Deutsche Phantomschmerzen

von f.luebberding am 18. Februar 2009

Phantomschmerzen sind Gefühle bezüglich nicht mehr vorhandener Gliedmaßen. Ähnliche Phantomschmerzen hat zur Zeit die deutsche Öffentlichkeit bei der Frage nach der Enteignung von Banken.Von der Bundesregierung bis zum letzten Kommentator sind sich alle einig: Die Enteignung der Aktionäre eines insolventen Kreditinstitutes dürfe nur das letzte Mittel sein. Alle haben Bauchschmerzen ordnungspolitischer Art. Gegen Bauchschmerzen hilft vielleicht Kamillentee. In chronischen Fällen auch eine Diät. Aber gegen Phantomschmerzen hilft nur eins: Die Einsicht, dass die Schmerzen zwar real sind, aber nur einen unwiederbringlichen Verlust zum Ausdruck bringen. Das Bein ist weg. An dieser Erkenntnis führt kein Weg vorbei. Trotz der Schmerzen. So ähnlich ist das bei unserem privaten Bankensystem. Das ist auch weg.

Nur ein kurzer Rückblick. Jahrelang haben die deutschen und europäischen Geschäftsbanken bei der EU Kommission gegen die Gewährträgerhaftung bei unseren öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken protestiert. Sie sahen darin einen Wettbewerbsvorteil. Beide hatten eine Staatsgarantie, der ihnen einen Zinsvorteil bei der Refinanzierung ihres Kreditgeschäftes sicherte. Sparkassen als öffentlich-rechtliche Institute hatten kein Insolvenzrisiko zu tragen. Im Gegensatz zu den privaten Geschäftsbanken, so damals deren Argumentation. Im Jahr 2005 ist diese Haftung ausgelaufen. Für die Sparkassen änderte sich nur wenig. Sie machen ihre Kreditgeschäfte in regionalen Wirtschaftsräumen und greifen zur Finanzierung ihrer Kreditvergabe auf Kundeneinlagen zurück. Bei den Landesbanken war das anders. Sie refinanzierten sich auf den Kapitalmärkten. Wie klassischen US-Investmentbanken war ihnen der Zugang zu Kundeneinlagen verwehrt. Diese seltsame deutsche Konstruktion konnte nur überleben, weil sich die Landesbanken mit der Staatsgarantie günstig refinanzieren konnten. Diese Kritik war also durchaus berechtigt. Mit dem Auslaufen der Haftung im Jahr 2005 wurden die Landesbanken in ihrem privatrechtlichen Teil praktisch zu deutschen Investmentbanken in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft. Was machten die Landesbanken? Sie versuchten die eingeräumten Übergangslösungen zu nutzen und nahmen noch unter den alten Bedingungen mit Staatshaftung versehene günstige Kredite auf. Schließlich musste man ja den überdimensionierten Apparat am Leben erhalten. Sie suchten dafür nach Zukunftsfähigen Anlagemöglichkeiten. Am Ende investierten sie in alle Produkte, die auch nur den Anschein einer dauerhaften Rentabilität erweckten. Allein aus dem Grund – und keinem anderen – ist soviel Kreditmüll bei den Landesbanken gelandet. Sie mussten nach dem Wegfall der Staatshaftung wie private Geschäftsbanken agieren. Das sollte ihr Geschäftsmodell sein.

Darüber wird natürlich nicht gerne geredet. Vor allem nicht in der Politik. Die hätte nämlich schlicht die Landesbanken verkleinern müssen – statt sie auf den Finanzmärkten zum Müllschlucker von Wall Street und City degenerieren zu lassen. Die Landesbanken wollten aber ihre grotesk überdimensionierten Apparate am Leben erhalten. Inklusive der Privilegien, die dort für Mitarbeiter, Politiker und Sparkassenfunktionäre reichlich zu vergeben waren. Dafür spielt man dann auch gerne Goldman-Sachs.

Nun sind die Landesbanken de facto insolvent und werden vom Staat gerettet. Es existiert eine Gewährträgerhaftung. Die Kritiker der Landesbanken hatten Recht. Allerdings gibt es diese Gewährträgerhaftung heute für alle Banken. Ohne Ausnahme und weltweit. Praktisch sind heute alle Banken rechtlich damit zu Landesbanken in der Struktur vor 2005 geworden – wenn auch im privaten Eigentum. Das hört sich wie ein Witz an, ist aber Realität.

Das ist der aktuelle Phantomschmerz der Politik und der räsonnierenden Öffentlichkeit. Der Verlust des privaten Bankensystems schmerzt sie wie die Amputation eines Beines. Aber das private Bankensystem hat mit der Einführung der Gewährträgerhaftung im Oktober vergangenen Jahres zu existieren aufgehört. Es ist sozialisiert worden. Das Bein ist weg – unwiederbringlich verloren. Wenn also heute ein Gesetz auf den Weg gebracht wird, dass die Enteignung der Eigentümer privater Banken ermöglicht, ist der Phantomschmerz zwar verständlich. An die Abschaffung des privaten Bankensystems muss man sich erst gewöhnen. Die ist aber mit der Einführung der Gewährträgerhaftung schon längst vollzogen worden.

Wir haben jetzt ein staatliches Bankensystem mit Restbeständen privaten Eigentums.

Es geht heute nur noch um die Abarbeitung der rechtlichen Konsequenzen dieses Sachverhalts. Ab morgen sollte man sich nicht mehr mit den Phantomschmerzen beschäftigen. Vielmehr mit der Frage wie diese neuen Landesbanken namens Commerzbank oder HRE besser funktionieren als ihre Vorgänger. Die waren nämlich kein Vorbild. Einen Anfang sollte der Bundesverband privater Banken machen – und sich in den Bundesverband ehemaliger Privatbanken umbenennen. Das wäre wenigstens schon einmal ein Beitrag zur Transparenz.

Update

Das Geschrei der Amputierten kann man hier nachlesen.  Wo bleibt das Mophium für die Herren Schlarmann, Westerwelle, Lauk und Fuchs? Ihr Geschrei ist nämlich nicht zum Aushalten. Die Herren wollen vor allem einfach nicht verstehen, warum die Enteignung zugleich eine Rettung ist. Nämlich unter anderem der Einlagen der Versorgungswerke von Freiberuflern bei der HRE. Das wäre aber ein Tabubruch, die in Konkurs gehen zu lassen. Die Frage des Konkurses von Banken haben wir hier in den Kommentaren auch schon angesprochen. Dazu äußert sich auch gerade Paul C. Martin. Seine Bemerkungen sind ausdrücklich zur Lektüre empfohlen. Nur ein Hinweis: Fehler kann man korrigieren.

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1 otaku Februar 18, 2009 um 13:42

Klarheit , Offenheit und Transparenz, am Ende wohl möglich gar noch Ehrlichkeit und Wahrheit in Wirtschaft und Politik ?

Das Kraut muss richtig gut sein ;-) ). Verrätst du mir welches du dir rein getan hast ?

