Wir sind alle Keynesianer

von f.luebberding am 28. November 2008

Das sagte Richard Nixon Anfang der 70er Jahre – bevor fast alle Monetaristen wurden. Jetzt ändern sich die Zeiten. Außer einem gallischen Dorf in der Hamburger FTD-Zentrale, einigen Bloggern hier und einem halsstarrigen Bundesfinanzminister kramen alle den fast vergessenen Briten aus der Schublade. Heute morgen selbst der Bundesinnenminister. Statt nach Gefahren für die innere Sicherheit zu suchen, fahndet er jetzt nach der verschwundenden Nachfrage:

“Aber kurzfristig müssen wir etwas anderes machen, nämlich den richtigen Politik-Mix finden. Dazu gehört neben der klassischen Angebotsorientierung nun eben auch eine starke Nachfragepolitik. Dem sollte sich die Union nicht mehr verschließen, wir müssen umdenken – ja sogar durchaus keynesianisch. Einen ähnlichen Lerneffekt gibt es doch auch beim Sachverständigenrat.”

Wahrscheinlich hat heute morgen das BKA die Nachfrage zur Fahndung ausgeschrieben. Aber es hat sich auch der Chefvolkswirt von Goldman-Sachs, Jim O`Neill, in die Debatte über die deutsche Nachfrage eingeschaltet.

O`Neill gehörte schon vor Jahren zu den schärfsten Kritikern des deutschen Merkantilismus:

“Wie lange wollen Sie noch warten? Deutschland ist Exportweltmeister, das lässt sich nicht mehr steigern. Wohin wollen Sie die ganzen Waren denn liefern? In die Antarktis? Ein Land kann auf Dauer nicht nur für den Export produzieren, das ist unklug, weil man die ausländische Nachfrage nach Gütern nicht kontrollieren kann. Außerdem: Deutschlands Unternehmen sind extrem wettbewerbsfähig, das beweisen gerade die hohen Exportzahlen, und trotzdem investieren sie wenig und schaffen kaum neue Jobs. Warum? Weil ihnen der heimische Markt weggebrochen ist. Also muss man ihn ankurbeln – ganz direkt.” 

Nun war die Antarktis selbst für deutsche Exporteure kein bevorzugtes Ziel, übrigens wenn man von der Autoindustrie absieht auch nicht die USA. Die EU und vor allem Osteuropa stimulierten den deutschen Export. O`Neill hatte durchaus Recht mit seiner Kritik an Deutschland.  Sein Problem war seine Blindheit gegenüber den amerikanischen Verhältnissen. Heute formuliert er eine nachvollziehbare Begründung für einen deutschen Nachfragestimulus, der sich nicht auf das Drucken von Fahndungsplakaten beschränken sollte:

“Germany and its policymakers should take a long, hard look in the mirror. At 85m, Germany’s population is equivalent to more than a quarter of that of the US. It needs to make a contribution to world consumption in a similar ratio, relative to that of the US consumer.”

Wenn die Amerikaner nicht mehr konsumieren können, müssen die Deutschen einen Teil dieser wegfallenden Nachfrage kompensieren. Deutschland ist kein Kleinstaat – dieser Hinweis ist angebracht. Er ist, wohl aus Verzweiflung, durchaus Phantasievoll, um die Deutschen zu einer entsprechenden Politik zu bewegen:

“Next year is the 20th anniversary of the fall of the Berlin Wall. German consumption has barely budged since then. Why not celebrate by giving its people a surge in consumer spending? Raise real wages and cut value added tax: Germany owes it to itself and the world after such a long period of adjustment to both unification and European monetary union. It certainly needs to, as the export machine is set to struggle.”

O`Neill sucht einen Anlaß für eine Party – und findet den Jahrestag des Falls der Berliner Mauer. In den USA sind nämlich alle Partys abgesagt worden. Das entspricht durchaus der Mentalität des Investmentbankers, der den Keynesianismus als ein Party-Event-Management versteht. In den USA ist der puritanische Impuls, der dieses Land so lange prägte, dem Hedonismus eines aus dem Ruder gelaufenen Kapitalismus zum Opfer gefallen. Oder tobt sich nur noch beim Rauchverbot und sexueller Prüderie aus. Die Bastard-Keynesianer – und O`Neill war einer seiner Repräsentanten –  hat den Keynesianismus keineswegs als ein gesamtwirtschaftliches oder gar politisches Konzept verstanden. Er hat ihn auf Konsum reduziert – reduzieren müssen. Ansonsten hätte er nicht blind sein können für den inflationären Wahnsinn an den Assetmärkten, die desaströse Lage der amerikanischen Infrastruktur, dem desolaten Bildungssystem oder der skandalösen Einkommenverteilung in den USA. Goldman-Sachs war ein prominenter Förderer des Partyismus. Die FED flutete dann auch immer rechtzeitig die Märkte mit frischem Geld, sobald nämlich während der Party Misstöne zu hören waren. Etwa durch die diversen Finanzkrisen der vergangenen fünfzehn Jahre. Greenspan war der Discjockey der Wall Street – und Deutsche und andere Exporteure lieferten alles, was man für schöne Partys so braucht.

Nur war eben John Maynard Keynes kein Party-Theoretiker, obwohl er den irdischen Genüssen durchaus zugetan war. O`Neill im Jahr 2004:

“Ich bin ja gewiss nicht grundsätzlich gegen eine Haushaltskonsolidierung. Aber man muss doch das gesamtwirtschaftliche Umfeld betrachten. Was würde denn geschehen, wenn die USA ihr Staatsdefizit von heute auf morgen zurückfahren würden? Die Welt würde in die Rezession stürzen. Das Wachstum in Euroland war bisher stark auf die amerikanische Nachfrage angewiesen, und besonders Deutschland ist konjunkturell noch immer von ausländischer Nachfrage abhängig.”

Die USA bauen heute bekanntlich keineswegs ihre Staatsdefizite ab und stürzen damit die Welt in die Rezession. Sie bezahlen heute mit ihren Staatsdefiziten die Kosten des Partyismus. Leute wie O`Neill interessierte in Wirklichkeit nicht das gesamtwirtschaftliche Umfeld – ansonsten wäre dieses Desaster nicht passiert. Sie interessierte nur die Frage wie ihre Geldmaschine am Laufen gehalten werden kann. Das war das Problem – und nicht eine obskure Nachfragepolitik, die fälschlicherweise immer mit dem Keynesianismus identifiziert wird.

Wir sind heute alle Keynesianer. Selbst der Bundesinnenminister. In der Liquiditätsfalle gibt es keine Alternative. Nur hatte die Desaster-Politik der vergangenen Jahre nichts mit Keynesianismus zu tun. Selbst in gallischen Dörfern wie dem Kapital sollte dieser Unterschied zur Kenntnis genommen werden. Sie haben nämlich auch keinen Zaubertrank zur Stärkung der Weltwirtschaft im Angebot. Heute geht es um das Aufräumen der Trümmer, die Rowdys wie Jim O`Neill in der Weltwirtschaft hinterlassen haben. Dafür braucht man Geld. Wer will schon in Trümmern hausen? Und den Partyismus wird es so schnell nicht mehr geben. Da kann man sich auch in Hamburg sicher sein. Ansonsten aber ein schönes Wochenende.

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1 weissgarnix November 28, 2008 um 14:56

Muß Dich leider korrigieren, mein Lieber, das Zitat “We are all Keynesians now” stammt nicht von Nixon anno 1971, sondern von Milton Friedman, anno 1965. Dem war das hernach auch furchtbar peinlich, daher beeilte er sich erklärend hinzuzufügen, dass er damit nur meinte, dass jetzt in der Ökonomie alle mit keynes’schen Begriffen und Instrumentarien hantieren.

2 H. K. Hammersen November 28, 2008 um 15:04

In der deutschen Politik scheint aber gerade die Angst, andere Länder könnten von unseren Konjunkturprogrammen profitieren, die Lähmung hervor zu rufen.

3 f.lübberding November 28, 2008 um 15:11

Weissgarnix

Wilhelm Hankel hat übrigens eine andere Interpretation von Friedman:

“Zeit seines Lebens wurde Milton Friedmans Werk und Leistung überschattet von den Allgemeingültigkeitsansprüchen seiner Schüler und den sich mit seinen Formeln rechtfertigenden Politikern. Ging etwas schief, dann lag es an der Formel, nicht ihnen. Nur: Friedman war nicht der antikeynesianische
Bilderstürmer, als den man ihn verkaufte. Mehr als einmal
hat er öffentlich darauf hingewiesen, dass er auf der („makroökonomischen“) Grundlage seines Vorgängers aufbaue und diese nicht verwerfe. Anders als viele seiner Mitstreiter sah er in Keynes nicht den Gegner, sondern den Inspirator, zentrale Fragen der Ökonomie neu zu stellen und zu überprüfen.”

http://www.hankelspethmann.de/pdf/p2_sanfte_Tod_des_Monetarismus.pdf

Er interpretiert die Friedmansche Aussage also keineswegs als Ausrutscher.

4 staph.aureus November 28, 2008 um 15:17

In Deutschland hatten wir nette house-parties:
der Staats-DJ schenkte einige Tausender, private Bauherren verbauten dann einige zehntausend Euro. Allein die Umsatzsteuer daraus reichte oft zur Refinanzierung der Eigenheimzulage.

Das ist passé, entsprechend sehen die Zahlen vom Bau aus.
Zum Leidwesen der Bau-Beschäftigten.
Die Styropor-Plattenleger zur KfW-finanzierten Haussanierung und Wärmedämmung gleichen das nicht aus. Die subventionierten Sanierungskredite sind im deflationären Umfeld kein grosser Anreiz.

Das Durchschnittsalter der KfZ in der Autorepublik steigt weiter an: vorhersehbar, weil die Anrechenbarkeit über km-Pauschale oder Firmenwagen-AfA gesenkt wurde.

DJ Merkel, das ist auch deine chill-out-Rezession.
Das schreibt man auch in einem gallischen Dorf in der FTD-Zentrale:
http://www.ftd.de/wirtschaftswunder/index.php?op=ViewArticle&articleId=1677&blogId=10

5 weissgarnix November 28, 2008 um 15:20

@f. lübberding

Die Frage ist, “welchen Keynes” meint er? Der “A treatise on money”-Keynes der frühen 20er-Jahre war im Prinzip ein Neoklassiker und Quantitätstheoretiker, der “General Theory”-Keynes der späten 30er-Jahre keinesfalls mehr. Hardcore-Keynesianer wie etwa Minsky lesen daher den frühen Keynes zur gedanklichen Zerstreuung wenn mal gerade nichts im Fernsehen läuft, aber beziehen ihre theoretische Stimulanz ausschliesslich aus der GT, plus den wenigen erläuternden Kommentaren, die von JMK dazu aktenkundig sind (insbesondere seine Entgegnung auf Prof. Viner in “Econometrica”, die ausführlichste Kommentierung die von JMK zur GT vorliegt).

