Pinkeln gegen den Wind

von f.luebberding am 21. Dezember 2008

Auf Telepolis haben Leonhard Dobusch und Nikolaus Kowall den Marxismus mit dem Neoliberalismus verglichen und Parallelen gefunden: Beide waren dogmatisch und beide ignorierten den Keynesianismus. Warum sie dann einen “liberalen Bernstein” suchen, ist allerdings etwas unklar. Den gibt es schon längst. Eduard Bernstein war der reformistische Ahnherr der marxistisch geprägten Arbeiterbewegung. Erst John Maynard Keynes machte aber den sozialdemokratischen Reformismus mit dem Liberalismus kompatibel. Die Integration der Arbeiterbewegung in den bürgerlichen Staat als das politische Ziel des Reformismus wäre ohne Keynes unmöglich gewesen.  Das Ergebnis waren unter anderem der Wohlfahrtsstaat und die Konjunkturpolitik. Genau hier setzen die Kritiker von Dobusch/Kowall an. Nach einer Verteidungsrede zugunsten vom Alten aus London kommen sie auf den entscheidenden Punkt. Der kommt uns gut bekannt vor:

“Es war vielmehr sozialdemokratische Regierungspolitik, die in den 1970er-Jahren in weiten Teilen Europas keine überzeugenden Antworten auf die damalige Krise des Kapitalismus geben konnte und der neoliberalen Flut zunächst hilflos gegenüber stand. In weiterer Folge wurde aus ratloser Passivität aktive Partizipation: Seit den 1990ern wurde die europäische Sozialdemokratie selbst zur Vollstreckerin der neoliberalen Revolution.”

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer.

Dobusch und Kowall formulieren Ideologiekritik am Neoliberalismus. Die Suche nach dem “liberalen Bernstein” ist der Versuch die eigene Kumpanei mit den Neoliberalen unter den Teppich zu kehren. Schließlich ist es nach der Katastrophe peinlich bei diesem faulen Zauber mitgemacht zu haben. Da wäre eine Art Bernstein aus dem Lager der heutigen Neoklassiker wirklich hilfreich. Sie formulieren nämlich ein politisches Ziel: Einen neuen sozialliberalen Konsens durchzusetzen – analog zu dem in der Nachkriegszeit. Dafür braucht man das Schuldbekenntnis der Neoliberalen. Nicht um so weiterzumachen wie bisher, sondern um ohne schwere politische Konflikte etwas Neues durchsetzen zu können. Reformisten hassen eben die Revolution. Da wäre das ja nicht schlecht – so ein Bernstein.

Florian Dvorak, Armin Puller und Florian Wenniger legen den Finger treffsicher in die Wunde.

“Der Glaube an einen Kapitalismus, der sich grundlegend gewandelt habe und in dem dank verfeinerter mathematischer Modelle der keynesianischen „Feinsteuerung“ Wirtschaftskrisen nicht mehr möglich seien, verkannte Ursachen und Bedingungen des „keynesianischen Konsens“ im Kapitalismus. Das blinde Vertrauen in den positiven Mutanten erwies sich, wie wir wissen, als trügerisch und ließ dem Neoliberalismus leichtes Spiel.”

Das Dumme ist nur: Ihre Kritik am “positiven Mutanten” der bürgerlichen Ökonomie namens Keynesianismus entspricht exakt der Kritik der Neoliberalen selbst. Wenn der Keynesianismus nämlich ab Mitte der 70er Jahre nicht mehr funktionierte, muss es doch wohl an den veränderten Bedingungen gelegen haben und nicht an der von Naomi Klein formulierten These von der Verschwörung des kleinen Milton gegen den armen John Maynard. Etwa weil die Nationalstaaten die Kontrolle über die Geldpolitik verloren hatten oder die Fiskalpolitik als zentrales Element der Konjunktursteuerung in das Fadenkreuz der global gewordenen Finanzmärkte gekommen war. Das wissen sie zwar, ziehen aber keine Konsequenzen:

“Den Hinweis auf die Problematik und Beschränktheit klassisch-keynesianischer Lenkungsmechanismen in bestimmten Konstellationen kapitalistischer Akkumulationsdynamik so abzutun, als würde hier einer „Naturgesetzlichkeit des freien Marktes“ das Wort geredet, ignoriert unverständlicherweise die Erfahrung der Niederlage der letzten Jahrzehnte.”

