Vergesst das Bruttoinlandsprodukt!

von weissgarnix am 28. Januar 2009

Auch bescheidene und charakterlich schlichte Gemüter wie ich erleben manchmal Momente, in denen wir uns einen Anflug von “Stolz” nicht verkneifen können. Einen solchen Augenblick des Hochgefühls erlebte ich gerade eben, als ich in der heutigen Ausgabe der Financial Times einen ganzseitigen Artikel über die ökonomische Erfolgsgröße “BIP” entdeckte, mit dem Untertitel “Mehr und mehr Ökonomen sprechen vom Bruttoinlandsprodukt nur noch als Trugbild, das den sozialen Wert einer Aktivität unberücksichtigt lässt …”.

Derartige Meldungen erfüllen mich a) mit Stolz, aus dem simplen Grund, weil das schon immer meine Meinung war, wie ich sie u.a. hier und hier deutlich zum Ausdruck brachte. Und b) entzünden sie in mir einen Funken Hoffnung, dass künftige Generationen es vielleicht doch schaffen, aus diesem einerseits lachhaft-naiven, andererseits nichtsdestoweniger selbstzerstörerischen Wachstumsfetischismus auszubrechen, der unsereins seit Jahrzehnten quält und durch nichts weiter als eine fehlgeleitete “hohe Gewinne/hohe Investitionsnachfrage”-Strategie bedingt ist, die das Mantra der westlichen Wirtschaftspolitik darstellt. Sollte sich eine Abkehr von der stupiden Totalfokussierung auf das “reale Wachstum des BIP” hin zu einer ganzheitlicheren Betrachtung des Wirtschaftens, vor allem unter dem Gesichtspunkt der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit, noch in unserer Generation bewerkstelligen lassen … wow, dann könnten wir tatsächlich von diesem Planeten abtreten, ohne einen Funken schlechten Gewissens unseren Kindern gegenüber.

Wer jetzt meint, dass sei ja wohl ein wenig übertrieben, die simple Art der Darstellung von Erfolgsparametern würde noch nicht den Charakter unseres Wirtschaftens verändern, dem sage ich mit der unerschütterlichen Überzeugung eines langjährigen Profi-Buchhalters: doch, tut es! In der Betriebswirtschaftslehre leben ganze Branchen von nichts anderem als dieser simplen Wahrheit, und das keineswegs schlecht.

Die Chancen stehen vergleichsweise gut, dass die Abkehr von der traditionellen Output-Messung diesmal mit etwas mehr Nachdruck vorangetrieben wird, als in den früheren Initiativen, die es punktuell immer wieder mal gab, die aber über den Rang esoterischer Spielereien kaum je hinausreichten: Eine 24-köpfige Expertenkommission unter der Leitung von Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der für alternative Konzepte bekanntlich immer schon ein Faible hatte, werkelt zu dem Thema gerade im Auftrag der EU, und wird ihren Bericht im April vorlegen. Hinter der Initiative steht ein alter Bekannter, unser ami le meilleur Nicolas Sarkozy, der laut FT “besorgt darüber war, dass die Öffentlichkeit sich mit den numerischen Wirtschaftsstatistiken nicht mehr identifizieren kann”.

Das beweist einmal mehr den politischen Instinkt und die Weitsicht von Carla Brunis Ehemann, während Glos und Merkel noch immer unverdrossen den Traum des “Exportweltmeisters” träumen. Denn in der Tat ist es dem gemeinen Volk schwer begreiflich zu machen, dass ein Land “Gewinner der Globalisierung” wäre, wie es Bundesminister Glos jüngst im Bundestag für Deutschland reklamierte, wenn die breite Masse von diesen Gewinnen nie was zu sehen kriegt. Gleiches Phänomen übrigens in den USA, dort fragen sich die Arbeitnehmer seit neuestem auch, was ihnen die Globalisierung denn nun eigentlich tolles gebracht hätte, außer jahrelanger Reallohnstagnation. Irgendwer könnte ja demnächst mal kommen, und von den Regierungen Antworten auf diese Fragen haben wollen.