Have fun
Otaku

2 Karl Februar 18, 2009 um 13:53

Schickt den Artikel doch vielleicht mal eben an Peer und Karl-Theodor. Vielleicht beginnen sie dann ja mal darüber nachzudenken, was sie da eigentlich so den ganzen Tag von sich geben. (Vielleicht sollten sie dads mit dem Denken auch einfach lassen und es wie Japans Finanzminister machen, das wär wenigstens lustig)

3 mylli Februar 18, 2009 um 14:16

Das Bein ist weg.

Hoffentlich verschallt die Botschaft nicht ungehört. Sonst fahren Joe und Freunde im Rollstuhl mit Höchstgeschwindigkeit in die nächste Mauer.

p.s.: 5 Schw%%%e nach oben, würde Al Bundy zu deinem Beitrag sagen.

4 f.luebberding Februar 18, 2009 um 14:24

Otaku

Halbschwarzer Tabak mit Beimischung einer Erkältung … . Aber ernsthaft. Sehe uns hier als Arzt. Die Debatte über dieses Gesetz ist der schweren Erkrankung des Patienten geschuldet, die eine Amputation leider unausweichlich machte. Jetzt liegt der Patient im Bett und phantasiert …. in unseren Fall über Marktwirtschaft und Ordnungspolitik und über die Vorteile eines privaten Bankensystems … . Er will einfach noch nicht wissen, dass sein Bein weg ist … Einer muss es ihm halt sagen.

5 Peter Februar 18, 2009 um 14:25

Konkursrecht statt Enteignung

Die Phantomschmerzen sind doch eigentlich nur darauf zurückzuführen, dass man die Insolvenz der Banken durch staatliche Gelder bisher verhindert hat. Angebrachter wäre es gewesen, den Konkurs der jeweiligen Bank zu erklären. Anschließend hätte man die insolvente Bank ja durch eine staatliche Auffanggesellschaft übernehmen können. Dabei hätte man ja angepasste gesetzliche Regelungen für derartige Bankenkonkurse treffen können.
Dieses Vorgehen hätte klar gezeigt, dass es eben nicht um Enteignung geht, sondern dass die bisherigen Eigentümer die Bank an die Wand gefahren haben (lassen). Denn wo nicht s ist (Konkurs) kann man auch nichts mehr enteignen. Dann wäre auch offensichtlich, dass das staatliche Eingreifen eben nur dazu dienst die volkswirtschaftlichen Folgen zu vermindern.

6 snozin Februar 18, 2009 um 14:27

„Aber das private Bankensystem hat mit der Einführung der Gewährträgerhaftung im Oktober vergangenen Jahres zu existieren aufgehört. Es ist sozialisiert worden. Das Bein ist weg.“

Mensch, Herr Lübberding“ Da stehe ich die ganze Zeit mit gezogenem Hut vor Ihnen, – und jetzt? Das Bein ist weg. Das Maul steht offen. Was mache ich mit dem Hut?

7 joha Februar 18, 2009 um 14:31

Ich kann den Ausführungen größtenteils zustimmen. Dennoch kann man die ordnungspolitische Debatte auch in die Zukunft gerichtet lesen: Welchen ordnungspolitischen Rahmen soll die Marktwirtschaft der Zukunft haben? Und da ist die Enteignung ein Bruch mit den Traditionen (genau wie, auf der anderen Seite, der Bailout durch Steuergelder).

Fakt ist aber, dass man so etwas schon im Oktober ins Gesetz hätte schreiben können, ja müssen.

8 snozin Februar 18, 2009 um 14:36

p.s.
Mir ist soeben selbst die Lösung eingefallen. Ich drehe den Hut, Öffnung nach oben, herum.

9 McShorty Februar 18, 2009 um 14:41

Hallo F.Luebberding,
netter Artikel, aber leider vermisse ich die Namen der Bastler der Sprengfallen “StaMoKap”, “do you want a little bit facism?”, “wir beklauen Euch doch alle” usw. Wenn sich irgendwann dann ein “Retter” “anbietet” sehen wir viell. klarer. Denke da sind Sie als Journalist undercovermäßig noch mal gefragt.

Zur HRE bevor hier einer kommt und Enteignung und Entschädigung schreit. Selbst de jure habe ich da arge Zweifel.
De facto ist das take over der HRE die Reanimierung einer stinkenden, verwesten Leichte – gestorben bereits vor gut 5 Jahren.

Wo wäre der HRE Aktienkurs denn heute, wenn Steinblöd/MerkNix die HRE nicht 1 Woche nach ihrer “alles paletti” Rede mit SteuerZahlerKnete vor der Pleite gerettet hätten? Richtig – below ZERO!

Wenn hier also jemand Entschädigungen zu bekommen hat, dann ist es der Steuerzahler und zwar von den Aktionären und Managern der HRE fürs Organspenden und Reanimieren! Von den aufgelaufenen Zinsen für die 102.000 Mio Rettungsknete mal ganz schweigen.
Gruß McShorty

P.S. Ordnungspolit. Debatte hier? – so ist halt die Politik, diskutiert über das Design von Brandmeldern während die Hütte grandios abbrennt. Vergesst es Leute! EndGame! G.O.!

10 Juergen Februar 18, 2009 um 14:51

Für die Sparkassen änderte sich nur wenig. Sie machen ihre Kreditgeschäfte in regionalen Wirtschaftsräumen und greifen zur Finanzierung ihrer Kreditvergabe auf Kundeneinlagen zurück. Bei den Landesbanken war das anders. Sie refinanzierten sich auf den Kapitalmärkten. Wie klassischen US-Investmentbanken war ihnen der Zugang zu Kundeneinlagen verwehrt.

Die Nord/LB in Niedersachsen war eine Landesbank, die auf Kundeneinlagen zurückgrief und z.B. hier in Braunschweig Sparkassenfunktion hatte. Deshalb steht sie jetzt auch wesentlich besser da als die übrigen Landesbanken (gilt glaube ich auch für die LB/BW).

Ein wunderschönes Zizat aus diesem Zeit-Artikel:
>blockquote>Man nennt die HRE mit ihrer Tochter Depfa auch einen Staatsfinanzierer. Das heißt, die Bank ist aufs Engste mit den Haushaltsfinanzierungen von Bund, Ländern und Kommunen verflochten.
Die HRE als Staatsfinanzierer wir jetzt vom Staat finanziert. Ich lach mich schlapp.

11 zefix Februar 18, 2009 um 15:02

„Es wäre jetzt die Stunde, mit einer wirklichen Verfassungsreform uns eine neue Grundlage zu schaffen,“ sagt G. Grass.
Er bezieht sich auf die Wiedervereinigung.

Das Ausrauben der Ostländer hat aber Paralellen zu heute.
Und zwar die Richtung des Geldflusses.

Es muss viel Strafbares hinter den Kulissen existieren.
Warum sonst diese Panikhandlungen?
zB:
Änderung des Informationsfreiheitsgesetzes zugunsten Bafin.

Der halblegale Rettungsschirm ( ein unzulässiger Vertrag zulasten Dritter, so der Doyen des deutschen Gesellschaftsrechts, Marcus Lutter aus Bonn).