Nix ist unverständlich.

Das Scheitern des französischen Keynesianismus nach der ersten Wahl Mitterrands 1981 zum Staatspräsidenten galt als der Wendepunkt zugunsten der Neoliberalen. Der große Claus Koch beschreibt in dem oben verlinkten Aufsatz aus dem Jahr 1996 die sich daraus ergebende Ohnmacht der Linken. Niemand hätte mit der richtigen marxistischen Theorie daran etwas ändern können. Die Neoliberalen wurden dominant, weil ihre Logik – mehr Ungleichheit wird durch ein höheres Wachstum kompensiert – sich durchsetzen konnte. Es ist also eine Phrase, die das nicht wahrhaben will, wenn Dvorak/Puller/Wenninger formulieren: 

“Es hat sich schmerzlich bewahrheitet, dass bei Fehlen einer guten (theoretisch fundierten) Analyse und Strategie die bestgemeinte „praktische Alltagspolitik“ auf verlorenem Posten steht, weil die richtigen Ansatzpunkte für politische Maßnahmen und Mobilisierungen verpasst werden, Politiken leer laufen und das Vertrauen der Menschen verspielt wird.”

Wo hätte man die richtigen Ansatzpunkte wohl finden sollen? In den blauen Bänden? Das ist Phantasterei – mit marxistischer Wortwahl. Der Keynesianismus überlebte zwar in den USA als Bastardkeynesianismus. Aber nur, weil die Weltmacht ihre Geld- und Fiskalpolitik noch autonom bestimmen konnte. Für die USA galten diese Regeln eben nicht. Das war ihr Privileg. Davon machten die USA ausgiebig Gebrauch wie wir wissen. Damit ist es jetzt vorbei – und die Konsequenzen finden wir in irgendwelchen schwarzen Löchern des kollabierten Finanzkapitalismus.

Das Problem der Sozialdemokratie war aber viel simpler als die Autoren bei Telepolis vermuten. Man kann zwar nicht gegen den Wind pinkeln, ohne sich die Hose nass zu machen – da helfen keine Ansatzpunkte … und der gute Francois hatte am Ende auch nasse Hosen … . Nur selbst wenn das so ist, muss man ja nicht gleich seine Grundüberzeugungen über Bord werfen. Es blieben in den vergangenen Jahren nämlich vor allem einfache Einsichten auf der Strecke: Dass etwa der Reichtum einer Gesellschaft nicht nur von supertollen Supermanagern erzeugt wird – sondern auch von Busfahrern. Die dürfen für zwei Euro die Stunde arbeiten – im Gegensatz zu den Superhelden des Finanzkapitalismus. Da konnte man eben nichts machen, dachten sich die Sozialdemokraten, und machten auch nichts. Sie hatten das glatt vergessen: Dass Busfahrer soviel wert sein können wie supertolle Supermanager, selbst wenn sie weniger verdienen. Bis heute wird Verteilungsgerechtigkeit etwa in der SPD wie ein Unwort behandelt. Heiner Geissler sah das übrigens ähnlich für die Union. Darin steckt ein ganz einfacher Grundsatz: Kein Mensch darf so behandelt werden wie diese Busfahrer. Es ist Würdelos – egal wie die Bedingungen auch sind. Selbst mit nassen Hosen bleibt diese Einsicht gültig. Dafür braucht man auch keinen Karl Marx. Geißler etwa reichte Jesus Christus.

Das ist der Kern des Neoliberalismus gewesen: Solche Verhältnisse zu legitimieren. Das war viel schlimmer als der Kreditblasenzirkus, der uns zur Zeit jeden Tag gratis Vorstellungen gibt, die aber leider nicht kostenlos sind. Er zerstörte den Glauben vieler Menschen an ein Wort: Gerechtigkeit. Wohl dem, der diesen Glauben wieder beleben kann. Aber es ist ja bald Weihnachten.

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1 mylli Dezember 21, 2008 um 22:59

Schön, das weissgarnix nicht nur weissgarnix ist.

2 J.Kramer Dezember 22, 2008 um 01:39

Das Problem sind nicht die Details, sondern das fehlende Ziel:

Das bekömmliche Auskommen für alle ?
Das pure Überleben?
Arm, aber gerecht und frei von Zwängen und Angst?
Oder konzentrieren wir uns auf die Eroberung des Weltalls und planen schon mal die nächsten 500 Jahre?

