Merkblatt für abendliches Krisenreaktionsdating

by f.luebberding on 12. Januar 2009

Heute abend ist großkoalitionäre Krisenreaktion als speed dating verabredet. Ruckzuck wird das Konjunkturprogramm 2 beschlossen werden. Volumen wahrscheinlich 50 Mrd. € auf zwei Jahre. Der Grund ist die Angst vor einer Großen Depression. Wer es weniger kraftvoll ausdrücken möchte, kann es auch so formulieren: Das sieht nicht wirklich gut aus. Bei Brad Setser in Taiwan und Korea – Südkorea natürlich. In Nordkorea sah es schon immer genauso aus wie es nach Ansicht mancher bald auch bei uns aussehen wird. Beim speed dating versuchen beziehungsunfähige Singles ihre Beziehungsunfähigkeit durch Tempo zu ersetzen. Speed dating war die lebensweltliche Umsetzung des beschleunigten Finanzkapitalismus. Letzterer beruhte darauf immer schneller Madoffsche oder Mercklesche Kreditpyramiden aufzubauen – selbst wenn diese keinen Bezug zur Wirklichkeit namens Realwirtschaft mehr hatten. Das speed dating will dagegen den Schmerz der realen Beziehungslosigkeit durch Simulierung des altehrwürdigen Begriffs “Kennen lernen” ersetzen. Man sieht viele potentielle Partner und bleibt am Ende alleine zu Haus: Weil wer jeden kennt, niemanden kennen gelernt hat. So einfach ist das. Dem großkoalitionären Krisenreaktionsdating kann aber geholfen werden. Die Rettung ist bei Marginal Revolution zu finden. Krisenreaktionsdatings leicht gemacht: Acht Gründe, warum die USA in der Depression sind.

Die sind gar nicht so schwer zu verstehen:

“1. We have zombie banks.

2. There is considerable regulatory uncertainty in banking and finance.

3. There is a negative wealth effect from lower home and asset prices.

4. There is a big sectoral shift out of real estate, luxury goods, and debt-financed consumption.

5. Some of the automakers are finally meeting their end, or would meet their end without government aid.

6. Fear and uncertainty are high, in part because they should be high and in part because Bush and Paulson spooked everyone.