Es ist daher primär der politischen Opportunität denn einem grundsätzlichen Sinneswandel geschuldet, dass es möglicherweise zu einem Paradigmenwechsel kommt, aber das ist ja im Grunde egal: wenn es für die Beurteilung der gesamtgesellschaftlichen Wirtschaftsleistung zukünftig von Relevanz ist, ob Staatsausgaben in Schulen und Kindergärten fließen, statt in Militärausgaben und Firmensubventionen, oder wenn es keine Rolle mehr spielt, ob Arbeitsstunden im Rahmen eines marktwirtschaftlichen Beschäftigungsverhältnis oder einer kollektiv organisierten Tätigkeit für das Gemeinwesen geleistet werden, dann besteht die Chance, dass insgesamt ein Umdenken in der Wirtschaftspolitik erfolgt und eine Neuordnung der Prioritäten erreicht wird. Damit könnten Regierungen auch dann bei den Wählern punkten, wenn ihnen vor dem Hintergrund der Krise üppige BIP-Wachstumsraten auf absehbare Zeit wohl verwehrt bleiben werden.

Um falschen Illusionen vorzubeugen: “schnell” wird in dieser Frage zweifellos gar nichts vonstatten gehen, da können Stiglitz & Co. im April vorlegen, was sie wollen. Und eine andere Messgröße als das BIP, die für sich genommen makellos wäre, gibt’s wohl auch nicht, da spricht der verlinkte FT-Beitrag eine sehr klare Sprache. Aber immerhin: ein Schritt in die richtige Richtung wäre damit getan, die Tür in eine vielleicht bessere Welt damit aufgestoßen. Und mehr konnte man für den Moment eh nicht erwarten.

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1 zeitlicher Ablauf? Januar 28, 2009 um 15:48

Das erinnert mich an eine Studie in der 5 verschiedene Zukunftsszenarien betrachtet wurden (kann mich leider nichtmehr an den Auftraggeber der Studie erinnern, meine den Link aber sogar hier im Blog entdeckt zu haben?)

Das optimistische Zukunftsszenario sah dabei eine Gesellschaftsordnung in der das Streben nach Wirtschaftswachsum mit dem Streben nach einer Erhöhung der Lebensqualität ersetzt wird.

Leider gab es auch nicht ganz so freundliche Szenarien :(

2 Frankie Bernankie Januar 28, 2009 um 15:54

Mensch, weissgarnix: Du zuerst dunkelrot, jetzt grün…der (der Setzer: überschätzte) Krugman basht die Chicago-boys…der mächtigste Mensch der Welt ist zum erstenmal seit 600 Jahren kein Weisser…der Sarkozy bezweifelt das Lieblingskind der Ökonometrie, das BIP… vom Sinn hört man auch schon längere Zeit nichts mehr…tut sich da vielleicht was?

Wenigstens hat die FDP noch 145 %.

3 Harald Januar 28, 2009 um 16:00

ich hatte immer schon von einer animierten Grafik mit sich aufblähenden und schrumpfenden Blasen geträumt, die nicht die ganze BIP Schosse darstellt (was ja so viel aussagt, wie “in unseem Zoo haben wie 13,242 kg Tier”), sondern eine Grafik, die nach Branchen sortiert ist.

Ach was, ich in ja Webprogrammierer. ich will eine voll konfigurierbare Web2.0 Oberfläche, in der ich die einzelnen Branchen, Zeiträume und sonstige geografischen und sozioökonomische Parameter per Drag and Drop (ist ja 2.0) zusammenkicken kann und der rechner spuckt mir das aus.

Dann könnte man nämlich einfach gucken, ob die Polizik des Familienministeriums in Hessen im Vergleich zu Bayern und Hamburg in den Jahren x-y geriffen hat und in welche Richtung.

4 Harald Januar 28, 2009 um 16:01

Ich sollte mich mal Statistischen Bundesamt bewerben, gell?