6 Eclair November 28, 2008 um 15:48

@ lübberding, weissgarnix

Ihr habt beide Recht. Friedman hat zeitlebens betont, dass er größten Respekt für die Leistungen von Keynes hatte., auch wenn er die Schlussfolgerungen der General Theory ausdrücklich nicht teilte. Tatsächlich hat er mit seiner natural rate Hypothese ja der Grundaussage der GT widersprochen, dass die langfristige Arbeitslosigkeit auch mit der Nachfrageentwicklung zusammenhängt.

Und wenn man dann Ökonomen wie Mankiw und DeLong hört, die ausdrücklich zu Protokoll geben, dass ihr Neukeynesianismus genauso gut Neumonetarismus heißen könnte, dann hat man auch den besten Nachweis dafür, dass dieser Keynesianismus mit Keynes so ziemlich gar nix gemein hat :D

7 weissgarnix November 28, 2008 um 16:14

@eclair

Stimmt, aber Greg Mankiws Ökonomie-Einführungsbuch finde ich trotzdem recht gut (hat mir meine Nichte kürzlich gebraucht geschenkt, was sie mir damit wohl sagen wollte?), besser jedenfalls als den Samuelson-Nordhaus, mit dessen “12th edition” ich mein Studium bestreiten mußte. Da gibt’s Stellen drinnen, bei denen denke ich mir selbst heute noch: “What the f… is he talking about?”

8 sinthomat November 28, 2008 um 16:24

Über angebliche puritanische Prüderie lästern – und dann selbst den Party-pooper geben. Das haben wir gern! Außerdem, es ist auch unsere Geldmaschine, und wären wir nicht am zertrümmern der Weltwirtschaft beteiligt gewesen, hätten wir jetzt auch kein Problem.

Letztendlich ist mir die Aussage des Artikels, falls es eine neben Bashing gibt, etwas unklar. Gegen eine bessere Beschreibung dessen, was nun dem wahren Keynsianismus zu folgen hätte, hätte ich ja nichts einzuwenden.

9 sinthomat November 28, 2008 um 16:26

Ups, wieder in Hektik geschrieben und das komt dabei raus. s/zu folgen/zufolge zu folgen/. Danke für Ihr Verständnis.

10 GEORG November 28, 2008 um 16:48

Damal undHeute. Ich hab nach nachgelesen in` Die Entm ytologisierung der Wirtschaft ´ von K.GALBRAITH, einem Zeigenossen von KEYNES UND EINEM DER KENNER DER GROSEN DEPRESSION. Da heißt es unter anderem : ´Es konnte kein Mittel gegen Depression geben, wenn diese Depresssion von der Theorie von vornherein ausgeschlossen worden war, Ärzte, und hätten sie den besten Ruf kennen keine Therapie für eine Krankheit , die es nicht geben kann. ´ Und später .´dies hatte zur Folge,daß dann, als auf den Börsenkrach im Oktober 1929 die große Depression folgte, die Ökonomen klassischer Provenienz, mit anderen Worten fasst alle Ökonomen untätig blieben.´… ´HERBERT HOOVER, eine von der Wirtschaftsgeschichte geschmähte Figur befand sich in Wirklichkeit in völliger Übereinstimmung mit den herrschenden ökonomischen Ideen seiner Zeit.´ Auch zu den Zinsen gibt es interressante Analysen: ´ Die Zinssätze wurden in der 2.Hälfte von HOOVERS Amtsperiode auf ein nach heutigen Masstäben nominelles Niveau gesenkt. 1931 war der Rediskontsatz der Federal Reserve Bank von New York , der vor dem Bankenkrach 6% betragen hatte, schrittweise um ein halbes Prozent auf 1,5% gesenkt worden .Viele Banken schwammen in Barmitteln…Und die möglichen Darlehensnehmer, die selbst gegen die geringen Preise anzukämpfen hatten bzw.- wenn man von der Öffentlichkeit allgemein spricht-die alle Hände voll zu tun hatten,um nur gerade zurechtzukommen, fragten keine Kredite bei den Banken nach.´ und dann folgert Herr GALBRAITH:`Somit wurden öffentliche Ausgaben zur Ankurbelung der Nachfrage die Alternative zur wirkungslosen Geldpolitik der Depression.´Ähnlichkeiten zu heute rein zufällig. Ganz interressant ist ein weiteres Kapitel in dem Herr GALBRAITH die Bestätigung von KEYNES durch den Kriegsgott MARS sieht.

11 f.lübberding November 28, 2008 um 17:07

Weissgarnix, Eclair

Minsky sieht noch Fernsehen … am Ende sind doch nicht alle tot. Aber im Ernst: Hankel bezieht sich offenkundig auf den ganzen Keynes – und das ist ja durchaus nachvollziehbar. Denn ohne die GT wäre Friedman wohl kaum auf die Idee gekommen, dass das Versagen der FED – also ihre Geldpolitik – den Zusammenbruch des Bankensystems und danach der Realwirtschaft ausgelöst hätte. Er suchte eben nach einer alternativen Krisenerklärung, weil Friedman den Keynesianismus bekämpfte – und nicht den toten Keynes. Der interessierte ihn wahrscheinlich noch nicht einmal besonders. Er wollte den nach 1945 rasant gewachsenen Staatsanteil zurückdrängen, das war sein politisches Programm. Hankel macht das ganz geschickt, wenn er Friedman gegen seine ideologischen Interpreten verteidigt … . Es war ja auch ein geschickter Schachzug mit Lenin die Stalinisten zu ärgern. Aber im vergangenen Jahr hat die FED mit Friedmanschen Rezepten die Krise bekämpft – und Schiffbruch erlitten. Friedman ist mit der Liquiditätsfalle, in der wir trotz seiner Politik gelandet sind, eindrucksvoll widerlegt worden. Und das Problem liegt tatsächlich darin, dass der Neokeynesianismus, wie es Eclair beschreibt, in den USA ein Halbbruder des Monetarismus gewesen ist … . Der Bastard-Keynesianismus hat eben dafür gesorgt, dass das keynesianische Instrumentarium in der Liquiditätsfalle in den USA nur noch mit Brachialgewalt angewendet werden kann. Und die Wirksamkeit in Zweifel steht.

Sinthomat

Keine Ahnung, was der wahre Keynesianismus ist. Der Keynes von 1936 hilft eben nur begrenzt weiter. Da bin ich mir allerdings sicher. Denn das Problem ist die Kombination gigantischer Staatsdefizite wegen des Partyismus mit einer Liquiditätsfalle wie mitten in der großen Depression. Meines Wissens hat sich Keynes damit nie beschäftigt. Wie auch? Das hat es vor 2007 noch nie gegeben. Deshalb ist der Keynes von 1936 – also die Dysfunktionalität des Marktes durch den Staat zu ersetzen – nur von begrenzter Wirksamkeit. Wir werden sehen, ob eine neuer Keynes darauf eine Antwort finden wird. Ich werde das wohl kaum sein. Wir werden also ziemlich dumm aus der Wäsche schauen – und wie in meinem Rathenau Text angedacht in einer Art Kommandowirtschaft landen. In meinem Beitrag ging es darum, dass die Jim O`Neills mit keynesianisch genannten Instrumentarien hantierten, aber der Keynesianismus nach 1945 in Wirklichkeit zu einem politischen Projekt über die Rolle des Staates geworden war. Keynes lieferte dafür die theoretische Begründung. Ob zurecht, darüber streiten die Gelehrten. Nach der Wende Mitte der 70er Jahre war dieses Projekt tot – aber es blieben die keynesianischen Instrumentarien übrig. Die wurden in den USA ja ausgiebig genutzt wie ich geschildert habe. Paul Krugman ist in seinem letzten Buch zum Politikwissenschaftler geworden. Er hat also vor allem Macht- und Verteilungsfragen thematisiert -und blieb eben nicht dem in dem stählernen Gehäuse der Nachkriegsökonomie. Die interessierte sich ja gar nicht mehr für solche Fragen, sondern reduzierte Wirtschaftspolitik weitgehend auf Technik – und bezog sich dabei durchaus auch auf Keynes.

Nur war Keynes immer auch ein politischer Autor. Der war nur bei den O`Neills nicht gefragt. Und deshalb konnten sie uns auch mit ihrem Keynes in das Desaster steuern. Das sollte zum Ausdruck gebracht werden.

12 Europäer November 28, 2008 um 17:14

Was hat Deutschland für einen Vorteil wenn es mitmacht?

- Es kostet viel Geld, dass der Staat seinen Bürgern wegnimmt.
- Sinnvolle Investitionen z.B. in Bevölkerungspolitik brauchen dagegen Zeit, weil sich erst die Politik einigen muss.
- Die Asiaten und Golfstaaten haben Ersparnisse die sie einsetzen können.
- Die USA wollen danach so weiter machen wie bisher, da können sie auch gleich noch die Milliarden für die Konjunkturspritze aufbringen.

13 f.lübberding November 28, 2008 um 17:19

Georg

“Somit wurden öffentliche Ausgaben zur Ankurbelung der Nachfrage die Alternative zur wirkungslosen Geldpolitik der Depression.”

Alles richtig. In Deutschland gibt es auch – durchaus mit Einschränkungen – Handlungsspielräume, die endlich genutzt werden müssen. Da hat O`Neill recht. Nur ändert das nichts daran, dass die USA heute in einer anderen Situation sind als es sich Galbraith 1952 vorstellen konnte. Die brauchen ihren Staatshaushalt, um die Kosten der Party zu finanzieren … und müssen zusätzlich die Wirtschaft stimulieren. Diese Altlasten hat es nach 1933 nicht mehr gegeben – also etwa wie heute wieder bei der BayernLB. Solche Banken waren zu dem Zeitpunkt schon längst insolvent gewesen. Darauf will ich hinweisen, weil das meiner Meinung nach wichtig ist, um die heutige Lage zu verstehen. Sie unterscheidet sich eben in vielerlei Hinsicht von der nach 1929.

14 doc del oro November 28, 2008 um 17:25

staph,
der “Chefökonom” Fricke und das “gallische Dorf” Das Kapital sind wie Feuer und Wasser unter einem Dach (ftd)
nur: in den letzten Jahren hatte “Das Kapital” den weitaus besseren Durchblick als der Fricke, und das scheint mir auch weiterhin so zu sein

15 KurtKiesel November 28, 2008 um 17:43

@ Lübberding: Schön, dass aus Ihrer Metapher mit dem “gallischen Dorf” implizit folgt, dass wir es mit dem Gespenst des “alten Rom” zu tun haben…, nur so als Assoziation mal in den Raum geworfen…

16 John Wilkes Booth November 28, 2008 um 17:47

“In der Liquiditätsfalle gibt es keine Alternative.”

Dass Problem ist nicht Liquidität sondern Solvenz.Ansonsten schrieb Keynes an Roosevelt: Wir brauchen mehr Kohle…

http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:Lage-sehr-ernst-BayernLB-braucht-30-Milliarden/444815.html

Wird Zeit die B-2 aus dem Hangar zu holen , Hubschrauber bringens nicht..

