Staatswirtschaft à la Schaeffler

von f.luebberding am 25. Januar 2009

Gerade lief im Handelsblatt die Meldung über den Einstieg des deutschen Staats beim Automobilzulieferer Continental-Schaeffler. Dieses Unternehmen hat zwei Probleme: Es kann nichts mehr liefern und es hat einen Haufen Schulden. Nun geht es hier nicht um dusselige Eliten oder lustige Witwen. Auch dass sich die Neubesetzung des Coni-Aufsichtsrats als eine üble Posse entpuppt hat, wollen wir einmal ignorieren. Oder dass der neue BDI-Chef vor der Staatsverschuldung warnt - während sich gleichzeitig seine Mitgliedsfirmen in die Arme des Staates flüchten.  Hier geht es allein um die Modalitäten der neuen Staatswirtschaft und unternehmerische Verantwortung. Frau Schaeffler hat sich grotesk übernommen. Sie steht vor den Trümmerhaufen ihres Konzerns. In sieben Monaten ein Milliardenerbe zu verspekulieren, ist eine reife Leistung. In Herzogenaurach sitzt der dümmste Hedgefonds der Welt – getarnt als Familienunternehmen. Deshalb ist die Politik in Form der Ministerpräsidenten Wulff und Seehofer vor der Staatswirtschaft ala Schaeffler zu warnen: Wenn sie nämlich nicht die Rettung der Konzerne beabsichtigen, sondern die Rettung der Frau Schaeffler.

Laut Handelsblatt ist es zwar noch ziemlich unklar wie die Staatshilfe für die bankrotten Konzerne auszugestalten ist:

“Die Details der Hilfe – Bürgschaft, Garantien oder auch eine direkte Beteiligung – seien noch offen, hieß es in Regierungskreisen.”

Aber eines scheint festzustehen: Die Herauslösung der Reifenproduktion aus dem neuen Konzern. Nun war schon im vergangenen Jahr der Verkauf der Gummisparte der bevorzugte Weg von Schaeffler, um an Geld zu kommen. Die einzigen Interessenten wären wohl Konkurrenten gewesen, die die Übernahme zur Marktbereinigung genutzt hätten. Deshalb war man in Niedersachsen und bei den Gewerkschaften gegen diese Heuschreckenstrategie der Zerschlagung des Konzerns. Genau diese  Herauslösung der Gummisparte soll jetzt aber ein wesentlicher Bestandteil des Staatseinstiegs werden. Unter der Schirmherrschaft des Landes Niedersachsen wird die durchaus erfolgreich zu nennende Diversifizierung der Continental AG rückgängig gemacht. Das Land Niedersachsen übernimmt damit eine Reifensparte, die in diesem Marktumfeld schon jetzt als Sanierungsfall zu betrachten ist. Niedersachsen finanziert so eine Geschäftspolitik, die in ein absehbares Desaster geführt hat. Schließlich hat niemand Frau Schaffler und ihren Geschäftsführer zu der feindlichen Übernahme von Continental gezwungen. Die Herauslösung der Reifensparte ist jetzt der einzige Weg um die Insolvenz angesichts des leichtfertig angehäuften Schuldenberges zu vermeiden. Das hat nur einen Schönheitsfehler:

Es war Frau Schaefflers Entscheidung im vergangenen Jahr den Weg in den Bankrott anzutreten. Warnungen vor der Überschuldung gab es bekanntlich.

Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, Frau Schaefflers Erbe zu retten. Es gibt aber gute Gründe die beiden Unternehmen nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Dafür stehen zu viele Arbeitsplätze auf dem Spiel. Aber die Zukunft dieser Arbeitsplätze ist mit dem Schicksal der Frau Schaeffler nicht identisch. Die Politik scheint diesen Unterschied vergessen zu haben. Aber sie kann ja noch bis morgen ihr Erinnerungsvermögen auffrischen.

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1 John Wilkes Booth Januar 25, 2009 um 16:33

Ok halten wir fest, jeder mit Grips in der Birne wußte seit der ersten Meldung zur Schaeffler-Conti Geschichte dass dieses Familienunternehmen bereits mit dem Bauch oben schwimmt,klar war auch dass jetzt der Staat kommt. Warum ? Um Zeit zu schinden.Eine Schaeffler Conti Pleite mit Tausenden Arbeitslosen kommt zur Zeit net so gut an beim Volk.Egal ist genauso tot wie Merckles Imperium.Alles was jetzt in Schulden sitzt ist tot.
Die Zuliefererindustrie insbesondere wird drastisch schrumpfen , da läßt sich nix mehr retten.

Weiter geht es in Richtung Staatsbankrott.

2 hacedeca Januar 25, 2009 um 16:39

Schaeffler? Wollte Lafontaine mit seiner PDS doch sowieso enteignen, also staatlicherseits übernehmen.

Na bitte, es läuft doch und klappt doch alles…

3 -*-_Halbgott_-*- Januar 25, 2009 um 16:40

Frauen-Quote bei den Selbstmord-Versuchen: ~ 90%
Frauen-Quote bei den Selbstmorden: ~ 10%

==> … Halbgott’s Wette:

Frau Schaeffler wird NICHT den Merckle machen !

4 rambok Januar 25, 2009 um 16:42

Bei dieser Gelegenheit möchte ich einen unserer “Eliten” zitieren, welcher sich in Impulse vor gar nicht allzu langer Zeit (Nov. `08) unfreiwillig zur Witzfigur machte:
“Was Schaeffler bei Continental gezeigt hat, bildet auch für andere Unternehmen eine Möglichkeit, die aktuelle Krise zum eigenen Wohl zu nutzen”
>>Burkhard Schwenker, 50, Chef der Strategieberatung Roland Berger und Professor der Handelshochschule Leipzig<<

Ich kann nur hoffen, dass nicht viele auf ihn gehör haben…

rambok

5 weissgarnix Januar 25, 2009 um 18:20

@Lübberding

>Es gibt aber gute Gründe die beiden Unternehmen nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Dafür stehen zu viele Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Ich mag wie eine Schallplatte mit Kratzer klingen, aber da irrst du dich, mein lieber Frank. Die Arbeitsplätze können unmöglich das Kriterium für ein staatliches Engagement sein.

Was hier gefordert wäre, ist eine Restrukturierung im Rahmen des Konkursrechts. Genau dafür ist es ja immerhin auch da. Darin liegt der Schlüssel, und übrigens lag er darin auch schon immer, das ist der Grund, warum wir partout immer “zur Rettung” irgendwelcher Companies eilen müssen, weil sonst so viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden usw …

Das ließe sich alles wesentlich gerechter und effizienter abhandeln, wenn wir ein modernes Konkursrecht à la USA hätten. Dummerweise haben wir uns aber davon in der jüngsten Novelle durch unsere grandiose gr. Koalition sogar noch weiter entfernt.

6 Frage Januar 25, 2009 um 18:24

Der Erfolg von Continental beruht darauf 1000de Arbeitsplätze seit ~2002 ins Ausland verlagert zu haben.
Und dies mit Subventionshilfe aus Brüssel.
Den Aktionären wurden dauerhaft höhere Erträge vorgegaukelt.
Die Zeit ging zu Ende als die Konkurrenz den Vorsprung durch höhere Produktivität ausgleichen konnte.

7 mylli Januar 25, 2009 um 18:27

Da bin ich eineinhalb Tage weg und was seh ich bei weissgarnix:;

1) Es verschwinden nicht nur Kommentare, sondern schon ganze Threads.

2) Es gibt sicher noch dümmere HedgeFonds, und Frau Schaefler hat zumindest nicht den Madoff gemacht.

3) Vor ein paar Monaten war hier noch zu hören “Use more debt”, und jetzt gehen angeblich alle mit Schuldenvor die Hunde? Wem gehört denn am Ende noch irgendwas? Den Pleitebanken, dem Pleitestaat?

8 Rob Januar 25, 2009 um 18:32

Jetzt fehlt nur noch, dass Porsche Kohle braucht (und bekommt).

9 Tobias Januar 25, 2009 um 18:36

>Aber die Zukunft dieser Arbeitsplätze ist mit dem Schicksal der Frau Schaeffler nicht identisch.

Aber sind nicht Schaeffler und die Firmen Conti/Schaeffler identisch? Immerhin ist sie Eigentümerin. Wie also ließen sich die Unternehmen retten, ohne Frau Schaeffler zu helfen?

10 Das wär ne Gaudi Januar 25, 2009 um 19:03

Anstatt der üblichen Witzfiguren bei Anne Will zum Staatsbankrott-Thema heute Abend,
sollten dort mal WGN, Lübberding, WI-ING und Dottore auf der Couch sitzen – alle zusammen.

Die Ohren der deutschen TV-Deppen und meiner Arbeitskollegen würde ich zu gerne sehen wollen.

Leider wird das nie passieren.

