Hase und Igel – und der Gewinner ist …

by f.luebberding on 23. Oktober 2008

Via ftalphaville berichtet Paul Kedrosky von einem Wunder. Eigentlich ist es das Gleichnis vom Hasen und dem Igel. Der Hase ist die schon gestern diskutierte Rekapitalisierung. Der Igel sind die steigende Abschreibungen. Bekanntlich ist der Igel dem Hasen immer eine Nasenlänge voraus. Zu sehen hier:

Wirklich ein Wunder … . Denn nach Kedrosky wird der Hase mit seinen Rekapitalisierungsbemühungen erst im Dezember den Igel eingeholt haben. Er hinkt also noch etwas hinterher. Bisher ging es um Hypothekenkreditmüll. Aber die Kreditkarten lauern schon um die Ecke. Der Igel kann also Hoffnung schöpfen. Wobei allerdings in dem Chart von Calculated Risk eines auffällt. Der Ausfall bei den Kreditkarten ist angesichts der Krise durchaus moderat zu nennen – etwa im Vergleich zur Lage 2001. Also wird da noch mehr kommen – und es ist schon einiges verhindert worden. Bernanke hat es wohl vor einigen Tagen schon für keine gute Idee gehalten, Kreditkartenkunden mit unnötigen Restriktionen zu verärgern. Dafür stellt er den Banken – die wollen zwar, können aber nicht – die entsprechende Liquidität zur Verfügung. In der Beziehung lassen sich die Zentralbanken ja jeden Tag etwas Neues einfallen. Allerdings hinterlassen diese Bemühungen etwa bei der FED nicht unbedingt den Eindruck seriöser Geschäftsführung. Solche tollen Kerzen konnten meinen Töchter erst nach Jahren zeichnen. Die FED schafft das wesentlich schneller:

Nun haben wir also zwei tolle Kerzen – und der Igel hat trotzdem noch einen gewissen Vorsprung. Den kann der Hase wohl nur einholen, wenn er das dritte Element aus dem Bankenrettungsplan einsetzt: Änderung der Bilanzierungsregeln. Dann wird der Müll zwar Müll bleiben – aber werthaltiger Müll bis zur endgültigen Entsorgung. Nun wird dieses Rennen zwischen Hase und Igel ein Ergebnis haben. So Paul Kedrosky:

“The following more or less supports what some have been saying for a while -– that major banks in the U.S. and the U.K. will end up being entirely nationalized before this crisis is over –- but it’s still a striking way of looking at the data. The gist: Government recapitalization and other fund-raising has largely been in service of banks’ prior subprime losses, while corporate and consumer loans are just starting to hit bank balance sheets. It won’t take much to tip banks over into insolvency again.”

Also Banken werden ein tolles Investment sein … . Man sollte allerdings nicht zu früh long gehen. Denn das wird wohl erst bei der späteren Reprivatisierung der Fall sein.

 

{ 11 comments… read them below or add one }

1 edicius 23. Oktober 2008 um 16:48

Wirklich kein Wunder:
Wirklich ein Wunder … . Denn nach Kedrosky wird der Hase mit seinen Rekapitalisierungsbemühungen erst im Dezember den Igel eingeholt haben.
Ich sage voraus, dass, wie in der Fabel, der Hase den Igel niemals einholen wird. Was immer der Hase an Rekapitalisierung bereitstellt, wird der Igel gierig verschlingen – es wird seinen Hunger nach mehr nur noch anstacheln. So gesehen haben die neuesten Nachrichten über weiter fliessende Boni in unvorstellbarer Höhe sogar eine Basis: Jetzt sind offiziell die Staatskassen angezapft. Und das Business wäre schlecht gemanaged, wenn der Zapfer den Hahn schliesst, bevor das Fass nicht leer ist.
Also: Banken verstaatlichen, und zwar sofort, als Entschädigung bekommen die Eigner CDOs etc. satt! Nur verstaatlichte Banken können mit Bonuszahlungen und Staatsabzockerei Schluss machen.

2 f.lübberding 23. Oktober 2008 um 16:59

… als Entschädigung bekommen die Eigner CDOs etc. satt … .

Von mir bekommen sie noch das Rating dazu: Triple Sauerland … .

3 equityshark 23. Oktober 2008 um 17:32

vergesst die Kreditkarten – peanuts, der Hammer sind die CDS:

“Eine Erfolgsgeschichte
Dieses Instrument der Risikoabwälzung erwies sich als so attraktiv, dass sich das Volumen der weltweit gehandelten cds seit ihrer Erfindung jedes Jahr verdoppelt hat. Weil sie weder zentral gehandelt werden, noch gemeldet werden müssen, kennt niemand die genaue Summe. Die BIS, eine Zentralbank der weltweiten Zentralbanken, versucht, das Volumen durch jährliche Umfragen zu schätzen und beziffert es auf zurzeit etwa 60 Billionen Dollar. Das ist eine Zahl
mit 13 Nullen und weit mehr als das Bruttoweltprodukt, also mehr als der Gesamtwert aller auf unserem Planeten pro Jahr hergestellten und gehandelten Produkte und Dienstleistungen.