17 Fabian Lindner November 28, 2008 um 18:12

@ Eclair, Weissgarnix, Lübberding

Keynes meinte, eigentlich sind Ideen total wichtig und deswegen machen alle Politiker das, was längst tote Ökonomen so aufgeschrieben haben. So also denkt ihr alle: Als erstes hat der Keynes was gesagt, das haben die Politiker gemacht, dann hat der Friedman was gesagt, das haben die Politiker dann so gemacht. Natürlich nicht ganz falsch.

Aber vielleicht gibt es doch ein wenig marx’sches “Das Sein bestimmt das Bewusstsein” hier: Das Mundell-Fleming-Modell.

Ihr wisst schon: Bei festen Wechselkursen funktioniert Fiskalpolitik wunderbar, Geldpolitik nicht so richtg – weil die sich ja allein um den Wechselkurs kümmern muss. Umgekehrt ist es bei flexiblen Wechselkursen, da besiegt sich die Fiskalpotlitik selbst und die Geldpolitik kann munter weiter machen.

Und was können wir sehen? Bis zum Zusammenbruch von Bretton-Woods waren alle Fiskalpolitiker und damit Keynesianer (denkt an Kennedy, der das Fiskalporogramm von Samuelson und Solow in den 60ern umgesetzt hat), ab dem Zusammenbruch fester Wechselkurse waren alle Monetaristen und glaubten nicht mehr an die Kraft der Staatsausgaben. Zufall?

Grüße,

Fabian Lindner

18 Fabian Lindner November 28, 2008 um 18:14

Übrigens, Lübberding, volle Zustimmung zu Ihrer These, dass es schon einen Unterschied macht, ob man den politischen Keynes oder nur seine Instrumente gebraucht – hatte ja mal selbst was auf dem Herdentrieb zu geschrieben:

http://blog.zeit.de/herdentrieb/2008/05/30/finanzmarktkeynesianismus-a-la-usa_319

19 weissgarnix November 28, 2008 um 18:34

@Fabian Lindner

Ich sehe a priori keinen Widerspruch zwischen Keynes’ Aussage und der Marx’schen Sicht des Materialismus. Denn eigentlich ist es nicht die “Idee” per se, die Keynes als kausal herausstellte, sondern die “Eingebung”, “Vision” oder gar der situative Opportunismus von Politikern und Wirtschaftsführern, die sich zur intellektuellen oder moralischen Untermauerung ihrer Ansichten dann auf irgendwelche früheren Ökonomen oder Philosophen berufen. Egal, ob diese objektiv richtig oder falsch lagen, egal auch, ob der Rekurs auf sie inhaltlich überhaupt gerechtfertigt war.

Im Prinzip sprach er also von einer Art “intellektueller Retro-Projektion” eigener Ansichten auf ähnlich gelagerte Aussagen von wem auch immer, solange es nur dem Zweck dienlich war.

20 Eclair November 28, 2008 um 18:39

@ weissgarnix

Samuelson/Nordhaus hatte ich im Studium auch, Auflage 15 :) Zur Zeit der Diplomarbeit ist mir Blanchards Buch in die Hände gefallen, das mir ziemlich gut gefällt. Und derzeit nehme ich für das neue Konsensmodell Carlin/Soskice, Macroeconomics – Imperfections, Institutions & Policy. Von denen weiß ich immerhin, dass sie die Grenzen der neuen Synthese sehen (ausweislich z.B. http://ideas.repec.org/p/cpr/ceprdp/6415.html). Aber selbst bei den beiden finden sich auf knapp 800 Seiten mal gerade zwei, auf denen die Rolle von Pfadabhängigkeit und die der Kapitalakkumulation diskutiert wird…

@ lübberding

Zustimmung, was den “neuen Keynes” betrifft. Ich hatte mal im Herdentrieb aus einem sehr lesenswerten Interview mit Kurt Rothschild zitiert (http://www.journal-intervention.org/seiten/deutsch/download/INTERVENTION%202-2004%20Rothschild.pdf). Darin sagt er auf die Frage nach einer neuen General Theory

“Es wird eine viel lockerere und zum Teil soziologische Theorie sein müssen. So schön könnte sie nicht sein wie die alte neoklassische, vielleicht auch nicht so schön wie die keynesianische. In der Globalisierungsliteratur ist vieles schon da, die Frage ist nur, wie man das zu einem zentralen Ausgangspunkt mit nachfolgenden Details ausbauen könnte.”

Aber auch wenn die umfassende Globalisierungstheorie noch keiner aufgeschrieben hat, kann man doch einige Überlegungen aus dem ableiten, was wir schon wissen. Ein wesentlicher Punkt ist, dass Keynes’ Prinzip der effektiven Nachfrage auch im Kontext offener Volkswirtschaften absolut relevant ist. Auf der Seite der Investitionen, die Keynes ja primär interessiert hat, geht es darum, wie man die Ersparnisse von den Ponzis weghält und dahin bringt, wo sie wirklich für realwirtschaftliche Investitionen sorgen, die die Produktivität und den Wohlstand erhöhen. Eins ist sicher: Mit “Transparenz” ist es da nicht getan.

Weiterhin steht die momentane realwirtschaftliche Krise unmittelbar in Verbindung mit der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Verteilung (sowohl zwischen Arbeits- und Kapitaleinkommen als auch innerhalb der Arbeitseinkommen), mit der sich die Postkeynesianer intensiv beschäftigt haben. Im Gefolge der seit 1980 andauernden Umverteilung ist zur Aufrechterhaltung der aggregierten Nachfrage die Aneinanderreihung immer größerer Kreditblasen in immer kürzeren Abständen notwendig gewesen. Hier muss man politisch, über das Steuersystem, in die Marktergebnisse eingreifen. Wurde ja ebenfalls hier schon ausgiebig diskutiert.

Den dritten wesentlichen Punkt habe ich im letzten Thread angesprochen: Ohne eine grundlegende Neuordnung des internationalen Finanz- und Währungssystems, das zum Aufbau massiver globaler Ungleichgewichte einlädt, die durch Wechselkurs- und sonstige Spekulationen über Jahre hinweg noch verstärkt anstatt abgebaut werden (wie es die herrschende Theorie postuliert), wird es wohl auf keinen Fall gehen. Das ist das schwierigste, weil nur global durchzusetzende Element. Ich fürchte, dafür fehlt es momentan sowohl an politischem Willen als auch, nach fast drei Jahrzehnten neoliberaler Vorherrschaft, an imtellektueller Kompetenz. Die Retro-Keynesianer sind halt genauso selten wie die Retro-Liberalen…

21 Eclair November 28, 2008 um 18:39

Hallo Fabian :D

22 H. K. Hammersen November 28, 2008 um 18:50

Ich als politisch Aktiver (Freie Wählergemeinschaft) kann aus Erfahrung sagen, dass die meisten Politiker der üblichen Parteien ständig 1000 Antenne draußen haben, um zu ergründen, was Mainstream ist. Und in den letzten 20 Jahren war in D halt angebotsorientierte Politik Mainstream.

Und ich kann jetzt schon voraussagen, dass alle diese angebotsorientierten Politiker spätestens Ende 2009 Pseudo-Keynesianer sein werden.

23 weissgarnix November 28, 2008 um 18:55

@HK Hammersen

>Und ich kann jetzt schon voraussagen, dass alle diese angebotsorientierten Politiker spätestens Ende 2009 Pseudo-Keynesianer sein werden.

Es wird mir, Lübberding und ein paar anderen ein Fest sein, all diese Herrschaften auf unserem Spielfeld begrüßen zu dürfen. Vorsorglich sollten sie Knieschützer und Ellbogenschoner mitbringen …

24 weissgarnix November 28, 2008 um 19:00

@Fabian Lindner, #18

Es macht nicht “einen” Unterschied, sondern DEN Unterschied. Ich habe in meinem Leben noch keine wirklich echte wirtschaftspolitische Implementierung von Keynes gesehen, außer vielleicht dem, was Kreisky und Co. so als “Austrokeynesianismus” versucht haben (mehr schlecht als recht) oder was die Skandinavier so vereinzelt auf die Beine stellen. Im Zeitalter der Globalisierung war das meines Erachtens auch eher ein Ding der Unmöglichkeit.

25 weissgarnix November 28, 2008 um 19:23

@Eclair

>Auf der Seite der Investitionen, die Keynes ja primär interessiert hat, geht es darum, wie man die Ersparnisse von den Ponzis weghält und dahin bringt, wo sie wirklich für realwirtschaftliche Investitionen sorgen, die die Produktivität und den Wohlstand erhöhen. Eins ist sicher: Mit “Transparenz” ist es da nicht getan.

Ich sehe das anders. Bzw sehe ich das Problem überhaupt nicht, wenn man sich Keynes Leitmotiv vom “sanften Tod des Rentiers” vor Augen hält.

JMK prophezeite bekanntlich für Friedenszeiten eine allmähliche Abnahme der Investitionsnachfrage, weil er sich anno 1936 natürlich nicht vorstellen konnte, dass die “künstlichen Bedürfnisse” so dermaßen auf die Spitze getrieben werden konnten und Werbung/Marketing den Stellenwert einnehmen, denn sie heute haben. Platt gesagt: seiner Meinung nach gab’s nix mehr zu “investieren”, von Erhaltung des Kapitalstocks mal abgesehen. Damit gab es aber automatisch auch keinen Ort, an dem Ersparnisse sinnvoll und renditeträchtig angelegt hätten werden können. Daher Geldnachfrage für Investitionen entsprechend niedrig, Realzinsen ditto. Aus die Maus, an diesem Punkt hat das ausschliesslich JMK’sche Universum eigentlich seine Grenzen, und man muß sich schon Postkeynesianern wie etwa Minsky zuwenden, um die Fortsetzung der Geschichte zu erfahren.

Wenn man sich jetzt mal neuere Studien zu den Kapitalströmen in Entwicklungsländer ansieht, etwa bei Dani Rodrik, dann könnte man darüberhinaus zu der Ansicht gelangen: “Kein Schwein braucht unser Geld”, auch die Entwicklungsländer nicht. Investitionen scheitern dort nämlich nicht an Kapitalmangel, sondern an mangelnden Eigentumsrechten, institutionellem Rahmen, fehlenden Geschäftsmöglichkeiten, oder was auch immer. Und da, wo es derlei gibt, verdrängen unsere Ersparnisse nur heimische Ersparnisse. Oder, unsere Ersparnisse werden zwar gerne genommen, aber wandern samt und sonders in den Konsum. Beides also not so good, wenn wir uns ganz ehrlich sind.

Und mein ganz persönlicher take ist denn auch der: wir müssen uns von dieser ganzen weltweiten Heruminvestiererei mal gedanklich lösen, und in dieser Hinsicht wirtschaftspolitisch abrüsten. Die “Hohe Gewinne/hohe Investitionsnachfrage”-Ideologie ist samt und sonders Scheisse. Und sie ist ungerecht, und instabil ist sie obendrein. Anders wird man den Ponzi- und speculative finance-Spielern nie beikommen, eine kurze Lektüre von Kindlebergers “Manias, Panics and Crashes” sollte da vor jeglichem deplazierten Optimismus bewahren können.

