Das Klein-klein der deutschen Mainstream-Presse kann mich zwar für gewöhnlich nicht mehr in Erregung versetzen, aber ein Beitrag in Egghat’s Blog, auf den ich erst heute morgen gestoßen bin, schaffte das im Nu. Um ehrlich zu sein: ich liebe solche Stories, daher kann ich gar nicht anders. Ist zwar alles schon ein paar Tage her, und Egghat wie auch andere haben sich um die Aufarbeitung dieses Falls durchaus verdient gemacht, aber dennoch: ein solches Ereignis schreit einfach nach seiner adequaten Würdigung auch hier, in diesem süßen, kleinen Blog.
Was war geschehen?
Beim Handelsblatt schrieb offensichtlich ein VWL-Professor namens Harald Uhlig in seinem Ökonomie-Blog die längste Zeit über dieses und jenes. Was er da alles so von sich gegeben hat, weiss ich leider nicht, denn weder kenne ich den Mann noch habe ich vor heute morgen jemals was von ihm gelesen.
Jedenfalls machte sich besagter Herr Professor auch zur Bankenkrise so seine Gedanken, und weil er offensichtlich zwar seine 5 Sinne noch beisammen hat, aber mit dem Zeitgeist der deutschen Medienlandschaft ansonsten auf Kriegsfuß zu stehen scheint, war er naiv genug, diese in seinem Handelsblatt-Blog auch niederzuschreiben. Und da standen dann halt zB Sätze wie dieser:
“Wenn Sie ein grösseres Konto bei der Commerzbank oder der von ihr geschluckten Dresdner Bank oder UBS oder Fortis haben, so sollten Sie froh sein. Denn noch können sie dort ihr Geld abheben: in aller Ruhe und ohne Schlange zu stehen. Die Einleger scheinen nämlich Nerven aus Stahl zu haben, und das ist gut so. Bisher ist ein bank run auf diese Institutionen ausgeblieben, und dabei könnte es auch bleiben.”
Halten wir an dieser Stelle mal inne. Weissgarnix hat selbst auch ein “größeres Konto” (naja, ist halt alles relativ, nicht wahr?) und zwar bei der Deutschen Bank, in diesen halkyonischen Tagen bekanntlich auch nicht gerade ein Hort unbeschwerter Serenität. Und mich, wie alle anderen Inhaber von “größeren Konten”, treiben ziemlich sicher die gleichen Gedanken um, wie die, die Herr Professor hier zu Protokoll gibt (vielleicht hat er ja selber auch so ein Konto, wer weiss), und viele andere Damen und Herren machen sich diese Gedanken ebenfalls, u.a. eine gewisse Frau Angela Merkel und ihr neuerdings treuer Begleiter und bester Freund, Herr Peer Steinbrück. Die machen sich über diese Thematik sogar so bedeutungsschwere Gedanken, dass sie beschlossen haben, die Guthaben auf allen derartigen Konten mal schwuppdiwupp auf ihr eigenes umzubuchen, das mit der schönen, den süßen Duft von allgemeiner Beruhigung verströmenden Bezeichnung “Staat”. Für dieses Konto haben die beiden zwar nur treuhänderische Funktion, gleichwohl sind sie aber zeichnungsberechtigt, und das reicht für den guten Zweck völlig aus.
Langer Rede kurzer Sinn: Herr Professor ist mit diesen Gedanken bei Gott nicht “off-stream”, die obige Passage mag zwar CoBank, UBS oder Fortis nicht gefallen, aber who gives a shit? Ist halt so, die Jungs dort haben sich ihre Grütze ja immerhin selber eingebrockt, also sollen sie jetzt bitte keinen auf Weicheier machen. Tun sie übrigens in vielen Fällen auch nicht.
Aber Herr Professor ging in seinem Blog noch weiter (übrigens: zum Original verlinken ist leider nicht, weil das Handelsblatt hat den ursprünglichen Text gelöscht, danke daher an Blogbar).