Aus Versicherungen werden Wettgeschäfte
Doch das ist noch nicht alles: Swaps können auch zwischen völlig unbeteiligten Firmen geschlossen werden. Wenn also Bank A einen Kredit vergeben hat, kann jede andere Bank oder Firma mit einer beliebigen dritten einen solchen Vertrag schließen. So ähnelt die vermeintliche Versicherung eher einer Wette. Auf diese Weise kann ein einzelner geplatzter Kredit dazu führen, dass viele verschiedene Garantiegeber an viele verschiedene – eigentlich völlig unbeteiligte – Garantienehmer zahlen müssen. Das ursprüngliche Risiko kann sich auf diese Weise vervielfachen.

Und das ist noch immer nicht alles: Solche Swaps können gebündelt werden, sodass dadurch nicht mehr ein einzelner Kreditschaden abgedeckt wird, sondern mehrere. Übertragen auf das Beispiel Autoversicherung wäre das so, als wenn ein Versicherungsgeber versprechen würde, den Schaden zu ersetzen, falls auf deutschen Straßen gleichzeitig mehr als zehn gelbe Autos mit Totalschaden verunglücken. Auf den ersten Blick scheint es unwahrscheinlich, dass so etwas eintritt, und der Versicherungsgeber glaubt, schon mit einer kleinen Versicherungsprämie auf der sicheren Seite zu sein. Wenn dann aber eine Massenkarambolage auftritt, kann es nicht nur teuer werden, sondern sehr lange dauern, bis überhaupt klar ist, wie viele gelbe Autos dabei nun wirklich einen Totalschaden erlitten haben – und ob der jeweilige Rückversicherer überhaupt noch zahlen kann.

Verluste auch ohne Schadensfall
In genau dieser Situation befindet sich zurzeit die Bankenwelt. Und dieses undurchsichtige Geflecht kann nicht nur im Schadensfall Milliardenverluste erzeugen. Angesichts der Undurchsichtigkeit des Systems und derzeit hoher Schadenswahrscheinlichkeit werden Anleger misstrauisch. Falls Sie überhaupt noch bereit sind, ein Kreditrisiko per cds abzusichern, lassen sie es sich sehr viel teurer bezahlen als bisher. Wenn nun aber ein bestehender cds ausläuft und
nur sehr teuer verlängert werden kann, zahlt die Bank, die den Kredit gegeben hat und weiterhin per cds absichern will, drauf. Oder aber sie findet wirklich niemanden, der dieses Risiko versichert, und muss es plötzlich in die eigenen Bücher nehmen. Weil dort nun größere Risiken liegen, die nur zum Teil durch Eigenkapital abgedeckt sind, verliert die Bank an Bonität und im schlimmsten Fall die Zahlungsfähigkeit. Wenn die in Schieflage geratene Bank dann aber (wie üblich) selbst mit cds als Versicherungsgeber für Dritte aufgetreten ist, werden diese cds wegen mangelnder Bonität
des Garantiegebers wertlos. Die Folge: Auch der Dritte muss diese Risiken nun in seine Bücher nehmen. Aus Versicherungen werden Verunsicherungen. Die Ketten, die über die Welt verteilt wurden, um Sicherheiten zu schaffen, drohen nun in einer Kettenreaktion eine
Bank nach der andern in die Krise zu stürzen.”

http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,lh919qx0jo5csdxs~cm.asp

4 Dominic 23. Oktober 2008 um 18:15

Wie von edicius ganz richtig bemerkt, lief der Igel in der Fabel gar nicht, sondern er hatte einen Deal mit seiner Igelin, den Hasen so lange laufen zu lassen, bis er tot umfällt. Was die Geschichte verschweigt: Die Woche darauf luden die Igels alle Verwandten zum grossen Hasenschmaus…

5 edicius 23. Oktober 2008 um 23:03

@Dominic
Danke für die Ergänzung, die vielleicht doch nötig war: Es ist nicht ein Igel, es sind zwei Igel, ein eingespieltes, im Wettbewerb spielendes Igelteam, so wie amerikanische und deutsche Autoindustrie, näherungsweise: im “Wettbewerb” darum, bei wem der Hase näher liegenbleibt.
Staatsbürger – falls es die noch gibt – die sich eine solche Verwendung ihrer Mittel, und sei’s auch “nur” ihrer Kreditwürdigkeit, gefallenlassen, die verdienen es – wie die SPD – auch nicht besser.
Amen.