Außenhandel in Maßen ist sicherlich keine üble Idee, weil auch ich will im Winter mal ne Orange oder eine Banane essen. Aber den Zirkus, den wir aktuell veranstalten, der hat in meinen Augen sowas von fertig, da kommen wir auf keinen grünen Zweig mehr.

Womit wir beim politischen Problem wären: weil was nutzt derlei schlaue Erkenntnis, wenn sie nicht die gesamte Welt simultan umzusetzen bereit ist? Nada. Kein europäischer oder deutscher Politiker könnte sich einen derartigen wirtschaftspolitischen Schwenk erlauben, wenn die Amis und die Asiaten weiterhin mit 250 Sachen auf der Autobahn als Geisterfahrer unterwegs sind. Das wäre politischer, aber auch makro-ökonomischer Selbstmord. Ja, noch nicht mal innerhalb der EU wäre das konsensfähig, Merkela und Sarkozy kämen da never ever auf eine gemeinsame Ansicht, von den Briten ganz zu schweigen.

Daher meine traurige Erkenntnis: diese aktuelle Krise ist leider noch nicht dramatisch genug. Es müßte noch viel, viel mehr passieren, um den Leuten die Augen zu öffnen und ein wenig internationale Konsensfähigkeit zu echten Veränderungen herzustellen.

26 sinthomat November 28, 2008 um 19:48

Die Garantien und Rekapitalisierungen für Banken und zunehmend auch diverse Unternehmen sowie die allgemeine Garantie für alle möglichen Anlagen, die Erwachsene getätigt haben, sehe ich auch sehr kritisch, tatsächlich sind sie für mich der Hauptgrund, sehr pessimistisch zu sein, was die Kompetenz der deutschen Regierung angeht. (In Amerika steht ja immerhin unmittelbar ein Wechsel bevor, den ich erstmal abwarte.) Aber ich bezweifel, dass diese Politik als auch die bestehenden Schulden irgendwas daran ändern, dass dem Abwärtssog mit einem eher deutlichen Konjunkturprogramm entgegen gewirkt wird.

Gleichzeitig, und das sehe ich in Deutschland auch nicht, bräuchte es eine Diskussion über die generelle Richtung, in die man will. Denn es ist nicht nur die Finanzwirtschaft gegen die Wand gefahren, sondern viel größere Teile unseres Wirtschaftssystems, teils hat die Finanzwirtschaft die schlechte Lage überdeckt, teils hat man halt zustark auf den – wie wir jetzt wissen künstlichen und schuldbasierten – Boom gesetzt.

Nur war Keynes immer auch ein politischer Autor. Der war nur bei den O`Neills nicht gefragt. Und deshalb konnten sie uns auch mit ihrem Keynes in das Desaster steuern. Das sollte zum Ausdruck gebracht werden.

Dem würde ich zustimmen, hatte ich so halt nicht rauslesen können. Es ist albern, sich der gesellschaftspolitischen Thematik nicht zu stellen, wenn man ein großes Konjunkturpaket aufsetzt. Aber in Deutschland sind wir ja noch nicht mal so weit. In Amerika gibt es immerhin schon einen Plan, wie man mit dem Konjunkturpacket auch was für eine Weiterentwicklung tun will. Ob das funktioniert, warten wir ab, aber wie soll es ohne das funktionieren?

Aber wenn ich es richtig verstehe, sind wir einig.

27 Eclair November 28, 2008 um 20:18

@ weissgarnix

OK, damit rennst Du bei mir natürlich offene Türen ein, gerade Rodriks “Who Needs Capital Account Convertibility?” hab ich in diesen Diskussionen schon wiederholt verlinkt. Eigentlich keiner, ist tatsächlich die Antwort. Beim Obst kaufe ich schon lange Äpfel aus dem Umland, und einen Plasmafernseher hab ich auch nicht ;) Ich meinte tatsächlich Investitionen im eigenen Land, so hoffe ich persönlich zum Beispiel immer noch, dass die enormen Renditeaussichten ein paar schlaue Köpfe dazu verleiten, für mich die bügelfreie Wäsche und ein automatisches Staubvernichtungsgerät erfinden, damit ich mehr mit meiner Tochter spielen kann statt zu bügeln und zu putzen :D

Was die Aussichten auf ein echtes neues Bretton Woods betrifft, sehen wir die Sache wohl ähnlich.

28 H. K. Hammersen November 28, 2008 um 20:24

Bin gespannt, wie lange sich die anderen Euro-Länder das Zögern der Deutschen gefallen lasse. Wechselkursanpassungen sind ja nicht möglich. Und eine Angebotspolitik so brachial wie in D ist dort garantiert nicht konsensfähig. Und in einer Lage wie der aktuellen erst recht nicht

29 ~ Halbgott ~ November 28, 2008 um 20:49

@ Eclair, Weissgarnix, Lübberding, Lindner … und generell alle Demand-Side-Dudes

Zu den Krisentheorien der Demand-Side-Dudes – eine Lachnummer in 15 Akten

@eclair hatte uns ja vor wenigen Wochen die keynes’sche Krisentheorie näher gebracht. Diese besteht bekanntlich darin, dass die Leute plötzlich ihr Abendbrot nicht mehr essen wollen. Der daraus resultierende Nachfrage-Ausfall führt freilich aufgrund der engen natürlichen Verknüpfung zwischen Angebot & Nachfrage (Say !) auch schnell zu einem sinkenden Angebot und zu sinkender Beschäftigung.

@frank lübberding hat dann in seinem Artikel “Peinliche Appelle” noch eins draufgesetzt. Die Lübberding’sche Krisentheorie zur Subbrain-Krise: Die prozentpünktelchen starke Verbesserung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit (durch Hartz4) hat die globale Finanz- und Wirtschaftskrise verursacht.

=> … Zentrales Element der Krisentheorien der Demand-Side-Dudes ist aber stets der dubiose, plötzliche aber umso nachhaltigere Nachfrage-Ausfall der pöhsen Sparerinnen und Sparer.

Diesbezüglich hat sich mein früherer Makro-Prof mal die Mühe gemacht und alle potentiellen Kassenhaltungsmotive der Menschen zusammengesucht: Es ergeben sich die 15 Kassenhaltungsmotive der “Kassenhaltung”, des “Sparens”, bzw. der “Geldhortung”, bzw des Wunsches, Geld NICHT unmittelbar zur Güternachfrage einzusetzen.

http://www.file-upload.net/download-1276484/15_Kassenhaltungsmotive.pdf.html

“Wir alle sind Keynesianer” ?? … ich nicht !! … ich bin ja nicht blöd !!!

Viel Spass beim Lesen und
Retroliberale Grüsse

PS:
… an den debitistischen Freundeskreis von “DeDe”(*) ist natürlich auch gedacht worden … damals 1988, als das Buch geschrieben wurde …

(*) … nein, “DeDe” ist kein brasilianischer Fussballgott, sondern die “depressive Deflation” vom dottore. Man achte bitte auf Kassenhaltungsmotiv Nummero 10: das “Krisenmotiv der Kassenhaltung” ! :-) )

30 sinthomat November 28, 2008 um 20:53

f.luebberding, okay, nachdem ich jetzt den verlinkten Artikel von Fabian Lindner im Herdentrieb gelesen habe, verstehe ich jetzt besser, was hier wohl gemeint ist, wenn vom “politischen Keynes” geschrieben wird. Geht vielleicht aus den Artikeln, die ich hier – in meiner kurzen bisherigen Lesezeit – mitbekommen habe, nicht so hervor, zumindest nicht so deutlich.

Ich finde die Diskussion hier gerade übrigens extrem spannend. Schade, dass man sonst so selten auf sowas trifft.

31 goodnight November 28, 2008 um 21:06

@Fabian Linder

“Bis zum Zusammenbruch von Bretton-Woods waren alle Fiskalpolitiker und damit Keynesianer (denkt an Kennedy, der das Fiskalporogramm von Samuelson und Solow in den 60ern umgesetzt hat), ab dem Zusammenbruch fester Wechselkurse waren alle Monetaristen und glaubten nicht mehr an die Kraft der Staatsausgaben. Zufall?”

=>Yep, all die Hoffnungsträger, Lichtgestalten, Helden (vulgo: Politiker) sind doch nur Menschen. Und Menschen steuern das große Ganze nicht, sondern bewegen sich innerhalb der Strukturen des großen Ganzen. Der Kapitalismus entscheidet….und die Politiker folgen…und die Wissenschaftler beschreiben. D.h. Wissenschaftler und Politiker steuern nix. Alles andere ist Illusion. Keynes ist für den Kapitalismus genauso wenig relevant wie Obama oder Merkel.
Der Kapitalismus braucht gerade Geld. die Banken können oder/und wollen nicht mehr zahlen. Was macht der Kapitalismus? Er holt es sich einfach vom Staat. Der Staat ist einfach nur ne andere, größere Bank. That´s it.
Und was macht der Mensch? Er spricht sich rekursiv die Entscheidungsmacht zu: Wir haben entschieden, das wir jetzt (Bastard)-keynesianisch den Markt steuern…..yep, lustig. Nope, Freunde der Nacht, nochmals zu mitlesen:
Der Markt steuert die Wirtschaft. Deshalb nennt man es Marktwirtschaft.
Der erste Satz im VWL-Studium. Und kein Mensch hat ihn verstanden…. lustig….

“Man, proud man,
Drest in a little brief authority,
Most ignorant of what he’s most assured,
His glassy essence, like an angry ape,
Plays such fantastic tricks before high heaven
As make the angels weep.”
(Measure for Measure, 2. 2)

32 ~ Halbgott ~ November 28, 2008 um 21:25

@ frank lübberding

“O`Neill gehörte schon vor Jahren zu den schärfsten Kritikern des deutschen Merkantilismus.”

=> … ich lach mich schlapp !!!

:-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-)

=> … oh ja ! sicher, O’Neil vom feinen Investment-Haus GoldmanSachs hat nicht nur immer zu den “schärfsten Kritikern des deutschen Merkantilismus” gehört, sondern auch stets zu den begeistertsten Claqueuren der Greenspan’schen Inflationspolitik !!

( … Heusinger hat sich daher auch immer gerne auf den renomierten Kapitalismusversteher aus der “Kathedrale des Geldes” berufen :-) )) )

=> … der gute Mann wusste auch stets ganz genau warum !! … denn nur so konnte er sein Traumgehalt und die phantastischen Boni von der Allgemeinheit abgreifen, beim grössten anzunehmenden Weltgeldbetrug aller Zeiten !!!