7. International factors are strongly negative.

8. There is a decline in aggregate demand, resulting from some mix of 1-7.”

Diese Liste können die Damen und Herren heute abend als Diskussionsgrundlage benutzen. Dann wird man feststellen, dass die Punkte 1 und 2 bei uns wie in den USA zutreffen. Auch unsere großen Privatbanken sind Zombiebanken – nur funktionieren im Gegensatz zu den USA noch die Sparkassen und Volksbanken. Und zwar solange wie die Krise nicht auf die regionalen Wertschöpfungskreisläufe übergegriffen hat. Was folgt daraus? Der Staat muss dort investieren, wo der größte Bedarf und die schnellsten Effekte zu erwarten sind: Bei den Kommunen nämlich. Man kann damit zwar keine international vernetzten Automobilzulieferer retten, aber die regionalen Antriebskräfte stärken. Die Punkte 3 und 4 spielen bei uns im Vergleich zu den USA keine signifikante Rolle. Daher ist es auch sinnlos ausgerechnet in Deutschland Steuersenkungen als Krisenreaktion zu diskutieren. Die Deutschen sind nicht überschuldet – wenigstens nicht die Landsleute, die in den vergangenen Jahrzehnten Vermögen bilden konnten. Deren Entlastung landete also in die Sparquote. Zudem profitieren von der Senkung des Eingangssteuersatzes oder der Erhöhung des Grundfreibetrages vor allem die höheren Einkommensgruppen – und nicht die Geringverdiener wie immer behauptet wird. Statt Steuerentlastungen für alle wären die Verbesserung sozialer Leistungen oder Investitonen in die Infrastruktur vorzuziehen. Warum bietet man nicht allen Kindern ein kostenloses Schulessen an? Das fördert die regionale Dienstleistungswirtschaft, erzeugt Bau-Investitonen und dient dem Ziel der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Punkt 5 betrifft uns wegen der größeren Exportabhängigkeit unserer Autoindustrie wahrscheinlich noch mehr als es in den USA der Fall ist. Es geht um den gleitenden Übergang in ein neues Marktumfeld – mit der Reduzierung der Kapazitäten bei gleichzeitiger technologischer Neuausrichtung. Die Bundeskanzlerin stellte vor einigen Tagen die Zukunft des Ottomotors in Frage. In die Richtung muss es gehen – und das ist etwas anderes als die Erhaltung überholter Strukturen. Im Kern ist es Industriepolitik. Punkt 6 hat sich selbst in den USA bald erledigt. Die große Koalition genießt aber immer noch bei vielen Bürgern – die wenigsten schreiben bekanntlich bei Weissgarnix – einen Vertrauensvorschuss. Das kann diese Koaltion durchaus nutzen, wenn sie denn will … . Den Punkt 7 wird die Koalition genauso wenig ändern können wie irgendjemand anders – außer mit einem Appell zu international abgestimmten Handeln. In Wirklichkeit wird diese Krise die internationale Vernetzung reduzieren. An seine Stelle nimmt die Bedeutung regionale Strukturen zu – von den Kommunen bis zu übernationalen Zusammenschlüssen wie es die EU ist. Das mag einem gefallen oder auch nicht. Aber diese Globalisierung bedeutete den Kollaps chinesischer Sonderwirtschaftszonen, weil in den USA kein Sack Reis, sondern eine Kreditpyramide umgefallen war. Diese Form der Vernetzung wird nach dieser Erfahrung reduziert werden – und darauf sollte man sich einstellen. Punkt 8 ist bei Marginal Revolution die Konklusion – der Zusammenbruch der Nachfrage wegen der Punkte 1 bis 7. Deutschland hat bessere Voraussetzungen durch diese Krise zu kommen als die USA. Einige der dort relevanten Probleme sind für uns nicht in gleicher Weise bedrohlich. Das Speed-Krisenreaktionsdating kann etwas bringen, wenn die abendliche Runde das richtige Merkblatt zur Hand hat. Diese acht Punkte überfordern auch niemanden. Ansonsten wird man sich wohl fühlen wie unsere frustrierten Singles: Schön, dass wir gesprochen haben – um in Zukunft weiter alleine ins Bett zu gehen.

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13. Januar 2009 um 08:20

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1 weissgarnix 12. Januar 2009 um 17:09

Bei allem Respekt für die Kollegen von “Marginal Revolution”, aber jeder bessere Keynesianer kann die Gründe, warum ganz konkret Deutschland in Kürze in der Scheisse sitzen wird, nicht bloß in 8, sondern sogar nur 1 einzigen Satz zusammenfassen:

viel zu hohe Abhängigkeit vom Investitionsgütersektor.

Wobei man langlebige Konsumgüter da durchaus auch mit hinzuzählen darf, ohne daß man einen Dogmenstreit befürchten müsste.

Deutschland wird unter der Krise deutlich schwerer leiden, als so manch andere, über den wir heute noch lachen.

2 J.W.Booth 12. Januar 2009 um 17:55

“Deutschland wird unter der Krise deutlich schwerer leiden, als so manch andere, über den wir heute noch lachen.”

so sieht es aus…Wobei ich bezweifeln möchte dass Volksbanken und Sparkassen wirklich soooo solide sind….