11 John Wilkes Booth Januar 25, 2009 um 19:09

“Jetzt fehlt nur noch, dass Porsche Kohle braucht (und bekommt).

ich glaub dass kommt schneller als manche hier glauben…spuhl mal ein Jahr zurück, wenn du den Leuten erzählt hättest was heute Fakt ist hätten die dich doch für einen Weltuntergangsphantasten gehalten…

12 John Wilkes Booth Januar 25, 2009 um 19:10

“Anstatt der üblichen Witzfiguren bei Anne Will zum Staatsbankrott-Thema heute Abend,”

Ron Paul , Peter Schiff aber bitte auch dabei…

13 Hajoe Januar 25, 2009 um 19:28

>> ==> … Halbgott’s Wette:

>> Frau Schaeffler wird NICHT den Merckle machen !

Halbgott hat Recht!
Die Frau ist blond, die wirft sich hintern Zug!

14 Michael Januar 25, 2009 um 19:31

Warum wird die “Übernahme” nicht rückgängig gemacht ? Wobei die Conti sich mit der kurz davor gelaufenen Übernahme der Siemens – Autozulieferer – Sparte garantiert auch übernommen hatte. Wenn die Dame es nicht bringt, dann muß sie die Verluste tragen. Mal abwarten, was der Zirkus so zu bieten hat. Vielleicht ein kleiner Hupf in die Gummiknetmaschine, wäre untypisch, aber ein paar Röhrchen Barbiturate ? Warten wir es nachrichtenlüstern ab.

15 wols Januar 25, 2009 um 19:32

@mylli
Wir haben eine Rezession: keiner kauft was. Wenn du Schuldner bist musst du aber trotzdem die Kredite bedienen auch wenn kein Umsatz da ist…
Und Neukredite oder Umschulden geht ja nur zu Mondzinsen: was nützt 0% Zins der ZB wenn die Banken diese Zinsen nicht weitergeben sondern damit ihre Bilanzen schönen und dir 10%+ Zinsfuss anbieten?

@Tobias: die Frau Schaeffler dazu zwingen Ihre Fabriken zu verkaufen statt der Frau Geld zu geben… Eben vielleicht auch nur teilweise verkaufen. Siehe Merckle: dort muss, damit die Banken Kredit geben, mind. ein Teil verkauft werden. Vorzugsweise das Juwel Ratiopharm (weswegen sich Hr. Merckle wohl umgebracht hat: mit der Firma hat er sein Vermögen gemacht, war sein Lebenswerk)

16 f.luebberding Januar 25, 2009 um 20:14

Booth

Ob das jedem im letzten Jahr schon klar war, wage ich zu bezweifeln. Auf jeden Fall ist der Fall Schaeffler schon eine andere Hausnummer. Merckle hat seinen desaströsen Heidelcement/Hanson Deal kurz vor Ausbruch der Krise 2007 gemacht. Das war schon Pech. Ähnliches gilt für die VDO Übernahme durch Conti. Aber Schaeffler ist 2008 sehenden Auges in den Untergang marschiert, der jetzt durch die Politik verhindert werden soll. Nur die Aussicht diese alten Schulden auch bedienen zu können, ist gleich Null.

Hacedeca

Genau. Wahrscheinlich war Lafontaine der Strippenzieher … .

Weissgarnix, Tobias

Ach, alte Platten haben einen hohen Wert. Nur ist für die Politik der Erhalt von Arbeitsplätzen das einzige Kriterium solange sie keinen anderen Gesellschaftsentwurf präsentieren können – worüber aber leider zur Zeit nur bei uns diskutiert wird … . Das macht die Politik erpressbar. Für die Politik hört sich aber “Restruktuierung im Rahmen des Konkursrechts” einfach zu schrecklich an. Damit lässt sich kein politisches Handeln begründen … . Nur hat natürlich auch in der Vergangenheit die Restrukturierung ganzer Industrien nur unter Mithilfe des Staates stattgefunden. Etwa in der Stahlindustrie in den 70er Jahren. Aber Schaeffler ist ein Sonderfall. Deren Schulden sind das Ergebnis einer sinnlosen Geschäftspolitik. Schaeffler/Conti wäre nicht schon jetzt in dieser Notlage, wenn es diesen verrückten Zirkus nicht gegeben hätte. Und hier gilt eben die Differenzierung zwischen alten und neuen Krediten. Die Übernahmespekulation zu subventionieren, ist schlicht abenteuerlich. Und das ist auch die Antwort auf Tobias: In diesen Heuschreckenfällen ist der Konkurs das beste Verfahren zur Sicherung der Arbeitsplätze. Dann fällt nämlich vor allem eines weg: Die Last aus den Übernahmekrediten. Wir haben im Sauerland einen ähnlichen Fall mit Honsel. Der gehört der Heuschrecke Ripplewood. Die wollte vor Weihnachten Staatsbürgschaften haben, weil sie am Ende war. Nur bekam sie sie nicht – lediglich ein Moratorium bis Ende März. Dann kommt der Tag der Entscheidung. Honsel ist für die Autoindustrie fast unverzichtbar – wegen der technologischen Kompetenz und den Mitarbeitern. Die Heuschrecke und ihre Schulden haben keinen Nutzen. Wenn die Heuschrecke stirbt, ändert sich für Honsel in der Hinsicht nichts. Honsel muss aber rekapitalisiert werden. Und Schaeffler operierte wie eine Heuschrecke – und nicht wie der Mythos eines Sauerländer Familienunternehmers. So muss man den Laden auch behandeln.

Dass die Autoindustrie vor dramatischen Veränderungen steht, ist keine Frage. Nur gerade deshalb muss man sich nicht auch solche Untoten wie Schaffler aufbürden. Und das ist das Thema hier.

WI-ING

Frauen sind eben in mancher Hinsicht klüger wie es scheint.

17 weissgarnix Januar 25, 2009 um 20:26

@Lübberding

>Damit lässt sich kein politisches Handeln begründen …

Da scheint mir der Hund begraben und der Hase im Pfeffer zu liegen. Sind halt doch alles nur Interventionisten ohne Sinn und Verstand, die sich dann Pseudo-Keynesianer wie Bofinger und Hickel als Kronzeugen halten.

18 knt Januar 25, 2009 um 20:40

Ich stimme weissgarnix zu, ein anständiges Konkursverfahren das die Verluste bei denen läst die sie zu verantworten haben, und dennoch versucht die Produktion und damit die Arbeitspläze – von mir aus dann auch vorrübergehend in Staatseigentum – zu retten wäre hier der saubere Weg.

Dieser Subventionierung von wirtschaftlichem Versagen ist ein Fehler – egal ob neoliberal oder sozialistisch gedacht wird.

hm so nebenbei – ist die Enteignung eines Überschuldeten eigendlich noch eine Enteignung? ;p

19 f.luebberding Januar 25, 2009 um 20:42

Mylli

Wer als dümmster Hedgefonds ausgezeichnet wird, wird sicherlich spannend werden. Nur Madoff war schlicht ein Betrüger. Frau Schaeffler und vor allem ihr großer Geschäftsführer hielten sich dagegen für besonders clevere Strategen – und zwar ohne eine Spur kriminelle Energie. Was sie eben vorhersehbar nicht waren, nur selten verblendet. Ansonsten hat sich die Debatte über die Verschuldung mittlerweile entscheidend verändert. Wir werden in Dimensionen landen, die wir uns bisher gar nicht vorstellen konnten. Das heißt aber die Staatsverschuldung für den Königsweg aus der Krise zu halten. Es handelt sich bekanntlich nicht um ein klassisches Konjunkturproblem. Nur ohne die Staatsinterventionen der vergangenen 18 Monate wäre schon längst Schicht im Schacht gewesen. Manche vergessen diesen Aspekt gerne. Aber die Entwicklung ist hoch dynamisch. Und das Schlimmste was uns jetzt passieren kann, ist eine Sichtweise, die neue Entwicklungen nicht mehr zur Kenntnis nimmt – also etwa einen drohenden Staatenbankrott. Welche Rückschlüsse man dann daraus zieht, ist natürlich wieder eine andere Frage.

Das wichtigste Thema ist aber nach meiner Einschätzung, was mit diesem Geld geschieht und vor allem in welcher Gesellschaft wir am Ende landen werden. Letzteres ist die Debatte über den Staatskapitalismus. Und den der Frau Schaeffler braucht man nicht wirklich.

20 Frage Januar 25, 2009 um 20:50

Welche Arbeitsplätze sind denn zu retten????

http://www.faz.net/s/RubC9401175958F4DE28E143E68888825F6/Doc~E27D7BBA927414B998A8735156E05B1B3~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

Hat Lübberding vor dem Contiwerk protestiert. Nee.
Hier schreiben die dummen Spieler, die mit spielen.
Und mitgewinnen wollten.

21 John Wilkes Booth Januar 25, 2009 um 20:51

gehebelte Firmenübernahme/Kredit+KFZ Zuliefererindustrie= Bankrott+Staatsknete(siehe Posting vor einiger Zeit zum Thema)

so einfach, da brauch man keine e Funktionen aufstellen oder Friedman lesen , gesunder Mediziner Menschenverstand reicht vollkommen.