“Dabei stehen die Zeichen schon lange an der Wand. Die Dresdner Bank hat sich mit ihrem K2 Fond verspekuliert, und war schon lange das Sorgenkind der Allianz. Die Chinesen wollten die Dresdner nicht: nun hat die Commerzbank sie geschluckt. Mittelfristig sicher eine gute Idee – man kann im gemeinsamen Filialgeschäft viel sparen – aber kurzfristig ist das ein schwer verdaulicher Brocken, und die Risiken sind da.”
Das hat er aber schön gesagt, unser Herr Professor, weil genauso sieht es aus. Und sehr höflich hat er das auch noch formuliert, ich hätte da selbst ganz andere Worte gefunden, was etwa dieser frühe Beitrag von mir, mit dem hübschen Titel “Die Deppen im eigenen Haus hält selbst die Allianz nicht aus“ deutlich unter Beweis stellen sollte. Die Commerzbank hat eine strategisch interessante Akquisition getätigt, aber hinsichtlich der kurzfristigen Risiken kann man ihr nur wünschen, dass ihre Rechtsberater im Kaufvertrag unter den “Reps & Warranties” nicht mit Druckertinte gespart haben. Ansonsten verschwindet womöglich zum Jahreswechsel nicht nur die Marke “Dresdner Bank”, sondern kurz danach “Commerzbank” gleich dazu. Und niemandem würde das mehr leidtun als mir, weil die Commerzbank ist in vielerlei Dingen wirklich hervorragend.
“Die Aktie der Commerzbank hat seit Juli 2007 fast 60 Prozent verloren – so berichtete die FAZ am Samstag. Ich denke, der Aktienmarkt weiss schon warum. Und sollte es einen run auf die Commerzbank geben, dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Einlagensicherung des Bankenverbandes der Privatbanken ist nach dem Lehmann-Untergang so gut wie pleite.”
OK, dies nun der Schlußsatz von unserem Professore, vermutlich die Passage, bei der den Handelsblatt-Oberen der 10 Uhr-Knoppers in den Pott Kaffee gefallen ist. Einerseits, weil darin die “FAZ” erwähnt wird, und das geht ja schon mal gar nicht, gell?, und andererseits, weil darin auf eine drohende Pleite der Commerzbank spekuliert wird. Gewissermaßen ist das also die “Smoking Gun”, die alles weitere veranlasste.
Das Handelsblatt hat obigen Text in seinem Blog kurz nach Erscheinen gelöscht, was der Autor mit folgendem Statement kommentierte:
Mein letzter Blog-Eintrag vom Sonntag wurde von der Redaktion des Handelsblatts gelöscht und ist daher hier nicht mehr verfügbar. Ich habe versucht, gegenwärtigen Ereignissen meine eigene Interpretation zu geben, die man teilen mag oder nicht oder die man sonstwie bewerten mag. Es ist meine feste Auffassung, daß die ungefilterte Interpretation (ausgeschlossen Beleidigungen etc.) und die Diskussion darum mit den Lesern die Kernfunktion eines funktionierenden Blogs ist. Aufgrund dieses Prinzips habe ich keinen Beitrag meiner Leser gelöscht, es sei denn, es handelte sich offensichtlich um Spam. Aufgrund des gleichen Prinzips habe ich mich daher entschlossen, daß mir kein anderer Weg bleibt als die Bitte an die Handelsblatt-Redaktion, meinen Blog zu schließen. Ich gehe davon aus, daß das bald passieren wird, und das dies mein letzter Eintrag ist. Ich danke dem Handelsblatt für die Möglichkeit und das in mich gesetzte Vertrauen, mit diesem Blog meinen Beitrag zu den Diskussionen leisten zu dürfen, und ich danke allen Lesern für Ihr Interesse und Ihre Beiträge. Mir hat es Spaß gemacht, und es tut mir aufrichtig leid, daß es nun vorbei ist. Ich hoffe, es geht Ihnen ebenso. Ich wünsche allen in diesen Zeiten viel Glück und Erfolg.
