Frau Schaeffler gibt kurz vor ihrem Untergang noch Interviews.
“Sie habe sich mit der Conti-Übernahme nicht verzockt, sondern sei Opfer der Finanzkrise geworden: Niemand hätte wissen können, dass der Preis für Conti viel zu hoch war und dass die Auto-Branche derart in die Krise geraden würde.”
Odysseus hat sich und seine Gefährten bekanntlich durch eine List gerettet. Nach der Gefangennahme durch den Zyklopen Polyphem nannte er sich Niemand. Es gelang ihm den Polyphem zu blenden. Dieser rief darauf in rasender Wut die anderen Zyklopen zu Hilfe. Auf deren Frage, wer ihn denn geblendet habe, rief Polyphem: “Niemand!”. So zogen sie ab und Odysseus konnte fliehen. Wer ist bei Schaeffler Niemand? Frau Schaeffler ist in diesem Stück jedenfalls der Polyphem. Sie war verblendet und keineswegs kann sie nun Niemand für ihr Desaster verantwortlich. Welche Pelzmäntel Polyphem bevorzugte, ist übrigens auch überliefert. Er züchtete Schafe. Immerhin war er damit zwar blind, aber zugleich bescheiden.




















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Man muss der Frau zugutehalten, dass sie nicht diese Blogs liest, wo wir Miesmacher uns nach Herzenslust auslassen. Sie hat es nur mit Leuten zu tun, die optimistisch versuchen, sich an ihrem Vermögen zu bereichern. Da kann man schon mal die Realität übersehen.
Wie lange ist Odysseus noch gleich umhergeirrt? Zehn Jahre? Na da haben wir ja noch was vor uns!
Sie wird möglicherweise beraten von
http://www.niemand-und-keine-partner.de/
Diesen Niemand wuerde ich auch gerne mal kennenlernen. Der taucht immer wieder auf wenn unseren Politnutten und selbsternannten Eliten irgendetwas in die Binsen gegangen ist. Niemand konnte wissen, Niemand konnte Ahnen… nur eines habe ich da noch nie vernommen.
Polticlown: “Niemand von uns hat sich darueber Gedanken gemacht.”
Das waere dann zumindest einmal Ehrlich. Aber Herr Niemand hat ja gesagt das man nicht ehrlich sein muss. Man muss nur mitreissen und gegen das Volk und die ganzen Noergler, die immer alles zerreden, durchregieren.
“Da warten wir auf den Mann, der da nun zaubern kann. Niemand! Und wenn er kommt dann lachen wir.” – Samsas Traum
http://tinyurl.com/ddlmwj
Its Bubble time…
Sagt nicht ich hätte euch nicht gewarnt…
@Lübberding
Blöd ist die Frau jedenfalls nicht, und ein Gedanke der mir seit Tagen durch den Kopf geht ist: vielleicht ist sie einfach nur sehr viel smarter, als sich uns derzeit erschließt.
Immerhin hat sie mit der Übernahme den Status quo ante ihres eigenen Unternehmens und damit ihrer Position im Spiel verändert. Ob zu ihren Gunsten, wird sich noch zeigen, aber jedenfalls ist sie nach der Conti-Übernahme DER Player und nicht bloß EIN Player.
Oder anders gesagt: womöglich wußten sie und ihre Manager sehr wohl bereits vor Ausbruch der Krise, was die Uhr geschlagen hatte. Sie wußten auch, dass Conti über die ganze Niedersachsen-Connection in einer Zeit des polit-industriellen Zusammenrückens die besseren Karten haben würde. Das Drohszenario war daher, insbesondere vor dem Hintergrund einer gewaltigen Wirtschaftskrise, dass man nicht mehr Herr des eigenen Schicksals wäre, die politische Karte im Spiel aber Conti zugespielt werden würde. Das ganze Conti-Schaeffler-Drama wäre also mit gegengesetzten Vorzeichen abgelaufen, Schaeffler wäre die Beute, Conti der (politisch gestützte) Jäger gewesen.
