Die Dummheit des Hans-Werner Sinn

by f.luebberding on 27. Oktober 2008

Die deutsche Autoindustrie wird in vier Wochen weitgehend zum Erliegen gekommen sein. Der Maschinenbau setzt auf Auftragsbücher, die wenig Realitätsbezug haben. Dänemark muss mit einem Notkredit der EZB vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet werden. Nur einige Meldungen von heute. Und was macht Hans Werner Sinn? Er sieht ein anonymes System am Werk.

Was sagt er damit? Unsere Wirtschaftsverfassung ist ein System organisierter Verantwortungslosigkeit. Dort sieht er dann in den Managern die Juden von heute. Das ist konsequent. Wenn niemand verantwortlich ist, muss jede Suche nach Verantwortung falsch und denunzierend sein. Die Hannoveraner Bischöfin Margot Käßmann kann das als gute Protestantin nicht verstehen. Sie sagt laut Süddeutsche Zeitung:

Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann sagte der in Hannover erscheinenden Neuen Presse: “Die Juden waren die Opfer, bei den Banken wird zu Recht nach Verantwortlichen gefragt. Es ist unverantwortlich da irgendeinen Vergleich zu ziehen.”

Käßmann sagte, sie kenne Sinn als klugen Mann. “Mir ist aber völlig unverständlich, wie jemand die menschenverachtende und zerstörerische nationalsozialistische Ideologie des Antijudaismus, die Millionen Menschen ermordet hat, in eine Verbindung mit der Frage nach den Verantwortlichen in der aktuellen Bankenkrise bringen kann.”

Sie kennt Herrn Sinn als einen klugen Mann. Genau das ist das Problem. Die Bischöfin versteht nichts von Ökonomie. Dafür viel von Verantwortung. Und Hans Werner Sinn hatte vor fünf Jahren kein Problem damit andere Akteure für von ihm erkannte Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen. Kein Wort von einem “anonymen System”. Damals ging es aber nicht um die Zerstörung unserer wirtschaftlicher Existenz. Dieser Versuch ist erst im Finanzkapitalismus gemacht worden.

Daher hier eine Rezension seines damals gefeierten Buches Ist Deutschland noch zu retten? aus dem Jahr 2003. Vor dem Hintergrund heutiger Ereignisse ist der Titel eine Obszönität - von den heutigen Problemen ist dort nichts zu finden. 

Aus der Mottenkiste

Von Frank Lübberding

Deutschland ist der kranke Mann Europas. So lautet die Diagnose eines der führenden Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland, Hans−Werner Sinn, über die ökonomische Lage der Republik. Die Symptome sind bekannt: kein Wachstum, hohe Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit, finanziell desolate Sozialversicherungen und Kommunen. Die Liste ist unvollständig. Umso wichtiger sind Lösungsvorschläge.

Hans−Werner Sinn sieht sich als ein Arzt, der dem Patienten Deutschland mit Therapien aus der ökonomischen Schulmedizin wieder auf die Beine helfen möchte.

Er scheint in der Medizin des 19. Jahrhunderts fündig geworden zu sein. Sein Therapievorschlag greift auf einen Ansatz zurück, den die Wirtschaftswissenschaft das Saysche Theorem nennt. Um den Patienten nicht zu verschrecken, hat Sinn das Alter der Therapie lieber verschwiegen. Dabei ist es noch kein Grund für ihre Ablehnung. Wadenwickel oder Bypassoperationen können eine angemessene Therapie sein, je nach Diagnose.

Was ist das Saysche Theorem? Nach Ansicht des vor 171 Jahren verstorbenen Jean Baptiste Say gibt es in funktionierenden Marktwirtschaften keine Nachfrage− oder Angebotsüberhänge. Die Erzeugung von Gütern schafft die Nachfrage, die dem Angebot entspricht. Voraussetzung sind Konkurrenz und flexible Preise.

Entsprechend fällt Sinns Therapievorschlag für den Arbeitsmarkt aus. Zwischen Menschen und Äpfeln gebe es, ökonomisch gesehen, keinen Unterschied, Güter− und Arbeitsmärkte seien also gleich zu behandeln. Das Stichwort lautet Wettbewerbsfähigkeit. Wenn die Arbeitnehmer bereit wären, ihre Arbeitskraft zum jeweiligen Marktpreis zu verkaufen, würden sie immer einen Arbeitsplatz finden. Allerdings müssten zwei Bedingungen erfüllt sein: 1. Flexibilität der Löhne nach unten und 2. keine Mindestlöhne. Leider werde die Anwendung des Sayschen Theorems von zwei Seiten verhindert: von den Gewerkschaften und vom Sozialstaat. Von den Gewerkschaften, weil ihre Mitglieder nicht von der segensreichen Wirkung des Gleichgewichtslohns überzeugt sind. Vom Sozialstaat, weil er über die Garantie eines arbeitslosen Existenzminimums eine Art Mindestlohn festsetzt. Auf dieser theoretischen Basis fußen die Überlegungen Hans−Werner Sinns. Aus der Schlichtheit des Therapievorschlages lassen sich Rückschlüsse auf die Diagnose ziehen. Es müsste sich medizinisch gesprochen eher um eine fiebrige Erkältung als um eine arteriosklerotische Gefäßverengung handeln, wenn die Wadenwickel Erfolg haben sollen. Das ist das Problem in der Debatte: Ob Regierung, Opposition oder Teile der Wissenschaft – am Ende haben sie für jedes ökonomische Problem den gleichen Therapievorschlag aus dem 19. Jahrhundert. Wen wundert dann die Skepsis des Patienten gegenüber den Vorschlägen aus der ökonomischen Schulmedizin?

 

Hans Werner Sinn erklärt bis heute mit einem Weltbild aus dem 19. Jahrhundert die Wirklichkeit im 21sten. Er versteht das “anonyme System” nicht. Lieber lässt er es zu einem System organisierter Verantwortungslosigkeit degenerieren. Seine Gleichsetzung der Verfolgung von Managern und Juden ist in Wirklichkeit ein verkappter Pogromaufruf: Sucht nach den wirklichen Schuldigen! Wer soziale Systeme in eine Black Box verwandelt, schafft erst den Boden für die Suche nach Sündenböcken. Die Alternative wäre über die Gründe und Ursachen diesen Desasters zu reden. Daran will er sich nicht beteiligen. Er müsste über sich selber reden. Hans Werner Sinn hat jedes intellektuelle Interesse an der Finanzkrise verloren. Er ist nur noch mit der Legitimation des eigenen Versagens beschäftigt. Das Tagesspiegel-Interview ist seine Bankrotterklärung als Wissenschaftler. Seine Gleichsetzung von Managern und Juden dokumentiert die Charakterlosigkeit dieses Typus von Ökonomen.

Hans Werner Sinn ist ein gebildeter Mensch. Ohne Zweifel – und ad personam dumm zu nennen. Ihn jemals für klug gehalten zu haben, sagt viel über unser gesellschaftliches Klima vor fünf Jahren aus. Zur Klugheit gehört nämlich der Zweifel.

Hans Werner Sinn war noch nie klug gewesen. Wer daran noch einen Zweifel gehabt haben sollte, wird seit heute von ihm eines besseren belehrt. Aber haben wir wirklich die Zeit uns mit solchen gefährlichen Egozentrikern zu beschäftigen?

Dummheit können wir uns eigentlich nicht leisten.

Ein update

Hans-Werner Sinn hat sich gerade entschuldigt.

“In seinem Schreiben an Knobloch erläuterte Sinn, es sei ihm allein darum gegangen, dass die wirklichen Ursachen weltwirtschaftlicher Krisen Systemfehler seien, die aufgedeckt und beseitigt werden müssten.” 

Er entschuldigt sich für einen Vergleich, der in Wirklichkeit eine Gleichsetzung gewesen ist. Seine Suche nach “Systemfehlern” kann man noch nicht einmal eine Lüge nennen. Egozentriker wissen es nicht besser. Sie suchen nur nach Entschuldigungen. Von Verantwortung will er nämlich weiterhin nichts wissen.

 

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27. Oktober 2008 um 14:56
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1 J.Kramer 27. Oktober 2008 um 13:48

Sinn ist als Wissenschaftler der Ökonomie gescheitert.

Er hätte die Krise vorhersehen und warnen müssen. Andere Größen seines Fachs haben lange gewarnt.

Jetzt steht Sinn mit leeren Händen da.
Sein Ausrede: Ein “anonymes System” sei am Werk. Peinlich.

2 J.Kramer 27. Oktober 2008 um 13:49

Sinn ist PISA auf hohem Niveau.

3 joerg 27. Oktober 2008 um 14:06

@Kramer

nein, auf in jeder Hinsicht niedrigstem Niveau

4 observer 27. Oktober 2008 um 14:15
5 Nixda 27. Oktober 2008 um 14:29

Schön das sich Herr Sinn bei den Juden entschuldigt (http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Nach-Kritik-an-Ifo-Chef-Sinn-entschuldigt-sich-bei-Juden/431034.html).

Allerdings hat Sinn ja wahrscheinlich mit seiner Aussage auch eher die Kritiker der Banker als die Juden gemeint, deren Verhalten er mit den Progromen der Nazis in Beziehung gesetzt hat.

6 Ich 27. Oktober 2008 um 14:48

Natürlich sind die Bankmanager schuld. Das System hat ihnen eine Gelegenheit gegeben, aber niemanden gezwungen Mist zu kaufen. Die Gleichsetzung ist sehr unglücklich, auch wenn schon häufiger Nazi-Vergleiche zu unpassenden Gelegenheiten gemacht wurden.

Nichtsdestotrotz ist nicht ersichtlich, wie Sinns Arbeitsmarktvorschläge die aktuelle Krise herbeigeführt haben sollte. In dem von Lübberding verlinkten Artikel behauptet Sinn, er habe bereits 2003 in einem Buch auf die laschen Bankenregeln aufmerksam gemacht. Er sagt zwar nicht welches, aber 2003 hat er nur The New Systems Competition veröffentlicht. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber wenn man sich das Inhaltsverzeichnis ansieht, dann ist das durchaus glaubwürdig.

Schon länger kritisieren internationale Ökonomen, dass in Deutschland die Ökonomen zu sehr mit Arbeitsmarkt und zu wenig mit anderen Aspekten des Wirtschaftens befasst sind. Das ist sehr wahrscheinlich richtig, liegt aber wohl auch an der medialen Aufmerksamkeit, die gerade diesem Aspekt zugewendet wird. H.W. Sinn ist aber anscheinend nicht für die Deregulierung des Bankwesens verantwortlich, wer ihm Vorwürfe im Zusammenhang mit der aktuellen Krise macht müsste Nachweisen, dass irgendwie Änderungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt (etwa HIV) für die Krise verantwortlich sind. Das kann man diskutieren, dann aber bitte mit nachvollziehbaren Argumenten und nicht mit einfach mit Pauschalkritik.

7 mhh 27. Oktober 2008 um 14:53

Das Inhaltsverzeichnis ist wirklich überraschend vielversprechend.

Frage ich mich nur, warum die Politik DAS offensichtlich nicht aufgegriffen hat.

War wohl weniger im Interesse gewisser Ratgeber

8 J.Kramer 27. Oktober 2008 um 15:01

Die von Sinn geliebten Bankmanager prophezeien den Untergang:

Arthur Cashin, UBS New York, zu CBS News:
“Something very, very powerful is looming. And I suspect what happens over the next five to eight days will be something we talk about for generations.”

So langsam wird einem Angst und Bange.
Eine Parallellgesellschaft existiert, die in der Lage zu sein scheint, alles mit sich in den Abgrund zu ziehen.

9 f.lübberding 27. Oktober 2008 um 15:08

ich

Sinns Argumentation war einfach lächerlich. Nicht die Arbeitsmarktreformen, sondern die Bereitschaft des Auslandes zur Verschuldung und der Nachfragestaubsauger USA waren für den deutschen Exportboom verantwortlich – und damit für den Aufschwung. Das sollte spätestens jetzt jedem klar geworden sein. Und genau das hat Sinn nicht thematisiert. Er hat nicht die Finanzmärkte ins Visier genommen, sondern die Anreize für Arbeitslose … . Er hat also – wie fast alle deutschen Ökonomen – auf Nebenkriegsschauplätzen seine Schlachten geschlagen, die letztlich (fast) völlig irrelevant gewesen sind. Wenn er über Bankenregulierung redet, ist das nichts anderes als ein Ablenkungsmanöver. Es geht nicht um Bankenregulierung. Es geht darum, was den pathologischen Boom der Weltwirtschaft ausgelöst hat. Es ging um die Kreditblase und deren Folgen auch für den deutsche Arbeitsmarkt. Ich brachte ja das beispiel Island. Wenn er das als wesentlichen Faktor des Aufschwungs betrachtet hätte, wäre seine ganze Argumentation zusammengefallen. Davon kann aber nicht die Rede sein.

Dabei hatte er in seiner Basarökonomie einen Gedanken: Den pathologischen Exportboom. Es war sein einziger. Allerdings mit der Konsequenz: Um die Exportüberschüsse zu senken, sollte man die Rentabilität von Realinvestitionen erhöhen – durch Absenken des Lohnniveaus bis auf eine Höhe die denen auf den Finanzmärkten entsprechen. Dieser Überzeugung ist er ja noch heute. Und der will mir jetzt etwas von seiner Kritik am Finanzmarkt erzählen?

10 J.Kramer 27. Oktober 2008 um 15:10

@Ich

Es gibt zwei Sichtweisen, die sich zum Teil widersprechen:

Zum einen die volkswirtschaftliche, zum anderen die betriebswirtschaftliche.

Sinn denkt in der betriebswirschaftlichen Perspektive, anders ist seine Lohndumpingphilosophie nicht zu erklären

11 Hermann Keske 27. Oktober 2008 um 15:22

Das Problem ist nicht so sehr, dass H.W.Sinn ein eher ziemlich dummer Mensch ist, der immer wieder durch Unsinnigkeiten aufgefallen ist. Im Herdentrieb ist einmal seine Korrespondenz mit einem anderen Ökonomen behandelt worden zum Thema “angebotsorientierte Wirtschaftspolitik”. Sie hat auf sehr eindrucksvolle Weise die mässigen Geistesgaben offenbart. Es hat nicht geholfen.

Das Problem ist, dass dieser Mann in den Medien und in vielen politischen Zusammenhängen als bedeutender Ökonom, dessen Weisheiten in die Politik einfliessen sollten, dargestellt worden ist, und das auch von vielen, die es hätten besser wissen müssen. Er ist, vereinfacht dargestellt, deswegen als bedeutender Ökonom dargestellt worden, weil seine wirtschaftswissenschaftlichen Plattheiten wunderbar für ideologische Zwecke nutzbar waren, vor allem für Zwecke der Marktirren und ihrem sozialdarwinistischen Anhang.

Und wir sind schon wieder mittendrin. Natürlich handelt es sich nicht um Marktversagen, sondern um einen “anonymen” Systemfehler, der auf staatliches Handeln zurückzuführen ist. Die Akteure können gar nichts dafür. Die Marktteilnehmer wissen nach Sinn’s lächerlich simpler Logik immer selbst, was für sie am besten ist. Die “Regeln” allerdings muss der Staat aufstellen, das kann der Markt nicht selbst. Als ob Regeln keine Intervention in das doch so wunderbar funktionierende, sich immer ausgleichende Spiel der Kräfte des Marktes wären.

