Lest Hannah Arendt – und versteht Barack Obama!

by f.luebberding on 21. Januar 2009

Weissgarnix hat gerade Peter Sloterdijk als Grundlage für das Verständnis der USA unter Barak Obama präsentiert. Herr Sloterdijk führt aber in die Leere philosophischer Spekulation. Was will uns der Autor – Herr S.  – sagen? Letztlich bringt er nur zwei Dinge zum Ausdruck, die man auch mit den Begriffen Manifest Destiny oder New Frontiers bezeichnen kann. Damit ist nichts anderes gemeint als dass die USA bei der Gründung ein Staat mit einem riesigen Hinterland gewesen sind. Scheinbar frei – mit der bekannten Ausnahme der Indianer – und als einzige Grenze im Westen der Pazifik. Natürlich kam bei der Landnahme das Handeln vor der Gesetzgebung. Erst kamen die Siedler, dann der Staat. Die gesamte US Kultur ist von diesem Mythos bestimmt. Jeder Western dokumentiert den Kampf zwischen grenzenloser Freiheit und Recht. Die USA sind aber seit ihrer Gründung von einer zentralen Erfahrung geprägt, dessen Bedeutung die wenigsten Europäer verstehen: Sie hatten nämlich keinen Staat wie in Europa vorgefunden, sondern mussten ihn erst konstituieren. Wer Barak Obama verstehen will, wird sich daran erinnern müssen.

Aus Manifest Destiny wurde später die Open Door Politik . Zuerst als Abwehr des europäischen Imperialismus – etwa in der Monroedoktrin – und später als Propagierung offener Märkte, die ein Carl Schmitt als Ausdruck angelsächsischer Verlogenheit interpretierte. Hinter der moralischen Fassade findet der Schmittsche Schrumpfgermane das nackte Interesse, weshalb er meint am Ende auf jede Moralität verzichten zu können. Nur hat es in den USA immer Gegenkräfte gegeben. Das war schon Gegenstand der Debatte bei der Staatsgründung. Die Anti-Federalists wollten die Macht der Bundesregierung beschneiden. In ihrem Geist agierten später unter anderem die Isolationisten. Die USA waren nie so eindimensional expansionistisch wie es S. unterstellt. Man muss sich nur die US Politik zwischen den beiden Weltkriegen ansehen.  Es gibt bis heute eine tief sitzende Stimmung in den USA, die sich aus den Händeln der Welt heraushalten will. Deshalb ist die Befürchung eines aufziehenden Protektionismus nicht grundlos. Die USA leben in dem Bewusstsein ein Staat mit den Ausmassen eines Kontinents zu sein – und ihre Angelegenheiten notfalls auch alleine regeln zu können. Aber die Gründung der USA ist vor allem das Ergebnis einer freien Willensentscheidung gewesen – und eben nicht irgendwelcher historischer Prozesse, die die Deutschen mit Arminius und dem Teutoburger Wald beginnen lassen. Wer die Rede von Obama aufmerksam gehört hat, wird sie anders interpretieren als Weissgarnix, wenn er sie nämlich mit Hannah Arendt interpretiert. Was ist laut Hannah Arendt der Unterschied zwischen den USA und Europa? “Das Problem nach der Unabhängigkeitserklärung war wahrlich nicht, wie Macht begrenzt werden könne, es handelte sich ja nicht darum, eine bestehende Regierung in ihre Grenzen zurückzuweisen, sondern einen neuen Staat zu gründen”, so Arendt. Es ging also darum, Macht zu konstituieren. Obamas Rede war davon in jeder Pore durchdrungen. Arendt war aber zugleich die schärfste Kritikerin der US Außenpolitik. Die Neocons und die ideologischen Prämissen des Finanzkapitalismus hätte sie mit Verachtung gestraft. In den USA der Greenspan oder Bush hatte man alles vergessen, was die USA eigentlich ausmachten. Das folgende Zitat wirkt als hätte sich Obama bei Arendt bedient:

“Wenn man uns vorwarf, wir verstünden unter Freiheit nicht mehr als freie Marktwirtschaft, haben wir wenig getan, diese ungeheuerliche Unwahrheit” – Obama nannte es gestern Kinderei – “zu widerlegen, ja sie mitunter auch noch bekräftigt, und man könnte viele Beispiele nennen, in denen wir der grotesken Vorstellung Vorschub leisteten, dass in dem Nachkriegskonflikt zwischen dem Westen und den “revolutionären” Ländern des Ostens nicht mehr auf dem Spiel stünde als Wohlstand, Reichtum und Überfluss. Wir selbst haben erklärt, dies seien die Früchte der Freiheit, während man doch zumindestens hierzulande (in den USA F.L) hätte wissen müssen, dass Amerika mit dieser Art von “Glück” lange vor der Revolution gesegnet war, dass es der Natur des Kontinents und den Segnungen einer “milden Regierung” zu verdanken war und weder der politischen Freiheit noch gar der losgelassenen, rücksichtslosen “Privatinitiative” des kapitalistischen Systems, das, wo immer es wirtklich geherrscht hat, erst einmal Massenelend von furchtbarem Ausmaßen im Gefolge gehabt hat. Dass dies in diesem Lande nicht der Fall gewesen ist, liegt keineswegs an der Weisheit amerikanischer Kapitalisten, sondern einzig an dem großen natürlichem Reichtum dieses Landes auf der einen, an dem Fehlen einer feudalistischen Klassenstruktur auf der anderen Seite. Aber selbst wenn man die freie Marktwirtschaft ökonomisch nur für einen Segen hält, dürfte diese Freiheit doch immer noch sehr sekundärer Natur sein, wenn man an die wirklichen politischen Freiheiten denkt – Gedanken- und Redefreiheit, Versammlungs- und Organisationsfreiheit.”

