Meister schafft Vertrauen

von weissgarnix am 5. November 2008

Den CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Michael Meister, der für die Union in Finanzdingen immer wieder mal als “Experte” auftritt und diverse “Papiere” zu allen möglichen spannenden Themen in Umlauf gibt, habe ich ja in diesem Beitrag zur vermeintlichen Unschuld, ach was sag ich, zur ausdrücklichen “Fundamentalopposition” der deutschen Bundespolitik in Sachen “Kreditexzesse”, schon mal erwähnt. Ganz bekümmert zeigte er sich da, der Dr. Meister, dass durch die fehlgeschlagenen Verbriefungsarien der Banken das Vertrauen der Bevölkerung in die Finanzmärkte geschwunden wäre. Schleunigst wieder herstellen müsse man dieses Vertrauen, aber hallo, das sei jetzt mit Abstand das Wichtigste.

Wie aus der in meinem damaligen Beitrag gebrachten “Kleinen Anfrage” ganz klar hervorgeht, war aber besagter Dr. Meister justament einer derjenigen, die sich davor ganz schwer für ebendiese Verbriefungen ins Zeug gelegt hatten. Und nicht nur das, auf seiner Homepage, die er in schönstem Hessisch-Bergsträsslerisch “Meister schafft!” genannt hat, läßt uns der christlich-soziale Finanzzampano anno 2005 darüberhinaus auch noch wissen, dass ihm eine gewissenhafte Prüfung der Kreditunterlagen seitens der Banken aber sowas von gegen den Strich geht, dass man da schleunigst was dran ändern muß. Deshalb schreibt er:

“Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion spricht sich dafür aus, den Schwellenwert des § 18 Kreditwesengesetz (KWG) von derzeit 250.000 Euro auf 1 Mio. Euro Kreditvolumen anzuheben. Die KWG-Vorschrift regelt die umfassende Offenlegung und Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse eines Kreditnehmers oberhalb des Schwellenwertes..[...]

„Eine entsprechende Erhöhung des Schwellenwertes würde den Kreditinstituten eine Kreditvergabe erleichtern, was insbesondere den kleinen und mittelständischen Unternehmen zugute käme”, so Dr. Michael Meister, der als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für den Bereich Finanzen zuständig ist

Der Union fordert ferner, dass die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aufgestellten Vorgaben zur Kreditvergabe dringend entschlackt werden müssen. „Der bestehende administrative Aufwand für die Kreditinstitute – aber auch für die Kreditnehmer – ist außerordentlich hoch und in der bestehenden Form nicht mehr angemessen. Es ist längst an der Zeit, die überfrachteten Anforderungen an den quantitativen und qualitativen Umfang der Kreditunterlagen praxisgerecht zu vereinfachen”, so Meister.[...]

Überschäumende Bürokratie im Kreditwesen ist Gift für die ohnehin angespannte Finanzlage des Mittelstandes.”

Ja, eben. Recht hat er, der Herr Doktor! Wo kämen wir denn da hin, wenn jede Bank die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Kreditnehmers, der sich bei ihr eine läppische Million Euro abholen will, gleich ordentlich und gewissenhaft prüfen wollte? Das ist ja Bürokratie pur, Pfui Gacks!

Aber was soll’s, das sind ja alles alte Geschichten, “Water under the bridge”, wie es unter Finanzmarktprofis immer so schön heisst. Nach vorne gucken, das ist jetzt die Devise! Nicht olle Kamellen aus 2005 ausgraben und in irgendwelchen dahergelaufenen Blogs breittreten, deren Autoren zu allem Überdruß auch noch mehr als 3 Millisekunden lang Verständnis für Andrea Ypsilanti aufbringen.