Und natürlich hat wieder jemand die “falschen Anreize” gesetzt, der Staat, versteht sich. Ohne Anreize wüssten die stets bestens orientierten Marktteilnehmer gar nicht so recht, was man denn so tun könnte zur persönlichen Nutzenmaximierung. Kaum gibt es einen “Anreiz”, dann rennen sie los, unserer freien Marktteilnehmer, wie Flipperkugeln durch die anreizenden Bumper.

Diesen völligen Schwachsinn erzählt er jetzt schon wieder. Er ist dumm, er war immer dumm, und leider haben viele an der Ausbreitung dieser Dummheit mitgewirkt. Es sieht nicht so aus, als hätten wir in dieser Beziehung Fortschritte gemacht. Sinn jedenfalls hat nicht das mindeste gelernt, das Interview ist so eitel und dumm, wie er immer gewesen ist.

12 Nanuk 27. Oktober 2008 um 15:25

@Ich
ifo Standpunkt Nr. 82
Autos kaufen Autos
München, 21. März 2007

Noch fragen?

Orwell würde sagen Krieg ist Frieden.Was ist jetzt dreister?

13 weissgarnix 27. Oktober 2008 um 15:34

Ich möchte mich zwar gewiss nicht als Sinn-Fan outen, aber mal abgesehen von seinem Juden-Faux pas hat er nicht unrecht: der Kapitalismus unserer westlichen Prägung hat tatsächlich einen Webfehler. Nichts anderes habe ich versucht, in rund 300 Blogbeiträgen und mindestens ebensovielen Forenpostings den Leuten klarzumachen.

Was Sinn freilich ausblendet (nicht “übersieht”, weil der Umstand ist ihm ziemlich klar und voll bewußt) ist, dass die vermeintlichen “Sündenböcke”, sprich die Banker, besagter Systemfehler sind. Zumindest die eine Hälfte davon, die andere sind leichtsinnige Investoren und ein gieriges Anlegerpublikum. Aber die Banker befinden sich im Epizentrum des Problems, wie bereits dem Begründer der Chicagoer-Schule, Henry Simons anno 1936 klar war: Banker sind Verkäufer in Sachen “spekulative Finanzierungen”, das ist ihre Natur.

Wenn man die Dinge aus diesem Blickwinkel betrachtet, dann wird Sinns Aussage um so bedenklicher. Durch den Vergleich “Banker” mit “Juden” sagt er nämlich implizit, dass letztere ebenso “Akteure” gewesen wären, wie heute Ackermann & Co. Damit aber schwimmt er voll im Kielwasser des Herrn H., der in seinen Reden bekanntlich immer das “jüdische Finanzkapital” als den Grund allen Übels hervorhob.

Sinn meinte das zwar bestimmt nicht so, aber einer wie er, der nun oft genug in der Öffentlichkeit präsent ist und eigentlich seine Worte entsprechend wählen können sollte, darf sich solche Zweideutigkeiten nicht erlauben. Zumal er nach Herman & Co. um den hysterischen deutschen Medienzeitgeist wissen müßte.

14 racoon 27. Oktober 2008 um 15:41

es hat sich immer wieder gezeigt, dass von sich selbst eingenommene, mediengeile Leute bei Vergleichen mit den Nationalsozialismus/Holochaust/Antisemtismus intellektuell extrem auf die Schnauze gefallen sind. So gesehen ist das einzig Positive an diesem unsäglichem Vergleich, dass sich dieser Herr zurecht Kritik aussetzen muss und die von ihm betriebene Gehrinwäsche der letzten Jahre hoffentlich auch thematisiert wird.

Sinn und Amussen. Die Krise hat doch Gesichter und ist beileibe keine anonyme, unverherrsagbare Systemanomalie. Genau diese Identifikation fürchten die Nutznieser, Vasallen und Sprachrohre.

15 Ich 27. Oktober 2008 um 15:45

Aber warum waren die USA, GB, und Island die Nachfragestaubsauger, und nicht etwa Deutschland? Was haben die anders gemacht?

An vielen Stellen wurde – überzeugend wie ich finde – argumentiert, dass der Euro hauptsächlich schuld an den Exportüberschüssen ist. Die Eurozone als solche hat ja auch gar keinen Überschuss und die EU schon gar nicht. Die “Basarökonomie” war in der Tat schon immer ein wenig daneben. Außerdem verdienen Händler auf dem Basar ja nicht unbedingt schlechter als die Teppichknüpfer. Aber im schlimmsten Fall ist das ein Argument, dass Sinn irrelevant war und – wie Sie sagen – auf einem Nebenkriegsschauplatz gekämpft hat. Das Schlachtfeld um dass es nun geht hätte Sinn dann nie betreten. Teile der Arbeitsmarktreformen könnten aber dazu beigetragen haben, dass das Wachstum beschäftigungsintensiver abgelaufen ist. Das wäre ohne die Kapitalmarktkrise eine gute Sache gewesen.

Die Kapitalmarktbalse ist außerdem ja teilweise eine Folge mangelhafter Bankenregulierung. Wenn allein hohe Einkommensungleichheit für die Blase verantwortlich wäre, gemäß der Idee, dass reiche Leute viel mehr Sparen als Arme, dann hätten ja nicht ausgerechnet die angelsächsischen Länder die großen Nachfragestaubsauger sein dürfen, die eben noch erheblich mehr Einkommensungleichheit haben.

16 mhh 27. Oktober 2008 um 15:47

@ Kramer: Arthur Cashin, UBS New York, zu CBS News:
“Something very, very powerful is looming. And I suspect what happens over the next five to eight days will be something we talk about for generations.”

Würden Sie mir bitte die Quelle verraten?

17 Nanuk 27. Oktober 2008 um 15:50

“Sinn meinte das zwar bestimmt nicht so, aber einer wie er, der nun oft genug in der Öffentlichkeit präsent ist und eigentlich seine Worte entsprechend wählen können sollte, darf sich solche Zweideutigkeiten nicht erlauben. Zumal er nach Herman & Co. um den hysterischen deutschen Medienzeitgeist wissen müßte.”

Ach Wgnx hat dich der Lübberding schon angesteckt so etwas passiert doch nicht zufällig der ist ein Profi der wählt seine Worte gezielt.
Er ist kein Dampfplauderer genau so wenig wie der Öttinger einer war und ist was denn Herren Filbinger anging.

18 LeeHarveyOSWALD 27. Oktober 2008 um 15:55

Tja der gute Sinn dachte wohl mit seiner Judentirade erzeugt er soetwas wie einen pawlowschen Reflex.Not so…erstmal hat er vergessen dass es eine Rangordnung für Opfer gibt und dass es zweites sehr schwer ist Banker mit Maybach und Karabikurlaub als Opfer dazustellen.
Was schon sehr merkwürdig ist : Alle FED Chefs und die US-Investmentbanken haben so komische Namen…

Lehman, Goldman, Beranke, Greenspan…nun ja aber die Zeit ist noch nicht.

wie auch immer , irgendwann wird die Frage gestellt werden wem den eigentlich die FED und BoE gehört und wie sie zu Stande gekommen ist…

“Und der will mir jetzt etwas von seiner Kritik am Finanzmarkt erzählen?”

jetzt ist es eh zu spät… für den “Un”Sinn werden wir bitter büßen…Trichet und Benny werden die Zinsen auf Null senken und dann

Hyperinflationäre Depression läßt grüßen…

vielleicht war der Goldstandard doch ein Segen , wer weiß…steht in 50 Jahren in den Geschichtsbüchern..

Ein gutes hat die Sache, alle die immer bedauert haben zu spät geboren worden zu sein um mal eine richtige Weltwirtschaftskrise mitzumachen sitzen jetzt in der ersten Reihe…

“Andere Größen seines Fachs haben lange gewarnt.”

Na ja da fallen mir nur wenige ein…

Roubini,Faber und moderat Krugmann der Rest hat die ganze Zeit Heil geschrien

vom Rest hört man erst jetzt dass sie schon immer und überhaupt dagegen waren…

19 mhh 27. Oktober 2008 um 15:55

@weissgarnix:

Die Frage die ich mir stelle:

Was trauen wir diesem “Monster” (FAZ vom Wochenende) Dick Cheney alles zu?

http://www.faz.net/s/RubBE163169B432…~Scontent.html

Was trauen wir dieser “harten Rechten zu” (Krugman), die Klassenkampf von oben betreibt?

Es gibt mächtige transatlantische Gruppen und Lobbys in Deutschland, die sogar schon Politiker in ihr Amt gehieft haben.

Sogar Asmussen lassen sich Verbindungen zu Lone Star nachweisen, dessen Gründer ein Freund der Familie Bush ist.

Mein Schluss nach wochenlangen Recherchen in meiner Freizeit (es ist auch mein Beruf zu recherchieren) und auf die Gefahr hin, dass mich viele für einen Spinner halten:

- Die Folgen der von der FED und der US-Regierung (Fanny und Freddy) heraufbeschworenen Weltwirtschaftskrise und der noch folgende Zusammenbruch des Währungssystems, aus dem der Dollar gestärkt hervorgehen soll, sind kalkuliert und so gewollt

- Es ist nicht mehr viel Zeit bis zum finalen Crash und der Installation einer Weltwirtschaftsregierung über viele Nachwächterstaaten, “weil der Staat (die USA) ja offensichtlich alles falsch gemacht hat (so wird man es uns begründen).”

20 Bernhard aus Frankfurt 27. Oktober 2008 um 15:59

Zitat: “Und was macht Hans Werner Sinn? Er sieht ein anonymes System am Werk.

Wenn das stimmt, sind wir Deutschlands führende Nationalökonomen. Aua, das tut weh.

Mal ganz im Ernst und ohne irgendeine Spur von Ironie: Ich glaube, man sollte sich um den Lehrstuhl von Prof. Sinn bewerben!

Schönen Wochenbeginn,
Bernhard

21 Ich 27. Oktober 2008 um 16:03

@mhh,
nicht mal Noam Chomsky glaubt, dass die Bush Regierung was mit dem Marktzusammenbruch zu tun haben könnte. Die Investmentbanken futsch, die USA international geschwächt (weil viele Amis jetzt Assets aus dem Ausland repatriieren um Schulden daheim zu bezahlen), die öffentliche Meinung nach links gewandert, und das ganze auch noch kurz vor den Wahlen. Gut, die könnte man vielleicht manipulieren oder sogar absagen, aber global betrachtet hat die US Hegemonie durch diese Krise vielleicht mehr Schaden genommen als durch den Widerstand gegen den Irakkrieg. Welche Art von Begründung über die Presse verteilt werden, ist dann auch nicht mehr relevant, wenn die Leute das nicht glauben.

22 LeeHarveyOSWALD 27. Oktober 2008 um 16:06

“usammenbruch des Währungssystems, aus dem der Dollar gestärkt hervorgehen soll, sind kalkuliert und so gewollt”

diese Theorie halte ich für ausgemachten Unsinn.Sie unterstellt alle Staaten der Welt wären durch und durch die USA kontrolliert.Der Dollar wird nicht gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.Zutreffend ist dies vielleicht für die BRD aber ganz gewiss nicht für Russland,China,Venezuela,Iran,Syrien,Nordkorea,Burma, etc. pp

die werden sich wohl kaum einer von den USA dominierten Weltwirtschaftsordnung unterwerfen.Im Gegenteil giften die Parteipresseorgane ziemlich in Richtung Dollar.

23 LeeHarveyOSWALD 27. Oktober 2008 um 16:07

“nicht mal Noam Chomsky glaubt, dass die Bush Regierung was mit dem Marktzusammenbruch zu tun haben könnte”

ja vorallem , welche Vorteile sollten die USA davon haben ? Bis 2006 lief es doch wunderbar…

24 J.Kramer 27. Oktober 2008 um 16:08

@mmh,

ich habe das so gemailt bekommen aus den USA.

Die Ur-Quelle ist CBS News. Ich werde versuchen den Link herauszubekommen.

nb:
Es gab vor Jahren einen Zeitungsartikel, der sich damit beschäftigte, dass Greenspan ständig ins Weiße Haus pilgerte.
Seine Vorgänger haben das nicht gemacht.
Vermutet wurde, dass die Bush Regierung dem armen Alan Greenspan vorlas, was zu tun sei.

25 f.lübberding 27. Oktober 2008 um 16:13

weissgarnix

Was ist der Unterschied zwischen Dir und Hans-Werner Sinn? Du hast von diesem Webfehler seit langem gesprochen – Sinn nicht.

Ansonsten hast Du recht: Er könnte seine Theorie retten wollen, indem er auf finstere Mächte kommt, die es haben scheitern lassen … . Auch die Kommunisten suchten übrigens immer nach Feinden, wenn die Wirklichkeit mit der Theorie nicht übereinstimmte.

Ich

“Das wäre ohne die Kapitalmarktkrise eine gute Sache gewesen.”

Nur wäre ohne die Finanzmärkte vieles gar nicht durchsetzbar gewesen, was Sinn so forderte. Sich den Finanzmärkten unterzuordnen – das war die Basis seiner Argumentation. Nur redete er zum Beipiel immer vom Faktorausgleich bei den Löhnen etwa im Zuge der europäischen Integration. Damit hatte er übrigens Recht. Nur die Finanzmärkte setzten diesen Faktorausgleich außer Kraft – wenn es um die Angleichung der Löhne nach oben ging. Ungarn ist dafür übrigens ein gutes Beispiel. Die Wettbewerbssituation erlaubte es dem ungarischen Staat nicht, seine Steuerbasis so auszubauen wie es volkswirtschaftlich angemessen gewesen wäre. Also die zusätzliche Wertschöpfung fair zwischen Unternehmen, Arbeitnehmern und Staat zu verteilen. Ein Teil der Probleme Ungarns hat damit etwas zu tun.

Und zum Nachfragestaubsauger USA: Die USA wären schon längst zu Argentinien geowrden, wenn sie nicht die größte Volkswirtschaft der Welt wären – und der Dollar Leitwährung. Die USA genossen unbegrenzten Kredit. Deshalb brauchten sie nicht zu sparen.

26 Bernhard aus Frankfurt 27. Oktober 2008 um 16:14

@Herr Keske,

wie schön, was Sie schreiben: Er ist, vereinfacht dargestellt, deswegen als bedeutender Ökonom dargestellt worden, weil seine wirtschaftswissenschaftlichen Plattheiten wunderbar für ideologische Zwecke nutzbar waren, vor allem für Zwecke der Marktirren und ihrem sozialdarwinistischen Anhang.

Tja, eine der Ursachen ist eine fortwährende Medienkrise seit Jahren. Mehr allgemeiner Sachverstand wäre vonnöten in der Nachrichtenbranche. Aber was erleben wir statt dessen: Dauerhafte Korruption oder Erpressung in der Nachrichtenwelt; die Übergänge sind fließend. Anders kann ich mir den mangelnden journalistischen Sachverstand nicht erklären. Ein Bonmot eines ehemaligen Wirtschaftswoche-Redakteurs werde ich nie vergessen: “Journalisten sind Nutten” – und: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Und gäbe es die Medienkrise nicht, gäbe es vermutlich keine große EU-Depression, in der wir uns wahrscheinlich befinden werden. So sind das alles Lemminge {das wird den Lemmingen aber nur nachgesagt, trifft aber auf die Menschen voll zu.}…

100% Zustimmung zu: “man versucht volkswirtschaftliche Probleme betriebswirtschaftlich zu ĺösen”. Gelegentlich schreibe ich diesen Satz auch in manch kleingeistiges Forum am anderen Orte.

Gruß
Bernhard

27 bluedet 27. Oktober 2008 um 16:16

Ihr ewigen Schwarzseher und Schuldzuweiser!