=> … ja, der Mann hat wirklich begriffen, wie das Geld funktioniert ! … aber er hat’s Euch nicht verraten ;-) … hat Euch NICHT die Wahrheit gesagt, liebe Keynesianer !! … der gute Mann hat Euch angelogen ! … und sich selbst über alle Maßen an Eurem “Unverständnis” bereichert !! … genauso wie Joe der Bankster … und alle Artverwandten, die sich so gerne mit keynesianischen Wirtschaftsexperten gezeigt haben … ;-)

:-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-)

33 bismodo November 28, 2008 um 21:52

@ Halbgott

- puhh, endlich wieder dabei !!
- bei Deinem link “Kassenhaltungsmotive” fehlt auf allen Seiten der obere Teil (ca. 5 Zeilen). Kannst Du es nochmal reinstellen – falls die Kopie von Dir kommt?
-))

34 goodnight November 28, 2008 um 21:57

@Halbgott

Yep, all diese bösen Betrüger: Also an erster Stelle dieser Geldwert-Betrüger Greenspan, dann die Kredit-Betrüger-Banker, dann die Volks-Betrüger- Politiker, dann all diese konsumgeilen Rest-der Welt-Betrüger-Amis, dann all diese Billig-preis-Betrüger in Asien (China etc.), dann all diese Rohstoff-Betrüger (Saudis, Russland etc.), dann alle deutschen “wir stellen nur noch Leiharbeiter ein” Betrüger-Unternehmer, dann alle Deutschen ich-will-ne-schöne-Rendite-sich-selbst-Betrüger … äh…yep…äh…also mal ne Frage: Wer wurde eigentlich betrogen…wenn alle Betrüger sind?
Im Kapitalismus sind wir alle Kapitalisten…und damit alle schuldig. Aber der Mensch braucht halt immer EINEN Menschen als Schuldigen…Systeme sind einfach zu abstrakt…und Kollektivstrafe funktionierte ja schon damals nicht ;-)

“”O, what men dare do! What men may do! What men daily
do, not knowing what they do!”

Much Ado About Nothing IV, i, 19-21

35 Eclair November 28, 2008 um 22:07

@ HG

Du gehst mir echt auf den Keks. Jetzt hab ich Deinen Kram gelesen, und mehr als einen starren Nacken (das hast Du extra gemacht, oder?) hat es mir nicht gebracht. Der Typ, der das geschrieben hat, hat genauso wenig wie Du verstanden, dass es bei Keynes KEINE Voraussetzung für ein Unterbeschäftigungsgleichgewicht ist, dass DAUERHAFT Einkommen durch Kassenhaltung entzogen wird. Und ich fürchte, solange Du nicht mal selbst in den Kapiteln 3 (verbal) und 20 (mathematisch) der GT nachliest, wirst Du es auch nicht schnallen.

http://www.marxists.org/reference/subject/economics/keynes/general-theory/index.htm

Da Du aber ja bekennender Sekundärliteraturkonsument bist, hab ich als goodie noch was aus dem Economic Journal für Dich hochgeladen, beachte besonders Abschnitt 2.

http://rapidshare.com/files/168344185/Davidson__1998_.pdf.html

@ bismodo

Ich bin eher froh, dass goodnight wieder da ist.

36 bismodo November 28, 2008 um 22:09

@ Halbgott

37 bismodo November 28, 2008 um 22:09

Kopie ist ok, mein Fehler

38 sinthomat November 28, 2008 um 22:15

Nachdem ich nun auch den Palley gelesen habe, muss ich sagen, dass man doch nicht ernsthaft diskutieren muss, ob die Bailouts Keynsianismus waren. Könnte mich nicht dran erinnern, sowas gelesen zu haben, und wenn das wer behauptet hat, möcht’ ich’s gar nicht wissen.

Mein Politikbegriff war in der Sache immer etwas weiter. Der politische Keynes beschreibt vielleicht Anforderungen an structural policies, und das sollte man diskutieren, wie das hier ja auch passiert. Letztlich reicht das aber auch nicht, weil die Frage berechtigt ist, wo zukünftiges Wachstum herkommen soll (einfach “Binnenmarkt”, ob dt. oder europ. ist zuwenig), und alle Politikbereiche betroffen sind. Man müsste auch gesellschaftspolitisch diskutieren, wo die Reise hin soll. In den USA wird das Thema mit Themen wie Krankenversicherung, Infrastruktur und Energiesysteme verbunden. Man müsste hier zudem auch Themen wie z.B. Sozialsysteme, Individualverkehr (Bahnpolitik) und Bildung (jenseits des Unsinns, der gerade getrieben wird) angehen. Und das eigentlich auf europäischem Level.

Wie weit wir sowas von der augenblicklichen und überhaupt vorstellbaren bundesrepublikanischen Diskussion entfernt ist, zeigt leider, wie hoffnungslos es um die Aussichten für die EU bestellt ist.

39 ~ Halbgott ~ November 28, 2008 um 22:19

Howdie, goodnight ! … auch wieder am Gerät ;-)

“Im Kapitalismus sind wir alle Kapitalisten…und damit alle schuldig. Aber der Mensch braucht halt immer EINEN Menschen als Schuldigen…Systeme sind einfach zu abstrakt…und Kollektivstrafe funktionierte ja schon damals nicht ”

=> … das ist eine sehr STOISCHE Weltsicht. Ich weiss nicht, ob sich vielleicht doch einige mehr betrogen fühlen, als andere …

=> … in dunklen Ecken des www kursieren Gerüchte von Fackelumzügen und Vorschläge für missbräuchliche Verwendung von Strassenbeleuchtungen, die eher am oberen Ende des “Groben Unfuges” rangieren …

=> … aber das wäre dann ja auch nur eine Fortsetzung des Raubtierkapitalismus. Mit anderen Mitteln halt. 2009 wird sicherlich spannend … auch für die Bankster & die Politclowns.

40 EuroOptimist November 28, 2008 um 22:21

@ staph.aureus
“Das ist passé, entsprechend sehen die Zahlen vom Bau aus.
Zum Leidwesen der Bau-Beschäftigten.”
Das ist wahr, aber sind die Schlüsse daraus auch richtig? Ein Land wie Deutschland kann nicht einfach munter weiterbauen, damit der Bau floriert. Tatsache ist, dass im Landesdurchschnitt nicht mehr Wohnraum benötigt wird, weil die Bevölkerung nicht mehr wächst. Auch das Wachstum des Pro-Kopf-Verbrauchs ist kein Naturgesetz, auch wenn manche das Gegenteil behaupten. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, Geld eher in die Verbesserung der vorhandenen Bausubstanz als in die Vermehrung des Wohnraums zu stecken.

41 ~ Halbgott ~ November 28, 2008 um 22:23

… ach und goodnight, … wie ist eigentlich Deine aktuelle Einschätzung zum Öl-Preis ??

42 ~ Halbgott ~ November 28, 2008 um 22:29

@~ Halbgott ~ (#32)

“=> … oh ja ! sicher, O’Neil vom feinen Investment-Haus GoldmanSachs hat nicht nur immer zu den “schärfsten Kritikern des deutschen Merkantilismus” gehört, sondern auch stets zu den begeistertsten Claqueuren der Greenspan’schen Inflationspolitik !!”

=> … da muss ich Dich ausnahmsweise mal korrigieren!

=> … Herr O’Neil ist nicht mehr Investment-Bänker, sondern nun als Sparkassen-Berater tätig !

43 edicius November 28, 2008 um 23:06

@goodnight
Der Kapitalismus entscheidet….und die Politiker folgen…und die Wissenschaftler beschreiben… Der Kapitalismus braucht Geld…

Soso – und so einer wirft im Herdentrieb DTischer “Modellplatonismus” vor…! “Der Kapitalismus”, “Das System”, “Der Herrgott”.
Das abstrakte Metasubjekt, durchgeknallter Nominalismus luhmannscher Provenienz, mit man sich exkulpiert und zum willenlosen Objekt dieses Subjekts macht. Naja, wer in so einer fatalistischen Soße versauern und sich dabei auch noch schlau vorkommen will … bitte schön. Amor fati.
Aber auch die Götter kommen und gehen.

44 Martin November 28, 2008 um 23:37

Einem zu systematischen Arbeiten und Denken Erzogenen fällt auf, dass es bei all den Theorien der Validation ermangelt. Das scheint auch Herrn Krugman nun aufgefallen zu sein:
http://krugman.blogs.nytimes.com/2008/11/28/was-the-great-depression-a-monetary-phenomenon/

Welchen Grund kann es geben, solchen Theoretikern den Staat als Experimentierfeld zu überlassen?

45 ~ Halbgott ~ November 29, 2008 um 00:00

Hi @eddi

““Der Kapitalismus”, “Das System”, “Der Herrgott”.
Das abstrakte Metasubjekt, durchgeknallter Nominalismus luhmannscher Provenienz, mit man sich exkulpiert und zum willenlosen Objekt dieses Subjekts macht. ”

=> … Du weisst ja, dass ich in jedem Fall und zweifelsfrei für das “Primat der Politik” bin. Auch und gerade über die Bedingungen des naturgegebenen Kapitalismus auf diesem euren Affenplaneten. Allerdings nur solange nicht die “Primaten in der Politik” am Ruder sind.

46 edicius November 29, 2008 um 00:13

@hg
=> … Du weisst ja, dass ich in jedem Fall und zweifelsfrei für das “Primat der Politik” bin. Auch und gerade über die Bedingungen des naturgegebenen Kapitalismus auf diesem euren Affenplaneten. Allerdings nur solange nicht die “Primaten in der Politik” am Ruder sind.
“Yep.” Das Schöne ist, dass das “Primat der Politik” noch naturgegebener ist als der Kapitalismus. Sollte das zu lange vergessen werden, kann man es mit Aussicht auf Erfolg unter den Laternen suchen…

47 ~ Halbgott ~ November 29, 2008 um 00:18

@ martin

Danke für den Link!

=> … scheint das erste Mal zu sein, dass dieser merkwürdige Kautz (Pol Grugmähn, oder wie ??) was begriffen hat und so zu derselben Meinung gekommen ist, wie ich sie schon lange habe.

=> … es ist ein albernes, debiles und menschenverachtendes Lügenmärchen der Keynesianer, dass die Great Depression die Schuld der Fed war, weil diese nicht rechtzeitig und nicht stark genug Frischgeld gedruckt hätte.

=> … Denn ist die Geldillusion erst einmal aufgeflogen, dann ist es keine Frage der QUANTITÄT des Geldes mehr, sondern nur noch eine der QUALITÄT (“Qualitätstheorie des Geldes” (c) nach ~ Halbgott ~) !!

=> … der spezielle Witz dabei ist dann, dass alle quantitativen Bemühungen der Geldpolitik dann stets nur die Qualität des Geldes weiter verschlechtern !! Game Over !! :-) )

48 sinthomat November 29, 2008 um 00:21

Martin, als systematischem Arbeiter ist Dir sicherlich aufgefallen, dass Krugman einer bestimmten Theorie Evidenz abspricht. Und eben nicht der anderen. (Da könnte man übrigens durch systematisches Denken drauf kommen.)