Tja, da ging er hin, unser Professor, und ward nie wieder gesehen … Wie gesagt, ich kenne ihn nicht, aber sein Verständnis eines “Blogs” deckt sich so ziemlich mit meinem. Jedenfalls scheint dieser Professor Uhlig ein recht integres Kerlchen zu sein, der sich die aufrichtige Mühe machen wollte, für schmales Geld (wenn überhaupt) seinen deutschen MitbürgerInnen (soll keiner sagen, auch ich hätte nicht ein wenig was von Political Correctness) das näher zu bringen, wovon alle Wirtschaftszeitungen regelmäßig eh keine Ahnung haben, nämlich Wirtschaft. Und dieses Anliegen ehrt ihn.
Wie aber reagierte darauf das Handelsblatt? – Primär über ihren Reporter Thomas Knüwer und dessen eigenen Blog, wo es uns unter dem Titel “Harald Uhlig und die Erkenntnis der eigenen Lernbedürftigkeit” folgendes bestellt:
“Der VWL-Professor Harald Uhlig führte bisher ein Blog für das Handelsblatt. Am vergangenen Wochenende veröffentlichte er dort einen Artikel, der grenzwertig war, möglicherweise gar rechtlich problematisch hätte werden können. Dieser Artikel wurde auf Weisung der Chefredaktion gelöscht.”
Lieber Thomas Knüwer, bei allem Verständnis dafür, dass auch Sie am Monatsersten ihre Miete irgendwie bezahlen müssen: wo war denn auch nur irgendwas in dem oben analysierten Uhlig-Artikel “grenzwertig” oder gar “rechtlich problematisch”, wollen Sie mir das bitte mal verraten? Mal ganz abgesehen davon, dass in Blogs ohnehin klar die Meinung des Autors zum Ausdruck kommt und kein Mensch dieser Erde das Elaborat dem redaktionellen Teil des Handelsblatts zugeordnet hätte, welche Formulierung wäre für einen der zur Debatte stehenden Rechtsverstöße in Frage gekommen? Das würde mich aber mal echt interessieren.
“Dieses Vorgehen war auf zwei Ebenen ein Fehler: Zum einen hätte der Artikel verändert werden können, zum anderen wurde nicht mit Herrn Uhlig kommuniziert.”
Mein Allerbester, der Fehler lag vor allem darin, die Eva Herman aus dem Studio zu schick.., äh sorry, den Beitrag zu löschen, ohne jedweden ersichtlichen Grund! Da hilft jetzt kein politisch-korrektes Gewinsel mehr à la “ja, das hätte man auch anders machen können, aber in der Kürze der Zeit, da mußten wir handeln” und ähnlicher Müll. Für Leute, die sich so verhalten, gibt es einen international gültigen Fachbegriff: LOSER!
Aber unser Tommy aus der Redaktion hat gleichwohl köstlichen Humor:
“Vielleicht wäre die Sache anders verlaufen, hätte es sich nicht um ein Wochenende gehandelt. Doch an einem Wochenende sind die Redaktionen dünner besetzt und die handelnden Personen schlechter ansprechbar.”
Gott, was habe ich bei dieser Passage gelacht. Ein echter Kalauer in Zeiten wie diesen, wo von “Bankenrettungen” über “G8-Krisensitzungen” so ziemlich alles am Wochenende stattzufinden scheint, und die Redaktionen der Welt vermutlich ganze journalistische SWAT-Teams zum Sa/So-Dienst verdonnern, mit dem Herrn Chefredakteur in telefonischer Rufbereitschaft … da sollen wir das glauben? Im Ernst? – Come on …
“Trotzdem: Es ist alles so gelaufen, wie es nicht laufen darf. Die Aufregung in der Blog-Szene darüber ist für mich nachvollziehbar, wenn auch manchmal ein wenig übertrieben.”