5 Bela Januar 28, 2009 um 16:11

@Harald Nr.3/4

Sie sind Webprogrammierer!?
Ich suche fuer die Realisierung eines politischen Netzwerks speziel fuer junge Leute, Programierer. Wenn sie Interesse haben schicke ich gerne ein paar Links mit Info’s…

@WGN

Entschuldigen Sie den off-topic post…

6 weissgarnix Januar 28, 2009 um 16:11

@Frankie Bernankie

>Mensch, weissgarnix: Du zuerst dunkelrot, jetzt grün

Gell? Man muss einfach flexibel bleiben, in Zeiten wie diesen … und als besonderes Zuckerl verrate ich dir nochwas: bevor ich mit meiner Sloterdijk-Rezension hier loslege, werde ich noch eine andere Buchbesprechung dazwischen schieben, nämlich Märzens “Mehr Kapitalismus wagen!” …

7 Bela Januar 28, 2009 um 16:16

ein interessanter, zum Thema passender Beitrag:

http://imomus.livejournal.com/

(der Artikel von Tue, Jan. 27th, 2009 12:51 pm )

8 Frankie Bernankie Januar 28, 2009 um 16:23

“…werde ich noch eine andere Buchbesprechung dazwischen schieben, nämlich Märzens “Mehr Kapitalismus wagen!””

Leute , damit dürfte feststehen dass es sich bei weissgarnix entweder

- um eine multiple Persönlichkeit

oder

- um real mehrere Personen handelt.

Einer allein kann das garnicht machen ohne massiv kognitive Dissonanzen zu erleiden.

Jetzt wird sich gleich halbgott melden und sagen:

========>>>> “kognitive Dissonanzen” ?????
Wgnx Beiträge SIND eine EINZIGE kognitiv-keynsianische Dissonanz!!!!!

9 ergo sum Januar 28, 2009 um 16:43

@ wgn:
Vielen Dank für den Link auf Deine beiden famosen Artikel, die ich offenbar verpasst hatte. Das Große Latinum wird heute noch vor dem Studienantritt verlangt, freilich nicht bei uns Banausen, sondern in den USA für humanistische Graduatestudien z.B. an der Yale-Universität.

Tja, das gute BIP, auf das man schwört wenn es steigt, und das man jedesmal für wertlos erklärt, sobald es fällt. Es hat allerdings keinen großen Wert an sich, aber es ist immer noch ganz nützlich zu Vergleichszwecken, z.B. China 2007 vs. China 2009

10 Nanuk Januar 28, 2009 um 16:44

“nämlich Märzens “Mehr Kapitalismus wagen!”

Au ja!
Mehr Satire bitte…

11 Frankie Bernankie Januar 28, 2009 um 16:48

@ergo sum

“aber es ist immer noch ganz nützlich zu Vergleichszwecken, z.B. China 2007 vs. China 2009″

Gerade China ist aber ein schlechtes Beispiel , weil da müsste man dann auch wissen, welcher Provinzgouverneur wieviel beschissen hat bei der Meldung der Zahlen.

12 staph.aureus Januar 28, 2009 um 17:21

“Bruttoinlandsprodukt nur noch als Trugbild”

Sagt ihr multiplen weissgarnixe das auch zu Euren langbeinigen Buchhaltungs-Praktikantinnen, die freudig-erregt ehrenamtlich in der Vorstandsetage die Inneneinrichtung aufhübschen ?

13 Degnaphta Januar 28, 2009 um 17:21

Aber ob unsere im Denken BIP-verseuchte Jugend nicht einfach Häresie schreit, wenn einer diese heilige Spalte der Wirtschaftsbetrachtung für minder interessant erklärt wird?
Immerhin sind sie damit aufgewachsen, daß das BIP uns vom Tier unterscheidet.

14 Michael Januar 28, 2009 um 17:22

Freut mich diese Überschrift so zu lesen. Der Artikel ist erstklassig.

15 Quaestor Januar 28, 2009 um 17:41

Als Ökonomie-Nichtversteher frage ich mich seit längerem, was eigentlich in folgendem Szenario passieren würde:

Der Staat schafft sagenwirmal 1 Million Arbeitsplätze in Schulen, Altenpflege, Kinderbetreuung und wo sonst immer Konsens bestehen mag, dass unsere Gesellschaft mit wichtigen Gütern unterversorgt ist. Da das ganze leider mit unserer derzeitigen Staatsquote nicht finanzierbar ist und auch privat keine ausreichenden Mittel resp. kein ausreichendes Interesse bestehen, druckt sich der Staat die benötigten Urkunden mit bunten Darstellungen idealisierter Bauwerke verschiedenster Epochen einfach selbst, ohne dafür so lästige Dinge wie Zinsen zahlen zu müssen.