49 ~ Halbgott ~ November 29, 2008 um 00:23

@ Martin

“Welchen Grund kann es geben, solchen Theoretikern den Staat als Experimentierfeld zu überlassen?”

=> … dann schau Dir doch mal an, wer im Reichstag sitzt :-) ) … da wird Dir aber dann richtig übel !!

50 sinthomat November 29, 2008 um 00:29

Ergänzung: Sollte das wirklich unklar gewesen sein? Ist doch ganz systematisch kursiv gesetzt. Er meint diese Monetary History.

51 edicius November 29, 2008 um 00:35

Friedman sagt, die FED hätte die Krise verhindern können – durch Treten auf die Geldpumpe,
Rothbard sagt, die FED habe die Krise verursacht durch – Treten auf die Geldpumpe.
Krugman weiss gar nicht mehr, was er sagen soll.
Und was dieser Keynes nun eigentlich gesagt hat, weiss auch keiner so recht.

Diese ganze Wirtschaftswissenschaft ist eine einzige Muppetshow.
Sogar ein “Oskar in der Mülltonne” spielt mit…

52 Unwissender November 29, 2008 um 01:11

@edicius

Gib nicht auf, denn Du bist nicht alleine!

Hier ein Trost:

Es heist nicht Sachverständigenrat sondern

die Sachverständigen suchen nach Rat! :-)

Oder?

53 goodnight November 29, 2008 um 04:41

@edicus

“Naja, wer in so einer fatalistischen Soße versauern und sich dabei auch noch schlau vorkommen will … bitte schön. Amor fati.”

=>Yep….oder doch eher Nope….das ist hier die Frage….der Terminus “schlau” impliziert ja eine Selbstreferenz die diamtral zu “fatalistisch” steht, d.h. der von Dir geführte Satz trägt eine Paradoxie, die dem Sinn Deiner Aussage folglich diamtral gegenübersteht. Ergo: Wer “schlau” ist, der ist fähig zu “steuern”, der besitzt “Macht”, wohingegen “Fatalismus” eher die logische Folge von “Machtlosigkeit” infolge “zu dumm um das System zu verstehen” ist. Wie Du villeicht nicht ganz mitbekommen haben solltest oder konntest, ist der Kern meiner hier geführten Mitteilungen letztlich immer und immer wieder: Der Markt besitzt die Macht….weil der Markt schlauer ist als wir einzelnen Wesen in einer hierarchischen Ordnung. So wie z.B. ein ganzer Blog von edicus, eclari, wgn, lübberding, halbgott etc. viel viel schlauer ist, als z.B. nur ein kleiner dummer goodnight ;-)
Ergo Ergo: Nicht-Fatalismus, d.h. sich selber Steuerungsfähigkeit und damit Macht anzueignen ist Zeichen von sich selbsternannter “Schlauheit”, welches immer und immer wieder in die merde führte, wie uns die Geschichte der Politik immer und immer bewiesen hat….yep, die Geschichte der Politik sollte man kennen, bevor man die Geschichte des Kapitals bewerten will….aber der Mensch will halt immer wieder Sonnenkönig sein, sei es auch nur in der softcore-Variante als “ich weiss wie ich die Welt aus der Krise führen kann”-Web-Blog-Schlauheits-König ;-)

@Halbgott

” ach und goodnight, … wie ist eigentlich Deine aktuelle Einschätzung zum Öl-Preis ??”

=>Yep, gute Frage….und yep, das Neue ist ja die Radikalität, mit der eine globalisierte Welt in sagenhaften tempo einfach mal “all together now” runterfährt. D.h. Wenn dieses große Ganze auch wieder “all together now” hochfährt, yep, dann geht es ganz schnell wie aufwärts, in sagenhaften tempo…. spekulier ich mal. Die Frage ist nur wann…also, wann sich der Kapitalismus dafür entscheidet….man wird also in ganz kurzer Zeit ganz ganz reich werden……wenn man Glück hat….whatever: Oil long…. aber : not yet, not yet :-)

“To be, or not to be, that is the question:
Whether ’tis nobler in the mind to suffer
The slings and arrows of outrageous fortune,
Or to take arms against a sea of troubles
And by opposing end them”
Hamlet Act 3, scene 1

54 Eclair November 29, 2008 um 08:53

So ein Kommentar plus mein persönlicher Lieblingsshakespeare, und das um fast fünf Uhr morgens… das nenne ich good night ;)

Zu Krugman schreibt edicius:

“Und was dieser Keynes nun eigentlich gesagt hat, weiss auch keiner so recht.” Tja, HG möchte diese Aussage offenbar beweisen…

=> … es ist ein albernes, debiles und menschenverachtendes Lügenmärchen der Keynesianer, dass die Great Depression die Schuld der Fed war, weil diese nicht rechtzeitig und nicht stark genug Frischgeld gedruckt hätte.

Pffff…

Was dieser Keynes gesagt hat, kann man ja bekanntlich nachlesen. Und ich finde auch nicht, wie edicius meint, dass “Krugman … gar nicht mehr [weiß], was er sagen soll.” Es ist doch sonnenklar, was er sagt: Kloppt Friedman in die Tonne und holt Keynes wieder raus. Das Problem ist nur, wie wir seit der Diskussion der letzten Zeit wissen: Welchen Keynes meint eigentlich Krugman…? :D

A propos HG, ich vermute, Du liest noch Keynes und Davidson? Das ist ok, Wochenende ist bei mir eh verplant.

55 Michael November 29, 2008 um 09:17

@H. K. Hammersen #28
Falsche Frage. Die Frage ist eher, wie lange wir uns die “anderen” Länder gefallen lassen. Wir sind die, mit der Rente mit 67, der 40-Stundenwoche, die “anderen” mitnichten. Wir sind die Nettozahler. Wir sind die, die Bilanzüberschüsse hatten. Diese Überschüsse bewirkten den unreal “starken” T€uro. Wir sind die, die von den kolossalen Entwicklungen der letzten Jahre gewiß keinen Nutzen hatten. Wir finanzierten seit Jahren den Schwachsinn zu Lasten der Bürger, zu Lasten unseres Mittelstandes. Damit ein paar nutzlose global players abenteuerliche Gewinne einfahren und sonstwo, aber nicht in Deutschland, “investieren”. Und diese “Investitionen” gehen gerade den Bach runter. Deshalb krähen sie nach allerlei Regierungshilfen.

Ausnahmsweise würde ich mal behaupten, Merkelas Regierung handelt endlich mal RICHTIG.

Mit der Ausnahme, daß die Banken des “Rettungsschirmes” alle geordnet abgewickelt werden sollten. Es geht um die Abschaffung einer Reihe von Finanzderivaten, Bank(st)ers Spielgeld, für das die Bruderschaft jetzt Zentralbankgeld haben will. Soviel kann selbst die Zentralbank nicht schaffen, es hieße Hyperinflation. Diese Zinsderivate müssen entsorgt werden. Eine Möglichkeit bestände darin, das Zeug an der Börse zu handeln. Denn im Prinzip sind Aktiengesellschaften auch nur “Herbstlaub”. Auch wenn das bisweilen schön aussieht.

http://www.botanikvortrag.de/images/bild1_480.jpg

Genauso @weissgarnix, wie man Verlustpositionen bei Aktien nicht nachkauft, sondern rausschmeißt. Die Aussichten stehen weder mittel- noch langfristig auf positiv. Es geht noch ein paar Wochen bergauf, bei Zweifeln an der Entwicklung des Unternehmens sollte man das Zeug rauskegeln und auch Wechselkurse und deren Prognosen beachten.

@Halbgott
Der Ölpreis geht hoch, sonst bekämen wir ja “Deflation”, oder ?

Diese Deflation fände ich persönlich gut, es ist die Korrektur schier blödsinniger Preise. Der Ölpreis ist selbst heute noch um einige €/b zu hoch. Er wird sich bis Mitte 09 erholen und danach auf ein tieferes Nivau abschmieren. Erkundungs-, Produktions-, Lager- und Lieferkosten müssen schon in einer Relation zum Preis stehen. Dazu beachte die €/$ – Wechselkurse. Durch das Absinken “deutscher” Bilanzüberschüsse hat die €U bereits Netto-Defizite. Damit ist die Wechselkursentwicklung vorgezeichnet. Kein Zweifel, daß das der Rezession positiv entgegenwirkt.

Es bleibt die Frage, wie das Weltwährungssystem organisiert werden soll. Das jetzige kann in die Tonne geklatscht werden. Dazu hatte Keynes in Bretton – Woods einen Vorschlag, des sich nicht durchsetzte.

56 Unwissender November 29, 2008 um 12:01
57 Martin November 29, 2008 um 13:39

@sinthomat

“Martin, als systematischem Arbeiter ist Dir sicherlich aufgefallen, dass Krugman einer bestimmten Theorie Evidenz abspricht. Und eben nicht der anderen. (Da könnte man übrigens durch systematisches Denken drauf kommen.)”

Darum geht es nicht. Bei validierten Theorien ist Ende der fundamentalen Diskussion. So gewinnt halt, wer die meisten Anhänger um sich scharen kann, ob Krugman oder sonst wer.

Da wäre es schon mal einen Versuch wert, systemische Fragen mit sytemtheoretischen Ansätzen zu lösen (ich glaube BB hat sich ähnlich geäußert). Das lässt sich dann aber nicht mehr in Büchern abbilden, sondern in Simulationen.

58 Martin November 29, 2008 um 13:48

“German consumption has barely budged since then. Why not celebrate by giving its people a surge in consumer spending? ”

Das könnte ja auch ziemlich amerikanisch gedacht sein. Vielleicht ist der deutsche Verbraucher stärker auf Nachhaltigkeit aus beim Konsumieren als der amerikanische.´, und spart lieber nochmals fünf Jahre auf seine Wärmedämmung, als sich einen Drittwagen zuzulegen. Soo schlecht ging es den Deutschen in den letzten drei Jahren nicht, und m.W. hat sich trotzdem kein Ansatz von Konsumrausch gezeigt.

59 Michael November 29, 2008 um 15:15

@Martin
Doch, es ging zu vielen zu schlecht. Deshalb ist der Einzelhandel, auch schön in den EZB-Monatsberichten zu erkennen, überhaupt nicht aus dem Knick gekommen. Das können wir nicht wollen, eine Unterschicht mit einem Bevölkerungsanteil von über 30 %. 5 % bis 10% mögen “normal” sein. Es ist ziemlich eindeutig die Grenze, an der die ersten anfangen zu verhungern und zu erfrieren, erreicht. Die sind auch, wie eben US-subprime, nicht kreditwürdig. Sie dürfen keinen Kredit kriegen, also brauchen sie mehr Geld. Das muß 100 % gegenfinanziert werden. Durch Streichung von “Wohltaten”. Meinetwegen Streichung der “Wohltat” Wacht am Hindukusch. Oder “Wohltat” Nettozahlung an Europa.