Tja, Tommy, scheinst ein smartes Kerlchen zu sein, aber so smart dann eben doch wieder nicht, weil die Punchline ist Dir leider gänzlich entgangen: bei “Blogs” handelt es sich, selbst wenn sie auf der Website der Vatican-Press herausgegeben werden, erwartungsgemäß um die “Meinung des Autors”. Schon mal was davon gehört? Schon mal bei Leutchen wie Krugman in der NY-Times oder Willem Buiter in der FT gelesen, was die darunter verstehen? Da würden aber der Chefredaktion des Possenblatts ziemlich die Ohren anlaufen, mein lieber Schwager … Buiter vor ein paar Tagen zB im Originalton, nach Diktion der Handelsblatt-Chefredaktion gewiss “grenzwertig und rechtlich bedenklich”: ALLE Banken der Nordatlantik-Region sind ausnahmslos pleite! Übrigens gleichlautend ein Wolfgang Münchau selbst im redaktionellen Teil der FTD, vor ein paar Monaten bereits. Und im Handelsblatt-Blog eines gewissen Herrn Professor Uhlig wäre das nicht zulässig, und sollte daher modifiziert oder gelöscht werden, aber nur “nach vorheriger Kommunikation” mit dem Autor? Mein lieber Mann, das sind ja tolle berufsethische Standards.
Die beiden Chefredakteure Bernd Ziesemer und Sven Scheffler, die für dieses wackere Beispiel an journalistischer Integrität verantwortlich zeichnen, kommen aber in Tommy’s Blog auch selbst noch zu Wort:
“Grund für unsere Entscheidung war die Befürchtung, dass der Blog-Beitrag von Herrn Uhlig in der Öffentlichkeit irrtümlich nicht als die persönliche Meinung eines Wissenschaftlers, sondern als redaktioneller Beitrag des Handelsblatt wahrgenommen werden könnte und der Eindruck entsteht, das Handelsblatt rufe zu einem „Run“ auf die Commerzbank und andere Finanzhäuser auf.”
Mein Gott, welch lachhafte Selbstüberschätzung! Wer liest denn in Deutschland das Handelsblatt, ha? Etwa die breite Masse an Leutchen, die wegen des Blogbeitrags eines gewissen Herrn Professor Sowieso sofort losrennen und einen “Run” starten würden? – Da darf ich doch noch einmal ganz kräftig lachen! Die Auswirkung, die die Chefredakteure hier angeblich befürchteten, hätte sich überhaupt nur ergeben können, wenn der Professor a) in seinem Blog zu einem Run aufgerufen hätte, was er aber nicht hat und b) die großen Massenblätter, allen voran die Bild, auf den Zug aufgesprungen wären und aus einem obskuren Blog-Eintrag eine Titelzeile gemacht hätten. So bescheuert sind aber bekanntlich nicht mal die.
Daher, meine sehr verehrten Herrn Chefredakteure, ich kenne wirklich eine Menge Leute in der Banken- und Finanzbranche, denen momentan der Arsch auf Grundeis geht. Aber solche offensichtlichen, Sie verzeihen, ”Hosenscheisser” wie Sie beide sind mir seit Ausbruch der Krise noch nicht untergekommen.
“In einer Situation, die ohnehin sehr fragil ist, wollten wir jedes Risiko ausschließen, durch missverständliche Äußerungen eine Panik in der deutschen Finanzindustrie zu verursachen. Dies haben wir höher bewertet als die Meinungsfreiheit unseres Bloggers.”
Jaja, schon verstanden, “Autobahn, nee, das geht gar nicht!” …
Aber mal im Ernst: lesen Sie gelegentlich auch noch andere Zeitungen außer Ihrer eigenen? Haben Sie mal gecheckt, was Leute wie Münchau, Zeise, “das Kapital”, etc. in den letzten Tagen so von sich gaben, selbst im redaktionellen Teil? Und vertreten Sie ernsthaft den Standpunkt, dass sich darob nicht schon längst ein “Run” ergeben hätte, wenn das der Gemütslage der deutschen Bevölkerung entspräche?
Und darüberhinaus: wenn besagter Herr Professor Uhlig tatsächlich in seinem Blog Fakten offeriert hätte, die Ihre Leser, bei Lichte betrachtet, zurecht dazu veranlassen könnten, zur Bank zu stürmen, und ihr Geld abzuheben, dann meinen Sie also, diese hätte man unter Verschluß halten müssen?
Aus Rücksicht auf die “deutsche Finanzindustrie”?