Nix da. Unser Dr. Michael Meister guckt nach vorne, und das mit Recht, weil seine Chefin hat ihn nämlich jetzt mit der Erstellung eines Positionspapiers zur zukünftigen Finanzmarktregulierung betraut. Die Angela Merkel, ja, genau, die ja kürzlich den Bankern und Hedgies klipp und klar angekündigt hat: “Freunde, ab jetzt werdet ihr nach unserer Pfeife tanzen!”. Für die macht er das, der Michael Meister. Und weil er so stolz darauf ist, mit einer solch spannenden und wichtigen Aufgabe betraut worden zu sein, hat er der Presse auch schon mal die wichtigsten Passagen seines Papiers zugeleitet. Und dort heisst es:

“Ziel sei es, trotz der massiven Unsicherheiten und Sorgen der Menschen “überbordende Finanzmarktregulierungen” zu vermeiden. “

Der Finanzmarkt muss als Herzstück unserer Volkswirtschaft begriffen werden, der Beschäftigung schafft, Investitionen ermöglicht, gute Renditen anbietet und so zum Nutzen aller beiträgt”,

heißt es in Meisters Positionspapier.”

Und da springt meinereins dann natürlich in die Luft vor Entzücken! Da rufe ich aus dem Brustton der Überzeugung:”Heissa juchhe, Dr. Meister. Wir vertrauen Dir!” Denn natürlich: nicht die Realwirtschaft ist das Herzstück der deutschen Wirtschaft, nicht die Arbeiter bei VW oder bei Bosch, die Kassiererinnen bei Aldi und Karstadt, die Frisörinnen, Boutiquenbetreiber und Automechaniker, die Tischler und Elektriker, die Maurer und Schlosser …. nein, nicht dieses dumme Gesocks ist DAS HERZSTÜCK der deutschen Wirtschaft! Aber iwo! Den “Finanzmarkt” müssen wir als solches begreifen! Den “Finanzmarkt”, klar? Soll ich das vielleicht nochmal wiederholen? Nein? Na gut.

Und daher werdet Ihr Pappnasen, die Ihr außerhalb des Kreditsektors Eure lumpigen 3 Euro Fuffzig verdient, mit sowas profanem wie “ehrlicher Hände Arbeit”, jetzt ja hoffentlich wohl verstehen, dass wir auch weiterhin das “Herzstück” unserer Wirtschaft nicht der hemmungslosen Bürokratie aussetzen und sowas wie “gewissenhafte Kreditprüfung” gesetzlich vorsehen können. Und schon gar nicht für so Pups-Kredite über 1 Million Euro!

Weil “gute Renditen” müssen möglich sein!

Für die Akteure am Finanzmarkt!

Dem “Herzstück” der deutschen Wirtschaft!

 

{ 32 Kommentare… Lesen Sie sie nachfolgend oder schreiben Sie einen }

1 terekest November 5, 2008 um 16:53

Danke wgn,

ich muss sagen, man kommt aus dem lachen gar nicht wieder raus (bis es einem im Halse stecken bleibt).

Hier kann doch nicht ernsthaft noch einer glauben, dass die “da oben” diese Krise in den Griff bekommen, oder? Optimismus ist ja schön und gut, aber was da verbrochen wird ist doch einfach nur dilettantisch und verbrecherisch. Man kann ja gar nicht mehr zählen, wie oft hier schon der Bock zum Gärtner gemacht wurde.

Und dann auch noch gegen eine europaweite Abstimmung und Vorgehensweise sein – nee klar, ist ja logisch. Wir wissens ja am besten.

Ach nee, ich hatte ja ganz vergessen, dass Deutschland gar nicht von der Krise betroffen ist ….

2 Subdesk November 5, 2008 um 17:00

Da reiht sich ein Weiterer nahtlos bei Tietmeyer, Issing, Ackermann, Blessing, Assmussen & Co. ein.

Die (bis quasi gestern) Verfechter des möglichst unkontrollierten Finanzwesens sollen dessen Regulierung konstruieren. Na herzlichen Glückwunsch. – Sicherlich kann man seine Meinung auch ändern, aber das die “Alte Garde” in so breiter Phalanx weitermarschiert, macht doch sehr mißtrauisch.

Dabei dachte ich, es wäre inzwischen schon klargestellt, daß die Finanzwirtschaft wieder in die Rolle des Dienstleisters schlüpfen muß, statt die selbsternannte Konjunkturlokomotive zu geben. Andererseits sollte man Herrn Meister für so unfreiwillig augenöffnende Worte dankbar sein.

3 habehnix November 5, 2008 um 17:10

Oh Meister, Ihr echauffiert Euch zu sehr!
Aus seiner Sicht hat der Mann doch recht. Er spielt das Spiel nach den derzeit gültigen Regeln.
Und wir lieben doch alle Happy-end’s oder?