Der Weg ist unbekannt, solange das Ziel nicht klar umrissen und beschrieben ist.

Die alten Ägypter waren mental weiter.

3 J.Kramer Dezember 22, 2008 um 01:51

Hier ein Interview mit Hartmut Krauss. Der ist neben wgnx meine Pflichtlektüre.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29292/1.html

Zwar nicht ganz das Thema, aber irgendwie passt es trotzdem.

4 ergo sum Dezember 22, 2008 um 02:20

@ J. Kramer:

Dank für den Link zu Krauss. Er hat schon recht, dass man den Marxismus als Heilslehre ansehen kann, aber die Heilslehre der Frühchristen war ja im Grunde ohnehin nichts anderes als Marxismus.

5 Manifest Dezember 22, 2008 um 03:26

@lübberding

Tja, Der Lübberding schreibt was über Marxismus…

Schon merkwürdig.
Wie hat er gefaucht und zugegeben, daß er damit nix zu tun haben will und es nie gelesen hat – aber plötzlich ist er ein Fachmann…
(Alles hier im Forum vorhanden..)

Laß es einfach – beurteile erst eine Sache, wenn du sie kennst.

Aber nicht mal das hat man dir beigebracht….
Aber gegen den Wind pinkeln – welch schönes Bild…

6 Manifest Dezember 22, 2008 um 03:32

Lübberding schrob:

“Selbst mit nassen Hosen bleibt diese Einsicht gültig. Dafür braucht man auch keinen Karl Marx.”

In der Tat – dafür braucht es keinen Marx. Mit nassen Hosen hat der auch nichts geschrieben – so oder so….

7 EuroOptimist Dezember 22, 2008 um 10:07

@ J. Kramer
“Das Problem sind nicht die Details, sondern das fehlende Ziel”
Ich finde, dass sich Demokratien nicht über Ziele, sondern über Verfahren definieren sollten, wie sie ihre Ziele festlegen und erreichen.

Ausserdem will ich anmerken, dass es sich bei der neoliberalen Ära nicht um einen Betriebsunfall handelt, sondern um die Aufdeckung tiefer Schwächen und Widersprüche des sozialdemokratischen Konsenses. Mir fällt da zum Beispiel der Widerspruch ein zwischen einem Staat, der für das Wohl aller Bürger verantwortlich ist, aber ihnen gleichzeitig nichts zu sagen hat. Der Neoliberalismus hat diese Widersprüche einseitig aufgelöst zugunsten einer hohlen Freiheit, aber diese hat schon vorher spürbar gewabert im sozialdemokratischen Konsens.

8 ~ Halbgott ~ Dezember 22, 2008 um 10:43

Frank Lübberding wieder höchst desinformativ !

“Erst John Maynard Keynes machte aber den sozialdemokratischen Reformismus mit dem Liberalismus kompatibel. ”

=> … vor einigen Tagen hat “ag” hier einen lesenswerten Artikel über den grössenwahnsinnigen “FASCHISTEN” Keynes verlinkt:

http://business.theage.com.au/business/what-does-keynes-advise-in-a-crisis-avoid-it-in-the-first-place-20081016-52fb.html

=> … und Frank, wenn Du wissen willst, wie die SPD zu retten wäre:

… Es wäre nötig die jetzigen 500.000 SPD-Mitglieder auszutauschen, gegen welche, die wenigstens schon einmal in ihrem Leben ein wahres Wort gesprochen haben und deren IQ über ihrer Schuhgrösse notiert …

… das wäre die Grundvoraussetzung, dass ich überhaupt auf die Idee kommen würde, zu erwägen mein Kreuz nochmal bei der Schildbürger-Partei- Deutschlands zu setzen … drunter läuft nix !!

Retroliberale Grüsse

9 Nanuk Dezember 22, 2008 um 10:50

“Da konnte man eben nichts machen, dachten sich die Sozialdemokraten, und machten auch nichts. ”

Tja man kann halt nicht Revolutzen und Lampenputzen gleichzeitig.Man muss sich schon entscheiden auf welcher Seite der herrschenden Verhältnisse man steht.Entweder man macht mit oder man ist dagegen.