Aha …















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Wenn die Gefahr besteht, dass das Geld auf einer Bank nicht mehr sicher ist, soll man es sagen dürfen und ggf. abheben.
Wenn alle ihr Geld abheben, muß die Bank halt verstaatlicht werden. Wo ist das Problem?
Panik entsteht, weil niemand der letzte sein will. Panik wird vermieden wenn der letzte Alle sind.
Das Handelsblatt hat wahrscheinlich riesige Werbeeinnahmen von Allianz, CoBank, ComDirekt etc..
Nachtrag:
Ich stelle hier mal den Link zu Wolfgang Münchaus redaktionellem Beitrag in der FTD vom 30.09. “Keine Bank ist sicher” hier rein. Der geneigte Leser möge die darin gemachten Aussagen mit den obigen von Uhlig vergleichen, und sich selbst davon ein Bild machen, was von der angeblichen “Befürchtung einer Panik” der Herren Ziesemer und Scheffler zu halten ist: NADA!
Highlights:
“Jeden Tag eine Bank. Heute Fortis, dann Dexia und zwischendurch auch noch die Hypo Real Estate. In allen Ecken Europas wackeln Banken, und in den USA ist der bislang einzige Gesamtplan einer Rettung gescheitert. Die Gefahr einer Kernschmelze des globalen Finanzsystems ist in den vergangenen drei Tagen rasant gestiegen.”
“Dieser Plan müsste zunächst den “Deutsche-Bank-Test” bestehen. Er müsste die Frage beantworten können, um die sich hiesige Politiker und Notenbanker immer gedrückt haben: Was passiert, wenn Deutschlands größte Bank pleitegeht? Wie die Ökonomen Daniel Gros und Stefano Micossi schon vor ein paar Tagen geschrieben haben, ist die Deutsche Bank nicht nur zu groß, als dass man sie fallen lassen kann. Die Situation ist prekärer: Sie ist zu groß, um gerettet zu werden. Der deutsche Staat würde sich verheben.”
“Ich weiß, es ist nicht fein, solche Überlegungen öffentlich anzustellen. Aber die Zeit des Schönredens ist vorbei. In den Geldmärkten vertrauen die Banken einander nicht. Warum soll dann der Rest der Gesellschaft den Banken vertrauen? Die Wahrheit ist, dass es keine sichere Bank geben kann.”
http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Wolfgang-M%FCnchau-Keine-Bank-ist-sicher/420353.html
Ganz großes Kino! Klasse!
Wie wäre es, Herrn Professor Uhlig eine neue Blog-Unterkunft in dieser Wordpress Installation hier anzubieten?
Alte klingonische Weisheit: “All you have to fear is the fear itself”.
Naja, Banker sind keine Klingonen…
Richtig, Banker sind Ferengi.
@Flirrr
Was, ich und der ehrenwerte Lübberdings sollen uns mit elenden “Einlagensicherheits”-Leugnern eine Platform teilen???Das kommt ja wohl überhaupt nicht in die Tüte!
@ Nixda
Siehe P. Krugman heute:
The only thing we have to fear is fear itself. Fear and negative equity … The two things we have to fear are fear itself and negative equity, and the depleted capital of financial institutions … Amongst the things we have to fear are fear itself, negative equity, and the depleted capital of financial institutions.
http://krugman.blogs.nytimes.com/2008/10/08/a-morning-thought/
http://farm4.static.flickr.com/3032/2907264930_2de0b80d28.jpg
Jemand hat mich gerufen???
Zur Person (jetzt ziehe ich das Niveau entgültig runter
http://www.welt.de/wirtschaft/article860747/Wissenschaftler_sind_hier_oft_isoliert.html
Uhlig hatte bereits nach den Schlangen vor der Northern Rock zwei Beiträge über die Einlagensicherung verfasst. Damals waren die Nerven der Handelsblatt-Redakteure wohl noch etwas entspannter. Sie sind unter dem entsprechenden Monat im Blog-Archiv zu finden.
Dienstag, 18.09.2007
Die Welt-Finanzkrise: Northern Rock in England – Bankenpanik in Deutschland?