Zudem hat sie im Verbund mit Conti eine echte Brinkmanship-Perspektive iSv “too big too fail”, diesmal sogar in der bei der Politik wesentlich beliebteren Variante “too many jobs too fail”.
Wie gesagt: das muß nicht so sein, könnte es aber. Momentan spielen die Wulffs und alle anderen jedenfalls exakt nach diesem Spielplan, wenn es Frau Schäfflers Spielplan wäre …
“Das Lamm ist häufig der Wolf”, altes weissgarnixianisches Sprichwort …
Jetzt schimpft mir nicht so auf der armen Frau herum, sie hat vermutlich einen langbewährten Optimierungsalgorithmus auf ihre Nutzenfunktion angewendet, und wegen der Nichtstationarität (DER black swan) des gesamten Systems hats diesmal nicht funktioniert. Shit happens.
Ja, ja, das System….
Und wer hats erfunden?
Die Chinesen, die Schweizer, die Politnutten, Grünspan?
WIR?
@ weissgarnix
Tolles Sprichwort
Weissgarnix
Das wäre ein hoch ausgeklügeltes Spiel. Also für mich viel zu kompliziert. Dafür bin einfach zu schlicht gestrickt. Aber wenn Frau Schaeffler solche Strategien fahren kann, ja dann … was passiert dann? Dass die Gegenspieler – natürlich nur unter der Voraussetzung, dass es tatsächlich Gegen- und keine Mitspieler gibt – in dem Spiel jetzt zu der Erkenntnis kommen, dass es zwar jetzt in Zukunft nur noch einen Spieler geben wird, aber man zur Fortsetzung des Spiels Frau Schaeffler nicht unbedingt braucht. Nur ihre Firmen. Das hätte unter anderem wohl die Folge, dass sich das tägliche Arbeitsvolumen in dem Konzern um die 18 Arbeitsstunden der Frau Schaeffler reduzieren würde, aber angesichts der derzeitigen Kurzarbeit wäre das durchaus verkraftbar. Neues Sprichwort von Lübberding. Auch Wölfe enden eben manchmal am Dönerspieß.
Aber wie sagte Eurooptimist. Frau Schaeffler liest hier ja nicht mit. So hat sie noch nicht einmal die Chance, etwas über die eigenen Strategien zu erfahren … . Alle anderen Leser und Nichtleser dürfen sich ihre eigene Gedanken machen.
@Lübberding
>Das wäre ein hoch ausgeklügeltes Spiel. Also für mich viel zu kompliziert.
Ich weiss, aber dafür hast du ja mich …
(gell, Don Alphonso?)
>in dem Spiel jetzt zu der Erkenntnis kommen, dass es zwar jetzt in Zukunft nur noch einen Spieler geben wird, aber man zur Fortsetzung des Spiels Frau Schaeffler nicht unbedingt braucht.
Kann sein, aber womöglich ist das sogar einkalkuliert. Selbst wenn sie einen Teil ihrer zwischenzeitlichen Landgewinne wieder abgeben müßte, so könnte sie doch nach wie vor sub summa besser dastehen, als es ohne Conti-Übernahme gewesen wäre.
Wir sollten uns einen Fehler wirklich verkneifen, über den ich gestern mit Miesespeter und einigen anderen recht intensiv debattiert habe: den Status quo post mit einem Status quo ante zu vergleichen, und dann nach “Schuldigen”, “Vorteilen/Nachteilen” oder “Ignoranz/Weitsicht” und derlei Dingen zu forschen. Stattdessen muss man den aktuellen status quo post mit einem alternativen status quo post vergleichen, und nur daraus läßt sich auf die Entscheidungssituation der Akteure im Status quo ante schliessen.
Oder simpel gesagt: wenn Schäfflers’ Ausgangsszenario ex Conti-Übernahme lautete: diese kommende Krise überleben wir nicht, und das alternative Szenario mit Conti lautete “diese Krise überleben wir auf die eine oder andere Art”, dann ist die Entscheidung, Conti zu übernehmen, unternehmerisch weise, auch wenn wir Außenstehende das nicht verstehen können, weil wir nur den aktuellen Status quo mit dem vor der Conti-Übernahme vergleichen.
