschwerer Bail Outs von nun ausgerechnet “Marktradikalität” zu sprechen, ist aber auch nachgerade komisch!
Analog zu Eisenhowers “militärisch-industriellem” Komplex sollte man wohl eher von einem “politisch-finanzwirtschaftlichen” Komplex reden! Wenn man sich nur erinnert, welche Kritik die paar Milliarden für die amerikanische Autoindustrie hervorriefen und noch -rufen, während die phantastischen Bail Outs für die Banken einfach durchgewunken wurden!
Nein, die Finanzindustrie dominiert eindeutig die Politik, die Industrie hat schlechte Karten!
Allein, daß man bisher, bei der “Rettung” systemischer Banken nämlich, ohne ein solches institutionelles Gremium auskam, während es jetzt wohl eindeutig für die Industrie eingesetzt wird, um eben “Nein!” zu sagen, sagt eigentlich alles!
Jetzt hier über Details diskutieren zu wollen, ob mehr Gewerkschafter dabeisitzen sollten usw., geht doch stark am Thema vorbei!
Wer soll den Marktideologen denn in die Suppe spucken? Hausfrau ist froh, wenn Mann seinen Job samt Lohnkürzung behält, Oma wird froh über weniger Rente sein, Sohn weiß, dass im Reich alles besser war und der Hochbegabte kreirt Fromms mit Nanobeschichtung.
Zum Überleben braucht es Geld, ohne verdurstet man. Das Erpressungspotential nutzen die Merz`dieser Welt weidlich aus und die reiche BILD erklärt den Verdurstenden, dass man Geld ver”dienen” muß.
Alles bleibt beim Alten, wetten?
@Frank: ebenso wünsche ich eine gute Genesung.
Du schriebst von einem Revolutionsrat. Da wurde aber von der Gegenrevolution die Revolution glatt übersprungen. Im Ernst, wir haben bestenfalls vor-revolutionäre Zeiten.
Zum Verständnis der Situation: Irgendwie leben wir in einer verschleierten Ständegesellschaft – sagte einst eine bekannte Meinungsforscherin; der Name ist mir leider entfallen. Setze Dir probeweise doch mal die ständegesellschaftliche Brille auf. Das erklärt einiges. Festigung der Herrschaftselite. Die SPD-Spitze ist in der Herrschaftselite voll integriert.
–> Man wird sich hüten, kritische Stimmen zu integrieren. Das würde an der eigenen Machtbasis zerren, oder nicht?
Gruß aus Krankfurt,
Bernhard
Leider ist ein solches Besetzen von Beratern in der Politik nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
Wir leben in einer ordinären, vor-tierischen Klassengesellschaft. Je mehr Klunker, Glasperlen und Glasperlenfabriken man besitzt, desto weiter oben ist man in der Hackordnung.
In der Tierwelt ist man schon weiter, da ist der Leitwolf um das Wohlergehen des Rudels bemüht.
Ein schlauer Forscher vermutete, dass der Mensch eine Entwicklung der Natur sei, die den eigenen Untergang unvermeidlich in sich trage. Sloterdijk kann das Ruder wohl auch nicht mehr rumreißen. Vielleicht sollte man mehr Cioran lesen.
trostlos. aber nicht wirklich überraschend – ich frage mich inzwischen immer mehr, warum die schon seit ein paar jahren bekannte anwesenheit von lobbyisten des groß(finanz)kapitals in allen relevanten ministerien öffentlich nicht als das verstanden wird, was sie ist – als völlig offen sichtbare information über die tatsächlichen machtverhätnisse wahrscheinlich nicht nur in diesem land. dieser ausschuß drückt doch prinzipiell nichts anderes aus.
Für wen wird die Lobby”arbeit” geleistet?
Für die hier (Zit.: Sloterdijk) ->
Die Auswanderung der Wohlhabenden ist ein globaler Trend. Wenn der Sozialismus beziehungsweise das Gemeinwohldenken gescheitert ist, wie man frivolerweise behauptet, bleibt der Asozialismus. Den diskutieren wir zumeist unter dem etwas höflicheren Begnff Individualismus, und zu dem bekennen wir uns meistens gerne. Aber was sind konsequente Individualisten? Es sind Menschen, die ein Experiment darüber veranstalten, wie weit man beim Überflüssigmachen sozialer Beziehungen gehen kann — und sie gelangen dabei zu erstaunlichen Fortschritten. Deswegen beginnt im Augenblick auf der Erde ein soziologisches Expenment, das in eine neue Art Menschheit münden könnte. Die Reichen sind zurzeit noch eine Klasse und keine Spezies, aber sie könnten es werden, wenn man nicht aufpasst. Es dürfte zurzeit auf der Erde rund zehnMillionen Menschen in der Millionärs- und Multimillionärskategorie geben, dazu schon über tausend Milliardäre. Aus diesen Vermögenseliten bildet sich ein neues abstraktes Übervolk, das dieselben Eigenschaften aufweist, die man vom alten europäischen Adel kannte: Sie denken kosmopolitisch, sie reisen viel, sie leben mehrsprachig, sie sind gut informiert und beschäftigen die besten Berater, sie reden standig über Beziehungen, Sport, Kunst und Essen.