6 Sandman 23. Oktober 2008 um 23:30

@edicius:
und was sollen die staatsbürger tun, die sich so etwas nicht gefallen lassen (wollen)?

7 edicius 24. Oktober 2008 um 00:03

Ja, Sandman, was sollen die tun?
Zunächst mal: das Funktionieren unserer Demokratie – von der ich gerade nicht wusste, ob ich sie in Anführungszeichen setzen soll – dadurch zu testen, dass sie die sog. “Volksparteien” nicht mehr wählen. So etwas wie eine “große Koalition” war ja ein Vorzeichen, dass die “Volksparteien” eigentlich Minderheits- oder Traditionsparteien geworden sind, an sich ist eine Koalition zweier “Volks”Parteien ja ein Widerspruch in sich. Jetzt fällt mir erst auf, dass es ja komisch ist, wenn EIN “Volk” ZWEI “Volks”parteien haben soll. Sind das vielleicht zwei Völker, einander unbekannt, der ethnologischen Aufklärung bedürftig? Keineswegs: Die “Volksparteien” sind nur die Imitation der staatstragenden Demokratiefiktion a la americaine: “Demokraten” (SPD) und “Republikaner” (CDU). Die historischen Spannungen sind hier längst aufgelöst, seit Figuren, Persönlichkeiten, die ihren Ursprung dahinter haben, so wie Herbert Wehner oder Strauß, die Bühne verlassen haben.
Es bleibt also das Modell der Parteiendemokratie als Wahlkampfspektakel. Und das ist nur der Außenschein dessen, was sich als Lobbykratie tatsächlich abspielt.
Angesichts dieser Situationsbeschreibung kann ich dem Staatsbürger also nur raten, die Ränder zu stärken. Wenn das System mit der eigenen Instabilität (lesen Sie hier auch mit, Uwe Richter@herdentrieb ?) konfrontiert wird, wird es vorsichtiger agieren. Ganz sicher. Es hat das auch getan, solange es eine potentielle Alternative “im Osten” gab. Es geht also zunächst nur darum, dass man nicht mitmachen muss und dies auch zu zeigen. Dann werden sich die nächsten Optionen ergeben. Sicher. Wenn das System verunsichert wird, ergeben sich neue Optionen. gute und schlechte.

8 Sandman 24. Oktober 2008 um 02:00

vielen dank, edicius, für diese ausführliche antwort. ich wäre für eine senkung der 5%-hürde…

irgendwie schon traurig, dass meine generation hier zigmilliarden euros an künftiger schuldlast aufgehalst bekommt und alles was man tun kann ist, den “rand”, der doch genauso machtgeil und damit (potenziell) korrupt ist wie die alte riege, zu stärken. aber wahrscheinlich hast du recht, wenn die linke irgendwann mal gezwungen wird, fakten zu schaffen, könnte das vielleicht spannend werden.

9 Hellas 24. Oktober 2008 um 04:34

Hallo Herr Lübberding,

wie muss man sich so ein Chart wie den ersten eigentlich für Europa vorstellen? Ich denke, wir haben hier auch so eine Hase-Igel-Situation, oder?

Gruß

Hellas

10 gojko 24. Oktober 2008 um 08:31

@edicius:
Ich befürchte, daß wir mit der verstärkten Wahl von Randparteien am Ende bei “italienischen Verhältnissen” landen. Denn es scheint mir erwiesen, daß nicht alle dieselbe Randpartei wählen werden.

Letzlich schlägt sich dann die Individualisierung der Gesellschaft auch in der Parteienlandschaft wieder. Bei den Gewerkschaften läuft es ja genauso, Lokführer und Piloten kochen mittlerweile ihr eigenes Süppchen.

Ich fürchte, am Ende wäre Deutschland politisch noch weniger handlungsfähig als aktuell.

Gruß, Gojko.

11 diametral 4. November 2008 um 09:30

@wgn:
Warum wird in der obersten Grafik (246Mrd) mit dem Dreieck in der Prognose für “Q4″ eigentlich ein Integral angedeutet?

Die Werte selbst sollten doch schon die akkumulierten Abschreiber sein?

Andererseits würde eine Integralbildung über den Einzelwerten aller Banken schön zeigen wie hier wieder “0″ (Ausgleich) zu erreichen ist – nämlich nicht damit, daß mal ein Quartal nicht abgeschrieben wird. Sondern, daß erstaml wieder fleissig Gewinn in gleicher Höhe gemscht wird.

Darauf sind wir alle gespannt ;-)

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