Ansonsten wäre der Zeitpunkt gekommen, an dem es Freiberuflern oder Handwerkern, wie Otto, ans Eingemachte gänge. Otto, ich kenne viele, topaus- und weitergebildete, die einfach keine Chance haben, weil jeder, der seinen Job über 50 verliert in diesem Land einfach keine Chance mehr hat. Er kann sich freuen, wenn er eine Stelle als Nachtwächter oder Hausmeister findet, auch Sprachkenntnisse, irrelevant, “überqualifiziert”. Verzichten wir auf die “Wacht”, 100 % Nutzeffekt, Scheiß auf Obama’s Flüche.

Sicher können wir irakische kriegsflüchtige Christen, Kollateralopfer der US-Aggression, dauerhaft aufnehmen, aber eben keine kosivarischen Mafioso (der BND liegt voll richtig, Organisierte Kriminalität, Schäubles BKA Gesetz ohne Einschränkung, nicht gegen nicht existierenden Terror, wohl aber gegen OK, ja, auch Ärzte, Rechtsanwälte und Priester sind bewiesen keine Heiligen, selbst Bundestagsabgeordnete nach den Koksspuren im Reichstag nicht, Haarproben von allen und Bußgelder bitte, nicht nur Friedmann soll zahlen, gleiche Rechte für die Eliten bitte) und hunderttausende ukrainische sowie grusinische Wirtschaftsflüchtlinge. Die müssen hier wieder raus. Sonst brennt bald wirklich die Luft. 4,5 Millionen Arbeitslose incl. “Weiterbildung”, 4,5 Mill. Gehartzte und Sozialgeld. Dazu 1 Mill. Zeit- und Leiharbeiter vor der Entlassung. Da stehen wir, wo wir beim Sozi Schröder und seiner Fischerbande waren. Shit. Nix “Aufschwung”.

“German consumption has barely budged since then. Why not celebrate by giving its people a surge in consumer spending? ”
Es ist sehr amerikanisch gedacht. Genauso, wie “Vereinigte Staaten von Europa” und der €uro amerikanisch, aber vollkommen jenseits der Realität gedacht sind. Dieses Europa kann nur ein Europa sein, wenn alle Völker aus freiem Willen abstimmen, daß sie das so wollen. Nicht verlgogene, korrupte, kriminelle Regierungen. Beispiel Berlusconi ?

Die derzeitigen Finanzmaßnahmen zur Rettung von Banken werden in absehbarer Zeit sehr hohe Zinsen erfordern. Das bedeutet für Schuldner perspektivisch unangenehme Entwicklungen.

60 ~ Halbgott ~ November 29, 2008 um 20:38

@unwissender #56

… ja guter Link zur FAZ !

… der Mann hat recht. Sagt er doch weitestgehend genau dasselbe wie ich ;-)

61 ~ Halbgott ~ November 29, 2008 um 20:42

… so ich habe Pol Grugmähn und die Yankees jetzt auch mal gebrieft !!!

http://krugman.blogs.nytimes.com/2008/11/28/was-the-great-depression-a-monetary-phenomenon/?apage=2#comments

… für den Fall, dass die meinen Kommentar nicht veröffentlichen … habe ich hier ein Backup:

“28.
November 28, 2008
6:49 pm
Link

Your comment is awaiting moderation.

Printing money doesn’t work ?? … oh, wow! … tell me about it !!

No surprise, that the addicts of Keynesianism recall without hesitation the eternal fairytail of the mythical “liquidity trap”!

Dear NY-Times-Readers, I write you from Germany and I must inform you, that austrian and german economists of the 1920th and 30th were right in their reception of macroeconomics and especially in their conception of “money”.

“Money”, after all, is NOT about “quantity” in the first place.
“Money” is about QUALITY ! … and in this respect the US-Dollar is … game over !!

The US-Dollar may have been your currency and our problem, as John Connally told the world in earlier days. But today it seems to be your problem but no currency any more.
;-)

Retroliberal greetings,
~ Halbgott ~ from Germany
— ~ Halbgott ~
«

62 ~ Halbgott ~ November 29, 2008 um 20:55

Hey @niXda !!!

… weil morgen 1.Advent ist, habe ich für Dich und alle anderen Ceteris-Paribus-Truthähne auch was Feines rausgesucht …

:-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-)

“Die Wirtschaft der Truthähne”

http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=9101

:-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-) x :-)

:-) )))

63 ~ Halbgott ~ November 29, 2008 um 21:11

@Eclair (#54)

… ich habe ja schon neulich angemerkt, dass die hauptsächliche Tagesbeschäftigung der “Keynesianer” darin besteht, sich gegenseitig voneinander abzugrenzen :-) )

… die “Bastard-Keynesianer”, … das sind immer die Anderen :-) ))

( …als comedians sind die Keynesianer schon o.k. . Aber die Schäden an Wirtschaft und Gesellschaft, die sie immer wieder anrichten sind natürlich unverzeihlich … )

64 adamas November 29, 2008 um 21:13

~ Halbgott ~
du bist einfach ein orientierungsloser Spinner. Thats all. Greetings. Over and out. Thats all.

65 Unwissender November 29, 2008 um 21:30

@adamas

Feigling!

66 Unwissender November 29, 2008 um 21:42
67 ~ Halbgott ~ November 29, 2008 um 22:06

@adamas

“du bist einfach ein orientierungsloser Spinner. Thats all. Greetings. Over and out. Thats all.”

=> … mit dem Spinner magst Du ja recht haben!

=> … aber wie um alles in der Welt kommst Du auf “orientierungslos” ??

==> ICH … bin derjenige der genau Kurs hält ! … weil er weiss wo’s langgeht !!

(… wgnx zB hat schon viele seiner Positionen geräumt/räumen müssen. Nicht zuletzt augrund meiner zwingenden Korrekturen an seinen Vorstellungen … )

68 Handwerker November 29, 2008 um 22:30

auf so eine Polemik ohne jede Basis braucht man nicht eingehen.

kommt aber selten vor in diesem Blog,
was erstaunlich ist, bei sovielen Lesern.

69 edicius November 29, 2008 um 23:13

Ah & Ha!
“Money”, after all, is NOT about “quantity” in the first place.
“Money” is about QUALITY !

Hast du nicht mal gesagt, Geld wäre ein Maßstab? Solche sind der Messung wegen quantitativ, sie messen in einer bestimmten Einheit “mal soundsoviel” – bis das zu Messende halt gemessen ist.
Wo ist jetzt die QUALITY? Wo hast du die her? Aus der Kreditsicherung womöglich? Aber auch die will ja jeweils gemessen, d.h. quantifiziert werden.
Und die Bankster und Geldpanscher – machen die sich nicht hauptsächlich an der Quantity zu schaffen, weil “Quality”: wattn dat? in terms of currency? mehr oder weniger ist ja nun kein qualitatives Maß, oder?
Oder, kaum aussprechbar, meinst du: Quality == Gold?

Ach shit, ich glaube, ich tu’ mir den ganzen Debattismus hier nicht mehr an… andere Muppetshows sind lustiger und bringen erkenntnismäßig auch nicht weniger… eher mehr. So von wg. Quality/Quantity etc. pp. ps.

70 MatthiasF November 29, 2008 um 23:19

@#68:

Was ist das Problem an HG’s Polemik, er spitzt die Dinge halt zu und hat dabei recht. Nur weil’s polemisch ist, ists noch nicht schlecht oder falsch.
Es macht im Gegenteil sogar Spaß seine Beiträge zu lesen, auch wenn das Thema eigentlich nicht so spaßig ist.

HG keep on rocking!

71 Handwerker November 29, 2008 um 23:37

@Matthias,
der Beitrag davor war Polemik , von einem Unbekannten.

bitte Gehirn einschalten.
Ich meinte natürlich nicht den Halbgott.

72 ~ Halbgott ~ November 29, 2008 um 23:50

“Hast du nicht mal gesagt, Geld wäre ein Maßstab?”

=> Geld= Wertstandard.

“Solche sind der Messung wegen quantitativ, sie messen in einer bestimmten Einheit “mal soundsoviel” – bis das zu Messende halt gemessen ist.”

=> … den STANDARD kannst Du nicht “messen”!! … dass wissen alle Ings & Physiker. Den Standard kannst Du nur DEFINIEREN !!

=> … so kannst Du etwa die Länge des “Ur-Meter” nicht “messen”. Du kannst nur sagen: Das ist jetzt der “Ur-Meter” … mit ihm MESSEN wir die Länge aller anderen Dinge !

=> … genauso beim Geld: Geld, als Wertstandard, hat einen WERT (der nach meiner Schule möglichst KONSTANT gehalten wird!) den man aber nicht MESSEN kann und nicht als PREIS ausrücken kann. Denn der Preis wäre ja stets in der eigenen Einheit … also “1″ !!

Zur Qualität:

=> … die QUALITÄT eines jeden MESS-STANDARDS besteht worin ??

=> … richtig, in seiner KONSTANZ im Zeitablauf !!! … wenn ein 1KG-Gewicht ständig unterschiedlich schwer wäre, dann wäre es als Mess-Standard ungeeignet !!!

=> … das Gleiche beim Geld !! …wenn der GELDWERT schwankt, wie jetzt, dann ist Geld als Wertstandard obsolet !!!

=> … die Debitisten suchen verzweifelt nach einem “Nachschuldner” !!! … aber da´auch jeder Kreditvertrag auf die Existenz eines stabilen Wertstandards angewiesen ist … findet sich kein Nachschuldner !!! … der einzige mögliche ist der, dem sowieso alles egal ist: der korrupte Deppen-Staat !!!

=> … die Keynesianer wollen wie immer einfach die Quantität massiv erhöhen. Das Dumme ist nur, dass der alles entscheidende WERT des GELDES genau durch seine QUANTITÄT im Verhältnis zur Quantität der Realgüter gegeben ist !!! … ergo führt die Mengenausdehnung zu einer gleichzeitigen Wert-Verwässerung des Geldes … also seiner QUALITaTIVEN Zerstörung !!!

=> … die Demand-Side-Dudes merken zwar, dass es nicht funktioniert. Sie können aber mangels Geldtheorie gar nicht begreifen WARUM es nicht funktioniert !!!

( … Ich habe NIE behauptet, dass das Verständnis des GELDES EINFACH ist ;-) … aber wenn man es einmal begriffen hat, dann ist es ein erhebendes Gefühl :-) … )

PS:

Viele Dinge im Leben verhalten sich nach der Formel:

WERT = QUANTITÄT x QUALITÄT

… beim Geld kommt eben erschwerend hinzu, dass die Qualität durch die künstliche & falsche Manipulation der Quantität zerstört wird …

73 bismodo November 30, 2008 um 00:41

… ist, als ob du ne richtig gute Flasche Bordeaux nimmst und dann in homöopathischen dosen auf 500 flaschen wasser verteilst, die 500 flaschen als richtig guten Bordeaux etikettierst und verkaufst. Wenn dann einer so ne flasche aufmacht, schreit der aufrechte keynesianer nach dem staat. Und was macht der? Er berät sich mit dir und garantiert dann die ausserordentliche güte dieser 500 flaschen richtig guten Bordeaux’s. So einfach funktioniert ist das.