Weissgarnix
Ja die Debatte mit dem guten Don habe ich auch gelesen. Er scheint sich ja wirklich um Deine Klausurtermine mit mir zu sorgen … . Ein Gedanke ist aber wirklich gut:
“Stattdessen muss man den aktuellen status quo post mit einem alternativen status quo post vergleichen, und nur daraus läßt sich auf die Entscheidungssituation der Akteure im Status quo ante schliessen.”
Das nennt man Antizipation. Oder man kann auch den Begriff des Szenarios verwenden. Wolfgang Sofsky hat darüber übrigens in “Operation Freiheit. Der Krieg im Irak” aus soziologischer Perspektive sehr gute Anmerkungen gemacht, wenn er ansonsten auch völlig daneben gelegen hat. Vielleicht sollten die in Davos anwesenden Kollegen – wie Thomas Fricke von der FTD – die Veranstaltung unter der Perspektive betrachten. Das könnte durchaus interessante Erkenntnisse bringen. Nur macht die alternative status post Betrachtung nur einen Sinn, wenn man zugleich die These vom Mitspieler formuliert … . Wie sagte gerade der Bosch Chef laut Reuters so schön:
“Front machte der Bosch-Chef gegen staatliche Hilfen für einzelne Auto-Zulieferer wie Continental beziehungsweise Schaeffler oder Fahrzeug-Hersteller wie Opel. “Der Staat kann und darf nicht zum Reparaturbetrieb werden, allenfalls um einen Dominoeffekt in der ganzen Branche zu vermeiden”, sagte Fehrenbach. Andernfalls werde der Wettbewerb verzerrt. Bosch werde eigenen Zulieferer, die angeschlagen seien, unter die Arme greifen.”
Im Domino ist jeder Stein Mitspieler.
@Weissgarnix
‘Stattdessen muss man den aktuellen status quo post mit einem alternativen status quo post vergleichen, und nur daraus läßt sich auf die Entscheidungssituation der Akteure im Status quo ante schliessen.’
Ueberhaupt kein Widerspruch meinerseits. Wuerde auch in einem juristischen Verfahren sicher so gehandhabt.
‘Oder simpel gesagt: wenn Schäfflers’ Ausgangsszenario ex Conti-Übernahme lautete: diese kommende Krise überleben wir nicht, und das alternative Szenario mit Conti lautete “diese Krise überleben wir auf die eine oder andere Art”, dann ist die Entscheidung, Conti zu übernehmen, unternehmerisch weise,’
Ja, aber auch wenn die Strategie darauf ausgelegt war, ueber Conti den Staat als Garanten fuers eigene Ueberleben an Bord zu holen (lieber wuerde ich sagen: zu hijacken), muss der Staat nicht zwangslaeufig wie geplant mitspielen.
Meiner Meinung nach taete er sogar gut daran, wenn er auf solche Manoever ganz sensibel reagiert. Die Politik scheint es auch so zu sehen, und diskutiert wohl im Falle des Flowers/HRE Hijacks offen auch die Moeglichkeit einer entschaedigungslosen Verstaatlichung…..
Andererseits, sollte sich der Verdacht auftun, dass Schaeffler bereits vor der Uebernahme Contis die politische Zusicherung eingeholt haben koennte, dass ex post der Staat dann auch Schaeffler inkl. seiner Contibeteiligung mit unter seine rettenden Fittiche nehmen werde – und dabei womoeglich auch ‘Bonusregelungen und Provision’ fuer die Vermittlung einer solchen Garantie im Spiel waren – dann zb wuerde ich schon denken, dass man sehr wohl gut daran tut, auch ‘nach “Schuldigen”, “Vorteilen/Nachteilen” oder “Ignoranz/Weitsicht” und derlei Dingen zu forschen.’…..
Frau Schaeffler kann ja Frau Klatten um Hilfe bitten.
Die hat genug Kleingeld im Portmónnai, dank Peer.
http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/fruehling_2008.htm
@Lübberding
>Im Domino ist jeder Stein Mitspieler.
Das Spiel ist aber nicht “Domino”, sondern nach wie vor “Monopoly”.
