Peter Sloterdijks “Weltinnenraum des Kapitals”

von weissgarnix am 15. Februar 2009

Ich bin heute endlich mal dazugekommen, die schon lange angekündigte Rezension von Peter Sloterdijks „Weltinnenraum des Kapitals” zu schreiben. Sie ist lang geworden, vermutlich zu lang, daher erspare ich mir die übliche Vorrede und gehe unmittelbar in medias res: Worum es Peter Sloterdijk bei diesem Werk geht, stellt er gleich zu Beginn klar: „Indem er die Geschichte der terrestrischen Globalisierung rekapituliert, nimmt er sich vor, mit den Mitteln einer philosophisch inspirierten großen Erzählung Umrisse einer Theorie der Gegenwart zu liefern.” Dieses Leitmotiv sollte man als Leser beherzigen, die vollen 415 Seiten lang, dann kann, egal welche persönlichen Schlussfolgerungen man am Ende aus dem Werk auch ziehen mag, zumindest eines nicht passieren, dass man sich nämlich nicht gut unterhalten fühlt.

Der Weltinnenraum startet zunächst einmal als Abenteuerroman: die Kosmologen der Antike treten in einer Art Prolog kurz auf und rationalisieren die Welt in ihrer Vorstellung als Kugel, die dem Leben in der Realität wie in den Gedanken als Träger dient. Viel mehr als eine Vorstellung ist für die Antike aber auch nicht drinnen, denn alle auch noch so verwegenen Expansionsabenteuer bleiben im Grunde in der erweiterten Peripherie stecken, und sind daher im sloterdijkschen Sinne nicht wirklich als „global” zu betrachten.

Das ändert sich schlagartig mit den Seefahrern des 15. und 16. Jahrhunderts, die es keineswegs bei der bloßen Vorstellung belassen, sondern knallhart zur Tat schreiten. Damit schreiben die Jungs nicht nur Geschichte, nein, sie schreiben vielmehr die Geschichte, die der „Weltwerdung” nämlich, in deren erstem Kapitel sie sogar die Hauptrolle übernehmen dürfen. Und mit Seefahrern als Protagonisten der Ouverture versteht es sich ja wohl von selbst, dass sich die Story über die nächsten 200 Seiten hauptsächlich auf dem Wasser abspielen wird. „Terra”, was für ein schräger Name angesichts der glasklaren Dominanz der Ozeane, aber Sloterdijk führt mit derlei Gedanken seine Leser nur kurz an der Nase herum, und verklickert ihnen alsbald, dass damit ja im Grunde nicht die Weltgesamtheit gemeint war, von deren konkreter Oberflächenbeschaffenheit unsere Vorfahren bis zu diesem Zeitpunkt ohnehin noch keine Ahnung haben konnten, sondern vielmehr eine Referenz an die „Heimat”, in der man dann doch lieber festen, trockenen Boden unter den Füßen hat.

Kolumbus und Co. fangen also an, das ganz große Rad zu drehen, als sie ihre Roadshows bei ausgesuchten europäischen Herrscherhäusern veranstalten, denen was von „unermesslichen Reichtümern” erzählen, die auf dem „Neuen Markt” der fernen Länder hinter dem Horizont für sie bereit lägen, und sodann ihren „Business Plan” vor den leuchtenden Augen der Anleger, namentlich der spanischen Monarchen, ausrollen. “Go West!” lautet fortan die Devise, und da bei „Gold” bekanntlich alle hellhörig werden, und schwer verschuldete europäische Königshäuser sowieso, kommt es alsbald zum faustischen Pakt, der für den gesellschaftlichen Reproduktionszusammenhang der folgenden 500 Jahre stilgebend sein sollte: Finanzier stellt Kredit, Unternehmer investiert, erwirtschaftet Rendite, bedient daraus seine Schulden. Mit dem Auftreten dieser kreditfinanzierten Unternehmer erlebt der moderne Kapitalismus seine eigentliche Geburtsstunde, und aus einem ehedem moralischen Makel wird plötzlich ein ökonomisch sinnvolles Anreizverhältnis. Die Epoche der „Bourgeoisie” beginnt, das Geld tritt seine Reise um die Welt an, und dass sich die Erde jetzt neuerdings um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, wollen wir unter der Rubrik „ach, und dann war da noch …” ebenfalls nicht unerwähnt lassen.

Mit jeder gelungenen Ausfahrt, notabene: als „tour-retour” verstanden, weil ansonsten völlig witzlos, verwandelt sich die „Alte Welt” in ein immer größer und dichter werdendes Aggregat von bloßen “Standorten“. „Heimat” klingt zwar nach wie vor schön, aber selbige weiterhin trotzig als „Nabel der Welt” anzusehen, wäre dann angesichts der zwischenzeitlich eingetretenen Faktenlage doch etwas over the top. Stattdessen mussten sich die Einheimischen eigentlich als „von außen Erfasste” begreifen, ob ihnen das nun passte oder nicht, als Bewohner von nichts weiter als Koordinatenpunkten auf einem immer dichter werdenden Netz aus Längen- und Breitengraden. Dass dem nicht so war, und die „Globalisierungsdebatte” erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wieder einsetzte, mit großem medialem Trara und weitverbreiterter Skepsis, führt Sloterdijk auf eine ziemlich erfolgreiche Verdrängung dieses Bewusstseins zurück. Das ist insofern kurios, als diese Debatte jetzt nur noch post factum geführt werden kann, denn mit Ende des 2. Weltkriegs (optional dem von Bretton Woods) ist die Sache gelaufen, die Geschichte der „Weltwerdung” zu Ende. In der nunmehr eingeläuteten Neuzeit, dem „global age”, lebt die Gesellschaft des industriellen Westens in der flauschig-warmen Treibhausatmosphäre des „Kristallpalasts”, eine Metapher, die sich Sloterdijk von Dostojewskij borgt, der damit seine Eindrücke des Westens, wie sie sich ihm anlässlich eines Besuchs des Londoner Weltausstellungspalasts in South-Kensington anno 1862 darboten, auf den Punkt brachte, nachdem er wieder ins frostige Russland zurückgekehrt war.

Nietzsches Übermensch begegnet uns in diesem Kristallpalast, diesmal in der Gestalt des heiteren, wenn auch gelangweilten, kosmopolitischen Konsumenten, der seine Zeit in gediegener Atmosphäre am Rand des Pools verbringt, in der rechten Hand das Whisky-Glas und die linke am Po der aktuellen Lebensabschnittsgefährtin, wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, einem modernen Baalkult zu frönen, den wirklich nur böse und neiderfüllte Menschen mit dem Etikett „Konsumismus” versehen können. Nicht alle Bewohner des Kristallpalasts genießen gleiche Komfortniveaus, das muss ich ja wohl nicht extra betonen, sondern bewegen sich in dieser Hinsicht auf 5 verschiedenen Etagen. Je höher das Stockwerk, um so mehr verwandelt sich der materielle Komfort zu einer Form des „psychodelic delight”, und auf der Penthouse-Etage stellt überhaupt nur noch eine ganz und gar medial durchkonstruierte, große Öffentlichkeit den prinzipiellen Verwöhnungswert dar, quasi den Jackpot einer egozentrischen Wohlfühl-Postmoderne. Die Protagonisten, die sich auf dieser Etage tummeln, sind reine Produkte des ubiquitären Medienzirkus, eine neue Art von Prominenten, von denen man nicht mehr weiß, warum sie eigentlich berühmt sind. Der Showmaster ist die Attraktion und löst als solches die eigentlichen Leistungsträger aus den unterschiedlichsten Disziplinen ab, die sich zum abendlichen Stell-dich-ein auf seiner Couch treffen.