3 f.luebberding 12. Januar 2009 um 18:20

Na klar gibt es die Abhängigkeit vom Investitonsgütersektor … . Das wird auch ziemlich schlimm werden. Nur wage ich es trotzdem zu bezweifeln, ob das wirklich so desaströs ist wie die Abhängigkeit der US Ökonomie von der Finanzwirtschaft und dem Aufbau ihrer Kreditpyramiden. Investitionsgüter wird man nämlich auch in Zukunft brauchen – für die sogenannten finanzindustriellen Innovationen der City oder der Wall Street gilt das nicht in gleicher Weise … . Der Unterschied ist schlicht, dass wir diesen Sektor – übrigens auch den für hochwertige Konsumgüter – reduzieren müssen – also wir können unsere eigene Volkswirtschaft nicht mehr so einseitig darauf ausrichten wie in der Vergangenheit. Darüber hatten wir ja schon oft diskutiert – den deutschen Exportwahn. Nur wenn es denn nicht zum völligen Zusammenbruch kommt – und dann gilt sowieso nichts mehr – wird es auch wieder eine weltweite Nachfrage nach Investitionsgütern jenseits des Faustkeils geben … . Was wir also brauchen ist ein Rückbau unserer in den vergangenen fünfzehn Jahren drastisch verstärkten Abhängigkeit vom Exportabhängigen Maschinenbau, Autoindustrie etc. Wir müssen unsere Pfadabhängigkeit reduzieren. Das war ja die Idiotie unserer Wirtschaftspolitik unter dem Label “Wettbewerbsfähigkeit” uns immer abhängiger davon gemacht zu haben und auf den Titel “Exportweltmeister” wahnsinnig stolz gewesen zu sein. Es gibt aber nun keinen Grund in das andere Extrem zu wechseln – und ausgerechnet unsere industriellen Kerne nicht in ihrer Bedeutung zu reduzieren (das ist unvermeidlich), sondern sogar aufzugeben.

Es sei denn der Faustkeil wird in Zukunft diesen Sektor bestimmen … . Dann hast Du recht: Dafür braucht niemand unseren Maschinenbau. Und im Vergleich zur US Situation, wo neben dem Wachstumsmotor der letzten Jahre (Finanzwirtschaft) auch noch die letzten industriellen Kerne zu kollabieren drohen, ist die Situation in Deutschland vergleichsweise gut steuerbar – und darauf bezieht sich das Argument.

4 Marlene 12. Januar 2009 um 18:50

Gebt den Kindern , dann werden euch Wählerstimmen gegeben werden.
Ist doch genau das was Lübberding gefordert hatte:

http://www.sueddeutsche.de/politik/498/454182/text/

5 f.luebberding 12. Januar 2009 um 19:03

Marlene

Genau auf diesen link wollte ich auch gerade hinweisen. Das geht in die richtige Richtung. Wer den programmatischen Hintergrund der Union kennt, muss diese Beschlüsse – wenn der Artikel denn stimmt – durchaus erstaunlich nennen, wenn nicht gar mutig. Anhebung ALG 2, Abschmelzen des einmaligen Kindergeld Zuschlages bei hohen Einkommensgruppen etc. Die Bundeskanzlerin bewiese damit ein hohes Mass an geistiger Flexibilität, finde ich. Das muss man auch einmal sagen dürfen, jenseits der häufig sonst so berechtigten Schelte.

P.S Schöner Name: Marlene.

6 Rainer 12. Januar 2009 um 21:03

Hallo in die Runde
Ist ja alles ganz toll, nur frage ich mich, ob es vielleicht doch eher in die Richtung” To little, to late” geht.
Spätestens seit Sommer letzten Jahres ist m. E. deutlich geworden, dass sich dicke dunkle Wolken am Himmel türmen. Das sind 18 Monate! Ich denke, wir reden hier nicht von Leuten, die sich von der FAZ betütteln lassen, sondern von “Finanz- und sonstigen Experten in Ministerien“, oder?
JETZT kommt man auf den Gedanken: “Da stimmt was nicht”! Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, was ich davon halten soll. Sind die wirklich so dämlich oder tun die nur so? Dass der breiten Masse das Geld fehlt, war auch schon vor der letzten Märchensteuer-Erhöhung so. Das ist nichts Neues! Und jetzt einen auf sozial tun. Das ist … Wahlkampf?
Will man doch glatt „bis zu 200 €“ lockermachen pro Kind. Aber bitte nur einmalig, nicht dass da ne falsche Meinung aufkommt. Hat man nicht gerade erst die Krankenversicherung für viele verteuert? Die nächsten Steuererhöhungen sehe ich bereits in der Pipe.
Ich hab so eher den Eindruck, die merken´s nicht, und so richtig wissen sie auch jetzt nicht, „how to handle“.
Eventuell ist dem einen oder anderen Leser hier die Seite von Eichelburg bekannt. Wenn dessen Prognosen eintreffen, dann Mahlzeit.