So meine Hausgöttin Hannah Arendt in ihrem Buch “Über die Revolution” aus dem Jahr 1963. In diesem Geist hat Obama seine Rede gehalten. Die USA als permanente Neugründung. Die Verfassung als Ausdruck dessen, dass man sein Schicksal selber bestimmen kann, weil man es schon im Gründungsakt so machen musste. Diesen Neuanfang hat Obama artikuliert. Deshalb erinnerte er an die Traditionen der USA, wo dieser Geist bis heute lebendig geblieben ist. Obama hat nach dem Bankrott der Wirtschaft auch kein anderes Mittel mehr, um die USA durch das tiefe Tal zu führen, was ohne Zweifel kommen wird. Es ist mehr als ein bloßer Appell: Obama weckt jene guten Geister, die in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen sind – und die Hannah Arendt in einzigartigerweise verkörpert hat. Die Meinung von Ökonomen, Finanzinvestoren oder Bankern ist daher zur Zeit völlig irrelevant.

Gegen solche Geister sind irdische Mächte nämlich machtlos.

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1 bismodo 21. Januar 2009 um 13:12

@ frank l…

H. Arendt weist in dem Buch aber eben auch darauf hin, wie und wo die ECHTE Demokratie in USA gleich zu “Beginn” ins Hintertreffen geriet. Und jetzt, 200 Jahre später, ist die Demokratie am Boden und wird zusehends abgeschafft – vor unserer Nase.

2 Ich, the first and real one 21. Januar 2009 um 13:23

wgn hat aber über konkrete Folgen gesprochen. Dieser Beitrag ist dagegen praktisch inhaltsleer.
Protektionistische Strömungen gibt es in den USA. Diesen nachzugeben wäre aber gerade Ausdruck des Scheiterns, der Mutlosigkeit. Was also nun? Kraftvoller Neubeginn oder ängstliches Zurückziehen?

3 Nanuk 21. Januar 2009 um 13:23

Wenn wir jetzt alle Max Weber gelesen hätten dann wüsten wir das das alles nix neues ist.

4 weissgarnix 21. Januar 2009 um 13:24

@Lübberding

Also zunächst mal schlage ich vor, wir geben diesem Blog ein neues Motto, “Dr. Jeckyll und Mr. Hyde schreiben sich durch’s Leben”, und weil ich ein bekanntermaßen netter Kerl bin, darfst Du dir aussuchen, welche von den beiden Rollen Du einnehmen möchtest … :-)

Darüberhinaus besteht in meinen Augen zwischen Hannah Arendts und Sloterdijks Charakterisierung nicht der geringste Widerspruch, wenn man das eine als Idealisierung und das andere als reale Manifestation begreift, sprich mit der Rosenkranzschen “Ästhetik des Hässlichen”. Arendt beschreibt die Welt als eine mathematisch perfekte Kugel, wo wir mittlerweile längst wissen, dass sie bei genauerer Betrachtung Unebenheiten und Verformungen aufweist, eher einem Ei denn einer Kugel gleicht, und als ganzes daher keineswegs idealtypisch durch das Weltall gurkt.

Aber mal etwas konkreter zu deinen Ausführungen:

>Zuerst als Abwehr des europäischen Imperialismus

No such thing as a “europäischer Imperialismus” … es gab einen spanischen, portugiesischen, englischen, französischen, holländischen und bekanntermaßen auch deutschen Imperialismus, aber keinen “europäischen”. Die Monroedoktrin mag daher alles mögliche gewesen sein, in meinen Augen war sie nichts weiter als die formale Zementierung der vorherigen Landnahme, die ultimative “Claim-Absteckung”, wenn man so will, aber keineswegs etwas, was du als Gegenbeweis anführen könntest.

>Nur hat es in den USA immer Gegenkräfte gegeben hat.

Die gab es immer und überall. Die gab es zu den Bolschewiki, zu den Nazis, zu den englischen Tudors, zu den französischen Sonnenkönigen … die entscheidende Frage lautet: was bestimmte den gesellschaftlichen Mainstream?

>Die USA waren nie so eindimensional expansionistisch wie es S. unterstellt.

Ja, wenn du es auf bloße Landnahme beschränkst, dann nicht. What about kulturelle, technologische und wirtschaftliche Expansion? Und wie steht’s zB mit rechtlich-normativen externen Projektionen? ZB der des “demokratischen Nahen Ostens, vom befriedeten Irak ausgehend”? Wie steht’s mit der mittlerweile zum allseits akzeptierten Mittel des “preemptive war”?

>“Das Problem nach der Unabhängigkeitserklärung war wahrlich nicht, wie Macht begrenzt werden könne, es handelte sich ja nicht darum, eine bestehende Regierung in ihre Grenzen zurückzuweisen, sondern einen neuen Staat zu gründen”, so Arendt. Es ging also darum, Macht zu konstituieren.

Geschenkt. Die Vizekönige sagen sich also vom daheimgebliebenen König los und verweigern ihm fortan den Tribut. Dieser Aspekt der ganzen Geschichte ist weder historisch singulär noch interessant, noch wäre er in meinem Beitrag auch nur im geringsten angesprochen worden. Das ist bereits der zweite Schritt, während ich mich mit dem ersten befasste.

>Obamas Rede war davon in jeder Pore durchdrungen.

Ja, klar. In Israel wirst du anno 2009 auch keine offiziellen Reden zu den genaueren Umständen der Landnahme zwischen 1917 und 1948 hören. Die fangen alle aus gutem Grund bei 1948 an …

>und weder der politischen Freiheit noch gar der losgelassenen, rücksichtslosen “Privatinitiative” des kapitalistischen Systems, das, wo immer es wirtklich geherrscht hat, erst einmla Massenelend von furchtbarem Ausmaßen im Gefolge gehabt hat. Dass dies in diesem Lande nicht der Fall gewesen ist, liegt keineswegs an der Weisheit amerikanischer Kapitalisten, sondern einzig an dem großen natürlichem Reichtum dieses Landes auf der einen, an dem Fehlen einer feudalistischen Klassenstruktur auf der anderen Seite.

Das ist der spannende Satz an deinem Arendt-Zitat. Deine Hausgöttin hat einerseits recht und andererseits wieder nicht, es war nämlich sehr wohl die “rücksichtslose Privatinitiative”, die am Wirken war, nur hatte die eben nicht die gleichen Folgen wie im eng begrenzten Ambiente einer englischen Insel im 18. und 19. Jahrhundert, eben weil es in Amerika aufgrund der schier unendlichen Landmasse entsprechende Alternativen für die wirtschaftlich Gescheiterten und alle möglichen Outlaws gab.