Die allgemeine Devise im Kristallpalast lautet „Kaufen, Verkaufen, Mieten, Vermieten, Kredit nehmen und verleihen”. Das sind die Operationen, die alle Lebensbereiche berühren und damit zwangsläufig ein „Weltgefühl” unter den Kristallpalastbewohnern erzeugen, das mit der universellen Erreichbarkeit der Dinge durch Geld korrespondiert. Das formale, titulierte Eigentum bildet den Dreh- und Angelpunkt, im sloterdijkschen Gelduniversum mutiert es zu universellen Zugangscodes und -schlüsseln: wir reisen an Orte mittels Kauf von Transporttiteln, wir haben Zugang zu materiellen Gütern über Geldtitel, wir erreichen Personen überwiegend, weil wir uns den Eintritt zu den Schauplätzen möglicher Begegnungen mit ihnen leisten können. Keineswegs trivial, meint Sloterdijk, und erinnert den Leser an dieser Stelle an den modus operandi in vor-monetären Zeiten, der vor allem auf „Zugehörigkeit” zu Familien, Clans oder sonstigen Gruppen setzte, und ein freihändiges „Sich-Einkaufen” nur in den allerseltensten Fällen ermöglichte.

Die im Kristallpalast zusammengerückte Welt unterliegt einer deutlich höheren Dichte, was die Gefahr gelegentlicher Kollisionen leider erhöht. Smarte Akteure setzen daher auf Kooperation statt Unilateralismus, Spielregeln treten in den Vordergrund, von denen man immer hofft, dass sie dem anderen genau so einleuchten mögen, wie einem selbst. Die „Tätergeneration” der Globalisierungsgeschichte wird samt und sonders arbeitslos, das Establishment weist sich gegenseitig in die Schranken. Einerseits natürlich eine große zivilisatorische Leistung, meint Sloterdijk, andererseits aber auch ein Nachteil, nämlich dort, wo die positiven Aspekte der Eigeninitiative dabei gleich mitausgeschaltet werden.

Ein paar Verwegene wollen von „Hemmungen” und „Schranken” hingegen partout nichts wissen, organisierte Kriminelle zum Beispiel, global operierende Terroristen, neoliberale Marktradikale und – wie könnte es anders sein – die Vereinigten Staaten von Amerika. Ihnen allen hängt Sloterdijk die Medaille „Held der Handlungsfreiheit” um den Hals, hält eine kurze Festrede in der er sie zu „Märtyrern der Nachgeschichte” erklärt, gibt ihnen aber dann zum Abschied doch die unbarmherzige Botschaft mit auf den Weg, dass sie bei allen Wonnen des aktiv-asymmetrischen Lebens bitte einsehen mögen, dass sie eigentlich zum ancien regime gehören, und in der Beschaulichkeit der gegenwärtigen Gesamtsituation damit nur unnötig nerven. „Time’s up, guys!”, Zeit, den Revolvergurt abzulegen und ein klein wenig auf „konformistisch” zu machen, meint Sloterdijk, fraglich allerdings nur, wie schnell und bereitwillig die so Angesprochenen der Aufforderung Folge leisten wollen.

Joggt man so ein wenig durch den Kristallpalast und kommt an dessen Außenwände, so stellt man fest, dass diese aus reinster „Kaufkraftverfügbarkeit” bestehen, und damit den Innenraum hermetisch abzuschotten mindestens genausogut im Stande sind, wie 2m dicker Stahlbeton. „Wir müssen leider draußen bleiben”, bedeutet das Schild an der Außenseite allen Nichtkaufkraftbesitzern, und in seiner diskriminierenden Wirkung entfaltet das Arrangement eine Effizienz, bei der das südafrikanische Apartheid-Regime vor Neid glatt erblasst wäre. Der Traum vom ständig steigenden Komfort bei gleichzeitig umfassender Immunität bleibt somit für die Bewohner des Kristallpalasts intakt, und auch das Gewissen der unbeschwert Verwöhnten nimmt trotz des Umstandes, dass bestenfalls ein Drittel der aktuellen Weltbevölkerung ihren Traum träumen darf, keinen größeren Schaden. Dafür ist die klar rassistische Ausprägung des Johannesburger Originals einer schwer fassbaren, ökonomischen Variante gewichen, mit deren Komplexität sich zu beschäftigen der Masse der Kristallpalastbewohner nicht gerade im Blut liegt, weshalb sie es unter der Rubrik „ignorance is bliss” abheftet, und sich weiterhin dem dolce far niente hingibt.

Innenseitig begrenzt den Pfad, der an die Wände des Kristallpalasts heranführt, ebenfalls ein Warnschild, diesmal an die eigenen Bewohner gerichtet, auf dem steht: „Be careful what you wish for!”. Dieses Schild ermahnt nämlich all diejenigen, die das offenkundige Missverhältnis in Sachen Komfort zwischen Innen- und Außenwelt durchschaut haben, zur Einsicht: „Eure semantische Konstruktion der Menschheit als Kollektiv von Trägern gleicher Wohlstandsrechte war kostenlos, die Realität ist es aber nicht!” Die globalisierten Kritik, so Sloterdijk, exportiert zwar die Maßstäbe zur Beurteilung des Elends der Welt, nicht aber die Mittel zu seiner Überwindung. Dem Internet kommt dabei die tragische Rolle zu, illusionäre Forderungen zu transportieren.

Ähnlich kommentiert er auch die diversen Missstände im Inneren der großen Wohlfühlinstallation: nicht, dass nicht einiges im Argen läge, worauf die traditionell gesellschaftskritischen Milieus und ihre wortgewaltigen Repräsentanten auch immer wieder vehement hinweisen. Gleichwohl könne aber doch kein Zweifel daran bestehen, dass im Rennen zwischen dem stetigen Komfortzuwachs und der inkrementellen Neubelastung ersterer eindeutig die Nase vorn hat.

Allerdings, so Sloterdijk, birgt das steigende Wohlstandsniveau, dessen Vorzüge sich für das Gros seiner Bewohner zunehmend „leistungslos” einstellen, aber auch eine Gefahr: Der periodisch wiederkehrende „Imperativ der Wiederbelastung” könnte nämlich wieder einmal vorbeischauen, wie er es im vorigen Jahrhundert schon mal gemacht hat, als er sich im Faschismus à la Mussolini manifestierte. „Der Faschismus ist der Horror vor dem bequemen Leben”, doziert der Duce, und schon ist es mit der allgemeinen Beschaulichkeit vorbei. Das 20. Jahrhundert hätte zu Genüge gezeigt, zu welchen Barbareien der Geist der harten Tatsachen fähig ist, das müssten wir ja nun wirklich nicht noch mal durchmachen, die Regierenden mögen daher beizeiten über „demokratiekompatible Belastungskonzepte” nachdenken.