Sonntag, 23.09.2007
Die Welt-Finanzkrise: Wie sicher sind Sparkonten in Deutschland?
Ja, eine abgeschwächte Art von „Bank-Run“ findet wohl statt, ABER:
Ich habe den Eindruck, dass diesbezüglich tatsächlich mal ein Verantwortlicher rechtzeitig Vorkehrungen getroffen hat.
So hat etwa meine Mutter am Montag von ihrem Giro-Konto bei der Sparkasse einen Teil ihres Geldes abgehoben. Insgesamt braucht sie gerade das Geld für einen Klein-Wagen von VW. 5.000 konnte sie sofort mitnehmen, der Rest soll am Donnerstag vorrätig sein. Sie wurde auf eine „Reservierungs-Liste“ gesetzt, offensichtlich gängige Praxis bei grösseren Beträgen.
Laut dottore sind ja mehr als 400 Mrd. von insgesamt mehr als 500 Mrd. privater Spargelder mit mind. 3-monatigem Kündigungsschutz angelegt.
Wie hier schon festgestellt wurde, ist es zunächst ein logistisches Problem, dass aber offensichtlich im Vorfeld erkannt und zufriedenstellend gelöst wurde.
Wenn ein Teil, selbst ein grosser Teil, der Bevölkerung das Geld bar abzieht und unter dem Kopfkissen bunkert ist es nicht Nachfrage-wirksam und wirkt nicht inflationär. Ich kann mir daher vorstellen, dass die EZB zusätzliche Banknoten bereitstellt, nur zu dem Zweck die Geldhortungswünsche verunsicherter Sparer zu bedienen. An Bargeld soll es also nicht mangeln, es wird gedruckt und geliefert was gebraucht wird.
Wenn sich die „Geldhortungssituation“ wieder normalisieren sollte, kann die EZB diese Bar-Geldmenge wieder neutralisieren. Es wäre das gleiche Verfahren, dass sie bisher auf dem Interbanken-Geldmarkt praktiziert hat: Tender zur Verfügung stellen und bei Normalisierung wieder entziehen, nur jetzt das gleiche eben mit Banknoten: ein “Bargeld-Tender”.
Das würde bedeuten, dass (bis auf weiteres) weder im Interbanken-Geldmarkt noch durch die Bargeldhortung der Bürger das morbide Bankensystem umgerissen wird. Das wäre erfreulich. Aber:
Das funktioniert nicht ewig. Die Krise eskaliert weiter, jetzt hat sie die Geldautomaten erreicht und jetzt hat sie auch die Realwirtschaft erreicht.
Upps. Der Satz, der sich auf das Niveau bezog, war natürlich auf die Welt gemünzt, ich schätze Herrn Prof Uhlig als Autor, gerade weil ich von VWL keine Ahnung habe.
> wgn
Ich teile deine Wut. Was du hier entrüstest beschreibst, ist aber Alltag in der deutschen Landpresse. Banken dürfen bis heute ihre verharmlosenden Statements in den Lokal- und Regionalseiten ausbreiten. Sie dürfen zudem nicht nur in Anzeigen sondern auch redaktionell für ihre Produkte werben und seien sie in der derzeitigen Krisensituation noch so schwachsinnig. Kritische Nachfragen und kritische Analysen in Leserbriefen oder Artikeln werden regelrecht abgeblockt und zwar gerade dann, wenn sie im Kern deutlich darauf hinweisen, dass Geld auf Konten derzeit eine hochspekulative Anlageform ist und es für Nichtspekulanten es deshalb besser sein könnte es unter das Kopfkissen zu schieben. Ein sehr guter Rat, der der tatsächlichen Situation gerecht wird. Gleichwohl wird derartiges von der Presse rigeros abgeblockt. Dabei gilt folgender Grundsatz: Je kleiner das Blatt, desto mehr Schiss haben die Redakteure. Schließlich will man ja die einnahmenträchtige Werbung der lokalen und regionalen Banken nicht schmälern.
Ist das vorauseilender Gehorsam? Die brauchen heute keinen Diktator /keine Zensur mehr. Das erledigen die selber, – die freie Presse, welche am Finanztropfer hängt.