“Sind halt doch alles nur Interventionisten ohne Sinn und Verstand, ”

doch doch dass hat schon Sinn , Pöstchen sichern egal um welchen Preis und Zeit schinden…Quimonda war eben einfach zu klein…

mal im Ernst , glaubt WGX dass die Autoproduzenten zum Sommer ihre Produktion wieder hochfahren ? Wohl kaum ? Eher gibt es dort bis zum Sommer einige Totalausfälle.
Somit ist Conti ein Steuermassengrab- da wird solange nachgekippt bis die Bunds bei D wie Default ankommen
(Bsp. HRE)

sorry schon wieder eine unbedarfte Prognose von einem VWL Laien, schaun mer mal wer Recht behält…

22 f.luebberding Januar 25, 2009 um 20:59

weissgarnix, knt

Also noch ist die Messe nicht gelesen. Die Bayern denken noch nach, heißt es, und etwa die FAZ oder die FTD sind nicht unbedingt begeistert. Aus welchen Gründen auch immer. Man darf die Ratlosigkeit der Politik in dieser Lage nicht unterschätzen. In Neuss etwa steht auch schon ein großer Aluminiumhersteller auf der Kippe, schreibt das Handelsblatt. Die Firmen fallen jetzt schneller um als die Politik überhaupt reagieren kann. Das sich daraus Verarbeitungsprobleme bei der Problemlösung ergeben können, sollte man durchaus anerkennen. Die Politik muss halt nur begreifen, dass Frau Schaeffler zwar noch das Eigentum an beiden Konzernen besitzt, aber man sich die Zukunft dieser Konzerne auch sehr gut mit anderen Eigentümern – übergangsweise eine Staatsholding – vorstellen kann. Nur für den Fall, dass Frau Schaeffler doch keine Standleitung zu Bernanke besitzt wie ich es früher einmal geschrieben habe. Dann könnte sie aber ihre Problem auch ohne Seehofer und Wulff lösen. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass dessen Dollar auch noch jemand haben will … . Jeder Mensch ist aber als lernfähig vorzustellen. Übrigens auch Bofinger, Hickel – und wir alle hier natürlich auch … .

23 f.luebberding Januar 25, 2009 um 21:11

Frage

Genau gegen diese in dem FAZ Artikel angesprochene Logik habe ich nun wirklich seit Jahren angeschrieben – auch schon vor 2007. Dummerweise haben aber zu wenige Leute WDR 3 gehört. Und noch weniger hätten sich wahrscheinlich von mir überzeugen lassen, wenn sie es denn gehört hätten. So ist die Welt. Man gewöhnt sich daran. Und schlecht ist sie auch ja auch nicht, diese Welt, so im Großen und Ganzen, finde ich … .

24 mylli Januar 25, 2009 um 21:23

Ach Frank, du bist zu gut für diese Welt…

Deswegen wirst aber geliebt.

25 mylli Januar 25, 2009 um 21:27

@ 19

Wie bei der vorsorgenden Währungsreform (ich arbeite noch meine Abwesenheit auf) diskutiert wurde, muss jeder im System einsehen, dass er nicht so viel in Zukunft rauskriegt wie erwartet.

Wenn deswegen alle brav arbeiten gehen und nicht nur von Zinseinkommen und Spekulationsgewinnen leben, dann wird am Ende sogar mehr da sein als gedacht.

Das ist mein Traum.

26 f.luebberding Januar 25, 2009 um 21:31

Mylli

Nicht ich bin zu gut. Die Welt ist besser als viele glauben … . Trotz alledem. Wir dürfen uns nur nicht verdummen lassen … .

Wie ich gerade sehe, arbeitest Du daran. Gegen die Verdummung.

Gruss Frank

27 inti Januar 25, 2009 um 21:39

jungs und mädels:

gleich bei anne will:
Verbrannte Milliarden – mit Vollgas in den Staatsbankrott?

aber leider ohne buiter *g* …

@wgn lübberdings
macht doch mal nen eintrag wo man fröhlich auf die positionen in der sendung schimpfen kann auf … hier passts ja nicht rein

@enteignung: wenn der eigenkapitalgeber pleite geht fällt das zeugs an den fremdkapitalgeber … wenn der staat bereit ist denen das fremdkapital zu garantieren, dann bitteschön, aber in so einer kriese müssen auch die FK-geber bluten, sonst ist was falsch … immerhin sind die finanziere der unternehmen diejenigen mit viel vermögen ;-) und die sollen doch belastet werden, oder verstehe ich was falsch?

28 Michael Januar 25, 2009 um 21:52

@John Wilkes Booth
Ja, mir schwebt so Juli/August vor.

Diese Schäffler-Rettung würde ich einfach wettbewerbswidrige Subvention nennen. Helfen kann das bei einer Schieflage von schlappen 22 Mrd. € auch nicht.

Wobei man sagen muß, gerade mit DAX-Unternehmen ist Mitleid oft völlig fehl am Platze. Wer für die Gesellschaft nichts in Form von Arbeitsplätzen tut, ist im Zweifelsfall problemlos schlachtbar. Sollen sie da, wo ihre Arbeitskräfte sitzen, um Subventionen betteln.

29 -*-_Halbgott_-*- Januar 25, 2009 um 22:14

“@wgn lübberdings
macht doch mal nen eintrag wo man fröhlich auf die positionen in der sendung schimpfen kann auf … hier passts ja nicht rein”

=> … ja, ich schaue Maybrit Christiansen schon seit Jahren nicht mehr. Wäre aber ganz nett, wenn jemand die dicksten Lügen etwa von dem CDU-Ober-Amigo Nobbi-Röttgen postet und so der Nachwelt erhält …

30 Rob Januar 25, 2009 um 22:23

@ inti: die größten FK-Geber heißen u.a. Commerzbank und Dresdner Bank. Wenn die Kredite abgeschrieben werden müssen betteln am nächsten Tag eben die…

31 Unwissender Januar 25, 2009 um 22:25

Also, nächste Eskalationsstufe!

Bisher z.B.

- private Immobiliemärkte und deren Finanzierung
- Staatsdefizite
- Konsumentenkredite
- Kreditkarten

Und nun neu

- Firmenfinanzierungen

Alles übrigens aus “Richtung Westen” – aha! :-(

Mann, mann, mann!

die armen Bankbilanzen – so viel “make-up” gibts garnicht! :-)

@Halbgott

Neben den Edelmetallen sind Agrargüter ein must have!
Geht halt am elegantesten durch Aktien.

Nochwas und als Einziger – wirklich – physisch gedeckt: CH0047533523

32 unimog Januar 25, 2009 um 23:21

@unwissender
CH0047533523
Kannste leider nicht auf xetra handeln! Wenn gar nicht ausgiebig gehandelt werden soll, lieber physisches. Und wenn regelmäßig gehandelt wird, kann’s auch ein normaler tracker sein…

33 spiritformoney Januar 25, 2009 um 23:48

@alle
Hab mir gerade zdf nachtstudio angeschaut – mit Gunnar Heinsohn, Max Otte, einer ehemaligen Impulsejournalistin und einem Metzlerbankster.

Heinsohn hat versucht die Abhängigkeit des Geldes von verpfändbarem Eigentum zu vermitteln. Schönes Bild vom Hühnerhof der für 1000.- gekauft auf 4000.- steigt und sich der Eigentümer reicher fühlt – seine Madame ihm allerdings klarmacht nee, nee jedes Huhn gibt immer noch nur ein Ei. Allerdings meinte er immer wieder, dass ALLES Geld mit dem aktuellen Zentralbankzins von der Zentralbank an die Banken verliehen wird. Und, wenn der z.B. bei 2% liegt, von den Banken Kredite dazu benutzt werden um in alles zu investieren was >3% oder 4% Zins bringt. Damit implizierte er das alte Märchen von der Zinsdifferenz an der die Banken verdienen. Giralgeldschöpfung? – Fehlanzeige!

Otte hat als Einziger, wenigstens ansatzweise, die kriminelle Energie der Handelnden Akteure bei Banken, Ratingagenturen und sonstigen Profiteuren der Kreditblase benannt. Sowie die Kettenbriefgeldschöpfung mittels immer neuer aufeinander bezogener Finanzinnovationen. Die eben in keinem Bezug mehr zur produktiven Wirtschaft stehen.

Die Ex-Impulse vesuchte überwiegend zu beschwichtigen.

Der Metzelerbankster – war sich nicht so recht im Klaren darüber was er, außer Werbung für sein selbstlos beratendes Bankhaus, beitragen soll.

Schön auch folgendes von Heinsohn:
- eine Gesellschaft in der die Privaten Haushalte eher wenig Schulden haben kann sich eine solche explodierende Staatsverschuldung eventuell noch leisten. Aber ein Gesellschaft in der die Menschen älter, dümmer und weniger werden und in der schon alle bis zum Hals verschuldet sind, ist dies schon für die Zukunft sehr kritisch.