Während sich die Welt gobal verdichtet, bewahrt sich das „Lokale” gleichwohl seine Existenzberechtigung. Es beinhaltet alles „Unkomprimierbare”, das sich aus dem „Einwohnen” in ein konkretes sozio-kulturelles Umfeld speist, und das insofern eine wichtige Asymmetrie zwischen globaler Reichweite auf der einen und ortsgebundenem Dasein auf der anderen Seite begründet. Fortpflanzung und Aufzucht der Kinder seien exemplarisch genannt, die Weitergabe von Traditionen und kulturellen Werten, und alles andere, was mit dem „Leben an sich” so verbunden ist. „Leben lernen heißt an Orten sein lernen”, schreibt Sloterdijk, und selbst dort, wo das nicht geht, nimmt man die vertraute Örtlichkeit, in einen kuscheligen „Cocoon” verpackt, gerne schon mal mit auf Reisen. Der „Bürger” ist der Träger der politischen Dimension des Örtlichen, er verfolgt die lokalen Gemeininteressen, und bleibt als solcher maître des jeux, solange der Ort in der Lage ist, sich gleichermaßen lokalegoistisch wie -enthusiastisch auch als Zukunftsprojektion noch attraktiv zu zeigen, und politische Ideologien wie multinationale Sekten, die ihm die politische Macht entreißen wollen, in ihre Schranken weist. “Res publica funktioniert nur als Parlament der „Ortsgeister”, so Sloterdijk, und warnt das Wahlvolk vor durchreisenden Sektenführern und Ideologen, als deren exemplarischer Prototyp natürlich nur Adolf Hitler in Frage kommen kann. In dieser Diskussion der Asymmetrie erzeugt Sloterdijk ein weiteres Mal eine durchaus extravagante, und meines Erachtens wenig mainstream-taugliche Symmetrie, indem er erneut den Kapitalismus neoliberaler Bauart in einem semantischen Atemzug mit einem der größten Unholde der Weltgeschichte nennt, wie er das einige Kapitel früher schon mal machte, als er Neoliberalismus und El Kaida als „recto und verso ein- und derselben Medaille” bezeichnete. Die Exegeten des „spekulativen Kapitalismus als invasives Erfolgsprogramm” fordert er nämlich uno actu mit dem Rundumschlag gegen die „totalitären Konzeptpolitiker des 20. Jahrhunderts” auf, den Verdacht zu entkräften, dass es sich bei ihnen ebenfalls um die Anhänger einer global operierenden Sekte handeln könnte, die uns den Kapitalismus als Religion andrehen wolle.

Das solcherart nicht nur beschriebene sondern gleichsam auch beschworene „Lokale” weist mithin eine Reihe von Merkmalen auf, an denen Sloterdijk auch die Linke nicht vorbeikommen sieht: immun, selbstpräferentiell, exklusiv, selektiv, asymmetrisch, protektionistisch, unkomprimierbar und irreversibel sei es demnach. Was klingt, wie eine Schlagwortsammlung zu einem rechtsradikalen Parteiprogramm, wäre in Wahrheit bestimmend für das endliche, doch überlieferungsfähige Dasein. Aus der alternativen Liste des linken Wertekanons, der von „fremdpräferentiell” über „unselektiv” bis hin zu „beliebig kompressibel” reicht, ließen sich deshalb nur solche Teilaspekte verwirklichen, die mit den zuvor genannten Bestimmungen kompatibel sind. Gleichwohl wäre die Existenz dieser alternativen Liste aber wichtig, gibt sich Sloterdijk versöhnlich, sie würde es den Kulturträgern des Westens ermöglichen, jene „Luft vom anderen Planeten” zu atmen, ohne die ihr Dasein als andauerndes Ersticken erschiene. Die forcierte Einpflanzung des Unmöglichen ins Reale müsse deshalb vielleicht sogar als Merkmal der Hochkultur angesehen werden. Eine Hochkultur, in deren „Kreativen” Sloterdijk die neuzeitlichen Träger der aristotelesschen megalopsychia, des „großseelischen Empfindens” der antiken Polis-Bürger, wiedererkennt. An sie richtet er am Schluss seines Oeuvres die Aufforderung, die Phrase beim Wort zu nehmen, wonach sie es wären, die das Ganze immer wieder vor dem Versinken in schädliche Routinen bewahren würden.

Soweit zum Werk. Ich schrieb früher schon mal, dass ich es für sehr gelungen halte, und ich muß zugeben, daß ich mich während der Lektüre so gut unterhalten habe, wie schon seit langem nicht mehr bei einem Vertreter dieses Genres. Sloterdijks Begriffswelt und die Art, wie er mit Sprache umgeht, sind zweifellos ein Abenteuer für sich, aber OK, diese Auffassung muß man nicht teilen. Metaphern, Arabesken, Allegorien und diverse sonstige sprachliche Ornamente, Sloterdijk verwendet sie in schlafwandlerischer Sicherheit und besticht dabei gleichzeitig durch Präzision, gleichwohl gönnt er sich ab und an womöglich des Guten ein wenig zuviel, und riskiert damit, den Leser zu ermüden, wenn nicht gar zu nerven.

Ich hatte einige recht kritische Rezensionen gelesen, bevor ich mir das Buch kaufte, von den Literaturprofis des großen Feuilletons, und ich muss sagen, ich teile das Gros der negativen Kritik nicht mal ansatzweise. Ich las das Werk aber vermutlich auch mit anderen Augen als sie, nämlich als der nach wie vor Suchende in Sachen Kapitalismus, der glaubt, dessen Mechanik prinzipiell verstanden zu haben, der sich durch die großen Schulen der Ökonomie durchgekämpft hat und meint, den anthropologischen, soziologischen und geschichtswissenschaftlichen Hintergrund grosso modo zu begreifen, und der nun, solcherart ausgestattet, vor den Philosophen tritt, um dessen übergeordnete Sicht der Dinge zu hören. Geht man dergestalt an das Werk heran, kann man es einfach nur gut finden, glaube ich. Sloterdijk erzählt keinen Müll, die Story ist stimmig, auch wenn sie an einigen Stellen breite Interpretationsspielräume eröffnet, denen die unterschiedlichsten Leser die unterschiedlichsten Dinge entnehmen werden, und einige werden sich darin vermutlich samt und sonders verlieren.

Dass ich Heinsohn/Steiger und ihre „Eigentumsökonomik” an vielen Stellen wiedergefunden habe, hatte ich schon in früheren Beiträgen geschrieben. Dass ich einen Karl Polanyi zumindest gelegentlich aus dem Off zu hören glaube, ist ein verfestigter Eindruck, womöglich aber auch nur eine Einbildung. Sloterdijk macht sich jedenfalls in seinem Werk mitnichten zum Apologeten eines „ungehemmten” Kapitalismus, wie das einige marxistisch inspirierte Kritiken in den Tiefen des www behaupten, und er sieht in der Ferne durchaus Probleme auf unsere Wohlstandsinstallation zukommen. Nur sagt er halt auch, und darin gebe ich ihm recht, dass das Erreichte viel zu viele Vorzüge hat, als dass man es für irgendwelche Utopien aufgeben sollte. Im Grunde genommen liegt Sloterdijk damit auf einer Wellenlänge mit Keynes, ohne es vielleicht beabsichtigt zu haben. Jedenfalls, wie auch immer wir das Mobiliar des Kristallpalasts umordnen, die Zugangsberechtigungen zu den einzelnen Stockwerken neu und vielleicht gerechter verteilen, es erscheint deutlich erstrebenswerter, als den kollektiven Exodus in eine Utopie zu wagen.