>Die USA als permanente Neugründung. Die Verfassung als Ausdruck dessen, dass man sein Schicksal selber bestimmen kann, weil man es schon im Gründungsakt machen musste.

Ja, nur sind mittlerweile diese “unerschöpflichen” Ressourcen der USA ebenfalls ausgeschöpft. Wie sich der Geist der Gründerväter daher anno 2009ff auswirken wird, darf der geneigte Zuschauer mit großer Spannung erwarten. Zumindest soweit es die makroökonomische Perspektive betrifft, würde ich mal sagen: die “Net International Investment Position”(NIIP) der USA spricht seit Jahren Bände! Nix mehr los, in God’s own Country, die Profits kommen schon längst aus dem Ausland.

>Obama weckt jene guten Geister, die in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen sind

Du bist zu gut für diese Welt! Deshalb mag ich dich auch so sehr!

:-)

5 mylli 21. Januar 2009 um 13:29

Stammt Hausgöttin aus der Zeit der Vettern und Basen?

Wie soll der neu erweckte Geist denn genau zum Aufbruch führen? Jede gründet in seinem Saloon/seiner Garage/seinem Wohnzelt eine Web 3.0 Green Energy Nanobiotechnology Chip Schmiede, unabhängig von Bankern und Ökonomen?

6 mylli 21. Januar 2009 um 13:30

weissgarnix, in der Mitte des Lebens, frisch verliebt?

7 Nanuk 21. Januar 2009 um 13:42

und zu Obama

Ernst Bloch lesen und verstehen…

„Ich bin. Wir sind. Das ist genug. Nun haben wir zu beginnen. In unsere Hände ist das Leben gegeben. Für sich selber ist es längst schon leer geworden. Es taumelt sinnlos hin und her, aber wir stehen fest, und so wollen wir ihm seine Faust und seine Ziele werden.“
Geist der Utopie
Ernst Bloch

8 edicius 21. Januar 2009 um 14:43

Jaja, Hannah Arendt macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt.
Von wg “feudaler Klassenstruktur” – da fehlt die winzigkleine Kleinigkeit Sklaverei, und Rassentrennung bis in die 60er. Das ist Klassenstruktur vom Reinsten und Feinsten.

9 f.luebberding 21. Januar 2009 um 14:54

Bismodo

Genau erkannt. Arendt hat als Exilantin mit Erstaunen beobachtet, dass die USA ihre eigene Geschichte vergessen hatten. Sie also die Revolution mit europäischen – sprich französischen und russischen Augen – sahen – und eben nicht mit amerikanischen. Sie war ja eine Anhängerin der Rätedemokratie und machte sich über den Parlamentarismus keine Illusionen:

“Vom Standpunkt der Revolution aus und im Interesse des Erhaltens des revolutionären Geistes ist es nicht die Neuformierung von Eliten, die von Übel ist, denn dass große Teile in allen Schichten poltischen Angelegenheiten gegenüber sich indifferent verhalten, ist eine Tatsache, welche vielleicht überzeugte Demokraten, aber nicht überzeugte Revolutionäre beunruhigen sollte. Worum es vielmehr geht, ist, dass alle diese Systeme außerhalb der Parteibürokratien nirgends einen Raum bereitstellen, zu dem das Volk Zugang hat und wo sich eine Elite bilden könnte. Dies aber heißt, dass Politik zum Beruf und zur Karriere geworden ist und dass die “Elite” daher nach Masstäben und Kriterien ausgewählt wird, die selbst zutiefst unpolitisch sind. Es liegt im Wesen des Parteiensystems, dass es echte politische Begabungen nur in Ausnahmefällen hochkommen läßt, und selbst in diesen Ausnahmefällen geht die Begabung an den kleinlichen Schikanen innerparteilicher Machtkämpfe zugrunde.”

Das liest sich doch erstaunlich aktuell – und ist auch von 1963. Deine Anmerkungen von neulich über die Neudebatte des Begriffs der Repräsentation ist ja ein wichtiger Gedanke gewesen, über den ich lange nachgedacht habe. Arendt hätte bei Obama vieles wieder gefunden, was ihr wichtig gewesen ist. Zum Beispiel den Begriff des Politischen, den sie mit der Fähigkeit des Menschen zum Handeln verbindet – und eben vom Arbeiten und Herstellen abgrenzt. Die beiden letzteren werden von der Welt der Wirtschaft repräsentiert, die mehr oder minder “Toast” ist wie uns Weissgarnix erklärt … . Man versteht eben “Über die Revolution” nur, wenn man die “Vita activa” kennt. Aber was man bei Arendt finden kann, ist die Einsicht, dass man das Handeln von den Prämissen der Ökonomie abgrenzen muss, wenn man die Natur des Politischen verstehen will. Das hat diese Gesellschaft, die in den letzten Jahrzehnten von den Kindereien des Ökonomismus völlig durchdrungen worden ist, nur völlig vergessen und muss es jetzt erst wieder lernen. Obama könnte das begriffen haben.

10 Nanuk 21. Januar 2009 um 15:00

„Der Mensch ist auf dem Sprunge, sich auf das Ganze der Erde und ihrer Atmosphäre zu stürzen, das verborgene Walten der Natur in der Form von Kräften an sich zu reißen und den Geschichtsgang dem Planen und Ordnen einer Erdregierung zu unterwerfen. Derselbe aufständige Mensch ist außerstande, einfach zu sagen, was ist, zu sagen, was dies ist, dass ein Ding ist. Das ganze Seiende ist Gegenstand eines einzigen Willens zur Eroberung.“

Heidegger

möööp :)

11 h.K.Hammersen 21. Januar 2009 um 15:08

So lange Staatswesen Zuwächse verteilen können, ist es leicht, demokratisch zu sein. Erst, wenn die Zuwächse ausbleiben, zeigt sich wahre Staatskunst. Und ich habe neine Zweifel, ob der “neue Messias” diese Kunst beherrscht.