Konjunkturprogramme zur Unterstützung von Schrottherstellern und ihrer Verwerter.

Allein die Agenda 2010 (Alimentierung) gekoppelt mit der Verlängerung der Kurzarbeit von 6 auf 18 Monate wird die Wahl im September nicht retten. Dazu muss Schäuble mindestens noch das Grundgesetz optimieren.

Ein Land ohne Verfassung, aber mit Verfassungsschutz !

Und was macht die Frau mit der Richtlinienkompetenz?
Die Bundeskanzlerin beklagt sich, sie stehe vor einer Nebelwand.
Dazu Lafontaine:
Ich glaube nicht, dass diese Analyse ausreichend ist, um mit der gegenwärtigen Krise fertig zu werden.

12 ergo sum Februar 18, 2009 um 15:14

Leider ist Staatsbeteiligung kein Schutz vor Krisen — im Gegenteil! Die Landesbanken mit Staatsbeteiligung waren bekanntlich die ersten, die kollabierten.

13 Germanasty Februar 18, 2009 um 15:16

Lieber arm dran als Bein ab. Vielleicht kann man also das Bein noch retten, fragt der Hobbychirurg.
Ansonsten geht da bei der Ursachenforschung hinsichtlich der Bankenprobleme einiges durchander:
Depfa keine Fristen- und Risikokongruenz
Landesbanken kein Geschäftsmodell
CoBa/DreBa Übernahmegrößenwahn mit tollem timing (Gruß an die großartigen CoBa Analysten)
IKB Leseschwäche (wer kann schon ahnen, dass auf Seite 34 im Kleingedruckten was von einem Trigger steht)

14 Unwissender Februar 18, 2009 um 15:22

http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/rohstoffe/:Rohstoffe-Gold-visiert-1000-Dollar-Marke-an/476219.html

Tja, es ist ordentlich Streß im System.
Noch deutlicher zeigt es sich in Euro-Gold.

Zum Thema HRE fällt mir wirklich nur noch der gute Heine ein:
“Denk ich an Deutschland in der Nacht, ……….”

Aber was solls, da können wir uns hier die Finger wund schreiben, der point of no return is eh längst überschritten. Schaun wir mal, was danach kommt! :-(

Wie gut, das der wgx seine DB-Aktien verkauft hat – und nicht seine Philharmoniker – für die Kleinen! :-)

15 spiritformoney Februar 18, 2009 um 15:25

@peter
Also lautet die Frage: Wer ist durch die bisherigen Kapitalspritzen und Bürgschaften für Banken gerettet worden? Und, vor Allem, hat es geklappt?

So wie es sich darstellt führt der Konkurs einer international verflochtenen Bank zu weiteren Konkursen von Banken. Der Handel der Banken untereinander würde entgültig zum Erliegen kommen. Die Gläubiger würden ihre Mittel abziehen und das wäre das Ende von Wallstreet und City. Kleinere, regional tätige Banken gehen ja, in USA, ständig in Konkurs. Das interessiert eher nicht. Gehören wohl nicht zum FED-System.
Eine wirkliche Bereinigung dieses Marktsegmentes wird zu einer Menge arbeitslosen Bankern führen. Die haben zwar schon jetzt kaum mehr Beschäftigung werden jedoch bisher gehalten. Wall Street und Londoner City verhinderten die marktwirtschaftliche und kapitalistische kreative Zerstörung einer überdimensionierten Finanzindustrie mit der angeblich wichtigen Funktion für die “übrige” Wirtschaft.
Diese erfüllen sie nun, wie es aussieht, nicht. (Gründe bekannt)
@lübberding
Und nun sind es nicht mehr nur die Landesbanken die keine realwirtschaftliche Aufgabe mehr zu erfüllen haben – sondern, oh Schreck, ein Großteil der Bankenlandschaft.
Es soll allerdings die Möglichkeit erhalten bleiben weiter mit spekulativen Instrumenten Geld aus der Wirtschaft zu ziehen um entsprechende Gehälter und Bonis zahlen zu können.
Und DAS hat bisher ganz gut funktioniert.

16 Peter Februar 18, 2009 um 16:34

@spiritformoney

Nun das mit den Konkursfolgen hängt doch einfach davon ab, wie man die Auffanggesellschaft gestalltet. Wenn man es für notwendig erachtet, dann kann doch die Auffanggesellschaft auch erklären, dass sie alle Gläubigerforderungen weiterhin regulär bedient (gegebenenfalls muss man für diese Variante halt die gesetzlichen Grundlagen schaffen). (Sachen wie Boni, Pensionsansprüche von ehemaigen Vorständen könnte man dagegen streichen bzw. deutlich kürzen).
Somit könnte man Folgekonkurse auch über ein modifiziertes Konkursrecht vermeiden (bzw. Auffanggesellschaft …). Wenn die Konditionen klar sind, kommt es auch nicht zu Folgekonkursen wenn der Übergang dann 2 oder 3 Wochen dauert (da kann die Notenbank übergangsweise auch eingreifen). Nur hätte bei dieser Variante der Staat eben dann sofort die volle Kontrolle und es wäre auch klar, dass keine Enteignung vorliegt.

17 spiritformoney Februar 18, 2009 um 16:50

@peter #16

Wenn man es für notwendig erachtet, dann kann doch die Auffanggesellschaft auch erklären, dass sie alle Gläubigerforderungen weiterhin regulär bedient…

Ja das wäre sicherlich möglich.
Was sind wohl die Gründe, dass dieses oder ein ähnliches Vorgehen vermieden wird?
Ich denke zefix #11 liegt da ganz richtig.

18 f.luebberding Februar 18, 2009 um 17:19

Karl

Ob die Herren Bundesminister Zeit für die Lektüre haben? Die haben ja zur Zeit viel zu tun. Wenn sie aber jemand sehen sollte, kann er sie gerne darauf aufmerksam machen … .

Peter

Ein möglicher Konkurs wäre wenigstens auf seine Praktikabilität hin zu überprüfen gewesen. Interessant ist aber, dass heute Greenspan die Verstaatlichung der Banken als eine Option verteidigt – und Geithner offenbar seine bail out Pläne aufgegeben haben soll. So wenigstens mein derzeitiger Informationsstand, der sich auf einen blog Eintrag von Krugman von heute morgen bezieht. Die Frage der Entschädigung der Aktionäre für nicht vorhandene Vermögenswerte könnte sich dann durchaus relativieren … .

Joha, McShorty

Hüther propagiert ja zur Zeit regelmäßig Ordnungspolitik. Auch was die Zukunft der Kölner Wirtschaftswissenschaften betrifft … . Das Problem ist aber, dass die Ordnungspolitik der Eucken etc. auf unsere Lage gar nicht anwendbar ist. Vielmehr wird – und da hat Mc Shorty recht – jeden Tag mehr eine neue Ordnung geschaffen, die einerseits aus der Not heraus entsteht, aber wo andererseits auch Interessengruppen versuchen ihre Haut zu retten. Notfalls auch auf Kosten etwa des Steuerzahlers.