Was bleibt: Dein Blog und…
der Marktplatz der jeweiligen Gemeinde. Dort kann man ordentlich Plakatständer für eine Woche anmelden, aufstellen und den gewünschten und verhinderten Artikel vergrößert der Marktöffentlichkeit zur Kenntnis bringen. Das nennt man dann außerparlamentarische und redaktionelle Oppositon.
Toll.
Fundstück aus der FAZ – wo wir doch gerade beim publizieren sind:
Auch von [Friedrich] Merz erscheint dieser Tage ein neues Buch, in dem der CDU-Politiker seine „Wege zu einer gerechten Gesellschaft“ skizziert. Welches aber ist, gemäß Buchtitel, der Königsweg?
„Mehr Kapitalismus wagen“.
Damit, prophezeite der Piper-Verlag schon vor Wochen, werde sich Merz „gegen den Zeitgeist stellen“. Wie sehr sie hier ins Schwarze treffen, haben sie bei Piper nicht ahnen können: Bei seinem waghalsigen Kampf für mehr Kapitalismus hat Merz inzwischen ja sogar Josef Ackermann gegen sich.
Geplant als gemäßigt provokante Streitschrift, scheint das Merz-Werk für den Verlag zum Risikopapier zu werden. Auf direktem Weg zur Resterampe, tauglich allenfalls als Scherzartikel unter entlassenen Bankern. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass von Merz zur Finanzkrise noch nichts zu hören war: Womöglich schreibt er gerade eilig sein Buch um.
)
Können die Banken nicht Geldscheine im Keller lagern, die noch kein Bargeld sind, also erst durch Authorisierung durch die Zentralbank und einen entsprechenden Geldtransfer ausgezahlt werden dürfen?
Damit wäre doch das Auszahlproblem mangels Geldscheinen gelöst.
Der arme Professor! Nur – Wo ist hier die Nachricht?
Es hat ja seinen Grund, warum die etablierten Medien Leser verlieren, warum man eben auf nicht offiziöse Publikationen ausweicht, wie eben diesen Blog hier.
Es ist gar im ganz großen Bilde ein viel schwerwiegenderes Problem, daß es eben in den Medien von Bedenkenträgern wimmelt, denen es primär nicht um das Verdienen von Geld geht, was sich nicht nur durch genaue Nachrichtenübermittlung, sondern auch genaue Prognosen in die Zukunft optimieren ließe. Und solche Prognosen sind unter Umständen nicht erwünscht, ziehen aber langfristig Leser an und steigern das Prestige, wenn sie denn richtig liegen .
Ebenso in der Politik: Alle suchen die Mitte, den Durchschnitt. Unglücklicherweise also auch hier kein Wettbewerb, sondern more of the same.
Den Vogel schießen neuerdings aber die großen Notenbanken ab, die immer mehr ein nahezu konkurrenzloses Kartell bilden.
Nun beruht Kapitalismus aber eben auf Diskurs, Diskussion, Wettbewerb. Etwas was Medien, Politik und auch die Notenbanken untereinander immer weniger leisten. Wundern muß man sich also nicht!
Zudem fühle ich mich zur Zeit als Bär und Goldbug noch immer ein bißchen diskriminiert. Haben die Herrschaften Hochredner, Beruhiger und Gelddrucker eigentlich schon mal erwägt, daß sie mit ihren Handlungen “dem Markt” nicht nützen, sondern nur den Marktteilnehmern, die bzgl. Aktien nicht short und bzgl. Gold nicht long sind?
Danke für den Artikel! Herrlich!
Ich hab mir das geklemmt, weil weissgarnix sowas definitiv besser kann! (kann man das irgendwo lernen?)
Ich empfehle übrigens das aktuelle Statement der Kaupthing Bank zur Sicherheit der Einlagen. Das kann man auch auf herrliche Weise zerpflücken … Am besten mit einem Vergleich zu Aussagen einer deutschen Bank oder eines deutschen Mainstreampresseorgans.
@Goldenes Kalb #15
Das war jetzt sicher ein Scherz…oder Ironie…oder sowas…bitte!