12 Nanuk 21. Januar 2009 um 15:15

“So lange Staatswesen Zuwächse verteilen können, ist es leicht, demokratisch zu sein. Erst, wenn die Zuwächse ausbleiben, zeigt sich wahre Staatskunst”

Da hilft auch keine Staatskunst dann gehen die Menschen aufeinander los.

13 edicius 21. Januar 2009 um 15:25

@fl
“Worum es vielmehr geht, ist, dass alle diese Systeme außerhalb der Parteibürokratien nirgends einen Raum bereitstellen, zu dem das Volk Zugang hat und wo sich eine Elite bilden könnte.
Was sollte das denn für ein Raum sein: der Marktplatz? der Vorlesungssaal?
Die Parteien SIND genau dieser politische Raum.

Dies aber heißt, dass Politik zum Beruf und zur Karriere geworden ist und dass die “Elite” daher nach Masstäben und Kriterien ausgewählt wird, die selbst zutiefst unpolitisch sind.
Elite und Karriere wird man schwer voneinander trennen können, das sind zwei Seiten derselben Medaille. WENN die Parteien politisch sind, DANN sind es auch die in ihnen sich bildenden Eliten.

Es liegt im Wesen des Parteiensystems, dass es echte politische Begabungen nur in Ausnahmefällen hochkommen läßt, und selbst in diesen Ausnahmefällen geht die Begabung an den kleinlichen Schikanen innerparteilicher Machtkämpfe zugrunde.”
Was ist denn eine “echte” politische Begabung? Bismarck?, stimmt, der brauchte keine Partei, der hatte seinen Rückhalt bei Seiner Majestät.
Das ist alles ziemlich verworrenes Zeugs, was HA da schreibt, und sicher keine Instanz, nach der sich die Obama-Rede beurteilen liesse.

@hkhammersen
Nö, Staatswesen können sehr wohl ohne Zuwachsverteilung demokratisch sein. Nur unseres nicht, denn es erkauft sich die Zustimmung seiner Bürger durch genau dieses Versprechen. “Wohlstand für alle.” Wird dieses nicht mehr eingehalten, gibt’s in der Tat ein Problem, aber nicht wg. der Abhängigkeit der Demokratie von Zuwachsverteilung, sondern eben wegen diesem Versprechen, das eins der Elite ist, zur Ruhigstellung der Bürger.

14 Sven 21. Januar 2009 um 16:18

@edicius: “Die Parteien SIND genau dieser politische Raum.”

GG: Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung MIT.

Von Monopol steht da nichts… • Unabhängig von Diktatur und Scheindemokratie, nur rein als Fakt: in der DDR stellten sich die Kandidaten der sog. “Nationalen Front” zur Wahl. Das umfaßte auch Gewerkschaften (FDGB) und Sozialverbände (Volkssolidarität)…

15 edicius 21. Januar 2009 um 16:23

@sven

Schöne Anregung. Wäre eine Überlegung wert, wenn BDI, DGB, INSM, Bertelsmann etc. direkt ihre Kandidaten für Parlamentssitze aufstellen würden. Da wir nicht nur un- sondern sogar antipolitische Parteien haben, könnte das in der Tat einen Demokratiezuwachs, vor allem aber mehr Transparenz bedeuten.

16 absurdistan 21. Januar 2009 um 16:43

@edicius

“Die Parteien SIND genau dieser politische Raum.”

Das sind sie eben nicht ausschliesslich. In einer Demokratie, die ihren Namen verdiente, wären öffentliche Räume die Orte, in denen sich alle Bürger über die ÖFFENTLICHEN ANGELEGENHEITEN (“res publica=Republik) austauschen könnten. In unserem System des parteienstaatlich überformten Paralamentarismus findet aber genau das nicht statt.

Demokratie ist aber deutlich mehr als nur die Wahl zwischen angeblichen Vertretern meiner Interessen.

17 Bankenaufsicht 21. Januar 2009 um 17:08

@weisgarnix
‘>Zuerst als Abwehr des europäischen Imperialismus

No such thing as a “europäischer Imperialismus” … es gab einen spanischen, portugiesischen, englischen, französischen, holländischen und bekanntermaßen auch deutschen Imperialismus, aber keinen “europäischen”. ‘

Ich denke mal Arendt verstand unter dem europäischen Imperialismus genau das Phänomen, welches uns derzeit grade vor Augen gehalten wird, nämlich die Weltherschaft der Hochfinanz. Denn faktisch genommen schaffen die Finanzderivatgeschäfte den Einbruch der Realwirtschaft, Währung und eine EigentumsUmverteilung von unten nach oben und das weltweit. Wenn man nun davon ausgeht, das diese Entwicklung von der Finanzwelt bewußt in Kauf genommen und nicht verhindert wurde, ist das eine Beinflussung der Weltgeschicke, die man durchaus als eine Art Imperialismus bezeichnen könnte.

18 Ahnungsloser 21. Januar 2009 um 17:14

@edicius
> Was sollte das denn für ein Raum sein: der Marktplatz? der Vorlesungssaal?
Die Parteien SIND genau dieser politische Raum.

Sie sollten es sein, ja. Oder zumindest ein bedeutender Teil davon. Ganz persönlich erkenne ich das aber nicht.

Selbst wenn sie es umfassend(er) währen, blieben Parteien Konsensmaschinen. Das zeigt auch das Eliten/Karriere-Argument.

Eine Demokratie (im Wortsinne) muss – ausserhalb der Wahlen – einen solchen Raum stellen. Parteiunabhängig. Wozu haben wir dieses ‘Internet’ eigentlich nochmal?