Kapiert es doch endlich. Die Krise ist gemeistert! Es gibt nur noch ein paar konjunkturelle Irritationen im weltwirtschaftlichen Geflecht. Die verfliegen. Wichtig ist allein, dass ihr jetzt endlich euch mal einen Ruck gebt und euren Hals um 180 Grad wendet, so wie es Sinn euch vormacht. Es macht doch keinen Sinn, irgendjemand Schuld zu geben. Wir wissen doch, dies bringt niemanden weiter. Wir müssen vorausschauen, positiv denkend. Das Volk hat es längst erkannt. Unsere Regierung hat die Krise gemeistert. Die ist echt Klasse! Ruhig und so besonnen, einfach staatstragend, verantwortungsvoll. Und ihr? Ihr nörgelt euch hier einen ab und übt euch in Wadenbeißerei, Anpisserei, wie unbefriedigte alte Männer .

Zum Glück gibt es noch positiv denkenden Männer wie Sinn, mit blauen Augen und aufrechtem Gang, die in jeder Situation das Beste für unsere Wirtschaft/unser Finanzwesen herausholen. Die loyal sind. Das ist Pflicht eines guten deutschen Volkswirtschaftlers ( , wenn er etwas verdienen will), so wie es die Pflicht schon unter der demokratisch gewählten Regierung des Dritten Reiches war. Deutschland braucht pflichtbewusste Menschen, die der Wirtschaft treu ergeben, ihr dienen bis zum Untergang und nicht so Pisser wie euch.

Kapiert es endlich. Selbstkritik ist auf dem Weg nach oben schädlich! Schädlich für die Wettbewerbsfähigkeit und damit schädlich für das Volk! Ihr seit Volksschädlinge. So einfach ist das . Solche wie ihr sind schuld, wenn Deutschland versinken sollte, in dem Morast aus Nörgelei, Schwarzmalerei, Schuld, Gewissensmeierei. Mit eurer Schreibe hier quascht ihr Deutschland in die Rezession. Ihr quascht das Volk in die Arbeitslosigkeit. Eigentlich gehört ihr, die hier schreibt und eigentlich auch ihr, die ihr hier nur lest, in den Knast.

;-)

28 Nanuk 27. Oktober 2008 um 16:22

Ansonsten hast Du recht: Er könnte seine Theorie retten wollen, indem er auf finstere Mächte kommt, die es haben scheitern lassen … . Auch die Kommunisten suchten übrigens immer nach Feinden, wenn die Wirklichkeit mit der Theorie nicht übereinstimmte.

und ich werde immer als Religiös verunglimpf und da gibt es Wirtschafts Wissenschaftler die nach dem Teufel suchen…
An Anonyme fehler in Humanoiden Systemen hab ich als Ing noch nie geglaubt… auf sowas können nur Wirtschafts Wissenschaftler kommen.

Die glauben ja auch an unsichbare Hände die Flugzeuge ups Märkte in der Luft halten.

29 Unwissender 27. Oktober 2008 um 16:31

Schönes Bild auf der FAZ-Website heute!

Sowas, dass die attac-Aktivisten in Zeiten des “Kampfes gegen den internationalen Terror” überhaupt ihr Banner aufhängen konnten?

Naja, ich fühl mich sicher – wir werden ja bereits am Hindukusch verteideigt.

http://www.faz.net/s/RubF3F7C1F630AE4F8D8326AC2A80BDBBDE/Doc~E94F4B669F1B24847B7C3CAEA0996BA93~ATpl~Ecommon~SMed.html#702F547AEEAA4D95AA2F6D3ACADF849F

Nochwas zu Prof. Sinn.

Vielleicht haben seine Freunde in Bankerkreisen jetzt die Hosen so voll, dass sie einen so “mediengewannten Alleswisser” gebeten haben, sie in die Opferrolle zu bringen. Nur blöd, dass diese -insbesondere in Deutschland und zurecht- schon durch die Juden belegt ist.

Der gute Prof. Sinn kann einem nur leid tun!

30 Nanuk 27. Oktober 2008 um 16:34
31 mhh 27. Oktober 2008 um 16:38

Einzelheiten entnehmen sie dem perfieden Plan von Bushs und Cheneys Hintermännern und Think Tanks. In den USA hat man realisiert, dass die militärische Vorherrschaft auf Dauer nur über die endgültige Kontrolle des Währungssystems zu gewährleisten ist. Diese “harte Rechte”, von der Krugman spricht, hält sich für diese Kontrolle prädesteniert.

»Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht.«

Mayer Amschel Rothschild

weitere
Zitate

http://de.wikipedia.org/wiki/David_Rockefeller

* “For more than a century, ideological extremists at either end of the political spectrum have seized upon well-publicized incidents to attack the Rockefeller family for the inordinate influence they claim we wield over American political and economic institutions. Some even believe we are part of a secret cabal working against the best interests of the United States, characterizing my family and me as ‘internationalists’ and of conspiring with others around the world to build a more integrated global political and economic structure – one world, if you will. If that’s the charge, I stand guilty, and I am proud of it.”

* sinngemäß übersetzt: “Über ein Jahrhundert lang haben ideologische Extremisten von beiden Seiten des politischen Spektrums gut publizierte Ereignisse wahrgenommen, die Rockefeller-Familie für den übermäßigen Einfluss anzugreifen, den wir ihrer Meinung nach auf amerikanische politische und wirtschaftliche Institutionen ausüben. Manche glauben gar, wir seien Teil einer geheimen Kabale, die entgegen der besten Interessen der USA arbeitet, charakterisieren mich und meine Familie als “Internationalisten” und Verschwörer, die gemeinsam mit anderen weltweit eine integriertere globale politische und wirtschaftliche Struktur schaffen – eine Welt, wenn Sie so wollen. Wenn das die Anklage ist, dann bin ich schuldig, und ich bin stolz darauf.”

aus David Rockefellers “Memoirs” (2002)

* „Wir sind der Washington Post, der New York Times, dem Time Magazine und anderen großen Publikationen dankbar, deren Chefredakteure an unseren Treffen in der Vergangenheit teilnahmen und die Zusage der Vertraulichkeit fast 40 Jahre lang respektierten. …”
* „Es wäre für uns nie möglich gewesen, einen Plan für die Welt zu entwickeln, wenn wir während dieser Jahre im Licht der Öffentlichkeit gestanden hätten. Aber die Welt ist auf einem komplexen und vorbereiteten Weg hin zur Weltregierung. Die supranationale Souveränität einer intellektuellen Elite und der Welt-Bankiers ist sicherlich der nationalen Souveränität der letzten Jahrhunderte vorzuziehen.“

32 Frankie Bernankie 27. Oktober 2008 um 16:43

Der H.W. Sinn war lange Zeit ( ab ca. 2000 ) das eines der wirtschaftspublizistischen Sprachrohre vom kanzler-ambitionierten Stoiber. Beide haben sich zu jeder Gelegenheit gegenseitig hochgelobt und in einer wunderbaren blau-weissen Münchner Weisswurscht-Symbiose gelebt. Auch einer der Gründe warum der Sinn so lange im schrillen Mediengetöse der Jahre 2000 bis 2005 so präsent und so deutlich zu vernehmen war.
Die “Bazarökonomie” war auch für Stoibers wirtschaftspolitsiche Vorstellungen ideologisches Unterfutter.

33 EuroOptimist 27. Oktober 2008 um 16:51

Waren es bisher nicht immer die Linken, die das System für alles verantwortlich gemacht haben? Wenn ein böser Mann ein kleines Mädchen überfallen hat, war letztlich natürlich das System verantwortlich. Wenn jetzt ein Banker einem alten Mütterchen die kargen Ersparnisse mit einem Lehman-Zertifikat abgejagt hat, ist auch wieder das System verantwortlich. Ich schließe daraus, dass der Neoliberalismus inzwischen in dem infantilen Stadium angekommen ist, in dem die Linke vor vielleicht 20 Jahren abgesoffen war.

34 bluedet 27. Oktober 2008 um 16:55

>Nanuk

Danke für den Lacher zum Feierabend!

35 mhh 27. Oktober 2008 um 16:56

Was traut man den Verbrechern um Bush und Cheney zu?

Moskau verurteilt amerikanischen Angriff in Syrien

http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EE8F35CBBF8034112A6A268A733215BBF~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Wieso spricht Putin in München im Frühjahr 2007 sehr lange über eine monopolare Welt?

http://de.rian.ru/analysis/20070213/60672011.html

36 hyperinflation 27. Oktober 2008 um 17:00
37 Ich 27. Oktober 2008 um 17:08

@EuroOptimist,
Ackermann hat gesagt, er würde sich schämen, wenn seine Bank Geld vom Staat annehmen müsste – oder so was ähnliches. Der würde also persönliche Verantwortung bei sich sehen, wenn seiner Bank was passieren würde. Aber die Aussage passt der Regierung ja auch überhaupt nicht.
Der Grund ist der, dass man in der nächsten Zeit noch auf das Mitwirken der Verantwortlichen angewiesen ist – oder auch nicht. Ich glaube man könnte ein paar Banken in Deutschland problemlos pleite gehen lassen ohne dass Unternehmen oder Häuslebauer eine Kreditklemme zu fürchten hätten. Die Landesbanken haben doch Geld nach Island und Irland verliehen, weil es sich in Deutschland keiner von ihnen leihen wollte. Vielleicht hatte Steinbrück damals sogar recht, als er sagte, Deutschland braucht keine vergleichbaren Maßnahmen wie die USA. Jetzt wurde ein Paket gemacht, mit dem man die Landesbanken behandeln kann, dass die internationale Solidarität in der Rettungsaktion signalisiert, aber effektiv von keiner Privatbank genutzt werden wird. Vielleicht genau das richtige.

38 EuroOptimist 27. Oktober 2008 um 17:25

@ Ich
Schon in Ordnung, ich achte peinlich darauf, nichts über Ackermann zu sagen, solange die Deutsche Bank nicht gegen die Wand gefahren ist.
Es geht hier um Prof. Unsinn und seine Mär vom System, indem jeder nur so handelt, wie er gezwungen wird.

39 Michael 27. Oktober 2008 um 17:28

Mein Beitrag bezieht sich in keiner Weise auf Sinn, der sich für seine Äußerung auch entschuldigt hat.

Es bleibt klarzustellen, daß die sogenannten Juden von Wall Street und der Citi of London 1931 das Deutsche Reich in die Zahlungsunfähigkeit getrieben haben. Ob das nun wirklich Juden waren, sei dahingestellt, ich weiß es schlicht nicht und es ist mir egal. Es waren Banker, die so den Grundstein für Hitlers Machtergreifung gelegt haben.

Der Vergleich mit den Bankfürsten von heute ist allerdings richtig. Denn dieses Tun mit Finanzderivaten läßt nicht nur den DAX und alle Aktien ins Bodenlose rauschen, sondern es handelt sich um eine ausgemachte Weltwährungskrise, deren Auslöser die Lehman Pleite gewesen sein dürfte. Und das was ich seit geraumer Zeit mehr fürchte als jede Aktienbaisse ist allerdings, daß dieser “Krieg gegen den Terror” zum Schluß in Diktaturen endet. Darauf weist seit Jahren alles hin.

40 EuroOptimist 27. Oktober 2008 um 17:46

“Die deutsche Autoindustrie wird in vier Wochen weitgehend zum Erliegen gekommen sein.”
Umso erstaunlicher, dass die VW-Aktie heute über 600 Euro geschossen ist. An der Steuerfunktion der Finanzmärkte nährt das eigentlich noch mehr Zweifel als der verständliche Absturz anderer Aktien.

41 hyperinflation 27. Oktober 2008 um 17:50

wieviel hätte Niedersachsen heute theoretisch erlösen können durch Verkauf seiner 25?%

42 Ich 27. Oktober 2008 um 17:51

Schon klar, ich wollte ja nur deutlich machen, dass nicht alle Marktliberalen diese Einschaetzung von Sinn teilen.
Ackermann hat die Latte jetzt auch ziemlich hoch gelegt. Wenn die Deutsche Bank doch noch Staatshilfe brauchen sollte, muss er wohl in die Schweiz fluechten. Ich fand es trotzdem seltsam, dass Ackermann dafuer beschimpft wurde, dass er von persoenlicher Verantwortung ausgeht. Sinns Aussagen sind doch Wasser auf die Muehlen aller Systemkritiker. Wenn keiner was falsch macht und dann sowas dabei rauskommt, dann muesste man ja ziemlich viel aendern.

43 Rapheth 27. Oktober 2008 um 17:59

Zitat bluedet:
„Deutschland braucht pflichtbewusste Menschen, die der Wirtschaft treu ergeben, ihr dienen bis zum Untergang und nicht so Pisser wie euch.“

Beim Handwerker schätzt man Zuverlässigkeit und beim Banker seriösität. Werden Bankgeschäfte in Zukunft nach dem Pippi Langstrumpf-Prinzip geführt?

44 Michael 27. Oktober 2008 um 18:01

@EuroOptimist
dann nutze die Chance. Überleg, VW steigt, gehört zum Index. Also muß der Rest um so stärker verlieren. Falls dann also irgendwann und aus irgend einem Grund die VW verliert, sollte der “Rest” des Indexes um so stärker steigen. Die VW – Stammaktie müßte gegen eine z.B. Vorzugsaktie im Index ausgetauscht werden. Die steht bei 37 €. Das sollte aber der Deutschen Börse bekannt sein. So kann man das Ganze nur als Marktmanipulation zur Stützung von Indexderivaten auffassen.

45 EuroOptimist 27. Oktober 2008 um 18:01

@ Ich
Zustimmung. Ich halte die Tiraden gegen Ackermann auch für unverständlich und erschreckend ressentimentgeladen.

46 f.lübberding 27. Oktober 2008 um 18:12

Eurooptimist

Es gibt keine Märkte mehr – das sind nur noch Wahngebilde. Es gibt keine berechenbare Kriterien, um rationale Urteile zu fällen. Der Staat hat mit seinen Interventionen die Marktsignale zerstört. Er musste die Märkte retten und hat sie so funktionsunfähig gemacht. Sie erinnern an einen Bienenstock, wo die Bienen nur noch ziellos umherirren … .

VW ist ein Beispiel. Porsche ist zum Finanzinvestor geworden, der aber die Spielregeln bestimmen kann. Warum stoppt die Börsenaufsicht nicht diesen Irrsinn? Und gleichzeitig ist über den Autobauer Porsche nichts zu erfahren. Merkwürdig nicht? Dabei sind die wichtigsten Märkte (USA, GB) kollabiert. Mercedes macht dicht – und Porsche produziert weiter? Mercedes wird seinen SL nicht los, aber Porsche den 911? Porsche rettet sich durch die Übernahme von VW – und schlüpft unter das Dach des Staates. So mein Eindruck. Wenn die Sache über der Bühne gegangen ist, wird man die Realität sehen – bei Porsche. Denn eines ist klar: Porsche allein ist zu klein, um in dieser Krise gerettet zu werden. VW aber zu groß, um fallengelassen zu werden. Und mit der Rettung von VW, rettet sich auch Porsche. Das war wohl der Plan – und der scheint zu funktionieren.

47 bluedet 27. Oktober 2008 um 18:22

>hyperinflation

http://www.goldseiten.de/modules/mylinks/visit.php?cid=1&lid=85809

Der Beitrag ist gut. Er fasst zusammen, was derzeit an Irrsinn geschieht und noch zu erwarten ist. Er zeigt, dass nach wie vor eine akute Kollapsgefahr für die Weltwirtschaft besteht. Klar ist auch: Kommt es zur massiven Dollarabwertung, die ich für sehr wahrscheinlich halte, stürzt die deutsche Wirtschaft. Wohin? Ich hab keine Ahnung. Ich weiß nur, die Gefahr für uns alle ist riesig.

