Heute ist nichts passiert

von f.luebberding am 16. Oktober 2008

Heute ist nichts passiert. Island ist in Konkurs gegangen. Die Schweiz verstaatlicht die UBS. Die US Industrieproduktion fällt in einem seit 1974 nicht mehr gesehenen Tempo. Zudem sinkt der Baltic Dry Index auf ein beispielloses Niveau. Darin drückt sich der dramatische Rückgang im Welthandel aus. Auch die EZB hat wieder Neues zu melden. Sie reduziert ihre Ansprüche an die bei hier zu hinterlegenden Sicherheiten – und ist neuerdings zum größten Sponsor Ungarns geworden. Wobei uns gleichzeitig ft alphaville darüber informiert, dass eigentlich gar nicht Ungarn, sondern die baltischen Staaten auf Islands Pfaden weilen. Ach ja – und die Ukraine nicht zu vergessen.

Dafür haben Citibank und Merrill Lynch überzeugende Quartalsergebnisse präsentiert. Ihnen geht es jetzt schon viel besser. Bevor ihnen die Kreditkarten um die Ohren fliegen, können sie heute sagen: Wir sind gerüstet! Außerdem haben deutsche Maschinenbauer dramatische Auftragsrückgänge gemeldet. Die deutsche Automobilindustrie ist auch auf einen guten Weg. VW zeigt wie sich die Bewertung eines Unternehmens völlig von seiner realwirtschaftlichen Lage emanzipieren kann. Marx, Karl, wohnhaft in London Highgate, hätte dazu sicherlich etwas zu sagen gehabt. Kann er nur nicht: Er ist ja tot. So müssen wir leider mit den Kommentaren lebender Ökonomen vorlieb nehmen. Die wussten nämlich gestern ganz genau, dass das Wachstum 0,2 % betragen wird oder die Wirtschaftsleistung auch um 0,8 % schrumpfen kann. Aber nur wenn es ganz schlimm kommt. Also wenn im Gegensatz zu heute etwas passiert. 

An den Aktienmärkten ist auch nichts mehr los. Trotzdem soll ein  Aktienhändler diesen Markt für nicht mehr handelbar gehalten haben, sagt die FAZ. Es ist ja auch verwirrend. Erst geht es scharf nach unten, dann wieder in der VW Kurve hoch, um schließlich wieder in der Bankensenke tief zu fallen. Und die US Industrieproduktion? Die muss erst noch eingearbeitet werden. Man kann schließlich nicht an alles denken. Also der Tod sieht anders aus. Dafür hat die FAZ heute die Aktienmärkte in ein anderes Universum transformiert. In einer historischen Erstaufführung sagt sie denkwürdiges:

“Börsenastrologe Karsten Kröncke begründet die anhaltende Talfahrt der Börsen, die auch von den milliardenschweren staatlichen Rettungspaketen nicht aufgehalten wird, mit einer astrologischen Konstellation von Pluto mit Saturn. Kröncke glaubt, dass sich die Lage zum Jahresende wieder bessert. 2009 sei eine instabile Börse mit Trend zur Abwärtsentwicklung zu erwarten.”

In meiner Thunfischdose stand ähnliches. Allerdings wissen wir nicht, welchen Instrumentenkasten Hessens Ministerpräsident Roland Koch benutzt. Er soll für Montag, so das Handelsblatt, das Ende der Finanzkrise ausgerufen haben. Anlass ist die Einigung zwischen Bund und Ländern über die Verteilung anfallenden Bankenmülls. Vielleicht war aber auch der Thunfisch schlecht? Wer weiß das schon außer Börsenastrologe Karsten Kröncke?

Heute ist nichts passiert. Oder doch? Der Autor dieser Zeilen hat sich mit Verschiebebahnhöfen beschäftigt. Im WDR. Zu finden hier

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1 Kuhmikaze Oktober 16, 2008 um 19:12

Sollten die Baltischen Staaten(zumindest Est und Litauen) mit ihren Currency Boards nicht eigentlich vor einem Bankrott gefeit sein?