Lumpenlied

Kein Schlips am Hals, kein Geld im Sack.
Wir sind ein schäbiges Lumpenpack,
auf das der Bürger speit.
Der Bürger blank von Stiebellack,
mit Ordenszacken auf dem Frack,
der Bürger mit dem Chapeau claque,
fromm und voll Redlichkeit.

Der Bürger speit und hat auch recht.
Er hat Geschmeide gold und echt. -
Wir haben Schnaps im Bauch.
Wer Schnaps im Bauch hat, ist bezecht,
und wer bezecht ist, der erfrecht
zu Dingen sich, die jener schlecht
und niedrig findet auch.

Der Bürger kann gesittet sein,
er lernte Bibel und Latein. -
Wir lernen nur den Neid.
Wer Porter trinkt und Schampus-Wein,
lustwandelt fein im Sonnenschein,
der bürstet sich, wenn unserein
ihn anrührt mit dem Kleid.

Wo hat der Bürger alles her:
den Geldsack und das Schießgewehr?
Er stiehlt es grad wie wir.
Bloß macht man uns das Stehlen schwer.
Doch er kriegt mehr als sein Begehr.
Er schröpft dazu die Taschen leer
von allem Arbeitstier.

Oh, wär ich doch ein reicher Mann,
der ohne Mühe stehlen kann,
gepriesen und geehrt.
Träf ich euch auf der Straße dann,
ihr Strohkumpane, Fritz, Johann,
ihr Lumpenvolk, ich spie euch an. -
Das seid ihr Hunde wert!

Entweder man ist ein Lump oder nicht und man bleibt einer sein Leben lang.Was den Lumpen fehlt ist Stolz auf Lumpensein.
Den schliesslich haben sie nichts gestohlen.

“Selig sind die Armen, denn ihrer ist das Himmelreich”

und der Neoliberalismuss deutet das einfach um indem er Reichtum als Moralische Kategorie einführt der ist Reich der muss moralisch Integer sein.Das Moralische Integrität zur Armut führt wir bewust ausgeblendet.

10 weissgarnix Dezember 22, 2008 um 10:57

Den Text der “Kritiker” finde ich in der Tat wesentlich überzeugender, und an einigen Stellen auch erhellender. Vollbeschäftigung und Stabilitätspolitik sind nicht Bestandteil des neoliberalen Programms, es ist daher in der Tat lächerlich und naiv, von den handelnden Akteuren im Angesicht der Finanzkrise eine fundamentale Abkehr von früheren Prinzipien zu erwarten. Eine Naivität, der ich mich, zugegeben, auch eine Zeit lang hingegeben habe.

Ansonsten erinnert die Auseinandersetzung, soweit sie die SPD betrifft, an den uralten Streit zwischen Marx/Engels und den Lassalleanern, sprich dem Kampf um die “Diktatur des Proletariats” auf der einen und dem “friedlichen Hineinwachsen” des Sozialismus in einen vermeintlich klassen-neutralen Staat auf der anderen Seite. Vor diesem Hintergrund konnte die SPD eigentlich nur scheitern, weil sie als bürgerliche (iSv bourgoise) Partei der Betonung bürgerlicher Interessen konzeptionell nichts entgegenzusetzen hatte. Gerhard Schröder, der Seeheimer Kreis und alles, was am heutigen Zustand der SPD erbärmlich ist, sind damit nichts anderes, als der logische Endpunkt einer Auseinandersetzung, die mit der Marx’schen Kritik am Gothaer Programm begann.

11 Bankenaufsicht Dezember 22, 2008 um 11:04

Ich denke Mittaraund hatte auch einen schweren Stand mit seiner Politik, da er für Sie europaweit keine Verbündeten gefunden hatte. Schmidt hat sich lieber auf die neoliberale Seite der eisernen Lady gestellt.

http://www.zeit.de/1981/30/Vertrauen-zu-Mitterrands-Mannschaft

Inmitten eines liberale Freihandelsraumes läßt sich natürliche keine sozialistische Wirtschaftspolitik erfolgreich praktizieren.