Solange das Laientheater weder Regeln noch Spielplan ändert, gehts mit Volldampf so weiter. (so weit es halt geht…)

Ich denke, das Jahr 2009 wird man in Erinnerung behalten als das Jahr, in der die “großen Volksparteien” in der Bedeutungslosigkeit versanken.

Nicht ganz sicher bin ich mir mit der Frage ob das Ensamble a) ned will b) ned kann oder c) ned darf.

Btw: zuviel DGF, WGN und dottore machen mich einfach depressiv und zynisch.
PPS: Der Eur/Ravioli Wechselkurs ist momentan günstig.

4 Michael November 5, 2008 um 17:13

Ja, ich hörte heute den Herrn Steinbrück für das (hoffnunslos sinnlose, weil auf Mitnahmeefekte getrimmte) Konjunkturpaket schwärmen. Und worüber sprach der Herr Minister ? Er redete von HEBEL und von PSYCHOLOGIE. Da wird mir Westentaschenzocker doch wirklich warm ums Herz. Und wenn sein Meister 999999,- € ungeprüfte Kredite ausreichen läßt, da machen wir doch glatt nicht mit. Und bei Hebeln und Psychologie, aber Herr Minister … . Da hat doch Papa Pieech gerade eine sensationelle Lektion, die noch in Jahrhunderten die Börsenliteratur bereichern wird, vorgeführt ?

Wir wollen keinen Kredit, wir wollen, der kommenden Inflation angemessen, cash. Und bei dem Maß …. Deutschland hat Erfahrung. Mir fällt auf die Schnelle die 1 Billion Mark Münze der preußischen Provinz Westfalen ein. Natürlich braucht man bei solchen lumpigen Millionen keine Kreditprüfung. Da gäbe ich dem Herrn Dr. Meister dann schon Recht. Aber bis dahin wäre wohl noch etwas Zeit.

5 stap.aureus November 5, 2008 um 17:13

Paul Krugman schreibt heute, daß mit dem Wahlsieg die “Monster-Jahre” hoffentlich vorbei sind.

Ein meisterliches Monster scheint es auch an der Bergstrasse zu geben:den netten kleinen Millionenfresser.

6 stap.aureus November 5, 2008 um 17:31

@subdesk:

das hast Du doch in einem Satz “Dienstleister” und “Lokomotive” verwendet. Da finden wir doch noch etwas zu DB:
http://www.toonpool.com/user/64/files/mehdorns_missverstaendnis_274805.jpg

Und in weissgarnix´Wünschdirwas vielleicht bald die Überschrift:
Mehdorn, Möhrchen und die Märkte…

7 Christian November 5, 2008 um 17:47

Der Neoliberalismus ist tot, es lebe der Neoliberalismus?

oder auch so:

“Politik machen Interessensverbände, die die Fäden ziehen, an denen politische Hampelmänner hängen, die uns dann auf der Berliner Puppenkiste Demokratie vorspielen dürfen.

Das sind dann Politfiguren, die in den öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten bei den Klofrauen Christiansen und Ilgner ihre Sprechblasen entleeren.

Und wenn sie da ihre intellektuelle Notdurft verrichtet haben und es tröpfelt nach, dann können sie sich bei Beckmann und Kerner an der emotionalen Pissrinne auch noch unter´s Volk mischen.” Georg Schramm 2003

8 Digo November 5, 2008 um 18:12

> “Der Finanzmarkt muss als Herzstück unserer Volkswirtschaft begriffen werden”

Da hat er doch völlig recht. Wer hält denn den Blut-, pardon: Geldkreislauf aufrecht?

Nun haben wir heftige Herzrhythmusstörungen, und die Chefärzte sind sich uneins, ob ein Herzschrittmacher genügt, oder doch ein Kunstherz Marke “Sozialismus” nötig ist…

> “Denn natürlich: nicht die Realwirtschaft ist das Herzstück der deutschen Wirtschaft, nicht die Arbeiter bei VW oder bei Bosch, die Kassiererinnen bei Aldi und Karstadt, die Frisörinnen, Boutiquenbetreiber und Automechaniker, die Tischler und Elektriker, die Maurer und Schlosser ….”

Um beim Gleichnis zu bleiben: die sind eher das Skelett und die Muskeln.