Die nahe liegende Vermutung ist natürlich, dass dies zu extremer Inflation führen würde, aber so ganz kann ich mir den Ablauf nicht vorstellen und würde das im Endeffekt nicht vor allem die Einkommen “der Beratungs- und Finanzindustrie, der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung, der Werbung, der PR, im Lobbying, bei den Rechtsanwälten usw, usw.” entwerten, die laut http://www.weissgarnix.de/?p=487 in den vergangenen Jahrzehnten ohnehin übermäßig angestiegen sind?

Vielleicht kann mich einer der hier versammelten Ökonomen aus meinen Tagträumen reißen…

16 Karl Januar 28, 2009 um 17:43

@ Degnaphta

Nope, ich kann dir aus eigener Anschauung sagen: Die Jugend ist mehr mit tune deinen individuellen Lebenslauf und verschaff dir deinen Wettbewerbsvorteil verseucht.

So Sachen wie das BIP betreffen mehr die Mitte 30-jährigen, heutzutage lenkt die Betrachtung von so “großen” Dingen wie dem BIP nur ab. ;-)

17 KurtKiesel Januar 28, 2009 um 17:44

@ weissgarnix

…kollektiv organisierten Tätigkeit für das Gemeinwesen…

Das klingt nach DDR 2.0.

Die Ablehnung individueller Verantwortlichkeit muss zu solchen Ausgeburten führen (vgl. die Diskussion im Thread “The American Dream in Action”). Und für die späteren Konsequenzen solcher kollektivistischen Volksbeglückungs- und Allmachtphantasien wird selbsverständlich dann auch niemand die Verantwortung übernhemen … Auch nicht der Herr Weissgarnix. Der hat’s ja ganz anders gemeint, ” damals” (und nix gewusst).

18 weissgarnix Januar 28, 2009 um 17:55

@Kurt Kiesel

>Das klingt nach DDR 2.0.

“Fröhliche Weihnachten” klang früher auch nach einer Grußbotschaft, heute jedoch nach einer angeblichen “Diskriminierung Andersgläubiger” … was meinst Du, wie mich das interessiert?

>Die Ablehnung individueller Verantwortlichkeit

Davon kann überhaupt nicht die Rede sein. Kann sein, daß du meine früheren Beiträge zu dem Thema nicht kennst, aber jedenfalls meine ich damit keine Kolchosen oder ähnliche Scherze.

>Und für die späteren Konsequenzen solcher kollektivistischen Volksbeglückungs- und Allmachtphantasien wird selbsverständlich dann auch niemand die Verantwortung übernhemen

Was sollten denn die “späteren Konsequenzen” sein, deiner Meinung nach? Meinst du, wir würden automatisch samt und sonders in die Verfassungsdiktatur marschieren, nur weil wir unser Wirtschaftssystem ein wenig umstellen? Halte ich für eine absolut unhaltbare These.

19 Christian Januar 28, 2009 um 18:48

Keine Sorge wgn., die Manipulation des BSP wird bei solchen Faktoren so umfangreich werden, dass dieser Größe nach einer gewissen Zeit keiner mehr einen Wert beimessen wird. Das kann gut sein, weil die Leute anfangen müssen, sich selbst Gedanken zu machen. Wird man die Wirtschaftsteilnehmer aber zwingen, sich an dieser Größe zu orientieren, dann Mahlzeit. Wo wir aber wieder bei dem Punkt der individuellen Verantwortlichkeit wären, welche du ja schon einmal nicht allzu hoch ex post bewerten möchtest.