Thatcher hatte mit ihrer Politik nach 2 Amtszeiten übrigens auch dann auch Pippi in der Hosen. Sie hinterließ Eine 2stellige Inflationsrate und eine dramatisch angestigenden Arbeitslosenzahl. Wer hats denn jetzt von den beiden besser gemacht? Naja wir werdens vielleicht bald zwangsläufig selber merken …

12 sinthomat Dezember 22, 2008 um 11:56

Werter f.luebberding, ich lese die aufgeworfenen Fragen als “Wo ist der Ansatzpunkt?” und vor allem: “Wozu (marxistische) Analyse, wenn es vor allem an einem Beharren auf sozialdemokratischen Grundsätzen gemangelt hat?”.

Gerade jetzt zeigt sich, dass die sozialdemokratische Ethik eben nicht ausreichend ist, aus zwei Gründen: 1) Um gesellschaftspolitisch anschlußfähig und verhandlungsfähig zu sein, klammert sie die Macht- und Herrschaftsfragen aus, oder bedient sie nur noch populistisch verkürzt (“Heuschrecken”, Managergehälter), 2) damit zusammenhängend, aber darüber hinausgehend ist sie nicht mehr in der Lage, das Gesamtkoordinatensystem des Kaptitalismus zu hinterfragen.

Verzichtet man auf 2), führen alle Wege nur zu Kompromissen, deren konkrete Form nur von den aktuellen Kräfteverhältnissen bestimmt wird. Man kann die Ansicht vertreten, dass das legitim ist. Ich denke aber, wir brauchen in der wissenschaftlichen Analyse, in der Politik und in der Öffentlichkeit den Mut, den engen Horizont jenes Koordinatensystems zu überschreiten. Das meine ich zunächst analytisch, und es lässt sich zur Zeit wunderbar damit begründen, dass wir diese Krise nicht verstehen können, wenn wir im Rahmen dieses Koordinatensystems bleiben, so wäre zumindest meine These.

Es geht also um die Grundfragen, wie z.B. warum trotz unglaublicher uns zur Verfügung stehender Produktivität immer wieder solche Krisen auftauchen (wenn nicht schon das “reibungslose” Funktionieren des Systems als Krise gesehen wird, etwa vom Standpunkt des Trikonts aus oder auch von Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnissen “bei uns”.) Dafür finden sich sehr wohl Ansatzpunkte in den “blauen Bänden”, aber auch als genau das sollten sie gelesen werden. Nicht als Rezepte oder Dogmen.

13 Andreas Kreuz Dezember 22, 2008 um 12:14

wgn -> ‘Gerhard Schröder, der Seeheimer Kreis und alles, was am heutigen Zustand der SPD erbärmlich ist, sind damit nichts anderes, als der logische Endpunkt einer Auseinandersetzung, die mit der Marx’schen Kritik am Gothaer Programm begann.’

Wobei dieser Endpunkt für Erstgenannte die Niederlage markiert.
Das halte ich für wichtig.

14 weissgarnix Dezember 22, 2008 um 12:25

@Andreas Kreuz

Ich würde statt “Niederlage” eher sagen: die “endgültige Kapitulation”.

15 Peter Dezember 22, 2008 um 12:47

was sind nun eigentlich “bürgerliche” ???

Diese Sozialschmarotzer die von Papis Erbe leben oder sonstwie zu Geld gekommen sind?!
Und was sind dann die anderen???

16 bluedet Dezember 22, 2008 um 12:55

> Nanuk,

sei doch bitte so nett und teile mir die Quelle deines Lumpenlieds mit.

17 xxHyFoxx Dezember 22, 2008 um 12:56

@ Peter, Eintrag 15

Antwort: “Minderleister.”

18 Nanuk Dezember 22, 2008 um 13:12

Erich Mühsam Bayerischer Anarchist
http://tinyurl.com/94bwbt

19 Peter Dezember 22, 2008 um 13:14

Antwort: “Minderleister.”

welche denn???

20 sinthomat Dezember 22, 2008 um 16:47

“bürgerliche” (Kleingeschrieben!) bezieht sich natürlich auf “bürgerliche Küche”. Erfüllt leider nicht alle Erwartungen.

21 bluedet Dezember 22, 2008 um 17:15

> Nanuk

Danke!

22 ag Dezember 22, 2008 um 21:31

Leider wird die Diskussion hier immer einseitiger.
Das bei einem total Zusammenbruch nur noch der Staat als Instituation übrigbleibt ist klar.

Aber was sollen hier die einseitigen Keynes- und Staatshymnen?