19 Karl Februar 18, 2009 um 17:29

Ob die Herren Bundesminister Zeit für die Lektüre haben? Die haben ja zur Zeit viel zu tun.

Manchmal glaube ich, sie sollten weniger tun und mehr nachdenken. Wenn sie dann nachgedacht haben und mir klugen Menschen (möglichst ausserhalb der Politik) darüber geredet haben, dann sollten sie umso mehr tun. Aber bitte mit einem Konzept, das größer angelegt ist als: Opel muß gerettet werden und die HRE muß gerettet werden, der Rest ist in ordnung und ab dem Sommer wird alles wieder gut.

20 f.luebberding Februar 18, 2009 um 17:40

Juergen

“Die HRE als Staatsfinanzierer wird jetzt vom Staat finanziert.”

Bringt die Sache auf den Punkt. Nur war das noch nie anders … .

Ergo sum

“Leider ist Staatsbeteiligung kein Schutz vor Krisen — im Gegenteil! Die Landesbanken mit Staatsbeteiligung waren bekanntlich die ersten, die kollabierten.”

Das Argument wird immer wieder gebracht. Die Eigentumsfrage ist in diesem Fall völlig irrelevant. Es geht um das systemische Umfeld, in dem alle Banken handelten. Die Landesbanken waren nur aus den von mir genannten Gründen zuerst betroffen – und hatten dazu ihre spezifischen Probleme, die aus der Geschichte und der Eigentümerstruktur resultierten. In einem anderen regulativen Umfeld wären diese Kreditblase nicht passiert – auch nicht den Privatbanken. Trotz Gier, Bonussysteme und ähnlichen wenig zielführenden Erklärungen … .

In meinem Beitrag versuche ich nur die meiner Ansicht nach unsinnige Debatte über diese Enteignungsfrage vom Kopf auf die Füße zu stellen … .

21 f.luebberding Februar 18, 2009 um 17:49

Spiritformoney

“Der Handel der Banken untereinander würde entgültig zum Erliegen kommen.”

Dieser Handel ist seit dem 9. August 2007 tot. Deshalb ist auch das Lehman Argument hinfällig.

Das Argument mit den Gehältern und Boni halte ich für übergewichtet, weil tatsächlich das Bankensystem seine Funktion für die Realwirtschaft nicht erfüllt. Das ist das eigentliche Problem. Die entziehen der Realwirtschaft kein Geld, weil sie ihre Gehälter bezahlen wollen, sondern geben kein Geld, weil sie sich weitere Kreditausfälle nicht leisten und Kreditrisiken nicht einschätzen können. Deshalb bekommen größere Unternehmen zur Zeit keine Kredite, während etwa Autokäufer mit Abwrackprämie wohl durchaus noch Autofinanzierungen erhalten.

22 Michael Februar 18, 2009 um 18:51

@Frank
Der Patient HRE ist tot einige Organe werden von Apparaten am “Leben” erhalten wäre die Diagnose. Nun sollte es aber nun wirklich kein sonderliches Problem den Patienten auch noch 2 oder 3 Jahre so zu belassen, ihm reichlich Kreditgarantien zu geben und Neugeschäfte zu unterbinden. Dieser Patient kann nur noch als Organspender dienen. Daran ändert nichts und niemand was. Da stecken schon mehr realistische Steuergelder und nicht nur Versprechen drin, als die Hütte “wert” wäre. Die Hypobank hat das Teil ja nicht umsonst vor ihrer “Übernahme” abgesondert.

Desweiteren hat mir immer noch keiner erklären können, was die im Portfolio hatten. Mit den Landesbanken sieht es ganz genauso aus. HRE und LB sind eine einzige Nebelkammer, zu der es ausschließlich dummes Gewäsch zu hören gibt, wie bei IKB.

Die Commerzbank und Deutsche Bank haben höchstens einen Schnupfen, das wird bei denen schon wieder. Ein bischen Milch mit Honig, ein Paar Tage Bettruhe, dann kann der Casinobetrieb weitergehen. :-)

p.s. (Des Trumps Casinos hat es getroffen, hatte der Joe nicht auch so ein Prachtstück ergattert ? Ich glaube ja, jetzt muß er nur noch die richtigen Leute reinlocken. Nun Merkela und Steinbrücki, wie wäre es mit einer bad bank – Partie ?) :-D

23 bluedet Februar 18, 2009 um 19:39

Die heutigen inszenierten Aufschreie sind kein Ausdruck von Phantomschmerzen. Es handelt sich lediglich um strategisches Geschrei der Hardcore-Kapitalisten und ihrer Lobbyisten.

Der Bürger frägt sich währenddessen beständig, was er denn nicht versteht, denn das was er versteht kann doch nicht sein.

Wie kann es also angehen, dass Aktionäre eines insolventen Unternehmens Forderungen stellen, also noch Geld für ihre Anteile an einer bankrotten Firma wollen? Wie kann es sein, dass eine Commerzbank defacto bankrott ist, 18 Milliarden vom Staat bekommt, die Bank selbst genau genommen gar nichts mehr wert ist und der Staat trotzdem nur 25 % des Unternehmens erhält? Was will die Schäfflerluxusziege im Nerz vom Staat, obwohl sie Milliarden ihr Eigentum nennt?

Idiologengeschrei und Verteilungskampf. Es geht den Schreiern allein darum. noch ein paar Milliarden aus dem Drecksgeschäft eigennützig rauszuholen. Mit Phantomschmerzen hat das im Kern nichts zu tun, wenn man von ein paar instrumentalisierten idiologischen Idioten absieht.

24 Germanasty Februar 18, 2009 um 20:36

Alles Unfug. Mal Luhmann lesen.Auch für das Bankwesen als Teil des Wirtschaftssystems gilt: Structure follows funktion.

25 Michael Februar 18, 2009 um 20:41

Man muß schon sagen, die “Enteignung” der HRE wäre ein Kapitalverbrechen. Wie kann man etwas “enteignen”, das – 100 bis – 300 Mrd. € unwert wäre ? Ebenso die betroffenen “Landesbanken”. Dafür den “Aktionären” noch eine “Abfindung” geben zu wollen ist eine der beispiellosesten Unverschämtheiten, die sich Politiker je geleistet haben. Eine Verstaatlichung auf Basis des Grundgesetzes wäre problemlos möglich gewesen. Steinbrück füttert mal wieder Heuschrecken. Der Kerl hat schon mit der IKB ein Plätzchen auf dem Schafott verdient. Und die “Patrioten”, die da mitmachen können sich gleich hinter ihm anstellen.