Hierzu meine Meinung:
Das Verneinen von individueller Verantwortlichkeit ist ein zentraler Punkt der meisten Niedergänge. Wird in einem Gesellschaftsvertrag dieses nicht festgeschrieben, dann ist das Scheitern sichern.
Die Ausrede: “Die Anderen wollten das so”, oder “Das war Konsens”, ist einfach nur Quatsch. Wenn jemand in einem mafiösen Umfeld aufwächst, dann ist für Ihn Schutzgelderpressung eventuell auch ein ganz legitimes Mittel der Geldbeschaffung. Kommt er vor Gericht mit dem Argument: “Das war bei uns so üblich” durch? Bestimmt nicht. Bei Bankern und anderen, soll dies aber der Fall sein? Interessant auch, dass der Gleichheitsgrundsatz mit einer solchen Argumentation missachtet wird. Einige müssen wegen Schwarzfahren ins Gefängnis, andere, welche Volkswirtschaften in den Abgrund reißen, sollen gestreichelt werden? Letzten Endes wäre das die Konsequenz aus deiner Argumentation. Sei dir aber versichert, dass diese Anschauung zu einem nicht sehr erfreulichen Ende führt. Das ist etwas, was man aus der Geschichte lernen kann.

Das du einige Sachen verbieten möchtest, halte ich für eine sehr sinnvolle Lösung. Aber was ebenfalls die Geschichte gezeigt hat ist, dass die Zeit alle Wunden heilt. Nach spätestens 2 Generationen glaubt jemand, er wüsste es besser und die Gesetze werden geändert. Dann noch eine Generation und alles ist im Eimer. Sinnvoller ist es, Anreize zu setzen, welches ein solches Verhalten von Anfang an individuell als nicht sinnvoll erscheinen lässt. Nehmen wir mal z.B. Steuern in D. Diese zu hinterziehen oder zu tricksen ist so selbstverständlich, dass selbst Finanzbeamte keine Skrupel davor haben. Eigentlich sollten Steuern aber dem Gemeinwohl zu Gute kommen. Was ist also schief gelaufen, dass es zu einer solchen Entwicklung kommen konnte? Wo liegen sowohl die psychologischen Ursachen eines solchen Verhaltens, als auch die Ursachen im Verhalten des Staatsapparates? Bevor diese Fragen nicht angegangen werden, ist es nur eine Zeitfrage, bis sich die Geschichte wiederholt.

20 Nanuk Januar 28, 2009 um 18:53

@WGNX

Schreib doch mal nen Artikel warum Banken gar kein Interesse am Geldausgeben haben damit die Politikbratzen die hier mitlesen das auch verstehen!

21 mylli Januar 28, 2009 um 19:12

@ weissgarnix

Ich seh es schon kommen:

2020 wirst du als österreichischer Bundeskanzler das bedingungslose Grundeinkommen einführen.

Schön.

22 Bankenaufsicht Januar 28, 2009 um 19:18

@Kurt Kiesel

“Die Ablehnung individueller Verantwortlichkeit muss zu solchen Ausgeburten führen (vgl. die Diskussion im Thread “The American Dream in Action”). Und für die späteren Konsequenzen solcher kollektivistischen Volksbeglückungs- und Allmachtphantasien wird selbsverständlich dann auch niemand die Verantwortung übernhemen”

Hier hat noch niemand behauptet das die DDR oder der Kommunismus eine Lösung darstellt.
Der Leistungsträger muß in jedem System angemessen belohnt werden, sonst ist das System pervers/ungerecht.

Deswegen will auch keiner eine DDR 2.0 haben, nicht einmal die Linke.

Aber du mußt zugeben, das in unserer derieitigen Gemeinschaft, Leistungsträger auch nur unangemessen oder gar nicht belohnt
werden, sondern stattdessen Realwirtschaftabwürger(Bankster)oder andere Mrd. indenSandSetzer.

Ob du das jezt Kapitalismuns,Sozialismus oderKommunsimus nennst ist nicht entscheidend. Eine solche SchwarzWeiß Diskussion oder Ideologiediskussion lenkt nur von derzeit konkret exisiterenden Problemen ab.Das hat jetzt nichts mit dem Kapitalsimusschelte zu tun, der Kapitalismuns wird lediglich missbraucht, wie auch die Kommunismusideologie von der damaligen Elite der Sowejtunion missbraucht wurde.
So konnte man die Schuld für Armut etc. immer schön jeweils auf den anderen schieben.