> “Weil ‘gute Renditen’ müssen möglich sein!”

Na klar. Nur wenn die Renditeempfänger aus dem Vollen schöpfen können, geht es auch dem “Rest” gut.
Einfach an den Multiplikator-Effekt denken. Stell Dir vor, niemand würde sich schnelle Autos leisten können. Dann hätte kein Porsche die Arbeitsplätze bei VW gesichert.

Das wird Dir hier in Südamerika, wo Umsatzrenditen von 20% und mehr keine Seltenheit sind, noch viel deutlicher. Der ganze Bausektor in Buenos Aires lebt nur von den Renditeempfängern, denn kein Normalverdiener kann Quadratmeterpreise von 2000 Dollar bezahlen.

Wenn über die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, dann liegt logischerweise die Hauptlast der Binnennachfrage auf den Schultern der “Besserverdienenden”. Und die können dieser verantwortungsvollen Aufgabe nur gerecht werden, wenn ihnen eine ausreichend hohe Rendite zufließt.

Nicht vergessen: daß einige Wenige sich aufopfern, um STELLVERTRETEND einen höheren Lebensstandard zu verwirklichen, kommt ja letztendlich auch den Armen zu Gute, schließlich läßt sich dadurch die Umweltbelastung in Grenzen halten.

(Und bevor jetzt virtuelle Eier und Tomaten geflogen kommen, höre ich lieber auf…)

9 Dipfele November 5, 2008 um 18:21

Was ein Müller und ein Meister halt so schaffen. Da wird f.lübberding aber enttäuscht sein. Hat er der Kanzlerin doch noch am 15. Oktober 2008 einen Vertrauensvorschuss eingeräumt.

10 Christian November 5, 2008 um 18:38

Wenn solche Leute für unsere Zukunft sorgen sollen, dann wäre bei der nächsten Wahl die richtige Wahl wohl der Freitod. Das verkürzt die Schmerzen ungemein. Die werden wir bei solchem Personal nämlich noch in verschärfter Form erleiden.

PS: Da der Name Christian nun anscheinend nicht sehr individuell ist, könnten man darüber nachdenken, mit dem durchnummerieren anzufangen.

11 weissgarnix November 5, 2008 um 18:39

@Digo

Ist schon OK, wenigstens fühlt sich Halbgott dann nicht so einsam … :-)

12 Dipfele November 5, 2008 um 18:55

J.Jahnke hat da andere Vorstellungen von einer neuen Ordnung:
http://www.jjahnke.net/rundbr47.html#wewi

13 Subdesk November 5, 2008 um 18:58

@8 Digo

Zitat: “Da hat er doch völlig recht. Wer hält denn den Blut-, pardon: Geldkreislauf aufrecht?”

Mein Arzt erhält mich am Leben. Ärzte als Herzstück der Volkswirtschaft.

Die Schule unterrichtet meine Kinder. Bildung als Herzstück der Volkswirtschaft.

Fortfahren? ;)

Es muß nicht immer ein Herzstück sein. Ein Rad im Getriebe ist durchaus genauso wertvoll…

14 Juergen November 5, 2008 um 19:14

@Digo

“Na klar. Nur wenn die Renditeempfänger aus dem Vollen schöpfen können, geht es auch dem “Rest” gut.”

&

“Wenn über die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, dann liegt logischerweise die Hauptlast der Binnennachfrage auf den Schultern der “Besserverdienenden”. Und die können dieser verantwortungsvollen Aufgabe nur gerecht werden, wenn ihnen eine ausreichend hohe Rendite zufließt.”

Heist das jetzt, wenn ich unter der Armutsgrenze lebe, dann gehts mir gut?

15 Ahnungsloser November 5, 2008 um 19:53

@Digo

Die Logik klingt nach Yes Men, man kann doch wohl darauf hoffen, dass hier etwas Ironie im Spiel ist?

16 Daniel B. November 5, 2008 um 19:57

Das mit dem Finanzsektor als Herzstück der Volkswirtschaft, dessen Irrwitz möglichst wenig Beschränkungen auferlegt werden sollte, ist natürlich wirklich großer Blödsinn. Und lässt einen vermuten, dass am Ende der Krise doch wieder ein alles wie gehabt steht – solange, bis es eben nicht mehr geht.