2 marktlöwe Oktober 16, 2008 um 19:21

85% Einbruch bei der Schiffsfracht, bloß weil keiner mehr die Bezahlung garantiert.
Den Chart nicht bloß des Tages liefert Querschuss:
http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/

Die Fabriken produzieren wie lange auf Halde…?
Produktionseinbrüche sind vorprogrammiert.
Export-und Importhandel werden pulversisiert.

3 f.lübberding Oktober 16, 2008 um 19:29

Was noch nicht passiert ist. Meine Kinder verzichten nicht auf das Taschengeld. Josef Ackermann aber auf seinen Bonus. Beides ist nicht der Rede wert.

4 bluedet Oktober 16, 2008 um 19:32

Ist genug los. Kreditkartenkrise, CDS-Krise, Klimaschutzentscheidungskrise, Entwicklungshilfekrise, Islandkrise, Ungarnkrise, Finanzkrise, noch ein paar nationale Krisen, Absatzkrise, Haushaltskrise?, Rezessionskrise, Währungskrisen?, Konsumkrise, …., dass das Lebens so vielfältig sein kann. Wer hätte das gedacht? Oh je, jetzt auch noch Gold! Schon wieder fast unter 800 $. Goldkrise, Silberkrise, Wertpapierkrise, … habe ich eine übersehen? Politische Krise, soziale Krise, Ehekrise, Selbstmordkrise und
Politikerkrise – denn die Verantwortlichen sind immer noch dran.

5 tschill Oktober 16, 2008 um 19:34

Ich finde die Finanzkrise dufte. Weil ich dadurch euer Blog entdeckt habe. Vielleicht etwas zynisch, diese Aussage. Aber ich trainiere schließlich erst noch für meine Politikerkarriere.

6 Stefan Oktober 16, 2008 um 19:41

Hm hat eigentlich irgendeiner eine Erklärung für vw? Was da abgeht widerspricht *allen* Regeln.

7 otaku Oktober 16, 2008 um 19:49

Tja es ist wirklich nicht passiert….

Man rechnet nur mit rund 1 Milliarde mehr Hungernden, die Anzahl der daraus resultierenden Toten kann man derzeit schwer beziffern.

Einige kriegen den Hals nicht voll auch heute wieder nicht 600 Punkte sind ein Paradies für Daytrades.

Unser Lebensgrundlagen gehen zum Teufel, mit Kosten gegen die das alles hier ein Kinderspiel ist.

3,5 Millionen Menschen in der Arktis innerhalb 50 Jahren, meine Partei ( Milijöpartie, schwed. Grüne ) rechnet für Schweden mit 100 Millionen Einwohner im gleichen Zeitraum und Taiwan, ja Taiwan gehört bald wieder zu China, wenn interessiert den sowas schon….

Die Rohstoffpreise fallen, hiesige Lokalzeitungen jubilieren angesichts der Tatsche das der Benzinpreis um 1 SEK sinkt, das bald auch das Staatsschiff dem Beispiel Irlands folgen könnte wenn der Ostblock nebst den baltischen Staaten absäuft in dessen Ozean die schwedischen Banken Milliarden versenkt haben…

Tja und ansonsten ? Ansonsten wundert mich wirklich nur das alles so ruhig ist… Noch düsterer kann der Horizont kaum noch werden… Eine Frage des Zeit bis wer die Knarren auspackt ?

Wie wird die Welt morgen aussehen ? Was da mit den Schiffen blüht bald der gesamten Infrastruktur, da hilft dann keine Milliardenkur…

Ein alter chinesischer Fluch lautet: ” Mögest du in interessanten Zeiten leben ”

Nun, es ist ja heute nix passiert. Wir schalten um zur Daily Soap.
( Keine Ahnung wie die aktuellen heißen habe seit Jahren keinen TV mehr ) .

In diesem Sinne eine guten Morgen…
Hoffen wir wir uns auch morgen noch treffen können..
Virtuell….