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1 mylli Februar 15, 2009 um 22:56

nämlich als der nach wie vor Suchende in Sachen Kapitalismus, der glaubt, seine prinzipielle Mechanik verstanden zu haben, der sich durch die großen Schulen der Ökonomie durchgekämpft hat und meint, den anthropologischen, soziologischen und geschichtswissenschaftlichen Hintergrund grosso modo zu verstehen,

Wo sind denn die Beiträge zu Grundeinkommen, Austrostaatskapitalismus, Pensionsfondshaircut etc.? Stattdessen immer wieder die Sollen die ungebildeten Trottel halt staatlich bezuschusste Dienstmädchen und Stiefelknechte Beiträge.

Halbgott fehlt…..

2 edicius Februar 15, 2009 um 23:22

Sehr schön! Die Lektüre deiner Rezension war zwar nicht ohne Mühe, aber immerhin erspart sie mir 415 Seiten PS Vokabularakrobatik. Am Ende kommst du auf den Punkt, den wichtigsten, dass PS hier mal wieder ein kulturphilosophisches Pan-Optikum aufgestellt hat, in dem jeder sehen kann, was er sehen will. Das ist die aktuelle Form global kompatiblen Denkens, weil in allen Separées des Kristallpalastes gut konsumierbar, könnte ich lästerlich hier anmerken.
Das ist sein Erfolgsrezept seit der “Kritik der zynischen Vernunft”, wo er sein Kaleidoskop mittels der prickelnden Ambivalenz zwischen “zynisch” und “kynisch” an einem Haar aufspaltete.

Und weil ich ja auch noch einen Punkt machen will:
Nur sagt er halt auch, und darin gebe ich ihm recht, dass das Erreichte viel zu viele Vorzüge hat, als dass man es für irgendwelche Utopien aufgeben sollte. Im Grunde genommen liegt Sloterdijk damit auf einer Wellenlänge mit Keynes
Die Pointe heisst: das Erreichte IST eine Utopie, dieses ökonomische Nirvana hält keine 10jahre mehr! Das Funktionieren unseres posthistorischen Kapitalismus eine Fiktion, die nur solange funktioniert, wie die meisten an seine Mythen glauben.
Die Wellenlänge Keynes stimmt allerdings: seine GT atmet soviel Unglauben und verborgene Skepsis, man muss das mit Nietzsche-Augen lesen, um den geheimen Sinn zu erkennen, dass er selber gar nicht glauben kann, was er da schreibt. Manchmal wird sein (JMKs) Humor flagrant schwarz, etwa bei dem Vorschlag, Geld zu vergraben, dass man den doppelten Boden hier förmlich spüren MUSS.
Also: Dostojewski und Keynes haben auch was gemeinsam. PS ist hier Nachahmer, Nachatmer. Geborgter Glanz.

Zu der Geschichte mit den Meeren: Die ist noch viel interessanter, wenn man den Faktor Staat hier mit in den Blick nimmt. Zufällig habe ich gerade gestern mal wieder in “Staat, Großraum, Nomos” von Carl Schmitt geschmökert. Der hat zu dieser Phase und damit einem seiner Dauerthemen “Land und Meer” auch viel Interessantes zu sagen…

Gute Nacht & besten Dank!

3 Karl Februar 15, 2009 um 23:47

Sollen die ungebildeten Trottel halt staatlich bezuschusste Dienstmädchen und Stiefelknechte Beiträge.

Es ist eigentlich schade, das solche Vorschläge nur immer wieder auf Dienstmägde und Stiefelknechte runtergebrochen werden und man nicht über gesellschaftlich sinnvolle aber nicht marktgerechte Tätigkeiten redet. Wenn man mal genau hinsieht erkennt man nämlich ziemlich simpel, das das maximieren von Pflege und das maximieren von Gewinnen irgendwie im Wiederspruch zueinander stehen. Ausbildung und Kultur ebenso. Darüber wie man das gestalten könnte, da sollte man sich dran abarbeiten. Und im Zuge dessen kann man dann auch diskutieren, ob Kinderbetreuung jetzt via “privatem” Kindermädchen oder Kinderhort geschhen soll.

Aber die ganze Zeit über Dienstmägde und Stiefelknechte rumzuheulen bringt einen doch irgendwie nicht weiter. Und führt auch nur zu halbgöttlichen Arroganzbeschimpfungen…

4 edicius Februar 16, 2009 um 00:04

@mylli
Halbgott fehlt…..
Ja, er fehlt. Jedenfalls die Rolle von einem, der der manchmal auftretenden Abgehobenheit der Hausherren in die Parade fährt. Ich versuche hier, meinen Teil kompensierend beizutragen, aber nicht um des puren Stänkerns willen, eine Unsitte, die unseren Halbgott leider oft dazu verführte, immer dieselben Punkte nur mit variierten Invektiven garniert vorzutragen und auch Leute zu insultieren, die das nicht verdient hatten. (Mich hat er zunächst auch beschimpft, aber ich fühlte ich mich davon nicht persönlich angegriffen, was aber wohl eine Frage des Medienverständnisses ist.)
Er hat hier eine Methode der Propaganda (“man muss bis zum Erbrechen wiederholen, was man meint, damit es irgendwann irgendwo hängenbleibt”) angewandt, die sicher ihre Berechtigung hat, aber vielleicht nicht gerade hier.
Ich hätte trotzdem gern, dass man seine Exkommunikation wieder aufhöbe, aber ich kann die Maßnahme schon, wenn auch mit Bedauern, verstehen. Auch ohne ihn gehört dieser Blog für mich zu den ersten Adressen.

5 hyperinflation Februar 16, 2009 um 01:04

@#1

“Wo sind denn die Beiträge zu Grundeinkommen, …”

dazu bitte auch das hier gleich mit verhackstücken

http://www.iovialis.org/download/Dilthey-Modell.pdf

6 Alvar Hanso Februar 16, 2009 um 06:25

@Wgnx
Zunächst mal vielen Dank für die umfängliche Rezession.

“Nur sagt er halt auch, und darin gebe ich ihm recht, dass das Erreichte viel zu viele Vorzüge hat, als dass man es für irgendwelche Utopien aufgeben sollte.”

Ist nur fraglich inwieweit “wir” diese Vorzüge in der Zukunft noch haben werden.
Nimmt sich PS, was ja im Hinblick auf seine Aussage Sinn macht, auch der steigenden Produktivität und endlichkeit von billiger Energie an?

7 mylli Februar 16, 2009 um 06:48

@ Alvar

Für die Rezession sorgen auf Financial Engineering umgestiegene Naturwissenschaftler und DIs (eigentlich sind ja WIR? auf zukünftige Ansprüche nicht verzichtend Wollende Schuld). Jetzt kriegen wir spgar noch eine ausgewaschene Depression gratis dazu.

Die Gesamtenergie im Universum ist 0, so wie auch unser Nettogeldvermögen, wie die Debitisten zumindest behaupten.

8 Alvar Hanso Februar 16, 2009 um 07:28

Auf so Nebensächlichkeiten wie Konjunkturschwankungen und Systemabstürze war ich jetzt gar nicht aus.
Das kann man ja via Währungsreform mehr oder weniger kitten, ich war da eher beim ultimativen Kapitalismus-Endgegner…

9 mylli Februar 16, 2009 um 07:48

@ Alvar

Und warum bedankst du dich dann so höflich beim weissgarnix für die sexiest Rezession ever?