26 Jörg Februar 18, 2009 um 21:22

@Lübberding:
Bin Deinem Link zu PCM gefolgt. Was für eine Schlaubergerei!
Martin beschliesst also kurzerhand mal “anzudenken”, die Geschichte der Rückabwicklung der Finanzkrise aus der Perspektive des allwissenden Erzählers in ein paar Handvoll twitterbarer Zeilen darzustellen. Das ist niedlicher Radikal-Hegelianismus.
(Dass sich kein Ich-Erzähler finden wird, der uns die Epoche zwischen zwei Buchdeckeln serviert, ist schon klar, selbst wenn Weissgarnix noch öfter den Versuch unternehmen sollte uns anzustiften, doch Mr. Madoff zum Sprechen zu bringen. Schliesslich rezipieren wir die Vorgeschichte des 29er Crashs auch nicht durch die Brille Charles Ponzis, sondern vorzugsweise mittels Lektüre von Kindleberger, Chancellor, Friedman, Galbraith, theorieseitig auch Fisher, Keynes und Minsky etc.)
PCM tritt also ans Mikro, eskamotiert kurzerhand alle Gruppeninteressen und imaginiert ein Erleuchtungsevent, in dessen Folge – nur mal “angedacht” – alle wissen, was
zu tun ist. Dieses “Was” bestimmt er dann so, dass der Staat sich einerseits zum Absterben bequemt, andererseits aber knallharte Regeln durchsetzt, denen keiner mehr entrinnen kann. Meine Mutter würde sagen: Paul C. Martin biss sich ein Loch in den Bauch und verschwand darin.
Immerhin schafft er es noch, den Klagegesang korrekt zu intonieren: “So geht jetzt alles weiter seinen Gang in Richtung Grube.” Da sitzt jeder Ton: “Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh…” – und debitistische daytrader sind ja auch nur Menschen. Aber am Ende wird doch klargestellt, was Sache ist: es gibt uns und die Massen. Sind letztere “dann endgültig desillusioniert, werden sich Dinge ereignen, die unsere heutige Vorstellungskraft sprengen.” Die Folgerung ist eigentlich recht trivial, da es auch aller bisherigen Lebenserfahrung entspricht, dass der Normalzustand unserer Vorstellungskraft die Überforderung ist. Gemeint ist aber etwas anderes: wir, die Geldversteher, werden von den Ignoranten durch die Hölle geschickt.

27 spiritformoney Februar 18, 2009 um 21:57

bludet 23 + Michael 25
Jau – so isses.
Und hier eine der übersichtlichsten Beschreibung wo wir stehen und wohin es geht: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29752/1.html

28 raphaeth Februar 18, 2009 um 22:19

Phantomschmerzen, des „sozialen Gewissens“ wegen.

Die Gewerkschaften fürchten ein minus vor ihren Forderungen,
Kirchen haben der restlichen wissenschaftlichen Welt entsagt;
das politische Berlin hat sich von basisdemokratischen Zwängen
weitgehend befreit und die Eskomoteure machen munter weiter.

29 adam Februar 18, 2009 um 22:42

“phantomschmerz” ist der falsche begriff.

viel passender ist “RAVASHI-SYNDROM”. benannt nach dem weltberuehmten indischen fussballspieler:
http://www.youtube.com/watch?v=DK-uTcmRqko

…aus dem grossartigen film “adams aepfel”….

30 edicius Februar 19, 2009 um 00:13

@jörg
Ich sehe, Sie werfen nicht mit schnöden Spatzen, sondern gleich mit hegelschen Eulen, und zwar Richtung Athen…
Nun ja, trotzdem sehr erfreulich, dass zu diesem unsäglichen dottore und seinem apokalyptischen gelben Club mal was treffendes gesagt wurde.
Es ist dort meist noch schlimmer: Da wimmelt es von Beiträgern, die über den Erwerb von Gold, Konserven, Waffen und Flammenwerfern phantasieren, um durch die von ihnen verräterisch imaginierte Hölle zu kommen, in die sie die Ignoranten (nämlich die, die sich bisher von ihnen haben abzocken lassen) letztlich verdientermaßen schicken könnten. Diese elitären Phantasmen verraten mE nichts als das schlechte Gewissen, an dieser projektierten Apokalypse selbst kräftig mitgewirkt und -verdient zu haben.
Den sog. “Debitismus” kann man wohl am besten als den freudschen Alptraum bezeichnen, das üble Spiel könne am Ende doch so dastehen wie es ist, nämlich als Kaiser ohne Kleider. Die Angstphantasie des Hofschneiders.

31 Karl Februar 19, 2009 um 00:28

@ edicius

Da fehlt aber noch der erträumte Geschichtsrevisionismus und die Angst überfremdet und von islamistischen Horeden überrannt zu werden.

32 Map Februar 19, 2009 um 09:10

@Frank
Nur damit ich die Grundlagen verstehe:
Warum dürfen Landesbanken nicht auf die Spareinlagen zurückgreifen?

33 f.luebberding Februar 19, 2009 um 09:22

Jörg, edicius

Zum dottore. Es geht mir ja nicht um das Gelbe Forum und die sich dort tummelnden Paranoiker. Mir geht es bei Dottore allein um eine Aussage: Dass er nämlich den Konkurs der Banken für eine Alternative hält. Er hielt bisher das Game Over wg. der fehlenden Nachschuldner für unausweichlich. Deflationäre Depression. Aus dem Game Over folgt der Zusammenbruch staatlicher und sozialer Ordnung. Nun ist Martin zwar ein Dogmatiker, aber eben ein intelligenter … . Es geht auch nicht um seine politischen Überzeugungen. Er hat andere als ich, das ist aber nicht relevant. Er träumt von eine Art gereinigten Liberalismus. Bisweilen erinnert er mich an den späten Röpke. In seinem Beitrag geht es ja vor allem um die Frage, ob denn der Konkurs der Banken den unausweichlichen Marsch in die Staatswirtschaft stoppen kann. Das bedeutet aber die Absage des Game Over – und es geht dann um die Frage wie die neue Ordnung aussehen wird, in die wir marschieren.

Das ist die Frage – und deshalb habe ich den Beitrag verlinkt. .

Ansonsten können natürlich alle weiterhin machen, was sie wollen. Auch Konserverdosen oder Mehlsäcke akkumulieren. Manche präfereieren auch Raviolidosen.

34 f.luebberding Februar 19, 2009 um 09:45

map

Die Landesbanken sollten nicht in Konkurrenz zu den Sparkassen auftreten. Aus dem Grund haben vor allem die großen Sparkassen immer darauf geachtet, dass die Landesbanken keine normalen Geschäftsbanken werden konnten. Ausnahmen gab es – etwa in Hessen bei der Helaba. Für diese Ablehnung gibt es durchaus gute Gründe. Wenn die Landesbanken mit Sparkassen fusionieren, wird der regionale Charakter der Sparkassenorganisation in Frage gestellt. Damit zugleich die kommunale Trägerschaft. Die Landesbanken mit der Beteiligung der Bundesländer bekommen dann Zugriff auf die kommunale Selbstverwaltung, so die Befürchtung. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Debatten über die Schwäche des Retailbanking und den überbesetzten deutschen Bankenmarkt. Konsolidierung als Stichwort. Die Kritik an den Sparkassen war der allmähliche Verfall ihrer Gewinne – etwa durch organisatorischen und technologischen Wandel. Nur war diese Befürchtung damals tatsächlich stichhaltig. Denn die Sparkassen hatten im Vergleich zu den Privatbanken eine schwache Rendite – und vor allem drohte der Kundenverlust, wenn sie ihren Anlegern keine Produkte mit Marktüblicher Verzinsung anbieten würden. Das Desaster – etwa bei einigen hessischen Sparkassen mit den Lehmanprodukten – war also kein Zufall. man machte im Spielcasino mit … . Man braucht sich wohl auch nichts vorzumachen: In manchen Sparkassen werden einige Vorstände der Neigung auch kaum widerstanden haben aus ihren Mitarbeitern die gleichen Drückerkolonnen zu machen wie etwa bei dieser Citibude … .