19 goodnight 21. Januar 2009 um 17:22

Nope…Nope…Nope….immer dieser Sekundär-Philosophen ala Arendt und Slodderdei (oder wie der Langhaarige auch immer sich nennt). Also, Jungs, wer über USA redet, der MUSS Tocqueville zitieren, das ist conditio sine qua non… und da sind wir dann sofort bei seiner feinen Dualität von Gleichheit und Freiheit….die natürlich für nen alten Sozi wie Lübberding nur schwer zu “denken” ist ;-)
Yep, die Amis haben sich für Freiheit entschieden. that´s it. Denn Freiheit war das einzigste, was die hatten, damals, als die die Ostküste betraten…yep, Freiheit, ein Euphemismus für merde, für Unsicherheit und Regellosigkeit…all das, wovor die europäische Zivilisation schon immer geflohen ist.
Freiheit bedeutet: Ich kann nicht auf Vergangenheit (Geschichte, Kultur, Werte) zurückgreifen noch mich auf die Gegenwart (Ordnung etc.) verlassen. Yep, was bleibt? Die Zukunft.
Und so werfen sich die Amis von einer zur nächsten Zukunft, vom konservativen Irak-Imperator Bush zum farbigen Hussein Obama….vom Radikal-Kapitalismus zur Mega-Verstaatlichung…. so schnell kann kein Europäer denken, wie dort ein 300 Mio. Volk mal eben die Geschichte um 180 Grad dreht. Und man spürt die Freiheit ja erst durch denn Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft, d.h. je geringer das Gleichgewicht umso höher die Freiheit.

Und lustig, lustig: das läuft alles ganz wunderbar zum Protestantismus…weil, auch dort hat man sich von der Geschichte losgesagt…und ist nach vorne gelaufen….auf der Suche….und man läuft noch immer….vorwärts…das ist der Witz mit den Amis und den Protestanten und so ….

“You, me, or nobody is gonna hit as hard as life. But it ain’t about how hard ya hit. It’s about how hard you can get it and keep moving forward. How much you can take and keep moving forward. That’s how winning is done!”
Rocky (rocky balboa)

20 KurtKiesel 21. Januar 2009 um 17:22

Obama weckt jene guten Geister, die in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen sind – und die Hannah Arendt in einzigartigerweise verkörpert hat. Die Meinung von Ökonomen, Finanzinvestoren oder Bankern ist daher zur Zeit völlig irrelevant. Gegen solche Geister sind irdische Mächte nämlich machtlos.

Immer wieder erstaunlich, wie scheinbar aufgeklärte Leute keinen kühlen Kopf behalten können und reinsten politischen Schamanismus an den Tag legen.

21 Bankenaufsicht 21. Januar 2009 um 17:29

@KurtKiesel

Immer wieder erstaunlich, wie scheinbar aufgeklärte Leute keinen kühlen Kopf behalten können und reinsten politischen Schamanismus an den Tag legen.

Verstehe deine (nicht vorhandene) Argumentation nicht.

22 Frankie Bernankie 21. Januar 2009 um 17:34

@lübberding

“Herr Sloterdijk führt aber in die Leere philosophischer Spekulation. Was will uns der Autor – Herr S. – sagen?”

Er kann uns nicht sagen dazu, das liegt aber daran , daß weissgarnix hier den Sloterdijk zitiert hat, obwohl das garnix bringt. Die zitierte Passage hat nicht zu tun mit weissgarnixens Einlassungen zu Obama und ob die USA schon wieder in der Mitte haben nichts zu tun mit den “Nehmer-Unternehmern, die in der Zeitenwende vom Plünderer zum Pionier werden”. Ich zumindest verstehs nicht.

Dass wgnx vom “Weltinnenraum” begeistert ist, versteh ich, aber als Zeuge für irgendeine, die Präsidentschaft Obamas betreffende Analyse taugt nichts aus diesem Buch, und die zitierte Passage schon garnicht.

23 zefix 21. Januar 2009 um 17:35

Sehr deitsch die Diskussion wieder, ;)

Überlegt mal wie sich unsere und ihre Intelektuelle immer wieder getäuscht haben.

Wo wollen wir anfangen? Toqueville? Walden? Ahrend?

Dieses Land lässt sich mit deutschen Maßstäben kaum politisch kartographieren.

Möglicherweise liegt es auch daran, das 30% deutschstämmig sind?

Jedenfalls hat das “Volk” Amerikas seinerzeit die Republik (nicht Demokratie) gebaut.
Mit den üblichen Kollateralschäden (Ureinwohner). Wie immer wenn Europäer am Werk sind.

24 Metheus 21. Januar 2009 um 17:38

@ weissgarnix

Bevor Sie die USA und den Geist ihrer Führer derart positiv verklären, sollten Sie, nur der Ausgewogenheit halber, nicht Fremde lesen, die über die USA schrieben, sondern einen heimischen, US-amerikansichen non-mainstream-Historiker:

http://www.amazon.de/Eine-Geschichte-amerikanischen-Volkes-Gesamtausgabe/dp/3937623507/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books&qid=1232555463&sr=8-3

Darin finden sich Passagen dazu, weiweit es mit den Rechten her ist!

MfG

25 edicius 21. Januar 2009 um 17:40

@goodnight

Wollja, Tocqueville. Immer noch der beste:
Die Aristokratie und die Demokratie werfen sich gegenseitig vor, die Bestechlichkeit zu begünstigen; es gilt zu unterscheiden: die Männer, die in den aristokratischen Regierungen die Geschäfte leiten, sind reich und wollen nur Macht. In den Demokratien sind die Staatsmänner arm, und sie möchten es zu etwas bringen. Über die Demokratie in Amerika.

@ahnungsloser
Natürlich sind Parteien Konsensmaschinen. Jedenfalls wenn sie funktionieren. Das ist nur ein pejorativer Ausdruck für den Prozess der Entscheidungsfindung. Gäbe es in ihnen diesen nicht, sondern nur endlose Abstimmungen oder endlose Debatten, wir bräuchten keine Parteien. Natürlich sind die Parteien in einer Demokratie nicht der EINZIGE politische Raum, Initiativen, NGOs, Medien und Stammtisch gehören genauso dazu. Aber sie sind der entscheidende politische Raum. Im wörtlichen Sinne.

26 Frankie Bernankie 21. Januar 2009 um 17:45

@goodnight

“Also, Jungs, wer über USA redet, der MUSS Tocqueville zitieren, das ist conditio sine qua non..”

Jaja, jedem sein Lieblingsphilosophieschosshündchen…und warum dann nicht einen, der vor 200 Jahren durch die amerikanischen Wälder gestreift ist. Wie Marx mit seinen Webereien. Da trauen wir uns ran, denn die haben wir begriffen.
Wie so vieles was vergangen ist.