Er ist zwar nicht gerade unschuldig mit seinem ganzen angeblich ex ante nicht Ponz-mäßigem Privatpensionssystem ( Ich brauch bitte mehr Geld, weil ich heiß ja nicht Ponzi… ), aber Herr Grünspan ist ja schon längst als fieser Oberhäuptling (WIR? wolltens aber so, oder habens nicht verhindert, frag edicius nach der Alternative) identifiziert.

10 weissgarnix Februar 16, 2009 um 09:27

@mylli

Ich denke mal, der gute Alvar hat sich verschrieben und meinte “Rezension”, nicht Rezession. An letzter bin ich, zumindest in Sachen Konsumnachfrage, garantiert unschuldig. Dafür sorgen alleine schon meine Frau und meine Kinder …

11 Nanuk Februar 16, 2009 um 09:39

“Nur sagt er halt auch, und darin gebe ich ihm recht, dass das Erreichte viel zu viele Vorzüge hat, als dass man es für irgendwelche Utopien aufgeben sollte.”

Ja ja Wgnx ist ein Konservativer auch Sloterdijk ist einer da trefft ihr euch.Nur die Welt ist nicht zu bewahren der Mensch wandelt sich oder er wird gewandelt auch unsere Wohlstandsoase wird in der Wildniss versinken wie alle anderen auch.

Die vernichtung Homo sapiens die Selbstheilung des Planeten hat schon längst begonnen aber Kristalle verändern ja bekanntlich die visuelle Wahrnehmung…

http://tinyurl.com/bujouq

und was macht er der ach so aufgeklärte Übermensch er fällt auf die Knie und bettelt um regen…
Der Vorwurf Utopien zu verkaufen ist überflüssig es gibt keine die unser überleben in der heutigen Lebensweise sichern würde wir leben in utopischen Zeiten und diese werden noch in diesen Jahrzehnt enden.

12 mylli Februar 16, 2009 um 10:28

@ weissgarnix

Spielverderber

p.s.: Schuld sind WIR?, also auch DU!

13 Frage Februar 16, 2009 um 10:45

# hyperinflation

Ich finde es grossartig , dass ich 60 Stunden pro Woche arbeiten muss und das bis 67, um anderen ihr Grundeinkommen zu ermöglichen.
Einkommen sind die in einer Periode produzierten Güter und Dienstleistungen.
Lassen wir doch die nächste Periode einfach ausfallen.

14 zefix Februar 16, 2009 um 10:48

Die Kristallwände des Tempels dieser hier:

„Eure semantische Konstruktion der Menschheit als Kollektiv von Trägern gleicher Wohlstandsrechte war kostenlos, die Realität ist es aber nicht!”

Werden diese hier:

„Wir müssen leider draußen bleiben”

demnächst zum splittern bringen.

Da nützt auch Fortex nichts mehr.

„Bedingungsloses Einkommen“? Was für eine Wörtschöpfung des“ Kollektivs der Träger gleicher Wohlstandsrechte“

15 weissgarnix Februar 16, 2009 um 11:20

@mylli

>p.s.: Schuld sind WIR?, also auch DU!

Klingt für mich wie das Postulat einer “Gottesmörder”-Erbschuld aus dem Munde einer erzreaktionären Ökonomie-Pius-Bruderschaft.

16 mylli Februar 16, 2009 um 11:27

@ weissgarnix

Du hast immerhin den Halbgott am Gewissen.

Und von irgendeiner Urschuld aufs Eigentum hast glaub ich auch schon mal erzählt, ich bin aber leider noch nicht dazu gekommen, mich mit H/S zu beschäftigen.

17 keiner Februar 16, 2009 um 11:37

“Fortpflanzung und Aufzucht der Kinder seien exemplarisch genannt, die Weitergabe von Traditionen und kulturellen Werten, und alles andere, was mit dem „Leben an sich” so verbunden ist.”

Aha. Die Hauptsache wird zur Nebensache. Und ansonsten auch nur Phrasengedresche. Hohle Nummer das.

Alles Lokale ist “rechts”, alles “Linke” verleiht ässpriiie. Was für Erkenntnisse.

18 Nanuk Februar 16, 2009 um 11:41

Demut Wgnx Demut wir sind nicht die Herren dieser Welt wir sind ihre Knechte…

19 Jörg Februar 16, 2009 um 12:09

Der Weissgarnix-Rap-Remix von Sloterdijk gefällt mir. Allerdings ist edicius´Anmerkung unbedingt zuzustimmen:
“Die Pointe heisst: das Erreichte IST eine Utopie”. Keynes thematisiert dies, Sloterdijk schon weniger. (Unglücklicherweise kommt edicius uns dann mit Carl Schmitt, Nietzsche und schwarzem Humor. Da versucht er, mittels Spatzenweitwurfs die Reichweite der neben ihm abgefeuerten Kanone zu übertreffen.)

Ich würde die versammelte Mannschaft hier gern mal vom Endlichkeits-Tralala herunterholen. Dieser Planet hat noch eine Lebenserwartung von etlichen Millionen Jahren. Jüngste Forschungen zeigen, dass die genetische Evolution der Menschheit auch in den letzten 50 000 Jahren weitergelaufen ist bzw. sich möglicherweise beschleunigt hat. Die Bevölkerungen der Industriestaaten wollen sich schneller gesundschrumpfen als Heinsohn intellektuell ertragen kann und Otaku einzuräumen gewillt ist.

Dass die Ökonomen da nun womöglich gezwungen sein könnten, einige Zeit lang in Paradigmenbeerdigungsschwarz gekleidet die intellektuelle Silhouette der Epoche zu dekorieren, ist nur die Illustration einer alten Volksweisheit über den Einfluss zweier sprichwörtlich gewordener Tierarten auf den Weltenlauf.

20 hyperinflation Februar 16, 2009 um 12:14

@Frage #14

ich finde es großartig das 25 Seiten so schnell erfasst werden können. Respekt!

ich darf übrigens ohne Ablaufdatum bis zur Bahre mich um “Erwerbseinkommen” kümmern, Renten/ALV Ansprüche NULL
(60-80h Woche ist mir nicht unvertraut)

aber wer sich an solche Koryphäen wie die “Rände is sücha” hält, für den hält sich mein Bedauern in Grenzen.
Ganz im Gegenteil würde ich mir da wünschen Renten,Pensionen, HIV und Diäten fest an den Inflationsfaktor binden (dann natürlich an den echten da sich sonst nix wesentlich erhöht ) und das alle Arbeitssuchenden mal präventiv verbeamtet werden. Und für den Rest die 140h Woche und 110% Steuer aufs “netto” (kann dann gerne via Organspende geregelt werden)

und ganz sicher wird keiner mehr was tun denn ein existenzsicherndes Grundeinkommen ist ja quasi “gebratene Tauben in den Mund fliegen lassen + Puderzucker in den …”
keiner möchte mehr mehr haben, hat keine individuelle Vorstellungen und keinesfalls möchte sich jemand mehr selbst verwirklichen.
http://www.unternimm-die-zukunft.de/Ausgewaehlte_Texte/Die_radikalste_Form_des_Kapitalismus_und_Sozialismus.pdf

21 Nanuk Februar 16, 2009 um 12:21

“Ich würde die versammelte Mannschaft hier gern mal vom Endlichkeits-Tralala herunterholen. Dieser Planet hat noch eine Lebenserwartung von etlichen Millionen Jahren.”