Ist vielleicht doch eher was anderes erforderlich als ein Buchhalter.

Grüße

7 Andi 12. Januar 2009 um 21:08

“Zudem profitieren von der Senkung des Eingangssteuersatzes oder der Erhöhung des Grundfreibetrages vor allem die höheren Einkommensgruppen – und nicht die Geringverdiener wie immer behauptet wird.”

koennte mir das nochmal einer genauer erklaeren?

8 Christian 12. Januar 2009 um 21:14

Was in diesem Artikel, wie auch in letzter Zeit generell in der politischen Diskussion häufiger zu hören ist, ist die Forderung, eine ganz bestimmte Technologie einzuführen.
Bitte, wenn Politik mit Weitsicht gemacht werden soll, darf so etwas nicht passieren, da andere technische Lösungen zwangsweise verhindert werden, welche volkswirtschaftlicher sinnvoller wären. Generell Verbrennungsmotoren weg würde z.B. BMTL verhindern, obwohl eventuell sinnvoller und billiger.
Politik sollte die richtigen Anreize setzen, um eine offene Entwicklung zu fördern. Der Markt (sollte es dann noch einen geben) wird dann über die beste Lösung entscheiden. Wie häufig, ist der Preis eines Gutes, die beste Auslese. Man kann demnach lenkungsneutrale Steuern auf alles mögliche erheben, um Entwicklungen zu fördern, aber Subventionierungen oder Ähnliches führen immer ein ineffizientes Eigenleben und fördern Lobbies. Führt genau zu dem Problem, welches wir haben und wir wollten es doch zukünftig besser machen, oder?

9 Michael 12. Januar 2009 um 21:16

@Rainer
Mahlzeit.

10 ergo sum 12. Januar 2009 um 22:25

Tja, wenn der gute Herr Lübberding nur recht hätte, dass Deutschland sich so viel schneller erholen wird als andere. Leider teilt der International Monetary Fund seine Meinung überhaupt nicht. Doch was wissen die schon vom Finanzwesen, oder?

11 hilti 12. Januar 2009 um 22:32

“Zudem profitieren von der Senkung des Eingangssteuersatzes oder der Erhöhung des Grundfreibetrages vor allem die höheren Einkommensgruppen – und nicht die Geringverdiener wie immer behauptet wird.”

koennte mir das nochmal einer genauer erklaeren?

Zumindest für die Erhöhung des Grundfreibetrages kann man das ziehmlich simpel (Progression mal außer Acht gelassen) herleiten. Erhöht man den Freibetrag um 1000 Euronen, dann muss halt jeder soviel weniger mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Sprich: Jemand mit Eingangssteuersatz muss 150€ weniger Steuern zahlen und jemand mit Spitzensteuersatz 450€ weniger.

12 EuroOptimist 12. Januar 2009 um 22:44

“Die Bundeskanzlerin stellte vor einigen Tagen die Zukunft des Ottomotors in Frage. In die Richtung muss es gehen..”
Das kann sollte die Kanzlerin noch Frank Lübberding entscheiden. Ich habe für meinen persönlichen Bedarf intensiv einen möglichst sparsamen und wirtschaftlichen Motor gesucht. Das rationale Ergebnis war ein möglichst kleiner und sparsamer Ottomotor. Alles andere war auch bei einem Spritpreis von 1,50 Euro/Liter noch deutlich unwirtschaftlicher und ökologisch von sehr zweifelhaftem Nutzen. Gerade ökologisch bewusste Kunden müssen den Ottomotor wählen, weil ja ihre Laufleistung im Durchschnitt niedriger ist.
Man mag sich gar nicht ausdenken, was für fatale Fehlentscheidungen herauskommen, wenn die Politik solche Entscheidungen vorgibt, die sich ihre Stichwortgeber einfach so aus den Fingern saugen.