Aber dass eine ungezügelte Vergabe von (relativ gesehen popeligen) Krediten an Mittelständler ein großes Problem darstellt, ist mir dann doch relativ neu…

17 Michael November 5, 2008 um 20:21

@Daniel B.
Aber dass eine ungezügelte Vergabe von (relativ gesehen popeligen) Krediten an Mittelständler ein großes Problem darstellt, ist mir dann doch relativ neu…

Weil es genau solche relativ gesehen popeligen Kredite waren, die aus Balleinen Immobilienfirmen machten, die nun gerade eine veritable “Finanzkrise” ausgelöst haben ?

Das Geld ist schon noch da, aber das hat nun ein anderer. Nur, der sitzt irgendwo auf seiner Ölquelle oder in China ? Es geht darum, daß der FED die Kontrolle über den Dollar verloren gegangen ist. Nun muß ein Mechanismus her, unter dem sie die Dollars wieder nach Amerika kriegt. Dazu diente erst die Rohstoff- und Ölpreisabzocke und nun die “Finanzkrise”. Natürlich könnte man den Dollar auch ganz ohne IWF kräftig abwerten, was wohl auch irgendwann kommen wird. Denn diese “verlorenen” Dollars stellen nun einmal einfach eine Debilanz dar. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn sie in den USA z.B. in Banken “investiert” würden. Könnte das so sein ? Finanzkrise, was ist das denn in Zeiten des fiat money ?

18 Ahnungsloser November 5, 2008 um 20:29

Ausserdem, und das wird von Sozen natürlich nie mal eingestanden, ist Michael Meister hier absolut konsistent!

Konsistent mit den C’s in CDU/CSU: Wer weiss, der weiss er kann sich irren; Wer aber glaubt, der hat immer die Gewissheit: Er könnte ja nur nicht stark genug geglaubt haben.

Die Kreditvergabe war einfach überreguliert, deshalb auch die Krise. Jawoll.

19 Otto November 5, 2008 um 20:31

@Digo #8

Wer zahlt aber für diese Renditen? Denn Geld arbeitet ja nicht, also der Gewinn muss ja irgendwo herkommen?
Vermutlich zahlt das auch noch der schlecht verdienende Arbeiter bei Bosch, VW, die ALDI Kassiererin und wir kleinen Leute alle!
Denn irgendwoher muss ja eine Rendite von 20 % kommen!
Merke: Da wird nichts geschaffen, nur Geld verschoben!

Deine Argumentation ist so was von menschenverachtend….
da höre ich auch lieber auf!
Gruss

20 matte November 5, 2008 um 21:16

Da fällt mir doch gerade die Dr.Schneider Affäre eine.
Zitat aus Wiki:
Der eigentliche Skandal an der Schneider-Affäre war aber die grobe Fahrlässigkeit der Banken bei der Vergabe von Krediten. Zu verlockend war der Großkunde Schneider und zu groß der „Futterneid“ gegenüber anderen Banken.
Auf die Idee zur Schönung von Zahlen zugunsten eines höheren Kreditbetrages soll ihn ausgerechnet ein Mitarbeiter der Hypotheken-Tochtergesellschaft der Deutschen Bank gebracht haben, nämlich den Beleihungswert eines Objektes (das Goldene Kreuz in Baden-Baden) durch geschönte Angaben zu steigern. Schneider bekam den Kredit und fand offenbar Gefallen an der Ausnutzung der offensichtlichen Nachlässigkeit der Kreditinstitute bei der Überprüfung seiner Angaben.”

Danach war das Geschrei gross: Keine leichtfertige Kreditvergabe mehr, mehr Kontrolle etc.
Nach wie vor Schneider gilt: 10000€ leihen- hmmmh schwierig,Sicherheiten?
100000000€ – no problem, Herr Doktor.

21 weissgarnix November 5, 2008 um 21:40

@Alle

Herrschaften bitte, Digos feiner Sinn für Humor mag sich zwar nicht jedem gleich erschliessen, aber spätestens an dieser Formulierung muß doch jedem klar werden, dass er sein Plädoyer wohl sooo ernst nicht gemeint haben kann:

>Nicht vergessen: daß einige Wenige sich aufopfern, um STELLVERTRETEND einen höheren Lebensstandard zu verwirklichen, kommt ja letztendlich auch den Armen zu Gute, schließlich läßt sich dadurch die Umweltbelastung in Grenzen halten.