27 weissgarnix 21. Januar 2009 um 18:37

@Frankie Bernankie

Mein Zitat bezog sich auch nicht auf Obama selbst, sondern den “Geist der Gründerväter”, der gestern wieder einmal ad nauseam beschworen wurde. Und darauf stellt Sloterdijk sehr wohl ab, und zwar – meinem Verständnis nach, und offenbar auch dem einiger anderer Kommentatoren – durchaus im zwischen den Zeilen durchklingenden Sinne. Der Kommentar von “KL” war in diesem Zusammenhang eine wirklich gute und treffende Ergänzung, finde ich.

28 justforfun 21. Januar 2009 um 18:47

…nennt mich spießig, aber bleiben wir doch bei Barack mit c, oder ;-)

29 weissgarnix 21. Januar 2009 um 18:56

@justforfun

Du hasst recht. Als Kründer dises Blogs mus ich bemengeln, das F. Luebberding den hier ansonssten üblichen Standarts deutscher Rechtschreibung – wol im Eifer des Gefächts – im obigen Beitrag nicht gerächt wurde …

;.)

30 Cornelius H. 21. Januar 2009 um 19:05

Jetzt darf die Hysterie sich gern legen und in den USA wieder Politik betrieben werden. Der erste Schritt der Besserung wurde mit Bushs Verbannung nach Texas zum Glück vollzogen. Meinen Abschiedsbrief hab ich ihm schon gepostet.

Gruß von Cornelius H.

31 Ahnungsloser 21. Januar 2009 um 19:18

@edicious
> Gäbe es in ihnen diesen nicht, sondern nur endlose Abstimmungen oder endlose Debatten, wir bräuchten keine Parteien.

Ja, leider muss das so sein. Das liegt aber auch an der Konzeption von Parteien. So kommt es, dass gute Kompromisse, die prinzipiell mehrheitsfähig währen, an ihrer Distanz zu Parteilinien u.ä. scheitern.

> Aber sie sind der entscheidende politische Raum. Im wörtlichen Sinne.

Ja. Aber währe das gemildert, währe auch obiges Argument weniger problematisch.

Aber vielleicht zeigen uns doch die oft gescholtenen US of A noch, dass Demokratie nicht nur Stimmenzählen bedeutet (http://www.whitehouse.gov/administration/eop/opl). Währe zu wünschen.

32 f.luebberding 21. Januar 2009 um 19:23

Justforfun

Namen sind nicht immer Schall und Rauch … . Du hast Recht. Ändere ich auch gleich. Warum kann der auch nicht Gerd heißen …

Ich …

“Kraftvoller Neubeginn oder ängstliches Zurückziehen?”

Ja, wer weiss das schon? Der Vorwurf der Inhaltsleere ist schon berechtigt. Nur wer ist dafür verantwortlich? Wir haben es uns in den letzten Jahren so angewöhnt nur noch in ökonomischen Kategorien zu denken, dass wir jedes Denken über deren beschränkte Relevanz selbst schon als irrelevant betrachten. Selbst zu einem Zeitpunkt, wo niemand mehr einen Pfifferling auf die Kompetenz von Ökonomen gibt … . Und gerade die Arendt, so mein Verdacht, kann uns das wieder beibringen. Selbst wenn es der gute Barack nicht tun sollte … .

Mylli, Nanuk

Warum nicht so denken? Also die Banken kommen uns jeden Tag mehr abhanden … . Vielleicht brauchen wir jenseits von Game over Phantasien oder Konjunkturprogrammen oder bad Banken irgendetwas Positives, was über diesen Schlamassel hinausweist. Also ich finde da etwa den Bloch interessanter als die neuesten Erkenntnisse von Ackermann über den Verbleib des Giftmülls in seinen Bilanzen – obwohl Bloch nun wirklich nicht mein Fall ist. Ich kam mit dessen Diktion nie klar … . Im Vergleich fand ich immer Adorno verständlich.

Edicius 8

Das waren ja immer die durchaus berechtigten Einwände gegen das Modell Arendts. Sie stünde auf den Schultern der toten weißen Männer wie Aristoteles, Kant, Weber oder Heidegger, auch natürlich Tocqueville. Die amerikanischen Multikulturalisten haben sie ja auch dafür regelmäßig abgemeiert … Und manche Feministinnen haben sie darauf hingewiesen, dass ihre Geschlechtsgenossinnen doch von diesen Männern unterdrückt worden sind. Nur was ändert das an der Relevanz ihres Modells? Gerade gestern haben viele Schwarze doch empfunden, dass sie erst jetzt wirklich in den USA angekommen sind. Nur haben gerade Marxisten mit Arendt immer ihre Schwierigkeiten gehabt, weil sie hartnäckig die Autonomie des Politischen beanspruchte und gerade damit die “bürgerliche Demokratie” als Klassenherrschaft legitimierte. Vor allem deshalb, weil sie den Sozialismus nicht als Befreiung definierte, sondern als Knechtschaft wegen der Dominanz des Arbeitens und Herstellens. Sie liest sich dann wie Hayek … . Das ist das Grandiose an der Dame: Sie irritiert jeden!

33 hacedeca 21. Januar 2009 um 19:46

“der Schmittsche Schrumpfgermane”

Apropos schrumpfen: In der Hochzeit Amerikas, in der Zeit des ungebremsten Aufstiegs, wurden die USA von Männern wie Pierpont Morgan dominiert.

Diese waren ebenso berühmt, wie berüchtigt. Man nannte sie die Räuberbarone. – Aber wo sie walteten, wuchsen Städte aus dem Ödland, wurden Eisenbahnen gebaut, riesige Stahlwerke errichtet.

Die heutigen Eliten Amerikas machen das Gegenteil. Sie deindustrialisieren. Die prächtigen Innenstädte werden heruntergekommene Ghettos.

Einher geht dies mit einem rapiden Verfall der Humanressourcen – der durchschnittliche IQ der amerikanischen Bevölkerung liegt deutlich unter europäischem Niveau bei 98, weiter fallend.

Obama kann nicht anders, als eine Gestalt des Niederganges zu sein: Die Personifikation des Schrumpfamerikaners.