Narzisstische Kränkungen können Homo sapiens schlecht ertragen nichts anderes ist es wenn man vor den Ruinen anderer Zivilisationen steht um anschliessend seine eigene mit Narzisstischem grössenwahn in den Farben des Ewigkeits Dogmas anzumalen.Planet ist nicht gleich Zivilisation.

Ich finde ein Ewigkeits-Tralala ist Empirisch wiederlegbarer…

22 otaku Februar 16, 2009 um 12:43

“Ich würde die versammelte Mannschaft hier gern mal vom Endlichkeits-Tralala herunterholen. Dieser Planet hat noch eine Lebenserwartung von etlichen Millionen Jahren.”

Schön das du gemerkt hast das dass was sich “zivilisierte” Menschheit nennt erst seit nen paar Sekunden existiert. Hat.
Nun muss in die Birne nur noch rein das wir dermaßen unbedeutend sind das es wirklich keine Sau interessiert, geschweige den das von uns irgendeine “Errungenschaft” zurückbleibt.

Was nun aber auch wieder nicht ungefährlich ist da damit mancher ja jede amoralische Volte rechtfertigt alla ” ich habe Frau und Kinder zu versorgen”.

Schuld eigene was kann der Planet für deine übersteigertes Ego das meint sich unbedingt fortpflanzen zu müssen obwohl es eh schon viel zu viele primitive Affennachkömmlinge gibt ?

Have fun
Otaku

23 Frage Februar 16, 2009 um 13:02

@21 Hyperinflation

Gilt dann für die , deren Arbeitsleistung muss ist, z.B. der Techniker der die Ampelanlage wartet, oder der Techniker , der das Flugzeug wartet, dem Strassenfeger, der Putzfrau, dem Anstreicher, der gerade ein wichtiges Brückenteil vor Korrision schützt, dem Krankenwagenfahrer, usw. mehere Millionen Menschen weiter ein Arbeitszwang?

Meinetwegen verlosen wir 1000 Stipendien jährlich an Unterschichtangehörige mit Universitätsabschluss, die dann zum Dank an die Gesellschaft ihre unverzichtbaren unsterblichen Werke hinterlassen.

Das Gerede über das Grundeinkommen hört sofort auf.

24 Karl Februar 16, 2009 um 13:13

Das Gerede über das Grundeinkommen hört sofort auf.

Wie lautet denn dein Vorschlag um mit der gesellschaftlichen Tatsache umzugehen, dass im Zuge von Produktivitätssteigerungen und gesättigter Märkte ein immer größerer Teil der Bevölkerung schlicht aus dem Erwerbsleben ausscheidet und zwar ohne Chance darauf wieder eeinzukommen? Vergasen? Umsiedeln? Zwangsarbeit in Fabriken?

25 hyperinflation Februar 16, 2009 um 13:36

@#24 Du hast es nicht gelesen! (Geschweige denn die weiterführenden links)

aber angenommen ein 100% Sehbeeinträchtigter nicht Hörgeschädigter, vernimmt akustisch das das Wort Bedingungslos …

daraus schließt er messerscharf ZWANG …

wobei in den pdf durchaus interessante Varianten zur Höhe, Gesamtmenge und deren Finanzierung aufgezeigt werden.

26 Frage Februar 16, 2009 um 13:51

@Karl

Ein praktisches Beispiel:
Schweißer ist ein gesundheitlich sehr beanspruchender Beruf. Wie wäre es die Gesellschaft finanziert für diejenigen, die diese Berufe ausüben, eine Arbeitszeitverkürzung auf 25 Stunden.
Ist dir einmal bewusst geworden, dass die Berufe mit der geringsten körperlichen Belastung am höchsten Entgolten werden.
Meinetwegen soll der Staat ein Gesetz erlassen, dass die wöchentliche Arbeitszeit auf 32 Stunden festsetzt.
Dann schaun wir mal.

27 Maria Bitterlich Februar 16, 2009 um 14:01

Danke für diese Besprechung, die diesem Buch hoffentlich neue Leser zuführen wird. Ein ebenso unterhaltendes wie visionäres Werk! Ich persönlich habe es in den letzten Monaten für mich wiederentdeckt und lese es durchaus gewinnbringend zum zweiten Mal.

28 Karl Februar 16, 2009 um 14:09

@ Frage

Ja, das klingt gut. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob die Sache mit den 25 Stunden klappt – ich bin mir auch beim Grundeinkommen nicht sicher – denn iurgendwie haben die Leute, die was können eben eher immer zuviel zu tun.

Die Sache mit dem Gehalt das reziprok zur körperlichen Belasung läuft: Intuitiv bin ich geneigt dir zuzustimmen, nur hat ja in Deutschland auch mal ein Facharbeiter in der Fabrik gut verdient.

Die 32 Stunden Woche, bzw. eine generelle Arbeitszeitbeschränkung führt allerdings auch zu dem Problem, das doch wohl anteilig die Löhne sinken müssten oder das eben die Wertschöpfung desjenigen nicht ausreicht um sein Gehalt zu rechtfertigen. Womit wir wieder bei Zuschüssen wären. Und die Gruneinkommensleute sind eben der Meinung, das man ein Grundeinkommen erhält und den zusätzlich dafür halt noch 16h/Woche arbeitet um ein in der Summe ausreichendes Gehalt zu bekommen (ich bin ehrlich gesagt unentschlossen, ob das jetzt dazu führt, das viele einfach nicht mehr arbeiten, ob die Inflation einfach steigt oder ob es zum “Goldenen Zeitalter” führt). So gesehen läuft es auf Zwang vs. Freiwillig raus.

29 froZ Februar 16, 2009 um 14:43

Sehr schöne Rezension, allerdings glaubt man das Buch nun schon so gut zu kennen, daß man es sich nochmal überlegt die über 400 Seiten auch zu lesen.

“Neoliberalismus und El Kaida als ‘retro und verso ein und derselben Medaille’” -

Ein Gedanke, den Benjamin Barber sinngemäß schon vor über 10 Jahren in seinem Essay “McWorld und Djihad” ausgedrückt hat, wobei Barbers Formulierung wohl die treffendere ist.

“Das Erreichte IST die Utopie.” -

Haha, das ist so eine semantische Verirrung, die George Orwells Wahrheitsministerium aus “1984″ entsprungen sein könnte. Wahrscheinlich hängt dieser Spruch in den Fahrstühlen des Kristallpalastes aus, um das Publikum auf dem Weg vom 3. in den 4. Stock zu unterhalten – und auf dem Weg vom 2. Stock ins Erdgeschoß ruhigzustellen.

30 Jörg Februar 16, 2009 um 17:54

Mit der “erreichten” (und wieder zerfallenden) Utopie ist natürlich nicht die von Ernst Bloch gemeint, sondern die von Ludwig Erhard. Der hatte garantiert weder die Normvorstellung von der Zwei-Verdiener-Familie noch jene vom Einwanderungsland Deutschland drauf. Womit ich hier definitiv keine Position im Kulturkampf beziehen will, was aber wiederum genau eine der Schwierigkeiten in der ganzen ökonomischen Diskussion ist, weil nämlich implizit alle Aussagen einer ideologischen Vorselektion unterzogen werden, die man eigentlich vermeiden müsste, wenn man ein intellektuelles oder politisches Angebot machen will, in dem sich eine Mehrheit wiederfinden kann. Natürlich habe ich in diesen Fragen durchaus Präferenzen, aber sie als Diskussionsprämisse einzuführen ist ja wohl wenig sinnvoll – wenn auch viele Kommentatoren hier das tun und dann halt feststellen müssen, dass es ebensoviele gibt, die gegenteiliger Ansicht sind.