Inflation lalala
Schaut euch mal die amerikanischen Staatsanleihen an…
Was da in letzter Zeit abgeht ist Paranormal…
bei 10 Jährigen 3.4110 – 3.5640 day range und schaut mal auf die Uhr da wird richtig Geld verbrannt autsch…
Hallo,
ich habe nicht den Anspruch, jeden Artikel zu kommentieren, aber: Vielen Dank für diesen, er ist super!
Im übrigen nur EIN Highlight in unserer gleichgeschalteten Mediensuppe (Ich weiß, ich weiß. “Gleichgeschaltet” geht gar nicht).
Grüße
Spitzenklasse, danke für den Artikel!
Naja, du hast ja schon Recht, ganz klar..
Aber naiv bist du ja sicher nicht und weißt daher auch dass diese Art der Zensur die Normalität in allen Medien ist. Ich hätte an Stelle des Handelsblattes im Zweifel auch so gehandelt. Ich bin auch sicher, dass im Falle eines angehenden Bank-Runs nicht in den Medien darüber berichtet wird.
Nur es sind die Mainstream Medien und jeder weiß wie er welche Informationen hier zu sortieren, gewichten und interpretieren hat.
Abschließend muss man sagen: Schön das Zensur hier angeprangert wird, denn auch wenn man weiß wie es läuft, kann man die zunehmende Vernetzung und steigende Bedeutung des www zum Öffnen der Augen von so manchen Mitmenschen nutzen.
Dafür besten Dank und weiter so!
Was darf man eigentlich öffentlich sagen? Nehmen wir mal an, daß in ganz normalen Zeiten wie z.B. November 2005 die Bildzeitung folgendes geschrieben hätte:
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“POSTBANK PLEITE?
Die Spareinlagen bei der Postbank sind nach Informationen unserer besonders gut informierten Finanzspezialisten nicht mehr sicher. Jeder Postbankkunde wird wahrscheinlich bald keinen Euro mehr abheben können! Sein Geld ist bald WEG!!!”
———————————————————————-
Wenn diese Aussage zu einem bank run geführt hätte und die Postbank daraufhin tatsächlich insolvent geworden wäre, wäre das dann eine Straftat der Bildzeitung gewesen? Oder könnten sie hinterher sagen: “Seht Ihr, jetzt isse tatsächlich pleite. Haben wir doch gleich gesagt.”
Gefühlsmäßig würde ich vermuten, daß Bild da gewaltig Ärger gekriegt hätte. Wenn ich mir dann aber noch die Frage stelle, wo der RECHTLICHE Unterschied zu der heutigen Situation ist, dann bin ich ziemlich ratlos.
=> Ich fange an zu glauben, daß man auch heute Ärger mit der Judikative kriegen kann, wenn man nicht (entgegen besserem Wissen) schreibt, daß alle Banken total sicher sind.
Was denkt Ihr? Wo endet Aufklärung und beginnt Rufschädigung / Landfriedensbruch / Volksverhetzung oder wie auch immer man das nennt?
Dayzz
Danke WGN,
Danke, und nochmals Danke für deinen Blog hier.
Und dieser Beitrag “made my night”! Was habe ich gelacht, in diesen Sch… Zeiten brauch ich sowas.
Nach dem Reset können diese Loser ja beim “Neuen Deutschland” anfangen!
Ein Bitte noch, das die Zeiten rasend schnell sind und die Beiträge von Dir und Hr. Lübberding nur so rein rasseln, könntet ihr zum Datum viell. noch Time-Stamp machen? Damit man weiss ob der Beitrag vor oder nach dem “final-count-down” verfasst wurde.
Danke und Gruß McShorty
Hammer gut geschieben, Respekt.
Wie sagt man so schoen? Das einzige, was an deutschen Journalisten kritisch ist, ist ihr Geisteszustand…
@Johnny Hector
Runs gibt es, hundertfach, vielleicht tausendfach, vielleich Panik. Wem nutzt es, wem schadet es ? Nutzem tut es keinem. Aber es schadet, ganz gewaltig. Einklinken, Nachdenken !
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