Derzeit kann man nur die Linke wählen, weil die alteingessesenen Partein halt nichts Vernünpftiges in die Wege leiten wollen,
da hat sich der Lobyismus schon zu stark, schimmelpilzartig ausgebreitet (und manche Politiker von denen finden das sogar moralisch in Ordnung(solange die Unter-/ und Mittelschicht keine Lobyarbeit betreiben kann )

http://kritik-und-kunst.blog.de/2009/01/23/uli-maurer-veruntreuung-restlos-hund-gekommen-buergerliche-moral-5433978/

23 Peter Januar 28, 2009 um 19:18

Dass das BIP eine viel zu einseitige Messgröße ist, um tatsächlichen “Wohlstand” oder die Entwicklung eines Landes/einer Volkswirtschaft zu messen, ist wohl leider eine Erkenntnis, die so manchem noch nicht mal in diesen Zeiten kommt. Gerade die permanente Steigerung des BIP als fast schon religiöses Mantra, führt zu einer Blindheit für die Kosten dieser Entwicklung – die Kosten für die Umwelt, die Gesellschaft.

Altenativen dazu schlägt übrigens auch David Korten in seiner “Agenda für eine neue Wirtschaft” vor:
http://konsumpf.de/?p=1787

24 Mac Januar 28, 2009 um 19:25

Vielen Dank für den Hinweis auf die FT. Einen erweiterten Meßapparat, der die Zerstörung der betriebswirtschaftlich ansonsten nicht erfassbaren Ressourcen registriert würde ich sehr begrüssen. Und ebenso ein Wirtschaftssystem, das es sich gefallen lassen muß, für seine sämlichen Externalitäten die es bei der Zerstörung von Umwelt und sozialem Gefüge erzeugt, die Rechnung zu erhalten.

Im HDI 2008 sind wir übrigens inzwischen hinter Hongkong gerutscht, das sollte uns eigentlich peinlich sein.

25 hyperinflation Januar 28, 2009 um 19:31

@21

der wgnx den ich hier auf das BGE ansprach, würde sich eher dem Suizid widmen (so kam es zumindest zurück)

26 mylli Januar 28, 2009 um 19:36

@ hyperinflation

Link vergessen?

Aber ich weiss ja selber:

Brot ohne Arbeit – Not my cup of Tea

Aber vor ein paar Monaten hat der weissgarnix noch Lebensberatung entrüstet abgelehnt, jetzt wird er selbst zum Missionar.

Time will tell. Change happens.

27 Andi Januar 28, 2009 um 19:54

@mac

Beim HDI index auf wiki ist Island auf Platz 1. Das hat sich ja dann wohl auch erledigt…

28 Stephan Januar 28, 2009 um 20:10

Einer der besten Artikel, die ich in den letzten 6 Monaten las. Danke!

29 Nixda Januar 28, 2009 um 21:33

Das wusste der Volksmund schon länger, denn wie lautet der alte Bonmont zum BSP?

Wenn Du eine Putzfrau einstellst, dann steigt das Bruttosozialprodukt. Wenn Du sie heiratest, dann sinkt es wieder.

30 Stefan Januar 28, 2009 um 21:53

Wie, die Wirtschaftswissenschaften erkennen gerade, dass man aus Wirtschaftskonzepten keine Gesellschaftstheorie stricken kann. Na, Guten Morgen.

31 Frankie Bernankie Januar 28, 2009 um 23:20

“Die Ablehnung individueller Verantwortlichkeit muss zu solchen Ausgeburten führen (vgl. die Diskussion im Thread “The American Dream in Action”). Und für die späteren Konsequenzen solcher kollektivistischen Volksbeglückungs- und Allmachtphantasien wird selbsverständlich dann auch niemand die Verantwortung übernhemen”

Das ist Rhetorik aus dem letztem grossen Schlagabtausch vor 30 Jahren, nicht aus dem aktuellem.

Das Pendel ist schon seit geraumer Zeit in eine andere Richtung ausgeschlagen, und ist dort in einem anderen Wahnsystem gelandet:

In Australien muss die grösste Kindergartenkette ( 2/3 des Kindergartenwesens sind dort in den letzten Jahren privatisiert worden) wg. Finanzspekulationen des Eigentümers schliessen: 120.000 (!) Kinder verlieren die Betreuung, berufstätige Eltern sind verzweifelt.