34 Karl 21. Januar 2009 um 20:01

Also mein Eindruck aus diversen Blogs etc ist ja, dass die Amerikaner grade ihren Kater auskurieren und sich währenddessen schon mal überlegen, wie sie die nächste Party schmeißen können.

Hier wird dagegen noch gestritten ob wir jetzt eine Rezession haben oder nicht. Und natürlich ob die Pendlerpauschale jetzt 7,50 € (schlecht für die Umwelt, aber hilft der Wirtschaft) oder 4 € (gut für die Umwelt, aber schränkt die Freiheit ein) pro Kilometer sein wird oder nicht. (Ja, es wird grade nicht genau dieses Thema bei Anne Will verhandelt, ich bin mir aber sicher etwas in der Art).

Nebenbei erklärt Base Angela dann dem Neffen Obama noch ein bisschen, wie das in der großen weiten Welt so funktioniert – und das er auch mal an seine Tante denken soll. Und Neffe Obama? Der sagt, es wird hart, aber packen wir’s an…

Deshalb glaube ich Goodnight hat Recht und die USA feiern bald wieder und wir machen wieder ein paar Reformen. Das macht nämlich nicht nur der Obama so, das machen alle Amerikaner so. Hat was mit Pioniergeist oder natürlich mit der Tatsache zu tun, das die USA “God’s own country” sind…

35 goodnight 21. Januar 2009 um 20:40

@hacedeca

“Einher geht dies mit einem rapiden Verfall der Humanressourcen – der durchschnittliche IQ der amerikanischen Bevölkerung liegt deutlich unter europäischem Niveau bei 98, weiter fallend.”

IQ ist das, was wir als solchen messen…also eigentlich nur Bildung (Mathematik, Sprache und Logik). Bildung ist…yep… Vergangenheit und Struktur. Und jetzt die Frage: Ist es sinnvoll in einer zukunftsorientierten Gesellschaft wie die USA (s.o) auf Bildung, d.h. Struktur zu setzen….oder ist doch zweckmäßiger sich auf Flexibilität zu konzentrieren…und yep, Flexibilität erfordert den Preis der Nicht-Bildung, d.h. weniger-Intelligenz…weil man ja offen für Neues sein muss.
Und nope, das meine ich jetzt nicht ironisch. Für das Operieren einer Gesellschaft ist es wahrscheinlich effektiver, wenn sich Menschen weniger “ernst” nehmen….und vielleicht ist die USA als Gesellschaft deshalb schneller und leistungsfähiger als wir: Weil die nicht so mit Bildung überlastet sind ;-)

“What makes you think you’re stronger than the very momentum of history?”
Erich (Valkyrie)

36 edicius 21. Januar 2009 um 21:11

Mal wieder ein sehr gelungener Thread hier! Nicht nur im Inhalt, sondern auch im Ton. Ich fühl’ mich hier schon richtig zu Hause…

Und jetzt rückwärts noch meinen Senf:

@goodnight
Für einen Luhmannianer, der ja immer das Fatale der autopoietischen Selbstreproduktion der Systeme vor sich her trägt, bist du ziemlich begeistert von dem amerikanischen “Egal-wir-machen’s-einfach”. Könnte man auf die Idee kommen, dass das bei dir irgendwie kompensatorisch funktioniert…

@hacedeca
Gute Punkte. Ich glaube auch nicht, dass Glaube Berge versetzt oder Euphorie eine politische Kategorie ist.

@fl
Nur was ändert das an der Relevanz ihres Modells?
Jetzt nicht rhetorisch gemeint: WELCHEN Modells? Gerade auf Modellebene steht sie am meisten auf fremden Schultern – allerdings ohne sich für eine entscheiden zu können. Sie fiele ja sonst auch runter…

Nur haben gerade Marxisten mit Arendt immer ihre Schwierigkeiten gehabt, weil sie hartnäckig die Autonomie des Politischen beanspruchte und gerade damit die “bürgerliche Demokratie” als Klassenherrschaft legitimierte.
Mag sein. Aber was gehen mich die Schwierigkeiten dieser Marxisten an? Zu denen gehöre ich nicht, deine Antwort hat auch nichts mit meiner Kritik an deinem AH Zitat zu tun, jedenfalls sehe ich hier keine Verbindung. Ich gehöre vielmehr auch zu denen, die hartnäckig das Politische (nicht: dessen Autonomie, die gibt’s nicht, das ist ja der Witz) auch gegen den herrschenden (sic!) Ökonomismus (verkappte Politik, d.h. Interessensvertretung) verteidigen wollen.

Vor allem deshalb, weil sie den Sozialismus nicht als Befreiung definierte, sondern als Knechtschaft wegen der Dominanz des Arbeitens und Herstellens. Sie liest sich dann wie Hayek … . Das ist das Grandiose an der Dame: Sie irritiert jeden!
Nun ja, jeder, der mal richtig nachgedacht hat weiss, dass jedes Ding zwei Seiten hat. Etwas vornehmer ausgedrückt: um den janusköpfigen Charakter von Idealen und Ideologien, auch von Sozialismus und Kapitalismus, Gleichheit und Freiheit etc.
Das macht sie ja gerade spannend. Eben weil sie zur Entscheidung auffordern – sind sie politisch. Oder wie sagte Heinz von Foerster so schön: “Nur die unentscheidbaren Fragen können WIR entscheiden.”

In diesem Sinne…

37 Nanuk 21. Januar 2009 um 22:02

“Also die Banken kommen uns jeden Tag mehr abhanden … . Vielleicht brauchen wir jenseits von Game over Phantasien oder Konjunkturprogrammen oder bad Banken irgendetwas Positives, was über diesen Schlamassel hinausweist.”

Heidegger ist noch schlimmer als Bloch.
zum ersten Kommentar
Das prinzip Hoffnung wie Bloch es Formuliert hat scheitert doch gerade. Es hatte gestern seinen letzten Auftritt.Von jetzt an kann Obama nur noch enttäuschen.Das einzige was jetzt noch bleibt ist Heidegger Erobern Erobern Erobern.Damit ist nicht nur Waffengewalt gemeint sondern ruhig Sloterdijks moderner Eroberer.Hat er erfolg macht er die USA wieder zur Supermacht geht er als grosser Eroberer in die Geschichte ein scheitert er bleibt er einer unter vielen die den Untergang verwaltet haben.