13 ike 12. Januar 2009 um 23:15

@ergo sum

offensichtlich so wenig wie alle andern.

14 The Swan 13. Januar 2009 um 05:34

@Christian
“Bitte, wenn Politik mit Weitsicht gemacht werden soll, darf so etwas nicht passieren, da andere technische Lösungen zwangsweise verhindert werden, welche volkswirtschaftlicher sinnvoller wären.”

Nun, das Problem ist ja das Volkswirtschaften bzw. die einzelnen Marktteilnehmer in der Masse so entscheiden wie es ihnen hier und jetzt wirtschaftliche Vorteile bringt.
Von daher werden wirkliche Inovationen die ihrer Zeit weit vorraus sind nicht mit der möglichen Energie vorangetrieben, können es wirtschaftlich auch gar nicht, mit dem konventionellen Kram lässt sich wesentlich mehr Geld verdiehnen, die Risiken sind niedriger etc..
Nachhaltige Lösungen zum Peak “Billige Energie” werden so sicher nicht geschaffen.
Insbesondere durch die stark gesunkenen Öl-Preise werden nun verhältnismäßig teure Enenergiesparmaßnahmen zum wirtschaftlichen Vabanqe-Spiel.

Ich möchte keineswegs die Intelligenz und technische Weitsicht unserer politischen Verantwortlichen beschönigen, aber SO clever ist der “freie Markt” in diesen Angelegenheiten dann doch nicht.

15 The Swan 13. Januar 2009 um 07:18
16 Frankie Bernankie 13. Januar 2009 um 09:32

@lübberding #3
” Und im Vergleich zur US Situation, wo … auch noch die letzten industriellen Kerne zu kollabieren drohen, ist die Situation in Deutschland vergleichsweise gut steuerbar…”

An dieser Stelle hätt ich eine Buchempfehlung, die das hier angedeutete Szenario auch literarisch aufarbeitet, nämlich John Updike’s “Rabbit” – Bücher.

In diesen Romanen werden immer wieder nüchtern und lakonisch die trostlosen Auswirkungen auf die Städte und die vertraute Lebensumwelt der Menschen beschrieben, die der Niedergang der US-Industrie verursacht hat seit 1960.

Insbesondere “Rabbit is rich” ( “Bessere Verhältnisse” ) ist interessant: es wird ein sehr eindringliches Bild gezeichnet von der depressiven Stimmung in den USA um 1979/80, ausgelöst durch explodierende Energiepreise, aussenpolitische Demütigung Irangeiseln) und den Niedergang der US-Autoindustrie. Der Protagonist des Romans ist witzigerweise Toyotahändler…

Etwas off-topic, ich weiss…aber die Lektüre hilft Amerika besser zu verstehen, bilde ich mir ein.
Und man lernt daß die gegenwärtige Krise in den USA nichts Neues ist.