48 EuroOptimist 27. Oktober 2008 um 18:25

@ Michael
“Das sollte aber der Deutschen Börse bekannt sein.”
Guter Punkt. Mit seinen 5% Freefloat (O-Ton Porsche) hat VW im DAX ja gar nichts mehr verloren.

@ f.lübberding
Danke für diese sehr interessante Erklärung. Es interessiert mich aber immer noch brennend, wer heute diese 600 Euro für VW tatsächlich gezahlt hat. Werden wir das in den nächsten Tagen anlässlich der Pleite eines Hedgefonds oder einer Bank erfahren?

49 Nanuk 27. Oktober 2008 um 18:41

@ich
Wenn keiner was falsch macht und dann sowas dabei rauskommt, dann muesste man ja ziemlich viel aendern.

Das Problem ist das ne menge Leute ne ganze menge falsch gemacht haben.Da gibt es nix was anonym währe…
Menschliches Versagen heist das glaub ich im Juristen deutsch und das von denen die die Bedienungsanleitungen schreiben.
Das komische daran ist nur das das immer wieder passiert und hinterher war es Anonyma… Warum nur?

50 D.R. 27. Oktober 2008 um 18:47

OT: Weissgarnix hatte vor einem Monat mal über die mögliche zukünftige Rolle des IMF gepostet: http://www.weissgarnix.de/?p=510

Das klang mir damals ziemlich wahrscheinlich. Köhler hatte schon vor einem viertel Jahr etwas ganz ähnliches gesagt und inzwischen fordert fast jeder, der sich qualifiziert oder weniger qualifiziert zur Finanzkrise äußert, eine internationale Regulierungsbehörde.

Wie das ZDF berichtet, haben die Akteure unter den Politikern ähnliche Ambitionen:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/606594?inPopup=true

Offensichtlich will man mit den Devisenreserven Chinas, Indiens, Saudi-Arabiens und Brasiliens die Krise überwinden, was allerdings zu einer Veränderung der Mächtekonstellation führen wird, denn umsonst werden diese Länder keine Unterstützung leisten.

51 DerBerliner 27. Oktober 2008 um 19:04

Mangels genügender Sachkenntnis steht es mir nicht zu, sachlich-fachlich “Sinn oder Unsinn” zu kommentieren, denn allein Politiker haben das Privileg, bar jeder Sachkenntnis zu allem ihren Müll absondern zu dürfen.

In einer Beziehung scheint mir aber, als daß Sinn durchaus eine sinnvolle Analogie aufgezeigt hätte – aber wahrscheinlich ohne es selbst zu wissen oder zu bemerken.

Vodergründig die derzeitgen FinanzWeltKrise, hintergründig aber die Krise des gesanten Systems ist meiner Überzeugung nach vor allem eine >Krise der Ethiktalmudischem Geist< durchdrungen und zudem hat eine Mehrzahl der wesentlichen Finanz-Akteure den Zionistischen als Hintergrund und es sind teils exakt die selben Kreise, die bereits den einen großen Krieg 1914-45 planten und initiert haben.

Diese Aussage kann nur verstehen, wer den unzensierten Talmud kennt, wer seinen totalen Gegensatz zur Ethik eines Jesus von Nazareth erkennt und wer sich mit den Hintergründen des Zionismus näher beschäftigt hat.

Diese bizarre Mischung aus reinem Materialismus begündet durch Atheismus/Satanismus verbunden mit der extremst rassistischen und Gruppen-zentrierten Ethik des Talmud, das ist m.M.n. das Fundament dessen, was derzeit zusammenbricht.

Und das ist gut so…wobei der Übergang sicher nicht lustig wird – und sich die Akteure dahinter den Ausgang gänzlich anders vorstellen als er – allen Schauungen zufolge – wohl kommen wird!

Jedenfalls eine spannende Zeit, in die wir uns inkarniert haben….

52 Nanuk 27. Oktober 2008 um 19:13

“Mehrzahl der wesentlichen Finanz-Akteure den Zionistischen als Hintergrund und es sind teils exakt die selben Kreise, die bereits den einen großen Krieg 1914-45 planten und initiert haben.”

Noch so ein Dr phil…

53 Hermann Keske 27. Oktober 2008 um 19:30

@ Nanuk # 50

Menschliches Versagen heisst das glaub ich im Juristendeutsch und das von denen, die die Bedienungsanleitungen schreiben. . . .

Warum nur?

Ob ich’s wage?

Die, die die Bedienungsanleitung schreiben, wissen gar nicht so richtig, wie das Ding funktioniert. Wie hat Straubhaar seinerzeit formuliert? “Die Probleme der Wirtschaft beruhen vor allem auf dem mangelnden ökonomischen Sachverstand” oder so ähnlich im Hamburger Appell.

Er hat vielleicht einen gültigen Satz gesprochen.

54 Nanuk 27. Oktober 2008 um 19:45

Ja nur er gehört anscheinend auch dazu…
Wenn man Botschafter des ISM ist hat man von Wirtschaft auch nix verstanden.
Da sitz nämlich auch ein gehöriger Haufen Brandstifter.In Fachkreisen auch Mietmaul genannt.Find ich als Unternehmer super was die machen nur als Mensch hab ich keine Lust irgendwann hinter 10m Stacheldraht wohnen zu müssen.Weil mir die Armen immer die Festerscheiben einschlagen oder meine Reifen kaput stechen.

55 suchfix 27. Oktober 2008 um 19:59

Something very, very powerful…

@ kramer/mhh Beitrag 9 und 17

Hier der Original CBS-Artikel:

http://www.cbsnews.com/stories/2008/10/24/business/main4542591.shtml

56 f.lübberding 27. Oktober 2008 um 20:15

Eurooptimist

DT hat im Gelben Forum gerade darauf hingewiesen, dass die Porsche Aktie sinkt – obwohl Porsche ja nach allen Interpretationen enorm viel Geld mit seiner Marktbearbeitung machen muss. Das ist merkwürdig.

Zudem ist dieser shortie Pleite nun das zweite oder dritte Mal passiert. Das werde ja nicht immer die kleinen Zocker sein, die fundamental richtig liegen – und von Porsche an der Nase herum geführt werden. Und wer von den großen Investoren fasst diese Aktie eigentlich noch mit spitzen Fingern an? Da kann man gleich Russisches Roulette spielen.

Außerdem habe ich mir gerade die Neuzulassungszahlen von Porsche beim Kraftfahrzeugbundesamt angesehen. Von den deutschen Herstellern hat Porsche im Vorjahresvergleich die höchsten Einbrüche – wenn auch diese Zahlen nicht unbedingt Aussagekräftig sind. Aber sie geben wohl eine Tendenz an.

Hier ist was faul? Nur was?

57 ge 27. Oktober 2008 um 20:23

Meiner Meinung nach herrscht hier eine gewisse Naivität vor was diesen Herrn Sinn angeht. Der Mann ist ein Mietmaul, ein Ideologe, der jahrelang gut Geld damit verdient hat, dass er sich als unabhängiger Experte stilisieren und verkaufen konnte. Als solcher hat er die notorischen Interessen bedient (ein Neoliberalala, a la INSM, Bertelsmann usw.) und war permanent in den Medien. Den überhaupt als Wissenschaftler zu diskutieren ist doch absurd. Dazu würde doch eine gewisse Unabhängigkeit des Urteils zählen, die der offenbar nie hatte.

Seine Zeit ist soeben vorbei. Seine Identität zerstört, seine Botschaft zerfiel im Nu, Niemand weiß was kommt – aber zu ihm kommt nichts. Da bleibt noch ein Verzweiflungsschrei im Toben der Aufmerksamkeitsökonomie; er war im Mittelpunkt, die Entschuldigung ist wohlfeil, genauso ,,seriös” wie seine inkriminierte ,,Aussage”. Nach wie vor finde den Beitrag von Tom Schimmeck (,,Arschlochalarm”, taz, 1 Tag vor der letzten Bundestagswahl) den Artikel schlechthin um sich eine Meinung zu solchen Figuren zu bilden. Damit ist dann aber auch Alles gesagt.

Gruß,

gelegentlich

58 J.Kramer 27. Oktober 2008 um 20:26

wg Porsche

Angeblich hat vor einiger Zeit Porsche bei diversen Banken die Termin-Lieferung von VW Aktien zu einem bestimmten Preis veranlasst.
Die Banken haben wohl zu spät angefangen, diese VW Aktien tatsächlich am Markt aufzukaufen.
Möglicherweise kennt jemand den Deal und lässt die Banken jetzt bluten.

Porsche selbst können die Turbolenzen egal sein.

59 Karl 27. Oktober 2008 um 20:29

Ich habe ja gerade das Sinn-Interview im Tagesspiegel gelesen und stelle fest: Der Mann weiß ja vieles. Nur nicht immer zur richtigen Zeit. Immerhin gibt er da auch den folgenden Satz von sich:

Welche Branche wird am stärksten leiden?

HWS: Das verarbeitende Gewerbe. Es produziert Investitionsgüter, und die Weltkonjunktur wird von der Nachfrage nach ihnen gemacht. Deutschland hat sich auf die Herstellung der Investitionsgüter spezialisiert. Deswegen sind wir auch Exportweltmeister bei den Waren. Jetzt rächt sich, dass wir den Binnensektor durch unsere Lohnpolitik kaputt gemacht haben.

Erinnern wir uns, das ist der Mann der sagte, die Löhne seien zu hoch und Konsum überhaupt schädlich. Beeindruckend.

60 gelegentlich 27. Oktober 2008 um 20:42

@Karl
,Ich habe ja gerade das Sinn-Interview im Tagesspiegel gelesen und stelle fest: Der Mann weiß ja vieles. Nur nicht immer zur richtigen Zeit.”

Was bedeutet das? Dass dieses ,,Wissen” keines ist. Es bedeutet dass er Buchdeckeltextbausteine der Saison nachplappern kann.

,,Erinnern wir uns, das ist der Mann der sagte, die Löhne seien zu hoch und Konsum überhaupt schädlich. Beeindruckend.”

Nein. Beeindruckend wäre zu sagen: ich habe mich den größten Teil meines erwachsenen Lebens geirrt, war in einem pseudoreligiösen Wahngebäude eingesperrt. Leider hat man auf Leute wie mich gehört… ich bitte um Vergebung, in aller Demut!

Sagt er so etwas? Ich selber bin nicht religiös. Mir geht es um die Frage wann und warum man Jemanden (noch) ernst nehmen kann.

Gruß,

gelegentlich

61 Frankie Bernankie 27. Oktober 2008 um 20:45

@J. Kramer

“Porsche selbst können die Turbolenzen egal sein.”

“Turbolenzen bei Porsche” – ich lach mich scheckig.
Das ist ganz, ganz feine Wortsatire!

62 Karl 27. Oktober 2008 um 21:00

@gelegentlich

Verdammt. Das sollte Ironie sein, hat aber wohl nicht geklappt :-)

63 gelegentlich 27. Oktober 2008 um 21:11

@Karl

Doch, hat schon geklappt. Aber ich wollte auf Nummer sicher gehen. Schließlich lesen ja Viele mit… ;-)

Persönlich würde ich mich am liebsten als deftiges Landei zu Sinn äußern wollen. Das aber wäre dem Niveau auf dieser Seite abträglich.

Gruß,

gelegentlich

64 staph.aureus 27. Oktober 2008 um 21:32

@Kramer, mmh, suchfix
Nr. 9, 17,56

24.10.2008 Arthur Cashin “something very,very powerful is looming”
http://www.cbsnews.com/stories/2008/10/24/business/main4542591.shtml

und einen Tag zuvor (“Posted: 12:09 AM Oct 23, 2008″)
“There’s a sense here that in the next couple of days something dramatic may happen in the market,” said Art Cashin of UBS Financial Services. “Whether that’s a full retest of the lows that is successful or not, but something seems to be building here. At least you can feel the emotion.” Retailers also have the jitters.

http://www.wndu.com/nationworldnews/headlines/32700189.html

Sehr geehrter Herr Cashin,
damit dürften Sie recht haben. Etwas dramatisches kann passieren, und wir können die Emotionen fühlen. Und einige Leute haben den Tatterich, um die Übersetzung von Langenscheidts Taschenwörterbuch zu bemühen.
Nicht auszuschliessen, daß es auch den Hr. Sinn erwischt hatte, am Wochenende.

65 ~ Halbgott ~ 27. Oktober 2008 um 21:52

Professor S. … ist ein Fall für die Gummizelle.

Das ist seit dem Wochenende zweifelsfrei bewiesen.

= >… mein Beileid geht an die (Pseudo-)Linken und die fachfremden, irrationalen, da (partei-)ideologischen Kapitalismuskritiker.

= > … denn sie haben mit S. eines ihrer besten “Argumente” verloren. An S. Einlassungen konnte man selbst als Fachfremder und/oder Demand-Side-Dude-Ideologe relativ leicht valide Widersprüche aufzeigen.

= > … Widersprüche … worin ? bezüglich was ? … bezüglich des des “Neoliberalismus” ? … “Marktliberalismus” ? … “Liberalala” ? … gar Widersprüche in der “Angebotsorientierten Wirtschaftspolitik” ?

= > … NJET, Genossen !!! :-) ))

= > … Zwangsjackenanwärter S. … hat NIE (!!!) wirklich die “Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik” vertreten !!! … wer das glaubt … hat NIE ein Buch über Wirtschaft gelesen.

Retroliberale Grüsse,
~ Halbgott ~

PS:

… Ich hab mich mit dem übrigens nie näher beschäftig. Vor ein paar Monaten forderte er allerdings, die Riester-Rente zur Zwangsversicherung zu machen :-)

… spätestens da hätte auch dem verstrahltesten Kritiker des Liberalismus ein Licht aufgehen müssen. Da hätte jeder erkennen müssen, dass S. mit Liberalismus (in welcher Form auch immer), ganz gewiss nichts zu tun hat …

66 bluedet 27. Oktober 2008 um 22:05

Liebe Freunde dieses Blogs, es muss jetzt mal deutlich gesagt werden: Die SPD ist so bescheuert, dass ich wohl austreten werde!

Die sind zwar bereit zig wenn nicht gar hunderte Milliarden der Bankenwelt in den Hintern zu schieben und das durchaus mit guten Gründen. Wenn es aber um die Stärkung der Kaufkraft geht, kneifen sie die Arschbacken und Lippen zusammen, schieben die Mundwinkel nach unten und drehen sich weg, mit dem Worten: Grumml, Grumml, Brabbl, Haushaltsdisziplin.

Ich weiß nicht genau, ob die roten Sparschweine hier volkswirtschaftlich den richtigen Standpunkt vertreten. Natürlich braucht das Volk Steuerentlastungen. Natürlich hätte es auch schon längst der unpopulären Ausgabendisziplin vor der Finanzkrise bedurft, statt Umsatzsteuererhöhung. Aber klar, man nimmt halt leichter von uns Armen, als das man es beim Staat einspart. Und nun? Spiegelverkehrte Welt? Ist es Zeit, die Kaufkrauft und -laune des Bürgers, auch Binnennachfrage genannte, zu stärken? Ihm Steuern zu erlassen?

Jo! Ist schon längst überfällig. Gönnt doch den Bürgern in dieser Krise etwas Freude. Sie brauchen Entlastung.