38 Handwerker 21. Januar 2009 um 22:09

@hacedeca , so ein Zufall,
gerade gestern habe ich in meiner Persönlichen Beschreibung des Menschen den Abschnitt über
Bildung , Verstand usw. verfasst.
Werde dazu schweigen.. obwohl ich das jetzt nur einfügen bräuchte.
Geht etwas in Richtung goodnight,
wäre aber der totale Schock für euch :-)

39 Frankie Bernankie 21. Januar 2009 um 22:35

@weissgarnix #27

“Mein Zitat bezog sich auch nicht auf Obama selbst, sondern den “Geist der Gründerväter”, der gestern wieder einmal ad nauseam beschworen wurde. ”

Jetzt hab ich doch die Rede vom Obama nochmal gelesen, und muss Dich leider korrigieren. Er sagte …in dem Moment, als der Erfolg unserer Revolution gefährdet war, hat unser Gründervater angeordnet , diese Worte dem Volk zu verlesen:…bla…bla..”

Damit ist aber Washington et al. gemeint und dessen “Werte ( des Kampfes um die Unabhängigkeit, Selbstbestimmung etc.) , und nicht die Gründerväter 1680 , die “pilgrims” und deren Werte , die Sloterdijk benennt als die Werte des “Nehmer-Unternehmers”, der “Expansionsakteure”, die “tauschloses Nehmen als Menschenrecht” sehen, deren Weltnahme allein durch Aktion und Tat legitimiert ist.

Dieses wurde nicht beschworen , zumindest nicht in der Rede. Dort verortet Obama die Geburt Amerikas nicht 1683 oder 1492 , sondern 1776 ( oder wann immer das am Delaware stattfand) .

Im allgemeinen ist Slotis Beschreibung der europäischen Expandeure und ihren Motiven und Triebkräften schon sehr plausibel und anschaulich, finde ich.

Ist jetzt etwas beckmesserisch, ich weiss.

40 Frankie Bernankie 21. Januar 2009 um 22:45

@goodnight #35

Touche!

Schöne Replik auf diesen IQ – Mist, der für die Beurteilung eines Gemeinwesen so relevant ist wie die Anzahl von “Wer wird Millionär” – Gewinnern in einem Land.

41 hacedeca 21. Januar 2009 um 23:46

@goodnight, #35

“Flexibilität erfordert den Preis der Nicht-Bildung, d.h. weniger-Intelligenz”

What? Ist das ein Loblied der Unbedarftheit? Ich erinnere nur an z.B. weissgarnix’ Beitrag zur HRE namens “Da kömmt noch viel mehr” – Wenn ich dann noch auf die heutigen diesbezgl. Nachrichten verweisen dürfte…

Ebenso ist ja eigentlich die ganze Weltwirtschaft in trouble, weil ungebildete und gierige Banker weltweit Papiere kauften, die sie nicht verstanden. Im Zweifel mangels Bildung, weshalb sie dem Etikett “AAA” glaubten.

Diese Welt ist zu komplex geworden, um auf fundierte Ausbildung zu verzichten. Deren Grundvoraussetzung ist aber ein gewisser IQ – der in den USA deutlich unter europäischem Niveau liegt. Deshalb benötigen die USA dringend eine weniger komplexe Welt – Dafür ist die Führerfigur Obama sicher der richtige Mann. Hail to the Chief!

42 weissgarnix 22. Januar 2009 um 00:47

@Frankie Bernankie #39

>Ist jetzt etwas beckmesserisch, ich weiss.

Ist es in der Tat. Ich bezog mich nämlich in meinem Beitrag auch mit keinem Wort auf die Obama-Rede von gestern. Wie ich in der Einleitung darstellte, offenbar extrem missverständlich, sprach ich vom Tenor des gesamten Events, inkl. diverser musikalischer Darbietungen. Mein Obama-Zitat gegen Ende meines Beitrags stammt aus seiner Berliner Rede.

43 caesar4441 23. Januar 2009 um 00:10

Es ist Alles viel einfacher:
Obama ist ein mit psychologischen Mitteln aufgebauter Popanz ,der den Massen mit leeren Worthülsen das Blaue vom Himmel verspricht.In der sogenannten Demokratie ,wo Massen ihre Stimme abgeben ohne die Zusammenhänge zu erkennen ,sind diese Mittel erforderlich um die Entscheidungsgewalt zu behalten.
Obama wird das Werk von Bush vollenden,da beide nur Marionetten des großen Zampano sind.Das Zähneklappern für die Massen kommt später.

44 Clovis 24. Januar 2009 um 11:45

Guten Morgen Genosse Lübberding,

mich hat folgende Passage aus Deinem Elaborat #32 schwer beindruckt:

“Aber was man bei Arendt finden kann, ist die Einsicht, dass man das Handeln von den Prämissen der Ökonomie abgrenzen muss, wenn man die Natur des Politischen verstehen will. Das hat diese Gesellschaft, die in den letzten Jahrzehnten von den Kindereien des Ökonomismus völlig durchdrungen worden ist, nur völlig vergessen und muss es jetzt erst wieder lernen. Obama könnte das begriffen haben.”

Der letzte Satz ist, nun ja, typisches Untertanengeschwätz, a la “der Führer wird schon wissen, wo’s langgeht.” Abgesehen davon gab es einen amerikanischen Präsidenten, der bewiesener Maßen das Primat des Politischen über dem Ökonomischen gelebt hat und das war Barack Hussein Obamas Amtsvorgänger. Genau dies wurde ihm in der Endphase seiner Amtszeit von seinem schärfsten ökonomischen Kritiker Krugman vorgeworfen und das war jenseits des pseudoethischen Hyperventillierens auf europäischer Seite auch die Ursache seiner kolossalen Unbeliebtheit in der alten Welt. Sollten aber tatsächlich jemals die “Kindereien des Ökonomismus” überwunden werden, dann wird man sich an Bush junior als einen Politiker erinnern, der das getan hat, als es in Europa noch völlig out war.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit,
Clovis

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