Sie waren sich auch alle einige, dass die BRD zwar theoretisch pleite gehen kann – doch so ganz praktisch also eigentlich eher unwahrscheinlich – aus heutiger Sicht möchte man hinzufügen.

hier der link: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/677412?inPopup=true

gruß,

34 hyperinflation Januar 25, 2009 um 23:59

hier die verbesserte Version des Spiegelcovers

http://i8t.de/dzc54jb5

und schau an die bBKaZ warnt!

http://www.tz-online.de/de/aktuelles/welt/artikel_57262.html

35 staph.aureus Januar 26, 2009 um 00:27

STAATSBANKROTT:
ob denn auch dieser nette kleine Inselstaat bankrott geht, mit dem unser netter Finanzminister friedlich und einvernehmlich Regelungen trifft, um die Doppelbesteuerung bei Unterhaltsleistungen für Studenten, Praktikanten und Lehrlingen zu regeln ?

http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_4134/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Steuern/Veroeffentlichungen__zu__Steuerarten/Internationales__Steuerrecht/DBA/099__Jersey.html

Verehrte deutsche Studenten, Praktikanten und Lehrlinge, die ihr in dieser globalisierten mobilen Welt nach Jersey gezogen seid: ihr habt mein volles Mitgefühl, falls ihr jemals doppelt Steuern gezahlt habt.

LEUTE, WIR WERDEN DOCH VOLL VERARSCHT AUS BERLIN !

36 staph.aureus Januar 26, 2009 um 00:34

Verluste sozialisieren, Gewinne steuerfrei kassieren, liebe Conti-Aktionäre, und dann steuerfrei anlegen, ganz legal auf einer netten kleinen befreundeten Insel.

” Mit großem Eifer erläutert der Marketingchef von Jersey das Steuersystem der Insel: Alle zahlen 20 Prozent, außer die ganz Reichen. Für die gilt ein Staffelrabatt, der sich mit der Größe des Vermögens erhöht: “Die Reichsten zahlen 20 Prozent auf die erste halbe Million, und dann schrittweise immer weniger.” Das heißt, dass sie für einen Teil ihrer Anlagen gar nichts mehr zahlen.

Um noch mehr Milliardäre auf dieses Fleckchen Erde zu locken, hat sich die Regierung von Jersey eine neue Steuerklasse einfallen lassen. Die “1 (k) 1″ ermöglicht es den liebsten Bürgern des Landes, ihren Steuersatz direkt mit den Finanzbehörden auszuhandeln. Mit den meisten einigt man sich auf 0 Prozent.”

http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/steuerparadies-jersey/

“Steueroasen austrocknen? “Stimmt, hab ich mal im Radio gehört. Sarkozy scheint da ja einiges vorzuhaben. Aber falls Sie hier jemanden finden, der ihm das abkauft, möchte ich den gern kennenlernen!” Hektisch lachend drückt der smarte Angestellte seine Kippe aus, dreht sich um und verschwindet in einem der Büropaläste.”

—- KOTZ ² —–

37 staph.aureus Januar 26, 2009 um 01:27

wikipedia

1944: “Von der Invasion in der Normandie war Jersey nicht betroffen. Offiziell wurde erklärt, man wolle sich nicht mit der Befreiung der „unwichtigen“ Insel aufhalten; über mögliche, tiefer reichende staatsrechtliche und politische Gründe wird spekuliert”

Wäre doch zu ärgerlich gewesen, wenn man durch eine militärische Eroberung den mittelalterlichen Rechtsstatus dieser liebenswerten Insel beseitigt hätte. Wie rücksichtsvoll Kriegsführung doch sein kann.

38 staph.aureus Januar 26, 2009 um 01:34

und zur Abwechslung: Steueroase GUERNSEY

“30. Mai 1940 landeten fünf Junkers-Truppentransporter, und die Insel wurde von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die nicht auf Guernsey geborenen britischen Staatsangehörigen wurden im Lager Lindele in Biberach an der Riß interniert. Zu Biberach an der Riß besteht heute eine offizielle Partnerschaft. ”

Zufälle gibt´s: ausgerechnet Biberach, bekannt für steuersparende Milliardäre und die schwäbische Eisenbahn.

39 wols Januar 26, 2009 um 01:47

-> Zufälle gibt´s: ausgerechnet Biberach, bekannt für steuersparende Milliardäre und die schwäbische Eisenbahn.

Wer ist denn dort Milliardär?

40 Alvar Hanso Januar 26, 2009 um 05:02

@Steueroase

1./FschJgBtl 263 nach Guernsey, 2./FschJgBtl 263 nach Jersey, alle Probleme innerhalb von 48 Stunden lösbar.

Und es bleiben noch genügend Truppen um ähnliches in der Karibik zu veranstalten.

Das wären m.E. die einzigen Militäreinsätze wo WIRKLICH etwas zu reißen wäre und sich in allen Belangen lohnen würde, ökonomisch und gesellschaftlich.

Wenn man denn wollte…

41 icke Januar 26, 2009 um 06:53

“Schaeffler? Wollte Lafontaine mit seiner PDS doch sowieso enteignen, also staatlicherseits übernehmen.”….. zuviel Bild gelesen?

Also nochmal für alle: Lafontaine hat von der Enteignung der Arbeiter und Angestellten durch Scheffeler gesprochen, und nicht davon Scheffeler zu einteigenen. Das wurde ihm medialerseits in den Mund gelegt und die Mehrheit des Volkes ist so dumm, dass diese Lügen geglaubt werden. Aber man sollte bei der Wahrheit bleiben, obwohl Lafo für manchen ein rotes Tuch ist. Überigens bekommt jetzt Scheffler Geld von dem Staat, heisst… Scheffler wird nicht übernommen, sondern bekommt Geldgeschenke (wenns nicht Wulff und Seehofer gewesen wären, fänden sich auch andere Politiker, die Schffler Geld in den Rachen stopfen würden). Die korrupte Clique hält zusammen.

42 zefix Januar 26, 2009 um 08:44

Möglicherweise geht es um Sal.Oppenheim bei diesem bailout?

Die fränkischen Witwen Schaeffler (INA) und Schickedanz (Arcandor, früher Karstadt-Quelle) haben doch brav ihre Anteile an das Bankhaus verpfändet.

43 f.luebberding Januar 26, 2009 um 09:44

Nur als Hinweis an die Damen und Herren im CDU Forum.

http://diskussion.cdu.de/forum/thema2/ileWeye2D.ovr/ile2NCLYz

Wenn ihr schon einen Beitrag von uns zur Debatte stellt, dann bitte mit Quellenangabe. Ansonsten bin ich auf die Debatte gespannt.

Mit besten Grüßen

f.luebberding

44 hyperinflation Januar 26, 2009 um 10:25

@44
ist das nur bei mir so das ich dort posting für posting durchskippen muß?

Oder ist das für registrierte (also Schäublekonforme) übersichtlicher?

45 Nanuk Januar 26, 2009 um 10:37

Aber ein Gesellschaft in der die Menschen älter, dümmer und weniger werden und in der schon alle bis zum Hals verschuldet sind, ist dies schon für die Zukunft sehr kritisch.

Ja Herr Heinsohn sie beschreiben da die USA!Private Haushalte verschuldet und enorme Staatsverschuldung.
Die Wahlergebnisse in Bolivien bestätigen meine These vom langsamen sterben des zivilisatorischen und kulturellen Vorbildes.

Witzig fand ich auch die Erwähnung der Rating Argenturen als ob die Ratings bei Staatsanleihen unpolitisch Motiviert währen und sich Rating Argenturen in einem Machtvakuum befänden.Sehr befremdlich diese Naivität.

46 f.luebberding Januar 26, 2009 um 14:30

Zitat des Tages von Reuters:

“McAllister, der auch Vorsitzender der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag ist, wies auf die wichtige Rolle des Continental-Konzerns als Arbeitgeber hin. “Die Landesregierung ist sich bewusst, dass Continental ein wichtiger Arbeitgeber für Niedersachsen ist, nicht nur am Standort Hannover, auch in strukturschwachen Gebieten”, sagte er. Der direkte Einfluss des Staates auf die Wirtschaft müsse auf Ausnahmesituationen wie die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise beschränkt sein. “Der Staat muss sich im Klaren sein, dass er sich nicht übernehmen darf und nicht Marktteilnehmer ist”, sagte McAllister.”

Um das einmal zu übersetzen: Conti ist zu wichtig, um einfach unterzugehen. Also muss der Staat was machen, weil wir ja eine Krise haben. Aber eigentlich darf der Staat nichts machen, weil er sich nicht übernehmen darf. Also muss der Staat das machen, was er eigentlich machen darf, weil er sich sonst übernimmt? McAllister ist etwas verwirrt. Ansonsten würde er auch nicht erzählen, dass der Staat zwar kein Marktteilnehmer ist, aber er ohne Teilnehmer zu sein, gleichzeitig Frau Schaeffler retten kann? In Göttingen gibt es übrigens ein Landeskrankenhaus, das sich verwirrten Menschen annimmt.

47 Karl Januar 26, 2009 um 14:50

In Göttingen gibt es übrigens ein Landeskrankenhaus, das sich verwirrten Menschen annimmt.