Nur jetzt leben wir in einem neuen Umfeld. Wir brauchen in Zukunft mehr Dezentralisierung im Bankensystem. Außerdem muss die Branche schrumpfen. Vor allem aber darf es in Zukunft keine privaten Banken mehr geben, deren schiere Größe beim Konkurs zum Systemzusammenbruch führen kann. Wir bruachen keine Fusionen, sondern mehr Wettbewerb. Wenn schon alle auf Ludwig Erhard schauen … – hier wäre es angebracht … .

P.S Arne Storm hat heute in der Zeit einen Artikel, wo er sich mit der HSH Nordbank beschäftigt. Inhaltlich mit meinen Aussagen identisch, aber als Fallbeispiel ganz anschaulich.

35 Nanuk Februar 19, 2009 um 10:00

@joha
“Und da ist die Enteignung ein Bruch mit den Traditionen (genau wie, auf der anderen Seite, der Bailout durch Steuergelder).”

Frag mal die Indianer die erzählen dir was anderes…
Enteignung ist geradezu eine Europäische Königsdisziplin.

Oh ich liebe neusprech.
Ordnungspolitische Debatte süss ja gerade zu knuffig wie ein kleiner Teddybär.Kling irgendwie wie das Stofftierchen Asymetrischer Krieg…

36 Nanuk Februar 19, 2009 um 10:03

Ich frag mich immer wer die Wörter in die Welt kotzt damit wir uns an den Stückchen einen abnuckeln können.

37 egghat Februar 19, 2009 um 12:03

Heusinger hat gestern in der FR das Gejammer “unerträglich” genannt. Volle Zustimmung!

Ein anderer Punkt, die IMHO total untergeht, ist der verantwortungsbewusste Umgang mit dem Geld der Steuerzahler. Man kann doch nicht (potenziell) 100 Mrd. Steuergelder in eine Bank kippen und alle diskutieren über die 250 Mio. Euro Restkapital, die den Aktionären noch geblieben sind.

Wir krank ist denn das?

http://egghat.blogspot.com/2009/02/hre-rettungscounter-today-20000000000.html

38 f.luebberding Februar 19, 2009 um 12:54

egghat

Heusinger hat heute auch einen interessanten Leitartikel zu dem Thema in der FR: Unverfrorene Lobbyisten

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/kommentare/1677926_Unverfrorene-Lobbyisten.html

Was vielleicht noch zu diskutieren wäre, welche Konsequenzen eigentlich die de facto Wertlosigkeit des Engagements von Flowers bei der HSH Nordbank bedeutet. Vielleicht sollte man ihm einen Antrag auf Hartz IV zukommen lassen anstatt ihm irgendwelche sonstige Almosen zu gewähren … .

Aber jenseits dieses Kleinviehs Flowers sollte man sich lieber mit der Refinanzierung der kollabierenden Osteuropakredite beschäftigen. Redeker ist in meinen Augen wirklich einer der klugen Köpfe:

http://www.faz.net/s/Rub58BA8E456DE64F1890E34F4803239F4D/Doc~EAC2A0E1375BB4D37AEB22367CA302CFC~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

Wer weiß? Kann man nicht diese HRE sehr schön als eine Art EU Resterampe benutzen? Also irgendwas müssen wir uns einfallen lassen – und am Ende bleibt der Kram sowieso bei uns hängen.

39 Nanuk Februar 19, 2009 um 13:45

Ja der Redeker ist ein schlaues Kerlchen…

40 Jörg Februar 19, 2009 um 14:25

@Lübberding:
“ob denn der Konkurs der Banken den unausweichlichen Marsch in die Staatswirtschaft stoppen kann”

Der ist nicht unausweichlich – für Nichtbanken gewiss nicht. Für die Banken stellt sich beim heutigen Stand der Chirurgie die Frage, ob die Ursache des Phantomschmerzes – das abgetrennte Körperteil – noch irgendwie herumliegt. Wahrscheinlich irgendwo neben der noch nicht abgeschalteten Derivateketten-Säge mit Verbriefungsmotor?
Zum Schluss des Artikels: es geht nicht ums Bessermachen, sondern ums Unterlassen. Die overbanked nations of the western world müssen den Sektor abspecken. Den Chirurgen bleibt angesichts des Zeitfensters und eines Mangels an Blutkonserven nur die Möglichkeit zu selektivem Vorgehen.
Es war bei der Krankenhaus-Kapazitätsplanung vernünftigerweise nicht vorgesehen, dass alle Mitglieder eines Berufsstandes gleichzeitig die Dienste der Unfallstation in Anspruch nehmen.
Über allem steht die Einsicht, dass es intrinsische Massstäbe gibt. Die Details sind in den Arbeitsschutzvorschriften festgehalten. Diese gilt es, klarer und deutlicher zu fassen. An der grundsätzlichen Schuldzuweisung an diejenigen, die die serienmässigen Sägen mit aftermarket kits zu verbriefungsgetriebenen Kontinentschluckern aufgerüstet haben, ändert das freilich nichts.
Mehr Staat wird aber trotzdem sein – nicht notwendig mehr Staatswirtschaft (wenn wir es nicht wollen), jedoch mehr “Staatsgeld”. Denn ich wüsste jetzt nicht aus dem Handgelenk, wie der Interbankenhandel im vorherigen Umfang zu restituieren wäre. Daher bleibt eine erweiterte Rolle der Zentralbanken. Im Gegenzug dafür wird festgelegt, dass die Banken ihre assets to maturity halten müssen. Der Finanzmarkt unterscheidet sich vom Kartoffelmarkt gewiss zumindest darin, dass die Handelsware sich in heissem Zustand befindet. In einer klimapolitisch sensibilisierten Epoche dürfte der Wert entsprechender Abkühlungsmassnahmen dem breiten Publikum leicht vermittelbar sein. Für die Akteure im Finanzsektor wäre hold-to-maturity die entscheidende Regelsetzung von aussen, die ihnen begreiflich machen würde, das von ihnen zukünftig die Orientierung an einem längeren Planungshorizont erwartet wird.
Alles weitere ergibt sich daraus wie von selbst. Wer assets bis zur Fälligkeit halten muss, kann Derivate nicht mehr mit dem Effekt individueller Risikosenkung bei gleichzeitiger systemischer Risikosteigerung einsetzen. Sie sind dann nicht mehr bloss aus der Sicht eines ideellen Gesamtsubjekts gefährlich, das sich um die langfristige Stabilität des Markts sorgt, sondern auch aus jener der Marktteilnehmer.