Zum schlapplachen in diesem blog ist auch bemerkung 28 zur qualität der geistigen hochglanzparade von kommentatoren auf “Der absurdeste Werbespot aller Zeiten”. Er hats erfasst. Da beissen sich qualität + quantität genauso. Würd einen ja auch wundern.

74 Handwerker November 30, 2008 um 01:05

bismodo,
Zum schlapplachen ist

der Film im Kommentar 22 !

zu “Der absurdeste Werbespot aller Zeiten”

75 bismodo November 30, 2008 um 01:16

@ handwerker
ich meinte dieses hirnwichsen ohne das wesentliche gesehen zu haben

76 edicius November 30, 2008 um 02:34

@hg
Danke für deine Mühe! Sie soll auch nicht vergebens gewesen sein, und ich fühle mich schon wieder fast gerettet. Nur diese kleine Verständnisfrage eines Erdenbürgers noch:
=> … so kannst Du etwa die Länge des “Ur-Meter” nicht “messen”. Du kannst nur sagen: Das ist jetzt der “Ur-Meter” … mit ihm MESSEN wir die Länge aller anderen Dinge !

=> … genauso beim Geld: Geld, als Wertstandard, hat einen WERT (der nach meiner Schule möglichst KONSTANT gehalten wird!) den man aber nicht MESSEN kann und nicht als PREIS ausrücken kann. Denn der Preis wäre ja stets in der eigenen Einheit … also “1″ !!

Gut, verstanden, den Preis- und Wertmaßstab kann man nicht in sich selber definieren, logisch. Der Ur-Meter ist DEFINIERT irgendwo als Stahlstange in einem Pariser Museum, oder von superschlauen Scheindefinitoren (könnten glatt Keynesianer sein ;-) ) anhand irgendeiner Wellenlänge irgendeiner Strahlung. Aber das ist natürlich nur die Ableitung eines Maßes aus einem anderen Maß, das selber wiederum, naja, usw. à la Münchhausen.
Aber zum Geld: WERT, KONSTANT. Den kannst du ja nicht einfach nach Gusto definieren, oder? – sonst wärst du ja selber Keynesianer. Also, wo kommt sie her, die DEFINITION DES WERTES, des Geldes und seiner Wertkonstanz? Doch goldig = Gold? Mir fällt sonst nichts ein, was NICHT relational wäre, so nach Angebot/Nachfrage Preis/Wertbildung. Und auch das Gold ist, eigentlich, auch etwas, das nur einen Marktpreis hat, und eben darum keinen UR-WERT darstellen kann. Bliebe die marxsche Lösung: Gestehungskosten einer durchschnittlich produktiven Arbeitsstunde. Aber auch das klappt nicht: denn woran werden denn DIESE Kosten gemessen?

wie auch immer, ich vermute das schon länger, dass hier möglicherweise die Grundlagenkrise der WiWi zu Hause ist. Bei dem Metaphysikum “Wert” – hatte ich schon mal erwähnt, glaube ich…

Aber jetzt möge der Halbgott sprechen!

77 goodnight November 30, 2008 um 04:34

@Halbgott

“WERT = QUANTITÄT x QUALITÄT

… beim Geld kommt eben erschwerend hinzu, dass die Qualität durch die künstliche & falsche Manipulation der Quantität zerstört wird …”

=>Nope, Du noch immer nicht verstehen: Geld ist keine Standard, Entität oder Konstante….. nope…. Geld ist einfach nur ein Gut, d.h. es wird vom MARKT bewertet und kann in Menge und Preis variieren…..und wenn die Greenspan-bastard-Keynesianer mal eben die Geldmenge ausdehnen…so what? Dann sinkt der Preis…. und somit der Wert von Geld. Wo verdammt ist das Problem? Da ist nix künstlich oder falsch oder manipulation, nope, das ist einfach: Der MARKT. Der Markt steuert auch das Geld. …deswegen: “Marktwirtschaft”! Aber das lernst Du und andere nicht mehr in diesem Leben, nope Ihr wollt immer noch ne Ebene über dem Markt sehen, so ne Hierarchie. Nur weil Ihr Goldjunkies nicht ohne eine heilige Konstante, d.h. einen Mutter-Ersatz, d.h. was zum festklammern leben könnt? Hey, welcome to reality….die Welt ist ein Sturm….und wir alle müssen rennen ;-)

“You’re walking around blind without a cane, pal. A fool and his money are lucky enough to get together in the first place”
G.G. (wall street)

78 H. K. Hammersen November 30, 2008 um 08:47

Ich glaube, die Diskussion ist jetzt an einem entscheidenden Punkt angelangt.

Die Unsicherheit der Akteure im Kapitalismus resultiert aus der Unsicherheit über die zukünftige Länge des finanziellen Urmeters (Geld).
Der Sparer, der Geld verleiht, weiß nicht, wie hoch der Zins sein muß, damit er nach Ende der Kreditperiode mindestens die Kaufkraft zurück erhält, die er bei Vergabe des Kredites abgegeben hat.

Der Trick im Kapitalismus besteht darin, daß die meisten Sparer die vorherrschende schleichende Inflation kaum wahrnehmen.

Ziel aller Volkswirtschaften ist, die Investitionstätigkeit möglichst hoch zu halten. Also müssen vom Geldsystem die Kredit nehmenden Investoren begünstigt werden.
Deshalb ja auch das Ziel der ZBs einer schleichenden Inflation (EZB:nahe 2%). Würden Kreditverträge so abgefasst, dass sich die Rückzahlung auf einen nicht manipulierbaren Wert beziehen (z. B. durchschnittlicher Preis eines qm Ackerland in dem Währungsgebiet) wären Geldmanipulationen weitestgehend ausgeschlossen.

Und ich bin sicher, dass die Schärfe der derzeitigen Krise im wesentlichen ausgelöst wurde durch die Preis drückende Wirkung der Globalisierung. Die Geldpolitik der FED hätte ohne die Lohn drückende Globalisierung zu massiver Inflation bei allen Preisen (und eben nicht nur im Immo- und Assetbereich) geführt. Und das war ja auch der Grund, warum behauptet wurde, daß diesmal alles anders sei als früher (niedrige Inflation bei hohem Wirtschaftswachstum).

Geld selbst hat keinen Wert. Es ist allenfalls umtauschbar in Werte.

79 I.I.Oblomow November 30, 2008 um 08:49

@ goodnight #77

Ein herzerfrischender Kommentar mitten ins Schwarze – ahhh, tut das gut zu lesen in diesem Meer der Irrtümer und Verwirrungen, in dem selbst Halbgötter ersaufen. Da kann ich nur sagen: goodnight – keine halbe Sache! ;-)

80 I.I.Oblomow November 30, 2008 um 09:12

@ H.K.Hammersen #78

Die Inflationserwartung wird ja in den Kreditzins miteingepreist, daher bringt eine konstante Inflation dem Schuldner keinen Rückenwind. Inflationsänderungen während der Kreditlaufzeit können hingegen (bei Fixzinsvereinbarung) zu Vermögensverschiebungen zwischen Gläubiger und Schuldner führen.

Das Gute an einer moderaten Inflation sind erleichterte Tarifanpassungen, sofern sie nicht inflationsindexiert sind. Wenn z. B. Gehälter durch Inflation tendenziell schleichend gesenkt werden, ist das für den Anpassungsprozeß an sich ständig ändernde Marktverhältnisse grundsätzlich günstig.

81 H. K. Hammersen November 30, 2008 um 09:57

@Oblomow

“Inflationsänderungen während der Kreditlaufzeit können hingegen (bei Fixzinsvereinbarung) zu Vermögensverschiebungen zwischen Gläubiger und Schuldner führen.”
Genau darin liegt ja die Crux. Da die ZBs tendenziell dazu neigen, die kreditfinanzierte Investition zu begünstigen, ist der durchschnittliche Sparer auf Dauer der Verlierer.
Und wenn niemand bereit ist zu arbeiten ohne den Ertrag seiner Arbeit umgehend zu konsumieren, sind Investitionen nicht möglich.

Und, allem Anschein nach, war es in den letzten Jahren lukrativer, die Manipulationsmöglichkeiten aus Krediten/Ersparnissen zu nutzen als Investitionen in reale Produktion zu tätigen.

Und ich habe mittlerweile den Eindruck, dass unsere gesamte Wirtschaft nur noch aus Arbitragegeschäften besteht, wo aus Lohn-/Preisunterschieden oder Zins-/Inflationsunterschieden in verschiedenen Ländern Gewinn gemacht wird.

82 I.I.Oblomow November 30, 2008 um 10:44

@ H. K. Hammersen

“Da die ZBs tendenziell dazu neigen, die kreditfinanzierte Investition zu begünstigen, ist der durchschnittliche Sparer auf Dauer der Verlierer.”

Der durchschnittliche Sparer kann insofern nicht verlieren, weil ja die Durchschnittsbildung allfällige Inflationsschwankungen ausmittelt bzw. herausfiltert. Der durchschnittliche Sparer verliert genau dann, wenn der Zinssatz abzüglich Steuern und Spesen systematisch unterhalb der (durchschnittlichen) Inflationsrate liegt. Hat aber mit den ZBs praktisch so gut wie nix zu tun.

83 f.lübberding November 30, 2008 um 12:39

Nur als Hinweis:

Ich verfolge die Debatte, kann aber zur Zeit nicht antworten, weil ich an diesem Wochenende unter anderem in meiner Funktion des Pressesprechers mit meinen Volksmusikern beschäftigt bin, gewissermassen mit der Realgesellschaft … . Nicht das jemand meint, mir fiele nichts mehr zu Keynes ein … . Was man bei den Volksmusikern unter anderem so macht, kann man hier lesen:

http://www.vmb-nrw.de/vmb/news/index.php?id=545

Also ein D1 Kurs für Banker wäre nicht schlecht gewesen … . Aber der D1 Kurs von Weissgarnix zu Keynes ist ja schon einmal ein Anfang … .

Gruss f.lübberding

84 Francisco d'Anconia November 30, 2008 um 14:49

@ 56

Sean Corrigan hat mir in diesem Blog am besten gefallen. Nun ja, ich bin halt “Österreicher” und kein “Keynesianer”.

Wer mal Henry Hazlitts Buch “Das Fiasko der Keynes’schen Wirtschaftslehre gelesen hat, kann danach schlecht noch Keynesianer sein.

http://www.amazon.de/Fiasko-Keynesschen-Wirtschaftslehre-Henry-Hazlitt/dp/B0000BJ6A0/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1228052687&sr=1-1

85 Francisco d'Anconia November 30, 2008 um 15:12

@ # 29 Halbgott

Wie heißt der Autor und das Werk?

Im Buchhandel noch erhältlich?

Gruß
FdA

86 bismodo November 30, 2008 um 17:36

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