Yep, das hat besagte CDU – die ja bekanntlich kein Marktteilnehmer ist – allerdings privatisiert, inkl. dem Maßregelvollzug im LKH Moringen.

Ich fürchte Herr McAllister würde sich also in der berühmten Logikwolke auflösen, wenn er als Staatsvertreter dort vorstellig wird und erklärt er sei kein Marktteilnehmer, sondern Staatsrepräsentant, aber verwirrt und müsse deshalb am Markt für Hilfe bei akuter Verwirrung als Nachfrager tätig werden, was er aber per Definition nicht kann, da er kein Marktteilnehmer ist. (Wenn er vorher zurücktritt, ist alles gut oder vielleicht sogar besser :-) )

48 mylli Januar 26, 2009 um 15:54

Bei so vielen Beiträgen pro Tag werden ja die meisten Poster überfordert, deswegen mach ich jetzt beim Spiel “Lustiges Link Sammeln” mit:

http://vorarlberg.orf.at/stories/337778/

Hallo Realsatire, ich will mein SOMA!

49 weissgarnix Januar 26, 2009 um 16:03

@mylli

Landesstudio Vorarlberg? Ist das nicht ein wenig arg viel Multikulti?

50 f.luebberding Januar 26, 2009 um 16:07

Wieviel Platz gibt es in Göttingens LKH?

“Ein Sprecher von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte am Montag in Hannover, die Aussage des Vize-Regierungssprechers in Berlin sei “dummes Zeug”.”

Interessant. Der Berliner Regierugnssprecher erzählt also dummes Zeug. Aber dann äußert sich Herr Wulff bei Hitradio Antenne. Laut Handelszeitung sagte er folgendes:

“Wulff selbst sagte “Hit-Radio Antenne Niedersachsen”: “Da ist viel Fantasie, Spekulation und Wunschdenken im Raum. Ich denke, man muss die nächsten Wochen mal abwarten, welche Konzepte entwickelt werden, um diese grosse Gruppe, wo es um 200.000 Arbeitsplätze geht, auch wirklich fit für die Zukunft zu machen.”

Ja, das interessant uns auch alle, was denn die diese grosse Gruppe fit machen könnte. Ein Waldlauf? In Göttigen? Mit Jürgen Trittin? Zum LKH?

Aber lassen wir die Polemik:

“Wulff, der seit Wochen in Gesprächen mit den Konzernen ist, zeigte sich skeptisch bei der Frage nach direkten Staatshilfen. “Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler Fusionen verbürgt. Das ist schon problematisch bei der Commerzbank/Dresdner Bank , und das wäre jetzt erneut ein problematischer Fall.”

Es kann nicht sein, dass der Staat Fusionen verbürgt. Ein großes Wort. Also:

“Erstmal sind die Banken und Eigentümer gefordert.”

Die sind beide Pleite. Das ist ja gerade das Problem. Während als McAllister in Norfällen davon ausgeht, dass es Hilfe geben muss, scheint Wulff jetzt davon auszugehen, dass es gar keine Finanzkrise gibt. Ansonsten müsste er nämlich mit der “Forderung an die Eigentümer” die Insolvenz der Schaeffler Gruppe fordern. Aber keine Frage, er hat die Lösung:

“Diese Dinge sind alle unklar”

Den Eindruck haben wir auch.

“… und solange die alle unklar sind, ist der Staat überhaupt noch nicht gefordert.”

Jetzt landen wir bald selber im Göttinger LKH. Solange alles unklar ist, muss der Staat also nichts tun? Warum dann das Theater? Wegen der Krise, die wenn man Wulffs Aussagen richtig versteht, gar nicht existiert? Aber nein.

“Wulff hält vielmehr eine Bürgschaft für denkbar”, so die Tickermeldung.

Nur zur Erinnerung. Kurz vorher:

“Es kann nicht sein, dass der Staat Fusionen verbürgt.”

Das ist durchaus logisch – es kommt halt auf die Perspektive an, wenn er also ausführt:

“Im Grundsatz ist das Instrument des Staates eine Bürgschaft, eine Garantie – um die wird es vermutlich gehen”, sagte der Regierungschef dem Radiosender./mw/DP/ck”

Und das in einem Radiointerview von vielleicht vier Minuten?

Ich habe jetzt ernste Zweifel bezüglich der Kompetenz des handelnden Personals – oder fehlt jemand im Göttinger LKH?

51 Europäer Januar 26, 2009 um 19:42

Was spricht dagegen wenn der Staat Firmen einfach bewertet wie es Rating Agentur tun, und die Firmen mit Krediten oder Kapital unterstützt die in einem normalen Marktumfeld funktionieren würden? Allerdings brauchen wir die maroden Privatbanken dann nicht mehr, also Goodbye.

> Es gibt aber gute Gründe die beiden Unternehmen nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Dafür stehen zu viele Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Oje, ich finde man sollte niemals Unternehmen wegen der Arbeitsplätze retten. Wegen der Technologie (Industriepolitik) oder weil sie eigentlich profitabel sind (Ausnahmefall in der Krise), aber doch nicht wegen der Arbeitsplätze.

52 spiritformoney Januar 26, 2009 um 19:56

Ja, ok es sind vor allem Arbeitsplätze bei den “Anderen”, doch es verdeutlicht den Witz der darin besteht einem bestimmten Unternehmen zu helfen (Fass ohne Boden) um Arbeitplätze zu retten. Wer damit in der jetzigen Situation beginnt weis wirklich nicht was er/sie tut.

NEW YORK/HAMBURG (dpa-AFX) –
Mehr als 50.000 Jobs an einem Tag vernichtet:
Immer mehr Großkonzerne stemmen sich gegen die Wirtschaftskrise mit massiven Stellenstreichungen. Die Ankündigungen kamen am Montag aus verschiedensten Branchen. Der S-Baumaschinen- Hersteller Caterpillar greift besonders hart durch und kappt auf einen Schlag 20.000 Arbeitsplätze. Beim Elektronik-Konzern Philips Electronics fallen 6.000 Jobs weg, bei der niederländischen Bank ING
Groep 7.000, beim europäischen Stahlkonzern Corus 3.500. In den USA streicht der Telekom-Anbieter Sprint Nextel 8.000 Stellen, der weltgrößte
Baumarkt- Betreiber Home Depot 7.000 Arbeitsplätze.
Die Ankündigungen zeigen, wie die Krise die Unternehmen auf breiter Front trifft. Philips, Home Depot oder Sprint Nextel macht zu schaffen, dass die Verbraucher weniger Geld zum ausgeben haben oder schwerer an Kredite kommen.

Caterpillar rechnet mit einem massiven Geschäftseinbruch, weil weniger gebaut wird und weniger Rohstoffe gefördert werden müssen. Auch Corus als Stahlhersteller leidet darunter, dass die Nachfrage vom Bau und aus der Autoindustrie weggebrochen ist. Die Bank ING gerät immer stärker in den Sog der Finanzkrise und muss nach tiefroten Zahlen noch mehr sparen. Ein Unternehmen, das von der Krise und der neuen Sparsamkeit der Verbraucher sogar profitiert, ist dagegen McDonald’s. Der weltgrößte Fast-Food-Konzern will allein in Europa 12 000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Caterpillar, der weltgrößte Baumaschinen-Hersteller, hatte die Zahl der
Beschäftigten erst im vergangenen Jahr um rund 13 Prozent auf knapp 113.000 ausgebaut. Nun fällt nahezu jeder fünfte Job weg. Das US-Unternehmen stellt sich für das laufende Jahr auf einen Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent ein. Die Kunden hätten schon im Schlussquartal 2008 zahlreiche Aufträge storniert.

PHILIPS WAGT KEINE JAHRESPROGNOSE

Der Elektrokonzern Philips hatte bereits im vierten Quartal 2008 die Zahl der Mitarbeiter weltweit bereits von 128.000 auf 121.000 reduziert. Nun fallen nochmals 7.000 Stellen weg. Konzernchef Gerard Kleisterlee wagte angesichts der ‘beispiellosen Geschwindigkeit und Heftigkeit’ der Krise keine Jahresprognose.
Unter den Philips-Sparten wurde der Verbraucher-Bereich Consumer Lifestyle – vom Fernseher über Rasierer bis zum Haushaltsgerät – deutlich vom Nachfragerückgang getroffen.

Der Finanzkonzern ING braucht nach einem desaströsen Schlussquartal 2008 erneut staatliche Hilfe – um die als ‘Giftmüll’ bezeichneten faulen Wertpapiere größtenteils loszuwerden. Nach vorläufigen Berechnungen rutschte ING im Schlussquartal sogar vor Sondereffekten mit 3,3 Milliarden Euro in die roten Zahlen. Nun legt ING ein drastisches Sparprogramm auf: Insgesamt 7.000 der weltweit rund 130.000 Vollzeitstellen werden noch in diesem Jahr gestrichen.