Man kann die Derivate natürlich auch verbieten. Nach Durchsetzung der hold-to-maturity-Regel wäre es aber eigentlich nicht mal mehr nötig, dass sich eine Kanzlerin, ein Präsident, ein Meeting von Finanzministern zu der beiläufigen Meinungsäusserung durchringen, es handle sich dabei um die von Buffett, Soros und Co. vielfach beschworenen finanziellen Massenvernichtungswaffen. Und dass sie persönlich niemals in eine Firma investieren würden, die mit solchem Teufelszeug hantiert. (Dann kämen bestimmt juristische Klagen, die eine Diskriminierung der Glücksspielindustrie zu verhindern suchen. Und für die Politik der goldene Moment zurückzufragen, welche Industrie denn da genau gemeint sei.)
Nach recht kurzer Zeit würde die Derivateindustrie ihren angemessenen Platz neben den Las Vegas-Casinos finden. Einige Trump-Gebäude sollten billigen Ersatz für die Wall Street-Adressen bieten. Ich würde mich allerdings eher nicht in einen Kampf für die freie Gewerbeausübung des betroffenen Personenkreises verwickeln lassen, falls ein solches Arrangement mit dem Zeitgeist in Kürze nicht mehr kompatibel sein sollte.
Für die Politik hätte ein Verbot den Vorteil, dass es eines langen, vorlaufenden Willensbildungsprozesses bedürfte, der genug Zeit böte, den eigenen ideologischen Seitenwechsel öffentlichkeitswirksam zu inszenieren und frühere Sünden vergessen zu machen.

Irgendwie finde ich es bemerkenswert, dass die Geldversteher von drohender Zentralbank-Pleite reden, obwohl selbst in Zimbabwe nichts anderes passiert ist, als dass die ZB beschlossen hat, die Druckerpresse abzuschalten, also die Produktionsabteilung der Operation aufzulösen resp. outzusourcen und sich fürderhin in einem joint venture auf Distribution und Logistik zu beschränken. Es ist selten, dass sich auf einen Schlag gleichzeitig der Ressourcenverbrauch senken, die Kundenzufriedenheit vervielfachen und der Arbeitsaufwand reduzieren lässt. Genau dies ist aber die Chance, die zumindest ein Teil der Politik – vorneweg die Linkspartei – mittlerweile den Banken (um den Preis eines vorübergehenden Sanatoriumsaufenthalts) bieten will. Die Geldversteher vermuten hinter der Umstellung auf eine just-in-time-Geldversorgung ohne M4-Lagerüberhänge einen Risikoübergang auf die Zentralbank. Als ob der Dollar in Gefahr geriete, wenn er in Argentinien oder Zimbabwe zirkuliert oder die DM unter ihrer Verwendung in Slowenien gelitten hätte. Dto. der Yuan in Laos, der Euro in Osteuropa etc.
(Ich will damit nicht behaupten, dass bspw. das jüngst im Telegraph dargestellten britischen Vorhaben kein erhöhtes Risiko beinhaltete. Das hätte seine Ursache allerdings in der geplanten Geheimhaltung, ohne die eine explosive Geldmengenausweitung schliesslich gar nicht gegen die Überzeugungen der Allgemeinheit durchzusetzen wäre. Zudem verfügen die Briten natürlich sowieso über die Option, das Pfund gegen den Euro einzutauschen. Insofern könnte das vom Telegraph kritisierte Vorgehen von Regierung und BoE aus der Sicht des bekanntermassen europhoben Blatts von geradezu fataler Zweckmässigkeit sein.)

41 Pascha Februar 19, 2009 um 19:49

Steinbrück kann die HRE nicht in die Insolvenz schicken, genauso wenig wie die ComBa oder die Deuba. Insolvenzantrag bedeutet naemlich sofoertiger Verlust der Banklizenz (siehe § 35 Kreditwesengesetz) und der Einzug des Insolvenzverwalters, der dann das alleinige und absolute Sagen hat, nicht Steinbrück, Bfin, Soffin, Flowers oder sonstwer.

Mangels Banklizenz kann der InsoVerwalter auch nur noch abwickeln, das heißt insbesondere erstmal zweierlei: Forderungen eintreiben, alles kündigen, was man dann nicht unbedingt braucht (Räume, Personal usw.) und danach gucken, ob noch was zu verteilen ist.

Ziemlich sicher wird Steinbrück dann erstmal aufgefordert, 80 Mrd. C a s h zu zeigen (aus den Bürgschaften etc.). Dass der Pfandbriefmarkt und ein paar andere Gläubiger “systembedingt” auch gleich platt sind – geschenkt. Vulgo aber: Steinbrück muss im Falle des Inso zuegig 80 Mrd zeigen, die er wahrscheinlich nicht hat und auch nicht so locker beschaffen kann (bisher waren es ja nur Bürgschaften) – Staatsbankrott ante portas!

Nun zu Flowers: Für den sind noch maximal 0,1 Mrd im Feuer, 0,9 Mrd hat er schon verzockt (grob); Vermutung: Er kann auch die restlichen 0,1 Mrd. noch verschmerzen. Also: Alles oder nix. Sagt der zu Steinbrück: Gibt mir wenigstens 0,5 Mrd und Du brauchst keine 80 Mrd zu zeigen – ist doch ein gutes Geschäft. Da Steinbrück die HSE nicht in den Inso schicken kann (s.o.) muss er zur Zeit also ständig nachschiessen – oder Flowers auszahlen. Erst wenn er alle Anteile hat, koennte er geordnet abwickeln, wie er das immer schon vorgehabt hat. Darum der neue Rettungsanker Enteignung, da allein damit die staendigen Nachschuesse beendet werden koennten, ohne eine Insolvenz zu riskieren. Wette aber, wenn Steinbrück tatsächlich enteignet, ist einen Tag später die Einstweilige Verfügung beim Landgericht München auf dem Tisch; der Schriftsatz liegt schon in der Schublade = time out. Flowers versucht einfach Steinbrueck weich zu kochen. Chapeau, grandioser Zock coram publicum, kriegt man nicht haeufig zu sehen !! Sozusagen Finale des Kapitalismus.

Tipp: Das selbe kann man bei der Deuba versuchen. Die kann angesichts von 200 Mrd Kundeneinlagen auch nicht in Inso gehen, denn fuer die Einlagen haben Steinbrueck und Merkel ja garantiert (der Einlagensicherungsfonds konnte schon bei Lehman die 6 Mrd. nur mit Staatshaftung auszahlen). Fuer die Deuba braucht Steinbrueck noch nicht mal wie bei der HRE vorab in Haftung zu gehen, um an der Angel zu zappeln. Da baut sich auch Erpresserpotential auf. BTW: Einen aehnlichen move haben ein paar Jungs mal vor ein paar Jahren bei der einer deutschen Versicherung durchgezogen (mit drei Aktien HV blockiert usw.). Die Versicherung hat denen dann Unsummen fuer die paar Aktien bezahlt (ich glaube 100.000 DM pro Aktie bei Boersenwert von 100 DM). Die Jungs sind danach allerdings brav in den Knast eingefahren und die Versicherung hat sich das Geld zurueckgeholt.