Weisgarnix hat uns ja ein wenig die Verbindung von Keynes und des Herrn H. nahegebracht. Soweit geht die Ehrlichkeit zugegebenermaßen schon. Habt Ihr in jungen Jahren mal mit eurem Großvater über Wirtschaftpolitik diskutiert?
Das sind doch alles Scheindiskussionen hier.
Entweder Ihr kommt zum Kern der Sache, oder Halbgott hat die ganze Diskussion hier mit Täterä gewonnen

Die Kapitulation der Vernunft, für die exemplarisch der Maschsee stehen kann, hat ihre Ausläufer bis in unsere Gegenwart.
http://www.ish.uni-hannover.de/Dateien/staff/lh/maschsee_lh.html

(Siehe auch Autobahn, Kfz-Steuer, Dienstmädchen :) , Ehestandsdarlehen und Mefo-Wechsel fehlen noch …)
Jaja, der Staat kann sich unbegrenzt verschulden, ich kanns nicht mehr hören, Butter bei die Fische Herr Lübberding, wie weit kann er denn?

Wenn das ganze hier schon ein Blog über alte, tote Männer ist, warum nicht gleich in die richtige Kategorie (von Wirtschaft und Politik zur Geschichte) wechseln z.B.:
http://www.geschichtsforum.de/f66/welchen-berufen-kamen-die-arbeitslosen-im-dritten-reich-unter-22976/

Mit New Deal habe ich mich in jungen Jahren nicht so beschäftigt, aber WgnX wohl um so mehr:
“The forgotten Man – A new history of the Great Depression”, von Amity Shlaes
http://www.weissgarnix.de/?p=32
Komisch, mich überrascht das Buch nicht, aber leider gibts dazu ja keine Diskussionen mehr.

Und zum ultimativen, australischen Keynes Link (danke, daß ich hier so gut vorbereitet worden bin), auf den Halbgott nochmal hingewiesen hat, wird es hier nie eine Diskussion geben.

Ist ja alles nur ein unterhaltsames Blog,
wenn das ganz leider nicht zum absoluten Mainstream geworden wäre. Leute tretet in eine Partei ein, sucht euch Pöstchen beim Staat und schickt andere zum Arbeiten. Hat jemand schon mal Elternunterschriften für oder gegen irgendwas gesammelt und dann lauter Antworten, nein ich kann nicht unterschreiben, ich arbeite für die Stadt, unser Auftraggeber ist die Stadt, erhalten?
Und hey, habt Ihr schon mal in Frankreich gearbeitet?
Ich schom 1991 La Crise!!!
Ein starker zentrale Staat hat definitiv Vorteile, aber es wird alles wieder duch den Drang zu den staatlichen Fleischtöpfen zerstört.

Neoliberale , keynesianischee, rote oder schwarze Kreditblase, das macht ja wirklich einen großen Unterschied bei Euch. Aber ich sag’s Euch, es macht keinen, die Kreditblase ist das Problem.

Wertschöpfung, Real Economy – pfui Teufel, damit wollen wir nichts zu tun haben. Aber Sozialismus =keynesianisches Löcherbuddeln, Gelddrucken und Neoliberalismusbashing, das ist hip.

Sorry für den erneuten, wirren Kommentar aber ich bin schokiert.

23 mh Dezember 23, 2008 um 06:55

“Auf Telepolis haben Leonhard Dobusch und Nikolaus Kowall den Marxismus mit dem Neoliberalismus verglichen und Parallelen gefunden: Beide waren dogmatisch und beide ignorierten den Keynesianismus.”

Ich finde eher Paralellen zwischen Keynesianismus und Freiwirtschaftlern (nach Silvio Gsell): Beide waren dogmatisch und beide ignorierten die oesterreichische Schule der Oekonomie.

http://www.freiheitsforum.com

24 Nanuk Dezember 23, 2008 um 10:42

@AG
“Ein starker zentrale Staat hat definitiv Vorteile, aber es wird alles wieder duch den Drang zu den staatlichen Fleischtöpfen zerstört.”

Ich finde die Konzeption Staat als Machtapparat überflüssing bei mir rennst du offene Türen ein.Komunale Selbstverwaltung und Siedlungsgemeinschaften sind viel Besser als Konzeption.Allerdings sind solche Dinge im Medienzeitalter bis zur unkenntlichkeit verstümmelt.

Es gibt aber das ein oder andere Dorf was einem Hoffnung gibt.