Die CSU ist schlauer als die Genossen. Sie hat das Volksbedürfnis erkannt. Die hat schon kurz nach dem BayernLB-Debakel geschickt von ihrem Misthaufen mit dem Lockruf der Wiedereinführung der Pendlerpauschale geworben. Die CDU hat geblockt. Doch nun ist auch sie schlauer geworden, falls sie`s nicht schon immer war, als die SPD. Sie erkennt: Wir brauchen wirklich echte Steuererleichterungen!!!!!! Sie erkennt im Gegensatz zur SPD weiter: Das Volk hat ein Beklemmunsgefühl. Es weiß nicht genau wo es herkommt, also, braucht´s eine psychologische Erleichterung, die sie so auschaut als wär sie eine Steuererleichterung, die aber eigentlich eine Steuerbelastung ist, was aber keiner – außer mir – merkt. Toll!

Ok. Ihr merk es auch bald.

Wie so ein vermeintlicher Blödsinn funktioniert? Ja ihr Menschen hier, ich hab gedacht ihr habt studiert! Na ja, geb ich euch halt einen steuerpolitischen Unterricht an dieser Stelle:

Der Mechanismus ist folgender: Man schenkt dem Volk eine echte Steuererleichterung. Zum Beispiel könnten dies 2,4 Milliarden sein – über die Wiedereinführung der Pendlerpauschale, oder so was ähnliches. Dann holt mach sich den Herrn Professor Unsinn, äh, also den antisemitischen Systemfehler, und der findet es dann ganz, ganz, ganz entscheidend wichtig, weitere Steuerentlastungen den Bürgern zukommen zu lassen. Er ist nämlich ein ganz Schlauer. Allerdings, Steuererleichterungen nur für bestimmte Bürger, genauer für unsere Leistungsträger, Hosenträger, Abgeordnete und vielleicht noch die Mafia, also die Finanzwirtschaft bzw. Dax-Konzerne. Die bekommen dann so ca. 300 Milliarden geschenkt bzw. Steuerlast weniger und noch weniger Kontrollen vom Finanzamt. Ausnahmen von der großen Unkontrollierheit der Großunternehmen gibt es selbstverständlich dann, wenn Amerika hier drauf besteht – wegen der Schmiergelder bei Siemens und so, die den faire trade Amerikas schaden, was unsere Finanzämter nicht tolerieren, äh, ignorieren können. Ansonsten heißt es ja für einen guten Finanzbeamten, vorrangig Kleinbetriebe zu prüfen, weil dann der volkswirtschaftliche Schaden in Form von unnötigen Steuerlasten klein gehalten werden kann.

Ihr habt jetzt die vorstehende Schreibe sicherlich genau verfolgt und euch nicht ablenken lassen. Politiker könnens noch geschickter. Habt ihrs gemerkt? Ich habe habe gerade die Steuern erhöht, fürs Volk. Wie? Naja, 300 Milliarden für unsere Leistungsträger, Hosenträger … . 2,4 Milliarden für das Volk. Bleibt ein Einnahmeloch, von 302,4 Milliarden. Das ist die Steuererhöhung. Selbstverständlich bleiben die Ausgaben des Bundes ja gleich oder steigen, wie die letzten 40 Jahre.

Dieses Geld Loch muss nun irgendwie bezahlt werden. Zum Beispiel durch Schulden, die wir irgendwann zurückzahlen, durch die Inflation, die kalte Progression, durch versteckte Kostenbelastungen, die vom Unternehmer auf den Verbraucher abgewälzt werden können, durch kalte Kürzung der ARGE, der Sozialhilfe, der Entwicklungshilfe, und so weiter. Dem Erfindungsreichtum sind hier keine Grenzen gesetzt. Es nennt sich nicht alles Steuererhöhung, kommt aber im Gesamteffekt zum gleichen Ergebnis: Sinkendes Realeinkommen, Kaufkraftverlust.

Und die Unternehmensgewinne? Ein Teil davon landet bei der CDU, ein kleinerer Teil bei der bescheuerten SPD. Ein gößerer Teil bei Prof. Unsinn und ähnlichen Gestalten und der KPMG. Der größte Teil aber in off-shore-Staaten und ein bißchen auch im Puff.

Und jetzt kommt das Schönste: Die Bürger wählen die CDU und die FDP, den schließlich haben die sich ja für Steuererleichterungen, für den Bürger eingesetzt. Und die Sozis? Die kneifen wieder mit zusammengepressten Lippen und hängenden Mundwinkeln die Arschbacken zusammen und meinen: Grummel, brabbel, sappell.

67 whamburg 27. Oktober 2008 um 22:13

@bluedet: “Die SPD ist so bescheuert, dass ich wohl austreten werde!”
Ehh, Du bist ein richtiger Blitzmerker!!!1!elf!11! Wer da jetzt noch drin ist, hat sich irgendwann(*) zu tief gebückt oder ist gekauft/bestochen!

(*) Hirnausgabe

68 ~ Halbgott ~ 27. Oktober 2008 um 22:29

Im übrigen ist … IMMER NOCH … die Frage offen, wie man angesichts der Tatsache, dass in Deutschland die weltweit höchsten Stundenlöhne bezahlt werden und auch weltweit die höchsten Lohnstückkosten anfallen (unter den ökonomisch relevanten Volkswirtschaften), auf die schwachsinnige Idee kommen kann, von … “LOHNDUMPING” … (sic !!!) … zu reden/schreiben und “kräftige Lohnerhöhungen” zu fordern und das noch dazu … “um die (Binnen-)Wirtschaft (vermeintlich) “anzukurbeln” …

( http://blog.zeit.de/herdentrieb/2005/11/23/abwertungswettlauf-via-lohnstuckkosten_22 )

Retroliberale Grüsse … und verzweifeltes Hoffen auf Antworten,

Euer
~ Halbgott ~

PS:

… etwas anderes ist freilich die von den asozialen Schröder-Sozis verbrochene Spaltung der Werktätigen in Tarif-Arbeiter mit den genannten Welt-Spitzenlöhnen … und (arbeits-)rechtelose Wanderarbeiter (“Zeitarbeit”), die mit ihren Löhnen auf international konkurrenzfähigen Niveau die Tarif-Arbeiter (und natürlich das leider zu oft unfähige Mangement) quersubventionieren müssen.

… ich bin zwar vernünftigerweise für niedrigere Löhne … aber in jedem Fall gerechte, “gleiche” Löhne.

… naja, es ist natürlich keine “politische” Frage, das Lohnniveau. Das entscheidet letztlich immer der Markt (selbst wenn die pathologischen Leviathanisten jetzt den Staatsmonopol-Kapitalismus ausrufen, nachdem sie schon bei der tausendfach einfachereren Rolle als “Watchdog” der Privatwirtschaft völlig versagt haben … ). Nach dem Finanz-Desaster gilt das aber erst recht.

… Ich habe ja den Kapitalismus schon immer als “System des Sozialen Ausgleichs” identifiziert und in diesem Zusammenhang ca. 2020 einen grossen Einbruch der Realeinkommen hierzulande prognostiziert – als eine von den Märkten erzwungene Angleichung an ein Weltniveau. Der kommt jetzt natürlich deutlich früher …

= > … Meine Vermutung ist, das die (durchschnittlich) verfügbaren Realeinkommen pro Kopf … in fünf Jahren bei ca. 60% vom heutigen Niveau liegen … (better get used to it !)

69 Nanuk 27. Oktober 2008 um 22:30

@bluedet

Man kann garnicht so Sarkastisch sein wie man in Zynissmuss erträngt wird…
Steinbrück wird jetzt gleich Beckmann Heilig gesprochen falltet schonmal die Hände der Held des Kapitals erscheeint.
Wie heist die Sendung von Chavez noch mal “Aló Presidente” oder so ähnlich…
Klingt im Deutschen doch irgendwie spröde “Hallo Finanzminister” oder…
Aber Beckmann der Altmeister der schwierigen Fragen marke “was kocht ihre Frau am Wochenende” wir ihm schon richtig einheizen.

70 H. K. Hammersen 27. Oktober 2008 um 22:36

@f.lübberding zu Porsche

Natürlich muß Porsche weitermachen. Wenn sie jetzt ihr Ziel der 75 % – Beherrschung abbrechen, würde die VW-Aktie implodieren. Und Porsche als größter Aktionär würde untergehen. Außerdem wäre Porsche ohne VW in Zukunft gar nicht mehr in der Lage, für ihre Kleinserien die Entwicklungskosten auf zu bringen.

71 spiritformoney 27. Oktober 2008 um 23:12

@70 hg
du warst schon besser!
manchmal erweckst du den eindruck als würde es dir nur darum gehen dein geschrei los zu werden. du vernebelst deine eigenen aussagen.
ja es gibt in deutschland hochlohnbereiche z.b. metallindusrie – die machen (machten) allerdings auch die besten exportüberschüsse? und sind somit konkurrenzfähig (gewesen).
und die bereiche des niedriglohnsektors (dienstleistungen)? schlechter als anderswo bzw. kaufkraft je nach wohnort teils katastrophal.
es hat auch immer geheißen die hohen gehälter und boni für die finanzarbeiter seien notwendig um die besten zu bekommen. die besten für wen? und wer hat die einkommen bestimmt? und waren die leistungsorientiert? wer wie du nach niedrigeren löhnen ruft muss sich fragen lassen ob auch er weniger verdient als er bekommt.
für arbeiten die NICHT der internationalen komkurrenz ausgesetzt sind (frisör, verkäuferin, soziale bereiche…) sind die gezahlten löhne VIEL zu niedrig.

also differenzieren

gruss

72 juergen 27. Oktober 2008 um 23:15

@viertel(dreiviertel?)gott

“… naja, es ist natürlich keine “politische” Frage, das Lohnniveau. Das entscheidet letztlich immer der Markt”

ist denn der Arbeitsmark ein freier Markt, in dem Sinne, dass ein Arbeitsvertrag auf freiwilliger Basis zustande kommen kann? Wie hat sich denn Ricardo den Arbeitsmarkt so vorgestellt?

Einfacher gefragt: Hat der (gering qualifizierte) Arbeitnehmer in Deutschland auch die Möglichkeit NEIN zu sagen? Und was erwartet ihn dann, wenn er sich diese Freiheit nimmt? Auf einem wirklich freien Markt blieben ihm die Optionen – frei nach Ricardo – Verhungern oder Auswandern. Im heutigen Deutschland muss er in Kauf nehmen, dass das Arbeitsamt entscheidet, welche Bewerbungen er zu schreiben hat, welche Fortbildungsmaßnahmen er anzunehmen hat, wie er für sein Alter vorsorgt (Aktien oder Bausparvertrag geht ja nicht, das muss er auflösen, bleibt fast nur noch das Versicherungswirtschaftsförderungsinstrument Riester-Rente).

73 juergen 27. Oktober 2008 um 23:18

@ halbgott

im Übrigen haben auch Liberale wie Walter Eucken (auch irgendwie retro) registriert, dass der Arbeitsmarkt kein Markt wie jeder andere ist, und dass Mindestlöhne sogar (man höre und staune) notwendig sein können.

74 edicius 27. Oktober 2008 um 23:20

@halbgott
… ich bin zwar vernünftigerweise für niedrigere Löhne … aber in jedem Fall gerechte, “gleiche” Löhne.
Dann bist du sicher auch vernünftigerweise für niedrigere, aber gerechtere Gewinne, oder? Die steigern via Preiswirkung ja auch den Fetisch Wettbewerbsfähgikeit. Und wozu “niedriger” in einer wachstumsabhängigen Wirtschaftslogik führt hast du ja auch längst begriffen, oder?
Ansonsten kannst du mit HWS eine Gummizellen-WG aufmachen und ihm dort was von “Kapitalismus als System des sozialen Ausgleichs” vorfabulieren. Er wird begeistert sein…

Ansonsten glaube ich, dass der einzige Wettbewerb der heutzutage noch stattfindet, der zwischen Arbeit und Kapital ist. Und da das Kapital die Bedingungen diktiert, steht der Gewinner fest – bis, das muss dann sein und passiert auch alle paar Jahrzehnte, sich die Spielregeln fundamental ändern.

75 edicius 28. Oktober 2008 um 00:14

@fl
Das finde ich ein wenig problematisch, und etwas nach “später Rache”, wenn nicht Nachtreten riechend, was Sie hier schreiben:
Seine Gleichsetzung der Verfolgung von Managern und Juden ist in Wirklichkeit ein verkappter Pogromaufruf: Sucht nach den wirklichen Schuldigen!

Das ist logisch eklatant widersprüchlich: Entweder bestreitet er persönliche Verantwortbarkeiten oder er ruft nach der Suche nach den Schuldigen auf. Meines Erachtens tut er ersteres, das kann man eine déformation profesionelle nennen: für den VWLer gibt es immer nur “das System” – das hat er mit dem Marxisten gemeinsam, dem sozusagen auf links gedrehten VWLer.

Seine Gleichsetzung von Managern und Juden dokumentiert die Charakterlosigkeit dieses Typus von Ökonomen.
Er hat sie nicht als Täter, sondern als Opfer gleichgesetzt. Das ist ein gewichtiger Unterschied. Dass er damit Gelegenheit gegeben hat, die wohlfeile Antisemitismus-Keule gegen ihn zu schwingen, das mag man dumm nennen, “charakterlos” ist es jedoch nicht. Es gibt schon Postings hier, die sich über die Namen “Greenspan” und “Bernanke” und “Paulson” einschlägige Gedanken machen. HIER wäre der Vorwurf angebracht. Es ist zum Verzweifeln, dass alle sofort irre werden und den größten Blödsinn von sich geben, sobald einer was von “Juden” sagt. Und ich bin – Sie wissen das aus dem Herdentrieb – alles andere als ein Freund von HWS, ich habe ihn immer für einen antiquiert-argumentierenden Schwadroneur und Lobbyisten gehalten, der seine Prominenz ausschliesslich seinem Opportunismus und seinem schick-antiquierten “DeutscherProfessorLook” verdankt. Dieses Image-Prinzip teilt er mit einem ebenfalls fernseh-beliebten potsdamer Historiker mit schlohweissem Haarschopf und markant-germanischer Visage, dessen Name mir glücklicherweise entfallen ist..

Zur Klugheit gehört nämlich der Zweifel.
Diese schöne Sentenz ist das beste und wertvollste an dem Beitrag…

76 edicius 28. Oktober 2008 um 00:52

“Ihr Kommentar wird geprüft”
Nanu? Ganz neue message! Noch nie gesehen. Wird sich doch wohl nicht um einen “Juden-Filter” handeln?
Mal sehen:

77 J.Kramer 28. Oktober 2008 um 00:54

Kleiner Scherz am Rande:

Due to recent budget cuts and the cost of electricity, gas and oil,
as well as current market conditions and the continued decline of the U.S. economy,
The Light at the End of the Tunnel has been turned off.

We apologize for the inconvenience.

78 mhh 28. Oktober 2008 um 02:12

Der Steinbrück war heute bei Beckmann.

Asmussen kam nicht vor, was ich schade finde, denn der hat in diesem “Expertenrat” ganz sicher nichts verloren, es sei denn er will sein Wissen um diesen “Missbrauch unseres Kapitalismus” (Sarkozy) plötzlich für entgegengesetzte Ziele einbringen.

Aber was mich beruhigt hat: Es kam rüber, dass Steinbrück die US-Regierungscrew samt Schatten dahinter nicht so cool findet. Ganz offen darf man vielleicht in diesen Zeiten vermutlich nicht darüber sprechen. Die US-Gesellschaft ist sowieso seit den Anschlägen und künstlich in einer Angststarre gehalten worden.