Ich bin fast neidisch auf diesen Satz, der ist absolut kabarettreif.

22 Dipfele November 5, 2008 um 22:27

Es soll Leute geben, die formulieren kabarettreife Statements und meinen es ernst (wenn auch nicht unbeding Digo). Ich denke da an einen Prof aus München.

23 Peterle November 5, 2008 um 23:43

Yo, Respect für MC Digo, da ist dir echt ein Stück Weltliteratur gelungen!
Was dagegen wenn ich diese großartigen Lyrics in meinem Blog als meine eigenen Ergüsse präsentiere?

24 mhh November 6, 2008 um 01:28

@Dipferle

“Es soll Leute geben, die formulieren kabarettreife Statements und meinen es ernst (wenn auch nicht unbeding Digo). Ich denke da an einen Prof aus München.”

Wenns nicht so nen traurigen Hintergrund hätte…

Hab eben ARD geschaut:

Die Amerikaner würden Obama sofort trauen wenn er einen Krieg anfängt. Das geht ja gut los.

Ich bin da etwas kritischer. Mal sehen mit wem er sich umgibt…

Auf der anderen Seite haben Obama und Bush offensichtlich (laut ARD-Korrespondent) grundsätzlich verschiedene Meinungen zur Neuordung der Finanzmärkte: DAS macht mir Hoffnung. Ich finde nix zu Obamas Position, weiß jemand was?

25 Hermann Keske November 6, 2008 um 09:15

Digos Begabung wird immer noch unterschätzt. Die stellvertretende Verwirklichung eines hohen Lebensstandards ist wunderbar, aber das hier ist auch schon nicht schlecht:

Wenn über die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, dann liegt logischerweise die Hauptlast der Binnennachfrage auf den Schultern der “Besserverdienenden”. Und die können dieser verantwortungsvollen Aufgabe nur gerecht werden, wenn ihnen eine ausreichend hohe Rendite zufließt.

Das ist einfach schön und voller Mitgefühl – man fühlt das Leid mit ihnen, den besserverdienenden Renditeempfängern, die nun die schwere Last des gehobenen Konsums tragen müssen, weil der arme Teil der Bevölkerung seinen Verpflichtungen bei der Konsumnachfrage nicht hinreichend nachkommt.

Daraus folgt notwendig, dass die Renditeempfänger eine hohe Rendite brauchen, weil sie sonst die zusätzliche Last, die ihnen die Armen aufbürden, nicht tragen können.

Ich denke allerdings, dass ich dem Grundgedanken schon mal begegnet bin, in München oder so. Er ist sehr eng verwandt mit den intellektuellen Höchstleistungen den supply-side-dudes.

26 Nanuk November 6, 2008 um 09:24

@Wgnx

und wenn das mit der Roten Fahne nicht klapt rollen wir halt wieder die braune aus… bauen Autobahnen für Leistungselite die müssen ja schnell von einem Meeting zum anderem kommen und das Beste ist die Deutschen streiken ja mitlerweile nur dann wenn die Bänder still stehen und die Werkssirene zur Mittagspause ruft.Das ist doch gelebte Solidarität.Real Existierender Sozialismus halt…

Alle Bänder stehen still wenn der BDI es will…

27 otaku November 6, 2008 um 10:22

Irgendjemand sollte hier mal das Wort
DIENSTLEISTER
einmal in epischer Breite und einmal so das es auch der letzte Hinz versteht erklären.

Genau das ist nämlich der Finanzsektor nebst Anhängseln.

Ist das so schwer zu verstehen für einige ?

Have fun
Otaku

28 Kurt Kiesel November 6, 2008 um 11:04

@ Keske # 25

Ihre satirischen Qualitäten sind auch nicht zu unterschätzen.