@Nanuk:
“Planet ist nicht gleich Zivilisation.”
Und was habe ich geschrieben? (Und jetzt bedenke im nächsten Schritt den Unterschied zwischen “meiner” und “einer” Zivilisation. Woher willst Du wissen, welches Wort ich gewählt hätte, wenn ich geschrieben hätte, was ich nicht geschrieben habe?)

@Otaku:
Lass gut sein. Die Wirtschaftskrise korreliert in den USA mit einem anziehenden Kondomabsatz. Entgegen den gerade wieder von der Familienministerin verbreiteten Weisheiten hat die Familie in der Krise nicht Konjunktur. Der vorübergehend gestoppte Geburtenrückgang wird erneut einsetzen. Das muss doch in deinem Sinn sein. Von deinem Standpunkt aus betrachtet ist schliesslich jede Form ökonomischen Denkens von Übel. Für dich ist offenkundig jedes Mehr falsch, weil es ein eigentlich ein Weniger sein müsste, aber jedes Weniger ist auch falsch, weil an seine Stelle ein Noch-Viel-Weniger treten müsste.
Risikoabwägung kommt bei dir nicht vor, weil damit in die Prärogative des Schicksals eingegriffen würde. Dass unsere technische Zivilisation (nicht “meine”, nicht die “abendländische”, sondern die “globale” – s. obige Rezension) vielleicht auf dem Wege ist zu lernen, Überlebensgefährdungen von der Grössenordnung eines Asteroidencrashs abzuwehren zu lernen, denen das nischenspezifische ökologische Spezialwissen von Naturvölkern etc. eher indifferent gegenübersteht, müsstest du eigentlich als Gegenargument gelten lassen, aber da habe ich wenig Hoffnung. Vermutlich hast du Ulrich Horstmann im Marschgepäck. Ja, der kann schon famos schreiben, aber für das Problem der selbstreferentiellen Evolution bietet er als gedankliche Lösung einfach nur an, die extreme Gegenposition zu den transhumanistischen Unsterblichkeitsträumen Ray Kurzweils zu beziehen.

31 Nanuk Februar 16, 2009 um 18:48

Ach Jörg

“Ich würde die versammelte Mannschaft hier gern mal vom Endlichkeits-Tralala herunterholen. ”

Wie muss ich das denn verstehen ist das jetzt einfach Bullshit Bingo…
Das sich unser Planet noch ein paar Jährchen um die Sonne drehen wird bedeutet nicht das darauf noch Homo Sapiens existent sein müste.Der rest ist eh nicht von Interesse… zumindest für meinen bescheidenen Geist…

Wer recht behält wird sich zeigen 2 Jahre haben wir ja noch und ein neues Jahrzehnt beginnt nicht war…

32 edicius Februar 16, 2009 um 19:02

@jörg
Spatzenweitwurf ist meine Lieblingsdisziplin, und wenn der Spatz Lust hat, fliegt er munter sehr viel weiter als jede Kanonenkugel…
Jedenfalls hatte ich mit der Utopie nicht gerade Ludwig Erhard im Sinn, würde ihn und sein Konzept der “formierten Gesellschaft” aber nicht aus der Riege der Utopisten ausschließen. Die Pointe ist, dass jede Utopie, gerade wenn sie ganz kurz davor ist, zur Wirklichkeit schlechthin zu werden, eben an dieser wie eine Blase zerplatzt. Gerade als der Markt in der zentralen Funktion des Kapitalmarktes die erträumte, grenzenlos innovative Freiheit bekommen hatte, wurden aus den aspirativen Derivaten Desperate, die unendliche Akkumulation von Rendite verwandelte sich wie auf einen Schlag in eine hochtoxische Säure, die sich unaufhaltsam durch alle Schichten des Wirtschaftssystems frisst, darin an den Speichel filmgeschichtlicher Aliens erinnernd. Der dialektische Umschlag von Himmel in Hölle.
Zu versuchen, es sich in so einer Situation irgendwie per Reform und Justage und Konjunkturprogramm katechetisch bequem zu machen ist so naiv, wie die beiden sprichwörtlich gewordenen Tierarten. (Ochs und Esel hast du wohl gemeint.)

33 weissgarnix Februar 16, 2009 um 19:26

>die unendliche Akkumulation von Rendite verwandelte sich wie auf einen Schlag in eine hochtoxische Säure, die sich unaufhaltsam durch alle Schichten des Wirtschaftssystems frisst, darin an den Speichel filmgeschichtlicher Aliens erinnernd.

Gottchen, gottchen, dieser Blog wird allmählich zu einer Art Metaphern-Kamasutra …

34 edicius Februar 16, 2009 um 19:37

@wgnx

Damit muss ein jeder Sloterdijk-Rezensent wohl leben. Dessen Metaphernrabulistik ist halt ansteckend…ich seh sie schon durch den Kristallpalast scheppern, meine Aliens… ;-)

35 Dozoern Februar 16, 2009 um 19:57

Stand da in deinem Vorwort, wgn, etwa „Philosoph“? Das ist doch kein Philosoph, maximal ein Wortakrobat oder ein Wortklingler. Wie hat Schopenhauer sie noch genannt? Philosophaster, d.i. ein philosophischer Schwätzer. Dennoch, danke schön, dass ich das Buch jetzt nicht lesen muss.
Die Kernfrage ist doch: Kann es uns gelingen das marktwirtschaftliche System so zu verändern, dass es nicht nur für die Bewohner des Kristallpalastes, sondern auch für alle übrigen eine annehmbare Option darstellt? Gelingt uns das nicht, werden sich unweigerlich revolutionäre Zustände einstellen und zu solchen Veränderungen führen. Das lehrt die Geschichte. Wir sollten uns also schleunigst auf den Weg solcher Veränderungen machen, wenn wir Letzteres nicht wollen.
Aber dazu sagen Philsophaster halt nix.

36 weissgarnix Februar 16, 2009 um 20:18

@edicius

>ich seh sie schon durch den Kristallpalast scheppern, meine Aliens…

wer übernimmt den Part von Sigourney Weaver als Sgt Rippley? – Lucy Redler?

37 Nanuk Februar 16, 2009 um 20:30

Ne ne Wgnx das macht der Gründgens den buddeln wir einfach wieder aus…

38 Frankie Bernankie Februar 16, 2009 um 21:13

@alvar Hanso #7

“Nimmt sich PS, was ja im Hinblick auf seine Aussage Sinn macht, auch der steigenden Produktivität und endlichkeit von billiger Energie an?”

Ja, tut er. Es gibt ein Kapitel im Weltinnenraum, “Das Prinzip Überfluss”. Dort wird auf die 200jährige Parallelität von “fossilenergetischem Kulturstil” und dem Liberalismus verwiesen, und daß im Komforttreibhaus der “Mehrkonsum zur Systemprämisse” wird.