HOME DEPOT SCHLIESST MEHR ALS 40 STANDORTE

Die 7.000 Arbeitsplätze bei Home Depot entsprechen etwa zwei Prozent der Belegschaft. Der Großteil der Stellen – etwa 5.000 Jobs – fällt weg, weil Home Depot mehr als 40 Standorte dichtmacht. Der Baumarkt-Betreiber leidet bereits seit Monaten unter dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes. Mit dem Abgleiten der amerikanischen Wirtschaft in eine Rezession hat sich die Lage zum Jahresende 2008 noch verschärft. Der US-Telekommunikationskonzern Sprint Nextel greift zu den massiven Sparmaßnahmen im scharfen Wettbewerb mit seinen größeren Rivalen.
Die jährlichen Kosten sollen mit dem Jobabbau um 1,2 Milliarden Dollar gesenkt werden, hieß es.

Beim Stahlkonzern Corus fallen rund 2.500 Stellen in Großbritannien weg und weitere etwa 1.000 zumeist in den Niederlanden. Daneben werde Corus wie angekündigt seine Aluminiumhütten in Deutschland und den Niederlanden verkaufen.
Das Unternehmen, das zum indischen Konzern Tata Steel gehört, beschäftigt weltweit 42.000 Menschen, davon arbeiten 24.000 in Großbritannien./so/DP/ck

von onvista

53 spiritformoney Januar 26, 2009 um 20:05

Und noch was für eine weiterführende Diskussion:

Giralgeldschöpfung, FRB, Zahlungsmittel, Termin und was sonst noch so für Verwirrung sorgt
verfasst von BillHicks , 17.12.2008, 15:56
Es wird hier von Zeit zu Zeit die Frage gestellt: wie ist das denn jetzt mit dem fraktionalen Reservesystem, gibt es das oder gibt es das nicht? Und gibt es jetzt eine Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken oder gibt es sie nicht? Und wird dieses Giralgeld “aus dem Nichts” geschöpft oder doch nicht?

In diesem Posting soll versucht werden zu klären ob und wenn ja wie Geschäftsbanken Zahlungsmittel selbst schaffen können oder ob es sich dabei um einen Mythos handelt und tatsächlich nur die Zentralbank Zahlungsmittel schaffen kann.

Wer die sehr technischen Ausführungen (Bilanzierung…) überspringen möchte, der lese bitte einfach die Hervorhebungen im laufenden Text und die Zusammenfassung am Ende des Postings.

Bei den Diskussionen hier und in anderen Ökonomie bezogenen Diskussionen kommt es mir immer wieder so vor, als herrsche ob der fehlenden Axiomatik in der Ökonomie einige Verwirrung bereits bei grundlegenden Begrifflichkeiten (wodurch man wunderbar aneinander vorbeidiskutieren kann). Daher möchte ich hier einen Versuch starten zunächst einige Begriffe zu definieren, die ich dann im weiteren so verwenden werde:

———————————————————————-

Glossar:

Zahlungsmittel := Ein – wie auch immer geartetes – Item, das dazu geeignet ist, auf verlässliche Art und Weise Waren und Dienstleistungen zu kaufen\ Verträge zu erfüllen etc. Letztlich heißt das nichts anderes als: ein Item, das dazu geeignet ist Schulden zu decken. Auch der Erhalt eines Brötchens beim Bäcker ist nichts anderes als ein (nicht schriftlicher) Kaufvertrag/Schuld. Dieser (imaginäre) Schuldschein hat allerdings keine Laufzeit und muss sofort bar bezahlt werden. Demnach zählen zu den Zahlungsmitteln nicht nur das gesetzliche (Scheine, Münzen) sondern auch das sog. “Giralgeld”.

gesetzliches Zahlungsmittel (GZ) := Zahlungsmittel, das Kraft Gesetzes (§ 14 Absatz 1 Satz 2 Bundesbankgesetz) mit einem schuldbefreienden Annahmezwang ausgestattet ist. D.h. Geldschulden, die mit diesem Zahlungsmittel beglichen werden, gelten vor dem Gesetz als erfüllt. Das gesetzliche Zahlungsmittel ist mathematisch eine echte Teilmenge der Zahlungsmittel, umfasst demnach nicht alle Zahlungsmittel.

Giralgeld := Forderungen gegen eine Geschäftsbank, die auf gesetzliches Zahlungsmittel lauten. Es handelt sich hierbei um ein Zahlungsmittel, da es vom Publikum als solches verwendet wird, es handelt sich jedoch nicht um gesetzliches Zahlungsmittel. Oft synonym verwendete Begriffe: Sichtguthaben, Sichteinlagen (mit Einschränkung synonym), (Geschäfts-)Bankengeld, Depositengeld, Scheckbuchgeld. Im Weiteren werden diese Zahlungsmittel in der Bankbilanz unter “Einlagen” auftauchen.

davon zu unterscheiden:

Zentralbank-Buchgeld oder ‘echtes Buchgeld’ := Forderung gegen die Zentralbank, die auf gesetzliches Zahlungsmittel lauten. Bestehend aus Mindestreserve und Buchgeldteil der Bankreserve.

Mindestreserve := Der Teil des Zentralbank-Buchgeldes, der mindestens bei der Zentralbank hinterlegt werden muss (wird zu bestimmten Stichtagen überprüft. Wann dieser Stichtag ist, ist mir derzeit unbekannt. Vielleicht weiß das einer der Insider hier).

Bankreserve := Aus banktechnischen Gründen von Geschäftsbanken vorgehaltene Kombination aus Bargeld (in Automaten; Kasse) und Zentralbankbuchgeld. Das Bargeld findet sich in Automaten etc. (Kasse) um Barauszahlungen des Publikums zu leisten. Der Buchgeldteil der Bankreserve findet sich auf dem Konto der Geschäftsbank bei der Zentralbank und ist der Teil des Zentralbankbuchgeldes, der die Mindestreserve überschreitet. Auf den Buchgeldteil der Bankreserve wird zurückgegriffen um Salden aus dem Clearing auszugleichen.

Clearing := Verrechnung von Zu- und Abgängen in verschiedenen Nebenbüchern der Bankbilanz (Nebenbücher hier = “Skontren”). Diese Verrechnung ist ein sog. “Erfüllungssurrogat” und reduziert das benötigte ZB-Buchgeld im Interbanken-Zahlungsverkehr.

(vollständiges) Zentralbankgeld := zirkulierendes Bargeld + Zentralbank-Buchgeld

FRB (Fractional Reserve Banking) := Man befindet sich in einem FRB-System, wenn es Banken erlaubt ist, mehr Forderungen auf (bestimmte!!!) Finanzaktiva zu schreiben als sich tatsächlich von diesen Finanzaktiva in ihrem Eigentum befindet. Dies funktioniert für Gold, gesetzliches Zahlungsmittel, … etc.
FRB ist dabei zu unterscheiden von:

Multiple Geldschöpfung := Theorie über die Giralgeldentstehung aus der Volkswirtschaftslehre. Implizite Annahmen dieser Theorie:
1. Banken können sich nicht jederzeit refinanzieren.
2. Banken verlieren nicht nur bei Barauszahlung sondern auch bei einer Überweisung (Sichtguthabenübertragung) immer den vollen Betrag in Zentralbankgeld.

[Dieses Glossar kann und soll verbessert/erweitert werden.]

———————————————————————-

Wie nun genau das Zahlungsmittel “Giralgeld” aktiv geschaffen wird, soll nun anhand eines kleinen Szenarios untersucht werden, welches das Beschaffen von 1 Mrd. € durch die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH (Finanzagentur) zum Inhalt haben soll. Kurz: der Finanzminister braucht mal wieder ‘Geld’.
Die Finanzagentur wird Staatsanleihen mit Nennwert 1 Mrd. € am Markt anbieten. Geschäftsbank A (GB_A) wird diese Staatsanleihen kaufen.

GB_A Bilanz vorher in Mio. €:

Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………100…|..Einlagen………..0
………………………………………..|
Forderungen……………………0…|..EK……………100

Die Frage ist WIE bzw. WOMIT kauft diese Geschäftsbank. Die Geschäftsbank wird das Zahlungsmittel “Giralgeld” verwenden. Was Giralgeld ist, steht oben im Glossar. Es ist die Forderung auf gesetzliches Zahlungsmittel, welche jedoch selbst auch als Zahlungsmittel verwendet wird (wie sehen wir weiter unten noch).
Es muss also die Forderung eingebucht werden und die Finanzagentur wird verlangen, dass sie nach Abschluss des Geschäftes über 1000 Mio. € mehr verfügt.

Daher bucht die Bank folgendermaßen:
Forderungen ……….. an ……….. Einlagen 1000

Die Bank hat keine andere Möglichkeit, als so zu buchen. Dies nennt sich “aktive Giralgeldschöpfung” und ist z.B. bei Issing (‘Einführung in die Geldtheorie’) nachzulesen.