@ all

In zeitloser Erinnerung sollte folgese Zitat von H.K. im Herdentrieb vom 28.8.08 bleiben:

“Der Ökonom Fehr und seine Mitarbeiter haben gerade herausgefunden, dass Kinder erst vom sechsten Lebensjahr an ein Gerechtigkeitsgefühl ausbilden und dann Güter mit anderen teilen können. Das würde darauf hindeuten, dass die herrschende ökonomische Lehre und ihre überzeugten Anwender sämtlich von einer schweren Entwicklungsstörung betroffen sind. Der homo oeconomicus als ethikfreier Nutzenmaximierer ist dann ein Krankheitsbild, die Beschreibung einer früh, nämlich vor dem sechsten Lebensjahr, einsetzenden Anomalität.”

Ist vielleicht “Realsatire”.

29 fnord November 6, 2008 um 11:30

Was die geäusserte Meinung und der geballte Sachverstand des “steitbaren” Professors aus München und seiner Kumpels aus der wirtschaftsreligiösen Sekte angeht: da tut sich ein wirklich weites Feld für alle Kabarettisten und Satirefreunde auf. Das ist doch mal eine schöne und kreative Art, diesen Meistern des Bullshit zu begegnen. In diesem Sinne ist der Beitrag von Digo wirklich köstlich. Dieses Blog natürlich auch!

30 Jens Tramann November 7, 2008 um 00:05

Sehr, sehr, traurig, dass solche selbst ernannten “Finanzexperten” wie Herr Dr. Meister die Geschicke unserer Wirtschaftspolitik maßgeblich beeinflussen.

Herr Dr. Meister hat auch nicht ansatzweise verstanden, wo die derzeitige Finanzkrise herrührt. Nämlich aus einer unverantwortlichen Kreditvergabepraxis ohne ausreichende Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse (US-Subprime-Schuldner). Eine so zentrale und bedeutende Vorschrift im Kreditwesengesetz (KWG) wie die Regelung des § 18 KWG aufzuweichen, zeugt eindeutig von der Unkenntnis der Materie. Mit einer zu laxen Kreditvergabepraxis würden sich die Banken leztztlich selbst schaden, da dies zu einem erheblichen Anstieg der Risikovorsorge führen würde. Und das kann nun wirklich nicht im Interesse einer vernünftigen Wirtschaftspolitik sein.

Genauso gut kann Herr Dr. Meister gleich ein “Recht auf Kredit” proklamieren. Eine abwitzige Vorstellung!

31 Le visiteur November 7, 2008 um 11:11

Der Interessenverflechtung von Politik und Finanzindustrie widmet sich auch dieser aufschlussreiche Artikel von Harald Schumann im in Wirtschaftsfragen sonst leider völlig unterbelichteten Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Finanzkrise;art123,2655226

32 nkb November 8, 2008 um 00:30

Dass Herr Meister ökonomischen Unsinn redet – da braucht man nicht mehr viel dazu zu sagen.
Was aber viel deutlicher wird, ist dessen Unfähigkeit zu denken! Wenn das Finanzwesen wirklich das Herzstück unser Volkswirtschaft ist, ja was wäre denn dann die Aufgabe des Abgeordneten Meister?
Natürlich dafür zu sorgen, daß das Herz unter allen Umständen immer weiter schlägt. Dies scheint dem Guten aber nicht mal in den Sinn zu kommen! Das Wort Risikoabschätzung bzw. -verhütung scheint ihm ganz fremd zu sein.
Der Herr sollte mal einen Kardiologen aufsuchen und diesen mal fragen, was man tun muß, damit ein Herz so richtig lange kräftig schlägt. Dann kann er sich ja mal ein Flugzeug anschauen und sich dort die internen Sicherheitssysteme beschauen, die wohl niemals eingesetzt werden aber doch immer mitfliegen. Wenns dann noch nicht reicht, ist auch der Besuch eines KKWs zu empfehlen, um sich zu informieren, was die Leute dort tun, um einen GAU zu verhindern. Und dann legen wir ihm mal die Schätzungen der Volkswirte für einen Dollar- oder Finanzsystem-Gau vor (liegen wohl im zweistelligen Prozentbereich in den nächsten zwei Jahren). Vielleicht begreift er dann seine Aufgabe! Ich glaube es zwar nicht, aber wer weiss…
Was ich nicht begreife ist, dass die Erfodernisse einer simplen, volkswirtschaftlichen Risikovorsorge kein Gegenstand der Basis-VWL ist. Aber wahrscheinlich träume ich halt zu oft…

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