Monopoly? Wohl kaum. Dort hat die Bank am Ende immer noch das meiste Geld. Wir spielen Staatswirtschaft nach Art des Hauses Schaeffler:
“Die Herzogenauracher hätten beim Bund angefragt, ob sie unter den 100-Milliarden-Schutzschirm für die Industrie schlüpfen könnten, berichtete die dpa weiter. Über diesen Weg könne der Bund Conti-Aktien von 3 bis 4 Mrd EUR übernehmen.”
http://www.faz.net/d/invest/meldung.aspx?id=95562456
Man sollte das Angebot annehmen – 3 Euro plus Schafherde für beide Unternehmen. Immerhin haben die eine Verschuldung von 22 Mrd. Euro. Da sind 3 Euro eine angemessene Vergütung. Die Schafherde falls der Pelzmantel zerschlissen sein sollte.
@Lübberding
>Monopoly? Wohl kaum.
Du bist ein hoffnungsloser Fall, Lübberding. Mach so weiter, dann verleihen sie Dir in ein paar Jahren womöglich auch noch einen Nobelpreis.
Wie ich gestern schon an Miesespeter schrieb: du betrachtest das Spiel aus der Vogelperspektive, aus dem Helikopter über dem Stadion, und meinst, vermutlich sogar zutreffenderweise, auf dem Spielfeld würde “Domino” gespielt werden.
Aus der individuellen Perspektive der Spieler auf dem Spielfeld, die diesen “Helicopter View” nicht haben, wird aber nach wie vor “Monopoly” gespielt, und nicht “Domino”. Daher gelten für die Beurteilung einzelner Spielzüge aus der Sicht der Spieler nach wie vor die Regeln von ersterem, während wir, die wir uns den Spielverlauf aus dem Heli angucken, bereits wissen, dass das Spiel schlussendlich mit dem Fall des allerletzten Domino-Steins endet.
Als Alternative oder Ergänzung dieser Sicht böte sich an: einzelne Spieler wissen sehr wohl, dass das Spiel zwar nur vordergründig Monopoly lautet, im Hintergrund aber längst eine Dominoreihe am Laufen ist, dessen sequenzielle Abfolge auch sie in Kürze ereilen könnte. Sie wissen aber auch, dass Dominoreihen manchmal, durch gezielte Manipulation oder schlicht durch eine Laune der Natur, nicht bis zum Ende durchlaufen, sonder an einer bestimmten Stelle stehenbleiben. Mögliche Spielstrategie könnte es also nun sein, nach den Regeln des Monopoly die Dominoreihe an einer bestimmten Stelle, die logischerweise räumlich/zeitlich vor der eigenen Position liegt, zum Abreissen zu bringen. Wie macht man das? ZB dadurch, dass man an der richtigen Stelle einen oder auch zwei Steine entfernt. Bingo! Schon wird das muntere Steine-Purzeln aufgehalten, und man ist aus dem Schneider, zumindest vorerst.
@12: 25% Abgeltungssteuer ist immer noch besser als steuerfreie Spekulationsfrist.
Das Spiel, daß gespielt wird heisst:
http://www.thebailoutgame.us/
Ich weiß nicht, wie lange die Frau Schäffler schon Unternehmensführung betreibt. Auf jeden Fall war zur Conti – Übernahme lange klar, daß der Laden heißgelaufen war. Wenn sie also länger als 3 Jahre im Geschäft war, schlösse ich mich dem”alten weissgarnixianischen Sprichwort ” an.
@Mac
Das Spiel an der Börse hieß schon immer “Sackhüpfen im Minenfeld”. Die Abgeltungssteuer ist für Langfristanleger garantiert kein Vorteil. Wenn man schnell agiert, ist sie eindeutig angenehmer.
Schaeffler kann eben nur einen Zug vorrausdenken, wenn es nicht funzt kann man ja den Staat anpumpen.Ja würde auch gehen, aber was ist wenn der Staat bei so vielen Schaefflers garnich mehr kann.
Auch hier gilt: Too big to bail, to big to fail
Klar ist dass bis zum sommer 200.000 Menschen auf der Straße stehen werden…