@mh

“Ich finde eher Paralellen zwischen Keynesianismus und Freiwirtschaftlern (nach Silvio Gsell): Beide waren dogmatisch und beide ignorierten die oesterreichische Schule der Oekonomie.”

Die Konzeption der der Östereichischen Schule die Gier als Triebfeder der Wirtschaftlich handelnden setzt ist ja richtig nur leider sind wir bei einem nicht umschwenken und ich glaube das Moral veränderlich ist siehe Wittgenstein, dem Untergang geweiht.

25 weissgarnix Dezember 23, 2008 um 12:09

@nanuk

“Gier” ist keineswegs die Triebfeder bei den Ösis, zumindest nicht bei Mises und seinen Jüngern. Sondern eine Art “Unbehagen” hinsichtlich des Status Quo, zu dessen Abhilfe man in den Austausch mit anderen eintritt. Wobei “Austausch” nicht rein ökonomisch zu verstehen ist, sondern ganz allgmein als “Handlung”. Mises legt seine Konzeption daher als allgemeine “Lehre vom menschlichen Handeln” an und nennt sie “Praxeologie”. Verknüpft man einzelne Handlungen zu einem großen Ganzen, dann erhält man das österreichische Generalmodell der Wirtschaft, i.e getragen von einem Gespinnst aus völlig individuellen Einzeltransaktionen, möglichst ohne Einfluß von Staat oder Gesellschaft.

Und genau an dieser Stelle irren die Ösis bzw vor ihnen bereits so Kapazunder wie etwa Adam Smith: durch alle Epochen hindurch waren wirtschaftliche Prozesse unmittelbar eingebettet in staatlich/hoheitliche Organisationsformen, die sich typischerweise durch “Reziprozität”, “Redistribution” oder “Autarkie” auszeichneten, zumeist jedoch aus einer Mischform aller 3 Erscheinungen bestanden. Die untereinander als Individuen “tauschenden” Jäger und Handwerker als hauptsächliche Träger einer lokalen oder gar regionalen Form von “Wirtschaft” sind, ich kann es nur nochmals betonen, eine Erfindung eines gewissen Strangs der abendländischen Moraltheorie.

Wer einmal in seinem Leben Polanyi oder Dalton gelesen hat, der kann über Adam Smith oder Ludwig von Mises nur noch herzlich lachen. Ich kann daher jedem, der nicht dumm sterben möchte, nur eindringlich die Lektüre von “The Great Transformation” ans Herz legen.

26 weissgarnix Dezember 23, 2008 um 12:21

@mh

Die “Verwandtschaft” zwischen Neoliberalismus und Marxismus war bereits Joseph Schumpeter bekannt, einem Schüler von Böhm-Bawerk, der neben den Mises dieser Welt ja gleichzeitig auch noch einen ganzen Schwank Edel-Marxisten hervorbrachte, u.a. Otto Bauer und Rudolf Hilferding, die beiden Speerspitzen des Austro-Marxismus.

Keynes nahm hingegen vom frühen Ludwig von Mises durchaus Notiz. Wenn auch nicht unbedingt in besonders erbaulicher Weise, denn in einer Kritik zu dessen “Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel” schreibt er 1914:

“Dr. von Mises’ Werk ist die Arbeit eines scharfsinnigen und kultivierten Geistes. Aber es ist vorwiegend kritisch statt konstruktiv, dialektisch und nicht originell. Man schließt das Buch mit einem Gefühl der Enttäuschung darüber, daß ein so intelligenter Autor, der so freimütig schreibt und so weitverbreitet ist, einem so wenig zu einem klaren und konstruktiven Verständnis der Grundlagen seines Themas verhilft.”

27 Nanuk Dezember 23, 2008 um 19:03

Unbehagen?

Du meinst ständige unzufriedenheit aufgrund des versuches Psychischen durst mit Salzwasser zu löschen (Materie)…

28 Europäer Dezember 27, 2008 um 18:32

Die “Neoliberalen” sind nicht das als was sie immer wieder beschrieben werden, sondern einfach die Realisten im Gegensatz zu den Träumern, Dummen, Betrügern, Demagogen, und Profiteuren der Sozialbürokratie, etc.

Letzlich kann man es darauf reduzieren:

Wenn es Standortwettbewerb gibt, muss man sich daran anpassen. Moralisieren hilft nix.

Ende.

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