17 Christian 13. Januar 2009 um 10:17

@The Swan
Es kann gut sein, dass Anfangs Investitionen nicht in dem Umfang getätigt werden, wie es sein könnte. Ob das aber schlimm ist, ist was anderes. Wir bauen ineffiziente Windmühlen (mit Getiebe) in riesigem Umfang und können weiterhin den erzeugten den Strom nicht dynamisch verteilen, da uns die Netzinfrastruktur fehlt. Unser angeblich CO2 neutrale Strom muss mit 80% herkömmlicher Energie hinterlegt werden, bringt also fast nichts. Warum? Weil die Politik die Einspeisung vergütet, aber nicht für eine Verteilung sorgt. Ergo falsche Rahmenbedingungen. Genau das selbe Problem wird mit der nächsten Subvention wieder auftreten. Die Politik handelt einfach nicht sinnvoll, sondern populistisch.
Wenn es absehbar ist, dass sich eine Investition noch nicht lohnt, dann muss der Staat in die Forschung investieren. Auch hier ergebnisoffen. Das ist die Grundlage für zukünftig sich tragende Investitionen. Nicht eine Subvention. Auch hat Forschung den Vorteil, dass sinnvolle Nebenergebnisse abfallen. Aber so, wie es aktuell gemacht wird, bringt uns das nicht viel.

18 ckwon 13. Januar 2009 um 11:21

@Rainer: Die Frage ist nicht, ob demnächst Steuern erhöht werden, sondern welche. Erhöht man zB den Spitzensteuersatz, so dürfte dies der Konjunktur kaum schaden.

Erhöht man die Mwst, dann schon.

19 GEORG 13. Januar 2009 um 12:48

Vergleiche USA – DEUTSCHLAND;
sind immer beliebt, vor Allem wenn es darum geht aufzuzeigen das hier doch einiges besser ist. Dabei hab ich schon im Grundstudium Geograpie gelernt, das Alles was man über die USA sagt richtig und falsch ist, es ist eben ein Land mit kontinentalen Dimensionen und ausgeprägtem Regionalismus, Arizona und Vermont sind sehr verschieden.
Zur Krise: Jahrelang hat man uns immer wieder erzählt, dass Deutschland wie kein anderes der Welt in die Kapital, Güter und Informationsströme integriert ist. Diese Globalisierung ist nötig um die Wirtschaft am Laufen zu halten. ( Jede kleine Bude ist mittlerweile ein Global Player ) Wenn dieser globale Kreislauf stottert hat dieses existentiell vom Export abhängige Land ein Riesenproblem. Nebenbei bemerkt die gigantische Exportüberschüsse sind natürlich die Defizite der anderen.
Ein anderes strukturelles Problem ist die demographiesche Entwicklung die eindeutig negativer ist wie in den USA. Wie bitte schön will ich exponentielles Wachstum mit einer schrumpfenden und rasch älter werdenden Bevölkerung erzeugen. Im Moment ist es ja beliebt zu forden die Binnenkonjunktur muß angekurbelt werden, koste es was es wolle. So gesehen sehe ich für diese Land die größeren Herausforderungen. WOHLSTAND FÜR ALLE OHNE WACHSTUMSFETICHISMUS

20 Chris 13. Januar 2009 um 13:46

Bin heute Linken beigetreten. Erscheint mir sinnvoll, will mal was mitgestalten..Außerdem: Der beginnende soziale Unfrieden ist Sprengstoff, der auch meiner Firma schaden könnte.

“Ein Dortmunder Zuhörer”

21 Chris 13. Januar 2009 um 13:46

Bin heute den Linken beigetreten. Erscheint mir sinnvoll, will mal was mitgestalten..Außerdem: Der beginnende soziale Unfrieden ist Sprengstoff, der auch meiner Firma schaden könnte.

“Ein Dortmunder Zuhörer”

22 Rainer 13. Januar 2009 um 19:10

@ckwon
Glaubst Du, dass die ach so hoch belasteten “Reichen” mehr zahlen müssen? Ich nicht, ich glaube viel mehr, dass der Erfindungsreichtum, wenn es um die Generierung neuer Einkünfte (Steuern) geht, unendlich ist. Sich also nur über die Erhöhung der MWSt. zu unterhalten, greift zu kurz. Und es wird, wie immer, über die Masse laufen.

Grüße

23 enigma 14. Januar 2009 um 04:27

# 10 ergo sum

Cogito, daß die Leute im IMF verdammt viel mehr wissen, als wir hier alle zusammen! (Und das liegt noch nicht mal daran, daß ich IMF – gläubig bin!)

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