Also good luck

42 Unwissender Februar 19, 2009 um 23:32

http://www.weissgarnix.de/?p=532

@weissgarnix

Da kommt wirklich noch sehr viel mehr! :-(

http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Hypo-Real-Estate-erschreckt-Berlin-Eine-Billion-verliehen

Was ist eigentlich mit den Conduits der HRE.

Na ja, Steinbrück ist bestimmt privat krankenversichert und erhält somit die besten Medikamente! :-)

43 Pascha Februar 20, 2009 um 08:23
44 SUCRAM Februar 20, 2009 um 09:28

@Jörg #26 und andere

Wenn Sie sich schon ihren intellektuellen Höhen herablassen und sich dem PCM Kommentar widmen, dann hätte ich mir aber auch mehr Sachverstand als Ihr gut getrimmtes, aber voller polemischer Leere steckendes Geschwätz gewünscht. Dieser Mann hat seine absolut plausible und bisher nicht anderweitig widerlegte Sicht auf die Wirtschaft dargestellt, einschliesslich der derzeitigen Situation. Vielleicht hält er sich dabei nicht an einer allzu schmuckreichen Wortwahl auf, aber das sei ihm verziehen. Es soll Menschen geben, die auch kritisch lesen können und es verstehen, aus fremden Gedanken den Kern herauszuschälen. Man mag ihn und seine Art nicht mögen, auch nicht, wie er es sagt, das tut aber dem Gehalt keinen Abruch. Ich will PCM als Person nicht verteidigen, da er das selbst machen kann. Aber eines lohnt sich: Ihm zuzuhören. Daraufhin kann sich dann jeder, soweit er dazu IQ mässig in der Lage ist, seinen Reim drauf bilden.

Sind Sie dazu, ohne überheblich zu werden, in der Lage?
Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen mit einem drastischen und radikalem Bruch ihres bisher Gedachten und Gelernten nicht zurecht kommen. Sie negieren es schlicht und weigern sich, auch nur einen Moment einer Wahrheit, die ohne Zweifel die bitterere ist, ins Auge zu blicken. Ist Überheblichkeit ein Schutzmechanismus?

P.S. Das “Gelbe” möchte ich nicht verteidigen, da es drastisch sein ehemals ausserordentliche Qualitäten eingebüsst hat. Schade. Das kommt aber davon, wenn man jeden Depp zu jedem und allem einen Kommentar abgeben lässt. Es ist halt modern, auch etwas zur Kriese zu sagen. Und eigentlich sollten sich die dort noch verbliebenen, guten Kommentatoren schleunigst verabschieden. Auch wenn die Idee, der Forumsguru zu sein, sehr reizvoll sein mag.

Gruss

45 f.luebberding Februar 20, 2009 um 10:11

Unwissender

Das habe ich gerade im Radio gehört. Was will uns die HAZ damit sagen? Wenn ich etwa CDS abschließe, also Kredite versichere, komme ich ruckzug auf gigantische Summen. Wenn man also hier von irgendwelchen Derivaten redet, ist diese Aussage fast völlig wertlos. Es ist auch eigentlich völlig undenkbar, dass die HRE irgendwelche außerbilanzielle Zweckgesellschaften unterhalten haben soll, die erst jetzt entdeckt werden. Ich habe versucht in den vergangenen Tagen etwas zum Osteuropaengagement der HRE herauszufinden. Besonders auffällig schien mir das nicht zu sein.

Aber wenn jetzt der CDU Politiker Fromme erklärt, dass die HRE über diese außerbilanziellen Gesellschaften, die bis heute angeblich nicht entdeckt worden sind, für 600 Mrd. Euro Immobilien finanziert haben will, ist das völlig absurd. Sie kann höchstens solche Kredite für Immobilien- und Infrastrukturprojekte über CDS versichert haben – und die werden natürlich fällig, wenn jetzt etwa alle Osteuropäer umfallen sollten. Dann wäre die HRE eine Art AIG – die ist deswegen bankrott gegangen. Nur habe ich bis heute von diesen Geschäften der HRE nichts gehört. Ansonsten kann ich mir aber nicht vorstellen wie die HRE statt einer Bilanzsumme von 400 Mrd. Euro auf einmal eine von 1 Billion Euro haben soll. Es müssen also solche Derivatepositionen gewesen sein.

Das die HRE für 600 Mrd. Euro Immobilien direkt finanziert haben soll, ist ausgeschlossen. Dann gibt es aber noch die These, dass einen große deutsche Bank ihren Kreditmüll in die HRE verschieben soll. Das ist aber nur eine Vermutung und kann kaum unbemerkt ablaufen.

Wie gesagt: Diese 1 Billlion sind zu absurd … .

46 weissgarnix Februar 20, 2009 um 10:58

Herrschaften, hier bitte kein böses Wort über den lieben und geschätzten dottore. Man kann ihm vorhalten, was man will, aber sein seit 20 Jahren vorhergesagtes Szenario läuft derzeit ab wie im Bilderbuch. Ich habe mich im Gelben wahrlich intensiv und oft genug mit ihm über die Details gestritten, aber das muß man ihm einfach zugestehen.

Das ganze mischt sich allerdings nicht nur mit der üblichen libertären Litanei à la Hayek, Mises und Co., sondern mit einem regelrechten Staatshass. Allerdings muß man auch hierzu einwenden, dass sich PCM kaum einer mit dem Wesen des Staates beschäftigt hat, bis zurück in seine frühesten Anfänge, inklusive archäologisch-anthropologischer Aufarbeitung und allem drum und dran. Wer weiss, was ihm dabei offenbar wurde (vgl seine “Machttheorie”), das ihn in seiner negativen Ansicht bestärkt.

Andererseits: philosophisch-psychologisch betrachtet , würde man PCM wohl als einen derjenigen einschätzen, die ein gewisses General-Unbehagen in Sachen Postmoderne verspüren. Von denen gibt es ja einige, in ganz unterschiedlichen Lagern, Wilhelm Hankel wäre für mich zB ein weiterer Vertreter.

Jedenfalls: dottore und das DGF sind mittlerweile Lichtjahre auseinander, was das intellektuelle Niveau betrifft. Zwar gibt’s noch immer ein paar die, jeder auf seine Art, recht beeindruckende Sachen posten, aber in der Mehrzahl der Fälle kann man wohl wirklich nur diagnostizieren, dass sie das EU-weite Glühbirnen-Verbot für ihr Oberstübchen bereits antizipiert haben …

47 SUCRAM Februar 20, 2009 um 12:09

@weissgarnix #47

Danke. Man kann es nicht treffender sagen (auch wenn ich in Sachen Staat eher zu seiner Auffassung tendiere) und hoffe, dass damit ein für alle mal die “dottore” Polemik hier begraben.

Mein Rat: Hört ihm zu, lest diesen Blog und vielleicht noch das ein oder andere Buch, haltet die Augen offen, denkt ein wenig nach und man ihr seid für die derzeitigen und kommenden Herausforderungen gut gerüstet und behaltet vor allen Dingen den Durchblick.

Gruss

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