Have fun
Otaku

8 Michael Oktober 16, 2008 um 20:13

@Stefan
Ganz einfach, die Anzahl der leerverkauften Aktien ist höher als die Anzahl der zur Verfügung stehenden Aktien. Wenn der Markt dreht, bricht VW, wie vorher K+S, zusammen. Marktmanipulation durch Derivate. Womit, da der Index als solcher gehandelt wird ein großer Teil der übrigen Indexmitglieder überdurchschnittlich verlieren muß. Der reale DAX steht also nicht bei 4600, sondern ex VW meinetwegen 4000. Aber, in der Tat hat der Aastrologe aus der Thunfischbüchse recht. Es kann und wird durchaus noch tiefer gehen. Der Händler liegt auch richtig, eigentlich sollte man die Börse längere Zeit einfach schließen. Die Derivate, mit denen sie hin- und hergeschaukelt wird, können ja derweil einfach wertlos verfallen.

9 Otto Oktober 16, 2008 um 20:14

MEFO Wechsel? Fing nicht so in den 20er Jahren das Unheil an?
Dass die Reichsbank letzlich alles als Sicherheit akzeptierte, sogar geplatzte Wechsel?
Nun lese ich in der FTD dieses hier:
Zitat:
**************
Die EZB wird die Ratinganforderungen an zahlreiche Sicherheiten erheblich senken. Sie müssen nicht mehr beste Noten haben, um von der Zentralbank akzeptiert zu werden. Künftig können auch Papiere mit Bonitätsnoten von bis zu “BBB-” eingereicht werden – bisher hatte die Grenze bei “A-” gelegen. Ferner können die Banken eine Vielzahl weiterer Wertpapiere als Sicherheiten hinterlegen, unter anderem alle syndizierten Kredite, die nach britischem Recht abgeschlossen wurden, sowie nicht börsennotierte Einlagenzertifikate (Certificates of Deposit).
******
Da kann es ja nicht mehr weit sein………..
GRuss
Otto

10 DoDo Oktober 16, 2008 um 20:15

Hier in Ungarn gibt es weder eine Bankenkrise (keine Derivate) noch eine Hypothekenkrise, so ist es richtig dass eher die Baltischen Staaten auf Islands Pfaden weilen. Die Krise in Ungarn deutet auf einen indirekten Effekt der Kreditkrise hin: Länder mit hohen Haushaltsdefiziten stewhen mit ihren Bedarf an Krediten ziemlich schlecht da, was auch investoren an anderen Märkten und am Devisenmarkt einkalkurieren…

11 Michael Oktober 16, 2008 um 20:23

@Otto

die waren sogar noch werthaltig gegenüber den Superpapierchen, die sich derzeit Rabenpapa Staat selbst unterjubelt. Klar, in patriotischer Pflichterfüllung retten wir globale Banken von vaterlandslosen Gesellen, gell Guido ?

12 Danger Dog Oktober 16, 2008 um 20:26

Die UBS wurde verstaatlicht? Was habe ich verpasst?

13 Terekest Oktober 16, 2008 um 20:53

@ otaku

wie recht du hast, es ist wirklich pervers. Die Welt steht am Abgrund, nicht nur finanziell gesehen, auch moralisch.

Grüße
Terekest

14 staph.aureus Oktober 16, 2008 um 21:04

hallo f.luebberding,

es ist 22:00 Uhr; wie man heute hörte, ist der finanzkapitalismus zusammengebrochen.

Ansonsten steigt der dowjones um 4.3 Prozent, und am Sonntag um 11:30 kommt die Sendung mit der Maus.

Zum Zeitvertreib geht es bis dahin auf Bärenjagd:

http://www.amazon.de/Wir-gehen-B%C3%A4renjagd-Michael-Rosen/dp/3794130596

(hoffe, daß keiner in den Abgrund stürzt)

15 C. Pire Oktober 16, 2008 um 21:12

1000 Mal berührt 1000 Mal ist nichts passiert
1001 Nacht und es hat Zoom gemacht

In welcher Nacht sind wir? Ein Blick auf den Dow … der Verdacht des es sich um eine postmartale Erektion handelt liegt nahe.