79 SD6 28. Oktober 2008 um 02:38

Das ‘heute journal’ sprach im Bezug auf Sinn vom “Präsidenten des angesehenen ifo-Instituts”.
Die Krakenarme von Bertelsmann reichen ziemlich weit…

80 mhh 28. Oktober 2008 um 03:10

Auch die Bertelsmänner drehen ihr Fähnchen im Wind:

http://www.zeit.de/online/2008/43/begraben-die-kapitalisten-den-kapitalismus?page=1

81 Martin 28. Oktober 2008 um 05:53

@f.lübbering

Ihr Beitrag ist nicht minder voriges Jahrhundert oder Jahrtausend, wie der Beitrag Sinns.Wobei ich Sinn zugestehe, dass er die Kernpunkte zumindest richtig identifiziert hat:
1. Wir haben ein von den Teilnehmern unbeherrschtes System,
2. Anstatt unser Verständnis der Systemeigenschaften zu verbessern, prügeln wir auf die vermeintlich Schuldigen ein, und machen die gleichen Fehler beim nächsten Mal wieder.

Ich bin Elektroingenieur, und zu meiner Ausbildung gehörten Systemtheorie und Regelungstechnik. Das schöne an dieser Ausbildung ist, dass uns für das Beherrschen von komplexen Systemen beschreibende Modelle und mathematische Hilfsmittel vermittelt wurden. Der Vorteil der technischen Systeme ist der, dass man bei unkontrolliertem Output in der Regel eine Systemanalyse ausführt und nicht einen Schuldigen sucht. Hat man ein komplexes System nicht komplett modellhaft erfasst, kann man sein Verhalten nicht vorhersagen.

Es ist ganz offensichtlich, dass die Akteure im Finanzsystem bis zu Bankern und Notenbankern zwar eine durchaus umfangreiche Sicht haben, aber eben keine komplette. Zudem sind inzwischen die Systemparameter selbst höchst dynamisch. Sie können das Systemverhalten nicht vorhersagen, und der Vorwurf, der bleibt, ist der, dass sie ihr Unvermögen nicht wahrhaben wollen.

Es ist voriges Jahrtausend, in dieser Situation auf die exponierten Akteure einzuprügeln, dito. auf Herrn Sinn. Hätte man ein weniger emotionales Problem, dann würde man sich hinsetzen und Lösungen suchen. Meine Kritik an Sinn ist deshalb nur, dass er ein eigentlich technisches Problem durch den Judenvergleich unnötig emotionalisiert hat. Wenn er damit einen Weckruf loswerden wollte, nicht immer wieder die gleichen Fehler zu machen, dann ist dieser Weckruf in die Hose gegangen. Teilweise ist dies aber auch in die Hose gegangen, weil wir uns inzwischen darin gefallen, anderen immer wieder die Hose herunterzureissen zu wollen.

82 EuroOptimist 28. Oktober 2008 um 07:50
83 weissgarnix 28. Oktober 2008 um 08:57

@Martin

>Meine Kritik an Sinn ist deshalb nur, dass er ein eigentlich technisches Problem durch den Judenvergleich unnötig emotionalisiert hat. Wenn er damit einen Weckruf loswerden wollte, nicht immer wieder die gleichen Fehler zu machen, dann ist dieser Weckruf in die Hose gegangen.

Das ist sicherlich zutreffend. Hätte er sich diesen dämlichen Vergleich verkniffen, dann hätte man wenigstens einen wichtigen Mainstreamer öffentlich mit dem Begriff “Systemfehler” gehört und vielleicht sowas wie eine Debatte erreicht. Aber so …

Was mich zu dem Gedanken verleitet, ob Sinn nicht wirklich ganz bewußt den Judenvergleich und den Systemfehler in einen Satz verpackte, um damit jegliche Systemdiskussion von vornherein zu killen. Wer jetzt noch über die “grundsätzlichen Fehler” des Kapitalismus was sagen oder schreiben will, läuft Gefahr, mit Sinns Sündenbock-Argument assoziiert und damit wenn überhaupt dann nur schief angesehen zu werden.

Aber das ist wahrscheinlich nur ein leichter Anflug von VT …

84 EuroOptimist 28. Oktober 2008 um 09:14

@ Martin
“Es ist voriges Jahrtausend, in dieser Situation auf die exponierten Akteure einzuprügeln, dito. auf Herrn Sinn.”
Wieso ist denn der Sinn ein exponierter “Akteur”? Er handelt doch in keiner Weise, ist vielmehr als Guru oder Priester viel besser beschrieben. Daran schließt sich die nächste Frage gleich an: Warum nimmt dieser Priester die zunehmende Manager-Kritik, die oft noch ein befreites Gelächter ist, so persönlich und emotional, dass er mit dem Juden-Hammer daherkommt?
Die einzig plausible Antwort ist doch, dass Sinn selbst von dem offensichtlichen Zusammenbruch der Weltfinanzarchitektur zutiefst erschüttert ist und SEINE Welt und seine Deutungshoheit in Trümmern sieht.

85 Nanuk 28. Oktober 2008 um 09:16

@Martin
Es ist voriges Jahrtausend, in dieser Situation auf die exponierten Akteure einzuprügeln, dito. auf Herrn Sinn.

Wenn du Ing bist und jemand kommt zu dir und sagt wir haben einen Anonymen fehler…

Dann antworte ich das seh ich du Held der Arbeit.

Er hat nichts gesagt garnichts und das auch noch mit antisemitischen Inhalten versehen. Demagogie so einfach ist das.Wenn so etwas die landläufige Meinung innerhalb der Manager Kaste ist was anzunehmen ist.Prost Deutschland dann wundert mich nix mehr.

Demagogie

„Demagogie betreibt, wer bei günstiger Gelegenheit öffentlich für ein politisches Ziel wirbt, indem er der Masse schmeichelt, an ihre Gefühle, Instinkte und Vorurteile appelliert, ferner sich der Hetze und Lüge schuldig macht, Wahres übertrieben oder grob vereinfacht darstellt, die Sache, die er durchsetzen will, für die Sache aller Gutgesinnten ausgibt, und die Art und Weise, wie er sie durchsetzt oder durchzusetzen vorschlägt, als die einzig mögliche hinstellt.“

86 Volkswirt 28. Oktober 2008 um 09:49

> Karl
Zitat Sinn: “Jetzt rächt sich, dass wir den Binnensektor durch unsere Lohnpolitik kaputt gemacht haben.”
Sorry, aber der Mann hat nix dazugelernt. Er meint nämlich – im Einklang mit seiner Basarthese- durch zu hohe Löhne.
Gruss,
Volkswirt

87 Karl 28. Oktober 2008 um 09:57

@ Volkswirt

Ich bin ja bestimmt zu blöd und auch bestimmt kein Volkswirt, aber wo soll bei sinkendem Realeinkommen der Bevölkerungsmehrheit denn eine Binnenkonjunktor herkommen? Gibt es irgendwo verständliche Erklärungen, wie das was für mich nach höherer Magie klingt funktionieren soll?

88 f.lübberding 28. Oktober 2008 um 09:59

Edicius, Martin

Mir geht es nicht um persönliche Schuld, aber wie der Bischöfin um Verantwortung. Das ist ein Unterschied. Ich habe neulich über Ackermann gesagt, dass ich nicht auf ihn einprügeln werde, wenn er ehrlich über die Lage seiner Bank Auskunft gibt. Das gilt in ähnlicher Weise für Hans Werner Sinn. Nur was passiert? Nichts davon: Sinn interessiert sich ja noch nicht einmal als Wissenschaftler für die Implosion des Finanzsystems, sondern will alles schon immer gewusst haben. Natürlich ist die Suche nach Verantwortung sinnlos, wenn das an die Stelle der Lösung des Problems tritt. Nur wenn die Lösungen davon geprägt sind, die Verantwortung zu vertuschen – und im Kern nichts zu ändern – dann muss das thematisiert werden.

Die Geschichte mit dem verkappten Pogromaufruf. Das geht in die Richtung von Weissgarnix. Wer anonyme Systemlogik quasi zur Natur erklärt, wird Politisches ernten: Dann werden die Menschen selber nach Schuldigen und Verantwortlichen suchen. An die Stelle der Aufklärung tritt das Ressentiment. Ich habe die Gleichsetzung von Managern und Juden (natürlich als Opfer) ja auch nur für die Konsequenz seiner Argumentation gehalten – nicht für das Kernproblem. Weissgarnix hat recht: Es geht nicht darum, ob sich Sinn beim Zentralrat der Juden entschuldigt. Oder er jüdische Freunde hat. Ich bin zum Beispiel mit Brillenträgern befreundet. Das scheint mir auch nicht so wichtig zu sein. Es geht um die Krisenanalyse – und Sinn hat in der Hinsicht schon fünfzehn Chancen verpasst … .

Martin

Noch eins:

“Hätte man ein weniger emotionales Problem, dann würde man sich hinsetzen und Lösungen suchen.”

Alle Akteure haben unvermeidbar emotionale Probleme: Manchmal das Ergebnis eines schlechten Gewissens, bisweilen schlichte Verdrängung – und bei allen die Angst über die unabsehbaren Konsequenzen. Darauf wird höchst unterschiedlich reagiert. Aus dem Grund habe ich ja auch die Politik durchaus verteidigt – und viel Prügel dafür bekommen. Es geht eben nicht um ein technisches Problem – ansonsten sind ja auch die Märkte nur noch emotional. Gerade geht es um 10 % rauf – nachher wieder um 15 % runter … . Total rational das Ganze … .

89 Martin 28. Oktober 2008 um 10:04

@ wgn

“Was mich zu dem Gedanken verleitet, ob Sinn nicht wirklich ganz bewußt den Judenvergleich und den Systemfehler in einen Satz verpackte, um damit jegliche Systemdiskussion von vornherein zu killen. ”

Das scheint mir ein wenig zu weit ‘um’s Eck’ gedacht. Da hätte Sinn nicht nur vorhersehen müssen, wie der Tagesspiegel sein Interview zusammenstreicht und titelt, um auch jeden Leser mit der Nase auf den erwähnten Vergleich zu stoßen, sondern auch wie lange der Nachhall seiner Äußerung ist.

Mir scheint eher, dass sich Sinn ganz einfach markant zum Manager-bashing äußern wollte und das getan hat, was gerne getan wird, wenn man etwas drastisch ausdrücken will: Man zieht die alte deutsche Keule.

Marquardt hat sich mit seinem Focus-Vorwort da etwas dezenter ins Zeug gelegt – für Ackermann.

Grundsätzlich beobachte ich mit gemischten Gefühlen, dass unsere Politiker in ihrer schwierigen Lage Hemmungen verlieren, pauschal Menschen an den Pranger stellen und die Neidgefühle der Bevölkerung verstärken. Unter Führungsqualität verstehe ich etwas anderes, vor allem wenn man bedenkt, dass sich die meisten Äußerungen als Bumerang erweisen können.

90 Martin 28. Oktober 2008 um 10:20

@ F. Lübberding

Natürlich ist die Sache emotional. Wenn einem Ingenieur eine Synchronmaschine um die Ohren fliegt, dann gibt es auch Schuldzuweisungen. Nur ist man sich schnell über die Methodik der Ursachenbeseitigung einig: Man hat dann halt irgendetwas nicht richtig verstanden – das soll ja vorkommen.

Im Vergleich dazu scheinen die o.g. Akteure recht freihändig zu agieren, mit wenig Aussicht darauf ihr System mal solide auszutesten. Ihr Selbstbewusstein ist wohl deutlich größer, als ihr Überblick. Das trifft auch auf den ‘Ökonomen’ Sinn zu. So sind die Menschen halt mal: Gier, Geltungsbedürfnis, usw.

Disputanten eingeschlossen :) .

Ich hätte den Sinn einfach weniger wichtig genommen. Dass sich alle vom Tagesspiegel auf ihn stürzen lassen zeugt nur vom desperaten Zustand der Öffentlichkeit. Man muss den Sinn auch nicht hemmungslos zerreissen: Immerhin erklärt er sein Gedankengerüst, wer will kann es ja gezielt zumEinsturz bringen – aber bitte mit guten Alternativen.

91 f.lübberding 28. Oktober 2008 um 10:37

Nur noch etwas zu VW:

Ich mache hiermit ein offizielles Übernahmeangebot. Ich biete für alle VW und Porsche Aktion den Bäcker Schiesser – Neue Heimat Preis:

1, – Euro. In Worten einen Euro – für beide Konzerne.

Das scheint mir eine faire fundamentale Bewertung zu sein. Weil Autos verkaufen sie ja nicht mehr – außer Porsche liefert allen Shorties als Entschädigung einen 911. Das wäre übrigens eine innovative Vertriebsidee. Also eine gute Gelegenheit zum shorten, finde ich … .

Aber jetzt im Ernst. Und damit kommen wir zu Martin. Die Technokraten in der Deutschen Börse ruinieren gerade das Weltfinanzsystem. Denn viele Banken und Hedgefonds werden VW als sicheren Hafen betrachtet haben – und aus fundamentalen Gründen short gewesen sein. Porsche hat gleichzeitig offenkundig die handelbaren Aktien verknappt. Also können sich die Akteure nicht mit Aktien eindecken – und der Kurs steigt auf mehr als 1000, – Euro. Theoretisch können unter solchen Bedingungen auch 5000,- Euro möglich sein. Nämlich bis Hedgefonds und Banken das Geld ausgegangen ist – und sie Konkurs sind. Nun habe ich kein Mitleid mit Banken und Hedgefonds, wenn sie ihren eigenen Strategien zum Opfer fallen.

Aber nach meinem Eindruck – und das ist nicht mehr lustig – wird VW zu einem systemischen Risiko für das Weltfinanzsystem. Denn hier wird eine Lawine ausgelöst – und nichts anderes. Bisweilen ist der Auslöser des Kollaps idiotisch – und hier könnte es soweit sein.

92 EuroOptimist 28. Oktober 2008 um 11:03

@ f.lübberding
“Aber nach meinem Eindruck wird VW zu einem systemischen Risiko für das Weltfinanzsystem.”
Kein Grund zur Beunruhigung, auf diesem Weg kommt nur ein Teil des Geldes zurück (nach Zuffenhausen), das die Deutschen in den letzten Jahren verschenkt haben.
“Nun habe ich kein Mitleid mit Banken und Hedgefonds..”
Das betonst Du immer wieder, allein mir fehlt der Glaube. Diese haben sich genau so schon manchen Happen aus einem fremden Organismus gebissen. Bitte die Ohren zuhalten, wenn sie jetzt mal dran sind. Es steht ja nirgends geschrieben, dass sie immer nur fressen, aber nie gefressen werden.

93 Nanuk 28. Oktober 2008 um 11:08

Aber nach meinem Eindruck – und das ist nicht mehr lustig – wird VW zu einem systemischen Risiko für das Weltfinanzsystem.

Was sollen sie tun wenn Volkswagen jetzt Aktien ausgiebt dann stürzt der DAX ins Bodenlose das ist schon längst nicht mehr zu Lösen.Man kann nur hoffen das das Geld der Shorts reicht.Entweder geht das Geld aus oder irgenwann ist die Nachfrage weg und dann scheppert es und zwar gewaltig.Wie man es dreht und wendet der Schwanz bleibt hinten.

94 f.lübberding 28. Oktober 2008 um 11:24

Eurooptimist

Ich will die Hedgefonds abwickeln und die Banken auf das innovative Konzept der Sparkassen zurückstutzen … – und nicht in den Abgrund stürzen. Denn wenn die stürzen, ziehen die alles mit. Hier wird übrigens kein Cent fließen … genauso wenig wird Island seine Schulden jemals zurückzahlen.