@edicius #35

“Dessen Metaphernrabulistik ist halt ansteckend…”

Man kann Slotti ja viel Wortzauberei vorwerfen, oder auch einen hochnäsigen und arroganten Stil.
Aber gerade die beliebten Metaphern, in deren enigmatische und scheinbedeutsame Sinnfälligkeit man sich flüchtet, wenn man sonst nicht weiss, wie man einen Gedanken beschreiben soll, vermeidet er. Er versucht die Dinge schon in ihrem Kern zu beschreiben und hilflose Bildbeziehungen zu vermeiden. Wenn er sie wählt , sind sie meist sehr treffend.

39 Frankie Bernankie Februar 16, 2009 um 21:39

“…Akkumulation von Rendite verwandelte sich wie auf einen Schlag in eine hochtoxische Säure, die sich unaufhaltsam durch alle Schichten des Wirtschaftssystems frisst, darin an den Speichel filmgeschichtlicher Aliens erinnernd…”

Nicht vergessen, wie im Film der Androide Ash das Alien beschreibt:

“”…Ich bewundere die konzeptionelle Reinheit. Geschaffen, um zu überleben. Kein Gewissen beeinflusst es. Es kennt keine Schuld, oder Wahnvorstellungen ethischer Art…”

Könnte auch der Kapitalismus damit gemeint sein.

40 der pommer Februar 18, 2009 um 00:20

Sloterdijk ist endlich wieder mal so ein Fall von sprachlicher Konstruktion von Welt aus dem nichts.
Er ist mir ein echter Münchhausen, sich selbst am eigenen Haarschopf aus dem Dreck ziehen.
Wo wären wir, wenn es diese Leute nicht gäbe, die unsere Welt erst schaffen indem sie sie schreiben und beschreiben? Wir wären gar nicht existent.

anderes Thema: http://eulysien.blogspot.com/

41 Bullish Februar 18, 2009 um 04:47

@ Bedingungsloses Grundeinkommen

Das Konzept ist vorallem interessant, weil dadurch sehr viel anderer Mist wefallen würde, dh es würde die Wirtschaft u.U. effizienter machen. Im schlimmsten Fall würde es einfach durch die Inflation gefressen.

Im gleichen Moment könnte man alle Steuern abschaffen und die Infation-Tax wirken lassen. Es wäre eine Flat-Tax und keiner könnte sie umgehen. Auch das würde die Effizienz erhöhen.

Das sind sicher bessere Ideen, als Konzern-Zombies zu unterhalten, was noch schlechter funktionieren wird, als dies die Planwirtschaft tat.

42 Powerie Februar 18, 2009 um 12:17

Philosophie=Liebe zur Weisheit(lat.philo-Liebe
sophie-Weisheit).
Welche Weisheit?
Seit Menschengedenken, man betrachte die Geschichte, existieren nur Kriege, Ausbeutung,Hungersnöte,Klimakatastrophen,Existenzkämpfe e.t.c.
Ursache ist die Macht des Geldes, was sich letztendlich immer in den Händen von Konsortien sind, welche sich insbesondere auch in unserer Bildungs-, Wirtschafts- und der politischen Landschaft eingekauft haben.
Um dieses System aufrecht erhalten zu können, bedient man sich der Psychologie, insbesondere in der Werbung (Massensuggerierung) wie auch in der Wirtschaft.
Im weit verbreitesten Buch der Bücher (Bibel) stehen Weisheiten, welche weder durch die weltliche Philosophie
noch von den institionellen Weltkirchen in der Praxis angewandt werden.Ethik, Moral, Philosophie,Art. 1 des
Grundgesetzes und Religion:” An den Taten werdet ihr sie erkennen.”Und weiter beim nächsten Mal. Gruß Jürgen

43 dadio März 18, 2009 um 21:57

Ich bin gerade dabei, mir den Weltinnenraum reinzuziehen. Mal sehen, wie weit ich komme. Ich mag Sloterdijk eigentlich, aber ich mag keine Mindfucker.
Dass hier die Idee des Grundeinkommens so gut wie gar nicht diskutiert wird, obwohl es dort eigentlich um eine Kapitalismuskritik geht, finde ich schwach. Hier wird wohl lieber der Untergang und die phoenixgleiche Wiederauferstehung des Kapitalismus gefeiert, weil es ja gar keine Alternative gibt.
Aber, auch beim Grundeinkommen gibt es verschiedene Modelle. Grundeinkommen ist nicht gleich Grundeinkommen. wgnx, du hast dir ja auch die Wagenknecht (die das Grundeinkommen ablehnt) reingezogen. Oder ist es einem Keynesianer verboten, andere Drogen als den puren Kapitalismus zu konsumieren? Bleibt doch lässig. Es gibt inzwischen Ansätze, die eine Diskussion wert sind. Es geht nicht um Glaubensfragen.
@ Michel Friedman, mit deiner Kohle musst du dein Klo nicht selber putzen. Wird nur ein wenig teurer.
Nochmal:
http://www.iovialis.org/download/Dilthey-Modell.pdf

44 Martin Juli 24, 2009 um 02:14

So lobenswert und schön die Konzeption eines bedingungslosen Grundeinkommens auch sein mag, und ebenso wie sich bei den Unsummen, die man jeden Tag in der Zeitung in den Bankenrettungs- oder Konzerngewinnartikeln liest, der Gedanke aufdrängen mag, dass es aufgrund von Effizienzgewinnen möglich sein könnte, beachtliche Teile der Bevölkerung zu ernähren (im weiteren Sinne), ohne dass noch deren Arbeitsleistung nötig wäre… ebenso wird bei diesen Gedanken eine andere wichtige Entwicklung ausser Acht gelassen: Die Globalisierung selbst lässt den “Kristallpalast” wachsen… viele Länder machen durch sie in ihrer industriellen Entwicklung einen grossen Schritt, weil das ja klar ist, weil durch den weltweiten Wettbewerb einzelne Länder näher aneinander heranrücken (um es mal mit Stoiber zu sagen), der die Lebensqualität der Menschen erhöht (“Lebensqualität” im materialistischen Sinne… ob man das nun gut oder schlecht finden mag) und es im globalen Rahmen eben gerade NICHT möglich macht, dass nur noch diejenigen Arbeiten, die Arbeit als etwas wünscheswertes betrachten… fallende Löhne in vielen Sektoren zeigen dies, und auch wenn derzeit eher einfache Arbeiten davon betroffen sind, wird es nicht lange dauern, bis sich dieser Wettbewerb auch auf akademische Berufe ausweiten und deren Löhne erheblich senken wird. Da kann man dann noch so sehr die grossen Konzerne beschimpfen, dass sie weltweit Nationen gegeneinander ausspielen und Arbeiter ausbeuten… seht es mal von der anderen Seite: Wenn ein (nennen wir ihn mal:) Asiate eine Arbeit für 1000 Euro macht, womit kann dann ein (nennen wir ihn mal Deutscher:) dann noch argumentativ verteidigen, dass er seinen bisherigen Lohn von 5000 Euro wert ist? So viel man dem globalisierten Kapitalismus vorwerfen kann, es ist kaum zu leugnen, dass er (langsam aber sicher) den Wohlstand in der “weltwirtschaftlichen Peripherie” anhebt und so zu einer, global gesehen, gleicheren Verteilung führt. Vermutlich hat die westliche Welt lange Zeit über seinen Wohlstand gelebt, und anstatt dieses nun ohne Arbeit zu bekommen, muss sie sich wohl vielmehr darauf einstellen, in Zukunft härter für ihn arbeiten zu müssen. Wir leben nicht mehr in Erhardts Zeiten.

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