Polemisch meinte eine Mutter, Australien behandele seine Sportler besser als die Kinder. Na, na!

32 Nanuk Januar 28, 2009 um 23:44

@Frankie Bernankie

Konzerne sind auch Kollektive!

33 hacedeca Januar 29, 2009 um 00:59

Ja, ja… jetzt werden alle wieder fromm. Vom “anonymen Systemfehler” schwer getroffen, zählen jetzt wieder “Werte”, jetzt sitzen wieder alle “im selben Boot”, jetzt geht es wieder um die “Gesellschaft”, um das “Miteinander” und “Nachhaltigkeit”. Man trägt auch gerne gedeckte Farben, auch die Damen, denn wer jetzt auffällt, der war wohl vielleicht doch schuld – bloß kein Individuum sein!

Wenn es, wie ich hoffe, noch in diesem Jahre *richtig* gerumst haben werden wird, dann beginnt 2010 die *schöne Zeit*: Wie weiland in den 80ern mit den junk bonds und den Firmen raiders werden gewaltige Vermögen in kürzester Zeit kreiert. Ob Panikblüte, oder Neuanfang, dann kann wieder geprotzt werden, dann darf man wieder “Macher” sein, dann wird es wieder bunt und die Damen sollten etwas Knie zeigen, statt einem Soziologieabschluß!

34 icke Januar 29, 2009 um 06:52

“während Glos und Merkel noch immer unverdrossen den Traum des “Exportweltmeisters” träumen. Denn in der Tat ist es dem gemeinen Volk schwer begreiflich zu machen, dass ein Land “Gewinner der Globalisierung” wäre, wie es Bundesminister Glos jüngst im Bundestag für Deutschland reklamierte, wenn die breite Masse von diesen Gewinnen nie was zu sehen kriegt.” ….

und “Der Aufschwung kommt bei den Menschen an” Von Merkel.
Klar sind die oberen 10 % der Deutschen Globalisierungsgewinner. Da sieht man, welche Gruppe überhaupt als Menschen bezeichnet wird, und dann als Gewinner präsentiert wird. Alles was die “Elitensprecher” sagen, bezieht sich auf die “Elite”.” Wir sind Globalisierungsgewinner” ist übrigens weltweit ein tolle Floskel, den die Politiker der jeweiligen Bevölkerung um die Ohren hauen….. es stimmt ja auch….. denn die oberen 10 % auch etwa in Afrika, haben noch mehr als sie bereits schon hatten.

35 Martin Januar 29, 2009 um 07:49

Warum erinnern mich der Artikel und Herr Sarkozy an so manches Corporate Management, das sich neue Bewertungskriterien sucht, sobald es nach den existierenden unvorteilhaft aussieht? Und das Nobelpreiskomitee scheint die neue Ratingagentur für Berater zu sein.

Ich kann ja unter gegebenen Umständen die Sorge von Stieglitz nachvollziehen, dass Regierungen mit hohem BIP-Wachstum haussieren gegangen sind, aber er muss sich fragen lassen, ob andere Kennzahlen an dem Desaster irgendetwas verändert hätten. Wenn die Leute Häuser und Hypotheken nachgeworfen bekommen, dann fragen sie nicht nach dem BIP. Und wenn die regulatorische Aufsicht der Regierung eklatant versagt, aber der Bürger in seinem (Schein-)Reichtum schwelgen kann, dann tut er das, bis es halt zuende ist.

Stieglitz hatte alle publizistischen Mittel, vor den Entwicklungen zu warnen, dass er keine Zuhörer gefunden hat, das lag wohl auch daran, dass das Gift etwas süßer war, als seine Medizin. BIP hin oder her.

Und, dass Sarkozyisch gerne schmückt ist doch offensichtlich: Neben Carla noch ein paar schöne Statistiken, möglichst ‘weich’ und politisch formbar. ‘Grüner’ und ‘glücklicher’, na toll. Beim letzteren kann er ja mal bei den Dänen nachfragen, wie die das trotz BIP machen.