Beim Volksthema Sex bleiben sie diskret.
@j. kramer
kleine hypothese dazu:
(…)”Zunächst, so Helene Deutsch, haben wir es im Fall der Als-Ob-Person mit einem durchaus `realitätstüchtigen´ Menschen zu tun, der `äußerlich´ vollkommen `normal´ funktionieren kann: `Es gibt nichts, was auf irgendeine psychische Störung hinweist, das Verhalten hat nichts Ungewöhnliches an sich, die intellektuellen Fähigkeiten scheinen intakt zu sein, die emotionalen Äußerungen sind wohlgeordnet und angemessen´. Die Als-Ob-Person kann `begabt´ sein und `großes Verständnis für intellektuelle und emotionale Probleme aufbringen, ihre `Beziehungen´ sind `gewöhnlich intensiv und tragen alle Merkmale von Freundschaft, Liebe, Sympathie und Verständnis.´ Die Als-Ob-Persönlichkeit kann also realitätstüchtig, vollkommn angepaßt und unauffällig sein und sozial wie beruflich effizient funktionieren.”(…)
(quelle und mehr)
was nicht im blogbeitrag steht: h. deutsch hat sich als ausführliches und repräsentatives fallbeispiel für ihre studie damals die geschichte einer tochter aus einem europäischen adelshaus gewählt und dabei meines wissens beiläufig deutlich gemacht, dass die untersuchte erziehungspraxis in diesen kreisen weit verbreitet sei. an der feudalismusdiagnose könnte also noch aus ganz anderer perspektive was dran sein.
Soso. Leben und Tod der deutschen Wirtschaft hängen an 8 interessengeleiteten Funktionären die bislang mehr negativ als positiv in Erscheinung getreten sind und an den Erfindern des AAA-Rating für Streichholzschachteln und Hundehütten…
Da kann ja nix mehr schiefgehen.
Trotzdem, gute Besserung.
Ich habe keine Ahnung von dem ganzen Mist aber die Headergrafik dieses Blog gefaellt mir sehr gut.
Operation gelungen – Patient tot.
Irgendwie passt das Lied zum Thema wie die Faust aufs Auge:
> http://www.youtube.com/watch?v=uIYbdyZqTN4
Es wird wohl Zeit für eine Neuauflage.
@Goldenes Kalb
Das passt besser…
http://www.youtube.com/watch?v=N0d-Lm4BIQE
Vielen Dank für Ihren guten Artikel.
Wie sollte ein Entscheidungsgremium Ihrer Meinung nach aussehen, und mit welchen Leuten sollte es besetzt sein?
So bekämpft man die Zyniker…
http://www.ritholtz.com/blog/2009/03/daily-show-vs-cnbc/
Erst einmal Dank für die Genesungswünsche.
Stephan
Das habe ich gerade im update beschreiben.
Quastor
Also dieser Artikel von Schwennicke ist doch völlig in Ordnung. Auch wenn er vor kurzem noch andere Dinge erzählte.
Hermann Keske
Ja, ich war auch fassungslos. Im Grunde haben wir es mit einem Verschwinden des Staates zu tun, wenn er nicht mehr in der Lage ist, seine ureigensten Aufgaben zu übernehmen. Also politische Entscheidungen unter dem Kriterium des Gemeinwohls zu treffen – was immer das ist. Nur eines ist es mit Sicherheit: Die Interessenidentität zwischen ökonomischen und politischen Eliten. Dafür existiert offensichtlich noch nicht einmal ein Problembewußtsein. Für mich ist das ein degenerierter Korporativismus.
NKB
Ja, die Treuhand wäre ein interessanter Vergleich. Nur ging es damals um Privatisierung als politisches Ziel, jetzt um Staatsinterventionismus als Krisenregulierung. Und die Frage der Vernunft? Es ist halt ein Glaube … .
hat Herr Tacke denn erteilt??
@ lübberding
So meinte ich das ja auch. Wir werden künftig noch viele gute Artikel lesen von Leuten, die vor kurzem noch ganz andere Dinge erzählt haben…
hat sich erledigt. auch ich habe eine MAil an die Bundesregierung verfaßt.
mfg
Leider sehen manche die Krise verursacht im Geldsystem oder im Finanzsektor, oder gar nur im Fehlverhalten von Verantwortungsträgern, und fabulieren täglich darüber, ohne die wahre Ursache-Wirkung Kausalität und die Totalität des Zusammenbruches erkennen zu können.