(…)
Dennoch wird ab und an unter dem Begriff “postmortale Erektion” von einem angeschwollenen Genital bei Verstorbenen gesprochen. Dies ist eine äußerst seltene Erscheinung, die dann eintritt, wenn der Verstorbene in einer Position verstorben ist oder längere Zeit zu liegen kommt, bei dem das Genital den tiefsten Punkt den Körpers bildet. Durch die Schwerkraft sammeln sich dort dann Blut und Körperflüssigkeiten, die zu einer Schwellung führen können. Auf den ersten Blick ist dies einer Erektion nicht unähnlich.
Da aber der Rückfluß aus dem Genital nicht gehemmt ist, verliert sich diese Schwellung bei einer Umlagerung des Verstorbenen mehr oder weniger schnell wieder. (…)

16 edicius Oktober 16, 2008 um 21:23

Banken und Politik halten hierzulande zusammen wie Pech und Schwefel, auf Gedeih und Verderb. Und wenn alles in Scherben fällt. Wer seinerzeit die OMGUS Berichte gelesen hat, weiß wie’s läuft, seit der ersten großen Krise Ende der 20er. Scheint eine prägende Erfahrung gewesen zu sein…
Und da sie’s jetzt offensichtlich drauf anlegen, und, wenn sie in Presseerklärungen von “Staat” und “Vertrauen” reden, nicht das meinen, was ich meinen würde, sondern ihren Klüngel.. darum werden sie jetzt gemeinsam absaufen, und viele von uns mit ihnen. Das ist das Tragische an der Sache, andererseits: wer sich soviel gefallen lässt, braucht sich hinterher nicht mehr zu wundern oder lamentieren.
Eliten, die nicht rechtzeitig abgelöst werden, die lösen sich selber auf. Per Saldo ist das allerdings das deutlich teurere Verfahren.

17 Unwissender Oktober 16, 2008 um 21:30

UBS = union bank of switzerland
DB = Deutsche Bank – oder evtl. german democratic bank

Ich weissgarnicht(nix) was Ihr habt, eine teilweise oder Verstaatlichung macht doch garnichts, die Namen könnten doch bleiben! Schmunzel – ich fang nicht mit den smilies an!

Alles wird gut !

maus computer

http://de.youtube.com/watch?v=WENSiwR6IoY

18 SD6 Oktober 16, 2008 um 23:29

Laut HaWe Sinn sind jetzt alle(!) Blasen geplatzt, meinte er zumindest eben im Illner-Chat.
Desweiteren ist Sinn der Ansicht das Merkelchens Eigenkapitalspritzen von den Banken nicht angenommen werden weil unsere Management-Elite so verkommen ist das die NIEMALS eine Gehaltsbeschneidung auf lumpige 500k Euro/M akzeptieren und lieber die ganze Wirtschaft absaufen lassen als auf Teile ihres Gehalts zu verzichten.

Aber der Markt oder besser der Mob wird das später schon alles Regeln…

19 Schoerner Oktober 16, 2008 um 23:56

Ein genialer Wurf, dieser Artikel!

20 Nasenbär Oktober 17, 2008 um 01:11

hhm, is schon alles dramatisch wenn man sich das mal unter der Lupe anschaut. Die Kette der Explosionen läuft schon. Man weiß nur nicht wo die Zündschnur entlangläuft LOL. Also: Ich wohne nicht in Island, Ukraine oder Ungarn. SCHWEIN GEHABT. Bis heute. Wer weiß was morgen ist ;-)

21 Franc Meyer Oktober 17, 2008 um 01:14

Es ist etwas passiert:

Der DOW JONES steigt, obwohl es zur Zeit wenig Gründe dafür gibt.

Dem PPT sei Dank!

22 keinschimer Oktober 17, 2008 um 01:31

@unwissender

UBS ist keine abkürzung! es ist nur einfach UBS

ansonsten danke das es euch gibt! super blog!!!

euer treuer leser

23 otaku Oktober 17, 2008 um 03:30

@Terekest
Hey,
alles nicht so schlimm.
Gestern standen wir noch am Abgrund,
heute sind wir einem Schritt weiter.