Nanuk

So kann man sehen.

95 EuroOptimist 28. Oktober 2008 um 11:35

@ f.lübberding
Schon gut, aber was können die Technokraten bei der Deutschen Börse machen, wenn sich Spekulanten an der heißen VW-Aktie die Finger verbrennen. Der Short-Squeeze hat ja zunächst einmal nichts mit der Börse zu tun. Soll die Börse den Spekulanten etwa frische VW-Aktien drucken, damit sie nicht länger bluten müssen?

96 f.lübberding 28. Oktober 2008 um 11:42

“Der Short-Squeeze hat ja zunächst einmal nichts mit der Börse zu tun.”

Womit dann?

Außerdem schlägt der DWS Fonds (wem gehört der noch einmal) schon Alarm – und wirft Piech Marktmanipulationen vor.

Dieses Finanzsystem ist tot – nur sollte sein Leichengift nicht den Rest der Gesellschaft umbringen. Und diese VW Geschichte ist zur Zeit das wirksamste Leichengift … .

97 EuroOptimist 28. Oktober 2008 um 11:47

@ f.lübberding
““Der Short-Squeeze hat ja zunächst einmal nichts mit der Börse zu tun.”
“Womit dann?”
OK, er hat nichts mit den speziellen Regeln der Deutschen Börse zu tun. Was soll der BörsenBETREIBER tun, um Spekulanten von der Verpflichtung zu befreien, die sie ganz freiwillig eingegangen sind: VW-Aktien zu liefern, die es offensichtlich nicht mehr gibt?
Die DB könnte (und sollte) VW aus dem DAX werfen, damit der Index nicht weiter zum Witz wird. Das war es aber auch schon.

98 Georg H 28. Oktober 2008 um 14:01

Nanuk

“…nur als Mensch hab ich keine Lust irgendwann hinter 10m Stacheldraht wohnen zu müssen.Weil mir die Armen immer die Festerscheiben einschlagen oder meine Reifen kaput stechen….”

Das ist aber bereits so, Bei Ihnen vielleicht nicht, aber in Bad Homburg, Nairobi und so weiter.

Es gibt ein Gegenmittel: Sieh zu, das es den Armen gut geht.

Die Bremer Stadtmusikanten sagten schon damals: “Etwas besseres als den Tod findest du überall”

99 Martin 28. Oktober 2008 um 14:22

“Und damit kommen wir zu Martin. Die Technokraten in der Deutschen Börse ruinieren gerade das Weltfinanzsystem. ”

@f.lübberding

Zuviel der Ehre, ein Ingenieur ist nicht automatisch Technokrat. Auch gibt es einen grundsätzlichen Unterschied von technischen Systemen zu dem Weltfinanzsystem: Die Komponenten in einem technischen System können nur begrenzt z.B. Strom und Spannung aushalten, sie begrenzen irgendwann. Geld dagegen ist in Computern unendlich steigerbar, ich wüsste nicht wo es da begrenzende Komponenten gibt, außer bei der Anzeige der US-Schuldenuhr. Die Computerei dürfte einer der Faktoren sein, die zu der jetzigen Krise geführt hat. War das nicht auch beim Crash in 1987 der Fall, mitausgelöst durch automatische Handelssysteme?

Ich muss ja gestehen, dass ich, nachdem ich vernünftig keine Puts auf VW ergattern konnte, mir wenigstens einige DAX Puts ins Depot gelegt habe. So habe ich zur Absicherung meiner jetzt gekauften DAX-Titel ein zusätzliches Polster.

‘ruinieren des Weltfinanzsystems’ ist zu hoch gehängt, ich frage mich nur, ob sich da die LBBW die Finger verbrennt. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es vor Monaten eine Meldung, dass die LBBW Übernahmefinanzierungszusagen an Porsche gemacht hat, die Porsche einzulösen gedenkt.

@ EuroOptimist

Fliegt VW nicht automatisch aus dem DAX, wenn der freefloat zu klein geworden ist?

100 gojko 28. Oktober 2008 um 14:58

@f.luebberdimg
“Denn viele Banken und Hedgefonds werden VW als sicheren Hafen betrachtet haben – und aus fundamentalen Gründen short gewesen sein.”

Short sein als sicherer Hafen, ich lach’ mich tot. Aus “fundamentalen Gründen”! Der war gut!!

Das hat nichts mit Schadenfreude zu tun, wirklich. Ich gönne denen ihren Gewinn. Aber genauso müssen sie Verluste wegstecken können. Das ist ein Gebot der Fairness.
Und wenn wirklich ein Zocken mit der VW-Aktie genug “Leichengift” freisetzen kann, um unsere Gesellschaft zu zerstören – dann ist wirklich alles zu spät.

Gruß, Gojko.

101 Nanuk 28. Oktober 2008 um 15:19

Short sein als sicherer Hafen, ich lach’ mich tot. Aus “fundamentalen Gründen”! Der war gut!!

Mir persönlich wird übel wenn der gesamte Aktienmarkt in den Händen von so wenigen Personen ist…
Aber ich hab ja auch nur Bonds vieleicht ist das bei Aktien ja normal.
:)

102 f.lübberding 28. Oktober 2008 um 15:42

Wieso lacht ihr … ? Bei VW war alles absolut berechenbar gewesen … . Mein Übernahmeangebot ist realistischer als der derzeitige Kurs der VW Aktie. Der Preis für zwei Konzerne ohne Geschäftstätigkeit ist mit 1, – Euro fair bewertet … . Schließlich hat man noch 200.000 Mitarbeiter zu bezahlen. Außerdem irgendwelche Vorstände. Kann man eigentlich für Winterkorn et alterea Kurzarbeitergeld beantragen?

Der Witz ist doch gerade, dass die Shorties immer noch Recht haben – fundamental betrachtet. Ihr Pech ist nur das des britischen Stadtkommendanten von Singapur 1942. Von See aus war die Stadt uneinnehmbar – und durch den Dschungel auch. Und was machen die Japaner? Kommen mit Fahrrädern durch den Dschungel. Und was macht der Stadtkommandant? Kapitulieren! Und was macht Churchill? Schimpfen. Fundamental betrachtet war die Stadt uneinnehmbar. Singapur war ein sicherer Hafen für das britische Empire. Und was lernen wir daraus? Dann kommen Leute mit dem Fahrrad. In diesem Fall Porsche mit einer Mitteilung am Sonntag.

Nur noch ein Tipp für Herrn Piech:

Japan hat den Krieg am Ende verloren.

103 gojko 28. Oktober 2008 um 18:29

Hallo f.lübberding,

ich wollte Dich nicht ärgern, mich hat nur der Gedanke amüsiert, daß sich ein Investor in eine Short-Position “rettet”(Safe Haven).

Einen sicheren Hafen assoziiere ich immer mit Kapitalerhalt, da denke ich eher an Bonds oder Edelmetall. Sicher kann man sich mit Puts absichern, aber da geht man dann davon aus, daß diese Puts verglühen werden, wenn es doch bergauf geht. Das ist dann die Versicherungsprämie, die man zahlt.

Bei den Shorties auf VW hatte ich aber nicht den Eindruck, das wären Investoren, die ihre VW-Aktien absichern wollten. Sondern die hatten die Aktien eben nicht, und wollten per Spekulation Geld verdienen. Also nix Safe Haven. Tja, und da hatten sie eben Pech, das andere Raubtier war stärker.

Das mit dem 1EUR-Übernahmeangebot klingt kernig, aber irgendwie hat doch VW noch jede Menge Grundstücke, Fabriken, Patente.. ich denke, die sind schon ein wenig mehr wert als 1 EUR.

Gruß, Gojko.

104 f.lübberding 28. Oktober 2008 um 19:09

Gojko

Ich war nicht verärgert … Du hast ja im Grunde recht. Nur mit safe haven habe ich eben einen todsicheren Deal gemeint. Die wollten ihre Verluste aus allen anderen Märkten auf diese Weise reduzieren. Nun haben diese deals ja nicht funktioniert. Im Handelsblatt steht auf der Hompage schon die Gefallenenlisten. Ansonsten muss wohl tatsächlich die Gefahr eines Kollaps durch VW bestanden haben, wenigstens habe ich das einer Reutersmeldung entnommen.

Ansonsten ist das ja nur mein Einstiegsangebot. Man darf ja nicht gleich alle Karten auf den Tisch legen. Aber Dein Argument ist schon richtig:

Ich erhöhe mein Angebot auf 2,- Euro. Das ist hundert Prozent mehr! Wo gibt es das heute schon, Herr Piech!

105 LeeHarveyOSWALD 28. Oktober 2008 um 19:22

“hat doch VW noch jede Menge Grundstücke, Fabriken, Patente.. ich denke, die sind schon ein wenig mehr wert als 1 EUR.”

und Schulden und Betriebsrenten die zu zahlen sind…

Lübberding liegt da mit 1 Euro schon richtig…

wie ich es sehe bekommt er seinen üblichen Staatsbailout eher früher als später…

106 gojko 28. Oktober 2008 um 19:28

@f.lübberding:

2 EUR boah eh, da kann ich nicht mithalten… und der Piech muß sich wohl warm anziehen. :-)

107 Hermann Keske 28. Oktober 2008 um 19:49

@ Lübberding

Ich biete aber 4 €. Irgendwo auf dem Gelände wird sich noch ein 911er finden, den hole ich mir, den Rest schicke ich an Steinbrück mit der Bitte, das Nötige zu veranlassen.

108 f.lübberding 28. Oktober 2008 um 20:35

Jetzt sind wir schon bei vier Euro … . Warren Buffett soll sich Gerüchten zufolge auch an unserem Bieterwettbewerb beteiligen, weil anderen – allerding wohl dementierten – Gerüchten zufolge, sein anderes Investment Goldman-Sachs unter die Räder eines Cayenne geraten sein soll.

Bevor aber Buffett einsteigt, biete ich sechs Euro.

Ansonsten noch etwas zu der nicht vorhandenen Sammlung “Ökonomen, die die Welt nicht braucht”

“Kritik an einem Konjunkturpaket übte dagegen der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. Kurzfristiger Aktionismus nutzt nichts, sagte Zimmermann der Zeitung Die Welt. Höhere Staatsausgaben führten nur zu einer höheren Verschuldung.”

109 Mario 29. Oktober 2008 um 01:56

Und noch etwas zu “Greenwashing – jetzt auch für Ökonomen” oder “Hilfe, wem hab ich nur das Thema geklaut”:

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/452605

Am schönsten liest sich ja “der Provokateur unter Deutschlands Wirtschaftswissenschaftlern”… in die Tastatur beissen möchte man…

110 SD6 29. Oktober 2008 um 02:26

Sinns Marktwert unter den Arbeitsmarktexperten schrumpft ja schneller als das Vermögen von Frau Schickedanz, da ist es nur sinnvoll sich in anderen Bereichen zu betätigen.
Ich bin mir sicher das es sich als Mietmaul und Spin-Prof für unsere Kernenergiemafia ganz vorzüglich leben lässt.

111 Nigeth 29. Oktober 2008 um 12:04

Interessantes Blog das sich mir da aufgetan hat.

@Martin.

Aus ihren Ausführungen spricht die Naivität des Wissenschaftlers, es liesse sich alles auf dieser Welt zweifelsfrei berechnen, mithin sei der momentane Crash vor allem auf das Versagen dieser Rechenmodelle zurückzuführen.

Sehr kluge Köpfe wiedersprechen ihnen da allerdings, insbesondere Nassim Nicholas Taleb (http://en.wikipedia.org/wiki/Nassim_Taleb) der das Problem eher darin begründet sieht, dass wir an Berechenbarkeit und Prognostizierbarkeit glauben, wo es keine geben kann.

Taleb teilt Risiken in vier Quadranten auf (http://www.edge.org/3rd_culture/taleb08/taleb08_index.html). Unterteilt sind sie dabei in der Art der Wahrscheinlichkeitsverteilung (meint: wie hoch ist das Riskio für ein unwahrscheinliches Ereignis den sog. Black Swan) und wie der Payoff zustande kommt.

Im sog. vierten Quadranten dieser Aufteilung (wo sich fast alle komplexen Finanzmarktprodukte befinden) sind seiner Aussage nach statistische und stochastische Aussagen über Risiken sehr schwierig bis unmöglich, leider dienen statistische und stochastische Modelle nach wie vor als Basis für die Klassifikation solcher Risiken.

Dazu kommt, dass die Analysten dieser Risiken Werkzeuge einsetzen, die ungeeignet sind und die sie noch nicht einmal selbst verstehen und allerlei logischer Kurzschlüsse unterliegen. Der Wikipedia-Artikel ist ein guter Einstieg ins Thema.

Lange Rede kurzer Sinn: der wahnhafte Gedanke komplexe undurchsichtige Risiken liessen sich berechnen ist unter anderem der Grund für die aktuelle Situation und ein glasklares Zeichen dafür, dass es sich bei den Verantwortlichen um astreine Technokraten handelt.

Außerdem entbindet einem die Fehlersuche nicht, den verantwortlichen für den fehlöer ausfindig zu machen.

112 Joe 29. Oktober 2008 um 18:34

H.W. Sinn, der verzappft doch UNSINN, ist der auch in der Nhane Kanzlerriege ?
Was der von sich gibt, so regiert unsere Kanzlerin: Alles Unsinn

113 Henry Kaspar 5. Januar 2009 um 20:37

Ich halte Sinn nach wie vor fuer einen klugen Menschen. Nichtunbedingt fuer “klug” wie in “weise”, aber fuer “klug” wie in “intelligent, provokativ, scharfsinning”.

Zugleich scheitere ich daran, in der obigen Sinn-Kritik irgendein Argument zu finden.

Aber wahrscheinlich bin das nur ich.

HK

114 Henry Kaspar 5. Januar 2009 um 20:42

Sinns Argumentation war einfach lächerlich. Nicht die Arbeitsmarktreformen, sondern die Bereitschaft des Auslandes zur Verschuldung und der Nachfragestaubsauger USA waren für den deutschen Exportboom verantwortlich – und damit für den Aufschwung.

Das ist nun wirklich Gequassel. Mit dem “NachfragestaubsagerUSA” laesst sich nicht erklaeren, warum Deutschands Exportanteil innerhalb der Eurozone in den 90er Jahren massiv einbrach und sich dann ab ca. 2000 schrittweise erholte. Nichtmal ansatzweise.

Sehr wohl erklaeren laesst es sich hingegen mit Arbeitsmarktreformen, Lohnzurueckhaltung und resultierender realer Abwertung.

115 ~ Halbgott ~ 5. Januar 2009 um 21:31

@HK

“Ich halte Sinn nach wie vor fuer einen klugen Menschen. Nichtunbedingt fuer “klug” wie in “weise”, aber fuer “klug” wie in “intelligent, provokativ, scharfsinning”.”

=> … Nein, beim besten Willen nicht !

=> … ich hab den Knilch selbst nie ernsthaft wahrgenommen. Ich kannte ihn bis vor Monaten hauptsächlich aus der Kritik seiner zahlreichen Gegner.

=> … Sein “neoliberales” Argument “Löhne runter !”, teile ich ja sogar. Aber aus einer anderen Perspektive heraus. Ich argumentiere da mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Öffnung Chinas und anderer Schwellenländer, Ereignissen also, die eindeutig festlegen, dass Deutschland als Land mit den höchsten Löhnen und höchsten Lohnstückkosten der Welt, beides NICHT weiter wird erhöhen können, sondern zwangsläufig Rückgänge ertragen muss. Freilich war das NICHT so gedacht, dass die korrumpierten Schröder-Sozis die aus Lohnverzicht & Sozailabbau resultierenden Gewinnsteigerungen noch mit imensen Steuergeschenken an Unternehmen, Finanzmafia und Aktionäre multiplizieren und dafür die Staatsschulden um über 30% erhöhen !