Es mag sich nun die Frage aufdrängen: wo kommen diese Einlagen her? Wo kommt das Geld her, welches die Bank hier an die Finanzagentur verleiht? Ganz einfach: das “Geld”, das hier “verliehen” wird, ist kein Geld (gesetzliches Zahlungsmittel) und es wird auch nicht verliehen. Tatsächlich wird hier überhaupt nichts verliehen, sondern es wird ein Kredit vergeben.

Das Prinzip hierzu beschreiben auch Heinsohn/Steiger in “Eigentumstheorie des Wirtschaftens” unter “Geldschaffung der privaten Notenbank”. Allerdings wird dort beschrieben wie Privatbanken “Zettel” gegen Kredit herausgaben (Banknoten). Heute sind diese “Zettel” das Giralgeld. Das Prinzip ist identisch. Die Kreditforderung wird aktivseitig verbucht, die Forderung gegen die Bank passivseitig. Diese Forderung gegen die Bank wird dabei nicht von einem anderen Konto überwiesen oder ähnliches:

@dottore schrieb dazu mal:
> Ja, aber Du kannst nicht aus Sichtguthaben noch mehr Sichtguthaben machen,
> das erste Sichtguthaben also beliebig multiplizieren.
( http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=61892 )

Wie ich schon im gerade verlinkten Thread als Antwort auf @dottores Posting schrieb, so schreibe ich das hier nochmal: “Mehr Sichtguthaben aus vorhandenen Sichtguthaben zu machen” ist nicht nötig. Das Giralgeld wird durch den Buchungssatz – uno actu mit der Kreditvergabe – kreiert: per Bilanzverlängerung. Brandneu. Nicht überwiesen von einem anderen Konto. Nicht “multipliziert” mit anderen Sichtguthaben oder ähnliches. Es entsteht durch die Buchung. [Manche bezeichnen dieses Entstehen von Giralgeld auf der Passivseite der Bankbilanz als "creatio ex nihilo" oder eben "(Giralgeld-)schöpfung aus dem Nichts". Andere sagen, dass ja die Kreditsicherheit des Schuldners involviert sei und es deshalb kein "aus dem Nichts" gäbe. Ich lasse beide Ansichten als durchaus nachvollziehbar einfach mal so stehen.]

An dieser Stelle findet also tatsächlich die Schöpfung von Zahlungsmitteln statt, ohne dass diese Zahlungsmittel zuvor eingelegt worden wären. Es wird ein Schuldschein, welcher selbst kein Zahlungsmittel ist “monetisiert” (ugs. “wird zu Zahlungsmitteln gemacht”). Dabei wird dieser Schuldschein als Forderung der Bank gegen den Schuldner aktivseitig verbucht – und beim Einbuchen entstehen auf der Passivseite sog. “Einlagen”. Diese Einlagen stellen eine Forderung gegen die Bank auf gesetztliches Zahlungsmittel dar, welche jedoch selbst auch als Zahlungsmittel verwendet werden.

Die Bilanz unserer Bank A sieht nun also nach der Bilanzverlängerung wie folgt aus:

GB_A Bilanz Nachher in Mio. €:

Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………100…|..Einlagen……..1000
………………………………………..|
Forderungen……………….1000…|..EK……………100

Nochmal:
Die Bank verstößt keinesfalls gegen Gesetze, wenn sie o.g. Buchungssatz anwendet und “aktiv” Giralgeld schöpft. Im Gegenteil: die Bank hat überhaupt gar keine andere Möglichkeit, als so zu buchen. Sie handelt genau wie jedes andere Unternehmen auch handeln muss, das ein Aktivum mit einer Forderung gegen sich selbst bezahlt (‘Zahlung auf Ziel’ oder auf Rechnung). Obwohl also schon dieser Fakt, dass die Sichtguthaben passivseitig tatsächlich ex nihilo entstehen, so manchen verwundert, so ist es doch nur eine relativ banale, täglich x-tausendfach durchgeführte (Buchungs-)Zwangsläufigkeit. Richtig interessant wird es erst dadurch, dass die Forderungen gegen die Bank als Zahlungsmittel verwendet werden. Und dies ist auch der große Unterschied zu anderen Unternehmen: Banken kreieren Forderungen gegen sich selbst, die vom Publikum als Zahlungsmittel verwendet werden.

Wie könnte das ‘Zahlen’ mit einer Forderung gegen die Bank aussehen? Nehmen wir einmal an, die BRD Finanzagentur hat mit dieser 1 Mrd. € nichts anderes vor als irgendwelche Zahlungsverpflichtungen der BRD bei der EU in Höhe von 1 Mrd. € zu begleichen (“EU-Superkonto”). Dann wird sie diese Zahlungsverpflichtung höchstwahrscheinlich nicht bar begleichen wollen. Die Finanzagentur nutzt also nicht das GZ, sondern nutzt eine Sichtguthaben-Zession ‘an Zahlungs statt’. Oder auf Deutsch: die Finanzagentur überweist 1 Mrd. € auf ein Konto der EU. Wir gehen hier von dem nicht unwahrscheinlichen Fall aus, dass die EU bei allen größeren Banken ein Konto besitzt – so auch bei GB_A (deren Bilanz zugegebenermaßen noch recht jungfräulich anmutet…).

Nun kommt also die Zahlungsanweisung der Finanzagentur an die GB_A, eine Mrd. € an die EU zu überweisen. Dies wird prompt erledigt:

GB_A Bilanz nach Überweisung von 1 Mrd. € von Finanzagentur an EU in Mio. €:

Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………100…|..Einlagen……..1000
………………………………………..|
Forderungen……………….1000…|..EK……………100

Wie man sieht, sieht man nichts. Die Bilanz hat sich überhaupt nicht geändert. Es hat eine Buchung stattgefunden, die sich innerhalb des Postens “Einlagen” abgespielt hat, welcher hier nicht aufgeschlüsselt ist. Der Posten Einlagen könnte in etwa so ausgesehen haben:

Einlagen vorher:

-> Einlagen:
—> BRD Finanzagentur 1000
—> EU-Superkonto 0
—> Kunde_2 0
—> Kunde_3 0
—> Kunde_4 0
—> …

Einlagen nachher:

-> Einlagen:
—> BRD Finanzagentur 0
—> EU-Superkonto 1000
—> Kunde_2 0
—> Kunde_3 0
—> Kunde_4 0
—> …

Es handelt sich bei diesem Vorgang um einen sog. “Passivtausch”. Die “Bezahlung” der Finanzagentur an die EU hat die Bank also eine Buchung gekostet. Es wurde keinerlei ZB-Geld benötigt. Aber GBen benötigen durchaus ZB-Geld:

Wofür benötigt eine Bank Zentralbankgeld?

1.) Bei einer Barabhebung
2.) Bei Überweisung von einem Girokonto in der eigenen Bilanz auf ein Girokonto einer anderen Bank
3.) Um Mindestreservevorschriften einzuhalten

zu 1.)
Angenommen, die EU würde nun ihre 1000 Mio € in bar abheben wollen, dann sieht das auf den ersten Blick für die Bank ziemlich düster aus. Sie hat nämlich nur 100 Mio. € in ihrer Barreserve. Glücklicherweise hat die GB_A allerdings notenbankfähige Wertpapiere von der Finanzagentur erworben. D.h. diese Papiere können bei der Zentralbank hinterlegt werden, um sich auf diesem Wege zu “refinanzieren”. [Ich kann an dieser Stelle nicht auf die Feinheiten der Rediskont-, Lombard- und Wertpapierpensionsgeschäfte eingehen. Das ist hervorragend bei Enghofer/Knospe beschrieben. Das Paper ist in der Sammlung verlinkt.]

Nach Abwicklung eines Wertpapierpensionsgeschäftes in Höhe von 950 Mio € mit der ZB sieht die Bilanz der GB_A so aus [in Mio. €]:

Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve………………….1050…|..Einlagen……..1000
………………………………………..|
Forderungen…………………..50…|..EK……………100

Nun kann die GB_A den Auszahlungswunsch von 1000 Mio. € in bar tatsächlich erfüllen. Die Bilanz sieht nach der Auszahlung wie folgt aus:

Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………..50…|..Einlagen………..0
………………………………………..|
Forderungen…………………..50…|..EK……………100

Dieser Fall (kompletter Verlust von ZB-Geld in Höhe der Sichteinlage) ist extrem unwahrscheinlich (sog. “Bank Run”). Es ist allerdings auch unwahrscheinlich, dass immer innerhalb der eigenen Bilanz überwiesen wird. Das Stichwort an der Stelle ist der sog. “interne Verrechnungsfaktor” oder: Wieviel “Bodensatz” bleibt von den Sichteinlagen bei normalem Geschäftsverlauf (ohne Bank Run) übrig?

zu 2.)
Überweisungen, die auf Konten außerhalb der eigenen Bilanz gehen, stellen für Geschäftsbanken einen Abfluss von Zentralbankgeld dar. Die Überweisung wird innerhalb der Zentralbankbilanz nachvollzogen, indem Zentralbank-Buchgeld von Konto von GB_A zum Konto von GB_B bei der ZB überwiesen wird. Herzlich willkommen im zweistufigen Bankensystem ;)

Beispiel:

Bilanz vor Überweisung von Finanzagentur bei GB_A zu Kunde_XY bei GB_B in Höhe von 400 Mio €:

GB_A
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………100…|..Einlagen……..1000
………………………………………..|
Forderungen……………….1000…|..EK……………100

GB_B
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………..80…|..Einlagen………500
………………………………………..|
Forderungen…………………500…|..EK…………….80

Nach Überweisung:

GB_A
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………100…|..Einlagen………600
………………………………………..|
Forderungen…………………600…|..EK……………100

GB_B
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………480…|..Einlagen………900
………………………………………..|
Forderungen…………………500…|..EK…………….80

Die GB_A musste sich um diesen Vorgang durchführen zu können refinanzieren, wie das geht steht weiter oben (bzw. genauer bei Enghofer/Knospe).
In diesem Fall gab es nun an diesem einen Bankarbeitstag nur eine einzige Überweisung von GB_A zu GB_B. Dies ist (bei entsprechend großen Banken) genauso unwahrscheinlich, wie dass an einem Tag alle Einlagen in bar abgehoben werden (und kann im Übrigen ähnlich fatal sein…). Es ist viel wahrscheinlicher, dass durch eine entsprechende Verrechnung von Überweisungen von GB_B zu GB_A nur noch ein geringerer Saldo an ZB-Geld benötigt wird. Beispiel:
Überweisung von Finanzagentur bei GB_A zu Kunde_XY bei GB_B in Höhe von 400 Mio €
und
Überweisung von Kunde_YZ bei GB_B zu Kunde_2 bei GB_B in Höhe von 370 Mio €

Bilanzen vorher (wie oben):

GB_A
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………100…|..Einlagen……..1000
………………………………………..|
Forderungen……………….1000…|..EK……………100

GB_B
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………..80…|..Einlagen………500
………………………………………..|
Forderungen…………………500…|..EK…………….80

Bilanzen nachher:

GB_A
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………..70…|..Einlagen………970
………………………………………..|
Forderungen……………….1000…|..EK……………100

GB_B
Aktiv_______________________|_______________________Passiv
Barreserve……………………110…|..Einlagen………530
………………………………………..|
Forderungen…………………500…|..EK…………….80

Das Stichwort ist hier “Clearing”. Es werden die einzelnen Überweisungen in den Skontren (sog. Loro- und Nostro-Konten) verrechnet und tatsächlich nur noch ein Saldo in Form von Zentralbank-Buchgeld überwiesen.

zu 3.)
Die Banken sind dazu verpflichtet eine Mindestreserve in Zentralbankgeld bei der ZB in Buchform vorzuhalten. Die Mindestreservehöhe wird aus dem Mindestreservesatz * Mindestreservebasis bestimmt. Zur Mindestreservebasis mit Mindestreservesatz 2% im Euro-Raum zählen:
täglich fällige Sichtguthaben
Einlagen bis 2 Jahre Laufzeit bzw. Einlagen bis 2 Jahre Kündigungsfrist

Es wäre interessant zu wissen, wann tatsächlich die Mindestreserven erfüllt sein müssen. Ob zu jedem Bankenarbeitstag oder nur zu bestimmten Stichtagen. Wer weiß das genau? Danke schon mal.

Zusammenfassend halte ich fest:
Geschäftsbanken können auf Basis von Zentralbankgeld zusätzliche Zahlungsmittel schaffen (sog. Giralgeld). Diese Zahlungsmittel schaffen sie per Buchungssatz uno actu mit Hereinnahme eines Schuldscheines (oder eines anderen Finanzaktivums). Wird dabei das fraktionale Reservesystem so definiert wie oben im Glossar, so leben wir definitiv in einem fraktionalen Reservesystem, da Geschäftsbanken in der Lage sind mehr Sichtguthaben zu schaffen als sie über Reserven in Zentralbank-Geld verfügen. Sie halten also nur einen Teil an Reserven (FRB). Es existiert kein mir bekanntes Gesetz, das Banken davon abhalten könnte.
Banken können jedoch trotz dieses Umstandes durchaus in Zahlungsprobleme geraten, da sie zwar Zahlungsmittel schaffen können, nicht jedoch alle Arten von Zahlungsmittel. Mindestens eine Art von Zahlungsmittel können Geschäftsbanken nicht schaffen: das sog. “gesetzliche Zahlungsmittel”. Dieses gesetzliche Zahlungsmittel darf ausschließlich von der Zentralbank geschöpft werden.

Abschließend zu @dottores “Termin”:

Es ist gerade diese “goldene Bankenregel” des Termins, an welche sich die Geschäftsbanken nach der sog. “Bodensatztheorie” (ein gewisser “Bodensatz” der Sichtguthaben bleibt (fast) immer bestehen) nicht halten. Daher kann der Termin alleine nicht dazu dienen, ein fraktionales Reservesystem oder die Schöpfung von Giralgeld durch Geschäftsbanken zu negieren.
( http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=61746 )

Beste Grüße und Danke fürs Lesen. Freue mich auf Input.

Eben, lasst uns das mal ein für alle mal klären – ist es vor allem ein Systemfehler ´(darunter verstehe ich auch “falsche Anreize”) oder sind es die bösen Bankster und ihre gekauften Handlanger? Oder eine treffliche Kombination – doch wer beabsichtigt damit was genau?

54 Bernhard aus Frankfurt Januar 27, 2009 um 00:11

@spiritformoney, #54:

Ähmm, der Text ist mir zu lang zum Durchlesen. Aber das mit dem Bilanzverlängern haut schon hin. Guck doch mal zwei Videos von Nicolas Hofer an (dauern sehr lange, runterladen?):

Warum die Bankenkrise eine Krise der Geldordnung ist
http://www.infokrieg.tv/Vortrag_Mannheim_Geldordnung_2008_03_15.html

Die Evolution des Geldbildes
http://video.google.com/videoplay?docid=1063258770311179074

Hinweis: Meine Empfehlung bezieht sich nur auf diese beiden Videos, auf sonst nichts!

Gruß
Bernhard

55 binnix-habnix-kannnix Januar 27, 2009 um 09:08

http://www.abendzeitung.de/nachrichten/wirtschaft/82422

Nach Lesen dieses Artikels frage ich mich, wie man überhaupt nur einen Cent an Staatsknete für Schaeffler zur Verfügung stellen kann.

Und mit welcher Dreistigkeit diese Burgschäften und Staatshilfen auch noch gefordert werden.

Vermutlich habe ich etwas nicht richtig verstanden, so unverschämt kann kein Unternehmer sein, der seine Firma retten will…

und so dämlich können keine Politker sein, hier einfach mal einen 3-stelligen Millionenbetrag zu versenken und sei es auch nur in Form einer Bürgschaft, die hoffentlich nie gezogen wird…

56 spiritformoney Januar 27, 2009 um 13:40

@55 Bernhard aus Frankfurt
Danke für deinen Hinweis. Ich kenne die Vorträge von Nicolas Hofer und finde sie hilfreich zum Verständnis des Geldsystems. Mir geht es darum in einer Diskussion auf dieser Plattform (wgn) bestehende Missverständnisse auszuräumen. Es wird z.B. auf Querschuss folgende Erklärung der Finanzkrise empfohlen:
http://www.egon-w-kreutzer.de/Ressourcen/Analyse%20Czerny%20-%20Finanzkrise.pdf

Hier wird in einer schönen Erklärung dargelegt, dass die schnell wachsenden weltweiten Vermögen, die Banken gezwungen hätten immer riskantere Anlagen einzugehen bzw. zu erfinden. In sich auch logisch und nicht in Zusammenhang mit Geldschöpfung gebracht.

Eine konsistente und nachvollziehbare Erläuterung (54 ist auch unvollständig) die auch geeignet ist kommuniziert zu werden –> ist mein Anliegen!

57 Dipfele Januar 27, 2009 um 16:47

> Eine konsistente und nachvollziehbare Erläuterung …
Das schafft bestimmt wgn – wenn er Sloterdijk kurzfristig zur Seite legt und die 1193 Seiten für uns auf einen kommunizierbare Umfang eindampft:
Karl-Heinz Brodbeck
Die Herrschaft des Geldes. Geschichte und Systematik
Darmstadt 2009
Wissenschaftliche Buchgesellschaft
ISBN 978-3-534-22080-9

58 MSBeatz Februar 3, 2009 um 08:25

Es gibt da eine Fränkische kleinstpartei deren Inzestiöse Gestalten seit Jahrzehnten schon eine Fränkisch Bajuwarische Protektionismus Politik verfolgen und jeden Schwachsinn mit machen.
Die werden ja wohl noch n paar Milliärdchen übrig haben.

Und um das ganze in den Medien zu überspielen bringt man dann halt 4 wochen lang Nachrichten über irgendwelche Nazis in der Bayrischen Provinz, von den man aber gaaaaanz sicher keinen in den eigenen Reihen hat.

Wetten das sich demnächst BMW an Daimler übernimmt und dann mal so 200 000 000 000 000 000 € braucht.

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