Der Dow ist schließlich um 5% gestiegen, SPON sagt alles wird gut.

Na dann, guten Morgen…..

Have fun
Otaku

24 Frankie Bernankie Oktober 17, 2008 um 07:26

@terekest und otaku

“Die Welt steht am Abgrund, nicht nur finanziell gesehen, auch moralisch.”

Ob die Welt am Abgrund steht weiss ich nicht. Das Abendland aber schon. Aber das Abendland steht am Abgrund seit es das Abendland gibt, also etwa seit der Zeit Kaiser Ottos I.

Niemand hat uns einen Rosengaretn versprochen und das Leben ist kein Maitanz…

( Aus der “Phraseologie eines Daueroptimisten” von F. B., Landshut, 2008)

25 f.lübberding Oktober 17, 2008 um 08:53

Danger Dog

Die UBS wurde nicht verstaatlicht … . Es wurde nur der Müll aus der Bilanz von UBS vom Staat übernommen und die Bank durch die eine Wandelanleihe rekapitalisiert.

Eines ist allerdings richtig: Ob es sich um ein Verstaatlichung handelt, sprich um den Schutz des Gemeinwohls vor den Folge eines katastrophalen Fehlversagens, wird man erst in Zukunft sehen. Es ist tatsächlich nicht auszuschließen, dass die Staaten nur im Interesse eines bankrotten Systems gehandelt haben – und das Gemeinwohl zugunsten von Partikularinteressen verraten haben. Das wird man sehen. Ich bin optimistimisch – für das Gemeinwohl … .

Staph.Aureus

Das Finanzsystem ist auch nach 1929 nicht zusammengebrochen … . Es gab auch damals bisweilen steigende Kurse an den Aktienmärkten. Wobei in dieser Krise die Aktienmärkte nur als der letzte Domino sind … . Der drohte am Freitag vergangener Woche zu fallen. Sie sind aber nicht die Ursache der Krise – und daher findet man dort auch nicht die Lösung.

26 H.K.Hammersen Oktober 17, 2008 um 09:23

Die eigentliche Ursache der Krise sind die viel zu niedrigen langfristigen Zinsen. Wermuth beklagt in seinem Investment Outlook, dass das klassische Geschäftsmodell nicht funktioniert, wenn die kurzfr. Zinsen höher sind als die langfristigen. Die Folgerung, es müsse für niedrigere Kurzfristzinsen gesorgt werden (und alle Rettungsversuche gehen ja in diese Richtung) sind völlig falsch. Denn was derzeit knapp ist, ist langfristiges K A P I T A L für Zukunftsinvestitionen. Und das kann nur entstehen, wenn der Investitionsanteil am BIP steigt. Konsumverzicht ist also angesagt. Und um die Bereitschaft dazu erhöhen will, muss auch den Lohn dafür erhöhen. Der Weg billigen Geldes für Konsum und schnelle Spekulationen wird uns immer weiter in den Abgrund führen. Der Zeithorizont wird immer kürzer und langfristige Folgen des Handelns werden zurück gedrängt.

27 ergo sum Oktober 17, 2008 um 21:31

@ Frankie (Nr. 24):

Der Untergang des Abendlandes ist kein Momentereignis, sondern ein Prozess, der sich derart langsam vollzieht, dass der Einzelne ihn kaum wahrnimmt. Die Römer wussten überhaupt nie, dass das römische Imperium vorbei war. Noch um 1300 hielt Dante den Kaiser Friedrich II. für den legitimen Amtsnachfolger Julius Caesars.

Vergleichen wir aber das alte Vorkriegsabendland von 1914 mit heute, so lassen sich die laufenden Verfallserscheinungen deutlicher wahrnehmen, obwohl wir sie gern als “Fortschritte” verbuchen.