=> … Was Sinn angeht bin ich das erste Mal auf ihn aufmerksam geworden, als er vor Monaten die aus schwerkrimineller Korruption entstandene “Riester-Rente” zur Zwangsveranstaltung machen wollte. Was soll an dem “LIBERAL” sein ? … der Mann ist ein Radikalinski der für korrupten Deppenstaat Medien-Klamauk macht !!

=> … vor Wochen habe ich ihn dann per Zufall beim Zappen in der Politainment-Talkshow von Maybrit Christiansen gesehen. Da hat der gute Mann erklärt, dass die Subbrain-Krise ihre Ursache in der zu niedrigen Eigenkapitalquote der Banken gehabt habe … Der Mann hat also nicht die geringste Ahnung von Wirtschaft !! … das muss man mal nüchtern konstatieren !

=> … ich finde es auch ekelhaft, dass die Medien einen solchen Menschen immer wieder vorführen ! … er hat es verdient, in einen weissen Kittel gewandet, mit verknoteten Ärmel-Enden in einem Ruheraum mit Gummiwänden dauerhaften Schutz zu finden.


=> …bis dahin sollten alle echten ÖKONOMEN des Landes eine Petition unterschreiben, in der Sinn jedwede Ökonomie-Kenntnisse abgesprochen werden, so dass die gleichgeschlteten Staats-Medien ihn nicht ständig als “Wirtschafts-Experten” vorführen können und so die ganze Zunft zutiefst beleidigen !!!

Retroliberale Grüsse,
~ HG ~

PS:

… dahingegen teile ich Ihre Meinung über die Herrschaften Bofinger, Flassbeck und Horn !

… aber was haben sie gegen Hankel ?? … Hankel hat die Ursachen der Subbrainkrise im Gegensatz zu allen o.g. Personen VERSTANDEN und schon immer eine entsprechende Änderung in der Geldpolitik angemahnt.

116 The Swan 6. Januar 2009 um 01:21

@HG
“Da hat der gute Mann erklärt, dass die Subbrain-Krise ihre Ursache in der zu niedrigen Eigenkapitalquote der Banken gehabt habe …”
Ist ja im Prinzip nicht falsch, da einer von vielen Faktoren.

Natürlich, wäre er ehrlich gewesen, hätte er auf sich selbst gezeigt und sich entschuldigt das er aus lauter Geldgier Lobbyismus als Wissenschaft verkauft hat.
Erst mit diesem pseudowissenschaftlichen ideologischen Ökonomie-Backround, unsere Einheitsparteien bezeichnen die daraus abgeleiteten Maßnahmen als “wirtschaftspolitische Kompetenz” oder “ökonomische Vernunft”, konnte Schröder erst das tun was er dann schließlich auch getan hat.

117 Henry Kaspar 6. Januar 2009 um 03:43

bis dahin sollten alle echten ÖKONOMEN des Landes eine Petition unterschreiben, in der Sinn jedwede Ökonomie-Kenntnisse abgesprochen werden,

Meine Unterschrift wird da fehlen, aber ich bin dann vermutlich auch kein “echter” Oekonom.

Es mag ja manchen nicht gefallen, aber Sinn ist — im Gegenatz zu den Bofingers und Flassbecks — tatsaechlich ein ausgewiesener Fachmann, mit vielen Publikationen in erstklassigen internationalen Fachzeitschrifiten, vor allem zum Thema Fiskalpolitik (auch wenn seine besten wissenschaftlichen Taten schon einige Jahre zurueckliegen).

Dies heisst natuerlich nicht, dass Sinn in allem recht hat — beileibe nicht. Bei der “Basaroekonomie” hat er sich z.B. ziemlich verrannt. Aber es heisst man ihn ernst nehmen sollte, will man Wirtschaftspolitik ernsthaft diskutieren. Sinn liegt zwar manchmal daneben, aber dumm oder uninteressant ist es nie, was er vortraegt.

Gruss,
HK

118 Tanngrisnir 21. Januar 2009 um 14:18

Ich mag Herrn Sinn auch nicht,
aber deshalb würde ich nicht behaupten er ist dumm.

Diese ganzen Theorien, die er und sein Institut ausarbeiten
sind in ihrer Schlichtheit bestechend.
Und genau darin liegt ja das eigentliche Können,
nämlich Dinge so simpel darzustellen, dass es selbst noch der Dümmste versteht.
Deshalb ist dieser Mann auch so beliebt bei den Medien. Er kann stundenlang irgendwelchen Unsinn erzählen und alle nicken und sagen: “Ja, der hat recht.”

Zuletzt darf man niemals aus den Augen verlieren, was sein eigentliches Ziel ist. Er möchte diejenigen, die sein Institut durch Aufträge mit Geld versorgen glücklich machen.
Diese Auftraggeber sind aber, wer hätte es gedacht, die Mächtigen in unserem Land, also die, bei denen sich das Geld häuft (genauer: Kapitalisten).
Und ein Kapitalist hat nunmal zum Ziel, seinen Gewinn zu maximieren. Täte er das nicht, wäre er ein schlechter Kapitalist.

Da es aber schwer ist, den Arbeitern gegenüber zu treten und zu sagen: “Ihr müsst für weniger Geld mehr arbeiten, damit mein Profit größer wird.” hat man einen umständlicheren Weg gewählt.
Man beschäftigt sogenannte Mietmäuler. Wichtig dabei ist, dass sie möglichst den Anschein eines unabhängigen Wissenschaftlers haben müssen, damit ihre Aussagen in der Öffentlichkeit entsprechendes Gewicht bekommen.

Und H.W.S. ist genau so ein Mietmaul. Er erzählt uns genau das, was die Wirtschaft uns vermitteln möchte.
Meinungsmache ist das große Thema.

Deswegen ist er auch nicht dumm. Er verwendet sein Potential einfach nur anders. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser Mann genau weiß, woran es in diesem Lande krankt und wie die Finanzkrise entstanden ist, aber diese Dinge öffentlich zu sagen ist eben nicht im Sinne seiner Geldgeber, also muss er sich etwas ausdenken, was möglichst die Tatsachen verschleiert und die Menschen in die Irre führt.
Sich hinterher hinzustellen und die eigenen Aussagen der Vergangenheit zu relativieren und so zu interpretieren, als ob er es schon immer anders gesagt hätte, ist dann für ihn ein Kinderspiel.

Und wie ich so schön bei meiner Geschichtslehrerin gelernt habe die Frage: “Cui bono?” (Wem zum Vorteil?) zu stellen, so kommt man hier ganz einfach zu dem Schluss:
Nutzen hat daraus zuerst H.W.S. selbst, weil nämlich durch ständige Medienpräsenz sein Ego gestreichelt wird und die Bezahlung als Mietmaul wohl auch ziemlich einträglich ist. Zweitens natürlich all diejenigen, die ihn als Mietmaul anheuern, da er im eindrucksvollen Gewand der Wissenschaft daherkommt und den Leuten erzählt, dass sie alle nur Maden im Speck sind und sich gefälligst mehr wie Sklaven verhalten sollen. (nur ist seine Wortwahl etwas ausgefeilter)

119 staph.aureus 2. Mai 2009 um 01:05

Ein Hinweis auf Sinn-volle Worte:

http://www.landkreis-rosenheim.de/presse/PR090430_01.htm

Sinn sieht die deutsche Wirtschaft in einer dramatischen Phase

Beim Empfang des Landrats vermeidet der Wirtschaftswissenschaftler eine Zukunftsprognose

Wenn es nach Professor Dr. Hans-Werner Sinn, dem Präsidenten des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München geht, dann stehen Deutschland die massivsten Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise noch bevor.

In seinem außerordentlich spannenden Vortrag nannte der Präsident des ifo-Instituts mehrere Gründe für die Weltwirtschaftskrise. Weil die Amerikaner seit 30 Jahren ihre Spareinlagen aufbrauchen und fast nichts mehr da ist, können die Banken mangels Eigenkapital nichts verleihen. Um an Geld zu kommen, werden Wertpapiere ausgegeben und ins Ausland verkauft. Deutschland gehört zu den drei Ländern, das mit am meisten dieser Papiere kaufte.
Ein weiterer Grund ist die Entwicklung der Immobilienpreise in den USA. Von der Preisspitze vor zwei Jahren bis heute verloren die Immobilien ein Drittel ihres Wertes. In der Summe bedeute dies 7,5 Billionen US-Dollar, in der Welt der Wirtschaft komme dies der Explosion einer Atombombe gleich, meinte der Wirtschaftswissenschaftler. In weiterer Folge brachen die Aktienkurse ein, am dramatischsten am 10. Oktober vergangenen Jahres. Laut Sinn stand die Welt vor einem Finanzkollaps. In einer süddeutschen Bank sei an einem Tag so viel Geld abgehoben worden, wie sonst in zwei Monaten.

Für die Zukunft forderte Sinn neue Regeln für die Marktwirtschaft, da die bisherigen seiner Meinung nach versagten. Um das Eigenkapital der Banken zu erhöhen sollte sich der Staat beteiligen in dem er Aktien kauft. Das sei keine Verstaatlichung, die Bankmanager könnten weiter selbst entscheiden, stellte Sinn klar. Der Idee einer so genannten Bad Bank erteilte er eine Absage. Auch hier müsse der Staat Aktien nehmen, wenn er Geld gebe. Diese toxischen Papiere zu nehmen hieße, den Banken Geld zu schenken.

120 MoTheG 25. November 2009 um 15:27

Bestimmt die Wirtschaft was wir machen, oder wir was und wie die wirtschaft (es) machen soll?
selbst wenn wir bei 3€/h vollbeschäftigung hätten wäre es nicht erstrebenswert.
Wir formen/machen die wirtschaft, daran sind wir bisher gescheitert.
“Saysche Theorem”, “Leffers-Kurve” … wie kann man nur an solchen mist glauben? kann in der ökonomie jeder mist bestand haben? gibt es da denn keine kontrollen, widerlegungen/gegenbeweis, gesicherte erkenntnisse?
Mir fehlt an der wirtschaftswissenschaft das wissenschaftliche.

121 topi 25. November 2009 um 16:15

Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst.

Natürlich gibt es Gegenbeweise für das Saysche Theorem, man muss nur mal ins Lager pleitegegangener Firmen schauen.

Andererseits ist an der Grundaussage etwas dran, für eine (geschlossene) Tauschwirtschaft ist es gar tautologisch. Für eine Geldwirtschaft nicht, aber auch hier kann man sich die Aussage, dass die im Produktionsprozess erzielten Faktoreinkommen (Löhne und Kapitalzinsen) auch wieder ausgegeben werden.
Das dies nicht immer (oder auch nur überwiegend) geschieht, führt dann zur Erkenntnis der “Nachfragefalle”.

Interessant wird es, wenn man akzeptiert, dass der Mensch kein in rein geldlichen Kategorien handelnder homo oeconomicus ist, also nicht nur dann arbeitet/etwas verkauft/ sein Kapital zur Verfügung stellt, wenn er die Erträge auch ausgeben will.

Aber dann wird es kompliziert. :roll:

Die Frage ist, wieso unsinnige Theorien die Deutungshoheit besitzen; das ist jedoch nur teilweise der Ökonomie selbst anzulasten.

122 MoTheG 26. November 2009 um 07:27

“topi 25. November 2009 um 16:15 121.
“Andererseits ist an der Grundaussage etwas dran, für eine (geschlossene) Tauschwirtschaft ist es gar tautologisch.”

wenn man die aussage schon in die annahmen einbaut …
Ich glaube tatsächlich, dass sich produkte ihren markt z.T. selbst schaffen, aber in dieser absolutheit würde es doch bedeuten, dass ich jeden mist kaufe, wenn er nur billig genug ist.
Das stimmt nicht (zumindest für mich). Selbst wenn es stimmt, ist es nicht erstrebenswert bloß irgendetwas zu miesen löhnen zu produzieren.
der standard-fehler ist es zu glauben der preis müsste nur niedrig genug sein, dann ließe sich alles verkaufen (z.B. arbeit).

123 topi 26. November 2009 um 13:58

Es geht weniger um solche Fehlkalkulationen, die wird ein funktionierender Markt recht schnell bereinigen.
Die Idee ist eine andere. Say laut wiki
Geplantes Angebot und geplante Nachfrage müssen in einer geschlossenen Volkswirtschaft übereinstimmen. Wer am Markt ein Gut (etwa auch die eigene Arbeitskraft) anbietet, tut dies, um Einkommen zu erzielen, damit er selbst Güter kaufen kann. Er schafft durch sein Angebot von Gütern eine Nachfrage nach Gütern.

Bleiben wir in der Tauschwirtschaft: du hast drei Schafe, und willst dafür eine Kuh. Deine drei Schafe sind das Angebot; wenn du nichts nachfragst, gibts keinen Tausch.
Dein Nachbar bietet die Kuh an, fragt die Schafe nach, Angebot == Nachfrage.
Oder du reparierst deinem Nachbarn den Zaun für drei Brote. Dein Angebot schafft die Nachfrage nach den Broten.

In einer Geldwirtschaft muss das wegen sparen formal nicht mehr sein; dann braucht man Investition. Beim Horten nützt auch das nichts.

Viel interessanter: die Grundaussage stimmt nicht mehr.
Der Einkommensmillionär arbeitet nicht genau für eine Million, weil er sein gesamtes Einkommen ausgeben will, oder später ausgeben will.
Er nimmt einfach soviel, wie er kriegen kann.

Beim Kapitalbesitzer ist das noch deutlicher.
Gebrüder ALdi haben 35 Milliarden, wenn da im Jahr eine dazukommt, doch nicht aus dem Motiv, sie auszugeben. Das kann mal so sein, Bill Gates stiftet auch mal ein paar Milliarden, aber es muss nicht, wie das Theorem behauptet.

Wenn es denn jetzt möglich ist, sein Geld nicht zu sparen im Sinne, dass die Bank es jemandem zum investieren gibt, sondern mir dafür Papiere aus Schneeballsystemen andreht, stimmt S=I nicht und Angebot=Nachfrage auch nicht.

124 Stefan Wehmeier 10. März 2010 um 19:55

Nicht nur im Bereich der Ökonomie gibt es eine immer weiter in den Abrund führende Treppe der Verdummung. Je größer die Anpassung an unser seit jeher fehlerhaftes Geldsystem, desto vernebelter wird der Verstand:

http://www.deweles.de/files/nebel_im_senf.pdf

125 Wat. 10. März 2010 um 20:41

Solange die elementarste zwischenmenschliche Beziehung, das Geld, fehlerhaft ist, ist alles fehlerhaft, was das menschliche Zusammenleben betrifft.

Och nö, ne @ Stefan Wehmeier…

Da kämpft (immer noch) der Blinde gegen den Tauben (Senf + Gesell) für die allgemeine Versehrtheit.

Btw. Woraus resultiert denn die (nur) angebliche elementarste zwischenmenschliche Beziehung… Tip – Geld ist Resultat bzw. Erscheinung, nicht Ursache.

126 Griebiger Batzi 10. März 2010 um 20:45

Lerchenberg musst wegen seinem Vergleich zurücktreten.

Der neunmalkluge Hans-Werner Sinn ist nach seinem -in meinen Augen- gravierenderen Vergleich immer noch im Amt.

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