Die Versuchung ist wohl groß, an den Symptomen herumzudoktern. Ich wäre schon mal zufrieden, wenn die ‘Doktoren’ ihren Staatsapparat auf ein Minimum zurückführten. Ich bevorzuge Freiheit, zu der auch gehört, den Gürtel enger zu schnallen, ohne dass das ‘System’ deswegen kollabiert. Eigentlich fände ich das BIP gar nicht so schlecht als Bezugsgröße: Wie wäre es damit, die Besoldung von Beamten und Parlamentariern an das BIP zu koppeln? Dann könnte der Staat in schlechten Zeiten auch den Gürtel enger schnallen.

36 Maik Januar 29, 2009 um 08:04

Aha, ganzheitliche Betrachtung anstelle von BIP, also aqua anstelle von Wasser… sehr überzeugend. Wenn‘s beim BIP n‘ Problem gibt (u.a.), dann ist selbiges ja wohl insbesondere die berüchtigte „Ganzheitlichkeit“, nach dem Motto, ich kenne keine Individuen mehr, ich kenne nur noch Völker (oder dgl.).

Ferner müsste en passant noch geklärt werden, wer denn dann die Deutungshoheit über solche schwachsinnigen Begriffe wie „ökologiche Nachhaltigkeit“ hat, respektive welches Politbüro darüber entscheidet, ob dieses oder jenes der ökologischen Nachhaltigkeit oder sonstiger religiöser Gebote wegen verboten oder erlaubt ist.

37 guggel Januar 29, 2009 um 09:06

@Harald

“in unserem Zoo haben wir 13,242 kg Tier”

Hahaha, is der geil, haha *prust*

38 Programmierer Januar 29, 2009 um 09:40

Möchte mich auch gleich fürs Off-Topic entschuldigen

@ Harald #3
@ Bela #5

Bin auch Webprogrammierer hier. Ich überlege mir auch schon lange, was man tun könnte, um die politische Kompetenz der Menschen zu stärken. Könnten Sie mir diese Infolinks schicken?

39 Warum nicht wir? Januar 29, 2009 um 12:43

>>dass künftige Generationen es vielleicht doch schaffen

Wen wir es nicht schaffen, dann sieht es ziemlich düster für künftige Generationen aus.

40 Bela Januar 29, 2009 um 13:21

@ Programierer @all

Wir sind eine kleine Gruppe von Schuelern und Studenten die seit Juni 08 an einer Platform fuer Politik arbeiten. Mehr Information gibt es hier:
http://www.dogma-pillenknick.de/jb-20/

(der Blog eines beteiligten)
Fast am Seitenende gibt es den Text plus Erweiterungen als pdf-file.

@WGN

Da ich schon dabei bin und Sie die off-topic posts noch tolerieren:
Ich wuerde mich freuen wenn ich auch Sie fuer die Sache gewinnen koennte. Koennen Sie sich vorstellen z.B. einige Grundproblematiken der Volkswirtschaft ‘kindgerecht’ zu erlaeutern?

41 weissgarnix Januar 29, 2009 um 13:28

@Bela

Klar, warum nicht. Schick mir einfach eine Email wenn’s soweit ist

42 mylli Januar 29, 2009 um 13:35

@ weissgarnix

Dann verstehens vielleicht auch die Politnutten….

43 ergo sum Januar 29, 2009 um 13:49

@ icke (Nr.34):

“Exportweltmeister” ist lediglich ein anderes Wort für mangelnden Binnenkonsum. China und Deutschland rangieren zwar als Nr.3 bzw. Nr.4 beim Bruttoinlandsprodukt, aber beim Konsum pro Einwohner liegt China an 122. Stelle.

44 John Wilkes Booth Januar 29, 2009 um 19:23

“Warum erinnern mich der Artikel und Herr Sarkozy an so manches Corporate Management, das sich neue Bewertungskriterien sucht, sobald es nach den existierenden unvorteilhaft aussieht?”

Weil es so ist, kaum zeigt das Manometer in den roten Bereich wird es abgeschraubt.Auf einmal ist es nicht mehr aussagekräftig…lol

Komm mir vor wie in der DDR….

45 eachtradingday Januar 29, 2009 um 22:17

alles was nicht zur “Wohlstandsmehrung” beiträgt, ist irrelevant.

Jetzt müssen wir uns nur noch darauf einigen was das ist :D

gruss
eachtradingday

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