Die Theorien des tendenziellen Falls der Profitrate von Karl Marx und den Grenzen des Marktes von Rosa Luxemburg, die den bevorstehenden totalen Zusammenbruch und sein unwiderrufliches Ende erklären werden abgelehnt- meistens mit der (vordergründig dahin gefaselten) Begründung des Scheiterns des real existierenden Sozialismus oder der Offenbarung, kein besseres System zu kennen bzw. denken zu können, was wiederum den zerstörerischen Charakter des Wachstum- bedingenden Kapitalismus ignoriert und die angeblich Wohlstand schaffenden Aspekte hervorhebt, ohne zu reflektieren, dass dieser nur für Wenige Erdenbewohner auf dem Rücken der Vielen erreicht wurde.
Nun bemüht sich die Obrigkeit stellvertretend für alle Rahmabsahner , wie seinerzeit in der DDR das bevorstehende Ende wegzuleugnen, bis sie resigniert aufgeben wird und der finale Rette-sich-wer-kann Überlebenskampf beginnt.
“Wo endet es?” wurde Robertson gefragt, und er sagte: “Vollständiger globaler Zusammenbruch.” Nicht einfach nur wirtschaftlicher Zusammenbruch, sondern vollständiger Zerfall der gesamten Infrastruktur und aller öffentlichen Strukturen, auch der Regierungen. Totaler, völliger Zusammenbruch. Das ist letzten Endes ein Kollaps in gigantischer, epischer Dimension.
“In 10 Jahren, sagte er, wird, wer auch immer noch auf diesem Planeten am Leben ist, wieder effektiv von vorn anfangen müssen.”
@ f.luebberding
Ich hätte mal eine Frage. Der zitierte Artikel, und auch andere von Ihnen, transzendiert die Assoziation Gewerkschaft SPD. Historisch ist mir der Hintergrund klar, aber welche Fakten der Realpolitik stützen das heute noch? In meinen Augen hat die SPD eine ideologische Kehrtwende gemacht, zumindest der mitregierende Teil. Sie ist eine CDU light geworden, integraler Teil des besprochenen Problems.
Und nicht zuletzt da ich gerade auch zur Schal & Kräutertee-fraktion gehöre: gute Besserung!
Also, wenn das Merkel Sprüche von sich gibt wie “Opel sehe ich nicht als systemrelevant an im Gegensatz zu den Finanzdienstleistern”, bringt sie damit ihre Inkompetenz doch deutlich zum Ausdruck. Wen wunderts da noch, daß alles ausgelagert wird und die garantiert Unfähigsten (aus Sicht aller, die noch selbständig denken können) ausgesucht werden von dieser Bundesregierung.
@mo
Ist diese “als-ob” -”Persönlichkeit” nicht einfach entfremdet vom eigentlichen Ich, was immer das sein mag?
Die Frage wäre dann, ob diese “als-ob” Person nicht sogar optimal angepasst ist.
Interessanter Link, Danke!
@j. kramer
Ist diese “als-ob” -”Persönlichkeit” nicht einfach entfremdet vom eigentlichen Ich, was immer das sein mag?
entfremdet in einer sehr totalen art und weise schon, aber nicht “einfach” – das lässt sich eher als ganz eigene existenzweise begreifen.
Die Frage wäre dann, ob diese “als-ob” Person nicht sogar optimal angepasst ist.
ja. besonders in institutionen und hierarchischen organisationen aller art, wo sie wie ein chamäleon agieren kann – aber trotzdem zwangsweise eine vereinzelte monade bleibt.
@wisi
Wer, um alles in der Welt, ist Robertson?
Korruptes Pack, da weiss man was man hat. Die oberen 10 Tausend haben abermals die “richtigen Leute” in die wichtigsten Positionen gehievt. Ein weiteres Mosaiksteinchen kommt dazu. Es ist ein innersystematischer Putsch, unter demokratischem Deckmäntelchen. Ein Dank dafür auch an die Politikerkaste, die dieses Spiel willfährig und gut honnoriert mitspielt. Wer sich mit dem ganzen Sytem auseinandergesetzt hat und sich über alternative Medien informiert hat weiss es schon sehr lange. Nun wird immer offensichtlicher, auch für die uninformierten Massen, in welchem System wir leben. Hoche lebe unsere Demokratur.
Lenkungsausschuss gleich Wohlfahrtsausschuss !
http://de.wikipedia.org/wiki/Wohlfahrtsausschuss
Hallo Leute…
Was hier in “D” derzeit geschieht, ist in keiner Weise nachzuvollziehen.
Hier sitzen Lobbyisten in Gremien und shreddern das Geld der Steuerzahler.
Das sind keine Steuermittel, die für die deutsche Haushaltswirtschaft nach Art. 109 GG eingesetzt werden, sondern dienen ausschließlich den Interessen der Wirschaft.
Wenn unsere Regierung verfassungswidrig Steuermittel verwendet, sollten die Bürger (ebenfalls verfassungswidrig) keine Steuern mehr zahlen.
Ich werde gegen meinen Einkommensteuerbescheid Einspruch erheben und beantragen, die Steuer auf 0,– € festzusetzen.
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