28 Christian Wagner Oktober 18, 2008 um 12:57

Was ich ja wirklich interessant finde: Island ist de fakto pleite, Ungarn auch (auch wenn behauptet wird, das das mögliche Kreditvolumen mit fast 100% Sicherheit wieder zurückbezahlt wird), USA pumpen Milliarden und Abermilliarden in den Markt und sowohl Obama als auch Mc Cain wollen die Steuern abermals senken, Deutschland ruft mittelts KfW auch ein Konjukturprogramm aus (mal wieder über die “Schattenbuchhaltung),…..sprich: ich höre nur noch Kredit! Nach PeakOil sollte man sich langsam über den Peak Kredit Gedanken machen, sprich: Deflation -> Argentinien -> ich schulde Dir nichts

29 Michael Oktober 18, 2008 um 13:44

@Christian Wagner
Kredit heißt, einer verleiht Geld, einer fragt es nach.

Bei heutigen Bedingungen dürfte aufgrund der völlig normalen Überproduktionskrise und nochmehr extremen Ver- und Überschuldung breiter Schichten nur Kredit nachgefragt werden, der zur Tilgung der Zinsen früherer Kredite dient. Und das ist das Schädliche am System.

Subprime war tatsächlich sowas wie das “letzte Aufgebot”. Mehr ging nicht. Und diese implodierende Verschuldung spricht für eine Abkehr vom heutigen Weltfinanzsystem. Augen zu und durch nach dem Muster vorangegangener Lösungen ist definitiv nicht mehr machbar.

Die Politiker glauben, daß sie in Europa einen Verschuldungsstand bei der breiten Masse hinkriegen, wie es in Amerika üblich zu sein scheint. Da wäre ich mir nicht sicher. Das Beispiel zahlungsunfähiger und kreditunwürdiger US – Konsument zeigt, daß unser umlagefinanziertes Sozialsystem nicht das Schlechteste ist. Auch wenn die Anhebung der Krankenkassenbeiträge nach der Einführung des zentralen Fonds völlig unlogisch ist, die Politiker machen, wie immer das Schlechteste draus. Es zeigt, daß sowas Unprofitables, wie Sparkassen, Sinn machen.

Das dollarzentrierte Weltwährungssystem kann keinen Bestand haben oder die Globalisierung ist zu beenden. Ich bin für Letzteres. Es geht um Arbeitsplätze in Deutschland oder “starken T€uro”. Die Pleite des US – Konsumenten, deren Folge die Pleite der Banken ist und deren weitere Folge eine weltweite Rezession wäre, zeigt, daß in allererster Linie die Politik als Abgesandte der Wirtschaft und Beauftragte der Hochfinanz etwas richtig falsch gemacht hat. Warten wir auf die Lösung. Das wäre im Zweifelsfall eine Diktatur ! Noch ist Zeit, sowas abzuwenden.

30 Guido C. Oktober 18, 2008 um 15:31

“Die Politiker glauben, daß sie in Europa einen Verschuldungsstand bei der breiten Masse hinkriegen, wie es in Amerika üblich zu sein scheint.”

mal sehen ob wir die Amis noch toppen können :-)

Hierzu etwas kurioses aus einem Hartz 4 Forum:

“Bei uns gibt es z.B. die Zwangsverschuldung per Gesetz !

Aus der Krankenversicherungspflicht folgt ein Zwangskredit,
den jeder Zahlungsunfähige aufnehmen muss,
für ausstehende Krankenversicherungsbeiträge.
Das Gesetz verdankt man der Lobby der Krankenversicherungen.
Interessen der Versicherungsnehmer wurden überhaupt nicht berücksichtigt.
Das dürften einige hunderttausend in Deutschland sein, und die Beträge müssen sogar rückwirkend bezahlt werden.. ;-)

31 Karin Oktober 18, 2008 um 21:01

Heute passiert auch nix. Das Wallstreet Journal meldet ING May Seek Aid From Netherlands, aber nur die Financial Times hat vom Kurssturz am Freitag berichtet.

Das Handelsblatt begnügt sich mit 2 Sätzen in einem Übersichtsartikel mit postiver Headline, der sich der Bankenwelt widmet. Nur nicht am Wochende die Diba Kunden erschrecken……

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